Bezugspreis 80 pfg. monatlich vierteljährlich 3,40Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,80 Mk. — Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gießcuer Zeitung". Gießen. Expedition: Südanlage 21. Anzeigenpreis 24 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 36 Pfg. Die 90 mm breite Reklame- Z eile 100 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bet Ueberschreitung des ZahlungL- zieles (30 Taue), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneVerbindlichkeit. Druck der Gießcner Verlagödruckerei, Albin Klein. Nr. 84. Telephon Nr.362. Dienstag den 24. September 1918. Telephon Nr. 3«2. _ 31. Jahrg. Schwere englische Niederlage. Größere seir-VLichs Angriffe an der Mosel abgewiesen. 14006 3506© ii. 20@00 Br.-R-T. = zusamMen 69000 Br.-R.-T. versenkt. JfmnUbe äeullcde QgrLdrricdit. wtb. Großes Hauptquartier, 21. Scpt. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: 'Heeresgruppe Kronprinz Nuppcecht. Oestlich von Merkem wurde ein belgischer Teilan- griff abgewiescn. Rege EikundungsLättgkeit zwischen Lys und Scarpe. Bet Abwehr englischer Bataillone, die nördlich von La Bassee vorsticßen, machten wtr 50 Gefangene. Heeresgruppe Boehn. Zwischen Gouzeaucourt und der Somme zeitweilig starke Artillerietätigkeit. Ein englischer Teilangriff nordwestlich von Bellicourt scheiterte vor unseren Linien. Südlich der Somme nahmen wir unsere noch weit vor der Stellung belassenen Vortruppen auf diese zurück und räumten somit auch Effigny le-Grand. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Vauxaillon und Jouy folgten am Abend heftigem Feuer Kindliche Angriffe. Auf dem Höhenrücken westlich von Jouy faßte der Feind Fuß; im übrigen wurde er abgewiesen. Heeresgruppen Gollwitz und Herzog Albrecht. keine besondere Gefechtstätigkeit. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. * Berlin, 21. Sept., abends. Vor unsere Stegfried- front zwischen dem Walde von Gouzeaucourt und Harqi- court sind große einheitliche Angriffe der Engländer unter schwersten Verlusten für den Feind gescheitert. i+i Berlin 21. Sept. Im Sperrgebiet um England wurden von unfern Unterseebooten 14 000 Bruttr- registertonnen versenkt. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. » wtb. GroßesHauptquartier, 22. Sept. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Westlich von Flembcnx und südlich von Havrrncouct wurden englische Teilangriffe, nördlich der Scarpe stacke Vorstöße des Feindes abgcw'.esen. Eigene Unternehmungen bei Moeuvccs brachten 45 Gesäugen ein. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehn. Nach den vergeblichen Teilangriffen der beiden letzten Tage holte dec Engländer gestern wieder zu großem einheitlichen Angriff aus. Sein Ziel war der Durchbruch südlich von Eambrai. Unter dem Schutze einer dichten Feuerwelle trat die englische Infanterie, von Panzer, wagen und Fliegern begleitet, zwischen dem Walde von Gouzeaucourst und Hacgtcourt am frühen Morgen zum Angriff an. Wir hatten in Erwartung des feindlichen Angriffs in der Nacht vom 19. zum 20. die Verteidigung von dem freien Gelände östlich Epihy die alten englischen Stellungen zwischen Villers Gutslain und Bellecouct verlegt. Als der zum Angriff tiefgegliederte Feind die Höhen hinab gegen unsere Linien anstürmte, empfing ihn das vorbereitete Abwehrfeuer unserer Artillerie, Infanterie und Maschinengewchce. Der Angriff blieb vor unseren Linien liegen. Nach stärkster Feuecvoibe- reitung setzte dec Feind zu erneutem Angriff an. Auch dieser zweite Ansturm scheiterte. In den Südwestteil von Biller Guislain und in das Gehöft Qucnnemont drang der Engländer vorübergehend ein. Hier warf ihn sofortiger Gegenstoß wieder zurück. Am Abend und während der Nacht folgten stärkstem Artilleriefeuer nochmals heftige Angriffe, die abgewiesen wurden. — Dec gestrige Kampftag war in dem schweren Ringen an der Westfront ein besonders erfolgreicher Tag. Deutsche Jäger und Kovallerieschützenregimcnter, oft- und weft- pceutzische, posensche, niederschlesische und westfälische, rheinische, bayerische Regimenter und Gardetruppen haben dem Engländer gestern eine schwere Niederlage zugefügt. An seiner ganzen Anqriffsfront hat er schwerste Verluste erlitten. Unserer Artillerie fällt ein Hauptanteil an dem vollen Erfolg zu. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und Airne blieb die Artillerietätig- keit tagsüber in mäßigen Grenzen. Sie lebte am Abend in Verbindung mit heftigen Teilkämpfen östlich von Vauxaillon, am Gehöft Vauxains und nordwestlich von Bailly auf. Der Erste Generalquartiermeifter: Ludendorff. + Berlin, 22. Sept., abends. Von den Kampffronten nichts Neues. Berlin, 22. Sept. Im Atlantic versenkten unsere Unterseeboote 32 060 Bruttoregistertonnen. Die für unsere Feinde bestimmten Ladungen bestanden, soweit festgestellt werden konnte, aus besonders wertvollen Gütern, u. a. aus Kohlen, Baumwolle, Petroleum, Holz, Stück. Mein und Lebenmitteln. Tie Versenkung mehrerer Schiffsladungen Kohle ist besonders bedeutungsvoll im Hinblick auf die wachsende Kohlennot in allen feindlichen Ländern. Der Chef des Admiralstabes der Marine. + wtb. Großes Hauptquartier, 23. Sept. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht. Bei örtlicher Unternehmung südlich von Neuve Chapclle machten wir Gefangene. Die Artillerietätigkett lebte zwisch n Ipern und La Bassee, beiderseits dec Scarpe und am Kanalabschnilt südlich von Maiquion auf. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehn. In den Abschnitten östlich und südöstllch von Epehy sowie zwischen Omignonbach und an der Somme nahm der Artilleriekampf am Nachmittage wieder große Stärke an. Jnfanterieangriffe. eie dir Engländer gegen unsere Linien südöstlich von Epchy richtete, wurden abgewicsen. Wie in den letzten Tagen zeichnete sich auch gestern die 2. Gcudernfanieriedivision besonders ous. Während der Nacht hielt starke Feoerrätigkeit an. In nächtlichen An- griffen östlich von Epehy faßte der Feind in einzelnen Grabenstücken Fuß. Vorfeldkämpfe an der Oise. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und Aisne flaute die Gefechtstütig- keit gestern ab. Erkundungsgefechte in der Champagne. Heeresgruppe Gallwitz. Zwischen der Cote Lorcaine und der Mosel war der Artilleriekampf am frühen Morg-n zeitweilig ge- steigert. Der Feind, der mit stärkeren Abteilungen gegen Haumont, südlich von Damp.vrteux und Rcmbercourr vorstieß und mit Erkundungsaüteilungen mehrfach gegen unsere Stellung heranfühlte, wurde abgewiesen. Westlich der Mosel schoben wir unsere Linie etwas vor. Oberleutnant Loerzer errang seinen 42., Leutnant Bäumer seinen 30. Lustsieg. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. , • . Berlin, 23. Sept., abends. Von den Kampffronten nichts Neues. Der neunte Gang zu den Altären des Vaterlandes! Leg dein Scherflein in die Opferschalen! Die anderen. Größere wie Du, Herrliche, Glorreiche, füllten sie mit ihrem Blute. Sie zu ehren, gib zur „Neunten". Hm Stadt ttid £asd. ** lieber die Grnährurrgsfrage sprach heute Vormittag in der Turnhalle dec Höheren Mädchenschule Herr Pwsessoc Ehringhaus aus Kassel (derselbe bat auch zum Kreis Gießen mehrere persönliche verwandtschaftliche Beziehungen) vor mehreren Hundert .-ipen und Herren des Kreises Gießen. Wer diesen > ren, auf großen E Nahrungen und Beobachtungen, auf ’u Tatsachen beruhenden lehrreichen Vortrag gehört hi N mit der Ueberzeugung nach Hause gegangen, daß ,n~ Deutsche durchhalten können und müssen, daß wir alle uns zu einander nur mhr Vertrauen entgegen- bringcn sollen und daß es eines Jeden Pflicht gerade jetzt ist, bei der 9. Kriegsanleihe zu zeichnen, damit die Feinde unsere ungebrochene stärke erfahren und der Vernichtungswille der Feinde zusammenbcicht. Ueüer die deutsche Kulturarbeit im besetzten Belgien wird Siegfried Moltke, Bibliothekar an der Handelskammer zu Leipzig, in einem Lichtbildervortrag am 25. September abends 8 Uhr in der neuen Universitätsaula zu Gießen auf Grund seiner Studienreise in Belgien sprechen. Als Gast des Deutschen General- gouverments hat er Gelegenheit gehabt, von den maßgebendsten Persönlichkeiten, die an leitenden Stellen der einzelnen weitverzweigten Abteilungen des Gouvernements stehen, unterrichtet zu werden. Es war ihm somit vergönnt, an den Quellen unmittelbar zu schöpfen, und dann auf Grund eigener Anschauung das gewonnene Bild sich in den Einzelheiten zu ergänzen. Wo immer Siegfried Moltke seit seiner Heimkehr über dieses Thema gesprochen hat, hat er bei Tausenden begeisterte Aufnahme seiner Schilderungen von der tatkräftigen, man darf sagen unübertrefflichen Kulturarbeit gefunden. Die wunderbare organisatorische Tätigkeit des Deutschen Generalgouvernements auf allen Gebieten der Verwaltung (Finanzwesen, soziale Fürsorge, Versicherungswesen, Schulwesen, wirtschaftlicher Wiederaufbau und Entwicklung u. a.m.) weiß der Redner lebenswahr zu schildern, eine Tätigkeit des Gouvernements, die dem Feinde reichen Segen gebracht hat und viele Härten, die der Krieg dem belgischen Volke halte bringen können, nahm, oder doch in wohltuendster Weise milderte. Die übervollen Säle, die der Redner überall zu lautloser Stille zu zwingen wußte, lassen auch für seinen hiesigen Dortrag besten Erfolg prophezeien. BodeDbearbaltung, FniclHolge, Saal, Eule und Verarbeilanii ii Haas. Das soeben erschienene Buch: Der Tabakbau in der Heimat. Eine kurze Anleitung über Anbau und Verarbeitung des Tabakes im Hause. Don Kgl. Oekonomierat Ho ff mann, Landestabakbausachverftändiger. Enthält genaue Angaben über Boden, Fruchtfolge, Düngung, Bodenbearbeitung, Auspflanzungen, Ausbessern, Hacken, Häufeln, Schädlingebekämpsung, Entgipfeln oder Köpfen, Ausgeizen, Reife, Ernte, Verarbeitung, sowie 2 Llbbildungen gescbnit^ncr a er zum Jigarrenwickeln. Preis des Buches geg. Doreinsend. v. 80 Pfg. oder Einzahlung von 90 Pfg. auf Postscheckkonto „München 5566 oder Nachnahme 1 Mk. Jos. C. Hrzber's Verlag, DiessöN vor MümcheZr. Der Kaiser rmd die deutschr Arbtller- schast. Aus Arbeiterkreisen wird uns geschrieben: Krupp war bas Forum, aber die Rede galt der ganzen deutschen Arbeiterschaft. So wird sie empfunden, so muß sie gewertet werden. Mehrere Tage ist der Kaiser in Essen gewesen, der riesigsten Munitions- und Waffenzentrale Deutschlands, in der die Zahl der Arbeiter allein in den Kruppschen Werken von 40 000 in Friedszeit auf über 100 000 gestiegen ist. Sie gehören den verschiedensten Parteien und G«werffcl>asrs- richtungen an. Ungestört und unbehelligt ging der Kaffee von Werkstatt zu Werkstatt, von FabrMwf zu Fcrbrikhsf, überall von den Arbeitern freundschaftlich und ehrerbietig begrüßt. Diese Tatsack-e sollte der Entente zu denken geben. Herr Wilson wird sich überzeugen müssen, daß dieser ^Kaiserismus" unerschütterlich in der deutschen Volksseele steht. Hier beißen Sie auf Granit, Herr Wllsonl Die Art. wie der Kaiser sich gibt, geht zu Herzen. Er spricht als Deutscher zu Deutschen, als sorgender Lande», vatcr zu seinen Landesllndern und im ganzen als Freund. Die ganze Rede trägt einen fast kameradschaftlichen Zug, so, als wenn der Kaiser sich als den ersten pflichtbewußten Ar- beiter betrachtet; deshalb gehen seine Worte zu Herzen. Was er über die Leistlingen der deutschen Industrie, der deutschen Arbeiter und der deutschen Frau sagt, wird den lebhaftesten Widerhall finden. Er redet diesmal zum A' beitsheer der Heimat, von dessen unerschütterlichem Arbei! geift u. unverminderter Leistungsfähigkeit die Kampffähig Leit der Frontarmee in so hohem Maße abhängt. Verstand nisvoll spricht der Kaiser von den Schwierigkeiten, die mit der pflichttreuen Arbeit in der Kriegszeit verbunden sind „Schwierigkeiten in der Ernährung, Schwierigkeiten in der Bekleidung, Verluste, Trauer und Sorge aller Art, von denen kein Haus verschont geblieben ist, weder das Fürsten- haus noch das schlichte Arbeiterhaus." Er dankt als Landes- vater den Männern und vor allem den Frauen und Mädchen, „daß sie so opferwillig ihre Pflicht getan haben, trotz der drückenden Sorgen von Rot und Elend, die uns alle betroffen haben". Er betont, daß er darüber Bescheid weiß, und sagt offeicherzig: „Es hätte manches anders gemacht werden können, und daß hier und da darüber Mißstimmung herrscht, ist kein Wunder." Die deutsche Arbeiterschaft wird im Innersten ihres Herzens dem Kaiser danken, daß er ein 'so herzliches Verständnis für die Schwierigkeiten ihrer Lage bekundet hat. “ , In der deutschen Arbeiterschaft ist der Wunsch noch dal- bigem Frieden besonders lebendig. Das ist erklärlich; sie trägt, wie der Kaiser anerkennt, besonders schwer unter der Kriegslast. Aber der Kaiser weist hin auf sein Friedens- cmgebot vom Jahre 1916, das mit Spott und Verachtung von den Feinden abgelehnt sei. Er umschreibt den Cha- rakter des Krieges, so wie ihn die deutsche Arbeiterschaft empfindet und empfinden muß, als einen Kampf um unsere Existenz, als einen Kampf, der geboren ist aus dem Neid der Feinde gegen die friedlich fleißige Entwicklung unseres deutschen Volkes. „Das deutsche Volk war fleißig, in sich gekehrt, strebsam, erfinderisch auf allen Gebieten, es arbei- tete geistig und körperlich." Wir förderten Industrie und Wissenschaft, Kunst und Volkserziehung, soziale Gesetzgebung, „dadurch kam unser Volk in die Höhe, und da kam der Neid". In der Tat, die deutsche Arbeiterschaft ohne Unterschied der politischen und religiösen Richtung ist sich längst einig darin, daß der Krieg geführt wird um Deutschlands Welt- geltung, um die Möglichkeit der Deutschen, friedlich und Ehrlich ihr Brot in der Welt zu verdienen. Sie ist auch darin einig, daß ein verlorener Krieg den Zusammenbruck aller Arbeiterhoffnungen bedeutet, Arbeitslosigkeit und Rot und den Stillstand der sozialen Aufwärtsentwicklung der Arbeiterklasse bedeuten würde. Deshalb weisen auch die deutschen Arbeiterführer die Anmaßungen der Amerikaner und Engländer zurück. Treffend sagt Lechen, der Führer der größten Gewerkschaftsgruppe in Deutschland, in seiner Erklärung gegen Gompers, daß die Kapitalkraft in Amerika unumschränkter herrsche als in ejnem anderen Stritte Eu- ropas, und baß Arbeiterfchntz und und Arüeiterversicherung kn einzelnen Staaten Amerikas erst in aeringen Ansätzen vorhanden seien. In diesem Sinne ruft der Kaiser zur Pflicht. — „Worin besteht unsere Pflicht: unser Vaterland ftei zu machen!" Nicht phantastische Eroberungen, sondern die Freiheit des Vaterlandes, die Freiheit der deutschen Wirtschaft, die Freiheit der deutschen sozialen Kulturentwick- lung, die sollen wir uns erkämpfen, und dieses Ziel soll uns stark machen zur treuesten Pflichterfüllung. „Mit all unseren Kräften aushalten im Kampfe gegen unsere Feinde .... Du an deinem Hammer, du an deiner Drehbank und ich' auf meinem Thron, wir müssen alle auf Gottes Hilfe bauen." »Ich kenne keine Parteien, ich kenne nur Deutsch." Hier erneuert der Kaiser das Gelöbnis zum Burgfrieden und nimmt durch ein lautes Ja den Arbeitern das Versprechen «b: Wir wollen kämpfen und durchhaUen bls zum letzten. Dieses laute Ja muß widerhallen durch alle deutschen Gaue. Es ist in der Tat Zeit, daß wir die Nebel zerstreuen u. unsere ganzes Volk sich auf die Aufgabe besinnt, die dieser Krieg uns stellt: Den Vernkchtuugswillen nuferer Feinde zn bre- chen und die deutsche Zukunft sicherzustellen, das wird das Echo der Kaiserrede von Essen sein. SrrvssgunM mögen zu der neuen Aufnahme bn Angriffe im Abschnitt von St. Quentin geführt haben. Am 17. Dept. setzte um 5,30 vvvnrrttags zwischen Ornignon-Dach uud Somme starkes Feuer ein, dem ein heftiger Angriff beiderseits von Holnon folgte, der im Gegenzurückgewiesen wurde. Gefangene wurden ringe-bra-cht. Desgleichen scheiterte ein Angriff um 9,00 Uhr südlich Holnon, sowie nachmittag« nörd- lich vom Holnon-Wetde, fc« 6am eilt vorgshsndes feindliches Bataillon durch ztlsa«itt«ngLfaßics Feuer in seine Ausgang«, ftoüung zurttckgetrieben lvirrde, ebenso ein Vorstoß gegen Lssigny Le Grxind. — Die französischen Angriffe »wischen Ailette und Msne d^rern an. Nachdem «n Vormittag des 17. September olle Versuche der Fr«rsiffen gsstcheiterl waren, die zwei Tage vorher erzielte Einbuchtung in der deutschen Front bei Mleman-t zu vrbrettern, gingen die Franzosen am dkckmüttag urit frischen Kräften unter dem Einsatz von Tank, mif der ganzen Fvont zum Angriff not. Anfänglich gewannen die Franzosen in Richtung auf Pinon Raum, wurden aber im Gegenstoß wieder zurkckgetr«brn. Deutsch« Feldbatterien fuhren offen auf, setzten A-lrriche Tanks außer Gefecht und uvangen im Verein mit Masckstntzngewel-ren der Infanterie die ssemzösischen SturmkEÜen zur Umkehr. — Zwischen Maas und Mosel arbeiteten sich die Amerikaner trotz aller großftre- cherischen Behauptungen über die Fortsetzung ihres Dormar- sches und noch zu erwartende große Errianisss nur vorstcküig an die deutschen Stellungen heran. Di« verhLltutsuräßlge Rübe an der übrigen Front dürfte ober »jcht dadurch hinweg- ISuschen, daß die gesamte Wffffrs.nL »ach wie vor uuter Hoch, spannrrng steht. Line gou^e Kompagnie «eit dem Mssrnon Krenz ausgezeichnet. Zn den letzten KLoipfen an der Westfront hat sich die »weite Kompagnie der Maschinengervehr^chavfschützencäite-i. lang 13 gart» besonders ausaireichnrt, so daß der wohl einzig dastehende Fall eintrat, daß sünttlichsn Unteroffizieren, Ge- freiten und Mannschaften das Eiserne Kretiz 2. Klasse verliehen werden konnte. WTB. Um zu beweisen, mit welcher Eile der deutsche Rückzug aus dem Et. Mihiel-Boaen vor sich ging, berichtet ein Funkspruch aus Lyon vom 15. September, baß es den Deutschen nicht gelungen sei, die von ihnen beabsichtigte gurück- führung der Bevölkerung, vor allein der jungen Leute, durch- »uführen. Lyon funktr, daß ein Teri in St. Mihiel zurück Miel>, wo er die siegreichen französischen Tnrppen mit Freude- rufen begrüßte und datz die übrigen in Wäldern u. Schluchten gefunden wurden, wo chre Wächter sie bei ihrer eiligen Flucht im Stich gelassen hatten. Nachdem Lyon so den fluchtartigen Abzug der Deutschen der Welt genügend eingeprägt hatte, mußte au.ch das andere Register von der Bavbarsi der Deutschen gezogen werden. Deshalb funkte Lyon zwei Tage spä ter unbedenklich wörtlich: „Die Deutschen führten im letzten Augenblicke viele, sewst alte Personen, mit sich fort. Alle jungen Leute wurden mitgenommen." — Das Gedächtnis der Welt ist allerdings sehr kurz. Aber ein etwas größerer Zwischenraum zwischen diesen beiden einander diamstval wider- fprechei»den Mitteilungen hätte sich doch empfohlen. Der letzte Flieger-Angriff aus Paris. WTB.^ „Proares de Lyon" meldet aus Paris: Der letzte Lufümgriff auf Paris hat großen Schaden ungerichtet. Die Häuser, auf welche die Brandbomben sielen, find in der Mehrzahl eingeäschert. Die neuen Brandbomben, die die Deutschen verwenden, haben eine furchtbare Durchschlags, und Sprengkraft. Das Blatt meldet 5 Tote und ungefähr 10 Verwundete. Der gan»e Angriff war außerordentlich heftig. Mehrere Flugstaffe.n durchflogen in Abständen von wenigen Minuten das Sperrfeuer' und warfen, Andeutungen Pariser Blätter zufolge, ziemlich über das ganze Pariser Ge- bitzt Pomben ab Der deutsche MeMsrW. WTB. B e r l I n, 18. S-pt. (Amtlich. Ab»»ds.) Eva- «sch« und französisch- Angriffe auf breiter Front vom Walde vvu Havrincourt bis zur Somme. Gegen den auf der Mitte des Schiachifeldss zwischen Hargicourt und dem Omianou- Waide, euiaedrungcnen Feind sind Gegenangriffe im Sange. Au der übrigen Front sind die Angriffe des Feinde« zeschel- iert. Wir kämpfen überall westlich unserer alten Siegfried- Stellung. Sie Äampse im 23sS!?n. WTB. Di» Fortsetzung der englischen Mitzerfoiae an der Eambrai.Front von Moeuvre bis Epsl») hat nur eine vor- lausige Einstellung der eirglischen Angriffe zur Folge gehabt. Ritch einer ^au^e von 2 Tagen fetzte am 13. September ein neuer großer Angriff von Havrincourt bis HoLrwn ein. Die Hartnäckigkeit, nrit wslck-er der Engländer innuer wieder an- greift, erklärt sich, ganz abgesehen von Fo«l>r stratrgisck)on Planen, die noch immer auf den Durchbruch zwischen Canckral und St. Queutin abzuzielen scheinen, aus der Tatsache. daß die Deutschen vor der Siogsriedstellung überall noch die el>e° r.mkigen englischen Stellungen halten, so daß die Engländer ger'Ltigt sinb, sich tut Feuer der deuten Artillerie ln dem verwüsteten, von allen Hilfsmitteln entblößten Gelände tviue - lm grulgsstellungeu zu schaffen, falls es ihnen nicht gelinvr, lich in den Belitz Ujtec alten Stellun<)eu zu schsn. Gleiche Ein m«L^kr FüedtNS^M. Noch bevor die österreichische Negierung ihren Friedens- fchritt untornahni, liefen Gerüchte um, die von einer neutralen Friedensvermittlung sprachen. Diese Gerüchte waren nicht allein in Deutschbrnd zu Hause, sie wurden auch in den umliegenden neutwlen Staaten eifrig kolportiert. Man ging dabei von dem Gedanken aus, daß die Zeit gekommen wäre, um den Weltkrieg durch gütlicke Auseinandersetzungen zu beenden. In Holland und in oer Schweiz sind geradezu be- stimmte Tatsachen veri>rritet worden. So konnte '.. an hören, daß die Königin der Äiiederlande sich mit einer iiiots an die Kriegführenden wenden werde. Don anderer Seite ist wieder die Vermutuna ausgesprochen worden, daß der König von Spanien irgeno etwas im selben Sinne unternehsnen werde. Hoffnungen tatsächlicher 2lrt nach dieser Richtung hin sind allerdings enttäuscht worden. Man darf aber das Kind nicht mit dem Bad ausschütten; man darf aber nicht glauben, daß, wenn jetzt etwa von diesen Herrschern keine Friedensschritte unternommsn werden, daß dcntn auch bet ihnen keine Sympathie bestehe, einen solchen Sck)ritt zu unterstützen. OLachidem von kriegführender Seite selbst ein Friedensangebot vorliegt, kann dc^ran nicht ntehr gezweiselt werden, daß auck) die Neutralen ein vergrößerte» Interesse haben, den Wettsriel n unter Dach und Fach zu bringen. 'Auch in der Schweiz nieh- ren sich die Stimmen, die davon sprechen, daß der Schweizer Bunvesrat selbst etwas unternehmen müsse. Zwar wird an mutlicher Stelle in Bent diese Auffassung weder bestätigt noch bestritten. Eie klingt nicht ganz unwahrscheinlich, vor oUem dann nicht,, wenn nran von einer neuen Friedensaktion des Papstes l)ört. Die österreichische Rrgicruna hat ja auch durch eine besondere Ztote ihrer Rdaßnahme den Vatikan verständigt. Rtan kann also sagen, daß die Stimmung vorbereitet ist, um jeden neutralen Schritt zu fördern. Tritt man dieser Frage näher, so wird man geradezu gezwungen, sich einnml darüber klar zu werden, wie die 2ll- liicrten das neutrale Angebot des Papstes, ohne es einer Antwort zu würdigen, abgelebnt haben. Es ist begreiflich, wenn ein neutraler Staat es aolshnen muß, sich einer solchen Gefahr auszusetzen. Auf der anderen Seite haben aber selbst die neutraler-Staaten es an dem Barometer chrer wirt- schaftlichen Leistungen verspürt, daß jede Verlängerung des Krieges ihnen nur wachsende Nachteile bringt. Wenn es gelingt, cms der neutralen Atmosphäre heraus allen Kriegführenden diese Überzeugung beizubringen, dann ist für den Frieden einiges zu erwarten. Dian trifft sich also immer wieder auf jener Plattform, wo es sich darum handelt, fest- justellen, ob der Gegner die Seele des Neutralen richtig ein- lä^itzt, wo es sich aber auch darum dreht, wie er sich zur ver- nünftigen Reaeluna der entstandenen Differenzen überhaupt verhält. Rack dieser Richtung spricht bis jetzt alles gegen irgendwelche Friedensaussicht. Auch Friedensvorschläge wie der des Herrn Burüan und der. der etwa von Neutralen im- Icrnotnxttn werden würde, werden von solchen Gefahren l-cd recht. .Und doch bleibt eine Aussicht! Dos ist das Handel- »roroende England, jene Schicht der englischen Bevölkerung, die vorn Kriege nicht gewinnt, die vieluretzr alles, was sit besitzt, daran geben must. In wesipoNiischen Kreisen bezeichnet man dte;e Leute mit dem einsackxn Ausdruck: die City Londons; man meint damit jene Kreise, die vom großen überseeischen Handel leben. Die Eity-Leute hoben es sehen müssen, daß ihre Schaffe eins nach dem andern für Kriegszwecke^ der Alliierten benutzt worden sind. Dann folgte der Übergang der englischen Tonnage unter den verschiedensten Vorwänden unter die mnerikanisck)e Seeoberhohcit. Das Erirpfinden dir- ser Gefahr wird zweifellos in der City richtig eingeschätzt. Tvs englische Gefühl ist für solche Dinge sehr gut entwickelt. Wollte die City in Zuliunst noch Handel pfleaen, so bliebe nichts übrig, als unter Ameriöas Gnaden und Schutz die See zu befahren. Der Eity-Kaufmann weiß auch, welcke Zinsen, lasten er hierfür seinen: lieben angelsäckiüscken Bruder zu be. zahlen hat. Der Gedanke ließe sich noch weiter ausspinnen, Aber mich in aller Kürze beweist er schon, wie schwerwiegend das Sck-ffahrLsprobkem für England werden wird. Es scheint uns, daß auf diesem Wege der Friede noch viel eher Zustande tomanen kann, als «rf dem der mittelbaren und unaiittel- baren Friederrsangebote. Auch neutrale Angebote oder Der. nntllungsvorfchiäge werden das Schicksal erleben, das bis jetzt noch allen solchen Bemühungen zuteil wurde. D§s Echs Werreichifchm FriLdeAs- lÄriltes. . ««raiuug der Lllii-rt-n. ^ ^.Schweizer Blätter melden von der französischem Drenze dciß tue Beratung der Alliierten über die öftettcicl)ii\iie Jiüt« f)ödj,tws erjt für die nächst. Woche zu er-varien sei.- Das ennlqche Kabinett wird am Donnerstag zur ^-'chlu». fagung über den Friedensantrag Burtons zusani^^etclt. - Llo,-d George ist no«i- immer bettlägerig. - Lüiuenevau» .Homin« I*»*,reibt, daß sich der Ministerpräsident einer neurriichen Farbe, .g der Sozialisten auf Abgabe einer Lrllarnng über die neuen Kriegozieie Frankrelä-s nie . wider- setzen werde. WTB. Das österreichisch- Angebot wird von der Mehr, zahl der ftanzösischen Dl llter heute schon einZehend kom. mentiert und größtenteils von der ganzen Presse der 'Rechten und der Baulevardpresse glatt abgeleh.lt. Zu den Huvas- wnt»eilul>gen ist naä^gutrageil: Der Rlatin hält es gleich einer großen Anzahl von Blättern fllr selbstverständlich, daß Österreich von Deutschland vc: hoben wurde und nicht aus eigenem Antriebe handelte. B.-can müsse der absurt-en Le- Lerlde van einem unatchällgigen Österreich ein Ende macheir. Der Matln bezweifelt, daß die Entente das Angebot bemit. Worten werde. — Von den sozialistischen Blättern liegen bis. her nur Kommentare in der France Libre, dem Organ der 41 Rechts-sozialijten, und im Populaire vor. Wie zu erwrlr- ten war, äußert sich die Frauee Lidre ebenso ü)auoinisti ch wie die übrige Hetzpresse und schreibt: Das einzige Mittel für die Entente, augenblicklich mit Deutschland zu unter- handeln, sei, unseren Soldaten das Wort zu überla,,en. Popumlre dagsgeu meint, daß dis Entente unbedingt antwor. ten müsse. Die österreichisck-e Siote sei geschickt, weil sie an Gefül)le appelliere, mit denen man nicht Scherz treiben dürfe. Wenngleich der österreichifch« Vorschlag auf Geheim- Unterhandlungen hinauslaufe, so dürfe man doch nicht übe-*, sehen, daß die Mittelmächte den Wunsch äußern, aus dem Konflikt zu toillmen. Riöglich sei es, daß sie Frieden zu schließen wünschen, ebenso, daß sie jede Verantwortlichkeit von sich vor chren Völkern abwälzen möchten. In jedem Falle sei eine Antwort unbedingt notwendig. Sie dürfe niäjt. eine einfache glatte Ablchnung des Angebotes darslellen. Sie müsse die Eventualität eines baldigen Friedens und seine wesentlichen Klauseln ins Auge fassen, sich von den Gefühlen der Vollsinassen, nicht aber von der Begehrlichkeit der bo- S en Klassen inspirieren lassen, und sich vor allem an die : der Liittelmächte wendelt. (Der Rest des Artikels ist von der Zensur gestrichen). — „Populair" schreibt au 4 Millionen Diese Zahl, die später ständig funk, ist erst im 19. Iolrryundert wieder erreicht worden und hat sich im Laufe dleies Jahrhunderts etwa verdreifacht. Der außerorbent- Iick)e Bevölkerungszuwachs der Juden m dem letzten Jahr- hundert wird besonders deutlich, wenn man sich vergeqen- daß es am Ende des 17. Jahrhunderts nur 1 % Millionen Juden gegeben hat. Da stch aber das Wachstum ln der letzten Zeit mehr und mehr verlangsamt, so kann mit einer al>nlick>en Steigerung wie im 19. Jahrhundert nickst mehr gerechnet werden. Immerhin ist es nicht unwahr- sschemllch, dag die Zahl der Juden im 20. Ial)rhundert auf 2° oder auch auf 30 Millionen ansteigen wird. Die größte relative Dcvölkerungsziffer erreichen die Juden in Palüstina. Dort leben 100 000 Juden, geich 1400 unter 10 000 der De- samtbevölkerung. Die von Ruppin gegebene Gesamtziffer von i.»'/, Millionen uruß nach einer neuesten amerikanischen Die Zustände in Rußland. WTB. Petersburg, 19. Sept. Die Pravba bringt B richte geflohener Arbeiter aus den von der Entente besetztem. Randgebieten. Danach wurde in der Nacht zum 6. V. die oberste Verwaltung verhaftet. In der Stadt und auf der Eisenbahn begannen Streiks. Unter den amerikonifclien Truppen befinden stch auch zahlreiche russische Emigranten. Die Soldaten wissen nicht, mit wem sie kämpfen und wer die Bolschewisten sind, sie holen sich daher Auskunft bei der Bevölkerung. Das verbündete Oberkommando erließ einen Befehl, wonach wahrend der Wirksamkeit der bestehenden Kriegsaesetze die Verbreitung von Bekcmnlmachrnrgen poltti- schen ooer militärischen Inhalts sowie die Veranstaltung von Versammlungen cchne vorhergehende Erlaubnis der Militär- bchörde nach den Kriegsgefeyen bestraft wird und die Schul- digen verhaftet werden. Zwischen den fvanzösischen und den englischen Truppen sollen sich Zwistigkeiten bemerkbar machen. WTB. Mockau, 19. Sept. Nach der Iswestija vom 17. 9. verspricht Trvtzki tn einem Aufruf an die Tschecho^lowaken allen, die sich freiwillig ergeben, Begnadigung und die Mog- llchleit, tn Rußland wie alle übrigen Bürger zu leben. Aus der llkaise. WTB. Kiew, 19. Sept. »Golos Kiewa* meldet, daß eine feierliche öffentliche Erklärung von der Gesellschaft zum Gedächtnis des ermordeten Zaren von den Kiewer Behörden verboten wurde. — »Rowosti Onja* schreibt: In Südruß- laird ist im Gegensatz zu Moskau ein innerer Zwiespalt spürbar; die Zugehörigkeit zum Osten im kirchlichen Leben und die Hinneigung zum Westen im weltlichen Leben. Dieser Kwiespalt herrscht seit dem Großfürsten Wladimir, der in Byzanz nur das Christentum, nicht aber die vor allem er- sahnte europäische Kultur fand, was Verbindungen mit dem Westen notwendig machte. Der Anschluß Südrußlands sei ein Sieg des Ostens, denn er erfolgte vor allem aus religio- sen Motiven. Das Entstehen des neuen ukrainiscl)en Staa- tes un-d die Hinneigung zu den gentralmächten ist ein Sieg des alten südrussischen Strebens nach westlicher Kultur. — »Widroshenja* schreibt: Der seine Tätigkeit beginnende Ra- tionalbund ukrainischer Parteien soll den Willen und die Dünsche des ukrainischen Volkes in der äußeren und inneren Politik zum Ausdruck bringen. Möge es gelingen, Fehler zu vermeiden und wieder gut zu machen, die in den Monaten der bisherigen Existenz des ukrainischen Staates dazu führ- ten, daß nicht Ukrainer, sondern Fremde vom Norden im ukrainischen Heimleben Ukrainern den Zutritt verwehrten. AU5 AllMZn'.en. WTB. Bukarest, 19. Sept. Anläßlich der Beratung des Amnestiegesetzes in der Kammer wandte sich Ministerpräsident Marghilouwn in scl)ärffter Weise gegen die Treiber und Hetzer in der Nloldau, die sich unter dem Schutz der Unver- antworttichkeit unnützen Herausforderungen hingäben mür die Interessen des Landes in schwerster Weise schädigten. Ls ist, sagte der Ministerpräsident, als ob der Wahnsinn dieses Land unaufhörlich bedrohe. Kaum ist an Beamten irgend- welche noch so unbedeutende Änderung zu verzeichnen, so beginnen diese Kaffeel)aushelden ihre lächerlichen Prahlerei- en und ihre zerstörende Tätigkeit. Man müsste am Schicksal dieses Landes verzweifeln, wenn es aus soviel Unglück und Leiben nichts gelernt hätte. An die Abgeordneten der Opposition gewendet, rief Alarghiloman aus: Denken Sie, was Sie wollen, erwarten Sie, was sie wollen, stimmen Sie, wie wollen, wenn Sie aber das Land lieben und seine Lage erleichtern wollen, so schweigen Sie. — Rach dieser Rede verzichteten olle vorgemerkten Redner auf das Wort. Die Kammer nahm mit b3 gegen 25 Stimmen die Gesetzesoorlage an. Aus WeMeuMM. Köln, 19. Sept. Aus der Gerichtsverhandlung gegen die Rabenmutter fttou Karl Raemer in Kalk, Mülheimer Straße, welche das Ableben ihres Kindes Elisabeth verschuldet haben soll, sei noch folgendes mttqeteilt: Das Kind starb am 29. Juni d. Z. Am Tage vorher war das genannte Mädchen ins evangel. Krankenhaus in Kalk gebracht worden, wo es bald infolge völliger Entkräftung starb. Gegen die Frau schwebte eine Untersuchung wegen Diebstahls, was eine Haus- suchung bedinate; da fand mar: denn in dem Heim der Frau unsagbare Zustände: Ein neunjähriges Mädckxm lief nackt herum und das etwa zweijährige Mädchen Elisabeth kauerte halbverhungert, schon mehr lebende Leiche, in einer Ecke, und auf dem Kleiderschrank lag ein Skelett; es war die Leiche des 3 Wochen vor dem polizeiuchen Eingriff verstorbenen Knaben Karl Raemer; Fliegen, Maden und Würmer hatten das mehr einer Pergamenthaut ähnelnde Fleisch vertilgt. Das Mädchen Elise, das jüngste »tnd, geboren nach dem Tode des im Kriege gefallenen Vaters, wurde, wie erwähnt, untergebrncht. Uber die Leiche erklärt die Frau vor Gericht, sie habe nach dem Tode des kleinen Karl aus Scheu, weil sie keine weiße Wäsche gehabt habe, ein Begräbnis verhindert. Da habe sie die Lerche eingewickelt und auf den Schrank geschoben. Gerichtsarzt Geheimrat Dr. Plempel erklärte: Die kleine Elise war 21 Monate alt, hochgradig verwahrlost und voll- ständig abgezehrt. Si e geriet infolge Unterernährung im- Zählung, die Ruppin noch nicht kannte, noch um mindestens 500 000 erhöht werden, so daß sich die Gesamtzahl gegen» wärttg aus 14»/« BUlltonen stellt. Nach der erwähnten neuen amerikanischen Zählung erreichte die Zahl der Juden allein in den Bereinigten Staaten im Jahre 1917 3 012141, in Chicago 250 000, tn Philadelphia 175 000. Das jüdische Viertel in dlewyork bildet ein« Großstadt für sich mtt ausgeprägtem eigenen jüdischen Leben. Die eroberte Fran'Lsla. »Unsere Bundesgenossen behaupten, daß sie keinen Eroberungskrieg sichren. Ich bin nicht ganz davon überzeugt,* so beginnt Clement Vauwl ciiu Betrachtung im »SJöcrttn*, die trübe Perspektiven für die Zukunft der fvanzösischen issasse eröffnet. »Der Bürgermeister von Dijon*, schreibt er weiter, »hat soeben an demselben Morgen die Ehe von vier jungen Damen seines Bezirks nüt einem Franzosen, einem Italiener, einem Polen, und einem Amerikaner feierlich geschloffen. Dieser Rekord wird gewiß schon sehr bald geschlagen werden. Ein anderer Bürgermeister wird am selben Tag« Französinnen mit einem Belgier, einem Eng- länder, einem Japaner, einem Serben, einem Tschecho-Slo- waken, einem Australier, einem N^Xrier u:rd einem Chine- sen verheiraten. Und schließlich wird man hören, daß in ir- gend einem Bürgern,elsteramt 23 Braute das entscheidende »Ja* in den 22 Sprachen gehauckst haben, die die Völker des neuen Bundes sprechen. Das wird dcnrn der wirkliche Völ- terbund sein — bei dem Frankreich wieder die Kosten zahlt! Es ist sicher, daß die französischen Schwiegermütter nicht vl«hr uux dem gutes Vaudeville gehörest, jvndern fortan eine | mer mehr in Verfall. Die Mutter ga- an, fftz hebe keines , Arzt gerufen, weil sie sich geschämt habe, und in der Tat sah cs furchtbar aus in der Wohnung. Geheimrat Dr. Plempcj sagte, als Genchtsarzt komme er in alle möglichen Spelunken die oft entsetzlich aussehen, aber eine solche Schweinerei Hab» er doch noch nicht geschen. Der Junge sei offenbar auf die» selbe Weise durch Unterernährung ums Leben gekvnrmen w:> die Elise. Die Witwe R. war Granaten dreherin; ihren Vor) gesetzten sagte die Airgeklagte, als sie »ines Tages sehr fpä| zur Arbeit gekommen sei, ihr Söhnchen sei gestorben. »Dany hätte ich mir doch wegen des Begräbnisses freiaenonlmenft meinte die Zeirgtn, aber die R. antwortete: »Das besorgtz alles mein Vater". Abends lachte urrü scherzte sie schon wieder mit Mannsleuten: daheim wurde getantt und gezecht, Staatsanwalt Custodis beantragte das Etrafminimum von' drei Jahren Gefängnis. Die Summe der Leiden der armen Kinder, die Gefühlsroheit der Mutter sei ja fast nicht ausffu- denken. Fünf Kinder habe sie avhabt; zwei seien früheD schon gestorben, wrd da habe sie Die drei übrigen angeblich aus Schamgeftihl so behandelt, daß die rein menschliche Em-s pörung kaum Ausdruck finde. Da» Gericht hielt einjährige Gefängnisstrafe unter Verkündigung eiues Haftbsfehl» fiW ausreichende Strafe. Lebach (Rhld.), 19. Sept. Eine unbekannte Person ver. suchte an der -wischen Lebach und Pcimsweiler liegenden Teelbachbrücke einen Anschlag zu verüben. Ein Strecken.' läufer bemerkte einen Mann, welcher bereits cur der Brücke ein 15 Zentimeter tiefes Loch eingemeißelt hatte, um dis Drücke zu sprengen. Beim Herannahsn de» Streckenwärters nahm der Fremde Reißaus, wobei er noch 2 Revolverschüsss auf den Streckenläuser abgab. Dt« beiden Schüsse gingen' fehl. Der Täter entkam. Aachen, 19. Sept. In einer hiesigen Kleiderwerkstätü wurden von zwei Arbeitern nachts für über 3000 Ji Militär» anzüge, -Mäntel usw. gestohlen. Die Täter sinü unerkannt entkourmen. — In einer als Lazarett neu eingerichtetes Schule erschienen dieser Tage drei angebliche Dachdecker,^ um Dacharbeiten vorzunehmen. Cr war ihnen aber nur darum- zil tun, Diebstähle auszuführen und eine Menge Decken, Militürmäntel, Stiefel usw. hießen si« uütgehen. Doch sie. wurden bald abaefaßt und mit Unten ein Hehler, der die Sachen gekauft hatte. Creseld, 19. Sept. In der Maschinenfabrik Ioh. Kleine, wefers Söhne ist der Airgestellce Küpper infolge Fahrlässig, keit des Pförtners jäh zu Tode gekommen. Der Portter R. war mit dem Reinigen eines Jagdgewehrs beschäfttgt. Ale der junge K. hinzutrot, legte der unvorsichtige Mann au» Ubcrntut auf den Gehilfen an, die ohne sein Wissen geladen» Waffe ging los, und der Bedauernswerte brach so schwer verletzt zusammen, daß er starb. Bocholt, 19. Sept. Die hiesige Firma Franz Beckmann u. Co. wird demnächst als erste der rheinisch-westf. Baumwoll- spinnereien neben der Papiergarnspinneret eine Zellulon- garnberstellung aufnehmen. Das Zellulongawt wird direkt, ai^s dem Kellstoffbrei hergestellt, hat eine größere Haltbarkeit wie gewöhnliches Papiergarn und den Vorzug, daß stch dis hieraus gefertigten Gewebe waschen lassen. Die Reuanlag» dürfte etwa 200 Arbeiter beschäfttgen. Haltern, 19. Sept. Sein 50jähriges Mlttärjubiläun feierte General der Infanterie Louis von Held in Berlin am Montag. Am 22. November 1849 in Haltern i. W. geboren, trat er am 16. September 1868 in das Infanterie-Regimen! von Voigt-Rhetz (3. Hannoversches) Ätr. 79 in Hilüesheim ein. Am 2. April 1909 als General der Infanterie tn den Richestand getreten, war er bei Beginn de» Krieges zunächst Gorwerneur von Köln, später Gouverneur von Kowno. Als solcher erhielt er das Eiserne Kreuz 1. Klasse und den Kronenorden 1. Klasse mit Schwertern. Aus dem Müusterland, 19. Sept. den vielen unerfreulichen Begleiterscheinungen des Hamfterns und der mit ihm verbundenen polizeilichen Beaufsichtigung an Bahnhöfen rmd Postanstalten gesellt sich ein Vorkommnis, das stch in ver-^ gangenen Tagen auf einem Kleinbahnhof des Münsterlandes' ereignete. Dort sollte der Bahnhofsabort geleert werden. Das Erstaunen der Arbeiter war nicht gering, als sie aus der» Grube eine Menge Lebensmittel, wie Eier, Würlle, Schinken, Speck, Dutterwcllen usw. zu Tage förderten, die von Ham- stern, in ihrer Angst vor dem Erwischtwerden, in den Orcus versenkt waren. Aus aütt Welt. WTB. Berlin, 19. Sept. Der Reichsanzetger veröffenb licht eine Verordnung über die Preise von Margarine, ein^ Bekannttnachung über Höchstpreise für Soda und Berichttgun- gen und Nachträge zum Verzeichnis der anerkannten Ab- saaten im Deutschen Reichsanzeiqer Nr. 194 vom 17. 8. 1918. WTB. Berlin, 19. Sept. Dem Reichstag ist der Ent) wurf eines Gesetzes über die Arbeitszeit in Bäckereien und Korvditoreien zugegangen. Nach 8 1 des Gesetzes müssen in allen gewerblickien Bäckereien und Konditoreien an Werb tagen alle Arbeiten mindestens tn der gett von 9 Uh» abends bis 6 Ichr morgens vollständig ruhen. Hamburg, 19. Sept. 150 000 JL in Kriegsanleihe» scheinen wurden auf unbekannte Weise aus den Geschäftsräumen der Commerz- und Diskontodank elttwendet. Ube» den Täter und den Verbleib seiner Beute war noch nicht« zu ermitteln. ' '* höchst wichtige Rolle in den kosmopoltttschen Stückett spielen werden. Sie werden Schwiegersöhne von allen Farben un6 überall tn der Welt haben. Run sage noch einer, daß die Töchter schwer All verheiraten sind; man kommt ja aus allen Weltgegenden, um sie zu heiraten! Und wenn ich von den Millionen Amerikanern höre, die nach Frankreich komnlen sollen, so ftage ich mich, ob sie einige Herren leer, einige Hände frei für unsere jungen P ilrrs lassr^ werden. Vielleicht könnten in dieser delikaten Angelegenheit doch cinig» Vorsichtsmaßregeln ergriffen werden, ^lüchrend des Krieges haben die Eltern ihre Söhne dahingehen sehen; sollen sie nach dem Kriege sich daun^ abfinden^ ibrtz- ab- reisen zu sehen? r* Merlaufbahü. Der bekannte Mldhauer Rauch ffcmtmte aus kleiner Verhältnissen. 20 Jahre att, kam er nach Berlin, mußtt aber, um sich zu erhalten, einen Dienst als königlicher Lakai annehmen. Später gelang es chm, durch Herstellung künst- leriicher Arbeiten die Gunst vornehmer Gönner zu erlangen. Als er nun schon berühmt geworden war, fuhr er einst mit dem Fürsten von WUtgenstein von Berlin nach Charlotten-' bürg. Unterweas sagte Rauch: »Ew. Durchlaucht erin- nern sich sicherlich nicht daran, daß wir beide schon einmal gufcr rmcn im Wagen diesen Weg zurück?elegt haben.* — ,,Nelu, lieber Rauch", entgegnete der Fürst. ,Doch,* ant- wartete Rauch, »es war vor vierzehn Jahren. Aber di Urals faßen Ew. Durchlaucht ollejtt im Mgen und Um als Lakai hatten darauf.* ■;V' ; - ^\A f. Infblg6 eines im Felde zugezogenen Leidens verstarb am 7. September 1918 nach kurzem Krankenlager im Gouvernements-Lazarett Gzenstochau unser guter und unvergesslicher Kamerad der M.-G.-Schütze Friedrich Ar Bold im 23. Lebensjahre. Er war uns ein lieber und treuer Kamerad, der es verstanden hatte, sich durch sein zuvorkommendes Wesen und unermüdlichen Diensteifer die Liebe seiner Kameraden und Vorgesetzten zu erwerben. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Gzenstochau, den 20. September 1918. Garirison-Maschinen-Gewehr-Zug „Lodz“ Müller nauptmami u. Führer. Giessen, Neue Universitäts-Aula Mittwoch, den 25. September 1918, abends 8 Uhr Vortrag mit Lichtbildern über Msche KnlMeil im besetzten BelDlen von Herrn Siegfried Moltke, Bibliothekar an der Handelskammer zu Leipzig. Darstellung der hervorragenden Arbeiten des Deutschen Generalgouvernements auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, des Verwaltungswesens, der Schulpflege, des Versicherungs- und Steuerwesens, des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Weiterentwicklung usw. in Belgien. Eintrittspreise: Mb. 1,50- Mb. 1,—, Mb. 0,50 Vorverkauf in der Musikalienhandlung Ernst Cliallier. M Frau A/L" j&arztim im Bti&usa und in dsr Ehe. Ein Buch über Entstehung, Einrichtung und Geburt des Menschen, über die Krankheiten in der Ehe, deren Vorbeug- u. Heilungsmöglichkeiten von Seiten der Gattin selbst. Das illust. Buch von der Frauenärztin Dr. med. Miller ist bereits in 60000 Exempl. verkauft und kostet 3 Mk. Wilhelm Digel, Verlag, Stuttgart 425. Wir sind in der Lage wieder ca. 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