Bezugspreis 80 Yfg. monatlich vierteljährlich 2,40Mk., vornuszahlbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweig- nusgabcstellen vierteljährlich 1,8«) Mk. — Erscheint {{plftitiOft! Dienstag, Donnerstag u. Samstag. — Redaktionsschluss früh 8 Uhr. — Z-ür Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Knzeigenpreir 24 Psg. die 44 mm breite Petitzeiie, für Auswärts 86 Pfg. Die 60 mm breite Reklame-Zeile 100 Pfennig. ÜöllNlOge 21. iL^lrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des ZaylungL. zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der „Gicßencr Zeitung", Gießen. >! ! I MM!»»», ■ » ■ W ill II I II I ■HIHI II II II IIII I BS Rr. 78. seievson w*. wb. Dienstag. dul 10. September 1918 Druck der Gicßcncr Vcrlagödruckcrei, Albiu ^icin. r e l e p h o 't Rr. 3ü'2. 31. Jahrg. Im August 565 feindliche Flugzeuge aögrschoffeu. Die dentschezz "Armeen iu neuen festen Stellungen. His»Uicl)$ tlerttscbe Cagesbericim. wtb. Großes Hauptquartier, 7. Stpt. 1918. Wc stlicher Kriegs sch anplatz: Heeresgruppen Kronprinz Nupprccht und B o ch n. Nordwestlich von Langemark machten bayerische Truppen bei örtlichem Vorstoß mehr ais 100 Gefangene. Südl ch von Ape^n schlugen wir nutz fache Eingriffe der Eng. länder zurück. An den SchlcchtfronUn entwicketten sich hastige Jnlanteriegesechte im Borgclär de unserer Siel- lungcn Unsere Nachhuten zwangen den Feind in der Lini^ Iir.s—Lieramont—LongvesniS zue Entwicklung und zu verlustreichen Angr ffer. Unfei c Schlachifl egec griff n feindliche Kolonnen beim übtr die Somme b i Bete und St. Christ mit Erfolg an. An der Somme und Oise ist der Fiind über H.m und Charr.y g,folgt und stand am Abend im Kan'pf mit uns reu Nachhuten in der Linie Arbigry—Dill quicr—Aumont. Zwischin Oise u d A'.sne lebhafte Vo feidlämpse. Bc-.dersetiS von Vavxaillon wurden stärkere Angriff. diS FcindiS obge» wiesen. Heeresgruppe Drurkcher Kronprinz. Otstlich von Daily stehen wir an der AiSne in Gesichtsfüh ung mit dem Feinde. Auf den Höhen no.o östlich von Fismes wstsen wie erneute Angriffe der Amerikaner ad. Der Erste Gcncra.qualtielmelstcr: Ludendorff » Berlin, 7. Srpt., abends. Beidersiits der Straße Pcronr r—C'mb oi Nachhuigcftchte vo unseren ne.cn Stillungen. Otetliche Kämpfe zwischen AUette und Aisnc. s Wb. Großes Hauptquartier, 8. Sr Pt. 1918. W e fr U ch c t Kriegsschauplatz: Snfantcriccbtc-ÜLMii’t-n brachten aus ock-gtschen L nien östlich von Mpt. Unsere U-Boote versenkten im Sperigrbt-t des Mttttlmceres 17009 Bruttore^tster- ltmntn Hvndclrschifferciumks, darunter den beladenen englische» MunltionStcaniporldampf.r „Marie öufaisne“ (3106 Beultveegiltertonncn) im Ae;,.ätschen Meer, den f-ouzösisch.« Tr. pp ntranLportdainpscr „Pampa" (4171 BruUoeetzist rtonucn) auf der Netse von Macicillc nach d.m Aegüilchcn Mrer und den srai-zösischcn Pvsldampfcr „Baikan„ (1709 BruUo^gislcnonnc!') aus drm Wege von Frouklcich roch ltorfila. Mit d>es-m gingen nach einer feindlichen Zntungsmcldung 500 Soldaten unter. Ein deutsches U Boot drang in den durch Sperren geschützten Hasen StaveoS (ägätse!) ein und ciziclte einen Torpedolreffer aus cngitsch.n Kreuzer der Junvklosse (5700 Tonnen.) Trotz hesrtgstec Gegenwehr gelang cs d!Nl u Boot unvcrse het den Hafen wieder zu verlassen. Der Chef des AdmiralftabcZ der Marine. » wtb. GroßesHauptquartier, 10. Scpt., 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: Bci Teilangriffen dis Fciudrs nördlich von Mechern und nördlich von Wern blieben kleinere Grabenstücke in seiner Hand. — Beiderseits der Straß Peronne— Eambrai s^tzle der Engländer seine Angriffe io t. Der Hauptstoß richtete sich gegen Goueeaucourt—Epehy. Ec wurde ubgewirsen. Auch am Abend aus dem Walde von tzavrir couct und südlich der Straße Peronne—Cam- brai cr.ncut vorbr.chende Angriffe des Gegners scheiterten. Teilkämpfe am Stonon-Walde (südöstlich von Bermand) und an der Straße St. Quentin. Unsere in vorlitztec Nacht vom C:ozat zurückgenommen Bortruppen hatten gestern wtsil ch der Linie EjstvNy—Bendeuil nur mit schwachen f indlichcn E kundungsabreilungen Fühlung. Teiltämpfe südlich der Oise, Art llerielätigkeit nördlrch der Arlette. Zwischen Alütte und AiSne nahm der Actllleciekampf am Mittag wieder große Stärke au. Heftige bis zum Abend mehcfach wiederholte Angriffe d.s Feindes scheiterten. Bcandenbucgische G enadrcre zeichneterl sich bci ihrer Abwehr bcsondcrs aus. Zwischen AiSne und Brsle wirsen wir Vorstöße der F anzosen ab. Eigene erfolgreiche Untermhmungen örtlich von Nenns und südöstlich von Parroy (an der Lothringischen Front) und am Doller. Ter Erste Generalquartieimcistec: Luden dorff. » Berlin, 10. Srpt., abends. Südlich der Straße Peronne—Cambrai wurden erneute Angriffe der Engländer, beiderseits der Straße Ham—St. Quentin Teil, angriffe der Franzosen abg' wiesen. Oertliche Kämpfe an der Ailctte. Zu Rlnaenburps RücHzug. Der „Berner Bund" schreibt: Das große Ziel der Offensive aus eignen Kräften galt den Durchbruch und der Zertrümmerung des deutschen Heeres. Bis heute ist noch keine Aussicht vorhanden, daß dieses Ziel von Foch erreicht werde. Die deutsche Front, die den schwersten Anstürmen gewachsen war und nicht zerrissen werden konnte, ist elastisch ausgewichen. Hindenburg muß auf eine kürzere Front zurückgehen, um Blut zu sparen, und dann wird er dem Feinde die gähne zeigen. 0eulscb!an0§ Spende für Säuglings- und RieinkinderRtnitz» * Eine überreiche Ernte hält seit mehr als virr Jahr-'y dir Tod unter den Besten unseres Bolsis, und voll bang-r Sorge fragen wir uns oft, ob cS überhaupt möglich lein wird, die schweren Wundrn wieder zu heilen, die dir Krieg Uttsrrem Bolkrkörpec geschlagen hat. Wir dürsrn die Frage getrost bejahen. Biel, unendlich viel haben wir verlorrn; aber eine neue Generation wächst heron, die berufen ist, das Erbe der Vätrr zu hüten. Sie gilt rs mit allen zu Gekote stehenden Mitteln zu erh-ltten und zu stärken. In der letzten Fricdenszeit, in der wir glaubt-n, einen Ucbe'.fluß an Menschen zu haben, ließen wir alljährtich viele Hundcrttausende von Säuglingen und Kleinkindern zugrunde gehen, von denen nu wert mehr als die Hälfte durch eine gut organisierte Fürsorge hätten retten können. In Zukunft dürfen wir unter keinen Umständen mit unserem kostbarsten Gut so verschwenderisch umgehen. Jedes Kind, das gesund zur. Welt kommt, muß. wenn irgend möglich, am Lrben erhalten und zu An m körperlich und geistig vollmerti- gen Menschen entwickelt werden. Dazu soll „Deutschlands Spende für Säuglings- und Kleinkindrrschutz" helfen. Wie früher bereits in allen anderen deutschen Bundesstaaten wird zu ihr n Gunsten in den nächsten Wochen auch in H sscn eine Land.ssammlung flattfinden, deren Ergebnis ausschließlich für unsere H.ssenkinder verwandt werden soll. Unsere Landessürstin, die die Mutter- und SäugltngSsürsoegc von ihren ersten Anfängen an in jeder Weise gefördert und mit reichen Mitte!« unterstützt hat, hat sich an die Spitze des Unternehmens gestellt und wendet sich in dcm in der gleichen Nummer dieses Blattes veröffentlichten Aufruf an alle Männer und Frauen unseres Landes. Möge ihr Ruf überall freudigen Widerhall finden, damit das große Werk gelingt und zu einer Quelle reichsten Segens für unsere Kinder und Kindeskindec wird. - --=*-.-.v*-_ h rf Entente-Spionage in der Schweiz Bereits mehrere Hundert Verurteilungen. Eine süddeutsche Zeitung hat kürzlich eine anscheinend von einem Schweizer herrührende interessante Ausführung über die Ententesptonage in der Schweiz gebracht. Hiernach betrugen im letzten Jahre die Verurteilungen in der Schweiz wegen Spionage zugunsten der Entente das Achtfache der Verurteilungen wegen Spionage zugunsten der Mittelmächte. Es ist deshalb kein Wunder, wenn die Schweizer Presse immer wieder sich mit dem unheilvollen Treiben der Spionage, insbesondere der der Entente, befaßt. Neuerdings behandelt dieses Thema im Züricher „Grütlianer" der bekante Rechtsanwalt und Schweizer Major Dr. Enderli in Zürich. Er weist darauf hin, daß der Oberste Strafgerichtshof schon mehrere hundert Verurteilugen wegen verbotenen Nachrichtendienstes hat aussprechen müssen, und daß fast täglich neue Spionagefälle die Gerichte beschäftigen. Enderli erwähnt einige Fälle von Verurteilungen von Ententespionen in der Schweiz zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen, und von zwei in Zürich als Ladnerinen tätig gewesenen Mädchen, die in Hannover und München langjährige Zuchthausstrafen wegen Landesverrats erlitten haben. Alle diese Personen waren Opfer von gewissenlosen Agenten, deren Auftraggeber letzten Endes im französischen Konsulat in Zürich oder in der französischen Botschaft in Bern zu suchen waren. Als eine besonders schwere Verletzug der Neutralität des Landes empfindet Dr. Ederli den kürzlich vor dem Bundesstrafgericht verhandelte Fall, der den Diebstahl von Telegrammrollen des Telegraphenamts in Zürich betraf. Drei Telegraphenbeamte waren durch Mittelmänner des italienischen Mtlitär- attachee in Bern gegen Zusicherungen hoher Belohnungen überredet worden, Staatsdepeschen der Mittelmächte an ihre Gesandtschaften in Bern, sogar auch solche an das Schweizer politische Departement in Bern zu entwenden und dem italienischen Militärattachee zur Verfügung zu stellen. Mit Recht hebt Dr. Enderli hervor, daß die Bemühungen der Behörden, der Spionage in der Schweiz ein Ende zu bereiten, so lange erfolglos bleiben müssen, als die Mitglieder der Gesandtschaften und der Konsulate ihre völkerrechtliche Unverletzlichkeit in der geschilderten Weise mißbrauchen. k - Wer soll die Kriegsschulden i bezahlen? "Englands Angst vor dem, was nach dem Kriege kommt. England hat zuerst versucht, durch sehr hohe Steuern die Kriegsaufwendungen ohne Anleihen aufzubringen. um das Volk vor ruinösen Steuern nach dem Kriege zu bewahren. Es hat aber trotz der hohen Steuern auch große Anleihen ausnehmen müssen; und so droht der Zukunft die volle Gefahr einer riesenhaften Schuldenlast. Einer der ersten Finanzsachleute Englands, Pros. Nicholson, behandelt dieses trübe Kapitel soeben im „Sc otsman". Er schreibt: ^ Jährlich 16 Milliarden Mehrbedarf. „Niemand erwartet das Ende der Kämpfe vor April 1919, und dann kommen die Kosten für die Demobilisierung und die Sicherung gegen deutschen Verrat. Der Friede muß ein bewaffneter sein. Der Wiederaufbau des Handels und die sozialen Reformen erfordern weitere Kosten. Um die normalen Ausgaben wieder durch normale Einnahmen zu decken und alle Schulden zu fundieren, sowie die Zinsen und die Rückstellung für die Tilgung aus den Steuern zu bezahlen, ist die Schätzung einer fünfmal größeren Einnahme aus Steuern als vor dem Kriege mit 800 000 000 Pfund Sterling wohl nicht zu hoch gegriffen." Gegen Vermögensabgabe, weil Produktions- vermindcrer. Nicholson schreibt weiter: „Nach dem Kriege wird die Demokratie den größten Teil der im Kriege gemachten Schulden hauptsächlich — wenn nicht ganz — auf den Einkommensteuerzahler abwälzen wollen. Während des Krieges ist die Einkommensteuer eine progressiv steigende geworden, was auch nach dem Kriege weiter der Fall sein wird. Die Vermögensabgabe ist keine neue Erscheinung. Ihr Grundgedanke ist, einen Teil der Staatsschuld zu tilgen, damit die Zinsen auf den verbleibenden Rest durch die gewöhnlichen Steuern aufgebracht werden können. Das einfachste Mittel wäre die Herabsetzung des Zinsfußes, aber Nichtanerkennung der Staatsschuld und Kontraktbruch widersprechen unseren hochgehaltenen Idealen, und seine Gefahren hat man zwingend an dem russischen und deutschen Beispiel gesehen." Der Verfasser zieht dann gegen die Verfechter der Vermögensabgabe zu Felde und hebt die schlechten Erfahrungen hervor, die man mit dieser Steuer in den Einzelstaaten der Verernigten Staaten gemacht hat. Er beruft sich auf den schroff ablehnenden Standpunkt der größten amerikanischen Fachleute in Finanzfragen. Professoren Plehn und Seligman. Die Ungleichheit in der Besteuerung und die technischen Schwierigkeiten werden eingehend geschildert, er arbeitenden Klassen würden ganz verschont bleiben, auch kann man die Gehirnarbeit nicht nach einem Steuersatz bewerten. Eine Steuer, die der Pro- duktionskraft Abbruch tut, trifft auch die Steuerkraft selbst." In jedem Geschäft muß der Umsatz im Verhältnis zu dem darin arbeitenden Kapital stehen. Wenn die Vermögensabgabe nicht bar bezahlt werden kann, muß solche von den Banken entliehen werden. Würde es nicht für den Geschäftsmann nachteilig sein, wenn er einen Teil seines Geschäftes seinem Bankier verpfändete? Durch diese Steuer würde die Pro- duktionskraft der Handelsgesellschaften gehemmt. Der wichtigste Etnwand gegen die Steuer ist aber der: Ist durch die Vermögensabgabe eine Garantie dafür gegeben, daß durch dteEinkommen steuer ermäßigt wird?" Und woher Hilfe? Niedrigere Zinsen oder Zwangsanleihe. Also schließt Nicholson: „Ter staatliche Geldbedarf wird weiterhin auch durch Anleihen gedeckt werden müssen. Zum gegenwärtigen Zinsfuß bedeuten jede weiteren 1000 Millio- nen Pfund Schulden über 50 Millionen Pfund Steuern, ohne Rückstellung für die Trlgung. Neuseeland hat bereits den Weg zu einer Anleihe zu niedrigerem Zinssatz gezeigt. Eine Z w a n g s a n l e i y e — selbst ohne Zinsen — würde eine geringere Belastung darstellen, als eine Zwangsbesteuerung ohne Rückerstattung des Kapitals." Rußland zahlt 6 Milliarden. Nunmehr sind die Ratifikationsurkunden zu den am 27. August Unterzeichneten deutsch-russischen Verträgen, nämlich dem Ergänzungsverlrag zum Frie- densvertrag sonne dem Finanzabtvminen und dem Pri- vatrechtsabtommen zur Erganzuiig des deutsch-russischen Zusatzvertrages ausgelau,chl worden ulid gewinnen damit Rechtskraft. Aus öcu Abkommen ist der größte Teil bereits bekannt, Haupt-Interesse beansprucht das Finanzabkommen. Artikel 2. Rußland wird zur Entschädigung der durch russische Maßnahmen geschädigten Deutschen uniec Berücksichtigung der entsprechenden russischen Gegensorderungen und unter Anrechnung des Wertes der nach Frledenvschiutz von deutschen Streilträsten in Rußland veichlagiiahmlen Vorräte einen Betrag voii 6 Milliarden Mark an Teuisch- zahlen. j , v>! ■ , i I i Artikel 3. Die Bezahlung der im Artikel 2 erwähnten 6 Milliarden Mark erfolgt in nachstehender Weise. 8 1. Ein Betrag von 1 l /a Milli arden Mark wird durch Ueberweisung von 245 564 Kilogramm Fe ingold und 545 440 000 Rubel in Banknoten, und zwar 363 628 000 Rudel in Stücken zu 50, 100 oder 500 Rubel, 181 812 000 Rubel in Stücken zu 250 oder 1000 Rubel, bezahlt werden. , ,[^1 | i Die Ueberweisung in fünf Teilbet rügen, nämLch 1. einem am 10. September 1918 zu zahlenden Betrage von . ..i . i , 42 860 Kilogramm Feingold und 90 900 000 Rubel in Banknoten, und zwar , 60 600 000 Rubel in Stücken zu 50, 100 oder 500 Rubel, 30 30 000 Rubel in Stücken zu 250 oder 1000 Rubel. 3. Vier am 30. September, 31. Oktober, 30. November und 31 Dezember 1913 zu zahlenden Beträgen von le , , : , IJ , ! , 50 676 Kilogramm Feingold und 113 635 000 Rubel in Banknoten, und zwar 75 757 000 Rubel in Stücken zu 50, 100 oder 500 Rubel, 37 878 000 Rubel in Stücken zu 250 oder 1600 Rubel. Die Teilbeträge sind in Orscha oder Pskow den Beauftragten der deutschen Negierung zu übergeben; die Beauftragten werden beim Empfang eine vorläufige Quittung ausstellen, die nach Abschluß der Prüfung und Zählung des Goldes und der Noten durch eine endgiltige Quittung ersetzt werden soll. 8 2. Ein Betrag von einer Milliarde Mark soll durch Lieferung russischer Waren nach Maßgabe der darüber zu treffenden besonderen Vereinbarung getilgt werden. Die Waren sind im Werte von je 50 Mill. Mark bis zum 15. November und 31. Dezember 1918 im Werte von je 150 Mill. Mark bis zum 31. März, 30. Juni, 30. September und 31. Dezember 1918, im Werte von 300 Millionen Mark bis zum 31. März 1920 zu liefern; soweit die Lieferungen bis zu diesen Terminen nicht erfolgen können, würde der jeweils fehlende Betrag alsbald entweder in deutschen Reichskanknoten zum Nennwert oder in Feingold oder Rubelnoten nach dein Verhältnis drei zu zwei, und zwar zu einem jeweils festzusetzenden Kurse, zu begleichen sein. 8 3. Ein Betrag von 2*/a Milliarden Mark wird bis zum 31. Dezember 1918 durch Uebergabe von Titeln einer vom 1. Januar 1919 an mit 6 vom Hundert verzinslichen und mit Va vom Hundert zuzüglich der ersparten Zinsen zu tilgenden Anleihe beglichen werden, die von der russischen Regierung im Nennbeträge der bezeichneten Summe in Deutschland ausgenommen wird, und deren Bedingungen als Bestandteil dieser Vereinbarung gelten sollen. Als Sicherheiten für die im Absatz 1 be- zeichnete Anleihe sollen bestimmte S t a a t S e i n n a h m e n, insbesondere, auch die Pachtgebühren für gewisse an Deutsche zu erteilende wirtschaftliche Konzessionen hasten; die Sicherheiten sind im einzelnen durch eine besondere Vereinbarung festzusetzen, dergestalt, daß die veranschlagten JahreS- einkünfte ans ihnen den Jahresbetrag der Verzinsung und Tilgung um mindestens 20 vom Hundert übersteigen. 8 4. Wegen des Restbetrages von 1 Milliarde Mark bleibt, soweit seine Zahlung nicht mit Zustimmung Deutschlands von der Ukraine und Finnland bei ihrer VermögenSauketnandersetzung mit Rußland übernommen wird, eine besondere Vereinbarung Vorbehalten. * In der russischen Staatsbank waren vor der Revolution ca. Zl/s Milliarden in Gold. In dieser Hinsicht dürfte also die Durchführung des Vertrages keine Schwierigkeiten machen. * Hauptsache ist schleunigster Warenaustausch! Weit wichtiger als die Kriegsentschädigung wird für uns der nunmehr beginnende, möglichst umfangreiche Warenaustausch sein. Denn jetzt müssen lvir in Rußland die Beziehungen gewinnen, die uns den russischen Markt für die Zukunft sichern und uns den Ersatz für die verloren gegangenen Absatzgebiete in anderen Erdteilen verschaffen. Tie russische Geldzahlung. Laut Ausweis der russischen Staatsbank vom 5. November 1917, dem letzten, der in Petersburg veröffentlicht wurde, verfügte die Bank damals noch über 1 29 2 Millionen Rubel in Gold. Den Gold- rubei zur alten Relation von 3,20 Mark gerechnet, ergibt das die Summe von 4137,6 Millionen Mark. Was ferner das von Rußland zu liefernde Feingold betrifft, so hat 1 Kilogramm davon einen Wert von 2 790 Mark, also 245 564 Kilogr. einen Wert von 685 123 560 Mark. Krieg aller gegen alle. Kriegszustand in Wladiwostok. Wegen der sich fast jeden Tag in Wladiwostok wiederholenden Vorgänge, die auf den Kanips der vermiedenen Regierungen untereinander zurückzusühren tnd. hat Genergl Otani trotz des Widerspruches des amerikaniswen Vertreters in der ganzen Stadt und in einem Umkreis von 50 Kilometern den verschärften Kriegszustand eingeführt. In den Straßen pcuronillie- ren chinesische, französische und japanische Soldaten. 466 Soldaten des Generals Horwat ausgewiescn. 400 Russen, die unter dem Kommando des Generals Ploschkow standen und dem General Horvat gegen die Bolschewtki zur Gewaltherrschaft verhelfen wollten, wurden aus Wladiwostok ausgewiesen, nachdem ihre Entwaffnung durch die T s ch e ch o - S l o w a k e n (die Burschen sind zu allem zu gebrauchen! Neulich kämpften sre für Horvat!) erfolgt war. Horvat des Verrats und der Spionage augcklagt. Der bisherige Günstling der Entente, General Horvat, der vor einigen Tagen versucht hatte, die oberste Gewalt an sich zu reißen, wird von der Entente, nachdem er der Einladung, sich den Vertretern der Entente zu stellen, nicht gefolgt ist, des Verrats und der Spionage angeklagt. Dieses Verfahren gegen Horvat kann schlimme Folgen haben, da hinter Horvat fast ganz Sibirien, soweit es nicht bolschewistisch ist, steht und er den größten Einfluß in der Mandschurei besitzt. Als Nachfolger des ermordeten Komniissars Uritzki wird vielfach der aus Finnland gekommene und für Wien als Botschafter bestimmte Kamieniew genannt. * „Strafexpedition gegen Rußland? Aus Moskau wird gemeldet, daß die Engländer aus W u t über das Vorgehen der Sowjetregieruna (gegen englische Verschwörer) sofort Schritte bei alten verbündeten Mächten unternommen haben, um eine gemeinsame Strasexvedition gegen Petersburg zu senden. Es sollen mehrLre tausend Soldaten in dem von England besetzten Nordhafen landen. Die aufständischen Bauern (haha! die sollen die Kastanien aus dem Feuer holen!) sollen mit Waffen und Munition versehen werden, und der Vormarsch von Petroza- wodsk, das die Engländer besetzt haben, gegen die 300 Kilometer weit entfernt liegende Hauptstadt beginnen. England selbst wird sich dabei die Finger nicht verbrennen! Von einem „Nordhafen" aus versucht man ja schon lange, nach dem Süden zu kommen, aber es gelingt nicht. Und der Winter naht schnell, so daß. die Landung oer Engländer im Ncnoen ohnehin ein großes Risiko bedeutet. In Moskau wird man sich keine Angst dadurch ein- jagen lassen. ♦ • » Tie Verherrlichung des Moskauer Attentats in Frankreich. Der „Populair", das Blatt der jetzigen sozialistischen Mehrheit tu Frankreich, erhebt scharfen Einspruch dagegen, daß die Pariser Presse den Mordanschlag gegen Lenin verherrliche. Ter Verband kämpfe in Wahrheit nicht gegen die Deutschen, sondern gegen die russischen Arbeiter und Bauern. Der Seehandlungsdieb entlarvt. Tie Schreibmaschine bringt es an den Tag. Als ermittelt wurde, die Diebe hätten bei der Erschwindelung von 600 000 Mark bei der Seehandlung vier verschiedene Schreibmaschinen gebraucht, da meinte die Polizei, das sei ein Zeichen besonderer Schläue. In Wirklichkeit war es ihr Verderben. Für jedeil, der mit Schreibmaschinen zu tun hat, stand von vornherein fest, daß das ihnen zum Verderben werden mußte. Und richtig. Während die Polizei in der Seehand- lung größte Untersuchungen veranstaltete, erschienen zwei Inhaberinnen eines Schreibbureaus und erklärten, die Schriftarten der vier Schreibmaschinen stiinmten mit ihren Maschinen überein, und neulich sei ein junger Mann bei ihnen gewesen und habe auf allen vier Maschinen kurze Sachen geschrieben bezw. schreiben lassen. Die Polizei ließ darauf alle Bankausgänge besetzen, die Schreibbureau-Tamen mußten in einem Zimmer Platz nehmen, und nun defilierten die Beamten einer nach dem anderen an ihnen vorüber. Etwa als Vierzigster kam Ziegler an die Reihe. Kaum waren die Damen seiner ansichtig geworden, so sprang die eine von ihnen auf, rannte auf Ziegler zu, packte ihn und schrie: „Das ist er!" Ziegler bequemte sich nach einer knappen halben Stunde, ein umfassendes Geständnis abzulegen. Ra- biger machte auf ihn keinen guten Eindruck, so daß er sich von ihm fernhielt, wogegen Rabiger sich ihm immer aufdrängte. Ten Annäherungsversuchen Ra- bigers kam zugute, daß beide im selben Restaurant: zu Mittag speisten und Rabiger ihm stets seine Kartenabschnitte zur Verfügung stellte. Sehr geschickt wußte R. den Kollegen zu bearbeiten und seinen Plänew gefügig zu machen. Ziegler ließ nun seine Schwester zur Mode- schau nach Berlin kommen und erklärte ihr, daß er Kriegsgeschäste mache, und um den ungeheuren Steuern, die darauf lasten, zu entgehen, müsse er sie unter falschen Ramen aussühren. Martha Ziegler trat nun als „Fräulein Fischer" in Funktion, mietete die Wohnung in der Kleiststraße, bestellte die Briefbogen und Stempel und zahlte bei der Seehandlung die 500 Mark auf das fingierte Konto Flörsheimer ein. Der Staat bekommt fast das ganze Geld zurück. Ziegler hatte es in Freiburg auf die Bank gebracht. Auf Biegen oder Brechen. Tie Sozialisten in Italien machen ernst. Die gesamte italienische Presse bespricht die Beschlüsse des sozialistischen Parteitages als ein; außerordentliches Ereignis von weittragender Bedeut tUNg. , Die Zensur hat die Veröffentlichung unterdrückt, aber schon die abgelehnten und durch ganz radikale Gegenbeschlüsse ersetzten Vermittlungsanträge waren äußerst scharf, wurden aber mit Fünfsechstel-Mehrheit niedergestimmt. ^ Die sozialistische Parlamentsgruppe wird als schwer betroffen geschildert. Sie werde sich aber unterwerfen müssen. Nur der Abg. Turati erklärte, daß er bleibe, wer und wie er war. Seine Ausstoßung aus der Partei wird daher wohl nicht lange aus sich warten lassen. . Das nationalistische Kriegshetzer- und Kriegsge- winnlerblatt „Secolo" schreibt: „Die sozialistische Partei verschärft ihre Jntran- siaenz und verharrt inmitten der Nation wie eine feindliche Macht, gefühllos gegenüber der nationalen Solidarität» den Geschehnissen des Krieges und dem Geschick des Vaterlandes." Tie zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilten Mitglieder der Parteileitung Lazzari. Serrati und Bella wurden w i e d e r g e w ä h l t. Drei nicht der extremen Richtung angehörende Mitglieder wurden nicht wiedergewühlt. Es geht also in Italien jetzt auf Biegen oder Brechen. Dazu kommt, daß der Winter vor der Tur steht, mit seiner Kohlennot, mit seiner schlechten Ernährung und seiner Arbeitslosigkeit, mit dem Man- gel an Kleidung, dem Mangel an allem! Das römische Kriegsverbrechertum sitzt auf einem Pulverfasse! Allgemeine Kriegsnachrichterr. 8 Milk arden Kriegdeinkommenstencr. Ter Führer der Mehrheit im Repräsentantenhause Kitchen legte ein Kriegseinkommensteuergesetz über 8 Milliarden Dollar zur Erwägung vor. Die Negierung erklärte, die Steuerlasten unter diesem Gesetz werden nicht härter seien, als die Lasten der Männer an der Front. Seit die Bereinigten Staaten den Krieg erklär- | tc«, sind die Geschästsgewinne enorm ver- ntc h r t worden, und selbst nach Zahlung aller Steuern, die durch dieses Steuergesetz erhoben werden sollen, bleiben immer noch anderthalb Milliarden zur Aus- ! zahlung von Dividenden. Die Zeit könne kommen, wo hohe Verbrauchssteuern notwendig werden. Wenn sie kommt, wird das amerikanische Volk gern alle Gewinne und alles nicht zum Leben erforderliche Einkommen abgeben, um den Krieg zu gewinnen. Ter Bayernkönig in Bulgarien, lieber die Reise König Ludwigs wird aus Belgrad gemeldet: Der König fuhr mit dem Dampfer „Herzogin Sophie" nach Panosova. Von dort geht die Reise durch das Eiserne Tor nach Widdin und Lom- palanka, wo die Ankunft am Sonnabend erfolgt. Auf der Fahrt wird der König einige an der Donaustrecke liegende bayerische Truppenteile besichtigen. Von Lom- palanka erfolgt die Weiterreise mit der Bahn nach Sofia. Kriegsgetvinnlcrei in England. 100 Proz. Gewinn bis zum Ladenhändler, das ist auch für England sehr reichlich. Die „Financial Times" veröffentlicht eine Zuschrift von Harry Motz, der nachzuweisen sucht, daß der Reingewinn des Trusts an dem aus Argentinien nach England verschifften Rindfleisch bei einem Selbstkostenpreis von unter 22 Pfund mehr als 19 Pfund beträgt, wozu noch ein Regierungsreingewintt von fast 0 Pfund kommt, so daß der Kleinverkaussschlachter in England einen Gesamtgewinn von über 100 Proz. bezahlen muß. Damit nicht genug, handelt es sich sehr oft um sehr minderwertiges Fleisch von Kühen und nicht schlachtreifen Tiereii, so daß der englische Verbraucher doppelt schwer getroffen wird. „Wenn die Behauptungen der Zuschrift. die auf Zahlen beruhen, bewiesen werden können," — sagt das Blatt — „so erscheint es unwiderleglich, daß die Fleischabteilung des Nahrungsmtttel- ministeriums mehr Schaden als Nutzen stiftet." Kleine Kriegsnachrichlen. « Auch Norwegen macht sich aus eine scharfe „Rationierung" von Oel und Fett gefaßt. " In Frankfurt a. Main wurde am 5. September 1918 ein Lehrgang für die Sammlung (!) von Roh- und Ab- fallstofsen begonnen. * " Tie Regierung von Eanada hat den Eiiikauf, Verkauf und Erport von Weizen. dein Hauptprodnkl dieser nordamerikanischen Niesenkolonte Englands, unter ihre Kontrolle genommen Do litis che Rundschau. — Graf Bernstorff, der deutsche Botschafter in Koustantinopel, ist in Berlin etngetuoffen. — Der türkische Großwesir Talaat Pascha ist in Berlin eingetroffen. * :: Ter Hetman der Ukraine ist am Sonnabend beim Kaiser auf Wilhelmshöhe gewesen, der dort bei dem Empfange eine Ansprache an den Gast richtete, worin er u. a. sagte: „Daß sich durch die gemeinsame Arbeit der m der Ukraine weilenden deutschen Truppen und Beamten mit den ukrainischen Behörden zwischen unseren Völkern mehr und mehr ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens zu entwickeln beginnt, ge reicht Mir zur besonderen Freude." Der Hetman, dessen Gefolge in bordeauroter Umform mit historischen Säbeln erschien, gab in seiner Antwort der zuversichtlichen .Hoffnung Ausdruck, „daß die schon so glücklich eiugeleiteten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem mächtigen Deutschen Reiche und der Ukraine sich i m m e r mehr vertiefen werden zum Segen beider Völker." :: Tie Erschließung neuer Einnahmequellen fnr die Städte hat den Deutschen Städtetag eingehend beschäftigt und nach einer Begründung durch den Oberbürgermeister Dr. Luther-Essen zur Annahme einer Entschließung und von Leitsätzen geführt, die völlig neue, ergiebig und ständig fließende Einnahmequellen der Gemeinden als Vorbedingung für die Erfüllung der den Städten obliegenden sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufgaben in der Zukunft für nötig halten. Besteuerung des Haltens von Katzen, Luxuspferden, Musikinstrumenten u. a. könne als Heilmittel ebensowenig angesehen werden, wie Hinweise aus große, bisher unerprobte wirtschaftliche Unternehmungen, wie etwa die Verstadtlichung von Schauk- wirtschaften (Gotenburger System) oder eine dauernde Belieferung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und dergleichen. Eine klare Scheidung der Abgabenquellen des Reiches, Staates und der Gemeinden müsse der oberste Wunsch aller öffentlichen Verbände sein. Der Plan, ob die Gemeinden nicht durch Fortsetzung ihrer Tätigkeit aus dem Gebiete der Ernährung sich dauernde Einnahmen verschaffen können, ist innerhalb der Reichsbehörden erörtert worden. Bon diesem Danaergeschenk wollen aber die Gemeinden nach den gemachten Erfahrungen nichts wissen, und die Bevölkerung erst recht nicht. Bei der Abspaltung der Neichs- steueru besteht die große Gefahr, daß daraus eine dauernde Abhängigkeit der Selbstverwaltung vom Staat und Reich entstehen kann. :: Versorgung mit Kolonialwaren. Der Bundesrat hat eine Verordnung erlassen, durch die der Reichskanzler ermächtigt wird, die für die Zwecke der Ueber- gangswirtschaft erforderlichen vorbereitenden Maßnah- men zur Versorgung Deutschlands mit Kolonialwaren zu treffen. :: Tas Bier wird wieder teurer. Die Verhandlungen der deutschen Brauereien mit dem Kriegsernährungsamt wegen der Erhöhung der Bierpreise sind jetzt abgeschlossen. Die Norddeutsche Brausteuergemeinschaft wird demnach den Herstellerhöchstpreis für Bier für die Zivilbevölkerung vom 1. Oktober ab von 23 auf 29 Mark für hundert Liter erhöhen. Die Landesbehörden sollen gleichfalls mit Wirkung vom 1. Oktober ab einen Höchstsatz bestimmen, den die Bierverleger an Gewinn Anschlägen dürfen. :: Hnndcrttaufendc von Rindern „verschwunden". > Zur Bekämpfung des Schleichhandels mit Vieh wird in Bayern ein sogenannter Viehkataster eingeführt. In diesen Kataster mutz jeder Zu- und Abgang von Vieh nach Gattung, Alter und Geschlecht genau eingetragen werden, denn man hat die Wahrnehmung gemacht, daß bei den Viehbestandsaufnahmen hunderttausende von Rindern fehlten, die nur der heimlichen Schlachtung zum Opfer gefallen sein konnten. Uebrigens werden auch die thüringischen Staaten, wo sich gleichfalls bei der letzten Viehbestandsaufnahme ein nicht nachweisbarer Abgang von über 200 000 Rindern ergab, dem bayerischen Vorgehen in allernächster Zeit folgen. :: Ter Lippische Landtag ist am 4. September zusammengetreten zur Beratung über das bedeutsame Landwirtschaftskammergesetz, ferner über die den Beaniten zu gewährenden K r i e g s z u I a $ e n. — Staatsminister Freiherr v. Biedenweg hielt eine Ansprache, in der er an die Taheimgebliebenen die Mahnung richtete, alles zu tun, um das uns von den Feinden zugedachte erbärmliche Schicksal von uns abzuwenden und dem Vaterlande seinen Platz in der Welt zu erhalten. :: Tic Unabhängige Kandidatur in Berlin I. Wie die sozialistische „Intern. Korresp." hört, hat die Unabhängige Sozialdemokratie .Herrn Adolf Hoffmann als 'Reichstagskandidaten für Berlin I in Aussicht genommen. Der „Gothaer Generalanzeiger" behauptet freilich, es sei ein Genosse Richard Müller, ein Metallarbeiter, ein „Mann aus der Werkstatt", aufgestellt worden. * * * Schweden: Wachsende Kricgsleiden. ; Neuerdings ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt in > Stockholm geradezu verzweifelt. Die Bautätigkeit während des ganzen Jahres ist äußerst gering gewesen. Infolge des Streiks find nicht einmal die wenigen Wohnungen fertig geworden, auf die man gerechnet hatte. Tie Schwierigkeiten treffen nicht mehr die Arbeiter allein, sondern alle Gesellschaftsklassen. Für zum 1. Oktober k. I. fertigwerdende Mietshäuser rechnet man 1500 Kr. Miete für das Zimmer. höhung des Grundkapitals um 225 000 Mark vorzuschlagen. In der Generalversammlung wurde die Genehmigung zur Erhöhung des Grundkapitals durch Ausgabe von 225 neuen Aktien über je 1000 Mark gegeben. ** Berliner Früchte. Ein Berliner Mädel in Knabenkleidung wurde auf dem Bahnhof Insterburg angehalten, als es dort ohne Fahrkarte eintraf. Auf der Polizeiwache bestand die junge Reißaus zunächst daraus, ein Junge zu sein. Sie nannte sich August v. B. und wollte in Charlottenburg wohnen. Erst später erklärte sie, die Tochter eines Zimmermanns v. B. in Berlin zu sein. Die Eltern waren während des Russeneinfalls nach Berlin geflüchtet. Ter Vater wäre in Berlin geblieben, während die Mutter nach Eydtkuhnen zurückkehrte. Da sich der Vater um sie nicht kümmere, hätte sie die Absicht gebabt, zu der Mutter zurückzukehren. Um besser als blinder Passagier durchzukommen, ließ sie sich die Haare kurz schneiden und zog Knabenkleidung an. ** Trotzdem gestohlen. Der Pastor in Betgendors hatte seinen wertvollen Kahn aus Angst vor Dieben besonders gesichert. Er hatte drei starke Pfähle in den See geschlagen, und an diesen mit drei eisernen Ketten und drei Schlössern den Kahn angeschlossen. Als er dieser Tage den Kahn benutzen wollte, war er mitsamt den Pfählen, Ketten und Schlössern verschwunden. 4 --» Aus aller Welt ** Kriegsgefangene beim Fcuerlöschdienst. Auf der Vertreter-Versammlung der Kreis-Feuerwehr wurde em Antrag eingebracht, Kriegsgefangene zum Feuerlosch- dienst heranziehen zu können. Auf Ansuchen des Vorsitzenden des Kreisverbandes ist vom Gefangenen- Wachtkommando der Bescheid eingegangen, daß dre Wachmänner Anweisung erhalten sollen, in Brand- fällen mit ihren Gefangenen zwecks Hilfeleistung zur Brandstätte zu eilen. ** Bor Zuzug wird gewarnt! Eine beachtenswerte Kundgebung veröffentlicht der Magistrat von Bütow in Pommern. Sie besagt: „In letzter Zeit mehren sich die Zuzüge von Landleuten in die Stadt. >vte Ursache liegt oft darin, daß die Betreffenden nicht mehr landwirtschaftliche Arbeiten verrichten wollen und hoffen, in der Stadt höhere Kriegsunterstützungen und Beihilfen zu bekommen. Bei der jetzigen Wohnungsknappheit haben wir ein dringendes Interesse daran, den Zuzug von solchen Landleuten zu verhindern. Im Interesse der Volksernährung werden Arbeitskräfte auf deni Laiide dringend gebraucht. Kriegerfrauen, die vom Lande in die Stadt ziehen, haben aus städtische Zuschüsse (Mietbeihilfen usw. zu den staatlichen Familienunter- stützungen) nicht zu rechnen. Wir warnen die stadti- > schen Hausbesitzer vor der Ausnahme vom Lande zuziehender Personen. Mietbeihilsen werden in solchen Fällen nicht bezahlt. . ** Steuer-Burcaukratismus. In Kunitz (Kreis Liegnitz) hatte auf dem dortigen Niedergut ein Arbeiter sieben Tabakpslanzen sich gekauft. Tie Pflanzen gediehen im Garten sehr gut. Da erschien eines Tages der Steuerbeamte und verlangte 10 Psg. für jede Pflanze. Das war aber dem armen landwirtschaftlichen Arbeiter zu hoch, und er verweigerte die Zahlung. Da forderte der Beamte den Arbeiter auf, die Tabakpflanzen sofort zu vernichten. Als dies der Arbeiter nicht befolgte, zertrat der Beamte selbst die prächtig entwickelten Tabakpflanzen. — In den Zeiten des Tabakmangels wieder ein „Meisterstückchen" des heiligen Bureaukratismus! ** Aufträge zur Herstellung von Kriegsanleihe- 1 stücken hat die Aktien-Gesellschaft „Vereiniate Banhe- ner Papierfabriken" in solchem Umfanae erhalten, daß die Ge ellschaft sich infolgedessen genötigt sah, eine Er- Explosion »n einer Pulverfabrik. In Der Pulverfabrik von Franz Winterholler in Tharsau fand eine Explosion statt, .die aus noch nicht geklärte betriebstechnische Ursachen zurückznführen ist. Außer dem Sachschaden sind einige Menschenleben zu beklagen. ** Städtische Zwangsanleihe. Tie Stadt Warschau hat bei wohlhabenden Einwohnern eine Zwangsanleihe ausgeschrieben. Da von den vom Magistrate zur Anteilnahme an der sechsprozentigen Anleihe benannten 4300 Personen bis jetzt erst 1200 Personen vorichrrfts- gemäß die Anleihe erworben haben und die vom Magistrat ausgesandten Mahnungen nicht den gewünschten Erfolg erzielten, wurde von der Fmanzab- teilung der Stadtverwaltung beschlossen, dem Vollstreckungsdienst Auftrag zur Eintreibung der einmaligen Steuer in Höhe von 20 Prozent der rückständigen Summe unter gleichzeitiger Erhebung von 1 Prozent Zuschlag für jeden verspäteten Monat zu erteilen. ** Tie Urlauber als Mittagsgäste. Eine in der gegenwärtigen Zeit recht selten gewordene menschenfreundliche Gesinnung gibt der Schmiedemeister Lrchert in Niederweistritz kund, indem er schon seit längerer Zeit jeden aus dem Dorfe stammenden Kriegsteilnehmer, wenn er nach der Heimat auf Urlaub kommt, einmal zu sich zum Mittagessen einladet. So kommt es fast allwöchentlich vor, daß einer oder manchmal mehrere Feldgraue zugleich bei ihm zu Gaste sind und sich am Familientische an Speise und Trank, sowie an den freundlichen Worten des Gastgebers laben können. ... m ** Brotkarten auf Vorschuß. Die vorzeitige Belieferung der Brotmarken durch die Bäckereien hat in Köthen zu erheblichen Schwierigkeiten geführt. Am Mittwoch und Donnerstag erschienen Hunderte von I Frauen auf dem Rathause und verlangten Brotmarken. Er stellte sich heraus, daß sie mit ihren Marken sehr unwirtschaftlich verfahren und sie schon 8 bis 14 Tage vor der Gültigkeit in Zahlung gegeben hatten. Da Sonderzuweisungen seitens des Magistrats nicht gegeben werden konnten, wurde jeder Frau, um der augenblicklichen Not zu steuern, eine Brotmarke vor,chuß- weise gegeben und bei der Verteilung der neuen Wracken in Abzug gebracht. Um aber den betreffenden Familien etwas entgegenzukommen, gab man für jede abgezogene Brotmarke eine Anweisung aus zwei Psnnd Kartosselwalzmehl. Ten Bäckereien aber wurde strengste Weisung gegeben, Marken nicht vor dem Gültigkerts- termin ' anzunehmen.^_ . . ** Tie endlosen Pilzvergiftungen haben die großstädtische Presse endlich zu der Erkenntnis gebracht, daß die fortgesetzten Anregungen der Presse usw. zur Pilzverwertnng die Schuld tragen. Jetzt heißt es an derselben Stelle, an der sonst zur Sammlung von Pilzen angeregt wird: „Pilze dürfen nur von Kennern gesammelt werden!" o „ W e r ist Kenner? Wie wird man Kenner? Die Pen- sronsinhaberin in Potsdam, durch deren Suchen fünf Personen zu Tode gekommen sind, hatte nach einem Merkblatt" gesammelt. Diese Merkblätter, deren eines auch vom Retchsgesnndheitsamte herausgegeben worden ist. ermöglicht für den Nicht-Kenner keine genügende Unterscheidung. - Wer Pilze nicht kennt, versuche nur einmal, mit diesen Merkblättern fertig zu werden; er wird finden, daß „alles anders" ist, daß man sich darauf nicht verlassen kann. In Potsdam ist gegen die unglückselige Pensionatsinhaberin Frau Blindow eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Das Befinden der beiden noch in ärztlicher Behandlung stehenden Kranken hat sich soweit gebessert, daß sie sich jetzt außer Lebensgefahr befinden. Zwei Soldaten sind ebenfalls außer Gefahr. Gerichtssaal. ^Nächtliche Tiebessahrtcn eines Ehepaares. Der jetzt in Untersuchungshast sitzende Techniker Ernst Sch., der früher in Aachen wohnte, hielt sich im Februar d. I. in einem Hotel in Düsseldorf auf. Hier führte das junge Ehepaar ein eigentümliches Leben, denn sie waren öfters nachts nicht im Hotel, sondern kehrten erst am hellen Morgen heim. Dies rätselhafte Auftreten soll.e bald seine Aufklärung finden. Sch. unternahm nachts Diebesfahrten, auf denen er fast durchweg von seiner Frau begleitet war. Er kam dabei in die Umgegend von Osterrath 1 und Düsseldorf, wo Sch auf einer ganzen Reihe von 'Gehöften Stallungen erbrach, aus denen er Kaninchen, sowie Gefügel in großer Zahl stahl . Die Frau Sch. beteiligte sich bei der Fortschafsung des gestohlenen Geflügels. Welchen Umfang die Diebereien des Sch. angenommen haben, geht ander Tatsache .hervor, daß Sch. bei dein Verkauf de- Geflügels bet einem Händler in Düsseldorf etwa 5000 Mark erhielt. Die Angeklagten, die in einer Notlage gehandelt haben wollen, waren im großen und ganzen geständig. Das Gericht in Creseld erkannte gegen Sch. ans zwei Jahre, gegen seine Frau aus neun Monate Gefängnis. Deutschlands Spende für Sängiings- ' und Mcmlrindet schuh. m H s ty 111 f f.- f i i' ' i a B-er Jahre lang wütet nun der Weltkrieg. Furchtbar sind die Opfer, die er von unserem Bolk gefordert hat und noch täglich fordert. Dis Zukunft nnfrrsa Uatrv landrs ist unfs schwerste gefährdet. wenn es nicht gelingt, einen Ausgleich zu schaffen für die Hunderttausende von blühenden Menscheineben, die uns durch den Krieg entrissen worden sind. Vor allem gilt es, die erschreckend hohe Sterblichkeit der Säuglinge und Kleinkinder zu bekämpfen. In den letzen Friedensjahren gingen von hundert öeulschen Kindern fünfzehn ßc cHs im ersten Lebensjahr zu Grunde, mehr als in fast alle» andere» Kulturstaatsn. Eine durchgreifende Hilfe durch Ausbau des Mutterschutzes und der Kinderfürsorge ist hier dringend nötig. Dazu sind aber neben den Zuschüssen des Staates, der Kreise und Gemeinden weitere bedeutende Mittel erforderlich, die durch eine große Molksspends aufgebracht werden sollen. Die Sammlung für „ Dorrt sch lrnids Spende für Säug- lirrgs- und Klrinkinderfchntz" wird in Hessen im September dieses Jahres stattfinden,- ihr «viffaa verbleibt nrisschttetzttch unserem engeren Uaterlandr. Wir wenden uns an den oft bewährten Opfersinn des Hessenvolkes mit der herzlichen Bitte, an dem großen Werk der Nächstenliebe mitzuhelfen. Möge jeder nach Kräften dazu beitragen, die Fürsorge für unsere Kleinen und Kleinsten zu fördern. Es ßPt die Znkun.t unseres UsUrcs, die Macht und Große unseres l/eißge!iebtrrr Uaterlaudes! Darmstadt, im September 1918. Meonore Kro^herzogin von Kessen und bei Whein. Der Dorstand der Hroßh Zentrale für Mutter- und Särgtingc für sorge i Kessen. I-ch. Die MlSMMMiNlmgHeU für erwerbstätig« Trauen und Mädchen. . ===== Ufiffanlng« r! bietet Frauen und Mädchen unentgeltlich Auskunft und Beistand in häuslichen und persönlichen Angelegenheiten, sowie Beratung bei der Wahl der Beschäftigung. mimr- mis Sätiaünäffclsufz. K^dmilrforge. 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Anträge auf Zilassung von Ausnahmen, die nur in durchaus dringenden Fällen berücksichtigt werden können, sind füc Güter des öffentlichen Verkehrs an die Königliche Eiscnbahndirekrion, für Mlirärgüter an die Kriegsamtstelle des Emfarigsor.tcs zu richten. Die Annahme von Expreßgut bleibt in der seitherigen Werfe cing»schränkt. Nähere Auskunft e» teilen die Auskunstsielli.- für Güter verkehr im Gcschäftsgtbäude der Königlichen Eisobahi- direktion, Hohenzollernplatz 35. sowie die Euttr-, Eil gut- und G-Pückabfertigung. Franksu t (M), den 9. September 1918. Königliche eifenbatzuSirelttion frankfiirt (Main) m ömchiMM m bedürfen kein sie schmerzerrdes Bruchband mehr, wenn sie mein ;.i Größe verschwindend kleines, nach Maß und ohne Feder, Tag und Nacht tragbares, auf seinen Druck, ivie auch jeder Lage und Größe des Bruchleidens selbst verstellbares tt n t v e Ä? aL -- BrNchbg n s tragen, das für Erwachsene und Kinder, wie auch jedem Leiden entsprechend herstellbar ist. 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