vierteljährlich 1,80 Ml., vorauszahlbar, freiinSHaus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint (EfPCMtiOlt! Mittwochs und Samstags. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrui^ oder Rücksendung n Ich t verlangter Manuskripte wirb nicht garantiert. Verlag der „Gießener Zeitung", Gießen. die 44 mm breite P e t i t z e i l e, für Auswärts 30 Pfg. Die 9b mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. 5Üd(lNlage 21. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlung?- zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneVerbindlichkeit. Druck der Gießencr Verlagödruckerei, Albin Klein. Nr. 69. Telephon Nr. 362. Samstag, den 10. August 1918. Telephon Nr. 362. 31. Jahrg. Paris wird ans deutschen Geschützen weiter beschossen. 37 666, «. 25669 Br.-R -T. = zusammen 82666 Br -R.-T. versenkt. Zur militärischen Lage im Aesten. Genf, 7. Aug. Nach den zuletzt eingegangenen Pariser Meldungen dauerten auch im Laufe des Mitt- wuchs die Fernbeschießungen auf Paris fort. Einzel, heiten über die Beschießung dürfen weder in Pariser noch in auswärtigen Blättern veröffentlicht werden. Paris, 8. Aug. Die Beschießung der Gegend von Paris dauert an. Zürich, 9. Aug. Der „Corr. della Sera" meldet aus Paris: Die einfallenden deutschen Geschosse sind jetzt von schwarzem Rauch umgeben, während flüher weißer Dampf wahrzunehmen war. Die Pariser Ost- bezirke sind durch die letzte Fernbeschießung außerordent- lich schwer betroffen. Amtliche deutsche Cagesbericbte. wtb. GroßeSHauptquartier, 7. Aug. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die Gefangenenzahl aus den gestrigen Kämpfen nördlich der Somme hat sich auf 280 erhöht. Ein englischer Gegenangriff südlich der Straße Brayc—Corbte brach vor unseren neuen Linien zusammen. Die Ec- kundungsiätigkeit war beiderseits der LyS und an der Avre besonders rege. Nordwestlich von Montdidier kam ein feindlicher Terlangriff in unserem Feuer nicht zur Entwicklung. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In den Morgenstunden Teilkämpfe an der Vrsle. Oestlich von Fismes machten wir beim Vorstoß über die Vesle Gefangene. Am Abend heftiger Feuerkampf, dem beiderseits von Braisne und Bacoches starke feindliche Angriffe folgten Sie wurden teilweise im Feuer, an einzelnen Stellen im Gegenstoß abgewiesen. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. O - Berlin, 7. Aug., abends. Von der Front nichts Neues. O Berlin, 7 Aug. Eines unserer U-Boote, Kommandant Kapitänleutnant v. Schräder, beschädigte an der Nordküste Irlands den stark gesicherten Dampfer „Justicia" von 32120 Brutto Reg.-To. durch mehrere Torpedotrcffer so stark, daß das Schiff am folgenden Tage durch das vom Oberleutnant z S. v. Nuckteschell befehligte U-Boot trotz Bedeckung durch 18 Zerstörer und 16 Fischdampfer endgültig vorsenkt werden konnte. Infolge sehr ähnlicher Bauart wurde das Schiff zunächst irrtümlich für den früheren deutschen Dampfer „Vaterland" gehalten. Das U-Boot schoß außerdem noch 2 große Dampfer, davon einen vom Typ „Fcanconia" (18000 Bc- Reg.'T.) aus stark gesicherten Geleitzügen an der Westküste Englands heraus, insgesamt rund 57 000 Br.- Reg.T. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. » wtb. Großes Hauptquartier, 8. Aug. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Beiderseits der LyS schlugen wir englische Teilvorstöße zurück. Nördlich der Somme führte der Feind heftige Gegenangriffe gegen unsere neuen Linien beiderseits der Straße Braye—Corbte. Sie wurden abgewiesen. Während der Nacht zeitweilig auslebende Artillecietättg- keit und Erkundungsgefechte. Westlich von Montdidter scheiterte ein Teilangriff der Franzosen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Soissons und Reims lebte der Feueckampf nur vorübergehend aus. Kleinere Jnfanterükämpse an der Aisne und Vesle und nördlich von Reims. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In den Vogesen erfolgreicher Vorstoß in die feindlichen Linien am Schratzmännele. Leutnant Freiherr v. Boerigk errang seinen 20. Luftsieg. Der Erste Generalquarttermeister: Ludendocff. Berlin, 8 . Aug., abends. Angriff der Engländer l zwischen Ancce und Avre. Der Feind ist in unsere I Stellungen eingedcungen. • Berlin, 8. Aug. In der Nacht vom 5. zum 6. August hat der so oft erfolgreiche Führer unserer Luftschiffangriffe Fregattenkapitän Straffer mit einem unserer Luftschiffgeschwadec erneut die Ostküste Mittelenglands durch gut wirkende Bombenangriffe besonders auf Boston, Norwich und die Befestigungen an der Humbermündung schwer geschädigt. Wahrscheinlich fand er dabei mit der tapferen Besatzung seines Fühcer- schiffs den Heldentod. Alle übrigen an dem Angriff beteiligten Luftschiffe sind trotz starker Gegenwirkung ohne Verluste und Beschädigungen zurückgekehct. Nächst ihrem bewährten gefallenen Führer sind an dem Erfolge besonders beteiligt die Luftschiffkommandanten Korvettenkapitän der Reserve Proelß, KopitänleutnantS Laeschmar, Walter, v. Freudenreich und Dose mit ihren braven Besatzungen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. 9 Berlin, 8. Aug. Im Sperrgebiet um die Azoren und westlich Gibraltar wurden neuerdings wieder 5 größere Dampfer und 1 Segler von insgesamt rund 25 000 Bruttoregistertonnen versenkt. — Die Ladungen waren zum Teil besonders wertvoll. Mit einem der Dampfer ging neben 370 To. Munition gemünzt.s englisches Regierungsgeld im Werte von */* Million Mark unter. Der Chef des Admiralstabes der Marine. 9 wtb. Großes Hauptquartier, 9. Aug. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen Iser und Ancre lebhafte nächtliche Artillerie- tätigkeit. Südwestlich von Ipern und südlich der Lys folgten stärkstem Feuer feindliche Teilangriffe, die abgewiesen wurden. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Zwischen Ancce und Avre griff der Feind gestern mit starten Kräften an. Durch dichten Nebel begünstigt, drang er mit seinen Panzerwagen in unsere Infanterie- und Artillerie Linien ein. Nördlich der Somme warfen wir den Feind im Gegenstoß aus unseren Stellungen zurück. Zwischen Somme und Avre brachten unsere Gegenangriffe den feindlichen Ansturm dicht östlich der Linie Morcourt—Harbonnieres— Caix—Fcesnoy—Con- toire zum Stehen. Wir haben Einbuße an Gefangenen und Geschützen erlitten. Durch Gefangene, die wir machten, wurden Engländer mit australischen und kanadischen Hilfskorps, sowie Franzosen festgestellt. 9 lieber dem Schlachtfelde schossen wir 30 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Loewer.hardt errang seinen 49., 50. und 51., Leutnant Udet seinen 45., 46. und 47., Leutnant Frhr. v. Richthofen seinen 33., 34. und 35., Leutnant Kroll seinen 3!. und 32., Oberleutnant Billik seinen 29., Leutnant Koennccke seinen 23., 24. und 25 und Leutnant Auffarth seinen 20. Luftsieg. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In einzelnen Abschnitten der Vesle lebte die Artillerietätigkeit auf. Erfolgreiche Teilkämpfe beiderseits von Braisne und in der Champagne westlich von Sonain. Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendocff. 9 Berlin, 9. Aug, abends Zwischen Somme und Avre setzt der Feind seine Angriffe fort. vle Eandwirte gegen das ZwatigMieni. Der Vorstand des Bundes der Landwirte erläßt eine Erklärung mit dringenden Forderungen gegen das bisherige Zwangssystem. Die Landwirte würden auch künftig wie bisher alles daransetzen, daß wir durchhielten, aber das System, das gemäß freisinnigen und sozialde mokcatischen Wünschen uns in den Zustand des sozia. ! listischen Wictschastszwangsstaates gebracht habe, erbit I tere. Die Landwirtschaft wolle gehört werden. Statt nach dem Antrag Roesicke abzubauen, wolle man dem Landwirt auch noch die Selbstversorgung nehmen. Der Landwirt sinke herab zum Kostgänger des Reiches. Das erdrossele die Erzeugung. Der Bund erhebt folgende Forderungen: 1. Bessere Abhilfe gegenüber dem Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft; 2. Bereitstellung großer Mengen Dügemittel; 3. Freigabe des Hinterkorns; 4 bei Viehbeschlagnahme Rücksicht auf Milch-, Zucht- und Spannvieh, entsprechende Erhöhung der Schlachtviehpreise; 5. schnellere Bezahlung; 6. Rücksicht auf örtliche Verhältnisse bei der Zwangserfaffung der Milch und zutreffende Preisbemessung; 7. weniger schablonenhafte Behandlung der Heu- und Stroherfassung; 8. Freigabe leichtverderblichec Nahrungsmittel (Eier, Obst, Gemüse) für den freien Handel; 9. Wegsall der ehrenrührigen Haussuchungen, die es dahin bringen, daß dem Landwirt alle Winkel und Ecken seines Besitzes durchsucht werden, ohne Gewährung deS Schutzes, den die übrige Bevölkerung sonst für sich genießt. Die Anfrage Dc. Roestckes im Reichstag zusammen mit den Herren Dc. Böhme, Herold, Dc. v. Hiydebrand, Frhr. v. Kerckerinck zur Borg, Dc. Matzinger, Dr. Rtesser, D. Dc. Graf v. Schwerin, Dc. Siresemann, Graf v. Westarp, Weilnböck, also Mitglieder verschiedenster Parteien im Reichstag, zeige die weilverbcettete Verurteilung der- artiger Durchsuchungen. Es widerspreche jedem gesunden Menschenverstand, wenn der Kciegerfcau auf dem Lande durch Einziehung aller Arbeitskräfte zum Heere die Wirt- schaftssührung unendlich erschwert wird, darin aber noch Soldaten zu solchen Polizeidienften frei seien. Warum würden solche Haussuchungen nicht in den Städten bei den Kriegswucheiern, Kriegsgesellschaften und allen des Hamsterns verdächtigen Personen vorgenommen? Der Lauer habe jetzt das erbitternde Gefühl, daß er allein im Reich unter dem Druck von Ausnahmegesetzen stehe. So wie jetzt könne es nicht weiterg amts in einem Rundschreiben an die Bundesre. .ungen zum Ausdruck gebracht hat— doch nur untn besonderen Umständen beim Versagen der sonstigen Zwangsmittel und nur bei festgestelltem Verschulden angewandt werden. Auch darf sich die Entziehung des Zuckers keinesfalls auf den Einmachczucker sowie auf den Zucker, der Kindern, werdenden Müttern und stillenden Frauen sowie Kranken zu gewähren ist, erstreken. Schließlich muß die vorenlhaltene Zuckermenge in angemessenem Verhältnis zu der Menge der rückständigen, abzuliesernden Erzeugnisse stehen, und es darf stets nur ein Teil der Mundzucken ation gesperrt werden. * ** Die Reichs st. lle für Gemüse und Obst hat durch Veröff.ntlichun i tin Reichsanz-ckger Ne. 182 den Grzen- gerpreis für Fruhzwievein ohne Kraut auf 18 Pfennige je Pfund mit Wirkung vom 3 August 1918 ab festgesetzt. » Schlachtungen von HammrUömmerrr fleisch- ;«?arkenpftichtig! Vvu Genielndcoerwallungen und :ffc oaipcrjonen sollen w. letzter Zeit zahlreiche Hammel- 'immec zu Masizwccken ang kauft worden sein Um Jcrtümern vorzubeugen, Wied da.auf h ng-wiesen, daß das Fleisch dieser Hammellämmer den Fleischmarrnpslichl ; nterliegt. Privatpersonen, die Hammel oder Hammelläm mir schlachten, habt«, vor'der Schlachtung, ebenso wie bei der Hausschlachtung eine- Schweines, dle Genehmigung öes Kommunalv.rbandcs nnzuholcn; die Schlachtungen unterliegen daher den Bestimmungen über die Hausschlachtungen. Abgesehen von anderen Bedingungen wird eine solche nur dann genehmigt, wenn das Tür 3 Monate lang in eigener Wirtschaft gehalten ist Das Fleisch wild, wie bei anderen Hausschlachtungen, auf die Fleisch- marken angercchnet. Förderung des Gelfruchtanbans Zur Frage diö Oeiscucktanbau?, bim für unsere Fetlvelsocgung ausschlaggebende Bedeutung beizumessen ist, ist im Reichstage eine Resolution Dr. Ablaß und Gen. angenommen wurden. Hiernach soll in Zukunft dem Landwirt bei Ablieferung von über 6000 kg OUfrüchten eine im Verhältnis ZUM Gesamtbeträge etzieltcn Ernte stehende Oel- fcüchtmerge bezw. ein weiter steigender Oeliückliefcrungs anspruch zugebilligt werden. Es besteht begründete Aussicht, daß dieser Resolution in gewissem Umfange statt l gegeben wird. Während nach der jetzig n Regelung bei ! Ablieferung von Oelfrücbten über 6000 kg hinaus eine Steigerung belassenen Oelfruchtmenge bezw. des Oel- lücklicselungsansvruchcs nicht mehr ersolat, also d e bei Ablieferung von 6000 kg Saat belassene Oelfruchtmenge 150 kg Saat bezw. der Oclrücklieferungsanspcuch von 50 kg das Höchstmaß darstellt, würde in Zukunft bei einer Ablieferung über 6000 kg hinaus, die belast.ne Oelfruchtmenge bezw. der Oelrückliefecungsanfpruch im Verhältnis zur Ablieferung ohne Höchstgrenze steifen. Ferner wird beabsichtigt anzuordnen, daß dieOelftuckt Preise, die für die Ernte 1918 gelten und auch schon für 1919 in gleicher Höhe fcstgelegt sind, auch für 19^0 Gültigkeit erhalten, damit die Landwirte in der Lage sind, den Oelfruchtanbau in ihren Wirtschaftsplan mit der Sicherheit, auch in Zukunft ausreichende Preise erzielen zu können, einzusctzen. Don diesen beabsichtigten Maßnahmen wird eine Steigerung deS Oelfruchtanbaus im Großbetciibe erwartet. Ausgabe von Kieneuzucker zur gerbstfutter- ung. Die Einkaufsgesellschaft für das Grotzherzo^tum Hessen m. b. H. , Mainz hat soeben die Bezugsscheine für Bienenzucker zur Herbstsütterung an Bürgermeistereien zur Weitergabe an die Bienenzüchter gesandt. Auf daS Volk entfallen 5 kg Zucker, und zwar nur versteuerter Zucker, da infolge Arbeiter- und Kohlenmangel unversteuerter (vergällter) Bienenzucker von den fracht- günstigen benachbarten Fabriken nicht beschafft werden konnte. Im Interesse der einzelnen Imker liegt eS, sofort ihren Bezugsschein bei ihrer Bürgermeisterei anzufordern, damit sie die Herbfütterung rechtzeitig vorneh men können. Erhöhung der Mehlralion. Die allgemeine Tageskopfmenge an Mehl für die versorgungSbecechtigte Bevölkerung ist vom 19. August ab um 40 Gramm erhöht und auf 200 Gramm festgesetzt worden. Die Festsetzung gilt zunächst bis zum 30. September 1918. Eine Zuteilung von Brotstreckungsmitteln kann vorläufig nicht ersolgen. Die Zulagen an Schwer- und Schwerstarbeitec bleiben in bisheriger Höhe bestehen. Die Ausgabe der Reichsreisebrotmarken, von denen zurzeit vier Stück. 200 Gramm Gebäck für den Tag und Kopf zur Verteilung gelangen, ist vom 19. August ab auf fünf Stück » 250 Gramm Gebäck erhöht worden, so daß die Wochenration an Gebäck 1750 Gramm beträgt. O krsalrmlttel In Sen fleischlosen Aocben. Für die Z it vom 1. August bis 31. Oktober sind — wie schon früher bekannt gegeben wurde — in der Fleischdersorgung vier fleischlose Wochen festgesetz worden. Der dadurch entstehende Ausfall an Fleisch wird durch Ersatz entweder in Mehl oder Katoffeln ausgeglichen werden, und zwar sollen in den Ortschaften mit einer festgesetzt-n Wochencation von: 200 § Fleisch: 250 g Mehl oder 1500 g Kartoffeln 150 g „ 185 g „ „ 1250 g „ 100 g „ 125 g „ 750 g zur Verteilung gelangen. Für dle erste—vom 19.—25. August — laufende fleischlose Woche wird nach den erlassenen Anordnungen für das fehlende Fleisch ein Ersatz in Kartoffeln gewährt werden. Ausgi nommen von der Einhaltung der fleischlosen Wochen sind auf Grund amtsärztlichen Zeugnisses Kranke, insbesondere Zuckerkranke. Ueber die Fortgewährung dir Fleischration an Kranke unter Fortfall der Ersatzlieferungen und über die Weiterverteilung der Krankenzulagen an Fleisch in den flleischlosen Wochen sind entsprechende Anweisungen an die zuständigen Stellen ergangen. * Knndenlifterr für deu Kchirhrvarenverkarrf? Die Reichsstelle für Schuhversorgung veröffentlicht einen Entwurf für eine gemeindliche Regelung des Schuhverkaufs, der die Genehmigung der Reichsstelle gefunden hat. Die Regelung beruht auf einer Führung von Kundenlisten, in die die Inhaber von Schuhbedarssscheinen in der Reihenfolge ihrer Anmeldung von den Schuhhändlern ohne Rücksicht auf den Wohnsitz des Verbrauchers eingetragen werden. Gleichzeitig ist der Schuhbedarfsschein an den Schuhhändler unter Angabe der Art und Größe des gewünschten Schuhwerks abzuliefern. Für die Eintragung kann auch schriftlicher Antrag zugelassen werden. Bei schriftlicher Bestellung soll dem Verbraucher der Eingang des Schuhbedarfsscheines unter Angabe der Nummer und des Datums der Eintragung bestätigt werden. Nach Eingang der Ware haben die Händler so viel Besteller zu benachrichtigen, wie aus der Sendung unter Berücksichtigung der verlangten Schuhart und Größe voraussichtlich versorgt werden können. Für die Abnahme des Schuhwerks ist eine Frist zu setzen. J4us Stadt und Land. Ueber die Kandlagswahle« hat die Großherzog- liche Regierung der zweiten Kammer elne Vorlage zugc- hen lassen, in der cs heißt: Ecneuerungsw^hlen von Abgeortnctcn der Zweiten Kammer werden aus die zweite Hälfte des Jahres 1919 verschoben. Kriegsteilnehmer verlr ccn ihre Stimmberechttgung nicht dadurch, daß sie 1919 zu einer direkten Staats« oder Gemeindesteuer nicht herangezogcn find. » Lehrer alsKurgermeistersteUverlreler. Inzahl- reichen^kleinen Landgemeinden werden in letzer Zeit Bolks- schullehrer vom Ministerium des Innern zu Bürgermeister- jtellvertretern verpflichtet. Die hessische Lehrerpresse knüpft an diese Tatsache die Frage, ob nach dem Kriege die Bestimmung der hessischen Landgemeindeordnung, wonach Volksschullehrern das passive Gemeindewahlrecht nicht zusteht, noch aufrecht erhalten werden soll. Die beiden in Hessen bestehenden Lehrervereine werden den gesetzgebenden Faktoren einen entsprechenden Antrag unterbreiten. » Was haben wir Morgen für Weiter. Anzeichen für gutes Wetter find: Schönes, gelbes Abendrot. Ferne scheinende Berge. Nach Sonnenuntergang noch helleuchtende Bergspitzen. Am Abend heller wolkenfreier Horizont im Westen. Bei schönem Wetter in der Ferne trübe und dämmerige Luft. Jur Erde fallender Nebel. Senkrecht zum Himmel steigender Rauch. Wenig sichtbare Sterne. Weiß schimmernde leuchtende Milchstraße. Reichlicher Tau am Morgen. Hervorkriechende zahlreiche Eidechsen. Starkes Zirpen der Grillen, lebhaftes Herumfliegen der Ros- und Mistkäfer. Kuckukrufe. Schwärmen der Mücken und Fliegen. Hoher Flug der Schwalben. Fröhlich es Singen der Dögel. Nördliche, nordöstliche und östliche Winde. Keine Wolken oder nachmittags kleine geballte Haufenwolken. Anzeichen für schlechtes Wetter aber sind: Blutigrotes Abendrot. Sehr klar und mehr nahe erscheinende Berge. Eine Wolkenwand am Horizont am Abend. Sehr klare Luft am Horizont. Weit hörbare Lokomotivpfiffe, Glockentöne u s.w. In der Höhe gehender Nebel, langgezogene Nebelstreifen. Sich zu Boden schlagender Rauch. Diel sichtbare glitzernde Sterne. Bleicher oder blutigroter Sonnenaufgang. Am Morgen fehlender Tau. Häufiges Plätschern und Tauchen der Enten und Gänse und das Schreien und Schnattern. Ueber Wasser springende Fische. Dicht über dem Erdboden fliegende Schwalben. Anhaltendes Schreien der Krähen spät abends und früh morgens. Zudringlichkeit der Insekten. Heroorkriechen von Regenwürmern und Schnecken. Südliche, westliche und nordwestliche Winde. Weißlicher Wolkenschleier am Himmel. Schäfchenwolken. • ** Kolonialkriegerspende. Man schreibt uns: Unsere Kolonien sind in Femdeshand. Reu Deutschland, daS der Heimat köstliche Rohstoffe gab, ward darum eine Beute englischer Krämergiec. Bitter fühlbar hat uns diefir Krieg vor Augen geführt, daß unsere gesamte Volkswirtschaft auf Gedeih und Verderb von den Rohstoffen abhängig ist. Gewiß hat deutscher Er- findergeist eS fast überall vermocht, an Stelle der Rohprodukte Kunsterzeugniffe zu setzen. Aber die Haltbarkeit z. B. der Papiecanzüge und Kleider ist vorläufig noch ein Problem. Wir wollen es dem obersten Kolonialbeamten des Reiches danken, daß er als Leitsatz künftiger Kolonialpolitik die Rückgabe des früheren Kolonial bffitzes vertritt. In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, wenn dle amtlich verwaltete Kolonialkrieger- Spende, deren Reinertrag den schwer geschädigten Deutschen in den Kolonien zufltcßt, in der nächsten Woche mit einer Sammlung an 2 Opfectagen hervortcitt, deren Ergebnis die noch unvernarbten Wunden heilen soll, die der Krieg allen Kolonialdeutschen geschlagen hat. Wir wenden uns an unsere Mitbürger mit der Bitte: Wenn Euch am 17. und 18 August die Sammelbüchsen entgegengestreckt werden, Euer Scherslein aus dem Altar des Vaterlandes zu opfern, dann spendet reichlich. Die Braven und auch so Unglücklichen da drüben—um Deutschlands Ruhm und Ehre — sie Habens hundertfach verdient. Darum die Parole für den Opserffag der Kolonialkrteger- Spende: „Ein tceudeutsches Herz und eine offene Hand für unsere tapferen Kclonialdeutschen". Dle Durchführung des OpfertngrS hat für das Gcoßhcrzogtum Hffftn, auf Ersuchen des Großh. Ministeriums d. I . die Kcieger- kameradschaft Hassia übernommen, unb sind die Kriegec- veretne in Stadt und Land» bereits rührig bet den Vor- bereitungSarbeiten. 9 Zur besseren verwenSung Ser Semusearlen. Ihre Hoffnung, Deutschland durch Hunger zu bezwingen, haben unsere Feinde jetzt wohl endgiltig aufgegeben. Unsere Landwirtschaft hat sich stark genug erwiesen, unser Volk auch ohne fremde Zufuhren zu ernähren, und das, obgleich ihre Erfolge das eine Jahr durch übermäßige Feuchtigkeit, das andere durch andauernde Trockenheit beeinträchtigt wurden, das einmal die Kortoffeln, das andermal der Hafer eine entschiedene Mißernte brachte und kein einziger der vier Kriegsherbste den berechtigten Erwartungen ganz entsprach. Unb jetzt hat der Friede mit Rußland und Rumänien die reichsten Gebiete landwirtschaftlicher Erzeugung in unsere Gewalt gegeben und unsere Ernährung auf eine so breite Basis gestellt, daß jedes Festhalten an jenem grausamen Aushungerungsplan zum baren Unsinn geworden ist. Trotzdem bleiben unsere Vorräte schmal, und Sparsamkeit ist noch immer geboten. Umso schädlicher ist es, daß wir uns von manchen üblen Gewohnheiten der Friedenszeit noch nicht freigemacht haben und dadurch namentlich von unseren Gemüsen viele wertvolle Nährstoffe vergeuden. Vom Kohlrabi pflegt man nur Knollen zu essen. Und doch ist es chemisch sestgestellt, daß diese nur halb so viel an Eiweiß und Nährsalzen enthalten, wie die Blätter der Pflanze, welche man achtlos wegwirft. Diese werden bei längerem Kochen butterweich und geben mit etwas Essig, Zucker und Nelkengewürz einen trefflichen Salat, der an Nährwert, Wohlgeschmack und Bekömmlichkeit dem Spargelsalat vorzuziehen und dem Bohnensalat gleichzuschätzen ist Diese Blätter mit den Blattstielen und Rippen sind wertvoller für die Ernährung als der beste Spinat und an Eiweiß und Nährsalzen fast so reich, wie der teure Rosenkohl. Auch bei dem Grünkohl sind die Stiele und Rippen, die man wegzuwerfen pflegt, an Eiweiß etwas reicher als die Blätter und an Zucker sogar dreimal so reich. Da uns dieser für unsere Ernährung nur in sehr bescheidenen Dosen zugeteilt werden kann, so sollte man nen Teil der Pflanze, wenn das auch gegen das Herkommen verstößt, unter keinen Umständen umkommen lassen. Die Rippen sind sogar leichter zuzubereiten, werden beim Kochen schneller weich und sind mit ihrer markigen süßlichen Substanz milder und wohlschmeckender als die Blätter. Auch der Strunk ist nach Abzug der verholzten Schale vollwertig als Nahrungsmittel und gut verwendbar. Bei der Sellerie ist es ebenso, wie bei dem Kohlrabi. Die Blätter, die man meist unbeachtet läst, stehen an Nährwert weit über den Knollen und an Wohlgeschmack nicht hinter ihnen zurück. Bei den Bohnen und Erbsen sündigen wir, indem wir sie halbreif verzehren, während sie doch in ihre Vollreife das Dreifache des Nährwerts gewinnen. Wenn man sie aber doch grün verzehren will, sollte man die Schalen nicht wegwerfen. Sie sind einzeln abgezogen genießbar, werden beim Kochen weich und haben einen Geschmack, der dem des hochgeschätzten Spargels sehr ähnlich ist. So läßt sich durch sparsame und besonnene Verwendung die Masse der verfügbaren Lebensmittel nicht unbeträchtlich vermehren, und wer weiß, ob die Erfahrungen, die wir in den Nöten der Kriegszeit gesammelt haben, nicht auch im Frieden für manche Hausfrau von Nutzen sein werden. » Fideikommisse in Hessen. Aus Anlaß des An IrcigS Urfladt hat die hessische Negierung der Kammer eine Ausstellung über daS Verhältnis des fideikommissarisch gebundenen Grundbesitzes zur Gesamtheit des Grundbesitzes im Großheizogtum Htsfln zugehcn lassen. Danach umfaßt H ssen einen Gesamtflächcninhalt von 768961 Hektar; davon sind 78297 Hektar in Fidcikom Mißbesitz oder 9.9 Proz. Darunter Wold zusammen 240009 Hektar, im Fidetkommiß 76842 Hektar oder 19,9 Prozent, Weinberge 13 753 Hektar, in Fideikommiß 5 Hektar oder 0,4 Prozents Hofcailen, Accker. Wiesen usw- 515 199 Hektar, in Fideikommiß 28 450 Hektar oder 5.5 Proz. Die Provinz Stmkenbucg enthält 3O2 742 Heltar Gesamtfläch, davon sind 8.9 Proz. Fideikommißbesitz, Wald allein 15,7 Prozent Obeihessen 828*813 Hektar inSg«samt; davon 14.7 Proz. in Fldeikommißdesitz, Waldvesitz in Fideikmmiß- besitz 1,26 Prozent. Rheinhrssen besitz insgesamt 137 406 Hekt Boden- fläche, davon 0,7 Prozent Fideikommißbesitz, an Wald 3,4 Prozent. Beihilfe für Kriegsteilnehmer 1870/71. Nach Beschluß des Reichstags wird am 1. August 1918 jedem Kriegsteilnehmer des F.ldzuges 1870/71 und der vor angegangenen Feldzüge, der die Kriegsteilnehmer Beihilfe nach dem Gesitz vom 19. Mai 1913 bezieht, eine ein malige Zuwendung im Betrage von 25 Mk. aus Reichs Mitteln ausgezahlt werden. Die Auszahlung erfolgt durch die Gemetndekasse. « Warum nicht anch Hilfsdienst für Mädchen? Gertrud Bäumec schreibt m der „Hilfe": „In einem Korpsbezirk sind die Schülertnnen der höheren Schulen in großem Umfang in die Munitionsherstellung eingestellt. So selbstverständlich es ist, d.ß heranwach' sende Mädchen sich zu dem Dienst in gleicher Weise be ccitfinden, wie ihre männlichen Altersgenoffln zur Land- arbett, so ärgerlich ist doch der Gedanke an die vielen unersaßbaren Haustöchter, der oft von der Unsumme freier Zeit, über die sie verfügen, durchaus keinen vaterländischen Gebrauch machen. » * Vorsicht vor den „Falschen !" In der heutigen Zelt ist es ratsam, die Wohnungstür einem Klingelnden erst dann zu öfsmn, wenn man von seiner Vertrau-- enöwücdigkeit vollständig überzeugt ist. Da tun das kleine Schicbcfensterchen und die vorgdegte K.tte vorzügliche Dienste, denn cs schwirren sitzt, wte man säst alle Tage sehen und hören kann, allerhand Zeitgenossen herum, die sich als Kontiolleure, als amtliche Befichtiger oder als Beschlagnahme und Bcstandesaufnehmer aus- geben, es aber nur auf eine Prellung abgesehen haben. Aus Berltu z. B wird ein ganz krasser Fall bekannt. Dort beschlagnahmten falsche Kriminalbeamte für 20,000 Mark Wert- und Schmucksachen in einer Wohnung, allerdings in Abwesenheit der Besitzer. Aber sie gaben sich den Hausbewohnern und einem zum Oeffnen h.rbeige. holten Schlosser gegenüber als „echsi" Beamte aus. Nach den Ermittlungen hatten sie ihren Streich von langer Hand vorbereitet. Einer hatte sich vorher der Auf- wärtecin der Familie unter einer falschen Vorspiegelung genähert, um sie auszukundschaften. Auch auf der Arbeitsstelle des Mannes hatten sie Erkundigungen cinge- zogen. Am Tage selbst war dann einer der Schwindler noch einmal gekommen, um sich zu überzeugen, daß die Famiclie wirklich ansgegangen war. Bemerkenswert ist, daß sie alle Lebensmittel, auch einen kleinen Vorrat an Speck und Wurst, unberührt liegen liehen. 9 Saatgetreide. Die fortschrittlichen Abgeordneten haben im hessischen Landtag folgenden Antrag gestellt: „Im letzten Winter war im Vogelsberg vielfach das Getreide auf den Feldern zu Grunde gegangen. Im Frühjahr mußten manche Grundstücke neu b e st e l l t werden. Es fehlte aber den Landwirten an der nötigen Saatfrucht, weil bis auf ein knapp berechnetes Quantum, dos für das nachträgliche eingetretene Bedürfnis nicht reichte, alles abgeliefert war. Um Saatfrucht zu bekommen, mußten sie einen umständigen Instanzenweg betreten und das Saatgetreide in Gießen holen. Dadurch wurde besondere Kosten und vielfach schädliche Verspätung verursacht. Die zurückgekauste Gerste «ar viel teuerer als die abgelieferte. Deswegen beantragen wir: Die Großh. Regierung zu ersuchen, dafür zu sorgen, daß in jeder Gemeinde ein Vorrat an Sommergetreide belassen wird, von dem unter strenger Kontrolle für etwa nötig werdende Neubestellung im Frühjahr abgegeben und dessen Rest nach Beendigung der Frühjahrsaussaat abgeliefert wird." O *) Generalversammlung des Hessischen Stra- sicnmärtervcrkandcs. Am vorletzten Sonntag tagten in Frankfurt die Kreisvorstände des Hess. Straßenwärterverbandes. Derbandssekretär Sauer-Mainz referierte über die Lohnverhältnisse. Geradezu trostlos seien teilweise die Gehaltsverhältnisse. So ist z. B. im Kreise Schotten das Höchstgehalt 800 Mk. Zu diesem horrenden Lohn kommen 120 Mk. Teuerungszulage, außerdem für jedes Kind 5 Mk. Als vorbildlich wurde die Regelung im Kreise Mainz bezeichnet. Dort beträgt das Anfangsgehalt 1 200 Mk. steigend von 3 zu 3 Jahren um 60 Mk. bis zum Höchstgehalt von 1 500 Mk. Hinzu kommt eine monatliche Teuerungszulage von 25 Mk., so, daß das Jahreseinkommen 1 800 Mk beträgt. In den übrigen Kreisen Rheinhessens steht eine ähnliche Regelung bevor. 9 Mehl- und Kartoffelrationen. Vom 19. August ab wird die Mehlration wieder in voller Höhe von 200 Gramm auf den Kopf geliefert werden. Die Streckungsmittel können aber noch nicht wieder in voller Höhe gewährt werden, sodaß das Brot aus reinem Mehl besteht, aber in seinem Gewicht atwas knapper sein wird als vor der Kürzung. Am 19. August beginnt auch die erste fleischlose Woche. Als Ersah für die ausgefallene Fleischmenge soll ein über 7 Pfund hinaus erhöhtes Quantum Kartoffeln der Bevölkerung gegeben werden. • Regelung des Schuhverkaufs durch die Gemeinden. Der für den Kauf von Schuhwaren eingeführte Ausweiszwang des Käufers hat seinen Zweck nicht erreicht. Die Reichsstelle für Schuhversorgung veröffentlicht nun einen Entwurf für eine gemeindliche Regelung, der die Genehmigung der Reichsstelle gefunden hat. Die Regelung beruht auf einer Führung von Kundenlisten, in die die Inhaber von Schuhbedarfsscheinen in der Reihenfolge ihrer Anmeldung von den Schuhhändlern ohne Rücksicht auf den Wohnsitz des Verbrauchers eingetragen werden. 9 Studierende Hessen in Frankfurt. Die Zahl der an der Universität Frankfurt studierenden Hessen hat sich nach einer soeben erschienenen Uebersicht gegen früher erheblich vermehrt. Es studierten im Sommerhalbjahr 1918 hier insgesamt 418 Hessen gegen 334 im Wintersemester 1917/18. Das ist also eine Zunahme um rund 25 Prozent. An der Gesamtzahl der Studierenden mit 2 312 im abgelaufenen Semester berechnet waren demnach die Hessen mit 18 Prozent beteiligt. Auf die einzelnen Fakultäten verteilen sich für das Sommerhalbjahr 1918 die Hessen wie folgt: Rechtswissenschaftliche 105 (1917/18: 74), medizinische 117 (103), philosophische 73 (59), naturwissenschaftliche 62 (48), wirtschafts- und sozialwissenschaftliche 61 (50). 9 *) Mn rettgemähes Schriftwort legte Pfarrer Henning in Hennweiler bei Kirn seiner Predigt zugrunde: Ies. 24, 16: Wie bin ich aber so mager! Weh mir! Ossenheim (Krs. Friedberg). Zu einem eigenartigen Mittel, der überhandnehmenden Felddiebstähle Herr zu werden, griff der hiesige Gemeinderat. Er sperrte dem seit 19 Jahren angestelltem Flurschützen Merkel am 1. August kurzerhand das Gehalt und setzte ihm dafür für jeden zur Anzeige gebrachten Felddiebstahl ein „Kopfgeld" von 5 Mark aus. Anzeigen, die der arme Flurschütz über Hühner- Gänse- und Entendiebstähle beim löblichen Gemeinderat bewirkt, werden jedoch ausdrücklich nicht bezahlt.-Der Krieg treibt doch sonderbare Blüten. Frankfurt a. M. Der Magistrat hat beschlossen, zu dauerndem Andenken an Generalfeldmarschall v. Eichhorn eine Straße „Eichhornstraße" zu benennen. Die Wahl der Straße wird später getroffen werden Rüsselshrim, 5. August. Dr. Ludwig Opel, der M tinhaber der Opelwerke, hat der Stadt Rüsselsheim eine Stiftung von 500000 Mark zugceignet. Iserlohn, 31. Juli. Für den Bau einer Vollbahn von Dortmund nach Finnentrop über Schwerte-Kalthoff Iserlohn-Balve (woselbst die Hönnetalbahn einen An schloß erhalten würde), wird zurzeit wieder flhc eifrig Stimmung gemacht. Diese Bahn würde das Kohlenrevier auf dem kürzesten Wege mit Süddeutschland verbindcn, würde einen Ausbau der kurvenreichen, an Geländcschwierigkeiten ungeheuer reichen Lennetalbahn erübrigen und zugleich den wichtigen JndustrtekreiS Iserlohn nördlich an eine Schnellzugstrecke anschließen. Die Stadt Dortmund, die Handelskammer Iserlohn und der Landkreis Iserlohn unterstützen dieses Projekt nachdrücklich. Von der Stadt Menden, Unna. Plettenberg wird der Ausbau der Hönnetalbahn von Unna bis Neuenrade und ihre Fortsetzung bis Plettenberg, wo sie in die Lenne-Siegstrecke mündet, angestrebt. Olpe, 31. Juli. Zu «inem niederträchtigen Streiche ist das Sauerländische Voik^blatt dadurch mißbraucht worden, daß man bei einem jungverhsiratetcn Ehepaar aus Seibäcke beiOberhundem eineGeburtsanzetge gefälscht hat. Die Anzeige war der Geschäftsstelle ordnungsmä ßig zugcgangen, und letztere hatte bei der Unkenntnis der Verhältnisse keine Bedenken getragen, sie aufzunehmen. Aus derHandschrist, die zwar verstellt ist. wird trotzdem der Missetäter mit nicht allzu großer Mühe ausfindig gemacht werden können. Ec wird sowohl wegen Urkundenfälschung — denn die Fälschung einer Anzeige wird als solche angesehen —, als auch wegen schm rer Belei- btQunr, groben Unfugs und Schädigung b lan.st wer' den können M.-Gladbach. Das Kriegsgericht verurteilte einen Arbeiter aus Ostpreußen, der hier an der Grenze versucht hatte, 2 in der Industrie beschäftigte russische Gefangene nach Holland zu bringen, zu 1 '/■ Jahren Zuchthaus. Citerarlfclm. Elsaß Lothringen und die internationale Lüge. Von Geheimer Justizrai Dr. H. Ruland Colmar in Eli., Mitglied des Landtags für Elsaß-Lothringen I. Bielefelds Verlag in Freiburg im Breisgau. Preis 1.— Mark. Die mit 8 Kartenskizzen ausgestattete, auf reichem, teilweise neuem Material beruhende Schrift des bekannten reichsländischen Politikers bringt eine kurze, gründliche Widerlegung der in der ganzen Welt verbreiteten Behauptung, daß Elsaß-Lothringen aus geographischen und geschichtlichen Gründen, aus Grund des Nalionnlilttienprinzips und des Selbslbestimmunasrechts der Völker französisch sei und daß die französischen Kriegsziele eine Desannexion bedeuteten. Die Wahrheit in wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht wird demgegenüber einwandfrei festgestellt. 9 „Die Bodenreform". Von A Damaschke: Grundsätzliches und Geschichtliches zur Erkenntnis und Ueberwindung der sozialen Not. 512 Seiten. 71.-85. Tausend. Preis broschürt 4 Mk, vornehm gebunden 5,50 Mk. Inhalt: 1. Weder Mammonismus noch Kommunismus. 2. Die Bodenreform und die industrielle Entwicklung. 3. Die Bodenreform und das Agrarproblem. 4. Die Bodenreform in Israel. 5. Die Bodenreform in Hellas. 6. Die Bodenreform in Rom und ihre Lehren 7. Henry George. 8. Die Hohenzollern und die Bodenreform. 9. Der Weltkrieg im Lichte der Bodenreform. — Hindenburgs Erlaß über die Besiedlung von Kurland hat die Bodenreformgedanken zur Grundlage gemacht für unser gesamtes Siedlungswerk in der Ostmark. Diese Tat, die in allen Lagern begeisterte Zustimmung fand, erzwingt auch im Heimatland dem Bodenreformgedanken neue Beachtung. Es ist ein Stück deutscher „Barbarei, daß von der Programmschrift dieser neusten sozialen Schule in ben letzten drei Kriegsjahren nicht weniger als 40000 Stück Verbreitung finden konnten, sodaß heut Damaschkes „Bodenreform" in einer Auflage vorliegt, wie sie bisher nie ein volkswirtschaftliches Werk im deutschen Sprachgebiet gefunden hat. Das Losungswort dieses Buches- „Weder Mammonismus noch Kommunismus", sondern Versöhnung zwischen sozialer Gerechtigkeit und persönlicher Freiheit ersaßt immer weitere Kreise. Jedenfalls wird sich mit diesem Werk jeder ausetnandersetzen müssen, der bewußt am Leben unserer Zeit teilnehmen will. Zu haben in jeder Buchhandlung oder direkt von der Buchhandlung Bodenreform zu Berlin N. W. 23., Lessingstr. 11. * Einkochen ohne Zucker. Praktisches Einmachbüchlein für die deutsche Hausfrau. Erpobte Rezepte zum Einmachen von Früchten und Gemüse ohne Einkochapparat, nebst 25 Pilzgerichten. Bon Frau Helene' Klingemann, ehemal. Leiterin der Lyceums- Hochschule, Hildesheini. Zweite stark vermehrte Auslage (201 - 220. Tausend). Preis 35 Psg. Ed. Focke, Verlagsbuchhandlung, Chemnitz Ohne alle Voraussetzungen an besondere Apparate, Gefäße usw. bringt dieses Heftchen nur wirklich zeitgemäße und praktische Rezepte, die allen Hausfrauen Rat und Nutzen bringen werden. Eine besondere Empfehlung der bekannten Verfasserin, deren Rezeptbücher „125 Gemüse-, Pilz- und Tomatengerichte" und „Die schmackhafte Kartofielküchc" in ca. 350 Tausend Exemplaren verbellet sind, ist überflüssig.___ Verantwortlich: Albtn Klein in Gießen. Kirchliche Anreizen. Sonntag den 11. August (11. nach Trinitatis.) Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zu- gleich Christenlehre für die Neukonficmierten aus der Mackusgemeinde. Pfarcec Schwade. — Vormittags 9 J /o Uhr: Pfarrer Mahr. — Kinderkirche fällt aus. — Mütwoch den 14. August, abend? 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarcec Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmiecten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 9V 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimei. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für die Lukas- und Johannes- gemeinde. — Kinderkirche fällt aus. BetaNntMachung. Pom 15. August ab bis auf weiteres werden nachstehende beschleunigte Personenzüge (zuschlagfrei) mit 2. - 3. Wagenklasse neu eingelegt: Pz. 651 Gießen ab 5.45 N., Wetzlar 6.02, Herborn 6.27, Dillenburg 6.39, Haiger 6 51, Siegen 7.34, Betzdorf 7.59, Wissen 8.14, Au 8.25, Eitorf 8.47, Hennef 9.02, Siegburg 9.13, Troisdorf 9.23, Eöln H. an 9.47, dl. Pz. 652 Eöln H. ab 8.00 V., Troisdorf 8.26, Siegburg 8.35, Hennef 8.46, Eitorf 9.02, Au 9.27, Wissen 9.38, Betzdorf 9.58, Kirchen 10.06, Siegen 10.27, Haiger 11.00, Dillenburg 11.10, Herborn 11.20, Wetzlar 11.44, Gießen an 12.00 Mitt. Pz. 651 hat in Gießen Anschluß von dem beschleunigten Pz. 723 Frankfurt ab 4.13, Gießen an 5.35. Pz. 652 hat in G ie ßen Anschluß an den beschleunigten Pz 722 Gießen ab 12.13, Frankfurt an 1.38. Gs werden verlegt: T 1653 Wetzlar ab 6.08 (bish. 5.57), Haiger an 7.24 (bisher 7.13), Pz. 3177 Dillenburg ab 7.13, (bisher 7.03), Straßebersbach an 7.55, (bish. 7.45), Pz. 3182 Dillenburg ab 7.12, (bisher 7.02), Gönnern an 8.24, (bish. 8.14), Pz. 3198 (Sonnab.) Gönnern ab 8.27, (bisher 8.20), Biedenkopf an 9.08, (bish. 9.01), T 4933 (W) Weilburg ab 10.42, (bish. 10.55), Gießen an 11.44, (bish. 11.53). Es fallen fort: Pz. 1640 Troisdorf ab.8.16, Hennef an 8.34, u. Pz. 1716 Hennef ab 9.51, Troisdorf an 10.09. Frankfurt (M), den 5. August 1918. Nsnlgllcke kjsenbaftntlireMisn TranKfurt (Main) - Die Msorgevermittluligsslelle für erwerbstätig« Trauen und Mädchen. .. Mstanlage z> .= = bietet Frauen und Mädchen nneritgeltlich Auskunft und Beistand .in häuslichen und persönlichen Angelegenheiten, sowie Beratung bei der Wahl der Beschäftigung. Mutter- unü Säuglingsschuh!. Kinderfurforge. 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Dieselben werden mit einer Hackmaschine oder mit dem Hackmesser so fein wie möglich zerkleinert und dann eine große, sauber gewaschene, ungeschälte rohe Kartoffel k Person, ebenfalls fein gerieben, zugesetzt und alsdann mit Salz und Wasser zu Feuer gebracht in einem zugedeckten Gefäß. Wenn die Suppe gar und seimig ist, wird k Person ea. 20—25 Gramm „Ohsena" zugesetzt und hat die Suppe dann einen kräftigen Fleischgeschmack. Soll sie nicht als Vorspeise, sondern als Mittagessen dienen, wird die Suppe etwas dicker eingekocht durch mehr Zusatz von Kartoffeln, fein gehacktem grünen Gemüse und mehr „Ohsena-Extrakt" und mehr Salz nach Geschmack. Auf diese Weise empfindet man beim Mittagessen in den fleischlosen Wochen nicht das Fehlen von Fleisch, sondern alle Suppen erhalten durch „Ohsena" einen kräftigen Flcisch- gcschmack. — „Ohiena" ist in den meisten Geschäften der Lebensmittelbranche käuflich zu folgenden Preisen: 71 Pfd. netto Mk. 5,25. 7- Pfd- netto Mk. 2.90 7« Pfd. netto Mk. 1.60. Mobt Co., 6 m. b. fi., Altona-eib«. \