GietzW-r Bettung vezugspreir 60 pfg. monatlich vierteljährlich vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktionsschlutz früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrmi, oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gießener Zeitung", Gießen. «rpeöitfon: Züdanlage 21 Hnjeigenpreis 20 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 80 Pfg. Die 90 mm breite R e k l a m e - Z e ile 73 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung desZahlungS- zieles (30 Taaes, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gicßencr Verlagsdruckerei, Albin Klei«. Nr. 57. Telephon Nr. 362. Samstag, den 29. Juni 1918 Telephon Nr. 362. 31. Jahrg. Größere feindliche Angriffe abgeschlagen. Amiens, Berhnne und andere franzöfifche Städte unter schwerem deutschen Artilleriefeuer. . Paris mit Bomben belegt. 1889b u. 1699« u. 29099 Br.-R-T. - zusammen 54809 Br.-R.-T. versenkt. Erfolgreiche Lnft- und Seekämpfe vor Flanderns Küste. seits der Somme. Auch in anderen Abschnitten, zwischen User und Marne, nahm das Aitilleriefeuer am Abend zu. — Heute früh steigerte sich das Feuer deS Feindes beiderseits der Lys, zwischen Bailleul und Bethune und südlich der Aisne zu größerer Stälke. Unsere Artillerie nahm den Kampf kräftig auf. In einzelnen Abschnitten haben sich Jnfonteriegefechte entwickelt. daß Der enttronte Zar ermordet oder nicht? In auswärtigen Blättern wird veröffentlicht, der enttronte Zar ermordet sei. Das Stockholmer „Dagbladet" berichtet aus Petersburg: Die Sonderblättec über die Ermordung des Zaren wurden von den Rätebehörden nicht beanstandet, obwohl die Zeitungen hinzufügen, daß b.S jetzt keine Bestätigung der Nachricht vocltege. Man glaubt, daß die Behörden über die Ermordung näher unterrichtet sind, als sie zugeben. Küne Nachricht in Darmstadt. *Darmstadt, 27. Juni. Die Meldung, der groß- herzogliche Hof in Darmstadt habe aus Moskau eine von Tschitscherin Unterzeichnete Drahtung erhalten, nach der der Zar ermordet worden sei, ist falsch. Nach Erkundungen an zuständiger Stelle ist dem gxoßherzoglichen Hose keine derartige Drahtung zugcgangcn. Zur militärifcben Lage im Kielten und Siidweften. * Bern, 26. Juni. „Echo de Paris" meldet, Amiens werde sehr energisch weiter beschossen. Bisher habe man über 10 000 Einschlagstellen von Granaten gezählt. Der Schaden ist unberechenbar. Jedes 27. Haus sei zerstört, jedes 7. Haus beschädigt. Doullens, Saint Pol und Abbcville hätten durch unablässige Be. schicßung gleichfalls schweren Schaden erlitten. Bethune brenne immer noch und gehe wie Acros vollkommenster Zerstörung entgegen. * Berlin, 27. Juni. Am 26. wurden Estrees — St. Denis und Margny mit schwerstem deutschen Flach, seuer beschossen. * Holländische Grenze, 28. Juni. Laut dem Amsterdamer Handelsblatt teilt der Kriegsberichterstatter des „Philadelphia Ledger" mit, daß bei den amerika. nischen Truppen an der Westfront erzählt werde, nach Mitteilungen verschiedener deutscher Gefangener aus verschiedenen Bezirken werde das Kriegsende am 17. Juli nach einem großen deutschen Schlage erwartet * Zürich, 27. Juni. Sondertelegcamme Pariser Blätter melden die Umgruppierung des italienischen und Verbündeten Piave-Aufgebots. — Die „Züricher Morgenztg." berichtet, daß der Rücktransport der italienischen Divisionen aus Frankreich bevocsteht. * Lugano, 27. Juni. Wie „Seccolo" aus Paris nielbet, Unterzeichnete der Präsident der Republik ein Dekret, welches die Departements von Paris und der Seine als Kriegszone erklärt. flmilicbe deutfebe Cagesbericbtt. Berlin, 25 Juni. Neue U-Bootserfolge im Sperr- grbiet um England: 18800 Naumtonnen. Bon den versenkten Schiffen wurden 3 bewaffnete Dampfer an der Ostküste Englands aus stark gesicherten Geleitzügen herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. * wtb. Großes Hauptquartier, 26. Juni 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Südlich der Scarpe griff der Engländer gestern früh mit mehreren Kompagnien in breiten Abschnitten an. Bei Foucky und Neuville Bitasse wurde er im Gegenstoß zurückgrworsen. In den Nachbarabschnitten scheiterten seine Vorstöße in unserem Feuer. — Am Abend lebte die Artillerietätigkeit fast an der ganzen Front Mrs. Zwischen Arras und Albert und beiderseits der Somme blieb sie auch während der Nacht lebhaft. Mehr- fad) stieß der Feind zu starken Erkundungen vor. Ec wurde abgewiesen und ließ Gefangene in unserer Hand. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Avre und Marne zeitweilig auflebende Gcfcchtstätigkeit. Westlich der Oise erbeuteten wir in Borfeldkämpfcn französische Maschinengewehre. Ein feindlicher Teilangriff nordwestlich von Chateau Thier, y wurde abgcwiesen. Heeresgruppe Herzog Albrech. . Nördlich vom Rhone-Marne Kanal brach bayerische Landwehr in die französischen Stellungen nordwestlich von Bures ein und brachte 2 Osfiziere und 40 Mann gefangen zurück Aus einem feindlichen Geschwader, das am 24 Juiu östlich von Soissons bis zur Aisne zum Bombenwurf vo,drang, wurden 5 Flugzeuge abgeswossen. — Gestein wurden 12 feindliche Flugzeuge und 3 Fesselballone zum Absturz gebracht. — Leutnant Udet errang seinen 33., 31. und 35., Leutnant Kirsch seinen 27., Leutnant Rumcy seinen 24., Leutnant Beltjens seinen 23., Leutnant Billik seinen 21. Luftsteg. Der Erste Generalquactiermeister: Ludendorff. Berlin, 26. Juni, abends. Bon den Kampffronten nichts Neues. Berlin, 26 Juni Aus dem nördlichcn Kriegsschauplatz wurden durch unsere Unterseeboote wiederum 16000 Br. Reg.-T. feindlichen Handelsschtffsraumes vernichtet. Zwei Dampfer wurden im Westausgang des Kanals aus stark gesichertem Geleitzuge herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. r»t wtb. Großes Hauptquartier, 27. Juni 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht u. Deutscher Kronprinz. Die Lage ist unverändert. Rege Tätigkeit des Fundes nördlich der Scarpe und Somme, westlich von Soissons und südwestlich von Reims. Auf der Kathedrale von Reims wurden erneut Beobachter des Feindes erkannt. Während bec Nacht nahm die Artillerietätigkett auch a-n der übrigen Front zwischen Iler und Marne in Verbindung mit Erkundungsgefechten der Infanterie wieder zu. Heerespruppe Gallwitz. Auf dem östlichen Maasufer führten wir erfolgreiche Erkundungen durch. Nördlich von St. Mihiel wurde ein stärkerer Vorstoß des Feindes abgcwiesen. Aus feindlichen Bombenstaffeln, die in den beiden letzten Tagen zum Angriff gegen Karlsruhe, Offenburg und das lothringische Industriegebiet vorstießen, wurden 5 Flugzeuge abgeschossen. Unsere Bombengeschwader griffen gestern Paris und auf dem Wege dorthin Bahnknotenpunkte und Flugplätze des Feindes an. Leutnant Rumey errang seinen 25? Lustsieg. Der Erste Generalquaitiermeister: Ludendorfs. » B e r l i n, 27. Juni, abends. Von den Kampffronten nichts Neues. Berlin. 27. Juni. Das unter dem Kommando des Käpitänleutnants Jost stehende Boot hat in der Irischen See und deren Zufahrtsstraßen 3 besonders wertvolle Dampfer von je 5000 bis 6000 Br-R.-T. versenkt. Zwei dieser Dampfer wurden aus starken, nach England einlaufendcn Gelettzügen herausgeschossen. Im t anzen nach hier eingegangenen Meldungen unsrer U-Boote: 20 000 Brutto-Reg.-Tonncn. Der Chef des Admiralstabes drr Marine. • wtb. Großes Hauptquartier, 28. Juni 1918. We stlicher Kriegsschauplatz: Rege Tätigkeit der Engländer und Franzosen beidec- Starker Fliegerelnsatz führte zu heftigen Luftkämpfen. Unsere Flieger schossen gestern 2b feindliche Flugzeuge und einen Freiballon, unsere Flugabwehrgeschütze 5 feind- liche Flugzeuge ob. — Hauptmann Berthold errang seinen 37., Leutnant Loewenhardt seinen 29., Leutnant Rumcy seinen 26. und 27. Luftsieg. Der Erste Generalquactiermeister: Ludendorff. • Berlin, 28. Juni, abends. Nördlich der Lys und südlich der Aisne kämpfen wir in der Abwehr heftiger Teilangriffe des Feindes. Berlin. 28. Juni. Am 87. Juni griff eine unserer Marine Jagdleiter, unter Führung des Leutnant? d. R. Osterkamp quer ab der flandrischen Küste ein stark von Einsitzern gesichertes feindliches Bombengeschwader an. Im Verlause des Kampfes, ln dem alle feindlichen Flugzeuge — ungefähr 20 - eingriffen, gelang cS unserer Kette, die nur aus 4 Flugzeugen bestand, 4 feindliche Flugzeuge obzuschießen. Leutnant Oflerkamp errang seinen 1b. Luftsteg. Flugwart Zenses war an dem Ec- folg mit 2 Abschüssen beteiligt. Am Abend des 27. Juni gerieten Teile unserer Tor> pedobootstceltkiäfte Flanderns aus einer Patrouillenfahrt vor Ostende in ein G.fecht mit englischen Zerstörern unter Führung eines Zerstörerführerschiffes. Nach einem halbstündigen Gefecht zogen sich die feindlichen Zerstörer mit hoher Fahrt zurück, indem sie sich durch E «nebeln der Sicht entzogen. Es wurden Treffer auf dem Füheec- schiff und einem der feindlichen Zerstörer beobachtet. Unsere eigenen Boote sind ohne Verluste nnd Beschä- digungen eingelaufen. Oestrrrrlcbilcbe krkolge. Wien, 27. Juni. Bei Bczecca im Etschtal und auf der Zugna scheiterten italienische Eckundungsvorstöße. Der heiß umstrittene Col del Rosso, am 15. Juni von der Edelweißdiviston im Sturme genommen und seither in den schwersten Kämpfen siegreich behauptet, wurde gestern vormittag nach schwerem Trommelfeuer abermals durch stacke Kräfte angegriffen. ES war für den Feind ein vergebliches Beginnen, seine Kampffähigkeit mit der unserer Salzburger, Kärntner, Ober- und Niedeiösterreicher zu messen, an deren Tapferkeit alle Angriffe zerschellten. Der Feind erlitt schwere Einbuße an Toten und Verwundeten und ließ zahlreiche Gefangene ln unserer Hand Bei Ponte di Piave versuchte der Italiener in Booten unser Ufer zu gewinnen. Ec wurde zusammengcschossen. Der Ehef des GencrolstabcS. fieimat und Vaterland. Nicht da, wo dir die Sonne immer scheint, Dort, wo die Sonne dir zuerst geschienen, Und wär's auch nur im kargen Glanze, dort, Wo deiner Mutter Auge sorgend sich Auf deine Wiege neigte, wo der Laut Der heik'gen Muttersprache in der Brust Die Seele dir erweckte, wo die Faust Des Paters mit dem harten Boden rang, Den seine Ahnen schon mit ihrem Schweiß Und ihrem Blut gedüngt — dort, wo des Klugen Erfahrung und Gefühl in Sturm und Donner Dir Gottes Allmacht offenbarte, wo Den Stein am Weg, den rauhen Dornbusch, selbst Die dürre Heide er dich lieben lehrte, Weil sie ein Teil des Vaterlandes sind, Das dich gebar, nur dort ist deine Heimat, Du Erdensohn! E. M. Arndt. Hur Stadt und Land. * Der Kampf um die Lebensmittel. Mad) wie vor herrscht zwischen Stadt und Land eine gew'ffe Erbitterung, die ihren Hauptgrund darin hat, daß der Städtcc auf dem Lande Lebensmittel vermut.t, die ihm vorenthalten werden. In Wahrheit ist die Sache di : auch der Bauer hat heute nicht mehr viel abzugcben, was ec nicht schon abgeben muß. Es wird ein Irrtum sein, anzunehmen, daß der Landwirt wesentlichen Borrat an Lebensmitteln habe. In der Stadt Übersicht man, daß v'ele Landleute im Frieden ihre besten Nahrungs' mittel wie Eier, Butter, Händkäse auf städtischen Mark ten zum Verkauf brachten, um sich Geld zu verschaffen, sie selbst aber aßen vornehmlich Weichkäse, tm übrigen die Nahrungsmittel, die sie in der Stadt oder in lünd lich n Spezereigeschästen kauften. Diese Nah ungsmittel fehlen nun dem Landmann, ebenso fehlt ihm das Fleisch aus Hausschlachtungen in gleicher Menge wie früher. Das zwingt ihn, Butter und Eier auch selbst zu essen im übrigen muß er doch immerhin auch viel abgeben und schließlich hat ec von allem nicht so viel wie im Frieden, weil das Vieh schlechter ernährt wird. Dann gebraucht er auch für die Arbeiter, die ec beschäftigt, auch für die Kriegsgefangenen, mehr, als diesen kartenmäßig etwa zustehen mag. Aus alledem erhellt, daß von einem Ueberfluß keine Rede mehr sein kann. Man kann ruhig sagen, daß eS auch beim Landwirt hinsichtlich der Nahrungsmittel bergab geht. Man frage nur die Städter, die hamstern gthen, wie schwer es fällt, etwas zusammen zu bringen. Wer nicht gute Bekannte hat oder wer es nicht fertig bringt, verschämt oder unverschämt zu betteln, der wird nicht viel heimbringen. Alles in allem: mit dem Essen steht es nicht gut und es ist auch nicht mehr zu hoffen, daß sich daran durch ein schärferes Zu- fassen bei den Landwirten noch etwas ändern könnte. * Schrotmühlen. Das Stellvertretende Generalkommando 18. A. K. hat unterm 27. April d Js. eine Verordnung über nicht gewerblich betriebene Schrotmühlen erlassen, welche eine erhebliche Verschärfung der bisher geltenden Vorschriften darftellt. Um unmißverständlich klarzustellen, daß jede zum Verkleinern, d. h. zum Mah'en, Quetschen oder Schroten von Getreide, Hülsenfrüchtcn oder Mais geeignete Vorrichtung unter die Bestimmungen der Verordnung fällt, ist in dieser ausdrücklich hervorgchoben worden, daß Vorrichtungen auch dann als Schrotmühlen anzusehen sind, wenn sie als Kaffeemühlen, Knochenmühlen oder anders bezeichnet werden. Auch Hafer quetschen unterliegen der Verordnung. Um bisher hervorgetcttcncn Mlßständcn vorzubeugen, wird darauf hingewiesen, daß die Erteilung der Erlaubnis zur Benutzung nicht gewerblich betriebener Schrot mühlen bei dem Kreisamt nachzusuchen ist. Die Erteilung einer Erlaubnis kann aus die Dauer von höchstens einem Monat gegeben und muß in der Reget an die Bedingung polizeilicher Ueberwachung geknüpft werden. Um die Bevölkerung vor Unannehmlichkeiten zu bewahren, sei deshalb an dieser Stelle auf die Vorschriften, welche in den Kceisblättern Mk. 60 und 69 abzedruckt sind, besonders aufmerksam gemacht. * Der Pastkreditbrief. Ein ziemlich neues noch wenig bekanntes Mittel, sich auf Reisen leicht und bequem mit Geld zu versehen, ist der Postkceditbrief Um einen derartigen Brief zu erhalten, ist es nur nötig,, den Betrag, über den der Kreditbrief lauten soll, bet irgend einem Postamt mit einer gewöhnlichen blauen Zahlkarte einzuzahlen. Die Kreditbriefe können über Summen bis zu 3000 Mk. lauten. Für die Ausstellung des Briefes und für das Porto der Zahlkarte werden bei Einzahlung 60 Psg. erhoben. Um Beträge bei irgend einer Postanstalt des Deutschen Reiches zu erhe. ben, muß sich der Inhaber eines Kreditbriefes über seine Person ausweisen können. Wer daher keinen Reisepaß oder von der Polizei ausgestelle Ausweispapiere zur Abhohlung postlagernder Sendungen besitzt, muß bei dem Postamt bei der Einzahlung der Zählkarte unter Vorlegung einer Photographie beantragen, daß für ihn eine Postausweiskarte ausgestellt wird. Andere Ausweise sind nicht hinreichend. Das Geld kann in beliebigen Teilbeträgen erhoben werden. Inhaber von Postscheckkonten können die Ausstellung in der Weise beantragen, daß sie statt eine Zahlkarte eine rote lieber Weisung ausfüllen und diese an das Postscheckamt senden. * Neue Kriefmarken. Infolge der am 1. Oktober eintretenden Erhöhung einiger Portosätze ist die Einführung folgender Arten von Freimarken u.s.w. beabsichtigt! Marken zu 35 Pfg. für einfache Einschreibebriefe im Fernverkehr und doppelte im Ortsverkehr für Drucksachen, Geschäftspapiere und Mischsendungen der Gewichts- ftufe 500 bis 1000 Gramm und für Postauftragsbriefe,- Marken zu 75 Pfg. für Pakete bis fünf Kilogramm nach er 2. bis 6. gone; Postanweisungen zu 15 bis 25 Pfg. Die jetzigen Weltpostkarten zu 10 Pfg. können künftig auch für den inneren deutschen Fernverkehr benutzt werden. Antwortkarten (10 und 10 Pfg.) für diesen Verkehr werden neu herausgegeben mit einem von den Weltpostdoppelkarten abweichenden Aufdruck. * Karre Sommerfrischen. Eine Verordnung der Fürstlichen Regierung schränkt die Aufenthaltsdauer der Sommerfrischler im Fürstentum auf höchstens 4 Wochen ein, die bei Versorgungsschwierigkeiten bis auf eine Woche herabgesetzt werden kann. Gleichzeitig wird bestimmt, daß Sommerfrischler mit einem Einkommen von über 3000 Mk., die sich länger als 4 Tage hintereinander im Fürstentum aufhalten, eine Fremdentaxe von 1 Mk. für den Kopf und die Woche zu bezahlen haben. Die von den Behörden angeordneten Maßnahmen zur Bekämpfung des Schleichhandels beziehen sich auf die von allen ordsfremden Personen ohne Ausnahme abgesandten Pakete und deren Reisegepäck. * Lebensmittel gut reinigen. Unter den ob waltenden Verhältnissen wird vielfach den Lebensmitteln beim Transport und in der ^Verpackung nicht die früher mögliche Fürsorge zuteil. Es empfiehlt sich deshalb, alles Gemüse, Obst, sowie auch Hülsenfrüchte, Graupen usw. vor der Zubereitung ordentlich zu w a s ch e n, damit nicht Unreinigkeiten in das Essen kommen. Die Behandlung der Kartoffeln erfordert jetzt besondere Sorgfalt. Zurzeit zeigen die Kartoffeln vielfach schwarze Stellen. Dieser Fehler verliert sich bei der Zubereitung fast vollständig, wenn man die Kartoffeln am Tage vorher schält, sorgfältig wäscht, in kaltes Wasser stellt und dieses mehrmals wechselt. Am anderen Tage setzt man sie mit frischem Wasser auf und kocht sie wie gewöhnlich. Außerdem wird empfohlen, die Kartoffeln nach vorstehender Anweisung zum Kochen zu bringen, das Wasser abzuschüsten und in frischem kochenden Wasser gar zu kochen. * Testamenten muffen mit vollem Kamen unterzeichnet fein Ein gerade in der gegenwärtigen Zeit äußerst wichtiges Urteil fällte das Kammergericht. Besonders lehtwillige Verfügungen aus dem Felde werden häufig nur mit der Familienbezeichnung, wie „Dein Mann" oder „Euer Vater" und dergl. unterschrieben. Die Frage ist nun, ob ein soches Testament Gültigkeit hat oder nicht. Auch im vorliegenden Falle wurde von dem Empfänger der letztwilligen Verfügung geltend gemacht, daß das Vermächtnis zu Recht bestehen müsse, wenn auch der volle Name fehle, da der Absender zweifellos sein Vater gewesen sei und er ebenso zweifelsfrei seinen Sohn gemeint habe. Das Kammergericht kam aber dennoch zur Abweisung, indem es das Testament sür ungültig ansah. Auch das eigenhändig geschriebene Testament müsse, so heißt es in der Begründung, mit dem vollen Namen unterzeichnet sein. In sogen. Familienbriefen werde zwar in der neueren Rechtsprechung eine Ausnahme zugelassen, nach der unter gewissen Umständen der Vomame ausreichen soll. Aber eine Familienbezeichnung, wie „Dein Vater" oder „Euer Bruder" u.s.w. könne unter keinen Umständen einen Namen ersetzen. * CLn ideales Porüild gegen die Preistreibereien hat die Gemeinde Vieselbach bei Vacha gegeben. Alle Kirschbäume werden, nachdem Kenner den Wert des Anhangs abgeschützt haben, mit Nummern versehen. Wer Kirschen haben will, zieht ein Los und zahlt daun den festgesetzten Preis des Baumes an die Gemeindekasse. (Anmerkung derRedaktion: Sollte sich dieses einfache Verfahren nicht auch für alle Versteigerungen einrichten lassen. Cs kämen dann die Verkäufer und die Käufer dabei nicht zu kurz. Vielleicht zeigen sich die maßgebenden Berufsorganisationen und Verwaltungsstellen diesem System geneigt.) * Achtung vor dem Kinde. D.e städtisch n Körperschaften von Melle im Hannoverschen faßten, wie die „Rundschau für Gemeindcbeamtt" mitteilt, auf Anregung ihres Bürgerin.isters Meycr eine Reihe von Beschlüssen, um kinderreichen Müttern zu helfen. Und zwar soll diesen damit keine Unterstützung, sondern eine Ehrung zuteil werden. Man wolle nach den Ausführungen des Bürgermeisters nicht durch Wohltätigkeit helfen, sondern eS als eine der schönsten Pflichten ansehen und die ganze Kraft daran setzen, die Auffassung von den sittlichen Forderungen der Ehe zu erhöhen, die Achtung vor dem Kinde zu beleben und zu fördern. ES erhalten Familien mit 4 Kindern unter 15 Jahren mit einem Staatssteucrsotze bis zu 26 Mk. einen Kommunal steuernachlaß von 50 v. H-, für jedes weitere Ktnd noch' mals 10 v. H., eine Ermäßigung des monatlichen Gas' und Wassergeldes von 10. v. H. und der Umsatzsteuer bei Grundstückskäufen um 50 v. H. Soweit sie keine Kommunalsteuer zahlen, erholten diese Familien eine einmalige Ehrengabe von 25 Mk, bet 5 Kindern eine solche von 50 Mk. und sür jedes weitere Kind von 5 Mk Befähigten Kindern wird Gelegenheit zur weiteren kostenlosen Ausbildung bei freiem Bezug von Schulheften, Schulbüchern und Schreibmitteln gegeben. Bei der beabsichtigten Kleinsiedelung und bet Abgabe von Woh. nungen werden diese kinderreichen Familien in erster Llnie berücksichtigt. Anmerkung der Radaktion: Der Gemeindeverwaltung von Melle geführt volle Anerkennung besonders jetzt in der Kricgszeit. Viele kinderlose Frauen haben oft keine Ahnung von den Mühsalen und Sorgen einer Mutter, die für mehrere Kinder alles das herbei schaffen muß, was fiw v tägliche Leben notwendig ist. Es ist uns bekannt, daß sich klnderlose Frauen und auch solche mit nur einem Kind darin gefallen, andere Mutter zu ver'achcn, die in der Sorge um ihre zahlreichen Kinder vor allen häuslichen Arbeiten nicht zum Spazieren gehen kommen. * Ueue Einschränkungen im Zeitungswesen Die größeren Zeitungen müssen vom 1. Juli ab ihren Umfang weiter cinschlänken. — Dies ist i.icht mehr als recht und b Ui,. Die großen Zeitungen drucken heute noch eine Unmenge von Nachrichten und Dinge, die absolut unnöt g sind. Sv z. B. über Theatervorstcl lungcn. Es müßte grundsätzlich verbotru werden, über solche und ähnliche Sachen in den Zeitungen nur ganz kurz zu schreib n. Findet alrr irgendwo eine EIt aufführung eines Stückes statt, so schreiben die großen Zeitungen allesamt ellenlange Artikel darüber dasselbe geschieht, wenn rune Bücher erscheine.,. Und so wird noch sehr viel gedruckt, was für das „Durchhalten" ganz unnötig ist. Dies ist selbst bei kleinen Zeitungen der Fall, ob c weniger als vier Seiten Umfang kann man doch nicht machen. Wenn aber die großen Z itungen nur täglich 2 Seiten weniger drucken, so macht dies, da sie hohe Auflagen haben, tagtäglich viele Waggon Papier aus. * Die Kälte. Haben wir den Rosenmonat Juni oder April oder gar Winter? Diese Frage drängt sich immer wieder auf, nachdem sich die Kühle der letzten Tage zu einer herbstlichen Kälte ausgewachsen hat. Sturm, Regen, Hagel wechseln einander ab und haben durch die begleitende empfindliche Kälte die warmen Mäntel wieder zum Vorschein gebracht. Auch der Ofen ist wieder zu Ehren gekommen, da es in ungeheizten Räumen kaum erträglich ist. Jedermann hatte den Regen herbeigesehnt, aber jetzt heißt es schon: Die Geister, die ich rief Unterdessen naht der Monat Juli. Hoffen wir, daß es endlich auch wirklich Sommer wird. * Gepäckstücke und Reiseverkehr. Der Eisenbahnminister hat die Eisenbahndirektionen erneut darauf hingewiesen, daß die Reisenden vor Beginn der Hauptreisezeit zu ihrem eignen Besten auf verschiedene wichtige Bestimmungen aufmerksam zu machen sind. Dazu gehört, daß das Einzelgewicht der aufzuliefernben Gepäckstücke das Gewicht von 50 Kilogramm nicht übersteigen darf, daß jedes Gepäckstück die genaue und dauerhaft befestigte Adresse des Reisenden und den Namen der Aufgabe- und Bestimmungsstation tragen muß, und daß es sich empfiehlt, diese Angaben auch im Gepäck selbst einzulegen. * Uom Meller und Wachstum. Ein Gang durch Gä:rcn und Felder b etet dem Auge manch schönes, ab:r auch manch schmerzliches Bild. Die Getreidefelder, mit Ausnahme der Gerste, die durch die trockene Witterung in ihrem Wachstum rtwas zurückgeblieben sind, sichen schön. DaS erst- Heu ift geborgen, das zweite im Aufwuchs. Die Kartoffeln und Rüben stehen ebenfalls schön; das Regenwetter hat die Hoffnungen auf eine gute Ernte wieder belebt. Mit dem Regen hat aber auch eine empfindliche Kälte eingesetzt, die daS Wachstum nicht fördert, was sich besonders bei den Gartengewächsen fühlbar macht. Die Obsternte dagegen bietet keine gute Aussicht und es steht fest, daß die Ernte in hiesiger Gegend gegen das Vorjahr weit zurückbletbt. Die wenigen Fruchtansätze der Aepfett und Birnbäume sind durch zunehmenden Raupenfraß gefährdet, ebenso die Zwetschcnbäume. Auch die Beerenobsternte ist im allgemeinen hinter dem Ergebnis des Vorjahres zurück- grblteben. * Die 2 Mk.-Stücke. Es sei daran erinnert, daß diese am 30. Juni ihre Eigenschaft als gesetzt. Zahlungs' mittel verlieren. Man kann sie bis dahin noch bet der Post abgeben. * Landwirtschaftliche Geuoffenschaftsbank Darmstadl Durch Rundschreiben an die Gläubiger teilt die gerichtlich bestellte Aufsichtsperson mit, daß von 310 Gläubigern mit insgesamt 10,6 Milionen Mk. Forderungen 185 mit rund 7,14 Mill. Mk. Forderungen die erbetene Veizichterkiärung abgegeben haben. Es hat damit die nach dem Gesetz notwendige Mehrheit der Gläubiger ihre Zustimmung erteilt. Indessen ist die für die Genehmigung eines Vergleichs notwendige Dreiviertelmehrheit der Forderungssumme (das wären 9,95 Mill.) noch nicht ganz erreicht. Aus diesem Grunde wird der Termin zur Zustimmungserkläcung bis 15. Juli vcrlängelt. * P*r hem Ginkochen Es wird nochmals davor gewarnr, zum Etnkochen von Marmeladen Zinkt ssc! zu V rwcnden. * Schneefälle. Im Harzgebirge fanden Schneestürme statt. Auf den Bergen blieb der Schnee fußhoch liegen. * Ueue Kartoffeln. In Berlin kamen die ersten neuen Kartoffeln zum Preise von 2,50 Mk das Pfund zum Verkauf. * Die Ansartung des Wandervogelmefens. Aus dem Sauerlande wird geschrieben: Allgemein sind die Klagen, die über den Wandervogel Unfug laut werden, und sich oft in scharfen Zuschriften an die Z ttungen Luft machen Namentlich in der Pfingstzeit ist das Sauer- land sehr stark von j.nen Trupps heimgesucht worden, die gar nichts mehr gemein haben mit der einfachen, frisch fröhlichen, achtsamen, der Rücksicht nicht entbehrenden Art des ehemaligen Wandervogelwesens. Es ist schon mehr ein Karnevalsaufzug in Kostüm und Gebühren, wie die Männlein und Weiblein cinhectrotten. Auf der Bahn und den Landstraßen fühlen sie sich als die Herren, bcr Gesang artet zu Gegröhl aus, begleitet von Trommel- schlag und fragwürdigen Instrumenten, die Wälder und besonders von Touristen besuchten Gegenden sind übecsät von Papier und Abfällen. In aller Morgenfrühe beginnt der Radau. Vor allem: die weibliche Grazie und Zurückhaltung verschwindet und wiederwärtig burschikoses Wesen in Aufputz und Benehmen tritt an die Stelle. * Sie spielen lieber Karten. Man schreibt d?r „Kceuzn. Ztg ": Die von Apotheker Müller nach Roc- hüm ein berufene Versammlung konnte nicht abgehaltcn werden, da die Vesammelten erklärten, daß sie lieber Karten spielten, als politische Vorträge hören wollten. Obwohl der Redner etwa 18 Personen aufforderte, doch tu den Saal hinaufzukommen und zwtt von auswärts erschienene Herren die Kartenspielec ebenfalls baten, den Vortrag zu hören, blieben diese dabei, lieber Karten spielen zu wollen." * Eine städtische Ordensauszeichnung wird in Uanmbnrg a. S. Herren und Damen verliehen, die sich bei der städischen Kriegshilfsarbeit ehrenamtlich zur Verfügung gestellt haben. Die Denkmünze wird in Eisen ausgeführt und mit einer Urkunde verliehen. * Enlrnanns Gieranlrag Der Abg. ßafmann< Alzey hat im hlffifchen Landwg folgenden Antrag gi stellt: „Die Kammer wolle beschließen: 1. D> jenigen Be- siimmungen aufzuheben, welche der Landes-Cie. stelle das Recht gewahren, selbständige Anordnungen betreffend üb lieferungspflicht d.r Cür zu treffen 2. Die Lunocs-Eier stelle anzuhalten, in Stroffällcn sich auf die IKbeimitth njj des Tatbestandes an das zuständ'g? Kreisamt zu bcsckn än ken und die Stellungnahme zur Strafverfolgung diesem zu überlassen. 3. In Erwägung zu ziehen, ob nicht d'e Niederschlagung aller Strafverfahren wegen unge< nügcnder Ablieferung von Eiern in 1917 zulässig und zur Beseitigung brcchtigter Erregung Witter Volkskrnsc und der Gefährdung der Eierversorgung im Jahre 1918 zu empfehlen ist." U [9-\ L U. Gießen. Bei der Jahresfeier der Lan des. Universität am kommenden Montag sind, wie uns mitgeteilt wird, au r, er den geladenen Gästen auch andere Freunde der Universität willkommen, einer besonderen Einladungskarte bedarf es nicht. Die Füer in der neuen Aula beginnt ll 1 /* Uhr pünktlich. » * Gvangel Vfarrvereirr Im HIstschen cvan- gelischen Parrvrretn ist der langjährige verdiente Vorsitzende. Geh. Ktrchenrat Schcimpf, wegen hohen Alters von seinem Amte zurückgetreten. Auf der HauptHer- sammlung zu Frankfurt wurde an seiner Stelle Dekan Jaudt zu Plantg zum Vorsitzenden gewählt. Dissen Stellvertreter wurde Pf. Weimar, Inspektor der Epilep tischen Anstalt zu Riedei »Ramstadt. Der Rechner des Pfarrvereins, Dekan Rö s ch en zu Freien sen, und der Schriftleiter des „Hessischen Kirchcnblattls". Pfarrer Fritsch zu Ruppertsburg, konnten beide aus 25 jährige Tätigkeit tm Verein zurückühm und wurd.n entsprechend gefeiert. Der bisherige Vorsitzende wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. t« Gieße». Das seit 4 Jahren jährlich stattfiudende Hindenb urgschild-Wettu cn en zwischen dem Gymnasium, dem Real-Gymnasium und der Obecrealschule fand am vorigen Samstag statt. Dem vorjährigen Sieger, die Obercealschule, wurde auch in diesem Jahre den Schild wieder auf Grund der höchsten Gesamtleistung zugefprochen. Gelingt es den Schülern der Obercealschule auch im nächsten Jahre die höchste Gesamtleistung zu erringen, dann wird der Schild Eigentum ihrer Schule. * Die Ortskrankenkasse Gießen-Stadt hilt am letzten Donnerstag im Gewerkschaftshaus eine Ausschuß- sttznng ab, die sich in der Hauptsache mit der Erhöhung der Grundlöhne, der Beitrüge und des Krankengeldes beschäftigte. Rach einer Bundesratsverordnung müssen die Grundlöhne den derzeitigen Lohnverhältnissen entsprechend erhöht werden. Der Ausschuß beschloß daher über den Dorschlag des Vorstandes, der die Einfügung von 2 Stufen vorgeschlagen hatte, hinausgehend vier neue Stufen des Grundlohns einzurichten une zwar 7 Mk., 8 Mk.. 9 Mk. und 10 Mk. Da die Krankenkasse durch die Folgen des Krieges in ganz besonderem Maße belastet wird, ist es unmöglich mit den derzeitigen Beiträgen auszukommen. Es wurde daher beschlossen, die Beiträge ab l. Juli l. Is. von 4 1 li % auf 5 °/ü zu erhöhen, zumal die meisten übrigen Ortskrankenkassen diesen Prozentsatz, teilweise noch mehr, bereits seit längerer Zeit jerheben, ohne daß die Mitglieder dieser Kassen die Vorteile der freien ärztlichen Behandlung d r Familienmitglieder genießen. Mit Rücksicht auf die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse wurde weiter beschlossen, auch das kankengeld zu erhöhen und zwar für Verheiratete auf 60 °/ Q , für Ledige auf 55 °/o des Grundlohns. * Gießen. Dieser Tage hielt die Polizei auf dem Bahnhof einen von Lich kommenden Schließkorb mit frisch geschlachtetem R i n d f l e i sch für einen hiesigen Fremdenhof an, ferner Schleichhändler'aus Köln, in deren Besitz man drei Schließkörbe mit gleichfalls frisch geschlachtetem Rindfleisch vorfand. * Friedtzerg Die Kurgäste von Bad-Nauheim liegen in ihrer Mehrzahl morgens der vorgeschrtebenen Kur ob und nachmittags Hamstern sie auf den umliegen den Ortschaften. Die mit hohen und höchsten Preisen erkauften Lebensmittel verschick n sie dann an ihre Angehörigen in der Heimat. Dieser'Unfug hatte in den letzten Wochen einen solchen gewaltigen Umfang angenommen, daß eine polizeiliche Durchsuchung der in Bad- Nauheim aufgegebenen Postpakete anzeocdnet werden mußte, wobei ungezähltes Hamstecaut der Beschlagnahmung verfiel. Die Folge d ejec „Postsperce" in Bad- Nauheim ist nun, daß die Kurgäste ihre gehamsterten Waren nicht mehr in Nauheim auf die Post geben, sondern sie dem Frtedbergec Postamte zur Weiterbesöc derung anvertrauen. Hier hat infolgedessen das Paket amt eine nicht geringe Arbeit zu bewält.gen, die immer größeren Umfang annimmt.— Die Versorgung der heimischen Bevölkerung wird durch die rücksichtslose Hamsterei der Kurgäste immer schwieriger. * Darmstadt. Ein hoher Preis wurde bei der letzten Pferdeversteigerung der Landwirtschaftskammer auf Jagdschloß kranichstein erzielt. Für einige der besten dreijährigen Fohlen wurden bis 140 00 Mark für das Stück geboten und gezahlt. * Wetzlar Bei einem nächtlichen Einbruch in das Manufakturwarengeschäft von Stern erbeuteten Diebe ' für 7000 Mk. Anzüge; in der gleichen Rächt wuden aus dem Geschäft von Siercoulomb für mehrere tausend Mk. Zigarren und Zigaretten gestohlen. Iigarrendiebe wurden noch im Laufe des Tages auf dem Herbomer Bahnhaf verhaftet. Es handelt sich um zwei schwere Eiubrecher Bochum. Marburg. Das Pfund Kirschen kostete hier auf dem Markte nicht weniger als 3 Mk. Marburg, a. d. L., 26. Juni. Auf dem Schweinemarkt waren 79 Ferkel angetrieben. Die Preise bewegten sich pro Stück zwischen 100—120 Mk. Größere Läufer kosteten das Stück 240 Mk. Im Vergleich zum letzten Markt ist ein kleiner Preisrückgang zu verzeichnen. Der Handel war sehr lebhaft. * Dtrstein Fürst Tr Franz Joseph von Isenburg Bicstein auf Schloß Birsletn bei Gelnhausen hat der Universität Freiburg i. B. eine Stiftung von 100 000 Kronen zur Förderung dcS Studiums der mitt« leren und neueren Geschichte überwiesen. Die Stiftung wird den Namen des Stifters tragen. * Frankfurt a. M. Einem hiesigen Spengler, mcistec wurden in einem Hamburger Gasthause nächt- ltcherweise die goldene Uhr, Schmucksachen, eine Brief- lasche mit 2100 Mark, ein Scheck über 6000 Mack und sämtliche Ausweispapiere gestohlen * Crouberg. Rach dem Vorbild anderer Orte veröffentlicht der Magistrat nunmehr auch die ab- gefaßten und polizeilich bestraften Feldfrevler. Die erste Liste enthält 15 Namen, darunter auch einen wohlhabenden Frankfurter Privatmann, der sich an Erdbeeren gütlich getan hatte. Urnenhain i. T. Die Versteigerung der Kirsch- ernte an der Kreisstraße brachte bisher nicht erlebte Preise. Für den Behang eines mittleren Baumes wurden z. B. 165 Mk. bezahlt, und den sicherte sich kein Kriegsgewinnler, sondern die Frau des Schafhirten^ * St. Goar. Im Hotel „Rose" nahm dieser Tage ein fein gekleideter und sehr vornehm auftretender Herr Wohnung. Als man ihn am nächsten Morgen wecken wollten, war er unter Mitnahme der Betten samt Federn, Gardinen, Teppiche Vorlagen, Handtücher u.s.w. verschwunden. Feststellungen ergaben, daß der vornehme Dieb morgens gegen 4 Uhr nach Bingen abgereist war. Detmold. Die freiwillige Versteigerung von Fer, fein ist von der Regierung mit Zustimmung des Staats- ministertums verboten worden, um eine weitere Preissteigerung möglichst zu verhindern. Ollt’5 gemacht wird. Bekanntlich besttht zwischen Stadt und Land insofern ein Streit, als die Städter behaupten, die Bauern rücken m't den Nahrungsmitteln nicht heraus oder sie nehmen Wucheipreise dafür. Anderers.its schimpfen die Bauern auf die Städter, die die Gesetze machen, auf den Kommunalvetband,^auf die Regierung usw , die ja alle ihr^n Sitz in der Stadt haben. Der Städter steht es nun gern, wenn in der Zeitung auf den Bauern hecum- gchackt wird, und der Bauer freut sich, wenn ec in der Zeitung liest, daß d.r Städter in alles hineinpfufcht, wovon er nichts versteht. Für die Zeitungen, die in Stadt und Land verbreitet sind, ist es nun keine angenehme Aufgabe, diesen zwiefachn Wünschen gerecht zu melden. Hilft man zu den Bauern, so schimpfen die Leser in der Stadt, hist man zu den Städtern, so läuft man Gefahr, daß die Lauern bie Zeitung abbestellen. Wie man es macht, macht man es falsch. Es gibt aber Zeitungen, die da einen Ausweg wissen, nämlich den: sie nehmen „Eingesandt" auf, |Die sich heute gegen den Städter, morgen gegen den Bauecn wenden. Man heißt das „auf allen Achseln Wasser tragen" oder „allen Leuten Brei ums Maul schmieren". So haben wir kürzlich in rheinhJsischen Zeitungen, die in der Stadt erscheinen, folgende zwei Gedichte gefunden, die beide als „Eingesandt", also scheinbar ohne Verantwortung der Redaktion, „rschienen find: Das Gedicht ?nr Freude des Städters. Heut der Höchstpreis ward bekannt, Morgen Streik schon auf dem Land, Die Verschwörung ist geschehn: Auf dem Markt kein Obst zu sehn; Und es sieht das Publikum. Sich darnach vergeblich um. Höchstpreis, er geniert uns nicht, Auf dem Land der Bauer spricht. Machen selbst der Preise hier Und zu Haus verkaufen wir. Wer was will, komni auf das Land, Auch der Kommunalverband. Das Gedicht zur Freude des Dauern Täglich kann mer ewe lese, Ganze Seite duht mer schreiwe, Was mir miserable böse Bauern for en Wucher treiwe. Jeder schennt uff hohe Preise Und dobei werd nit bedacht, Daß doch unser Herrgott 's Wetter Und domit die Preise macht. Gibts viel Obst un viel Gemüse, Sind die Preise billig halt: Stets wars immer rar und deier, Isis zu trücke oder kalt. Drum, was nutzt dann all detz Schenne Ueber hohe Preise jetzt, Hot doch Angebot un Nochfrog Stets die Preise festgesetzt. Und so halt ichs for das Beschte, Wann von jetzt ab werd beschlösse, ^Daß die, wo die Preise mache, Aach die Kersche wachse losse. Daß in Zukunft die Behörde- Uns stets günstig Wetter schenkt; Daß es gibt in Hüll und Fülle, Un der Preis sich widder senkt. Täglich wolle mer dann bete: Heiliger Kommunalverband! Schenk uns immer gutes Wetter, Schütz und segne unser Land. * Aus Thüringen. Daß es nicht überall eine Wohnungsnot gibt, zeigt Kahla in Sachsen-Altenburg. In der jüngsten Ratssitzung wurde festgestellt, daß zur- zeit 93 Kleinwohnungen freistehen und daß für die Zeit nach dem Kriege von Kriegerfrauen und Krieger-Wittwen bis jetzt nur 56 Wohnungen verlangt werden. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 30. Juni (5. nach Trinitatis). In der Stadtkirchc. Vormittags 8 Uhr: fällt aus, si he Johannesktcche! Vormittags 9*/, Uhr: Pfacrassisünt Liz. Reuning. — Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Ausfeld. — Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Psarr- assistent Liz. Reuning. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr. zugleich Christenlehre für die Neukonficmierten aus der Johanncsgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Bcchtolsheimer. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die LukaSgemeinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. Verantwortlich: Albin Klein in Gießen. Ocffentliche Aufforderung. Am 15. Mai 1855 verstarb zu Homberg a. d. Ohm der Landgerichtsdienec Johannes Ueichard Ec war vecheiratet mit Luise geb. Hildebrand und hinterließ mehrere Kinder, deren Nach, kommen ich suche, da sie als Mitecben am Nachlasse der Diakonissin Luise Christiane Reichard in Bettacht kommen. Alle Personen, welche glauben Ecbansprüche er» heben oder zur Sache zweckdienliche Auskunft geben zu können, werden ersucht, sich mit dem Unterzeichneten Nachlaßpflegec in Verbindung setzen zu wollen. D a r m st a d t, den 5. Juni 1918. Ludwig Kaab. mtSgerichtStaxator, Wilhelminenstraße 21. fpfclta falUstainnra Deutschlands einzige Glaubersalzquelle nach Analyse und Heilwirkung gleich Karlsbad in Böhmen. Unübertroffen bei Magen- und Darmkrankbeiten, Darmträgheit, Rämmorrboiden, Eeberleiden, öallenlteine, Nbeu- matismus und Zuckerkrankheit; auch porbeugend gegen Blinddarm Entzündung. Wo nicht erhältlich, bei 30 Flaschen zum Vorzugspreise von 55 Pfg. —M 16.50 — m.Korb 17.50-direkt durch Lullllsblumlcn-Gcscllschast m. b. H., Bad Hersfeld. 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