Bezugspreis 60 pfg. monatlich vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Oießeuer Zeitung", Gießen. Expedition: Züdanlage 21. Anzeigenpreis 20 pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für AuSwärtS 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung de-Zahlungt- Zieles (30 Taaej, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießencr Verlagsdruckerci, Albin Klein. Nr. 32. Telephon Nr. 362. Mittwoch, den 12. Juni 1918. Telephon Nr. 362. 31. Jahrg. Bis auf 60 km siegreich an Paris heran. Weitere 1000« Gefangene gemacht. 21000 u. 10500 u. 12500 Br R-T. ^ zusammen 44000 Br-R.-T. versenkt. Ueber iS milliardeni Berlin, 11. Juni. Das Ergebnis der 8. Kriegs- anleihe stellt sich nach Ablauf der Feldzeichnungsfcist (18. 5.) nunmehr auf 15001425 400 Mark. Die bei'der ersten Meldung ausgesprochene Ecwactung einer weiteren Erhöhung hat sich also durch das Hinzukommen von rund einer Viertelmilliarde Mark erfüllt. Oefterreicbs Armee unter fiindenburg. Köln, 11. Juni. Die „Köln. Ztg." meldet von der Schweizer Grenze: Unter der Ueberschrift: „Wo bleibt Oesterreich?" befaßt sich das „Berner Tageblatt" mit den böswilligen Gerüchten über das augenblickliche Wollen oder Nichtwollen Oesterreich Ungarns. Dazu sagt das Blatt: Wir sind in der Lage diese verschiedenen Auffassungen als unhaltbar nachzuweisen. Oesterreich- Ungarn hat seine ganze Armee unter den Oberbefehl Hindenburgs gestellt. Das Zucückhalten der Oefterreicher beweist nur, daß die drei großen Offensiven in Frankreich Vorläufer noch größerer Dinge sind und bei diesen wird die Fahne Habsburg nicht fehlen. Zur miMärifcden Lage im Hielten. Die „Wiener Mittagszeitung" meldet aus Rotterdam: In neutralen Militärkceisen herrscht die feste Ueberzeugung vor, daß die Deutschen ihre bisherigen großen Erfolge ausnützen und neue wichtige Aktionen vornehmen werden und daß die Alliierten nicht in der Lage wären, eine ernstliche Gegenoffensive noch in diesem Jahre zu ergreifen. Londoner Pcivatmeldungen der holländischen Blätter behaupten, daß Deutschland über große unangetastete Reserven verfüge, und daß der Still- stand zwischen den einzelnen Offensiven von immer kiiczerer Dauer werde. Die Beschließung des Pariser Bezirks durch das weittragende Geschütz wurde am SamLtag fortgesetzt. * Köln, 10 Juni. Die „Köln. Volkszg." meldet: Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle, daß die Geschosse aus unfern weittragenden Geschützen in Paris auch an militärisch wertvollen Objekten Schaden angerichtet haben, u. a. am Ostbahnhof, am Bahnhof St. Lazaire und auf dem Quai d'Orsay; ferner wurde der Justizpalast getroffen. * Genf. 11. Juni. Mit geringen Unterbrechungen dauerte die Beschießung von Paris aus Fertige- schützen von Samstag morgen bis Sonntag abend fort. Die Gesamtzahl der Schüsse bewies eine erhebliche Steigerung der deutschen Angriffsmittel. * Haa g, 11. Juni. Mehrfach wurde von Londoner Blättern geäußert, daß eine größere UmfassungS- bewegung der Deutschen gegen Paris bevorstehe, deren äußerste Flügel Montdidier und Chateau Thierry seien. Man glaubt, daß die Deutschen jetzt allen Ernstes an eine unmittelbare Bedrohung der französischen Haupt- stadt in Verbindung mit der Resere Fochs gehen — Der Kanonendonner von Nordostcn wird in Paris sehr deutlich gehört. * Basel, 11. Juni. Der Pariser „Temps" be- 2 Comptegne wird erneut von schwerer deutscher beschossen. Die Bahnlinie Comptegne—Altvehy (?) ist streckenweise utlterbrochen. * Genf, 11. Juni. Ein Havas-Kommentar spricht von Kämpfen um das Plateau bei Autheuil, wo die Straße nach Comptegne führt. * Genf, 11. Juni. Die Madrider „Aktion", das Blatt deS spanischen Ministerpräsidenten Maura, schreibt am 6. d Spanien sei gewillt, wegen Regelung der Gibraltar - u n d Ma r o k k o f c a g c n Anteil an den Friedensverhandlungen zu nehmen. Amtliche deutsche Cagesbericbte. Berlin, 7. Juni. Durch die Tätigkeit unserer U-Boote sind im Sperrgebiete um die Azoren und die westafrikanische Küste neuerdings wiederum rund 21000 Bruttoregistertonnen vernichtet worden. Der Chef deS Admiralstabes der Marine. wtb. Großes Hauptquartier, 8. Juni 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Zeitweilig auslcbendec Artillerickampf und Ec kandungsgefechte. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz Erneute Angriffe des Feindes nordwestlich von Chateau Thierry und Gegenangriffe zur Wtedernahme der verlorenen Linien an der Acdre brachten ihm nur unbedeutenden Geländegewinn. Mehrfacher Ansturm französischer, amerikanischer und englischer Regimenter scheiterte unter schweren Verlusten. Im übrigen ist die Lage unverändert. Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendocff. Berlin, 8. Juni, abends. An der Schlachtfront ist die Lage unverändert. » Berlin, 8. Juni Durch die Tätigkeit unserer U-Boote wurden im Sperrgebiet um England wiederum 10 500 Brt. Handelsschiffsraum vernichtet. — Unter den versenkten Schiffen befand sich ein tiefbeladener mittelgroßer Fcachtdampfer, der aus einem stark ge- sicherten Geleitzug herausgeschossen wurde. Der Chef des Admiralstabes der Marine. * wtb. Großes Hauptquartier, 9. Juni 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Der Artilleriekampf lebte am Abend vielfach auf und nahm heute früh im Kemmelgebiete, südlich von der Somme und an der Avre an Stärke zu. Teilangriffe der Franzosen südlich von Ipern der Engländer nördlich von Bcaumont-Hamel wurden blutig abgewiesen. Heeresgruppe deutscher Kronprinz. An der Oise lebte die Gefechtstätigkeit auf. Oertliche Angriffe der Franzosen aus dem Südufer der Aisne und südlich des Ourcq scheiterten. Eigener Vorstob östlich von Cutiy brachte 45 Gefangene ein. Amerikaner, die nordwestlich von Chateau Thierry erneut anzugreisen versuchten, wurden unter schweren Verlusten und unter Einbuße von Gefangenen über ihre Ausgangsstellungen hinaus zurückgeworfen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Bei erfolgreicher Unternehmung auf dem Ostufec der Mosel machten wir Gefangene. Leutnant Kroll errang seinen 24. und 25. Feldwebel Rumey seinen 23. Luftsieg. Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendorff. * Berlin, 9. Juni, abends. Westlich der Oise nahmen wir die Höhe von Gur y und die an- schlisßendcn feindlichen Linien. m Berlin, 9. Juni. Neue U-Booterfolge aus dem nördlichen Kriegsschauplatz: 12 500 Bruttoregistertonnen Handelsschiffsraum. Unter anderen wurde ein mittel- großer französischer Dampfer aus einem durch 4 Zer- störer gesicherten Geleitzug herausgcschossen. Der Chef deS Admiralstabes der Marine. • wtb. Großes Hauptquartier, 10. Juni 1918. WestlicherKciegSschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Zwischen Arras und Albert, südlich der Sonrnte und an der Avre lebte der Artillertekamps auf. Rege Erkundungstätigkeit hielt an. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In kräftigem Angriff brachen wir gestern in das Höhengelände von Noyon ein. — Westlich der Matz nahmen wir die französischen Stellungen bei Mor- tamen und Orvillers und stießen über Cuvilly —Ricque- bourg hinaus vor. Oestlich der Matz wurden die Höhen von Gury erobert. Trotz zähen feindlichen Widerstandes erkämpfte sich unsere Infanterie den Weg durch die Wälder von Ricqubourg und Lamotte und warf den Feind über Bourmout—Mareuil zurück. Südlich und südöstlich von Lasstgny drangen wir wett in den Wald von Thickcourt ein. Heftige Gegenangriffe der Franzosen wurden abgewiesen. Wir machten etwa 8000 Gefangene und erbeuteten Geschütze. An der Freut von der Oise bis Reims ist die Lage unverändert. Oertliche Kämpfe nördlich der Aisne, nordwestlich von Chateau Thierry und bei Vrigny brachten Gefangene ein. Gestern wucden 57 feindliche Flugzeuge und 6 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Kroll errang seinen 27. und 28, Leutnant Übet seinen 27 , Leutnant Kirchftein seinen 23. Luftsteg. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorsf. i •' Berlin, 10. Juni, abend?. Südwestlich von Noyon machten wir im Kampfe mit neuherangefühcten französischen Kräften Fortschritte. 9 Berlin, 10. Juni. Im Mtttelmeer versenkten unsere U-Boote 7 Dampfer von etwa 20000 Bc.-R-T. Unter ihnen branden sich die englischen bewaffneten Dampfer „Cambrian King" (3601 Br.-R.T.) mit Flugzeugen und der Dampfer „Suowdon" (3189 Br.-R.T. mit 4000 Tonnen Kohle und 200 Tonnen Stückgut. Der Chef deS AdmiralstabeS der Marine. G - wtb. Großes Hauptquartier, 11. Juni 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die tagsüber, mäßige GesechtStätigkeit lebte nur beiderseits der Somme auf. Nach starker Feuersteigerung griff der Feind am Abend zwischen der Ancce und der Somme an. Oectlicher Einbruch des Feindes an der Straße Corbie—Braye wurde durch Gegenstoß zum Stehen gebracht. Vor der übrigen Front brach der Angriff blutig zusammen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In zwei Kampftagen hat der Angriff der Armee des Generals von Hutter zu dem beabfichtlgten Erfolge geführt und uns in den Besitz des Höhengcländes südwestlich von Noyon gebracht. Der Stoß traf einen auf unseren Angriff vorbereiteten tiefqegliederten Feind in stärkster Stellung. Die französischen Divisionen konnten der ungestümen Angciffskraft unserer Truppen nicht widerstehen. Auch die zu einheitlichen Gegenangriffen herangeführten Divisionen der französischen Heeresceserven wurden gestern in erbitterten Kämpfen zurückgeschlagen. — Im rechten Angriffsflügcl behaupteten Truppen des Generals von Oettingec die südlich von Affatnvillers genommenen feindlichen Linien gegen heftige Gegenangriffe. — Die Truppen des Generals von Webern stehen im Kampf bei Couiclles—Mery Beiderseits der Straße Roye—Estres—St. Denis eroberten sie die Höhenrücken östlich von Mery, durchstießen die vierte feindliche Stellung und warfen den Feind auf die Aronde zurück — Trotz zäher feindlicher Gegenwehr erkämpften sich die Truppen des Generals von Schoeler den lieber- gang über die Matz. Nach Erstürmung der Höhen von Marqueglise und die Vignemont.Berge drangen sie in unaufhaltsamem Angriff bis Antheuil vor. — Das Korps des Generals Hofntann hat im steten Kampfe das feindliche Stellungsgewirr auf den Höhen südlich von Thiesrourt durchstoßen. Auf den nach Süden zur Oise abfallenden Hängen drangen wir bis Riberourt vor. Die Gefangenenzahl hat sich auf mehr als 10000 erhöht, damit steigt die Zahl der von der Heeres- gruppe Deutscher Kronprinz seit 27. Mai eingebrachten Gefangenen auf etwa 75 000. An der Front von der Oise bis Reims ist die Lage unverändert. Ein Angriff des Feindes nordwestlich von Chateau Thierry brach verlustreich zusammen. Der Elfte Gcneralquartiermeister: Ludendorff. 9 Berlin, 11. Juni, abends. Auf dem Kampf, selbe südwestlich Noyon sind erneute Gegenangriffe d r Franzosen unter schwersten Verlusten gescheitert. Die 6esamlbeute. Berlin, 8, Juni. Durch die Erfolge der siegreichen Armee des Deutschen Kronprinz'« wuchs die Beute aus den großen Kämpfen im Westen seit 21. März nunmehr auf 185 000 Gefangene, über 2250 Geschütze und viele Tausende von Maschinengewehren an. Tic Einbuße an nicht annähernd zu schätzendem Kriegsmat.eial und Gerät aller Art kostete die Entente ungeheure Werte. Amerikaner in deutschem Massrnirner. Berlin, 10. Juni. An der Front von Chateau Thierry nach Nordwest verblutete sich der Feind seit dem 5. Juni in nutzlosen mit starken Kräften unternommenen Gegenangriffen. Am 7. Juni ging hier zum ersten Male eine amerikanische Division zum Angriff vor. Im Brennpunkt dcS Kampfes stand der Wald von Belleau. Hier hatte ein deutsches Regiment unter Person- lichec Führung des Regimentskommandeurs den Amerikanern ungewöhnlich schwere Verluste beigebracht. Es warf den Feind, der biS an den Rand des Waldes vorge- kommen war, im Kampf Mann gegen Mann mit Handgranaten und Bajonett zurück. Als trotz dieser blutigen Abfuhr Teile der amerikanischen Division und zwar der Marinebcigade in der Frühe des 8. Juni nochmals in mehreren Wellen hintereinander zum Sturme vorgingen, ließ sowohl die deutsche Artillerie wie die Infanterie den Feind nahe h.rankommen. Dicht vor dem Walde wurden seine Sturmkolonnen frontal und von bciden Flanken her vom wirksamsten zusammengrfaßten Maschinengewehr- und Artillertefeuec überschüttet. Nur wenige Amerikaner konnten sich in die Gefangenschaft oder durch eilige Flucht retten. In dichten Haufen blieb die Masse der Amerikaner tot vor dem Belleau-Walde liegen. Gefangene Amerikaner sagen aus, daß sich in ihren Reihen viele Naturalisierte befunden halten, von denen einige bereits hätten erschossen werden müssen, weil sie bet Nacht ihre Stellungen verließen. Die Ausdehnung des Sieges. Don unserem militärischen Mitarbeiter. Dm. Der Sieg unseres Kronprinzen türmt Leistung auf Leistung. Am 29. Mai siel Soissons, einer der Angelpunkte der französischen Front, unseren Stürmern in die Hand. Uebrigens ein eigenartiges Schicksalswalten, daß es Brandenburgern vergönnt war, die Stadt zu nehmen. Spielte sich doch im Januar 1915 die Schlacht bei Soissons zwischen dem General Maunoorg und General von Lochow, dem damaligen Kommandierenden General des 3. bran- denburgischen Korps ab. Brandenburgische Leibgrenadiere stießen damals dem nördlich Soissons nach seinem vergeblichen Durchbruchsversuch schwer geschlagenen Feinde bis in die Dorstadt St. Medard bei Soissons nach. — Die Ereignisse an der Kampffront überstürzen sich beinahe. Nach Soissons die Marne! Auch sie weckt Erinnerungen andasIahr 1914, andiegeit, da unsere siegreichen Armeen im stürmischen Dorwärtsdrang Ioffre bis hinter die Marne folgten. Unsere rechte Flanke war damals noch frei; jetzt ist die Lage beim Vorwärtsdrang anders. Eine zusammenhängende Front spannt sich bis zur Küste, der vorspringende Keil der großen Schlacht in Frankreich deckt die rechte Flanke unserer Kampfarmeen. Aber selbst damals, im Herst 1914 gelang es dem Feinde nicht, trotz weitausholender Bewegung durch und westlich von Paris, im Angriff über den Ourcq unseren rechten Heeresflügkl aufzurollen. Der Plan scheiterte am Widerstand unserer staffelweise dort eingesetzten Korps und Divisionen; während gleichzeitig die Armee v. Kluck den Feind frontal derart anpackte, daß er schon die Schlacht verloren gab. Auch Foch war dabei! Er führte damals die 9. französische Armee. Also nicht die Schlacht an der Marne, die sogar zu einem taktischen Siege der Deutschen heranzureifen schien, war der Grund zum damaligen Rückzuge. Der Grund ist in der strategischen Gesamtlage, - dem Zweifrontenkriege,-^ suchen. Der Osten regte sich schneller, als man annehmen konnte. Die heimliche, verfrühte Mobilmachung des russischen Heeres hatte den Aufmarsch der Feinde im Osten so beschleunigt, daß unsere schwache Verteidigung Ostpreußens nicht mehr ausreichen konnte. Der Westen mußte hergeben, was an Kräften möglich war; - so wurde ein gewaltiger Entschluß von der Heeresverwaltung gefaßt: Abbrechen der Schlacht an der Marne mitten im Erfolge, Rückzug in feste Wehrstellung hinter die Aisne, um so das Gleichgewicht der Kräfte wiederzusinden. Dieser Entschluß ist bestimmend gewesen für die Gestaltung der Lage während der folgenden 3 1 /» Kriegsjahre; er hat sich als richtig erwiesen, da unterdessen die Entscheidung im Osten gefallen ist. Nun ist der Schwerpunkt des Krieges an seinen alten Platz zurückgekehrt. Mit fürchterlicher Unruhe harrt Frankreich der Dinge, die noch kommen können. Denn angesichts der Leistung, ein in die Tiefe hinein vollkommen ausgebautes Verteidigungssystem einfach in einem großen Schwung zu durchreißen, 2 Flußläufe (Aisne und Vesle) fast gleichzeitig mit dem Gegner zu passieren, den dritten Flußlauf (Marne) bereits am 4. Angriffstage in breiter Front zu erreichen, verstummt jede feindliche Stimmungsmache über unsere angebliche Erschöpfung. Das Gegenteil ist bewiesen, unsere Stoßkraft hat an Wucht sogar bedeutend zugenommen. Da das Frankreich auf einmal fühlbar am eigenen Leibe merkt, erhebt sich darüber der Schrei, daß Soissons und Reims viel wichtiger als Talais und Ppern wären, womit die Kritik an Fochs strategischen Maßnahmen ja von den eigenen Landsleuten selbst gefällt wird. Foch ist allerdings in wenig beneidenswerter Lage; er wird die Fessel, die ihm Hindenburg durch seine ersten Hiebe umgelegt hat - die strategische Zwangslage — nicht mehr los; sie schlingt sich immer enger um ihn. Zunächst mußte Foch das einzig Mögliche und Naheliegende tun, um den Zusammenbruch der angegriffenen Front örtlich einzudämmen : die Flügel stützen. Das hat er auch getan, obgleich diese Maßnahmen alle nur taktische Aushilfen, nicht aber operative Gegenmaßnahmen darstellen. Was an örtlichen Reserven in der Angriffsgegend war, wurde bei Soissons und Reims hineingeworfen. Der Widerstand des Feindes bei Reims muß ja stärker sein,' da das ausgebaute Festungsgelände einen guten Rückhalt bietet; daß überhaupt schon die Nordwestfront des Festungsgürtels in unserer Hand ist, zeugt von der Leistungsfähigkeit unserer Sturmtruppen Die Frontmitte zu stützen, ist Foch dagegen bisher nicht gelungen. Das schnelle Ueberwinden der Flußläufe, womit gleichzeitig die Hinterverbindungen der französischen Front durch die Bahnen Eompiegne-Soissons-R^ims und das Erreichen der Marne, wodurch die Gleise Paris- Meaux-Ehalons unterbrochen sind, hat ein rechtzeitiges Heranführen feindlicher Reserven verhindert; was vereinzelt auftrat, wurde in die Niederlage verstrickt und geworfen. Wie es an der Marne werden wird, läßt sich noch nicht beurteilen; es kommt auf die Pläne unserer Heeresleitung an. Einen weiteren Erfolg haben wir aber unterdessen aus unserem rechten Angriffsflügel buchen können. Der Fall von Soissons und die Fortschritte dieses Flügels nach Westen haben die französische Front zwischen Soissons und der Oise, die rettungslos eingekeilt wurde, zum Weichen gebracht, sodaß sich unser Angriff am 31. Mai bis nach Noyon herüber ausdehnte. Aus 40 Klm. Anfangsfront irrt Angriff sind nun schon über 100 Klm. geworden; und der Angriff schreitet gut vorwärts, das zeigen ja die letzten Heeresberichte wieder. So hat unser Sieg eine Ausdehnung erfahren, die ganz ungeheuer ist und weitere Entwicklungen noch zuläßt. Mit Zuversicht sehen wir diesen entgegen; haben uns doch die Ereignisse erneut davon überzeugt, daß wir es, schaffen, daß wir den Krieg auf diese Weise zum siegreichen Ende führen werden. Aber es kostet alles seine Zeit! d Z 2 ‘ Nachdem die Wirkung unseres in Zeit, Geländegewinn und Leistung gleich verblüffenden Sieges zunächst in der allgemeinen Richtung nach Süden am auffallendsten ausstrahlte, begann sie sich mit besonderem Nachdruck nach Westen, an der bisherigen rechten Flanke unserer neuen Schlachtsront zu zeigen. Der auf die Marne zeigende Keil, der zuerst bei Erreichen dieses Flußlaufes spitz und verhältnismäßig schmal war, verbreiterte sich hierdurch zusehends und schaffte eine immer gesichertere Basis unserer Operationen. Der linke (östliche) Teil unserer Schlachtsront hat ebenfalls nach dem Erreichen der Marne in der Frontmitte danach getrachtet, sich seitlich in südöstlicher Richtung zwischen Verneuil und Reims vorzuschieben, - soweit es noch notwendig war. Vor ihm liegt jetzt das schwierige, für große Bewegungen ungeeignete Reimser Waldgebirge, in das hineinzustoßcn wenig verlohnt. Reims selbst als stark ausgebaute Festung mit einer Menge bombensicherer Räume hat sich halten können, zumal ein unmittelbarer Angriff auf diesen verschanzten Platz ja gar nicht stattge- funden hat, sondern nur eine gewisse Umklammerung von Westen her angestrebt und auch zum Teil erreicht worden ist. Die Verluste des Feindes, dessen farbige Truppen als Massenopfer dort unserem konzentriscken Feuer aus- gesetzt sind, müssen ungeheuerlich sein; während wir dort in richtiger Erkenntnis der Lage Spartaktik treiben. So sind auf 'diesem Flügel der Angriffsfront größere Ereignisse nicht mehr zu verzeichnen, während der Westteil unserer Schlachtfront noch in dauerndem Kampfe steht. Aus der zunächst erreichten Linie Soissons-Ehateau-Thierry heraus, begann das Vorrücken nach Westen, das durch das organische Verbinden der alten Angriffsfront von NvM mit der neuen immer größeren Umfang annahm, sodch Foch mit verzweifelten Krastanstrengungen am Ientralpunö dieser Bewegung, westlich von Soissons, sich anzuklammerrr suchte. Einige Tagelang hat er das mit gewissem Erfolge getan. Als aber am 2. Juni nördlich der Aisne Moulin- sous-Touvent fiel, bildete sich dort ein Keil, aus dem her. aus eine starke Artilleriefeuerwirkung auf das Aisnetal und den linken Flügel der vor Soissons zäh haltenden Franzosen möglich wurde. Ebenso wurde weiter südlich durch unser Vordrucken beiderseits des Ourcq und das Erreichen der Ostränder der Wälder von Villers Eoterettz ein ähnlicher Keil gebildet, aus dem heraus nach Norden zu mit Feuer stark siankierend gewirkt werden konnte. Infolgedessen gelang der Angriff des 3. Juni, der den Feind unter schwersten Verlusten aus seinen Stellungen südwestlich Soissons bis auf die Linie Soulier-Dommiers zurückwarf. Damit ist dieser Teil der Front sehr viel kürzer und geradliniger geworden nnd bietet vor allem Foch keinen so günstigen Angriffspunkt mehr - falls er eine größere Gegenmaßnahme plant; jedenfalls hat dieser Erfolg ihm zunächst das Konzept verdorben. Der ganzen Lage nach ist es durchaus natürlich das Foch jenen Gegenaufmarsch, zu dem er von weitentlegenen Fronten die verfügbaren Reserven zusammengeholt hat, an dem Teil der Angriffsfront vornimmt, von dem aus Paris am bedrohtesten erscheint. Lompiegne, Villers Eotterets und Meaux sind seine Sorgenkinder, die er sichern will. Dabei ist allerdings weder ihm noch uns bekannt, was für Absichten unsere Heeresleitung hat. Aus der Tatsache, daß sich ganz Frankreich um das Schicksal von Paris sorgt, und daß Foch ganz selbstverständlich Maßnahmen zur Deckung der Festung trifft, dürfen wir unter keinen Umständen ableiten, daß Paris das Ziel unseres Angriffs sei. Zunächst gilt es, den Feind zu schlagen, dort zu schlagen, wo wir ihn anpacken und selbstver- stündlich jeden Erfolg soweit ausnützen, als es vorteilhch ist und mit geringen Verlusten geht. Denn das vornehmste Prinzip bei unserer jetzigen Offensive ist immer wieder der Leitgedanke, mit möglichst geringen Verlusten möglichst Großes zu erreichen; dann aber auch im richtigen Augenblick aufzuhören und sich ähnlich günstige Bedingungen erneut zu schaffen. Während die Massenopferung der Feinde geradezu ungeheuer ist; die dick massierten Sturmkolonnen beim Gegenangriff, der verzweifelte Einsatz von Kavallerie, das Zusammendrängen auf den Rückzugsstraßen, bei Flußübergängen bringen im Feuer des Siegers fürchterliche Verluste ein;-und rücken uns unserem Ziele, die feindliche Wehrkraft zu zerschlagen, langsam aber sicher näher. Wir brauchen uns gar nicht zu wundern, wenn in der nächsten Zeit die Entente triumphierend verkündet, es f wäre uns nicht gelungen, nach Paris zu kommen und deshalb wäre unsere Offensive wieder einmal mißglückt. Diese rein äußerlich aus Stimmungsmache in Frankreich ; v . berechneten Lügen lassen uns kühl; wir wissen es besser, wie es auf dem Schlachtfelde gemacht wirh und werten | jeden Sieg soweit aus, als es ratsam und unter Schonung von Kräften möglich erscheint. Hindenburg weiß, was er will! Der letzte Sturmerfolg vom 4. Juni, der die Fran ! zosen auf dem Südufer der Aisne wieder zurückwarf, und f zwar auf die Linie Ambleny-Eutry, wobei die feindlichen Stellungen nördlich von Dommiers erobert wurden, zeigt? wieder zur Genüge, wie stark die Auswirkungen unseres j I Sieges selbst gegen die mit allen Mitteln verstärkte Ge | genwehr des Feindes noch sind. Die Frontlinie zwischen W Noyon und Ehateau-Thierry wird immer gerader, dü» Störung des Transportverkehrs auf dem französische: » Bahnknotenpunkt Villers-Eotterets durch unser Fernfeue I muß recht erheblich sein. Und schließlich,-die größte Aus» wertung des Sieges ist doch die, daß wir wieder der» Feinde das Gesetz des Handelns oorgeschrieben haben» Foch muß seine Kräfte dorthin ziehen, wo wir es wollen » er muß weiter opfern und die Schlagkraft seines Heere» dransetzen, um die Lage zu retten, soweit das möglich is I - Er steht unter dem eisernen Zwang des Sieges! Z. i ■ verhallen gegenüber Kriegsgefangenen. Darüber hat der stellt). Kommandierende Generc der 18. A.- R. folgendes am 26. März 1917 veröffentlich Bezüglich des Verhaltens gegenüber Kcie jSgefangene treten mit brr Veröffentlichung dieser Verordnung fr den mir unterstellten KolpSbezirk und im Einvernehmen mit dcm Gouverneur—auch für d u Befehisbereicb der Festung Mainz die folgenden Bestinnnungcn in Kraft: 1. Das Zustecken von Eßwaren oder anbercn Sachen an Kriegsgefangene, das unbefugte Verkaufeu, Vertäu- schen oder Verschenken von Sachen, inSbtfonbere die unbefugte Verabreichung alkoholischer Getränke an KGcgs- gefangene sowie das unbefugte EiubringlN von Sachen in ein Kriegsgefangenenlager ist verboten. 2. Privatpersonen ist es verboten, Briefschaften von Kriegsgefangenen in Empfang zu nehmen oder zu besorgen. 3. Verboten ist jeder schriftliche, mündliche oder sonstige Verkehr hierzu nicht berechtigter Personen mit Kriegsgefangenen, insbesondere j der gegen die guten Sitten verstoßende Verkehr weiblicher Personen mit Kriegsgefangenen 4. Verboten ist jede Förderung des Entweichens von Kriegsgefangenen, sowie jede Unterstützung entwi- chenec Kriegsgefangener, namentlich durch Gewährung von Unterkunft, Nahrung und Kleidung. Verabfolgung von Geldmitteln, Beschaffung von Arbeitsgelegenheit oder Beschäftigung im eigenen Haushalt. Von der Anwesenheit entwichener Kriegsgefangener ist unverzüglich der nächsten Polizeibehörde Mitteilung zu machen. Unter Kriegsgefangenen sind alle Militär-und Zivil- gefangenen zu verstehen, gleichgültig, ob sie sich in Kriegsgefangenenlagern selbst, Lazaretten oder auf einer Arbeitsstelle befind.n. 5. Zuwiderhandlungen werden auf Grund des 8 9b des Gesetzes über drn Belagerungzustand vom 4. Juni 1851 in der Fassung des ReichsgesetzeS vom 11. Dez. 1915 mit Gefängnis bis zu einem Jahr, beim Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Maik bestraft. 6 Der Versuch ist strafbar. Die Verordnungen vom 25. 11. 1914: UI a Nr. 44110/3575, vom 27. 2. 1915 V, Ul b Nr. 1317/1796, vom 23. 6. 1915 III b Nr 13083/5882 und vom 23 10. 1915 III b Nr. 23036/10400 werden aufgehoben. Aus Stadt und Land. * Frühdrusch Es sing Zweifel entstanden, ob die Bekanntmachung über Fcühdcusch vom 2. Juni 1917 (Neichs Gesttzbl. S. 443) auch für das bevorstehende Wirtschaftsjahr (1918/19) Gültigkeit hat. Diese Zweifel sind unbegründet; die Gültigkeit der Bekanntmachung ist zeitlich nicht beschränkt, sie gilt also, abgesehen von den in ihr für die Ernte 1917 festgesetzten Frühdrusch- plämien, auch für das bevorstehende Wirtschaftsjahr. Die für die Ernte 1918 zu bewilligenden Frühdrusch- Prämien bilden zurzeit den Gestand der Erwägungen und werden demnächst bekanntgegeben werden. * Wo bleiben die Kirschen? Oberrheinische i Blätter melden: Seit einigen Tagen treiben Wucher und Schleichhandel im rheinischen Kirschengebiet in schamloser I W H., Bad Hersseld. Badekur:Mai-Seprember. I Auskunft: Magistrat, Hersseld. Die b68ten ?iSSS 3 Vcl- Lesen liefert grosse Posten prompt ss. Zommer, Nöln Rh- Heumarkt58. Fernsp B 3707 Verlangen Sie Offerte. Vertreter gesucht. Für Wiederverkäufe!: und Großverbraucher. ------ Kautabak == behördlich eingeführte Auslandsware. Mk. 45.— per Kilo franko. Verpack, frei. 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