(Neueftc Nachrichten) (Gictzctrer Tageklatt) Knzeigrnprris 20 Pfg. Bezugspreis 60 pfg. monatlich vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder «n den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktionsjchlutz früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Giesrener Zeitung", Gießen. Expedition: Südanlage 21 die 44 mm breite Petitzeile, für AuSwärtS 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung deS ZahlungS- zieles (30 Taqe), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießencr Verlagsdruckerei, Albin Klein. Nr. 45. Telephon Nr. 362. Samstag, den 18. Mai 1918, Telephon Nr. 362. 31. Jahrg. Siegreiche Lustkämpfe: 6 Fesselballone und 51 Flugzeuge abgeschossen. 33000 u. 11500 ii. 25000 = zusammen 69500 Br. R -T. durch deutsche U-Boote versenkt. ZurlmilitäriTcben Lage int Aesten DaS „Petit Journal" berichtet von der Front, die Generale Foch und Haig hätten Befehl erlassen, Ipern btSzumletzten Mann zu verteidigen. Der König von Belgien jist amZMittwoch an der Ipclnfront eingetroffen. 9 „Dailly Mail" meldet aus Amiens: Bis ' j tzt sielen 7000 deutsche Granaten in die Stadt, 1200 Häuser wurden getroffen. In die Kathedrale schlugen neun Granaten ein. Das mächtige ChcistuS-Standbild der Kirche liegt zerschossen am Boden. Da die Deutschen in letzter Zeit in großem Umfang Gasgranaten benutzen, verließ die Bevölkerung die Stadt. Von 120,000 Einwohnern sind nur noch einige hundert zurückgeblieben. Umllicbe aeullebr Lsgesbrrjebir. Berlin, 14 Mai. Im kühnen Dcaufgehen vernichtete Kapitänlcutnant Steinbaucr mit seinem bewährten U-Boot im Sperrgebiet des westlichen Nittel meeres neuerdings innerhalb weniger Tage 7 wertvolle Dampfer meist unter erheblicher Gegenwehr und mehrere kleine Fah zeuge von zusammen rund 33000 Krtg. mit ihnen etwa 10 Geschütze. — Im Morgengrauen des 29. Apul drang Kapitänleutnant Steinbaucr in die stark b festigte Durchfahr von San Ptet o (Sardinien) und griff im Häfen von Carloforte zu Anker tilgende Schiffe an. Ec versenkte im Feuer mehrerer Landbatterien den englischen bewaffneten Dampfer „Kingstoniy i" (6564 Br. Neg.-To.) durch Torpedotreffer und vernichtete mit seiner Artillerie 2 große bewaffnete Secschlepper, schoß einen französischen Biermastschonec in Brand und bekämpfte das feindliche Artillerirfeuex. Alsdann erzwang sich das Boot trotz des Sperrseuers der Land- batterien und d.r Angriffe eines bewaffneten großen Motorbootes die Ausfahrt. Im Ablausen von Caclofort.' führte das U Boot ein halbstündiges Arttlleriegcfccht gegen einen stark bewaffneten Bewacher und beschoß die F. T. und Signalftation von Kap Sperone (Insel Antioco) mit beobachteter Trefferwirkung. Der Chef dcS Admiralstabes der Marine. wtb. Großes Hauptquartier, 15. Mai 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: Nördlich vom Kcmmel hatten örtliche Angriffsuntei nehmungcn vollen Erfolg und brachten 120 Gefangen ein. Unser Angriff traf in der Ablösung befindlich Truppen und kostete den Franzosen hohe blutige Bei lustc. Der Artilleuekampf blieb im Gebiete deS Kemm« ^'tigert. H'vte f üh haben sich dort mit französische Bocflößen neue Jnfanteriegefechte entwickelt. — Zw schc ^em Bassee-Kanal, an der Scaipe un bei Bucquoy war die feindliche Artillerie namcntlie während der Nacht rege.—Zwischen Anrce und Somm orangen wir in kurzem Stoß an der Straße Bcoy Cocbi hinten ein und behaupteten das gewonnen Gelände gegen zweimalige starke Gegenangriffe de Lu'Unterstützung der Infanterie hielt lebhafj .U^Hkr!e.täUgkelt an. — Bei Billers-Bretonneux, beidei seits der^Dll« und Avre lebte der Feuerkampf vielfac auf Auf dem wcstlichen Avre User griff der Feind unser Tinten bei Eastel an. Unter schweren Verlusten ward er zuruckg. schlagen. — In einzelnen Abschnitten El kundun.sgcfechte. Unsere Flieger schossen qcstein 5 feindliche F.sse MeOettätigkei^" ^ Kampffronten sehr rege nächtlich ^ c ^ Qr f (n lai s, Dünkirchen und ander uckwartige Munitionslager u. Bahnanlagen des Feinde ausgiebig mit Bomben. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts N.ue; Der Erste Gencralquartiermeister: ^L u d e n d o r f Berlin, 15. Mai, abends. Bei Abwehr des heute b^olgten feindlichen Angriffs nördlich vom Kemme! blieb eine begrenzte Einbruchsstellc in unserer vordersten ^ime zurück. Ein erneuter sta> ker Teilangciff der Frau zojcn nordwestlich von Moreuil scheiterte unter schweren Verlusten. Berlin, 15. Mai. Im Sp.rrgebiet um England wucden neuerdings von unseren Unterseebooten 11500 Br'.-Reg.-To. feindlichen HandelSschiffsraumcS versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. O wlb. Großes Hauptquartier, 16. Mai 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Nach Abschluß der gestrigen Jnfcmteriege si chte nördlich vom Kemmel, in denen wir den Franzosen aus örtlicher Etnbcuchsftelle wieder zurück warfen, flaute der Aitilleriekampf im Kemmel-Gebiet ab Auch an den anderen Kampffronten ließ die Artillerietätigkett nach. Heftige Feuerübersälle dauerten gegen unsere Infanterie- und Artilleriestellungen beiderseits des La Baffce- Kanals, sowie zwischen Somme und Avre an. Auf dem Westufcr der Avre stieß der Feind gestern siüh aus dem Semcit Walde mit starken Kräften vor Untec schweren Verlusten wurde ec zurückgeschlagen. An der übrigen Front kleinere Vorst ldgefcchte. Starker Fl egereinsatz an den Kampffronten führte zu zahlreichen Lustkämpfen. Wir schossen 3 3 feindliche Flugzeuge ab; 14 von ihnen brachte wiederum das früher von Ritimcistcr Frhr. v. Richthvstn geführte Jagdgeschwader zum Absturz. L-utnant Windisch errang seinen 20. Luslsieg. Bon den anderen Kriegsschauplatz.n nichts Neues. Der Erste Gencralqua tiermeister: Ludcndorff. » Berlin, 16. Mal, abends. Bon du Kriegsschauplätzen nichts Neues. , • Berlin, 16. Mai liefere M.tt- lmeec-U Boote vernicht ten über 35 000 Br.-Reg.-To. feindlichen Schiffs- raumes Den Hauptantcil an diesen Erfolgen hitte das Kapitärileutnant Macschall bffchligte U Boot. Der CH f des Admiralstabes der Marine. 9 wtb. Großes Hauptquartier, 17. Mai 1918. West! icher Kriegsschauplatz: Ein feindlicher Monitor beschoß Ostcride und fügte der Bevölkerung erhebliche Verluste zu. — An den Kampf f ontcn war die Fernrtätigk it nur in wen gen Abschnitten gesteigert. Rege Erkundungstätigkeit hielt an. Bei Abwehr stärkerer englischer Vorstöße nö.dlich von der Scixpe und bei Bcaumont Häme!, sowie bei erfolgreichen eigenen Unternehmungen südlich von Arrcrs machten wir Gefangene. — An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Gestern wurden 18 feindliche Flugzeuge und I Fesselballon obgeschosstn Leutnant Lömenhard errang seinen 22, Leutnant Windisch seinen'21. Luftsieg. Der Erste Genecalquartienneister: Ludendorff. 9 Berlin, 17. Mai, abends. Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Das feit des 6eM§. Auch in einer Zeit, in der Macht auf Macht, Gewalt auf Gewalt stößt, dürfen wir das Fest des Geistes feiern. Denn hinter all den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Mitteln, mit denen sich die Völker bekämpfen, stehen doch ihre geistigen Kräfte. Würde die Waffe der äußeren Mittel entscheiden, so wären wir Deutschen längst geschlagen: Nicht umsonst haben die feindlichen Regierungen ihre Völker, so oft sich eine Beunruhigung über den Ausgang des ungeheuren Ringens zeigte, mit dem Hinweis auf die Überlegenheit ihrer Hilfsquellen getröstet. Wenn uns im Blick auf die Lage in Europa die Fähigkeit der Gegner oft fast unbegreiflich erscheint, so müssen wir bedenken, daß der Engländer und Amerikaner gewohnt ist, die Weltkarte vor sich zu haben. Wie verschwindend nimmt sich aber auf der Weltkarte Raum aus, den die Mittelmächte beherrschen und ausnutzen können, gegenüber den Ländern und Meeren, die unseren Feinden dienen! Für die Staatsmänner der Entente und ihre Bundesgenossen war der Krieg eine sehr einfache gahlenoperation; es wurde addiert und subtrahiert, dabei kam für ihre Seite ein solcher Ueber- schuß heraus, daß der „Endsieg" nicht zweifelhaft sein konnte. In ihren Augen war der ein Narr, der nicht an den Sieg glaubte; denn der Sieg war ja mit mathematischer Sicherheit zu beweisen. Wenn nun diese Rechnung über den Haufen geworfen wird, so bedeutet das nicht bloß eine politische Umwälzung ersten Ranges, sondern auch ein epochemachen des Ereignis für die Geistesgeschichte der Menschheit. So lange es denkende Menschen gibt, wogt der Kampf auf und nieder zwischen Idealismus und und Materialismus, zwischen der Verherrlichung des Geistes und der Anbetung des Stoffs. Was ist wertvoller, eine geistige Kraft oder ein äußerer Besitz? Was ist wichtiger, ein moralischer Sieg über niedere Triebe, oder ein Gewinn, den man mit Nachgiebigkeit gegen Lüge und Gemeinheit erringt? Je- der weiß, daß wir im Leben oft genug vor diese Wahl gestellt werden, und daß bei der Mehrheit der Menschen der augenblickliche und sichere Vorteil, den die Unterwerfung unter die niedere Natur verspricht, die sittliche Bedenken niederschlägt. Der Idealist gilt als ein unpraktischer, weltfremder Mensch, der sich nicht wundern darf, wenn er zu kurz kommt in dieser so überaus „praktischen" Welt. Wer abet: schärfer zusieht und genauer beobachtet, erfährt oft genug, daß jene Augenblickserfolge eine böse Erbschaft nach sich ziehen, während der tapfere Kampf um die Reinheit des Gewissens nicht bos eine nicht zu überbietende innere Befriedigung schafft, sondern auch reiche Gewinne für dieses Leben zeitigt. Bleibe treu und halte dich recht, denn solchem wird es zuletzt wohlgehen-das ist zwar eine sehr altväterische Weisheit, aber sie ist des- halb^nicht weniger wahr, weil sie schon vor tausenden von Jahren gefunden und ausgesprochen wurde. Sie liegt jedoch nicht auf der Gasse, sondern leuchtet uns nur hier und da auf. Einer dieser seltsamen Augenblicke ist auch jetzt gekommen in weltgeschichtlicher Stunde. Potsdam hat siegen können, weil Wittenberg und Weimar dahinter standen; in der ungeheueren Leistung unseres Volkes in diesen 4 Kriegsjahren kommt zum Vorschein, was es an inneren Kräften eingesammelt hat. Unsere Väter,die uns glauben und schaffen lernten, die uns ein Vorbild gaben in der rechten Wahl zwischen ernster Pflichterfüllung und leichtem Lebensgenuß, haben m i t g e s i e g t Darum ist dieser Krieg, der in seinen äußeren Formen den Materialismus Recht zu geben scheint, in Wahrheit ein Sieg des Idealismus, ein Triuinph des Geistes über d i e Maff e , wie ihn die Weltgeschichte seit dem Sieg des kleinen Griechenvolkes über die asiatische Weltmacht der Perser nicht mehr gesehen hat. In das Gefühl reiner Freude über diese tiefste Bedeutung der gewaltigen Ereignisse, deren Zeugen wir sein dürfen, mischt sich aber ein Gefühl der Beklemmung und Beschämung. Wird unser Volk im Stande sein, gerade diese Errungenschaft der harten blutigen Jahre zu verstehen und festzuhalten? Wir durften zehren vom Erbe der Väter; schaffen auch wir etwas, was unseren Nachkommen Segen bringen wird? So manchen üblen Erscheinungen der Kriegszeit sind nur zu sehr geeignet, bange Sorge zu erwecken im Blick auf die Zukunft. Der Geist Griechenlands war stark genug, um die Perser zu besiegen; aber als die äußere Gefahr beseitigt war, fiel es einer inneren Zersetzung anheim, die schließlich den Verfall der stolzen Griechen herbeiführte. Dem deutschen Geiste, das wissen wir aus der jahrhundertelangen Leidensgeschichte unseres Volkes, drohen ähnliche Gefahren. Darum ist es mit dNn deutschen Geiste allein nicht getan; was wir brauchen, das ist der Geist, von dem das Pfingstfest redet, der Geist der Kraft, der Liebe und der Jucht, die freie und innerliche Hingebung an das Göttliche und Ewige, die des Zwanges nicht mehr bedarf. Aus diesem heiligen Geiste uns zu erneuern, der allein über das Schlechte zu siegen im Stande ist, sei unser wichtigstes Anliegen; dainit verschaffen wir uns eine Rüstung, die auch in Friedenszeiten nicht entbehrlich ist. Das Zeldheer braucht dringend heu und Stroh! Landwirte helft dem Heere! Noch einmal der Wehrbeitrag. Der Reichstag will „Mehreinkommensteuer" für'-Reich. Die Sitzung der Budgetkommission am Montag bat eine ganz große Ueberraschung gebracht. Em An- traa einer Mehrheit verlangt einen neuen - abgeander- tl,?- Wehrbeitrag, und außerdem sollen die großen Einkommen scharf herangeholt werden. Die Etatslage: Was unS fehlt. Abg. Müller-Fulda (Ztr.) legte die Finanzlage in folgendem dar: Der vorliegende Etat für 1918 werft einen Fehlbetrag von 2875 Millionen Mark auf, der durch neue Steuern gedeckt werden soll Zu dreien: Zwecke sind im Reichstage zehn Steuerge,etze vorgelegt worden, die rund 3200 Millionen Mark jährlich brrn- oen sollen Aber selbst wenn man annimmt, daß dieje neuen Steuern vom Reichstag in voller Höhe bewilligt würden — was noch gar nicht feststeht — , so toerben «e für das laufende Rechnungsjahr ber wertem nicht die veranschlagten 2875 Millionen einbrrngen, Werl die meisten Steuern erst ab Oktober 1918 rn Kraft treten können und weil das Branntweinmonopol so gut wie gar keine Mehreinnahmen bringen wird. Was das Haus wünscht. % n dieser Hinsicht führte Müller-Fuldc; aus: Nun sind bei Beratung der Steuervorlagen in der Vollversammlung von fast allen Parteien Wilnsche vorgebracht worden, dahingehend, daß man mrt Ruchrcht auf die schwere Belastung, welche die neuen Steuerrr der Gesamtheit der Steuerzahler bringen, tue leist u n g s f ä h i g e n K r e i se st ä r ke r heranziehen möge, daß man aber insbesondere diejenigen, welche durch den Krieg ihr Einkommen ganz erheblich verbessern konnten, auch zu den Lasten des Krieges entsprechend heranziehen muß. Hierfür sind verschiedene Wege denkbar. - Man kann eine stärkere Vermögenssteuer, eine Vermögenszuwachssteiler, eine Einkommensteuer oder eine Mehrein kommen st euer erheben. Man kann aber auch von dem bestehenden Gesetz Gebrauch machen und den Fehlbetrag von mindestens 1200 Millionen Mark auf die Matrikularbeiträge der Bundesstaaten nehmen. Dadurch würden deren Finanzen aber vielleicht noch stärker berührt werden, als wenn die Angelegenheit durch ein besonderes Reichsgesetz geregelt würde. Also der Antrag: Der Antrag geht dahin, daß für das Rechnungsjahr 1918 ein Wehrbeitrag neuerlich erhoben werden soll, der jedoch in seiner Gestaltung vor. dem früheren einmaligen Wehrbeitrag stark abweichen wird. Lag in dem früheren Wehrbeitrag das Schwergewicht auf dem Vermögen, so soll es bei dem jetzt geplanten Wehrbeitrag auf dem Einkommen liegen. Die Einkommen von 20 000 Mark jährlich an sollen einer progressiven gesteigerten Reichsabgabe unterworfen werden, die eine beträchtliche Verschärfung erfahren soll, wenn ein M e h r einkommen, verglichen mit dem im letzten Friedensjahre erzielten Einkommen, vorliegt. Dazu soll eine Vermögensabgabe treten^ bei Vermögen von mehr als 20 000 Mark, die mit eins vom Tausend beginnt und dem größten Vermögen aus drei vom Tausend anwächst. Damit sind die Fragen der Reichseinkommensteuer von neuem entbrannt. Es ist sicher, daß die Einzelstaaten, die es bislang schon an Kundgebungen gegen die Reichseinkommensteuer nicht haben fehlen lassen, sich ganz entschieden zur Wehr setzen werden; für sie handelt es sich darum, den ersten Schritt über den Rubikon zu verhindern. Das Schicksal des neuen Antrages ist noch ganz ungewiß, ganz und gar. Es ist nicht anzunehmen, daß das Zentrum in dieser Frage geschlossen hinter dem in preußischen Angelegenheiten nicht interessierten, als Finanzfachmann ganz großen Stiles aber rein theoretisch gerichteten Abgeordneten Müller-Fulda steht. * In der Aussprache wandte sich Reichsschatzsekretär Gras Roedern gegen den Antrag: Der Ausfall, wie der Antragsteller ihn berechnet habe, werde durch die Kriegsgewiniisteuer behoben, so daß der Antrag überflüssig sei. Ter preußische Finanzminister Hergt betonte, die Einzelstaaten ivehrten sich aus Not dagegen, daß ihnen hier ihre große Steuerquelle angeschnitten werde. Preußen müsse im Herbst eine Einkommensteuer-Erhöhung vornehmen, werde aber durch diesen Antrag darin gestört. Abg. Stresemann (natl.): Ein grundsätzliches Nein hat der preußische Finanzminister nicht ausgesprochen. Die neuen vorgeschlagenen Verbrauchssteuern bringen vorerst doch nur einen papiernen Ertrag; die Kriegssteuer aber war zur Deckung der Kriegsausgaben, nicht für den lausenden Bedarf. Wir brauchen ein inoralisches und soziales Moment gegenüber der Belastung des Bedarfs. Es handelt sich hier darum, die großen, im Kriege entstandenen Mehreinkommen zu treffeil. Abg. Grocbcr (Ztr.): Es ist gut, daß der preußische Finanzminister den alten Satz: die indirekten Steuern dem Reich, die direkten Steuern den Bundesstaaten. heute nicht wiederholt hat. Bei dem gewaltig wachsenden Bedarf ist ein Ausgleich gegenüber den Steuern auf den Verbrauch durch eine Belastung des Besitzes eine Notlvendigkeit. Abg. Keil (Soz.): In dem Anträge finden wir unsere früheren Vorschläge wieder. Unsere Kriegssteuerpolitik war systematisch falsch und sozial ungerecht. Der Besitz ist ungeheuerlich gewachsen, die Minderbemittelten sind stark geschwächt. Da muß der Besitz getroffen werden. Irlands Widerstand wächst. Organisierte Vrastenkunkgebungen g gen die Wehrpflicht. Nach englischen Berichten fand kürzlich eine große Jrenversammlung in Ballaghaoeresa statt. Es waren an 15 000 meist junge Männer anwesend, die Ordnung erinnerte an die Disziplin einer gedrillten Armee. 50 Priester waren zugegen, von denen einige sprachen. Tie Versammlung wurde mit der Vorlesung einer Botschaft deö Bischofs der Diözese eröf net. Tie Rede Dillons proklamierte praktisch ein Kr egs- bündnis zwischen Kirche und Politikern. Die Rede Devaleraö (des Sinn-Feiner-FührerS) war ein Aufruf an die Jugend, sich zum Kampfe zu rüsten. Er betonte seinen festen Entschluß, eher sterben, als die Wehrpflicht annehmen zu wollen. Er ermahnte die An- ivesenden, daß auch sie zu sterben bereit sein müßten. Jedes Kompromiß sei ausgeschlossen. Redmond habe gesagt, daß die englische Negierung in Irland kein legales moralisches Recht habe. Tie Haltung der Massen drohend-ernst. Diese Aeußerungen wurden mit durchdringenden Zurufen ausgenommen, aber selbst in Augenblicken der größten Erregung wies die große Menschenmasse eine nüchterne Zurückhaltung auf, wie man sie in irischen politischen Versammlungen nie erlebte. Das Volk schien sich der schweren bevorstehenden Gefahr bewußt zu sein. Seine Haltung war nicht die von beißspornigen Bravos, sondern die der festen, furchtbaren Entschlossenheit. Noch stundenlang nach der Versammlung hörte man in den Straßen die Ruse: Es lebe Tevalera. es lebe die I r e n r e p u b l i k! „Zur Hölle mit den irischen Mördern." In den Vereinigten Staaten gibts bekanntlich eine sehr große Zahl von Iren, die bei den Wahlen einen außerordentlichen Einfluß ausüben. Tie hielten kürzlich in Madisonsquare-Garden in Newyork eine von 5000 Personerr besuchte Protestversammlung gegen die allgemeine Wehrpflicht für Irland ab. Die Versammlung hatte einen vollständigen Sinn-Fein-Cha- rakter. Ter Saal war neben den amerikanischen Fahnen mit irischen Revolutionsflaggen geschmückt. Wiederholt wurde zu Gunsten einer irischen Republik demonstriert und England, das als bankrott bezeichnet wurde, ausgezischt. — Tevoy führte aus, daß die Einführung der Wehrpflicht in dem menschenarmen Irland, das Ende Irlands bedeuten würde, und beschwor Amerika, nicht Gehilfe des englischen Attentats gegen die menschliche Freiheit zu werden. Mellows sagte, nran verstehe, in beit Vereinigten Staaten die Jrenfrage auf ein totes Geleise zu bringen. aber es werde nicht gelingen, die Stimme der Iren zum Schweigen zu bringen, sie würden das Beispiel der Iren daheinr nachahmen, die England n i e a l s F r e u n d e behandeln würden. Sie würden bis ans Ende Rebellen sein. Uebrigens werde der" Krieg vielleicht ganz anders enden, als viele Leute dächten. Frau Skeffington erklärte, wenn das Leben eines irischen ZwangSrekruten gegen die Existenz des britischen Reiches stehe, so würde sie sagen: Laßt das britische Gleich ausgeloschr werden. Mir Bezug auf die neue amerikanische Gesetzgebung gegen aufrührerische Aeußerungen bemerkte sie, wenn die Regierung der Vereinigten Staaten die Agitation der Sinn-Feiner in Amerika unterdrücken wolle, würden nicht genug Ge- fängnisse vorhanden sein, alle aufzunehmen. Andere Redner griffen die in britischem Solde stehende Nerv Yorker Presse an und behaupteten. England wolle die Iren h i n o p f e r n, tun Platz für neue Ansiedlungeu entlassener englischer Soldaten zu gewinnen. Sie prophezeiten die Vergewaltigung der irischen Frauen und die 9l b sch lach tu n g der irischen Kinder. Mit dem Rufe „Zur Hölle nt i t den britischen Mördern" zogen die Massen in die Stadt Newyork. . Was mag Wilson, denr die amerikanischen Iren bei der letzten Wahl zum Wahlsieg verholsen haben, dazu sagen'? Allgemeine Kriegsnachrichreir. Kaiser Karl im Großen Hauptquartier. Der Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn hat am 12. Mai dem Deutscherr Kaiser im Größen Hauptquartier einen Besuch abgestattet. Zwischen den hohen Verbündeten und ihren Ratgebern fand eine herzliche Aussprache und eine eingehende Erörterung aller grundlegenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Fragen statt, die das gegenwärtige und zukünftige Verhältnis zwischerr den beiden Monarchien berühren. Hierbei ergab sich volles Einvernehmen in allen diesen Fragen turd der Entschluß, das bestehende Bundesverhältnis auszubauen und zu vertiefen. Die Richtlinien der in Aussicht genonrine neu vertragsmäßigen Abmachrrngen stehen bereits grundsätzlich fest. In dem Gange der Besprechungen trat erfreulicherweise zutage, wie hoch vorr beiden Seiten das nunmehr auch im Verteidigungskrieg so glorreich erprobte langjährige enge Bündnis zwischen Oesterreich- Ungarn und dem Deutschen Reiche bewertet wird. Der Ukraine-Diktator SkoropadSki. hat, um die deutschen Sozialisten mit seiner Herrschaft auszusöhnen, einem Berliner Journalisten gegen über erklärt: „In allem Ernst und ganz offiziell int Beisein des Ministerpräsidenten und des Verwesers des Ministeriums des Aeußern richte ich hiermit durch Ihres Blattes Vermittlung die Eiiiladnng an die deut scheu Sozialisten drei Parteimitglieder nach der Ukraine zu entsenden. Ich verbürge mich dafür, daß sie auss beste aufgenominen und in keiner Weise in der Bewegungsfreiheit behindert sein werden. Sie wer- den alles sehen, alles prüfeii und mit jedermann sprechen können, und dann sollen sie als sozial unterrichtete und aufrechte Männer die Wahrheit verkünden. Aus der Ferne sehen die Dinge ganz anders aus, als aus der Nähe. Ich würde es freudig begrüßen, wenn die deutschen Sozialisten sich unsere Verhältnisse und die neuesten europäischen „Tyran- nen" ganz aus der Nähe betrachten wollten." Rußland und Kinuland. Nach der in Helsingfors von der dortigen diplomatischen Vertretung Rußlands herausgegebenen Zeitung „Rußkoje Vaestnik" hat der russische Minister des Aeußeren, Tschitscherin, am 30. April dem Ge- Luftschiff über England. Aus seiner geräumigen Halle au der Nordseeküste glitt in den ersten Nachmittagsstunden eines frischen Märztages eines unserer großen Marineluftschiffe heraus. Bald daraus hob sich der gewaltige Segler in die klaren Lüfte und entschwebte mit laut summenden Motoren seewärts, Kurs auf England. Ruhig lag die Nordsee, nur von einem leichten Wellengekräusel überzogen. Ab und zu tauchte aus der einsamen unendlichen Wasserfläche das winzige Pünktchen eines Vorpostenbootes heraus, eines jener kleinen Vertreter der deutschen Wackt im Norden, die jahraus, jahrein, im Sommer wie im Winter weit von der Küste dem Sicherungsdienste obliegen. Tann verschwanden auch diese Schildwachen der deutschen Seemacht. Unaufhörlich ratterten die Motore und wirbelten die Schrauoen in rasenden Umdrehungen herum. Ohne Zwischenfall verlies die Fahrt bis zur Toggerbank, hier wurde plötzlich in südwestlicher Richtung, etwa 25 Meilen entfernt ein feindlicher Schisfsverband gesichtet, der anscheinend aus schnelleu Kreuzern und großen Zerstörern bestand. Schon hatten auch die Feinde „L. . . .' bemerkt und drehten mit hoher Fahrt darauf zu. Wie aber der leichtbeschwingte Vogel sich den Nachstellungen des Jägers entzieht, so stieg auch das Luftschiff jetzt in größere Höhe, und der Geschicklichkeit des Kommandanten gelang es, nach einer guten halben Stunde die Feinde abzuschütteln, woraus die Fahrt gen England fortgesetzt wurde. Die Dämmerung nahte, und bald nahm in dem verlöschenden Tageslicht die See ein farbloses Aussehen an. Nur 40 Meilen noch stand das Luftschiff von der Küste entfernt, als in westlicher Richtung ein Geleitzug gesichtet wurde, auf den sogleich der Angriff beschlossen wurde. Ehe aber „L. . . sich nahe genug herangepirscht hatte, um die Handelsschiffe mit Bomben belegen zu können, wurde die englische Küste gesichtet. Ta nun mit dem Auftreten feindlicher Abwehrmaßnahmen gerechnet werden mußte, wurde von dem Angriff aus den Geleitzug abgesehen und das Land angesteuert. Obwohl über der Küste eine leichte Dunstschicht lag. gestattete doch die Sichtigkeit der Luft eine gute Erkundung und Ausmachung des Zieles. Alles deutete darauf hin, daß der Feind von dem Angrijf vollkommen überrascht wurde. Alle Städte waren hell erleuchtet, und die Einzelheiten der Küste konnten deutlich ausgemacht werden. Ungestört näherte sich „L. . . seinem Ziel und stand um 9,30 Uhr über oen Hasenanlagen von Hartlepol, auf die in rascher Folge die Bomben herabsausten. Fabriken. Bahnhof. Industrieanlagen undchH^senkais wurden ausgiebig mit ihnen belegt und erreichten fast alle ihr Ziel. Einstürzende Häuser, Detonationen und der Schein von ausgcbrochenen Bränden ließen die gute Wirkung der abgeworsenen Bonrben erkennen. Als diese bereits zum größten Teil abgeworfen waren, setzte erst die feindliche Gegenwehr ein. Scheinwerfer blitzten auf. und ihre Strahlen langten wie zrrckende grelle Finger nach dem Aether. Zu gleicher Zeit traten auch die Abwehrgeschütze in Tätigkeit und sandten einen Hagel von Schrapnellen und Brandgeschossen nach dem im blendenden Lichte stehenden Lustschiss. Obwohl sie in nächster Nähe krepierten, richteten sie nicht die geringste Beschädigung an. Die ans allen Seiten zerberstenden und in viele leuchtende Stücke zerspringenden Brand- urrd Leuchtgeschosse tauchten das Luftschiff in ein blendend weißes Licht. Nun war die letzte Bombe gefallen, und der Rückmarsch konnte angetreten werden. Trotz dem wütenden Gebell der feindlichen Geschütze und des unaufhörlichen LeuchtenS der Scheinwerfer erreichte kein Geschoß, kein Sprengstück das nach Osten enteilende Ziel. Bald war „L. . . aus dem Bereich der feindlichen Gegenwirkung heraus und seüte über der Nordsee den Kurs nach der Heimat. Tie Rückfahrt verlief ohne Zwischenfälle. O>e die geringste Störung hielten die wackeren Motorc durch und brachten das Luftschisf am nächsten Vormittag wieder unversehrt nach seinem Hasen. Kaum 24 Stunden spült." konnte der deutsche ZeitungSleser in dem knappen Beacht des Admiral- stabs die Nachricht lesen, daß unter dem Befehl des Kapitänleutnants Dietrich eines unserer Marlnelust- schisse die Haselianliqen von Hartlepol mit gutem Erfolge in der Nacht vom 137^um 11. März angegrifjen hatte. Wieder einmal hatten die Lusljncttbasre dcr Marine einen empfindlichen Stoß nach der „geheiligten Insel" geführt. Scherz und Ernst. tk Tie unentbehrliche deutsche Kultur. Erscheint >ch ohne die deutsche Wissenschaft nicht zu gehen. >r „Scientific American" vom 16. Februar 19l8 ireibt: „Die amerikanische Kongreßbibliothek hat chritte eingeleitet, um die in London und Rotterdam rgesammelten großen Bestände von deutscher uatnr- issenschaftlicher Literatur, die von amerikanischen ibliotheken vor dem Kriegseintritt Amerikas bestellt orden waren, nach Amerika zrr überführen. Aber tch neuere deutsche und österreichische wlssenjcyajt- che Literatur müsse beschafft werden: denn es se: me weiteres klar, daß solche Literatur tn manchen öllen mit Vorteil für die amerikanische Krlegsarbeit mutzt werden könne, mittelbar oder unmittelbar Das nerikanische Ministerium des Aeußern zieht Erknndr- rngen beim Stationary Office in London ein, um zu fahren, wie sich die englische Negierung deutle ublikationen beschafft. Das Stationary Office könnte :r amerikanischen Negierung bei der Beschaffung 'uer deutscher und österreichischer Veröffentlichungen chilflich sein." * Humoristisches. Am Ende. „Junge, Junge, du hast Beine wie ne Liebesgeschichte." - „Wieso?" - „Zuerst gehen sre tseinander und am Ende kriegen sie sich doch." Ter Held. Der Urlauber 'Klemm erzählt in der eimat am Stammtisch: „An manchen Tagen habe ich nfundzwanzig bis dreißig gefangen." — Ungläubig aot einer: „Franzosen oder Engländer? — „Flöhe. ^Lill. Krie.gsztg." sandten Joffe in Berlin den Auftrag erteilt, der Regie rung Deutschlands die Ernennung des Obersten Ko vauko zum russischen Vertreter in Finnland mitzuteilen und außerdem gegen die Beschlagnahme dou ruf fischen Rote-Kreuz-Schiffen durch die finnische Regie rung zu protestieren. Nach dein gleichen Blatt gab der russische Marine- konnnissar folgende offizielle Erklärung ab: In bezug auf unsere politischen Beziehungen ist nunmehr volle Klarheit gewonnen. Deutschland verwirklicht in Finnland bloß den Punkt des Friedensvertrages, der der Selbständigkeit Finnlands gilt. Im übrigen hat es nach Erklärungen von deutscher Seite keine Aufgaben für eigene Rechnung. Sveaborgs strategische Bedeutung ist nunmehr gleich Null. Die Bolschewiki in Rußland wollen offenbar ihre Stellung halten und produzieren sich gegenüber Deutschland daher äußerst friedfertig. Die Bolschewiki müssen sich wehren. Ihre Mäßigung hat ihren Grund in ihrer eigenen Not. Aus Großrußland ist ein verstümmelter Funkspruch eingetroffen, aus dem hervorgeht, daß die Sowjetregierung gezwungen ist, zu ihrer Stärkung ( eine Rote Armee aufzustellen. Die Enteignung der Kapitalisten und des Grundbesitzes sei bisher noch i nicht durchgeführt, da die bisher angewandte Negierungsgewalt zu weich gewesen sei. Eiserne Disziplin und eine starke Diktatur des Proletariats sei augenblicklich die Losung. Die Roten Gardisten sollen abgeschafft und dgsür eine disziplinierte Rote Armee ausgestellt werden unter Leitung von ehemaligen kaiserlichen Offizieren. Amüsante Gefängnisse. scheinen sich die Bolschewiki in Rußland zu leisten. Auf Grund der allgemeinen Amnestie vom 1. Mai (sozialistischer Feiertag) wurde eine große Zahl der in beit russischen Gefängnissen befindlichen politischen und Kriminalverbrecher befreit. In Petersburg wurden die früheren Minister des Regimes der Romanow und Kerenskis in Freiheit gesetzt, ausgenommen die wegen Hochverrats und Betrugs verurteilten. Ter ehemalige Kriegsminister Suchömlinow (der Urheber des Krieges) erfuhr von seiner Befreiung an dem Tage, an welchem er aus dem Gefängnis beurlaubt werdenEsollte. Purischkewitsch und die anderen Teil- nehmer'an dem Anschläge gegen die Sowjets (Arbeiter- und Soldatenrat), nämlich Kommandant (Wnberg, die Offiziere Chowanjeko und Duschkin, der Leutnant Ze- linsky, der Zivilingenieur Parsenoff und andere sind in Freiheit gesetzt worden; im ganzen haben 200 Personen, welche wegen politischer und strafrechtlicher Vergehen verurteilt worden waren, an diesem Tage die Kasematten von Kresti verlassen. Milbe Strafe für Spionage. Nach Blättermeldungen ist in Norwegens Hauptstadt Christiania in diesen Tagen unter Ausschluß der Oefsentlichkeit, ein höchst sensationeller Prozeß zu Ende gegangen. Es handelt sich dabei um den be rüchtigten schwedischen Telegrammspion Gustav Löving. der ain Freitag zu der milden Strafe von 30 Tagen Gefängnis verurteilt worden ist, weil er versucht habe, norwegische Telegrammboten dazu zu bewegen, ihm Abschriften von Chiffretelegrammen an fremde Gesandtschaften zu verkaufen. Derselbe Spion war kürzlich aus Kopenhagen ausgewiesen worden, weil er dort dasselbe versucht hatte. Besonders interessant ist, daß er die Tätigkeit, die ihm in Dänemark und Norwegen nicht gelang, in Stockholm zusammen mit zwei Brüdern lange Zeit hindurch betrieben hat. Dort verkaufte er im Laufe des vergangenen Jahres einige Hunderte von Telegrammen bis zu 100 Kronen und verdiente monatlich nicht selten 10 000 Kronen. Dafür verschaffte er der französischen und englischen Gesandtschaft in Stockholm Einblick in Chiffredepeschen der Mittelmächte. Löving unterhielt mit französischen und englischen Geldern eine weitverzweigte Spionageorganisation. Verbot der deutschen Sprache in Amerika? Ter „Daily News" wird aus Newyork berichtet, daß die Newyorker und die Chicagoer Presse einstimmig die Einführung eines Gesetzes fordern, durch das der Gebrauch der englischen Sprache allen amerikanischen Bürgern zur Pflicht gemacht werden soll. Diese Agitation richtet sich gegen die Deutschamerikaner. Tie deutsch amerikanischen Zeitungen werden allgemein boykottiert Tie letzte deutsche Zeitung in Brooklyn hat ihr Erscheinen eingestellt. Garibaldi-Korps für Frankreich. Tie Lyoner Blätter melden die Anwesenheit des Neugaribaldiner Korps in Paris. Das Korps bestehe aus italienischen regulären Truppen und werde von Beppinc Garioaldi befehligt. Das besondere Abzeichen ber Gardisten ist ein rotseidenes Taschentuch, das tu der linken Brusttasche getragen wird. — Das alte Garibaldikorps ist kürzlich total aufgerieben worden. „Bepp" Garibaldi hatte es als kluger „Feldherr' vorgezogen, hinter der Front in Sicherheit zu bleiben. Friedens-Sozialistcichctze in Frankreich. Laut „Progres de Lyon" verlangte der Staatsanwalt von der Kammer die Erlaubnis zur Strafverfolgung des sozialistischen Abgeordneten Brizon wegen eines angeblichen Pressevergehens. * * * Kleine Kriegsnachrichten. „ ®« r Schü^mebestand in England, der im Jahre 1015 2,051 Millionen, im Jahre 1916 2,003 Millionen und im Jahre 1917 2 Millionen betragen hat, ist jetzt rm April aus ^65 Millionen Zurückgegangen. Wie die „S.tampa" meldet, wurden in Verbindung mit der Affäre des verhafteten Genueser Multi- Millionärs Parodi drei weitere Seilereien in Genua sequestriert. . _ "Ter Mangel an Fetten und Oelen ist in Italien hochbcdenklich geworden. Tie Regierung ist völlig " Die Rückführung von Kriegerleichen ist widerruflich gestattet worden, und zwar bis zum 31. Mai. " Laut „Manchester Guardian" verlautet, daß sowohl die irische Militärpflicht wie auch die Homerule fallen gelassen werden. Wie aus Rom gemeldet wird, ist die russische Mrlttarmission in Rom nun endgültig aufgelöst worden., " Zwischen der französischen und der griechischen Regierung wurde ein Abkommen getroffen, wonach griechische Bürger, die in Frankreich leben, im französischen Heer und in Griechenland wohnende Franzosen im griechischen Heer Dienst nehmen werden. Die Fortsetzung der Offensive. Dem „Luzerner Tagblatt" zufolge schreibt der „Matin": „In maßgebenden militärischen Ententekreisen herrscht die Ansicht, das neue Manöver, das der deutsche Generalstab ins Auge fasse, bestehe jedenfalls darin, einen allgemeinen groß angelegteil Vorstoß zu machen, welcher zeitlich mit dem Einsetzen der österreichischen Offensive gegen die italienische Front zusammenfällt." Deutscher Druck von --Peru bis Oise. Ter „Zürcher Tagesanzeiger" meldet: „Das Gesamtbild der vorliegenden Frontnachrich- ten beweise eine deutliche Verschärfung der Kampftätigkeit aitf allen Fronten, und besonders auf den Schlachtfelderil von Ipern und an der Soul me habe. die Kampftätigkeit gewaltig zugenommen. Die Ententemilitärkritiker schließen aus dieser Fortdauer des deutschen Druckes auf der ganzen Front von Ipern bis zur Oise, daß der nächste deutsche Angriff aberlnals und mit verstärkten Kräften an den bisherigen Offensivstellungen erfolgen werde." Der erwartete dritte Stoß. Wie Stegemann im Berner „Bund" schreibt, läßt die Länge der gegenwärtigen Operationspause aus der Westfront auf die Größe des dritten deutschen Offensivstoßes schließen, der zu erwarten steht. Dom U-Bootkrieg. Immer wieder in» Aermelkaual. (Amtlich.) Berlin, 13. Mai. Eines unserer in Flandern stationierten U-Boote unter dem Kommando des Oberleutnants z. S. Lohs, hat neuerdings während einer lOOstündigen Unternehmung im östlichen Teil des Aermelkanals bei schärfster feindlicher Gegenwirkung 7 bewaffnete Dampfer mit zusammen 22 500 Brnttoregiftertonnen versenkt, darunter 2 wertvolle, mit mehreren Geschützen bewaffnete, 5000 Tonnen große Schiffe. Die Dampfer waren, mit einer Ausnahme, tief beladen, und zwar, wie aus dem Ort der Versenkungen mit Sicherheit geschlossen werden kann, vorwiegend mit Kriegsmaterial für den Feind. Die Unternehmung des bewährten Kommandanten stellt eine hervorragende Leistung dar. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Trotz alledem im Aermelkaual. Eines unserer U-Boote aus Flandern, Kommandant Oberleutnant zur See Schmitz (Walter), hat im östlichen Teil des Aermelkanals die bewaffneten englischen Dampfer „Hungerford" (3811 Br.-Reg.-To.) und „Broderick" (4321 Br.-Reg.-To.) und einen anderen ca. 5000 Br.-Reg.-To. großen bewaffneten Dampfer, zusammen 15 060 Raumtonnen, versenkt. Tie schönen Erfolge des Bootes, das nach dem Blockierungsversuch wohlbehalten in Zeebrügge eingelaufen ist, zeigen besser als Worte, daß sich der Feind falschen Hoffnungen hingibt, wenn er immer wieder die Meldung ausstreut, daß ihm die Blockierung unserer flandrischen Stützpunkte und die Lahmlegung unserer dort stationierenden U-Boote geglückt sei. Im ganzen nach neu eingegangenen Meldungen unsere-: U-Boote versenkt: 18 000 Br.-Reg.-To. Der Chef des Admiralstabs der Marine. * \ „Die jüngste Fertigstellung von Handelsschiffen im Vereinigten Königreich ist soweit unter die Bauleistungen des vorangehenden Vierteljahres gesunken, daß, wenn es nicht schleunigst besser wird, der Punkt, wo der Bau die Verluste aufwiegt, in gefährlichem Grade hinausgeschoben wird." — Denkschrift der englischen Admiralität. — „Daily Telegraph", 22. März 1918. Politische Rundschau. — Major a. D. Grau, der frühere Chef der Nachrichtenabteilung des Kriegsministeriums, ist in den Vorstand der Universum-Film-A.-G. eingetreten. * :: Staailichcs Kohlen regal in Sachsen Die Einführung eines staatlichen Kohlenregals ist nunmehr gesichert, da die von einander abweichenden Beschlüsse beider Ständekammern ausgeglichen sind. :: Der Berbaudstag der deutschen Eisenbahnassistenten tagte am Sonntag in Berlin. Er stimmte einer Entschließung zu, in der die erneute Erhöhung der Teuerungszulagen angesichts der immer'noch wachsenden Preissteigerung aller Lebensmittel und Gebranchsgegenstände und ferner die Gewährung eines einmaligen nicht rückzahlbaren E n t s ch u l d u n g S b e - träges in einer der langen Datier des Krieges angemessenen Höhe verlangt wird. :: Auch König Ludwig im Hauptquartier. Ter bayerische König ist ins Große Hauptquartier unb an die Front abgereist. In seiner Begleitung befindet sich der Staatsmiitister des Königlichen Hauses und des Aenßern von Dandl. :: Kein Aufschub der Metallenteignnng. Die Meldung über die große im Westen gemachte Metallbeute hatte den Rat der Stadt Leipzig veranlaßt, den Städtetag und die Mobilmachungsstelle zu ersuchen, dafür einzutreten, daß von der Enteignung der Türklinken und Fenstergriffe abgesehen werde. Hierauf ist ein Schreiben der MetallmobilmachungSstelle eingelaufen. wonach die beauftragten Behörden angewiesen werden in der Durchführung der Metallenteignung keinen Stillstand eintreten zu lassen, vielmehr diese mit allein Nachdruck und ohne Verzögerung weiter durch- znführen. da die erhöhte Kampftätigkeit im Westen auch vermehrte Metallbeschaffnng erfordere. den deutschen Ausiaufchgefangenen ist als einer der ersten der Berliner Arzt Dr. Bruno Auerbach aus Ostafrika in Berlin eingetroffen. Er ist kurz vor Ausbruch des Krieges als Negierungsrat nach Ostafrika gegangen, wo er zu Beginn des Krieges als Oberarzt- der Reserve zur Schutztruppe eingezogeu wurde. Bis zu seiner Gefangennahme nahm er an zahlreichen Kämpfen in Ostafrika teil. Als Arzt wurde er als einer der ersten ausgetauscht. . Aus aller Welt. A Gegen die Wäscheverschwend nng macht ein Mitarbeiter der „T. T." auf Grund von Mitteilungen von Wäschereibesitzern — in Berlin ist das Waschen im Hause auch aus den Privathäusern fast ganz verschwunden — allerlei sehr berechtigte Ausführungen: „ES gibt da reiche Männer, die auch jetzt noch jeden Tag ein reines Hemd anziehen, andere, die jeden T a a e i n e n. in einem Falle sogar zwei neue Kragen täglich umlegen, und Zwar gestärkte Hemden und gestärkte Kragen! Wenn dieser Herrschaften mit Gewalt ihre Wäsche ruinieren wollen (denn erfahrungsgemäß leidet die Wäsche nicht durch das Tragen, sondern durch das Waschen am meisten), so mögen sie das mit sich abmachen. Aber wenn die Plättanstalten für diesen unsinnigen und in dieser Zeit geradezu verbrecherischen W ä s ch e l u x u § ihre kostbare Stärke vergeuden müssen, die ans diese Weise den minderbemittelten Klassen und der Allgemeinheit entzogen wird, so ist das ein Unfug. Tie Verschwendung der Stärke an diese * Lnxuskunden liegt nicht einmal im Interesse der Wüsche- reien und Plättereien selber, die gern ihre geringen Vorräte aus alle Kunden verteilen möchten, aber nach Lage bpr Tinge auf ihre „besten" Kunden Rücksicht zu nehmen gezwungen sind. ** Geheimnisvolle Senche in London. Die Londoner Presse enthält Mitteilungen über eine neue Krankheit, der in der letzten Zeit in London sehr viele Personen zum Opfer gefallen sind. Es handelt sich um eine der Genickstarre sehr ähnliche Krankheit, genannt Bolutismus. Tie Krankheit soll durchweg tödlich verlaufen; sie tritt angeblich nach dem Genuß von ungekochtem Schweinefleisch auf. 00 Original bayerische Hamster-Franzosen. In eitlem Personenzug nach München saßen zwei „gefangene Franzosen" unter Bewachung eines „Landsturmmannes". Sie hatten einige Koffer und größere Pakete bei sich. Ein ihnen gegenübersitzender Herr bemerkte aus den leise zum Kameraden gesagten Worten des einen Gefangenen, daß dieser gut bayerisch rede. Er schöpfte Verdacht und verständigte unauffällig von einer Station aus die Gendarmerie. Aus der nächsten Station war diese zur Stelle und — die beiden Franzosen entpuppten sich als gute bayerische dauern, welche die Kleider ihrer ihnen zugewiesenen Franzosen angezogen hatten. Ein Urlauber hatte sich dazu hergegeben. den Wachmann zu spielen. So hofften die drei Kumpane. Eier, Butter, Schnialz und Geselchtes unbeachtet nach München zu bringen und dort zu guten Preisen verkaufen zu können. ** Schlagwetterexplosion in einer Zeche. Durch eine Schlagwetterexplosion wurden in der Zeche Nordstern bei Horst vier Bergleute getötet und mehrere verletzt. ** Im Fahrstuhl getötet. Ein 15 Jahre alter Schiffsjunge Franz Berkow fuhr den hinter der Englischen Gasanstalt in Berlin aufgestellten Fahrstuhl, der zur Kohlenförderung dient, eigenmächtig widerrechtlich in die Höhe. Während der Fahrt steckte er den Kops über die Wandung hinaus, um in die Tiefe zu sehen. Ein Fahrstuhlzwischenträger traf ihn und schnitt ihm den Kopf glatt vom Rumpf ab. ** Er wußte nicht, -aß er bestohlen war. Eine Ueberraschung erfuhr der Hofbesitzer Robert Sonntag in Abbau Marienfelde bei Preußisch-Hollaud (Ostpreußen). Er wurde vom Gemeindevorsteher verständigt, sich bei der Polizei ist Preußisch-Hollaud ihm in der Nacht gestohlene Garderobenstücke im Werte von 2000 Mark abzuholen. Der Bestohlene hatte keine Ahnung, daß ihm Diebe in der Nacht einen Besuch abgestatter hatten. Kleine Neuigkeiken. * Gutsbesitzer Dr. Phil. Schulz in Jeneiten, Kreis Niederung, setzte die Universität in Königsberg zur Erbin seines gesamten Vermögens ein, und zwar zur Gründung eines Lehrstuhls für Ruhlandkunde. - * Gewaltige Regengüsse fallen seit mehreren Tagen in Südsrankreich nieder; fast sämtliche Flüsse sind aus den Ufern getreten, so daß durch die Ueberschwemmung von großen Strecken gewaltiger Schaden angertchtet wurde. Gerichtssaal. . 100 000 Mark Geldstrafe wegen übermäßiger Preisjörderung. Die Düsseldorfer Strafkammer verurteilte den Kaufmann I. Landau wegen übermäßiger Preisforderung für Suppenwürfel zu 100 000 Mark Geldstrafe. ± Ein Förster als Wilderer. Der fürstliche Hilfsförster Wienert aus Arolsen wurde wegen gewerbsmäßig ger Wilddieberei zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Wienert hatte im Schloßwildparke Rehwild und eine Anzahl Kapitalhirsche abgeschossen, die Tiere zerlegt und das Fleisch in Schießkörben nach Kassel gebracht, wo er es an Gasthäuser verkaufte. » Hm Stadl nnd Cand. * Das Feldheev braucht zur Aufrechterhaltung feiner vollen Kampfkraft noch g r o ß e M e n g e n Ua fe c undGerste, deren schleunigste Beschaffung im dringenden vaterländischen Interesse liegt. Bon der.VaterlandZ- liebe und der Opferwilltgk'it der Landwirte wird erwartet, daß dieselben nicht allein ihrer gesetzlichen Ab» lteferungspflicht genügen, sondern auch noch darüber hinaus all? entbehrlichen Mengen an Hafer und Gerste zur Ablieferung bringen. Ausnutzung des jetzt schon in reichem Maße zur Verfügung stehen den Grünfutters und Weidegangs werden hierfür die Möglichkeit schaffen Je schneller und ausgiebiger die Lieferungen erfolgen, desto wertvoller werden sie für die Versorgung des Heercs sein. Die Geschäftsstelle oder der Komissionck des Kommunalverbandes nehmen Anmeldungen zur sofortigen Ablieferung von Hafer und Gerste entgegen. * Schützt Saat and Ernte 1918. Wer bei der Landung eines Freiballons oder Flugzmges auf oder in der Nähe von bestellten Feldern durch deren Betreten Flurschaden anrichtet, gefährdet die für die C'.nährlffig erforderliche Bereitstellung von Brotgetreide und schädigt damit das Vaterland Die Betreffenden machen sich nach 8 368 Ziffer 9 des R. Stc. G. B. strafbar. Die Besitzer der Felder, denen gegen die Zuwiderhandelnden ein Schadenersatz-Anspruch zusteht, wollen tunlichst zur Fest, stcllung der Beteiligten beitragen. Verstaatlichung der hessischen Uolksschnle. Dem diesjährigen Dertretertag der hessischen Dolksschullehrer werden aus Oberhessen Anträge auf Verstaatlichung der Volksschule vorgelegt. Die Kosten der Schulen sollen ganz vom Staate übernommen und die Gehaltsunterschiede der Lehrer in Stadt und Land aufgehoben werden. * Gewerbescheine für 1918. Die diesjährigen Gewerbescheine — Patente — können jetzt bei Großh. Bezirkskasse — Senkcnbergstr. 7 — gegen Bezahlung einer St