• ■■■ (Giestc«cr Tageblatt) Anzeigenpreis 20 pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung des Zahlung? - zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneVerbindlichkeit. Druck der Giestener Verlagsdruckcrei, Albin Klein. Bezugspreis 60 pfg. monatlich vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und SamStagö. — Rcdaktionsfchluh früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gietzener Zeitung", Gießen. (Neueste Nachrichten) Rr. 42. Telephon Nr. 362. Mittwoch, den 8. Mai 1918, Telephon Nr. S62. 31. Jahrg. Dcr Friede von Bukurest. Vergebliche feindliche Angriffe im Westen. Die ruffifche Rote Garde in Finnland vernichtend geschlagen. Finnland als Monarchie. Der friede mit Bukarest. Bukarest, 7. Mai. Der Friedensvertrag mit Rumänien ist heute um 11 Uhr vormittags von den Bevollmächtigten der vier verbündeten Mächte unter' zeichnet worden. Der feierliche Schlußsitzung, in welcher die Unterzeichnung erfolgte, fand unter dem Vorsitz des Staatssekretärs von Kühlmann in Cotloccni und zwar in demselben Raume statt, in dem seinerzeit der Eintritt Rumäniens in den Weltkrieg beschlossen wurde. Der Friede wird den Namen „Friede von Bukarest" führen. Der Wortlaut des Vertrages wird alsbald veröffentlicht werden. flmillcbe üeutscde Cag«bericbte. 20000 Tonnen verlenl«. Berlin, 3. Mai. Eines unserer Untersetboote, Kommandant Kapitänleutnant Neurcuter, arbeitete in der Irischen See und deren Zufahrtsstraßen mit gutem Erfolge gegen den Handelsverkehr unserer Feinde. Fünf bewaffnete, Zumeist lief beladene Dampfer und 1 Segler sielen ^en Angriffen des Bootes zum Opfer. Namentlich festgestellt wurde der bewaffnete englische Dampfer „Brakondale" (2093 Br-Reg.-To). Im ganzen wurden nach neu eingegangenen Meldungen der Unterseeboote 20000 Br. Reg.-To. versenkt. Der Chef des Admiralstabs der Marine. * wtb. Großes Hauptquartier, 4. Mai 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz. An den Schlachtfronten ist die Lage unverändert. Die Artillerietätigkeit war in vielen Abschnitten, namentlich auch während der Nacht, lebhaft. Im Kemmel Gebiet und zu beiden Seiten der Avre steigerte sie sich heute morgen zu größerer Stärke. Ein englischer Teilangriff südwestlich von Arras wurde abgeschlagen. Heeresgruppe Gallwitz. Vor Verdun lebte die Artillerietätigkeit auf. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nach erfolglosen Eekundungsvolstößen des Feindes an der lothringischen Front blieb die Gefcchtstätigkeit am Vormi.tag gering. Am Parroy-Walde und westlich von Blamont am Nachmittag von neuem auflcbendec Feucrkampf ließ mit Einbruch der Dunkelheit nach. » r, „ gossen gestern 25 feindliche Flugzeuge und * Fesselballone ab. Leutnant Buckler eccangs einen 33, Leutnant Purtter seinen 22. Luftsieg. Finnland. Südwest Finnland ist vom Feind befreit. Deutsche Truppen im Verein mit finnländischen Bataillonen griffen den Feind zwischen Lahti und Tavastehus umfassend an und haben ihn in fünftägiger Schlacht trotz erbitterter Gegenwehr und verzweifelten Durchbruchs- versuchten vernichtend geschlagen. Finnländische Kräfte verlegten ihm den Rückzug nach Norden. Von allen Seiten umstellt, streckte der Feind nach schwersten blutigen Verlusten die Waffen. Wir machten 20000 Gefangene, 50Geschütze, 200 Maschinengewehre, tausende von Pferden und Fahrzeugen wurden erbeutet. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorsf. • Berlin, 4. Mai, abends. Gegenangriffe der Fr-n- zosen gegen den Kemmel und gegen Batlleul sind unter schweren Verlusten gescheitert. » l 7 »ooo Tonnen! Berlin, 4 Mai. An der Westküste von England wurden von einem unter dem Kommando des Kapitänleutnants Freiherrn von Loe stehenden Unterseeboot 2 besonders wertvolle Dampfer, nämlich der englische „Lake Michigan" (9288 Brt.) und ein anderer, 8000 Lrt. großer Dampfer aus demselben stark gesichelten Geleitzuge herausgeschossen. Zusammen waren es »7.000 B. R. T Der Chef des Admiralstabes der Marine. wtb. Großes Hauptquartier, 5. Mai 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Nach stärkster Feuecvorbereitung griffen französische Divisionen unsere Stellungen am Kemmel und bet Bail leu l vergeblich an. Sie wurden unter schweren Verlusten abgewiesen und ließen nnhc als 300 Gefangene in unserer Hand. Der beabsichtigte Angriff einer eng- lischen Division westlich von Bailleul kam unter unserem Feuex nich' zur Entwicklung. — Südlich von HebuUrne scheiterten starke englische Vorstöße. An den Kampffronten beiderseits der Somme lebte die Artillerietätigkeit am Abend auf. Sie war namentlich bei Villers Bretonneux und auf dem Westufer der Avre gesteigert. — Von der übrigen Front nichts von Bedeutung. Von drn anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalqualtiermeister: Ludendorsf. » Berlin, 5. Mai, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Euftkampf an Flanderns Hüfte. Beclin, 5. Mai. Drei deutsche Seestugzeuge schossen am 4. Mai vor der flandrischen Küste 4 fiinoliche Seeflugzeuge ab. Zwei feindliche Flieger wurden schwer vecwundet auf dem Luftwege geborgen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. « Berlin, 5 Mai. Neue U-Bootserfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz 12000 Bruttoregistertonnen. Unter den versenkten Schiffen befindet sich 1 Tank dampfer, der an der Ostküste Englands torpediert wurde. Der Chef des Admiralstabes der Marine. * wtb. Großes Hauptquartier, 6. Mai 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Im flandrischen Kampfgebiet fühlten wir erfolgreiche Unternehmungen durch. Ein feindlicher Teilangriff südlich von Loker scheiterte. Am frühen Morgen vorüber- g hend heftiger Artilleriekamps zwischen Apern und Bailleul. Tagsüber lag nur der Kemmel unter stärkerem Feuer. — Auf dem Nordufec der Lys, am La Bassee- Kanal und in^einzelnen Abschnitten des Schlachtfeldes beiderseits der Somme lebte die Feuertätigkeit am Abend auf. Etkundungsgefechte und Vorstöße in die feindlichen Linien bei Hangard und südwestlich von Bcimont brachten Gefangene ein. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In Vorfeldkämpfen mit Amerikanern südwestlich von Blamont und mit Franzosen am Hartmannsweilec- kopf machten wir Gefangene. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues 'Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorsf. * Berl in 6. Mai, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. 16500 Tonnen versenkt. Berlin 6 Mai. An der Westküste Englands wurden neuerdings versenkt 10500 Bruttorcgister- tonnen. Sämtliche Schiffe waren tief beladen. ElNlr der. Dampfer wurde aus einem stark gesicherten Geleitzug herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. wib. Großes Hauptquartier, 7. Mai 1919. Westlicher Kriegsschauplatz: An den Kampffronten war die Artillerietätigkeit in den Morgenstunden lebhaft. Tagsüber blieb sie meist gering. — Auf dem Nordufec der Lys scheiterten Vorstöße englischer Kompagnien. Zwischen Ancce und Somme setzte der Feind auf Bcaye zum nächtlichen Angriff an; beiderseits der Straße Cordte—Broy.' konnte ec unsere vordere Linie erreichen; im übrigen brach der zweimalige Ansturm schon vor unseren Posten verlustreich zusammen. Der Arttlleriekamps hielt hier bis zum Tagesanbruch in großer Stärke an. Südlich von Brimont stießen Stcum- abteilungen über den Aisne Kanal in die feindliche Stellung bei Coucey vor und brachten Gefangene zurück. — An der übrigen Front vereinzelte Vorfeldkämpfe. Osten. In den Hafenanlagen von Marinpol wurden wir durch russische Schiffe beschossen. Mazedonische Front: Starke englische Abteilungen griffen gestern abend bulgarische Stellungen südlich vom Dotran-See an. Sie wurden abgewiesen. Asiatischer Kriegsschauplatz. Der Vorstoß englischer Brigaden von Jericho aus über den Jordan nach Osten und Nordosten ist zum Scheitern gebracht worden. Nach erbittertem fünftägigem Kampfe wurde der Feind in seine Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Teile deutscher Truppen haben sich hierbei an der Seite ihrer türkischen Kameraden hervorgetan. Die den Engländern abgcnommene Beute ist erheblich. * Berlin, 7. Mai, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Die Höbe noch nicht erreicht * Zürich, 6. Mai. Der „Corr. della Sera" meldet von der Westfront, es sei töricht, zu hoffen, daß die deutsche Offensive bereits vorüber sei oder daß sie ihren Höhepunkt erreicht hätte. Die K a i s e r s ch l a ch t würde in aller Bälde mit furchtbarer Gewalt los- brechen. Das Ziel der Entente sei nicht nur die Abwehr dcr deutschen Angriffe, sondern auch die Initiative der Kampffortsetzung an sich zu reißen. Finnlands Hrone. * Genf, 6. Mai. Zu der Meldung von Verhandlungen über die Übernahme der Königskrone Finnlands durch den Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg berichtet eine Helstngforsec Drahtung, daß Herzog Adolf Friedrich sich zur Annahme der Köaigskrone bereit erklärt habe. — Anderen Meldungen aus Helsingfors zufolge tritt nunmehr die gesamte dortige Presse für die Einführung der Monarchie in Finnland ein. O Die Säuberung Tinnlands. Das finnische Hauptquartier meldet: Die Operationen zur Reinigung des Gebiets westlich und südwestlich von Tavastehus werden fortgesetzt. In den letzten Tagen wurden über 2000 Gefangene gemacht. Unter der Leitung des Generalmajors Lindner haben die Operationen gegen die noch kämpfende Rote Garde in der Gegend von Kotka und Frederiksham zu neuen entscheidenden Ergebnissen geführt. Bei Ingernis machten wir 1500 Gefangene und eroberten sieben Geschütze und zwanzig Maschinengewehre. Am Sonntag morgen wurde Kotka erobert. Die Zahl der Gefangenen stieg über 2000. Der Versuch der Roten Garde, auf dem Seeweg nach Rußland zu entkommen, wurde von deutschen Kriegsschiffen verhindert. Die auf Frederiksham vorrückenden Truppen erreichten Dere- joski und machten über 3000 Gefangene. Das Ostheer eroberte die Küstenbatterien bei Trongsuna mit schweren Geschützen. Das befreite Tinttland. Aus ©dftnpforS wird gedrahtet, daß min ganz Finnland in der Gewalt der Negierungstruppen ist. Die von der Noten Garde allein an den Eisenbahnen ange- richtetcn Zerstörungen stellen ctinn Schaden von 150 Millionen Rubeln dar. vir eigene Caft. Die elf neuen Steuergesetze, die dem Reichstage vorgelegt find, geben eine Vorstellung von den Lasten, die das deutsche Volk in der Zukunft zu tragen haben wird. Steuern sind noch nie willkommen gewesen, selbst wenn sie nichts anderes waren als der klar errechnete Aufwand für den Betrieb des staatlichen Lebens in ruhigen und blühenden Zeiten. Im Kriege und in der Zeit der Rekonvaleszenz nach dem Kriege werden Steuern natürlich noch viel drückender empfunden. Auf der andern Seite hat uns der Krieg daran gewöhnt, Opfer von noch viel höherem Wert zu bringen, als sie der Steuerzettel fordert. Und es wäre zu wünschen, daß nicht von vornherein wieder der Lärm losgeht, in dem jeder mit Beflissenheit und Nachdruck die Besteuerung des andern empfiehlt. Wir müssen uns also der kommenden Mehrbelastung gegenüber in Würde zu fassen suchen. Es soll hier nicht in die Einzelheiten der Steuervorlage eingegangen, sondern nur auf den Zusammenhang hingewiesen werden, in dem die Deckung der Forderungen für das Reich und die Einzelstaaten mit dem kommenden Friedensschlüsse steht. Auch der gutgläubigste Schwärmer für einen Frieden ohne Entschädigungen wird stutzig werden, wenn er an die unerbittliche Arbeit der Steuerschraube denkt, die nicht danach fragt, und nicht danach fragen kann, ob ihre Spitze einen besonders empfindlichen Nerv trifft oder nicht. Abgesehen von einer doch verhältnismäßig geringfügigen Anzahl von Leuten, die der Krieg so reich gemacht hat, daß sie die Steuern nicht wesentlich spüren, ist aber das ganze deutsche Volk wirtschaftlich außerordentlich empfindlich geworden. Und die Fähigkeit Lasten zu tragen, hat ihre Grenzen, jenseits deren ein Wiederaufschwung fraglich, wenn nicht unmöglich ist. Es gibt nicht nur körperlich und seelisch Kriegsbeschädigte, sondern die wirtschaftlich Kriegsbeschädigten sind in der überwältigenden Mehrzahl. Der Mittelstand, der mittlere und kleine Gewerbe-, Handwerker- und Handelsstand stehen mit bedenklicher, ja gefährlicher Blutleere vor dem Kraftaufwand, den die künftige Zeit von ihnen fordert. Da ist es denn ein selbstverständlicher und beruhigender Gedanke zu wissen, daß unsere Feinde zusammen genommen nach unserm Siege immer noch reich genug sind, unser Wirtschaftsleben durch Entschädigungen für die ungeheuren Opfer in irgend einer Form, womöglich auch in barem Gelde, kräftigen und den drohenden Steuerdruck mindern zu helfen. Die Gefahr, daß wir so viele und sa mächtige Feinde hatten, kann und muß sich also, wenn der Sieg, den wir erwarten, errungen ist, uns zum Heile nKnden. Aus dem Nebel der Zukunft beginnt in scharfen Umrissen die künftige Gestalt der durch den Krieg veränderten deutschen Wirtschaft sich abzuzeichnen. Ganz im Verhältnis dazu muß die falsche Vorstellung von einem Frieden verschwinden, der so aussehen soll, als wäre kein Sieg vorangegangen. Wir wollen nicht nur den Sieg, wir glauben ihn nicht nur, sondern wir brauchen den Sieg, um von seiner Frucht wieder wirtschaftlich stark zu werden. Haben wir ihn erst errrmgen, dann wären wir strafwürdige Verblendete, wenn wir uns, unseren Kindern und Kindeskindern eine Last aufbürden wollten, unter der sie, wenn nicht zusammenbrechen, so doch nur mühsam sich fortschleppen könnten. Dazu sind wir nun und nimmermehr befugt. Im Gegenteil: die Lage unsers Reiches und Volkes heischt von uns gebieterisch, daß wir der Forderung des gesunden Menschenverstandes, der wahren Gerechtigkeit und der Pflicht gegen uns und unsere Nachkommen ein Genüge tun, daß wir den falschen Grundsatz vom „Tragen der eigenen Last" einfürallemal verwerfen und ein schweres Teil dieser Last unsern schonungslosen Gegnern auf die Schultern packen. Eine eindringlichere Mahnung dazu, als die neue Drei-Milliardenvorlage, kann es wahrhaftig nicht geben. Cirols €rwacb*n. Von Professor Edgar Meyer. Schloß Welfenstein am Brenner, April 1918. Mitten im Hangen und Bangen über die kommende Entscheidung im Westen, von dem Vertrauen an den Endsieg des deutschen Schwertes durchglüht, die tschechische und südslawische Gefahr erkennend und mitfühlend, sorgen sich die Deutschen Tirols um dos Schicksal Südtirols. Während vor dem Regierungsantritt des jetzigen öfter reichischen Kaisers, besonders in militärischen Kreisen in der Umgebung des Erzherzogs Eugen eine Strömung zum Ausdruck kam, die von der Bedeutung des Deutsch, tums für Südti rol überzeugt schien und eine wenn auch vorläufig nur äuklrliche Verdeutschung Platz griff, so find heute die Hoffnungen der Deutschttrolec durch' die bekannten Amnesttc-Erlasse und Rückverwelschungöbe- stcebungen gerade der Kreise, die erst jüngst gelegentlich des Kaiserbriefes an Sixtus von Parma viel, aber wenig ruhmend genannt wurden, auf den Nullpunkt gesunken. Nichts erhofft man mehr vom guten Willen von oben — alles nur von der Selbsthilfe und verständnisvollen Sympathie des Deutschen^Neiches. Die Stimmung in den weitesten Kreisen Tirols ist wie d ie des übrigen Deutsch-Oesterreichs eine dermaßen vecbitteete, daß man meinen sollte, jede ihre Pflicht nur halbwegs erkennende Negierung könnte sie nicht übersehen. Man lese nur die äußerst scharfen Entschließungen der zahlreichen deutschen Mittelstandstagungen und deutschen Volkstage. Im Volke selbst — von Mund zu Mund — fallen Aeußeruncren, die man früher im sprichwörtlich kaisertreuesten Lande für unmöglich gehalten hätte. Dos Maß ist eben voll für das, was s lbst dos geduldigste, opfer- freudigste Volk ertragen kann. Politische und wirtschaftliche Verfehlungen haben zusammengcwirkt, um diese Stimmung zu zeitigen. Bis ins Mark wurde Teutsch- Oesterreich, an erster Stelle Tirol, ankostbarstem Menschcn- gut und Volkswohlstand ausgesogen. Deutschböhmen verhungert, während die Tschechen noch Ueberfluß haben. Der Gegensatz zwischen Deutschen einerseits und Slawen und Welschen andererseits ist größer als j<>, ist um so erbitterter, weil man Vergleiche zieht zwischen dem Dank an die staatstccuen Deutschen und den Amnestie- Erlassen, den V.xhätschelungcn, womit die vere äterischm Slawen und Welschen geradezu wie mit staatlichen Prämien für ihren Verrat belohnt werden. Wie ein Ultimatum klingt es, wenn übecall d i e Ei n f ü h ru n g der deutschen Staatssprache — die Unteilbar, feit Tirols und als Fciedenszlel bcr Besitz der Alpen bis zur italienischen Ebene, das Gordaseegebict und der Veltliner Zwickel verlangt wird. Wir Tiroler pfeifen auf einen annexionslosen Frieden, jeder Bauernjunge war so gescheit, sich zu sagen, umsonst bringen wir solche Opfer in einem lins mutwillig aufgedcungencn Krieg nicht — und wiss n ganz genau, wie der anmxionslose Frühe ausgesehcn hätte, wenn unsere w ischen Feinde Erfolge gehabt hätten. Eine Forderung, die in allen Versammlungen und Entschließungen zum lebhaftesten Ausdruck kommt, ist ferner die Ausgestaltung und Vertiefung des Bündnisses mit dem Deutschen Reich. Man fordert die pragmatische Festlegung in die Staatsgrund- gesetzt denn ohne die Bertiefung drs Bündnisses wären ja alle unsere Opfer umsonst grbrocht. Das Natioualgefühl ist mächtig entfacht — brennt still weiter und lodert hoch auf — es wird gesargt werden, daß das edle Fkwr nicht erlischt, es wird auch gesorgt werben, daß, damit cs nicht zwecklos brenne, gut deutsch gekocht werde 9 ein aeuiselm Schwur. Die österreichische „Volkszeitung" schreibt: Am Sonntag fand in Graz der zwecke deutsche Volkstag statt. Die Versammelten leisteten in feierlicher Weise folgenden Eid: „Wir schwören beim Andenken unserer gefallenen Söhne und Brüder, bei allem, was uns heilig ist, keinen Zoll deutschen Bodens prsiszugcbcn und tecu festzuhalten an dem Bündnis nut den Brüdern im Reiche, komme, was da wolle, denn hoch und h-i!ig über allen anderen Pflichten sieht die Pflicht der Treue gegen das eigene Volk. Das wollen, wir in Zukunst halten, so wahr uns Gott helfe!" ZoiwerrMellliMn m ScbubuwK. Während die Bevölkerung int allgemeinen bei der Deckung ihres Bedarfs an Schuhwerk auf die Mengen angewi'sen ist, die vom Hauptv^rtrilungsausschuß des Schuhhandlls nach bestimmtem Schlüssel an die Händ- lec verteilt werden, ist für gewisse Gruppen eine Sonder» zuteiluna von Schuhware., vorgesehen, lieber diese besondere Z-nveisung erläßt die R^chsstelle für Schuhvec- sorgung j tzt zwei Bekanntmachungen, die am 30. April im Neichkanzetger erschienen und mit diesem Tage in Kraft getreten sind. Auf dem W ge der Sonderzuweisung können da nach beliefert w rdrn: einmal Behörden und öffentliche Anstalten, auch Wohlfahitseinrichtungen, deren Gemein nütz^gkeit die höhere Verwaltungsbehörde ihres Sitzes anerkannt hat, soweit es sich um Schuhwerk handelt, das im Betriebe selbst benötigt wi d und zur ausschließlichen Verfügung der anfördernden Stellen bleibt. Des ferneren können Gemeinden und Gemeindeverbände Schuhwerk zur Abgabe an die minderbcm'ttelte Bevölkerung zugrwiesen erholten; Vorauss.tzung ist dabei allerdings, daß sie bereit sind, bei der Abgabe zu dem aufgestempeltcn Verkaufspscis einen Zuschuß von 10 °/ 0 aus eigenen M'tteln zu leisten; das bedingt dann aber auch, daß der Hauptvnckeilungsausschuß des Schuhhan dels seinerseits 10 °/ 0 nachläßt, sodaß die minderbemittelte Bevölkerung die Schuhe um 20 % unter dem üblichen Preis erhält. Endlich wird Schuhwerk für bestimmte Berufsgruppen im Wege dcr Sonderzuteilung zugcwtesen und zwar: für Bergwerks—und Grubenarbeiter aller Art, für Arbeiter in Nüstungsb-trieben, für Etsenbahnarbeltec im Außendienst, für Wald- und Forstarbeitcr, für in der Landwirtschaft und ime Weinbau erwerbstätige Personen, für Fischerei- und Wasser- bauarbeiter, für Hiifsdicnstpflichtige, die zum militärischen Wachdienst einberufen sind, für Telegraphenbau arbelter und Landbricfträgec' und für. sonstige staatliche und gemeindliche Angestellte, die im Außendienst einen kriegswichtigen Beruf ausüben, in besonders dringenden Fällen. Für die Sonderzuweisungen kommt in erster Liuie. Kciegsschuhweik mit Holzsohlen in Betracht. Die Zu teilung von Led'erschuhwerk ist nur für solche Fälle vor gesehen, in denen die B.Nutzung von Krtegsschuhweik die Ausübung des Berufes unmöglich machen oder Leben und Gesundheit gefährden würde. Alle Zuteilungen erfolgen durch die Neichsftelle für Schuhversorgung,'Berlin W 8. Kconenstr. 50/52 Das für Bergwerksarbeiter, Eisenbahnarbeiter, Forsten beiter und erwerbstätige Personen in der Landwirtschaft bestimmte Ber? fsschuhwer k wird auf Grund eines allgemeinen Planes verteilt und in bestimmten Zeitabschschmttrn an die für die Wettcrverteiluugchorgesehenen Stellen geliefert Im übrigen erfolgen die Zuteilungen von Fall zu Fall auf Grund besonderer Anforderungen, die von den Unternehmungen, den Behörden, Anstalten usw. auf besonderen Vordrucken zu stellen lind bestimmten Prüfungs- behörden, z.B. für die Rüstungsbetriebe den Kriegsamtsstellen, voczulegen sind. Die ansordernden Behörden können das Schuhwerk entweder unmittelbar oder durch Vermittlung des Kleinhandels erhalten; in letzterem Falle haben sie besondere Ausweiskaeten aukzustellen, gegen deren Vorzeigung der Bezug erfolgen kann. Pckvaten Unternehmungen wird das Berufsschuhwerk st-ts unmittelbar geliefert; sie haben dos Schuhwerk on rhre Arbeiter selbst zu Verteiler und hierüber genau Listen zu führen. Mit dieser Verteilung können sie sich ober auch gleichfalls der Mithilfe von Kleinhändlern bedienen, die hierzu vom Hauptverteilunosausschuß ermätlcht werden. (schuhwerk, das die Arbeiter im Wege dieser Son- derzateilung^eihalten, wird bei der Prüfung der Bedorss- schelnbcrechttgung nicht in den Bestand von gebrauchsfähigen Schuhen und Stiefeln miteingercchnet. 9 SebubwerK mit Cbromieaerfoblett. Wer, ohne daß er zwei Paar getragene Schuhe ab- gibt, einen Schuhbedarfsschein ausgefertigt haben will, muß die schriftliche Versicherung abgeben, daß er nicht mehr als ein Paar gebrauchsfähige Schuhe oder Stiefel besitzt, deren Sohle mindestens im Gelenk oder in der Vorderfläche ganz aus Leder besteht. Dabei sind nun Zweifel aufgetaucht, ob auch Hausschuhe oder Turnschuhe mit Ehromledersohle dazu gerechnet werden sollen. Wie die Reichsstelle für Schuhversorgung erläuternd bekannt gibt, ist derartiges Schuhwerk nicht mitzuzählen. In Betracht kommt nur Schuhwerk, das sich zum Straßengebrauch eignet. Dagegen sind auch Haus- und Turnschuhe mit Ehromledersohle im Verkehr bedarfsscheinpflichtig. Die Vorschrift, daß jeder innerhalb eines Zeitraumes von 12 Monaten nur auf einen Schuhbedarfsschein Anspruch hat (sofern er nicht mindestens zwei Paar getragene Schuhe oder Stiefel abgibt), soll sich aber nicht auf Bedarssscheine erstrecken, die ausdrücklich auf Haus- und Turnschuhe mit Ehromledersohle ausgestellt sind. Es kann also jemand innerhalb eines Jahres außer einem auf ein Paar ausgestellten Be- darfsschein für Schuhwerk mit Ledersohle auch noch einen Vedarfsschein erhalten, der auf ein Paar Haus- oder Turnschuhe mit Ehromledersohle lautet. Mit dieser Ausführungsbestimmung zu der Bekanntmachung über Schuhbedarfsscheine vom 27. März 1918 kommt die Reichsstelle für Schuhversorgung sicherlich weit verbreiteten Wünschen der Bevölkerung entgegen. M uttfere AukädrMer! Im Laufe des Mai soll die Feststellung der Anbau- und Ernteflächen für das laufende Wirtschaftsjahr stattfinden. Da wollen wir uns vier Fragen beantworten. i. Wer muß Angaben machen? Antwort: Jeder, der eigenes Land bearbeitet oder Pacht- und Dienstland. Beispiel: Kirchendiener 3E. besitzt 2 Hess. Morgen eigenes Land, hat 200 Klafter von Landwirt O. gepachtet und hat als Vefoldungsteil V, Morgen Vaumfeld in Bewirtschaftung. Er muß bei der Zählung 2 und x / 2 und V 4 — 2 3 U Morgen angeben 2. Wer hat keine Angaben zu erstatten? Antwort: Wer nur gartenmäßig Kartoffeln, Gemüse und dergl. pflanzt. Beispiel: Schuhmacher N. hat an seinem Hause einen Garten von 40 Klafter, er kommt als reiner Hausbesitzer nicht in Frage. 3. Wie mache ich meine Angaben? Antwort: Der eine zählt große Morgen, der andere kennt nur Klafter, ein dritter gibt hessische Morgen an. Damit nun eine Gleichmäßigkeit stattsindet, soll bei dieser Zählung alles in Ar angegeben werden (1 Ar — 100 qm). Beispiel: Landwirt S. hat 1 groß. Morgen Korn (38 Ar), V 2 großen Morgen Gerste (19 Ar), X U großen Morgen Hafer (9 x /a Ar), anderthalb große Viertel Klee (\4 l U Ar), 1 klein. Hess. Morgen Kartoffeln (25 Ar), X /a Hess. Morgen Dickwurz (12 X /s Ar), ein Viertel Hess. Morgen Gelberüben (6V 4 Ar), 50 Klafter Pferdezahn (3 Ar). Er besitzt insgesamt 127 1 la Ar Land. 4. Welchem Zweck soll nur die fortwährende Zählerei dienen? Antwort: So spricht mancher von uns unüberlegt. Aber bedenke: der Kaufmann macht Inventur, d. h. er kontrolliert seine Vorräte, er zieht die Bilanz, vergleicht Soll und Haben (Werte und Schulden) und richtet darnach seine Geschäftsführung im nächsten Jahre ein. Dasselbe tut der verständige Landwirt. (Was überhaupt ein richtiger Bauer ist, der ist eben nicht nur Bauer, der ist Kaufmann, Techniker, Chemiker, Geologe, Statistiker usw.). Dasselbe tut aber auch die Reichsgetreidestelle oder eine ähnliche Instanz, die den Verbrauch zu regeln hat und das Wenige unter Biels teilen muß. Werden ihr falsche Angaben gemacht, so muß sie falsche Maßnahmen treffen. Das übliche Schimpfen auf den „grünen Tisch" ist in diesem Falle töricht (sonst ist ja Schimpfen gesund für Herz und Nieren), denn der Fehler steckt bei Dir und mir, Nachbar. Wenn z. V. als Ergebnis der Kartoffelernte in Deutschland 300 Millionen Zentner sestgestellt worden sind, so müssen sämtlliche Schweine abgeschlachtet werden, denn zuerst kommt der Mensch. Es konnten aber in Wirklichkeit 700 Million. Zentner vorhanden sein, das könnte für mäßige Schweinehaltung genügen, trotzdem erfolgt Abschlachtung. Nicht die Herrn da oben sind schuld, sondern unsere unzutreffenden Iählungsergebnisse. Darum Sorgfalt und Vorsicht. Von gewissenhafter Angabe hängt Dein und unser aller Wohl ab. Gibst Du Deine Gerste nicht an, dann wundere Dich nicht darüber, daß der Kommunalverband keinen Mahlschein verabfolgt. Und betrachte die armen Zähler nicht als Quälgeister, sie legen Hand an, damit wir in dem Elend der Zeit durchhalten können. Das Krieflervminswefen Im grsrrlmroglum Hessen. Der im Aufträge des Präsidiums durch den Generalsekretär, Hauptmann a. D. Waldecker und die für die einzelnen, selbständigen Tätigkeitszwecke zuständigen Präsidialmitglieder erstattete Jahresbericht der unter dem Allerhöchsten Protektorate Sr. König!. Hoheit des Großherzogs stehenden Kriegerkameradschaft Hassia Züber das 44. Derbandsjahr 1917 zeigt, wie trotz aller durch den Krieg erwachsenen Schwierigkeiten der rührige Verband weiter gearbeitet und gestrebt hat. Am 13. März 1917 konnte die Hassia mit dem ganzen Hessenvolke das 25jährige Regierungsjubilüum seines hohen Schutzherrn, Seiner Kgl. Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig, feiern, nicht in rauschenden Festen, sondern in stillem Kirchgang und Gebet. Zu der auf 2 l l 2 Millionen Mark angewachsenen Iubiläumsspände des Landes, welche für Kriegererhohlungsheime bestimmt ist, trug die Hassia aus dem Verbandsvermögen 20000 Mark bei, außer den Gaben, welche die einzelnen Vereine spendeten. Die Adresse des Präsidiums und der Allerhöchste Dankerlaß an die Hassia zeigen, wie eng das Verhältnis zwischen dem warmherzigen, hohen Schutzherrn und dem Verband ist. Der Mitglied er st and hat sich, wie überall, auch bei der Hassia, da nur Verluste, keine Zugänge erfolgen, vermindert von 63 494 Mitgliedern im Jahre 1916 auf 59 826 im Jahre 1917. 27 677 davon sind im Heeresdienst, 5263 sind als verwundet, 2886 als gefallen ge- meldet^ 5446 haben das Eiserne Kreuz, 5901 andere Kriegsauszeichnungen erworben. Das Verbandsvermögen ist ebenfalls zurückgegangen, es beträgt, ohne die Dr. Vogt-Iubiläumsstiftung, 304 976 Mark gegen 315 829 im Vorjahre. Ebenso haben die einzelnen Vereine Vermögensrückgänge infolge ihrer regen Liebestätig-- keit. Sie beziffern ihr Vermögen nur noch auf 478 778 Mark. Vom Derbandspräsidium stehen 3 Kameraden im Felde seit Kriegsbeginn. Recht lehrreich ist der Bericht über die Tätigkeit in den wichtigen Fragen der Kriegererholungsheime und Kriegerheimstätten. Besonders in letztem hat die Hassia hervorragend gewirkt, insofern als sie sie überhaupt in Hessen ins Rollen gebracht hat. Für die Verbandszeitung „Der Hessische Kamerad", die eine Auflage von 21 650 Stück hat, mußte die Hassia bei dem niedrigen Bezugspreise 3871 Mark zuschießen, dagegen ist die Hassia-Sterbekasse (Vertraa^gesellschaft Friedrich Wilhelm) in erfreulichem Aufschwung begriffen, nachdem sie in den ersten Kriegsjahren nur Verluste gehabt hatte. 310 Sterbefälle wurden mit 64910 Mark ausbezahlt, über 1000 neue Versicherungen wurden abgeschlossen. Für bedürftige, im Heere stehende Kameraden bezahlt die Verbandskasse die Beiträge. Ueberhaupt sind die Aufwendungen für Wohl- tzätigkeitszwecke recht bedeutend, obwohl die Anforderungen an die Unterstützungskasse sehr zurückgegangen sind. Es wurden bezahlt an allgemeinen Unterstützungen 5320 Mark, Deteranenzulagen 2780 Mark, Familienunterstützungen 5380 Mark, Konfirmationsbeihilfe für Kinder im Heere stehender Kameraden 10270 Mark, Sterbekassenbeiträge für im Heere Stehende 8756 Mark, Konfirmationsgaben an Waisen aus der Ernst Ludwig-Stif- tung 3075 Mark, zusammen 35 581 Mark. Ganz besonderer Pflege erfreut sich das Vortragswesen, in welchem auch 1917 trotz aller Hemmnisse Hervorragendes geleistet wurde; eine ganze Reihe bewährter Redner steht dem Verbände zu Verfügung, die keine Mühe scheuen, aufglärend im Volke zu wirken. Hierin ist die Hassia vorbildlich. Der Hassia-Kalender hat eine höhere Auflage als die Mitgliederziffer beträgt, nämlich 62 953 Stück, erreicht. Jur 7. Kriegsanleihe hatte das Präsidium zu reger Werbetätigkeit aufgefordert, das Ergebnis war 1 296157 Mark, trotzdem die meisten Zeichnungen bereits bei andern Kassen erfolgt waren. So gibt der Geschäftsbericht ein erfreuliches Bild echter vaterländischer, kameradschaftlicher Kleinarbeit, die ein großes Ziel im Auge hat. Als 1. Präsident steht an der Spitze des vorzüglich geleiteten Verbandes seit 1910 Herr Generalleutnant a la suite Freiherr von Heyl. Stadt md Djd. * Ter deutsche Kronprinz vollcndet am 6. Mai im Felde sein 36. Lebensjahr, t&c hat wie Tanscnde von Wehcleutcn Frau und Rinder zu Hause, ec denkt und fühlt wie die Kameraden. Darum können wir zu einem Geburtstage ihm nichts besseres wünschen als eine glückliche Heimkehr in nicht zu ferner Zeit. • * Das neue Parts. Wie wir bereits berichteten, befindet sich unter den neu vorgeschlagenen Steuern auch eine Erhöhung der Post und Telegraphen. gebühren. Um irrigen Mitteilungen.darüber zu be ^ "gncn, seien die Wirkungen des Stcuec'EnUvurf. s auf Oi ' Porto nochmals kurz zusammengestellt. Wenn der Voranschlag Gesetz wird, dann beträgt das Porto vom 1. Oktober ab: für B r i e f e i m O r t s - u n d N ach- bar orts v er ke h r bis 20 Gramm 10 Pfenig. über 20—250 Gramm 15 Pfennig,für gewöhnliche Briese im jo nstigen Verkehr 15 Pfennig, über 20 Gramm 25 Pfennig. Seither gob es im Ortsverkehr nur eine Taxe für Briefe bis 250 Gramm. Postkarten kosten in Zukunft im Orts- und Nachbarorisvukehr 7^ Pfennig, im sonstigen Verkehr 10 Pfennig, Drucksachen bis 50 Gramm 5 Pfennig (seither 3 Pfennig), üöer 50 bis 100 Gramm 7 ! / 2 Pfennig (seither 5 Pfennig) Druck suchen üb r 100 Gramm kosten in Zukunft 5 Pfennig meh-- als seither. * Das Kovgrritwcsen im Handwerk hat im Kriege eine erhebliche Abschwächung erfahren; die Hand Werker haben sich an pünktliche Rechnungslegung gewöhnt. Freilich ist auch heute noch die leidige Halbjahrszahlung gang und gäbe. Dabei liegt zur Inanspruchnahme dieses Halbjah.skredites in den meisten Fällen absolut keine Notwendigkeit vor, vielmehr beobachtet gerade die Kundschaft, die es am wenigsten notwendig hat, dieses bequeme Verfahren. Wie mancher Handwerker würde gern die Tausende, die ec so—noch dazu unverzinst — unter seiner Kundschaft hängen hat, zum Bezahlen seiner eigenen Schuld n benutzen, wenn er sie nur hätte. Hier schaffe c'n jeder schleunigst Ordnung und zahle, was er schuldet! Der Handwerker aber gewöhne sich endlich daran, jeber fertigen Arbeit sogleich die Rech' n n n g beiz u fügen, ob dies nun dem einen oder dem andern Herrn paßt oder nicht, er hat sich an so vieles gewöhnen müssen, er muß es auch hier tun, und wenn ec die Rechnung stets vor der Nase hat, ist schnell der Scheck ausgeschrieben, um die Cache loszuwerden. Wer aber größere Auftiäge zu vergeben hat, dir noch laufen, der gebe seinem Lieferanten, soweit es die bereits gelieferte Aibcit gestattet, Vorschußzahlungen. Beiden heu tigen ungeheuren Preisen aller Rohmaterialien ist dies mehr gerechtfertigt d-nn je. * Frankfurt a. M. Eine ebenso neuartige wie nachahmenswerte Lösung der Frage der Krankenpflege und Krankenbehandlung in Großstädten traf die Aktienbau- Gesellschaft für kleine Wohnungen im Stadtteil Eckenheim. In dem von 2000 Personen bewohnten Baublock wurde ein besonderes „Krankenhäuschen" für die Blockbewohner errichtet, das u. a. enthält Wohnung für zwei ständig anwesende Schwestern, zwei Isolierräume, ein Zimmer zur Vornahme von Notoperationen, 4 bis 6 Krankenzimmer zu 1 bis 2 Betten, Fernsprecher. In diesen Räumen findet ein Kranker des Blocks, dem in den beschränkten Wohnverhältnissen daheim die nötige Pflege nicht zuteil werden kann, alles Nötige: Verpflegung, Ueberwachung durch sachkundige Hand, Verköstigung durch die Seinigen, Behandlung durch den Arzt seines Vertrauens, unmittelbare Nähe der Familie und eine ruhige Krankenstube. Bon größter Bedeutung ist für diese Einrichtung die ständige Anwesenheit der Schwestern, die im ganzen Baublock das Amt einer „Bezirkspflegerin" versehen. - Außerdem ist der große gemeinsame Dachgarten des Blocks zu Liegekuren eingerichtet. * Frankfurt a. M. Der Pferdemarkt am I.Mai war von 312 Perden beschickt, von Käufern und sonstigen Besuchern aber mäßig belebt. Die Preise bewegten sich wieder in schwindelnder Höhe. Arbeitspferde erster Art kosteten bis 14000 Mark. * Dilkel. Auf kaum glaubliche Weise wurde im nahen Nieder-Trlenbach eine Bauersfrau 2000 Mark los. Die Frau , mußte einer Zigeunerin, ehe sie sich die Zukunft aus Karten sagen ließ, ihr gesamtes Geld zeigen. Als das geschehen war, ließ sich die Zigeunerin den Schlüssel zum Geldkasten aushändigen und schickte die Bäuerin mit dem Geheiß in den Kuhstall, dort solange zu bleiben, bis sie gerufen würde, denn dann übe die Prophezeiung erst ihre richtige Wirkung aus. Und so geschah's. Die törichte Frau fand, als ihr nach langem Warten im Kuhstall endlich ein Licht aufging und sie in das Wohnhaus zurückkehrte, weder Zigeunerin noch Geld mehr vor. * Biedenkopf. Auf der Battenberger Landstraße h elt ein Polizeibeamter abends zwei in Mäntel eingemummte Gestalten an, die sich als Bonner Studenten ousgabin u. einen Außflug ins Siegerland machen wollten. Als die Männer ihren Ausweis vorzeigen sollten, entpuppten sie sich als englische Fliegeroffiziece, die wählend ihres Transportes von der Westfront in ein mitteldeutsches Gefangenenlager entwichen waren und die holländische Grenze zu erreichen suchten. Die Offiziere wurden dem Bezirkskommando Marburg zugeführt * Jena. Ein Wiedersehen e i g e n c r Art hat hier ein Geschicrhaltec mit einem seiner Pferde. Nach Kriegsausbruch 1914 ausgemustert, trat die brave ,,Lie« se" ihre Kciegsfahrt an. Der Besitzer wurde mit einem Kaufpreis von 1125 Mk. abgesunden. Kürzlich wollte der Geschirrhaltcr in Weimar einen Psecdekauf in einem Militärstall abschließen. Ec traute seinen Augen kaum als „seine" Liese vorgeführt wurde Den Gaul, der mit 2500 Mark ongeboten wurde, mußte ec wieder haben. Und ec erstand ihn für 3000 Mark. Triumphie- end verließ ec mit der braven, teueren Liese die Wal statt. Eiterarilcbes. * Hindenbnrg Zeitgedicht von Ferdinand Zaechi. Als Wandtafel in vielfarbigem Kunstdruck auf starkem Karton herausgegeben vom Verlag für Volkskunst, Rich. Keutel, Stuttgart.— Preis einzeln Mk. 2.— in den Buchhandlungen. Viele werden dieses wundervoll schlichte und tiefe Glaubensbekenntnis des niederdeutschen Dichters schon aus dem Munde von Professor Marcell Salzer oder von Professor Marx Möller gehört haben. Wenn das Wertvollste und Stärkste, was die deutsche Kriegsdichtung hervorgebracht hat, gesammelt wird, wird man dieses Hindenburggedicht von Ferdinand Zaechi nicht übergehen können. Ein schöner Gedanke von dem bekannten Volkskunstverlag Keutel, dieses markige Gelöbnis deutscher Treue als geschmackvoll ausgeführte Wandtafel dem kämpfenden Deutschland zu bieten. Ueberall, in Haus und Schule, in Arbeitssaal und Kontor sollte dieses Hindenburggedicht Zier und Mahnung, Trost und Freude sein. Der kleine Preis von Mk. 2.— für das Kunstblatt steht tn keinem Verhältnis zum bleibenden Wert der prachtvollen Verse. Wehrpflicht und Laufbahnen im deutschen Heere nebst Anhang. Vierte verbesserte Auflage. Bearbeitet von Major Boysen. Militär-Verlag von Zuckschwerdt & Eo., Berlin-Steglitz, Schloß-Straße 41. Preis 2 Mark. Das Buck, 112 Seiten stark, umfaßt: Armee- und Marineeinteilung — Wehrpflicht — DerRekrut — Freiwilliger Eintritt — Unteroffiziersckulen, Schiffsjungendivision — der Zwei- und Mehrjährig-Freiwillige — Der Einjährig-Freiwillige — Die Kapitnlantenlaufbahn im deutschen Heere. Im Anhang bringt das Buch: Gehaltstafel, Muster für Meldungen, Verzeichnisse der geforderten Größen, Bezeichnungen der körperlichen Fehler, Verzeichnis der Regimenter und selbständigen Bataillone, mit drei Tafeln Uniformabzeichen und einer Garnisonkarte des deutschen Heeres ausgestattet, wird es allen Wehrpflichtigen eine vortreffliche Stütze sein. Das Buch hat anderen Erscheinungen gegenüber den großen Vorzug, daß es bei billigem Preise die Wehrpflicht Verhältnisse aller Stände vereinigt und dem Interessenten einen Einblick in alle Laufbahnen im Heere, über die er sich erstentscheiden will, gibt. Das Buch kann bestens empfohlen werden. Ratgeber für Einjährig Freiwillige und Fahnenjunker des deutschen Heeres vor ihrem Diensteintritt nebst Anhang. Vierte verbesserte Auflage. Bearbeitet von Major Boysen. Militär-Verlag von Zuckschwerdt & Co., Berlin-Steglitz, Schloß- Straße 41. Preis 2 Mark. Das Buch, 125 Seiten stark, umfaßt: Wahl der Garnison und des Truppenteils — Kostenberechnung — Eintritt in das Heer — Bekleidung — Verpflegung. Ausrüstung und Berittenmachung — Ausbildungsgang, Diensteinteilung und Ausbildungsstoff — Winke für körperliche Vorbereitung. — Allgemeine Kenntnisse über Armee und Marine — Uebungs- und Beförderungsverhältnisse — Offizierswahl — Eintritt als Fahnenjunker. Dazu bringt es im Anhang: Muster für die zum Dienst- eintritt erforderlichen Scheine und Erklärungen -- Bezeichnungen der körperlichen Fehler - Geforderte Körpergrößen — Verzeichnis der Regimenter und selbständigen Bataillone — Vier Tafeln Uniformabzeichen — Karte der Garnisonorte des deutschen Heeres. Das Buch hat allen anderen Erscheinungen gegenüber den großen Vorzug, daß es bei billigem Preise neben allem Wissenswerten über Meldeangelegenheilen, Kosten der Dienstzeit usw. den Einjährig-Freiwilligen in seine Dienstobliegenheiten einführt und ihm Winke in die Hand gibt, sich durch körperliche Uebuny wie theoretische Studien für sein Dienstjahr günstig vorzubereuen. Durch die Abschnitte: Ausbildung zum Offizier- und Unteroffizier-Aspiranten — Uebungen der Offiziers-Aspiranten — Offizierswahl kann der Einjährig-Freiwillige ersehen, wie sich die späteren Militärverhältnisse für ihn gestalten. Alles für Fahnenjunker Wissenswerte ist in der Neuauflage des Buches ebenfalls berücksichtigt. Das Buch wird daher jedem Einjährig- Freiwilligem und Fahnenjunker ein guter Berater sein und kann bestens empfohlen werden. Von Speise und Trank. Unsere wichtigsten Nahrungsmittel nach Zusammensetzung, Gewinnung und Mengen. Von Dr. Alfred Hasterlik (Stuttgart, Frankh'sche Verlagshandlung- geh. 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