I La (Neneftc Nachrichten) Bezugspreis 60 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabcstellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint E k p £ ö I t l 0 R ‘ Mittwochs und SamStags. — Redaktionsfchluh früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Viefjener Zeitung", Gießen. Rr. 39. Telephon Nr. 362. Samstag, den 27. Anzeigenpreis 20 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahlungk- ziele« (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Kontur« in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gietzener Verlagsdruckerei, Albin Klein. April 1918. Telephon Nr. SSL 31. Jahrg. Der Kemwelberg bei Apern erstürmt. Bei Arras und Amiens erfolgreiche Borstöße Die flucht aus Paris. * Zürich, 24. Apcil. Die Blätter melden aus Paris: In den letzten Tagen haben die Pariser Behörden aufge- hört, jene Familien, die Paris verlassen wollen, durch schikanöses Vorgehen daran zu hindern oder ihnen Schwierigkeiten zu bereiten. Die Bahnzüge sind über, süllt, die Schulen sind leer. Zn einem aus London in Holland eingetroffenen Briese eines Belgiers, der Verwandte in Paris hat, befindet sich eine der englischen Zensur entgangene Mitteilung, nach der ein kürzlich aus Paris nach London zurückgtkehrter belgischer Regierungsbeamtcr versichert habe, daß der in Paris seit der Beschießung verursachte Schaden auf über 100 Millionen Franken zu veranschlagen sei. Davon enlftelcn 25—30 Millionen auf die Schäden, die der letzte deutsche Fliegerangriff vom 13. Apcil hervorgerufcn habe. Italiens UJiriTcbaftsnöte. * Zürich, 24. April. Blätter aus Oberitalien melden, die Gefahr eines völligen Stillstandes der Eisenbahnen und Fabriken Italiens sei in greifbare Nähe gerückt. Wie der LebcnSmittelkon- trollcuc Crespe am Montag in der Kammer milteilte, sind die Vorräte an Getreide völlig aufgebraucht, und die Lösung des Problems der nächsten Ernte hänge von der Möglichkeit ab, für genügende Einfuhr zu sorgen. Sorgen um Bethune * Zürich, 24. April. Wie das „Berner Tageblatt" eifährt, richten die Franzosen ihr Hauptaugenmerk auf die Verstärkung des Abschnittes von Bethune. Clemenceau erklärte in der Kammer am letzten Montag, daß die Franzosen unter allen Umständen verhüten werden, daß der Feind sich der großen Kohlengruben der dortigen Gegend bemächtigt. Der Schutz der französischen Kohlengruben liege vorläufig noch ganz in englische Händen. » Irlands Krieg gegen England. * Rotterdam, 24. April. Der „Daliy Ehronicle" und die „Daily News" erklären, es sei töricht zu leugnen, daß der Krieg zwischen England und Irland bereits ausgebrochen zu sein scheine. Immer neue englische Truppen müßten nach Irland gebracht werden. M Kritflszuftattd mit Guatemala. Washington, 23. April. Die Gesandtschaft von Guatemala teilt mit: Der Entschluß Guatemalas, sich in die Reihe der Alliierten zu stellen, ist eine Folge des Notenaustausches zwischen der Gesandtschaft und dem Staatssekretär Lansing nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Guatemalas zu Deutschland. Infolgedessen befindet sich Guatemala seit heute im Kriegszustände mit Deutschland und seinen Verbündeten. Englischer Seeangriff auf Ostsnde und Zeehrügge gescheitert. „Gaetano Costanzo" (1027 Brt.), „Luigi" (3549 Brt.), Von den am Angriff beteiligten englischen See, sowie der englische Dampfer „Ellaston" (3192 Brt.). streitkeäften wurden die kleinen Kreuzer „Jphtgenia" Letztere beiden waren bewaffnet und mußten im Artil- „Jntrepid", „Sirius" und 2 andere leichterer Bauart, leriekampf niedergekämpft werden. Das 7,5 Z.-Geschütz deren Namen unbekannt sind, dicht unter der Küste Kapitän üsnüicbt ürmlede Qgesvericdtt. 3 n der deutschen Bucht. Berlin 23. April. Eine unserer Patrouillen stieß am 20. April, nachmittags, im Grenzgebiet der Deutschen Bucht, nördlich Terschelling, auf leichte feindliche Streitlüste, die sich nach kurzem Feuergefecht mit höchster Fahrt zurückzogen. Der Feind hat mehrere Treffer erhalten. Unsere Streitlüste haben keine Beschädigungen und keine Verluste. Der Ches des Admiralstabes der Marine. » 30 662 tonnen versenkt. Berlin, 23. Apnl Eines unserer U-Boote, Kom- Mandant Kapiiänleutnant Kolbe, hat in der vergangenen Woche im Sperrgebiet um die Azoren und bet den Kanarischen Inseln 11 Dampfer, 4 Segler und 2 Fischdampfec mit insgesalnt 30662 Bruttorcgister- tonnen versenkt. Hierunter befanden sich der portugiesische Dampfer „Neptuno" (300 Brt.), der italienische Dampfer des englischen Dampfers wurde erbeutet, der gefangen. Die für unsere Feinde bestimmten Ladungen der Schiffe waren zuin Teil unmittelbar für den militärischen Ged> auch bestimmt. Sie bestanden u. a. aus 3500 To Erz, 6900 To. Salz, 860 To. Kork, 800 To. Palmöl, 250 To. Palmkecnen, 4000 To. Kohlen, 400 To. Stückgut, hierunter vor allem Lebensmittel, Sracheldraht, Leder usw. Für Die deutsche Kriegswirtschaft wurden 12 lederne Treibriemen von je 100 Meter Länge in die Heimat zurückgebracht. Der Chef des Admicalstabes der Marine. » wtb. Großes Hauptquartier, 24. April 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Auf dcm Schlachtselde an der Lys und an der Somme blieb die GcfechMätiglit auf örtliche Kampfhandlungen beschränkt. Nordöstlich von Baillcul erstürmten wir die Höhe von Vleugelhoek und nahmen hier Franzosen gefangen. Oesiltch von Bailleul wiesen wir englische Angriffe ab. Starke Vorstöße des Feindes nordöstlich von Bethune wurden in unseren Vorpostenlinien zum Scheitern gebracht. Verfeldkämpfe an vielen Stellen der übrigen Front brachten Gefangene ein. 0 ! Rittmeister Frhr. v. Richthofen^ ist von der Ber- folgung eines Gegners über dem Schlachtfelde an der Somme nicht zurückgklhrt. Nach englischem Bericht ist ec gefallen. Finnland. Die unter dem Befehl des General von der Goltz stehenden Truppen haben die Eisenbahnknotenpunkte Nyvinge und Rnshimaekt genommen und nördlich von Lanti die Verbindung mit der finnischen Armee hergestellt Ukraine. In der Krim haben Truppen des Generals Kosch Simferopol erreicht. Der Erste Genecalquartiermeister: Ludendorff. Berlin, 24. Apcil. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues 22000 tonnen versenkt. Berlin, 24. April. Neue U-Bootserfolge im Sperrgebiet um England: 22 000 Bruttocegtstertonnen. Unter den versenkten Schiffen war ein wertvoller 7000 Brt.-Dampfer, der im Aermelkanal aus einem stark gesicherten Geleitzug hcrausgeschossen wurde, und zwei vollbeladene Dampfer von je 5000 Bruttoregistertonnen. Der Chef des Admiralstabs der Marine. 0 englische Landung in Tlandern vereitelt. 5 kleine Kr-enzer in den Grund gebohrt. 3 Zerstörer, mehrere Torpedoboote versenkt. Berlin. 24. April. In der Nacht vom 22. Zum 23. April winde ein groß angelegtes und mit rücksichtslosem Einsatz geplantes Untecnehnlen englischer Seestxeit, kräfte gegen unsere flandrischen Stützpunkte vereitelt. Nach heftiger Beschießung von See aus drangen unter dem Schutze eines dichten Schleiers von künstlichem Nebel kleine Kreuzer, begleitet von zahlreichen Zerstöre!n und Motorbooten, bei Ostende und Zeebrügge bis unmiltel- bar an die Küste voc in der Absicht, die dortigen Schleusen und Hafenanlagen zu zerstören. Gleichzeitig sollte nach Aussacken von Gefangenen eine Abteilung von 4 Konn pagnten Seesoldateu (royal marines) die Mole von Zeebrügge handstreichartig besetzen, um alle auf ihr befindlichen baulichen Geschütz- und Kriegsgerätc, sowie die im Hafen befindlichen Fahrzeuge zu vernichten. Nur etwa 40 von ihnen haben die Mole betreten; diese sind teils tot, teils lebend in unsere Hand gefallen. Auf den schmalen hohen Mauern der Mole ist von beiden Seiten mit äußerster Erbitterung gefochten worden. versenkt; ferner wurden 3 Zerstörer und eine größere Anzahl von Torpedobooten durch unser Artilleciefeuec zum Sinken gebracht. Nur einzelne Leute der Besatzung konnten von uns gerettet werden. Außer einer durch Torpedotreffer verursachten Beschädigung der Mole sind unsere Hafenanlagen und Küstenbaiterien völlig unversehrt. Bon unseren Seestceitkcäften erlitt nur ein Torpedoboot Beschädigungen leichterer Act. Unsere Menschen- verluste sind gering. Der Chef des Admicalstabes der Marine. wtb. 1918. Großes Hauptquartier, 25. April Westlicher Kriegsschauplatz: Auf dem Schlachtfeld an der Lys scheiterte ein starker Gegenangriff der Franzosen gegen die Höhen von Vleugelhoek unter schweren Verlusten. Oertltche Kämpfe nordwestlich von Bethune, bei Frstubect und zu beiden Seiten der Scaipe. — Südlich von der Somme griffen wir Engländer und Franzosen bet und südlich von Villers Bretonnevx an. In hartem Kampfe bahnte sich unsere Infanterie den Weg durch die Maschinengewehrnester des Feindes. Panzerwagen haben sie hierbei wirksam unterstützt. Wir nahmen den vielumkämpften Ort Hangard. — Auf dcm Westufec der Avre trugen wir unsere Linien an die Höhen nordwestlich von Castel vor. Den ganzen Tag über führte der Feind mit seinen auf dem Kampffeld bereitgestelltcn von rückwärts hec- angeholten Unterstützungen heftige Gegenangriffe. Sie brachen blutig zusammen. Erbitterte Kämpfe dauerten in dem gewonnenen Gelände die Nacht hindurch an. Mehr als 2000 Gefangene blieben in unserer Hand. Bier Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre wurden erbeutet. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalqucn tiermeister: Ludendorff. » Berlin, 25. April, abends. Die Armee des Generals Sixt von Armin steht im Kampf um den Kcmmel. « I7000 Connen mlenkt. Berlin, 25. Apcil. An der Westküste Englands wurden von unseren U Booten wiederum 17000 Bruttoregistertonnen vern chtet. Unter den versenkten Schiffen war ein tiefbeladenec 5000 Brt.-Dampfer und ein ebenfalls ttcsbeladenec Tankdampfer von 4000 Brt. Der Chef des Admicalstabes der Marine. Der deutfcbe ßoldbeftand und die Teinde. Das Anwachsen des Goldbestandes der Reichsbank macht unseren Feinden und namentlich den feindlichen Finanzzeitschriften fortdauernd viel Kopfzerbrechen. Schon hieraus läßt sich erkennen, daß die Reichsbank mit ihrem Bemühen, den Goldschatz weiter zu verstärken und damit unsere finanzielle Kraft zu steigern, auf dem richtigen Wege ist. Immer wieder wird darauf verwiesen, daß man zunächst die Bestände an Goldwaren in den Juweliergeschäften an sich ziehen sollte. Dieser Vorschlag aber übersieht, daß die Reichsbank selbstverständlich nur den Goldwert bezahlen kann. Daß es ein schreiendes Unrecht wäre, die Juweliecgeschäfte zu zwingen, ihren Gold- Warenbestand zum Goldwert abzugeben, liegt auf der Hand. Es geht also nicht anders: Wer sich der Wichtigkeit des Goldbestandes als des Rückgrats unserer finanziellen Kriegführung und späteren Neuordnung bewußt ist, wird gern und freudig seinen Goldbesitz beisteuern, ohne danach zu sehen, was die Andern tun oder lassen. Und wer es noch nicht weiß, welche Bedeutung der Goldbestand hat, sollte aus den Acußerungen der Feinde die Lehre ziehen: Wenn Euch der deutsche Goldbestand schmerzlich ist, weil er unsere Widerstands- kraft erkennen läßt, so wird jeder Deutsche das seinige tun müssen, ihn zu erhalten und zu steigern. Geheimer Finanzrat Bastian. Die irische Sorge. Wegnahme aller Massen. Die englische Polizei in Irlands Hauptstadt Dublin entfernte alle W a f f ui und Munition uns den Büchsenmachcrläden in Dublin. Wie gemeldet wird, ist eine ähnliche Matzregel in ganz Irland durchgeführt Man erwartet also in Irland schwere Tage. Ter Herausgeber der „Daily News", Gardiner, meint: „Wir stehen am Rande eines furchtbaren Abgrundes." Diese Uebertreibung leistet er sich freilich nur in der Absicht, Lloyd George zu stürzen, aber er tonnte nicht so reden, wenn man sich nicht von der Flandernschlacht im Verein mit der Zren-Unruhe schon bedenkliche Wirkungen verspräche. Gardiner erklärt einfach die Taktik von Lloyd George bei der Wehrpflichterweiterung und des Jren-Homerule für einen „politischen Kniff". „Lloyd George habe gar nicht die Annahme der Wehrpflichtnovelle gewollt, sondern den Fall eines Ministeriums auf Grund des selbstgewählten Konflikts mit dem Parlamente, damit die ernste Lage, die seine unheilvolle Politik an der Westfront herbeigeführt, verdunkelt werde und er das unerfreuliche Geschäft des Re- gierens anderen überlassen könne. Obwohl die Gesetzvorlage eingebracht wurde, als ob sie mit der militärischen Lage im Zusammenhang stünde,, und durch das Unterhaus gepeitscht wurde, als ob der Ausgang der Schlacht davon abhinge, habe sie mit dem Krieg nitchs zu tun. Sie sei eine Kriegserklärung an Irland, die der britischen Armee keinen einzigen weiteren Iren für die gegenwärtige oder selbst für eine künftige Schlacht zuführen würde. Vielleicht werde man Irland schlagen, aber was helfe das, wenn man von den Deutschen geschlagen würde?" Ti.' englische Wut gegen Irland soll nun als letztes Mittel angewendet werden, um den irischen Widerstand zu brechen. Zu dem Zweck malt man die Lage in Flandern schwarz in schwarz. Der bleiche Schrecken soll den in der Jrenfrage noch versöhnlich denkenden Engländern in die Glieder gejagt werden, damit nur ja die Iren aus Flanderns Schlachtbant treibe. Zu dem Zwecke redet man ganz offen von einer Vernichtung des englischen Flandernheeres. Das der alten liberalen Regierung sehr nahestehende Londoner Blatt des wohlhabend gewordenen Teiles der englischen Spießbürger, der sich auch im Alter noch demokratische Instinkte bewahrt hat, „Daily Chronicle", schreibt: „Die Ruinen der Stadt sind von Wytschate aus bedroht, das in den Händen der Deutschen ist. Sollte Ipern geräumt werden müssen, so kann man aber annehmen, daß der Rückzug sehr langsam und auf nicht weit entfernte neue Stellungen, und zwar höchstens bis zum belgischen Ueberschwemmungsgebiet geschehen wird. Jede Gefahr für Calais und Dünkirchen erscheint somit nicht nur ausgeschlossen, sondern es wird auch noch so viel Raum freibleiben, um den großen englischen Heeren die Bewegungsfreiheit zu sichern. Bei der Schätzung des Wertes von Ipern darf man nicht vergessen, daß es eigentlich nur für die Offensive in Betracht kommen konnte, für die Defensive aber ohne Bedeutung ist. Auch der Londoner Korrespondent des „Corriera della Sera" sucht das Publikum über die Bedeutung des voraussichtlichen Falles von Ipern zu beruhigen. Viel wichtiger als dieser Fall sei die sehr beängstigende Tatsache, daß die Deutschen fortfahren, große Heeres Massen von der russischen Front an die Westfront zu werfen. Nach oer „Times" müsse man sich darauf gefaßt machen, daß diese Sendungen von Verstärkungen noch während mehrerer Monate fortdauern werden, und dies sei für die Alliierten die wirkliche und große Gefahr, der die Ententemächte eine Gegenaktion entgegensetzen müssen, um die deutschen Heere in Rußland sestzuhalten." Natürlich weiß das Blatt sehr genau, daß das alles Unsinn ist, was da von Rußland geredet wird. Aber was tut man nicht alles zur Pflege des Kriegswahnsinns in den Massen, zur Einleitung der Heeres- Vermehrung durch die Irländer? Tie hier gestreifte Gegenaktion in Rußland ist seit langem Gegenstand eifrigsten englischen Strebens gewesen. Es hat aber bislang alles nichts genutzt. Ta wird eS erst in dieser Zeit ärgster englischer Niederlagen erst recht nicht gelingen. Ter Dienstzwarrg-Sibwchr-Sonritag. In gal'.; Irland predigte Sonntag die ganze Geist- lichkeit geg.n die Wehrpflicht. Biele Priester nahmen nach Dem (■ ortesdienst großen Volksmengen einen Eid an? den Widerstand gegen die Wehrpflicht ab. Der irische nationalistisch-? (d h. gemäßigte) Abg. Dentin sprach in B elfast or einer Menge von mehreren Tausenden und forderte die Iren dringend auf, in jeder Weise dem Wehrpflichtgesetz die Anerkennung zu versagen. Indem sie diese .Haltung einnähmen, sagte Tevlin, würden sie nur dasselbe tun, was die Uistermänuer gegenüber Homerule getan hätten. In I land soii der Lord-Mayor(Oberbürgermeister) von Dublin nach Amerika geschickt werden, damit er dort mit dem Präsidenten Wilson verhandelt. * Irland und Vcr Friede. Der allgemeine Widerstand, der sich in Irland gegen das neue Wehrgesetz erhebt, wird nicht nur von den offen revolutionären Sinn-Feinern organisiert, sondern auch von den Nationalisten unterstützt. Der neue Führer der Iren im Unterhause. Dillon, hat der englischen Regierung keinen Zweifel darüber gelassen, wie Irland zu der Kriegspolitik steht. In seiner ersten öffentlichen Rede nach seiner Wahl zum Parteiführer stellte er die heuchlerischen Kriegsziele der Engländer in schroffen Gegensatz zu ihrer Haltung gegen Irland und erklärt es laut „Times" vom 18. März als seine wichtigste Aufgabe, „England vor aller Welt zu sagen, daß seine Staatsmänner aufhören müssen, von einem Bund der Völker zu reden, oder vorzugeben, daß dieser Krieg zur Verteidigung der kleinen Nationen geführt werde, bis sie Ordnung im eigenen Hause gemacht und Freiheit einem Lande gegeben haben, das seit 700 Jahren unter ihrer Negierung steht." Der „Manchester Guardian" vom 18. März zieht ans dieser Erklärung den richtigen Schluß, wenn er sagt: „Wie können wir auf dem Friedenskongreß als die Vorkämpfer der kleinen Völker und der Volksfreiheiten erscheinen, wenn wir in demselben Augenblick mit der Unterdrückung des Aufruhrs in einem Lande beschäftigt sind, das wir nur durch Gewalt zu beherrschen imstande sind." Ter Belagerungszustand beginnt. England will es bei dem unglücklichen Irland auf Biegen oder Brechen treiben: Die Militärbehörden übernahmen die hauptsächlichsten Eisenbahnen. Postämter und Telephonbureaus in Irland. Was die Pariser an ihre Frontsoldaten schreiben. Aus den im Westen jüngst erbeuteten französischen Briefen setzt sich mosaikartig ein anschauliches Bild zusammen, das getreu die Stimmung der Bevölkerung, insonderheit der Pariser, widerspiegelt. Aus diesen Familienbriesen der Heimat an die Front geht nur allzu klar hervor, wie wenig zuversichtlich die Kriegsstimmung in Frankreich ist, von der die großen Zeitungen uns tagtäglich nicht Rühmenswertes genug berichten können. Diese nicht für die Oeffentüchkeit bestimmten brieflichen Aeutzerungen tragen nicht die amtliche Schminke der Zensur; sie zeigen nur zu dent- lich. wie der Franzose unter dein Krieg leidet und je eher je lieber Frieden haben möchte. Im Mittelpunkt aller Erörterungen stehen natürlich die erfolgreichen Fliegerangriffe auf Paris, die unsere Helden ' der Luft in gerechter Wiedervergeltung für französische Bombenwürfe ans offene deutsche Städte hinter der Front mit Schneid und Unermüdlichkeit ausführen. Ein Kommentar ist überflüssig und die wort- ! getreue Wiedergabe einzelner Briefstellen mag am besten die wahre Auffassung läutern. der kriegerischen Ereignisse er- „Jch konnte dir gestern abend nicht schreiben," so lautet ein Brief, „denn denke dir, die Gothas" (so nennt der Volksmund nufer Bombengeschwader) „waren wieder da? Von 9,15 bis 1 Uhr nachts waren wir im Keller, die Kinder heulten und hatten Angst. Leider hat es wieder viele Menschen gekostet: am Place de la Republique und in der Nähe des Montmartre." — „Ich glaube, sie haben sich verschworen, die schönsten Städte zu zerstören. Nancy ereilt dasselbe Schicksal wie Reims. Wenn doch der Krieg endlich einmal zu Ende wäre!" „In der Nähe des Faubourg Montmartre ist ein siebenstöckiges Haus eingestürzt." — ,Seit Mitte Februar baut man die Porte St. Denis mit gefüllten Sandsäcken zu." — „Sie haben überall Bomben abgeworfen und viel Schaden angerichtet, besonders in dem Faubourg Montmartre, RÜe Geof- froy-Marie Rue Drouot, Rue Lafitte. Wer Geld hat, bleibt nicht in Paris." — „In Mitry (Seine) schießen sie aus die Flieger, aber sie können es nicht verhindern, daß von 60 Fliegern 40 bis nach Paris kommen. Durch diese Fliegerangriffe leidet das Geschäft sehr." — „An der Untergrundbahnstatioil „Bolivar" gab es 47 Tote und 150 Verletzte, von denen die Zeitungen nichts berichten. An dieser Station sind keine Bomben gefallen, da aber die Station als Unterstand dient, wollte sich die Menge dorthin flüchten. Die Treppe war natürlich für 'diese Menschenwelle nicht breit genug, und viele versuchten, die Rolltreppe (l'escalier mobile) zu benutzen; diese Treppe hatte man zwecks Reparatur entfernt. Nun rissen die Leute in ihrer Angst die Schutzbretter ab und stürzten so zwei Stockwerke tief in den Schacht. Die einen fielen auf die andern. Viele wurden verstümmelt, andere erstickten. Einige versuchten in ihrer Todesangst sich einen Weg mit dem Messer zu bahnen. — An der Untergrundbahnstativn „Place de la Republique" wurden 15 Personen vom elektrischen Schlag getroffen. Man hatte den Strom ausgeschaltet, um das Gleise betreten zu können. Irgend jemand hatte den Strom wieder eingeschaltet, wahrscheinlich ein Boche (!), und alle, die das Geleise berührten, wurden vom Schlag getroffen. — In 46 Straßen haben sie Bomben gesät. In: Kriegsministerium hat es vier Tote gegeben." Sehr bemerkenswert ist ein Brief aus der Provinz, der besonders seines Nachsatzes wegen Beachtung verdient. „Sie haben es aus die Pariser abgesehen. Hoffentlich kommen sie nicht nach Mittelfrankreick); sollte es der Fall sein, würde man sich vielleicht etwas mehr um den Krieg kümmern. — Merkwürdig, je mehr Hilfe wir bekommen, desto stärker werden die Deutschen!" Einen weiten Raum nehmen auch die Berichte über die Explosion iy St. Denis ein. „Schrecklich, gestern nachmittag 2 Uhr flog die Munitionsfabrik in die Luft. Die genaue Zahl der Toten und Verwundeten wird man nie erfahren, man schätzt sie in die Tausend. In ganz Paris sind die Fensterscheiben zersplittert und es fehlt an Glas. Hört denn der Krieg gar nicht mehr auf?" — „Ich sah den Tod vor Augen. Viele waren wie wahnsinnig und durch den Pulverstaub ganz unkenntlich. Das ist wieder Spionage! Ich bin glücklich, daß ich noch lebe, Hetzt bin ich aber wieder ohne Arbeit, da die Fabriken zerstört sind." Sehr wenig schmeichelhaft ist das Urteil über die Bundesbrüder von jenseits des großen Teiches. „Wir sind Amerikaner geworden!" ruft einer aus. „Dü Polizei wird von ihnen auögeübt, und jeder muh seinen Patz mit seiner Photographie haben!" Und freu im eigenen Lande, in La Rochelle! „Man spricht davon, daß die Amerikaner den Ab- schnitt Verdun übernehmen würden; es wäre auch bald Zeit, daß sie uns wirklich helfen würden!" Ein Brief aus Nantes berichtet, daß über die Stadt der Kriegszustand verhängt werden soll. Die Amerikaner üben auch hier die Polizeiaufsicht sehr streng aus. „Ueberall führen sie große Arbeiten aus; das Seminar wird von ihnen als Lazarett eingerichtet." Wo bleibt das Selbstbestimmungsrecht der Nationen? Scherz und Ernst. tk Eine drastische Zurechtweisung erfuhr in einem Gasthause zu Oldisburg bei Rumburg ein Tscheche, der sich daselbst ein Glas Bier bestellte, aber ein Glas verlangte, aus dem noch kein Deutscher getrunken habe. Die Kellnerin meldete dies dem Wirt, der ohne Zögern dem tschechischen Gaste ein anderen Zwecken geweihtes „Geschirr" vorsetzte mit der Versicherung, daß daraus noch kein Deutscher getrunken habe. Unter dem Hohngelächter der übrigen Gäste entfernte sich darauf der tschechische Nationalheld aus dem Lokal. tt „Honigmann und Fagnrc." Aus den von den Bolschewisten veröffentlichten Geheimdokumenten ist noch eine Veröffentlichung aus dem Anfang Februar ans Licht zu ziehen, die auf die „große Journalistik" des Auslandes allerlei Licht wirst. Die bezügliche Veröffentlichung lautet: „Geheimtelegramm der Botschaft in Paris von der Presse-Abteilung in Geheimschrift. 7. Februar 1917. Nr. 402. Bitte um telegraphische Antwort. In Annahme der Möglichkeit, für die befreundeten Mächte des Verbandes aus der literarischen Tätigkeit der rumänischen Journalisten Honigmann und Fagure, die sich jetzt in Paris im „Hotel' Manchester" aushalten, Nutzen zu ziehen, würde das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten es für wünschenswert halten, sie materiell zu unterstützen, indem es ihnen eine Unterstützung von 300 Rubel monatlich für jeden gewährt. Vielleicht würden die englische Botschaft und die französische Negierung einverstanden sein, einen entsprechenden Anteil zu dieser Unterstützung auf sich zu nehmen. Im Falle des Einverständnisses werden wir unseren Teil absenden. - (Unterschrift.) Polowzew." Und diese Elemente haben leider an der Schuld am Kriege ihren redlichen Anteil. Sie halfen der Königin Marie, das unglückliche Land in den Krieg zu treiben. tk Ter Tiplomat. In einein seiner Werke sagt Thiers von einem Diplomaten: „Ein echter Tiplomat muß sein kalt wie Eis, hart 'wie Stein, glatt wie ein Aal, neugierig wie ein Zeitungsschreiber, stumm wie ein Fisch, mißtrauisch wie .ein Geizhals, klug wie eine Schlange, beweglich wie ein Wetterhahn, listig wie ein Fuchs und halsstarrig wie ein alrer Gefangenenwärter. Pom care zum auFsteigenden FliegerAlso recht viel Frauen Wd Kinder in Deutschland morden, dann gibts das Kreuz der Ehrenlegion !" Humoristisches. Wahre Gcschichtcherr. Die Korporale sitzen traulich vereint in ihrer Bilde in Ortsunterkunft. Die Abendtafel ist ausgehoben, jeder mit Lesen oder Schreiben beschäftigt. Tiefe Stille. Plötzlich läßt sich der Schlaueste veknehmen: „I moanet halt, bös Berdöng müßten wir von hinten nehmen, von vorne kriagn mir's a doch net." * Unter den verschiedenen Weihnächtspaketchen, die mir letztes Jahr zugedacht waren, befand sich auch eines von der Frauengruppe in £. Ein Kärtchen von einem lieben deutschen Mädel lag bei — nach Antwort verlangend. Sie würde gerne öfter von Den tapferen Feldgrauen hören. Selbstverständlich wurde gedankt, anstandshalber. Ein reger Briefwechsel entspann sich, dem es nicht an weiteren Paketen mangelte. Mit der Zeit regte sich bei mir der sicherlich berechtigte Wunsch, meine Dame von Angesicht kennen zu lernen. Da dies der großen Entfernung wegen aber nicht möglich war, bat ich um freundliche Zusendung ihres Konterfeis. Höre und entschuldige, lieber Kamerad — das liebe deutsche Mädel hatte sich seit 39 Jahren nicht mehr photographieren lassen. * Das Bataillon kommt nach schweren Kämpfen in „Ruhe". Es soll ein Unterhaltungsabend veranstaltet werden, und der Bataillons-Gewaltige wünscht, dag für diesen Abend ein Männerchor ans Angehörigen aller vier Kompagnien gebildet werde. Unser Spieß läßt die Kompagnie antreten. Ein kurzes Ueberlegen. dann befiehlt er: „Die Lehrer vortreten: 1. Tenor! — Die anderen Einjährigen links raus: 2. Tenor! — Die Kausleute vortreten: 1. Baß!. — Gastwirte, Bierbrauer und Bierkutscher rechts raus: 2. Baß!" Der Gesangverein war gegründet. Nur stellte sich bei der ersten Probe heraus, daß unter den Lehrern und Einjährigen ein paar samose Bässe waren, während die für den Baß bestimmten Leute teils gar nicht, teils nur Tenor singen konnten. (Der Champagne-Kamerad.) Die Japaner scheinen mehr Heiterkeit zu erregen als Zuversicht einzuflößen. Ein Brief ans Marseille erzählt sehr lakonisch von diesen Bundesbrüdern: „Wir waren vorgestern am Hasen und waren zugegen, als die Japaner ansgeladen wurden. Sie fangen recht laut, aber verstanden habe ich nichts. Sie marschierten, als wenn sie in einem Kohlrübenseld spazierengingen." Wre sehr der ungehemmte U-Bootkrieg selbst dem Franzmann zu schaffen «nacht, beweist jeder Briefs aufs deutlichste. Selbst die Schokolade ist in Frankreich ausgegaligen. „Leider kann ich dir keine Schokolade schicken, nirgends ist solche zu haben. Täglich bekommen wir nur noch 300 Grainm Brot, damit kann doch keiner arbeiten." — außerdem beginnt hier schon vieles zu fehlen, und man bekommt den Krieg am eigenen Leibe zu spüren! - Bringe Tabak für deinen Großvater mit und für mich: seit Wochen haben wir keinen mehr gesehen, im Geschäft habe ich schon lange keinen inehr." Ein Brief aus Bourges faßt alles in die wenigen. aber bezeichnenden Worte zusammen: „. . . mit der Verpflegung sieht es hier faul ans!" Möchten doch Clemencean und alle Mitverantwortlichen sich recht eingehend in das Studium dieser Briese vertiefen! Ob sie dann auch noch so entzückt wären? Und mag aber die rrtedergeschlagene Stimmung in Frankreich, die sich in diesen Briefen kundgibt iutt> für die es Hunderte von Belegen gibt, ein verheißendes Anzeichen sein, daß der Tag der völligen Ernüchterung und der Erkenntnis nicht mehr allznfern ist. Die Furcht vor neuen Schlägen. Was wird Hindenburg tun? Die öffentliche Meinung iit London läßt sich in zwei Gruppen teilen: die eine glaubt, xs würde au der Lys und in Flandern zu einem Stillstände, ähnlich wie bei Amiens, kommen; aber die Offensive Hinden- bnrgS würde an einem dritten Punkte losbrechen. Die zweite Gruppe vertritt die Ansicht, daß auf den beiden Kampfgebieten — an der Somme und an der Lys — der Kamps zum bitteren Ende geführt werde, und zwar deshalb, weil weder die Deutschen nach die Alliierten in der gegenwärtigen (Situation verharren . könnten. Die Tatsache, daß den Deutschen ein dritter Stoß zugetrant wird, beweist, wie wenig »nan von den täglichen Kehrreimen über die „gewaltigen deutschen Verluste" hält. Vielmehr neigt man der Meinung zu, daß sich in den letzten Kampftagen die Mannschaftseinbuße auf britischer Seite bedenklich erhöhte, wahrscheinlich die Opfer der Sommeschlacht übertroffen hat. Tie Ueberzeugung, es werde den Deutschen — falls sie dies wollen — unmöglich sein, den Weg nach Cassel—BergneS—Dünkirchen freizuniachen, ist in Londoner Kreisen nur sehr schwach vertreten. Bor der AngriffSkrast des Gegners besitzt man heute in ganz England einen ungeheuren Respekt. Nach Ansicht breiter Kreise iväre es geboten, den Kanalabschnitt zu einem englisch-französischen Bollwerk zu machen. Die Idee einer strategischen Räumung der gesaniten flandrischen Linie findet eifrige Fürsprecher. Wenn das Landstück Calais— ArraS—Abbeville —Le Havre intakt bliebe, so würde inan den Rest der heutigen englischen und belgischen Front opfern. Tiefe Ränmungsstrategen warnen aber vor iveiterer Anhäufung der Verluste. Nach Londoner Meldungen ist dieses Rettnngsmittel im Volke als sehr „vernünftig" beurtei.t worden. So könnte man „ans die Amerikaner warten" . . . Erfundene deutsche Verluste. Der französische Nachrichtendienst vom 20. April versucht wieder einmal durch Hinweis auf die nnge- heuren deutschen Verluste die niedergedrückte Stiin- mung des Landes über die neueste englische Niederlage an der LchS zu heben, zumal auch diesmal wieder französische Divisionen dort schwer bluten mußten. Ungeschickterweise führen die Franzosen aber hierbei die angeblich vernichteten Divisionen und Regimenter mit Nummern auf. Dadurch ist es möglich, festzustellen, daß entweder bei diesen Regimentern die Toten wieder lebendig werden, oder daß die Franzosen absichtlich derartige falsche Nachrichten verbreiten. Bei keinem der genannten Truppenteile kann von gänzlicher oder halber Vernichtung die Rede sein. Die Kompagnien weisen keine Verluste auf, die über das gewöhnliche Maß hinausgehen. Sie stehen sämtlich noch tm Kampf. Kein deutsches Regiment mußte infolge von Verlust aus dem Kampf gezogen werden. Hätten aber die Franzosen mit ihrer Behauptung Recht, so wäre das lediglich ein Schwächezugeständnis der englischen und französischen Heere, die nicht einmal mit an- geblich so dezimierten Gegnern fertig werden. Allgemeine Kriegsnachrichten. Frankreichs Schuld am Weltkriege Tie norwegische Zeitung „Tidens Tegn", ein von der Entente lebendes Hetzblatt, hat behauptet, der ehemalige deutsche Botschafter in Paris, Exzellenz v. Schön, habe bei seinem Weggang aus Paris bei Krie^ans^ brnch ausdrücklich bestätigt, die französische Regierung habe alles, was in ihrer Kraft ftel^, getan, um den Krieg zu vermeiden. Cxz. v. Schön hat WTB. zu der Erklärung ermächtigt, daß. Exz. v. Schön weder in Paris noch sonst jemals eine derartige Aeußerung getan, vielmehr stets betont hat, daß Frankreich, da wo es zur Vermeidung des Krieges dringend geboten war, nämlich in Petersburg, den Hebel nicht eingesetzt und dadurch die Mitschuld an der Katastrophe auf sich geladen habe. Von der Hintertreppe des Krieges. Der Abteilungsleiter im italienischen Waffen- und MünitionSministerinm Vincenzo Bonamico, der demselben Ministerium zugcteilte Hauptmann Angnsto Bonifazi und der Feldapotheker Carlo Bozzetti ans dein Krte^ministerium wurden auf Ersuchen des Waffen- und Mnnttionsmintsters verhaftet und wegen verschiedener Bergehungen zum Schaden der Verwaltung vor Gericht gestellt. ErmorVung des Kriegsministers der finnischen Roten Wie „Stockholms Tidningen" erfährt, haben die Roten Gardisten ihren Kriegsminister Haapalatnen ermordet, weil sie unter seiner Führung so große Verluste erlitten haben. Haapolainen war vor der Revo- tutiüit Vertrauensmann der Säge'werksarbeiter und wurde zuerst Zivilminister und später Krieqsminister der Roten. Rache den Kriegsnrhcbern. In der Moldau hat sich unter der Bezeichnung Llga Parintilvr (Bund der Eltern) eine Vereinigung gebildet, die mit äußerstem Nachdrucke die Bestrafung lener fordert, die Rumänien in den Krieg gedrängt haben. Der neue Bund richtet an die Bevölkerung euren Aufruf, in deni in leidenschaftlichen Worten der Erbitterung breiter Schichten des Volkes gegen die Politiker, die das Land ins Unglück gestürzt haben. Ausdruck gegeben wird. Schuld an dem Kriege haben neben der eng- landbegeistertcn Königin Marie die Minister Bratianu und Take Joneseu. Diese beiden aber sind doch «lach England abgereist, wo ihnen die Rumänen die durch ihre Teilnahme am Kriege erworbenen Vermögen sicher nicht »verden nehmen können. In Lille verzweifeln die Franzosen. Die Bevölkerung von Lille hatte sich vor allen anderen französischen Städten während der letzten drei Jahre besonders deutschfeindlich gezeigt. Jetzt scheint mit einem Male eine Sinnesänderung eingetreten zu sein. Seit Beginn der siegreichen deutschen Offensive hat man in Lille begonnen, von Frieden zu reden. Ucberall hört man die Möglichkeit der Beendigung des Krieges erörtern und diesbezügliche Wünsche äußern. Die Hoffnung auf einen Sieg über Deutschland ist anfgegeben. Besondere Verstimmung herrscht darüber. daß Frankreich sich für England verbluten >nnß und dadurch dem Ruin entgegengeht. Tie Verzettelung der französischen Reserven behandelt Hauptmann C. Meyer im „St. Baller Tagblatt". Er schildert da, wie durch die deutschen Maßnahmen die französische Reservearmee nach verschiedenen Schauplätzen zerrissen wurde. Dann sagt er: „Das ist zweifellos gellau das, was die deutsche Heeresleitung nach der Lage anstrebte. Nichts kann ihr willkvnunener sein als diese Verzettelung der in ihrer Geschlossenheit gefährlichen, in der Zersplitterung nicht zu fürchtenden französischen Manövrier- armeeit. Letztere.sind bereits derart weit von ihrem ursprünglichen Standort, in der Nähe von Paris, abgezogen, daß nichts die deutsche Heeresleitung hin- dert. an neuer Stelle zu einem ebenso überraschenden Zertrüininernngsschlage auszuholen oder durch pendelndes Vorgehen der beiden großen Einbrnchsgrnppen das Jonglierspiel solange fortzusetzen, bis letzterem der Atem ansgeht. Es ist daher ein neuer Trugschluß, dem sich die Franzosen und Engländer hingeben, wenn sie ans dem unzweifelhaft hervorragenden Geschick, mit dem die bisherigen Stöße pariert wurden, und daraus, daß auch an der neuen Einbruchstelle eine Pause im Vorrücken eingetreten ist, schließen, die Gefahr sei beschworen." Fortgesetzte Beschießung von Paris. Das weittragende Geschütz setzte am Sonntag die Beschießung von Paris fort. HavaS meldet, es seien keine Opfer zu verzeichnen. Kleine Kriegsnachrichtcn. " Das amerikanische Parlament, das Repräsentantenhaus, hat einstimmig das Marinegesetz angenom- men das der Flotte 1312 Millionen Dollar zur Verfügung stellt. " Eilt italienisches Flugzeug, das über den Ln- aauer-See nach der Schweiz geflogen war. stürzte nach Meldung eines Lokalblattes in Magcjia bei Locarno ab. " Kammerinterpellationen in Ron: beweisen, daß Ankona am 6. April erfolgreich vom Meere aus beschossen wurde. " Tie italienischen Minister Orlando nnb Bianchi sind ans Rom in Paris eingetroffen. ‘ Tie nordamerikanische PostdirekUon gibt bekannt, daß am 15. Mai ein Lnstpostdienst zwischen Newyork und Washington über Philadelphia eröffnet werden soll. — Solche Luftposten sind bereits viele eröffnet worden; aber alle sind schnell wieder verschwunden. Tie Entfernung von Newyork, der wirtschaftlich bedeutendsten Stadt Nordamerikas, von der südlicher gelegenen Bundeshauptstadt Washington, beträgt 238 Meilen, und die Flugdauer ist auf 4 Stunden angesetzt. Eine Stunde nach Ankunft des Flugzeuges soll die Post abgeliefert werden. Das Postamt wird Flugzeuge von einer Schnelligkeit von 00 Meilen iit der Stunde in Betrieb setzen und Postsäcke von 300 Pfund befördern lassen. Politische Rundschau. Ter frühere freisinnige Reichstagsabgeordnete Rektor Julius Herrmann. Vizepräsident des alten- bnrgischen Landtags, ist in Kahla im 71 Lebensjahr gestorben. - Herzog Friedrich II. von Anhalt ist auf Schloß Ballenstedt Sonntag abend kurz vor 7 Uhr verschieden. Wie „Havas" ans Madrid meldet, hat die spanische Regierung die Ausfuhr von Tabak verboten. * :: Tcr Sowjctbotschaster in Amt und Würden Herr Adolf Joffe hat dem Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt. Freiherrn von dem Bussche-Hadden- hausen, als Vertreter des erkrankten Staatssekretärs von Kühlmann am 20. April im Auswärtigen Amt sein Beglaubigungsschreiben als beglaubigter Vertreter der Russischen Sozialen Föderativen Sowjet-Republik übergeben. Taö Gebäude der russischen Gesandtschaft Unter den Linden wird zurzeit für den ehemaligen Revo- lutionär des russischen Schlachtschiffes „Knjäs Potemkin" und langjährigen Sträfling in Sibirien hergerichtet. — Josse ist von Haus aus Jurist. Er ist ans beit Friedensvcrhandlnngen in Brest-Litowsk bekannt. :: Eine Prüfung der Rechnungen der Kriegsgescll- schasten soll nach einem Beschluß des mit der Prüfung der Kriegßlieferungen betrauten Unterausschusses des Reichstages durch in die Materie eingearbeitete Reichstagsabgeordnete erfolgen. Die Leiter des Kriegsamtes und der Kricgsrohstoffabteilung erklärten sich damit einverstanden. Zur Demobilisierung hat der Abg. Weinhausen (Vp.) im Reichstage folgende kleine Anfrage eingebracht. „In weiten Kreisen der jüngeren Kriegsteilnehmer herrscht Beunruhigung über angeblich vorbereitete Demobilisierungspläne der Heeresverrvaltung. Nach ihnen würden alle Kriegsteilnehmer, die während des Krieges freiwillig eingetreten sind oder eingestellt wurden, bevor sie das 20. Lebensjahr vollendet hatten, nach der Demobilisierung zurückgehalten werden, um noch ihre ganze aktive Dienstzeit nachzudienen. Ist der Herr Reichskanzler bereit, hierüber AnjklärunZ zu geben?" Keine Verhandlungen zwischen Negierung und Neichstagsmehrheit. Die Mitteilung einer Korrespondenz daß zwischen Regierung und Neichstagsmehrheit Verhandlungen über die Außerkraftsetzung der Frie- densresolution vorn letzten Sommer schweben, ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, unrichtig. :: Die Verhandlungen mit Rumänien. Im Befinden Herrn v. Kühlmanns ist eine weitere Besserung zu verzeichnen, imnierhin muß er sich für die nächsten Tage noch Schonung auferlegen, da er für Ende dieser Woche die Abreise nach Bukarest zum Abschluß der Friedensverhandlungen in Aussicht genommen hat. Zu gleicher Zeit begibt sich übrigens auch Baron Bu- rian in die rumänische Hauptstadt, so daß dessen Berliner Besuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden mußte. Ob es in den nächsten Tagen endlich zur Unterzeichnung des Friedens mit Rumänien kommen wird, ist noch nicht sicher; daß bisher alle für diesen Ziveck erforderlichen Unterschriften noch nicht beigebracht werden konnten, ist im Grunde nicht verwunderlich, da es sich um ein sehr vielseitiges Vertragswert ' unter einer ganzen Reihe von Staaten handelt. Soweit Deutschland in Frage kommt, scheint für die Unterzeichnung des Vertrages alles bereit zu sein. Türkei: Ausschreitungen der Armenier. -* Während die Häupter der armenischen Propaganda mir Erbitterung sich dem Werke der Verleumdung gegen die Türken als angebliche Verfolger des armenischen Volkes hingeben, setzen Banden ihrer Stam- inesgenossen mit nicht geringerer Erbitterung das Werk der Ausrottung gegen die unglückliche muselmanische Bevölkerung unserer östlichen Provinzen Transkau- kasiens fort. Tie Zahl ihrer Opfer beläuft sich allein in der Gegend von Erivan auf 5000. Nach zuverlässigen Nachrichten dauerte das Blutbad eine Woche lang an. Mehr als 40 000 Muselmanen konnten allein dadurch dem Tode entgehen, daß sie die Flucht ergriffen und ohne Obdach und ohne Nahrung umherirrten. Unter den wenigen, die sich verinittels eines Lösegeldes von 70 000 Rubeln dem Blutbade entziehen konnten, befinden sich die Dörfer Hadschi, Ilias und Hodscha. In der Stadt Erivan wurden am 20. Febr. hundert Muselmanen getötet/ fünfzig verwundet, die muselmanischen Läden geplündert und eine Moschee zerstört. Ter Sachschaden wird auf hundert Millionen geschätzt. Holland: Amerika will holländische Kolonien rauben. L lieber die westindischen Kolonien besagt eine holländische Regierungsdenkschrift, daß die in den Vereinigten Staaten zur Sprache gekommenen Ideen über den Ankauf holländischer Besitzungen in Weftindien der Aufmerksamkeit der holländischen Regierung nicht entgangen sind. Es dürfe aber angenommen werden, daß dieses Streben nicht über den Rahinen akademischer Betrachtungen hinausgegangen sei. Aus aller Welt. ** Blindgänger bei der Viehherde. Auf dem Truppenübungsplatz bei Saargemünd fanden zwei mit Viehhüten beschäftigte Knaben einen Blindgänger, mit welchem sie herumspielten. Plötzlich .explodierte das Geschoß, und die zwei Jungen wurden ans der Stelle getötet. ** Acnßerlich? Die polnische Arbeiterin Katharina Schochow in Bachtsbüttel (bei Gifhorn) hatte vom Arzt ein E i n r e i b u n g s m i 11 e I verschrieben erhalten. Anscheinend in ihrer Unkenntnis der deutschen Sprache hat sie das Einreibungsmittel eingenommen und ist unter großen Qualen gestorben. ** Der Bock als Gärtner. In Köln witrden in einem Seidenlager für 120 000 Mark Waren gestohlen. Der Wächter wurde am anderen Morgen mit einem Knebel im Munde aufgefunden. Jetzt hat sich herausgestellt, daß der Kriminalschutzmann Hartmann, in dessen Wohnung man fast noch die ganze Beute fand, den Diebstahl zusammen mit dem Wächter ausgesührt hat. Kriminalist und Wächter wurden in Hast ge- nommen. Gerichtssaal. i Ein Rittergutsbesitzer wegen Mißhandlung verurteilt. Die Strafkammer des Landgerichts in Rostock hat in der Berufungsinstanz den Rittergutsbesitzer Wilh. v. Oertzen-Roggow ivegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte einen Schnitter, der einen Korndiebstahl verübt hatte, in den Park geführt, ihn dort entkleidet, festgebnnden und mit einem Reitstock geprügelt. In der Begründung hob der Gerichtshof hervor, daß der Angeklagte in seiner sozialen und wirtschaftlichen Stellung die Tat nicht begehen durfte, und daß er nicht in der Aufregung, sondern in aller Ruhe gehandelt habe. Das Urteil der ersten Instanz hatte ans 1 Monat Gefängnis gelautet. :\z Die Elbinger Walerrhaustttmultc. In Elbing waren zahlreiche Personen, die sich zu einem Sturm ans ein Warenhaus znsammengetan hatten, als Aufrührer zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die Strafen waren auch im Reichstage zur Sprache gekommen. Der Justizminister hat jetzt angeordnet, daß nach Verbüßung der Hälfte der verhängten Strafen der bedingte Straferlaß bei den Verurteilten in AiNvendung kommen kann, die sich im Gefängnis gilt geführt haben und deren Straftat nicht schwerer Art ist. wtb. Großes Hauptquartier, 26. April 1918 Westlicher Kriegsschauplatz: Der Angriff der Armee des General Si'xl v. Armin gegen den Kemmel führte zu vollem Erfolge. Der Kcmmel, die weit in die flandrische Ebene blickende Höhe, ist in u n s e r e m B e s i tz. — Nach starker artilleristischer Feuerwirkung brach dre Infanterie der Generale Sieger und v. bberhard gestern morgen zum Sturm vor. Französische D visionen, im Rahmen englischer Truppen mit der Verteidigung dci»b«,a«r,. Der Uornizende. Zeitgemässe Schlager für Versandtgeschäfte, Schuhgeschäfte, Drogisten, Parfümerien, Händler usw. BUTZWEISS macht getragene, schmutzige Plättwäsche Ohne Wäschen und Plätten in 5 Minuten frisch, steif und blitzweisse. 1 Dose für 100 Kragen ausreichend Mk. 1.25. 2 Karton ä 16 Dosen Mk. 32.— Nachnahme. ONOL, der Handschuhreiniger für alle Sorten Handschuhe ohne Seife und Benzin. D. R. P. ang. 1 eleg. Dose für 15 Paar Handschuhe Mk. 2.50 20 Dosen Mk. 40.— Nachnahme Umtausch gestattet. Grossisten erhalt. Rabatt. Vertreter gesucht. 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Meistens sind ganz früh und spät, dann aber namentlich die Züge zwischen 9 und 4 Uhr der Tageszeit für den Sonntagsverkehr gestrichen. Die D stähle bei der Dost. Um die Rach- und Abschubgüter des Heeres sowie die Privatsendungen an die Front und von der Front gegen Beraubung, Diebstahl und Unterschlagung zu schützen, sind besondere militärische Rach- und Abschubüberwachungsstellen in einer Reihe von Städten, so auch in Frankfurt a. M., eingerichtet worden. Durch diese Kommandos sind in der Zeit vom 1 August 1917 bis zum 28. Februar 1918 über 1000 strafbare Fälle aufgeklärt, 2341 Täter ermittelt und gestohlene bezw. unterschlagene Gegenstände im Werte von über 765000 Mk. der Heeresverwaltung wieder zugeführt worden. Ml r - a. M. In geschlossener Versammlung für Mitglieder und Freunde der Deutschen Vaterlandspartei, Ortsgruppe Frankfurt a. M. spricht kommenden Montag, den 29. April, der sozialdemokratische Stadtverordnete Krumm-Gießen über das Thema: „Warum müssen wir eine Kriegsentschädigung fordern? " Verantwortlich: Albin Klein in Gießen. ciicktige Dreher u. Schlosser für dauernd sofort gesucht. Södel $ üppef Alicestraße 25. soooo Wen fast neu, einmal gebraucht 62 cm lang, 21 cm breit, 36 cm hoch (innen), 18 mm stark, mit Traggriffen, Deckel mit Scharnieren und Pat.-Berschluß per Sck. 2.65 Mk. fr. Wagg. rhein. Bahnstation. Gottfried Zimmcrmann, Köln-Ehrenf Ehrenfeldgürtel 100. Tel. B 109. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 28. April (Cantate. In der Stadtkirche Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Vounittags 9*/s Uhr: Pfarrer Mahr. — Vormittags 11 Uhr: Militäcgottesd^nst. Pfarrer Schwabe. — Nachmittags 2 Uhr: Kinderk'cche für die Matthäusgemeindc. Pfarrer Mahr. In d e r I o h a n n c s k i r ch e. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonficmlerten aus der Johannesgkmeinde. Pfarrer Ausseld. — Vormittags 9 l /a Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Vormittags 11 Uhr: Ktnderktrche für die Lukasgcmcinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Ganze Größe und Rückenbreite angeben. Tabriklager OJeinheimer, Düffeldorf, Schäferstr. 16 . Bolmermasfe Ia. Qual., gelbe Ware. 1 Pfd.- Dose Mk. 5,50. Postpaket euch. 9 Dosen Mk. 50,— ein fehl. Porto gegen Nachnahme. Grüß. Posten billiger. H. Bahren, Bremen, Osterfeuerbergstraße Nr. 26. Fernsprecher 3381. CUtideislförbe für Gärtner, Landwirte, Obst- händl. ca. 55 cm Durchmesser mit Deckel enorm billig per Stück Mk. 4.50 Probesendung von 5 Stück, gegen Nachnahme. H. Dauth, Frankfurt a. M. Taunusstraße 27. MK°Wlerdelen ca. 115 cm lg., 100 Sick. M. 120.— 3(11 ert Schwiun, Kronweiler a. d. Nahe. 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