vezugspreis 60 pfg. monatlich vierteljährlich IMMk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeh oll in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksen» düng nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gießeuer Zeitung", Gießen. Expedition: Südanlage 21. anzeigenpreis 20 pfg. die 44 mm breite Petitzetle, für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei UeberfchreitungdesZahlungS- ziele- (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießencr Verlagsdruckerei, Albin Klein. Ar. 37. Telephon Nr. 862. Samstag, den 2( ). April 1918. Telephon Nr. 382. 31. Jührg. Die 8. Kriegsanleihe — ein neuer Milliar-ensieg -er Heimatfront. Die Einkreisung von Wern nimmt zu. Scbälrungrweisr Is MMlaraen. Berlin, 19. April. Das Ergebnis der Zeichnungen auf die achte Kriegsanleihe ist bis zur Stunde amtlich noch nicht bekannt gegeben worden, indessen kann nach Urteilen sachverständiger Kreise angenommen werden, daß ein Gesamtbetrag erreicht worden ist, der alle bei früheren Kriegsanleihen erzielten Summen hinter sich läßt. Bei unserer größten Bank halten die Anmeldungen schon reichlich acht Tage vor dem Ablaufe der ZeichnungS- frtft die Gesamtzeichnungen, die bet der Anstalt auf die 7. Kriegsanleihe eingelaufen waren, überschritten. Gerade in den letzten Zeichnungstagen pflegen aber noch große Summen einzulaufen. Die bisher größte deutsche Kriegsanleihe, die sechste, die einen Betrag von fast 13 Milliarden gebracht hatte, dürfte durch die 8. Kriegsanleihe bedeutend überflügelt worden sein. In Finanzkreisen schätzte man am Freitag mittag die Zeichnungssumme auf annähernd 15 Milliarden Mark. Die Einzahlungen auf die achte Kriegsanleihe übersteigen schon jetzt die bei der siebenten Anleihe um 1,7 bis 2 Milliarden Mark. 6oo Schuss auf Dünkirchen und nieuport. Berlin, 18. April. In der Nacht vom 17. auf den 18. April wurde Ostende von See aus beschossen. Militärischer Schaden ist nicht entstanden. Unsere Toc- pedostreitkcäste nahmen am Morgen des 18. April feindliche Lager und Stapelplätze zwischen Dünkirchen und Nieuport mit 600 Schuß unter Feuer. Der Ehef des Admicalstabes der Marine. fleusserfter widerstand. Zürich, 18. April. Der Pariser Vertreter der „Slampa" meldet: Die Kämpfe der nächsten Tage wer- den sich um den außerordentlich wichtigen Eisenbahnknotenpunkt von H a z e b c o u k bewegen. Der Eisenbahnknotenpunkt von Hazebrouk wird von der englischen Heeresleitung als ebenso wichtig wie Amiens angesehen. Sein Verlust müßte den Weg nach Dünkirchen öffnen. Die Verbündeten rüsten zum alleräußersten Widerstand in der Gegend von Apern. 9 flrras und Ypern ifolieri * Zürich, 19. April. Meldungen der „Daily Telegraph" und der „Times" von der Front in Flandern führen die errungenen Fortschritte der Deutschen im Bogen von Bailleul und Armentieres zu einer immer fortschreitenden Isolierung der Festung Arras und des Dp ern gebt et es. » * Basel, 19. April. „Daily Mail" spricht in einem Telegramm von der Front zum ersten mal von der Bedrohung der von Engländern besetzten französischen Kanalhäfen. 9 Holländische Grenze, 18. April. Laut „Am- sterdamer Handelsblatt" meldet der „Daily Expreß": Man erwartet einen großen deutschen Flottenvorstoß, um das Heer zu unterstützen. Jlmtlicbe deutsche Cagesbericbie. Die Beute eines U-Bootes. Berlin, 17. April. Im Sperrgebiet um die Azoren wurde von einem unserer U-Boote in den letzten Wochen 5 Dampfer und 2 Segler versenkt. Hiervon waren be waffnet der griechische Dampfer „Ktthica" von 2240 Brt. und der französische Dampfer „Qued Sebou" von 1540 Brt. Auf dem letzteren befanden sich 150 Soldaten. Die Geschütze, je eine 9 cm- und 7,5 em-Kanonc, wur> den erbeutet. Die für unsere Feinde bestimmten Ladungen warrn besonders wertvoll. Sie bestanden aus Palmöl, Palmkernen, Erdnüssen, Baumwolle, Gummi, Wachs, Eisen, Stahl. Das U-Boot bxachte 27 Tonnen Gummi und 5 Tonnen Wachs für die deutsche Kriegswirtschaft in der Heimat mit. Der Chef des Admiralstabs der Marine. O wtb. Großes Hauptquartier, 18. April 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Der Feind überließ uns gestern große Teile des von ihm in monatelangem Ringen mit ungeheuren Opfern erkauften flandrischen Bodens. Die Armee des Generals Sixt von Arnim nahm, dem schrittweise weichenden Feinde scharf nachdrängend, Poelkapelle, Langemarck undZonnebeke und warf den Feind bis hinter den Steenbach zurück. Südlich vom Blaukaart- fee hemmte ein feindlicher Gegenstoß unser VorwäctS- drängen. — Nördlich von der LyS gewannen wir unter starkem Feuerschutz Boden und säuberten einige Maschinen- gewehrnester. Dle dämpfe der letzten Tage brachten mehr als 2500 Gefangene, einige Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre. — An der ^Schlachtfront zu beiden Seiten der Somme nahm der zeitweilig auflebende Feuerkampf bet Moreuil und Montdidier größere Stärke an. — Auf dem Ostufer der Maas hatten kleine Unternehmungen bei Ornes und Watronvtlle vollen Erfolg und brachten Gefangene ein. Nördlich von Flirey (zwischen Maas und Mosel) scheiterte ein starker fran- zöfischer Vorstoß unter blutigen Verlusten. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorfs. 9 Berlin, 18. April, abends. In Flandern und auf dem Schlachtfeld an der Lhs ist die Lage unver- ändert. — Nordwestlich von Moreuil brachen starke französische Angriffe blutig zusammen. » ein grosser?affagierdampfer versenkt. Berlin, 18. April. Am Morgen des 31. März wurde von einem unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitänleutnant Wilhelm Meyer, ein besonders wertvoller englischer Passagierdampfer, ein Schiff von min- bestens 18 000 Brt. versenkt. An der Versenkungsstelle wurden später Schiffstrümmer und leere Rettungsboote gefunden. Der Chef des Admicalstabes der Marine. »i wtb. Großes Hauptquartier, 19. April 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Auf dem flandrischen Trichterfeld entspannen sich mehrfach kleinere Gefechte unserer Eckundungsabteilungen mit belgischen und englischen Posten. Starke Angriffe, die der Feind von Norden und Nordweften her gegen Wytschaete führte, wurden abgewiesen. Schon bei seiner Bereitstellung erlitt der Feind in unserem Vernichtungsfeuer schwerste Verluste. Zwischen Bailleul und La Bassee starke Kampftätigkeit der Artillerien. Nordwestlich von Bethune stieß unsere Infanterie gegen feindliche Linien nördlich vom La Bassee-Kanal vor und eroberte einige Geschütze. Bei Festubert und Givenchy wurde wechselvoll gekämpft. Wir machten mehr als 600 Ge- fangene. Der seit einigen Tagen an der Avre gesteigerten Feuertätigkeit folgten gestern starke tiesgegliederte französische Angriffe gegen Morisel und Moreuil. Auf beiden Avreufern, durch den Senecawald und zu beiden Seiten der Straße Ailly-Moreuil stürmten dichte Angriffswellen mehrfach vergeblich an. In erbittertem Kampf wurde der Feind unter blutigen Verlusten zurückgeworfen. Starkes Artillertefeuec hielt in diesem Kampfabschnitt auch während der Nacht an. Osten. Ukraine. In Taurien haben wir Tschaplinka und Mclitopol besetzt. Mazedonische Front. Stoßtruppunternehmungen im Cernabogen brachten einige Italiener als Gefangene ein. Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendocff. * Berlin, 19. April, abends. Von den Schlacht- fronten nichts Neues. Nordwestlich von Moreuil hat der Franzose nach den Mißerfolgen des gestrigen Tages seine Angriffe nicht erneuert. Der Krieg gebt um dein Brot, deutscher Arbeiter! Nur zu leicht vergißt man unter der verwirrenden Fülle der fich überstürzenden gewaltigsten Ereignisse, daß dieser Krieg letzten Endes nicht um Serbien oder Belgien, sondern um die deutsche Arbeit und den von ihr mit zähem Fleiß erkämpften Platz an der Somme geführt wird. Nach altem Brauch wollte England den aufsteigenden deutschen Konkurrenten, der durch Geschick und Tüchtigkeit die bequeme Sicherheit der englischen Welthandelsstellung bedrohte, durch Krieg vernichten und sich vom Halse schaffen. Dieses Ziel ist trotz mehr denn dreieinhalb Kciegsjahren und trotz einer übermächtigen Koalition nicht erreicht worden. England kämpft alfo weiter, denn es hat den Krieg verloren, wenn der verhaßte Nebenbuhler nicht für alle Zukunft vom Weltmarkt verdrängt ist. Aber Englands Möglichkeiten, den Krieg nach Belieben zu verlängern und da- durch zu seinen Gunsten zu entscheiden, erscheinen, vor allem durch die Wirksamkeit des U-Boot-Krieges, stack begrenzt. Es ist allmählig, wider alle Ueberlieferung, zum Hauptträger seines Krieges geworden. Sein Geld, seine Lieferungen und Versprechungen genügten nicht mehr, um die abgenutzten und zusammenbrechenden Verbündeten aufrecht zu erhalten. Es muß nun mit der eigenen Volkskcaft und seiner ganzen Wirtschaft für seine Sache eintceten. Und es spürt jetzt am eigenen Leibe bitter die schweren Leiden des Krieges, die täglich zunehmen und härter empfunden werden. Das Weltringen ist dadurch in ein letztes entscheidendes Stadium gerückt. Jetzt handelt es sich um die stärkeren Nerven, die nach einem Worte unseres Hinden- burg den Krieg gewinnen. Auf der ganzen Welt ruht schier unerträglich der Druck der harten Zeit. Wir leiden und entbehren. Aber das gleiche Schicksal erdulden unsere Feinde — vielleicht ein schlimmeres! Da heißt es, die Zähne zusammenbeißen und weiter zu tragen und ducch- zuhalten noch jene verhältnismäßig kurze Frist, die uns vom ersehnten Frieden trennt. Denn wenn wir schwach werden und den Feinden den Engsieg überlassen, den sie nicht auf den Schlachtfeldern draußen, sondern nur durch den geistigen Zusammenbruch Jnnerdeutschlands erringen können, dann wären die Zeiten der Not und der Leiden verewigt. Rache und Raubgier der Gegner kennen keine Grenzen. Was das für das deutsche Volk, nicht allein für die Besitzenden, sondern vornehmlich für die werktätige Bevölkerung bedeutet, zeigt eine einfache Ueberlegung. Die Verwirklichung der französischen Raubansprüche würde hunderttausende von Familien brotlos machen und ins Elend stürzen. Denn die von den Franzosen verlangten linksrheinischen Gebiete sind wichtige deutsche Jndustctereviere, deren Hergabe der deutschen gewerblichen Arbeit die Rohstoffe rauben und sie dadurch zu einem großen Teil stillegen würde. Englands unbestrittene Herrschaft auf den Meeren würde unfern Handel, unsere Ein- und Ausfuhr unter die englische Kontrolle bringen und sie von englischer Willkür ab- hängig machen. Der Verlust unserer Kolonien würde uns jede Aussicht auf eigene Rohstoffversorgung nehmen. Rechnet man zu dieser beabsichtigten und mit einer Niederlage Deutschlands zu verwirklichenden Ecwürgung der deutschen Arbeit noch die Kriegsentschädigung hinzu, die die siegende Entente uns aufbücden würde, so kann nur eine vollkommene Verarmung Deutschlands die Folge sein. Diese Verarmung trifft zuerst die werktätige Bevölkerung, die von ihrer Hände Arbeit lebt. Dem Arbeiter wäre die Grundlage seiner Existenz entzogen. Für ihn wäre in seinem eigenen Vaterlandc kein Platz mehr, er fände keine Beschäftigung mehr, denn ein 70- Millionen-Volk, das auf verhältnismäßig engem Raum zusammengedrängt ist, kann nur durch industrielle Arbeit leben. Ec müßte auswandern und draußen, verachtet und niedergehalten, fremden Völkern als Kulturdünger und Arbeitssklave dienen. Das sollen wir nie vergessen! Der Krieg geht um dein Brot, deutscher Arbeiter! Das Zeldheer braucht dringend Heu und Stroh! Landwirte helft dem Heere! Gntkassung des Landsturm Jahrgangs 1869 Wie kürzlich mitgeteilt, sind die 1869 Geboren und aus Grund der Landsturmaufrufe zu den Fahnen einberu- fenen Landsturmleute spätestens am 30 April zu entlassen, soweit sie nicht freiwillig im Dienste bleiben wollen. Soweit sich solche Leute vorübergehend, beispielsweise als Urlauber im Heimatgebiete aufhalten, find sie von der Verpfichtung zur Rückker ins Feld, zur Etappe oder in das besetzte Gebiet entbunden. Sie haben sich alsbald zu der für sie zuständigen Ersatzformation zu begeben, die ihre Entlassung veranlaßt. Die Gemeindevorstände werden ersucht, die ortsanwesenden Urlauber dieses Jahrganges hiervon in Kenntnis zu sehen. ein Ebrcnfold für HriegstetlneDmer? Die Konservative Partei des Königreichs Sachsen hat der Regierung eine Interpellation überreicht, welche die Fordemng enthält, es solle den heimkehrenden Kriegern ein jährlicher Ehrensold aus Reichsmitteln verabreicht werden. Der Gedanke mag an sich etwas Bestechendes haben, ist aber bei einiger Prüfung volkswirtschaftlich unhaltbar. Es besteht ja darüber heute kein Streit mehr, daß für den Wiederaufbau der privaten Existenzen der schwer geschädigten Kriegsteilnehmer gewaltige Mittel benötigt und aufgebracht werden müssen. Die Aufbringung dieser Mittel obliegt in erster Linie dem Reiche. Es wäre aber ganz verfehlt, ohne nähere Prüfung des von dem einzelnen Kriegsteilnehmer erlittenen Schadens gleichmäßig und unterschiedslos einen Ehrensold zu verabreichen. Man berechne bloß: Ein nur einmaliger Ehrensold von 30O Mark an 7 Millionen Kriegsteilnehmer würde nicht weniger als 2,1 Milliarden erfordern. Viel beachtenswerter als ein allgemeiner Ehrensold ist der Vorschlag, die Kriegsteilnehmer mit steuerlichen Begünstigungen zu bedenken. Derlei steuerliche Begünstigungen lassen sich dann abstufen nach der Dauer der Kriegsteilüehmerschaft, dem Maße des von dem einzelnen Kriegsteilnehmer erlittenen wirtschaftlichen Schadens und der Höhe seiner ehemaligen und künftigen Steuerkraft. Wenn man will, daß diese steuerlichen Vergünstigungen gleichmäßig über das ganze Reich hin verteilt werden, ohne Eingriffe in die bundesstaatlichen Steuerkompetenzen vornehmen zu müssen, so würde ein Reichsgesetz genügen, welches»diese entsprechend abgestuften Steuervergünstigungen vorsieht und bestimmt, daß, sofern die Bundesstaaten Vergünstigungen innerhalb dieses Rahmens einführen wollen, der darauf treffende Gesamtbetrag an den Matrikularbeiträgen in Abzug gebracht werden kann. An anderen Mitteln, die schweren Schäden der Kriegsteilnehmerschaft auszugleichen, sind bereits vielfach genannt Gewährung von Darlehen zum Wiederaufbau der früheren wirtschaftlichen Existenzen, Berücksichtigung bei Vergebung von behördlichen und gemeindlichen Lieferungen und Aufträgen, Arbeitsnachweise, Beschaffung von Rohmaterialien u. a. m. Der „Bund Deutscher Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigter, e. V., Sitz München" hat hierüber bereits mit Parlamentariern der verschiedensten Parteien im Reichstage Fühlung genommen, die Vorlage einer Denkschrift über die einschlägigen Fragen und über das „Wie" ihrer LösungJ steht unmittelbar bevor. Bei den ungeheueren Belastungen, welche die Lasten des Krieges und des Wiederaufbaues für Reich und Bundesstaaten aufgehäuft haben und noch bringen werden, wird es nur möglich, das Notwendigste und Unvermeidlichste zu erfüllen. Es muß darum das ganze Hilfswerk so aufgebaut werden, daß jeder Aufwand planmäßig und zielbewußt ausgenützt und wenig wirksame, im ganzen aber doch belangvolle Aufwendungen, vermieden werden. 6enedmigungrpflicftl für krssirminel. Die unerfreulichen Erscheinunngen auf dem Gebiete des Ersatzmittelmarktes haben die Reichsregierung veranlaßt, entsprechend dem Vorgehen der süddeutschen Regierungen, des Königreichs Sachsen, einiger Regierungsbezirke und Städte, die Genehmigungspflicht für Ersatzlebensmittel einzuführen. Einerseits hat nämlich der Mangel an Einheitlichkeit auf diesem Gebiete zu unerträglichen Zuständen geführt, da Herstellung und Vertrieb von Ersatzlebensmitteln nur nach Anmeldung an rund fünfzehn verschiedenen Stellenftm Deutschen Reiche möglich war, die Einzelgenehmigung aber immer nur für einen beschränkten Bezirk Geltung hette. Andererseits trat eine Abwanderung der schlechten Ersatzmittel nach den Gegenden ein, in denen eine Genehmigungspflicht nicht bestand. Die Möglichkeitin einem großen Teile des Reiches Ersatzmittel ohne vorherige Genehmigung abzusetzen, barg weiter die Gefahr in sich, daß in der Zeit der Uebergangswirtschaft eingeführte Rohstoffe unzweckmäßig verwendet werden könnten. Der Bundesrat hat daher eine Verordnung erlassen, nach der die gewerbsmäßige Herstellung und der Verkauf aller Ersatznahrungs- und -Genußmittel nur gestattet ist, wenn sie von einer Ersatzmittelstelle genehmigt sind. Die Organisation ist den Landeszentralbehörden überlassen. In der Verordnung ist aber bestimmt, wer das Ersatzmittel anzumel- den hat, und zwar kommt dafür in erster Linie der Hersteller, bei eingesührten Waren der Einführende in Betracht. Die Anmeldung hat nur an einer einzigen Stelle zu erfolgen, deren Entscheidung für das^ ganze Reich gilt. Beschwerdestellen sowie eine oberste Entscheidung durch den Reichskanzler in Fällen, in denen die amtlichen Stellen zu verschiedenen Ergebnissen kommen, sind vorgesehen. In der Verordnung sind allgemeine Bestimmungen über die Angaben, die den Anträgen auf Genehmigung beizufügen sind, erlaen. Dem Reichskanzler ist es überlassen, Grundsätze über die Erteilung Und Versagung der Genehmigung aufzustellen. Dabei ist sowohl an allgemeine Richtlinien wie an besondere Richtlinien über die zulässige Zusammensetzung von Ersatzmitteln gedacht, die vom Kriegsernährungsamt in Gemeinschaft mit dem Kaiserlichen Gesundheitsamt aufgestellt werden sollen. Eine Ausdehnung der Verordnung auf andere Ersatzmittel als Lebensmittel ist. vorgesehen. Für Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften kommt Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr und Geldstrafe b.is zu 10000 Mk. oder eine dieser Strafen in Betracht. Die Verordnung tritt am 1 . Mai 1918 in Kraft. Soweit sich aber noch Waren, die den Bestimmungen der Verordnung nicht entsprechen, in den Händen des Handels befinden, können diese noch bis zum 1 . Juli 1918 abgeseht werden, auch wenn die reichsgesetzliche Genehmigung noch nicht erfolgt ist. Im übrigen kann der Eigentümer der Ware aber auch seinerseits in diesem Falle die Genehmigung nachsuchen. Gemäß der Vundesratsverord- nung hat der Reichskanzler im „Reichs-Anzeiger" eine Bekanntmachung erlassen, welche Ersatznahrungs- und -Genußmittel als Ersatzlebensmittel im Sinne der Bundes- ratsverordnung anzusehen sind. Durch dieses in der Verordnung vorgesehene Vorgehen werden die Schwierigkeiten der Auslegung des Begriffes „Ersatzlebensmittel^ wesentlich abgemildert. Den Interessenten sowohl wie den Gerichten wird dadurch ein weit besserer Anhalt für die Beurteilung des Geltungsbereichs der Verordnung gegeben, als es sonst meist bei Verordnungen der Fall ist. Die Durchführung der neuen Verordnung wird hoffentlich dem Ersatzmittelschwindel im wesentlichen den Boden abgraben. Heimatdsnk an heimgekehrte deutsche Kriegsgefangene. Gedenket der heimkehrenden deutschen Kriegsgefangenen durch schnelle und reichliche Spenden an die Sammelstellen des Roten Aveuzes. vir Verordnung gegen den ScDleicbDandel. Der Vundesrat hat nunmehr die seit längerer gsit angekündigte Verordnung gegen den Schleichhandel erlassen, die .am 15.'März 1918 in Kraft getreten ist. Sie richtet sich gegen den Schleichhandel in der Form des gewerbsmäßigen zur Weiterveräußerung erfolgenden Aufkaufes öffentlich bewirtschafteter Lebens- oder Futtermittel, der die Erzeuger zu verbotswidriger Abgabe von Waren in größtem Umfange verleitet oder ihre Bereitwilligkeit hierzu ausnutzt, um demnächst diese Waren mit erheblichem Gewinn abzufetzen, und infolgedessen zu einer ersten Gefahr für die Aufrechterhaltung des staatlichen Ernährungs- syjtems geworden ist. Da von Geldstrafe allein gegen gewerbsmäßige Schleichhändler in Anbetracht der außerordentlich hohen Gewinne, die im Schleichhandel erzielt zu werden pflegen, eine namenswerte Wirkung nicht zu erwarten ist, der gewerbsmäßigen Schleichhandel auch schon durch die Art der Strafandrohung dem Volksempfinden entsprechend als besonders verwerflich gekennzeichnet werden muß, sieht die Verordnung vor, daß gegen den gewerbsmäßigen Schleichhändler stets auf Freiheitsstrafe zu erkennen ist. Daneben muß in jedem Falle auf Geldstrafe erkannt werden, die bis zur Höhe von fünfhundert- tausent Mark bemessen werden kann. Auch kann auf. Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt und angeordnet werden, daß die Verurteilung auf Kosten des Täters öffentlich bekanntzumachen ist. Die gleiche Strafdrohung ist gegen denjenigen vorgesehen, der sich gewerbsmäßig zu einem verbotenen Erwerb von Lebens- oder 'Futtermitteln erbietet oder gewerbsmäßig Schleichhandelsgeschäfte vermittelt. Für denwiederholten Rückfall, dessen Voraussetzungen im wesentlichen in Anlehnung an die Vorschriften des Strafgesetzbuches über Rückfalldiebstahl geregelt sind, droht die Verordnung Zuchthausstrafe, bei mildernden Umständen Gefängnis nicht unter 6 Monaten an. Neben Zuchthaus ist in diesem Fall ^die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zwingend vorgeschrieben. Gattung der Poft für öerlnft und Beleidigung. Von unserem juristischen Mitarbeiter. Die Zunehmenden Diebstähle im Postwesen, die in der letzten Zeit durch sogenannte Aushelfer getätigt wurden, geben uns heute Veranlassung, unfern Lesern einige aufklärende Wjnke über die Haftpflicht der Post für Verlust und Beschädigung der Postsendungen ^u. erteilen. Hierbei haben wir naturgemäß mehr den Paket- und Äertsendungs- verkehr im Auge, der in den heutigen veränderten Wirt- schaftsverhältniffen viel stärker in die Erscheinung tritt, als in Friedenszeiten. Maßgebend für die in Rede stehende Haftung sind die §8 6 bis 15 des Postgesetzes, die dieses Gesetzbuch mit der Gesamtüberschrift „Garantie" versehen hat. Hiernach beginnt schon die Haftung für ein gewöhnliches Paket im Betrage von drei Mark für je 500 Gramm. Das Paket muß aber „eingeliefert" sein, d. h. der Absender hat zu beweisen, wann und bei welcher Postanstalt das Paket eingeliefert wurde, denn unter „Einlieferung" ist, da das Postgesetz keine besonderen Vorschriften über die Annahmebehandlung enthält, die Besitzübertragung zum Zwecke < der Beförderung zu verstehen (Roeder, „Das neue Postrech!"' Anm. 3a zu 8 6 ). Diesen Nachweis kann man sich am bequemsten dadurch verschaffen, indem man sich über jedes eingelieferte gewöhnliche Paket von der Paketannahme der Post einen Einlieferungsschein ausstesten läßt. Die Gebühr hierfür beträgt 10 Pfg. für jedes Paket Auf diese einfache, im Publikum und in Geschäftskreisen viel zu wenig bekannte Uebung läßt sich nicht nur die Einlieferung, sondern auch die genaue Gewichtsangabe, sowie die Richtigkeit des für die Preismachung gezahlten Betrages Nachweisen. Für die Einschreibesendungen — eingeschriebene Pakete sind nur während des Krieges nicht zugelassen - wird dem Absender ohne Rücksicht auf den Wert der Sendung bei völligem Verlust 42 Mk. gezahlt. Für Wertsendungen und Postanweisung wird bis zur angegebenen Höhe des angegebenen Wertes, bezw. eingezahlt- ten Betrages seitens der Post gehaftet. Anspruchsberechtigter der Ersatzleistung ist in allen Fällen der Absender, nicht der Empfänger. Der Ersatzanspruch steht dem Absender deshalb zu, weil dieser durch die Eii'Iieferung der Sendung einen Vertrag mit der Postverwaltung eingeht. Es ist dies der sogenannte , Beförderungsvertrag" des 8 1 des Postgesetzes. Bei Angabe von Werten 'soll man sich dafor hüten, nicht zu hohe Angaben zu machen,' die Wertangabe soll vielmehr so fixiert werden, wie sie dem wirklichen Werte des Inhaltes der Sendung entspricht. Denn gerät eine übermäßig hoch taxierte Wertsendung in Verlust und es wird hierfür Schadenersatz gefordert, so kann hieraus, wenn sich später ein viel geringerer Wert ergibt, eine betrügerische Absicht nach 88 263, 267, 268 des Strafgesetzbuches konstruiert werden. Hat nur ein Teil der Sendung Verlust oder Schaden > erlitten, so wird von der Post nur der wirkliche Wert der Sendung vergütet. Geht eine Sendung, für die an und für sich die Post die Haftung übernimmt, fehl, so haftet auch der Postbeamte aus 8 359 BGB. (Reichsgerichts-Entsch. v. 1 . 11 . 1915 ). Bei Postanweisungen haftet die Post nicht für den Schaden wegen angeblich verspäterte Auszahlung (Oberlandesgericht Hamburg bei Roeder „Das neue Postrecht"). Da die Post nur für postordnungsmäßig erfolgte Einlieferung haftet, so hat der Absender alle Nachteile selbst zu verteten, welche durch postordnungswidrige Adressierung, Vorstellung usw. entstehen (8 27 der Postordnung). Auch der Adressat kann unter Umständen bei Wertsendungen, die bei der Beförderung durch die Post eine Gewichtsminderung erfahren haben, dem Absender gegenüber haftbar gemacht werden. Hier ist er verpflichtet, nichts zu versäumen, damit dem Absender die ihm gegen die Postverwaltung im Falle des Abhandenkommens des Inhaltes der Wersendung zustehenden Ansprüche nicht verloren gehen (Entsch. d. Oberlandesgerichts Eolmar bei Roeder, „Das neue Postrecht"). Für gewöhnliche Nachnahmen übernimmt die Post keine Haftung; dagegen wird für den „eingezogenen" Betrag ganz wie bei Postanweisungen gehaftet (8 Abs. 4 der Postordnung). Der Anspruch auf die Ersatzleistung muß in allen Fällen bei derjenigen Ober-Postdirektion geltend gemacht werden, in deren Bezirk die betreffende Sendung eingeliefert wurde und er ist gegen die Einlieferungspostanstalt zu richten. Der Anspruch auf Entschädigung erlischt mit dem Ablauf von sechs Monaten vom Tage der Einlieferung der Sendung an gerechnet. Diese Verjährung wird durch Anbringung der Erhebung des Anspruches bei der zuständigen Postbehörde unterbrochen. Ergeht hierauf ein abschlägiger Bescheid, so beginnt vom Empfange derselben eine neue Verjährung, während der es dem Anspruchs- berechtigten freisteht, im Wege der Klage gegen den Postfiskus seine Rechte geltend zu machen. >in$ $uüi liiäd tmü. * Lehrgang in der sozialen Fürsorge Am ? 1. April war ein Jahr vergangen, seitdem die Gr. Zm- trcile für Mutter- und Säualsngsfmsorg'? in Heften ihre A b U auf die wichtigsten Gebiete der Volkswohlfahrtse pflege ausgedehnt hat. Insbesondere sind die Kreispflegerinnen der Zentrale jetzt auch in der Fürsorg- 1 für die dem Saugttngsalter entwachsenen Kinder tätig, ferner in der Tuberkulose', Wohnunys- und Krüppel- fnrsorge, sowie in der Bekämpfung des Alkoholismus ff und der Geschlechtskrankheiten. Soweit die Erfahrungen 1 c ieseS ersten Jabics ein Ui teil Anlassen, kann man den Versuch, die verschiedenen Zweige der Fürsorge zu zen- ? trassieren, als durchaus gelungen bezeichnen. Um den Schwestern die für ihre erweiterte Tätigkeit erforderlichen Kenntnisse zu verschaffen, wur.de bereits irm letzten Frühjahr ein Fortbildungslehrgang veranstaltet, der nunmehr in größerem Umfang wiederholt wurde. An dem Lehrgang, der in der Zeit vom 8 bis 13. April in der Landesverstcherungsanstalt in Darmstadt statt- | fayd, nahmen außer den in der Außensürsocge tätigen Schwestern der Zentrale auch zahlreiche Fahrikpflegerin- nen, Fürsorgevermittb rinnen, Gemeindeschwestern u. s. w. aus Hessen und Pceußen, im ganzen über sechzig 1 Personen, teil. Auch Ihre Königliche Hobeit die Groß- ' Herzogin, die hohe Schrrmhecrin der Zentrale, wohnte einigen Vorträgen bei. In den Vorträgen wurden die wichtigsten Gebiete der Voikshhgiene und der Sozialpolitik von Fachleuten j behandelt. Sie wurden ergänzt durch die Besichtigung verschiedener Anstalten in Darmstadi und Umgebung. I Am letzten Tag wurde H.mbach im Odenwald besucht. Die Landesv.fficherungsanstalt hatte kurz vor dem Kri g begonnen, diese Gemeinde unter Aufwendung großer Mittel und mit durchgreifendem Erfolg zu senieren. 4 .Die do t geschaffenen, in ganz Deutschland einzig da- 1 stehend, n Einrichtung« n der Tuberkolose^, Wohnungs- I und Jugendfürsorge wucd/n unter der Führung des I Vorsitzenden der Lavdesversicherungsanstalt, Herrn Ge^D heimrat Dc. Di ch, eingehend besichtigt Einem virlfach geäußerten Wunsch entsprechend. beabsichtigt die Zentrale, den Lehrgang auch im nächsten Frühjahr zu wiederholen und weiter auszugestalten. Oänfehöchstpreise für das Jahr 19i8. Die Festsetzung der Gänsehöchstpreise für das Jahr 1918 wird sich voraussichtlich nicht wesentlich von der vorjährigen Regelung durch die Verordnung über den Handel mit Gänsen vom 3. Juli 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 581) unterscheiden. Die Käufer von Gänseeiern und Gänseküken werden daher bei ihrer Preiszahlung auf die in jener Verordnung festgesetzten Preise für lebende und geschlachtete Gänse Rücksicht nehmen müssen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, beim späteren Verkauf der Gänse erhebliche Nachteile zu erleiden. Girre ober-hessische Milchxentrole Jur restlosen Erfassung der Frischmilchlieferung aus Oberhessen, Nassau und dem Kreis Hanau für die Belieferung der Släbte des Wirtschaftsgebietes hat sich in Friedberg eine „Oberhessische Milchzentrale G. m. b. H." gebildet. Von dieser sollen in Zukunft sämtliche Milchlieferungen, Milchpreise usw. einheitlich geregelt und geleitet werden. Die neue Vereinigung, die alle Milcherzeuger und voraussichtlich auch alle Molkereien des Gebietes umfassen wird, bezweckt auch ein verständnisvolles Hand in Hand arbei- ' ten mit den städtischen Verbraucher- Organisationen. * ** Gießen Bei den Kassen der hiesigen Rcichs- bankstelle und deren Nebenstellen sind auf die 8. Kriegsanleihe nahe 36 Millionen Mark gezeichnet woroen. Also eine sehr hohe Summe für unsere Gegend. — Im Fuldaec Bezirk erreichten die Zeichnungen nahe 25 Millionen Mark. * Knd-Uanheim» 13. April. In der Stich wähl zum Hessischen Landtag, die, wie bereits mitgeteilt, mit dem Siege des Bauernbündlers Bürgermeisters Diehl-Hochwei- sel über den Ientrumskandidaten Rechtsanwalt Dr. Schrö- .der-Friedberg endete, erhielt Diehl 1526 Stimmen gegen 1061 in der Har^ptwahl. Schröder vereinigte in der Hauptwahl 600, in der Stichwahl 1182 Stimmen auf sich. Die Fortschrittler und Sozialdemokraten hatten Parole für Schröder ausgegeben, der sich für das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ausgesprochen hatte. Die Nationalliberalen sind fast restlos zum Bauernbund übergegangen, wohl nicht zuletzt aus dem Grund, weil sie das Reichstagsmandat in Friedberg-Vüdingen den Bauernbündlern verdanken. Allerdings sind die Nationalliberalen in diesem Reichstagswahlkreis auch auf die restlose Unterstützung | des Zentrums angewiesen, das bei der letzten Reichstagswahl mit seinen 2000 Stimmen zu ihren Gunsten den Ausschlag gegeben hatte. Friedberg, Der oberhessische Kirchen gern ein deta fl, der anfangs April hier gehalten worden ist, erfreute sich, wie die bisherigen Gemeindetage, trotz der Ungunst der Kriegs- Verhältnisse eines guten Besuchs- insbesondere waren mehr als 00 Theologen anwesend, und, der Absicht der diesjährigen Veranstaltung entsprechend, überwogen unter den Teilnehmern die Männer. In seiner Eröffnungsansprache wies Prof. Dr. Schian in eindrucksvollen Worten nach, daß die Landeskirchen, zumal wenn^die in Aussicht stehende Neuorientierung des Verhältnisses von Staat und Kirche kommen wird, sich nur behaupten können, wenn sie wirkliche Geineindekirchen werden, in denen alle Glieder und insbesondere auch die Männer, inobil gemacht werden für die Mitarbeit am Geineindeleben. Beide Vortragende, die den Hauptgegenstand der Verhandlungen, die Frage: „Wie gewinnen wir die Männer für das kirchliche Gemeindeleben'?" behandelten, fesselten das dankbare Interesse der Versammlung dadurch, das; sie. Begeisterung und Hoffnungsfreudigkeil mit nüchterner Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse und Möglichkeiten verbanden. Auf Grund seiner Erfahrungen im städtischen Gemeindeleben I zeigte Pfarrer Pabst, datz eö nicht allein die notwendigste, sondern auch eine der dankbarsten Aufgaben ist, an der Verwirklichung dieses Ziels zu arbeiten, darauf hinweisend, datz in seiner Wormser Luthergemeinde 60 Prozent derer, die zu den Männer-Versamm- lungen geladen wurden, der Einladung Folge leisteten und an dem Gemeinschaftsleben teilnahmen, daß aber das Geheimnis des Erfolgs der Arbeit an den Männern darin besteht, datz jeder Ausdruck des kirchlichen Lebens möglichst wahr, schlicht und echt den. Kern der Sache wiedergibt. Alsdann beantwortete Pfarrer Mahr-Gießen dieselbe Frage von seinen in der Dorfkirchen, arbeit gesammelten Erfahrungen aus, indem er zeigte, wieviel auch in den Dorfgemeinden an den Männern zu wirken notwendig und möglich ist, aber betonte, datz es nicht gut ist, neue Vereine zu gründen, sondern viel mehr zu erreichen sei, wenn bei allen Vereinigungen und Versammlungen die Gesamtgemeinde die Grundlage ist, schlietzend mit dem Bekenntnisse, datz, wer in diese Arbeit eintritt, mehr Freude erleben werde als Enttäuschung. Die Aussprache, an der sich Geh. Oberkonsistorialrat Dr. Petersen, Prozessor Dr. Diehl, Pfarrer Vogel, Pfarrer Weck, Pfarrer Strack, Prof Dr. Matlhes und der Vorsitzende Professor Dr. Schian beteiligten, war ein lebhaftes Echo auf die dankbar aufgenommenen Gedanken, Anregungen und Ermutigungen zur Arbeit- be- sonders wurde erörtert, wie unsere Kirchenverf'assung als erster Versuch zur Mobilisierung der Männer sich bewährt habe, und wie sie zur Erfüllung unserer heutigen Aufgabe zu verwerten sei. Friedberg. 16. April. Bei einem Einbruch in das Warenhaus von Geschwister Meyer, Vahnhofstratze 13, fielen den Dieben Seidenwaren im Werte von mehr als 20000 Mark in die Hände. Das Diebesgut haben die Einbrecher in Koffern, die sie gleichfalls im Geschäft stahlen, fortgeschleppt. Einen gefüllten Koffer mutzte die Bande, da er zur Fortschaffung zu schwer war, stehen lassen. * Küdlngeu. Die Urterbcingung von Stadtkindern in Büdingen begegnet in diesem Sommer insofern Schwierigkeiten, als sich bisher nur sehr wenig Landleute zur Uebernahme von Pflegestellen bereit finden ließen. Die Kretsdehörde richtet infolge- vessen einen erneuten dringenden Aufruf an die Bevölkerung, dieser überaus wichtigen vaterländischen Pflicht nachzukommen. Ten Pflegeeltern werden besondere Bevorzugungen tu der Zuteilung der Lebensmittel zugestanden. # iUridjfUin (Vogeisbecg). Nachdem in Köddingen dies ^ Tage ein Landwirt der Tollwut erlag, mußte sich jetzt auch der dortige Förster nach Berlin zur Schutz- impfung begeven, da ec ebenfalls, wie der Landwirt, mit dem Eingeweide des tollwutkcank n Hundes in Be rührung gekommen ist. * Höchst u M Im Stadtteil Sindlingen hatte im vorigen Sommer ein Kaufmann einen Jungen, den er in seinen Gart.n beim Dübstahl von Johannisbeeren überrascht«', du chgeprügclt Der Vater des Jungen stellte darob Strafantrag wider den Kaufmann. Dieser wurde aber vom hiesigen Schöffengericht fceigesprochcn, womit sich jedoch der Kläger nicht zufrieden gab und Berufung einlegte. Doch auch das Wiesbadener Landgericht sprach den Kaufmann frei und führte dazu im Ucteilsspcuch begründend aus, daß Selbsthilfe gestattet und in der gegenwärtigen Zeit mit ihrem Mangel an Aufsichtsp'rsonal so^ar geboten sei. Hoffentlich hat man dem Vater dieses Jungen die Gerichtskosten aufge'hängt. * Frankfurt a. M. Eine von den Körperschaften des Baugewerbes und des Hausbesitzes in Nassau und Hessen stark besuchte Versammlung, der auch Vertreter der beiden Regierungen beiwohnten, beschloß die Gründung einer Hypotheken schütz-Bank für Hessen-Nassau und das Grotzherzogtum Hessen mit dem Sitze in Frankfurt a. M. In der Tagung erfolgten bereits zahlreiche Anmeldungen für die Zeichnung zur Finanzierung des auf gemeinnütziger Grundlage aufgebauten Unternehmens. * Frankfurt a. M. Dom 20. April ab werden die Preise für Milch und Milchmischungen aus der städtischen Milchküche nach dem Einkommen abgestuft. Es kostet das Liter Milch bei Einkommen unter 2400 Mk. 44 Pfg., von 2400 - 4200 Mk. 52. Pfg., über 4200 - 6000 Mk. 72 Pfg., über 6000 Mk. 1 Mk. - Die^Stadt hat bei Landwirten bis jetzt 1487 Kühe mit einem Anschaffungswert von 2516-120 Mk. eingestellt. Da sich diese Einstellwirtschaft nicht bewährt hat, sollen 750 Kühe verkauft werden. Der durchschnittliche Verlust be: jeder Kuh beträgt den Mitteilungen des Finanzausschusses zufolge 900 Mk., zusammen 675 000 Mk. Dagegen sollen Landwirte, die sich als tüchtig bei dieser Einstellwirtschaft bewährten, mit besonderen Prämien bedacht werden. Insgesamt werden für diese Zwecke 987 500 Mk. in die städtischen Ausgaben eingestellt. * Frankfurt a. M. In der vergangenen Nacht wurden aus einer Billa an der Mainzer Landstraße japanische und chinesische Elfenbeinwaren im Werte von etwa 6000 Mark gestohlen. * Frankfurt a. M. Sechs Knaben im Alter von 9—12 Jahren erbrachen im Hause Nödelheimer Landstraße 111 ein Wohnung und plünderten diese gründlich aus. Als die Bürschchen am nächsten Tage im gleichen Hause in eine zweite Wohnung einbrechen wollten, wurden sie überrascht und der Polizei übergeben. * Gndensberg Weil er längere Zeit mit einer Bahnsteigkarte gefahren war, der ec durch mehr- saches Lochen das Aussehen einer Wochenkarte gegeben hatte, erhielt der Arbeiter Schmidt aus Kalben drei Monate Gefängnis. * Aschafferrburg Ein reiches Bauernmädchen aus der Gegend von Marktheidenseld hatte eine anonyme Postkarte beleidigenden Inhalts geschrieben. Da ihm die Täterschaft nachgrwiesen werden konnte, zahlte es, um einer gerichtlichen Bestrafung aus dem Wege zu gehen, als Buße 1000 Mark für gut; Zwecke und übernahm außerdem auch noch die gesamten Kosten des Sühneverfahrens in Höhe von ebenfalls 1000 Mark. * Mühlhausen (Thür.) Ein junger Mann wurde in Stettin bei der Musterung für dauernd untauglich erklärt. Nun stellte er sich freiwillig und er soll angenommen werden, wenn er sich einer schweren Operation unterziehe. Der junge Thüringer erklärte sich sofort auch dazu bereit. EiierariRbes. Goldene Worte Hindcnl nrgs. Aussprüche und Kundge- bungen nebst einem Lebensbilde des Feldherrn von Viktor Ott mann. Verlag Ernst Busse, Berlin. Preis kart. 1,—M. Den Inhalt bildet zunächst eine poetische Huldigung an den Genius HindenburgS von Paul Warncke, dem Hauptschriftleiter des „Kladdaradatsch", dann folgt eine von Viktor Ottmann knapp und klar geschriebene Lebensgeschichte *des Feldherrn, und den Beschlntz macht eine sehr geschickt zusammengestellte Auswahl der bemerkenswertesten Aeutzerungen Hindenbnrgs mit kurzen Erläuterungen. Krieg und Landwirt von Julius Steinberg, Bankdirektor a. D., Bonn. (Deutsche Kriegsschriften, Heft 27.) A. Marcus & (&. Webers Verlag in Bonn. Preis M. 1,50. Nachdem er nachgewiesen hat, datz die Landwirtschaft mit de»! für ihre Produkte erzielten Preisen während des Krieges sehr wohl zufrieden sein kann, verbreitet er sich über die Rentabilität des landwirtschaftlichen Gewerbes als Ganzes, über die starke Nachfrage und die damit zusammenhängende Preissteigerung von Grund und Boden. Des weiteren unterzieht der Verfasser die Vorliebe der Landwirtschaft, ihr Kapital in Boden und Vieh anzulegen, einer kritischen Betrachtung und kommt zu dem Schluß, datz unter den heutigen Verhältnissen diese Kapitalanlage bei weitem nicht mehr die Sicherheit bietet, die sie früher geboten hat, da bei der Wiederkehr normaler Verhältnisse ein starker Preisrückgang sowohl der landwirtschaftlichen Produckjc wie auch eine Senkung der Preise für Grund undBoden eintreten muß. Demgegenüber weist Steinberg u^ter Anführung zahlreicher Gründe darauf-hin, datz die Deutsche Reichsanleihe immer ihren vollen Werl behalten wird, und er empfiehlt deshalb den Landwirten, ihr Kapital in Reichsanleihe anzulegen. Der verdienstvollen Schrift ist die weiteste Verbreitung unter Landwirten und in den Kreisen der Kapitalisten zu wünschen. Zu'.dcn gewaltigen Kämpfen im Westen gibt die Franckh'- sche Verlagshandlung in Stuttgart eine sehr beachtenswerte Kartenreihe heraus. Die soeben erschienenen Blätter 39: Arras und Lille, 14: Amiens— Arras —Bapaume—Peronne, 45: Nesle — Laon — Soissons — Compiegne geben dem Leser e n vorzügliches Mittel an die Hand, die Vorzüge an der Front im Westen eingehend verfolgen zu können. Ein neuer und kennbarer Vorzug dieser in Reliefart gezeichneten Karten ist die Uebersichtlichkeit und dann der autzerordentsich billige Preis von 25 Pfg. für das Blatt. Kirchliche Anreizen. Sonntag den 21. April (Jubilate). Gottesdienst. In der Stadtkirchc. Vormittags 8 Uhc:Z gleich Christenlehre für die Neukonfi'mierten aus der Ma thäusgemeinde. Pfarrer Mahr. — Vormittags 9V 2 Uhr: Pfarrer Schwale. — Vormittags 11 Uhr: Kmdcrkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Scbwabe. — Mittwoch den 24 April: Kciegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In derJohanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Zugleich Christenlehre für die Neukonficmierten aus der Lukasgemeinde. Pfarrer Bcchtolsheimer. — Vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 11 Uhr: Krnderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich: Albin Klein in Gießen. Versteigerung. Die Dickmühle bei Steinberg soU Montag den *42. April d. I., nachmittags 1 h t S Uhr» jum Abbruch öffentlicht meistbietend versteigert werden. Die Verkaufsbedingungen liegen bet der Großh. Bürgermeisterei Watzenborn und dem Unterzeichneten Amte offen. Gießen, den 12. April 1918. Gr. Hochbauamt Gießen. Becker. Für Wiedcrvcrkäufcr und Großverbraucher. = Kautabak = behördlich eingeführte Auslandsware. 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Heimat-a«? an heimgekehrte deutsche Kriegsgefangene! vuÄb mit SÄÄ? bCUtWCn ***** impften Friedensschlüsse mit der ukrainischen Volksrepublik, mit Groß. zahlreiche deutsche Kriegs- und Zivilgefangene ans der Gefangenschaft zurückkehren n. der langerfehnten Freiheit wiedergeschenkt ss, äpssäs s sriÄrt* ^ .»»«. ^ ES gilt alle diefe Heimkehrenden !m Angenblick der Heimkehr auf den Uebernahmestellen und demnächst tu den ärztlichen «eabachtuuaöstclle» in einer würdl gen Weise zu empfangen und namentlich durch J " n 0°» m,cn in cmcr wurdi. Ueberreichen von Liebesgaben einen Willkomm und einen befcheidenen Dank darzubringen für alles unsäglich Schwere, das sie itt heißen Kämpfen und später in der Gesangenschast für unser Vaterland ne litten haben. Hierfür sind reiche Geldmittel erforderlich. Seine Majestät der Kaiser haben bereits llr den aeda-bten^ w aus eigenen Mitteln 250 000 Mark überwiesen; außerdem haben das Königlich Preußische Kriegsministerium und die Verma,m7a/ ausschüsse der Volksspende und der Hindcnburggabe bereits 200000 Mark bewilligt. Der hiernach noch zu beschallende Ne» soll durch eine *** ^ebesgaben nötigen und im^ganzen aus etoa 3-/- Millionen Mark zu veranschlagende Gewmitteln UW" Sammlung ausgebracht werden. Denn die Ueberreichung von Liebesgaben an die heimkehrenden Gefangenen soll ein bescheidener Ausdruck des Tankes der Gesamtheit des deutsche» Volkes, nicht nur einzelner Behörden und Stellen, sein. Ein solches unmittelbar »an der Gesamtheit dcS deutsche» Volkes ausgehendes Zeichen der Dankbarkeit wird besonders geeignet sein, die aus der Gefanaen schaft Heimkehrenden wohltuend zu erfreuen, sie uberstandenes Leid vergessen zu machen und ihnen die zum Wiederaufbau ibrer vielfach verlorenen oder erschütterten wirtschaftlichen Grundlagen nötige Zuversicht und Kraft zu verleihen. Der auf das Grob. Herzogtum Hessen entfallende und von ihm aufzubringende Anteil beträgt etwa 62000 Mark. Es ergeht daher an alle die Herr liche, aber auch dringende Bitte, sich an der Sammlung, die schon Ende dieses Monats abgeschlossen werden soll zu betciliacn Jeder gebe nach Kräften. Keiner wt llc sich an der Sammlung ausschlicßcn. Auch die kleinste Gabe wird dankbar ancr kannt werden. Und vor allen, gebe ein jeder schnell und ohne Verzug. Denn soll das beabsichtigte Licbeswcrk seinen Zweck erfüllen, so muß cs rasch in die Tat umgesetzt werden. Die Ergebnisse früherer Sammlungen zu Gunsten deutscher Kriegsgefangener geben uns die Zuversicht, das auch der gegenwärtige Sammelausruf nicht unerhört bleiben und reichen Erfolg haben wird. Die Gaben nehmen die bekannten Sammclstellen des Roten Kreuzes entgegen. Darmstadt, den 4. April 1918. Ernst Ludwig. Korwarr, Generalleutnant z. D. Vorsitzender des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz. Dr. Kratz, Staatsrat, Hauptgeschäftsführer des Alice-Frauenvereins und Vorsitzender der Abteilung des Roten Kreuzes für Kriegsgefangenenfürsorge. Unter Hinweis auf vorstehenden Aufruf bitten wir rasch und reichlich zu geben. 5ür den «reis Sietzen Wird die Sammlung wie folgt durchgeführt: in der Stadt Gießen durch den Zweigverein Gießen vom Roten Kreuz gemeinsam mit dem Zweigverein Gießen des Alice- Frauenvereins ; es werden Spenden angenommen von der Bezirkssparkasse, Gewerbebank, Niederlassung der Bank für Handel und Industrie, Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank, sowie von den Geschäftsstellen des Gießener Anzeigers, der Gießener Zeitung und der Oberhessi- chen Volszeitung. Eine allgemeine Sammlung, verbunden mit Straßerverkauf, erfolgt an noch zu bestimmenden Tagen; in den Städten Grünberg, Hungen und Lich von den dortigen Zweigvereinen vom Roten Kreuz im Benehmen mit den Zweigvereinen des Alice-Frauenvereins; in den übrigen Landgemeinden von den Ortsausschüßen für Rotes Kreuz und Kriegshilfe, ebenfalls im Benehmen mit am Ort ansässigen Zweigvereinen des Alice-Frauenvereins. Emma, zürstin zu 5 olms-hohensoliii§-Lich. Vorsitzende des Kreisvcrbands Gießen des Alicc-Frauenvereinö für Krankenpflege. Geheimrat Dr. Usinger, Vorsitzender des Krciskomitecs für Rotes Kreuz und Kriegshilfe. Keller, Oberbürgermeister. Lehrer Daab, Vorsitzender des Bezirks Gießen der Kriegerkameradschaft Hassia zu Gießen, Frau Geheime Justizrat Gebhardt, Vorsitzende des Zweigvereins Gießen des Alice-Frauenvereins zu Gießen, Kirchenrat Haincr, Vorsitzender des Zweigvcrcins Hungen vom Roten Kreuz, Professor Dr. Heuser, Vorsitzender des Deutschen Flottenvereins, Ortsgruppe Gießen, Hcbstreit, Bor- itzender des Marinevereins Gießen, Lehrer Metz, Vorsitzender des Bezirks Hungen der Kriegerkameradschaft Hassia. Bürgermeister Ranft, Vorsitzender des Zweigvereins Grünberg vom Roten Kreuz, Oberamtsrichter Rausch, Vorsitzender des Zweigvereins Lich vom Roten Kreuz, Reger, Vorsitzender des Bezirks Lich der Kriegerkameradschaft, Landgerichtsrat Wiener, Vorsitzender des Zweigvereins Gießen vom Roten Kreuz. 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