(Neueste Nachrichten) eikung Bezugspreis 60 Pfg. monatlich vierteljährlich 1^0 Mk., voraußzahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und SamStagö. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gietzener Zeitung", Gießen. Expedition: Südanlage 21 Mzeigenpreis 20 pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahlungv- zieles (30 Taaej, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gictzencr Verlagsdruckerei, Aldi« Klein. Sir. IS. Telephon Nr. 362. Mittwoch, dm 6. März 1918. Telephon Nr. 362. 31. Jahrg. Berlin. 3. März gv. S. amtl.) Der Frieden mit Rutzland ist heute 5 Uhr nachmittags unterzeichnet worden. flitillic&e aruMe Cagesbericim. 23000 rönnen versenkt. Berlin, 1. März. U-Booterfolge auf dem nörd- lichen Kriegsschauplätze: 23600 Bruttoregistertonnen. Die Erfolge wurden hauptsächlich in der Irischen See und im Aermelkanal erzielt. — Unter den versenkten Schiffen waren wertvolle Dampfer von 8000 und 4000 Bruttoregistertonnen. Ein tiefgeladcner, 3500 Tonnen großer Dampfer wurde im Aermelkanal aus einem stark gesicherten großen Geleitzuge herausgeschossen. Der Chef des Admiralstaües der Marine. - •] wtb. Großes Hauptquartier, 2. März. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Nur in wenigen Abschnitten lebte am Abend die Gcfechtstätigkeit auf. Eigene Erkundungen bei Hollebeeke und südlich von St. Quentin brachten Gefangene ein. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An vielen Stellen der Front führten wir erfolgreiche Unternehmungen durch. Oestltcb von Reims drangen hessische Truppen in das zerstörte Fort Pom- Polle. Rheinländer und Westfalen stießen nordwestlich von Peosncs tief in die feindlichen Stellungen vor, die aus den Februarkämpfen südöstlich von Tahure noch in Feindeshand gebliebenen Grabenstücke wurden von badischen und thüringischen Truppen im Angriff gesäubert. Auf dem Westufer der Maas stürmten rheinische Kompagnien die feindlichen Gräben südlich von Haucourt. — Nach Durchführung ihrer Erkundungen kehrten unsere Truppen mit mehr als 400 Gefangenen und zahlreichen erbeuteten Maschinengewehren in ihre Ausgangsstellungen zurück. Die südöstlich von Tahure genommenen Gräben wurden gehalten und gegen französische Gegenangriffe behauptet. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Zwischen Maas und Mosel stieß Infanterie mit Pionieren in die feindlichen Gräben nordöstlich von Setchepcey vor. Die amerikanische Besatzung erlitt schwere Verluste und büßte 12 Gefangene ein. :» Hauptmann Ritter von Tutfcheck errang durch Abschuß cincs feindlichen Fesselballons seinen 25. Luftsieg. Oestlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Eichhorn. In Esthland und Livland nehmen die Operationen ihren Verlauf. Heeresgruppe Linsingen. Bei der Verfolgung des bei Rjetschiza geschlagenen Feindes haben wir Gomel genommen. Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, wurde durch Ukrainer und sächsische Truppen befreit. — Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendorsf. Der Flieden mit Rußland unterzeichnet. Rnmänism zu«? Frieden bereit. Im Osten 6815 Offiziere rmd 57 566 Mann gefangen; 2626 Geschütze und über 5666 Maschinengewehre erbsntet. erlin, 2. März, abends Plätzen nichts Neues. Von den Kciegsschau- 25000 connen versenkt. Berlin, 2. März. Eines unsrer Unterseeboote, Kommandant Oberleutnant z. See Launburg, hat im westlichen Mittelmeer 6 Dampfer und einen Segler von zusammen mindestens 23000 Br.-Reg.-To. versenkt. Die Dampfer wurden zum größten Teil aus stark gesicherten Geleitzügen herausgeschoffen. Der Chef des Admicalstabes der Marine. » wtb. Großes Hauptquartier, 3. März. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Südwestlich von Lombardsisde nahmen wir eine Anzahl Belgier gefangen. Lrandenburgische Sturmtrupps brachen von einem Vorstoß bei Neuve Chapelle 66 Portugiesen, darunter 3 Offiziere, gefangen zurück. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz. Französische Kompagnien griffen am Abend nach mehrMndiger Feuervorbereitung unsere Stellungen bei Corbeny an: sie wurden im Gegenstoß zurückgewocfcn. In der Champagne lebte die Gefechtstätigkeit in de» Kampfabschnitten vom 1. 3. zeitweilig auf. Oestlicher Kriegsschauplatz: Front des GeneralfeIdmarschaliS Prinz Leopold von Bayern. Die nach Ablauf des WaffenstillstandSvertcageS cingeleiteten Operationen haben zu großen Erfolgen geführt. Die Truppen des Generalobersten Grafen Kirchbach haben Livland und Esthland zur Unterstützung der bedrängten Bewohner im Siegeszuge durcheilt, begleitet durch Teile der Uber den zugefrorenen Moonsund vorgehenden Besatzung der baltischen Inseln und durch esthnische Regimenter. Reval und Dorpat wurden genommen. Unsere Truppen stehen vor Narwa. — Die Armeen des Generalobersten von Kirchbach und des Gcncralfeldmarschalls von Eichhorn haben in unaufhaltsamem Vordringen über Dünaburg und Minsk nach hartem Kampf Pleskau sowie Polozk und Borissow genommen. In Bobruisk wurde Vcretnigung mit pol- Nischen Divisionen erzielt. — Teile der Heeresgruppe Linfingen haben! in Uebereinstimmung mit der ukrainischen Regierung den Eisenbahnweg von Luniniek über Rietschiza am Dnepr bis Gome! nach mehrfachem Kampf geöffnet. Andere Divisionen unter Führung des Generals von Knöczer haben, feindlichen Widerstand brechend, die auf Kiew führenden Bahnen und Bahnlinie Kiew —Shmerinka vom Feinde gesäubert. Am 1. 3. wurde Kiew im Verein mit Ukrainern genommen; deutsche und österreichisch-ungarische Truppen sind in Shmerinka eingerückt. Die dem Feinde abgenommene Beute ist auch nicht annähernd zahlenmäßig festzustellen. Soweit Meldungen vorliegen, sind in unserem Besitze an Ge- fnngenen: 6800 Offiziere und 57000 Mann; an Beute: 2400 Geschütze, über 5000 Maschinengewehre, viele tausend Fahrzeuge, darunter über 500 Kraftwagen und 11 Panzerautos, über 2 Millionen Schuß Artillerie- munition und 128000 Gewehre, 800 Lokomotiven und 8000 Eisenbahnwagen. Hierzu kommt die Beute von Reval mit 15 Offizieren, 500 Mann, 220 Geschützen, 22 Flugzeugen und viel rollendem Material. _ Heeresgruppe Mackensen. Der Waffenstillstand mit Rumänien ist gestern ge- kündigt worden. Darauf hat sich die rumänische Regierung bereit erklärt, in neue Verhandlungen über einen wetteren Waffenstillstand auf Grund der von den Mittelmächten gestellten Bedingungen einzutreten. An diese Waffenstillstandsverhandlungen sollen sich Fciedensver- handlungen anschlteßen. — Bon den anderen Kriegs- schauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorsf. . * . Berlin, 3 März, abends. Infolge der Unterzeich, nung des Fciedensvertrages mit Rußland sind dte militärischen Bewegungen in Groß-Rußland eingestellt. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. 9 22000 Conncn. Berlin, 3. März. Der unermüdlichen Tätigkeit unserer U-Boot- fielen im Aermelkanal und an der Ostküste Englands wiederum 22000 Br.-N.-T. HandelS- schiffsraum zum Opfer. — Unter den versenkten Schiffen befanden sich der englische Dampfer „Huntsmorc" von rund 5000 Br.-R.-T. und ein beladener englischer Dampfer von über 6000 Br.-R.-T. 2 Tankdampfer von 5000 und 3000 Br.-R.-T. und 1 englischer bewaffneter Fracht- Kämpfer wurden mit Ladung aus starken feindlichen Sicherungen herausgeschoffen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. wtb. Großes Hauptquartier, 4. März. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz. Eine eigene Sturmabteilung drang an der User in die feindlichen Linien und nahm eine Anzahl Belgier gefangen. Starkem Feuer folgten an mehreren «tellcn der flandrischen Front englische Vorstöße^ Sit wurden abgewiesen. Im übrigen blieb die Gefechtstät gkeit auf Artillerie- und Minenwerfelkämpfe in einzelnen Abschnitten beschränkt. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Auf den östlichen Maashöhen waren französische Artillerie und Mincnwerfer zeitweilig lebhaft. — Bei kleineren Unternehmungen nördlich vom RheinMarne- Kanal, Westlich von Blamont und südlich von Mctzeral wurden 27 Gefangene eingebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz!: Infolge Unterzeichnung des Friedcnsvertragcs mit Rußland wurden gestern die militärischen Bewegungen in Großrußland eingestellt. .m: Bon den anderen Kriegsschauplätzen nicht» Neues. Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendorsf. Berlin. 4. März, abends Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues. — Dte Rumänen haben unsere Waffenstillstandsbedingunge n angenommen. (Fortsetzung auf der 4. Seite.) k .- 2 % torszentrierte Licht rrsEgjpg M v v// ym'////////A Äff® - Neue Typen Neue Typen _ /iffSÄ#; * «katssmmsSk r Qasqefüllt-bis 2000Watt 7 crlidtthc^ BIS i Die Friedeils-estrevmigen bei den Feinden. In Irland — in Südfrankreich - in Italic». Tie Vorschläge des deutschen Reichskanzlers sind von den Gegnern abgelehnt worden; man erwartet im Westen ein furchtbares Blutvergießen, aber man glaubt offenbar die Verantwortung dafür tragen zu nn^her auch von dieser Herzlosigkeit einmal ganz abgesehen, kann es der Verstand rechtfertigen, dag die Westnrächte jede Lösung ablchnen. dre nicht ans eine Demütigung und Gebiersvertleu^erung der . ilttei- mächte hinausläust? Geht eS den Herrschaften denn so gut? ^ . Tie irischen Zn.ncnoe haben den Charakter einer schweren Krisis ja der Revolution angenommen. In der irischen Gra.gü)aft Cläre müssen Polizei und gruppen mir Bauern und Viehtreibern kämpfen, welche die ^rahte zer,chnerden und die für England infolge des U-Voot-Krieges doppelt notwendige Schweineau ,nhr verhindern, indem sie die Schweine „im Namen der irischen Republik" beschlagnahmen. Tie finanzielle Lage ist so wenig erfreulich, daß der Schatzkanzler Bonar Law selbst zugibt, man wage keine neue Anlerhe aufzunehmen. weil man fürchte, dag sie hinter Oer vorigen Zurückbleiben werde. In maritimer Hinsicht muß man zugestehen, daß der Schiffsbau rnr vergangenen Jahre statt der versprochenen drei Millionen Donnen nur wenig über eine Million ergeben habe und daß auch die beiden ersten Monate 1918 „eine große Enttäuschung" gebracht haben. In militärischer Hinsicht endlich stellt die „Daily News" fest, daß nnt Robertson der fähigste Stratege der britischen Armee gegangen ist und daß die von Lloyd George durchgesetzte Neuordnung der militärischen Leitung „die schwersten Reibungen und Verwirrungen" ergeben könne. Gehl es in Frankreich besser? In Südost- und Mittelfrankreich nehmen die Kundgebungen für den Frieden einen nahezu revolutionären Charakter an; bei einem Umzuge in Bourges wurde Clemenceau in einem Blutmeere badend dargestellt. Tie Metallarbeiter im Loire-Departement haben gestreikt und der Kongreß der Metallarbeiter verlangt unter Androhung des Generalstreiks die sofortige Einleitung von Waffenstillstandsverhandlungen. Clemenceau fährt zwar mit der Verhaftung seiner Gegner munter fort, aber der frühere Ministerpräsident Pain- leve hat Recht, wenn er sagt, die Aufgaben einer Regierung erschöpften sich nicht in Verhaftungen und Bestrafungen. Alle Verhaftungen beseitigen auch nicht die tief eingefressene Korruption. Ter Berichterstatter der Haushaltskommission Brousse hat sestge- stellt. wie mit dem Gelds des Volkes gewirtschaftet wird: Zolleinnehmer mit einem Gehalte von 5000 Francs haben 80 000 Francs „Nebenverdienst". Ten Brasilianern zahlt man für die Charterung beschlagnahmter deutscher Schiffe den Wucherpreis von 110 Millionen Franken und gibt einem brasilianischen Reeder eine Provision von 5 Millionen. Tie Schiffe braucht man freilich wegen der furchtbaren Hrachtraumnot, die Frankreich möglicherweise zwingt, in diesem Jahre ausschließlich mit der eigenen Lebensmittelerzeugung auszukommen. All diese Nöte mindern aber den französischen Hochmut nicht herab; aus einer Verordnung des Präsidenten der Republik geht hervor, daß Frankreich außer seinen Forderungen an der Ostgrenze auch noch koloniale Erwerbungen aus dem Kriege herausschlagen will. Ter gleiche Hochmut laßt in Italien Herrn Sonnino an der Kammer sagen, er wolle aber außer den bekannten Forderungen gegenüber Oesterreich auch noch so gut wie ganz Albanien einstecken und der sichere Besitz von Valona sei für Italien Lebensfrage. Tie Kammer war mit diesem gesunden Appetit des Außenministers einverstanden und votierte der Regierung mit gewaltiger Mehrheit ihr Vertrauen; sie wurde aber bald darauf unerwartet geschlossen. wsil sich die Negierung des dauernden Wohlwollens der Onovevoli nicht ganz sicher suhlt. * * * Englische Sorgen wegen der Offensive. Ter militärische Mitarbeiter der Londoner Wochenschrift „The World" schrieb am 15. Januar: „Haigs Verluste haben während zweier Offensiven nach den Veröffentlichungen des „War Office" eine Million Toter überstiegen. Es war unvermeidlich, daß die englischen Truppen zur Offensive übergingen und alle Offensiven sind sehr kostspielig. Tiefe Tatsache aber macht es dem Oberkommando besonders zur Pflicht, Ol*:* ^e?cn au.) nicht eines einzigen Schützen zu ver- schnenden. Biele unserer Offensiven, unter denen die Can.braischlacht nur eine ist. haben gezeigt, daß sicher in ;ehr Oe. cuieuöen Fragen ur ' re tz - c'ckung hinter Iq: de nt ph-e n zurücksteht. Andererseits aber darf man nicht anneh nen. daß die Gesarntvorwürfe allein aus Sir Tougtas tzaig fallen. Das französische Oberkommando hat auch seinen Anteil an der Verantwortung. Das Kciegsglück der letzten vier Feldzugsjahre zu menten. ist ein gigantisches Unternehmen. Tatsächlich sind die Tcntschen großenteils auf dem entscheidenden Operation t gebiet jetzt für uns viel gefährlicher. als sie es während ihres Rückzuges von der Marne im September 1914 waren. Eine große Offensive ist in Vorbereitung, und es wäre geradezu Wahnsinn, anzunehmen. daß sie fehlginge. Im Gegenteil, sie wird zweifellos von Erfolg begleitet sein. Sie wird wahrscheinlich die letzte im Kriege sein, denn die ungewöhnlichen Verluste, die auf beiden Seiten erlitten worden sind, haben einen solchen Umfang angenommen, daß kein möglicher militärischer Erfolg eine Fortsetzung dieses Gemetzels aufwiegen könnte. Es ist darum Pflicht des Kriegskabinetts, in solch einer Krise die Lage so sorgfältig wie möglich zu erwägen und sich selber dagegen zu sichern, daß der entscheidende Feldzug von 1918 nicht durch unzureichende Führung beeinflußt wird." Nach 50 Jahren. Tie acht Koffer König Ludwigs I. Politische und allerlei andere wichtige Enthüllungen erwartet man von der Entsiegelung des schriftlichen Nachlasses König Ludwigs l„ der gesetzliche oder testamentarische Bestimmungen nunmehr nicht mehr im Wege stehen. König Ludwig 1. von Bayern, der in den roten Märztagen des Jahres 1848 auf die Krone' verzichtet hatte, starb vor nunmehr 50 Jahren als Einundachtzig- jähriger in Nizza. Noch kurz vor dem Tode wurde an dem Kranken eine Operation versucht, die aber das Ende nicht hintanhalten konnte. In dem Testament des verstorbenen Königs fand sich die Bestimmung, daß sein schriftlicher Nachlaß 50 Jahre nach seinem Tode veröffentlicht werden könnte. Tiefer Nachlaß besteht in der Hauptsache aus acht großen Koffern, welche Aufzeichnungen des Königs, Notizen, Briefe usw. enthalten. Nach des Königs ursprünglicher Bestimmung sollte einer der Koffer bereits nach 25 Jahren eröffnet werden, doch hat der Monarch diese Erlaubnis wieder umgestoßen. In dem Wortlaut des königlchen Testaments heißt es ausdrücklich, daß der Nachlaß nach 50 Jahren geöffnet werden könne. Tamit ist also noch nicht gesagt, daß auch eine Veröffentlichung erfolgt. Erbe an dem Nachlaß ist der jetzt regierende König Ludwig III. In seiner Hand liegt die Entscheidung darüber, welche Teile der litararischen Hinterlassenschaft veröffentlicht werden sollen. Außer den acht Kosfern befanden sich in dem Nachlaß des Königs noch über 20 Schachteln und Kästchen, die auf Wunsch in die Hof- und Staatsbibliothek überführt wurden. Tie Koffer ruhen im Geheimen Hausarchiv, deren Beamte zunächst eine Durchprüfung des Materials sowie dessen Registrierung vornehmen, ehe an eine Bearbeitung gedacht werden kann. Abgesehen von dsm politischen Julsresse, das dvr Nachlaß bietet, erwartet man aus ihm auch eingehende Tatsachen über das Verhältnis König Ludwigs I. zu den führenden Schriftstellern und Künstlern jener Zeit sowie über fein eigenes dichterisches Schassen. Die „Verrücktheit mit den Holzfchiffen". Ein nutzloses Hilfsmittel gegen die U-Boote. , Im Londoner „Daily Telegraph" beschäftigt sich der einflußreiche und manchmal recht freimütige Schriftsteller Archibald Hurd mit der Hilfe, die man von Amerika erwartet. Er spricht sich recht verzagt aus und übt schroffe Kritik an dem amerikanischen Verbündeten. U. a. sagt er: „Erst sollten Holz schiffe gebaut werden, aber davon kam man bald ab. Im Schiffsrat kam es zu persönlichen Differenzen, und das kostete wieder Zeit. Das Washingtoner „Army und Navy Register" hat hierzu bemerkt: „Ter Schiffsrat hat viel versprochen und nichts gehalten. Man hätte den ganzen Schiffsbau unter das Marine-Departement stellen müssen, das nicht so blödsinnige Versprechungen gemacht, Zeit gespart und nicht die Verrücktheit mit den Holz- schiffen begangen haben würde." Es sieht durchaus nickt so aus. als wenn Amerika die berühmten „0 Millionen Tonnen", von denen man so oft hört, dieses Jahr bauen könnte. Wenn es hoch kommt, so werden es 11/2—2 Milli- | oneit Tonnen sein, einschließlich der vom Verband bestellten und dann beschlagnahmten Schiffe. Wenn wir dann selbst noch 2 bis 2 400 000 Tonnen dieses Jahr fertigstettcn, so ist das Menschenmöglichste geleistet worden." Soweit Hurd. Unsere U-Boote pflegen diese in einem Jahre zu erbauenden 2 Millionen Tonnen aber in einem Vierteljahr zu versenken! Tabei sind aber diese 2 Millionen Tonnen weit übertrieben, oa es nicht halb soviel, als Amerika bauen kann. Der schlimmste Feind ausgeschieden. 2er russische Friedensschluß vollzogen. „Infolge der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Rußland sind die militärischen Bewegungen in Großrußland e i n g e st e l l t." Mit diesen einfachen Worten verkündete der Sonn- tag-Abend-Bericht das Ende des Krieges mit Rußland. Und zwar das wirkliche Ende. Wir haben den Frieden mit den Bolschewiki gemacht, jener revolutionären Gruppe, die zurzeit in Rußland die Macht in Händen hat. ES unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Herrschaft dieser überradikalen, nur auf Revolution und Umsturz bedachten Gruppe über kurz ein Ende nehmen muß. Aber selbst wenn die in Englands Fahrwasser schwimmenden Kadetten ober wenn gar der einstige Urheber dieses Weltbrandes, der eroberungs- und ranke süchtige Zarismus wieder ans Ruder kommen sollte, wäre damit eine akute Gefahr noch immer nicht gegeben. Rußland hat keine Waffen mehr. Unsere Beute im Osten war fabelhast. 2100 Geschütze. über 5000 Maschinengewehre, viele Tausend Fahrzeuge, darunter über 500 Kraftwagen und 11 Panzerautos, über 2 Millionen Schuß Arkilleriemuni- tion und 128 000 Gewehre, 800 Lokomotiven und 8000 Eisenbahnwagen. — Alan male sich aus, was das heißt, diese unermeßliche Beute an Tausenden von Geschützen, an vielen Tausenden von Maschinengewehren, an Kraftwagen. Panzerautos, Fahrzeugen aller Art, an mehreren Millionen Schuß von Artilleriemunition und die gewaltigen Ziffern an erbeuteter! Lokomotiven und Eisenbahnwagen sind ein großer Kräftezuwachs für die deutsche Armee und In Scherz und Ernst. tf. Tas Telephon im Treuste der Chirurgie. Ein Pariser Wundarzt will einen telephonischen Apparat susgedacht haben, der es ohne weiteres mit unglaublicher Genauigkeit ermöglicht, Geschosse oder Geschoßteile, die im Körper des Verwundeten zurückgeblieben sind, aufzuspürew Die damit angestellten Versuche sollen so vortrefflich ausgefallen sein, daß die Einführung des Llpparates in der französischen Armee jetzt allgemein in die Wege geleitet wird. Der Grundgedanke, auf dem der Apparat aufgebaut ist. besteht > in folgendem: Im Jnduktionslauf herrscht bekanntlich elektrischer Gleichstrom. Genau die Stelle, wo der gesuchte Metallkürper sitzt, kann also sehr leicht bestimmt werden, in dem man die Oberfläche des menschlichen Körpers mit einem kleinen beweglichen Schalter bestreicht und daran ein telephonisches Hörrohr anbringt. Sowie der Schalter in die Nähe des Metall- körperS kommt, wird der elektrische Gleichstrom unterbrochen; die Nähe des Fremdmetalls stört den ruhigen Stromumlauf. Es entstehen Untertüne, die sich umsomehr verstärken, je näher der Schalter dem gesuchten Gegenstand gebracht wird. Auf diese Weise kann man den Ort des versteckten Geschosses ganz genau bestimmen. Ter Apparat umfaßt weiter nichts als ein paar Elektromagneten auf derselben Tafel angebracht. Links stehen sie mit dem suchenden Schalter in Verbindung; auf der rechten Seite befindet sich der Hörer. Gespeist werden die Drähte von einer kleinen Batterie, die in der Mitte eingeschaltet ist. — Tie Frage ist nur, ob das Geschoß dem Arzte den Gefallen tut, so nahe an der Oberfläche zu sitzen, daß derartige Schwankungen des Stromes an einer genau bestimnr- baren, also für Operationen verläßlich sicheren Stelle, in dem Jnduktator elektrische Veränderungen hervorzubringen. tf. Ein Staat „unbekannten Aufenthalts". Die Kaiserliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht in ihrer Amtsbeilage folgende Kundmachung: „Rumänischer Dtaat Wider den rumänischen Stacft, dessen Aufenthalt und Wohnsitz unbekannt ist, wurde bei dem k. k. Landesgericht Wien von der Kriegsgetreide- verkehrsanstalt durch die k. t Finanzprokuratur in Wien wegen 800 000 Kr. eine Klage eingereicht. Die erste Tagsatzung (Termin) wurde auf den 21. Dezember 1917, vormittags 10 Uhr, Zimmer Nr. 57, vorge- nommen. Inzwischen wurde am 15. Februar 1917 die Klagebeantwortung überreicht und wird ein neuer Verhandlungstermin im April 1918 ausgeschrieben werden. Zur Wahrung der Rechte des rumänischen Staates wird Herr Tr.zum Kurator bestellt. Dieser Kurator wird den rumänischen Staat auf dessen Gefahr und Kosten solange vertreten, bis dieser entweder sich bei Gericht meldet oder einen Bevollmächtigten namhaft macht. K. k. Landesgericht in Z.-R.-S., Abt. III, Wien . . Die gegen Rumänien eingeklagten 800 000 Kr. sind von der österr.-ung. Kriegsgetreideverkehrsgesell- schast für große Getreideeinkäuse, die unmittelbar vor Rumäniens Eintritt in den Krieg mit der rumänischen Regierung abgeschlossen wurden, vor ansbezahlt worden, ohne daß Rumänien das Getreide je lieferte. Diese Klage dürfte auch in den eben begonnenen Friedensverhandlungen mit Rumänien eine Rolle spielen, und der Optimismus des k. k. Landgerichts in Wien, daß der rumänische Staat sich bei Gericht „vormittags 10 Uhr, Zimmer 57" meldet, wird sich vielleicht als berechtigt erweisen . . . Humorist!' o;s. Ter Sauerkrantliebhaber. „Ich esse Sauerkraut für mei Lebe gern." „Ich auch; aber man dars's vor Schweinefleisch nit schmecke." Scherzfrage. „Na, Schulze, wenn du allens werft: wat is Schwerin?" „Nanu? Die Hauptstadt von Mecklenburg." „Ach wat, nix weetzte, — die Hälfte von „Schwerindustrie" is et." Schrvurflmger. „Weshalb haben Sie drei o'inger ;tm Schwur erhoben?" ^ „Ganz einfach: für Kaiser, König und Vater.and. „Litt. Kztg." Unsere Urlaubsscheine tragen den Vermerk: ,.^ur enutzung von M.U.Z." - oder wie wir sagen Muz Nilitär-Urlauber-Zügen) berechtigt. Ein Urlauber laßt ; sich im Speisewagen zwischen Charleville und Metz Itlich sein, nachdem er hochbefriedigt seine Tellerspel- mg beendet hat, will er abgehen. Ta bittet ein räulein den Kameraden um Bezahlung. Er weist inen Urlaubsschein vor. Als ihm bedeutet wird, daß »r von der Bezahlung nicht entbinde, Zeigt er mit »m Finger auf Muz — Mittagessen und Zigarren, a aber hier Urlaubsscheine mit MittagsspeUung un- »kannt waren, wurde ihm empfohlen, sich ^ pus- ;qe vom Geschäftszimmer seiner Abteilung vergüten l lassen. („Ter Champagne-Kamerad .) Wahre Geschichte. Der Stabsfeldwebel Lemke, im c - feiner Mutter u. a. folgendes: „Liebes Mütter- n! Wenn Du mich sehen willst, so gehe diese Woche } Kino zur großen Truppenparade mrt Hindenburg. 1 bin die Flügelcharge in der ersten Reihe. Mit lß Dein treuer Sohn Udo." . o Ä Mutter Lemke trabte daraufhin sofort ins Ktno d fragte, wann die große Parade mit Hindenburg sehen sei Worauf man ihr bedauernd rruttenre, is gestern die letzte Borführung gewesen sei. Heule ,e es neue» Programm: Die Hochzeit in der Eier liste, ch sehr spannend und sehenswert. „Ach, wre schade. 1 Mutter Lemke, daß Sie die Parade mit Hindenburg ht mehr geben. Ich hätte so gern meinen Sohn sehen!" TaS wirkte. Die ganze Kinobude geriet tn iftegung, und nach einer knappen halben Stunde d es eine Extravorstellung, und freudestrahlend sagte utter Lemke zum Kinodirektor, der ehrfürchtig neben : saß: „Sehen Sie, der große Flügelmann links n Hrndenburig — das ist mein Sohn? Das Gesicht ß Kinodirektors soll sehenswert gewesen sein. dustrie. TaS ist oie eine Leite der Sache Die andere ist die, daß damit MutzlanvS Waffen für einen modernen Krieg weggenonnnen worden sind. Ter Krieg mit Rußland ist also endgültig aus; was nun günstigstenfalls aus dem russischen Bürger- Krieg noch entstehen kann, das ist nicht geeignet, uns Sorgen zu machen. * * Auf der Konferenz der Fabrikausschüsse teilte ein Mitglied des Obersten Wirtschaftsamtes mit, daß in Archangelsk (am nördlichen Eismeer) 20 Millionen Pud Güter aus Amerika und England zu Grunde gehen. Es handelt sich um ungeheure Mengen von Konserven, 13 Millionen Pud Kohle, 2 Millionen Hufeisen usw. All das wird im Frühjahr bei Tauwetter rns M e e r geschwemmt werden, da die Güter am Ufer lagern. Sie wegzuführen, besteht keine Möglichkeit, da statt der erforderlichen 400 Waggons täglich, nur 10 bis 30 Waggons zur Verfügung stehen. Die Kämvfe in Finnland. Bordringen der Weißen Garden. Nach einer Trcchtmeldung aus Seniajeki, dem Quartier des finnischen Generals Mannerheim, gelang es den Weißen Garden, die Eisenbahn Bjoernevorg— Tammersors abzuschneiden und Bjoerneborg einzuschließen. Obwohl sich die Roten Garden stark verschanzt haben, gilt der Fall Bjoerneborgs, der auch den Verlust des Hafens Meentyluoto bedeutet, nur als eine Frage weniger Tage. Wir uuD FuttttAuD. Was wird dort oben. Tie Schweden helfen nicht. TeshaU) ist dcuFche Hilfe erbeten worden. Diese soll gewährt werden. Im Haushaltsausschusse des Reichstages hat der Unabhängige Sozialdemokrat Ledebcur am Montag die Sache angeschnitten. Abg. Ledcbeur (Unabh. Soz.): In skandinavischen Blättern sind Mitteilungen enthalten über die Absicht Deutschlands, die Aalandsirrseln zu besetzen. Deutschland wolle der finnischen Regierung Hilfe leisten und brauche diesö Etappe. Schweden hat protestiert. Warum wird diese Nachricht in Teutschland zurückgehalten? Warum wird Schweden brüskiert? Unterstaatssekretär von dem Bussche: Aus Finnland sind Hilferufe an uns ergangen, denen wir folgen werden. Wir stehen in Unterhandlungen mit Schweden, das sich mit der Tatsache abgcfunden hat. Abg. Tr. TaviD (Soz.) sieht mit Sorge unserem Vorgehen in Finnland entgegen; es ist eine Angelegenheit eminenter politischer Tragweite, nicht nur eine rein militärische Aktion. Mit welchem Recht will man in Finnland vorgehen? Auch in Schweden erregen wir peinliche Mißstimmung. Jetzt ist noch Zeit, einzulenken. Abg. Gothein (Dp.): Unsere Sympathie gehört der Weißen Garde in Finnland. Nach den letzten Wahlen besteht die ,,Weiße" Regierung zu Recht. Sie wird mit Unterstützung der russischen Bolschewiki bekämpft Allerdings zur Einmischung lag eine Notwendigkeit nicht vor, das wäre allensalls Sache Schwedens. Abg. Westarp (kons.): Mit Finnland geht e§ gerade so wie mit der Ukraine. Abg. Haase (Unabh. Soz.): Sind wir überhaupt im Kriege mit Finnland, dessen Selbständigkeit wir anerkannt haben? Um so ausfallender ist unser Vorgehen. Unterstaatssekrctär Freiherr von dem Bussche: Zwischen Schweden und uns ist verhandelt worden, Schweden erhebt keinen Widerspruch mehr. Eine Besetzung der Aalandsinseln als Etappe hat noch nicht stattgesunden. Ruhe ans AalanD. Auf Aaland herrscht nach dortigen Meldungen völlige Ruhe. Etwa hundert polnische Soldaten der .dortigen Garnison, die aus dem russischen Heere auszutreten wünschten und deswegen vom Soldatenrat mit Erschießen bedroht wurden, haben sich unter schwedischen Schutz gestellt. In Helsingsors herrscht furchtbare Hungersnot. Das sozialistische Ministerium in Finnland ist zurückgetreten. Eine Abordnung schwedischer Sozialisten ist zur Vermittlung in Finnland eingetrosfen. Riesige Getreide-Vorräte in der Ukraine. Tas Ukrainische Preßbureau in der Schwei- meldet: Tie Getreidevorräte in der Provinz Cherson allein belaufen sich aus über 80 Millionen Pud (1 Pud — 33 deutsche Pfund). Tie in den anderen Provinzen der Ukraine verfügbaren Getreidevörräte sind gleichfalls sehr bedeutend. — Man schätzt, daß die Ukraine in ihrem Gebiet gegenwärtig wenigstens über einige hundert Millionen Pud Getreide verfügt. Russische Streiflichter. - Ter französische Botschafter Noulens und das Personal der Botschaft sowie die alliierten Missionen haben Petersburg verlassen. - Der linke Flügel der fozialrevolutionären Partei (Kerenski) hat sich gegen den Friedensschluß mit Deutschland ausgesprochen. Der Friedensvertrag mit Rußland. Fm wesentlichen bereits bekannt. Ter nunmehr nur noch der Ratifizierung harrende erste Friedensvertrag dieses Weltkrieges. Seine Einzelbestimmungen sind im wesentlichen bekannt. Beide Länder wollen fortan ,,in Friede und Freundschaft" leben. „Tie vertragschließenden Teile werden jede Agitation oder Bropaganda gegen die Regierung oder die Staats- uno Heereseinrrchtungen des anderen Teiles unterlassen." Tie genaue Festlegung der Linie wird durch eine deutsch-russische Kommission erfolgen. Der: in Rede stehenden Gebieten werden aus der ehemaligen Zugehörigkeit zu Rußland keinerlei Verpflichtungen gegenüber Rußland erwachsen > Rußland verzichtet auf jede Einmischung in die innere u Verhältnisse dieser Gebiete. Deutschland und Oesterreich-Ungarn beabsichtigen, das künftige Schicksal dieser Gebiete im Benehmen mit deren Bevölkerung zu bestimmen. Teutschland ist bereit, sobald der allgemeine Friede geschlossen und die russische Demobilmachung vollkommen durchgeführt ist, das Gebiet östlich der Linie zu räumen. Rußland wird aNes in seinen Kräften Stehende tun, um die alsbaldige Räumung der ostanato- ltschen Provinzen und ihre ordnungsmäßige Rückgabe an die Türkei sicherzustellen. Tie Bezirke Erdehan, Kars und Batum werden gleichfalls ohne Verzug von den russischen Truppen geräumt. Rußland wird die völlige Demobilmachung seines Heeres einschließlich der von der jetzigen Regierung neugebildeteu Heeresteile unverzüglich durchführen. Ferner wird Rußland seine Kriegsschiffe entweder in russische Häfen überführen und dort bis auin allgemeinen Friedensschluß belassen, oder sofort des- armieren. Tas Sperrgebiet im Eismeer bleibt bis zum allgemeinen Friedensschluß bestehen. In der Ostsee und sowett die russische Macht reicht, im Schwarzen Meer, wird sofort mit der Wegräumung der Minen begonnen. > Rußland verpflichtet sich, sofort Frieden mit der ukrainischen Volksrepublik zu schließen und den Friedensvertrag zwischen diesem Staate und den Mächten des Vierbundes anzuerkennen. E st h l n n d und Livland werden gleichfalls ohne Verzug von den russischen Truppen und der russischen Roten Garde geräumt. Esthland und Livland werden von einer deutschen Polizeimacht besetzt. Auch Finnland und die Aalandinseln werden alsbald von den russischen Truppen und der russischen Roten Garde, die finnischen Häfen von der russischen Flotte und den russischen Seestreitkrüfien geräumt. Die auf den Aalandinseln angelegten Befestigun- gen sind sobald als möglich zu entfernen. Die beiderseitigen Kriegsgefangenen werden in ihre Heimat entlassen. Die vertragschließenden Teile verzichten gegenseitig aus den Ersatz ihrer K r i e g s k o st e n, das heißt der ^staatlichen Aufwendungen für die Kriegführung sowie auf den Ersatz der Kriegsschäden. Für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Mächten des Vierbundes und Rußland sind besondere Vereinbarungen getrofsen worden. Tie Lage in Rumänien , hat in der letzten Zeit ein freundliches Gesucht genommen. Tie Bolschewiki haben den Rumänen nach hartem Kampfe bei Rybriza am Tnjestr (180 Kilometer nördlich von Kischinew) eine schwere Niederlage beigebracht. Angesichts dieser unangenehmen Lage zeigt sich Rumänien in diesen Tagen wieder verhandlungsbereit. Die Entscheidung muß in diesen Tagen fallen. Im Hauptausschuß des Reichstags erklärte am Montag Unterstaatssekretär o. d. Bussche: ..Ferner ist bekannt, daß auch Rumänien sich zu Friedensverhandlungen aus der Grundlage unserer Vorschläge bereiterklärt l-at." Allgemeine Kriegenachrichten. Ein gefährliches Paket an die Deutsche Gesandtschaft in Bern. Wie der „Bund" berichtet, ist vor kurzem in der Berner deutschen Gesandtschaft von der schweizerischen Post ein Paket mit falscher Absenderadresse aus Basel abgegeben worden, das eine Vorrichtung mit Phosphor z ü n d u n g enthielt, die bei unvorsichtigem Hantieren Veranlassung zu einem Brande hätte geben können. Tas schweizerische politische Departement ist von dem Fall durch die deutsche Gesandtschaft in Kenntnis gesetzt worden. Ter „Bund" betont, daß das Vorkommnis sehr bedauerlich sei, auch wenn es sich nur um ein Bubenstück handeln sollte. * *- * " Tie französischen Flieger Garros und Mar- chal, die kürzlich aus Teutschland entkommen sind, sind in Paris eingetrosfen. ' Prinz Mirko von Montenegro, der sich wegen seines schweren Leidens vor zwei Jahren in ein Wiener Sanatorium zur Pflege begab, ist dort einer Lungenblutung erlegen. " Ter letzte Luftangriff auf Venedig dauerte acht Stunden. Im ganzen wurden dreihundert Bomben adgeworfen. 58 Häuser wurden vernichtet. Das königliche Palais wurde getroffen und ein Flügel tu Trümmer gelegt. Ungefähr 15 Bürger wurden verletzt, darunter zwei Frauen ernst. Nur ein Mann ist getötet. Politische Rundschau. :: Zur Zensurftage hat der Vorstand des Reichs- verbandes der deutschen Presse folgende Kundgebung beschlossen: „Der Vorstand spricht die bestimmte Erwartung aus, daß der Reichstag Uebergriffen der militärischen Zensur aus das politische Gebiet entschieden entgegentritt, und daß er auch keine Abänderung der Zensurvorschristen dulden wird, die der Sache nach die Einführung einer politischen Zensur durch politische Behörden bedeutet." :: Ttantsunrrister Tr. FrieDberg, zugleich national- liberaler Abgeordneter für Solingen, sprach dort am Sonntag vor einer großen Versammlung u. a. zur Wahlrechtsfrage. Er bedauerte die ablehnende Haltung der nationalliberalen Fraktion des Landtages. Es erscheine ihm auch sehr zweifelhaft, ob es der jetzigen Mehrheit des Abgeordnetenhauses gelingen werde, dem doppelten Truck der Krone und der Masse des Volkes wirerstehen zu können. Einer üblen Rückwirkung des allgemeinen Wahlrechts auf unsere Ostmarken- und Po- lenpolitik sei dadurch zu begegnen, daß in gemischtsprachigen Bezirken die Verhältniswahl eingeführt werde. Tas Pluralwahlrecht ebenso wie das Trelklassen wähl recht seien unmöglich. Man solle -durch Verweigerung des gleichen Wahlrechts nicht die alte Sozialdemokratie in eine revolutionäre Bewegung hineintreiben Er habe die Überzeugung, die Annahme des gleichen Wahlrechts sei für das Vaters land und die Partei die beste und befriedigendste Lä- stlng der Wahlrechtsfrage, für die er sich mit aller Kraft einsetzen werde. Auch die Krone könne eine Ablehnung nicht hinnehmen, sondern werde alle verfassungsmäßigen Mittel bis zur Erschöpfung anwenden. — Ter Vorsitzende der Versammlung stellte fest, daß es der Wunsch der Wähler seines Wahlkreises sei. daß Staatsminister Tr. Friedberg die Wahlrechtsvorlage auf der Gundlage des allgemeinen Wahlrechts zur Durchführung bringe. Gerichtssaal. ^ Wegen AmtsunIcrschLagung und schwerer Urkundenfälschung verurteilte das Schwurgericht in Könitz den Polizeibeamten Gauerke aus Valdenburg zu drei Jahren Zuchthaus und 600 Mark Geldstrafe. Gauerke hatte über 4000 Mark städtische Gelder, die er aus dem städtischen Fleischverkauf und als Erlös für abgelieferte Goldsachen vereinnahmt hatte, unterschlagen. - j z Ein infamer — Schleich-Morv-BeriUch. Eine eigenartige Form von „versuchter Körperverletzung" bildete den Gegenstand der Anklage gegen die Schuhmachersfrau Soubert, die sich vor dem unterfränkischen Schwurgericht zu verantworten hatte. Wie in der Beweisaufnahme festgestellt wurde, bekam eine Tochter der Angeklagten im Oktober v. I. den Typhus. Ungefähr 100 Schritt von ihrem Anwesen entfernt wohnte der Landwirt Heim, mit dem die Angeklagte in Feindschaft lebte. Tie Angeklagte hat nun die Excrem ente ihrer typhuskranken Tochter vor der Haustür des Heim abgeladen, in der Absicht, dem Nachbar Krankheit ins Haus zu bringen. In der Voruntersuchung war die Angeklagte auch geständig gewesen, in der Hauptoerhandlung leugnete sie jedoch, doch sahen sie die Geschworenen für überführt an. Tas Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis. — Damit ist sie sehr, sehr gelinde weggekommen. Eigentlich wären 4 Jahre richtiger gewesen. 5F Ter Elbiuger Warenhaus-Aufruhr, der bekanntlich die Ausplünderung eänes Warenhauses zum Ziel hatte, beschäftigte das Gericht zum 11. Male. Angeklagt waren diesmal 11 Frauen, 2 Männer und *2 jugendliche Personen. Der 45 jährige Arbeiter Ferd. Gutjahr wurde wegen schweren Aufruhrs zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. 3 Frauen erhielten je 6 Monate Gefängnis, 11 Fälle wurden dem ordentlichen Gericht überwiesen. Volkswirtschaftliches. H Sinken der Schleichhandelspreise. Die bevorstehende Oessnung des östlichen Tores, insbesondere nach der Ukraine hin, wirst ihre Schlaglichter immer erkennbarer auch auf die Preise des Schleichhandels, obwohl auf der anderer: Seite die gegen das Frühjahr notwendig eintretende Verminderung der für den Schleichhandel greifbaren Vorräte zu einer Preisfestigung führen könnte. Eine bestimmte Marktmeinung über die Aussichten der Belieferung aus dem Osten hat sich allerdings auch der Schleichhandel offenbar noch nicht gebildet, aber es ist doch eine bemerkbare Unruhe in ihn hineingetragen. Bor allem fürchten Großkäufer mit ihren Beständen schließlich sitzen zu bleiben, da auch das kaufende Publikum eine zunehmende Zurückhaltung im Anlegen hoher Preise zeigt. Dies wird neuerdings vor allem auch aus Oberschlesien, einem der Hauptzentren des Schleichhandels, berichtet. Nachdem schon oer erneute Vormarsch in Nordrußlauv keine Erhol- .g der Preise hatte bewirken können, wirb der Friedensschluß zweifellos eine stark prcis- senkende Wirkung äußern. Aus aller Welt. Zum Selbstmord Des Streliher Großherzsg. In der Strelitzer Landeszeitung veröffentlicht das Ministerium des Großherzoglichen Hauses folgende Feststellung: „Seine Königliche Hoheit der Großherzog beabsichtigte, sich in allernächster Zeit mit einer Prin- z e ss i n eines deutschen Fürstenhauses zu verloben, deren Anmut und Liebreiz tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte. Ehe der Großherzog diesen seiner Neigung und fernen Herrscherpflichten entsprechenden Schritt unternehmen konnte, mußten zunächst Hindernisse beseitigt werden, die in einer^früher beabsichtigten Verbindung, deren Verwirklichung aber wegen der Ebenbürtigkeitsfrage nicht möglich war, ihren Ursprung hatten. Die zur Lösung jener Verbindlichkeiten gepflogenen Verhandlungen, die längere Zeit in Anspruch nahmen, und weitaus schwieriger waren, als erwartet werden konnte, drückten stark auf das Gemüt des überaus gewissenhaften und feinfühlenden hohen Herrn. Und als schließlich in jenen Verhandlungen erne Wendung elntrat, die den Großherzog die erhoffte günstige Lösirttg für stark gefährdet an- ! sehen ließ, bemächtigte sich seiner eine derartige Verzweiflung über die Gestaltung seiner Zukunft, daß. seine klare Urteilskrast getrübt und sein Gemüt ver-, wirrt wurde. Aus diesem Zustand geistiger Verwirrung ist allein der unglückselige Schritt zu erklären. Alle anderen umlaufenden Gerüchte sind gänzlich unbegründet." ' *• Gewaltige Schneefälle. Aus der ganzen Schweiz werden große Schneefälle gemeldet, die vielfache Unrer- brechungen der Bahn- und Telegraphenverbindungen herbeiführten. Auf der Lötschberglinie ist die Schneeschleudermaschine von einer Staublawine gänzlich zugedeckt, und die elektrischen Leitungen sind teilweise weggerissen worden, ebenso bei der Gotthardlinie. Deserteur erschossen. Der fahnenflüchtige Arbeiter Seiffert war in das Dortmunder städtische Gefängnis eingeliefert worden; er brach aber aus. wurde wieder gefaßt und sollte nun durch zwei Soldatei: i in das Gerichtsgefängnis gebracht werden. Kurz vor diesen: stieß er seine beiden Begleiter zur Seite und rannte davon; die beiden Feldgrauen schossen. Seiffert brach tot zusammen ly sos rönnen Berlin. 4. März. Neue U'Bootserfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatzes L6SOO Br^R.-T. Unter den versenkten Schiffen befinden sich 2 wertvolle, tUi beladene Dampfer von 7000 und 5000 Br.-R.-T , die an der Westküste Englands versenkt wurden. Einer der- selben hatte, aus der besonders schweren Detonation, die dem Torpedotreffer folgte, zu schließen, eine Munitionsladung an Bord. Der Chef des Admiralstabes der Marine. wtb Großes Hauptquartier, 5. März. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heere sgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz. Lebhafte Erkundungstätigkeit an vielen Stellen der Front. Nördlich von Reims und auf dem östlichen Maasufer war die französische Artillerie vielfach rege. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Auf den östlichen Maashöhen tagsüber heftiger Feuerkampf. Starke französische Abteilungen brachen am Abend zum Angriff gegen unsere Stellungen östlich von Monilly vor. Sie wurden im Gegenstoß zuruckgeschlagen. Auch an der lothringischen Front und in den mittleren Vogesen herrschte gestern erhöhte Ec» sechtstätigkeit. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Rumänen haben unsere Bedingungen angenommen. Somit tritt der Waffenstillstand mit Rumänien von neuem in Kraft. O Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. • . Berlin, 5. März, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Aus Stadt und Land. * Belohnung aus Anlaß der Wiederergreifung geflüchteter Kriegsgefangener. Den nachgenannten Kreisangehörigen ist aus Anlaß der Wiederergreifung von entwichenen Kriegsgefangenen wegen der dabei von ihnen bewiesenen Umsicht und Energie und der durch die Wiederergreifung dem Vaterland geleisteten Dienste eine Ehrenurkunde vom stellvertretenden General, kommando zuerkannt worden: Landwirt Wil helm Weis in Oppenrod, Hauptstraße, Landwirt Ludw ig Basiert. in^OWenrod^,Hauptstrabe. * Zur Senutzrirrg dev Schnellzüge durch beurlaubte MMtärperfoneu Die Berechtigung zur Benutzung von Schnellzügen bei Urlaubsreifen zu den Sätzen des Militäctarifs ist auf Reisen über 300 Kilometer beschränkt worden. Diese Beschränkung gilt nicht für die Urlauberschnellzüge, die auch künftig von Urlaubern ohne Schnellzugsberechtigung benutzt werden dürfen. Bei Urlaubsreifen unter 300 Kilometer Entfernung können Schnellzüge nur benutzt werden von Militäcpersonen, die wegen schwerer Erkrankung oder Todesfall in der Familie beurlaubt sind. * Gießen Unter der Besatzung des jetzt nach 13 monatlicher Streiffahrt zurückgekehrten Hilfskreuzers „Wolf" befindet sich auch ein Gießener, nämlich der Kapitän-Leutnant der Reserve Karl Schmehl, der dem Schiffe als Navigations'Offizier zugeteilt war. * Schlitz. Unter den vielen deutschen Gefangenen, denen eS infolge der Wirren und des Einmarsches der deutschen Heere in Rußland geglückt ist, wieder über die Grenze zu kommen, befindet sich auch der Schlitzec Landstucmmann Heinrich Eckhardt, der seinen Ange° hörigen diese Mitteilung aus Lemberg zugehen ließ. * Friedberg Auf dem letzten Schweinemarkt, der nur mit 14 Ferkeln beschickt war, verkaufte ein Mann 4 Ferkel im Alter von 6 Wochen für zusammen mit 450 Mk. Gegen den Händler wurde Anzeige erstattet. * Aus dem Nagelsberg Der gute Bestand an Füchsen sichert dem Jäger bei dem außerordentlich hohen Preis für den FuchLbalg eine gute Einnahme. Ein Dutzend Bälge von Meister Reineke ergibt wohl 1000 Mark. Der Preis ging Zwar stark herunter, hat aber wieder angezogen. * Marburg DaS Schöffengericht verurteilte eine Frau und deren Tochter, die beim „Antreten" vor einem Milchladen zum Milchempfang sich nicht fügten und dabei den beaufsichtigenden Polizeibeamten beleidigten, mit Geldstrafen von 6 und 3 Mk. * Falkenfteiu i T Bei seiner kürzlichcn Anwesenheit im Großen Hauptquartier stattete Kaiser Karl von Österreich auch dem hiesigen Offiziers Genesungsheim einen längeren Besuch ab. An zahlreiche Beamte des Heims verlieh der Monarch bei dieser Gelegenheit Ocdensauszeichnungen. * Nilbel Bei einem nächtlichen Einbruch in das Materialienlager des Maurermeisters Schmidt wurde der Dieb erwischt. Es war ein geachteter Bürger, der in einigen angesehenen und gemeinnützigen Vereinen Vorstands-Acmter bekleidet. Verantwortlich: Albin Klein in Gießen. Das Feldheer braucht dringend heu und Stroh! Landwirte helft dem Heere! Städtische Handels-Hochschule Mn. Das Vorlesungs-Verzeichnis für das Sommer-Halbjahr 1918 ist erschienen und durch das Sekretariat, Claudiusstr. 1, zu beziehen. (Preis 0,25 Mk.) Die Vorlesungen und Uebungen beginnen am 13. April. Der Studiendirektor ?rof. Df. €fn. ecKert, Geheimer Negierungsrat. Billa an der Lahn zu kaufen gesucht T. längere Jahre; ca 10 Räume, Heizung, elektr. Licht, Kochgas, größerer Garten, schöne ruhige "age. Angeb. m. Preis unter 6491 a. d. Exp. d. Bl. erbeten. wir stellen auf unserer Bauxitgrube sofort Arbeiter und Trauen ein. Meldungen an Obersteiger Beau oder Carl Burk in Garbenteich bei Gießen, Kontrollkarten national Scheckdrucker gesucht gegen bar. Offerten unter I. N. 7 772 an d. Erp. d. Ztg. fll Sohlenschutz! 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