Bezugspreis 60 Pfg. monatlich Knzeigenpreis 20 Pfg. vierteljährlich 1^0Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und SamstagS. — Redaktionsschluh früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Wiedener Zeitnng", Gießen. Expedition: Züdaniage 21. die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Große berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS Zahlungszieles (30 Taae), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorfchrtften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Berlagsdruckerei, Albin Klei«. Nr. 9. T°!leph°n Nr. 36L Mittwoch, den 30. Januar 1918. r°l°yh°n Nr. 362._ 31. Jahrg. Französische Angriffe zurückgeschlagen. Größere italienische Angriffe gescheitert. 25 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Eine ernfte Mahnung. Berlin, 29. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg.« schreibt: In Berlin und an einzelnen Stellen im Reiche benutzten Arbeiter den jetzigen Augenblick zu dem Versuche, durch Ntederlegen der Arbeit auf die Regierung einen politischen Druck auszuüben. Ein von den Streikenden in Berlin gebildeter Ausschuß stellte Forderungen auf, die sich u. a. auch mit innerpolitischen Fragen beschäftigen. Soweit sich darin ein Zweifel an der Entschlossenheit ausdrückt, die von ihr zugesagten Reformen im Innern durchzusetzen, gehen sie von einer völlig falschen Voraussetzung aus. Was die gleichfalls in den Forderungen berührten Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk betrifft, so sind sich die streikenden Arbeiter vermutlich nicht darüber klar, daß ihr Verhalten zu dem Gegenteil dessen führen muß, was sie erreichen wollen. Statt die Ver- Handlungen über den Frieden zu söcdern, erschweren und verschleppen sie deren Verlauf, indem sie unsere« Feinden in ihren Ansprüchen gegen unsere Unterhändler beigetreten sind. Die Regierung, die in Brest-Litowsk verhandelt, um zu einem Frieden Zu gelangen, der die deutschen Lebenstnteressen sichert, dabei aber das freund- nachbarliche Verhältnis zu unseren bisherigen Feinden möglich macht, wird sich durch derartige Kundgebungen von dem als richtig erkannten Weg nicht abbcingen lassen. Sie muß vielmehr erwarten, daß die streikenden Arbeiter sich bet ruhiger Uebeclegung baldigst von der Schädlichkeit ihres Verhaltens überzeugen und zu ihrer Arbeit zurückkehren, die für jeden heilige Pflicht gegen das Vaterland ist. Roch stehen wir in einem schweren Kampf. Jeder, der in der Heimat die Arbeit vernachlässigt oder gar niedeclegt, versündigt sich an unseren Brüdern im Felde, die mit ihrem Blut unter den größten Anstrengungen und Gefahren den Feind abwehren, der es aus die Niederwerfung Deutschlands, die Vernichtung seiner wirtschaftlichen Stellung und damit auf die Verarmung deS deutschen Volkes, also auch der deutschen Arbeiterschaft, abgesehen hat. Das Pflichtbewußtsein, m t dem unsere Arbeiter sich bisher um das Volkswohl verdient gemacht haben und das sie in ihrer erdrückenden Mehr- heit auch heute noch dem Vatcrlande beweisen, wird das seinige dazu beitragen, um die Streikbewegung baldigst zu Ende zu bringen. < Amtliche deutfcbe Cagesbericbte. wtb. Großes Hauptquartier, 26. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. An der flandrischen Front, zwischen dem Blankaart- See und der LyS, bei Lens und zu beiden Seiten der Scarpe von mittags an Artilleriekampf. Unsere Infanterie brachte von Erkundungen bei Lens, Croifelles und Epehy Gefangene zurück. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz In einzelnen Abschnitten, am Oise—Aisne-Kanal, in der Champagne und aus beiden Ufern der Maas lebte die Feuertätigkeit auf. — Westfälische Stoßtrupps holten nach kurzer vorbereitender Feuerwirkung aus den französischen Gräben am Walde von Avocouct 24 Gefangene und ein Maschinengewehr. Ebenso hatte ein kühner Handstreich gegen die feindlichen Linien am CaurteceS-Wald vollen Erfolg. 9 In den letzten 4 Tagen wurden im Luftkampf und von der Erde 25 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Unsere Flieger führten erfolgreiche Angriffe gegen die fcanzö- fische Nordküste durch. Gute Wirkung wurde in Dünkirchen, Calais und Boulogne beobachtet. Leutnant Roeth brachte gestern innerhalb weniger Minuten drei französische Fesselballone brennend zum Absturz. Italienische Front. Auf der Hochfläche von Astago und zu beiden Seiten der Brenta kam cs zu lebhaften Artilleriekämpfen. 'Ol Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. « Berlin, 26. Jan., abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Berlin, 26. Jan. Unsere U-Boote haben auf dem nördlichen Kriegsschauplatz 6 Dampfer und 2 Fischer- fahrzeuge versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. » wtb. Großes Hauptquartier, 27. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Fast an der ganzen Front blieb die Gefechtstättg- keit gering. — Bei kleineren Unternehmungen südlich von der Oise und in den oberen Vogesen südlich vor Lusse wuiden Gefangene eingebcacht. Italienische Front: Auf der Hochfläche von Astago und östlich von der Brenta lebhafter Feuerkampf. Ein italienischer Angriff gegen den Monte Pertica scheiterte. — Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. * j Berlin, 27. Jan., abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. 20000 rönnen versenkt. Berlin, 27. Jan. Neue IbBoolsecfolge im Sperrgebiet um England: 20 000 Bcuttoregistertonnen. Ein großer Teil der Schiffe, die meist bewaffnet waren, wurde unter erheblicher feindlicher Gegenwirkung vor dem St. Georgskanal vernichtet. Der Chef des Admiralstabs der Marine. O wtb Großes Hauptquartier, 28. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Nördlich von Bccelaere wurden bei einem Er- kundungsvorstoß 17 Engländer, darunter 1 Offizier, gefangen. — Die Artillerietätigkeit war fast an der ganzen Front gering, lebhafter an einzelnen Stellen in der Champagne und im Maasgebiet. Italienische Front: Auf der Hochfläche der Sieben-Gemeinden dauern seit gestern nachmittag die Artilleciekämpfe an, die sich bei Tagesanbruch im Gebiet des Coldi Rosso Zu größter Heftigkeit steigerten. — Von den anderen Kriegs,chau- Plätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. O isooo Tonnen versenkt Berlin, 28. Jan. Unsere U Boote fügten dem Feinde wiederum einen Verlust von 18000 Bruttoregistertonnen Handelsschiffsraum zu. Drei große Damp. fer wurden unter der irischen Küste versenkt. Zwei von ihnen fuhren in einem durch Zerstörer stark ge« sicherten Geleitzuge. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 28. Jan-, abends. Zwischen Asiago und Brenta sind mit italienischen Angriffen heftige Kämpfe entbrannt. — Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. « wtb. Großes Hauptquartier, 29. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. An verschiedenen Stellen der Front Artillerietätigkeit. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In der Champagne entwickelten sich lebhafte örtliche Kämpfe. — Beiderseits der Straße St. Hilaire bis St. Souplet scheiterten am Morgen kleinere fron- zvlische Angriffs-Unternehmungen. Unsere Stellungen zwischen den von Somme-Py und Ripont nach Süd- osten führenden Straßen lagen am frühen Nachmittage unter heftigstem feindlichen Feuer. Unter seinem Schutze stieß französische Infanterie mit Flammenwerfern zu starken Erkundungen gegen mehrere Stellen der Front vor. Mit schweren Verlusten wurde sie. zum Teil vor unseren Hindernissen, zum Teil im Nahkampf, zurück- gewocfen. Einige Gefangene blieben in unserer Hand; mehrere Flammenwerfer wurden erbeutet. O 1 Rege Fliegertätigkeit führte zu zahlreichen Luftkämpfen. — Wir schossen gestern 13 feindliche Flugzeuge ab und einen Fesselballon. — London und Sheer- neß wurden erfolgreich mit Bomben beworfen. — Französische Flieger setzten ihre Angriffe gegen unsere Lazarette fort. Während im Monat Dezember die Lazarettanlagen von Rethel mehrfach das Ziel ihrer Bombenabwürfe waren, griffen sie in den letzten Tagen die Anlagen von Labry (östlich von ConflanS) an. Italienische Front. Aus der Hochfläche der Sieben Gemeinden ist von neuem heftiger Kampf entbrannt. Die Italiener griffen gestern in den Abschnitten östlich von Asiago bis zur Brenta mit starken Kräften an. Am Monte Sise- mol und westlich brach ihr Angriff vor den österreichisch- ungarischen Stellungen meist schon im Feuer Zusammen; der Monte di Val Bella, auf dem sie vorübergehend Fuß fassen konnten, wurde ihnen im Gegenstoß wieder entrissen. Ebenso warfen unsere Verbündeten de» in dem Gebiet des Col bei Rosso sowie zwischen der Frenzela-Schlucht und der Brenta anstürmenden Feind nach schweren Kämpfen zurück. Wiederholte Versuche des Feindes, örtliche Einbruchstellen durch Einsatz seiner Reserven zu erweitern, scheiterten unter blutigen Verlusten. Zehn Offiziere und 350 Mann wurden gefangen. — Eines unjerer Bombengeschwader warf in der Nacht vom 26. zum 27. Januar mit guter Wirkung 21000 Kilogramm Bomben auf Castelfranco, Trevtso und Mestce. Große Brände waren weithin sichtbar. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. O Berlin, 29. Jan., abends. Von den KciegSschau- Plätzen nichts Neues. ,0öbetT völlig verwndung$?äbig. Konstantinopel, 27. Jan. Der türkische Panzer- kceuzer „Sultan Javus Selim" ist gestern hier einge. troffen. Das Schiff ist völlig verwendungsbereit. Auch die zahlreichen feindlichen Fliegerangriffe haben auf dem Schiffe lediglich durch zwei kleine Bombentreffer unwe- sentliche Beschädigungen am Schornstein und in der Reeling verursacht Der GeLuriStag des Kaisers. ist am Sonntag, dem Wunsche des Herrschers entsprechend, in möglichster Stille gefeiert worden. Die aus diesem Anlasse veranstalteten .Kundgebungen zeig- ten jedoch allenthalben trotz dieser Stille die allge- meinste Teilnahme der Bevölkerung und waren von wärmster Anteilnahme getragen. Auch bei Hofe vollzog sich die Feier im engsten Ei-eise Das Kaiserpaar nahm vormittags an dem Gottesdienst im Tom teil. Tie Predigt hielt Oberhofprediger T. Tryander. Um 12 Uhr nahm der Kai er die Glückwünsche des Reichskanzlers enrgegen. Spater hörte Seine Majestät den Generalstabsoortrag. Ter Gottesdienst im Tom begann um 10 Uhr. Kraftwagen und Kraftwagen rollte vor. Sie brachten den Reichskanzler, die Minister und staats.je^e- räre die Mitglieder des Bundesrats, die Präsidenten der Parlamente, die Generalität, die Herren vom diplomatischen Korps. Tie Leier im Berliner Stathause gewann durch eine politische Rede des Oberbürgermeisters Wermuth einen politischen Anstrich. Der Redner führte u. a .aus: , „Volk und König sind ernS." Der Kaiser hat e* in tiefer Bewegung gesprochen. Des Königs ist die Ginlösuna. Er will es einlösen. Dem Ausspruch vom 4. August 1914 ist daS Versprechen vom 11. Juli 1917 gefolgt. Die Treue zu dem ersten Wort hat das zweite Wort gezeugt, kein Zwang der Lage. So sorge nun, wer königstreu ist, daß er dem König Heise, seinem Worte treu zu sein. Und kommen wird doch, was verheißen war, nur nicht als Gabe freier Ueberzeugung, als Zeichen der Einheit, sondern im Ringen von Macht gegen Macht. Die da Kämpfe meiden wollen, werden Kämpfe entfachen. DaS Schlimmste aber: Streit und Mßbehagen werden sich an die Person des Monarchen festklammern. Sie sollen eS doch nur mit dev Freiheit wagen, die ängstlich Besorgten, die den Halt im liebgeworoenen engeren Raum ungern preisgeben. Bald wird Geist und Bewegung dem breiteren Tummelplatz angepaßt sein. Dar alte Preußentum geht so leicht nicht unter; eS wird mit seinen kernigen Eigenschaften auch den neuen Stoff durchdringen. Nur muß kühnes Vertrauen auf die starke innere Gesundheit unseres Volkes walten, nicht die Berechnung des Machtbesitzes. Am eigenen Haarschopf hat sich außer dem seligen Münchhausen noch niemand in die Höhe gezogen;' aber dem, der sich selbst überwand, erwächst Gewinn auch in der Welt der harten Wirklichkeit. Wenn alle sich gleich berechtigt und gleich verantwortlich zusammenstnden, dann wird Wirkungskreis und Einfluß auch dem einzelnen vermehrt. Auf eine BegrirßnrrgSdepesche de- Reichstag-Präsidenten Hat der Kaiser in folgendem Telegramm geantwortet: „Empfangen Sie Meinen wärmsten Dank für die treuen Wünsche, mit denen Sie Mich namens des Reichstags wiederum erfreut haben. Ich beginne das ernste, entscheidungsvolle Jahr in stolzer Dankbarkeit für die ungeheuren Erfolge, die unseren unermüdlichen Kämpfern und ihren genialen Führern zuteil geworden sind. Ich weiß, in welchem Umfange die treue Arbeit des Volkes in der Heimat zu diesen Erfolgen mitgewirkt hat und wieviel Not und Sorge dabei zu überwinden waren. Es sind unvergängliche Ruhmesblätter, die das letzte Jahr der deutschen Geschichte hinzugefügt hat, und in die neben großen Feldherrn auch schlichte Arbeiter und einsame Witwen ihre Schriftzeichen eingetragen haben. Mein heißer, Mich täglich begleitender Wustsch ist, daß Mein geliebtes deutsches Volk ohne Uebermut, aber im starken Bewußtsein seiner Macht und seines Rechts in weiser Selbstzucht seine Geschlossenheit nach innen und außen wahre, bis der endgültige Sieg unserer Waffen den Grund zu freudiger Wiederentfaltung seiner geistigen und wirtschaftlichen Kräfte legt. I. R." Aussichtslos?! Die Russen bezweiseln die Verstandigung-möglichivit. Tie Bolschewiki haben in der letzten Zeit in steigendem Maße Schwierigkeiten abzuwehren. Ihre Gewalttat gegen die Konstituante und die blutige Unterdrückung aller unangenehmen Meinungsäußerungen zugunsten von Ordnung und Sicherheit, besonders der Mord an früheren Ministern und talentvollen Gegnern von Lenin und Trotzki. haben einen Umschwung in der Volksmeinung zur Folge gehabt. Sogar die Petersburger Garnison beginnt sich der Schreckensherrschaft zu widersetzen. Tie innerpolitische Stellung ist zugespitzt. Ter Boden beginnt unter den selbstsicheren Herren im Smolna-Jnstitut zu wanke«. Unter diesen Umständen suchen sie sich dem rechtsstehenden Teile des Volkes zu nähern durch straffe Haltung gegenüber Deutschland. Der Kommissar des Auswärtigen, Trotz«, ersta tete vor dem Generalkongreß der Arbeiter- und So datenräte in Petersburg einen Bericht über den Star der Friedenkverhandlungen. Trotz« bezweifelt in di sem Bericht die Möglichkeit einer Verständigung, ! Die Delegierten der Zentralmächte angeblich rein f c v ^ t a listtsche Interessen vertreten und di ,ffreiyeitlrchen" Forderungen der maximalistischen Del Werten nur scheinbare Zugeständnisse machten. Czerni und Kühlmann unterschieden sich in den Hauptzüm durch nichts von den K a p i t a l i st e n d i e n e r n W i 1 ^^.und Lloyd George. Die russische Delegation 1 Brest-Lttowsk werde unbedingt auf ihrem Standpunk ^rr Kampf gegen den internationale ßapitalistischen Block zäh und unbeirrt sortsetzrn. * Trotz«- Nevolutionösehnsucht Achtet da wieder heraus. Sein Treiben in Brest- LitowSk, besonders seine andauernden Aufreizungsversuche gegenüber den Arbeitern auch der Zentral- LZchtd. erwecken den Eindruck, daß Trotz« mit der W^bglichksrt spielt, di« BorHandlungen fui* Gch'.'itern iu Bringen, um dadurch eine Arbeiterbewegung in den Ländern der Zentralmächte gegen die eigenen Regierungen hervorzurufen. Der klägliche Verlauf der „Generalstreiks-Agila- tion". die man am Tage nach Kaisersgeburtstag in Berlin ..unabhängiger"seits beliebte, dürfte ihn jedoch belehrt haben, daß er sich in dieser Richtung vergebliche Hoffnungen macht. Und danach wird er sich dann Wohl wieder anders besinnen. * * * Verzweifelte Maßnahmen der Bolschewiki. Die in Rußland herrschenden Maximalisten be- dienen sich zur Ausrechterhaltung ihrer Macht genau derselben Mittel, die die von ihnen bekämpfte Autokratie beliebte. Nach allerdings wohl übertriebenen französischen Meldungen können sieben nicbtmaxima- listische Zeitungen in Petersburg, vier mit Unterbrechungen unter großen Schwierigkeiten erscheinen. Wenn die Nummern nicht schon in der Druckerei beschlagnahmt werden, sind die Verkäufer Gegenstand von Beorohungen und Tätlichkeiten durch die Rote Garde, welche die Zeitungen beschlagnahmt und darauf verbrennt. Tie Nummern werden den Passanten aus der Straße entrissen. Tie Sozialisten gegen Lenin. Das Zentralkomitee der russischen sozialistischen Partei hat in ganz Rußland ein Manifest verbreitet, das gegen Lenin, Trotzki und die Maximalisten gerichtet ist. Darin werden Lenin und die anderen Führer beschuldigt, in Rußland im Namen des Sozialismus eine Schreckeusherrscha st aus- -zuüben. Die Repressalien seien noch fürchterlicher als die Maßregeln des seinerzeittgen Zarismus. Die Partei der Menschewi« fordert dazu auf. eine neue Konstituante einzuberusen. Die „Menschewiki"-Führer, die im Gegensatz zu den Bolschewik! nur ein „kleines" Ausmaß sozialistischer Forderungen vertreten, stehen ebenso wie die Kadetten in Englands Solde. Man braucht also nicht alles zu glauben, was die Engländer über ihre Tüchtigkeit und ihre Aussichten in die Welt drahten. Schlacht der Polen gegen Russen. Polnische Legionäre des russischen Heeres besetzten die Station Orscha im Gouvernement Mohilew und entwaffneten die russische Garnison. Ebenso besetzten sie die Stationen nördlich und südlich von Orscha, wo sie die russischen Posten entwaffneten. DaS Vorgehen erfolgte, weil die Volkskommissare die Leiter der polnischen Militärvereinigungen verhaftet hatten. ES handelt sich natürlich um die Polen der auf russischer Seite gebildeten polnischen Legion. Diese standen schon seit einigen Wochen mit den maximalistischen Truppen auf so gespanntem Fuße, daß die Auslösung der national-polnischen Truppenverbände von Petersburg verfügt worden war. Darüber war es schon zu heftigen Schlägereien mit den Polen gekommen, die nun ihrerseits die Offensive ergriffen haben. Mahilew, das westlich von Minsk liegt, war längere Zeit russisches Hauptquartier. Russisch« Ltreiflichier. « Der russische Proletaricttsbichter Maxim Gorki erhielt, als er in einem Schlitten durch die MorSkaja in Petersburg fuhr, einen Flintenschuß in den Hals Der Zustand des Dichters ist nicht bedenklich. --- In Petersburg soll der Flecktyphus eine beunruhlgende Verbreitung angenommen haben. Man glaubt, daß die Krankheit von Frontsoldaten eingeschleppt wurde. --- Seit dem 90. Januar finden innerhalb einzelner russischer Regimenter Versammlungen statt, worin Redner der Rechtssozialrevolutionäre gegen die Bolschewiki auftreten. — In Ttfli» im Kaukasus ist der Bürgerkrieg auSgetzrochen. Beginn der „Entspannung^? Tie Nachwirkung der Kauzlerrede im Auslande In Wien faßt man die Lage äußerst optimistisch auf. Dort wird die durch die Ministerreden geschaffene Lage cUS möglicher Beginn einer internationalen Entspannung angesehen. Das Wort hat jetzt nach der Auffassung in Oesterreich der amerikanische Präsident Wilson, und man glaubt, daß er sich der Aufgabe nicht entziehen wird, deren Lösung ihn, wenn es gelingt, zum ersten Manne der Welt mache.n würde. Es herrscht gegenwärtig sogar die Anschauung vor, daß er selbst vielleicht geneigt wäre, den allgemeinen Frieden anzustreben, ohne sich auf die Lösung der innereuropätschen Probleme zu versteifen. Nur fürchtet man, daß die englische Regierung, solange Lloyd George an der Spitze ist, den entscheidenden Schritt, der die Welt erlösen könnte, verhindern wird. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die versöhnliche Antwort, die dem Präsidenten Wilson auf seine Botschaft gegeben worden ist, lediglich von dem Bestreben der Mittelmächte diktiert worden ist, die Welt, wenn nur irgend möglich, das letzte und vielleicht entscheidende Blutvergießen zu sparen. • Die Auffassung der Feinde. Die Erörterung in der Presse der feindlichen Länder wird natürlich von einheitlichen Gesichtspunkten geleitet, wobei es Seitensprünge nicht gibt. Der Londoner „Evening Standard": „Tie Antwort des deutschen Reichskanzlers an den Präsidenten Wilson und Lloyd George zeigt, daß Preußen auf demselben Standpunkt steht, auf dem es gestanden hat. Ter einzige Frieden, zu dem es bereit ist, ist der preußische Frieden. Oesterreich-Ungarn unterstützt seinen Bundesgenossen für immer. Der Krieg muß augenscheinlich weitergehen, bis sowohl Oesterreich-Ungarn wie Deutschland entweder durch militärische Niederlage oder durch eine Revolution im eigenen Lande entwaffnet sind. Bei keiner der beiden Regierungen besteht eine aufrichtige Friedensabsicht." „Evening News" erklären: „Graf Hertling und Graf Czernin haben gesprochen, aber nicht mit derselben Stimme. Jeder ist gezwungen, seine Worte mit einiger Rücksichtnahme auf den Vtand der GelkS^ melnuna im eigenen Lande abzustimmet». Aber ob-, gleich einige Aeußerungen CzerninS deutlich den deutschen Anschauungen entgegengesetzt sind, so ist er doch freundlich, uns daran zu erinnern, daß er Deutschlands Parteigänger ist und daß er Deutschland weiter unterstützen will. Niemand, der die Rede des Grafen Hertling lieft, kann glauben, daß Deutschland geneigt ist, die ausdrücklich festgesetzten Grundsätze für einen Sieg der Alliierten anzunehmen." • Tie sranzösische Presse weicht auö. Sie klammert sich an Nebensächlichkeiten. „Matin", das Straßen- und Sensationsblatt, spricht vom „Krämergeist Hertlings", weil er Wilsons Elsaß-Lo- thringen-Lehre nicht anerkennen will. Ter „Figaro" redet von Serbien. Nur die sozialistischen Blätter kommen der Sache näher: „Berite" sagt: „Zwischen den Mittelmächten und WiLson sei betreffs der Freiheit der Meere, einer Beschränkung der Rüstungen und einer Gesellschaft der Nationen bereits eine Einigung erzielt. In letzterem Punkte stehe nur noch Clemenceau isoliert da. Die Differenzen seien nur noch hinsichtlich Elsaß-Lothringens und Belgiens vorhanden. Belgien diene als Waffe, um die Entente zu erpressen. Die elsaßlothringische Frage könne nur durch die Elsaß-Lothringer gelöst werden. Es sei unverständlich, warum Czernin das Selbstbeftimmungsrecht für Elsaß-Lothringen verweigere." „Humanite" ftndet, daß ein großer Schritt zum Frieden getan sei. - Oesterreich schließe sich der Gesellschaft der Nationen an und verleugne den bru- tralen Imperialismus. Zwischen der Rede CzerninS. den Großsprechereien Hosftnanns und den Drohungen Hertlings sei ein himmelschreiender Unterschied. Amerika und die Hertling-Nede. Ter „Matin" berichtet aus Washington, man be trachtet dort die Rede des Reichskanzlers Hertling als ungeeignet, den Frieden herbeizuführen. » Der „Berner Bund" stellt an der Spitze seiner Betrachtung über die Reden Hertlings und CzerninS die Feststellung, daß sich die Mittelmächte in allen Fragen Bundestreue halten. Das bezieht sich, sagt das Berner Blatt, insbesondere auf territorialen Besitz. Im Ton unterscheiden sich beide Reden: die Rede CzerninS ist warm, diejenige Hertlings hört sich kühl an, in einzelnen Punkten sogar streng abweisend. DaS versteht man in anbetracht der verschiedenen Verhältnisse, aus denen heraus die Reden geflossen sind. DaS Berner Blatt würde aber bedauern, wenn nicht weiter über daS Programm Wilsons gesprochen würde. * Treue „bis in den Tod". Mit der ihm eigenen überhebenden Geste hat kürzlich Lloyd George Frankreichs Sache zu der englischen gemacht und in seiner letzten Rede den Franzosen den Trost zugerufen: „Wir werden Frankreich in der elsässisch-lothringischen Frage bis in den Tod folgen." Das zweifelhafte und vielleicht auch zweideutige dieses Ausspruches ist sofort bemerkt worden, auch in Frankreich. Jetzt greift Henri Fabre im „Journal du Peuple" das Wort auf und knüpft daran die folgende Bemerkung: „Ich glaube nicht, daß die Elsaß-Lothringer selber die Rückkehr um den Preis unseres Todes und den unseres guten englischen Freundes wünschen." Herr Lloyd George hat hier wieder einmal den Mund sehr voll genommen. Wenn ihn die Franzosen an sein Versprechen erinnerten, würde er sicher in die peinlichste Verlegenheit kommen. Man soll nicht so leicht mit dem Leben spielen, wenn man seiner Sache nicht ganz sicher ist. * * * Bor Brest°Lito»vsl-Ntuauft«-e. Unser Staatssekretär Kühlmann ist am Sonntag wieder nach Brest-Lttowsk abgereift. Taß auch Trotz« dce Rückreis? bereits angerreten hatte, ist bisher noch nicht aus Petersburg gemeldet worden. Hoffentlich deutet das nicht auf weitere russische VerschleppungS- versuche. Es dürste angebracht sein, gegen solche ent- schieden Front zu machen. Keine Verschleppung, auch keine Verhetzung. Man wird auch dafür sorgen müssen, daß das Bestreben der Bolschewtkis, während der Verhandlungen Material zu gewinnen für ihre gegen uns gerichtete Hetzarbeit, keine weiteren Erfolge mehr zeitigt. Die Versuche, mit allen Mitteln die Revolution in das deutsche Volk zu tragen, können uns nicht gleichgültig lassen. Im übrigen kann es auch nicht schaden, wenn den Herren Bolschewikis der krasse Widerspruch zwischen ihren Theorien und ihrer eigenen Gewaltherrschaft etwas deutlicher zu Gemüte ge- tzihrt wird. Der Krieg zur See. Neue U-Boots-Ersolge. Neue U-BootS-Ersolge im Sperrgebiet um Sna- land 20 000 Brutto-Register-Tonnen. Ein großer Teil der Schisse, die meist bewaffnet waren, wurde unter erheblicher feindlicher Gegenwirkung vor dem St. Georgskanal vernichtet. bin Riesendanchfer torpediert. Keuler meldet: Der Cunarddampfer „Andania" (13 409 Donnert) mit 40 Passagieren nnd 200 Mannschaften wurde auf der Ausreise an der Ulsterküste torpediert. Alle konnten sich in die Boote retten und wurden nach einer Stunde aufgegrifsen. Man hrlfft, den Dampfer ln den Hafen bringen *u können. * * * Schon 53 »/o der italienischen Handelsflotte versenkt. Nach dem „Popolo Romano" erwähnte der Schatzminister Nttti in einer Rede in der A.sso- eiazione Commerciale industriale agricolo Romano, daß im Verlauf des Kriege- 55°/, der italienischen Handel-- flotte versenkt worden sind. „ , , Bsrssnknn- eine» spanisch»» Dampfers, Nach einer Pariser Havasmeldung berichten die Blätter aus Madrid: Tie Versenkung des spanischen Dampfers „Viktor de Chavari" wird bestättgc. Es sollen drei Matrosen dabei ums Leben gekommen sein. * Tie „Goeben" wieder frei. Der türkische Panzerkreuzer „Sultan Javus Se- lim" (früher „Goeben"), der auf dem Rückmarsch von dem Vorstotz nach der Insel Jmbros an der Enge bei Nagara festgekommen war, ist in die Dardanellen eingelausen. w _ Welche Bedeutung die Engländer dem Kampswert der „Goeben" beimessen, beweist, daß der englische Pressedienst seit einer Woche mit dem Schiff sich beschäftigt und alldauernd Meldungen von weiteren Angriffen und angeblichen Beschädigungen verbreitet, um falsche Hoffnungen auf Beseitigung der „Goeben" für die weitere Kriegführung zu erwecken. Ter türkische Panzerkreuzer „Sultan Javus Se- lim" ist in Konstantinopel eingelaufen. TaS Schifist völlig verwendungsbereit. Auch die zahlreichen feindlichen Fliegerangriffe haben dem Schiff lediglich durch zwei kleine Bombentreffer unwesentliche Beschädigungen am Schornstein und an der Reeling verursacht. Neutrale Rechte gibt» nicht mehr. Ter Pariser „Matin" meldet aus Marsaille: Tie französische Regierung beschlagnahmt vom 1. Februar ab alle im Hafen von Marseille liegenden Schiffe. Die Ueberseedampfer sowie die Post- und Frachtdampfer haben keine festgesetzten Linien mehr, sondern werden je nach Bedarf verwendet. Tie Gesellschaft Chargeurs Reums wird ihre Schiffe für den Getreide- und Warentransport nach Südamerika verwenden. Der Postdienst wird verändert und herabgesetzt. Iranzösische „AuSkämmnug" für die Marine. Nach einer Verfügung des französischen Marineministers haben sämtliche beurlaubten jüngeren Jahrgänge der französischen Marine bis zum Jahrgang 1313 sich spätestens bis zum 15. Februar in ihren Garnisonen zu stellen. Ein Nachtrag zur Seeschlacht vor dem Skagerrak. Eine bemerkenswerte Berichtigung der englischen amtlichen Darstellung der Seeschlacht vor dem Skagerrak. die allmählich von dem ersten Eingeständnisse der Niederlage zu einem grotzen Steg der englischen Flotte umgelogen wurde, bringt „Daily Telegraph" vom 27. Dezember in einem den Verdiensten des abgesägten Admiral Jellieoe gewidmeten Leitartikel. — In ihm wird, entgegen der endgiltigen englischen Darstellung, die seststellte, daß die englische Flotte das Schlachtfeld beharrptete, unumwunden die Richtigkeit der deutschen Berichte, die den Abbruch der Schlacht seitens der englischen Flotte meldete, zugegeben. Es heißt über die Beweggründe, die den englischen Flottenführer zum Abbrechen der Schlacht veranlaßten. hierin wörtlich: * „Der Feind warf eine ungeheure Streitmacht von Zerstörern und Unterseebooten in die Schlacht, ec war vom Wetter und vom Gesichtsfelde begünstigt, das auf der Höhe seiner durch Minen geschützten .Häfen lag." Der Verfasser gibt damit, worauf es ja ankommt, offen zu, daß Admiral Jellieoe die Schlacht „abgebrochen" habe und stellt gleichzeitig der deutschen Führung durch das Eingeständnis ein glänzendes Zeugnis aus, daß es ihr gelungen sei. durch den überraschenden Einsatz von Zerstörern und Unterseebooten im rechten Augenblick der Seeschlacht die Wendung zum entscheidenden deutschen Siege zu geben. Daß die Deutschen vom Wetter und vom Gesichtsfelde. das auf der Höhe der durch Minen geschützten deutschen Häfen lag, besonders begünstigt gewesen seien, entspricht nun allerdings ^icht den Tatsachen. Ein Blick auf die Karte beweist, daß das Schlachtfeld von den deutschen Hafen kaum weniger weit entfernt gewesen ist. als von den englischen. ES ist auch schwer verständlich, daß eine solche falsche Darstellung immer wieder bei dem seefahrenden englischen Volke Eingang finden kann, obwohl der Ort der Schlacht einwandfrei feststeht. Doch wird man vom rein menschlichen Standpunkte aus dem Verfasser die kleine Beschönigung ebenso zugute halten wie die. dah die deutsche Flotte vom Wetter besonders begünstigt war. angesichts des der Wahrheit entsprechenden Eingeständnisses, daß Admiral Jellieoe die Schlacht infolge des rechtzeitigen Einsetzens von deutschen Zerstörern und Unterseebooten a b z u b r e - ch e n genötigt gewesen ist. teilung der sehr irenfreundlichen „Dakku News" wieder, wonach Präsident Wilson wegen der Lösung der irischen Frage in London Schritte unternommen habe. Staatsrechtlich wäre dies ein entschiedener Eingriff iu Die britische Souveränität. Aber Wilson darf sich schon etwas herausnehmen. Und zur Beruhigung der amerikanischen Iren tut er das vielleicht auch * * * Kleine Kriegsnachrichten. " Eine Konferenz der Sozialisten der feindlichen Länder findet am 21. Mai in Bern (Schweiz) statt. " Ein weiterer Transport von 192 schweroer- wundeten Austauschgefangenen aus England traf :n Aachen ein. " Der italienische Schatzmintster Nitti erklärte in Genua, die neue italienische Staatsanleihe müßte mindestens zweimal soviel wie die früheren Anleihen ein- bringen wenn eine Zwangsanleihe, eine Ber- mögeru-,teuer und andere drückende Steuermatzregeln vermieden werden soUen. Der „Maffen"-Streik in Berlin hat keine erhebliche Bedeutung erlangt. Es streikten hauptsächlich junge Burschen und Mädchen. Die Verkehrsmittel haben keine Unterbrechung erlitten. Im einzelnen seien folgende Zahlen angeführt: In Weitzensee waren Montag mittag 4000 Arbeiter ausständig, bei Schwartzkopf 4000. bei Borsig in Tegel ein Drittel der Arbeiterschaft, bei Auer die ganze Belegschaft von 8000 Mann, ebenso bei Daimler und ber Goertz, bei der A. E. G. dagegen nur wenige hundert Mann, ebenso bet Ludwig Löwe und bei Bergmann, Elektrizitätswerke. Aus dem Flugplatz Johannisthal streiken etwa 70 Prozent der Arbeiter, während in den Siemenswerken in vollem Umfang gearbeitet wirb. Diese Zahlen hatten aber natürlich nur vorübergehende Bedeutung. Im ganzen sind bisher 100 000 Arbeiter in den Ausstand getreten. Fm Nuhrpevier — Rull. £i Berlin, 28. Jan. Auch bei Beginn der neuen Geschäftswoche behielt die Börse ihr lustloses, uneinheitliches Gepräge bei Die heute bei einer Anzahl der hiesigen Betriebe eingetretenen parttelten Ar- beirerstreiks bildeten das Gesprächsthema. 4 Velin, 28. Jan. Warenmarkt. (Nichtamtlich.) Saatgetreide 20—22,50, Serradella 46,50, Saaterbsen 37,50—42,50, Saatbohnen 42,50—47,50, Peluschken 32,50—37,50. Saatwicken 27,50 -32,50, Spör- ge: 140, Schilfrohr 4,50, Heidekraut lose, auf Abladung, bis 3,90. Richtpreise für Sämereien: Rotklee 260—276, Schwedenklee 210-228, Weißklee 160 bis 176, Inkarnatklee 118—132. Gelbklee 96-106. Timoty 96-106, Raygras 108—120, Knaulgras 108-120 für 50 Kg. ab Station Flegelstroh 4.75—5,25, Preßstroh 4 , 79 . Maschtn.nftryh 4 - 4 . 2 * U-Bootkrieg-KMrkungen. Berlin, 28. Jan- Bon Februar 1917 bis Ende Dezember 1917 wurden 27 feindliche Truppentransportschiffe und 265 Schiffe mit sonstigem »rtegsmoterial versenkt. Unter den letzteren befanden sich allein 97 mit Munition beladene Fahr zeuge. Diese Menge von Munition die diese Schiffe an Bord hatten, hätte genügt, um 50 Divisionen zu je 15 600 Mann einen Monat lang mit Munition und Granaten zu versehen. Berlin, 28. Wie schwer der U-Bootkrieg England schädigt, geht aus einer Acußerung hervor, die der englische Munitionsminister tat. Ec sagte kürzlich: Ich habe jetzt die Granatenbestände um 100000 Tonnen vermin dern müssen, nur aus Mangel an Schiffsraum. * Die erfolge des U-Boot-Krieges. Berlin, 28. Jan. Wie wir hören, find in der Zeit vom 1. 2. 1917 bis 31. 12. 1917 27 Truppen- transportdampfer und 265 Schiffe mit Kriegsmaterial, darunter 97 mit Munition und fertigem KriegSgerät Von unseren U-Booten versenkt worden. Die hiermit vernichtete Menge von Munition würde den Bedarf von 50 Divisionen zu je 15000 Mann über einen Monat gedeckt Habens ein IS 000 Connendampfer torpediert. London 28. Jan. Der Cunarddampfer „All' dania" (13405 Bruttocegistertonnen) mit 40 Paffa- gieren und 200 Mannschaften wurde auf der Ausreise an der Küste von Ulster torpediert. Alle konnten sich in die Boote retten und wurden nach einer Stunde aufgegriffen. Man hofft, den Dampfer in den Hasen bringen zu können. Mt Staat und Land. * Einberufung der Zweiten Kammer. Die Zweite Kammer ist auf nächsten Dienstag einberufen. Zur Beratung steht u. a. der Gesetzentwurf über die Abänderung und Ergänzung deS Gesetzes über die Landtagswahlen. Ferner wird ein Mitglied für den aus dem Bauernbund ausgeschiedenen Abg Wolf- Stadecken in den Zweiten Ausschuß zu wählen sein. Die Verhandlungen dürften nur zwei Tage dauern. * Hessische Handwerkskammer. Die Kriegs- amtstelle Frankfurt a. M. stellt z. Zt. Erhebungen an, um einen Ueberblick über den voraussichtlichen Arbeitsmarkt bei der Demobilmachung zu gewinnen. Soweit Arbeitskräfte für Handwerksbetriebe in Frage kommen, ist für das Großherzogtum Hessen die Handwerkskammer zu Darmstadt beauftragt worden. Jur Erfassung der Hilfskräfte in korporierten Handwerksbetrieben sind an die Innungen und sachlichen Vereinigungen Fragebogen verschickt worden. Nicht organisierte Handwerksmeister, soweit sie zur Gewinnung von Hilfskräften im Falle der Demobilmachung, eine öffentliche bzw. behördliche Ar beitsvermittlnng in größerem Umfang in Anspruch nehmen wollen, können Fragebogen bis zum 31. Ianuar 1918 bei der Handwerkskammer zu Darmstadt, Saalbaustr. 60 erhalten, die bis zum 5. Februar 1918 angefüllt wieder zurückgegeben sein müssen. Die Vorkehrungen sind lediglich vorsorgende Massnahmen, die in keiner Weise irgend welche Schlüsse auf die Möglichkeit eines baldigen Friedens zulassen. * In den Adelsstand erhoben wurde vom Großherzog von Hessen Kommerzienrat Karl Opel, der derzeitige Seniorchef der Firma Adam Opel, Rüffelsheim. * 'Küdinger Gbstpreise. Das Kreisamt setzte für die Zeit bis zum 28. Februar d. Js. neue Höchst. Preise für Obst fest. Ein Zentner Edeläpfel, jedes Stück ausgesucht, darf nicht mehr als 50 Mk., ein Zentner zweiter Sorte nicht mehr als 31.25 Mk. und ein solcher dritter Sorte nicht mehr als 12.50 Mk. kosten. Birnen in drei Sorten schwanken in der Preis» läge von 10 bis 43.75 Mk. Und in Frankfurt muß man für einen Zentner Aepfel unbekannter Sorte 75 und mehr Mark bezahlen. Das bedeutet vom Erzeuger bis zum Verbraucher eine Preissteigerung von rund 600 Prozent! * Kartoffelpreise. Die hessische LandeSkartoffel- stelle bestimmt: Der EczeugerhöchstpceiS für Winter- fpeisekartoffeln wird vom 16 . Januar ab auf 5 Mk. für den Zentner festgesetzt. Daneben ist eine Verw-'h- rungSgebühr zu zahlen, die beträgt: bei Lieferung bis zum 28. Februar 50 Pfg. bei Lieferung ab 1. März 75 Pfg. für den Zentner. Der Höchstpreis gilt für die Lieferung ohne Sack und für Barzahlung bei Empfang. Ec schließt die Kosten der Beförderung bis zur Verladestelle des Ortes, an dem die Ware mit der Bahn oder zu Wasser versandt wird, sowie die Kosten des VerladenS daselbst ein. Bei unmittelbarer Lieferung gesackter Kartoffeln ausschließlich Sack frei Keller des Bestellers kann ein Zuschlag von 80 Pfg. für den Zentner gefordert werden. Bei Lieferung der Kartoffeln durch einen Kommunalverband oder einen Händler erhöht sich der Zuschlag von 80 auf 1.50 Mk. pro Zentner. * Gegen das Altschlachten der Schweine Im Aufträge der Fraktion des Bauernbundes hat sich der Abg. Brauer mit einem Schreiben an die Re- gterung gewandt. Ec führt darin gegen das Abschlach. ten der Schweine u. a. aus: „Die Mitglieder des Bauernbundes sehen sich angesichts der Erfolglosigkeit der von der Hess. Regierung in Berlin gegen die radikale Abschlachtung der Schweine unternommenen Schritte gezwungen, gegen die Durchführung dieser Maßnahmen schärfsten Widerspruch zu erheben. Ist es den maßgebenden Stellen nicht bekannt, daß es vielen Landwirten möglich ist, mit HaushaltungS absällen einige Feik.l bis Zar Grünsültcrung durchzu halten? Fürchten die verantwortlichen Ratgeber nicht, daß durch solche gewaltsamen Eingriffe in den Organismus des landw. Betriebes nicht nur die einzelne Wirt- schaft, sondern die Allgemeinheit durch das gänzliche Fehlen des Schweinefleisches und Fettes im nächsten Herbst schwer geschädigt wird? Ganz besonders schwer getroffen werden kleine Landwirte und Arbeiter, welche ihre für geradezu fabelhafte Preise erworbenen Ferkel mit großen geldlichen Verlusten abgcben müssen." Die rheinische Goldankaufwoche ist vorüber, die Psiicht der Reichsbank alles überflüssige Gold zuzuführen, bleibt weiterbestehen, denn je länger der Krieg dauert, desto dringender wird die Notwendigkeit die Goldrüstung der Reichsbank zu stärken. Und je mehr Gold die Reichsbank beim Friedensschluß hat, desto schneller können wir unsere Volkswirtschaft wieder aufbauen. * Keller lüften. Ein Gebot der Hausfrauen ist es bei der jetzigen milden Witterung unbedingt die Keller zu lüften. Selbst nachts können die Kellec- fenster cffen bleiben, solange kein Frost ist. Die Kartoffeln fangen in zu warm gehaltenen Kellern bereits an zu keimen. Ein Abkeimen ist ratsam. ' • * Gießen 28. Jan. Im Vorstande des Landes- v ex e i n s Ob e r h e s s e n dex Deutschen Vaterlandspartei sitzt auch der Führer der Gießener Sozial, demokcatie, Stadtverordneter Krumm. Aus An- laß einer Reichsgründungsfeter, die der Landesverein Oberhessen in Gießen veranstaltete, wurde an den Großherzog ein Telegramm gesandt, in dem er gebeten wurde, „gleich den Königen von Bayern und Sachsen die feste Siegeszuversicht der Hessen öffentlich zum Ausdruck zu bringen und die Bundesratsbevollmächtigten anzuweisen, den Reichskanzler in seinem kraftvollen Auftreten gegen die Feinde und in dem innigen Auschluß an unsere glorreichen Volkshelden Hindenburg und Ludendorff gegen alle Widersprüche tatkräftig zu unterstützen." Auch dieses Telegramm, auf das vom Großherzog eine dem Wunsche entsprechende Antwort einging, trug die M i t u n t c r sch r i f t des sozialdemokratischen Führers. Sein Verhalten strht in bnnerkenSwertem Gegensatz zu den Angriffen, die die sächsische Sozialdemokratie wegen eines ähnlichen Telegramms letzthin gegen den König gerichtet hat. Darmstadt» 23. Jan. In dex zweiten Kammer führte heute Finanz minister Dr. Becker über den Stand des Voranschlages für 1918 aus: Der Voranschlag sei, trotzdem er Mlt einem Fehlbetrag abschließe, günstiger als der für 19.17. Die Ausgaben haben sich hauptsächlich durch die Kriegsteuerungsbeihilsen, die 4 450 000 Mark betragen, erhöht. Ungünstiger sei der Ausblick auf das Gebiet der Eisenbahnen Statt für die im Jahre 1917 vorgesehenen 18,6 Millionen Mack Koftenvorschüffe, würde Hessen nur 15 Millionen Mark erhalten. Die Aussicht für 1918 sei noch trüber. Die Einnahmen seien nicht zurückgegangen, sondern um 20 Prozent gestiegen. Die Ausgaben dagegen hätten sich hauptsächlich auch infolge der Teuerungszulagen um 90 Prozent gesteigert. Deshalb sei eine Steuerer- Höhung nach dem Kriege unvermeindlich. Zum Schluß wandte sich der Finanzminister gegen die Einführung direkter Reichssteuern. * Morms, 22. Jan. In beinahe vierstündiger Sitzung hat sich die Stadtvecordentenversammlung ge- stern über die Vorlage der Errichtung einer Fltegerstation in Worms entschieden, nachdem die Verhandlungen und Beratungen ein ganzes Jahr lang in Anspruch genommen hatten. Die Opfer, die von der Stadt gefordert werden, sind groß: sie hat einen Zuschluß zu leisten von 575000 Mack und sie verliert in der Gemarkung Psiffligheim 400 Morgen des besten Ackerbodens, dessen Ankauf der Militäcfiskus vornehmen wird. Die Heeresverwaltung verpflichtete sich, die Fliegerstation mindestens bis 1960 in Worms zu belassen. Bei Vergebung aller Bauacbeiten, auch für alle zukünftigen Erweiterungen und der laufenden Unterhaltungsarbeiten, wird die Heeresleitung in erster Linie Wormser Handwerker berücksichtigen. Die Vorlage wurde mit allen gegen 7 Stimmen angenommen. Der Beitrag der Stadt in oben erwähnter Höhe ist erst bei Ingebrauchnahme der Station fällig. Die Heeresverwaltung ist berechtigt, von dem Vertrag zurückzutreten, falls die Geländeerwerbskosten die hierfür vorgesehenen Beträge überschreiten. * Offenvach. Eine Leserin übersandte einer. Zeitung eine Preisauszeichnung, die an einem Kinder- schürzchen angesteckt war, das sie für 18.50 Mk. gekauft hatte. Diese Preisauszeichnung besieht aus 5 übereinander geklebten Zetteln, die, wenn man einer nach dem andern entfernte, folgende Zahlen ergaben: 18.50, 12.75, 7.90, 4.25, 2.95 Mk. Der letzte Preis war sicher der Friedenspreis. Im Anfang war man noch bescheiden und schlug nur 1.50 Mk. auf, zuletzt aber, obwohl das Schürzchen mit 12.75 schon teuer war, gleich noch 5.75 Mk. Verantwortlich: Albin Klein in Gießen. Die MrsorgevermMungsjtelle für erwerbstätige Kauen und Mädchen. ===== weftanlage 31 ■■■■■. . bietet Frauen und Mädchen unentgeltlich Auskunft und Beistand in häuslichen und persönlichen Angelegenheiten, sowie Beratung bei der Wahl der Beschäftigung. Mutter- und Säuglingsschutz. 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