(Ne»este Nachrichten) Bejugsprcts 60 pfg. monatlich vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab aeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSpabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samstags. - Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. _ ... äritMtirt" fit i t 6 1 tt expeditio«: Südanlage 21 gnzeigenpreis 20 pfg. die 44 min breite Petitzeile, für AuSwärt» 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung des Zahlung». zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gietzeuer Verlagsdruckerei, Albin Klei«. T ejl e p h o n Nr. 362. Samstag, den 19. Januar 1918. Telephon Nr. 362. An allen Fronten geringere GefechtstätigLeit. Das amerikanische Heer kommt für 1918 nicht in Frage. Ueberlegene Lnstkampf-Ersolge im Dezember. üniilicbe deulfcbe Cage$b«ricbte. wtb. Großes Hauptquartier, 16. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. und Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: Bei und östlich Lens war die Artillerietätigkeit ge- steigert. In einzelnen Abschnitten Eckundungsgefechte; südlich von Ornes wurden Gefangene gemacht. Heeresgruppe Herzog Albrecht: Nach mehrstündiger Feuerwirkung stießen französische Abteilungen nördlich von Badonvillers vor und drangen vorübergehend in unsere vorderen Gräben ein. Eigene Aufkläcungstruppen brachten in den oberen Vogesen Gefangene ein. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedonische Front. Im Cerna Bogen erhöhte Gcfechtstätigkeit. Italienische Front. Zwischen Brenta und Piave lebhafte Feuerkämpfi mit besonderer Heftigkeit im Geb cte des Monte Asolone. Die Italiener haben ihre erfolglosen Angriffe nur süd- llch vom Monte Fontana Sccca wiederholt; sie wurden abgcwiefen. In dem Piaveabschnitt nördlich von Montello Verstärkte sich das englische Artillerlefeuer. Der Erste Generalquartiermeister: Luden docff. Berlin. 16 Jan., abends Am Westhange des Monte Pertica scheiterten gestern nachmittag mehrfache Angriffe der Italiener. — Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. * Nein brlliscfter Kriegsfcbiff zu treffen. Berlin, 16. Jan. Am 14. und 15. Januar unternahmen leichte deutsche Stceitkräste einen Streifzug durch die südliche Nordsee. Sie troffen w?dec feindliche Kriegsschiffe noch Handelsfahrzeuge an. trotzdem sie nördlich der Themsemündung dicht unter die englische Küste vorstießen. Dort nahmen sie wichtige Anlagen auf nächste Entfernung bei guter Beobachtung mit über 300 Schuß unter wirksames Artilleriefeuer. Der Chef des Admiralstabes der Marine. 21000 rönnen versenkt. Berlin 16. Jan. Starker, mit allen Mitteln aus- geübter Gegenwirkung zum Trotz fielen auf dem nörd lichen Kriegsschauplatz: unseren Unterseebooten 21000 Bruttoregistertonnen Handclsschiffsraum zum Opfer. Hierbei wurde ein englischer Dampfer von mindestens 4000 Tonnen in geschickt durchgeführtem Angriff aus besonders starker Fischdampfec-Sicherung herausgeschossen. Die Mehrzahl der versenkten Schiffe war bewaffnet und schwer geladen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. wtb. Jan. 1918 Großes Hauptquartier, 17 Westlicher Kriegsschauplatz. Keine größeren Kampfhandlungen. In zahlrei chen Frontabschnitten Eckundungsgefechte. Nördlich von Passchendaele, an der Scarpe, bet Vendhutlle und St. Quentin wurden einige Engländer gefangen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedouische Front. Im Cerna Bogen dauerte erhöhte Artillecietätigkeit an Italienische Front. Die Lage ist unverändert. Bei ihren erfolglosen und verlustreichen Angriffen am 14. und 15. Januar haben die Italiener an Gefangenen 12 Offiziere und mehr als 300 Mann eingebüßt. , Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Berlin, 17. Jan-, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. - * wtb Großes Hauptquartier, 18. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Auf dem größten Teil der Front war die Gefechtstätigkeit gering, lebhafter in der Gegend südwestlich von Cambrai. — Bei kleineren Unternehmungen nördlich und nordöstlich von Prosnes wurden Gefangene ein- gebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues. An der Mazedonischen Front und Italienischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorfs. Berlin, 18. Jan-, abends. Plätzen nichts Neues. Von den Krlegsschau- Unterdrückung des Schleichhandels. Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Knegs- rrnährungsamtes von Waidow fand am 12. Januar eine Besprechung zwischen Vertretern der zuständigen Zivil- und Militärbehörden und der Industrie über die Frage der Bekämpfung des Schleichhandels der industriellen Werke statt. Die Vertreter der Industrie stimmten der Anstcht des Staatssekretärs uneingeschränkt bei, daß die bisherige Praxis eines großen Teiles der Betriebe zu einem Zusammenbruch unserer Ernähruugswirtschaft führen miiffe. Ein Kommission, bestehend aus Vertretern der Behörden und der Industrie, soll die Grundsätze aufstellen, nach denen an Stelle der Sonderversorgung aus dem Schleichhandel eine Belieferung der industriellen Arbeilerschaft aus legalem Wege zu treten hat, dami deren Leffiungsfähigkeit nicht gefährdet wird. Allseitig war man sich darin einig, daß die Bereitstellung der zur legalen Belieserung notwendigen Lebensmittel die sofortige Unterdrückung des Schleichhandels zur Voraussetzung hat. Eine Besprechung mit Vertretern der Arbeiterschaft über die gleiche Angelegenheit wird tu der nächsten Woche i m Kriegsernährungsamt stattfinden. fl ui Stadt und Land. * Grldpreife für die nächste Krtegvanleihe- werbuug Das Kricgspresseamt fordert die im Heere stehenden Künstler auf. Entwürfe von Bild- und Schrift- Plakaten für Kriegsanleihen einzucelchen. Beide Arien sollen der Geschmacksrichtung und den Verhältnissen des Heeres Rechnung tragen, einfach aber in ihrer Wirkung sinnfällig sein. Für die drei besten Arbeiten sind folgende Geldpreise ausgesetzi'. Bildplakate 1000 Mark erster Preis, 500 Mark zweiter und 300 Mark dritter Preis: Schriftpiakate 200 Mark erster, 100 Mark zweiter und 50 Mark dritter Preis. Die Entwürfe sind bis zum 25 Januar d. I. an das Kcieaspresseamt Abteilung 4, Berlin RW. 6, einzusenden. Die Beult- nng der Entwürfe erfolgt durch einen Sachverständigenireis. * Streuet Asche bei Glatteis! Auf den Fußsteigen herrscht jetzt wieder als Folge von Schnee und Frost, besonders nach dem Tauwetter, jene gefährliche Glätte die allzu oft ein Ausgleiten der des Weges kommenden Personen, ihre Verletzung und eine Schadenersatzpflicht des Hausbesitzers zur Folge hat, wenn der letztere seiner Pflicht, Asche zu streuen, vor seinem Hause nicht nachgckommen ist- Recht dringend muß den Haus- besitzecn angeraten werden, stets darauf bedacht zu sein, daß die Fußsteige vor ihren Häusern in gongfähigem, -einen Unfall nach Mögiigkert ausschließendcn Zustande sind. Die Entschädigungen, di- bei fahrlässiger Nichtbeachtung dieser Vorschrifismaßnahme unter Umständen an verletzte Personen zu zahlen sind, können nämlich ganz erheblich sein. So hatte in Kolberg eine Beamtcnwitwe, Die vor einem Hause auf dem nach ei- nein Schneetreiben nicht mit Asche bestreuten, und daher glatten Fußsteige zu Fall gekommen war und ein Bein gebrochen hatte, vom Hausbesitzer eine einmalige Zahlung von 2683 Mk. und eine jährliche Rente von 530 Mk verlangt. Diese recht beträchtlichen Summen sind der Klägerin damals sowohl vom OberlandeSge- richt Stettin, wie auch vom Reichsgericht zugesprochen worden, da sie beide ei» Verschulden als vorliegend ansahen. Der ..Reichsverband für de« dentfche« Gar- trubuu" wendet sich in einem Aufruf an alle Bevöi- kerungskreije in Stadt und Land, um jeden, der wenig oder viel Grund und Boden als Eigentum oder in Pacht besitzt und einen Spaten regieren kann, zur Erzeugung von Nahrungsmitteln zu bewegen. Die deutsche Landwirtschaft hat während der vier Kriegslahre das Menschenmöglichste in der Erzeugung notwendiger Le- bensmittel getan. Die Zeitumstände erfordern es ,edoch gebieterisch, daß nicht nur die gesamte Erwerbs-, sondern auch alle staatlichen, königlichen, städtischen, Anstaltsund Privatgärtnereien, sowie die große Zah der gärtnerischen Liebhaber alle Kräfte tn der gleichen Richtung tn Bewegung setzen. Noch werden bei wertem nicht alle Flächen, die zum Anbau von Gemüse u. Feib- früchten geeignet sind, sachgemäß bebau!. Hier muß Wandel geschaffen werden. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, und wer nicht wenigstens von dem kleinen Fleckchen vaterländischen Bodens, das ihm zur Verfügung steht, Früchte für den eigenen Bedarf heranzleht. sollte in seinen Lebensmittelbezügcn gekürzt werden. Erfreulich zu beobachten ist es, daß immer mehr Zier- und Binmengärtnereien ihre Betriebe auf den Anbau von Nahrungsmitteln eingestellt haben, und daß in den Gewächshäusern und Frühbeeten schon heute alle Vorbereitungen getroffen werden, um für die kommende Frühjahrsbestellung das erforderliche Saat- und Pflanz- gut hecanzichen zu können. Jeder der bewährten Meister im Gartenbau und der lernbegierigen Schüler tue seine Pflicht! - Ailbel Beim Kaffeetrinken verbrühte sich der fünfjährige Sohn des Maurers Ferdinand Kreiling innerlich so schwer, daß er nach kurzer Zeit unter qualvollem Leiden verstarb. - Oppenheim (Rheinhessen). Sämtliche Treibriemen im hiesigen elektrischen Werk im Werte von 8000 Mk. wurden gestohlen. Der Maschinist Lotzmann wurde als der Tat verdächtig verhaftet. * Frankfurt. 14 Jan. Eine Versammlung der Vaterlandspartei, in weicher im Saale des Zoologischen Garten Pfarrer Traub zu sprechen beabsichtigte, wurde gleich nach Beginn von den Gegnern durch Johlen und Schreien gesprengt. Die radaulustige, offenbar eigens in die Versammlung abkommandierte Menge Uetz nicht einmal den Vorsitzenden zu Wort kommen, der über die Woite: „Meine Damen u. Herren!" nicht hin- auskam Es erhob sich ein solcher Lärm, daß die Versammlung polizeilich aufgelöst werden mußte. * Mesbade« In der elektrischen Bahn verioc vor einigen Tagen eine Dame einen Zettel, auf dem über 36 Mark für zwei Pfund Butter quittiert war. Dieser Fund kam in die Hände der Polizei, die daraufhin in dem Delikatessengeschäft, von dem d e Quittung stammte, Haussuchung abhielt und für drei- bis viertausend Mark Waren an Fletsch, Mehl, Wurst, Butter und anderen ähnlichen Kostbarkeiten vorfand. Aus ben beschlagnahmten Büchern ergab sich ein sehr lebhafter Umsatz von Lebensmitteln, der besonders vor den F-ieriagen einen großen Umfang angenommen, und man ersah weiter sehr große von einzelnen Kunden tn die Tausende gehende Bestellungen für die Weihnachstage. - Marburg. Im Jahre 1918 werden hier soi- rende Märkte abgehaltcn: Krammärkte am 2. Feb., 25. März, 1. Mai, 2 Juli, 30. September, 19. No- vember und 31. Dezember. — Pferdcmärkte am 21. März und 10. September. — Schweinemärkte am 21. Februar, 18. April, 20. Juni, tt. Juli, 8. August, 10. Oktober und 28. November. — Rindvieh- und Schweine- Märkte am 14. März, 16. Mai und 5. September (letzterer auch Schasmarkt). Reiseverkehr und Kriegsführung Immer wieder muß eindringlich darauf hinge- wiesen werden, datz eine erfolgreiche Kriegführung sich nur aus der Grundlage eines Leistungsfähigen Verkehrswesens ermöglichen läßt. Tie gewaltigen Waffener- foige der MiLreimächte beruhen zum guten LeU auf ihrem weitverzweigten, vortrefflich ausgebautett-Eisenbahnnetz, das es ermöglichte, im Bedarfsfälle Truupen- masfen und Kriegsbedarf blitzschnell von einem Kriegsschauplatz auf den anderen zu werfen. 'Aber auch die innere Front steht und füllt, mit er Haltung des in Kriegszeiten ans- in 'Anspruch genommenen Eisenbahnbetriebe.-. Unjere .'Auegc- wirtschaft und Rüstungsindustrie, unsere nolT-ernah-- rung einschließlich der Kohlenvcrsorgung müßten itt verAingnisvollem Umsauge in Frage gestellt werden, gelänge es nicht, den Güterverkehr, der die veimat mit Rohstoffen, Lebensmitteln und Kuhlen versorgt, im erforderlichen Maße aufrechtzuerhallen. Ta ist denn die größtmöglichste Einschränkung de:- Personenverkehrs ein dringendes Gebot. Tie Cifenbahnbehör- den haben bereits entsprechende Maßnahmen getroffen, die am 13. Januar in Kraft gerbten sind, mit dem ausschließlichen Zweck, in größerem Umfange als bisher Maschinen. Personal und Strecken durch Ausfall von Personenzügen sreizumachen und die Abwicklung des Güterverkehrs, dem unbedingt der Vorrang gebührt, nach Möglichkeit zu fördern. Alle behördlichen Maßnahmen bleiben aber Stückwerk, wenn nicht jeder einzelne sich den Ernst der Sachlage klar macht und durch freiwillige Opfer dazu beiträgt, die Schwierigkeiten verstaHdnisvoll vermindern zu helfen. Es herrschen über die Einschränkung des Reiseverkehrs in der Oeffentlichkeit vielfach falsche Anschauungen. Nicht um lediglich Kohlen oder Be- triebsmaterial zu sparen, ist die Eisenbahnverwaltung gezwungen, den Privatreiseverkehr zu vermindern, sondern weil es jetzt im vierten Kriegswinter, wo noch zudem die Wassertransportwege nur sehr beschränkt nutzbar sind, von größter Wichtigkeit ist, Kohlen, Lebensmittel und Rohstoffe in genügender Menge heranzuschafsen, damit die Heimat nicht nur selbst durchhalten, sondern auch dem kämpfenden Heer alles Herstellen und heranführen kann, was dieses an Munition, Waffen und Kriegsgut braucht. Wer jetzt noch Privatreisen unternimmt, die nicht - ganz unentbehrlich und dringlich sind, versündigt sich am Vaterlande, dem er die Mittel zum Durchhalten und zum Siege verkürzt und beeinträchtigt. Wenn jeder Deutsche sich klarmachen wollte, daß er durch den Verzicht auf eine nicht unbedingt notwendige Reise mit der Eisenbahn so und soviel Frachtraum für die Allgemeinheit freimacht, der dieser in erhöhter Zufuhr an unentbehrlichen Lebensgütern zugute kommt, dann brauchen wir im Kampfe gegen Lußere und innere Kriegsnöte ernste Schwierigkeiten nicht zu befürchten. 1818 kann Ancle Sam nicht helfen Die Leistungsfähigkeit des amerikanischen Schiffbaues Der amerikanische Marinesekretär Daniels sagte der „Uorkshirepost" vom 14. Dezember zufolge in seiner Rede zu New Uork: „Die Leistungsfähigkeit unserer Werften im ganzen Lande ist verzweifacht, in einigen Fällen verdreifacht worden." Diese Angaben lassen einige Rückschlüsse auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit des amerikanischen Schiffbaues zu. Nach einer Meldung des „N^w Z)ork Times" hat der Leiter des englischen Schisssbauamtes am 29. September der „Associated Preß" zufolge sich in einer Erklärung über die Schifsahrtslage dahin ausgesprochen, das Bauprogramm der Vereinigten Staaten müsse groß genug sein, um die Vernichtung zu übertreffen, selbst wenn es 6 Millionen Tonnen im Jahre bedeute, d. h. dreimal soviel wie England höchstens geleistet hat, oder zehn- bis elfmal so viel, wie die Vereinigten Staaten bisher gebaut haben. Wenn nach der Angabe des amerikanischen Marinesekretärs Daniels die Leistungsfähigkeit der ame- Scherz und Ernst. tf. Bulgariens Tabalgefchäft. Anläßlich eines Ueberblickes über die finanzielle Lage Bulgariens, den der Finanzminister Tontschesf am 3. Dez. in der So- branje gab. lenkte er besonders die Aufmerlsamkeit aus den außergewöhnlichen Ertrag der diesjährigen Tabakernte, wodurch bei den gleichzeitigen hohen Preisen Riesensummen verdient werden. — Im Jahre 1916 waren 18 000 Hektar mit Tabak bebaut, die eine Ernte von 40 Millionen Kilogramm ergaben, wovon die Hälfte von edelster Qualität und einen Wert von 900 Millionen Levas darstellren. Hiervon erhebt der Staat eine Steuer oon 1 1 1/2 %; 1)er Rest kommt den Pflanzern und Exporteuren, die säst alle bulgarische Untertanen sind, zugute. Die Tabalpflanzer und -Händler in Bulgarien sind also gut daran, und Vor allem letztere haben Millionen verdient. Es steigt allerdings eine kleine Wolke am Himmel auf: die Beschlagnahme in Deutschland von dort liegendem unbearbeiteten Tabak für die ..Zigaretten-EinkaufSgesell- schast" in Dresden. Genannte Gefellschaft, die jetzt der einzige Käufer in Deutschland geworden ist, kann ein volles Jahr mit dem Einkauf aussetzen, falls die Preise ihr nicht zusagen. In der Donaumonarchie ist die Lage ähnlich, nur daß die Tabakvorräte etwas geringer sind. Tie Regien Oesterreichs und Ungarns haben sich mm. insofern dem Auftreten Deutschlands gegen die Preistreiberei in Bulgarien angeschlossen, als sie den Beschluß faßten, in keinem Fall höhere Preise zu bezahlen als die „Einkaufsgesellschaft" in Dresden. Infolge dieser Maßnahmen sind die bulgarischen Tabakhändler und -Exporteure beim Ankäufen der neuen Ernte vorsichtiger und zurückhaltender geworden. tf Dem Vevöllerungsproblem schenkt man z. Zt. auch in England große Aufmerksamkeit. Laut „Economist" hat Sir Bernard Mallet als Vorsitzender der Königlichen Statistischen Gesellschaft in einer Ansprache folgende bemerkenswerte Zahlen angegeben: In England verheirateten sich infolge des Krieges zwischen August 1914 und Juni 1917 200 000 Personen, die es sonst nicht getan hätten. Ohne den Krieg würde die rikanischen Wersten nur „verdoppelt oder in einigen Fällen verdreifacht" wurde, so besagt dies, daß die amerikanischen Wersten jährlich nur etwa ein Sechstel over etwas mehr von den 6 Millionen Tonnen leisten, die der Leiter des englischen Schifsahrtsamtes als unbedingt erforderlich bezeichnete. Dazu kommt, daß er die jährliche Vernichtungszahl durch die deutschen U-Boots mir 6 Millionen erheblich zu nie- d: :g angegeben hat, da das Ergebnis allein im Jahre 191.' über 9 Millionen Tonnen betragen har, und auch in ck^'tt!! wo die Ziffern natürlich heruntergehen rn ,,K:;. nachdem ein erheblicher Teil der Welttonnage dr!n deutschen U-Boot-Krieg zumOpfer gefallen ist, und gerade da. Sperrgebiet um England schwächer befahren wird, die Summe von 6 Millionen Tonnen vermut- llcki übersteigen wird. Sc. bst nach vcn zweifellos nicht zu niedrig grgrisfcirrn 'Angaben ves amerikanischen MnrUrcfttrem: 1 Daniels wirs man Daher festste.len tonnen, eaß der amerikanische Schiffbau nur etwa 20 Prozent Ic* jährlich den: Deutschen N-Boot-Krieg zum Opfer fallenden Schi-frraumes ersehen kann. Die besonnenen Blätter in den Bereinigten Staaten, wie der Bostoner „Monitor", lenken übrigens die 'Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung immer wieder aus den beunruhigenden Stand der Schiffs- raumfrage. Das Schifsahrtsamt in Washington bekennt freimütig, daß der Schiffbau in allen Teilen der Vereinigten Staaten infolge des Arbeitermangels weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Heute herrscht dringende Nachsrüge nach nicht weniger als 400 000 Schisssmechanikern aller Art. 200 000 Manu arbeiten in den einschichtigen Werften. Das Schisfahrtsan.it sieht sich nun genötigt. Lord Northclisfe darin recht zu geben, daß die Bereinigten Staaten nicht in der Lage sein werden, vor 0 Q 1 Jahre 1919 die erforderlichen sechs Millionen Tormen an Handelsschiffen fertigzustellen. Der Krieg zur See. 5 größere Dampfer. Bei starker :mg und unter stärkster Gegenwirkung, die öieijau; auch durch feindliche Luftstreitkräfte ausgeübt wurde, versenkten unsere U-Boote im Aermelkanal und au der englischen Ostrüste fünf größere Dampfer. Die Mehrzahl der Schiffe war tiefbeladen und bewaffnet. * Die Besprechung der Frachtraumsrage in der englischen Presse konzentriert sich der Sachlage entsprechend mehr und mehr auf die Frage der Neubauten, während die Bedeutung des neutralen Frachtraums und der Zuwachs durch die beschlagnahmte deutsche Handelstonnage in den Hintergrund treten. .„Daily Telegraph" stellte vor einiger Zeit sest, daß wahrscheinlich trotz aller Prophezeiungen nur 1 Million Tonnen Frachtraum im Jahre 1917 sertiggesielli worden sei. Selbst wenn man diese Ziffer auf iy 2 Millionen Tonnen erlhöht, entspricht sie nicht annähernd den englischen Erwartungen. Ein englisches Fachblatt vorn 20. Dez. muß zugestehen, daß erst die Oktober-Novemberleistung im Handelsschiffbau die / monatliche Durchschnittshöhe von 1913 erreicht habe, sodaß man von nun ab mit einem Jahreszuwachs von 2 Millionen Tonnen rechnen könne. Am 27. Dez. schreibt das „Journal of Commerce": Wir wundern uns nicht darüber, daß man uns sagt, der Bau von Handelsschiffen werde von jetzt ab in sehr beschleunigtem Tempo weiter gehen. Die Unannehmlichkeit ist in diesem Falle und in anderen ähnlichen Fällen, die mit dein Schiffbau Zusammenhängen, daß die Verwirklichung der Dinge, die wir zu sehen wünschen, immer der Zukunft anheim gestellt wird. Beständig sagt man . uns, daß nunmehr der wunderbare Wechsel in der Lage eintreten wird." Auch die Enttäuschung über das Mißlingen des amerikanischen Schiffbauprogramms kommt in der englischen Presse wieder lebhaft zum Ausdruck. Das Geständnis des Premierministers Lloyd George, daß er sich bezüglich der Ueberweisung amerikanischen Frachtraums an Anzahl der Geburten von Mai 1915 bis Juni 1918 im Vereinigten Königreich 3 500 000 betragen haben; es werden aber nur etwa 2 950 000 sein. In Deutschland werden in der gleichen Zeit statt 5 850 000 nur 3 250 000, in Ungarn statt 2 600 000 nur 1 100 000 stattfinden. Das bedeutet für das Bereinigte Königreich einen Ausfall von 6, £ür Deutschland einen solchen .von 17, für Ungarn einen solchen von 24 normalen Monaten. Die sensationellen Behauptungen der Zeitungen über die Zunahme unehelicher Geburten im Vereinigten Königreich treffen nicht zu: es gab deren 37 909 im Jahre 1913, 36 245 im Jahre 1915 und 37 689 im Jahre 1916. Auffallend ist die Zunahme männlicher Geburten in der Kriegszeit, die von Firks schon in Deutschland für die Kriege von 1866 itnb 1870/71 feststellte; eine Erklärung dafür fehlt noch. — Die Kindersterblichkeit hat in England erfreulich abgenommen; sie betrug 1916 nur 22 vom Tausend oder 19,5 v. H- weniger als im Durchschnitt der vorausgegangenen zehn Jahre. Bei einem Vergleich mit den Mittelmächten ergibt sich, daß in London nur in einem Monat die Todesfälle die Geburten überwogen, während in „den sechs feindlichen" .Hauptstädten nur einnral — und zwar in München im letzten August — ein Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle vorkam. Während die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs nach drei Kriegsjahren ungefähr die gleiche ist, wie zu Kriegsbeginn, haben die Mittelmächte einen Verlust von wenigstens vier Millionen zu verzeichnen. — England hat aber seine Leute geschont und die Franzosen und Russen bluten lassen. Das ist aber in der letzten Zeit anders geworden. tf. Die Bcsohlanstalt der Stadt Berlin ist seit einigen Wochen im vollen Betrieb und hat natürüd) ganz enorm zu tun. Einige fünfzig Arbeiter, darunter auch hilssdienstpflichtige Schuhmacher, sind dort beschäftigt. die Berliner Bevölkerung mit sestem Schuhwerk aller Art zu versehen. Ter Maschinenbetrieb ist natürlich vorherrschend. Es ist ganz erstaunlich, was diese Maschinen, die neu beschafft wurden, leisten. In wenigen Minuten ist ein Paar Stiefel fix und fertig besohlt, wobei auch Frauen die Nebenarbeiten verrichten. Während Oer eine Arbeiter die aus Holz, Tertillose und vzngiano geirrt habe, und daß infolgedessen seine Be- rechnungen -Ine A-nderunz erfahr?« hätten wird peinlich empfunden. v ' w Allgemeine Kriegsyachllchten. Luftkampf-Erfolge im Tezemder. Im Monat Dezember haben unsere Gegner h ur * öte Tätigkeit unserer Kampfmittel aus allen Fronten "" ganzen 119 Flugzeuge und 9 Ballone verloren -wlir haben 82 Flugzeuge und 2 Ballone eingebüßt- davon sind o7 Flugzeuge jenseits oer Linien oecl blieben, wahrend die anderen 25 über unserem Gebiet verloren gingen. Auf die Westfront allein entfallen von den 119 außer Gefecht gesetzten feindlichen Flugzeugen 101, von den 82 deutschen 74. An der italienischen Front haben wir 17 feindliche Flugzeuge abgeschossen und 6 eigene eingebüßt. Im einzelnen setzt sich die Summe der feindlichen Verluste folgendermaßen zusammen: 83 Flugzeuge wurden im Lufttampf 30 durch Flugabwehrkanoneu, 1 durch Infanterie abge- scho'ffen, v landeten unfreiwillig hinter unseren Lt- men. Von diesen Flugzeugen sind 47 in unserem Besitz, 72 jenseits unserer Linie erkennbar abgestürzl Der Pariser Funkspruch vom 8. Jan. nachmittags meldet, daß die Franzosen im Dezember 1917 76 deutsche Flugzeuge abgeschossen haben, und sagt u. a wörtlich: ,„Von diesen scheinen 35 Flugzeuge, die in ihren Linien niedergingen, vernichtet zu sein, doch konnte hierüber keine abschließende Feststellung gemacht werden." Demgegenüber werden die ftanzösi- schen Verluste auf 20 Flugzeuge, davon 13 über ihren eigenen Linien abgeschossen, und l Fesselballon angegeben. Tatsächlich beliefen sich die deutschen Bcrlnste aus dem französischen Teil der Westfront im Dezember 1917 aus 9 Flugzeuge diesseits und 22 jenseits, während die französischen Verluste nicht 20. sondern 44 Flugzeuge betrugen, von denen nicht 13, sondern 36 nach einwandfreier Feststellung jenseits abstürzten; nicht 1, sondern 3 Fesselballone wurden abgeschossen. Die Tatsache, daß der französische Bericht die 35 deutschen Flugzeuge, deren Abschuß nach seinem eigenen Eingeständnis nicht sicher war, unbedenklich als deutsche Verluste berechnet, kennzeichnet seine Glaubwürdigkeit zur Genüge. Ter bayerische Jlieger.eutnant Max Müller, Ritter des Ordens „Pour le merite", ist bei der Jagdstaffel Boelke in der Nähe von Cambrai nach seinem 38. Luftsieg infolge Flugzeugfehlers tödlich verunglückt und so, unbesiegt, für das Vaterland gefallen. Leutnant Max Müller stammte aus Niederbayern und war ehedem ein Klempnergeselle. Bei Kriegsausbruch wieder eingerückt, ging er zur Fliegertruppe über. Auf einstimmigen Vorschlag seines Offi- zierkorps zum Vizefeldwebel befördert und zum Osfi- zierstellvertreter ernannt, wurde er in den ersten Tagen des September 1917 wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde vom König von Bayern zum aktiven Offizier im Fliegerbataillon befördert. Gesarrgerren-Austausch. In dem südholländischen Hafen Rotterdam erfolgte am Sonntag die Ausschiffung der im Austausch gegen englische Kriegsgefangene gestern abend aus England eingetroffenen deutschen Offiziere und Mannschaften. . Die niederländische Regierung war durch den Minister des Auswärtigen, London, vertreten. Auch der Vorsitzende des Kriegsgefangenen - Ausschusses. HandelSkammerpräftdent da Monchh, war zugegen. Don ihren eigenen Landsleuten getötet oder verwundet. Die Zahl der bei feindlichen Artillerie- oder Fliegerangriffen getöteten und verwundeten Elnvoh- ner der Tiesetzten Gebiete in Frankreich und Belgien hat sich im November und Dezember 1917 wieder beträchtlich erhöht. Es wurden in diesem Zeitraum getötet 35 Männer. 45 Frauen und 27 Kinder und verletzt 27 Männer, 55 Frauen und 15 Kinder. Nach den Zusammenstellungen der „Gazette des Ardennes" anderem Material bestehenden Sohlen verpaßt und zuschneidet, befestigt der zweite Arbeiter die Sohlen. Ein dritter schlägt mit der Maschine die Holzzwicken ein. Eine Frau schwärzt die Stiesel. So geht die Arbeit infolge der Teilung mit einer solchen Fixigkeit vorwärts, datz man staunen muß, in welch kurzer Zeit ein Paar Stiesel vollständig fertig zur Ablieferung bereit liegen. tf. Der vermeintliche Biirstenbiudcrgeselle. Daß ein Kunstmaler, der bereits auf der Höhe seines Ruhmes steht und dementsprechend auszutreten weiß, von einer Behörde für einen arbeitslosen Bürstenbindergesellen gehalten wird, dürste nicht zu den Alltäglichkeiten Zählen. Wilhelm Kaulbach erzählt in einem seiner Briese aus dem Jahre 1847. daß ihm dies heitere Mißgeschick denn Ueberschreiten der preußisch-österreichischen Grenze widerfuhr. Er reiste damals im Aufträge der preußischen Regierung nach Berlin, um sein berühmtes Wandgemälde ,.Ter Turmbau zu Babel" fertig zu stellen? Natürlich führte er auch eine Reihe von Amseln in seinem Reisegepäck mit sich: denn kein Maler kann schließlich ohne Pinsel leben. Tie Folge war. daß der Zollbeamte beim Ueberschreiten der Grenze die Pinsel fand und zunächst staunend betrachtete. Schließlich aber huschte ein Lächeln des Verständnisses tf. Grüße zwischen Memel und Lindau. Einem langjährigen vaterländischen Gebrauch nachkommend, hat auch im heurigen vierten Kriegswinter das Osftärer- korps der bayerischen Garnison"am „schwäbischen Meer folgende telegraphischen Grüße an die Kameraden der nördlichsten deutschen Garnison in Memel, gesandt: Es fliegt nach Memel hoch im Nord Der bayerischen Zwanziger fröhliches Wort: „Prosit Neujahr!" Wir müssen siegen, Und wenn die Feinde noch so lügen! Die Garnison Memel hat hierauf erwidert: Das nordische Memel dankt herzlich sehr Den Kameraden am Schwäbischen Meer, Der Sieg ist unser trotz Lügen und Droh'n, Im Osten tagt der Frieden schon! Wo man sich noch sperret, da fahren wir drein Und schlagen dem Feinde die Tore ein. sind nunmehr seit Ende September 1915, also innerhalb der letzten 27 Monate, insgesamt 4029 friedliche französische und belgische Einwohner Opfer der Ge» schosse ihrer eigenen Landsleute oder der Verbündeten Frankreichs geworden. Eie Indier verlangen das Selbst beftimmnngörecht. Die englischen Blätter vom 8. Januar melden auS narnma: Die Moslem-Liga für ganz Indien oer- imnmerre m h«u-e Mr. Sie trat der Eittschlietzung des NationalkongrssseS bet, in der aus die Notwendigkeit eines parlamentarischen Statuts zur Einführung einer völlig verantwortlichen Regierung be- stai-de'- wird. Tie Liga sordcn außerdem blondere Schutzinatznapmen sür de» mohammedanischen Glau, ben ^ Eine andere Entschließung wurde angenommen, in der krästig gegen die Internierung des Präsidenten der Liga, Mohammed Ali, Einspruch erhoben wurde. Das indische Nationalkomitee, das sich i» Stockholm aufhält, hat sich mit Sympathie-Kundgebungen an die ukrainische Nationalversammlung, die „Rada", gewandt. Beschlagnahme deutschen Eigentums in Brasilien. Nach einer Reutermeldung des „Tempö" aus Rio de Janeiro har die Sao Paulo die Magazine des großen deutschen Hauses Theodor Wille für ihre Kaffeelager beschlagnahmt. Dieser Maßnahme fügt der französische ..Temps" hinzu: „Kennzeichnend ist die von den herrschenden bra,tt:anischen Bundesstaaten yegen den deutschen Handel eingenommene Politik. Sre ist auch eine Folge des neuen französisch-brasilianischen Abkommens." — Rach dem Kriege mögen die Brasilianer il/ren Kaffee selber trinken oder ihn verfaulen lassen. Wir danken. Garibaldischtt ,,Mittverwertigen"-KvrpS. Bepp:no Garibaldi, der in der italienischen Armee den Rang eines OberstdrigabierS bekleidet. l)al die Bildung und Führung eines neuen Freikorps übernommen. Seine Freischar soll sich ausschließlich aus jenen Studenten der italienischen Universitäten zusammensetzen, die als minderwertig bisher von: Militärdienst befreit waren. zittere. Germania: „Angenehme Schlafburschen . Die Staatsangehörigen eines „lieben" Verbündeten sind für Uncle Sam keine „angenehmen Schlafburschen". In Washington mußten hundert italienische Arbeiter verhaftet werden, die einer angeblich 200 000 Mitglieder in den Vereinigten Staaten besitzenden anarchistischen Genossenschaft angehären. Italienische Arbeiter in den Bereinigten Staaten sollen unter sich a u S g e l o st haben, wer den König von Italien und wer den Präsidenten Wilson ermorden solle. * * * Kleine Kriegsnachrichlen. ' Der erbeutete englische Tank, der am Berliner Zoo ausgestellt ist. wurde von einer Abordnung schwedischer Offiziere besichtigt. Kein Konflikt. Tatsachen und Gerüchte. Unter dieser Ueberschrift schreibt die „Rordd. Allg. Ztg." offiziös an der Spitze des Abendblattes: „Der Reichskanzler Tr. Graf v. Hertling hat in den letzten Tagen mehrfach Seiner Majestät dem Kaiser Bortrag gehalten und zahlreiche Besprechungen gehabt. Eine vertrauensvolle Aussprache hat zwischen dem Reichskanzler und den zurzeit hier anwesenden Heerführern stattgefunden. Die Mitteilungen über einen heute einberufenen Krön rat sind unrichtig. Es liegen keine sach.ichen Differenzen vor, die eine Entscheidung im Kronrat verlangten. Auch sonst gehen mancherlei unrichtige Nachrichten durch einzelne Blätter. So wird gemeldet, daß der Staatssekretär von Kühlmann und der Botschafter Graf Bernswrff in Berlin etngetrosfen seien. Beide Angaben sind falsch. Der Tag. an dem der Reichskanzler im Hauptnus schuß des Reichstages zu sprechen gedenkt, ist noch nicht festgesetzt." Es steht fest, daß der Reichskanzler wegen der ungeklärten Lage in Brest-Litowsk seine Absicht, schon am Mittwoch im Hauptausschuß des Reichstages zu sprechen, aufgegeben hat. „Ich muß zunächst gegen den Ton viescr Vorschläge protestieren. Die russische Delegation sprich! mit uns. als ob Sie siegreich in unserem Lande stände und uns Bedingungen diktieren könnte. Ich möchte darauf Hinweisen, daß die Tatsachen entgegengesetzt sind — das siegreiche deutsche Heer steht m ihrem Gebiet. — Ich möchte bann feststellen, baß die russische Delegation für die besetzten Gebiete die Anwendung eines Selbstbestimmungsrechts der Völker in einer Weise und in einem Umfange fordert, wie eS ihre Regierung im eigenen Lande nicht auwcnvct. Ihre Negierung ist begründet lediglich auf Macht, und zwar auf Macht, die rücksichtslos mit Gewalt Veden anders Denkenden unterdrückt. Jeder anders Denkende wird einfach als Gegenrevolutionär und Bourgeois vogelfrei erklärt. Ich will diese meine Ansicht nur an zwei Beispielen erhärten. In der Nacht vom 90. zum 31. Dezember wurde der erste w e i ß r u s s i s ch e Kongreß in Minsk der bas Selbstbestimmungsrecht des weißrussischen Volkes geltend machen wollte, von den Maximalisten durch Bajonett und Maschinengewehre auseinander- geiagt. Als die Ukrainer das Selbstbestimmungsrecht geltend machten, stellte die Petersburger Regierung ein Ultimatum und versuchte, die Erzwingung ihres WiUenS mit Waffengewalt durchzusetzen. Soviel aus den mir vorliegenden Funksprüchen hervorgeht, ist der Bürgerkrieg noch im Gange. So stellt sich die Anwendung des Selbstbestimmungsrechts der Völker durch die maximalistische Regierung in der Praxis dar. Die deutsche Oberste Heeresleitung muß deshalb erne Einmischung in die Regelung der Angelegenheiten der besetzten Gebiete ablehnen. Für uns haben die Völker der besetzten Gebiete ihrem Wunsch der Lostrennung von Rußland bereits klar und unzweideutig Ausdruck gegeben. Von den wichtigsten Beschlüssen der Bevölkerung möchte ich folgende hervorheben: Am 21. September 1917 erbat die kurländische Landesverfammlung, die sich ausdrücklich als Vertreterin der Gesamtbevölkeruug Kurlands bezeichnete, den Schutz des Deutschen Reiches. Am 11. Dezember 1917 proklamierte der litau- Verschleppung der Friedensverhandlungen Aus Brest-Litowsk liegt ein sehr langer Bericht vor über die am 11. und 12. Januar gepflogenen Kommissronsverhandlungen über das Sclbstbcstimmungsrecht von Polen, Litauen und Kurland. In diesen Verhandlungen hat sich gezeigt, daß die Russen Entscheidungen tatsächlicher Natur aus dem Wege gehen und immer von neuen: über theoretische Fragen reden. Die Vertreter der Mittelmächte erklären, daß sie Polen, Litauen und Kurland schon heute nicht mehr als zum russischen Reiche gehörig betrachten. Sie zeigten sich auch gewillt, Vertreter dieser Völker zu den Frie- densverhandlungen zuzuz'kehen. Trotzki, der den letzteren Gedanken zunächst angeregt hatte, ließ ihn hernach fallen. Tie Russen stellen sich ans den Standpunkt, daß die ehemals russische:: Grenzvölker das Recht haben, selbst zu bestimmen, von wen: und wie sie später regiert werden wollen* daß es aber unzulässig sei. die von den Deutschen mitgeteilten Abstimmungen als vollwertig zu behandeln, da sie nur von einzelnen unter deutschem Einfluß stehenden Volksschichten aus- gingen. Die Russen verlangten weiter von Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine kategorische Versicherung, daß sie diese Gebiete nicht annektieren und auch nicht zu Grenzkorrektionen benutzen wollen. Wetter verlangen sie bestimmte Erklärungen sür die Vornahme der Volksabstimmungen und die vorläufige Verwaltung dieser Länder. Gegen die russischen Ansprüche erhob sich der deutsche Militärbevollmächttgte General ihossmann und führte cm*: ische Landesrat, der von den Litauern des In- und Auslandes als einzig bevollmächtigte Vertretung des litauischen Volkes anerkannt ist, den Wunsch der Abtrennung von allen staatlichen Verbindungen, die bisher mit anderen Völkern bestanden haben. Am 27. Dezember 1917 sprach die Stadtverordnetenversammlung in Riga eine ähnliche Bitte an das Deutsche Reich aus. Diesem Anträge haben sich die Rigaer Kausmannskammer, die Große Gilde, die Vertreter der Landesbevölkerung sowie 70 Rigaer Vereine angeschlossen. Schließlich haben im Dezember 1917 auch die Vertreter der Ritterschaft der ländlichen, städtischen und kirchlichen Gemeinden aus Oesel, Dagoe und Moon in verschiedenen Erklärungen sich von ihren bisherigen Beziehungen losgelöst. Auch aus verwaltungstechnischen G r ü n - o e n muß die deutsche Oberste Heeresleitung eine Räumung Kurlands, Litauens, Rigas und der Inseln im Rigaischen Meerbusen ab lehnen. Alle diese Gegenden besitzen keine Verwaltungsorgane. keine Organe der Rechtspflege, keine Organe des Rechtsschutzes, keine Eisenbahnen, keine Telegraphen, keine Post. Alles dies ist deutscher Besitz und in deutschem Betriebe. Auch zur Errichtung eines eigenen Volksheeres oder einer Miliz sind dre Lander mangels geeigneter Organe in absehbarer Zeit nicht in der Lage. Tie Verhandlungen vertagt. Nach dieser Erklärung wurden die Verhandlungen abgebrochen, um den Mittelmächten Gelegenheit zu geben, im Einzelnen auf die russischen Forderungen zu antworten. Wir wot»en nicht annektieren. In den Verhandlungen in Brest-Litowök ist auch während der letzten Sitzungen zum Ausdruck gekommen, daß wir keine gewaltsamen Landerwerbungen anstreben, sondern nur einen dauernden und sicheren Frieden. Wir glauben auch heute noch, daß trotz der russischen Schwierigkeiten das Ziel erreicht werden kann. ^ c . Die Russen werden mit ihrer neuen Derhand- lungsform mit solchen Methoden keine Seide spinnen. Die deutschen Unterhändler werden sie mit ihren taktischen Winkelzügen nicht in die Irre führen, wahrend die Ungeduld ihres eigenen Volkes, namentlich der immer stürmischer nach H.a u s e verlangenden Soldaten, den so entstehenden Zeitverlust nur schwer ertragen wird. Die allgemeine Wahlrechtsdebatte. Drei Tage lang hat nun schon der Ausschuß des Abgeordnetenhauses für die Wahlrechts- Vorlagen die allgemeine Debatte gepflogen und die Fortsetzung dann aus nächsten Donnerstag vertagt. Neue Gesichtspunkte kamen am Montag in der Beratung nicht zur Geltung. Minister Tr. Friedberg beklagte sich über die unfreundliche Behandlung durch seine nationalliberälcn polnischen Freunde und sagte zur Polenfrage, die Regierung wisse, daß eine Folge des gleichen Wahlrechts für den Ostpn die starke Vermehrung der polnischen Abgeordneten sein werde. Das sei nicht erfreulich, aber auch das von den Nationalliveralen gewünschte Pluralwahlrecht würde dies nicht ändern. Das Regierungsprogramm für den Osten fei: das Polentum nicht bekämpfen, aber das Deutschtum fördern. Entschiedenen Einspruch erhob ein konservativer Redner gegen das an Volksverrat grenzende Auftreten des polnischen Redners in der Sonnabendsitzung; auch ein Volksparteiler bezeichnet dessen Verhalten als empörend. Minister Tr. Trews sagte zur Polenpoliti?: nur die Unterdrückungsmaßnahmen sollten eingeschränkt werden. Zur Frage der V e r h ü l t n i s w a h l äußerte er. sie widerstrebe ntcht den Grundsätzen, auf die die Regierung entscheidenden Wert lege. Gegenüber den von konservativer und freikonservativer Seite erneut geschilderten schädlichen Wirkungen der Wablreform, erklärte der Minister, die Negierung wisse sehr wohl, daß unter dem gleichen Wahlrecht Schwierigkeiten bei der Durchführung der verschiedensten politischen Maßnahmen eintreten würden, aber sie sei überzeugt, daß der Drang n aA) dem gleichen Wahlrecht im Volt so stark sei. daß sein Versagen unser innerstes Staatsleben schwer gefährden müsse. Vom Zentrum wurde mitgeteilt, es sei dagegen, zunächst die Herrenhausresorm zu beraten. An sich 'er es einerlei, womit die Beratung begonnen werde, aber die Agitation im Lande werde unnötig neue Nahrung erhalten, wenn man die Herrenhausreform vorweg nehme. Auch ein Teil des Zentrums werde von dieser Reform die Stellungnahme zum ganzen Gesetz abhängig machen. Weiter betonte dieser Redner die Besorgnis, das gleiche Wahlrecht könne die konfestton elle Volksschule gefährden, wie dies auch schon von konservativer Seite hervorgehoben war. Ein Volksparteiler verwies, um diese Besorgnis abzuweisen, aus die Verhältnisse in den nordischen Ländern und in der Schweiz. Aus aller Welt. ** Tankbare ZcituugSleser! Der Verlag des „Franzburg-Richtenbcrger Wochenblattes" gibt folgenden Notschrei bekannt: „Mangel an Brennstoff zwingt uns leider, oen Buchdrnckereibetrieb zu schließen und das Erscheinen des „Franzburg-Richtenbergec Wochenblattes" brs auf weiteres einzustellen. Diese sicher nicht im öffentlichen Interesse liegende Notwendigkeit — ganz abgesehen von den geschäftlichen Nachteilen — kann noch verhindert werden, wenn mir solange mrt Bc-kerts versorgt werden, bis neue Wagenladungen eintreffen. Wir wenden uns daher an einsichtige Einwohner, soweit sie reichlich mit Brennstoff versehen sind, 'mit der Bitte, uns einige Zentner Briketts leihweise zu überlassen.' Na, in einer s olchen Notlage wird keiner Zurückbleiben wollen! Das Blatt erscheint noch immer: ** Ein großzügiger Erbsenhamsterer ist schwer hereingesallen. Kürzlich wurden auf dem Bahnhof in Beleke 38 Zentner Erbsen beschlagnahmt. Wie sich nun herausstellt, waren in der fraglichen Nacht noch mehrere Fuhrwerke aus verschiedenen Gemeinden des Kreises Lippstadt unterwegs, die ebenfalls Erbsen am Bahnhofe dem Schmuggler zur Verladung abliefern wollten. Ter Beamte hatte nur die beiden ersten Fuhrwerke mit 38 Zentnern abgefaßt. Hierauf wurden anscheinend die nachfolgenden Fuhrwerke, die noch 160 Zentner geladen hatten, gewarnt und sind umgekehrt. Die Erbsen sollen zu 2 50 M. pro Zent-* iier aufgekaust sein. Das Schlimmste aber ist, daß die Zahlung des Preises erst bei der Verladung erfolgen sollte. So haben die betreffenden Landwirte, die ein brillantes Geschäft machen wollten, selbst den Schaden, während der Schmuggler sich gesichert hatte. — Wenn angesichts solcher Preise noch jemand ein Wort der Entschuldigung und Verteidigung der Grotz- rndustrie (die allein solche Preise zahlen kann) hat. dann ist das wirklich nicht zu verstehen. ** Industrie und Höchstpreise. Auf einem Dortmunder Werke sollten die Arbeiter Speck erhalten. Der Speck war jedoch aus den: Wege des Schleichhandels erworben und die Arbeiter sollten für das Pfund 13,75 Mk. bezahlen. Sie nahmen zwar den Speck an, sogar bis zu 8 Pfund, erklärten aber, als es ans Bezahlen ging: „Ter .Höchstpreis beträgt 2,60 Mark, die ttebertretung ist strafbar. Wir wollen uns iricht strafbar machen." Und sie legten in der Tat für jedes Pfund nur 2,60 Mk. auf den Tisch des Hauses. Den Mehrbetrag kann die Werksverwaltung nicht in Abzug bringen, denn dann würde sie sich strafbar machen. — Wir glauben nicht, daß die Arbeiter dieses gründliche Verfahren allgemein belieben werden: denn sie alle haben doch Speck sehr gerne, auch wenn sie den Höchstpreis bedeutend überschreiten müssen. Gerichtssaal. ^ Wegen Bekundung deutschfeindlicher Gesinnung verurteilt. Das Kriegszustandgericht in Bromberg verurteilte den Fleischer August Welk aus Berlin wegen Bekundung deutschfeindlicher Gesinnung zu sechs Wochen Gefängnis. Der Verurteilte wurde sofort in Haft genommen. ± Ein ganz plumper Kriegsschwindler scheint ein gewisser Karl Jlg in Oberensingen, Oberamt Nürtingen in Württemberg zu sein. Jlg schrieb letzthin an einen Koloniatwarenhändler in Ulm eine Karte, worauf er sich erbot, gegen Einsendung von 1 Mark eine Anweisung zu erteilen, wie man aus Belgien und Nordsrankreich Tabak und Zigaretten unmittelbar beziehen könne. Der gewünschte Betrag wurde eingesandt und Jlg, der wohl nicht mehr wußte, welches Angebot er eigentlich dem betreffenden Händler gemacht hatte, übersandte eine Anweisung sür die Herstellung eines Magenbittern aus Rotwein und Zitronenschale. Aus die Beanstandung des Händlers, daß er ganz etwas anderes bestellt habe, schrieb Jlg aus einer Postkarte wörtlich: „Tabak beziehe ich durch Vermittlung ein/s Soldaten ber Verdun, das kommt in Feldpoftpaketen. bis setzt habe ich nur Zigaretten gekriegt a 1,5 Pf. pro Stück ohne Porto oder Zollkosten. Zu bemerken ist, daß die Person, welche mir liefert, nicht noch andere besorgen kann, und zwecks Erhaltung von Tabak müssen Sie sich in Verbindung setzen mit einen: Soldaten hinter der Kampslinie in Nordfrankreich oder Belgien. Vorher habe ich mich an dortige Firmen gewandt, habe aber die Antworten noch zu gut. Machen Sie also wie ich, und wenn Sie nicht j allzuviel brauchen, wird Ihnen geliefert." Da nicht ausgeschlossen erscheint, daß Jlg seine ■ Schwindeleien in größerem Matze betreibt, hat die j Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelsirmen in Lübeck bereits die zu seiner Unschädlichmachung er- ! forderlichen Maßnahmen ergriffen. Der Zentralstelle ! wolle man auch einschlägiges Material sofort über- I weisen. ^ Wahlspruch: Semper Hoflieferant Sr. Maj. d. Deutschen Kaisers, Königes v. Preussea UnderböPg’-Boonekamp wird nur noch unter der Bezeichnung Underber in den Verkehr gebracht. Die alte anerkannt vorzügliche Qualität bleibt unverändert. H. Underberg-Albreeht RHEINBERG (Rhld.) - Gegründet 1846. i® Kamnerlieferar* Sr. jj d. Kaisers v . Oe t r-eich, Könige v- Ungafji. f n-mwtä ' E * Bekanntmachung. Uerkebrsbercbränkuftg an Sonn- und seienagen. Anläßlich des Ausfalles weiterer Züge an §-NN- und Feiertagen sind zur Sicherstellung einer geregelten Abwicklung des Verkehrs für die verbleibenden Züge auf bestimmten Strecken weitere Beschränkung erforderlich. Mit Wirkung vom \ 5 . )a- lUIÖf J9J8 ab kann an Sonn- und Feiertagen zu allen Schnell- und Personenzügen die Reise nur angetreten werden mit Fahrkarten, die am Sonn- bzw. Festtage selbst gelöst sind. Zu den vor 6 00 Vorm, abfahrenden Zügen kann die Fahrkarte am vorhergehenden Tage von 8 Uhr abends ab gelöst werden. Die Fahrkarten werden durch Aufschrift der Zugnummern als für den Zug, zu dem sie gelöst sind, besonders gekennzeichnet. Doppelkarten und Fahrkarten für die Rückfahrt werden nicht ausgegeben. Außerdem können Fahrkarten nur in begrenzter Anzahl insoweit ausgegeben werden, als bei den einzelnen Zügen Plätze zur Verfügung stehen. Der Arbeiter-, Monatskarten- und Militärverkehr sind von dieser Beschränkung ausgenommen. Frankfurt (M.), den 10. Januar 1918. _ König!. etfenbabJtdirektion. Zigarren 100 St. von Mk. 30. —' bis Mk. 120. — Schweizer Stumpen per 100 Stück 1» Mk. Holländer 100 Stück 55 Mk. 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