Bezugspreis 60 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,80Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweig- auögabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „Gießener Zeitung", Gießen. Anzeigenpreis 20 pfg. die 44 mm breite Petitzeile, für AuSwärtS 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechne:. Rabatt kommt bei Überschreitung deSZahlungk, zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfaü. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießencr Verlagsdruckerei, Albin Klein. Expedition: Sudan läge 21. dtY. 4* Telephon Nr. 362. Samstag, dm 12. Januar 1918. r-l.ph°n «t. _ 31. Jahrg. Guter Fortgang der Verhandlungen iu Breft-Litowsk. Westlich von Flirey starke französische Angriffe zurnckgeschlagen. Englische Angriffe südöstlich von Wern scheiterten. fliMlicbe deutlcdr Cagesbericim. wtb. Großes Hauptquartier, 9. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Unter starkem Feuerschutz stießen englische Eikun- dungsobteilungen gegen den Südrand dcs Houthoulstec Waldes vor. Einige - owpagnien griffen an der Bahn Bösinghe—Stoden an. An keiner Stelle konnte der Feind unsere Linien erreichen; in unserem Feuer hatte er schwere Verluste. — Beiderseits von Lens lebhafte Artillerictätigkeit. — Oestltch von Bullecouit fanden mehrfach Handgranatcnkämpfe um kleine Gräber Posten statt. — Westlich von Flirey brachen die Franzosen am Nachmittag nach heftiger Feuerwirkung in 4 Kilometer Breite zu starken Angriffen vor. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Postenlinie. Ein Verweb, über sie hinaus Boden zu gewinnen, scheiterte. Unsere Gegenstöße wmfln den Feind im Laufe der Nacht überall in seine Ausgangsstellungen zurück. Oestlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues. Mazedonische Front und Italienische Front: Die Lage ist und rändert. Ter Erste Generalquartiermcister: Ludendorff. * Berlin, 9. Jon, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. 27000 rönnen. Berlin, 9. Jan. Tccfflich durchgcführte Angriffe brachten einem unserer erfolgreichsten U-Boots-KomMandanten, dem Kopitänleutnant Steinbririck, am Wcftab hange des Aermclkcnüls einen Effolg von 27 609 Br.- Reg. To. ein. Von den zum größten Teil bewaffneten Dampfern wurden 3 große tief geladene, aus einem durch Zerstörer, Fischdampfer, Luftsckiffe und Flugzeuge besonders sta k gesicherten Gelntzirge hcxausgefchoffen. Art und Stärke der Sicherung iasi n darauf schließen, daß es sich um Schiffe mit ganz b.-onderS wertvoller Ladung handelt. Einer dieser Dampfer war vom Ein» heitslyp und mindestens 5000 Tonnen groß. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. * wtb. Großes Hauptquartier, 10. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Südöstlich von Ipern am Nachmittage lebhaften Artilleriekampf. Westlich von Zandvoocde scheiterte ein starker nächtlicher Erkundungsvocstoß der Engländer. — An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit gering. * Im Dezembrr beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräste an den deutschen Fronten 9 Fesselballone und 119 Flugzeuge, von denen 47 hinter unseren Lini- cn, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgcstürzt sind. — Wir haben im Kampf 82 Flugzeuge und 2 Fesselballons verloren. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedonische Front und Italienische Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Gencralquartiecmeistcr: Ludendorff. « Berlin. 10. Jan., ebends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. * 36000 Tonnen Berlin, 10. Jan. Neue U-Bovterfolge im Mittcl- meec: 12 Dumpfer mit 36GOO Brutto.cgistertonnen. Die Schiffe hatten meist wertvolle Ladungen für Italien und die englische Kriegswirtschaft im Orient In be« sonders geschickten und hartnäckig durchgeführten Angriffen gelang cs zwei Gcleitzüge aufzureiben und dabet 6 Dampftr zu vernichten. An den vorstehenden Erfolgen war in hervorragender Weise der Kapitän- leutnant Arnauld de la Periere beteiligt. Der Chef dcs Admiralstabes der Marine. O wtb Großes Hauptquartier, 11. Jan. 1918. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Kronprinz Rupprccht und Heeresgruppen Deutscher Kronprinz. Versuche dcs Feindes, überraschend und nach Feuer- vorbercitung am Morgen dcs 10. Januar südöstlich von Ipern in unsere Stellungen einzudringen, scheiterten. — Tagsüber entwickAte sich an der flandrischen Front uno südwestlich von Cambcai lebhafter Artillerie- kampf. — Zwischen Moeuvces und Marcoing steigerte sich das englische Feuer am Abends und bei Tagesanbruch vorübergehend zu größter Heftigkeit. — Auch die französische Artillerie war b.iderseits von St. Quentin und in einzelnen Abschnitten zwischen Oise und Aisne rege. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Westlich von Blamont erhöhte Gefechtstätigkeit. Oestlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues. An der Mazedonischen Front und Italienischen Front keine besonderen Ereignisse. Der Erste Generalquarticrmeister: Ludendorff. * Berlin, 11. Jan, abends. Von den Kcicgsschau Platz n nichts Neues. -■ — ■■Mi n iM nwwH -- welche Säuern musr mm während der Diendzeii zablea. l. Tas Militäreinkommen uud die Staatssteuer. Zunächst ist für dcn Kriegsteilnehmer wichtig zu wffsen, daß von der Besteuerung ausgeschlossen und daher bei Berechnung der Staat-einkommcn- steuec stets außer Ansatz zu lassen ist das Militär- etnkommen aller Angehörigen dcs aktiven Heeres und der aktiven Marine, ebenso der zum Dienste ein- berufenen Landstucmpflichttgen, und zwar solange sie zu einem in der Kriegssormation befindlichen Teile des Heeres oder der Marine gehören. Diese Best mmung tritt in Kraft mit dem Tage des Eintritts in das Heer. 2. Das Zivilciukammcn und die StaatSsteucr. Die Besteuerung deS Zivileinkommens der Kriegs- teilnehmer erfährt in den meisten deutschen Bundesstaaten insofern eine Aenderung, als tür sie die Grenze des steuerfreienEinkommens erheblich erweitert ist. Im Frieden und auch jetzt bei Nichtkciegs teilnehmcrn bleibt ein Einkommen steuerfrei, das eine in dcn einzelnen Bundesstaaten zwischen 300 und 900 Mark schwankende Höhe (Existenzminimum) nicht überschreitet. Für die Unteroffiziere und Mannschaften dcs Beurlaubtenstandes, solange sie sich im Kriegsdienst befinden, bleibt ein erheblich höheres Einkommen von der nach dem Einkommensteuerges.tz veranlagten Steuec befreit. Nach einer Rundfrage, die von der Zentral- stelle der Lazarcttberatung des Roten Kreuzes Frank, fuct veranstaltet wurde, bestehen für die Stcuerpflicht der Kriegsteilnehmer in den deutschen Bundesstaaten folgende Bestimmungen: Es bleiben steuerfrei (oder es bleibt die veranlagte Steuer unerhoben) in Hessen bis 2600 Mark, in Preußen, Sachscn-Wcimar Sachsen-Meiningen uud Lippe- Detmold bis 3000 Mark. Keine Ausnahmebestimmungen hinsichtlich der Steuer von Kriegsteilnehmern kennen u. a. Bayern und Waldeck, so daß hier der Kriegsteil» nehmtc abgesehen von seinem Militäreinkommen, keine Steuerbefreiung genießt. 3. Die Gemcindestcuern. Von der Gemeindesteuer ist jeder befreit, der dcn Wohnsitz (Wohnung) in der Gemeinde aufgegeben hat. Wessen Familie jedoch dcn Wohnsitz beibehalten hat ist an sich steuerpflichtig; ebenso hat, wer Grundbesitz oder einen Gewerbebetrieb in einer Gemeinde hat, dafür Grund- oder Gewerbesteuer zu zahlen. Im übrigen gilt in einigen deutschen Staaten für das Einkommen der Kriegsteilnehmer hinsichtlich der Gemeindesteuer das gleiche wie hinsichtlich der Staats- fteuec. So ist auch hier das Militäreinkommen steuerfrei und cs tritt auch hier bei der gleichen Stufe Steuerbefreiung ein u. a. in Württemberg, Hessen und Schaumburg-Lippe. Für Bayern gilt etwa das gleiche für d« Gemeindesteuer wie für die Staatssteuer: es gibt keine Ausnahmebestimmung für Kriegsteilnehmer. In anderen Staaten, so in Preußen, Sachsen-Weimar und Waldcck ist die Regelung der Frage hinsichtlich der Steuerbefreiung bü Gern indesieuern der jeweiligen Gemeinde überlassen, der der Steuerpflichtige angchört. In der Regel werden wohl die kapitalkräftigeren Gemeinden von der Erhebung der Steuern im gleichen Maße abs.hen wie der Staat. In SachsewMeiningen ist das Einkommen gemeindeumlagcfrei, soweit es eine Höhe von 900 Mark nicht mehr erreicht. 4. Einsp uch gegen die Verac lugung und Berillmigssristen. Ein großer Teil der Kriegsteilnehmer wird nach dem schon Gesagten in der Mehrzahl der Bundesstaaten überhaupt keine Steuer zu bezahlen haben. Bet denjenigen jedoch, die auch während des Krieges zu Steuer - leistungcn herangezogen werden, mögen die Angehörigen, denen die Veranlagung zugeftellt wird, dafür Sorge tragen, daß die Steuerbehörde von der Kciegs- teilnehmerschaft dcs Steuerzahlers unterrichtet wird, falls aus der Veranlagung nicht schon hervorgeht, daß sie davon Kenntnis hat. Vielsach weiß die Steuerbehörde ja nichts davon, und so kann cs kommen, daß irrtümlich Militärcinkommen oder steuerfreies Zivilcin- kommen zur Veranlagung herangezogen wird. In einigen Bundesstaaten, so in Preußen, Sachsen-Weimar Sachse«. Meininger', Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe, trägt die Veranlagung für Kriegsteilnehmer den Vec. merk „Kriegsteilnehmer"; es ist also darauf zu achten, ob auch die Veranlagung mit diesem Vermerk versehen Die Tatsache der Kriegsteilnehmerschaft hat mben der Steuererleichterung auch in der Regel Einfluß auf die Frist für etwaige Einsprüche und Berufungen gegen die Veranlagung. Während nämlich im allgemeinen in Preußen- Sachsen-Weimar, Lippe-Dctmold, Schaumburg-Lippe u- a. die Frist für die Einlegung dcs Einspruchs 4 Wochen, in Sachsen-Meiningen 14 Tage beträgt, in Hessen inner' halb der beiden ersten Monate des Steucrjahces (April' Mai) Berufung erfolgen kann, braucht während des Krieges die gesetzliche Frist süc die Einlegung des Einspruchs nicht wahrgcnommen zu werden, so daß die Möglichkeit gewahrt bleibt, die Veranlagung auch später, d. h. nach Beendigung der Kriegsteil- nehmecschaft bezw. des Krieges, anzufechten In Bayern ist für Kriegsteilnehmer die Frist für Einlegung einer Berufung oder eines Einspruchs auf sechs Monate nach Beendigung der KriegsteUnehmerschaft verlängert. In Württemberg, wo die Beschwecdefcist zwei Wochen beträgt, sind zwar Ausnahmen für die Kriegsteilnehmer nicht gemacht, doch werden AnstandSsälle aus Billig- keitsgründen in weitgehendem Maße berücksichtigt. Auch einige andere Staaten kennen keine besondere Fristverlängerung, erkennen aber die tatsächliche Behinderung dcs Kriegsteilnehmers an und werden auch verspäteten Einspruch nicht abweisen. Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß nach reichsgesctzlicher Bestimmung die Zwangsvollstreckung gegen Kriegsteilnehmer teils ganz unzulässig ist, teils gewissen Beschränkungen unterliegt. Die kritischste Stunde. Lloyd George zu den englischen Arbeitern. JE sS?»ÄtSTS E Nüssen ersetzen soll. Einer laugen Rede kurzer «tun: Lwvd George sagte gleißnerisch. um die Arbeiter, weiter vor seinen Karren zu spannen: fuhren leinen Angriffskrieg gegen das d-ut,u>- Deutschland hatte eine große Stellung m der Welt Es ist nicht unser Wunjch oder unjere -lbsle.,t, diese' Stellung m der Zukunft ru Frage zu sie len oder zu zerstören, sondern Deutschland von iemen Hoffnungen und Plänen einer nnlrtarifchen schung abzulenken, damit es alle ferne Kraft den großen gemeinnützigen Aufgaben der Welt widme. ^ Ebensowenig sind wir in diefen Krieg emgetreteu, lediglich um die Verfassung des Deutschen Kar,errerches abzuändern und zu zerstören. Das ist eine >sache, die das deutsche Volk zu entscheiden hat Tie ersten Forderungen, dre datier die britische Regierung und ihre Verbündeten immer vorangestellt haben, sind die vollständige Wiederansrichtung Belgiens und eine solche Entschädigung für seme verwüsteten Städte und Provinzen, wre sie geleistet werden kann. Dies ist nicht die Forderung eurer Kriegsentschädigung, wie sie Deutschland nn ^ah^e 1871 Frankreich auferlegt hat, es ist auch kein Versuch, die Kosten der Kriegshandlungen von einem Krieg- sübrenden auf den andern zu schieben, es ist nicht mehr und nicht weniger als das feste Bestehen darauf, daß. bevor es irgend eine Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden geben kann, dieser große Bruch de» öffentlichen europäischen Rechtes seine Zuruckweisung erfahren und soweit als möglich gut gemacht werden mU ® 2 Hg Nächstes kommt die Wiederherstellung Serbiens. Montenegros, sowie der besetzten Teile Frankreichs. Italiens und Rumäniens, vollständige Zurückziehung der feindlichen Armee. Wiedergutmachung von Unrecht ist die grundlegende Bedingung für einen dauernden Frieden. Wir werden bis zum Untergänge an der Seite der französischen Demokratie stehen, in deren Verlangen nach Wiedererwägung (reconswe- ration) des großen Unrechts von 1871, wo ohne Rücksicht auf die Wünsche der Bevölkerung zwei französische Provinzen aus Frankreich herausgerissen und dem Deutschen Reich für ein halbes Jahrhundert einverleibt wurden, und bis dieses nicht geheilt ist, können gesunde Zustände nicht wieder eintreten." • Nach recht allgemeinen aber bereits recht zahmen Redensarten über die anderen Zweifelsfragen dieses Krieges, über Rußland, Polen, Türkei, Mesopotamien, über die Kolonien schloß er: Wenn wir gefragt werden, wofür wir kämpfen, so können wir sagen, für einen gerechten, dauernden Frieden, und wir glauben, daß, bevor ein solcher erhofft werden kann, die folgenden Bedingungen erfüllt werden müssen: Erstens muß die Heiligkeit von Verträgen aus- gerichret werden; . , Zweitens: muß eine Schlichtung von Gebietsfragen aus der Grundlage des S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t s oder der Zustimmung der regierten Völker gesichert werden und schließlich müssen wir durch Schaffung einer internationalen Organisation suchen, die L a st d e r R ü st u n- gen zu beschränken und die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zu vermindern. Unter diesen Bedingungen würde das britische Reich einen Frieden willkommen heißen, und um diese Bedingungen sicher zu stellen, sind seine Völker bereit, noch größere Opfer zu bringen als die bisher gebrachten. ' * * * Die Rede fällt auf durch die vorsichtige Fassung beS Passus über Elsaß-»Lothringen. ..reeonsiäeratioa" ist ein sehr dehnbarer Ausdruck. Er kann geradesogut „Aenderung" wie auch „Erwägung" heißen. Stände Frankreich und England noch sest auf Zurückerstattung der Reichslande, dann wäre dieser zweifelhafte, unklare Ausdruck sicher nicht beliebt worden. Alles in aUem aber wird sich Lloyd George wohl gesagt haben und sagen müssen, daß er mit Diesem Friedensangebot kern Glück haben wird. Ter Krieg wird nicht eher beendet werden, als England seine Ziele der wirklichen militärischen Lage arrpaßt. Tie militärische Lage bedeute ja geradezu eine Verhöhnung dieser englischen Phantasien. * * * Trotzdem noch offizielle Antwort! In der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington erwartet man eine Mitteilung der maximalistischen Regierung in Rußland, die. wie man in politischen Kreisen Amerikas annrmmt, zu einer neuen Erklärung über die Haltung der Alliierten Veranlassung geben wird. Amerikas Kriegsmacht im Urteil der Neutralen. Je mehr Wunderdinge man sich bei den Völkern der Entente von dem amerikanischen Riesenheere verspricht, das im Laufe des Jahres das Sternenbanner über den blutigen Gefilden Frankreichs wehen lassen wird, desto skeptischer sind die Ansichten, die man in der neutralen Presse darüber liest. Die Holländer haben jedenfalls, wie ein Aufsatz im „Maasbode" beweist, von der amerikanischen Kriegsmacht keine allzu hohe Meinung. Die amerikanische Armee, so heißt es da, kann ihre Kriegserinnerungen allein in dem tierischen Vernichtungskriege gegen die Rothäute, in dem spanischen Krieg und schließlich in den noch jungen mexikanischen Angelegenheiten suchen. In dem letztgenannten Abenteuer hat die amerikanische Kriegsmacht eine r^cht traurige Rolle gsspielt. Das amerikanische .Heer erlitt Schlappen, die ein einigermaßen kräftiges Heer mit gutem militärischem Geist niemals so gleichgültig ertragen hätte, wie es die amerikanischen Truppen getan haben. Diese großartige Kriegsmacht, die jetzt das Geschick Europas bestimmen soll.'mußte sich zweimal einer Handvoll mexikanischer Straucydiebe ergeben. Die amerikanischen Offiziere haben sehr mit technischen Scl wierigkeiten, vor allem mit mangelhafter Munition, zu kämpfen. Es klingt beinahe unglaublich, aber es scheint doch wahr zu schein, daß Amerika (U es sich an diesem Krieg beteiligte, kaum genug Pulver besaß, um von Zeit zu Zeit einen Salutschuß abgeben zu können. Wahr ist jedenfalls, daß der a m c r t f a n i f ch c Marineminister, während sich das Land auf dem Höhepunkt seiner Munitionssabrikation befand, mit einer englischen Firma einen Kontrakt über Pulver- und Geschotzlieserungen abschloß. Die Gründe hierfür sind jedenfalls in der Beschaffenheit der amerikanischen Munition zu suchen. Letztere er- wies sich bei Untersuchung als derartig unbrauchbar, daß sie nicht weiter auf der Flotte verwendet werden konnte. Während eines Aufenthalts in Amerika hörten wir eine traurige Geschichte über amerikanische Kanonenkugeln, die an der englischen Front verwendet worden waren. Große Mengen dieser Munition, die die augrcifende Infanterie unterstützen sollte, explo- dierten zu früh und überschütteten die eigenen Truppen mit ihrem tödlichen Inhalt. Die weiter entfernt liegenden Schützengräben des Feindes blieben unversehrt. Außerdem hat General Pershing bei seinem Eintreffen in Europa ein Drittel aller mitgebrachten Munition als unbrauchbar erklärt. Was von der amerikanischen Disziplin bekannt ist, gibt auch ein eigengrtiges Bild. So wurde beispielsweise während der mexikanischen Expedition die nationale Garde zur Front gesandt. Als sich in dem Transportzug keine Schlafwagen für die Offiziere vorfanden, verließen diese am Abend den Zug und erklärten, nicht eher weiterzufahren, als bis dem Mangel abgeholfen wäre. Ein anderer Truppenteil fand die Verpflegung im Zuge während des Transports unzureichend. Auf irgend einer Station verließen daher alle Mannschaften den Zug, plünderten sämtliche Läden des Ortes und kamen einige Stunden später wieder zum Zug zurück, bereit, die Reise fortzusetzen. Selbst auf dem mexikanischen Kriegsschauplatz hörten diese Disziplinlosigkeiten nicht auf. Als einmal Offiziere das Lagerleben zu langweilig fanden, nahmen sie alle Militärautos aus dem Wagenpark und machten damit Fahrten in die Umgebung. Vom U-Vootkrieg. Wieder 36 00V Tonnen. 1. Am 22. Dezember 1917 hat eines unserer Unterseeboote im Mittelmeer die Hochöfen und Schmelzwerke von Piombino wirkungsvoll beschossen. 2. Schneidigem U-Bootangriff sind im westlichen Mittelmeer 8 Dampfer und 3 Segler mit rund 36 000 Br.-Reg.-To. zum Opfer gefallen. Die Dampfer, die mit Ausnahme von einem beladen waren, fuhren sämtlich in stark gesicherten Geleitzügen. Einer der Dampfer hatte Munitionsladung für Italien; er ging fast augenblicklich nach dem Torpedotresser unter. Auch die übrigen Schisse waren überwiegend Transporter nach Genua. Ihr Verlust bedeutet für Italien einen gründlichen Ausfall an Kriegsmaterial. Mit welcher Umsicht und Geschicklichkeit die Geleitzüge angegriffen wurden, zeigt die Tatsache, daß in einem Falle aus einem Geleitzug in 23 Minuten drei Dampfer herausgeschossen, in einem anderen ein aus zwei Dampfern bestehender Geleitzug versenkt und aus einem weiteren Geleitzug von 3 Schiffen im Doppelschuß 2 Dampser versenkt wurden. Unter den versenkten Dampfern, die alle bewaffnet waren, befanden sich die italienischen Dampfer „Attnalita" (4791 Br.-Reg.-To.), „Monte Bianco" (6968 Br.-Reg.-To ). Zwer der versenkten Segler, darunter der italienische Schuner „Givlio S." hatten Schwefel, der dritte Kohlen geladen. Während der Versenkung des einen Seglers wurde das U-Boot von einer Landbatterie ber Kap San Vito (Sizilien) beschossen, die Batterie jedoch durch das U-Voot zum Schweigen gebracht. Trotzki in Brest-Litowsk. Am Montag vormittag ist Trotzki mit den russischen Friedensdelegierten in Brest-Litowsk eingetroffen. Von diesen Männern, die in den letzten Tagen die verbissensten Reden gehalten haben über den Zwang, mit den deutschen Heerführern und Diplomaten verhandeln zu müssen, erwartet nun Rußland den Frieden. Diese russischen Friedensdelegierten haben sich nicht gescheut, die Verhandlungen in Brest-Litowsk am 28. Dez. durch eine falsche Darstellung in ein unrichtiges Licht zu setzen und es ist dadurch schwer geworden. mit ihnen überhaupt weiter zu verhandeln. Noch ein zweiter Umstand macht die Lage ve* wickelt. Tie Vertreter der Ukraine, des westlichen Teiles von Südrußland. die von der Zentralrada nach Brest-Litowsk gesandt sind, erkennen nicht die Rechte der Petersburger Regierung an, im Namen von ganz Rußland zu verhandeln. Soweit die Ukraine in Frage kommt, wollen sie selbst mit den Mittelmächten über den Frieden verhandeln. Seit mehreren Tagen geschieht dies schon. Die letzte Nachricht über diese Verhandlungen ist vom 6. Januar und lautet : „Die Besprechungen mit der ukrainischen Abordnung wurden heute in einer Vollsitzung, an der Bevollmächtigte sämtlicher Vieröundrnächte teilnahmen, darf hoffen, daß diese Verhandlungen zu einer Abmachung führen werden. Was im übrigen aus den neuen Verhandlungen in Brest-Litowsk wird, muß abgewartet werden. Für uns. die wir militärisch die Lage völlig beherrschen, ist dies Warten mit keinen Schwierigkeiten verknüpft; für die Russen ist die Lage an der Front aber so, daß jede Verzögerung einer Lösung der Friedensfrage ernste innere Schwie^ rigkeiten für sie bringen mutz. Mne russische Gefahr gibt es für uns nach maßgebender Auflassung unter keinen Umständen mehr, mögen die Brester Tage ausgehen wie sie wollen. Ter Bürgerkrieg in Rußland. Zum Bürgerkrieg meldet die Petersburger Tele- graphenagentur: In verschiedenen Gouvernements wurden Attentate gegen die Sowjets verübt. Die Tomfler und Gardemangener Sowjetgebäude wurden während der Sitzung angezündet. Alle Löschoersuche waren vergebens. In Samara fand eine Explosion im Rathause, statt, wo der Sowjet tagte. Sieben Personen wurden getötet. In der Stadt wurde der Kriegszustand erklärt. Kcrenstts Rechtfertigung vor der Konstituante. Ter erste Revolutionsminister und Ententefreund Kerenski hat einen Bericht über seine Verwaltung verfaßt, der ihn vor der neuen gesetzgebenden Versammlung rechtfertigen soll. Er beschreibt ausführlich die Lage au der Front während der Juniofsensive und Gründe für die Deportation des Zaren nach Tobolsk. rein Bericht wird der Konstituante vorgelegt werden. Tie Russen gegen die Rumänen. Ein bolschewistisches Militärblatt veröffentlicht einen Aufruf gegen die rumänische Regierung: „Die Russen sollten ihr nicht materielle Hilfe liefern, sondern die reaktionäre Regierung stürzen." Diesem Aufruf zufolge ist die Moldau in ein einziges Lazarett und in einen großen Kirchhof verwandelt. 200 000 Menschen sind an Typhus erkrankt. 80 000 daran gestorben. Die Dörfer werden menschen- leer. * Offener Zwiespalt an der rumänischen Front. AuS Petersburg berichten die Bolschewiki: Die in Odessa eröffnete Konferenz der Arbeiter- u n d S o l d a t e n r Ü t e der rumänischen Front nahm folgende Entschließung an: Die Versammlung der Vertreter der gesamten rumänischen Front erkennt nicht das Hauptquartier TfcherbatfchewS an und stellt fest, daß die ukrainischen Kommissare, die die Gewalt in Händen haben, von Rumänen unterstützt werden, die den russischen revolutionäre n Truppe n feindlich gesinnt sind. Tie Versammlung hält eine solche Lage für die Revolution gefährlich. Die Versammlung befiehlt allen Heeresausschüssen, bis zur Ergreifung anderer Maßnahmen die Gewalt zu übernehmen und die rumänische Front von den Gegenrevolutionärcn zu säubern, die die revolutionäre rumänische Front verderben. Als Protest gegen diese Entschließung sind achtzig Ukrainer abgereist, die zur Rada halten. 220 sind Bolschewiki oder Revolutionäre der Linken. Die Entschließung wurde mit 800 gegen 240 Stimmen angenommen. Die Armeen an der rumänischen Front sind mit ihrem Ersten Ausschuß vollkommen auf Seilen der Sowjets. Tie Sozialdemokratie l>at am Sonntag in der Fraktionssitzung im Reichstage folgenden Beschluß gefaßt: „Angesichts der Vorgänge in Brest-Litowsk und des Ansturms der Annexionisten gegen das Selbstbe- sttmmungsrecht der Völker erklärt die sozialdemokratische Reichstagsfrakrion erneut, daß ein freundnach- barlichcs Verhältnis und ein dauernder Frieden nur möglich ist bei ehrlicher Durchführung des demokratischen Grundrechts der Selbstbestimmung der Völker. Tie sozialdemokratische Reichstagöfraktion fordert deshalb, daß den beteiligten Völkern die freie vollkommen unabhängige Willenserklärung garantiert wird Tic letzte Entscheidung über die innere und äußere staatsrechtliche Gestaltung der in Betracht kommenden Gebiete muß verfassunggebenden, aus allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgegangenen Landesversammlungen oder Volksabstimmungen überlassqn werden. Tie sozialdemokratische Reichstagssraktion billigt einmütig das Verhalten ihrer Vertreter im Hanpt- auSschuß und ist entschlossen, jedem Mißbrauch des SelbstbesttmmungsrechtS zum Zwecke verschleierter Annexionen mit Entschiedenheit entgegcnzutreten " Die letzten Zeilen gibt der „Vorwärts" in ganz dicker Schrift wieder. * * * Russische Streiflichter. Eine Schwarzcmecr-RcputNik, die sich wohl auf die Bezirke Odessa und Sebastopol stützt, ist von den dortigen Marimalisten gebildet worden. - Der Petersburger Stadtkommandant. Stabskapi- täu Kasantjew, wurde nach zehntägiger Amtausübung verhaftet. Die Gründe sind unbekannt. - Wie der „Matin" berichtet, hat die Entente die ukrainische Republik anerkannt. Die Entsendung eines Botschafters nach Kiew wird als bevorstehend angesehen. Allgemeine Kriegsnachrichten. Friesensfreunde ins Gefängnis. Wie der Mailänder „Secolo" au? Rom meldet, sind der Parteisekretär der s oz i a li st l, ch e n Partei. Lazzart, und der Sozialist Cavalrert wegen Propaganda gegen den Krieg angeklagt worden, 'Amerikanische Werber in Rumänien. In Jassy traf eine amerikanische Militär,nission ein, um russische Offiziere und Soldaten für den E.n- tritt in das amerikanische Heer zu werben. n' Galatz ist für den gleichen Zweck ein amerikanische- Bureau eingerichtet. Sarrail traf in Paris ein. Frankreich fühlt selbst, daß es nach dem Umschwung der Dinge in Rußland viel Grund hat. sich -u Ängstigen. 3u der Angst vor einer deutschen Generaloffensive im "Westen, die seit Wochen die französische Prefle beherrscht gesellt sich die Angst um das französische Sorgenkinds die Saloniki-Expeditton Im -Journal vom 21. Dezember schreibt Edouard Helsey, man müsse einen deutschen Handstreich gegen Galoniki befürchten. Die Lage auf dem Balkan sei snr me Alliierten alles andere als rosig. Wolle man ettva den Fehler machen, die jetzigen vorgeschobenen Stellungen ' zu opfern und sich aus die Verteidigung Galonrki» beschränken, so werde da? den deutschen Regimenter» den Weg nach Athen öffnen, und datz sei gleichbedeutend mit König Konstantins Rückkehr. Komme es aber dahin, dann könne man sich ans einen alldeutschen Frieden gefaßt machen, dem man nichts mehr verweigern könne, nicht einmal Elsaß-Lothringen. Was sagt Ministerpräsident Elemenceau. der selbst von Anfang an das Salonikiunternehmen ftiner Vorgänger mit allen Waffen seines galligen Spottes bekämpft hat, zu diesen Befürchtungen? * * * Kleine Kriegsnachrichlen. - Die mexikanische Regierung erhob bei den Bereinigten Staaten Einspruch gegen die Anwesenheit von Truppen der Bereinigten Staaten auf mexrka- nischem Gebiete. Kavallerie der Vereinigten Staa- ren, vre angeblich mexikanische Räuber verfolgte, hielt sich mehrere Stunden aus mexikanischem Ge- brete auf^ ^^^^anische Regierung l^at mit vier Eisenbahnarbeiterverbänden ein Abkommen geschlossen, wonach alle Arbeiterstreitigkeiten während der Zeit der Regierungskontrolle über die Eisenbahnen durch ein Untersuchungsamt beigelegt werden sollen. " Rach dem völlig negativen Ergebnis der Voruntersuchung gegen Caillaux glaubt man in Kam- merkreisen an die Möglichkeit der Einstellung des Strafverfahrens, wenn es der Regierung nicht gelingen sollte, neues Anklagemalcrial vorzulegen. " In Griechenland wurde d'e Präventivzensur e n- geführt. Sie w'rd selbst ddu der venizellfttschen Presse bekämpft. Politische Rundschau. — Ter ungarische Ministerpräsident We kecke und der österreichische Finanzminifter v. Wimmer sind in Berlin cingetrossen. — Staatsmlnistcr Tr. Friedberg, dessen Landlaasmandat mit seiner Ernennung zum Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums erlosch, ist einstimmig wieder zur Wahl ausgestellt worden. — Ter Gesamtvorstand des Verbandes Deutscher Beamtenvereine hat beschlossen, geeignete Schritte zu tun. daß der Beamtenschaft eine ihrer Bedeutung ent. sprechende Anzahl von Sitzen in der Ersten Preußischen Kammer eingeräumt werde. — Der sozialdemokratische ReichSratSabgeordnete und Vizepräsident des österreichischen Abgeordnetenhauses Engelbert Pernerstorfer ist achtundsechzigjährig gestorben. — Unter den Passagieren deS Ballanzuges, der am Freitag, den 4. Jan., von Konstantinopel in Berlin etntras, befanden sich drei Abgeordnete des persischen Parlaments. — Die Nachricht, daß das Entlassungsgesuch des Generals Ludendorss vorliege, entspricht nrcht den Tatsachen. — Am Montag sind die drei Mitglieder deö polnischen Regentschaftsrates, und zwar Seine Exzellenz der Erzbischof von Kakowsll. Metropolit von Warschau. Seine Durchlaucht Fürst Zdzislaw Lubormirski und Seine Exzellenz Herr Joses von Ostrowski in Berlin erngrirosfen. Der Reichskanzler empfing die ©«reit am Montag. Am Dienstag werden sie dem Kaiser vorgestellt werden. :: Unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu Ruw kttud bildeten am Montag den Gegenstand der Verhandlungen im Hanptausschuß. Allgemein herrschte die Auffassung. daß bei dem zukünftigen Handelsverträge möglichste Freiheit für Handel und Verkehr erreicht und die Meistbegünstigung uns zugestanden werden müsse. :: Tic zionistischen Bestrebungen betrifft eine Erklärung des Staatssekretärs v. d. BuSsche, die dieser einer jüdischen Abordnung gegeben hat: „Wir würdigen — sagte er — die auf Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünsche der jüdischen Minderheit in den Landern, in denen sie ern stark entwickeltes Eigenleben haben, bringen rhnen volles Verständnis entgegen und sind zu einer wohlwollenden Unterstützung ibrer diesbezüglichen Bestrebungen bereit. — Hinsichtlich der von der Zudenhert, insbesondere von den Zionisten, verfolgten Bestrebungen \n Palästina begrüßen wir daher die Erklärungen, die der Groß wesir Talaat Pascha kürzlich abgegeben hat. insbesondere die Absicht der faiicrUd) osmanischen Regierung, gemäß ihrer den Juden stell- bewiesenen freundlichen Haltung, dle aufblühende jüdr- sch- Siedelung in Palästina Imrch Gewährung von freier Einwanderung und Niederlass u n g rn den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes, von örtlicher Selbstverwaltung, entsprechend den Landesgesetzen, und von freier Entwicklung ihrer kulturellen Eigenart zu fördern." * * * Norwegen: Fetter KrregSprofit. * Im Staatsrat wurde Mitteilung über die Rech nungsergebnisse des Jahres 1916/17 gemacht. Sie zeigen den größten Ueberschuß, den Norwegen se gehabt hat, nämlich 117 Millionen Kronen. Finnland: Deutschland erkennt seine Selbständigkeit au. * Nachdem die russische Negierung erklärt hat. daß sie zur sofortigen Anerkennung der Unabhängigkeit Finnlands bereit sei. hat der Reichskanzler Graf von Hertling die drei finnischen Bevollmächtigten empfangen und ihnen die Anerkennung der Selbständigkeit Finnlands seitens Deutschlands erklärt. ^ v ** Für 120 000 Mark Güter unterschlagen. Auf dem Bahnhof in Hameln unterschlugen zwei Weichensteller und Rangierer große Gütermengen im Werte von 120 000 Mark. Tie Täter wurden veraltet ** Ein ganz Schlauer Ein Bauer aus der Gegend von Schwandorf l)amsterte gegen Schmalz und Eier eine Kanne Petroleum. Während der Fahrt im Eisenbahnzug wurde die Kanne undicht und die Flüssigkeit floß, ihren Geruch verbreitend, im Wagen umher. Eine große Angst bemächtigte sich nun des Landmanns, weil durch dieses Mißgeschick seine Hamsterei ans Tageslicht kommen könnte. Er sann hin und her, was zu tun sei, um die Spuren zu verwischen und kam zu dem Resultat, das Petroleum anzuzünden. Gedacht, getan. Im Nu stand das Innere des Eisenbahnwaggons in Flammen. Der Bauer konnte vor Schreck kein Wort sprechen, während von anderer Seite die Notbremse gezogen wurde. Der Zug hielt und nun ging's ans Löschen mit dem frischgesallenen Schnee. ** Ehrung eines russischen Generals im Tode. In Mewe (Westpreichen) hat sich der russische Generalmajor Saltitow in geistiger Umnachtung durch Erhängen entleibt. Seine Beerdigung erfolgte mit allen militärischen Ehren. Eine Musikkapelle spielte russische Trauerweisen. Hinter dem Sarge trug ein russischer Soldat ein großes weißes Hotzkreuz. Sodann folgte ein griechisch-römischer Geistlicher im roten Talar, den Schluß des Gefolges bildeten deutsche Offiziere und etwa 000 kriegsgefangene russische Offiziere. General Saltitow wurde bei den schweren Kämpfen vor Nowogeorgiewsk im Jahre 1915 gefangen genommen und befand sich schon längere Zeit in ärztlicher Behandlung und Beobachtung. ** Verhaftung eines Mörders. In Frankfurt a. M. wurde ein Einbrecher, der in der Oppercheimerstraße am 30. Dez. den Schuhmann Ertl erschossen hat, verhaftet. Es ist der neunzehnjährige. wegen Diebstahls wiederholt bestrafte Schmied Johann Weckfuß aus Lohr (Bez. Aschaffenburg). Er hatte zusammen mit dem siebzehnjährigen Wilhelm Kappes aus Klein-Heubach zwei Billeneinbruche begangen. Ms sie die Beute rn Rucksäcken transportierten, hat sie Ertl gestellt. Wahrend Kappes die Flucht ergriff, schoß Weckfuß aus einem Revolver zweimal auf den Beamten. Dann erlte er seinem Komplizen nach mit ben Worten : ..Ich habe dir die Freiheit gerettet!" Beim Verhör suchte er dann die Schuld auf den Genossen zu schieben. Beim Hilfswcrk Den Tod gefunden. In Oldenburg brach in dem in der Hauptstraße bel^enen Hause des Kaufmanns Brennecke Feuer aus. Wahrend die Wehr sich bemühte, die Nachbarhäuser zu retten, stürzte ein Schornstein ein und riß einen Teil des überstehenden Mauerwerks mit sich zur Erde. Tre darunter arbeitenden Menschen wurden verschüttet ^er stellv Leiter der Oldenburger Feuerwehr. Ga,twirt Wilhelm Dahl, und der Bogt des Gutes Ehlerstorf, Heinrich Schmidt, sind den dabei erlittenen schweren Verletzungen erlegen. » Tie verlorene Quittung über 36 Mark für tzwet Pfund Butter führte die Polizei in Wiesbaden auf ein Geschäft, wo die Haussuchung große Schleichhandelsvorräte zu Tage führte. Die beschlagnahmten Geschäftsbücher gaben über den Gang des Schlerch- handelsgeschäftes genaue Auskunft. ** Im Streit den Schwiegervater erschossen. In Neukölln erschoß der 24 Jahre alte Arbeiter Frrtz Berndt, der von seiner Frau getrennt lebt, rn der Wohnung seiner Schwiegereltern, wo sich gegenwärtig seine Frau mit ihrem Kinde anfhält. seinen Schwiegervater. den 54 Jahre alten Arbeiter Wolfs. — Berndt hatte ferne Frau in Not geraten lassen, worauf sre ihn verlassen hatte. Aus aller Wett. ** Tie Katastrophe von Guatemala. Neuere Meldungen besagen, daß die Stadt Guatemala durch ein weiteres Erdbeben gelitten l>at. Nach eiure Depesche aus Sau Jose sind noch 300 Personen getötet worden. KZaö von der Stadt Guatemala noch übrig -Mliebcn lv tr. r». H 3m Stadtwalde m; oer Arbeiter Johann Rohrmann beim Wildern emem Forstbeamten überrascht und festgenommen. R mann war erst kürzlich von der Strafkammer in G i e' worden^ derns 3U erheblichen Strafe *• S Dte Diebstähle v?n Schwe und Kleinvieh mehren sich hier in unheimlicher A “?"* w 6is 5c E ßclang, die Täter zu cntdeckm. wurden zwei minderbemitti Familien zwei schlachtreife Schweine gestohlen. Küdingen. Nachdem erst kürzlich 50 Krei> wohner wegen verweigerter Speckabaabe bes werden mußten, hat das Kreisamt jetzt abermals 38 wohner aus den Ortschaften Bleichenbach, Waller,ihm Selters. Usenborn, Lißberg, Bobenhausen, Effoldert ®* 4 n m a . a Ju U " c b Tckmrtsborn um der gleichen Sache w Mit Geldstrafen belegt. Frankfurt. Die Polizei verhaftete Freitag nacht in einer Wirtschaft der Fahrgasse den Mörder des vor einer Woche erschossenen Schutzmanns Georg Ertl. Es ist der 18jährige Schlosser Johann Georg Weckfuß aus Lohr a. M. Dieser hatte in der Mordnacht gemeinsam mit dem 17jährigen Schlosser Wilhelm Kappes aus Klein-Heubach mehrere Einbrüche verübt. Beim Wegschaffen des Diebesgutes wurden die beiden jugendlichen Einbrecher von Ertl angehalten. Hierbei schoß Weckfuß, der im vollem Umfang geständig ist, den Beamten nieder. * Frankfurt a M. Am Schaumainkai rannte Sonntag obcrtb ?n der Dunkelheit eine unbekannte Frau wider eine Stcaßcnbohn; sie wurde überfahren und gräßlich verstümmelt, sodaß der Tod auf der Stelle eintcat. — Die von der Eisenbahndirektion erbauten großartigen Eisenbahnbetriebs Werkstätten in Nied wurden am Montag vormittag dem Betriebe übergeben. Für die Material- und spätere Personenbeförderung wurden die Werkstätten mit Frankfurt durch eine eigene Gleisanlage verbunden. Kelsterbach a. M. Bon fremden Zwischenhändlern werden augenblicklich große Geländeaufkäufe in der angrenzenden Schwanheimer Gemarkung vorgenommen,' bisher wurden 70 Morgen gekauft. Dem Vernehmen nach wird das Gelände für ein Höchster Industriewerk erworben, das hier eine Arbeiterkolonie zu errichten gedenkt. * Ans dem Odenwald In der Gemarkung Unter-Ettern bei Reichelsheim fing ein Jagdpächtec einen weißen Fuchs. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 13. Januar. In der Stadtkirche. Vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Schwabe. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde Pfarrer Schwabe. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Mahr. In der Joh^nnesk irche. Vormittags 9 x / 2 Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 11 Uhr: Kinder- kicche für die Johannesgemeinde Pfarrer Ausfeld. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Verantwortlich: Albin Klein in Gießen. BeZanniMachmN» UerkeSmbercbränHung an Sonn* und feienagen. Anläßlich des Ausfalles weiterer Züge an §§N1l- und SetertögCIt sind zur Sicherstellung einer geregelten Abwicklung des Verkehrs für die verbleibenden Züge auf bestimmten Strecken weitere Beschränkung erforderlich. Mit Wirkung vom J 3 . Zü- ttuar M 8 ab kann an Sonn- und Feiertagen zu allen Schnell- und Personenzügen die Reise nur angetreten werden mit Fahrkarten, die am Soun- bzw. Festtage selbst gelöst sind., Zu den vor 6 00 Vorm, ab- fahrenden Zügen kann die Fahrkarte am vorhergehenden Tage von 8 Uhr abends ab gelöst werden Die Fahrkarten werden durch Aufschrift der Zugnummern als für den Zug, zu dem sie gelöst sind, besonders gekennzeichnet. Doppelkarten und Fahrkarten für die Rückfahrt werden nicht ausgegeben. Außerdem können Fahrkarten nur in begrenzter Anzahl insoweit ausgegeben werden, als bei den einzelnen Zügen Plätze zur Verfügung stehen. Der Arbeiter-, Monatskarten- und Militärverkehr sind von dieser Beschränkung ausgenommen. Frankfurt (M.), den 10. Januar 1918. hönlgl. kisenbaftnllirektlon. Kohleiiersatz! Für Fabrikbetriebe habe große Mengen Knüppel- und Ab- fallholz vom Sägewerk noch abzugeben. Anfragen erbeten. Ludwig Betler, Sägewerk u Holzhandlung, Pletteuberg-Bhf. 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