Gießen. Kr. 3. Weihnachten 1017. Ueihnacht. Als einst det tos'ge Christ geboten In Bethlehem zur Weihenacht, bat Gott den Hirten vor den Toren, durch schöne Engel auserkoten, dle erste Kunde zugebracht. Dle grauen hüter auf dem Felde in dunkler Weihenacht sind wir. 0, dass vom Wasgau bis zur Schelde det nächt'ge himmel sich erhellte Und Gottes Engel trät' herfüt! Feinmal gibt Gott uns doch den Frieden, 30 oder 80, nach seinem Sinn; sel's droben, sei's im sleg hlenleden, wir nehmen, was er uns beschleden, demütiglich als Weihnacht hin. mit deinen Engeln, deinen schönen, du ros'ger Christ, kehr' ein, kehr' ein! Die wunden Herzen zu versöhnen, lass' du dein Frlede— Freude tönen! Die grauen Hüter hafen dein. Leutnant Walter Flex, gefallen auf Oesel am ie. Oktober 1017. —— Die heilige Nacht. Von Selma Lagerlöf. 1 Es war an einem Weihnachtstag, alle waren dur Kirche gefahren, außer Großmutter und mir. Ich glaube, wir beide waren im ganzen Hause allein. Wir haben nicht mitfahren können, weil die eine zu jung und die andere zu alt war. Und alle beide waren wir betrübt, daß wir nicht zum Mettegesang fahren und die Weihnachtslichter sehen konnten. 2 Aber wie wir so in unserer Einsamkeit saßen, fing Großmutter zu erzählen an. „Es war einmal ein Mann“, sagte sie,„der in die dunkle Nacht hinausging, um sich Feuer zu leihen. Er ging von Haus zu Haus und klopfte an.„Ihr lieben Leute helft mir!“ sagte er,„mein Weib hat eben ein Kindlein geboren, und ich muß Feuer anzünden, um sie und den Kleinen zu er— wärmen.“ Aber es war tiefe Nacht, so daß alle Menschen schliefen, und niemand antwortete ihm. Der Mann ging und ging. Endlich erblickte er in weiter Ferne einen Feuerschein. Da wanderte er dieser Richtung zu und sah, daß das Feuer im Freien brannte. Eine Menge weißer Schafe lagen rings um das Feuer und schliefen, und ein alter Hirte wachte über die Herde. Als der Mann, der Feuer leihen wollte, zu den Schafen kam, sah er, daß drei große Hunde zu Füßen des Hirten ruhten und schliesen. Sie er⸗ wachten alle drei bei seinem Kommen und sperrten ihre weiten Rachen auf, als ob sie bellen wollten, aber man vernahm keinen Laut. Der Mann sah, daß sich die Haare auf ihrem Rücken sträubten, er sah, wie ihre scharfen Zähne funkelnd weiß im Feuerschein leuchteten, und wie sie auf ihn losstürzten. Er fühlte, daß einer von ihnen nach seinen Beinen schnappte und einer nach seiner Hand, und daß einer sich an seine Kehle hängte. Aber die Kinnladen und die Zähne, mit denen die Hunde beißen wollten, gehorchten ihnen nicht, und der Mann litt nicht den kleinsten Schaden. Nun wollte der Mann weiter gehen, um das zu finden, was er brauchte. Aber die Schafe lagen so dicht nebeneinander, Rücken an Rücken, daß er nicht vorwärts kommen konnte. Da stieg der Mann auf die Rücken der Tiere und wanderte über sie hin dem Feuer zu. Und keins von den Tieren wachte auf und regte sich.“ Soweit hatte Großmutter ungestört erzählen können, aber nun konnte ich es nicht lassen, sie zu unterbrechen.„Warum regten sie sich nicht, Groß⸗ mutter?“ fragte ich.„Das wirst du nach einem Weilchen schon erfahren“, sagte Großmutter und fuhr mit ihrer Geschichte fort. „Als der Manu fast beim Feuer angelangt war, sah der Hirt auf. Es war ein alter, mür⸗ rischer Mann, der unwirsch und hart gegen alle Menschen war. Und als er einen Fremden kommen sah, griff er nach einem langen, spitzigen Stabe, den er in der Hand zu halten pflegte, wenn er seine Herde hütete, und warf ihn nach ihm. Und der Stab fuhr zischend gerade auf den Mann los, aber ehe er ihn traf, wich er zur Seite und sauste, an ihm vorbei, weit über das Feld.“ Als Großmutter soweit gekommen war, unter- brach ich sie abermals.„Großmutter, warum wollte der Stock den Mann nicht schlagen?“ Aber Groß— mutter ließ es sich nicht einfallen, mir zu antworten, sondern fuhr mit ihrer Erzählung fort: „Nun kam der Mann zu dem Hirten und sagte zu ihm:„Guter Freund, hilf mir und leih mir ein wenig Feuer. Mein Weib hat eben ein Kind⸗ lein geboren, und ich muß Feuer machen, um sie und den Kleinen zu erwärmen.“ Der Hirt hätte am liebsten nein gesagt, aber als er daran dachte, daß die Hunde dem Manne nicht hatten schaden können, daß die Schafe nicht vor ihm davongelaufen waren, und daß sein Stab ihn nicht fällen wollte, da wurde ihm ein wenig bange, und er wagte es nicht, dem Fremden das abzuschlagen, was er begehrte.— „Nimm soviel du brauchst“, sagte er zu dem Manne. Aber das Feuer war beinahe ausgebrannt. Es waren keine Scheite und Zweige mehr übrig, sondern nur ein großer Gluthaufen, und der Fremde hatte weder Schaufel noch Eimer, worin er die roten Kohlen hätte tragen können. Als der Hirte dies sah, sagte er abermals: „Nimm so viel du brauchst!“ Und er freute sich, daß der Mann kein Feuer wegtragen konnte. Aber der Mann beugte sich hinunter, holte die Kohlen mit bloßen Händen aus der Asche und legte ste in seinen Mantel. Und weder versengten die Kohlen seine Hände, als er sie berührte, noch versengten sie seinen Mantel, sondern der Mann trug sie fort, als wenn es Nüsse oder Aepfel gewesen wären.“ Aber hier wurde die Märchenerzählerin zum dritten Mal unterbrochen.„Großmutter, warum wollten die Kohlen den Mann nicht brennen?“ „Das wirst du schon hören,“ sagte Großmut⸗ ter, und dann erzählte sie weiter. „Als dieser Hirt, der ein so böser, mürrischer Mann war, dies alles sah, begann er sich bei sich selbst zu wundern:„Was kann dies für eine Nacht sein, wo die Hunde die Schafe nicht beißen, die Schafe nicht erschrecken, die Lanze nicht tötet und das Feuer nicht brennt?“ Er rief den Fremden zurück und sagte zu ihm:„Was ist dies für eine Nacht? Und woher kommt es, daß alle Dinge dir Barmherzigkeit zeigen?“ Da sagte der Mann:„Ich kann es dir nicht sagen, wenn du selber es nicht siehst.“ Und er wollte seine Wege gehen, um bald ein Feuer an⸗ zünden und Weib und Kind erwärmen zu können. Aber da dachte der Hirt, er wolle den Mann nicht ganz aus dem Gesicht verlieren, bevor er er⸗ fahren hätte, was dies alles bedeute. Er stand auf und ging ihm nach, bis er dorthin kam, wo der Fremde daheim war. Da sah der Hirt, daß der Mann nicht einmal eine Hütte hatte, um darin zu wohnen, sondern er hatte sein Weib und sein Kind in einer Berg⸗ grotte liegen, wo es nichts gab als nackte kalte Steinwände. Aber der Hirt dachte, daß das arme unschuldige Kindlein vielleicht dort in der Grotte erfrieren würde, und obgleich er ein harter Mann war, wurde er davon doch ergriffen und beschloß, dem Kind zu helfen. Und er löste sein Ränzel von der Schulter und nahm daraus ein weiches weißes Schaffell hervor. Das gab er dem fremden Manne und sagte, er möge das Kind darauf betten. Aber in demselben Augenblicke, in dem er zeigte, daß auch er barmherzig sein konnte, wurden ihm die Augen geöffnet, und er sah, was er vor⸗ her nicht hatte sehen, und hörte, was er vorher nicht hatte hören können. Er sah, daß rund um ihn ein dichter Kreis von kleinen silberbeflügelten Englein stand. Und jedes von ihnen hielt ein Saitenspiel in der Hand, und alle sangen sie mit lauter Stimme, daß in dieser Nacht der Heiland geboren wäre, der die Welt von ihren Sünden erlösen solle. Da begriff er, warum in dieser Nacht alle Dinge so froh waren, daß sie niemand etwas zu leide tun wollten. . Und nicht nur rings um Engel, sondern er sah sie überall. Sie saßen in der Grotte, und sie saßen auf dem Berge, und sie flogen unter dem Himmel. Sie kamen in großen Scharen über den Weg gegangen, und wie sie vorbeikamen, blieben sie stehen und warfen einen Blick auf das Kind. Es herrschte eitel Jubel und Freude und Singen und Spiel, und das alles sah er in der dunklen Nacht, in der er früher nichts zu gewahren ver⸗ mocht hatte. Und er wurde so froh, daß seine Augen geöffnet waren, daß er auf die Knie fiel und Gott dankte.“ Aber als Großmutter soweit gekommen war, seufzte sie und sagte:„Aber was der Hirte sah, das können wir auch sehen, denn die Englein fliegen in jeder Weihnachtsnacht unter dem Him⸗ mel, wenn wir sie nur zu gewahren vermögen.“ Und dann legte Großmutter ihre Hand auf meinen Kopf und sagte:„Dies sollst du dir merken, denn es ist so wahr, wie daß ich dich sehe und du mich siehst. Nicht auf Lichter und Lampen den Hirten waren kommt es an, und es liegt nicht an Mond und Sonne, sondern was not tut, ist, daß wir Augen haben, die Gottes Herr⸗ lichkeit sehen können.“ (Aus dem schönen Buche der großen schwedischen Dichterin Selma Lagerlöf„Christuslegen⸗ den“. Verlag Albert Langen in München.) F. 1 7 — **— 1 3 5 98 1 5.4 Kriegsweihnacht 1917. Von Gustav Frenssen. An einem Wintertage fuhr einmal ein Dampfer, der von Kanada kam, durch die Nordsee der Elbe zu. Es war schon seit drei Tagen stürmisch, und war dunkel von Regen. Der Sturm jagte hinter ihnen her, jagte um sie und über ihnen in den Drähten; und seit zwanzig Stunden wußte die Besatzung nicht mehr, wo sie sich befand: ob Sturm und Wogen sie richtig auf die Elbmündung zu⸗ trieben, oder ob sie nördlich oder südlich davon auf die Sande und in die Brandung liefen. Die auf der Brücke standen, starrten in den trüber und trüber werdenden Abend, ob sie nicht ein Feuer entdeckten, und wenn, ob es denn das richtige wäre, das vom Feuerschiff, das in die Elbmün⸗ dung führt; die übrige Mannschaft arbeitete oder lag unten im Logis, und war müde, zerschlagen und mutlos. Sie glaubten alle nicht recht mehr, daß es zu einem guten Ausgang käme, und sie grämten sich und dachten:„Was ist nun das Leben? Und wo ist Gott?“ Als aber die auf der Brücke so standen und vorwärts über die tosende, wühlende See starrten, und eine besonders mächtige, lange Woge kam und den Dampfer hob und auf ihrem Rücken vorwärts trug„. sahen sie plötzlich.. weit vor sich ein Licht.. und sahen zugleich, an seinem Blinken, daß es das richtige wäre, das vom Elbfeuerschiff. Da lief der eine von ihnen von der Brücke; und ein andrer, der an der Treppe gestanden hatte, lief auch hin⸗ ab; und sagten es allen andern. Da kamen sie alle in ihren schweren Seestiefeln.. es dröhnte und klirrte die Treppe.. und kamen alle herauf, und starrten nach vorne über die See. Und als wieder eine Woge kam, sahen sie das Licht, und daß es das richtige war. Und sie atmeten alle hoch auf; und sie dankten im stillen Gott. Liebe Deutsche.., wir sind nun seit Jahren in einem Sturm, in einem Hagelwetter sonder⸗ gleichen, so wie niemals, so lange die Welt steht, über ein Volk gekommen ist. Es tobte von allen Windrichtungen der Welt über uns her; und es tobte fast noch mehr durch unsere Herzen. Da⸗ rüber sind wir traurige, ruhelose, notvolle Menschen geworden. Wo war in diesen Jahren irgendwo eine Freude? Wo konnte irgend ein schöner, ruhiger Gedanke Fuß fassen? Wo war ein stiller, glüͤck⸗ licher Tag, wo ein glückliches Herz? Das Schlimmste aber war, daß in der Tiefe der Seele, die Not, der Zweifel wieder aufkam und die Herrschaft ge⸗ wann, der alte Menschenzweifel: ob das Menschen⸗ leben überhaupt wohl etwas Gutes und Ver⸗ nünftiges wäre, ob die Menschheit und ihr Weg wohl irgend einen Sinn hätte, ob über der Mensch⸗ heit und über aller übrigen Schöpfung ein hoher, guter Geist die Wache hielte.„Die Menschheit?“ sagten sie bitter,„was ist die Menschheit? An den Fronten töten sie einander, drinnen im Land reißen sie sich Geld und Nahrung gegenseitig aus den Händen.“—„Gott? sagten sie...„Was muß das für ein Gott sein, der dies alles zuläßt! Der die Menschheit eine Weile hob... da dachten wir: nun geht es dauernd aufwärts mit. dann so in die Tiefe zurückwirft, so in die tiefste, grausamste Tiefe!“ Ja, so dachten viele, viele Menschen! Und ja, das war das Schlimmste in diesen Jahren: dies Sinken, ja, Stürzen des Glaubens, des hellen, guten Glaubens an den Sinn des Lebens und des Menschheitsweges, und Bitterkeiten, alter, grauser Menschheitsnacht! Bitterkeiten am dies Aufsteigen trauriger Zweifel, furchtb .„ wenn diese Zweifel, diese höchsten gestiegen waren in diesen 2 Jahren... wenn die noch Gläubigen heftiger trauerten, die Zweifler stärker zweifelten, die Spötter herber spotteten, wenn das schreckliche Toben des Sturmes um uns her mit den Aengsten langer, dunkler Winternächte sich vereinte, Schimpf und Schmach aus aller Welt wilder über die Grenzen drang, mit keuchendem Atem unsere Brüder die Fronten hielten... Sturm über uns und um uns... sieh, dann erschien.. fern über den wilden Wogen... ein Licht... das alte Licht der heiligen Weihnacht; und war uns Bangen, uns Weinenden, uns Zweifelnden, ach, uns fast Verzweifelnden ein leiser, guter Trott ein Trost in Not und Tränen. i Liebe Deutsche. diese Weihnachtsgeschichte! Diese Erscheinung des Heilands! Ein Kind, in einem Stall... in einer Eselskrippe... Kind kleiner Leute.., fern in irgend einem Land! Engel auf dem Feld in der Nacht... Hirten sagten, sie hätten es gesehn! Genug von diesen Wundern! Diese sind die kleinsten in seinem Leben! Das Kind wuchs auf: und seine Seele war voll von tiefklarem, wunderhohen Licht. Und es wurde ein Mann und trat auf. Unter dem Mißtrauen der Obrigteit seines Volkes, unter dem peinlichen Schweigen, bald dem Haß der Weisen und Gelehrten, unter der Unwissenheit und dem 8 verständnislosen Staunen seines Volkes lebte er ein Leben reinster und hellster Güte; und ver⸗ kündete einen Glauben, der das arme Menschen⸗ leben in das ewig klare und heitere Licht hinüber⸗ riß, das um Gottes Gegenwart flammt, einen Glauben, der die mühsame Menschenseele und die Seele des höchsten Gottes in Feuer zusammen⸗ schmolz, und der das Sterben der Menschen zu einem Fluge macht in Gottes gute Hände. So lehrte er: und so lebte er auch. Und so starb er auch. Im Anfang seines Manntums starb er um diesen Glauben, unter dem Hohn der Weisen seines Volkes, unter der Genugtuung der Massen, in namenlosen Qualen Leibes und der Seele. Das ist die Geschichte! Das ist die Tatsache eine Tatsache, so fest wie Sonne, Mond und alle Sterne. Da kann kein Mensch etwas davon abnehmen; und keiner kann daran vorübergehen. Ein Narr, der sagte:„Ich geh' dran vorüber!“ Ein rechter, ernster Mensch muß allem ins Gesicht sehn: jeder Niedertracht, jedem Zweifel und jedem Grausen. Aber auch jedem edlen Glauben, jedem hohen Feuer und heiligen Willen und Glauben; auch dieser Botschaft von diesem Heiligen, dieser Weihnachtsbotschaft. Und sieht er hin... sowie an jenem stürmischen Abend die Leute taten Gf jenem Schiff, da der Mann sie rief... es dröhnte und klirrte die Treppe, und sie standen und starrten über die wilde See...! dann steht da der Hei⸗ land mit dem heißen, schönen Feuer in den Augen n wer wagt zu spotten über ihn, der in jungen Jahren für seine Sache in den Tod ging?.. mit dieser abgrundtiefen, reinen Liebe zu den Menschen .. mit diesem wundersamen Sagen und Ver⸗ sprechen in seiner Rede... von einer ewigen Liebe, die über allen Menschen waltet mit einer stillen, seelischen Verheißung hinter seiner edlen Stirn. Wer kann dem widerstehn? Nur der, der das Dunkel liebt, die teübe Nacht, und nicht den Tag. Alle andern, die Millionen. wie jene auf dem Schiff, auf der Nordsee sehn hinüber und danken Gott für diesen Schein von Bethlehem, für diesen Tod von Golgatha, . Aber sieh 8 für dieses Feuer, das er in seiner Seele hatte. Es gibt ja viele, die sagen: Ja, fenher?! vor dem Krieg... da sahen wir dies Feuer, und sahen dahin! Wie waren wir still selig, wenn Weihnachten kam mit seinem Licht. Aber seit der Krieg da ist.., all dies Schreck⸗ liche.. seitdem glauben wir nicht mehr! S dem ist uns, als wenn N Ihren nicht Ehre, 0 Wollten sie nicht, n sie siegten, Gutes wirken, und wenn sie unterlagen, für das Gute sterben?! Und ihre Gebete in der Not des Kampfes und der Mühsal, der Gefangenschaft und der Wunden? Und ihre Sorge um die Ihren, wenn sie nicht wiederkämen? 5 das Gebet, die Liebe und Fürsorge derer, die d m geblieben? Und das Mitleiden und Mit⸗ hoffen und Mitbeten durch das ganze Volk hin⸗ durch? Und der tiefe Ernst, ja der Zweifel selber am Heiligen... ist es nicht alles Licht von seinem Licht? Ja, ich rufe den Krieg selber, den schrecklichen, blutigen, zum Zeugen auch für ihn und seine Sache. Gott... wer sieht denn nicht, daß er Morsches zerschmeißt, Lüge zerbricht, un⸗ gerechte Herrschaft zerstört, Wissenschaft fördert, allem Guten in aller Menschheit neue Tore guf⸗ reißt?! Ob Freund oder Feind, ob Sieger oder Besiegte.. sie alle, mit hohen Augen gesehen, werden im Leid des Krieges, als im Leide ihres Golgatha, seinen Segen spüren, den Segen des Heilandes, um dessen Wiege menschliche Liebe jene wunderbaren Bilder wob, dessen Glaube den Fort⸗ schritt der Menschheit bedeutet, dessen Leben und Sterben die gewaltigste Lichtbringung, das größte, beiligste Erlebnis der Menschheit ist. Aclnd so wollen wir denn Weihnacht feiern in diesem Glauben... wir, ein Teil der Mensch⸗ heit. oh, wir, das deutsche Volk, die geschändet . den, die niedergeschlagen werden sollten, die Schmach zu tragen hatten wie kaum ein anderes Voll sie trug... nun aber bald zu Ehren er⸗ hoben, wie kein Volk der Erde sie hatte! And wenn Gott uns wirklich, wie es scheint, den Sieg gibt, und unser Volk zum Helden der Menschheit und zum Führer der Völker macht: so wollen wir sie führen... nicht in Machtgier, nicht zur Geldgier, sondern im Geiste jenes Heiligen und zu seinem Willen; und wollen mit unsern Toten und unsern Lebenden in seinem Lichte stehen. D. K. W. 5 Weihnachtschronik 1917. Zaum vlerten Male feiern wir Weihnachten im Kriege. Schon vor der dritten Kriegsweihnacht ist das Friedens⸗ wort gefallen. Deutschland und seine Verbündeten haben der Entente die Hand zum Frieden geboten. Aber die Hoff⸗ nung auf Frieden, der wir in der vorigen Weihnacht Raum geben durften, hat sich als trügerisch erwiesen. Die Neu⸗ jahrsboischaft der Feinde hat den Friedensvorschlag höhnisch urückgewiesen, und von neuem verkündeten die Feinde, daß sie nur nach Niederwerfung der Mittelmächte zu Friedens⸗ verhandlungen bereit seien. Wieder grüßt nun die Friedenskunde in die Weih⸗ nacht, und mehr als Friedenshoffnung, diesmal sind es die 8 des Waffenstillstandes und des Friedens im Krieg hat die entscheidende Wendung genom⸗ die un 4 Sieg näher bringt und mit dem Sieg Frieden. Aus dem Zweifrontenkrieg, der uns ein⸗ ist der Einfrontentrieg geworden. Rußland ist aus der r unserer Feinde geschieden und mit ihm hat Rumänien die unhaltbare Stellung aufgegeben. Am 2. De⸗ 0 traten russische Bevollmächtigte mit deutschen Be⸗ vollmächtigten zusammen, um über den Waffenstillstand zu unterhandeln. Am 3. trat Waffenruhe auf der Front vom Pripiet bis zur Lipa ein und am 6. De⸗ 1 ber wurde zunächst eine zehntägige Waffenruhe auf chen Fronten vereinbart, und am 10. Dezember A rumänische Front an, sodaß 58 von 7 bis zum Schwarzen Meer und vom Schwarzen Euphrat die Waffen ruhen. Die russischen „die sich inzwischen zur Berichterstattung nach ben hatten, traten am 12. Dezember wie⸗ n deutschen Bevollmächtigten in Brest⸗Sitowzk mn um die endgültigen Bedingungen des Waffen⸗ standes festzusetzen. Der endgültige Waffenstillstand am 15. a lossen; er läuft vom 17. Dezember 8 2 Wen 8 55 1. 0 en Reg 9 so affenstillstand un⸗ in den Frieden überleiten 85 0 8 8 Tazarrti- Zeitung. Die maximalistische Regierung hat sich inzwischen in der Macht gefestigt. Der Fähnrich Krylenko, den sie zum Oberbefehlshaber der russischen Heere ernannt, hat sich am 3. Dezember des Hauptquartiers bemächtigt und die Hauptmacht des russischen Heeres gehorcht ihm. Der leßte russische Oberbefehlshaber Duchon in wurde erschlagen, da man ihm die Schuld an dem Entkommen des nach seinem Aufstandsversuch gefangenen früheren Oberbefehls⸗ habers Kornilow gab. Ein Versuch des entkommenen Kornilow und des Nosakenanführers Kaledin, von Süd⸗ rußland aus eine Gegenrevolution ins Werk zu setzen, ist am 15. Dezember zusammengebrochen, da sowohl die Heere des Nordens, wie die Besatzung der Schwarzen Meer⸗ flotte sich gegen Kornilow und Kaledin gewandt haben. Inzwischen sind seit Anfang Dezember die Wahlen für den konstituierenden russischen Reichstag, die Sob ran je, im Gange, und diese Wahlen haben eine sehr beträchtliche Stimmzahl für die Maximalisten ergeben, die ein Drit⸗ tel bis die Hälfte der Zahl der russischen Abgeordneten für den Reichstag stellen dürften. Daß die augenblickliche Re⸗ gierung in Ruß land ein Machtfaktor ist, mit dem gerechnet werden muß, zeigt sich auch darin, daß die Entente bereits versucht hat, durch Vermittlung der amerikanischen Mission mit der von ihr erst vollkommen abgelehnten Regierung Fühlung zu nehmen. In den einzelnen Teilen des großen russischen Reiches gehen die Bestrebungen der Volksstämme, selbständige Staaten zu bilden, weiter. Westsibirien hat eine eigene Regierung eingesetzt, die Ukraine nimmt eine immer selbständigere Stellung ein. Vor allem aber hat das früher in Personalunion mit Rußland verbundene Großfürstentum Finnland am 13. Dezember sich zur selbständigen Republik erklärt und hat bei den europäischen Mächten um Anerkennung nachgesucht. Es hat sich der Entente gegenüber auf das von ihr proklamierte Selbstbestimmungs⸗ recht der kleinen Nationen berufen. Die maximalistische Re⸗ gierung kann nach ihren Grundsätzen dieser Bewegung nicht anders als sympathisch gegenüberstehen und sie hat selbst bereits in einem Aufruf an die Mohammedaner diese ange⸗ wiesen, sich von jeder europäischen Herrschaft frei zu machen. Diese Grundsätze der russischen Regierung machen auch für uns die Regelung der Fragen an unserer Ostgrenze leichter und erleichtern die Friedensunterhandlungen, denn das neue Rußland erhebt keinen Anspruch mehr Polen, Kurland, Livland, Litauen und Esthland zu beherrschen. Tritt so an Stelle eines machtgierigen großen Staates an unserer Ostgrenze eine Reihe kleinerer Staaten, die, in sich be⸗ friedigt, ein staatliches Eigenleben entfalten können, so weicht ein Druck von Deutschland, der über ein Jahr⸗ hundert auf ihm gelastet hat. Die Folgen des russischen Waffenstillstandes sind un⸗ absehbar. Hatte schon der militärische Zusammenbruch Ruß⸗ lands starke Kräfte frei gemacht, die in Italien und an der Westfront eingesetzt werden konnten, so wird uns der Waffenstillstand und der Sonderfrieden die Möglichkeit geben, mit allen Kräften uns dem Westen zuzuwenden und schon hat der österreichische Minister des Aeußern Graf Czer nin in den österreichisch⸗ungarischen Delegationen am 4. Dezember Waffenhilfe im Westen zugesagt:„Straßburg gilt Oesterreich so viel wie Triest.“ Selbst wenn noch amerikanische Truppen dort eingreifen sollten, die allerdings bis jetzt nur eingezogen, aber noch nicht ausgebildet, ge⸗ schweige denn nach Europa transportiert find, so machen sie doch im äußersten Falle nur einen geringen Bruchteil der Zahl aus, die Rußland gegen uns ins Feld gestellt hatte. Dazu kommt die Nachwirkung der katastrophalen italienischen Niederlage. Italien hat mindestens 400 000 Mann und die Hälfte seines gesamten Artillerie⸗ materials verloren. Die Kämpfe in Italien find zwar an der Piavelinie zum Stillstand gekommen, dafür aber haben die Oesterreicher in harten Kämpfen zwischen dem 4. und 6. Dezember in der Flanke der italtenischen Armee das Melettagebiet erobert und die Bedrängung im Rücken der italienischen Armee verstärkt, wobei 16000 Gefangene ge⸗ macht wurden Die Offensive hat die italienische Front auf ein Drittel verkürzt, fesselt aber ständig durch die flankierende Stellung in den venetianischen Alpen die ganze Kraft Italiens. Als Folge des russischen und rumänischen Zusammen⸗ bruchs und der italienischen Niederlage zeigt sich in den Ententeländern ein Wachsen der Friedensstimmung. Der frühere englische Minister des Aeußern Lord Lansdowne hat in einem aufsehenerregenden Briefe gefordert. daß die Entente ihre Kriegsziele ändern müsse, um mit den Mittel⸗ mächten zu einer Berständigung zu kommen. In Italien hat die vorübergehende Einigkeit, die unter dem Eindruck der Katastrophe mühsam hergestellt worden war, wieder innerer Zersetzung Platz gemacht. Vor allem aber scheinen die Dinge in Frankreich zu einer Entscheidung zu drängen. Der Ministerpräfident Clémenceau, der den Krieg bis aufs äußerste fortzusetzen entschlossen ist, hat gegen den früheren Ministerpräsidenten Caillaux Anklage auf Hochverrat erheben lassen, weil Caillaux, der 1911 in der Zeit des Streites um Marokko einen Krieg mit Deutsch⸗ land vermieden hatte, im Verdacht steht, einem Verstän⸗ digungsfrieden mit Deulschland geneigt zu sein, und für einen solchen gewirkt zu haben. In dem Streit zwischen Clémenceau und Caillaux verkörpern fich die Gegensätze des Kriegswillens und der Einsicht zur Verständigung in Frankreich und man darf dem Ausgang des Streites mit Spannung entgegensehen. Der innere Zerfall der Entente zeigt sich auch in der Ergebnislofigkeit der Pariser Kon⸗ ferenz der Alliierten, die einen gemeinsamen Oberbefehls⸗ haber stellen wollten, die aber am 4. Dezember ergebnislos auseinandergehen mußten, da England nicht gewillt ist, seine Truppen französischem Oberbefehl zu unterstellen. Allen Friedens bestrebungen im eigenen Lande zum Trotz haben die Engländer noch einmal versucht, unsere Mauer im Westen zu durchbrechen, und es war ihnen am 21. November gelungen, durch einen überraschenden Angriff in der Richtung auf Cambrai Gelände zu gewinnen. Am 3. Dezember setzte unsere Gegenaktion ein. Schon am 8. De⸗ zember ist das Gelände, das die Engländer uns abgerungen hatten, ihnen wieder genommen worden, zugleich mit 9000 Gefangenen, ja an verschiedenen Stellen find unsere Linien noch über unsere früheren Stellungen hinaus vorgeschoben worden. In Flandern haben die Engländer keinen neuen Angriffsversuch mehr gemacht, sodaß die ganzen Flandern⸗ schlachten des— als beendigt gelten können. So sind Cambrai und Flandern zu deutschen Siegen geworden. Inzwischen haben die Kämpfe der Engländer in Pa⸗ lästina zu einem Erfolg geführt, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Nachdem die Engländer ihre Truppen an der syrischen Küste weit nach Norden hin vor⸗ geschoben hatten, und nachdem es ihnen gelungen war, durch Einnahme der Hebronstellung am 10. Dezember Jer u⸗ salem zu umflügeln, mußten die Türken am 11. Dezember die heilige Stadt aufgeben, und englische Truppen hielten zusammen mit französischen und italienischen ihren Einzug. Wenn auch der Verlust Jerusalems für das türkische Heer ohne strategische Bedeutung ist, so besitzt er doch eine umso größere moralische Bedeutung, und wir alle haben das Ge⸗ fühl, daß hier etwas geschehen ist, das durch den Krieg oder durch den Frieden wieder gut gemacht werden muß. Es ist eine moralische Pflicht Deutschlands, dafür zu sorgen, daß ein Staat, der sich ihm angeschlossen und der ihm wertvolle Hilfe geleistet hat— man braucht nur daran zu denken, was die Schließung der Dardanellen für uns be⸗ deutet hat—, keine Einbuße an wertvollen Provinzen er⸗ fährt. Das Lebensinteresse Deutschlands aber fordert auch, daß England nicht über türkisches Gebiet hin seine afrikanischen mit seinen indischen Besitzungen zusammenschließt und da⸗ mit vor die deutschen Kolonien in Afrika einen britischen Wall legt, und zugleich das Kulturland Mesopotamien, das deutsche Arbeit wieder erschloß, unter seine Kontrolle nimmt. Bleibt eurem Beruf treu! Zum vierten Male begehen wir jetzt das Weih⸗ nachtsfest in diesem großen Weltenbrande. Dreimal gipfelten unsere Wünsche vergebens in dem einen Wunsche: es möge Friede werden. Diesmal drängt sich wieder dieser Wunsch auf unsere Lippen, aber wir haben größere Aussicht auf seine Erfüllung als je zuvor. Im Osten sahen wir in diesem Jahre den Wall unserer Feinde in sich zusammen⸗ fallen; was Intrige, Lüge und Bestechung gegen uns aufgebaut hatten, konnte unserem starken Recht nicht standhalten. Im Südosten wurde der Ver⸗ rat unserer ehemaligen Bundesgenossen auf das fürchterlichste bestraft. Es bleibt für uns nur noch übrig, mit unseren westlichen, allerdings unseren hartnäckigsten Feinden, denjenigen, die die ganze Welt gegen uns aufgeboten haben, abzurechnen. Aber auch das wird ein Ende nehmen, auch deren Angriffswut wird an unserer tapferen und ehernen Westfront zerschellen. Folgen wir unserem Hinden⸗ bürg und warten wir noch etwas ab. Immer näher rückt nun die Zeit, wo Ihr alle, liebe Kameraden, wieder dem alltäglichen Leben zugeführt werdet. Mancher von Euch wird durch seine Verwundung oder Krankheit derartige Schäden an seiner Gesundheit davontragen, daß er nicht mehr im stande ist, seinem alten Berufe nachzu⸗ gehen, mancher aber auch wird sich für unfähig oder zu schwach halten, ihn wieder auszuüben. Und darüber möchte ich mich mit Euch unterhalten. Unser oberster Kriegsherr rief uns, nachdem unsere Feinde sein hochherziges Friedensangebot mit Hohn abgewiesen hatten, die Worte zu: Werdet zu Stahl. Diese Worte galten den Kämpfern in der Front. Ich möchte dieses Wort auch für die Zeit nach dem Frieden auf uns alle angewendet wissen. Wie werden sich nun die Verhältnisse nach Friedensschluß gestalten? Nach diesem unge⸗ heuren Geschehen ist naturgemäß in der ganzen Welt alles auf den Kopf gestellt. Nicht nur, daß die Versorgung der Heimat mit Rohstoffen ganz neu geregelt werden muß, es müssen vor allen Dingen unsere gesamten Handelsbeziehungen, die unser grimmigster Feind England von Grund auf zerstört hat, neu aufgebaut werden. Das wird das Feld unserer Auslandspioniere sein, die die alten Beziehungen wieder aufnehmen und neue an⸗ knüpfen müssen. Kein Mensch kann heute sagen, wie bald und in welcher Weise das gelingen wird. Wir anderen aber in der Heimat müssen an unseren alten Plätzen die Arbeit wieder aufnehmen und müssen sehen, mit unserer alten Arbeitskraft da wieder anzufangen, wo wir aufgehört hatten, als unser Kaiser uns zu den Fahnen rief. Und dazu brauchen wir geschulte Kräfte. Da heißt es in Wirklichkeit stahlhart sein, wenn auch manches nicht so klappt, wie wir es selbst uns gern wünschen. Jeder, der aus seinem Beruf ausscheidet, fehlt, und vollzähliger Ersatz ist nicht da, kann erst mit der Zeit herangezogen werden. Denn während der ganzen Dauer des Krieges ist der Nachwuchs, der sonst in den Fabriken der Landwirtschaft und allen sapstigen Arbeitsstätten heranwächst, in der Zeit seiner besten Ausbildung zur Verteidigung des Vaterlandes herangezogen worden.— Jeder von Euch, der also glaubt, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können, muß sich der Verantwortung bewußt sein, die er dem Vaterlande gegenüber hat. Also nicht leichtfertig handeln. Geht mit Euch selbst ernsthaft zu Rate und wenn Ihr irgendwie im Zweifel seid, wendet Euch an Euren Arzt, an die Berufsberatungen, an die Kriegsfürsorgen und tragt Euren Fall vor. Die Wissenschaft und die Technik ist so weit vorgeschritten, daß vielen ge⸗ holfen werden kann, die nicht im entferntesten daran denken, je wieder in ihrem Berufe tätig sein zu können. Aber vor allen Dingen, beißt die Zähne zusammen und versucht mit allen Euren Kräften im alten Berufe zu bleiben, wenn es Euch auch erst schwer fällt. Geschulte Kräfte sind es, die das Vaterland zur Arbeit braucht, und es wird jedem von Euch einleuchten, daß jemand, der erst umlernt, der also einen neuen Beruf ergreift, erst als Anfänger zu betrachten ist, in Wahrheit auch einer ist und das nicht leisten kann, was eine ge⸗ schulte Kraft leistet. Haltet den Kopf hoch und geht dann im Frie⸗ den Eurer alten Arbeit mit der ganzen großen alten Liebe nach, die Ihr vor dem Kriege für sie gehabt habt. Ackenhausen, ehem. Unteroffizier im Landsturm⸗Ersatz⸗Bataillon Wetzlar. Cazarett-eratung. Die Zentralstelle der Lazarett⸗Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett⸗Zeitung dienen. Jeder möge die Fragen, die er auf dem Herzen hat, seien fit wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, Ichriftlich an die Sazarett⸗Beratung richten. Es soll auf jedt Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge⸗ sucht werden, Rat und Beistand zu schaffen. Ant⸗ worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na⸗ mensnennung in der Lazarett⸗Zeitung veröffentlicht. Vertrauliche Behandlung wird zugesichert, daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett⸗ Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge, Theaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett⸗ Beratung steht auch täglich von 4—5 Uhr den Verwundeten für persöuliche Anfragen zur Verfügung. Nentenempfänger J. H. Frage: Bin als Rentenempfänger wieder im Lazarett aufgenommen worden. Ist es richtig, daß ich jeden Ausgang besonders einreichen muß, und einen längeren Ur⸗ laub nur erhalten kann, wenn ich einem Truppen⸗ teil überwiesen bin?— Antwort: Die Ansicht, daß ein im Lazarett aufgenommener Rentenemp⸗ fänger Urlaub nur bei Zuweisung an einen Trup⸗ penteil erhalten kann, ist nicht richtig. Anteroffizier H. 5. Frage: Habe vor einem Jahr kapituliert, bekomme noch keine etatsmäßige Löhnung. Bin über vier Jahre Soldat. Steht mir die etatsmäßige Löhnung zu?— Antwort: Bei ordnungsmäßiger Kapitulation müßten Sie in die erste freiwerdende Stelle eingereiht werden. Sie mögen durch Vermittlung des Reservelazarettes ein entsprechendes Gesuch an Ihren Truppenteil richten. —.—ñhẽ— Tazarekl- Zeitung. Vom deulschen Geist. Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart, als uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art, und hat ein Blümlein bracht, mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht. Das Röslein, das ich meine, davon Esaijas sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Aus Gottes ew'gem Rat hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht. * Deutsche Sendung. Von Richard Dehmel. Deutschland, Deutschland, du mein Vaterland, immer trieb der Geist dich in die Ferne. Märchenwelten liebst du, morgenländische Sterne; aus der fremden Wüste übers Meer holtest du dir deine Himmelreiche, Deutschland, du mein Vaterland, deinen Gott und deinen Heiland her. Deutschland, du mein herrliches Vaterland, rings die Erde haßt dein Liebes werben. Wärst du nicht so herrlich, wär es dein Verderben; unerschrocken wie das Jesuskind staunst du unter deinen Weihnachtsbäumen, Deutschland, du mein Vaterland, was für Teufel noch die Menschen sind. Deutschland, du mein heiliges Vaterland, endlich lerntest du dich selbst entdecken. Oh, nun kann dein Geist sich immer mächtiger recken; bleib dir treu! dich treibt die Gotteskraft, die aus all den fremden Völkerhimmeln, Deutschland, du mein Vaterland, einst das Paradies der Menschheit schafft. 1. Silbenrätsel. Aus den folgenden 71 Silben: ben—ber— ber- ber brief da- da- da- de dog dol—e-e e ei eil-em—em— er es ful—ga— ge—ger gi ham han—har—has — ho ir- is— lüm maat- me- mel mel mich nacht ne- ne- neid- neis- ni- nim nuc- o- pa raum rho ri rich rod rung schlupf—se—se—se— se- sen—sen— sens tau te- ter- to- un vot- wlo- wo sind 32 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben abwechselnd von oben nach unten gelesen eine Botschaft ergeben. Die Wörter bezeich⸗ nen: 1. Deutscher General. 2. Ein Fluß. 3. Ein Gerät. 4. Ein Abweg. 5. Militärischer Grad. 6. Mädchenname. 7. Schlechte Eigenschaft. 8. Eine Stadt. 9. Männlicher Vorname. 10. Eine Stadt. 11. Eine Botschaft. 12. Ein Berg. 13 Schwäbischer Graf. 14. Germanische Göttin. 15. Eine Deckung. 16. Ein Tier. 17. Pflanzenteil. 18. Naturerscheinung. 19. Ein Jäger. 20. Hunde⸗ rasse. 21. Teil einer Wohnung. 22. Eine Stadt. 23. Französischer Ort. 24. Ein Kleidungsstück. 25. Ein Fluß. 26. Persische Stadt. 27. Russische Stadt. 28. Ein Tier. 29. Ein Tanz. 30. Eine Stadt. 31. Schimpfwort. 32. Metall. Das Rätsel gilt nur dann als richtig gelöst, wenn die genaue Lösung(d. h. die gesuchten 32 Wörter) eingesandt wird. Druck von Löber 4 Co., Frankfurt a. M., Elbestraße 29. 2. Silbenrätsel. Es war vor nicht zu langer Zeit, Als uns die ersten Beiden In großer Dritt', vielfach verwünscht, Aus schwerer Not befreiten. Das Ganze war ein Schreckgespenst, Mit dem die Eltern dräuten, Wenn artig nicht die Kinder war'n Und sich nicht lie ßen leiten. Untoffz. Robbertz. 3. Silbenrätsel. Das Erste ist ein Element, als furchtbar schon es Schiller nennt; das Zweite ist man als Soldat, wenn man dazu das Aller hat. Zusammen ist es ein Beruf,— den man zur Wehr des Ersten schuf. Nun rate, lieber Kamerad, was das wohl zu bedeuten hat?— Einsender: Musk. Rohr, Teillaz. Villa Diana, Bad⸗Nauheim. —— Scherzfragen. Welcher König kann sein Reich flicken? * Welches Laub wird statt größer immer kleiner? Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein⸗ sender bis 1. Januar einzusenden an die Lazarett⸗ Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Auf dem Briefumschlag soll das Wort„Rätsellösung“ stehen.(Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Auflösungen zu den Aufgaben der vorigen Nummer. Silbenrätsek:„Des Volkes Dank ist euch gewiß.“ 1. Scherzrätsek:„Pfeiffer und Pfiff saßen am Bach.“ 2. Scherzrätsel:„Julius Caesar aß lieder Austern und Neu naugen als Kohl und Kuhkäs“ 3. Scherzrätsel:„Kanzleisekretär Hahn in Altenburg.“ Preise zu den Auflösungen der vorletzten RAummer. 1. Aufgabe:„2400 Mann stark war die Abteilung(nicht wie in der vorigen Nummer irrtümlich an⸗ gegeben war 800)“= 94 richtige Lösungen.. 2. Aufgabe:„Die Lebensalter betrugen 18, 48, 777 107 rich⸗ tige Lösungen. Nätsel:„Laufpaß“= 105 richtige Lösungen. Streichhokzausgabe: HEINE.= 106 richtige Lösungen. Die Beteiligung war dieses Mal so überaus zahlreich, daß 76 der Einsender alle Rätsel richtig geraten haben. Durchs Los erhielten folgende 26 Einsender Preise: Untoffz. Rob⸗ bertz, Mannheim; Gefr. Gottmanns, Orb; Gefr. Krohne, Frankfurt a. M.; Edstm. Kotzur, Niederrad; Pionier Haber⸗ kern, Nauheim; Gefr. Schröder, Frankfurt a. M.; Vizefeldw. Weiß, Leimen; Gesr. Lange, Frankfurt a. M.; Gefr. Gienger, Hersfeld; Musk. Blumenthal, Euskirchen; Untoffz. Speich, Frankfurt a. M.; San.⸗Untoffz. Fechtig, Mannheim; Fähnrich Abt, Elz; Untoffz. Vogel, Alsfeld; Musk. Morasch, Hausen; Mil.⸗Krankenw. Hennecke, Gießen; Musk. Paul, Gießen; Schütze Hauptmann, 0 Niederlahnstein; Mil.⸗Kran⸗ kenw. Solling, Homburg; Db Untoffz. Marx, Karlsruhe; Gefr. Steinmeyer, Baben⸗ hausen; Gefr. Dörsam, Mainz; Füsilier Reckner, Kronthal; Musk. Wolf, Babenhausen; Untoffz. Strohmer, Frankfurt a. M.; Gefr. Rank, Ueberlingen. Die Zeichnungen, mit denen wir unsere diesjährige Weih⸗ 2 schmücken konnten, verdanken wir Unteroffizier Fried Stern, Frankfurt a. M. Die Zazarett- Zeitung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk des XI.,* und 8 Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung. 5 Zuschristen sind zu adressieren: Sazarett⸗Zeitung, Franl⸗ furt a. M., Theaterplatz 14. 1 N Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Dr. Cark Cesbasdt in Frankfurt a. M. Nummer 3. Beilage Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern. Von Andersen. Es war entsetzlich kalt; es schneite und der Abend dunkelte bereits; es war der letzte Abend im Jahr, Sil⸗ vesterabend. In dieser Kälte und in dieser Finsternis ging auf der Straße ein kleines armes Mädchen mit bloßem Kopfe und nackten Füßen. Es hatte wohl freilich Pantoffel angehabt, als es von Hause fortging, aber was konnte das helfen! Es waren sehr große Pantoffeln, sie waren früher von seiner Mutter gebraucht worden, so groß waren sie, und diese hatte die Kleine ver⸗ loren, als sie über die Straße eilte, während zwei Wagen in rasender Eile vorüberjagten; der eine Pantoffel war nicht wieder aufzufinden und mit dem andern machte sich ein Knabe aus dem Staube, welcher versprach, ihn als Wiege zu benutzen, wenn er einmal Kinder bekäme. Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten zierlichen Füßchen, die vor Kälte ganz rot und blau waren. In ihrer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer und ein Bund hielt sie in der Hand. Während des ganzen Tages hatte ihr niemand etwas abgekauft, niemand ein Almosen gereicht. Hungrig und frostig schleppte sich die arme Kleine weiter und sah schon ganz verzagt und eingeschüchtert aus. Die Schneeflocken sielen auf ihr langes blondes Haar, das schön ge lockt über ihren Nacken herabfloß, aber bei diesem Schmucke weilten ihre Gedanken wahrlich nicht. Aus allen Fenstern strahlte heller Lichterglanz und über alle Straßen verbreitete sich der Geruch von kostlichem Gänsebraten. Es war ja Selvesterabend und dieser Gedanke erfüllte alle Sinne des kleinen Mädchens. In einem Winkel zwischen zwei Häusern, von denen das eine etwas weiter in die Straße vor— sprang als das andere, kauerte es sich nieder. Seine kleinen Beinchen hatte es unter sich gezogen, aber es fror nur noch mehr und wagte es trotz⸗ dem nicht, nach Hause zu gehen, da es noch kein Schächtelchen mit Streichhölzern verkauft, noch keinen Heller erhalten hatte. Es hätte gewiß vom Vater Schläge bekommen, und kalt war es zu Hause ja auch; sie hatten das bloße Dach gerade uber sich, und der Wind pfiff schneidend hinein, obgleich Stroh und Lumpen in die größten Ritzen gestopft waren. Ach, wie gut mußte ein Schwefel hölzchen tun! Wenn es nur wagen dürfte, eins aus dem Schächtelchen herauszunehmen, es gegen die Wand zu streichen und die Finger daran zu wärmen! Endlich zog das Kind eins heraus. Ritsch! wie sprühte es, wie brannte es. Das Schwefelholß strahlte eine warme helle Flamme aus, wie ein kleines Licht, als es das Händchen um das— selbe hielt. Es war ein merkwürdiges Licht; es kam dem kleinen Mädchen vor, als säße es vor einem großen eisernen Ofen mit Messingbeschlägen und Messingve r zierungen; das Feuer de annte so schoͤn und wärmte so wohltuend! Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen— da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand— sie saß mit einem Stümpf⸗ chen des ausgebrannten Schwefelholzes in der Hand da. Ein neues wurde an⸗ 2 gestrichen, es brannte, es leuchtete, und an der Stelle der Mauer, auf welche der Schein fiel, wurde sie durchsichtig wie ein Flor. Die Kleine sah gerade in die Stube hinein, wo der Tisch mit einem blendend weißen Tischtuch und feinem Porzellan gedeckt stand, und köstlich dampfte die mit Pflaumen und Aepf⸗ln gefüllte, gebratene Gans darauf. Und was noch herrlicher war, die Gans sprang aus der Schüssel und watschelte mit 41 Gabel und Messer im Rücken über den Fußboden hin; gerade die Richtung auf das arme Mädchen schlug sie ein. Da erlosch das Schweselholz und nur die dicke kalte Mauer war zu sehen. Sie zündete ein neues an. Da saß die Kleine unter dem herrlichsten Weihnachtsbaum; er war noch größer und weit reicher ausgeputzt als der, den sie am Heiligabend bei dem reichen Kaufmann durch die Glastür gesehen hatte. Tausende von Lichtern brannten auf den grünen Zweigen, und bunte Bilder, wie die, welche in den Ladenfenstern ausgestellt werden, schauten auf sie hernieder, die Kleine streckte beide Hände nach ihnen in die Höhe — da erlosch das Schwefelholz. Die vielen Weih⸗ nachtslichter stiegen höher und höher und sie sah jetzt erst, daß es die hellen Sterne waren. Einer von ihnen siel herab und zog einen langen Feuer⸗ streifen über den Himmel. „Jetzt stirbt jemand!“ sagte die Kleine, denn die alte Großmutter, die sie allein freundlich be— handelt hatte, jetzt aber längst tot war, hatte ge⸗ sagt:„Wenn ein Stern fällt, steigt eine Scele zu Gott empor!“ Sie strich wieder ein Schwefelholz gegen die Mauer; es warf einen weiten Lichtschein rings⸗ umher und im Glanze desselben stand die Groß— mutter hell beleuchtet mild und freundlich da. „Großmutter!“ rief die Kleine,„o nimm mich mit dir! Ich weiß, daß du verschwindest, sobald das Schwefel bolz ausgeht, verschwindest, wie der warme Kachelofen, der köstliche Gänsebraten und der große flimmernde Weihnachtsbaum!“ Schnell strich sie den ganzen Rest der Schwefelhölzer an, die sich noch im Schächtelchen befanden, sie wollte die Großmutter festhalten; und die Schwefelhölzer verbreiteten einen solchen Glanz, daß es heller war, als am lichten Tage. So schön, so groß war die Großmutter nie gewesen; sie nahm das kleine Mädchen auf ihren Arm und hoch schwebten sie empor in Glanz und Freude; Kälte, Hunger und Angst wichen von ihm— sie waren bei Gott. Aber im Winkel am Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen, mit Lächeln um den Mund— tot, erfroren am letzten Tage des alten Jahres. Der Morgen des neuen Jahres ging über der kleinen Leiche auf, die mit den Schwefelhölzern, wovon fast ein Schächtelchen verbrannt war, da- saß.„Sie hat sich wärmen wollen!“ sagte man. Niemand wußte, was sie Schönes gesehen hatte, in wel⸗ chem Glanze sie mit der alten Groß⸗ mutter zur Neujahrsfreude einge⸗ gangen war. Ne Welche Bücher soll man im Lazarett lesen? Wenn der Soldat verwundet oder krank in der Heimat weilt, dann wird er in Mußestunden nicht nach Schilderungen vom Schlachtengetümmel greifen, — denn was er selber erlebt, ist ihm persönlicher und darum größer,— sondera er wird sich lieber erfreuen an zarten Blüten in träumerischen lauschigen Eckchen des deutschen Dichterhaines. Die da suchen, möchte ich hinführen zu einer Zeit, die wir mit einem leisen Hauch der Schwärmerei die Romantik nennen, wo gerade, wie auch jetzt, der Deutsche sich wieder auf sich selbst besann, wo des Dichters Herz sich erwärmte für die deutsche Natur, für die Berge und Täler und Ströme und vor allem für den deutschen Wald. Da erwachte„der Natur⸗ und Heimatsinn“, der Deutsche gewann das Land lieb, wo seine Vorfahren gesessen, in der Zeit, als Deutschland im Bann des gewaltigen Korsen lag, als Napoleon im Jahre 1806 Preußen nieder⸗ warf, sammelten in Heidelberg, der frohen Stadt am Neckarstrand, Armin und Brentano alte schöne Lieder, die sie im Volksmunde hörten. In der Zeit des tiefsten Elends Deutschlands zeigten Weihnachten 1917. 222—ñññññññññ ͤ1=Eñßß———— sie in ihrer Sammlung:„Des Knaben Wunderhorn? den unerschöpflichen poetischen Reichtum der Deutschen. Mit großem Jubel wurde die Sammlung aufgenommen, mit einem Male das Deutschtum mächtig belebt. Wer sich in ruhigen Stunden an den Liedern erfreuen will, die bei unseren Vorfahren vor Jahrhunderten von Mund zu Mund gingen, und in denen sie ihre Freude an der Heimat, ihre Erlebnisse, ihre Märchen be⸗ sangen, der lese Lieder aus dem„Wunderhorn“, das die Dichter mit kindlichem Gemüt vor uns ausgeschüttet haben. * * 0 Noch ein Werkchen möchte ich von Clemens Brentano meinen Kameraden empfehlen. Er ist einer unserer größten Märchenerzähler; das italienische Blut in ihm gab ihm die Freude an glänzenden farbenreichen Gestalten, die seine Phan⸗ tasie am besten in Märchen auftreten lassen konnte. Ueberaus reizvoll ist die„Geschichte vom braven Kasperl und schönen Annerl“, eine blutige Dorstragödie, die in der Nacht auf den Stufen des Schlosses von einer alten Frau erzählt wird, und uns mit dem geheimnisvollen süßen Schauder des echten Märchens ergreift. ** * Am sagenumwobenen Schloß im rauschenden Neckartal gesellte sich noch ein anderer zu den naturschwärmenden Romantikern, Josef v. Eichen- dorff. Echt romantische Fahrten unternahm er als Student neckar- und mainaufwärts, donauab⸗ wärts bis nach Wien. In seiner schlesischen Hei⸗ mat führte er dann mit jungen Adligen ein lustiges Leben und dichtete seine Lieder, denen etwas Traum- haftes eigen ist, die etwas Versonnenes und Heim⸗ liches haben trotz aller Fröhlichkeit. Mit zum vollendetsten gehört seine berühmte Novelle„Aus dem Leben eines Taugenichts“. Ein göttlich leichtsinniger Bursche durchwandert die Welt, dem es„wie ein ewiger Sonntag im Ge⸗ müt“ war. Er briagt seine Tage im Müßiggang zu; es ist ihm einerlei, ob er Gärtner oder Zollein⸗ nehmer ist, oder gar herrlich und in Freuden auf einem italienischen Schlosse lebt. Nirgends ist seines Bleibens von langer Dauer, wechselvoll ist sein lustiges Wandern, so wechselvoll wie auch die Frauengestalten, die ihm begegnen, sei es die junge Gräfin aus Deutschland oder die Kammerjungfer. Er genießt das Leben in unver⸗ wüstlichem Glauben an die Welt. Er versteht den Zauber der Natur zu kosten in stimmungsvollen Stunden. Und als der Taugenichts schließlich seine vermeintliche Gräfin wiederfindet, die aber nur eine arme Waise ist, will er sein Wander⸗ leben beschließen und mit ihr auf dem ein⸗ samen Schlößchen, das ihm ein Freund schenkt, seine Tage verbringen,„und von fern schallte immerfort die Musik herüber, und Leuchtkugeln flogen vom Schloß durch die stille Nacht über die Gärten und die Donau rauschte dazwischen herauf — und es war alles, alles gut!“ B. ** * Die Werke find in folgender Preislage durch die Zen⸗ tralstelle der Lazarett⸗Beratung, Frankfurt a. M. zu beziehen: Eichendorff:„Aus dem Leben eines Tauge⸗ if. Brentano:„Des Knaben Wunderhorn“. 50„ 8„Geschichte vom braven Kasperl nab schznen Auel. Man schreibe unter Einsendung des Betrags in Marken an die Zentralstelle der Lazarett⸗Beratung des Roten Kreuzes, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Am besten tun sich mehrere Kameraden zusammen um die Hefte zu beziehen.(In Frankfurt übernehmen die Lazarett⸗ vertrauensmänner die Beflellung.) Pandesausschuß für Kriegsbeschädigten⸗ Türsorge im Reg.⸗Bezirk Wiesbaden Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Bleichstr. 18 pt. Fernruf Amt Hansa 7396 und 7397. Bewerber für unten ausgeschriebene Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä⸗ digten⸗Fücsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Aus⸗ kunft in allen Rentenfragen erteilt. Es wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die Tagebuchnummer mit anzugeben. Gesucht werden für 11911. Kreisausschuss ein Ausschuß Assistent. Die Stelle ist einem Militäranwärter vorbehalten. Anfangs⸗ gehalt 1800 Mk., steigend 3 jährig um 250 Mk. bis 3600 Mk. Wohnungsgeldzuschuß 400 Mk. Teuerungszulage. Probedienstzeit sechs Monate. 120011. Weinhandlung in Frankfurt a. m. ein Aus⸗ laufer und ein Hilfsarbeiter. 121/11. Wohlkahrtsinstitut ein Auslaufer(Packen und Drückkarrenschieben). 12211. Kal. Untersuchungs gefängnis einige Hilfs⸗ gefangenenaufseher. 123011. Munstionsfabrik bei Darmstadt eine Anzahl Fach und Hilfsarbeiter. 12411. Spezialhaus für Beleuchtungskörper eic. ein erfahrener Buchhalter. 1250/11. Rriegsleder-Aktlengesellschaft ein Aufsichts⸗ kontrolleur für das Personal. 126/11. Gasthof am Bahnhok ein Heizer. 127011. Gut bürgerliches Kaffee ein Konditor. 128,11. Spezlalhaus für Kolonfalwaren und Dellka⸗ testen ein Auslaufer, welcher Rad fahren kann. 112. Metallwerke nahe Frankfurts zwei Schicht⸗ meister für Zünderfabrik. Gelernte Dreher, Schlosser oder Mechaniker. 2.12. Privathaus ein Gartenarbeiter. 312. Schriftgiesserei in Frankfurt a. m. für ihren einberufenen Prokuristen ein geeigneter Ersatz. Aus⸗ führliche Bewerbungen von technisch und kaufmännisch in diesem Geschäftszweig ausgebildeten Herren. 412. Damenhutgrosshandlung ein Packer und Aus⸗ laufer. 0 512. Munstionsfabrik ein Nachtwächter. 6012. Bolzhandlung in benachbarter stadt im Taunus ein Fuhrmann zu zwei Pferden(evtl. erleichterte Tätigkeit). 7112. Königl. Untersuchungsgefängnls ein Heizer, aushilfsweise bis 1. Januar 1918. 8.12. Lichtspleltheater in Frankfurt a. m. zwei Portiers. 912. Kriegs industriellen Betrieb(Tornister⸗ und Brotbeutelfabrikation), ein Tapezierer und ein Schreiner. 10012. Oelgrotshandlung ein Bote. 1112. Papler- und Flaschentzammelstelle ein Bote, welcher auch die Presse bedienen kann. 1212. Bankhaus ein Kassenbote, welcher sich gleich- zeitig mit der Registratur beschäftigen soll. 18012. OUillenbesitz an der Bergstrasse ein ständiger Gartenarbelter. 8 1412. Bürgerliches Gasthaus in Frankfurt a. m ein Nachtportier. 1512. Reinere Munitsonsfabrik mit“ Werkstattreinigung⸗ 16/12. Bankhaus ein Kassenbote aushilfsweise. Be- werber, welche schon ähnliche Posten begleitet und evtl. Kaution stellen können, wollen sich melden. 1712. motordroschken-Zentrale in Residenzstadt Süddeutschlands ein tüchtiger Werkmeister, oder älterer energischer Monteur. Fähig zur Einteilung und Ueber wachung eines größeren Betriebes. Bewerber mit lang⸗ jähriger Praxis in der Autoindustrie kommen in Frage. 18012. Dieselbe drei Monteure, möglichst Fach⸗ arbeiter, die schon im Automobilbau gearbeitet haben. ein Nachtwächter Gießener Sehenswürdigeiten. 1. Hammlungen des Gberhessischen Geschichts⸗ vereins und der Wilhelm Gailschen Stiflung. Im alten Schloß auf dem Brandplatz. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Völstermuseum, neben der alten Kaserne Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Votanischer Garten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8—5 Uhr(von 12—1 Uhr geschlossen), Sonntags von 9-12 Uhr. 4. Tesehalle des Gießener Lesehallen-Vereius im Torhaus, Heltersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Tazarett- Zeitung. Verwundeken-Ankerricht. I. Anterricht in der Gewerbeschule(Kirchstraße 16). ———— Bauzeichnen, Fachzeichnen, Freihandzeichnen, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag von ½ 9—12 Uhr. Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Buchführung, Wechsellehre, Rechnen, Montag von 2—5 Uhr. Montag und Mittwoch von 2—5 Uhr. Projektions zeichnen, Mittwoch von 2—5 Uhr. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel, Bert, Klein, Fritzel, Haggen⸗ müller, Prof. Dr. Krausmüller und 2 Architekten. Meldungen werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, genommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. abends von 5—6 Uhr, entgegen⸗ Prastische Arbeiten in den Lehrwerkstätten. Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Schmiede, täglich 8—12 und 2—6 Uhr. Korbflechten, täglich von 9—12 und 2— 6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. II. Anterricht in Lazaretten und im Soldatenheim. Stenographie(Gabelsberger System). Polizeik.⸗ Dienstag und Freitag 2—3% Uhr Beratung der über alle Fragen der Kranken-, Versicherungs⸗ und Fürsorgewesen. Kriegsteilnehmer * Aspirant Karnbach. Invaliden- und Hinterbliebenenver⸗ sicherung, Kriegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz⸗, Kreuzes und in den Lazaretten. — ß—— Das Gießener Soldatenheim. Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burggraben, Eingang von der Marktstraße aus, nahe am Markt. Zeitungen, Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschafts⸗ spiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Ein⸗ fache Erfrischungen werden zum Selbstkosten⸗ preise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist fär die Besucher neu herge⸗ richtet. Bis auf weiteres sollen an jedem Mittwoch nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz⸗Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vor⸗ mittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Verwundete und ersrankte Kriegs- teilnehmer verlieren oft ihre Ansprüche besonders aus der Kranken⸗ und Insoalidenversicherung, weil sie über die in Frage kommenden Bestimmungen nicht ge⸗ nügend informiert sind. Es kann deshalb allen Kciegsteilnehmern oder sonstigen Heeresangehörigen, die auf dem Gebiete der Kranken- und Invaliden⸗ versicherung, Familienunterstützung, Kriegswochen⸗ hilfe usw. über irgend eine Frage im Unklaren sind, nur empfohlen werden, sich von der seit einem Jahre bestehenden Verwundetenberatungsstelle (Sprechstunden Dienstag und Freitag von 2 bis 3% Uhr im Soldatenheim) beraten zu lassen, wo⸗ selbst auch alle erforderlichen Schriftstücke unent⸗ geltlich angefertigt werden. Soweit die Ratsuchen⸗ den nicht ausgehen können, wollen sich dieselben schriftlich an den Leiter der Beratungsstelle, Bureau⸗ beamten H. Rirchner, Gießen, Schiffenberger Flecht⸗ und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Weg 16, wenden, der auf Wunsch bereit ist, die Ralsuchenden in den Lazaretten zu besuchen. Die Verwundeten⸗Veratungsstelle. Kreis- und Ortsausschuß, Gießen, für die Kriegsbeschädigten-Jürsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstagnachmittag, von 8— 12 und 2—5 Uhr. 5 g Werkstätte. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Ge⸗ öffget täglich, außer Samstag und Sonntag von 8 12 und 26 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus, 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Ber f sberatung: Gewerbehaus, Erdge⸗ schoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erd⸗ geschoß. Sprechstunde: Täglich von 8—12 und 2 6 Uhr. Ausstellung von Arbeiten Kriegs- beschädigter, Gewerbehaus, Kirchstr. 16 geöffnet: Zutritt unentgeltlich.) Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsausschuß Gießen für die Kriegsbeschädigten⸗Fürsorge. a Der Vorsitzende: Keller, Oberburgermeister.* 2 Schriftleitung der Gießener Beilage: 3 Geh. Hofrat Dr. H. Haupt, Gießen, Keplerstraße 1, und Professor Dr. Marl delm, Gießen, Stefanstraße * 3 83 M Werktags von 8—12 und 3—6 Uhr. 1