VII. Preisausschreiben. Die Preisausschreiben der Lazarett⸗Zeitung be⸗ zwecken, die Soldaten in den Lazaretten zu leben⸗ diger Mitarbeit an der Zeitung anzuregen bei Fragen, die durch Verschiedenheit der Auffassung und Darstellung an Klarheit gewinnen. „Im vierten Kriegswinter“ ist das Thema des neuen Preisausschreibens. Wir legen keinen Wert auf gebildeten Ausdruck. Wir erwarten die Mitteilung starker Eindrücke von der Front oder aus der Heimat, Gedanken über die Vergangenheit und Gegenwart des Krieges und die Zukunft des Friedens. Für die beste Arbeit werden wir die Arbeit halten, die sich am selbständigsten auseinandersetzt mit den Dingen, so daß wir durch sie erfahren, was wir ohne sie nicht erfahren hätten. Es ist ausgesetzt: ein Preis im Werte von 40 Mk., zwei im Werte von 25 Mk. und fünf im Werte von 10 Mk. (nach Wahl in Geld oder Büchern). Außerdem dreißig Preise in Büchern, deren Gebiet bestimmt werden kann. Letzter Einsendungstermin: 1. Januar 1918. Die Sen⸗ dungen sind zu adressieren: Lazarett⸗Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Zivilberuf ist anzugeben. Auf dem Briefumschlag das Wort: Preisausschreiben. Chroniß. Die zweite Novemberhälfte zeigt im Gebiete der Politik allenthalben die Auswirkung der Erfolge, die die deutschen Truppen auf den Kriegsschauplätzen errungen haben. Die deutschen Erfolge des Sommers und des Herbstes gegen Rußland haben im rnssischen Volke die Ueberzeugung all⸗ gemein gemacht, daß für Rußland nichts anderes übrig bleibt, als Frieden zu schließen. Die Regierung Kerenftis, die sich zu eng mit den Interessen der Entente verbunden hatte, und der infolgedessen die Handlungsfreiheit fehlte, wurde durch die neue, am 7. November zum Ausbruch gekommene Revolution gestürzt. Während es im Anfang zweifelhaft erscheinen konnte, ob sich die maximalistischen Revolutionäre im Besitz der Macht halten würden, hat sich im Verlauf des kurzen Bürgerkriegs herausgestellt, daß keine Gegnerschaft fark genug war, fie zu stürzen, weil das russische Volk von jeder Gegenbewegung eine Verlängerung des Krieges fürch⸗ tet. Kerenski führte Truppen gegen die maximalistische Regierung in Petersburg heran, wurde aber am 12. No⸗ vember bei Gatsching geschlagen. Er mußte, von seinen Truppen im Stich gelassen, fliehen. Er soll am 14. No⸗ vember auf die Regierung und den Oberbefehl über die Truppen verzichtet haben. Eine andere Gefahr schien der maximalistischen Regierung von der Seite der Kosaken zu drohen, die unter dem Befehl ihres Obersten(Hetmann) Kaledin das Donez⸗Gebiet besetzt halten. Aber auch die Kosaken scheinen der Volksbewegung sich nicht entgegen⸗ werfen zu wollen, und bleiben abseits stehen. Moskau, das von ihnen bedroht war, ist nun auch in den Händen der Maximalisten. So in der Macht befestigt haben die Maximalisten am 11. November ein Angebot auf Waffen⸗ stillstand erlassen. Der russische Oberbefehlshaber Duchonin, der sich weigerte, das Waffenstillstandsangebot an das deutsche Heer weiterzugeben, wurde seiner Stelle enthoben und durch den sozialdemokratischen Fähnrich Krylenko ersetzt. Ein einheitlicher, militärischer Oberbefehl scheint seitdem an der russischen Front nicht mehr zu bestehen. Wenn auch die deutsche Heeresleitung mangels eines militärischen Oberbe⸗ fehls bei dem Feinde einen förmlichen Waffenstillstand nicht abschließen konnte, ist doch tatsächlich Waffenruhe an der russischen Front eingetreten, und die russischen Soldaten haben in großer Zahl schon begonnen, in ihre Heimat zu⸗ rückzukehren, und man darf annehmen, daß mit der ein⸗ setzenden Kälte und den fast bis zur Hungersnot sich steigernden Verpflegungsschwierigkeiten das russische Heer sich völlig auflösen wird. Bietet sich bei der noch herrschen⸗ den Anarchie in Rußland für uns auch noch keine Moͤglich⸗ keit, zu einem Friedensvertrag mit diesem Lande zu kommen, so ist es doch durch den unumschränkt zur Herrschaft ge⸗ langten Willen zum Frieden jetzt völlig aus der Reihe unserer Gegner ausgeschieden. In Italien sind die Verfolgungskämpfe am 10. No⸗ vember an der Piavelinie zum Stillstand gekommen, wäh⸗ rend der neue Angriff von Norden her weitere Fortschritte machte. Am 13. November find die Sperrforts im Alpen⸗ gebiet der sieben Gemeinden(so heißt das Gebiet nach sieben deulschsprechenden Dörfern) genommen worden. Am gleichen Tage eroberten die Oesterreicher Primolano, das das Su⸗ ganatal gegen Italien hin sperrt, die Truppen Belows Feltre im oberen Piavetal. Die Italiener haben, wohl gestärkt durch franzöfische und englische Hilfe, starke Angriffe gegen die im Gebirg nach Süden vorrückenden österreichischen und deutschen Truppen gerichtet, weil sie von diesen im Rücken ihrer Piavestellung bedroht werden. Trotzdem haben die Angriffe der Mittelmächte bis in die letzten Tage hinein langsam Fortschritte gemacht. Der Eindruck der Niederlage am Ison⸗ zo und Tagliamento hat die Italiener zu einer Zusammen⸗ fassung der Kräfte im Innern und zur Bildung eines neuen Ministeriums Orlando veranlaßt, das zu seinem Haupt⸗ programm die Vertreibung des Feindes von italienischem Boden hat. Cadorna, der italienische Oberbefehlshaber, ist am 8. November zurückgetreten und durch General Diaz ersetzt worden Der Niederbruch Rußlands und die Niederlage Ita liens hat eine starke Wirkung in Frankreich und England aus⸗ geübt. Am 15. November mußte der Minister Pain leve in Frankreich zurücktreten. Frankreich beginnt, wie auch schon in früheren unglücklich verlaufenen Kriegen, nach Ver⸗ rätern im Innern zu suchen, und das Ministerium ist bei einer solchen Verräterdebatte als Folge des Mißtrauens gegen seine Tatkraft gestürzt worden. Frankreich siand vor der Wahl, ein Ministerium zu bilden, das sich auf die Sozialisten stützte, und das die Kriegsziele einer Revision unterzogen hätte. Der Präsident Poincaré, dessen Revanche⸗ politik den Krieg heraufbeschworen hat, hat sich lieber mit seinem erbitterten Feinde Clemenceau versöhnt, weil dieser ein Vertreter des Krieges bis aufs äußerste ist, und ihm die Bildung des neuen Ministeriums übertragen, die Sozia⸗ listen haben sich von der Teilnahme an dem Ministerium Clemenceau ausgeschlossen. Kurz vor dem Sturze Painleves am 12. November hielt Lloyd George eine Aufsehen erregende Rede in Paris, in der er der ungenügenden Einigkeit der Alliierten die Schuld an ihren Mißerfolgen gab, und ein gemeinsames Oberkommando forderte. Infolge des offenen Eingeständ⸗ nisses der deutschen Erfolge und der eigenen Mißerfolge schien die Stellung Lloyd Georges in England eine Zeik⸗ lang gefährdet, aber er konnte bei einer Erklärung im eng⸗ lischen Parlament am 19. November sich dadurch retten, daß er seine Rede als einen Appell zu schärsstmöglicher Kriegsführung hinstellte. Wir sehen also im Gegensatz zu Rußland bei den Westmächten äußerlich noch den schärfsten Kriegswillen, der aber gerade durch seine Krampfhaftigkeit die innere Unsicherheit der Regierungen offenbart. Am 21. November eröffneten die Engländer einen überraschenden Angriff in der Richtung auf Cambrai, der ihnen auch in der Tiefe von 8 km und in der Breite von etwa 30 km einigen Geländegewinn einbrachte, der aber durch Gegenangriff rasch wieder zum Stehen gebracht wurde, und daher nicht zur strategischen Auswirkung gelangen konnte. Die Oktoberbeute der U-Boote beträgt 674 000 Tonnen, sodaß bisher im ganzen 7 649 000 Tonnen seit Beginn des uneingeschränkten U⸗Bootkriegs versenkt wurden. Es bleiben dem Feinde daher unter Anrechnung der Neubauten noch 5 691 000 Tonnen. Am 25. November wurde die preußische Wahlrechts⸗ vorlage veröffentlicht, die gleiches, geheimes und unmittel⸗ bares Wahlrecht für den preußischen Landtag bringt. Der Flieger von Tsingtau in China. Mit dem Schwänzchen hoch in der Luft und dem Schnabel tief im Dreck stand friedlich und ruhig mein Täubchen im Sonnenschein. In weiter Entfernung drängten sich Haufen von Chinesen: Männer, Weiber und viele, viele Kinder, in angsterfülltem Staunen. Sie alle, wie auch alle anderen Chinesen, deren Land ich überflogen hatte, konnten das Wunder kaum fassen, denn ich war ja der erste Flieger hier, und alle dachten, der böse Geist käme in eigenster Person, um nun Unheil zu stiften. Als ich gar aus meiner Maschine kletterte und versuchte, einige Menschen heranzuwinken, war kein J. Dezember 107% Halten mehr. Schreiend und heulend lief alles davon, die Männer voran, ihre hingefallenen Kin⸗ der nach ihrer Meinung dem Teufel als Opfer . zurücklassend. Wirklich, mein Erscheinen könnte im bdaiunkelsten Afrika keinen größeren Schrecken hervor⸗ gerufen haben. Kurz entschlossen lief ich hinter der Horde her und griff mir drei, vier Chinesen bei ihren Zöpfen und schleppte die Heulenden an mein Flugzeug heran, um ihnen zu zeigen, daß der große Vogel keinem was täte. Nach einiger Zeit half das, und als ich ihnen sogar einige Geldstücke gab, da meinten sie, es wäre doch wohl ausnahmsweise mal ein guter Geist angeschwirrt gekommen, und willig halfen sie mir, das Flugzeug wieder in horizontale Lage zu bringen. Als die anderen das merkten, da kamen sie gleich in solchen Massen, daß ich mich wunderte, daß die Maschine nicht zerdrückt wurde. Das Staunen der Chinesen! Das Antasten und Befühlen! Das Schnattern und Lachen! Nur wer die Chinesen kennt und weiß, wie kindlich sie sein können, kann sich vorstellen, in welch köstlicher Situation ich mich befand. Umtost non einer Horde Naturkinder saß ich quietschfidel in meinem Führersitz auf meinem Blech⸗ kasten mit den Geheimdokumenten, neben mir zur Sicherheit die Mauserpistole, und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Jeder Versuch, mich mit den Chinesen zu ver⸗ ständigen, war aussichtslos. Die Kerls grinsten fröhlich oder lachten mich einfach aus. Aus dieser heiteren Lage befreite mich nach einiger Zeit ein kräftiges:„Good morning, Sir!“ und neben mir stand ein Herr, der sich als Dr. Morgan von der amerikanischen Mission vorstellte. Nach herzlicher Begrüßung und festem Händedruck klärte ich Dr. Morgan schnell über meine Lage auf und bat ihn, besonders da er fließend Chine⸗ sisch sprach, um seine Hilfe. Ich merkte bald, daß ich mich in gutem und sicherem Schutz befand. Mein riesiger chinesischer Paß, den ich aus Tsingtau mitbekommen hatte, wurde sofort zum Mandarin geschickt; nach einer Stunde kam ein Trupp von vierzig Soldaten aus der nur zehn Minuten entfernt gelegenen Kaserne und wurde zur Bewachung um mein Flugzeug aufgestellt. Jetzt nahm ich die Einladung Dr. Morgans zum Frühstück gern an, und mit allen Sachen, die nicht niet⸗ und nagelfest waren, zog ich mit ihm zur Mission. Ich wurde hier aufs reizendste aufgenommen und lernte Frau Morgan, ferner Frau Rice, die Gattin des amerikanischen Missionars, und einen Herrn G. kennen, die sich alle auf das liebens⸗ würdigste um mich bemühten. Ich saß gerade beim Frühstück, als mir ein chinesischer Offizier gemeldet wurde, der mir sagte, daß eine Ehrenwache von einer Kompagnie für mich vor dem Hause aufgezogen wäre, und daß er Befehl hätte von seinem Mandarin, sich nach meinen Wünschen und meinem Wohlbefinden zu erkundigen, und endlich, daß der Mandarin selbst in einer halben Stunde seinen Besuch persönlich bei mir abstatten würde. . Ich war erfreut über so viel Aufmerksamkeit. Bereits nach zehn Minuten kam wiederum Be— such, und diesmal waren es die Stadtoberhäupter von Hai⸗Dschou, die mir ihre Grüße überbringen wollten. Die Situation war einzig. Ich saß inmitten dieser alten, ehrwürdigen Chinesen, nachdem vor⸗ her unendlich viele tiefe Verbeugungen unter Ge⸗ murmel und Gezisch ausgetauscht waren. Die Un⸗ terhaltung wurde bald recht lebhaft. Als Dol⸗ metscher arbeitete dabei Herr Morgan. Und nun ging das Gefrage los: Woher ich käme, wie es in Tsingtau aussehe, ob es wirk— lich wahr sei, daß ich durch die Luft gekommen, wie lange ich gebraucht hätte, und was für ein Tazabekt Betten — 88 daß ich fliegen könne. All die vielen Fragen ließen sich kaum beantwor⸗ ten, und trotzdem der Dolmetscher sich die größte Mühe gab, viel verstanden haben die guten Söhne Zauber es erwirkt hätte, des Landes der Mitte nicht. Ein kleiner Zwischenfall ereignete sich auch. Noch während wir bei der Unterhaltung saßen, wurde der Hausfrau ein Besuch angekündigt, und vorbei huschten und trippelten zehn bis zwölf aller⸗ in prachtvollste, bunt⸗ seidene Höschen und Gewänder gehüllt. Zwei, drei dieser Geschöpfchen blieben vor Neugierde und Schrecken an der offenen Tür des Zimmers, in dem stehen und guckten mich mit offenen Mäulchen und großen, erstaunten Augen liebste kleine Chinesinnen, wir Männer saßen, an. Ein kurzer Zuruf von Frau Morgan ließ sie erschrocken auseinanderfahren und fortlaufen. Den Grund dieses eigenartigen Verhaltens erfuhr ich später. großer gesellschaftlicher Fehltritt, wenn sie durch ihre Neugier und durch ihren Anblick einen männ⸗ lichen Gast beleidigt! Die drei Sünderinnen erhielten auch eine ernste Strafpredigt. Ich muß sagen, daß ich über diese Sitte nicht erfreut war, denn gern hätte ich mir diese allerliebst aufgeputzten Dämchen recht genau angesehen. Meine Wirtin erzählte mir auch, wie sie von den Chinesinnen mit Fragen bestürmt worden Vor allem wollten diese wissen, was das wäre. heute morgen für ein böser Geist gewesen wäre, der so schreiend und brummend ihre Stadt bedroht hätte. Als ihnen gesagt wurde, daß darin ein Mensch gesessen hätte, der aus Tsingtau käme, da lachten sie einfach und meinten: nein, wenn sie auch dumm wären und die Weißen sie immer an⸗ führten, so dumm wären sie doch nicht, solch einen Unsinn zu glauben! Jedenfalls, versicherte mir würden sämtliche Fehlgeburten, Frau Morgan, Mißernten und Fehlschläge der nächsten zwei Jahre von den aber⸗ gläubischen Chinesen dem Erscheinen meines Flug⸗ zeuges zugeschrieben werden, und besonders die Medizinmänner würden die Sache für sich aus⸗ nutzen. Mit Genehmigung des Verlags Ullstein& Co. entneh⸗ men wir die kleine Erzählung dem berühmten Kriegsbuch „Der Flieger von Tsingtau“, das die Flucht des Kapitän⸗ leutnants Plüschow aus dem belagerten Tfingtau, seine aben⸗ teuerliche Reise über China, Japan, Amerika, seine Gefangen⸗ nahme in Gibraltar und Gefangenschast in England, seine Flucht aus dem Offiztersgefangenenlager und seinen Auf⸗ enthalt in London und schließlich sein Entkommen schildert. (Preis 1 Mk.) Allerseelen! Von Unteroffizier Richard Krah, Frankfurt a. M. Es ist eine schöne Sitte in unserem Volke, am Allerseelentage hinauszuwallen nach dem stillen Gottesacker, zu den schlichten Hügeln mit den weißen Kreuzen Dann beleben sich in den Nachmittagsstunden die alten Kies wege, zwischen den verträumten, sinnenden Gräbern wird es lebendig und laut. Die alte Schwarzamsel, die schon Jahr und Tag im alten Lebensbaume nistet, ist ganz verwundert über die Menschen, die sich heute einmal um die einstigen Gefährten ihres Lebensweges kümmern, um dann morgen wieder im lauten Lärm des Werktags dem heiß pulsteren⸗ den Leben zu huldigen, Sie ist sehr verwundert über die kleinen Talglichtlein, die wie arme irrende Wesen da zwischen gelbem Laub und letzten Astern flackern, ein schönes, tiefes Symbol des Menschen⸗ lebens selbst,——— verweht's und verlöscht's nicht auch, wie diese kleinen, unruhigen Licht⸗ R Ich gehe nicht gern auf den Friedhof, denn ich liebe das Tote nicht, weil ich jung bin. Weil mir noch heiß und wild der Geist des Lebens und des Schaffens durch die Adern pocht. Aber einmal im Jahre da drängt es auch mich hinaus: am Aller⸗ seelentage. Und dieses Jahr mehr als jemals. Für eine vornehme Chinesin ist es ein N 5 9 Voriges Jahr habe ich an Allerseelen ein stilles Gedenken gehalten auf einem der großen, schier endlosen, mit so herber Einsamkeit und wehmütiger Trauer daliegenden Kriegerfriedhöfe droben an der Somme. Ich weiß nicht, bin ich in den Stunden, in denen ich dem Tode draußen stündlich ins Auge gesehen, auch mit ihm vertrauter geworden?... Ueber den Gräbern liegt grau der November⸗ tag. Blatt fällt um Blatt... Droben zieht eine Schar Wandervögel einer sonnigeren Heimat zu Zwischen den Hügeln und auf den Wegen viel Menschen.. Allerseelentag! Der Tag der Toten . Gedenktag derer, die ihre irdische Hülle abge⸗ streift. Und ia vierten Kriegsjahr, wieviele sind es, deren man heute gedenken muß... 2 Sinnend wandle ich an den letzten Ruhestätten vorbei.. Vor dem geistigen Auge tauchen längst geschaute und längst vergessen geglaubte Bilder auf: Holz⸗ kreuz an Holzkreuz, hier ein zerschossener Helm, eine Lanze. Säbel und Gewehr... Es sind die Ruhestätten unserer großen Toten. Wieviele liegen da draußen, für die auch ein Mutterauge weint ... Deren Hügel kein frischer Kranz schmuͤckt Und doch waren sie Helden; Helden der Pflicht und der Treue. Der Grundton der Treue ist die Liebe, und haben sie nicht den größten Beweis ihrer Liebe gebracht, indem sie das größte Opfer brachten: das Opfer ihres Lebens? Deutsches Volk, muß nicht heute am Allerseelentage ein besonders heißes, dankbares Gedenken hinausgehen zu jenen stillen Gräbern, auf die der Herbst nun seine letzten müden Blätter weht... Muß uns aber auch der heutige Tag nicht ernster, tiefer machen?— Und doch auch freier... freier gegenüber den Nichtigkeiten dieses Lebens? Was sind all die Kleinigkeiten in unserem Leben, die kleinen Sorgen und Kümmernisse gegenüber dem großen, letzten eisernen Muß, das einem jeden gesetzt ist!? Weht nicht am Allerseelentage, da wir unserer Toten gedenken, ein Hauch des Ewigen, Göttlichen zu uns?... Wie lange noch, wie lange noch“, singt's nicht klagend und fragend der Herbst wind über den Gräbern... 2 Und die letzten Astern, blühen sie vielleicht nächstes Jahr auf einem frisch en Hügel, der dich deckt... 2— Es ist etwas Wun⸗ derbares um diese Ewigkeitsstimmung: groß, tief und ernst, ein Lechzen des zweifelnden, irrenden, suchenden Menschen nach den letzten Fragen unseres Seins.—— Und mit heißem Herzen sucht er in die Natur, mit brennendem Auge und grübelndem Verstande in die Mysterien jener Ewigkeitswelt ein⸗ zudringen, um dann still und traurig umzukehren und zu bekennen, daß er nichts wissen kann. Dann steigt er herab von den freien Höhen zu den Nie⸗ derungen der Menschen, ein Suchender zu den Suchenden, und hinter ihm verklingt es nur wie das Lachen eines Koboldes... glaube... glaube n ue, Glaube, deutsches Volk, glaube an deine Zu⸗ 5 kunft! So ruft dir am Allerseelentage der Geist über den Gräbern deiner Helden aus Heimat und Feindesland zu. Verstehst du den Sinn dieses großen Sterbens? Sein Zweck ist das Leben! Werde nicht schwach, deutsches Volk, in letzter Stunde! Kämpfe deinen Kampf durch, wie auch deine großen Toten ihn bis zum Ende gekämpft. Laßt uns nicht umsonst hier ruhen, fern von Heimat und deutscher Erde! So bittet und fordert eine gewaltige Stimme, die aus einer andern Welt kommt.— Verstehe, deutsches Volk, deinen Aller⸗ seelentag und das, was er dir als die letzte For⸗ 1 derung deiner Helden in das Buch deiner Ge⸗ schichte schreibt: Sei einig! Verzettele deine Kraft nicht in Kleinigkeiten und Alltäglichkeiten, sondern 5 5 habe in deiner letzten und schwersten Stunde 1 immer etwas von dieser tiefen Ewigkeitsstimmung. in dir, die nur um das Letzte, Große fragt und für dieses ihre ganze gewaltige Kraft einsetzt. Denn: Am deutschen Wesen soll noch einmal die Welt genesen! Militärrente der Kriegs- beschädigten. 5 Wer in Ausübung eines Militärdienstes, gleich⸗ gültig ob im Krieg oder im Frieden oder durch die dem Militärdienst eigentümlichen Verhältnisse eine Beschädigung erleidet(Dienstbeschädigung), die seine Erwerbsfähigkeit in fühlbarer Weise, d. h. um mindestens 10 Proz. herabsetzt, oder die die Erwerbsfähigkeit ganz aufhebt, erhält zum Aus⸗ gleich eine Rente. Ob Dienstbeschädigung vorliegt, darüber entscheidet das Kriegsministerium endgültig unter Ausschluß des Rechtswegs. Die Höhe der Rente richtet sich auf der einen Seite nach der Be⸗ schränkung der 1 auf der anderen Seite nach dem militärischen Rang des Beschä⸗ digten. 10 Die Militärinvalidenrente beträgt bei völliger Erwerbsunfähigkeit, die bei einer Beeinträchtigung um 90 Proz. angenommen wird, für den Ge⸗ meinen 540 Mk., für den Unteroffizier 600 Mk., für den Sergeanten 720 Mk., für den Feldwebel 900 Mk. Ist die Beschränkung der Erwerbsfähig⸗ keit geringer, so ist die Rente entsprechend geringer. So erhält z. B. bei einer Beschränkung der Er⸗ werbsfähigkeit um 50 Proz. der Gemeine 270 Mk., der Unteroffizier 300 Mk., der Sergeant 360 Mk., der Feldwebel 450 Mk. Bei dem Verlust von Gliedmaßen oder wich⸗ tigen Organen wird außer dieser Rente noch Ver⸗ stümmelungszulage gewährt, und zwar steht ein Anspruch auf die Zulagen zu: 9 1. bei Verlust je einer Hand, eines Armes, eines Fußes, eines Beines, bei gänzlichem Verlust des Gehörs oder der Sprache mo⸗ natlich 27 Mk.(bei Verlust beider Hände oder beider Füße also 54 Mk.), bei gänzlichem Verlust des Augenlichts 54 Mk. Eine Verstümmelungszulage von monatlich je 25 Mk. kann ferner bewilligt werden, ohne daß jedoch ein Anspruch darauf besteht: N 1. wenn die Storung in der Gebrauchsfähig⸗ keit von Hand, Arm, Fuß oder Bein so groß ist, daß sie dem Verluste dieses Glie⸗ des gleichkommt, 2. bei Verlust oder Erblindung eines Auges, wenn die Gebrauchsfähigkeit des andern Auges ganz erheblich herabgemindert ist, bei dauerndem schweren Siechtum(auch Geisteskrankheit), wenn sie Pflege und Wartung noͤtig machen, je nach Lage des Falles 27 oder 54 Mk. Jeder, der Militärinvalidenrente bezieht, erhält, wenn seine Erwerbsunfähigkeit oder Beschränkung der Erwerbsfähigkeit Folge einer durch den Krieg ver⸗ ursachten Dienstbeschädigung ist, eine dauernde Kriegszulage von monatlich 15 Mt., die auch bei einer Besserung der Erwerbsfähigkeit nicht herab⸗ gesetzt werden kann. Der Empfänger der Kriegszulage, der mit vollendetem 55. Lebensjahr ein Einkommen von weniger als 600 Mt. hat, erhält als Alterszulage eine Erhöhung seiner Rente auf 600 Mk. Stirbt ein Rentenempfänger. so erhalten seine Witwe oder seine Kinder, im Falle der Bedürftigkeit auch die von ihm unterstügzten Eltern, Großeltern, Ge⸗ schwister, Neffen, Nichten, Pflegekinder, seine Be⸗ züge für drei Monate in einer Summe im Voraus ausbezahlt(Gnadenvierteljahr), abgesehen von der ihnen gegebenenfalls zustehenden Hinterbliebenen⸗ rente. Alle Versorgungsgebührnisse unterliegen nicht der gerichtlichen Pfändung. Wie ist der Rentenanspruch geltend zu 8 machen? 8 Der Anspruch ist vor der Entlassung bei dem truppenteil geltend zu machen. Bei denjenigen, ich im Lazarett sind, vermittelt das Lazarett Ein Offizier oder ein Beamter n ba auf. Alles weitere besorgt 2. —— dann der Ersatztruppenteil. Schriftliche Gesuche sind überhaupt nur als Ausnahme zulässig. Nach erfolgter Entlassung ist der Rentenanspruch, falls Dienstbeschädigung in Betracht kommt bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel anzubringen. Wird dann der Anspruch als berechtigt aner⸗ kannt, so erhält der Antragsteller von seinem Er⸗ satztruppenteil den Bescheid, in dem alle Angaben enthalten sind: Grund und Beginn der Versorgung, Höhe der Rente, etwaige Kriegszulage und Ver⸗ stümmelungszulage, Jahr der Nachprüfung usw. Es steht auch weiter darin, was er zu tun hat, wenn er sich mit dem Bescheid nicht begnügen will. Glaubt der Beschädigte einen Grund zum Ein⸗ spruch zu haben, so muß er sich, falls er noch nicht entlassen ist, an den Feldwebel seiner Kompagnie wenden, falls er schon entlassen ist, an den zu⸗ ständigen Bezirks feldwebel. Dieser Einspruch kann aber nur erhoben werden binnen drei Monaten nach Zustellung des Bescheides. Nach Ablauf dieser Frist könnte der Anspruch auf höhere Rente nicht mehr auf dem Klageweg geltend gemacht werden. Für Anträge, die erst nach der Entlassung ge⸗ stellt werden, gilt zum Teil eine zeitliche Begren⸗ zung. Ansprüche auf Grund von Kriegsverwun⸗ dungen sind an keine Frist gebunden. Dagegen müssen Ansprüche aus sonstigen Kriegsdienstbe⸗ schädigungen(3. B. ein inneres Leiden) innerhalb von 10 Jahren nach Friedensschluß, Dienstbeschä⸗ digungen, die nicht als Kriegs dienstbeschädigungen zu betrachten sind, banen zwei Jahren nach der Entlassung geltend gemacht werden. Die Beschä⸗ digung muß aber in letzterem Falle vor der Ent⸗ lassung schon festgestellt sein. Wird die Beschädi⸗ gung erst nach der Entlassung bemerkbar, so kann der Rentenanspruch allerdings auch später noch geltend gemacht werden, aber in diesem Falle innerhalb von drei Monaten nach Sichtbarwerden der Dienstbeschädigung. Anträge auf Erhöhung einer Rente können jederzeit gestellt werden. Alle Anträge, die nach der Entlassung gestellt werden, sind, wenn möglich mündlich, bei dem in der Heimat zuständigen Bezirksfeldwebel zu stellen. Die entscheidenden Behörden sind bei Anträgen vor und bei der Entlassung an erster Stelle und an zweiter Stelle(bei eventuellem Einspruch) das stellvertretende Generalkommando, an dritter Stelle (bei wiederholtem Einspruch) das Kriegsministerium, Rentenabteilung; bei Ansprüchen nach der Ent⸗ lassung sind die Instanzen Bezirkskommando, stell⸗ vertretendes Generalkommando, Kriegsministerium. Die Entscheidung des Kriegsministeriums ist, soweit es sich um Feststellung der Dienstbeschädi⸗ gung, sowie um Zubilligung von Beträgen handelt, auf die kein Anspruch besteht, endgültig; sie schließt den Rechtsweg aus. Zulässig ist der Rechts weg, wo es sich um die Bestimmung des Grades der Erwerbsunfähigkeit handelt. Hierbei muß aber der Kläger, falls er nicht obsiegt, die Kosten des Gegners(Reichs⸗Militärfiskus) tragen, auch wenn er im Armenrecht klagt. Ueber alle Rentenfragen geben die berufenen amtlichen Stellen Auskunft. Es sind dies vor der Entlassung der Offizier oder Beamte des Ersatz⸗ truppenteils oder des Lazaretts, nach der Eat⸗ lassung der Bezirksfeldwebel. Ein Vorläufer des Al-Vootes. Von Vizefeldwebel S. Bender, Frankfurt a. M. Es dürfte allgemein nur wenig bekannt sein, daß das U-Boot einen Vorläufer gehabt hat, und daß der Erbauer dieses Bootes ein Deutscher, Wilhelm Bauer, war, der 1822 zu Dillingen geboren wurde. Seines Zeichens Drechsler, diente er, bei dem bayrischen Heere eingetreten, zunächst bei den Chevaux⸗ legers, wurde aber auf Grund seiner technischen Begabung zur Artillerie versetzt und machte als Unteroffizier bei dieser Waffe den Feldzug in Schles⸗ wig⸗Holstein mit. Hier war es, als er die Zer⸗ störung sah, die die dänische Flotte ungestraft an den deutschen Küsten vornahm, daß der Gedanke in ihm reifte, eine Waffe zu schaffen, die den Kriegs⸗ schiffen wirksam entgegentreten könne. Bauer er- zählt, wie ihn diese Idee Tag und Nacht verfolgte und wie sie Gestalt gewann, als er an Jutlands Küste einen Seehund ins Wasser springen sah. Da war die Form gefunden, die für den Bau selnes Bootes gestaltend sein sollte. Natürlich wurde Bauer seines„verrückten Gedankens“ halber viel angeseindet und bespöttelt, was ihn aber nicht von der Ausführung seines Planes abhielt, und so ent⸗ stand das erste Tauchschiff, das auf Kosten der schleswig⸗holsteinischen Armee und durch freiwillige Beiträge mit einem Kostenaufwand von 11500 Mk. erbaut wurde. Da infolge der beschränkten Geld⸗ mittel gegen den Willen des Erfinders wichtige Teile durch einfachere, weniger kostspielige ersetzt werden mußten, verunglückte das Boot, der„See⸗ teufel“ genannt, bei der ersten Fahrt am 1. Feb⸗ ruar 1851 im Kieler Hafen. Bauer wandte sich nun vergeblich um Unter⸗ stützung zum weiteren Ausbau seiner Erfindung an die bayrische, preußische und österreichische Regierung. Ueberall wurde er abschlägig beschieden. In England unterstützte ihn Prinz Albert, der die Großartigkeit und Tragweite der Erfindung erkannte, aber seine Bemühungen scheiterten an dem Widerstande ein⸗ flußreicher Kreise, die fürchteten,„daß die Sub⸗ marine nicht kontrollierbar sei und darum den Schmuggel fördern könnte“. Trotzdem fanden sich einige Leute, die die nötigen Mittel aufbrachten, dann aber, nachdem sie Bauer das Geheimnis seiner Erfindung entlockt hatten, auf eigene Rechnung ein Boot bauten, das indessen beim ersten Versuch unter⸗ ging und mehreren Menschen das Leben kostete. Nachdem Bauer noch in Nordamerika vergeblich Unterstützung gesucht hatte, wandte er sich schließlich nach Rußland, und dort wurden ihm zum ersten Male die Mittel geboten, die es ihm ermöglichten, ein Unterseeboot ganz nach seinem Plane zu bauen. Das Boot, das die Form eines Seehundes hatte, war 52 Fuß lang, 12 Fuß 6 Zoll hoch,“) 11 Fuß breit und ganz in Eisen ausgeführt. Die Fortbewegung geschah mütels einer Propellerschraube. Das Triebwerk bestand aus vier Rädern von 7 Fuß Durchmesser; eine durchlaufende Achse von 3 Zoll Stärke trug die Treträder und gab die Transmission der Kraft durch zwei unlösbare Stirnräder auf eine zweite Achse, an der sich ein konisches Rad be⸗ fand, um durch die vertikale Uebersetzung die 6 Zoll über dem eisernen Boden horizontal liegende Schrau⸗ benkuppelwelle zu drehen. Um das Schiff zum Tauchen zu bringen, wurden in drei großen Zylindern bis zu 45 000 Pfund Wasser eingenommen und das Tauchen und Senken durch Einnehmen oder Auspressen des Wassers durch Pumpen bewerkstelligt. Am Kopf des Bootes befand sich zudem eine Art Pulvermine, die 500 bis 1000 Pfund Pulver oder Bomben aufnehmen konnte und die zur Explosion gebracht wurde, wenn sich das Boot unter einem feindlichen Schiff befand. Der Aufenthalt des Bootes unter Wasser war natürlich nur von beschränkter Zeitdauer, da es zur Erneuerung des Luftinhaltes gezwungen war, in gewissen Zwischenräumen wieder an die Wasser⸗ oberfläche zu kommen. Die heute in Gebrauch be⸗ findlichen Sauerstoffapparate kannte man damals noch nicht. Das Boot wurde im Mai 1855 be⸗ gonnen zu bauen und am 2. November desselben Jahres vollendet. Im Mai 1856 begann Bauer seine Untersee⸗ fahrten und es lag ihm nun zunächst ob, seine ihm zugewiesene Mannschaft an die neuen Eindrücke zu gewöhnen. Es ist interessant zu lesen, wie dies geschah. Nachdem das Boot durch Einnahme des Wassers sinkfähig geworden war, schlossen sich die Lucken. Bauer geht zum Direktionszylinder und läßt nur weitere fünf Pfund Wasser in ihn ein⸗ dringen. Da verschwindet das Sonnenlicht von den Fenstern der Decke, die Wogen spülen über sie hin— völlig gleichmäßig sinkt das Schiff— schreckensbleich mit offenem Munde stehen die Ma⸗ trosen. *) 1 Meter etwa 4 Fuß. Da preßt Bauer mittels der Forcepumpe das doppelte Quantum Wasser wieder aus und in fast gleichem Tempo steigt das Boot wieder zur Ober- fläche. Auf diese Weise wurde die Mannschaft mit der Zeit mit der Bedienung vertraut. Trotz seiner unleugenbaren Erfolge hatte Bauer in Rußland eigentlich nur einen Beschützer und Förderer in der Person des Großfürsten Konstantin. Im übrigen stand man ihm aus Gründen des Neides an seinen Erfolgen oder aus verletztem Nationalstolz, der einem Deutschen den Ruhm der Erfindung miß⸗ gönnte, feindlich gegenüber. Diese Strömungen fanden ein willfährliches Werkzeug in dem Bauer bei seinen Fahrten zugeteilten russischen Leutnant Fedorowitsch. Als am 20. Oktober 1856 der Versuch der unterseeischen Sprengung eines größeren Schiffes vorgenommen werden sollte, saß der vor— genannte Offizier am Steuer Man hatte nun ab⸗ sichtlich das anzugreifende Schiff an eine so seichte Stelle gebracht, daß das Unterseeboot beim Tauchen unfehlbar auf Grund geraten mußte. Und so geschah es auch. Das Schiff fuhr mit voller Wucht auf sein Ziel los und saß plötzlich mit dem Hinterteil auf einem Sandhügel des Seegrundes fest, während die Schraube mit Seegras und altem Tauwerk verstrickt war. Nach langem vergeblichem Bemühen ließ Bauer das Wasser auspumpen und das Schiff hob sich nun mit seinem freien Hinterteil über die Wasser⸗ fläche. Kaum stand die erste Lucke über dem Meeresspiegel, so riß Fedorowitsch dieselbe auf und schwang sich ins Freie. Da Bauer und seine Matrosen bei der eindringenden Flut die Lucke von innen aus nicht verschließen konnten, so blieb ihnen nichts anderes übrig, als das Boot eben⸗ falls schleunigst zu verlassen und dasselbe seinem Schicksal zu überlassen. Das Boot wurde zwar später wieder gehoben, der Haß gegen Bauer und sein Werk lebte aber fort und hinderte ihn an einem ersprießlichen Weiterarbeiten. Er erhielt zwar den Auftrag zur Herstellung einer unterseeischen Korvette von 24 Kanonen, da man ihm aber auf⸗ gab— angeblich um den Bau gegen Verrat und Nachahmung zu schützen— die Arbeit in Irkutsk am Baikalsee, also in Sibirien, zu vollenden, zog Bauer, der es zum Rang eines kaiserl. russ. Sub⸗ marine⸗Ingenieurs gebracht hatte, vor, im Früh⸗ jahr 1858 nach Deutschland zurückzukehren. Bauer hat das Los der meisten Erfinder ge— teilt. Es war ihm nicht mehr beschieden, den Auf⸗ stieg und die Bedeutung seiner Erfindung zu er⸗ leben, die eine Revolution in der modernen See— kriegsführung herbeigeführt hat und die heute für sein Vaterland eine der wirksamsten Waffen im Kampfe gegen seine Feinde geworden ist. Jazarett-Veratung. Vie Zentralstelle der Lazarett⸗Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett⸗Zeitung dienen. Jeber wöge die Fragen, die er auf dem Herzen hat, seien fit Wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett⸗Beratung richten. Es soll auf jedi Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichteit ge⸗ sucht werden, Rat und Beistand zu schaffen. Ant⸗ worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na⸗ mensnennung in der Lazarett⸗Zeitung veröffentlicht. Vertrauliche Behandlung wird zugesichert, daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett⸗ Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge, Theaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Sazarett⸗ Beratung steht auch täglich von 4—5 Uhr den Verwundeten für persöuliche Anfragen zur Verfügung. Militärkranstenwärter H. J. Frage: Ich kam am 12. November 1916 als Krankenwärter ins Lazarett und erhielt 5.80 Mk. Löhnung. Am 23. April d. J. wurde ich reklamiert und als ich am 18. Juni wieder als Krankenwärter eingezogen wurde, bekam ich wiederum sechs Löhnungen mit 5.80 Mk. ausbezahlt. Dann wurde mir aber be⸗ deutet, ich hätte nur noch 3.30 Mk. zu bekommen und müßte die zuviel bezahlten Löhnungen zurück⸗ zahlen. Ist es richtig, daß ich nur auf 3.30 Mt. Löhnung Anspruch habe und darf eventuell die zu— viel gezahlte Löhnung mir an der jetzigen Löhnung Tazarrti- Zeitung. abgezogen werden?— Antwort: Die Löhnung des Militärkrankenwärters ist vom 1. Februar 1917 an der Lötznung des Gemeinen gleichgestellt worden, jedoch mit der Maßgabe, daß diejenigen Militär⸗ krankenwärter, die sich am 1. Februar 1917 in Genuß der höheren Löhnung befanden, diese nach wie vor weiterbeziehen. Wenn Sie nach dem 1. Februar 1917 abgelöst worden sind und später als Militärkrankenwärter wieder eingestellt wurden, so können Sie nach dem Wortlaut der ergangenen Bestimmungen bei Ihrer Wiedereinstellung nur noch die Löhnung des Gemeinen erhalten, jedoch steht die endgültige Entscheidung dieses Sonderfalles durch das Kriegsministerium noch aus. Die in gutem Glauben empfangene Zuvielzahlung brauchen Sie nur zurückzugeben, wenn Sie noch um den zuviel erhaltenen Betrag bereichert sind. Irgendwelche Einbehaltungen von der Löhnung, um die Zurück⸗ zahlung auf diese Weise zu bewirken, ist jedoch un⸗ zulässig. Anteroffizier C.. B. Frage: War bis zum 3. August als kaufmännischer Angestellter tätig, dann wurde ich eingezogen. Steht mir nun für den Monat August resp. für noch sechs Wochen Gehalt zu?— Antwort; Gemäß§ 63 Han⸗ delsgesetzbuch behält der Handlungsgehilfe, der durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert ist, seinen Anspruch auf Gehalt für die Dauer von sechs Wochen. Es ist also die Beantwortung der Frage, ob Ihnen dieser Anspruch zusteht, davon abhängig, ob man die Einziehung zum Heeresdienst als unverschuldetes Unglück an⸗ sieht. Die Frage läßt sich aber nicht mit Sicher⸗ heit beantworten, da sie von den verschiedenen Kaufmanns⸗ und Gewerbegerichten sowie von den örtlichen Gerichten verschieden beantwortet wurde. Vom deutschen Geist. Biterolf im Lager von Akkon(1190). Von Victor v. Scheffel. Kampfmüd und sonnverbrannt fern an der Heiden Strand waldgrünes Thüringland denk ich an dich! Mildklarer Sternenschein du sollst mir Bote sein, geh, grüß' die Heimat mein weit über Meer. Feinden von allerwärts trotzt meiner Waffen Erz, wider der Sehnsucht Schmerz schirmt mich kein Schild. Doch wie das Herz auch klagt, ausharr' ich unverzagt, wer Gottes Fahrt gewagt trägt still sein Kreuz. Scherz und Nätsel. Eines Tages war das Essen der Feldküche, Reis mit Konservenfleisch, sehr dünn geraten. All⸗ gemeines Murren bei den Kameraden, die sich in wenig schönen Worten ihr Herz erleichterten. An⸗ ders unser Kamerad W. Sein Essen im Kochge⸗ schirr wehmütig betrachtend, spricht er zum Küchen⸗ unteroffizier:„Aber Korporal, ich habe doch Hunger und keinen Durst!“ Aus dem„Simplicissimus“. Silben⸗Rätsel. Aus folgenden 35 Silben: a—as bi- di- do — doc-e—es—ew— gue—ka—ka—kau- lan lau— le— let li li mi- na ni-nil- oh- pe — sig— sti— sup sus- tarrh- ti- tri- va-xos iet sind 13 Wörter zu bilden, deren Anfangs⸗ und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen einen Ausspruch unseres Kaisers an die Verwun⸗ deten ergibt. Die Wörter bezeichnen: 1. Einen Opernkomponisten. 2. Einen Propheten. 3. Eine Waffe. 4. Ein Gewürz. 5. Eine Stadt Schlesiens. 6. Eine französische Landschast. 7. Eine Krankheit. Druck von Löber 4 Co., Frankfurt a. M., Elbestraße 29. Insel. 13. Gebirge. Eingesandt von Vertrauensmann Mayersohn, Frankfurt a. M. 1. Scherzrätsel. Pfeiffer saß B d pfiff. Pfeiffer pfiff 5 5 8 85 Dennoch saß Pfeiffer am Bach und pfiff. Wie ist das möglich? Untoffz. Speich. 2. Scherzrätsel. Jul. Caes. As. liberau. sternunt. IX. Aug. n. A. L. S. colunt. Q. Caes. Wer versteht dies Latein? 3. Scherzrätsel. Ganz leise kräht der Hahn 1 in Altenburg. Wie soll diese Adresse wohl heißen? Vertrauensmann Mayersohn. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein⸗ sender bis 15. Dezbr. einzusenden an die Lazarett⸗ Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Auf dem Briefumschlag soll das Wort„Rätsellösung“ stehen.(Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Auflösungen zu den Aufgaben der vorigen Nummer. 1. Aufgabe:„800 Mann stark war die Abteilung.“ 2. Aufgafße Die Lebensalter betrugen 18, 48, 77. Aätsel:„Laufpaß.“ Streichholzaufgabe: e Preise zu den Auflösungen der vorigen Nummer. 1. Rätsel:„Zu— Fall Zufall“ S HBrichtige Lösungen. 2. Rätsel:„Schatz“ 5 10 richtige Lösungen. Besuchskartenrätset: Im Argonnerwald“ 8 — 27 richtige Lösungen. Aufgabe:„A ist 24 Jahre alt und zeichnet 600 Mk. B ist 40 Jahre alt und zeichnet 400 Mk.“ — 38 richtige Lösungen. 1. Scherzrätsel:„Lazarettzeitung“ — 18 richtige Lösungen. 2. Scherzrätset:„Die Laus“ — 20 richtige Lösungen. Bei sehr reger Beteiligung war das Ergebnis diesmal nicht so günstig, haben doch nur 5 Einsender alle 6 Rätsel richtig geraten. Diese wurden mit Hauptpreisen bedacht: Musk. Panier, Nauheim; Ldstm. Elsas, Frankfurt a. M.; Schütze Hauptmann, Niederlahnstein; Res. Sattler, Darm⸗ stadt; Untoffz. Jost, Reichelsheim. Trostpreise für 5 richtige Lösungen erhielten: Untoffz. Robbertz, Mannheim; Musk. Herbert, Frankfurt a. M.; Untoffz. Zupp, Frankfurt a. M.; Deublin, furt a. M.; Gren. Subke, Darmstadt. Die Zazarett⸗Zeitung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirl des XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung. Zuschriften sind zu adressieren: Lazarett⸗Zeitung, Frant⸗ furt a. M., Theaterplatz 14. Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Dr. Carl Gebhardt in Frankfurt a. M. N 8. Eine Speise. 9. Russischer Vorname. 10. Eine Speisenwürze. 11. Gerichtlicher Ausdruck. 12. Eine Frankfurt a. M.; Pionier Baumgarten, Frank- 1 5 2 5 1. Dezember Baltenland. Von Otto von Pfister. Nun fliege zum baltischen Norden Siegtragend, germanischer Aar, Ertreiße den feindlichen Horden, Was deutsch seit Jahrhunderten war! Steig' hoch in die sonnigen Lüfte, Bring' Freiheit hinein in das Land, Und schließe der Zwingherrschaft Grüfte, Die Stele und Herzen uns band! Laßt wehen des Vaterlands Fahnen, Laßt blinken das schneidende Schwert Und zieht auf den Pfaden der Ahnen, Zu schirmen deutschbaltischen Herd! Beschützet die heimischen Sitten, Die Ritter und Bürger gebracht, Als einstens gen Ostland sie ritten, Zu künden des Deutschreiches Macht! Wir haben vergessen euch nimmer, Die Treuwacht gehalten ihr habt, Es war wie ein leuchtender Schimmer, Mit dem nns die Hoffnung gelabt. 2 Jetzt soll es zur Wahrheit wohl werden, Was still in dem Herzen geruht: Frisch blühe auf baltischer Erden Für immer deutsch Leben und Gut! (Aus„Wir harren des Tags!“, gesammelt und heraus⸗ gegeben vom Verein für das Deutschtum im Auslande.) Durchhalten. Es ist eines Mannes unwürdig, eine Aufgabe zu übernehmen, und sie dann aufzugeben, wenn der Höhepunkt der Schlacht bevorsteht. Es gibt nur einen Weg, und der ist— vorwärts! So schrieb einst Fridjof Nansen, indem er das Bild von der Schlacht auf seine mutigen Nordpolfahrten anwandte. Heute ist uns die Schlacht zur Wirk⸗ lichkeit geworden, und da mag uns die Kühnheit des Nordpolfahrers zum Vorbild werden. Es gel⸗ ten eben für alle großen Aufgaben der Menschen die gleichen Regeln. Vor jedes bedeutende Ziel haben die Götter den Schweiß gesetzt, und alle Wege zu den Sternen empor führen über Klippen und Abgründe. So hat jetzt unser Volt im Ganzen die ernste Probe zu bestehen. Da zeigt es, wie⸗ viel es Männer, wieviel Memmen es unter sich zählt. Es sehlt auch an den letzteren nicht ganz, wie ja denn selbst im tapfersten Menschen neben den großen Entschlüssen auch kleine Bedenken wohnen, und auf die mutigsten Stunden verzagte Augenblicke folgen können. Das menschliche Seelen⸗ leben ist eben nicht starr wie Stein, sondern flüssig wie Wind und Wasser; da gibt es Ansch wellen und Abschwellen, da ist eine ewige Unruhe und Bewegung: da bedeutet jeder Schritt neues Wollen und neues Kräfteeinsetzen. Kein Wunder, wenn in mehr als dreijährigem Ringen auch gelegentlich Müdigkeiten und Zweifel und Verzagtheiten sich regten. Kein Wunder, wenn sich Reichstagsver⸗ handlungen oder Presseartitel oder Privatgespräche nicht alle immer auf der Höhe halten konnten, wie wir sie in den ersten Sturmtagen der Mobil⸗ machung erlebten. Solche Anwandlungen sind menschlich, sind unvermeidlich. Sorgen wir nur, daß sie uns nichts schaden. Bleiben wir uns nur bewußt, daß sie überwunden werden müssen. So überwindet der Tapfere draußen im Feld, was sich an Heimweh und Heimaterinnerungen in ihm regt, wenn's einen Angriff auszuhalten, einen Sturm zu leisten, einen schwierigen Auftrag aus⸗ zuführen gilt. So müssen wir alle überwinden lernen. Es ist leicht, sich im Rausch der Begeiste⸗ rung zu irgend einem Opfer, zu irgend einer kühnen Tat zu melden. Da nimmt man in Gedanken schon Ruhm und Lohn vorweg. Da spürt man schon im voraus den Stolz der vollbrachten Leitung. Aber wenn man in der Arbeit selber erst mitten drin steckt, wenn man weniger mehr das große Ziel und dafür umso handgreiflicher eine Schwie⸗ rigkeit nach der anderen vor sich sieht, da wird Beilage 1917. CCCFFFFPVTPTPTTTTVTT eigentlich erst die rechte Probe bestanden. Wenn der Nordpolfahrer aufbricht, von Tausenden ge⸗ feiert und mit guten Wünschen begleitet, da erlebt er auch Stolz und Zuversicht und Vorwegnahme des Erfolges. Wenn er aber dann wochen- und monatelang mit seinem Schiff im Eise festsitzt, von Krankheit, Entbehrung und Tod bedroht, da gilt's die Reue über seinen großen Entschluß von sich fern zu halten. Da gilt's in zäher Ausdauer zu halten, was man sich und andern in raschem Schwung der Begeisterung versprach. Im Höllen⸗ feuer moderner Artillerieschlachten ist's nicht anders. Es waren damals auch rasche und begeisterte Ent⸗ schlüsse, als wir dem Vaterlande Gut und Blut gelobten, um sein Dasein gegen den Ansturm der Todfeinde von allen Seiten zu sichern. Das Ziel gilt uns noch, aber der Weg zu ihm war weiter und härter als wir dachten. Wer aber wollte des⸗ halb nun zum Gespött der Welt werden und auf halbem Wege den Arm müde sinken lassen? Und wir haben doch weit mehr schon als den halben Weg hinter uns. Gerade eben taucht ja das Ziel, der kraftvoll gesicherte glückliche Frieden wieder handgreiflich nah vor uns auf. Wen wollte nicht da erneut jener mutige Schwung des Anfangs überkommen! Mag's auch noch heiß hergehen, gerade in diesen Tagen, an der Südfront wie im Westen, in der Heimat wie im Felde, nach alledem, was wir hinter uns brachten, werden wir die kleinere Strecke, die vor uns liegt, auch noch be⸗ wältigen. Das Schlimmste ist ertragen, das Schwerste ist geleistet. Nun heißt's nur festhalten, was gewonnen wurde; nicht verlieren, was wir schon in Händen halten. Seien wir uns einig in dieser Hauptsache, was wir auch sonst verschie⸗ den denken. Es gibt nur einen Weg, und der ist: Vorwärts! Reinhart Strecker. Die Aebermacht. In Deutschland denkt man wenig darüber nach, welch ein klägliches Schauspiel die Entente der Welt bietet, die mit einer wahrhaft ungeheuerlichen Uebermacht die Mittelmächte angreift, ohne sich etwas anderes zu holen als Niederlagen. Erfolge hat sie nur in den schwach oder gar nicht ver⸗ teidigten deutschen Kolonien und im Kampf gegen die Türkei gehabt, aber auch hier nur im Euphrat⸗ gebiet. Ob die Machthaber in Petersburg, Paris, London und Rom nicht gelegentlich darüber er⸗ röten, sei dahingestellt. Aber wenn wir Deutsche auch davon wenig Wesens machen, so ist doch bei den Neutralen, soweit sie nicht durch Deutschenhaß verblendet sind, wohl ein Gefühl dafür vorhanden. Der bei weitem größte Teil der bewohnten Erde mit einer unermeßlichen Menschenzahl steht unseren Feinden zur Verfügung. Ihre Uebermacht an Kämpfern, an Geld und Machtmitteln aller Art, an Kriegsschiffen ist so gewaltig und in die Augen sallend, daß man sich nie genug verwundern kann über all die vergeblichen Anstrengungen. Die Ueber⸗ macht der Zahl ist eben nicht das Entscheidende. Wie das kleine Griechenland im Kampfe mit den Persern, Karls XII. von Schweden, Friedrichs II. von Preußen Kampf mit unendlich überlegenen Feinden, so stehen heute Deutschland und seine Verbündeten da, stark und unbesiegbar. Und dieser Quell der größeren Kraft, die mit der äußeren Uebermacht fertig wird, ist allein die geheimnis⸗ volle Macht des Geistes. Wirken da religiöse Emp⸗ findungen mit? Ganz gewiß. Und daneben die starle Vaterlandsliebe und die größere bürgerliche Tüchtigkeit. Und von diesen Eigenschaften sind alle durchdrungen, von den leitenden Männern des Staates herab bis zu den letzten Schippern und Arbeitern. Fehlt dieser Geist oder versagt er ein⸗ mal, so fallen mächtige Reiche wie Kartenhäuser zusammen. Wir wissen das aus unserer eigenen Geschichte vom Jahre 1806 und sehen es jetzt bei den weichenden Russen. Und verwundern müssen wir uns umsomehr über Deutschlands Stärke, weil die zwanzig letzten Friedensjahre einen solchen Taumel des Genusses, eine Zersetzung der Gesellschaft, eine allgemeine Oberflächlichkeit gebracht) hatten, die nur Schlimmes befürchten ließen. Aber wir wissen jetzt, daß nur die Schale angefault war, der Kern der Frucht aber gut ist. Eine bessere, wenn auch er⸗ schütternde Probe seines Wertes konnte Deutschland nicht beschieden sein von Gott und seinem Schick⸗ sal, als dieses blutige Ringen mit einer Ueber⸗ macht, wie sie noch nie in der Geschichte vereinigt war, und die dennoch zur Ohnmacht verurteilt ist. v. Kh. (Aus der Kriegs⸗Rorrespondenz des Evang. Presseverband des für Dentschland.) Invaltidenversicherung. Der Kriegsbeschädigte H. Sch. in Saasen wurde am 8. Februar 1915 verwundet und lag längere Zeit in einem auswärtigen Lazarett. Am 10. April 1917, also mehr als zwei Jahre nach seiner Verwun⸗ dung, stellte er Antrag auf Invalidenrente. Da nach§ 1253 der Reichsversicherungsordnung die Rente nicht länger als ein Jahr rückwärts vom Tage des Eingangs des Antrages an gerechnet, ge⸗ zahlt wird, wurde der Anspruch des Vorgenannten, soweit er die Zeit vom Februar 1915 bis April 1916 betraf, abgewiesen, zumal Sch. nicht nachweisen konnte, daß er durch außerhalb seines Willens liegende Umstände an der rechtzeitigen Antragstellung verhin⸗ dert war. Auch der Kriegsbeschädigte E. F. in Gießen hat, obwohl er schon bereits seit dem Jahre 1914 verwundet war, erst jetzt Antrag auf Inva⸗ lidenrente gestellt und muß, da die Rente nur für ein Jahr rückwärts gezahlt wird, wegen nicht recht⸗ zeitiger Geltendmachung seiner Ansprüche auf einen Teil seiner Rente verzichten. Der Kriegsbeschädigte H. Sch. von Münster erkrankte am 9. August 1916 infolge eines Nervenleidens und wurde dem Reserve⸗ lazarett B.(im Rheinland) überwiesen. Er kam später nach Gießen, versäumte aber infolge seines Zustandes, rechtzeitig Antrag auf Invalidenrente zu stellen. Da Sch. aber durch außerhalb seines Willens liegende Verhältnisse an der rechtzeitigen Geltendmachung des Anspruchs verhindert worden ist, so besteht in diesem Falle die Möglichkeit, daß die Rente vom Tage des Eintritts der Invalidität auch weiter als ein Jahr rückwärts gewährt wird. Auf alle Fälle kann aber allen verwundeten und erkrankten Kriegsteilnehmern nicht dringend genug ans Herz gelegt werden, sich wegen der rechtzeitigen Geltendmachung ihrer Ansprüche an die Verwun⸗ deten⸗Beratungsstelle(Sprechstunden: Dienstag nnd Freitag von 2- 3 ½ Uhr im Soldatenheim) zu wenden. Mahnspruch aus einem Soldatenheim. Zahlreich sind die Soldatenheime im Etappen⸗ gebiet geworden, in denen der Soldat eine wohn⸗ lich eingerichtete, im Winter geheizte Stube, auch Schreib⸗ und Lesegelegenheit, Klavier und Gram⸗ mophon findet und wo er in Ruhe seinen Kaffee oder Tee(Alkohol wird nicht ausgeschenkt) genießen kann. Ein einfacher Bilderschmuck, Bilder ver⸗ dienter Heerführer und Sinnsprüche meist eigener Schöpfung sind überall angebracht. Ein besonders netter Spruch möge hier Aufnahme finden: Kamerad tritt ein, Ein Heim soll's sein, Und nicht, bedenke, Eine wüste Schenke. Nimm ab die Mütz', Dann komm' und sitz' Gemütlich und friedlich, Und sauf' nicht und rauf nicht, Und sing' nicht und spiel nicht, Sei sauber und nett, Spuck' nicht aufs Parkett, Benimm dich genau Als ob deine Frau Hier schalte und walte, — Du kennst deine Alte! Tazarelt- Zeitung. Vandesausschuß für Rriegsbeschädigken⸗ Fürsorge im Reg.⸗Bezirk Wiesbaden Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Bleichstr. 18 pt. Fernruf Amt Hansa 7396 und 7397. Bewerber für unten ausgeschriebene Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä⸗ digten⸗Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Aus⸗ kunft in allen Rentenfragen erteilt. Es wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die Tagebuchnummer mit anzugeben. Gesucht werden für 28ʃ11. Sparkasse in Tranklurt a. m. aushilfsweise ein Einkassierer, Kaution erforderlich. 59,11. Gasthaus in Bad-hauheim ein lediger oder; verheirateter Kriegsbeschädigter für die Gartenarbeiten. Falls verheiratet, kann sich Frau mit der Viehzucht be⸗ schäftigen. 60011. Krankenhaus, stadt am main, ein Gärtner. 0 61011. Krlegsindustriellen Betrieb in Frankfurt a. m. ein tüchtiger Buchhalter. Eintritt 15. Dezember d. J. S— Bauzeichnen, Fachzeichnen, Freihandzeichnen, Buchführung, Wechsellehre, Rechnen, Montag von 2—5 Uhr. Projektions zeichnen, Mittwoch genommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel, Bert, müller, Prof. Dr. Krausmüller und 2 Architekten. Meldungen werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr, entgegen⸗ Verwundelen-Anterrichl. I. Anterricht in der Gewerbeschule(Kirchstraße 16). ———— Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag von 9— 12 Uhr. Deutsch, Mitt woch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Montag und Mittwoch von 2—5 Uhr. 1 von 2—5 Uhr. Klein, Fritzel, Haggen— 6211. metall. Treuhand, Krlegs- Gesellschaft, eine Anzahl leistungsfähiger Hilfsarbeiter. 63011. Hygienische Abteilung eines Krankenhauses. ein Laboratoriumsdiener. 64011. Zentrale einer Hüchenverwaltung ein tüchtiger erfahrener Buchhalter. 65011. Gasthaus allerersten Ranges ein Heizer. 66011. Desglelehen ein Haustapezierer. 6711. Kleineres chemisches Werk ein Lagerbuchhalter 6811. Desgleichen ein tüchtiger Packer. 6911. Bedeutende erstklassige Fabrik elektrotech· nischer Einrichtungen eine Anzahl Elektrotechniker. 7011. Wanderarbelterstätte im Bez. Cassel ein Mann für schriftliche Arbeiten und Botengänge. 71011. Für Hofgut, nähe von Bad- Orb, ein tüchtiger * Gemüsegärtner, der auch Verständnis für Obst⸗ au hat J 72011. Bedeutende Schuhfabrik ein Telephonist, welcher gleichzeitig Registraturarbeiten übernimmt. 73011. Bedeutendes Werk ein Registrator. 7411. Spezialtabrik für Aluminsumherstellung, 2. At. krlegeindustrleller Betrieb, Stadt in Westkalen, alle Facharbeiter. 75011. Jusssteigreinsgungs-Gesellschalt ein Aufseher, 85 gleichzeitig das Inkasso übernimmt und radfahren ann Maschinenschreiben, täglich von 8—12 Kreuzes und in den Lazaretten. Das Gießener Soldatenheim. Im früheren Kaffeehaus Ebel, Bur ggraben 9, Eingang von der Marktstraße aus, nahe am Markt. Zeitungen, Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschafts⸗ spiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Ein⸗ fache Erfrischungen werden zum Selbstkosten⸗ preise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu herge⸗ richtet. Bis auf weiteres sollen an jedem Mittwoch nachmitttags von 3—5 Uhr Kon zerte der Kapelle des Ersatz⸗Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vor⸗ mittags bis 9 Uhr abends geöffnet. 76011. Jugendherberge ein Buchbinder. 7711. Fahrrad- etc. Gross handlung aushilfsweise ein Packer und Bote. 78011. Gemeinnütziges Institut ein Schreiner. 1 Kriegsleder-Aktien-Gesellschalt ein Buch⸗ alter. 2 80,11. Buchhandlung mit Leihbibliothek ein Aus⸗ laufer für Zeitschriften(Radfahrer). „Warenhaus ein Kassenbote, welcher gleich⸗ zeitig Registraturarbeiten übernehmen kann. 82/11. Bahnhotskeiseut in einer benachbarten Bade- stadt ein Friseurgehilfe. 83011. Schneiderei zwei Schneidergehilfen. 84011. Uersscherungs- Gesellschaft für hiesige Bezirks⸗Direktion. 85011. Bedeutende schuhtabrik in Frankfurt a. m. ein vertrauenswürdiger Kassenbote. in Frankfurt a. m. ein bis ein Buchhalter Verwundete und erkrankte Kriegs- teilnehmer verlieren oft ihre Ansprüche besonders aus der Kranken- und Invalidenversicherung, weil sie über die in Frage kommenden Bestimmungen nicht ge⸗ nügend informiert sind. Es kann deshalb allen Kriegsteilnehmern oder sonstigen Heeresangehörigen, die auf dem Gebiete der Kranken⸗ und Invaliden⸗ versicherung, Familienunterstützung, Kriegswochen⸗ hilfe usw. über irgend eine Frage im Unklaren sind, nur empfohlen werden, sich von der seit einem Jahre bestehenden Verwundetenberatungsstelle (Sprechstunden Dienstag und Freitag von 236 bis 3 Uhr im Soldatenheim) beraten zu lassen, wo⸗ selbst auch alle erforderlichen Schriftstücke unent⸗ geltlich angefertigt werden. Soweit die Ratsuchen⸗ den nicht ausgehen können, wollen sich dieselben schriftlich an den Leiter der Beratungsstelle, Bureau⸗ beamten H. Kirchner, Gießen, Schiffenberger Gießener Sehens würdigkeiten. 1. Sammlungen des Oberhessischen Geschichts⸗ vereins und der Wilhelm Gailschen Stiflung. Im alten Schloß auf dem Brandplatz. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Völliermuseum, neben der alten Kaserne Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Votanischer Garten der Universität am Bra ndplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8—5 Uhr(von 12—1 Uhr geschlossen), Sonntags von 9—12 Uhr. f 4. Tesehalle des Gießener Lesehallen- Vereins im Torhaus, Seltersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. —— ͤ—.. Braltische Arbeiten in den Tehrwerlstätten. 4 . Schreinerej, Schlosserei, Schuhmacherei, Schmiede, täglich 8—12 und 2—6 Uhr. Korbflechten, täglich von 9—12 und 2— 6 Uhr. und 2—6 Uhr. * II. Anterricht in Lazaretten und im Soldatenheim. Stenographie(Gabelsberger System). Polizeik.⸗ Versicherungs⸗ und Fürsorgewesen. Dienstag und Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, sicherung, Kriegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Ki rchner. Schnitz⸗, Flecht⸗ und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Aspirant Karnbach. Freitag 2½—3% Uhr Beratung der Invaliden- und Hinterbliebenenver— Weg 16, wenden, der auf Wunsch bereit ist, die Ratsuchenden in den Lazaretten zu besuchen. Die Verwundeten⸗Weratungsstelle. Kreis- und Ortsausschuß, Gießen, für die Kriegsbeschädigten-Fürsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstagnachmittag, von 8—12 und 2—5 Uhr. Werkstätte. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Ge⸗ off get täglich, außer Samstag und Sonntag von 812 und 2—6 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus, 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 812 Uhr. 8 Berufsberatung: Gewerbehaus, Erdge⸗ schoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erd⸗ geschoß. Sprechstunde: Täglich von 8—12 und 26 Uhr. Ausstellung von Arbeiten Kriegs- beschädigter, Gewerbehaus, Kirchstr. 16 geöffnet: Werktags von 8—12 und 36 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsausschuß Gießen für die Kriegsbeschädigten⸗Fürsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. Schriftleitung der Gießener Beilage: 5 Geh. Hofrat Ur. H. Haupt, Gießen, Keplerstraße 1, und Professor Dr. Karl Helm, Gießen, Stefanstraße 7. 7 3 —