1 N — 7 4 2 2 Gießen. herausgegeben durch 5 Vom dweigverein Gießen vom Noten eu- — 2 — 2 — 7— 0 2 Nr. 1. — III ucß für Bolbeporlesungen Snlfurl d fllaln 15. November 1017. Chronist. In der ersten Hälfte des November hat der Durch⸗ bruch der deutsch⸗österreichischen Truppen durch die ita⸗ lienische Stellung am Jsonzo zu großen Erfolgen geführt. Die verbündeten Truppen konnten von Osten her das Ge⸗ birge heruntersteigend in die venetianische Ebene vorrücken. Schon am 30. Oktober wurde Udine genommen, und der Vormarsch bis zum Tazliamento, dem ersten größeren nord- südlichen Flutzlauf in der venettanischen Ebene ange⸗ treten. In der Ebene zwischen dem Gebirge und dem Tag ⸗ liamento mußten am 1. November 60 000 Italiener, die den Isonzorückzug zu decken bestimmt waren, mit allen Offizieren und Geschützen die Waffen strecken, sodaß daz Ergebnis der Isonzoschlacht auf 180 000 Gefangene und 1500 Geschütze stieg. Am 4. November wurde der Ueber⸗ gang über den mittleren Tagliamento erkämpft, wobei weitere 6000 Italiener gefangen wurden. Inzwischen war auch die Alpenfront der Italiener ins Wanken geraten, sodaß mit dem ursprünglich von Osten nach Westen wir⸗ kenden Angriff der Deutschen und Oesterreicher ein in breiter Front von Norden nach Suden wirkender Angriff der öͤsterreichischen Armeekorps zusammentraf. Am 6. Novem⸗ ber war die ganze Tagliamentolinie von deutschen Trup- pen gewonnen und zugleich die italienische Alpenfront bis in die Dolomiten hinein, don wo im Mai 1916 die erste österreichische Offensive ausgegangen war, erschüttert. Am 3. November hatten unsere Truppen den zweiten nord⸗jüdlichen Flußlauf der venetianischen Ebene, die Livenza, erreicht, wobei wieder mehrere tausend Italiener gefangen genommen wurden. Auch die Livenza wurde überschritten, und am 10. November war der dritte nord⸗südliche Flußlauf Benetiens, die Piave, er⸗ reicht. Von hier aus wurden durch die verbündeten Trup⸗ pen Belluno in den Benetianischen Alpen eingenommen, der Oberlauf der Piave überschritten und auf dem west⸗ lichen Viaveufer der Vormarsch in der Richtung auf Feltre angetreten, wodurch die italienische Verteidigungsstellung an der Piave vom Rücken her bedroht wird. Gleich⸗ zeitig hat die österreichtsche Armte im Suganatal von Borgo aus Fortschritte gemacht und am 10. November Asiago, das die Oesterreicher schon im Mai 1916 be⸗ setzten, von neuem erobert. Auch diese Bewegungen be⸗ drohen die italienischen Stellungen vom Rücken aus. Durch das Zusammenwirken des Angriffs in der Richtung Ost⸗ West und Nord⸗Süd wurden immer neue italienische Trup⸗ penkörper abgeschnitten. Am 9. November mußten sich bei Tolmezzo 17000 Italiener, am 12. November bei Longarone 10 000 Italiener ergeben. Dawit dürften die Gefangenenzahlen der italienischen Offensive mindestens 275 000, die Zahl der erbeuteten Geschütze 2500 erreicht haben. Das zweite kriegsentscheidende Ereignis dieses Zeit⸗ raums war die neue Revolution in Rußland, die am 7. November in Petersburg zum Ausbruch kam. Die Maximalisten(der Name bezeichnet diejenige Gruppe 5 der Sozialdemokraten, die sofort das Maximum des sozial⸗ demokratischen Programms durchsetzen wollen, ohne Rück⸗ icht auf andere Interessen und Parteien, nicht wie die Minimalisten, die in Verbindung mit den übrigen demo⸗ kratis. Parteien fich zunächst mit der Durchführung eines sozialist en Programm⸗Minimums begnügen) haben, von der sriedenssehnsucht des russischen Volkes getragen, die provi⸗ sorische Regierung mit Kerenski an der Spitze gestürzt, die bisherigen Minister mil Ausnahme Kerenskis, der entftiehen konnte, gefangen genommen. Es scheinen große Teile des russischeu Heeres auf ihrer Seite zu stehen. Eine handlungsfähige Regierung ist ihren Führern Len in und Troßky bisher noch nicht gelungen und ihre Stellung scheint durch eine von Kerenski und dem früheren Ober⸗ befehlshaber Kornilow geleitete Segenbewegung stark bedrängt. Ein Friedensangebot, das sie an die Mittel⸗ mächte richteten, fordert einen demokratischen Frieden, ohne Annexionen, auf der Grundlage eines sehr weitgehenden Selbstbestimmungsrechtes auch der kleinen und kleinsten Volksteile. Das Bedeutsame des Bürgerkriegs in Ruß⸗ land besteht darin, daß die Zustände dort immer mehr und mehr in Zersetzung geraten und die Handlungsunfähig⸗ keit Ruß lands für absehbare Zeit dauernd machen, so⸗ daß Rußland für uns als Krietzsgegner nach dem Ein⸗ geständnis der Entente vollkommen ausgeschieden ist. Da⸗ durch werden die Friedens aussichten für die Mittelmächte zweifellos sehr gebessert, wenn auch Rußland augenblick⸗ lich bei seiner vollkommenen Anarchie keine Regierung hat, mit der überhaupt ein Frieden geschlosseu werden könnte. Das dritte Ereignis von Bedeutung ist in Deutschland die Betrauung führender Parlamentarier aus den in der Friedens resolution des Reichstags geeinigten Mehrheitsparteien mit der Führung der Reichsgeschäfte. Nachdem am 2. No⸗ vember der Reichskanzler Michaelis zurückgetreten war, wurde der bisherige bayerische Ministerpräsident und Führer der Zentrumspartei Hertling zum Reichskanzler und preußischen Miniflerpräfidenten ernannt. Neben ihn trat auf Grund weiterer Verhandlungen der preußische Landtagsab⸗ geordnete Dr. Friedberg, Führer der national⸗liberalen Partei, als Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums, sowie der württembergische Politiker Payer, der Ver⸗ trauensmann der fortschrittlichen Volkspartei und der Sozial⸗ demokratie, an Stelle des zurückgetretenen Vizekanzlers Dr. Helfferich. In Flandern wiederholten sich vor allem am 31. Oktober und am 9. und 11. November starke Angriffe der Eng⸗ länder, die ihnen außer dem Besitz des kleinen zerschossenen Dörfchens Passchendaele keinen weiteren Erfolg brachten, sondern in heldenhafter Abwehr von unseren Truppen zurück⸗ geschlagen wurden. In Frankreich wurden unsere Stellungen am Damen⸗Weg, die im Oktober durch einen Vorstoß der Franzosen flankiert worden waren, am 2. November planmäßig und ohne Verluste in den Ailette⸗Grund zurück⸗ gelegt. Zu Großherzogs Geburtstag. Drei Ereignisse schließen bedeutsam den dies⸗ jährigen Geburtstag unseres Großherzogs ein: schon der Vergangenheit angehörig die Gedenkfeier der 25jährigen Regierung des Fürsten, bevorstehend im nächsten Jahr der Tag, an dem unser Landes⸗ herr auf die doppelt so große Anzahl von Lebens⸗ 8 N Sibliothe?) 7 arma Landes. jahren wird zurückblicken können, und im Brenn⸗ punkt der Gegenwart, vor uns sich abspielend der gewaltige Weltkrieg, der auch in diesem Jahre in gewissem Sinne wenigstens der Feier des 25. No⸗ vembers Abbruch tut. Das verflossene Regierungsjubiläum ist noch in aller Gedächtnis. Damals war allenthalben zu lesen und hören von den vielen Beweisen der Für⸗ sorge Großherzogs Ernst Ludwigs für sein Land. Der stolzen Gewißheit vermochte selbst der Krieg nichts von ihrer überzeugenden Kraft zu nehmen, daß feste Bande Fürst und Volk in Hessen mit⸗ einander verknüpfen und daß beide sich ihrer Kul⸗ turaufgaben auch im ärgsten Toben des Weltkrieges bewußt bleiben. So viel auch der Anteil gerühmt wurde, den der Großherzog kraft seiner Stellung auf allen möglichen Gebieten des öffentlichen Lebens an den brennenden Fragen nahm— ganz beson⸗ ders betont wurde immer, wie ihm vor allem die Kunst am Herzen liege. Da könnte es ja fast scheinen, als sei eben für diesen Kreis seiner In⸗ teressen so lange eine schlimme Zeit, als noch die Geschütze dröhnen und die Schwerter blinken. Daß diese Vermutung aber nur sehr bedingt zutrifft, sehen wir schon z. B. aus der hoch erfteulichen Tatsache, daß die trotz, ja geradezu wegen des Krieges veranstaltete Ausstellung von Kunstwerken auf der Mathildenhöhe eine sehr gelungene Unter⸗ nehmung war, auch ganz nüchtern unter dem re⸗ alen Gesichtspunkt des Erwerbs für die beteiligten Künstler betrachtet. Also, es hat künstlerisches Empfinden und Wirken keineswegs unbedingt den rauhen Ereignissen des Völkerringens das Feld räumen müssen. Jedenfalls aber drängt sich der Gedanke auf, den Geburtstag unseres kunstsinnigen Großherzogs als willkommenen Anlaß zu nehmen, diesem als schönste Gabe seines bevorstehenden 50. Lebensjahres den von uns allen ersehnten Frieden zu wünschen, so wie er sich mit der Ehre und den Daseinsbedingungen unseres geliebten Vaterlandes verträgt, den Frieden aber auch da⸗ rum, damit besser als jetzt der Verwirklichung ent⸗ gegen reifen tader schon so oft geäußerte Lieb⸗ lingswunsch Großherzogs Erast Ludwigs:„Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst!“ Möchte dann dem auf der Höhe des Lebens Angekommenen beschieden sein, in bewährter Für⸗ sorge noch lange seines hohen Amtes zu walten und neben den harten Forderungen der Wirklich⸗ keit, des Lebens in Handel und Wandel auch des erhabenen Fluges des Geistes in Wissenschaft und Kunst eingedenk zu bleiben, ohne den eine wirkliche Entwickelung eines Landes und Volkes undenkbar ist. Je mehr die Wünsche für die Person des Fürsten sich decken mit denen seines Volkes, umso besser dann an seinem Geburtsfest für ihn, den damit Bedachten und für die, die in treuer An— hänglichkeit an seine Person und sein Haus sie zu bringen nahen, in ihrer Reihe auch die, die Leib und Gesundheit für Fürst und Vaterland gsopfert haben. Wohl ihnen, daß sie mit der felsenfesten Ueberzeugung kommen dürfen, daß sie ihre Opfer nicht vergeblich gebracht haben, sondern vor Thron und Volksgenossen die dankbarste, höchste Aner⸗ kennung finden! Wie ich den britischen Spür⸗ hunden entrann. Von Erich Killinger. Mit viel mehr Zuversicht ging es jetzt England entgegen. Zwei Tage vor der Küste trafen wir die ersten englischen Wachtschiffe. Eines kam längsseits und befahl uns, den Hafen von Kirkwall anzulaufen. Dann begleitete es uns einige Stunden und gab uns schließlich an ein anderes Wachtfahrzeug ab. Dies Manöver wiederholte sich alle vier bis fünf Stunden. Endlich kam die Küste in Sicht. Ein kleiner Kreuzer hielt auf uns zu, signalisierte mit dem uns begleitenden Wachtschiff, und dann bekamen wir den Befehl, nicht Kirkwall auf den Orkney⸗ inseln, sondern Stornoway auf den Hebriden an⸗ zulaufen. Vor dem Hafen mußten wir warten, bis ein Lotsendampfer längsseits kam, der gleichzeitig die englische Untersuchungskommission mitbrachte. Ich warf das Seefallreep über Bord, war den englischen Seeoffizieren behilflich, an Deck zu steigen, und brachte sie in die Kajüte des Kapitäns, wo sie sich gleich an die Durchsicht der Schiffs- und Ladungs⸗ papiere machten. Als ich nach vorn in unseren Raum kam, sah ich, daß dieser schon peinlichst von englischen Ma⸗ trosen durchsucht wurde. Wir mußten alle bei dieser Untersuchung zugegen sein. Unter meiner Matratze fanden sie einen amerikanischen Anzug, Mantel und Hut. Dies fiel weiter nicht auf, da ja auch die übrigen Matrosen ihre Kleider unter der Matratze der Koje verstaut hatten. Dann erkundigten sie sich nach dem Verlauf der Ueberfahrt und boten uns Zigaretten an. Während der Unterredung fragten sie ganz unauf⸗ fällig, ob vielleicht ein Deutscher unter der Besatzung oder sonst an Bord sei. Wir verneinten dies alle und fragten sie, da wir über drei Wochen in See gewesen waren, nach den letzten Kriegsereignissen. Sie erzählten uns, die Deutschen hätten mehrere große Schlachten verloren, und der Krieg sei wahr⸗ scheinlich bald zu Ende. Dann machten sie sich an die Untersuchung der ubrigen Schiffsräume. Inzwischen hatten die Offiziere in der Kajüte die Papiere geprüft und erklärten, wir könnten Wir entnehmen mit Genehmigung des Verlags Ull⸗ stein& Co. die spannende Schilderung dem Kriegs buche „Die Abenteuer des Ostseefliegers“, das die abenteuerliche, an seltsamen Wechselfällen reiche Flucht des kühnen deutschen Offiziers aus sibirischer Gefangenschaft über China, Japan und Amerika erzählt. Rücken auf deutsch:„Wo sind Sie denn geboren?“ Lazarrti Aritung. wahrscheinlich schon nach zwei Tagen unsere Fahrt fortsetzen. Es wurde jetzt die ganze Besatzung vor der Kajüte versammelt und zur Durchsicht der Mannschaftspapiere geschritten. Außer mir hatten alle englische Pässe. Die anderen wurden einzeln in die Kajüte gerufen; Photographien und Finger⸗ abdrücke wurden verglichen, und nach einer Stunde war die ganze Besatzung geprüft. Als letzter kam ich jetzt an die Reihe. Ein englischer Seeoffizier betrachtete gerade, als ich eintrat, meinen Paß durch die Lupe. Ein zweiter begann sofort das Verhör mit mir. „Sie sind Franzose?“ „Jalꝰ -Wie lange fahren Sie schon zur See?“ „Seit meinem vierzehnten Lebensjahr.“ „Wo sind Ihre früheren Schiffspapiere?“ „Die habe ich zum Teil verloren, zum Teil verkauft.“ „Sie wissen, daß es verboten ist, seine Schiffs⸗ papiere weiterzuverkaufen?“ „Jawohl, aber ich brauchte Geld!“ „Sie müssen aber doch noch Ihre Heuerpapiere von Ihrer letzten Fahrt besitzen.“ „Ich habe seit vier Jahren nicht gefahren.“ „Wo waren Sie während dieser Zeit, und was haben Sie getrieben?“ „Ich war in Bogota in Südamerika und habe dort in einer Automobilwerkstatt gearbeitet. Später war ich in Barranqailla Schofför.“ „Da können Sie also Auto fahren?“ „Natürlich kann ich das!“ „Warum fahren Sie jetzt wieder zur See?“ „Weil man an Land nicht mehr genug ver⸗ dient.“ „Als Schofför verdienen Sie doch gerade genug.“ „Fahren Sie doch mal selbst als Schofför und leben Sie von zwölf Dollars im Monat! Mir war das nicht genug. Jetzt bekomme ich fünfund⸗ dreißig!“ Unvermutet sagte plötzlich jemand hinter meinem allen verboten, das Schiff zu verlassen. Wir ankerten im Hafen neben einem schwedischen Segler. Ich habe in dieser ganzen Nacht kein Auge geschlossen. Gegen zwei Uhr— die anderen schliefen alle ganz fest— öffnete sich die Tür, und ein Eng⸗ länder weckte den Finnen. Dann versuchte er, mich wach zu rütteln. Ich ließ ihn erst lange schütteln, bis ich verschlafen die Augen öffnete und„Damned, stop it!“(„Zum Teufel! Laß das!“) sagte. Er ließ mich in Rahe, ich drehte mich auf die andere zu sein. Nun wurden die anderen der Reihe nach ebenso wie ich geweckt. Fast hätte ich laut gelacht, als der Engländer von einem, den er wohl gar zu sehr gerüttelt hatte, einen kräftigen Tritt bekam. Wie ich ihm das gönnte! a Am Abend des nächsten Tages kam die Kom⸗ mission wieder an Bord und brachte die Ladungs⸗ papiere mit zurück. Ich putzte gerade das Messing der Kajütenfenster und hörte, wie dem Kapitän er⸗ öffnet wurde, daß wir noh diese Nacht auslaufen könnten. Als die Kommission wieder von Bord ging, sah ich mich vorsichtig um, ob nicht jemand zurück⸗ geblieben war. Bei mir sollte der englische Schurke aus Hamburg„kein Schwein? haben! Wir signalisie ten um einen Lotsen und lichteten gleich Anker, als dieser an Bord gekommen war. Ich hatte um zwölf Uhr nachts Wache, und gerade, als ich ablöste, ging der Lotse von Bord. Doch auch jetzt noch blieb ich auf der Hut, denn wer konnte wissen, ob die Engländer nicht noch einen anderen Trick vorhatten. Erst als der letzte Schein des Leuchtfeuers von Stocnoway verschwand, Aber einen Freudentanz aufzuführen, schien mir immer noch verfrüht. Auch hätte ich keine Zeit dazu gehabt; denn ich mußte scharf am Steuer aufpassen. Es herrschte hier reger Schiffsverkehr und die dummen Wachtfahrzeuge hatten abge⸗ blendet. Zwei Tage waren wir schon unterwegs, und noch immer begegneten wir englischen Wacht⸗ schiffen. Endlich lag auch das letzte hinter uns. Und am nächsten Tag sollten wir nach Norwegen kommen. 8 Welche Steuern muß ich Ich tat, als hätte ich nichts gehört. Der Engländer, der soeben diese Frage an mich gestellt hatte, tippte mich auf die Schulter und fuhr auf deutsch fort: „Sie, ich spreche mit Ihnen!“ Langsam drehte ich mich um, schaute ihn mit einem möglichst ver⸗ ständnislosen Gesicht an und sagte: „L don't understand you, Sire.“ (Ich kann Sie nicht verstehen.“) Nun fragte er mich auf französisch, wo ich ge⸗ boren sei. Ich merkte an seiner Aussprache: der kann mich auf französisch nicht hineinlegen, der kann ja weniger als ich! Ich gab ihm Auskunft und wurde jetzt, wie ich es vorausgesehen hatte, über Vallorbe und Umgebung ausgefragt. Nach längerer Unterhaltung wandte sich der Engländer an den Offizier, der inzwischen mit der Untersuchung meines Passes fertig geworden war, und sagte ihm leise: „He is all right, I think. Shall we take him ashore?“(,Ich glaube, es ist alles in Ordnung mit ihm. Sollen wir ihn mit an Land nehmen?“) Obwohl diese Worte nicht für meine Ohren bestimmt waren, fiel ich ihm gleich in die Rede und fragte, wieviel man an Land verdienen könne. Mir ge⸗ fiele es doch nicht mehr an Bord, und wenn ich gut bezahlt würde, ginge ich ganz gern mit an Land. Das schien den strengen Herren den letzten Zweifel an der Richtigkeit meiner Angaben zu nehmen. Sie gaben mir meinen Paß zurück und ließen mich gehen. Ich stieg gerade die Treppe hinunter, als mir auf deutsch nachzerufen wurde:„Halt, Sie haben noch etwas vergessen!“ Ruhig lief ich weiter. Damit fangt ihr mich nicht! Bevor die Kommission, die unsere Schiffspapiere mit an Land nahm, wieder abfuhr, wurde uns Nach einer Rundfrage der Zentralstelle der Lazarett⸗ĩVeratung, Frankfurt a. M. Auch während des Krieges besteht die Ver⸗ pflichtung zur Steuerzahlung, nur sind für die Kriegsteilneh mer einige Erleichterungen geschaffen. 1. Das Militäreinkommen und die Staatssteuer. 1 Zunächst ist für den Kriegsteilnehmer wichtig zu wissen, daß von der Besteuerung ausgeschlossen und daher bei Berechnung der Staatseinkommen⸗ steuer stets außer Ansatz zu lassen ist das Militär⸗ einkommen aller Angehörigen des aktiven Heeres und der aktiven Marine, ebenso der zum Dienste einberufenen Landsturmpflichtigen und zwar solange sie zu einem in der Kriegsformation befindlichen Teil des Heeres oder der Marine gehören. Diese Bestimmung tritt in Kraft mit dem i Tage des Eintritts in das Heer. 2. Das Zivileinkommen und die Staatssteuer. Die Besteuerung des Zivileinkommens der Kclegsteilneh mer erfährt in den meisten deutschen 1 Seite, und bald schien ich wieder fest eingeschlafen. 1 f 5 ...... DDD fühlte ich mich sicherer. während der Dienslzeit zahlen? * * 1 5 Tazarett- Zeitung * bleibt ein erheblich höheres Einkommen von der nach dem Einkommensteuergesetz veranlagten Steuer befreit. Es bleiben steuerfrei(oder es bleibt die ver⸗ anlagte Steuer unerhoben) in Mecklenburg, Sachsen⸗ Altenburg und Schaumburg⸗Lippe Einkommen bis 1500 Mk., in Schwarzburg⸗Sondershausen bis 2000 Mk., in Reuß j. L. bis 2400 Mk., in Hessen bis 2600 Mk., in Preußen, Sachsen⸗Weimar, An⸗ halt, Braunschweig, Sachsen⸗Meiningen, Lippe⸗ Detmold und Lübeck bis 3000 Mk., in Wüͤrttem⸗ berg bis 3200 Mk., in Oldenburg bis 3600 Mk. In Reuß ä. L. ist steuerfrei bei Unverheirateten ein Einkommen bis 1200 Mk., bei kinderlos Ver⸗ heirateten bis 2000 Mk., bei 3 mit zwei Kindern bis 2400 Mk., mit vier Kindern 2700 Mk., mit mehr Kindern 3000 Mk., wobei jedoch bei Unteroffizieren ohne Portepee um 200 Mk. geringere Säge gelten und Unteroffizieren mit Portepee Be⸗ freiung nicht zusteht(dabei ist jedoch Voraussetzung, daß der Kriegsteilnehmer nicht über 40 000 Mk. Vermögen hat). In Sachsen⸗Coburg Gotha ist ein Einkommen von Kriegsteilnehmern bis 1800 Mk. steuerfrei, doch sollen auch die Steuern von Kriegs⸗ teilnehmern mit Einkommen über 1800 Mk. auf Antrag gestundet werden. Auch in Anhalt hat die Finanzdirektion die Ermächtigung. während des laufenden Steuerjahres zur Vermeidung unbilliger Härten veranlagte Steuern zu ermäßigen oder ganz zu erlassen. Keine Ausnahme⸗Bestimmungen hinsichtlich der Steuer von Kriegsteilnehmern kennen Bayern, Sachsen, Baden, Schwarzburg⸗Rudolstadt und Wal⸗ deck, sodaß hier der Kriegsteilnehmer, abgesehen von seinem Militäreinkommen, keine Steuerbefreiung ge⸗ nießt. In Elsaß⸗Lothringen, das an Stelle der Einkommensteuern Ertragssteuern(Kapitalrenten⸗, Lohn⸗ und Besoldungs⸗, Gewerbe-, Gebäude⸗ und Grundsteuern) hat, bestehen ebenfalls keine Steuerbefreiungen für Kriegsteilnehmer; es wird aber bei Zahlungsschwierigkeiten für veraulagte Steuern Stundung gewährt, doch ist, um unnötige Beltreibungsmaßnahmen zu vermeiden, zu emp⸗ fehlen, daß die Stundung bei der zuständigen Kasse oder bei der Direktion der diretten Steuern in Straßburg beantragt wird. In Hamburg und Bremen, wo Ausnahmebestimmungen gleichfalls nicht bestehen, hat die Steuerdeputation das Recht, auf Antrag in besonderen Fällen aus Biligkeils⸗ gründen die Einkommensteuer von Milikärpersonen zu erlassen oder zu ermäßigen. 3. Die Gemeindesteuer. Von der Gemeindesteuer ist jeder befreit, der den Wohnsitz(Wohnung) in der Gemeinde aufge⸗ geben hat. Wessen Familie jedoch den Wohnsitz beibehalten hat, ist an sich steuerpflichtig; ebenso hat, wer Grundbesitz oder einen Gewerbebetrieb in einer Gemeinde hat, dafür Grund⸗ oder Gewerbe⸗ steuer zu zahlen. Im übrigen gilt in einigen deutschen Staaten für das Einkommen der Kriegsteilnehmer hinsicht⸗ lich der Gemeindesteuer das gleiche wie hinsichtlich der Staatssteuer. So ist auch hier das Militär⸗ einkommen steuerfrei und es tritt auch hier bei der gleichen Stufe Steuerbefreiung ein in Württem⸗ berg, Hessen, Anhalt und Schaumburg⸗Lippe.(Lübeck kennt keine Gemeindesteuer.) 8 Bremen und Elsaß⸗Lothringen haben die gleichen Bestimmungen hinsichtlich beider Steuern, Bremen gegebenenfalls Erlaß oder Ermäßigung, Elsaß⸗ Lothringen Stundung. Baden, Schwarzburg⸗ Sondershausen und Waldeck kennen auch hinsicht⸗ lich der Gemeindesteuer keine Befreiung.(Baden nur fäͤr in Baden garnisonierende Offiziere.) Für Bayern und Schwarzburg⸗Rudolstadt gilt etwa das 4 gleiche für die Gemeindesteuer wie für die Staats⸗ 5 „ steuer: es gibt keine Ausnahmebestimmungen für Kriegsteilnehmer. Auch im Königreich Sachsen gibt es abgesehen von gewissen Steuerbefreiungen Militärpersonen des Friedensstandes auch bei Gemeindesteuern für Militärpersonen des Be⸗ aubtenstandes eine Steuerbefreiung nicht. Ham⸗ rg kennt im Stadtgebiet keine Gemeindesteuer, den Landgebieten wird diese dagegen erhoben. anderen Staaten, so in Preußen, Mecklen⸗ enburg, Sachsen⸗Weimar, Braunschweig, Sachsen⸗Altenburg, Sachsen⸗Coburg⸗Gotha, Sachsen⸗ Meiningen, Lippe⸗Detmold, Reuß ä. L., Reuß j. O, Schwarzburg⸗Sondershausen und Waldeck ist die Regelung der Frage hinsichtlich der Steuerbefreiung bei Gemeindesteuern der jeweiligen Gemeinde über⸗ lassen, der der Steuerpflichtige angehört. In der Regel werden wohl die kapitalkräftigeren Gemeinden von der Erhebung der Steuern in gleichem Maße absehen wie der Staat. In Sachsen⸗Meiningen ist das Einkommen ge⸗ meindeumlagefrei, soweit es eine Höhe von 900 Mk. nicht mehr erreicht. Die Kirchensteuer, die sich nach der Staatssteuer richtet, wird vielfach erhoben, auch wo die Staats- steuer unerhoben bleibt. 4. Einspruch gegen die Veranlagung und Berufungsfristen. Ein großer Teil der Kriegsteilnehmer wird nach dem oben Gesagten in der Mehrzahl der Bundesstaaten überhaupt keine Steuer zu bezahlen haben. Bei denjenigen jedoch, die auch während des Krieges zu Steuerleistungen herangezogen werden, mögen die Angehörigen, denen die Ver⸗ anlagung zugestellt wird, dafür Sorge tragen, daß die Steuerbehörde von der Kriegsteilnehmerschaft des Steuerzahlers unterrichtet wird, falls aus der Veranlagung nicht schon hervorgeht, daß sie davon Kenntnis hat. Vielfach weiß die Steuerbehörde ja nichts davon, und so kann es kommen, daß irr⸗ tümlich Militäreinkommen oder steuerfreies Zivil⸗ einkommen zur Veranlagung herangezogen wird. In einigen Bundesstaaten, so in Preußen, Württem⸗ berg. Sachsen⸗Weimar, Anhalt, Sachsen⸗Coburg⸗ Gotha, Sachsen-Meiningen, Lippe⸗Detmold, Schaum⸗ burg Lippe und Lübeck, trägt die Veranlagung für Kciegsteisnehmer den Vermerk„Kriegsteilnehmer“; es ist also darauf zu achten, ob auch die Veran⸗ lagung mit diesem Vermerk versehen ist. Die Tatsache der Kriegsteilnehmerschaft hat, neben der Steuererleichterung, auch in der Regel Einfluß auf die Frist für etwaige Einsprüche und Berufungen gegen die Veranlagung. Während nämlich in Preußen, Oldenburg, Sachsen⸗Weimar, Braunschweig, Sachsen⸗Altenburg, Sachsen⸗Coburg⸗Gotha(hier für Einkommen über 2000 Mk.), Sachsen-Meiningen, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Schwarzburg-Sondershausen und Lübeck die Frist für die Einlegung eines Ein⸗ spruchs vier Wochen, in Mecklenburg einen Monat, im Herzogtum Sachsen⸗Coburg⸗Gotha für Einkommen unter 2000 Mk. zwei Wochen, in Sachsen Meiningen allgemein 14 Tage, im Königreich Sachsen drei Wochen nach Zustellung der Veranlagung beträgt, in Hessen innerhalb der beiden ersten Monate des Steuerjahres(April⸗Mai) Berufung erfolgen kann, und in Reuß j. L. die Frist jeweils bis zum 15. Juni läuft, braucht während des Krieges die gesetzliche Frist für die Einlegung des Einspruchs nicht wahr⸗ genommen zu werden, sodaß die Moglichkeit gewahrt bleibt, die Veranlagung auch später, d. h. nach Beendigung der Kriegsteilnehmerschaft bezw. des Krieges anzufechten. Das gleiche gilt für Reuß ä. L. für Angehörige mobiler Truppenteile. In Bayern ist für Kriegsteilnehmer die Frist für Einlegung einer Berufung oder eines Einspruchs auf sechs Monate nach Beendigung der Kriegsteilnehmerschaft verlängert. In Württemberg, wo die Beschwerde⸗ frist zwei Wochen beträgt, sind zwar Ausnahmen für die Kriegsteilnehmer nicht gemacht, doch werden Anstandsfälle vom Königl. Steuerkollegium, Abtei⸗ lung für direkte Steuern, aus Billigkeitsgründen in weitgehendem Maße berücksichtigt. Das gleiche geschieht in Schwarzburg⸗Rudolstadt, wo die Be⸗ schwerdefrist vier Wochen beträgt, durch das Mini⸗ sterium, Abteilung der Finanzen. Auch Baden, Hamburg, Bremen, Lübeck und Elsaß⸗Lothringen kennen keine besondere Fristverlängerung, erkennen aber die tatsächliche Behinderung des Kriegsteil⸗ nehmers an und werden auch verspäteten Einspruch nicht abweisen. Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß nach reichsgesetzlicher Bestimmung die Zwangsvollstreckung gegen Kciegsteilnehmer teils ganz unzulässig ist, teils gewissen Beschränkungen unterliegt. —— 2— Welche Bücher soll man im Lazarett lesen? „Gottfried Keller, Das Jähnkein der steben Aufrechten.“ Gottfried Keller ist der volkstümlichste Dichter der deutschen und deutschempfindenden Schweiz. In dem„Fähnlein der sieben Aufrechten? gibt er ein Bild das kerndeutschen Volksstammes seiner Heimat. Zwei Generationen stehen sich gegenüber, die Ge⸗ neration, die die Freiheit des Volkes errungen hat und im Besitz am Alten festhält, die jüngere Generation, die das Errungene nach eigenem Sinn ausbauen und nutzbar machen will. Die Vertreter der alten Generation, jene sieben Aufrechten, erkennen aber die Tüchtigkeit des jüngeren Geschlechtes und lassen es gewähren. Zwei junge Menschenkinder finden sich gegen alle Widersprüche in ihrer kernhaften Tächtigkeit. Das Buch ist nicht nur für die Schweiz geschrieben, sondern für jeden, der an die Zukunft seines Voltes glaubt und den in Kämpfen erstarkten Volksstaat in Bürgertüchtigkeit und Fa⸗ milienleben wurzeln sieht. Die Erzählung Kellers kann in gutem Druck zum Preise von 20 Pf., die in Marken(Feldpostbrief) vorher einzusenden sind, von der Zentralstelle der Lazarett⸗ Beratung des Roten Kreuzes, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14, bezogen werden. Natürlich können sich auch mehrere Kameraden zusammentun und'die Hefte be⸗ ziehen.(In Frankfurt übernehmen die Lazarettvertrauens⸗ männer die Bestellung.) Cazarett- Beratung. Die Zentralstelle der Lazarett⸗Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett⸗Zeitung dienen. Jeder nöge die Fragen, die er auf dem Herzen hat, seien fi⸗ wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur ober wie immer, schriftlich an die Lazarett⸗Becatung richten. Es soll auf jede Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge⸗ sucht werden, Rat und Beistand zu schaffen. Ant⸗ worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na⸗ mensnennung in der Lazarett Zeitung veröffentlicht. Vertrauliche Behandlung wird zugesichert, daher anonym: Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett⸗ Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge, Theaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Zazarett⸗Geratung steht auch täglich von 2—5 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. Neservist E. 5. Frage: Bin auf Urlaub erkrankt und muß mich für kurze Zeit zur Be⸗ obachtung und Behandlung ins Lazarett begeben. Komme ich nun nach der Entlassung aus dem La⸗ zarett zum Ersatztruppenteil oder zum Truppenteil an die Front zurück?— Antwort: Nach der Verfügung des Kriegsministeriums vom 24. Juni 1916 Nr. 8005/ 16. M. A. sollen bestimmungs⸗ gemäß erkrankte Urlauber des Feldheeres nach be⸗ endeter kurzer Lazarettbehandlung und Beobachtung sogleich zu ihrem Feldtruppenteil zurückgesandt werden. Von ihrer Ueberweisung zum Ersatztruppen⸗ teil ist Abstand zu nehmen. Sanitätsunteroffizier K. H. Frage: 1. War bis jetzt in einem Reservelazarett verpflegt worden, Unterkunft wurde mir von meinen Angehörigen gewährt. Steht mir nun hierfür eine Entschädigung zu? Wenn ich mir nun, da ich bei den Verwandten weilerhin nicht mehr wohnen kann, und im Reserve⸗ lazarett nicht unterkomme, ein Zimmer miete, steht mir darüber ebenfalls Entschädigung zu? 2. Kann ich als Lediger, da ich für die Unterkunft selbst gesorgt habe, auch für eigene Verpflegung sorgen und steht mir hierfür das Beköstigungsgeld zu? 3. Könnte ich schließlich von der Stadt einquartiert werden?— Antwort: 1. Wenn Sie sich die Erlaubnis erwirkt haben, bei Ihren Angehörigen zu wohnen, so steht ihnen Vergütung hierfür nicht zu. Wenn Sie dagegen vom Militär nicht unter⸗ gebracht werden konnten, und sich deswegen eine Wohnung mieten mußten, so haben Sie Anspruch auf Servis. 2. Die Gewährung der Geldent⸗ schädigung zur Selbstbeköstigung hängt davon ab, ob die Befreiung von der militärischen Kost aus Dienstgründen erfolgt ist oder nicht. Nur im ersteren Falle kann das Bekostigungsgeld von 2 Mk. gewährt werden. 3. Städtische Einquartie⸗ rung kommt in Frage, wenn das Militär von dem ihm nach dem Kriegsleistungszesetz zustehenden Recht, von der Stadt die Unterbringung von Soldaten zu verlangen, Gebrauch gemacht hat. Gefreiter PV. K. Frage: Ich erhielt im März 1917 vom Felde aus Heimaturlaub, wurde danach im Felde krank, kam nach Deutschland ins Lazarett, und erhielt dann vom Ersatztruppenteil 14 Tage Erholungsurlaub. Zählt nun dieser Er⸗ holungsurlaub mit als Heimaturlaub?— Ant⸗ wort: Nach dem Sinn der geltenden Bestim⸗ mungen wird anzunehmen sein, daß auch der Er⸗ holungsurlaub als Heimaturlaub zu erachten ist, wenn Ihr Gesundheitszustand, sowie die Lage des Heimatsortes Ihnen seinerzeit gestattete, während des Erholungsurlaubs die Heimat aufzusuchen. Gefreiter 2. Frage: Mir wurde eine vom 1. Oktober 1908 ab zahldare Rente zuerkannt. Am 7. April 1908 bin ich auf Grund meines Anstel⸗ lungsscheines als Polizeibeamter angestellt worden. Als ich nun an 31. Januar 1917 einberufen wurde, machte mein Truppenteil der Regierungshauptkasse Mitteilung von meiner Anstellung als Beamter. Hierauf folgte ein Ersuchen um Rückzahlung über⸗ hobener Gebührnisse ab 1. Oktober 1908 in Höhe von 450 Mk. Bei meiner Anstellung wurde seitens der Anstellungsbehörde die Eintragung ins Renten⸗ quittungsbuch äber die Anstellung im Zivildienst unterlassen. Das Buch habe ich wie vorgeschrieben meiner Behörde vorgelegt und jährlich einmal der zahlenden Kasse eingesandt. Bin ich verpflichtet, die angeblich überhobenen Gebührnisse zurückzuzahlen, trotzdem mich kein Verschulden trifft?— Ant⸗ wort: An und für sich sind Sie zur Rückzahlung verpflichtet. Diese Verpflichtung entfällt jedoch, wenn Sie die Zuvielzahlungen im guten Glauben empfangen und bereits verausgabt haben, ohne daß Sie hierdurch bereichert sind. Eine Niederschlagung des Betrages kann nur auf dem Gnadenwege er⸗ folgen. Vom deutschen Geist. Denk es, o Seele! Von Eduard Mörike Ein Tännlein grünet wo, wer weiß, im Walde, ein Rosenstrauch, wer sagt, in welchem Garten? Sie sind erlesen schon, denk es, o Seele, auf deinem Grab zu wurzeln und zu wachsen. Zwei schwarze Rößlein weiden auf der Wiese, sie kehren heim zur Stadt in muntern Sprüngen. Sie werden schrittweis gehn auf deiner Leiche; vielleicht, vielleicht noch eh' an ihren Hufen das Eisen los wird, das ich blitzen sehe! * Beherzigung. Von Goethe. Feiger Gedanken bängliches Schwanken, weibisches Zagen, ängstliches Klagen wendet kein Elend, macht dich nicht frei. Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten. Nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen. Rufet die Arme der Götter herbei. — Tazarelt-Zeitung. Scherz und Nätsel. Was sein Vater ist. Ein kleiner Junge wird in der Schule bei der Neuaufnahme der Schüler gefragt:„Was ist dein Vater?“ „Mein Vater ist reklamiert“, antwortete mit frischer Stimme der Kleine. * Befähigungs nachweis. Gasthofbesitzer:„Sie wollen bei mir Speise⸗ kellner werden? Ja, sind Sie denn genügend ge⸗ schult? Bei mir geht es mittags oft sehr stürmisch zu!?“ Bewerber:„Keine Sorge! Ich hab' 19186 bei Verdun und an der Somme das Essen vorgetragen bis in die vorderste Linie.“ * Gefährliche Wanderung. Ich bin auf kurzem Urlaub in der Heimat. Familienkreis.— Die Rede kommt auf meine mor⸗ gige Abreise. Eine etwas ältliche Tante fragt mich, und macht ihre rundesten Wickelkinderaugen dazu, wann ich dena nun wieder an der Front sei. Ich setze ihr auseinander, daß ich uübermorzen Abend, so gegen 11 Uhr, mit der Bahn ankomme und dann noch zirka fünf Kilometer zu Fuß bis zu meiner Kompagnie zurückzulegen habe. -Was, und da mußt du nachher allein über den Kriegsschauplatz gehen!??“ * Mein Freund Max, ungedienter Landsturm, hat nun auch den feldgrauen Rock anziehen müssen. In einem Brief aus einem badischen Rekrutendepot, worin er mir die Freuden der Ausbildungszeit schildert, schreibt er:„——— Unser Nachtlazer besteht aus Säcken, die mit Zeitungspapier gefüllt sind. Wenn ich noch lange darauf liege, werde ich bald im Hintern gescheiter sein als du im Kopf.“ * Der Dolmetscher. In der Augenabteilung eines großen Reserve— lazaretts bemühen sich der Chefarzt und sämtliche Assistenten, aus einem Stockrussen, der eine Augen⸗ verletzung hat, herauszubekommen, wie das Unglück entstanden ist. Ein biederer Landslurmmann erbietet sich als Dolmetscher. Erleichtertes Aufatmen und große Spannung allerseits. Darauf der Dolmetscher: „Sog amol, wos ischt denn dir in dei' Aug' nei⸗ geflogn?“ * Befürchtung. Die Braut des Soldaten(zum Dorfpfarrer): „Nun will er sich zu den Fliegern melden, der mit seinem Pech, was er hat! Ach, Herr Pfarrer, der stürzt am ersten Tag ab und fällt in'n Porzellan⸗ laden'nein!“ (Aus der Schlesischen Lazarett⸗Zeitung.) Rälsel. Aufgaben. 1 Von einer Abteilung Soldaten wurden 2/5 im Gefecht verwundet. Es war daher die Zahl der Unverletzten um 480 größer als die der Verwun— deten. Wie stark war die Abteilung? 2. Karl wurde nach seinem, seines Vaters und Großvaters Alter gefragt. Er sagte:„Mein und meines Vaters Alter beträgt zusammen 66 Jahre. Meines Vaters und Großvaters Alter zusammen 125 Jahre. Mein und meines Großvaters Alter zusammmen 95 Jahre. Wie alt ist jeder? (Die Aufgaben sind nicht durch Gleichungen, sondern durch Ueberlegung zu lösen; es ist nicht nur das Ergebnis, sondern die Art der Lösung mitzuteilen) Georg Kühne. Druck von Löber 4 Co., Frankfurt a. M., Elbestraße 29. g Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Rätsel. Das Erste hast du am Gewehr, Am Bach und nicht beim Stehn; Das Zweite hast du nötig sehr, Willst du ins Ausland gehn. 0 Jedoch, mein Lieber, sehn' dich nicht, Daß man zu dir das Ganze spricht. Musketier Rohr. Streichholzaufgabe. Von diesen 15 Streichhölzern sollen 3 derselben so umgestellt werden, daß sich der Name eines Dichters ergibt. Telegraphist Krohn. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein⸗ sender bis 1. Dezbr. einzufenden an die Lazarett⸗ Auf dem Briefumschlag soll das Wort„Rätsellösung“ stehen.(Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Auflösungen der Nütsel aus der letzten Rummer. 1. Nätsel:„Zu— Fall Zufall“. 2. Nätset:„Schatz“. Besuchslartenrätset:„Im Argonnerwald“. Ausgabe:„A ist 24 Jahre alt und zeichnet 600 Mk., B ist 40 Jahre alt und zeichnet 400 Mk.“ 1. Scherzrälsek:„Lazarettzeitung“. 5 (Erklärung: europäischer Fürst Zar; Lama la; 5 ½ Fett= ett; 1 Zunge ohne Ende= Zung; 1 Ei ei; 5 1 Prise Tee- t; zusammen La- zar ett zeit- ung.) 2. Scherzrätsel:„Die Laus.“ Preise zu den Aufgaben der vorletzten Nummer: Sitbenrätsel:„Die beste Verteidigung ist immer der Angriff“- 44 richtige Lösungen. 1. Aufgabe:„A. hat 5, B. 7 Schafe“ 67 richtige Lösungen. 2. Aufgabe:„3360 Aepfel“ 5 u richtige Lösungen. 1 Bei außerordentlich großer Beteiligung haben dieses Mal 37 Einsender alle Bedingungen erfüllt. Wir haben darauf durchs Los 10 Einsendern Hauptpreise zuerkannt, die übrigen erhalten sämtlich Trostpreise. Hauptpreise erhielten: Landsturmmann Elsas, Frankfurt a. M.; Musketier Grunig, Freiburg i. B.; Gefr. Dörsam, Mainz; Gefr. Scheid, Frank⸗ furt a. M.; Untffz. Robbertz, Mannheim; Kanonier Boring, Frankfurt a. M.; Untffz. Fechig, Heuberg; Hornist Blumen⸗ thal, Cöln a. Rh.; Gefr. Vurkersroda, Frankfurt a. M.; Landsturmm. Walter, Königstein. Trostpreise erhielten: Musketier Brunke, im Felde; Untffz. Raetz, Heidelberg; Untffz. Schönberg, Berndrott; Untffz. Malchus, Uesküb; Arm⸗ Soldat Wanßkun, Gießen; Musketier Wallenfels, Gießen; Gardist Rosenbusch, Darmstadt; Musketier Joshua, Frank⸗ surt a. M.; Musketier Kölb, Orb; Untffz. Strauß, Homburg; San.⸗Untffz. Anselmann, Homburg; San. Gefr. Wappler, Fa Untffz. Polzin, Elz; Res. Sattler, Darmstadt; Mil. krankenw. Weiß, Mainz; Sergeant Kiesel, Wiesbaden; Mus⸗ ketier Litiy, Wiesbaden; Untffz. Eichamüller, Frankfurt a. M.; Musketier Ruck, Frankfurt a. M.; Schütze Bause, Niederlahn⸗ stein; Telegr. Schotte, Nauheim; Landsturmm. Wagner, Darmstadt; Gren. Pretzsch, Fulda; Gefr. Krüger, Bingen; Musketier Glüh mann, Auerbach; Musketier Giebel, Auerbach; San.⸗Untffz. Dodillet, Heidelberg. N. DSDS/ D D/== x Y=YY—————————— Die Sazarett⸗Zeitung erscheint zweimal monaklicch. 1 Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk des 4 XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett* unentgeltlich zur Verfügung. 1 1 i Zuschriften sind zu adressieren: Zazarett⸗Zeitung, Fran furt a. M., Theaterplatz 14. a W Brrantwortliche Schriftleitung ehrenamtli“ 5 Dr. Carl Gebhardt in Frankfurt a. N 8 N Bh 8 3 0 3 8 * 8 Beilage. 15. Nov. 1917. Wir sehn den Tag! Ob rings die Welt in Haß entbrennt Und immer neue Tücke sinnt, Verrat die Völker frevelnd trennt Und seine Todesnetze spinnt: Ob heil'ges Blut zum Himmel klagt, Und Menschlichkett das Haupt verhüllt: Wir sehn den hohen Schein, der tagt, Wenn seine Stunde sich erfüllt. Von Siegfrieds Schwerte gleißt sein Licht Und tilgt die Schmach der Finsternis; Der Lüge gift'ge Wehr zerbricht, Wie des Verrates Netz zerriß. Von Siegfrieds Schwerte flammt der Strahl Allheilend wie der Sonne Kuß. Das ist der Tag der alle Qual Der schweren Not versühnen muß! Das ist der Tag, den Sterbensnot Und heißer Lebenswille schafft; Der Tag, der aus dem Abendrot Des Weltenbrandes sich entrafft. Der heil'ge Tag des Deutschen naht, Durchpulst von deutscher Herzen Schlag; Durchsonnt von deutscher Art und Tat—— Wir sehn den Tag! Wiesbaden. Marie Sauer. Heldentum. Unsre Zeit ist reich an Heldentum, an echtem und falschem, an äußerem und innerem. Denn es gibt des Heldentums gar mancherlei Sorten. Es läuft mancher Maulheld in der Welt herum, von dessen großen Taten niemand etwas weiß als er selbst und die Dum⸗ men, die seinen Märchengeschichten glauben. Und es gibt auch viel stille Helden, die wirklich das Größte und das Tapferste geleistet haben ohne daß es ihnen je ein Mensch anmerkt. Und wie viele von ihnen liegen jetzt in feindlicher Erde begraben und ihren Namen hält nur noch die schlichte Tafel in der heimatlichen Kirche sest, wo die Gefallenen des Krieges verzeichnet werden. Wenn die Orden und Ehrenzeichen verteilt werden, da darf gewiß der Empfänger stolz sein, aber vergessen dürfen wir doch auch nicht, daß alles Menschenwerk seine Lücken hat und daß nicht der, der leer ausging, deshalb weniger getan haben müßte als der Ordenge⸗ schmückte. Schließlich ist das Wichtigste und das Größte doch immer nur das eigene Bewußtsein, wirklich alles getan zu haben, was man konnte. Im Grunde genommen ist Heldentum ein Cha⸗ rakterzug. Es kann gar nicht mit einzelnen Taten bewiesen werden. Der ganze Mann muß es be⸗ weisen. Er beweist es durch seine treue Pflichter⸗ sullung, durch seinen unerschrockenen Mut an der Front. Er beweist es aber auch durch sein ganzes Verhalten daheim. Heldentum ist vornehme Ge⸗ sinnung. Und diese Art von Vornehmheit kann sich unter dem schlichten Rock so gut finden, wie unter dem Prachtgewand. Vielleicht unter dem ersteren noch reiner. Sie liegt vor allem in einer gewissen sachlichen Einschätzurg der eignen Person. Der Mensch darf wohl wissen, ob er selbst etwas wert ist. Grade dieses Gefühl gibt die schönste innere Befriedigung; ist die zuverlässigste Grundlage irdischen Glucks. Aber der vornehme Charakter wird sich selbst auch wiederum nicht überschätzen, er wird nicht bei allem bloß an sich denken, er wird nicht bei jeder Tat, die er tut, danach fragen, ob auch alle Welt sieht. daß er es ist, der sie tat. Er wird nicht bei jeder Anforderung, die an ihn heran⸗ tritt, fragen: Was habe ich davon? Was kann mir das einbringen? Das feldgraue Heldentum, das unser deutsches f Vaterland an allen seinen Grenzen so herrlich ver⸗ deidigt hat, konnte das Wunderbare vor allem da⸗ durch vollbringen, daß all die Millionen Männer⸗ kräfte sich einsetzten mit Blut und Leben für das eine geweinsame Ziel. Da mußte jeder sich selbst ergessen können, da mußte jeder über dem einen Ziel den Sieg erringen zu helsen, für sich selbst Todesgefahr ins Auge sehn. Von dieser Art hafter Gesinnung bedürfen wir aber nicht Kriege. Auch das Leben ist ja ein Kampf, * N — und auch den Schwierigkeiten des Lebens gegenüber bedarf es einer tapferen Seele, bedarf es der vor⸗ nehmen selbstlosen Gesinnung. Kommt einer aus dem Felde heim und erzählt Wunderdinge von seinen Taten: werden wir's ihm glauben können, wenn wir ihn vor den praktischen Schwierigkeiten des Friedens verzagt und klein⸗ mütig finden? Kann einer wirklich draußen ein Held gewesen sein, der nach der Heimkehr die Kraft nicht in sich findet, gegen eine Not anzukämpfen, oder über einen Schaden hinwegzukommen? Und wer hier in der Heimat an weiter nichts denkt, als was er selbst gewinnen, als was er selbst aus den großen Erlebnissen der Zeit für sich heraus⸗ schlagen könne, ist der wohl wirklich draußen an der Front das Muster eines selbstlosen Vater⸗ landsverteidigers gewesen? Drum deutsche Kämpfer, über dem äußeren Heldentum vergeßt das innere nicht, seid dem Le— ben gegenüber tapfer, wie ihr's dem Feinde ge⸗ wesen seid! Dem Tapferen hilft Gott, sagt das alte Sprichwort. Und es gilt ich friedlichen Leben gewiß noch mehr als gegenüber den tückischen Zu— fällen des Krieges. Echtes Heldentum tapferer selbstloser Seelen, das ist's, was den einzelnen, das ist aber auch, was das Vaterland groß und glücklich macht. Reinhart Strecker. Deutschlands und seiner Gegner gegen— wärtige Versorgung mit Nahrungs- und Juttermitteln. Die Ernährungsmöglichkeit hat sich bei unseren Gegnern seit Durchführung des rücksichtslosen U-Boolkrieges, wie vorauszusehen war, derart ver⸗ schlechtert, daß ein Durchhalten bis zum Frühjahr 1918 ohne Hungersnot vollständig ausgeschlossen ist. Die Ernten sind besonders in England und Nordfrankreich infolge des nassen Wetters und dem dadurch eingetretenen Rostbefall des Geireides und der Erkrankung der Kartoffel an Perenospera weit unter dem gewöhnlichen Durcchschnitt geblieben; Mangel an Arbeitskraft, Organisation und Dünge⸗ mitteln haben außerdem mit dazu geholfen, die gewachsene Ernte noch weiter zu verschlechtern und zu verringern. Irgendwelche wesentlichen Bestände haben die europäischen Ententemächte aus der alten Campagne in die neue nicht mit hineinnehmen können. Im Gegenteil sind ausgebrochene Hunger⸗ revolten nur durch vorzeitige Bereitstellung der neuen Ernte beseitigt worden. Das bewirkt aber eine weitere ungünstige Verschiebung der Vorräte, indem die neuen Ernten desto eher aufgezehrt wer⸗ den. Umfangreiche baldige Zufuhr von den Export⸗ ländern sind daher in allen europäischen Entente⸗ ländern dringend nötig, um die Ernährungssituation nicht schon jetzt verzweifelt zu gestalten. Aber woher nehmen? Die Vereinigten Staaten (U. S. A), Kanada, Indien, Argentinien haben aus den alten Ernten keine wesentlichen Bestände mehr. Ich schätze dieselben in allen diesen Ländern auf höchstens 2½ Mill. Tonnen. Bleibt nur noch Australien übrig, dieses soll nach britischen Er⸗ klärungen noch einen Exportüberschuß von 4 Mill. Tonnen haben, von denen allerdings 3 Mill. Ton⸗ nen der Ernte Frühjahr 1916 entstammen. Jeder Getreideimporteur, der diese Provenienz handelt, weiß aber, daß dieses einen zweiten dortigen Som⸗ mer(November bis Februar 1917/18) nicht ver⸗ trägt, sondern durch Würmer dem Verderben an⸗ heimfällt, eine Tatsache, die durch eine Aeußerung des neuseeländischen Ministerprästdenten neuerdings bestätigt wurde, wonach 3 Mill. Tonnen der Wei⸗ zenbestände nur noch zu Viehfutter geeignet sein sollen. Ist es aber bisher den Engländern nicht gelungen. von der in Australien liegenden Weizen⸗ ernte größere Massen nach Europa zu transpor⸗ tieren, so wird dies in Zukunft, wo der U-⸗Boot⸗ krieg immer einschneidender auf den Frachtraum⸗ markt einwirkt, erst recht nicht gelingen. Wie stellt sich nun der Gesamtim portbedorf an Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais für Saison 1917/18 für unsere europäischen Gegner und die Neutralen? Es benödtigen: England 11 Mill. Tonnen Frankreich. 6. 0 Malen 4 Belgien, Griechenland, Portugal und die neutralen Staaten 5„ 8 In Summa 26 Mill. Tonnen. Das Manko zwischen Bedarf und sofort greif⸗ barer Ware beträgt also 23 ½ Mill. Tonnen. Eine verzweifelte Situation, die nur gebessert werden lönnte, wenn die Weizenern e der U. S. A. so wie in den Jahren 1914 und 1915 eine glänzende wäre. Denn nur U. S. A. kommt als Exportland in den nächsten Monaten überhaupt in Frage. a Die U. S. A. haben aber in diesem Jahre eine Weizenernte gemacht, die die schlechteste der letzten fünf Jahre war und nicht annähernd für die Er- nährung der eigenen Bevölkerung ausreicht. Diese Ernte ist nämlich nicht größer als wie diejenige, die Deutschland an Roggen und Weizen zusammen im Jahre 1915 machte(16 Mill. Tonnen), welche nur für 65 Mill. Köpfe zu reichen hatte, während die U. S. A. heute mit Brotgetreide, in diesem Falle Weizen, für rund 100 Mill. Köpfe zu sorgen hat. Zur Ernährung der Bevölkerung der U. S. A. muß also in dieser Salson die Maisernte in weit größerem Umfange herangezogen werden, als sonst üblich. Alter Mais ist aber in U. S. A. nur noch beschränkt vorhanden, und die neue Maisernte wird erst im Januar transportfähig. Somit kann auch U. S. A., selbst wenn es wollte, in den nächsten Monaten keine wesentliche Hilfe leisten. Die neuen Ernten der anderen Exportstaaten aber, wie Kanada, Argentinien, Indien und Australien, werden so spät transportfähig, daß sie erst im Frühjahr 1918 auf den europäischen Märkten erscheinen. Kommt die⸗ selbe dann aber in Bewegung, so dürfte die mog⸗ liche Gesamtleistung dieser Länder 10 Mill. Tonnen kaum übersteigen. Es würden dann immerhin noch 13 Mill. Tonnen für den Unterhalt unserer Gegner und der Neutralen bis zur Einheimsung der neuen Ernte 1918 fetzlen. Hierzu kommt noch der Mangel an Kartoffeln, an anderen Hackfrüchten, an Fett, Fleisch, Milchprodukten und schließlich auch an Heizungs⸗ material. Alles Dinge, welche in der Ernährung des Menschen heutzutage eine große Rolle spielen. Rußland endlich scheidet mit dem Export nicht nur völlig aus, nein, seine eigene Ernährungsmög⸗ lichkeit hat sich in diesem Jahre durch die Revolution noch weiter erheblich verschlechtert. Hier wird die normale Ernährung der großen Städte und des Heeres von Januar 1918 ab unmöglich sein und der soziale Zusammenbruch dadurch trotz Kerenski wei⸗ tere Fortschritte bis zur völligen Auflösung machen. Aus alledem ersieht man, daß für England und Genossen nur dann die Kriegsentscheidung günstig ausfallen kann, wenn dieselbe bald erfolgt. Dieser Erfolg ist entweder durch verstärkte Waffengewalt an der Front oder durch Erschütterung unserer inneren Regierungsform zu erreichen. Von beiden Mitteln wird z. Zt. von unseren Gegnern der aus⸗ giebigste Gebrauch gemacht. Aber beide Mittel werden nicht zum Ziele führen. Vielmehr wird das Geschick Englands unentrinnbar und vernichtend sich erfüllen, falls ihre Staatsleiter sich nicht entschließen, bald mit uns zu einer Verständigung zu kommen. Wie die Geschichte lehrt, hat bisher England immer noch zur rechten Zeit eingeschwenkt. Tut das aber England diesmal nicht, so ist der allgemeine Zu⸗ sammenbruch Englands und seiner europäischen Ge⸗ nossen spätestens im Januar 1918 zu erwarten. Fürchterliche Hungersnot, Dezimierung der Bevöl⸗ kerung und Uebergabe auf Gnade und Ungnade an die siegenden Mittelmächte wäre das Resultat. Wie steht die Sache nun in Deutschland? Da⸗ von das nächste Mal. Carl Beyme. 9 Pandesausschuß für Kriegsbeschädigten Aa.rsorge im Neg.⸗Bezirk Wiesbaden. 1 Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Bleichstr. 18, pt. g Fernruf Amt Hansa 7396 und 7397. Bewerber für unten ausgeschrieben Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä⸗ digten⸗Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Aus⸗ kunft in allen Rentenfragen erteilt. Es wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die 5 Ta gebuchnummer mitanzugeben. 15 Gesucht werden für: 12510. Städtisches Frledholsamt zwei Mann als Hilfsarbeiter. Bevorzugt Leute mit guter Handschrift. 85 126010. maler- und Weissbindergeschäft in Frank- 17 85 kurt a. Im. eine größere Anzahl Facharbeiter. 5 12710, Krieds industrielles Werk ein Werkstatt⸗ schreiber.(Stundenlohn 70 Pfg.) 128 10. Gräfliche Gutsverwaltung(Rheingau) Schwei⸗ 125 15 zer, Kutscher, Diener und Weinbergarbeiter. 38 129 „ Mk. 10. Kriegsindustrielles Werk l. C. ein Portier. pro Woche. 130/10. Schuhhandelsgesellschaft zwei bis drei Packer und Auslaufer. 5 131010. Kriegs industrielles Werk, Offenbach a. m., 5 eln Mann für sitzende Bohrarbeiten, eventuell zum An lernen. 120 132010. Speditionsfirma ein Fuhrmann. . 138010. Anatomische Ausstellung ein Portier. * 134010. Druckerei in Trankturt a. m. ein Buchdruck 5 1. einleger. 815 135010. Zeitungsverlagtanstalt in Wiesbaden ein 130 10. Kriegs industrielles Werk in Giessen ein Techniker, speziell zum Zeichnen für feinere Geschosse. a 13710. Schuhgrosshandelsbaus ein Packer und Aus⸗ (llaufer. 1.238110. Elektrotechnisches Bedartsartikelgeschäft eein Mann für leichte Arbeiten. 1 170 b 140 1 14¹ 122 1 143 5 144 * 145 146 zu zwei 10. Elektrotechnisches Artikel-Spezialhaus ein Mann für Telephonbedienung. 10. Desgleichen ein Mann für die Expedition. 10a. Desgleichen diverse Hilfsarbeiter. 10. Regfstrierkassen-Gesellschaft ein Packer. 10. Ledersohlenkabrik ein Kaufmann aus der Schuhbranche. 10. Inttallatlons- und Wasserlestungs-Unterneh- men in Hanau ein Installateur. 10. Schlossbesstz in Unterfranken ein Haus⸗ diener, welcher auch Gartenarbeiten mit übernimmt. 10. Rolonsalwarenkleinverkauf ein Auslaufer. 10. Forstmelsterei bei Stadt s. T. ein Kutscher Pferden. Derselbe muß sich ebenfalls für kleinere Haus- und Gartenarbeiten usw. eignen. 19 7 schiedene 148 149 10. Elektrizstätswerk, stadt Rheinhessens, ver⸗ Leute für Schaltwärter⸗ und Maschinistendienste. 10. hellstätte im Taunus ein Kraftwagenführer. 10. Schlossgärtnerei ein Gärtnergehilfe. 150010. Direktor einer metallgesellschaft in Sachsen ein tüchtiger Gärtner. 1 Gießener Sehens würdigkeiten. 4 1. Hammlungen des Oberhessischen Geschichts⸗ vereins und der Wilhelm Gailschen Stiftung. Im alten Schloß auf dem Brandplatz. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Völkermuseum, neben der alten Kaserne. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Votanischer Garten der Universität am, Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8—5 Uhr(von 12—1 Uhr geschlossen), Sonntags von 9—12 Uhr. 4. Tesehalle des Gießener Lesehallen-Vereins im Torhaus, Heltersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. 3 r 55 5 u Tazarelt- Zeitung. Verwundeten Ankerricht. J. Aukerricht in der Gewerbeschule(Kirchstraße 16). Bauzeichnen, Fachzeichnen, Freihandzeichnen, —— Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag von ½ 9 12 Uhr. Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Buchführung, Wechsellehre, Rechnen, Montag und Mittwoch von 2—5 Uhr. Montag von 2—5 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—5 Uhr. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel, Bert, Klein, Fritzel, Haggen— müller, Prof. Dr. Krausmüller und 2 Architekten. Meldungen werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr, genommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. entgegen⸗ * Praktische Arbeiten in den Tehrwerlistätten. Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Schmiede, täglich 8—12 und 2 6 Uhr. Korbflechten, täglich von 9—12 und 2— 6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. II. Anterricht in Lazaretten und im Holdatenheim. Stenographie(Gabelsberger System). Polizeik.⸗Aspirant Karnbach. 5 Versicherungs- und Fürsorgewesen. Dienstag und Freitag 2 3 f Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenver— sicherung, Kriegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz⸗, Flecht⸗ und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. Das Gießener Soldatenheim. Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burggraben, Eingang von der Marktstraße aus, nahe am Markt. Zeitungen, Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschafts⸗ Weg 16, wendea, der auf Wunsch bereit ist, die Ratsuchenden in den Lazaretten zu besuchen. Die Verwundeten⸗Veratungsstelle. spiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier[Kreis- und Ortsausschuß, Gießen, für sowie Schreibtische mit Briefpapier. Ein⸗ fache Erfrischungen werden zum Selbstkosten— preise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu herge— richtet. Bis auf weiteres sollen an jedem Mittwoch nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vor⸗ mittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Verwundete und erkranste Kriegs- teilnehmer verlieren oft ihre Ansprüche besonders aus der Kranken⸗ und Insvalidenversicherung, weil sie über die in Frage kommenden Bestimmungen nicht ge⸗ nügend informiert sind. Es kann deshalb allen Kriegsteilnehmern oder sonstigen Heeresangehörigen, die auf dem Gebiete der Kranken- und Invaliden⸗ versicherung, Familienunterstützung, Kriegswochen⸗ hilfe usw. über irgend eine Frage im Unklaren sind, nur empfohlen werden, sich von der seit einem Jahre bestehenden Verwundetenberatungsstelle (Sprechstunden Dienstag und Freitag von 2½ bis 3% Uhr im Soldatenheim) beraten zu lassen, wo⸗ selbst auch alle erforderlichen Schriftstücke unent⸗ geltlich angefertigt werden. Soweit die Ratsuchen⸗ den nicht ausgehen können, wollen sich dieselben schriftlich an den Leiter der Beratungsstelle, Bureau⸗ beamten H. Kirchner, Gießen, Schiffenberger die Kriegsbeschädigten-Jürsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstagnachmittag, von 8—12 und 2—5 Uhr. . Werkstätte. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Ge⸗ öffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8 12 ͤ und 2—6 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus, 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Berufsberatung: Gewerbehaus, Erdge— schoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erd⸗ geschoß. Sprechstunde: Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Ausslellung von Arbeiten Kriegs- 1 beschädigter, Hewerbehaus, Kirchstr. 16 1 geöffnet: Werktags von 8—12 und 36 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsausschuß Gießen für die Kriegsbeschädigten⸗Fürsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. Schriftleitung der Gießener Beilage: 1 Geh. Hofrat De. H. Haupt, Gießen, Keplerstraße und Professor Dr. Karl delm, Gießen, Stefanste e 8