NW1 O>0IIt Oktober 1918. Ausruf! „Es wird das Jahr stark und scharf hergehn. Aber man muß die Ohren steif halten, und jeder, der Ehre und Liebe fürs Vaterland hat, muß alles daran fetzen." Dieses Wort Friedrich des Großen müssen wir unS mehr denn je vor Augen halten. Ernst und schwer ist die Zeit, aber weiterkämpfen uvd wirken müssen wir mit ollen Kräften biS zum ehrenvollen Ende. Mit voller Wucht stürmen die Feinde immer aufs neue gegen unsere Front an, doch stets ohne die gewollten Erfolge. Angesichts des unübertrefflichen Heldentums draußen sind aber der Daheimgebliebe«cn Kriegsleiden und Entbehrungen gering. An alles dies müssen wir denken, wenn jetzt das Vaterland zur neunten Kriegsanleihe ruft. Es geht ums Ganze, um Heimat und Herd, um Sein oder Nichtsein unseres Vaterlandes. Daher muß jeder Kriegsanleihe zeichnen! ßyronik. Nach Durchführung unseres Rückzuges im Westen bis zur alten Siegfriedstellung ist den Feinden weiterer Erfolg bei ihren Angriffen versagt geblieben. Vergebens stürmen Engländer, Franzosen und Amerikaner gegen diese neuen Stellungen an. Besonders heftig war der Angriff der Engländer und Franzosen gegen St. Quentin. Sicherlich stehen unseren Truppen an der Westfront in der nächsten Zeit noch härteste Kämpfe bevor. Wir können aber mit Sicherheit hoffen, daß alle weiteren Bemühungen der Feinde, einen Durchbruch zu erzwingen, an der Standhaftigkeit unserer Truppen und an unseren hervorragenden Sicllungrn scheitern werden. — Größere Erfolge konnten unsere Feinde bei den Offensiven gegen die Türken in Palästina und die Bulgaren in Mazedonien ausweisen. Doch auch hier besteht die Hoffnung,' daß das Beziehen neuer Stellungen weiterem Vordringen halt gebieten wird. Das wichtigste Ereignis in den letzten Wochen war der Friedensschritt des österreich-ungarischen Ministers des Aus' wärtigen Grafen Burian, der in einer Note die krieg- führenden Mächte aufforderte, eine Konferenz in einem neutralen Lande zu beschicken, in der eine vertrauliche und unverbindliche Aussprache über die eventuelle Aufnahme von Friedensverhandlungen erfolgen sollte. Wenn dieser Schritt auch ohne Wissen der anderen Verbündeten geschehen war, io hat doch Deutschland, wie auch die Türkei und Bulgarien dem österreichischen Minister ihre vollste Zustimmung zu teil werden lassen und damit wieder aufs neu- bewiesen, daß sie alle jederzeit bereit sind, einen ehrenvollen Frieden der Verständigung zu schließen. Durch die bedeutenden Reden von Tr. S o lf und Vizekanzler von Payer war diese Ansicht der deutschen Regierung auch schon vorher kund getan worden. Wie unser Friedensangebot vom Dezember 1916, so wurde auch dieser neue Versuch Oesterreich-Ungarns, einen baldigen Frieden herbeizuführen, von der ganzen Entente in beleidigendster Weise.zurückgewiesen. Am 14. September hatte Graf Burian seine Note abgcsandt, am 19. September bereits hatte W ils on die ablehnende Antwort übermittelt, und nur wenige Tage später lehnten Balfour und Clemenceau diesen Friedensschritt in einer Weise ab, der nur zu deutlich den Vernichtungswillen der Entente gegenüber Deutschland klarlegte. So bleibt uns also nichts übrig, als diesen Verteidigungskrieg so lange weiterzuführen, bis die Feinde von der Aussichtslosigkeit. Deutschland zu besiegen, überzeugt sind. Dazu wird das Resultat der neuen Kriegsanleihe sicherlich auch sein Teil beitragen, denn jetzt, wo es um Ehre und Existenz des Vaterlandes geht, wird jeder das Seine tun, um ihr zu einem vollen Erfolg zu verhelfen. Zur neunten Kriegsanleihe. Inwieweit wir auf militärischem Gebiet seit der achten Kriegsanleihe einem siegreichen Friedensschluß näher gekommen sind, darüber will ich mir selbst kein Urteil anmaßen. Ich verlasse mich in dieser Hinsicht vollkommen auf die ruhige und feste Zuversicht unserer Obersten Heeresleitung, welche uns während mehr als vierjähriger Kriegsdauer noch niemals getäuscht hat. — Und wenn heute Hindenburg erklärt: .Wir werden es schon schaffen,' — so genügt mir das. In einer anderen Hinsicht aber hat sich, wie mir scheint, unsere Lage während des verflossenen Sommers ganz durchschlagend verändert: Während es bei uns vor sechs Monaten noch weite Kreise gab, welche wohl aufrichtig an die Möglichkeit eines annehmbaren Verständigungsfriedens glaubten, haben seitdem unsere Feinde, wohl in der Wut über die Vergeblichkeit all ihrer riesenhaften Anstrengungen und Opfer, ihre wahren Kriegsziele d. h. ihren unbedingten Vernichtungswillen gegenüber Deutschland mit einer Deutlichkeit erklärt, welche nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Ja! nicht nur die Zerschlagung der politischen und militärischen Großmachtstellung Deutschlands, sondern nicht . minder seine völlige wirtschaftliche, ja selbst kulturelle Vernichtung ist heute, mindestens für die führenden Staatsmänner der Entente, das offen erklärte Ziel dieses furchtbarsten aller Kriege der Weltgeschichte. Ich frage: Kann es bei einer solchen offenkundig gewordenen Sachlage in unserem Vaterlande noch irgend einen Deutschen geben, der heute nicht mindestens ebenso freudig wie vor hundert Jahren in unserem FreiheitSkawpf bereit wäre, auch sein letztes für die Rettung des Vaterlandes einzusetzen? Ganz abgesehen davon, daß wir es ja grade unter solchen Verhältnissen garnicht nutzbringender anlegen können, als in einer noch dazu hoch verzinslichen und denkbar sicheren Kriegsanleihe, welche dazu bestimmt ist, uns und unseren Kindern erst wieder eine gesicherte Zukunft zu schaffen. Rein!'wer heute, angesichts des nunmehr von unseren Feinden unzweideutig erklärten Willens unserer völligen nationalen, wirtschaftlichen und kulturellen Vernichtung noch nicht oder nicht mehr bereit sein sollte, soviel Kriegsanleihe zu zeichnen, als sein Vermögen oder sein Kredit ihm dies nur irgend gestatten, der handelt nicht nur sehr kurzsichtig, sondern er macht sich nach meiner Auf-' faffVng auch einer schweren Versündigung gegen sein Vaterland schuldig, dem er in ernstester Stunde den schuldigen Dienst verweigert. v. Tr. Graf von Schwerin-Lowitz. Eine Kalallroptie. Aus dem Leben eines alten Eisenbahnbetriebsmannes. - Von Mar Maria v. Weber. (Schluß.) Es klang säst wie ein Hurraruf und löste uns allen die Gemüter, das mächtige Pusten, Raffeln und Klappern, mit dem die Maschine jetzt wie ein Rennpferd, dem man die Zügel läßt, in ihren gestrecktesten Galopp fiel. Zahllose Funken stoben aus dem Schornstein, und die Fackeln prasselten hellauf — ich winkte Gebhard, der sich spähend emporgerichtet hatte. Mit diesem Fahrtempo mußten wir in zehn Minuten aus Station M. sein, wo unser wahrscheinlich Nachricht von dem Unfallszuge wartete. Mitten in der geraden mondhellen Linie vor uns lag ein kleiner Haltepunkt, einem benachbarten Edelsitze zuliebe errichtet, wenig benützt, ohne Ausweiche, mit einem niedrigen steinernen Perron zwischen den Geleisen. Gleich dahinter überspannt ein hoher Viadukt aus Quadern ein steiles Bachtal. Der Schatten des kleinen Stationshauses streckte sich schwarz über die Schienen, und ein Nebelstreifen Dszavekk-^eikung. aus dem Bachtale, nicht dichter und nicht breiter alS der Reitschleier einer Dame, kreuzte den Schatten, kaum kniehoch auf dem Geleise liegend. 3ueite Unglück — ein furchtbarer Stoß sch.eudert uns nach vorne — Krachen, Knirschen — das ganze - Geleise ist von blauen, sprühenden Flammen beleuchtet — im Stürzen noch sehe ich. wie die Maschine sich hoch aufbäumt, daß man ihr fast m den Schornstein blicken kann — dann sich hinten hoch emporhebt, einen Strom glühender Lava aus dem Feuerkasten gießend — sehe, wie die Kohle aus dem Tender mit einer dicken, weißen Wassermasse und großen Quadern gemischt, wie von einer Puloermine geschleudert, in die Luft fliegt - wie unser Wagen sich neigt und uns ausschüttet wie einen Sack voll junger Katzen, und dabei dachte ich vollkommen klar: .Ja. ja. es ist aus!' Die fliegenden Quadern waren vom Parapet der Brücke_ je§t geljt es in die Tiefe — dann sprühen mir Funken aus den Augen und alles ist vorbei — mir war, ich ertränke; kalt rings um mich und ich sänke — sänke immer tiefer lange — lange — dann aber hörte ich jemanden sagen: .Nein, der Inspektor ist nicht tot, geben Sie ihm noch einen .® u & fa en — und gleich darauf konnte Aufschlägen und sah den Feuermann Hellwald mit einer Fackel und den Arbeiter Oehme Tendergießkanne über mich gebeugt, letzteren ,m Begriffe, mir eine neue kalte Dusche zu geben, ^m Nu war ich ganz bei Besinnung und auf den ^incnkatznaß, mit dröhnendem Kopfe schüttelte ich mich, probierend, ob alle Glieder ganz. Hier und da brannte und schmerzte es — wer konnte fetzt daran denken! Ich mochte eine Viertel- oder halbe Stunde bewußtlos gelegen haben. Es war pechstnster, das Gewitter war über den Mond herausgekommen: nur zwei von unseren Fackeln brannten noch Bei ihrem düstern Licht und den Blitzen sah ich südwärts eine dunkle Masse über- emandergestürzler Wagen liegen — nordwärts lag dre Maschine auf der Seite und brauste/ sterbend, Dampf und Wasser aus. .Wir sind mir blauem Auge daoongekommcn, Herr Inspektor,' sagte Hellwald, .ich glaube, es ist niemand tot oder schwer verletzt. Einige haben fremch tüchtige Knuste bekommen. Der Führer drin im SmtionLhause, die Bahnwärtersfrau ~ dort sitzen auch ein paar an der Böschung, denen nicht gut zu Mute ist. Keine Antwort — nur Kopfschütteln. . Kerls. - rufe ich, hart von Schmerz und Schreck gepackt, .wenn der Beste von uns auch der einzige Verun gluckte wäre. Kommt, helft suchen l — Fackeln und Laternen her!' . Die Lichter wimmelten in die Gebüsche, ob er vielleicht dorthin geschleudert fei. Ich umschritt mit gackeln den Trümmerhaufen. Ein wildes Chaos dre.fach übereinander, durcheinander, ineinander gestobener Wracks von Fuhrwerken. Doch oben auf allen fast unversehrt, senkrecht aufgebäumt ragte ein schwerer, sechSräderiger Wagen, zwanzig Fuß vom Boden emporgehoben; darunter ein Berg von Splittern, Bruchstücken. Fetzen. Die Gestelle des .Habt Ihr eine Idee, wie die Teufelei gekom- mcn ist. fragte ich, ihm die Fackel aus der Hand nehmend, um den ersten Blick auf die Unglückrstätte zu tun. ' .Freilich, Herr Inspektor - die Bahnarbeiter hatten einkn ckeinen Bahnmeisterwagen im Geleise stehen lassen, und die Bestie mußte doch gerade in den drei Handbreit Schatten und Nebel auf der Station stehen - da sind wir draufgefahren - ausgegceist —die Maschine überschlug sich fast, alles gmg drüber und drunter — auch haben wir den steinernen Perron mitgenommen. Freilich hundert Schrut werter hinten auf der Brücke — da sprächen wir nicht mehr miteinander!' Ich stellte mich aus ein Bruchstück des Perrons und ruf laut meine Leute, einen nach dem andern beim Namen, die ich kannte wie das A B-C. Von allen bekam ich aus Ferne und Nähe aus der Dunkelheit her Antwort, wenn auch von manchem ^^^verbissen. — .Ja, mein Gott! wo ist denn Gebhard? Hilft er jemandem?' Keine Antwort — Aber überall gegenseitiges Fragen. .Ja, wo ist er denn < Hast du — du — du ihn nicht gesehen?' einen Fuhrwerks steckten unter dem Kasten des andern, ein drittes war. zerspaltend, aufreibend, m den Kasten des vierten halb hineingekrochen. Dies lag auf der Seite, jenes kehrte die Räder gen Himmel — schwere Träger — lange Eisen- fchienen starrten, losgerissen, verbogen, wie Spieße allenthalben au« den wüsten Massen hervor — Achsen, mannsschenkelstark, zerknickt — Räder, an U-förmig zusammengedrückten Stahlachsen, lagen "^Ergestreut, bis über den Bahnkörper hinausge- geschleudert — ein grandios-grauenhaftes Monument geMaktlgen Kcäftekampfes. In dem Trümmerchaos Knackte und prasselte es zuweilen noch unheimlich, wenn ein Balken oder Sparren unter der Wucht seiner wildaufge- türmten Last brach; dann und wann stürzte auch em Stück Wagenrad oder eine aus den Angeln gerissene Tür oder eine Tragfeder oder ein Achsenlager von der Höhe des Scheiterberges herab _ wn wagten uns bis unter die überhängenden Massen, wir steckten die Köpfe tief zwischen klaffende Balken und lose liegende, schwere Eisenmassen. _ o eine Spur des Braven oder seiner Leiche! Zuweilen rief ich auch, mein eigenes Be- glnnen verspottend, seinen Namen in die Splitter, und Trümmerklüfte hinein. Halt! - was war das? - Em Wimmern! Täuschung! Unmöglich! Nein, wahrhaftig, es wimmert — mitten im Trümmerverge. - Heiliger Gott! Gebhard steckt — Ü"* Es-tzlichen Masse. .Stillei Ruhe! Ruhe! —donnerte ich unter die arbeitenden und suchenden Leute hinaus, die schon die Werkzeuge zur unsäglich mühsamen Arbeit des Abtragens dieses Berges von fast unlöslich ineinander verknoteten. zerbrochenen Wagengliedern herbeischleppten. — .Gebhard lebt! Er liegt unter dem Wagen- Haufen !* Totenstill wurde es, man hörte die Fackeln knistern und die ersten Tropfen des heranziehenden Gewitters auf Holz und Metall der Trümmer schlagen. schrie ich. tief zwischen das Gebälk kriechend. .Ich lebe! Ich glaube, daß ich unverletzt bin, aber ich kann mich nicht rühren,' antwortete eine leise Stimme. -Warum nicht?' schrie ich wieder. m 'Weil ich eingeklemmt bin zwischen Boden und Wand des zerdrückten Packwagens, auf dem ich gesessen habe.' Wir erstarrten zu Eis und sahen uns mit Kasernen Blicken an. Wie sollten wir den Unglücklichen da herausbekommen? Jede Veränderung der Lage der Trümmer, jeder-Ruck, den wir denn Abräumen derselben taten, konnte ihn ja zermalmen. Da Hub die Stimme drinnen matt, aber klar und deutlich wieder an: »Herr Inspektor, rühren Sie nicht an die zerbrochenen Wagen, solange es dunkel ist. Sie kriegen mich sonst nicht lebendig heraus. Wenn der Balken über mir zwei Zoll herabrückt, bin ich tot.' Mir brach der Angstschweiß aus. Da Hub sie wieder an: .Morgen früh, wenn's hell wird und ich noch versuchen Sie's vorsichtig, mich herauözuholen. Glückt s nicht, ist's gewiß nicht Ihre Schuld — bringen Sie dann — meinen Kindern —' Er schwieg — oder man hörte nichts mehr, denn das Gewitter brach mit Donner und Blitz los Der Regen strömte unablässig hernieder, der Boden wurde weich, manche Stützung gab nach. Anurrend walzte sich manches große Wagenwrack um ewige Zoll, niemand von uns achtete dessen Wir stützten, steiften und festigten, schweißtriefend, als sei der Trümmerhaufen der Tempel Salomonis Zuweilen schrie ich hinein. Man hörte nichts — « war wohl tot. Ich saß auf einem zerbrochenen Rade und weinte wie ein Kind. Es dämmerte — aber noch wagten wir uns nicht an die Arbeit Die Leute alle waren ernst und blaß ; jeder fühlte, daß der geringsten Unvorsichtigkeit, jeder Ungeschicklichkeit vielleicht em uns allen wertes Leben hing Um halb vier Uhr riß das Gewölk im Osten und die ausgehende Sommersonne schien bis ins Innerste des Trümmerberges hinein. Ich umschritt ihn mit dem Lokomotivführer, der sich erholt hatte, berat.-.d welche der miteinander verknoteten Massen war Zuerst hmabzustürzen oder herauszuziehen, daß sie nicht andere mit sich riß und die Lage des Ganzen sich zum Verderben des vielleicht doch noch Leben- den änderte, ihn zerquetschte. Wo sollten wir stützen und festigen, um ihn zu schützen? Wo durften wir wagen, zu bewegen? Wo lag er überhaupt? Plötzlich klang es vernehmlich wieder mitten aus 3n"eftor<* mmern : ' 5etr 3 n fP ett0C - S-rr .Gebhard, lieber Gebhard I Ja, was wollen Sie!' Und dann weiter in mühsam abgebrochenen Sätzen: .Die Sonne scheint jetzt herein zu mir; uh sehe deutlich, wie die Trümmer liegen. — Ich mn — dicht an den Träger des Güterwagens 1020 gedrückt. Können Sie — das Gestell, das darüber und zu dem Blechdache des öfter- reichlichen Hüttelwagens kommen — das mich fast erstickt — ohne daß mich etwas erdrückt — so wäre es wohl möglich, daß ich hinauskliechen könnte.' hinel^^ ^ ben ° ^su"d, Gebhard?' fragte ich' »Ich rveiß es nicht, meine Beine sind ganz starr, der Druck hat über Nacht sehr zugenommen.' Lautlos, ernst und besonnen gingen wir mit unseren besten Winden und Werkzeugen an die Arbeit. Gottlob! Da ragte ja der Puffer de8 Wagens 1020 aus den Trümmern. Er wurde solid gespreizt, gestützt und festgeknebelt. J-tzt galt es, zu dem darauf ruhenden Gestell zu kommen. Bel jedem Stück Holz, jedem Splitter, den wir entfernten, jedem Bolzen, den wir abschraubten, wurde der ganze Trümmerbau besichtigt, geprüft, gefestigt. Wir feilten starke Barren und Stangen, sägten mühselig im engsten Raume dicke Balken und Bohlen durch, bohrten festgeklemmte Stücks heraus, hoben mit den sanftest wirkenden Schraubenwinden — der Schweiß rieselte uns von den Gliedern — und dennoch krachte und knackte es oft. in dem Teuselsgewirre, daß wir meinten, jetzt müßten wir den Todesschrei hören. Der liebe Gott war aber mit uns — gerade als die Sonne gegen zehn Uhr glühend herabzubrennen begann, gelang es mir. die erste Schraubenwinde unter das verfluchte Blechdach des Hüttelwagens zu bringen. Kaum hatte ich die Kurbel drei- oder viermal gedreht und gesehen, daß es sich knisternd hob. 'lang ein tiefes .Gottlob!' aus dem Trümmerhaufen heraus und zugleich ein freieres, lauteres: .Halt! Jetzt nicht weiter an dem Dache, Herr Inspektor, stützen Sie erst die Achse links von Ihnen, sie kommt sonst herab' — ' es geschah — .jetzt schneiden Sie die Stütze vor Ihnen durch — spreizen Sie das Gestell oben etwas sicherer — und jetzt heben Sie mit der Schraubenwinde in Gottes Namen wieder an. - Halt! jetzt genug oben! Ich bin mit dem Oberkörper frei — jetzt lassen Sie unten noch etwas anheben — aber um Gottes Willen vorsichtig, sonst ist's im letzten Augenblicke noch aus mit mir!' Plötzlich rappelte und rührte es sich in den Trümmern und — unter dem Blechdach des ver- - dämmten Hüttelwagens kroch unser Gebhard eilends heraus auf allen vieren, mit entsetzten Blicken hinter sich- schauend, bis er aus dem Bereiche deS furchtbaren Trümmerberges war — dann ließ er sich flach auf das Gesicht ins naffe Gras fallen und der Körper des starken Mannes schütterte vor Schluchzen — durch das hindurch man nur die Namen seiner Kinder hörte. Dann aber stand er fest auf, reichte mir und dem Lokomotivführer, dann allen denen, die blaß und froh umherstanden, die Hand, ging ins Haus, trank ein Glas Wein und irajavcff-3etfung. ein zweites — kam dann heraus und sagte nur: .Unter den Sabeln und Husen der französischen Kavallerie war's besser als da drin," und aus voller Brust: .Gottlob!" — Als eine Stunde darauf ein Zug mit den Oberbeamten von der Hauptstation anlangte und die Nachricht brachte, daß nur ein leichter Defekt den Zug, dem wir zur Hilfe ausgefahren waren, den wir aber in der eigenen Not fast ganz vergessen hatten, genötigt, habe, das Hilfssignal zu geben, fanden die Herren Gebhard als den unerschrockensten der Leute beim Abräumen des Trümwerberges. Wie wir aber die Bestien von Wagentrümmern mit Ketten und Lokomotiven herab und beiseite rissen und vierteilten, wie wir ste mit Winden und Hebebäumen stürzten und auseinanderspalteten, um die Bahn so schnell als möglich freizumachen — das war jetzt eine Lust! Mittags rollten die Züge zwischen den Trümmerhaufen hindurch und an der toten Lokomotive vorbei über glatte Bahn, und aus 'allen Fenstern derselben'schauten die Passagiere mit entsetzten Gesichtern auf das, Ewas auf der Eisenbahn passieren kann!" . ' Abends aber erzählte ich dann Gebhards Töch- terchen, meinem Liebling, wie nahe daran sie gewesen sei, eine Waise zu werden. Das Kind schüttelte aber den blonden Kops und sagte lächelnd: .Du siehst ja aber, Onkel Inspektor, daß der liebe Gott es nicht gewollt hat!'' . 9 per Kampf geht nicht um geographische Namen. Hermann Steqemann, der bekannte schweizer Militärkritiker, dessen großangelegte .Geschichte des Weltkrieges" sich auch in Deutschland eines berechtigten Ansehens erfreut und dem Verfasser viele Leser gewonnen hat, schreibt im Berner .Bund" vom 25. August: Die Offensive der Verbandsmächte ist in ihre zweite Phase getreten. Aus der Stoßoffensive ist eine Druckoffensive geworden, die sich in schweren Schlachten zäh, blutig, krastverzehrend nach Nordosten wälzt. Man kann die Kennzeichnung der Fochschen Angriffe als Druckoffensive vom 18. August datieren, also aus den zweiten Monat seiner strategischen Gegenoperation anwenden, die am 18. Juli zwischen Marne und Aisne begonnen hat und heute die ganze Frontmitte der Westfront erfaßt hat. Von Soissons bis Arras greifen die Franzosen, Engländer und Amerikaner in großen Verbänden und mit der ganzen Fülle ihres technischen Rüstzeuges an, während.an den Flügeln Teilangriffe stattfinden, die im Tal der Lys besonders heftig lind und dort wohl auch operativer Absichten und Bedeutung nicht entbehren. Die Schlacht schleppt sich weiter. Die Verbandsmächte setzen sie nicht nur auf dem Gebiet, sonderu auch im Geist der ersten Sommeschlacht fort, die Deutschen verzichten daraus, sie in einen bestimmten geographischen Rahmen zu spannen, und weichen unter dem Druck des Gegners in elastischer, dem Bewegungskrieg angenäherter Verteidigung aus die Zonenbesestigungen, die sich von Lille über Cambrai und St. Quentin nach Laon erstrecken. Erst dort kann unter Umständen ein neuer operativer Gedanke ausblitzen. In ähnlicher Weise schreibt ein Franzose. Unsere Soldaten rücken nach Noyon und Lassigny vor, Namen, die bei uns einen unvergleichlichen Klang haben, schreibt Lson Bailby im Pariser .Jntran- sigeant". Aber im Grunde genommen sind es doch nur Namen. Ob die Deutschen diese verwüsteten Städte besitzen oder nicht, ist nur dann von Bedeutung, wenn sie den Besitz einer Straße, einer Eisenbahn oder einer strategisch bedeutsamen Höhe darstellen, sonst sind weder Noyon noch Lassigny das Blut eines Franzosen wert. Deshalb darf man das Rundschreiben Ludendorffs nicht ins Lächerliche ziehen, das seinen Armeebefehlshabern empfiehlt, nicht der geographischen Eigenliebe nachzugeben, die die Verteidigung oder Wiedereinnahme -eines Gebietes zu teuer bezahlen läßt. Seien wir aufrichtig — auch wir haben die Richtigkeit dieses Gedankens ein wenig spät verstanden. Wie viele Monate lang ist unser schönes Heer von 1914 unnützerweise von Führern aufgebraucht worden, die noch ganz von rhrem persönlichen Ruhmesscheine durchdrungen waren, gegen unnütze Ziele, die nicht mehr wert waren als eine Sandburg, um die sich die Kinder am Strande streiten. Man schlägt sich nicht um den Ruhm, Ludendorff hat Recht. Man schlägt sich, um den Gegner zu besiegen. Der Kampf gegen den deutschen Heist. Der Sonntags-Nummer der .Krieger-Zeitung" des Kyffhäuser-Bundes (Deutscher Kriegerbund) entnehmen wir die folgenden Ausführungen: Der Feind hat neben dem Kamps gegen die deutschen Waffen den Kampf gegen den deutschen Geist ausgenommen. Diese Warnung an Heer und Heimat stellte der Generalfeldmarschall v. Hinden- burg an die Spitze seiner Kundgebung. Der Glaube des deutschen Volkes an die eigene, in vier Kriegsjahren erwiesene Krast soll durch die systematische Propaganda feindlicher Agenten und Flugblätter untergraben werden, und Kleinmut in den eigenen Reihen kommt der Wirkung des feindlichen Giftes entgegen. Warum? Weil wir im Westen, freiwillig dem Gegner ausweichend, erobertes Gebiet Preisgaben? Ist das Anlaß zum Zweifel an Krast und Sieg? Wie ist denn die Lage? Wir bewegen uns auf Feindesboden, und es ist gleichgültig, wo wir aus ihm unsere Schlachten schlagen, wenn wir den Gegner nur von den Fluren der Heimat fernhalten und ihn schwächen, wo und soviel wir können. Das haben wir vier Jahre lang getan und tun es noch. Wir haben Rußland und Rumänien zum Frieden gezwungen, der Balkan ist fest in unserer Hand, in Italien stehen unsere Verbündeten weit drin im feindlichen Lande. Zur See muß England, das sich so gern das meerbeherrschende nennen ließ. Tag um Tag die unverändert erfolgreichen Angriffe unserer U-Boote gegen seine Handelsflotte aushallen. Also wie liegen denn die Dinge? Die Sieger sind wir! Und daß wir's bleiben, dem muß jetzt all unsere Anstrengung gelten. Nicht nur draußen an der Front, sondern auch drinnen in der Heimat, und drinnen wie draußen in der Einstellung unseres Geistes, denn von ihr wird es abhängen, daß wir die Sieger bleiben. Das weiß der Gegner. Darum seine Offensive gegen den deutschen Geist. Aber im deutschen Volke wissen's anscheinend noch nicht alle. Es muß die Gefahr erkennen, in die es gerät, wenn es jetzt Nerven und Willen und seelische Kraft verliert. Niemand darf sich darüber einer Täuschung hingeben, daß die Gegner Deutschlands Vernichtung wollen. Zu den Stimmen aus England und Frankreich, die diese Absicht seit vier Jahren unverhüllt zur Schau tragen, gesellen sich in jüngster Zeit immer mehr auch solche aus Amerika. An die Stelle der humanitätstriefenden Phrasen Wilsons ist der brutale Wille der Gewalt getreten. Deutschland kämpft um sein Bestehen als Staat und freies Volk! Und darum muß Volk und Heer in dem einen einig sein: Es gibt für uns niemals ein: Hände hoch! Denn damit, aber auch nur damit, wären wir in der Tat wehrlos und verloren. Das zum Bewußtsein aller, und dieses Bewußtsein zum eisernen, unerschütterlichen Kampfwillen zu machen, das ist jetzt die Forderung der Stunde. Immer wieder tauchen in der Tagespresse Nachrichten auf, daß da und dort Kriegsbeschädigte als Hausierer ihr Brot verdienen müssen, daß die armen Leute, die sich oft mit dem Gehen hart tun, von Haus zu Haus ziehen müssen, um pfennigweise ihr Brot zu suchen. Was ist da Wahres daran? Soll wirklich der Drehorgelinvalide unseligen Angedenkens wieder in neuer Auflage erscheinen? Die Allgemeinheit, wie auch die Kriegsbeschädigten stellen beunruhigt diese Frage; beide haben ein Recht auf eine eindeutige klipp und klare Antwort. - Wenn heutzutage ein Kriegsbeschädigter behaupten wolle, er könne sich sein Brot nicht anders verdienen als durch Hausieren, so ist das offenbar eine völlige Verkennung der Sachlage; es ist nicht richtig, daß der Kriegsbeschädigte lediglich seiner Verwundung wegen gezwungen ist, gerade diesen Beruf zu ergreifen. Wir unterscheiden aber dabei wohlgemerkt zwischen .Hausierer" und Hausierer; dem Stande als solchem soll keineswegs zu nahe getreten werden, die Standesangehörigen wissen aber nur zu gut, wie sehr sie selbst unter der Konkurrenz jener.Berufsgenossen" zu leiden haben, die irgend ein körperliches Gebrechen recht sichtbar zur Schau tragen (so z. B. wenn einer, der den Fuß oder ein Bein verloren hat, absichtlich mit Krücken geht und ablehnt, ein Ersatzglied zu tragen^und die das Gewerbe lediglich deshalb betreiben, um dadurch mit dem Schein eines geschäftlichen Angebors an wehr Menschen heranzukommen. Der Zweck ist zu durchsichtig, als daß er nicht sofort von jedem anständig denkenden Menschen erkannt und mit ehrlicher Entrüstung abgewiesen würde: es handelt sich um jene üble Form von Bettelei, gegen die man in den wenigsten Fällen einschreiten kann, weil eben der Betreffende einen Wandergewerbeschein in der Tasche hat, mit dem er sich gegen Belästigung durch die Polizei deckt. Es ist dies eines der trübsten Kapitel auf dem Gebiet des öffent'ichen Wohlfahrtswesens, gegen das man wohl stets erfolglos an- kämpsen wrrd, iyeil die breite Allgemeinheit diese Art der Bettelei zumeist begünstigt und nicht selten das Einschreiten behördlicher Stellen hindert. Wie steht . nun drr aufrecht denkende Krieas- beschädigte zu einem derartigen Beginnen? Er lehnt es rundweg ab — und das mit gutem Recht, denn: fürs erste widerstrebt es jedem rechtlich denkenden Menschen, von seinen Mitmenschen eine Gefälligkeit zu verlangen, ihr Mitleid in Anspruch zu nehmen, ohne eine gleichwertige Gegenleistung zu bieten; fürs zweite sträubt sich das soldatische Ehrgefühl dagegen und fürs dritte hat der Kriegsbeschädigte für den Fall, daß er seinen Beruf wirklich nicht mehr ausüben kann, einen Anspruch auf regelrechte Versorgung und Fürsorge. Den Anspruch auf Mitleid, das man durch ein paar Pfennige ablöst, lehnt jeder Kriegsbeschädigte mit Fug und Recht ab! Mitleid braucht der Kriegsbeschädigte um so weniger, als durch die großzügig organisierte Kriegs- beschädigtensürsorge doch eine Gewähr dafür geboten ist, daß wohl jeder willige und arbeitssreudige Kriegsbeschädigte eine Arbeitsmöglichkeit finden kann, die seinen Verhältnissen entspricht und ihm sein Fortkommen sichert. Wenn es heute gelingt, sogar Blinde, die man doch allgemein zu den Aermsten, Härtestbetroffenen unter den Kriegsbeschädigten zählt, in lohnenden Arbeitsverhältnissen in der Industrie und im Gewerbe unterzubringen, so ist die Angabe, daß es dem Betreffenden trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen ist, eine geregelte Tätigkeit aufzufinden, doch ziemlich unglaubwürdig. Eines steht zweifellos fest: Jetzt, wo alle Kräfte, auch die früher unbrauchbaren. herangezogen werden, um den geregelten Gang des Volkslebens aufrecht erhalten zu können, ist es gänzlich ausgeschlossen, daß man für eine einigermaßen arbeitswillige Krast kein geeignetes Betätigungsfeld ausfindig machen kann. Man darf ruhig sagen, daß derartige Behauptungen beweisen, daß der Betreffende kein allzugroßer Freund einer geregelten Tätigkeit ist, und daß er es vorzieht, als .Hausierer" von der Hand in den Mund zu leben. Der systematische Ausbau der Fürsorge ermöglicht es, auch Schwerstbeschädigten eine gesicherte Zukunft zu verschaffen; die Fälle, in denen Amputierte in -Dauerstellungen untergebracht wurden, zählen nach Tausenden. Freilich ist dabei notwendig, daß der Kriegsbeschädigte sich an die Erfordernisse der Stellen anpaßt, daß er willig die anfallenden Arbeiten übernimmt und sie nach bestem Können durchführt. Ehrliche Arbeit findet immer ihr Brot — und wo Der Wille zur Arbeit vorhanden ist, braucht einem vor der Not nicht bange zu sein! Es ist das auch ein Punkt, der vielfach übersehen wird. Derartige Berufstätigkeit als Hausierer wird nicht selten als Verlegenheits- oder Gelegenheits- raiaecff-Bcifuttg. Beruf aufgefaßt — ein Makel, der nicht selten mit dkm des Faulenzers verbunden wird — und den baben unsere Kriegsbeschädigten, die Leben und Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben, wirklich nicht verdient! Wie schon gesagt: der aufrechte Kriegsbeschädigte versucht es vorerst im erlernten Berus; gelingt es rhm nicht/ hier ausreichendes Brot zu finden, dann rm Benehmen mit den Fürsorgestellen und Berufsgutachtern an einen neuen Beruf heran! Aber nur kein Mitleid. Wenn ich schon etwas beanspruche, dann mein gutes Recht, aber keine Gnade! Ein Necht habe ich nach vollbrachter Arbeit auf den ausgemachten Lohn, ein Recht habe ich auf ausreichende Versorgung, wenn meine Arbeitsunfähigkeit einwandfrei nochgewiesen ist. ein Recht habe ich auf die Hufe aller Einrichtungen, die sich die Hilfeleistung und Fürsorge für die Kriegsbeschädigten zum Ziel geste^. haben. Ich brauche mich deshalb nicht an die Allgemeinheit zu wenden in der Form der unmittelbaren oder mittelbaren Inanspruchnahme- des Mitleids der andern, sondern ich will nach bestem Können eine geregelte Tätigkeit ausüben und Mitarbeiten auf dem Platz, den ich ausfüllen kann. Das ist der Stolz und d-'e Ehre des Kriegsbeschädigten. ^ Dieses Recht auf die Selbstachtung wird dem Kriegsbeschädigten kein Mensch versagen, sondern wird sich innig dessen freuen und tun, was in seinen Kräften steht, um dielen Geist zu wecken und zu pflegen. Und darum: keinen Hausierteruf für unsere Kriegsbeschädigten! Wie der Soldat bn der Fahne ausgehalten hat, so der Kriegsbeschädigte ,m erlernten Beruf! Rur keinen Verlegenheitsberuf! ö Beratung pie Kriegsöeschädigtenfürlorge. Aus dem Arbeitsgebiet des Keichsausschusses. Die Vielgestaltigkeit der Aufgaben, die mit der wachsenden Zahl der Kriegsbeschädigten an die Fürsorge herantrater. machte schon früh eine organische Zusammenfassung aller an ihrRn mitarbeitenden Stellen notwendig. In dem Reichsausschuh für Knegsbeschäoigrenfürsorge zu Berlin schufen sich die einzelnen Hauptfürsorgeorganisationen die erforderliche Spitze. Als wesentlichstes Ergebnis der nun bald dreijährigen Arbeit desselben bezw.' seiner Geschäftsstelle ist wohl zu buchen, daß er in allen wesentlichen Fragen ein gleichmäßiges Arbeiten der verschieden zusammengesetzten Fürsorgeorganisationen herbeiführen konnte. Dieser Erfolg findet in der Tatsache eine wesentliche Ergänzung, dah die Vertreter der Einzelorganisationen in dem Reichsaus- schuß durch den Austausch der hier und da gemachten Erfahrungen in die Lage versetzt wurden, vorbildliche Einrichtungen in einzelnen Bezirken überall im Reiche nachzubilden. So konnte die Arbeitsmethode der Fürsorge in einer Weise ausgebildet werden, dah sie in den Reichstagsoerhandlungen am 22. Juni die Anerkennung aller Redner zum Haushalt des Pensiontzfonds fand. Zur Vorberatung der auf dem Gebiete der Fürsorge auftauchenden Fragen hat der Reichsausschuh zehn Sonderausschüsse gebildet, in denen neben den Vertretern der Hauptfürsorgeorganisationen auch militärische und bürgerliche Behörden. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Vertreter der Reichstagsparteien, der Aerzteschaft und größerer Wohlsahrts- verbände Mitarbeiten. Die Regierung ist bei den Verhandlungen des ReichSarbeitsauSschusses und der Sonderausschüsse durch Beauftragte der zuständigen Ministerien und Reichkämter vertreten. Zu den brennenden Fragen der Rentenreform. der Ausgestaltung des Kapitalabfindungsgesetzes und der Neuordnung des Spruchverfahrens in Renten- sachen hat der Reichsausschuh richtunggebende Vorschläge an die Reichs- und Staatsbehörden gerichtet, die auch Gegenstand der Debatte in den oben zitierten Reichstagsverhandlungen bildeten. Als Erfolg der Arbeit auf diesem Gebiete ist wohl auch die von der Negierung in diesen Verhandlungen angekündigte Gewährung von Teuerungszuschlägen zu den Renten anzusehen, die bis zur endgültigen Durchführung der Rentenreform die gröbsten Härten der heutigen Rentenversorgung ausgleichen dürsten. p rMt f_I e ber Lazarett-Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten bct Lazarett-Zeitung dienen. Jede, btf prägen, die er auf dem Herren dat seien fli s^i^ «chtlicher Natur oder wie immer, 0" d e Lazarett-Beratung richten. SS soll auf jede Antwort gegeben und die Möglichkeit ge« SSJS f-f» SB wrtl *c m " »Hffioun. ... Ricken . "l^-rlich. Die Zentralstelle der H t» 5 » bfn verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. ^ jpfonfer g. M- Frage: Ich geriet im Juli 19 rrL r 5^. e Gefangenschaft, wobei mir vom russtschen Militär Taschenuhr und etwas Bargeld abgenommen wurde. Auch erhielt ich von meinen Angehörigen öfters Geldsendungen, die ich bei der Rückwanderung nach Deutschland verbrauchte. Habe ich Anrecht auf Vergütung von Uhr und Geld? - Antwort: Eine Vergütung kann bei beson- deren Ausgaben bei Rückkehr ans der Gefangenschaft nur durch das Kriegsministerium bewilligt werden an dos Sie sich auf dem Dienstwege wen- den wollen. Musk. I. K. Frage: Ich erhielt von memem Truppenteil zehn Tage Urlaub, ein telegraphisch erbet-ner Nachurlaub von zehn Tagen wurde mir ebenfalls bewilligt, doch .wurde mir bei der Rückkehr de Mitteilung, daß mir für die letzten l» Verpflegungsgeld zustehe. Entspricht das den Bestürmungen? — Antwort: Es ist mcht richtig, dah für Nachurlaub im allgemeinen Verpslegurgsgeld nicht gewährt wird. Beantragen S,e auf dem Dienstweg höhere Entscheidung. - Frage: Ist es angängig, dah ich wahrend des Lazaretlaufentholtcs zum Arbeitsdienst kommandiert werden kann? — Antwort: Wenn Ihr Gesundheitszustand es gestattet, so können Sie wahrend des Lazarettaufenthaltes gleich wie bei der truppe zum Arbeitsdienst kommandiert werden. Kren. K. K. Frage: Sind die im Offiziersrang stehenden Angehörigen der deutschen Feldpost Militarbeamten gleichzuachten und müssen sie demnach gegrüßt werden? — Antwort: Nach den gegenwärtig geltenden Bestimmungen sind diese Angehörigen der deutschen Feldpost Militärbeamte und müssen gegrüßt werden. Wenn uns die Stadt nur gäb' mehr _ Sann könnte man sich einmal — Fritz war gefallen aus das — Drum klebt der Arzt ihm auf ein - Ich möchte gern den Kuchen — Indessen fürchte ich die — - Doch will die Mutter Kuchen — Dann kauen wir mit vollen — Ich wüßte gern, aus welcher! — Schulz will, die G. m. b. H. — Der Kartenspieler sprach: Sie gütigst mir. ich Hab' —" Wenn ich den Kerl nur eir.mal — Der Butter stahl aus meinem — Beim Rudern krieat man häufig — Die hindern sehr leim Flöte — Der unverschämte Gauner — Beim E.senhändler ein Stück — „Ach!" seufzt die Fron, „als (ch war —, Ta war ich aller Sorgen —" Wenn ich beim Deklamieren — Dann droht ö»r Lehrer mit dem — ..Pfui!", sprach voll Zorn das junge _ „Der Käse ist ja voller —!" Die vorstehenden Sätze sind dadurch zu ergänzen, daß statt der Striche gleichlautende Haupte oder Zeitworte eingesetzt werden. X atn Lieck. Sehr freuen würde es uns, wenn unsere Leser uns weitere Ergänzungsrätsel einsendeü würden. ütsel ^'s! Was sie bedeuten fing niemals an; Fuß vom ersten Worte, 'uf ertönt alsdann, beim zweiten Worte, Was bfttfjf, ist heut von großem Wert; Wer es besitzt, der wird beneidet. Es w'.rb von alt und jung begehrt. _ Xaver Lieck. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein-- sender bis 15. Oktober einzusenden an die Lazarett-^ Zeitung, Frankfurt a. M.. Theaterplatz 14. Au? dem Briefumschlag soll das Wort .RätsellösungE stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn sie vollständig sind. Zwei Hört ni- Nimm Ein Das gl§ch^ _ MI IVf. _ Mirrrvar. Die folgendes Buchstabkn: nnrfugatew t i a b r r o gnnbaare unndsoaehr buufkrenae ddttaeersunf n n a u V a a r t t t s tedeannümrg jeweils so zu ordnen, dah eine deutsche Stadt entsteht. Sind d:e Städte richtig gefunden, so ergeben ihre Urisangsbuchstaben von oben nach unten ge- lesen wieder eine deutsche Stadt. _____ > R. L. Ergännrngsrütlel. • .Treten Sie näher!" sprach der — Und machte einen tiefen — Zum Ankauf möcht' ich Ihnen — Bezahlen können Sie in — . A. sprach zu seinem Freund: .Nun — Der Dichter X. bekommt ein — l" .Was nutzt mich", sagt der. .eine —, Ich zöge vor ein fettes —!" Den Fürsten nannte man einst —, Der mit den Seinen hin und — Auflösungen ;u den Rätseln der vorigen Nummer. Walyemat. Äufgave: Der Spruch des Richters war gereckt, denn: 8 Brote waren da. für 3 Mann; jeder aß also 8 | 3 Brote. Der eine gab 5 = aß davon «j, und gab also ^idem angekommenen Araber. Der anderederBeduinen nahm 3 — '' 3 Brote aus seinem Beutel, atz davon g | 3 und konnte also dem Gaste nur " 3 Brot geben. Deshalb mußte der eine für die 7 | 3 Brote, die er dem Fremden -ab. die Belohnung von sieben Goldstücken, der andere für 'j, Brot, das er abgab. ein Goldstück bekommen, da der Fremde acht Goldstücke gab. " ” Worträtsel: .Lachsforelle." Grgäuzungsrätsel: .Buche — Lachen — Weinen — Fliegen — Bergen — Baden-Baden — Bank — Stock r— Kriege — Hüten — Grauen — Platz.' preise zu den Auflösungen der vorletzten Nummer. 1. Milet: „Die beste Verteidigung ist der Angriff". 2. Rätsel: „Rabe. Rebe, Robe, Rübe". 3. Sättel: „Kaufen, lausen, raufen, saufen, taufen". Es liefen dieses Mal so viele richtige Lösungen ein. daß wir durch Los nur die folgenden 12 Einsender mit Vreisen bedenken konnten: San.-Üntoffz. Fechtig. Heuberg: Gefr. Knecht. Frankfurt; San.-Geft. Wappler, Hanau; Schütze Eifert. Frankfurt; Gefr Plauk. Rappenau; Kanon. Groß, Frankfurt; Musk. Lamprecht, Nordhausen; Sergt. Jost, Reichelsheim; Arm-Sold. Oberholthaus, Fulda; Einj.- Gefr. Poller, Frankfurt; Musk.Bcrtsch. Frankfurt; Wachtmeister Nocke, Darmstadt. Die Lazarett-Zeitung erscheint zweimal wonatttch. Den Verwundeten. Kranken und Genesenden Im «eztr» bei XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht fie tm Lazarett - unentgeltlich zur Verfügung. Zuschriften find zu aoressteren: Lazarett-Zeitung. Frank, furt a. M. Dbeat ervlad 14. Verantwortliche Schriftlettung ehrenamtlich Dr. Larl Gebhardt in Frankfurt a. M. Druck von^L öder £ (io.; Frankfurt o. Glbestratz« st Nummer 22. 1. Oktober 1918. ES gilt der Spruch leider als ein welthistorischer Spruch: .Der Wols zerreißt den, der sich zum Schafe machte Alle Völker müssen früher oder später für das büßen, was sie ver- gessen oder verjüumt haben, zur rechten Zeit zu tun. Ernst Moritz Arndt. Kameraden! ... Mit seiner vollen Kraft setzt sich der Mann jür seines Volkes Sache ein, mit Gut und Blut, mit allem was er ist und hat. Oder ist es Mannes Art, etwas Halbes zu tun? Nein! In der Pflichterfüllung gibt eS keine Grade. Entweder — oder! Wer nicht alles hergibt, hat alles verweigert! Was wir tun, wollen wir mit herzhafter Entschlosienheit ganz tun. r Glaubt nicht, Eure Pflicht erschöpfe sich im bloßen Soldatsein. Sagt nicht, als Soldaten tätet Ihr genng und die „anderen* sollten Kriegsanleihe zeichnen. Grade so, als ob Ihr im Kampfe sagen wolltet: Nur mit den Füßen, nicht mehr mit Kopf und Hand wollen wir der gemeinsamen Sache dienen. Mit frechen Herausforderungen begegnen die Feinde unserer Friedensbereitschaft. In dieser höchsten Not gibt das deutsche Volk alles her, was in ihm steckt. Erst wenn das gemeinsame Ziel erreicht und die Grundlagen zum Weiterleben fürs deutsche Volk gesichert sind, darf jeder wieder seinen eigenen Weg gehen und seine eigenen Ziele verfolgen. Solange wir unsere volle Kraft einsetzen, wird der Feind unseren Siegeswillen nicht brechen. Lastet uns dafür sorgen, daß uns nicht beschämender Mangel an Weitblick, Einsicht und Pflichtgefühl die wunderbare Kraft unseres kämpfenden Armes lähme! Wir wollen nichts Halbes tun. Denn das ist nicht Mannes Art. Auch der Soldat zeichnet Kriegsanleihe. Gefr. Walter Hammer. Schlagworte. Der Ausdruck ist noch nicht alt; ich vermute, man redet erst in neuerer Zeit so recht in „Schlagwörtern*. Die alte Zeit kannte daS Wort noch nicht. Aber heute hat man so unheimlich vielerlei zu tun. Da kann man sich nicht lange Mühe geben, die Dinge zu erforschen und aus den Grand zu gehen. Man macht's sich bequemer. Die Menschen werden sortiert, wie ein Warenlager; die Meinungen und Anschauungen werden hübsch in Päckchen verpackt und mit einem bestimmten Schlagwort versehen. Dann braucht man gar nicht mehr zu prüfen. Wenn man z. B. nur das Wort „Alldeutscher* oder .Sozialdemokrat* hört, ist man „fertig* damit. Was der Mann sagt, wie er es begründet, ist ganz einerlei. Man weiß ja, wohin er gehört, und hat dazu noch den Vorteil, daß man sich in seinem Urteil sehr gebildet vorkommt, weil man — ja, weil man alle die politischen Schlagworte beherrscht, wie der Setzer seine Buchstaben im Kasten. Mit Schlagworten will man seinen Gegner schlagen, erschlagen. Mausetot erscheint jeder, der mit einem Schlagwort gekennzeichnet wird. Herrlich, ganz herrlich l Ich bin der törichten Meinung, daß wir Deutsche schon längst gesiegt hätten, wenn wir uns nicht so viel mit Schlagwörtern töten würden. Alles Ernstes glaube ich, daß unsere Feinde absichtlich so viele „moralische* und .rechtsphilosophische* Worte in ihren diplomatischen Reden verwenden, weil sie unsere deutsche Schwäche kennen, sich über solche Worte, wie .Selbstbestimmungsrecht* oder .Völkerrecht* oder.Moral* möglichst viel zu zanken. An jedem Zank der deutschen .Schulmeister* untereinander hat er dann seine höllische Freude. Früher hielt ich den Herrn Wilson für einen .Philosophen*, den der Zufall irrigerweise an die Spitze eines Staates gebracht habe, den ec nun mit seinen .moralischen Ideen* zu regieren versuche. Heute denke ich anders. Wrlson ist ein fein geriebener, diplomatischer Geschäftsmann, der alle diese sittlichen Redensarten mit großer Geschicklichkeit verwertet, um unS Deutsche in einen Hader unter uns gegenseitig zu verstricken. Ec nimmt sie nicht ernst; aber er weiß, daß wir sie ernst nehmen und jubelt, daß wir unsere Kraft mit Erörterungen vergeuden, statt sie zu sammeln und zu sparen füc den Endsieg. Das amerikanische Geschäft ist für ihn die Hauptsache, woraus ich ihm gar keinen Vorwurf mache. Wohl aber wünschte ich, daß uns Deutschen unser deutsches Vaterland und seme Zukunft auch das Allereinzigste wäre, das wir berücksichtigten. Deutschland bleibt unser Heiligtum. Erinnern wir uns einer sehr ernsten Rede, die Kitchener einst gehalten hat. Wir haben den Mann 1914 so auSgelacht, wie manche heute noch über Lloyd George lächeln. Jenes Lachen »st uns teuer zu stehen gekommen. Kitchener wußte, was er wollte, und wollte, was er wußte. Im Dezember 1914 war es, daß er zum Vertreter der Ehicagoer Zeitung .Tribüne* sagte: .Wir werden trotzdem den Krieg gewinnen. Wenn wir ihn nur auf lange Sicht unbegrenzt führen, so wird das deutsche Volk, weil es von Natur dm Frieden liebt, seine Regierung zwingen, den Frieden zu suchen und schließlich um jeden Preis.* So der englische General. Die deutsche Friedensliebe kennt er. Er schätzt sie nicht. Ec stellt sie nur wie ein Kaufmann in sein eigenes Konto herein und bucht sie dort unter .englischen Gewinn*. Uns Deutschen springt das Herz höher bei dem Wort .Frieden*. Wir lachen wie die Träumenden und sehen Knospen im Frühling. Halt, du lieber D utscher! Der Kitchener wußte das, Lloyd George und das ganze englische Volk w.ssen das. Uns ist er eine Idee, ein Ziel. Sie spekulieren daraus, wie der Konkurrent aus den Bankrott seines Gegners. Dem Engländer ist Friede so egal, wie Krieg, wenn er nur gewinnt. Darum lautet heute des Engländers Rechnung so: .Die Deut chen sind in den Frieden vernarrt. Sie halten es doch nicht aus. Sie haben zu viel Gemüt und echte Sittlichkeit. Also brauchen wir uns nicht zu ängstigen. Sie kommen uns doch und sind zuletzt auch mit dem Frieden um jeden Preis zufrieden.* So narrt uns England, weil es immer nur rechnet, aber nicht fühlt. Wir wären Narren, »venn wir ihm jetzt, wo ihm die Wasser an den Hals gehen, helfen würden. Wehe dem, der in Deutschland sagt: .Ein Narr, wer noch an den deutschen Siez glaubt.* Kitchener lacht noch heute im Meeresgrab, daß er die Deutschen so einfangen konnte und solch erbärmliche Losung in Deutschland möglich wurde. Nur vor einem hat der Kitchener Angst — der Hindenburg will »virkllch siegen und ec kann siegen, wenn sein Volk geschlossen hinter ihm steht. Gott schenke uns den Steg und segne ihn uns! Wer England besiegt, bringt der Welt den Frieden. G. Traub. Das Interesse der Arbeiter am Stege. Alle Schichten des deutschen Volkes, und ganz besonders die arbeitenden Klassen, sind am Siege unserer Waffen in höchstem Grade interessiert. Das geben unseren Arbeitern ihre Kollegen im feindlichen Ausland hinreichend deutlich zu verstehen. Man braucht gar nicht bic Reden der englischen und französischen Staatsmänner zu lesen, um zu begreifen, daß nur unser Sieg ein für den Arbeiter erträgliches Los bedingen kann; wohin unsere Arbeiterschaft gebracht werden soll, das erfahren wir ebensogut aus den Worten und Taten der Arbeiter jener Länder. Ohne Sieg gehen uns die Kolonien unwiederbringlich verloren; ohne Sieg haben wir nicht die Möglichkeit, die für unsere Industrie erforderlichen Rohstoffe au8 überseeischen Ländern hereinzubringen; ohne Sieg können wir nicht die Kohlen- und Erzlager westlich vom Rhein, durch deren Besitz wir vom Ausland bis zu gewissem Grade unabhängig sein können, halten und im Dienste unserer Industrie ausbeuten; ohne Sieg sind wir nicht fähig, dem Weltmarkt unsere Erzeugnisse, die Frucht unserer Arbeit, zuzusühren und damit als gleichberechtigte Konkurrenten anderer Völker unsere Existenz zu behaupten. Was uns bevorsteht, wenn wir nicht siegen, offenbart sich deutlich in dem Willen unserer Gegner, und bei ihnen in hervorragender Weise gerade der Arbeiterschaft, den Krieg bis zum Siege fortzufahren. Sie wollen uns auf die Knie zwingen, um uns in der Gemeinschaft der Völker zu entrechten; hat doch erst kürzlich ein Mitglied des englischen Oberhauses ausgesprochen: .Wenn wir einen Weltgerichtshos haben werden, so »st es theoretisch selbstoerständlich, daß der Bund alle Staaten einschließen muß; aber der Gedanke, daß Deutschland in einen solchen Bund ausgenommen wird, ist schwer zu denken*. Und neben dieser Entrechtung steht für uns die Versklavung, die Verelendung in ihrer ausgeprägtesten Form. Wohin soll der deutsche Arbeiter gelangen, wenn Rohstoffe fehlen, wenn Absatzgebiete verschlossen sind, wenn aus Ein- und Ausfuhr von den meerbeherrschenden Gegnern Zölle gelegt werden, die eine lohnende Arbeit ausschließen? Wenn Rohstoffe fehlen, müssen ganze Zweige unserer Industrie stillgelegt werden, und viele Tausende von Arbeitern haben kein Brot. Durch Abwanderung in andere Industrien würde das Arbeiterangebot dort so gesteigert, daß die Löhne außerordentlich gedrückt werden müßten. Rohstoffmangel ist für unsere Arbeiterschaft ein unerträgliches Unglück. Sind aber Rohstoffe da und uns fehlen die Absatzgebiete, dann tritt dasselbe ein; die Industrien können nicht w.'iterarbciten, da ihre Erzeugnisse keine Käufer finden. Und beides, Rohstoffmangel und Fehlen von Absatzgebieten, tritt ein, wenn es den Feinden möglich ist, durch hohe Zölle unseren Handel lahmzulegen. Diese Möglichkeit aber können wir ihnen nur nehmen, wenn wir'sie so besiegen, daß wir sie zu den für uns erforderlichen Handelsbeziehungen zwingen. Machen wir vorher Frieden, so begehen wir gerade an der Arbeiterschaft ein Verbrechen. Aber es ist uns ja gar nicht möglich, vor dem Siege Frieden zu schlleßen, da unsere Feinde nicht bereit sind, den Krieg zu beendigen, bevor sie ihrerseits uns besiegt haben. Sie sind sich dessen bewußt, daß den Arbeitern nur desjenigen Landes ein erträgliches Los bevorsteht, das aus diesem Ringen unbestritten als der Ueberlegene hervorgeht. Vor kurzem kam aus französischem Munde daS Bekenntnis, Frankreich sei durch seine Verbündeten gezwungen, den Krieg bis zum siegreichen Ende durchzusechten, es stehe vor der Wahl: Sieg oder Hunger. Und so eigentümlich es auch klingen mag, »vir befinden uns mit Frankreich in der ganz gleichen Lage; auch für uns heißt es: Sieg oder Hunger! Es ist eben kein.Krieg, von dein die Kronen wissen*. Es ist ein Ringen um die Existenz der beteiligten Völker des Kontinents; England hätte die Möglichkeit, den Krieg vorzeitig abzubrechm, England und mit ihm Amerika. Wenn diese beiden Länder zum Friedens- schluß bereit-wären, ohne den Sieg errungen zu haben, so würden die ihnen erwachsenden Nachteile nicht in dem Maße unerträglich sein wie bei uns, die wir von dem Gespenst des Wirtschaftskrieges nach dem Kriege besonders bedroht werden. Wir können erst dann das Schwert aus der Hand legen, wenn wir den Gegnern die Möglichkeit zum Wirtschaftskriege entwunden-haben. Was der Vorsitzende der englischen Arbeiterpartei Purdy am 26. Juni als für die englischen Arbeiter maßgebend hinstellte, das trifft mit weit größerer Berechtigung auf die deutsche Arbeiterschaft zu und sollte von dieser ganz besonders beherzigt werden: .Alle Hoffnung auf die Schaffung befferer sozialer und beruflicher Lebensbedingungen nach dem Kriege haben den Sieg zur Voraussetzung*. t * Jandesausschujj für Kritgsbefchädigteu- Iiirforge im Keg.-Kesirk Wiesbaden Geschäftsstelle: Frankfurt a. SW., Bleichstr.I8.pt, Sprechstunde 8—3 Uhr. Fernruf Amt Hansa 7396, 7397 und 7398. Bewerber für unten ausgeschriebene Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä- digten-Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Auskunft in allen Rcntenfragen erteilt. wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die Tagebuchnummer mit anzugeben. Gesucht werden für 74|9. Berrtcbaftsbaut ein Kutscher, speziell für den Privatlazarettwagen. 75|9. UersiCherungsbiiro ein Büroarbeiter gegen Ta- gesvergütung, eventuell auch Monatsfirum. 7019. Brrenscbneiderei in Tratikfurt a. M. ein Ausläufer, welcher gleichzeitig die Hausheizung mit übernehmen kann. 77>9. Rriegsindustrieiien Betrieb, Stadt im Caunus, ein Werkstattschreiber. 78|9. Baarbearbeitungsinttitut eine Anzahl Kriegs- beschädigte zu eventuellem Anlernen sämtlicher vorkommender' Haararbeiten. 7919. Kriegsindustriellen Betrieb eine Anzahl Armbeschädigte zum eventuellen Anlernen als Dreher. 80>9. Gemeinnütziges Unternehmen ein tüchtiger Buchhalter. 8119. Iftetallgrossbandlung ein Aufseher für Geleisearbeiten auswärts. 8219. Silbembmiede eine Anzahl Silberschmiede oder geeignete Hilfsarbeiter. 8319. Kinotbeafer ein Portier. 84|9. Chemische Jabrik, Stadt am Rhein (Besten), ein geübter Registrator. 85|9. Damenbutgrossbaisdlung ein Packer. 8619. Büro einer Ucrsicberungsgesellscbaft ein Registrator. 87|9. Desgleichen ein Bürobeamter. 8819. Rriegsindustrieiien Betrieb, Ort im Caunus, ein Kontrolleur. 8919. Bucbdruckerei ein Buchdruckmaschinenmeister. 90|9. Eandes-Beil- und Pflegeanstalt im Rbeingau ein Bürohilfsarbeiter. 91>9. Cielbau- und Bodenkultur-Gesellschaft im Bezirk €a$sel Elektrotechniker, Monteure und Schlosser für elektrische Kraftanlagen. 92(9. Krippe (Kinderheim) ein Heizer, welcher nebenberuflich die Heizung bedient. 9319. Sebubbaus ein Schuhmacher für Laden und Werkstatt. 9419. Warenhaus ein Nachtwächter für innere Lokalitäten. 95(9. Scbablonenfabrik zwei bis drei Schablonenschneider, sitzende Beschäftigung. Geeignet für ehemalige Weißbinder oder Maler. 96|9. Bekanntes Kaffeebaus ein Telephonist. Guter Verdienst bei freier Station. 97|9. Geschäftshaus ein Mann für einige Tage zum Holzzerkleinern. 9819. Uerwaltung ein verheirateter Hausmeister bei freier 4 Zimmerwohnung usw. 99>9. erstklassiges Botel in Frankfurt a. M. ein Heizer. 10019. Privatbaus am Rhein ein zuverlässiger Pferdepfleger und Kutscher, der auch gleichzeitig landwirtschaftliche und Gartenarbeiten versteht. 101|9. Pulverfabrik am Main für die Lebensmittelabteilung ein zuverlässiger Nachtkoch. 102|9. Desgleichen eine Aerwalterstütze für die Guts- Verwaltung mit Erledigung der schriftlichen Arbeiten. 10319 Kleine ebem.-teebn. Fabrik in benachbarter Stadt Frankfurts ein gewandter erster Packer zur Aufsicht. 10419. Ueriagsanstalt einige Akquisiteure und Jnkasio- beamte, speziell Propaganda für die neunte Kriegsanleihe. 105>9 Ulaffenrockscbneiderei, Ort im Caunus, ein Schneidergehilfe, welcher möglichst schon auf Militärblusen eingearbeitet ist. Kost und Logis im Hause. % 10619. Bandeisfirma ein Kaufmann für alle Büroarbeiten. 107|9. Desgleichen ein Packer. Lnznvekk-Zeikung. Henvllndeten-Ztnierrilkt I. Unterricht in der Heweröeschute (Kirchjtraße 16 ). Bauzeichnen,- j Fachzeichnen, ) Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag Freihandzeichnen, [ üon ^9 — 12 Uhr. Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Wechs^Nehr e, j Woata9 unb Mittwoch von 3-5 Uhr. Rechnen, Montag von 2—5 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—5 Uhr. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel, Bert, Klein, Fritzel, Haaaen- müller, Pcof. Dr. Kraus Müller und 2 Architekten. Meldungen werden bei der Shulleitanz der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr, entgegengenommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. . praktische Arbeiten in den Lehrwerkstätten. Sch re i n e r e i, S ch t o s s e r e i, Schuhmacherei Schmiede, täglich 8—12 und 2—6 Uhr Korbflechten, täglich von 9—12 und 2-6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von &—12 und 2—6 Uhr. II. Unterricht in Lazaretten und im Soldatenheim. Stenographie (Gabelsberger System). Dienstag und Freitag von 8—9 Uhr abends, im Schulhause, Neustadt 61, Polizeik.-Aspirant Karnbach. , . Versich erungs- und F ü r s o r g e w e s e n. Dienstag und Freitag 2^—3% Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung, Kriegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz-, Flecht- und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. - - Verwundete und erkrankte Kriegsteilnehmer verlieren oft ihre Ansprüche, besonders aus derKcanken- und Jnvaliden-Versicherung, weil sie über die in Frage kommenden Bestimmungen nicht genügend informiert sind. Cs kann deshalb allen Kriegsteilnehmern oder sonstigen Heeres^ngehöcigen. die ans b:m Gebiete der Kranken- und Invalidenversicherung, Familienunterstützang, Kriegöwochenhilse usw. über irgendeine Frage im Uaklaren sind, nur empfohlen werden, sich von der seit zwei Jahren bestehenden Verwundeten Beratungsstelle (Sprechstunden Dienstag und Freitag von 2^—3% Uhr im Soldatenheim) beraten zu lassen, woselbst auch alle erforderlichen Schriftstücke unentgeltlich ange- sertigt werden. Soweit die Ratsuchenden nicht ausgehen können, wollen sich dieselben schristlich an den Leiter der Beratungsstelle, Bureaubeamten H. Kirchner, Gießen, Sch-ffenbergerweg 16, wenden, der auf Wunsch bereit ist, die Ratsuchenden in den Lazaretten zu besuchen. Kreis- und Hrtsausschutz, Kietzen, für die Kriegsbeschädigten-Mrsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstc. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstag nachmittag, von 8 —12 und 2 —5 Uhr. Werkstätte. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Geöffnet Montag bis Freitag von 8—12 und 2—6 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus, 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Berufsberatung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Ausstellung von Arbeiten Kriegsbeschädigter, Keweröebaus, Kirchstc. 16 geöffnet: Werktags von 8 — 12 und 3-6 Uhr Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen KreiS- und OrtSaitsschntz Giehs,» für die Kriegsbeschädigten-Fürsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. +++ • Stenographiekursus. Am Dienstag, den 1. Oktober, abends 8 Uhr, beginnt ein neuer Kursus in Gabelsberger Stenographie. Der Unterricht findet Dienstags und Freitags, abends 8 Uhr, im Schulgebäude, Neustadt 61, statt. Vorhecige Anmeldung unnötig. Aas Oießener Sotdatenhei Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burggraben 9, Eingang von der Markt straße aus, nahe am Markt. Zeitungen. Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Einfache Erfrischungen werden zum Selbstkostenpreise gereicht. Für den Aufenthalt imFreien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu hergerichtet. Bis aus weiteres sollen an jedem Donnerstag nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. chietzener Sehenswürdigkeiten- 1. Sammlungen des Hkerhessischen Heschichis- vereins und der Wilhelm Haitschen Stiftung. Im alten Schloß, Brandplatz. Sonntag von 11 —-1 Uhr. 2. Pötkeruruseum, neben der alten Kaserne. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Hießener Kunstsammlung, im neuen Schloß über dem Vöttermuseum, Sonntag 11—1 Uhr. 4 Botanischer Harten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8—12 und 2—5 Uhr, Sonntags von 9 — 12 Uhr. 5 Lesehasse des Hießener Lesehassen-Bereins im Forhaus, Settersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Schriftleitung der Gießener Beilage: Geh. Hofrat Dr. H. Haupt, Gießen, Keplerstraße 1. und Professor Ur. Karl Helm. Gießen, Stefanstraße 7.