VNVH a>om Kkronik. Die zweite Hälfte des Juli und die erste Hälfte des August stehen unter dem Zeichen großer Entscheidungsschlachten in Frankreich. Am 15. Juli begann eine deutsche Offensive, bei der deutsche Truppen die Marne nach Süden überschritten. Gleichzeitig wurde in der Gegend von Reims Raum gewonnen und die ersten französischen Linien in der Champagne genommen. Die Gefangenenzahl der deutschen Offensive stieg bis zum 18. Juli auf 20 000. Der Offensive war indessen nicht der gleiche Ueberraschungserfolg beschieden wie den früheren deutschen Offensiven. Die Franzo en. über unsere Offensiveabsichten unterrichtet, wichen au vorbereitete Stellungen aus. Am 18. Juli begann ein groß angelegter Gegenangriff der Alliierten unter der Leitung Fochs, mit der Absicht, die deutschen Stellungen zwischen Ais ne und Marne abzuschnüren und dadurch einen Durchbruch größten Stils zu erzwingen. Die deutsche Heeresverwaltung begegnete indessen diesem Angriff, indem sie zunächst den neu gewonnenen Brückenkopf auf dem Südufer der Marne räumte und dann allmählich bis zum 3. August die Stellung zwischen Aisne und M-arne bis auf das Beste- ufer abbaute. Allerdings mußten den Franzosen dabei eine Anzahl von Städten, die die vorletzte deutsche Offensive ^ in unsere Hand gebracht hatte, geräumt werden, so Ch Lte aux-Thierry an der Marne, FLre-en- Tard enois und schließlich Soissons an der Aisne. Aber die feindliche Gegenoffensive wurde damit zum Stehen gebracht und ein Durchbruch verhindert. Am 8. August begann, nachdem schon vorher die Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht durch Znrücklegen der ersten Linien in der Gegend von A l b e r t die Stellung für die Verteidigung geeigneter gemacht hatte, eine neue Offensive der Alliierten'beiderseits der Somme. Während nördlich der Somyie die feindlichen Angriffe abgeschlagen wurden, gelang den Engländern südlich der Somme infolge dichten Nebels ein von Tankgeschwadern unterstützter Einbruch in unsere Infanterie- und Artilleriestellung, der uns eine Einbuße an Mannschafteu und Geschützen brachte. Aber auch hier wurde die Lage durch Zurückverlegen der Verteidigungslinien und durch Gegenangriffe wieder hergestellt, lodaß. abgesehen von dem Geländeverlust, auch hier die Absicht der feindlichen Offensive auf ein Durchbrechen unserer Linien als gescheitert angesehen werden muß. In Rußland ist die Lage der bolschewistischen Räte- Regierunq stark bedroht. Von Osten her au; Sibirien und dem Ural schieben -die t s ch e ch o-s l o v a ki s ch en Truppen, die von der Entente nach Kräften unterstützt werden, ihre Linien immer weiter vor, und wichtige Städte, wie Iekaterin- burg und Simbirsk, sind schon in ihre Hand gefallen- Im Norden haben englische Truppen die Murman-Küste und Archangelsk besetzt und rücken nach Süden vor. Die Lage im Inneren Groß-Rußlands wird bei zunehmenden Nahrungsmittelschwierigkeiten immer verworrener, sodaß die Fortdauer der bolschewistischen Herrschaft unsicher erscheint. Im Inneren wühlen die linken Sozialrevolutionäre, die von den Zeiten des Zarismus her im Terror und feinen Attentaten das wirksamste Kampfmittel sehen. Nachdem ihnen der deutsche Gesandte in Moskau zum Opfer gefallen war, wurde durch sie am 30. Juli der kommandierende General der deutschen Streitkräfte in der Ukraine, Feldmarschall von Eichhorn, durch Bombenwurf ermordet. Die deutsche Gesandtschaft ist infolgedessen am 10. August von Moskau nach Pskow (Pleskau) unter den Schutz der deutschen Waffen zurückverlegt worden, was aber in keiner Weise einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Räte-Republik bedeuten soll. Schon vorher ist der deutsche Gesandt in Moskau, Tr. Helfferich, der Nachfolger des ermordeten Grafen von Mirbach, zur Berichterstattung über die Lage in das deutsche Hauptquartier gereist. Dem Bürgerkrieg in Rußland ist auch der frühere Zar Nikolaus II. zum Opfer gefallen; damit er nicht in die Hände der Tschecho-Slovaken, die sich Iekaterinburg schon näherten, fallen sollte, wurde er durch die Räte-Regierung in Jekaterinburg am 10. Juli hingerichtet. In Albanien hat am 26. Juli eine Offensive der Oesterreicher begonnen, die gute Fortschritte gemacht hat. Auf die Zustände in Frankreich ließ der Prozeß gegen den früheren Minister des Innern Malvy helles Licht fallen. Malvy war durch Chauvinisten und Kriegshetzer des Hochverrats und des Einverständnisses mit dem Feinde angeklagt worden, weil er angeblich den Krieg nicht mit dem nötigen Nachdruck betrieben habe. Die Anklage fiel in sich zusammen und nur durch Anwendung eines starken Druckes konnte der Ministerpräsident Elemente au erreichen, daß Malvy auf fünf Jahre aus Frankreich verbannt wurde. Aotes Hl'as. Eine wahre Begebenheit. Von Max Maria v. Weber. ,Janos, Ihr seit ein vollständiger Narr,- sagt der Streckeningenieur der Bahn, welche, südöstlich von Temesoar, die unermeßlichen Getreide- und Kukuruzflächen des Banats durchzieht, zu dem mit abgezogener Mütze vor ihm stehenden Bahnwärter Nr. 128, der zugleich die kleine Personensiation Jam-Saag verwaltet; .ein vollständiger Narr, füge ich Euch; hättet selbst nichts zu betßrn und zu brocken, wenn Euch hier das Brot nicht in den Mund wüchse; vier Kinder, und nehmt den kleinen fremden Wechselbalg noch dazu! Hübsch ist das Mädel allerdings. Wie seid ihr zu dem Unsinn gekommen?- .Ja, Herr, das kam so : Drüben an der Flügelbahn sind Arbeiter, welsche, bei der Marotzbrücke, können nicht sprechen mit uns, ober brave Leute, hungern, um Geld zu sammeln. Lag ein Gang von ihren. Jahr voriges, vierzehn Mann hoch in Zelten mitten im Kukuruz von Kloster Zekas. Dursten kein Feuer machen wegen Brand im Felde, trockenen. Kamen täglich Weiber meilenwite aus Dörfern hinüber mit Suppe, jämmerlicher. Lies Kind immer neben jungem Weib von diesen; kam sehr, sehr weit her, hübsches Kind, als wie mein jüngstes. Saßen immer nieder auf der Schwelle von Bahnhaus, ruhten aus, todmüde. — Weinte oft das Kind — wegen Schmerz in Fuß und Schwitz und Müde. Sagt eines Montags mein Weib, was heut ist drüben bei Großmutter in Lagos, wo in Schule königlicher, sehr gute, meine vier Kinder — alle. — Janos, sagt sie, erbarmt mich das Kind. Gleicht es der Juscha, was drüben ganze Woche in Schule königlicher, mit den andern. Sind wir einsam ganze Woche — willst du, Herr, lassen wir spielen hier das Kind und essen die Woche bei uns — Sonntag mit Kindern unsrigen. Ist hübsch der Fratz und gut; Pane Inspektor — sehen, wie lacht mit Augen, schwarzen! Sage ich: laß dableiben Kind, wenn wiederkommt mit Mutter seiniger. Arme Frau küßte uns Hände, glücklich war sie, konnte sehen Fratz ihrigen täglich, und brauchte nicht zu füttern den Fratz. Wissen aber, Pane Inspektor, daß kam Fieber unter Arbeiter, welsche, Jahr voriges. Mußten geräumt werden Zelte von allen — sämtlichen. Aber ehe geschehen konnte, starb Vater von Kind, und Mutter ihrige kam nicht wieder. Ist wohl auch gestorben — wahrscheinlich. — Kindchen blieb bei uns — Winter, Sommer. Wohin damit auch?* »Hättet es bei der Bauuntern-hmung anmelden sollen, Janos; sie hätte es in die Heimat der Arbeiter, nach Wrlschland geschickt. - »D nein, Pane Inspektor, nein — so weit — armes Wurm — lieber Fratz — Kinder meinige haben es lieb und wir auch.- .Nun, ganz schön, Janos, mich geht es nichts an; es bleibt Euch aber lebenslang zur Last. — Wenn wir alle Kinder der Arbeiter, die am Sumpf- fiebec sterben, adoptieren wollten! Ihr seid ein Narr. Gute Nacht! Vergeht nicht, morgen die Kasse nach Temesvar einzuliefern — werdet nicht viel darin haben — aber's ist Samstag. Regulativ-Paragraph siebenzehn! Und überdies denkt daran, daß wir auf der Straße die Strolche O. und K. zum Teufel jagen, die Ihr ja früher hier auf der Station hattet, und die Bescheid wissen, auch daß KassenlieferungSzeit ist. Die Kerls stehlen unverschämter, als es selbst hier in Ungarn zulässig ist. Paßt auf, daß sie Euch keine Visite machen. Gute Nacht, Janosl- Die Dräsine des Streckeningenieuis, von sechs kräftigen Armen getrieben, verschwindet im Abend- I dunkel und dem leichten Nebeldunste, der aus den hohen Kukuruzfeldern neben der Bahn blaltduftig und durchsichtig sich aber die Bahn legt. Janos bedeutete alles in allem auf der kleinen Station, die eigentlich nichts als ein halbverlorener Haltepunkt aus der öden Bahnstrecke ist. von nur zwei Zügen täglich befahren. Er expediert den Getreidejuden. der dem grundbesitzenden Kavalier, dem die Schulden an der Kehle stehen, das Getreide für ein Sündengeld auf dem Halme abgeschwindelt hat. oder den Schweinehändler, der die Kukuruzmast seiner.Ware" inspiziert.oderdenWälderausschlächter. der eben wieder ein Stück Gesundheit. Klima und fruchtbares Wetter in Gestalt eines herrlichen Urwaldes. guadratmeilengroß. in Eisenbahnschwellen und Faßdauben verwandelt hat. oder d-n Sohn der Putzta. der in den nächsten Flecken zur Stuhlrichterwahl saufen geht — aber wenige von alledem fallen auf der abgelegenen Station auf die Bahn. Die Kasse ist daher klein, und dem wackeren JanoS genügen zur Hilfeleistung ein alter Weichensteller, der einst bei einem Zusammenstöße aus einem .feschen Kondukteur" zu einem armen Krüppel wurde, und des JanoS tüchtiges W-ib. eine Sächsin aus Siebenbürgen, die lesen und schreiben kann und Herz und Kopf auf rechten Flecke hat. Heut ist sie zur Verproviantierung der wie eine Insel im Kukuruzmeere liegenden Station zur Stadt gefahren; der alte Weichensteller Ferenz hat Tagdienst gehabt und Janos ist mit dem Kinde allein. Im .Kakuruzmeere" wahrlich liegt die Station! So weit das Auge reicht in Nord, Süd. Ost und West, nichts als das übermanneshohe G-röhricht der edlen Pflanze. Vom rötlichen Lichte des tiefstehenden. unvollkommenen Sonnenwendemondes im Südosten herab geht ein leichter Nachtwind über die unermeßliche Ebene durch das fruchtbare Ried hin. in dem der Büffel, der vom Sumpsufer der Berzaba heraufsteigt, schmale Pfade tritt, wie im baumhohen Grase der Savannen Amerikas. Der Kukuruz birgt hier den Betyacen und den Büffel so gut. wie das hohe Gras dorten den Bison und die skalphungrige Rothaut. Und der Wind läßt hier nicht sanfte, weiche, duftende Wogen am Wald- rande branden, wie in den blonden Fluten des Getreides, sondern nur hohe Blütenrispen, spitz und pfeilartig, millionenfältig glitzern und sich neigen, wie ebensoviel Hellebardenspitzen einer wandernden Heerschar. Und darunter, im dunklen Gewirre der langen, scharfen Blätter, blitzt es hier und da auf, wir von blanken Klingen und klirrt es leise, wie diese tun, wenn sie sich kreuzen. Und da und dort ragt es dunkel und schwarz empor, wie Masten von Schiffen, die in diesem Meere gesunken sind, an denen das Mondlicht blau herabrinnt. Es sind die Schwengel der Ziehbrunnen, die Wahrzeichen der ungarischen Ebene. Und die Luft ist voll, weit und breit, vom weichen, behaglichen Geguake zahlloser Frösche (.ungarische Nachtigallen" nennt sie der ^pöttermund der „Schwaben"), die in den Wassergräben der Bahn, in den Lachen der Moorniederung hausen. Nur wenn, wie auf ein allge- hörtes Kommando dies Getön verstummt, welches das Ohr seiner Unabkässigkeit wegen nicht mehr hört, wird man gewahr, daß es eben die Luft noch füllte, und hört das leichte Rascheln und Klirren im Kukuruz und das ferne Brüllen der Büffel an der Theiß. Die Eisenbahn .hat eine Furche gezogen" in die Unermeßlichkeit des .Kukuruzmeeres". Die Telegraphendrähte schweben darüber wie blitzende Spinnweben im Mondlicht, und ferne Lichtpunkte künden, daß hier Menschen auf Menschen harren. Das ist das Bild der ungarischen Ebene, grandios in seiner schlichten Unermeßlichkeit wie Prärien, Pampas. Llanos und Savannen, und doch so viel freundlicher, menschennäher als jene: wie das unendliche. ausgebreitete Nährfeld anmutender ist, als da» unabsehbare Jagdgebiet. Die Zeit für den letzten der wenigen Züge, welche die Station passieren, ist da. Janos nimmt das Kind auf. den kleinen Gefährten seiner Einsamkeit, das er bis dahin. des Kühlwerdens der Nachtluft froh, spielend und schäkernd auf den Knien gehalten, und trägt es in sein kleines Bett, das in der luftigen Wachstube steht, deren zwei Fenster, zum Ausguck, rechts und links auf die Bahn gehen. Dann zündet der treue Mann die Lampe auf dem Tische an, die seinem einsamen Nachtmahle leuchten soll, und bereitet die Signallaterne für das Zeichen vor, das er dem herannahenden Zuge zu geben hat. Es ist kein Bedürfnis da, ihn halten zu lassen. Kein Passagier begehrt, den Zug zu besteigen, und auf Janos kleinem Dienstgebiet ist alles in Ordnung, deshalb hat er dem Zuge das weiße, unveränderte Licht seiner Signallaterne zu zeigen, das ihm zuruft: .Fahrt zu, alles in Sicherheit!" Sorgsam entfernt daher Janos die bunten Scheiben aus dieser Laterne. Denn das durch die grünen hinausscheinende Licht würde den Zug ohne Anlaß zur .Vorsicht", zum .Langsamfahren" mahnen, das rote aber ihm .Halt" gebieten. Und diesem Befehle, mit rotem Strahle hinausgeblitzt auf die Bahn, wagt kein Lokomotivführer, kein Bremser auch nur einen Augenblick den Gehorsam zu versagen. Weiß er doch, daß Leib und Leben an diesem Augenblicke hängt. Ein „rotes Licht", ein .Haltsignal" auf offener Strecke, wirkt auf das ganze Personal eines Zuges elektrisch, unwiderstehlich, wie da« Aufblitzen eines feindlichen Schusses auf eine in der Nacht marschierende Kolonne. Der Begriff .Halt" durchfährt alle Sinne, alle Fäuste in jähem Ruck, denn vielleicht liegt da, dicht vor ihnen in der Finsternis — Schrecknis und Tod. Und die Dampfpfeise gellt in vielfach wiederholtem, schneidendem Aufschrei: .Me Hand an die Bremsen", und der Lokomotivführer reißt die Hebel zurück, welche die Triebkraft der Lokomotive nach rückwärts wirken lassen, und in rasender Hast dreht her Heizer die Kurbel seines kraftvollen Hemmwerkes am Tender — und Funken sprühen von den ^brennenden Bremsklötzen empor und blaues Feuer zeichnet das Gleiten der Räder auf den Schienen — bis der schnaubende, eiserne Koloß still steht. (Schluß folgt.) Dom Dejstt-Anöau. Bon Nationalökonom Dr. E. R. Uderstädt, Berlin. Betreffs aller Rohstoffe.die uns unsere Bekleidung liefern, waren wir vor dem Kriege vollkommen vom Auslande, von überseeischen Produktionsgebieten abhängig. Nach Unterbindung aller unserer Zufuhrvrrbindungen wäre unser Heer also allmählich in Bezug auf Bekleidung in harte Bedrängnis geraten, wenn wir nicht in einheimischen Pflanzen einen vollwertigen Ersatz zur Gewinnung von Ge- spinstsasern gefunden hätten. Diese haben uns also in hervorragender Weise das Siegen und .Durchhalten" ermöglicht, sodaß es angebracht ist. ihnen, liebevolle Aufmerksamkeit zu schenken. Die wichtigste von ihnen ist die Nessel. Es ist bekannt, daß bereits in den Vorjahren umfangreiche Sammlungen dieses .Unkrautes" im ganzen Reiche stattgefunden haben. Das Sammelgut hat ein Gewebe ergeben, das ungefähr der Kunstseide ähnelt und von einer blendend weißen Farbe ist. Es ist so vortrefflich, daß selbst das auf dem Web- warenmarkt tonangebende und auch verwöhnte England dem Nesselstsff seine besondere Aufmerksamkeit widmet, ihn wissenschafckich untersucht hat und daß in angesehenen Textil-Fachblättern des Jnselreiches ebenfalls das Sammeln der Brennnessel in England empfohlen worden ist. Hofft man doch mit Hilfe dieser Pflanze die Einfuhr der Baumwolle herabsctzen und dadurch Frachtraum sparen zu können. Da in Deutschland die Erträgnisse an wilder Brennessel längst nicht genügten, um den Bedarf der Heeresverwaltung an Web-. Wirk- und Strickwaren zu decken, dachte man schon im vorigen Jahre au den planmäßigen Feldanbau der Nessel. Zur Durchführung dieses neuen Werkes wurde im vorigen Jahre die Nessel-Anbau G. m. b. H. in Berlin gegründet, die vielleicht die interessanteste, sicher aber die erfreulichste deutsche Kriegsgesellschaft ist. — Sie rationiert und verbietet nicht — sondern sie schafft neue Werte! Sie steht unter der Aufsicht des Reiches und ist gegenwärtig kein Erwerbs- sondern ein Wohlfohrtsunternehwen, das der Heeresverwaltung Textilrohstoffe schafft. Ihre etwaigen Gewinn- fließen in die Reichskasse. Nach Beendigung des Krieges wird sie als gemeinsames Unternehmen der deutschen Textilindustrie bestehen bleiben. Ihre Satzungen sehen vor, daß ihre Erzeugnisse an Fasern der Industrie anteilmäßig ihrer finanziellen Beteiligung zusallen. Sie bietet also der Textilbcanche die einzige Möglichkeit. Rohstoffe aus dem Inland zu beziehen, fodaß die Industrie sich jetzt stark an der Kapitalserhöhung — von 5 auf 15 Millionen Mk. — beteiligen wird, um sich eine möglichst große Rohstoffguote zu sichern. Streng wissenschaftlich durchgeführte Arbeiten lassen uns jetzt die Lebensbedingungen der Nessel, die für den kulturellen Anbau in Betracht kommen, erkennen: Sie ist zwar ein Unkraut und säst in jedem Vegetationsgebiet anzutreffen, doch ist sie keineswegs .bescheiden" und gedeiht nicht überall. Sie beansprucht vielmehr einen stickstoff-eichen, kalkhaltigen Boden, der locker und gut zersetzt von mittlerer Feuchtigkeit sein muß. Emen solchen Boden, der allen Anforderungen der Brenneffel genügt, haben unsere Niedermoore (z. B. Haoelländisches Luch, die Moore in Nordwest-Hannover»'und Oldenburg). Aber sie erweist sich insofern als bescheiden, als für ihren Anbau der Wass.-rstand der Moore nur auf 15 — 25 cm gesenkt zu werden braucht, ja nicht tiefer herabgedrückt werden darf, während für den Anbau von Getreide und Kartoffeln der Wasserstand auf 60—80 cm gesenkt werden muß. Die Meliorisierung eines Bodens geht also schneller vor sich und ist billiger, wenn er für den Anbau von Nesseln vorgesehen ist, als wenn Getreide oder Kartoffeln darauf angebaut werden sollen. Die Nessel erfordert nämlich eine dauernde Feuchtigkeit (Aygroskopizität) de« BodenS. Bekanntlich wächst die wilde Brennessel vornehmlich im Halbschatten, sodaß man lange annahm, die Brenneffel brauche diesen unbedingt, um zu gedeihen. Doch ist jetzt experimentell bewiesen, daß die Nessel den Halbschatten nur bevorzugt, weil in diesem der Boden gleichmäßig feucht bleibt, sie kommt im offenen Felde genau so gut fort, vorausgesetzt, daß der Boden eine dauernde Feuchtigkeit hält. Bislang gründete man die kulturelle Fortpflanzung der Brenneffel auf das Umsetzen der Wurzel- steckunge von dem Orte des wilden Vorkommens auf den Kulturboden. Daneben denkt man daran nunmehr di- Brennessel auch auszusäen. Auch in diesem Jahre müssen die wildwachsenden Bcennesseln im Interesse unseres Heeres eifrigst gesammelt werden, denn bei dem ungeheueren Bedarf der Armee an Gespinststoffen kann auf sie nicht verzichtet werden, solange der planmäßige Anbau — auch in den besetzten Gebieten, wo er von den einzelnen Truppenteilen oorgenommen wird — noch in den Anfängen steht. Den Sammlern erwächst aber eine neue Aufgabe: das Sammeln des Samens. Das geschieht, indem mit der bewickelten oder behandschuhten Hand die Stengel von unten nach oben abgestreift werden und die dadurch abfallenden Pflanzenteile in irgend ein Gefäß aufgefangen werden. Dabei muß sorgfältig darauf geachtet werden, daß die Stengel nicht zertreten werden, denn sie sind immer noch der wichtigste Teil der Pflanze, der eigentliche Faserrohstoff, die aber in geknicktem Zustande wertlos sind. Nach der Befreiung von Blättern und Samen werden die Stengel abgeschnitten; sie werden auf die bisher übliche Art getrocknet und Samen und Blätter nach dem Trocknen sorgfältig von einander geschieden. Letztere geben ein ausgezeichnetes Viehfutter. Da jetzt aber außerordentlicher Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande herrscht, ist zu befürchten. daß wieder unendlich viele der wertvollen Brennesseln umkommen, wenn nicht rechtzeitig geholfen wird. 500 Kilo grüner Nesseln ergeben 100 Kilo trockene Stengel, etwa 20 bis 25 Kilo trockener Blätter und rund '/g Kilo trockenen Samen, wofür die Neffel-Anbau G. m. b. H. 28 Mk. plus 5 Mk. plus 10 Mk. = 43 Mk. zahlt. Außer den oben genannten Barpreisen gewährt die Nessel-Anbau-Gesellschaft noch für je 10 Kilo trockener Stengel kostenlos ein Sternchen Brennessel- Mischgarn von 25 m Länge. Manchem Lazarettinsassen, namentlich denen in ländlichen Lazaretten, ist dadurch die Gelegenheit zu einem lohnenden Nebenerwerb geboten. Außerdem kann er dadurch leicht seiner Frau ein wenig von dem so dringend benötigten Garn verschaffen. Wo sich keine Brennessel-Sammelstelle findet, ist die Lazarett-Zeitung bereit, eine solche nachzuweisen. Zum Schluffe sei noch kurz erwähnt, daß die Nessel-Anbau-G. m. b. H. jetzt auch die Bewirtschaftung der Typha (Kolbensch'ls) und des Ginsters übernommen hat, die ebenfalls ausgezeichnete Fasern liefern. Wentenrefornr. Das Gesetz, auf dem die heutige Rentenversorgung unserer Kriegsbeschädigten beruht, ist verhältnismäßig neueren Datums. Wenn sich gleichwohl leine weitgehende Reformbedürftigkeit herausgestellt hat, so ist das hauptsächlich darin begründet, daß vor 12 Jahren, als das Gesetz entstand, ein Krieg wie der, in dem wir heute stehen,- in solch riesenhaften Ausmaßen und tiefeinschneidenden Wirkungen auf das Wirtschaftsleben schlechterdings nicht vorauszusehen war. Eine davon, die unverhältnismäßig gesteigerte Verteuerung der Lebenshaltung, aber macht eine Reform des Gesetzes unter angemessener Erhöhung der Bezüge zu einer unabweisbaren Pflicht. Ueber die Richtung dieser Reform hat der Reichs- ausschuß für Kriegsbeschädigtenfürsorge bereits vor geraumer Zeit Vorschläge ausgearbeitet, die der Reichsregierung als Material überwiesen und kürzlich gelegentlich der Reichstagsorrhandlungen zum Haushalt des allgemeinen Pensionsfonds erörtert wurden. Wenn ein Berliner Blatt richtig berichtet ist, so sind die Novellen zu den Versorgungsgesetzen bereits fertiggestellt und dürften dem Reichstag und Bundesrat demnächst zugehen. Bis zu ihrer endgültigen Erledigung werden Zuschläge zu den Militärrenten bewilligt. Eine Resolution des Militärausschusses des Reichstages, die sich für Vorlegung der neuen Gesetzentwürfe noch im Lause dieses Jahres ausspricht, erwähnte als die Punkte, bei'denen die Neuordnung in erster Linie einsetzen muß, besonders die Bezüge der Kriegsbeschädigten und den Rechtsweg im Rentenverfahren. Auf diese Punkte legte auch die Aussprache im Plenum gelegentlich der vorher erwähnten Verhandlungen das Hauptgewicht. Die Härten der heutigen Rentenversorgung beruhen zum großen Teil darauf, daß sich die Grundlage der Versorgung auf dem militärischen Rang des Beschädigten aufbaut, wobei dann der Grad der Beschädigung in einem Prozentsatz der Vollrente des Dienstgrades zum Ausdruck kommt. So fehlt jede Berücksichtigung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Kriegsbeschädigten, denen die kommende Reform in erster Linie Rechnung zu tragen hätte. Nun spricht gegen einen vollkommenen Neuaufbau auf dieser Grundlage der Umstand, daß eine Unzahl von Renten bereits nach den geltenden Gesichtspunkten bewilligt worden sind. Dieser Schwierigkeit wird man aus dem von dem Reichsausschuß vorgeschlagenen Wege, der die Grundlage der Versorgung, die Abstufung nach dem militärischen Dienstgrad, unverändert läßt, trotzdem begegnen können, wenn die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse durch ein System von Zusatzrenten Berücksichtigung finden. Hierzu wären die Beschädigten in große Einkommensgruppen einzuteilen, für die ein Durchschnittseinkommen festzusetzen wäre, das als Grundlage für die Bemessung der Zusatzrente zu dienen hätte. Wichtig wird hierbei sein, daß auch den zukünftigen Erwerbsmöglichkeiten Jugendlicher Rechnung getragen wird, die ihnen als Nichtbeschädigten erreichbar gewesen wären und nun durch ihre Beschädigung ganz oder teilweise verschlossen sind. Die Zusatzrente muß mit dem noch möglichen Erwerb in angemessener Weise kombiniert werden. Dies läßt sich dadurch erreichen, daß beispielsweise einem Beschädigten, der 40 Proz. erwerbsbeschränkt ist, 40 Proz. des Durchschnittseinkommens seiner Gruppe als Gesamtrente zuzusprechen sind, während er die restlichen 60 Proz. des Einkommens mit seiner verbliebenen Arbeitskraft selbst erwerben kann. Der 100 Proz. Erwerbsbeschränkte hätte also das volle Durchschnittseinkommen seiner Gruppe als Gesamtrente zu beanspruchen. Auch der Kinderzahl eines Beschädigten müßte durch angemessene Erhöhung seines Rentensatzes Rechnung getragen werden. Die Frage des Rühens der Rente bedarf ebenfalls einer Neuordnung. Die Verstümmelungszulagen, die für besonders schwere Verletzungen gewährt werden, sollten auch für innerlich Schwerkranke, Lungenleidende usw., zuständig sein. Was die Frage einer Neuordnung des Rechtsmittelverfahrens in Rentensachen anlangt, so muß den ordentlichen Gerichten eine Nachprüfung auch der Fragen ermöglicht werden, die ihnen heute entzogen sind, besonders ob Dienst- oder Kriegsdienstbeschädigung vorliegt. Auch eine Berufung gegenüber Nentenbescheiden an besondere. Spruchbehörden, für die die Angliederung an die Oberversicherungsämter und Mitwirkung von rechtskundigen Beisitzern, Vertretern der Rentenempfänger und der Militärbehörde vorgeschlagen ist, und Revisionen an eine weitere Instanz beim Reichs- versicherungsamt müßten ermöglicht werden. Endlich mag hier noch eine Maßnahme Erwähnung finden, die in den Vorschlägen des Reichsausschusses ebenfalls berücksichtigt ist. Es sollte angestrebt werden, d^e Renten beleihbar zu machen. Für den Mittelstand und die Arbeiterschaft ist dies von größter Bedeutung, um ihnen die Möglichkeit za geben, Kapital für wirtschaftliche Zwecke zu beschaffen. Die Beleihung wird zweckmäßig nur für einen Teil der Rente zu ermöglichen sein. Darlehen sollten aber nur von öffentlichen oder gemeinnützigen Organisationen gegeben werden. Wenn die Rentenreform nach diesen hier nur in großen Zügen umrissenen Grundsätzen durch- gesüyrt wird, so dürste wohl den berechtigten Wünschen der Kriegsbeschädigten, die für die Gesamtheit das Opfer ihrer Gesundheit gebracht haben, Erfüllung werden. Arbeitsbeschaffung für Kriegsbeschädigte. Der während des Krieges herrschende Arbeitermangel machte es der Fürsorge verhältnismäßig leicht, Kriegsbeschädigte, gegebenenfalls nach Umschulung für einen neuen Beruf, in Arbeitsplätzen unterzubringen, die ihnen eine möglichst vollkommene Ausnutzung ihrer noch verbliebenen Arbeitskraft gestalteten. Die relative Einfachheit der Arbeitsverrichtungen in der Kriegsindustrie begünstigte dies in hohem Maße. Dennoch ergaben sich auch jetzt schon in einzelnen Bezirken Schwierigkeiten bei der Uebersührung besonders schwerbeschädigter Kriegsteilnehmer in das Erwerbsleben. Bei dem Ueber- gang zur Friedenswirtschaft wird das Problem der Arbeitsbeschaffung für Kriegsbeschädigte noch brennender in den Vordergrund treten, umsomehr, als dann die gesunden Arbeitskräfte der heimischen Wirtschaft wieder zur Verfügung stehen werden, während andererseits die Zahl der Schwerkriegsbeschädigten sich noch beträchtlich vermehrt haben wird. In den Verhandlungen des Reichstages am 22. Juni zum Haushalte des allgemeinen Pensionsfonds, die sich mit wichtigen Fragen der Kriegsbeschädigtenfürsorge eingehend beschäftigten, nahm die der Arbeitsbeschaffung für Kriegsbeschädigte einen breiten Raum ein. Von den Rednern aller Parteien wurde betont, daß es nicht ^irgendwelche schikanöse Bedeutung hat, wenn darauf hingearbeitet wird, daß der Kriegsbeschädigte den Rest seiner Arbeitskraft im Dienste der nationalen Wirtschaft wieder verwertet, sondern daß es im Interesse unseres Wirtschaftslebens ebenso wie in dem der Kriegsbeschädigten selbst liegt, wenn ihre Arbeitskraft nutzbar gemacht und ihnen die Möglichkeit zu erwerbender Tätigkeit eröffnet wird — eine Erkenntnis, die wohl auch Gemeingut der Beschädigten selbst geworden sein dürfte. Was nun den Kern des Problems, die Arbeitsbeschaffung selbst, anlangt, so gingen hier die Meinungen noch auseinander. Während auf der einen Seite ein gesetzlicher Einstellungszwang für die Unternehmer, zum mindesten für Schwerkriegsbeschädigte, gefordert wird, glaubt man aus der anderen Seite ohne eine derartige Maßnahme auszukommen in der Erwartung, daß das Unternehmertum eingedenk der sittlichen Verpflichtung hierzu freiwillig Kriegsbeschädigte in genügendem Maße einstellen werde. Der Reichsausschuß für Kciegs- beschädigtenfürsorge, der sich mit dieser Frage schon länger eingehend beschäftigt hat, ist zu dem Beschluß gekommen, gesetzliche Zwangsmaßnahmen vorerst nicht zu verlangen, in der sicheren Erwartung eines genügenden Ergebnisses der freiwilligen Einstellung. Sollte die Freiwilligkeit orrsagen, so wird man auch dort ein Gesetz verlangen, das die Unternehmer verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz der vorhandenen Arbeitsplätze mit Kriegsbeschädigten zu besetzen. Auch die Arbeitnehmer- und Angestelltenorganisationen haben sich einmütig für einen gesetzlichen Einstellungszwang ausgesprochen. Wenn sich demnach eine starke Strömung für Zwangsmaßnahmen einsetzt, so darf doch nicht übersehen werden, daß sich der Durchführung eines solchen Zwanges doch auch recht erhebliche Schwierigkeiten in den Weg stellen, auf die in den Reichstagsoerhandlungen zum Teil hingewiesen wurde. Auch eine prozentuale Verteilung der Beschädigten auf die einzelnen Betriebe nach Maßgabe ihrer vorher fachmännisch festzulegenden Aufnahmefähigkeit dürfte immer Härten ergeben, ganz abgesehen davon, daß ein erzwungenes Arbe'rtsverhältnis durchaus keine Annehmlichkeit für beide Teile darstellt. Auch die Frage der Abgrenzung des gefitzlichen Schutzes dürfte nicht ganz einfach zu lösen fein. Hier scheint eine Beschränkung des Einstellungszwanges auf Schwerbeschädigte, also Leute, die über 50 oder 60 Proz. erwerbsbeschränkt sind, die größere Mehrzahl der bisher vorliegenden gutachtlichen Aeuße- rungen der für Zwangsmaßnahmen eintretknden Richtung auf sich zu vereinigen. Demgegenüber scheint ein Modus praktisch bedeutsamer und, da er den geschilderten Schwierigkeiten aus dem Wege geht, eher gangbar, den der Landesausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge im Regierungsbezirk Wiesbaden vorschlägt. Er fordert ein Gesetz, das die Arbeitgeber verpflichtet, alle für die Besetzung mit Schwerbeschädigten geeigneten Posten der Fürsorge zu melden und ihr zum Nachweis eines geeigneten schwerbeschädigten Bewerbers innerhalb eines bestimmten Zeitraums, etwa der gesetzlichen Kündigungsfrist, offen zu halten. Erst wenn die Fürsorge nicht in der Lage wäre, einen geeigneten Bewerber zu vermitteln, darf der Arbeitsplatz mit einer gesunden Kraft besetzt werden. Die Feststellung und ev. Neuschaffung geeigneter Plätze hätte durch die Unternehmer selbst und, wo die Frei- Willigkeit versagen sollte, durch Fachleute aus den einzelnen Gewerben unter Mitwirkung der staatlichen Gewerbeaufsichlsbeamten zu geschehen. Streitfälle könnten durch Schiedskommissionen geschlichtet werden. Auch dieser Modus sieht einen gesetzlichen Zwang vor, aber u. E. einen Zwang, der für alle Beteiligten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, nicht von den unangenehmen Nebenwirkungen begleitet ist, die der andere Weg haben dürfte. Der Arbeitnehmer wird nie das Gefühl haben können, nur durch Zwang auf seine Stelle verpflanzt und dort nur geduldet zu sein. Auch für den Arbeitgeber bedeutet das Gesetz nur einen Zwang, sich wit der Fürsorge zur Nachweisung eines geeigneten Bewerbers ins Benehmen zu setzen. Dieses Verfahren hätte vor anderen außerdem voraus, daß die Fürsorge ihre auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises in langer Kriegsaibeit gesammelten praktischen Erfahrungen auch bei dieser so wichtigen Aufgabe verwerten könnte ,— ein Vorteil, der der Sache nicht zum Schaden gereichen dürfte. In industriellen Kreisen des Frankfurter Wirtschaftsgebietes bildet der besprochene Vorschlag augenblicklich den Gegenstand eingehender Erwägungen, und es kann wohl angenommen werden, daß diese zu einer Umsetzung desselben in die Praxis führen dürsten. Kleine Mitteilungen. ^aLlonalstiftung für Kinterötievene und Keichs-Arieger-Pavk. Um ein fruchtbares Zusammenarbeiten in den Fragen der KriegSteilnehmersürsorge herbeizusühren, wird vom ,Kl)ffhäuser.Bund der deutschen Landes- Kriegerverbände" eine möglichst rege Betätigung .seiner Mitglieder in den Ausschüssen der National- ftiftung angestrebt. Das Präsidium der National- stiftung ist diesem berechtigten Wunsche auch be- reitwilligst entgegengekommen. In die preußischen Provinzialausschüsse der Nationalstistung sind überall Vertreter der Kriegervereinc berufen. So ist eine nutzbringende organi'atorisch Verbindung her- Weiterhin br',tchl. wc $ litgerocieine das Bestreben, auch für die örtlichen Fürsorgestellen, das heißt die Kreisausschüsse und die in der Regel kommunal organisierten „amtlichen Fürsorgestellen für Kriegshinterbliebene" die langjährigen reichen Erfahrungen auf dem Gebiete der sozialen Krieger- sürs,rge nutzbar zu machen, die im KriegervereinS- leben gesammelt sind, und durch Eintritt von Kriegervereinsmitgliedern die Arbeit dieser Ausflüsse tatkräftig zu fördern, insbesondere aber hierbei in die .amtliche" Fürsorge das kameradschaftliche Empfinden hineinzutragen. Auch außerhalb Preußens sind die. Kriegerver- cine in den Landesausschüssen der Nationalstistung in der Regel bereits vertreten, ebenso in den Körperschaften der der Nationalstistung angeschlossenen Vereine „Heimatdank" im Königreich Sachsen und im Großherzogtum Baden. Ein Zusammenarbeiten von Nationalstiftung und Reichs-Krieger-Dank soll durch gegenseitige Wahl von Vertretern in die beiderseitigen Organisationen gewährleistet werden. Dieses Zusammengehen ist dringend nötig angesichts der Sonderaus- gäbe des Neichs-Krieger-DankS, der, auf Beschluß deS Kyffhäuser-Bundes am 8. September ins Leben gerufen, die lrtzte große Lücke in de KZcgSteil- nehmerfürsorge schließen soll durch Erfassung der- jenigen Kriegsteilnehmer, die weder unter die Satzung der Nationalstistung. noch unter die der amtlichen Kriegsbeschädigtenfürsorge fallen, d. h. solcher, deren Bedürftigkeit in keinem unmittelbaren Zusammenhänge mit dem Kriege steht. Lazarett-Aeralung. Tie Zentralstelle der Lazarett-Beratung deS Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Jede, möge die Fragen, die er auf dem Herzen hat. seien sie wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett-Beratung richten. Ls soll auf jede Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge- sucht werden. Rat und Beistand schaffen, «nt- Worten von allgemeinem Intereffe werden ohne Na. mensncnnung in der Lazarett. Zeitung veröffentlicht, vertrauliche Behandlung wird zugefichert. daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: >«n die Lazarett.Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge. Lheaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 4—5 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. / _ Wititärkrankenwärler ß ich? Werden sie doch Flötist I" 1. Rätsel. Dos Jtälselwort? — Ein Fabeltier Bekannt aus alten Sagen, Dem wollen wir jetzt kurzer Hand Einmal den Kopf abschlagen. Dadurch entsteht ein zweites Wort, Das mannigfach zu deuten: Cs reizte in uralter Zeit Zu kämpfen und zu streiten Die Götter, Niesen, Zwerge auf. Ein jeder wollt'S besitzen. Wer es besaß, ward sein nicht froh ' Und konnt's nicht dauernd nützen. Druck vs« Söve, * fco., Frankfurt a. I ä., tiöcfrafci SH Der Landmann denkt ans zweite Wort Mit Bangen oft und Zagen, Ob noch so hell in Busch und Wald Die Nachtigallen schlagen. Stets ward es als der Treue Pfand Von Liebenden geschätzet Und oft mit edlen Steinen auch Von Künstlerhand besetzet. In lust'gem Spiele treiben es Die Buben auf der Gasse Und schließlich braucht der Küfer es Auch noch zu seinem Faße. Einsender Xaver Lieck. Mathematische Aufsave. Schwer bepackt ein Eselchen ging und de« Eselchens Mutter; j Unb die Eselin seufzete sehr; da sagte das Söhnlein: .Mutter, was klagst und stöhnst du doch, wie ein jammerndes Mägdlein? Gib ein Pfund mir ab, so trag ich doppelte Bürde; Nimmst du es aber von mir. gleichviel dann haben wir beide." Rechne mir aus, wenn du kannst, mein Bester, wieviel sie getragen. Die Lösung soll nicht geraten werden, auch nicht durch Ansatz einer mathematischen Gleichung errechnet. Als richtige Lösungen gelten nur solche Einsendungen, welche angeben, wie die Antwort auf die gestellte Frage durch einfache Ueberleauna gefunden worden ist. 2. Rätsel. Ich bm dir treu bei Sonnenschein und Licht; Doch folg' ich dir durch Nacht und Dunkel nicht. Dem Schmeichler gleich, bin ich dein zweites Ich In Glanzes Schein; wird's trüb, verlaß ich dich. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Einsender bis 1. Septbr. einzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Auf dem Briefumschlag soll das Wort .Nütsellösung" stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.)' Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn sie. vollständig sind. Auflösungen ;u den Rätseln der vorigen Nummer. SttS-»rSIk«k: Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt. Wirrwarr: .Rätselpreis.* * Aätset: .Bleifeder." Nreise zu den Auflösungen der vorletzten Nummer. 1. Akätset: Der Buchstabe „I" — 4 richtige Lösungen. Worträtsel: Brieftasche = 3 richtige Lösungen. 2. Nälsek: Hanswurst — 2 richtige Lösungen. Preise erhielten: Grenadier Egolf. Frankfurt a. M. Kanonier Blödorn, Frankfurt a. M. * Die Lazarett.Zeitung erscheint zweimal monatlich. Len Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk de» XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung. Zuschriften sind zu adressieren: Lazarett-Zeitung. Frank surt a. M., Dheaterplatz 14. Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich vr. Sarl Gebhardt in Frankfurt a. M. Nummer 19. 15. August 1918. Matten-Lied.*) Ihr und wir. Ihr sangt sie alle, die Wacht am Rhein Und seid in den Kampf gestürmt. Stark klang euer Lied, und über den Rain Haben sich Leichen getürmt. Am roten Biwakfeuer des NachtS Drücket ihr froh euch die Hand. Aus euren todmüden Augen lacht's: Für Kaiser und Vaterland! . Wir fingen kein Lied, wir reden kein Wort, Wir reichen nur stnmm uns die Hand Und kämpfen auf staubigen Wegen fort, Wir ohne Vaterland. Unsere Söhne stehen, wie ihr, im Feld, ' Mitten in Wetter und Wind Und kämpfen, als ging's für sie um die Welt, Die ohne Vaterland sind. Und schwillt um uns empor der Haß Und drückt uns schmachvoll und schwer, Wir hüten ein Kleinod ohn' Unterlaß, Das ist die deutsche Ehr'. Wir halten rein, wir halten weiß . . Das deutsche, das herrliche Kleid, Und tief im Herzen beten wir heiß Um Gottes Gerechtigkeit. *) Ties Lied geht seit 1915 bei den Balten von Mund zu Mund, heimlich, ohne Verfassernamen, da Dichtung und Kenntnis solcher Lieder mit Kerker und Sibirien bestraft wurden. Küte dich, deutscher Wichet! Was hat die Feinde vor dem Krieg in ihrer Siegesgewitzheit am mächtigsten gestärkt? Dcr Glaube an unsere Uneinigk-it Nichts machte einen dickeren Strich durch ihre Rechnung, als der 1. August 1914. Darum hüte dich, du deutscher Michel, und wahre die Einigkeit mit allen Fasern deines Herzens! Das Ziel dieses Krieges ist der S eg, nicht« anderes. Man schämt sich, solche Binsenwahrheit niederzuschreiben, aber es ist nötig. Es gibt Leute, die meinen, da8 Ziel dieses Krieges sei die Aenderung der Verfassung oder der Schulen oder der Gerichte. Das sollen Folgen des Krieges werden, dafür wollen wir auch kümpsen; aber sie sind dl.ch — bei Gott — nicht das Ziel. Das Ziel bleibt einzig der Sieg Ich höre sie schon lachen in London und jubeln in Paris. Sie flüstern einander zu: .Bald haben wir Deutschland wieder so weit." Wie weit? Mitten im Parteihader und im üblen Volkszank. Das ist es, was sie wollen. Niemand macht den Engländern größere Freude, als wer im deutschen Volk Zwietracht sät. Darum hüte dich! Wir haben alle Hände voll zu tun; jeder Nero und Muskel ist nötig, um festzustehen beim Anprall der Feinde und berm Steigen der NahrungSnot. Hier lause nach, hier brennt's. WaS hilft das beste Wahlrecht, w?nn man nicht siegt? So lange der Feind vor den Toren steht, denkt man nur an das eine, wie wir ihn schlagen. Der Feind aber heißt weder Reichstag noch Herrenhaus, nicht Stadt oder Land, sondern England. Voller Sieg ist unsere einzige Losung. Es gibt Leute, welche immer noch meinen, der Feind wolle sich mit unS verständigen. Nein, lähmen will er uns, vernichten will er unsere Stellung, brechen will er unsere Macht aus ein Jahrhundert. Du bist und bleibst in der Politik ein unerfahrener Träumer. G»b denen den Laufpaß, die dir in den Ohren liegen mtt dem Wort: .Friede, Friede." Michel, du träumst, die Feinde wollen siegen und nichts weiter. Mußte denn Amerika und Cyina auch noch kommen, um dir das erst deutlich zu machen? Darum straffe deine Hand und denk' nur an dein Schwert. Der kürzeste Weg zum Frieden ist unser Sieg. Da8 preußische Klassenwahlrecht liegt am Boden. Ein Hohenzollernwort aus KriegeLsturmzeit bürgt dafür. Siegen wir, so ist die freie Bahn sür den Tüchtigen da, wa8 freilich kein Grundsatz der Gleichmacherei, sondern der besten Auslese ist und nicht dem Mittelmäßigen, sondern dem Leistungsfähigen in allen Schichten helfen soll. Siegen wir, dann hat das Volk Freude, Wohnungen zu bauen, Kinder zu zeugen, Acker zu pfttgen. Siegten wir nicht, dann wäre jede Lust zu Neuerungen gründlich verdorben. Dann erschöpfte uns der wilde Kampf um da8 nackte Leben, dann — ach, das ist ja unausdenkbar. Siegen heißt, den Feind zwingen, daß er um Frieden bittet. Wer nicht gewinnt, verliert. EL ist ein Irrtum, man müsse den Feind schonen, damit er später keine Revanche nehme. Die Sicherung unseres eigenen Millionenvolkes mit seiner hohen Kultur ist eine sittliche Ausgabe von so überragender Bedeutung, daß sie unser ganzes Hirn und Herz zu erfüllen berechtigt ist. Die Lust zur Revanche steigt, je schwächer sich ein Volk zeigt; mit einem Starken bindet man nicht gerne an. Darum wollen wir stark sein, damit wir später den Frieden wahren. Hüte dich, deutscher Michel. e8 gibt wahrhaft g wieder Leute, die dir den .Militarismus" leid reden wollen. Ihm allein hast du es zu danken, daß dein Haus noch nicht angezündet ist und dein Acker noch dir gehört. Die Grundlagen unseres deutschen Volkes und seiner Staaten sind gut. Wir wollen sie noch bessern, aber allein um unsretwillen, nicht um des Geschreis in der Welt da draußen willen. In deren Augen bleiben wir rückständige Barbaren, weil sie nicht mit uns fertig werden. Die Höhe unserer Kultur braucht uns von Newyork und Petersburg nicht bescheinigt zu werden. Lassen wir niemand tasten an Flotte und Heer. Sie sind der wirkliche Hort deS Friedens, das internationale FriedenS- gerede erscheint daneben wie eine Fliege, die sich aus Bismarcks Schwert am Hamburger Denkmal setzt. .Einen unnötigen Krieg hat kein Hohenzoller geführt und kann ihn nicht führen," so sagt der liberale Geschichtsforscher Mommsen. So scharen wir un8 um unfern Kaiser! Unser Volk leidet, aber e8 ist groß in seinem Leiden. ES weiß, welchen Preis es gilt, und wir sollen eS ihm nie, nie vergessen. Deine Stunde ist da, deutscher Michel, daß du zum Michatt werdest. So sammle alle Kraft und hüte dich, daß dir keiner etwas von deiner Stärke raube. Der englische König rief kürzlich laut in einem Lazarett: .Die Deutschen sind eine Schweinebande!" (The Germans are only swine). Merk es dir, schweige und handle! G. Traub. Pas Selöstöestimmungsrecht der Pölker. Wer hat eigentlich zuerst von dem zur Zeit so viel genannten Selbstbestimmungsrecht Gebrauch gemacht? DaS war Napoleon HI. Nach dem italienischen Krieg im Jahre 1859 ließ er in Savoyen und Nizza eine Abstimmung vornehmen. Er wollte aus diesem Wege prüfen, ob diese Provinzen sich künftig süc Frankreich entscheiden wollten oder nicht. Diese Volksabstimmung war natürlich ein lächerliches Posfenspiel. Bezeichnenderweise hat der Sozialdemokrat Bernstein, der die Geschichte der französischen Revolution von Heritier mit einem Nachwort versah, diese ganze Abstimmung mit wenigen spöttischen Worten abgetan. Heute aber gilt dieses Selbstbestimmungsrecht als der Zauberer, ohne den man nicht zu einem Frieden mit den Völkern kommen könne. Wie steht eS denn eigentlich in Wirklichkeit aus? Wenn man sich heute bei den Bolschewiki Rat holen will, dann erinnere man sich, wie sie selbst den Landtag der Esthen gewaltsam auSeinanderjagten. Wer wollte in dem Völkergewirr des Balkans eine wirkliche Gerechtigkeit erzielen, indem er dort den Völkern daS Selbstbestimmungsrecht einräumte? Wer so etwas will, kennt seinen Geographieatlas nicht. Rumänen. Bulgaren, Serben, Albanesen liegen alle untereinander. Aus einer Volksabstimmung muß doch wirklich der Sinn des Volkes herauskommen. Wie will man das denn machen bei Völkern, bei denen Hunderte und Tausende nicht lesen und schreiben können? Lebt man wirklich der Meinung, daß eine Volksabstimmung ein reineres Bild ergebe als eine in ehrlichem Ringen der Völker gefallene Entscheidung? Hier würde einfach daS Geld drn Aufschlag geben, und ich habe noch nie gehört, daß eine Bestechung mit Geld etwas Sittlicheres wäre als eine Entscheidung mit den Waffen. Schon der Sozialdemokrat Engels hat sich über die .sanften Nationblümlein" lustig gemacht. Nicht jedes Volk hat ohne weiteres das Recht auf Selbstbestimmung, so wenig wie das Kind dieses Recht besitzt. Man muß geschichtliche Reife gezeigt haben. Völker, welche sich bisher nur als Spielball sür die Intrigen großer Staaten hergaben und zum Herd für Verschwörungen wurden, haben im Rat der Völker keineswegs das gleiche Recht auf Selbstbestimmung wie die großen Reiche, welche in jahrzehntelanger friedlicher Kulturarbeit bewiesen, was sie der gesamten Kulturwelt leisten. Wer hat übrigens die -Völker der Litauen, Letten und Esthen überhaupt erst wieder zu selbstbewußten, eigenen Völkern gemacht? Ohne daS deutsche Schwert, das sie von Rußland losgelöst hat, wären sie bis heute nichts anderes als .russische Untertanen". Das deutsche Schwert hat ihr VolkSbewußtsein wieder befreit und erlöst. Diese grundlegende Tatsache bei der Entscheidung der Dinge nicht mitsprechen zu lassen, wäre geradezu geschichtliche Ungerechtigkeit. Der Sozialdemokrat Dr. Lensch erinnert in einem ausgezeichneten Artikel der Glocke (Nr. 8, Jahrgang 1915) die Sozialdemokratie daran, daß sie als Vertreterin der Arbeiterklaffe eine ausgemachte Gegnerin der .Kantönliwirtschaft" auf wirt- schastlichem wie aus weltpolitischem Gebiete sei. Wenn sie .durch künstliche Errichtung oder Erhaltung von kleinen Parzellenstaaten, durch die nicht der Zugwind der Geschichte weht", hoffen wollte, die Entwicklung der Arbeiterklassen zu fördern, so wird sie nur Enttäuschungen erleben. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, so wie es heute auSgedrutet wird, erscheint un8 nichts anderes als eine willkommene Phrase, um dem deutschen Volk sein Recht streitig zu machen, das ihm die Hingabe von Gut und Blut seiner Treuen vor der Welt und der Geschichte gegeben hat. Die Sozialisten aber müssen sich des Wortes von Engels erinnern: .Wir bemerken, daß die Theorie der allgemeinen Völkerverbrüderung als Verbrüdern ins Blaue hinein von den Redakteuren der .Neuen Rheinischen Zeitung" schon lange vor der Revolution bekämpft worden ist und zwar damals gegen ihre besten Freunde, die englischen und französischen Demokraten". Sorträge. Seit zum letzten Male an dieser Stelle und im öießener Anzeiger über Vorträge und Unterhal- ungSabende für Verwundete im Anatomischen Jn- titut berichtet wurde, haben solche, wenn auch oeniger häufig, weiterhin stattgefunden. Im Juni lnd Juli wurden im Abstand von je 14 Tagen »irr UnterhaltungSabende in dem genannten Jn- titut veranstaltet. Herr Bakos hat seine Kunst n den Dienst der guten Sache gestellt und hat seine Zuhörer durch Vortrag ernster und heiterer Prosa md Poesie erfreut. Herr Dr. Schneider zeigte nittelS des Projektionsapparates Bilder aus dem Deltkrieg, von denen besonders die aus Zeit- chriften der Entente genommenen Interesse erregten. Zräulein eand. med. Breidenbach rezitierte Gerichte neuerer Autoren, Fräulein cand. med. Mulch ang Lieder zur Laute. Mittels eines ausgezeichneten Grammophons, das kürzlich eine gütige Spenderin dem Roten Kreuz geschenkt hat, wurden Arien ms Opern wiedergegeben, nachdem der Unterzeichnete vorher den Inhalt der Oper und den Text rer Lieder den Zuhörern erläutert hatte. An- Tnzavekk-Zcikung. wesend waren jedeSmal 50—60 Verwundete. — Der Beifall, den die Vorführungen fanden, zeigte, daß die Vortragenden Mühe und Zeit nicht vergeben« geopfert hatten. Dr. Henneberg. Wenvundeten-AnterricKt Kreis- uitd Ortsausschuß, Kicßen, für die Kriegsöeschädigteu-Aürsorge, Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 635). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstag nachmittag, von 8—12 und 2—5 Uhr. Werkst atte. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Geöffnet Montag bis Freitag von 8 — 12 und 2—6 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus, 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. - Berufsberatung: GewerbehauS, Erd ge- schoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erd- geschoß. Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. v Keweröeschule (KirMraße Ba uzeichnen, ' / Fachzeichnen, ) Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag Freihandzeichnen, \ von 9 —12 Uhr. v Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. WechseUehre,' Montag und Mittwoch von 2-5 Uhr. Rechnen. Montag von 2—5 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—6 Uhr. roitb e „ r ‘ eitt oon den Herren Appel. Bert. Klein, Fritzel. Haggen Mull er, Prof. Dr. Krausmüller uitb 2 Architekten. Welbiingett werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr. entaeaen genommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. 9 9 Vandksausschich für Irriegsbeschädigtkn- Jürsorge im Ueg.-Besirlr Wesliaden Geschüftsstelle: Frankfurt a. M., Bleichstr .18 pt. Sprechstunde 8—3 Uhr. Fernruf Amt Hansa 7396, 7397 und 7398. Bewerber für unten ausgeschriebene Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des LandeSauSschusfes für Kriegsbeschä- digten-Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Auskunft in allen Rentenfragen erteilt. lks wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die Tagebuchnummer mit anzugeben. Gesucht werden für 87j7. Speditionfdeschart einige Expedienten. 88|7. vergleichen ein Buchhalter. 89|7. Vlletallwerke in der nähe Jrankfurti ein Lagerverwalter. 90(7. Gapeziergeicbäft ein Tapeziergehilse. 9117. UJeingroubandlung in Reuen ein Weinküser. 9217. ßbemiKbe Fabrik am Rhein ein Lagerverwalter. 93|7. verglelcben einige Kaufleute. 94>7. vribopldiicber Sercbalt ein zuverlässiger Ausläufer. 9517. Krfegiindustriellen Betrieb ein Platzmeister. 9617. Konditorei ein Konditor. ^ 9717. Kriegsindustriellen Betrieb ein Werkzeugaus- geber. . 9817. Desgleichen mehrere Schlosser oder Spengler. 99/7. Lirentvarenbandlung ein Ausläufer für leichte Arbeiten. . 10017. rcbubmacberei ein Schuhmacher. 101|7. Tubrgeicbäft ein Mnschinenführer. 1 02|7. CobnkutKberei ein Kutscher. 103|7. Cebrer in Ort am Kbein ein Hauslehrer, bet englisch und französisch kann, bei freier Station. 10417. Fubrgercbält ein Fuhrmann. 105>7. Inrtallationrgercblft ein Spengler oder Schlosser. 1067. Kriegsindustriellen Betrieb ein Werkstatt- schreiber. 10717. Rommunalverwaltung ein vertrauenswürdiger junger Kaufmann für Büroarbeiten. 1|8. ScbubmacbcrmeUtcr in Ottenbach a. m. ein Schuhmachergehilse. 2|8. Perlen-und Kranzfabrik ein Ausläufer, welcher gleichzeitig packen kann. 3>8. cuxurwarengerebalt ein Ausläufer. 416. Cicbtipieltbeater ein Portier. 5|8. Zündbolzfabrik am Rhein ein Schlosser, welcher Zündholzmaschinen reparieren kann. 6>8. 6rozrberzogl. hessisches Graindepot eine Anzahl Arbeiter. 7 > 8 . Praktizierender Brzt im Kreise Schlüchtern ein Chauffeur oder Schlosser. 8>8. Efektrophotographische OeielUcbaft ein Kaufmann für Büro (Schreibmaschine und Stenographie). 8|8a. Desgleichen ein Lagerist und Expediert. 9|8. Desgleichen ein verheirateter Packer, welcher später die Hausmeisterstelle übertragen bekommt. praktische Aröeiken in den Leyrmerk-Iätlen. Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei Schmiede, täglich 8 Korbflechten, täglich von 9—12 und 2 — 6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von 8 — 12 und 2—6 Uhr. -12 und 2-6 Uhr. II. Unterricht in Lazarette» »ad im Sotbatentiei»,. S t e n o g r a p h i e (Gabelsberger System). Dienstag und Freitag von 8—9 Uhr abends. Polizeik.-Aspirant Karnbach. Versich erungs- und Fürso rgewesen. Dienstag und Freitag 2^-3H Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung. Kciegsoersorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz-, Flecht- und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. Kießener ^Lazareltöeratung. Seit Juni 1916 ist mit Genehmigung der Militär-Sanitätsbehörde in den Gießener Lazaretten die Lazarettberatung eingeführt, wie solche Einrichtung auch an anderen Orten besteht. Von einer Anzahl Gießener Herren, die sich in dankenswert-ster Weise freiwillig zur Verfügung stellten, hat je einer ein Lazarett übernommen, das er wöchentlich ein- oder zweimal besucht, um mit den Verwundeten in Verkehr zu treten und diesen in persönlichen Angelegenheiten Auskunft und Rat zu erteilen, wenn solcher gewünscht wird. Die Lazarettberater übernehmen die Vermittlung zwischen ihren Schutzbefohlenen und der Berufsberatung, dem Stellen und Arbeitsnachweis sowie der Beratungsstelle für Verstcherungs- und Fürsorgewesen. Sie korgen auch, wenn sie darum gebeten werden, für Anregung und Unterhaltung der Lazarettinsassen. Verschiedentlich haben sie mit diesen Spaziergänge unternommen und haben sie in die Museen der Stadt geführt. Endlich weisen sie die Verwundeten auf die Benutzung der Lazarettbibliotheken, auf die Lazarettzeitung, den Verwundetenunterricht und die Vorträge oder Abendunterhaltungen hin. Zur Zeit sind folgende Herren als Lazarettberater tätig: Dr. Berger: Ohrenklinik Prof. Eger: Medizinische Klinik Kaufmann Horst: Eoangel. Schwesternhaus Prof. Koob: Kath. Schwesternhausu. Vereinshaus Rechtsanwalt Leun: Frauen- und chicurg. Klinik Prof. Michel: Knabenschule Geh Rat Mittermaier: Alte Klinik Dr. Rhotert: Alte Klinik Dr. Schneider: Alte Kiinil Prof. Trapp: Siechenhaus Pccsessor Bousset: Steins Garten. Für Akademiker, die in Angelegenheiten ihres Studiums Rat suchen, ist Herr Sekretär Erle auf dem Unioersitätssekretariat (Sismarckstr.) während seiner Dienststunden zu sprechen. Dr. Henneberg. Ausstellung von Arbeiten Kriegsbeschädigter, Aewerbeyaus, Kirchür. 16 geöffnet: Werktags von 8-12 und 3-6 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsausschuß Gießen für die Kriegsbeschädigteu-Mrsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. Das Kießener Sotdatenyeim. Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burg grabe n 9, Eingang von der Marktstraße aus, nahe am Markt. Zeitungen. Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Einfache Erfrischungen werden zum Selbstkostenpreise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu hergerichtet. Bis aus weiteres sollen an jedem Donnerstag nachmilttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Kießener Sehenswürdigkeiten. 1. Sammlungen des Höerhessischen Heschichts- Vereins und der Wilhelm Haitschen Stiftung. Im alten Schloß, Brandplatz. Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Vötkermuseum, neben der alten Kaserne. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Hießener Kunstsammlung, im neuen Schloß über dem Völkermuseum, Sonntag 11—1 Uhr. 4. Botanischer Harten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8 — 12 und 2—5 Uhr, Sonntags von 9—12 Uhr. 5. Lesehalle des Kießener Leseöallen-Bereins im Forhaus, Settersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Schriftleitung der Gießener Beilage: Geh. Hofrat Dr.J?. H aup t. Gießen. Keplerstraße 1. und 1 rofeffor Dr. Karl Helm, Gießen, Stefanstraße 7.