Vnw? ijcraxu? gegeben^ Surdy (luejB^uß füv n>om dwoiavej’dn SteL An der Schwelle des fünften Kriegs,jahrcs. Zwei Briefe. Im Felde, 9. Juli 1918. .Die Batterie liegt mitten im wogenden Korn, und selten stört der Feind das Lied der reifenden Aehren. Ungehindert sitze ich stundenlang im warmen Sonnenlicht, das um alle Gedanken einen kleinen Heiligenschein von Freude und Glück hervorzaubert. Den Krieg halte ich mir so weit wie möglich vom Leibe. Ich kenne nur einen heißen Wunsch: Flieden! Schluß mit dem fürchterlichen Wahnsinn! Diesem Morden noch einen tiefen idealen Sinn zu geben, wage ich aus die Dauer nicht mehr. Es klingt zu grausam in dieser kleinen Wirklichkeit. Die Zeitung erregt in mir stets neuen Unwillen. Das ist die große Zeit, das ungeheuere Erleben der Weltgeschichte, das sittlich geläuterte Deutschland! Wohin man sieht, Streit, Zweifel, schreiender Egoismus. Da überlasse ich lieber der Geschichte, der Zukunst, die Lösung dieser Frage im ideellen Sinne. Es wird eine ganz schwere Zeit geben, wenn erst der Frieden kommt. * * * Frankfurt, 29. Juli 1918. Lieber Freund! Was Sie mir schreiben, hat" mich innerlich getroffen. Wenn Ihre Jugend, Ihre Begeisterungs- sühigkeit irre wird an der Aufgabe, die uns gestellt ist, wie sollen die es vermögen, denen nicht der Schwung im Innern hinweghelfen kann über alles Schwere und Oede der Tagesarbeit. Freilich frage ich mich, haben wir zu Hause ein Recht, denen draußen ein Wort zu sagen, die^wir doch eben das Schwerste nicht selber trqgen müssen. Doch vielleicht dürfen wir gerade, halb als Zuschauer, unsere Gedanken denen geben, die draußen sind. Wir sehen die großen Dinge der Weltgeschichte von anderem Standpunkte, als die dabei waren. Für uns sind die Freiheitskriege vor hundert Jahren eine Heldengeschichte. Ausflammende Begeisterung, frischer Heerzug über alle GauenDeutschlands, vernichtende Schlachten, Eroberungen feindlichen Landes, Vertreibung des Erzfeindes. Für die, die dabei waren, ist es noch etwas anderes gewesen. Furchtbare Kämpfe kriegsungewohnter Truppen gegen den größten aller Feldherren, ermüdende Märsche kreuz und quer, die keine Eisenbahn verkürzte, schlechte Verpflegung in Ländern, die vieljähriger Krieg ausgesogen, Schmutz und Krankheiten, die keine Lazarette heilten, Wunden ohne Chirurgie, Operationen ohne Narkose und was alles noch. Und glauben wir, daß damals keine Selbstsucht geherrscht? Die Geschichte berichtet freilich nur von der Selbstaufopferung des Jahres 1813, da die Frauen ihren Schmuck und ihre Haare dem Vaterland gaben, aber nichts von den Kriegslieferanten jener Tage. Ist es so nicht irgend wie immer? Nur die Ferne macht alles schön, in der Nähe sehen wir das Kleine und Häßliche. Ist darum die Nähe wahr und die Ferne unwahr? Lügt die Weltgeschichte? Die Befreiungskriege sind wirklich gewesen, was sie uns scheinen, Heldenkämpfe eines Volkes, mögen sie auch sonst noch, sein, was immer, und unser Krieg ist, was wir wollen, daß er sei, der grandiose Kampf eines Volkes um seine Freiheit und sein Dasein vom ersten bis zum letzten Tage. Er hat den Sinn, "den wir in ihn hineinlegen. Ist das Morden sinnlos? Es wäre sinnlos, wenn wir den Frieden haben könnten, wenn wir es fortsetzten nur um andere Länderzu unterwerfen, Boden zu gewinnen, von dem wir nicht wissen, ob wir ihn nutzen können. Wir haben getan, was wir konnten, um dem fürchterlichen Wahnsinn dieses Krieges ein Ende zu machen. Alle unsere FriedenSerbietungen haben nichts genutzt; nutzen könnte nur eines, das Bekenntnis: Wir sind besikgt. Darum muß dieses Morden weiter gehen; denn mit diesem Bekenntnis, mit der Hingabe unserer nationalen Existenz, dürfen wir den Frieden nicht erkaufen. Welches idealen Sinn aber brauchen wir noch als das Bewußtsein, einzustehen für unser-Volk? Daß die Gesinnung so sich geändert hat, wer wollte es bestreiten. Die wenigen Leute, die noch etwas von dem Geiste der Augusttage 1914 sich bewahrt haben, erscheinen seltsam altmodisch, fast ein wenig so, wie die Leute, die noch einen Zops trugen, während alle anderen schon glatt geschoren waren. Es war freilich eine Täuschung zu meinen, daß die Begeisterung einiger Wochen neue Menschen schaffen könnte. Die Selbstsucht bleibt nach wie vor dir Triebfeder des Menschen, und was im Rausche der Begeisterung gelähmt schien, hat wieder sehr kräftig sich regen gelernt. Sollen wir darum an den Menschen verzweifeln. oder meinen, dieses.Deutschland des Egoismus und des Eigennutzes sei der Opfer nicht wert? Mit diesem Deutschland ist es wie mit dem Kriege. Es hat nur so viel Wert, als wir ihm Wert geben können. Alle diese Opfer sollen nicht für das Deutschland gebracht werden, das wir in seinem Streit und Hader und in seiner Selbstsucht sehen, sondern für ein neues Deutschland, dem wir einen neuen Wert geben wollen. Auch der Freiheitskrieg vor hundert Jahren ist in solchen Gedanken geführt worden. Man wollte den Feind abwehren, das eigene Dasein behaupten, damit dieses gerettete Deutschland wertvoller sei für alle seine Söhne. Damals ist das Volk durch die verblendete Selbstsucht weniger Machthaber um den Lohn seines Kampfes betrcgen worden. Diesmal kann es nicht mehr so sein! Aus diesem Kampfe muß ein neues Deutschland hervorgehen, kein Deutschland, in dem Selbstsucht und Eigennutz bequem genießen mögen, was sie im Kriege errafft, sondern ein Land, das jedem gewährt, was es an Besitz und Bildung, an Gütern jeder Art durch den Krieg bewahrt und gesichert hat. Das Wort .einer für alle, alle für einen" soll nicht die Losung des Krieges, sondern auch die Losung des Friedens sein. Ein neues Deutschland muß aus diesem Kriege hervorgehen, und für dieses Deutschland kämpfen wir. Das Wettetweiö von Locarno. Von Heinrich v. Kleist. Am Fuße der Alpen, bei Locarno im oberen Italien, befand sich ein altes, einem Marchese gehöriges Schloß, das man jetzt, wenn man vom St. Gotthard kommt, in Schutt und Trümmern liegen sieht: ein Schloß mit hohen und weitläufigen Zimmern, in deren einem einst, auf Stroh, das man ihr unterschüttete, eine alte kranke Frau, die sich bettelnd vor der Tür eingefunden hatte, von der Hausfrau, aus Mitleiden gebettet worden war. Der Marchese, der. bei der Rückkehr von der Jagd, zufällig in das Zimmer trat, wo er seine Büchse abzusetzen pflegte, befahl der Frau unwillig, aus dem Winkel, in welchem sie'lag. auszustehn, und sich hinter den Ofen zu verfügen. Die Frau, da sie sich erhob, glitschte mit der Krücke auf dem glatten Boden aus, und beschädigte sich, aus eine gefährliche Weise, das Kreuz; dergestalt, daß sie zwar noch mit unsäglicher Mühe aufstand und DaMvrk?-DrMrns> quer, wie cs ihr vorgeschrieben war, über das Zimmer ging, hinter dem Ofen aber, unter Stöhnen und Aechzen, niedersank und verschied. Mehrere Jahre nachher, da der Marchese, durch Krieg und Mißwachs, in bedenkliche Vermögensumstände geraten war, fand sich ein florentinischer Ritter bei ihm ein, der das Schloß, seiner schönen Lage wegen, von ihm kaufen wollte. Der Marchese, dem viel an dem Handel gelegen war, gab seiner Frau auf, den Fremden in dem oben erwähnten, leerstehenden Zimmer, das sehr schön und prächtig eingerichtet war, unterzubringen. Aber wie betreten war das Ehepaar, als der Ritter mitten in der Nacht, verstört und bleich, za ihnen herunterkam, hoch und teuer versichernd, daß es in dem Zimmer spuke, indem etwas, das dem Blick unsichtbar gewesen, mit einem Geräusch, als ob es auf Stroh gelegen, im Zimmerwinkel aufgestanden, mit vernehmlichen Schritten, langsam und gebrechlich, guer über das Zimmer gegangen, und hinter dem Ofen, unter Stöhnen und Aechzen' niedergesunken sei. Per Marchese, erschrocken, er wußte selbst nicht recht warum, lachte den Ritter mit erkünstelter Heiterkeit aus, und sagte, er wolle gleich aufstehen und die Nacht, zu seiner Beruhigung, mit ihm in dem Zimmer zubringen. Doch der Ritter bat um die Gefälligkeit, ihm zu erlauben, daß er. auf einem Lehnstuhl, in seinem Schlafzimmer übernachte, und als der Morgen kam, ließ er anspannen, empfahl sich und reiste ab. Dieser Vorfall, der außerordentliches Aufsehen machte, schreckte, auf eine dem Marchese höchst unangenehme Weise, mehrere Käufer ab.- dergestalt daß, da sich unter seinem eigenen Hausgesinde,' befremdend und unbegreiflich, das Gerücht erhob, daß es in dem Zimmer, zur Mitternachtstunde' umgehe, er, um es mit einem entscheidenden Verfahren niederzuschlagen, beschloß, die Sache in der nächsten Nacht selbst zu untersuchen. Demnach ließ er, beim Einbruch der Dämmerung, sein Bett in dem besagten Zimmer aufschlagen, und erharrte ohne zu schlafen, die Mitternacht. Aber wie erschüttert war er. als er in der Tat. mit dem Schlage der Geisterstunde, das unbegreifliche Geräusch wahrnahm; es war, als ob ein Mensch sich von Stroh, das unter ihm knisterte, erhob, quer über das Zimmer ging, und hinter dem Ofen, unter Geseufz und Gerüche!. niedersank. Die Marquise, am andern Morgen, da er herunterkam, fragte ihn, wie die Untersuchung abgelaufen: und da er sich, mit scheuen und ungewissen Blicken, um- sah, und, nachdem er die Tür verriegelt,' versicherte, daß es mit dem Spuk seine Richtigkeit habe: so erschrak sie. wie sie in ihrem Leben nicht getan, und bat ihn, bevor er die Sache verlauten ließe, sie noch einmal, in ihrer Gesellschaft, einer kaltblütigen Prüfung zu unterwerfen. Sie hörten aber, samt einem treuen Bedienten, den sie mit- gegommen hatten, in der Tat, in der nächsten Nacht, dasselbe unbegreifliche, gespensterartige Geräusch ; und nur der dringende Wunsch, das Schloß, es koste, was es wolle, los zu werden, vermochte sie, das Entsetzen, das sie ergriff, in Gegenwart ihres Dieners zu unterdrücken, und dem Vorfall irgendeine gleichgültige und zufällige Ursache, die sich entdecken lassen müsse, unterzuschieben. Am Abend des dritten Tages, da beide, um der Sache auf den Grund zu kommen, mit Herzklopfen wieder die Treppe zu dem Fremdenzimmer bestiegen, fand sich zusällig der Haushund, den man von der Kette losgelassen hatte, vor der Tür desselben ein- dergestalt, daß beide, ohne sich bestimmt zu er! klären, vielleicht in der unwillkürlichen Absicht, außer sich silbst noch etwas Drittes, Lebendiges! bei sich zu haben, den Hund mit sich in das Zim! mer nahmen. Das Ehepaar, zwei Lichter auf dem Tisch, die Marquise unausgezogen, der Marchese Degen und Pistolen, die er aus dem Schrank genommen, neben sich, setzten sich, gegen elf Uhr jeder auf sein Bett; und während sie sich mit Gesprächen, so gut sie vermögen, zu unterhalten suchen, legt sich der Hund, Kopf und Beine zu- sammengekauert. in der Mitte des Zimmers nieder, und schläft ein. Drauf, in dem Augenblick der Mitter! nacht, läßt sich das entsetzliche Geräusch wieder hören; jemand, den kein Mensch mit Augen sehen kann, hebt sich, auf Krücken, im Zimmerwinkel empor; man hört datz Stroh, das unter ihm rauscht; und mit dem ersten Schritt: tapp l tappl erwacht der Hund, hebt sich plötzlich, die Ohren spitzend, vom Boden empor, und knurrend und bellend, gerade als ob ein Mensch auf ihn eingeschritten käme, rückwärts gegen den Ofen weicht er aus. Bei diesem Anblick stürzt die Marquise, mit sträubenden Haaren, aus dem Zimmer; und während der Marchese, der den Degen ergriffen: Wer da? ruft, und, da ihm niemand antwortet, gleich einem Rasenden,' nach allen Richtungen die Luft durchhaut, läßt sie anspannen, entschlossen, augenblicklich nach der Stadt abzufahren. Aber ehe sie noch nach Zusammenraffung einiger Sachen aus dem Tore herausge. rasselt, sieht sie schon das Schloß ringsum in Flammen aufgehen. Der Marchese, von Entsetzen überreizt, hatte eine Kerze genommen und dasselbe, überall mit Holz getäfelt wie es war. an allen vier Ecken, müde seines Lebens, angesteckt. Vergebens schickte sie Leute hinein, den Unglücklichen zu retten; er war auf die elendiglichste Weise bereits umgekommen, und noch jetzt liegen, von den Landleuten zusammengetragen, seine weißen Gebeine in dem Winkel de« Zimmers, von welchem er das Bettelweib von Locarno hatte aufstehen heißen. Volkslieder im Krieg Liebe Kameraden! Wenn in O.. einem kleinen Taunusdorfe, irgend ein Ereignis die Gemüter stark bewegte, so dauerte es keine 24 Stunden, dann fjatte der D. ein Gesuchen darauf gemacht, dem er irgend eine Melodie unterlegte. Das Liedchen sang er einmal im Wirtshaus, und dann lernten es alle jungen Burschen und Mädchen, trugen's hin und her bis es durch ein anderes abgelöst wurde. Einen Teil dieser Lieder habe ich ausgeschrieben, von anderen aber sind mir nur noch Bruchstücke in der Erinnerung. Als ich kurz vor dem Kriege, nachdem ich drei Jahre nicht in O. gewesen und der D. wer weiß wohin gezogen war, wieder nach O kam und die mir fehlenden Lieder zusammensuchen wollte, da kam bei der ganzen Sucherei nicht viel heraus: Bruchstücke, sonst nichts. Der Weltkrieg hat es mit sich gebracht, daß eine ganze Reihe von Liedern umgemodelt worden ist. daß neue entstanden sind usw. Nun dauert der Kueg schon vier Jahre, und wenn man jemand fragt, ob er noch weiß, welche Lieder im Jahre 14 ganz zu Anfang gesungen wvrden sind, so macht er meist ein verdutztes Gesicht. Bon den Liedern, -j die damals neu auskamen, sind in der Erinnerung auch meist nur Bruchstücke übriggeblieben. Das ist aber schade und ein Schimms und ein Spott für uns. Denn in den Liedern spricht sich deutlich aus, was wir gedacht haben, sie sind ein Spiegel unserer Stimmung und damit ein Stück Weltgeschichte, ein Stück des gewaltigsten aller Kriege. Als man nach dem Kriege Siebzig dran gehen und die Lieder sammeln wollte, die damals gesungen wurden, da ging es den Sammlern wie mir mit den Liederchen des D. in O. Es war nichts Richtiges mehr da. Weil man aber eingesehen hat, daß das diesesmal nicht so gehm darf, drum will man jetzt anfangen zu sammeln. Für Nassau hat sich in Frankfurt a. M. ein Volksliedsammelausschuß zusammengetan. Nach dem Krieg wird er von Dorf zu Dorf alle Volkslieder, natürlich auch solche, die mit dem Krieg garnichts zu tun haben, sammeln. Jetzt aber sagt er sich, die notwendigste Arbeit muß zuerst getan werden; jetzt müssen wir Soldatenlieder sammeln. Wir müssen, wenigstens von unseren nassauischen Truppenteilen und von den Nassauern, die in anderen Truppenteilen drin steckten, wissen, was sie daheim und draußen gesungen haben. Wenn dabei von Nichtnassauern etwas einkommt, so ist es umso besser, denn man kann dann bei Nassauern wieder ansragen, ob sie das Lied auch kennen. Ja, aber wer soll denn-nun die Lieder aufschreiben? Kameraden, es hat jetzt jeder im deutschen Land reichlich seine Arbeit. Wenigstens die, die schaffen wollen, die haben alle Hände voll zu tun. Da bleibt eben nur ein Weg, die bitten, die durch das Geschick dazu bestimmt sind, für eine Zert sich von aller ernsten Arbeit fern zu halten. Und das sind die, die im Lazarett sind oder in Genesungsheimen weilen. Ich habe selbst ein paar Monate als Kranker in einem Lazarett zugebracht und kenne die Langeweile, die einem da verfolgt, gerade gut genug. Ich weiß, wie froh man oft für eine Beschäftigung ist, von der man sagen kann, sie ist nicht nutzlos. Und soviel ist sicher: das Auf- s hreiben der Lieder, die in der Kaserne und nachher im Felde gesungen worden sind oder noch werden, ist keine nutzlose Sache. Denkt nur einmal an ein Lied von Napoleons Rückzug 1812, eins, das-euch aus der Schule vielleicht bekannt geworden ist — übrigms Hab' ich's in Schmitten im Taunus 1910 noch singen hören von einem alten Manne — Trommler ohne Trommelstöck, Kürassier in Weiberröck, Ritter ohne Schwert, . ! Reiter ohne Pferd. Mit Mann und Roß und Wagen So hat sie Gott geschlagen. Das macht doch den ganzen furchtbaren Rückzug lebendiger als die schönste Erzählung! 1 Vielleicht ist die Sache sogar leichter als man denkt! Es ist doch sicher hier und da einer, der sich in sein Notizbuch das eme oder andere Lied ausgeschrieben hat. Wer ein bißchen Spaß an der Singerei hat, der tut das doch. Dann wär's ja nur nötig, daß ihr das Notizbuch einschicktet, der VolksUedsammelausschuß könnte sich die Lieder abschreiben und gäbe dann neben dem Notizbuch auch noch irgend ein anderes lesenswertes Buch als Belohnung an öen Einsender zurück. Und die anderen Lieder brauchtet ihr auch nicht einmal ganz aufzuschreioen, sondern nur die Anfänge auf eine Postkarte zu schreiben, die Postkarte einzuschicken, und dann würde der Volksliedsammelausschuß in einem Brief euch um das eine oder andere Lied besonders bitten. Für eure Arbeit aber würde euch außer der selbstverständlichen Ersetzung der Auslagen auch noch aus Wunsch eine Vergütung werden; viel nicht, denn für die Singerei ist eben nicht viel Geld da. Und an wen sendet ihr euere Auszeichnungen ein? An die Lazarett-Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14, das ist das beste.' Die übermittelt dann euere Einsendungen an den Volksliedsammelausschuß und bestätigt jedesmal in einer ihrer Nummern den Empfang euerer Sendungen. Notizbücher werden am besten eingeschrieben geschickt. Und nun auf zur Arbeit! O. St. Nrt'auösftagen Welche Bezüge habe ich während des Urlaubs? Kranke und verwundete Unterosfiziere und Mannschaften in den Lazaretten dürfen von den Chefärzten beurlaubt werden. Dieser Urlaub wird regelmäßig nur in besonders begründeten Fällen erteilt, z. B. während der kirchlichen Festzeiten, zur Beseitigung häuslicher und privater Notstände. Erholungsurlaub. Den in solchen Fällen beurlaubten Unteroffizieren und Mannschaften steht Löhnung und Beköstigungsgeld während des Urlaubs zu. Das gleiche gilt bei Urlaub zur Wiederherstellung der Gesundheit, sowie zur Arbeitsaufnahme im eigenen Betrieb oder im Betrieb von Eltern und Geschwistern, falls Löhnung nicht ohne Not entbehrt werden kann. Bei Urlaub zur besoldeten Tätigkeit in fremden Be- trieben wird Löhnung und Beköstigungsgeld nur bis Ende des Monatsdritlels gewährt, während dessen der Urlaub angetreten ist. Bei häufig wiederkehrenden Beurlaubungen, z. B. bei Sonntagsbeur- laubungen. wird nur Löhnung, aber nicht Bekösti. gungsgeld gewährt. Die Höhe des Beküstigungsgeldes beträgt in all diesen Fällen jetzt 2 Mk. < 1 fl . 2 0 a b: di h. q 3i li bi U| Ql * % 9( rir Ur LajsrrM Nrkkrrng. Wie habe ich mich zu verhalten, wenn ich während des Urlaubs erkranke? Der Ssldat hat sich sofort ins nächste Militär- lazarett zu begeben oder dorthin bringen zu lassen. Nur, wenn die Erkr«nkung so schwer war, daß die Uebersührung dorthin nach ärztlichem Gutachten unmöglich war, hat die Ortsbehörde für Pflege und Behandlung zu sorgen, und zwar bis zum Eintritt der Transportfähigkeit. Die nach den niedrigsten Sätzen zu berechnenden Arztgebühren, die BefSrderungs-, Wartungs-, Verpfl-gungs- und unter Umständen auch Beerdigungskosten sind, soweit es sich dabei um die Bezahlung notwendiger, ortsüblicher Leistungen nach ortsüblichen Sätzen handelt, von der betr. Ortsbehörde bei derjenigen Korpsintendantur einzufordern, in deren Bezirk der Erkrankungsort liegt. Der Soldat hat von seiner Erkrankung sofort seinem Truppenteil Nachricht zukommen zu lassen. Außerdem hat er dem Garnisonkomm«ndo seines Aufenthaltsortes, falls sich dort ein Garnisonkommando befindet, sonst dem Gepreindeältesten oder dem Bürgermeister Mitteilung zu machen. Wie kann ich Nachurlaub beantragen? Nachurlaub kommt in Frage, wenn der Soldat sich auf Urlaub befindet und Umstände einlreten, die die Verlängerung des Urlaubs geboten erscheinen lassen. Als solche dringenden Gründe kommen in Betracht, wenn schwere Erkrankungen in der Familie, Sterbesälle usm. Eintreten. Diese Umstände sind durch ein amtliches Zeugnis (Bürgermeister, Magistrat oder Bezirksarzt) beglaubigt, zusammen mit dem Nachurlaubsgesuch dem Chefarzt .Eingeschrieben" zuzusenden. Der Soldat wird, wenn möglich, sein Nachurlaubsgesuch -einige Tage vor Ablauf deS Urlaubs vorlegen, sodaß er noch vor Ablauf des Urlaubs den Bescheid des Chefarztes erlangen kann. Trifft keine Antwort ein, so hat er auf jeden Fall mit Ablauf seines Urlaubs zurückzukchren, um sich nicht wegen unerlaubter Entfernung strafbar zu machen. In dringenden . Fällen (Sterbefall) kann die amtliche Bescheinigung gegen mäßige Gebühr mit dem Urlaubsgesuch telegraphisch übermittelt werden. (Aus dem .Merkbüchlein fürs Lazarett", herausgeqebrn von der Zentralstelle der Lazarett-'öeratung des Roten Kreuzes, Frankfurt a. M.) Widerrufliche Aentenzufchkäge. Der Kriegsminister hat eine Verordnung erlassen über die Gewährung widerruflicher Rentenzuschläge. ES heißt darin: .Mit Rücksicht auf die außerordentlichen Teuerungsverhältnisse sind zu den nach dem Mannschaftsversorgungsgesetz vom 31. Mai 1906 vorgesehenen Renten mit Wirkung vom 1. Juli 1918 an widerrufliche, in Monatsbeträgen zahlbare Rentenzuschläge von Amts wegen ohne Prüfung der Bedürfnisfrage zu gewähren: 1. allen Versorgungsberechtigten. deren Ansprüche aus einer nach dem 1. August 1914 stattgefundenen Dienstleistung entstanden sind; 2. den auf Grund einer vor dem 2. August 1914 stattgefundenen Dienstleistung versorgungsberechtigt gewordenen Personen, soweit sie an einem Krieg oder Schiffbruch teilgenommen oder aus die Kriegszulage oder die Tropenzulage oder die Luftdienstzulage oder Rentenerhöhung nach § 57 des Mannschaftsoersorgungsgesetzes 1906 Anspruch haben. Die Rentenzuschläge kommen nur für solche Personen in Betracht, bei denen mindestens eine Erwerbsunfähigkeit von 60 Proz. .vorliegt, und zwar werden gewährt bei 50 Proz. bis ausschließlich 60 Proz. Erwerbsunfähigkeit 120 Mk. jährlich, bei 60 Proz. bis ausschließlich 70 Proz. Erwerbsunfähigkeit 180 Mk. jährlich, bei 70 Proz. bis ausschließlich 80 Proz. Erwerbsunfähigkeit 240 Mk. jährlich, bei 80 Proz. bis ausschließlich 90 Proz. Erwerbsunfähigkeit . 300 Mk. jährlich, bei 90 Proz. bis ausschließlich 100 Proz. Erwerbsunfähigkeit 360 Mk. jährlich, bei 100 Proz. Erwerbsunfähigkeit 432 Mk. jährlich. Die Empfänger bedingter Renten sind mit dem halben Betrage der Zuschläge abzufinden. Soweit sich unter den in Ziffer 2 genannten Personen solche befinden, die nach anderen Gesetzen als dem Mannschaftsversorgungsgesetz 1906 abgefunden sind, gelten die gänzlich Erwerbsunfähigen als 100 Proz. und die größtenteils Erwerbsunfähigen als 66 2 / 3 Proz. erwerbsunfähig. Die teilweise Erwerbsunfähigen finden keine Berücksichtigung. Die Rentenzuschläge unterliegen nicht den Regelungsvorschriften des § 136 des Mannschaftsversorgungsgesetzes 1906, sie gelten aber als Versorgungsgebührmsse im Sinne der §§ 33, 35 und 38 und als Gnadengebührnisse im Sinne des § 39 des Mannschafrsoersorgungs- gesetzes 1906. Die Rentenzuschläge sind bet Feststellung von B.'rsorgungsgebührnissen usw., deren Zuständigkeit ganz oder teilweise aus dem Einkommen beruht, außer Betracht zu lassen. Fürsorge für geisteskranke Kriegs- öefchädigte. Durch einen Erlaß des Kriegsministeriums, der im Januar 1918 ergangen ist, ist die Fürsorge für geistrskranke Kriegsbeschädigte von seiten der Militärbehörde auf eine neue Grundlage gestellt worden. Neben den einem geisteskranken Kriegsbeschädigten zuerkanntm Bersorgungsgebührnissen, zu denen auch die Gewährung einen bedingten Rente zu rechnen ist, sind diesen Kranken gegebenenfalls Unterstützungen aus Kapitel 74,8, und zwar, sofern eine Dienstbeschädigung anerkannt ist, unter wohlwollender Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Kranken und seiner Familie zu gewähren. Liegt also bei einem Geisteskranken Dienstbeschädigung vor, so erhält er die zustehende Rente und außerdem eine Unterstützung aus dem obengenannten Kapilel, so daß durch diese beiden Beträge mindestens die Kosten der Anstaltsbehandlung gedeckt werden. Liegt keine Dienstbeschädigung vor, so kommt für den Kranken die Gewährung einer bedingten Rente, die von Jahr zu Jahr erneuert wird, in Frage, zu der, wie in dem ersten Falle, ebenfalls die Unterstützung aus Kapitel 74,8 tritt. In beiden Fällen kann die Unterstützung, sobald die Familie des Kranken ebenfalls einer solchen bedürftig ist, so hoch bemessen werden, daß auch sie vor einer Notlage geschützt ist. Unter den Anstaltskosten sind die Kosten der Anstaltsklasse zu verstehen, die den bürgerlichen Verhältnissen deS Kranken und mindestens der Klasse entsprechen, in der er während seiner Zugehörigkeit zum aktiven Heere untergebracht war. Eine Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege ist ausgeschlossen. Damit ist in der Fürsorge für geisteskranke Kriegsbeschädigte seitens der Militärbehörde ein wichtiger Schritt getan worden, der die Durchführung der notwendigen' Anstaltsbehandlung ermöglicht und gleichzeitig auch der Familie des Kranken das Fehlen des Ernährers weniger fühlbar machen soll. Naturwissenschaft. - _ Aötkerreffen. Mitten durch Völker, die wir gewöhnt sind, für ganz einheitlich zu halten, gehen die - Riffe der Grenzen alter Mischungsbestandteile. In dem scheinbar einheitlichen Franzosentum ist es einer ursprünglich rein literarischen Bewegung gelungen, der alien Grenze zwischen Keltisch und Ligurffch und der jüngeren zwischen Provenzalisch und Nordfranzöflsch, die ungefähr von der Gironde zum Genfersee ziehen, eine neue Bedeutung zu verleihen. Und das nach einer Geschichte, die seit 2000 Jahren gemeinsam ist. In Deutschland lehren uns die anthropologischen Untersuchungen, daß wir zwei großen Typen der weißen Raffe angehören, die sich äußerlich hauptsächlich dadurch unterscheiden, daß die einen breite,, die andern lange Gesichter haben. Die Menschen mit breiten Gesichtern haben in der Mehrzahl auch kurze Schädel, dunkles Haar und dünkte Augen, sind mehr klein und untersetzt und neigen zu größerer Fülle des Fleisches und Fettes. Dagegen gehen lange Gesichter gern mit langen Schädeln zusammen, blondem Haar, hellen Augen, höherem Wuchs und Schlankheit, die durch straffere Anlegung der Fett- und Fleischhülle des Knochengerüstes hervorgebracht wird. Es liegt im Wesen des ersten, daß er besonders bei Männern, in dem des anderen, daß er mehr bei Frauen zu typischer Entwicklung kommt. Auch in kleineren Eigenschaften sondern sich die beiden. Mit dem langen Gesicht ist die hohe Stirn, die gebogene Nase und der schmale Bartansatz verbunden; mit dem kurzen die breite Stirn, die Stumpfnase, die Verbreitung des Bartes über das ganze untere Gesicht. Der schmalgesichtige Typus steht ganz für sich, er hat keine nahen Beziehungen zu einer apdern Rasse, außer wo Mischung vorliegt. Es ist der eigentlich germanische Typus. Er bildet eine besondere Rasse für sich. Der kurzgesichtige dagegen nähert sich der mongolischen Rasse, neben der er wie ein durch Mischung mehr oder weniger stark veränderter Ausläufer erscheint. Das spricht sich auch in der geographischen Verbreitung der beiden aus. Die kurzgesichtigen Menschen werden in Deutschland häufiger, je weiter man nach Osten geht, und Osteuropa ist mit ihnen gefüllt. Ihr breiter Gesichtstypus stellt die Slawen den Ostasiaten entschieden näher als allen Jndogermanen oder Ariern in Europa, Asien und Afrika mit chren länglichen Gesichtern und selbst auch näher als den Semiten. So treffen sich also auf diesem mitteleuropäischen Boden ganz entsprechend seiner mittleren Lage zwei große Rassegebiete. Sprachlich zu den Jndogermanen zu rechnen sind die Slawen in der Mehrzahl durch langen Aufenthalt an der Ostgrenze der weißen Rassen und -dadurch herbeigeführte Mischung mit finnischen, türkischen und mongolischen Völkern stark mit Elementen der mongolischen Rasse versetzt. Eine dritte Raffe greift von Süden und Westen herein. Im Süden> und Westen Deutschlands treten uns zwar häufigere und verbreitetere germanische Elemente, wie rm Rheintal, im mittleren Schwaben, im bayrischen Schwaben und in den schwäbischen Alpen und den Schweizer Alpen entgegen, aber im allgemeinen überlegen doch entschieden die dunkeln Menschen. Und unter diesen gibt es zwar breite Gesichter und Schädel, die es mit jedem nordostdeutschen Slawenkopf aufnehmen dürften, aber auch einen anderen im Nordosten ganz seltenen Typus, den romanischen mit schmalem Kopf und dunkeln Haaren und Augen, der italienische und französische Züge bis ins westliche Bayern, nach Württemberg und in den Breisgau hineinträgt. Er mag oft mit dem keltischen zusammrnfallen, den im einzelnen herauszulösen schwer ist. Der Schwarzwald und Oberschwaben sind die Kerngebiete dieser dunkeln Südwestdeutschen, und von iynen wissen wir aus der Geschichte, daß sie alter Keltenboden sind, auf dem keltische Stämme saßen, die romanisterr waren, ehe die Germanen am Rheinundaa den Alpen erschienen. D e Geschichte erzählt uns viel von keltischgermanischen Wechselbeziehungen. Nicht einmal der Name Germane ist germanisch. Wie die meisten Völkernamen, mit denen wir es noch heute zu tun haben, ist auch der Name Germanen nicht einheimischen, sondern fremden Ursprungs. Einem deutschen Stamme am Nieder- rhein zuerst von den Kelten im Sinne von ,Nachbarn" beigelegt, hat er sich später aus alle deutschen Stämme ausgedehnt. Das ist ebenso, wie bei den Deutschen alle Kelten und Romanen Welsche und Walen, alle Slawen Wenden, Wieden genannt wurden. Rechnen wir dazu, daß von allen Nordgermanen und auch von den Slawen die Deutschen der starke Einfluß römischer Kultur unterscheidet, der sie vollkommen durchdringt: romanisch-keltische Rassenelemente, römische Städteanlagen, Dorf-, und Flurnamen, Römerbrücken und -straßen, römische Namen im Acker-, Wein- und Gartenbau, in den staatlichen und kirchlichen Ordnungen und im Recht haben dem deutschen Leben bis in die letzten Winkel einen sonderbaren Fremdgeschmack beigemischt. Da sehen wir also bei näherer Betrachtung ein Volk, in dem die fremden Bestandteile noch fast so deutlich erkannt werden können wie die Kristalle des Feldspats und Glimmers im Granit. Es ist Granit; wir schreiben diesem Felsen eine rsxsLEk Arikung» unverwüstliche Dauer zu, aber ein gemischtes Gestein bleibt es immer, und es ist wohl gut, daran zu denken, daß, wenn auf solche Felsen zersetzende Einflüsse wirken, sie sich naturgemäß in die Ritzen und Spalten zwischen den verschiedenen Bestondteilen le^en. Es gab einst in Deutschland eine Mainlinie, Md man konnte die ernste Frage hören: Ist die geistige Aneigung deS deutschen Bodens durch das deutsche Volk als beendet anzusehen, wenn Süd und Nord und Ost und West sich noch so wenig verstehen? In der Rheinbundszeit si chten bayrische Geschichtsforscher das Keltentum der Boier nachzuweisen, das sie den Franzosen annähern sollte, und ein französischer Gelehrter sah eine süße Rr-che für die Leistungen Preußens in dem Krieg 1870/71, daß er eine finnische Race prussienne aussonderte, die die westelbischen Germanen und Kelloge; manen rückwärts zivilisiert, d. h. barbaristert, und das edle Frankreich r ücksichtslos zu Boden geworfen hatte.Deut- sche Schriftsteller haben den Norden und Süden wie unvereinbare Gegensätze gegeneinander gestellt. Das Tiefland und das Meer, das Gebirgsland und die abgeschlossene Binnenlage haben freilich sehr verschieden auf ihre Völker gewirkt. Aber doch war es mehr als Kurzsichtigkeit, es war ein Frevel, den Unterschied zwischen Nord und Süd, Ost und West in Deutschland so zu betonrn, nne ls oft geschehen ist. Zum Wesen Deutschlands gehört es gerade, daß die entferntesten Stämme sich besser verstehen, als in vielen andern Ländern Europas. Hat die gemeinsame deutsche Muttersprache sich dialektisch abgewande^t, so daß der Plattdeutsche und der Bayer, selbst der Alemanre und der Franke sich mühsam ohne das neutrale Hochdeutsch verständigen, und daß dem ersten Druck der lutherschen Bibelübersetzung im Alemannenland Erklärungen hochdeutscher Wörter beigebeben wurden, haben die Lebensgewohnheiten sich mannigfach verändert, so bleibt doch stets Denken und Fühlen des einen dem anderen begreiflich. Es gibt Stämme im deutschen Volk, in deren Adern mehr keltisches und römisches Blut, andere in denen mehr slawisches Blut fließt, aber ihr Wesen und ihre Lebensumstände gehen nicht so weit auseinander, wie die des proven- zalischen Wein- und Oelbaumzüchters und des normannischen Rübenbauern, wie des rauhen Asturianers und des feinen Andalusiers, des ligurischen Ple- montesen und des phönikischcn Sizilianers. Der deutsche Bauer ziiht Getreide und Kartoffeln von den Alpen bis zur Nordsee, sein Haus, seine Scheune, seine Lebensanschauungen, - sogar der Ofen, hinter dem er viel zu viel sitzt, sie gleichen sich im ganzen deutschen Land. Gerade darin liegt eine große Kraft unseres Volkes, der nur der ebenfalls allgemein angeborene, eigensinnige Sonderungstrieb der Deutschen oft entgegenwirkcn konnte. Friedrich Rätzel. Lazarett-Aeratung. Tie Zentralstelle der Lazarett-Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Zeder möge die Fragen, die er auf dem Herzen hat, seien fi, wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett'Beratung richten. Cs soll auf jede Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge. sucht werden. Rat und Beistand zu schaffen. Ant. Worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na. mensnennung in der Lazarett. Zeitung veröffentlicht, vertrauliche Behandlung wird zugefichert. daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett.Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge. Theaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 4—5 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. AetegrapM J. H. Frage: Ich beabsichtige zu kapitulieren. Bin jetzt zwei Jahre im Militärdienst und war schon an der Front. Welche Bestimmungen bestehen da für Kapitulanten und besteht Aussicht auf Erfolg? — Antwort: Kapitulationen dürfen im allgemeinen im Rahmen des Friedensetats abgeschlossen werden. Als Kapitulanten sind — abgesehen von solchen in Schreiberstellen — nur „kv“ Mannschaften anzunehmen und durch den mobilen Friedenstruppenteil zu verpflichten. Neue Kapitulationen treten frühestens an dem Tage in Wirksamkeit, an dem die Mannschaften, je nach ihrer gesetzlichen Friedensdienstzeit, bei tageweiser Berechnung e'n, zwei oder drei Jahre aktiv gedient haben. Von diesem Tage an finden auch alle Bestimmungen für Kapitulanten auch auf die Kriegskapitulanten Anwendung. Das Kapitulalionshand- geld wird dagegen erst bei der Demobilmachung zahlbar. Hefr. A. K. Frage: Kann mir während der Bettruhe das Rauchen vollsiänd'g untersagt werden und wenn ja, müssen mir dann nicht hinterher die Zigarren und Zigaretten nac^geliefert werden, da dieselben gerade wie Löhnung den Soldaten zustehcn? — Antwort: Ob Sie rauchen dürfen, darüber hat lediglich der Arzt zu entscheiden. Im übrigen sind Sie im Irrtum, wenn Sie glauben, im Lazarett ans Verabreichung von Tabak den gleichen Anspruch zu haben wie aus Auszahlung der Löhnung. Tabak wird in den Lazaretten lediglich als Liebesgabe verteilt, ein rechtlicher Anspruch auf Verabreichung besteht nicht; also findet auch eine nachträgliche Verabreichung nicht statt. Anders beim Feldheer, wo jeder Soldat Anspruch auf Tabak hat. Hreri. K. Frage: Bin als 17jährigerKriegsfreiwilliger in den ersten Mobilmachungslagen eingetreten. Wenn ich jetzt kapituliere, werden mir dann die vier Jahre Dienstzeit auf die zwölfjährige Dienstzeit angerechnet? — Antwort: Die vier Jahre Dienstzeit werden auf die zwölf Jahre angerechnet. Scherz und Aätset. Ein Schusterjunge hat bei einem Hauptmann e'n P«ar Stiefel abzuliefern. Nachdem der Hauptmann aber immer sehr grob ist mit dem Schusterjungen, so nimmt er die Stiefel und stellt sie bei dem Hauptmann vor die Tür hin. In dem Moment geht die Tür auf, und der Hauptmann kommt heraus. .Da geh mal her, Kerl, weißt du nicht, wie man bei einem Hauptmann ein Paar Stiefel abliefert?"' .Rein*, sagt der Schusterjunge. .So"', sagt der Hauptmann, .dann will ich dir's zeigen. Jetzt machst du den Hauptmann, und ich mach den Schusterjungen."' Der Hauptmann nimmt die Stiesel in die Hand und sagt: »Eine Empfehlung von meinem Meister, und hier sind die Stiefel für'n Herrn Hauptmann, der Herr Hauptmann möchte die Stiefel probieren, ob sie passen, und wenn was dran fehlt, dann ist mein Meister gerne bereit, dieselben zu ändern. So sagt man." Da langt der Schusterjunge in seine Westentasche hinein und s«gt: .Und hier, mein lieber Junge, hast du 20 Pfennige, du hast sowieso noch nie etwas von mir gekriegt"'. S elbsth ilfe. Arzt: .Ja, ja, das Fieber ist im höchsten Stadium. Mein erstes wird daher sein. Sie von dem brennenden Durste zu befreien."' Patient: .Lieber Herr Doktor, befreien Sie mich lieber vom F'eber, mit dem Durst werd' ich dann schon ganz allein fertig werden."' .Von den zwei großen da!' .Heiraten denn Kamele auch?* Fragt ganz erstaur.t das Kind; , Ja!", brummt Papa .dran sieht man g ra d, Daß es Kamele sind!" Eingesandt von Xaver Li eck, Frankfurt a. M. Zoologisches. Zum ersten Male ist der Fritz Im zoolog'schen Garten Und sieht dort voll Begeisterung Die Tiere aller Arten. Voll Eifer fragt er. und Papa Muß alles ihm erzählen. Jetzt kommen sie von ungefähr Auch hin zu den Kamelen. Die großen hatte Fritz bereits Im Bilderbuch gesehen; Doch sah er bei den großen hier Auch ein ganz kleines stehen. „Was ist denn das?" so fraget Fritz Verwundert den Papa; .Das ist das Baby', sagt der drauf, »ruck von L über t Lo.. Frankfurt a. M., flbeflrafi 21. Silbenrätsel. Aus den folgenden 43 Silben: an— au—cha—che—chu—de—e—e—el—en— fahr—fi—gat— gi - ich— le- li—Io— lus—mono- nuss— ot— pe — pheu — phus- ra— rad— rad— rist- ro— sa — sther—ster— ta— tan— te— train—ty—vi — wes— wil—zi sind 21 Wörter zu b'l^en ^eren Anfaras- und Endbuchstaben abwechselno von obn nach unten gelesen einen bekannten Ausspruch Bismarcks ergeben.^ — Die Wörter bezeichnen: 1. Vorname, 2. Teil eines Wagens. 3. Pflanze, 4. Krankheit. 5. Rätsel, 6. Spitzer,garnierung, 7. Vogel. 8. Stoffart, 9. Alpenblume, 10. Brnkausdruck. 11. Sänger, 12. ein König, 13. Fruct t, 14. Truppengattung, 16. persönliches Fürv ort. 16.-Sagengestalt, 17. Schmerzensausrus, 18. Verkehrsmittel, 19. biblischer Name, 20. Insekt, 21. Vermächtnis. Wirrwar. Es ist zu bilden aus: a a n n e v r Stadt in Italien t d t b e e asr Stadt in Hessin g g e e e eiisbrbn Gebirge Deutschlands sspuprttlhcime militärische Formation, b r e e Pflanze i i s t I Tier Sind die Wörter richtig gefunden, so ergeben die Anfangs- und Endbuchstaben abwechselnd von oben nach unten gelesin eine Aufmunterung für: unsere Rätselrater. Rätsel. Die eine ist schwer. Die andern sind leicht. Das Ganze ist schwarz Und läuft auf Weiß. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein» sender bis 1b. August einzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M.. Theaterplatz 14. Au? dem Briefumschlag soll das Wort , Rätsellösung" stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn sie vollständig sind. Auflösungen;u den Rätseln vorigen Nummer. 1. Aätsek: Der Buchstabe „I". Worträtsel: Brieftasche. 2 . Aätsek: Hanswurst. dev Die Auflösungen der vorletzten Nummer: „Feuer" — „Brotkarte" — .Zapfenstreich" hat nur der Armierungssol-> dat Kurt Oberhollhaus, Fulda, richtig geraten. Die Lazarett.Zeitung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk deS XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung. Zuschriften find zu adreffieren: Lazarett-Zeitung. Frank» furt a. M., Theaterplatz 14. Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Di*. Earl Gebhardt in Frankfurt a. M. Nummer 18. 1. August 1918. Und bu? Die Welt hält den Atem an. Ein sagenhaftes Kämpfen im Westen hat begonnen. Das scheinbar Unmögliche gelang. Der Stellungskrieg ist überwunden, der Bewegungskrieg lebte auf. Der asiatische Brauch, den Maulwurfskrieg unter der Erde zu führen, ist wieder gebrochen durch die germanische Art, auf offenem Schlachtfeld die Kraft des Gegners zu erproben. Das ist der natürliche Krieg. Gott sei Dank, daß wir jene Unnatur überwunden und dem Gegner heute das Gesetz seiner Handlungen vorschreiben. Siege sind uns beschert, Siege nach 3 y a Jahren Krieg, Siege gegen die zusammengr- ballte Macht von England, Amerika und Frankreich, Siege, die dem Feind mehr blutige Opfer kosten, als uns. Hörst du, so fing der Frühling 1918 für unS an. Frühlingssturm bricht Wintercis. Fragen und Bangen hat ein Ende. Die Tat hat das Wort. Wir sind hmeingerissen in die Stunde der größten Entscheidung. Und du zu Haus? Ist dein Herz noch stark genug, das alles zu fassen, noch weit und tief genug, das alles mitzuerleben? Werde nicht müde; du darfst nicht! Du sollst mit den Kameraden draußen jagen, du sollst mit ihnen ihre siegreichen Wege ziehen und dich nicht schonen. Schleiche dich nicht beiseite mit dem Einwand: .Ich habe drs JammerS genug!" Gott will, daß wir gehen. So gehen wir bis zum letzten Schritt. Nickt die Klagenden sind dre Großen, sondern die Stillen, die tun, was die Not fordert. Wir schreien nicht .Hurra", obgleich einem — gottlob — der Jubel manchmal aus der Kehle fährt; aber Sonntag soll es sein in deiner Seele, heller, leuchtender Sonntag, da man feiert und wartet und sich schenken läßt. Felsenfest stehe vor unS die Gewißheit: Gott will es so! Die Weltgeschichte bleibt das Weltgericht. Dies Wort wird heute ungeheure Wirklichkeit. Darum kommt starke Probe an uns zu Haus. Die draußen machen's gut; für die brauchst du nicht sorgen. Bleiben wir wert derer, die draußen kämpfen. Mancher häßliche Dreckspcitzer liegt auf unserm heimischen Mantel, darum sind wir nicht hochmütig. Aber unser Herz erlebe voll stolzen Danks, daß uns Gott rust zum Sieg, zum endgültigen Sieg! Manche wollen gleich wieder Halt machen und meinen, es sei schon genug des Schlagens. Nein, wer jetzt nicht schlägt bis zum Ende, der versündigt sich und verlängert den Weltkrieg um ein neues Jahr. Halbe Arbeit ist schlechter, als gar keine. England hat unsere Langmut verhöhnt. Wir sind im Recht, wie wir es zu Beginn des Krieges waren., Barmhcrzig handeln wir nicht nur an unserm Volk, sondern an der Welt, wenn wir diesen Krieg durch Schlag und Sieg beendigen. Manche lieben freilich unklare, dunkle Lagen mehr, als Helle Siege; denn oort können sie im Trüben fischen und die Geister verwirren. Wir lieben klare Entscheidung. Unwürdig wären wir darum des militärischen Erfolgs, wenn wir ihn nachher politisch nicht voll auSnütztcn. Die Taten unserer Tapferen würden unerbittliche Ankläger, wollten wir ihren Wert nachher vergeuden und im politischen Handeln nicht ebenso entschlossen siegen, wie aus dem Schlachtfeld. Unsere Söhne und Väter kämpfen und sterben, damit Deutschland stark werde. Wer das nachher hindern wollte, der hat sich zu verantworten vor ihrem Blut. Krieg und Sieg stellt vor neue Tatsachen. Wer sie schulmeistern will mit veralteten Meinungen und vorgefaßten Plänen, handelt selbstsüchtig an seinem Volk. Jetzt stehen wir unter der Entscheidung des Schwerts. Wir kennen keine andere Losung. Auf den Straßen der Heimat ist's wie in den Tagen vom 1. August 1914. Alles drängt sich des Nachmittags um den Heeresbericht. Wie ein elektrischer Schlag zuckt es durch ganz Deutschland. Darum mahnen wir zur rechten Zeit: .Vergeht das später nicht l" Verratet das Blut eurer Toten nicht und werdet nachher nicht kleinmütig. Der Engländer spottet immer noch: .Mögen sie noch so viel siegen, wir gewinnen doch. Mögen wir auf dem Schlachtfeld unterliegen, wir besiegen sie in der Politik!* Schon heute lauern sie darauf und schreiben in I ihren Zeitungen: .Die Deutschen mußten uns angreisen, weil ihre Dipsomanie zu schwach war, uns zu überwinden; darum stürzen sie sich jetzt in ein Abenteuer, das ihnen die innere Revolution kosten wird". So rufen sie zu uns herüber, um uns wieder zu zermürben, zu verwirren und gegeneinander zu h'tzen. Sie verrechnen sich bitter. Nichts wird ihnen gelingen. Wem der Herr so großes getan wie unserm deutschen Volk, der steht und hört seinen Weltauftrag. .Vor Schelmen, die den Mantel der Gerechtigkeit tragen, kann sich keiner schützen. Sie ! verdienen doppelte Bestrafung." Dies Wort des alten Fritz stehe über der Zukunstsentscheidung. Einig stehen wir, stolz und heißen Dankes voll. .Es mutz doch Frühling werden l" G. Traub. Ich werde euch herrlichen Tagen entgegenführen! Dazu hat unser Kaiser uns hingeführt, indem er seinen Hindenburg zu finden wußte und ihn an die Spitze seiner Heere stellte Das ist Kaiser Wilhelms großes unvergängliches Herrscherverdienst. Nicht nur als der siegreiche Feldherr, sondern auch ols weiscr Berater und treuer Freund schreitet Hindenburg unserem Volke voran. Sein Wort wollen wir in allen Lebensfragen hören, denn es hat uns bis jetzt noch nie getäuscht und irregeleitet! Ec ist würdig und gleichwert des eisernen Kanzlers, umfassend, wie dieser, in seinem Wollen und Können.. Wenn das deutsche Volk die Treue zum Worte Bismarcks und Hindenburgs hält und ihnen gläubig solgt, dann wird es ewig blühen und niemals untergehen. Kinbcnöurg und wir. Von Landzerichtsrat Otto v. Pfister. Wiederholt haben gewisse Kreise im Hinblick auf Kundgebungen Hindenburgs sich dahin geäußert, daß sie Hindenburg zwar als General und Feldherrn hoch ehrten und schätzten, gleichzeitig aber betonen müßten, daß mit dem militärischen Gebiete die Bedeutung und der Wirkungskreis Hindenburgs begrenzt und erschöpft sei. Dieser Standpunkt muß unbedingt zurückgewiesen werden. Zunächst -muß grundsätzlich heroorgehoben werden, wofür alle freiheitlichen Kreise eine Verständnis und Empfinden haben sollten, daß es jedem Vvllsbürger zusteht, einerlei welches berufliche Sondergrbiet er hat, zu den großen vaterländischen Fragen, die sich vor allem auch an den Ausbau der deutschen Zukunst anknüpfen, Stellung zu nehmen. Das folgt aus der Freiheit der Gedanken und Meinungen, das liegt in dem Selbstbestimmungsrecht de8 deutschen Mannes und Volkes. Wem sollte da« gerade aber mehr zustehen als dem, der allein schon durch seinen Feldherrnsieg von Tannenberg überhaupt erst die Voraussetzung und Möglichkeit geschaffen hat, daß wir jetzt frei und unabhängig über die Gestaltung der deutschen Zukunft raten und taten können, statt, etwa niedergetrcten zu sein und willenlos ertragen zu müssen, was - feindliche Willkür und Vernichtung uns auserlcgt. Ein höchstes Walten hatte dem großen Feld- marschall das deutsche Schicksal in die Hand gegeben, und er hat es sicher sestgehalten in Not und Tod, bis es vom leuchtenden Siege umstrahlt war und es dann auch den mit hinemzog, der e8 aus düsterer Nacht zum Lichte gerettet hatte. So steht Hindenburg vor uns als die leuchtende Verkörperung des Schicksals unseres Reiches und Volkes, als der Erretter aus höchster Gefahr. Wie könnten wir uns je von ihm trennen, wie könnten wir anders zu ihm hinaufschauen als zu dem Führer, dem wir in allem, was deutsches Volk und Land angeht, glauben und vertrauen, unverbrüchlich und treu! Wie einst Wilhelm der Siegreiche seinen Bismarck gesunden hat, so hat unser Kaiserin derselben Größe deS Blicks und Willens Hindenburg zu der Stelle emporgehoben, die ihn befähigte, uns die SiegeSbahn zu deutschem Glück und Frieden zu führen, zusammen mit seinem Treugenossen und Mitstreiter Ludendorff, der untrennbar mit dem Namen und dem Ruhme eines Hindenburg fortleben wird. In diesem Ringen um das Deutschtum ist uns Hindenburg ein Sinnbild des kämpfenden und siegenden Deutschtums geworden, ein Spiegelbild der Seele unseres Volkes, ihres Sehnens und Höffens! Es ist eine Verkennung der Wirklichkeit, wenn man in Hindenburg nur den militärischen Feldherrn erblicken wollte. Er ist uns unendlich viel mehr. An ihm hat sich ein ganzes Volk aufgerichtet, in ihm hat e8 bis heute sein Dasein und seine Zukunft gesehen und die Bürgschaft dafür,. daß sich das hehre Kaiserwort von einst noch erfüllen würde: Aom Siegeszng in Iolen. .Nichts für ungut, Kamerad, dann bin eben ich der Gefangene". In der Schlacht am San im Frühjahr 1915, fehlte es in den glorreichen Ver- solgungstagen nicht an den unglaublichsten, mitunter fall tragikomisch anmutenden Vorkommnissen. So erzählt Dr. Kurt Florricke in seinem soeben bei der Franckhschen Verlagshandlung erschienenen 5. und 6. Band der Sammlung .Gegen die Moskowiter" (Preis geh. Mk. 2.50), der den.Siegeszug in Polen" im Sommer 1915 behandelt: Eine verirrte Abteilung österreichisch-ungarischer Kaiserjäger stieß unversehens auf ansehnliche Baracken, die man alsbald als russisches Monturdepot erkannte. Der Barackenkommandant, ein pensionierter Oberstleutnant, saß gerade mit seinen beiden Osfizieren gemütlich beim Nachmittagskaffee, und seine etwa 50 Soldaten klopften die Monturen aus, als die Kaiserjäger in Schwarwlinie auS dem Walde hervorbrachen. Dem alten Oberstleutnant entglitt zuerst vor Schreck die Kaffeetasse, dann aber ging er ohne Waffe auf den Führer der feindlichen Truppe zu und forderte ihn auf, sich sofort zu ergeben. Das Bild war ein wenig komisch: der alte Haudegen, dessen wallender Bart noch die Spuren de8 verschütteten Kaffees auswies, forderte vier Dutzend Kaiserjäger zur Uebergabe auf in einem Augenblick, da von allen Seiten die Sieger von Gorliee heranmarschierten. Der die österreichische Abteilung befehligende Fähnrich erklärte ihm die Lage, der Alte blieb jedoch unerschütterlich bei seiner Urberzeugung, daß eS der Jägerabteilung nur durch Zufall geglückt sein könne, sich durch irgend eine Lücke der russischen Front durchzuschleichen. .Ich fordere euch auf", sagte er neuerdings, .euch zu ergeben, weil meine Soldaten aus einen Wink von mir hier sein werden. Ich würde mit den schärfsten Mitteln vorgehen müssen, wenn ihr dem Befehle eines kaiserlich russischen Oberstleutnants nicht Folge leisten würdet." Der Fähnrich antwortete darauf nur: .Herr Oberstleutnant, sehen Sie sich doch um 1" Zwischen den grünen Saaten sprengten nämlich eben in breiter Front sächsische Reiterharste heran, um die Umgebung abzusuchen. Da blieb dem alten Herrn das Wort in der Kehle stecken, aber dann nahm er die Sache von der gemütlichen Seite. .Nichts für ungut, Kamerad." sagte er im reinsten Deutsch, .... dann bin ich eben der Gefangene." — Das Bändchen enthält reizvolle und packende Schilderungen über die Kämpfe im Sommer 1915 auf dem östlichen Kriegsschau platz. — - - Dr. Floericke behandelt mit der von ihm gewohnten flotten Schreibweise die Kämpfe am Dtryj, die Wiedereroberung Lembergs und Przemysls und schließt mit dem Fall von Nowo-Georgiewft. ITstjcttjcff-Bcifmtit* verwundete und erkrankte Kriegsteilnehmer verlieren oft ihreAnfprüche, besonders aus der Kranlen- und Jnvaliden-Versicherung, well sie über die in Frage kommenden Bestimmungen nicht genügend informiert sind. Es kann deshalb allen Kriegsteilnehmern oder sonstigen Heeresangehörigen, die auf dem Gebiete der Kranken- und Invalidenversicherung, Familienunterstützung, Kriegswochenhilfe usw. über irgendeine Frage im Unklaren sind, nur empfohlen werden, sich von der seit zwei Jahren bestehenden Verwundeten-BeratungSstelle (Sprechstunden Dienstag und Freitag von 2y 2 —3y a Uhr im Soldatenheim) beraten zu lassen, woselbst auch alle erforderlichen' Schriftstücke unentgeltlich ange- ferligt werden. Soweit die Ratsuchenden nicht ausgehen können, wollen sich dieselben schriftlich an den Leiter der Beratungsstelle, Bureaubeamten H. Kirchner, Gießen, Schiffenbergerweg 16, wenden, der auf Wunsch bereit ist, die Ratsuchenden in den Lazaretten zu besuchen. Kandesausschuß für Kriegsbeschiidiglen- Iürsorge im Zleg.-BeM Wiesbaden. Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Bleichstr.18.pt. Sprechstunde 8-3 Uhr.- Fernruf Amt Hansa 7396, 7397 und 7398. Bewerber für unten ausgeschrieben Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä- digten-Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Auskunft in allen Rentenfragen erteilt. Es wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die . Tagebuchnummer mitanzugeben. Gesucht werden für: 58|7. Sparkasse ein Inkassobote. 59|7. Maschinenfabrik mehrere Hilfsarbeiter. 60|7. Jugendheim eine Verwalterhilfe. 6117- Euxusgegenständc-öcsebäft ein Ausläufer. 62(7. Stadtverwaltung Im Reg.-Bez. Wiesbaden ein Bürogehilfe. 63|7. UersieherURgsgesellsebalt mehrere jüngere kaufmännische Kräfte. 6417. 6alanteri7. Privatbaus ein Hausmeister, der auch Heizung mitversieht. 7117. Röbrenbandlung ein Ausläufer. 7217. Utrsicberungsgeseüsebaft mehrere schreibge- wandte Leute für Expedition. 7317. Baugesebätt ein Bautechniker. 7417. Grossbucbdruekerei ein Ausläufer. | 75|7. Schlosserei ein Schlosser für leichte Reparaturen. 76>7. Buxusgegenstände-Magazin ein elektrischer Schweißer. 7717. Ronfektionsgescbäft ein Ausläufer, der Rad fahren kann. 78>7. 79>7. 8017. 8118. 82,7. mann. Warenbaus ein Portier. Desgleichen ein Konditor. Buchbinderei ein Buchbinder. Rutgesthält ein Buchhalter. Uersicbcrungigesellsebaft ein tüchtiger Kauf- Ierwundeten-Mnterricht. X 8317. Benachbarte Metallwarenfabrik Jrankfurts ein verheirateter kinderloser Hausmeister. 8417. jFIrzt ln Stadt an der Bahn ein Gärtner. 8517. Eagerbausgesellsebatt ein Ingenieur, Techniker oder Werkführer zur Aufstellung unter Unterwindgebläsen. 861?. Bank ein Kasfenbote. Itnterricht in der Heweröeschut'e (Kirchstraße Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag von y 2 9 —12 Uhr. Bauzeichnen, Fachzeichnen, Freihandzeichnen, •' Deutsch, Mittooch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Wech sichre.' } und Mittwoch von 2-5 Uhr. Rechnen, Montag von 2—5 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—6 Uhr. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel, Bert. Klein, Fritzel. Haggenmüller. Prof. Dr. Krausmüller und 2 Architekten. uu Meldungen werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr. entaeaen- genommen. Der Unterricht ,st unentgeltlich. ’ u ü praktische Arbeiten in den Lehrwerkstätten. Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei Schmiede, täglich 8 — 12 und 2—6 Uhr - Korbflechten, täglich von 9— 12 und 2— 6 Uhr. 9 ' Maschinenschreiben, täglich von 8—12 und 2—6 Uhr.' II. Jlntenicht in Lazaretten und im Sotdatenkeim. Stenographie (Gabelsberger System). Polizeik.-Aspirant K a r n b a ch. Versich erungs- und F ü r so. r g e w e s e n. Dienstag und Freitag 2^—3^ Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenver- sicherung, Kciegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz-, Flecht- und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. Kießener Lazarettöeralurrg. Seit Juni 1916 ist mit Genehmigung der Militär-Sanitätsbehörde in den Gießener Lazaretten die Lazarettberatung eingeführt, wie solche Einrichtung auch an anderen Qcten besteht. Von einer Anzahl Gießener Herren, die sich in dankenswertester Weise freiwillig zur Verfügung stellten, hat je einer ein Lazarett übernommen, das er wöchentlich ein- oder zweimal besucht, um mit den Verwundeten in Verkehr zu treten und diesen in persönlichen Angelegenheiten Auskunft und Rat zu erteilen, wenn solcher gewünscht wird. Die Lazarettberater übernehmen die Vermittlung zwischen ihren Schutzbefohlenen und der Berufsberatung, dem Stellen- und Arbeitsnachweis sowie der Beratungsstelle für Verstcherungs- und Fürsorgewesen. Sie sorgen auch, wenn sie dckrum gebeten werden, für Anregung und Unterhaltung der Lazarettinsassen. Verschiedentlich haben sie mit diesen Spaziergänge unternommen und haben sie in die Museen der Stadt geführt. Endlich weisen sie die Verwundeten auf die Benutzung der Lazarettbibliotheken, auf die Lazarettzeitung, den Verwundetenunterricht und die Vorträge oder Abendunterhaltungen hin. Zur Zeit sind folgende Herren als Lazarettberater tätig: Dr. Berger: Ohrenklinik Prof. Eger: Medizinische Klinik Kaufmann Horst: Eoangel. Schwesternhaus Prof. Ko ob: Kath. Schwesternhaus u. VereinshauS Rechtsanwalt Leun: Frauen- und chicurg. Kumt Prof. Michel: Knabenschule Geh. Rat Mittermaier: Alte Klinik Dr. Rhotert: Alte Klinik Dr. Schneider: Alte Klinik Prof. Trapp: Siechenhaus Landgerichtsrat Wiener: Steins Garten. ^ Für Akademiker, die in Angelegenheiten ihres Studiums Rat suchen, ist Herr Sekretär Erle auf dem Unioersitätssekretariat (Sismarckstc.) während seiner Dienststunden zu sprechen. Dr. Henneberg. Aas Gießener Sotdatensteim Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burggrabe n 9, Eingang von der Marktstraße aus. nahe am Markt. Zeitungen. Zeitschriften. Kriegskarten. Bücher und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Einfache Erfrischungen werden zum Selbstkostenpreise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsch- Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für ive Besucher neu hergerichtet. Bis auf weiteres sollen an jedem Donnerstag nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattstnden. Die Räume ffnd täglich von 19 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Kreis- und Ortsausschuß, Gießen, für dir Kriegsöefchüdigteu-Ilürforge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstag nachmittag, von 3—12 und 2—5 Uhr. Werkst ä t te. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Geöffnet Montag bis Freitag von 8 — 12 und 2 —6 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus, ,1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Berufsberatung: Gewerbehaus, Erdge^- schoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Ausstellung von Aröeiten Kriegsbeschädigter, Geweröeyaus, Kirchstr. 16 geöffnet: Werktags von 8—12 und 3—6 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsausschuss Giefteu für die Kriegsbeschädigteu-Mrsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. Gießener Sehenswürdigkeiten. 1. Sammlungen des Höerßessischen Keschichts- Vereins und der Wilhelm challschen Stillung. Im alten Schloß. Brandptatz. Songtag von 11—1 Uhr. 2. Vötkermuleum, neben der alten Kaserne. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Hießener Kunstsammlung, im neuen Schloß über dem Völkermuseum, Sonntag 11—1 Uhr. 4. botanischer Harten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8 — 12 und 2—5 Uhr, Sonntags vou 9—12 Uhr. 5. Lesehalle des Hießener Lesehallen-Vereins im Forhaus, Settersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Schriftleitung der Gießener Beilage: Geh. Hasrat Dr. H. Haupt, Gießen. Keplerstraße 1. und Professor Dr. Karl Helm. Gießen, Stefanstraße 7.