■>NW» Qnefd.)iip für DoU&porlzfimg&i M ^DSLL Gießen. Nr. 1b. 1. Suli IblS. Khronik. Die zweite Hälfte des Juni ist durch die Offensive der Oesterreicher gegen die Italiener charakterisiert. Am 15. Juni begann die Offensive mit dem Uebergang über den Piave, der an mehreren Stellen von den Truppen der Armee Boroevic überschritten wurde. Den Oesterreichern gelang es, einen Teil des Montello, eines GebirgS- stocks auf dem westlichen Piaveufer,, zu besetzen- Zugleich wurden in der Gegend der sieben Gemeinden starke österreichische Angriffe vorgetragen. Da aber der Piave durch Hochwasser anschwoll und für die Oefterreicher Munitionsund Proviant-Nachschub infolge der Zerstörung der Brücken unmöglich wurde, sah sich die österreichische Heeresleitung genötigt, am 2-1. Juni ihre Truppen wieder über den Piave zurückzunehmen. Die Loslösung vom Feinde geschah ohne große Verluste. Ebenso waren die erkämpften Ge- birgsstellungen auf die Dauer nicht haltbar. Wenn auch die österreichische Offensive so zu keinem dauernden strategischen Gewinn geführt hat, hat sie doch bedeutende italienische Kräfte gefesselt und so die Westfront entlastet. Sie hat außerdem den Italienern große Verluste zugefügt, allein an Gefangenen wurden 50 000 eingebracht, denen nur 12000 österreichische Gefangene gegenüberstehen. Die österreichische Stellung bleibt weiter eine starke Bedrohung der italienischen Piavelinie. » Auf der Westfront herrschte im ganzen Ruhe, die nur gegen Ende des Monats durch abgewiesene Teilvorstöße der Franzosen und Engländer unterbrochen wurde. Die Maibeute des U-Bootkriegs betrug 614000 Tonnen. sodaß seit Beginn dcs uneingeschränkten U-Bootkriegs 12 225 000, seit Kriegsbeginn 17 730000 Tonnen feindlichen Schiffsraums versenkt worden sind. . In Bulgarien wurde das Kabinett Radoslawow. das Bulgarien an der Seite der Mittelmächte in den Krieg geführt hat, gestürzt und durch ein Kabinett des Führers der Opposition Malinow ersetzt, weil im bulgarischen Parlament die Meinung herrschte, daß die territorialen Ansprüche Bulgariens gegenüber der Türkei und die Inter- effen des Landes in der Nahrungsmittelversorgung von dem bisherigen Kabinett nicht energisch genug vertreten worden sri. M Jagd des „ V) Captain Donaldsen. Wir fuhren an den Fidschi-Inseln vorbei, ohne etwas zu sichten, kamen in das Gebiet der Salomo-Inseln und standen am 27. Juli in der *) Wir entnehmen die spannende Schilderung dem Buche, in dem Fregattenkapitän Rerger, der Kommandant des „Wolf'', seine Fahrt beschreibt. (Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin, Preis 2 Mk.) Daß der .Wolf' seine schwierige Ausgabe, auf den fernsten Weltmeeren durch Minenlegen und Versenken die feindliche Schiffahrt zu lähmen und zu schädigen, aufs prachtvollste gelöst hat, ist längst bekannt; das Buch befriedigt nun die Neugierde auf Nähe von Deutsch-Neuguinea. Es war ein wundervoller und heißer Tag, als ein Segler am Horizont gemeldet wurde, der merkwürdigerweise bald mit den Masten über, bald unter dem Horizont erschien. Natürlich war eine Luftspiegelung die Ursache dieser Erscheinung. Er stand auf dem Kohlentreck und mußte daher Kohlen haben. Die Versorgung, die sofort ausgenommen wurde, dauerte eme halbe Stunde, ohne daß wir ihm näher gekommen waren, obwohl völlige Windstille herrschte. Plötzlich aber, während alles gebannt nach den Masten, die in der Ferne immer wieder austauchten, starrte, verwandelte er sich in dir Fontäne eines Walfisches, und die Leute, die sich schon zum Kohlen klargemacht hatten, weil Wachoffizier und Erster Offizier ihrer Sache ganz sicher zu sein behaupteten, konnten beruhigt das Kohlenpäckchen wieder ausziehen. Tags darauf fingen wir einen Funkspruch auf, drr an Rabaul gerichtet war und folgendermaßen lautete: »Burns Philp Rabaul. Donaldsen hat Sydney am 27. via Newcastle Brisbane m»t 340 Tonnen Stückgut, 500 Tonnen Westport-Kohle für Rabaul und 236 Tonnen Stückgut für Madang verlassen. Gezeichnet Burns." Rabaul, der frühere Regierungssitz Deutsch- Neuguineas, beherbergt jetzt den englischen Gouverneur. Wir überlegten noch hin und her, wer wohl Donaldsen sein könne, als ein neuer Funk- spruch eintras. ,29. Juli, 8 Uhr abends. Dampfer »Ma- tunga" an Brisbane. Wir sind Montag Mittag bei Cap Moreton?." Da hatten wir also deS Rätsels Lösung. »Matunga" konnte nur Donaldsen sein. Wir rechneten uns aus, daß der Dampfer so und so viele Meilen lausen könne und ungefähr am 5. August bet uns erscheinen würde. Meine Absicht, weiterzusahren, gab ich natürlich aus und beschloß zu warten. Das Vertrauen, das man dem »Mols" schenkte, indem man so liebenswürdig war, ihm Gäste vorher schon anzukündigen, mußte doch belohnt werden. »Matunga" sollte über drn Empfang, den wir ihr bereiteten, nicht zu klagen haben. das »Wie". Mit stolzer Freude beginnt man zu lesen und ist am Schluffe fast erstaunt, wie einfach das alles klingt, was wir mit Recht als beispiellose Leistung bewundern. So packend auch die Tatsachen des Buches an sich find, so liegt sein größter Reiz vielleicht doch darin, daß es bei aller Schlichtheit der Darstellung so ganz durchleuchtet .ist von deutschem Gemüt und behaglichem Humor. Jeden Tag stieg das Flugzeug mehrere Male auf, um aufzuklären und nach »Matunga-Donaldsen" Ausschau zu halten. So auch am 5. August, der inzwischen herangekommen war. Trotz der großen Höhe, i;i die unser »Wölfcren" klettene, war aber weit und breit nichts zu sehen. Da, eben als es niedergegangen war und wieder an Deck stand, wurde unser langes Warten belohnt. Captain Donaldsen funkte an Burns Philp in Rabaul, daß er am 7. morgens dort einlaufen würde, und bat, Vorkehrungen zu treffen, daß er seine Kohlen direkt an Bürrows abgeben könne. »BurrowS?" Was war denn das nun wieder? In der Flottenliste fanden wir einen amerikanischen Zerstörer dieses Namens und dachten nun, er sei es, der in Rabaul lüge. > Die Lage war also für uns folgende: Die »Matunga" stand dicht bei uns und mußte am nächsten Morgen in unseren Händen sein. Sie sollte nur kommen! Wir drehten um und liefen mit kleiner Fahrt vor ihr her. Spät nachts kamen ihre Lichter auch wirklich rechts achteraus in Sicht. Wir lagen genau richtig, um sie abzufangen. Mit Hellwerden packten wir zu, der »Wo.f" stieß aus seine Beute. Der Prisenoffizier, den ich hinübersandte, wußte Bescheid. Ec konnte ohne weueres aus Kapitän Donaldsen zugehen mit der Frage: »Hallo, Kapitän, wo sind Ihre 500 Tonnen Westport-Kohle für Burrows, wo die 340 Tonnen Stückgut?" Daß der Mann, wie er später selbst erzählte, über diese geheimnisvolle Kenntnis den Mund uuf- riß und eine halbe Stunde brauchte, ihn wieder zuzubringen, tat nichts zur Sache. Er dachte gac nicht daran, daß er ja selbst 'so liebenswürdig gewesen war, uns Meldung über seine Ankunft und die Ladung seines Schiffes zu machen. »Matunga" hatte eine größere Anzahl Passagiere an Bord, darunter australische Soldaten und zwei Aerzte, von denen der ältere, ein Generalarzt namens Strangman, stellvertretender Gouverneur in Rabaul werden sollte. Er -mußte jetzt seine Dispositionen etwas ändern. Sein Gefährte, der Oberstabsarzt Flood, hatte seine Frau mit, außerdem befand sich noch eine englische Stewardeß bei ihnen. Hier möchte ich gleich erwähnen, daß diese Dame aus den nicht seltenen Namen Maria hörte. Wer die Sache ausgebracht harte, weiß ich nicht, ich lehne auch die Urheberschaft dafür unbedingt ab. Tatsache war nur, daß sie, die nicht gerate U«r«reM BrMrrrg. Zu den Schönsten ihres Geschlechtes gehörte, vom Augenblick an. wo sie den Fuß aus das Schiff setzte, Maria Stewardeß — eine Anlehnung an Maria Stuart — genannt wurde, und daß ihr diese Bezeichnung auch verblieb. Die australischen Offiziere und unzweifelhaften Militärpersonen wurden sofort zu uns herübergebracht. während alle anderen vorläufig an Bord der .Matunga' bleiben durften. Auch Kapitän Donaldsen erschien. Seine erste Frage war: .Wo ist meine Kammer?', die zweite: .Werden Sie auch nicht vergessen, die Kisten Sekt, die ich drüben habe, mitzunehmen? Denn', meinte er. .wozu sollen wir den langweiligen Tee trinken, wenn wir doch Champagner haben können!' Auch das Rätsel des .Burrows' fand seine Erklärung. Es war kein amerikanischer Zerstörer, sondern der Kapitän der früheren deutschen Stationsjacht .Komet'. die von den Engländern in .Una' umgetauft worden war. .Matunga' hatte eine für uns sehr werivolle Ladung an Bord: Unter anderem erwähne ich nur g'/z Tonnen Gefrierfleisch, große Vorräte von Fischen, -eine Menge von Spirituosen, mit denen wir bis nach Hause reichten, allerlei Zeug, fertig und unfertig. Hüte, Mützen, Toiletteartikel, die wir schon längst schmerzlich vermißt hatten. Kurz und gut. es war der Dampfer, der uns gerade gefehlt hatte. Außerdem gab es 800 Tonnen Kohle, darunter die 500 Tonnen schöner Westpoct- Kohle. Auch Blechkoffer fanden wir, die uns zur Aufbewahrung der Akten dienten, und Zinkkoffer, in denen wir Wäsche unterbrachten. Jedem Ressort wurde das Nötige zugewiesen. Die vorhandenen Drahtnetze spielten, mit Segeltuch bekleidet, eine große Rolle bei der Herstellung der Kammern, in denen die Passagiere hausen sollten. Drei Pferde, die sich auf der.Matunga' befanden, wurden geschlachtet. Auf sie werde ich noch zu sprechen kommen. Den Dampfer, der zu langsam fuhr, hätte ich nie nach der Heimat bringen können; so zogen wir also westwärts mit ihm in eine geschützte Bucht hinein, wo der .Wolf' seine Beute restlos verzehrte. Die .Matunga' wurde.besenrein' gemacht, dann allerlei lästige Sachen, die sich nicht gut über Bord werfen ließen, in sie hineingepackt und das Schiff schließlich versenkt. Die Entleerung dauerte etwa vierzehn Tage, eine Zeit, die auch dazu benutzt wurde, Kessel und Maschinen zu überholen und zu reparieren, während der schon reichlich bewachsene Schiffsboden durch Taucher gereinigt wurde. Rings um uns schien sich nur Urwald zu breiten, kein Pfad war sichtbar, der in dieses unentwirrbare Dickicht führte. Und doch wohnten hier Menschen. Ein kleines Flüßchen ergoß sich in die Bucht, in der wir lagen, das schlammige Ufer war von Mangrowen bestanden. Dahinter ragte wie eine geschlossene Masse, von Lianen durchzogen, der tropische Wald mit den herrlichsten Palmen. Die ersten Stunden arbeiteten wir ungestört. Wohl machten wir die Wahrnehmung, daß manche der morschen Baumstämme am Ufer plötzlich Leben bekamen und sich als mächtige Krokodile entpuppten, daß das Wasser um uns von Schlangen wimmelte, das störte uns aber nicht weiter. Dann erschien ein Schatten längs des Users unter den überhängenden Büschen. Wie eine braune, lange Spinne sah er aus. Erst bei schärferem Zusehen erkannten wir. daß es ein Eiägeborenenboot mit Auslegern war, das blitzschnell vorbeistcich. Das Wetter war herrlich, ein Funkeln und Schillern von Farben war um uns, daß sich das Auge manchmal geblendet schloß. Drüben an Land leuchteten und glühten die Blüten an den Bäumen, kleine Papageien, rot und grün und blau, große weiße Kakadus mit gelben Kronen, flogen zeitweilig zu uns an Bord. Als wir einige Tage hier gelegen hatten, stellten sich oie Eingeborenen häufiger ein. Sie brachten ganze Boote voll Kokosnüsse und Ananas und tauschten dafür Kleinigkeiten, alte Messer, bunten Tand, der nichts wert war. und Tabak ein. Ihre Kleidung war nicht gerade üppig. Entweder trugen sie einen Lendenschurz oder — ein Armband. Dafür hatten sie aber in dem Haargewirr. das ihren Kops zierte, mächtige, ganz hübsch geschnitzte Holzpfeile stecken, mit denen sie sich, ganz unbekümmert um die Zuschauer, energisch kratzten, wenn es not tat. Und es schien recht häufig not zu tun! Als wir sie photographierten, nahmen sie sofort eine stolze, theatralische Haltung an und suhlten sich sehr geehrt. Ganz glücklich aber waren sie, als sie die Bilder erhielten. Die verwahrten sie wie ein Heiligtum. Es war ein friedliches, harmloses Völkchen, das alles, waS es besaß, herbeischleppte, um es unS anzubieten, und Tabak dafür zu erhalten. ' Bei dauernder Invalidität hat der Versicherte Anspruch auf Invalidenrente vom Beginne der dauernden Invalidität ab. Dauernd ist die Jnva- lidität, wenn nach menschlicher Voraussicht es ausgeschlossen erscheint, daß der Versicherte wenigstens ein Drittel der normalen Erwerbsfähigkrit wiedererlangen wird. Als dauernd ist die Invalidität also nicht anzusehen, wenn begründete Aussicht besteht, daß der Versicherte infolge Besserung des Zustandes und Gewöhnung in absehbarer Zeit wieder fähig sein wird, ein Drittel des normalen Arbeitsverdienstes durch Lohnarbeit zu verdienen. Welche Ansprüche siaöe ich an die Invalidenversicherung? Als Leistungen an den Versicherten kommen während des Lazarettaufenthaltes in Betracht: In - validendauerrente und Jnoalidenkranken- rente. Unter welchen Voraussetzungen wird die Rente gewährt? Die Jnoalidendauerrente und Jnvalidenkranken- rente wird unter folgenden Voraussetzungen gewährt: 1. Das Versicherungsverhältnis muß beim Eintritt der Fälligkeit der Versicherung durch die Verwundung oder Erkrankung eine gewisse Dauer bestanden haben (Wartezeit). Sind mindestens hundert Beiträge auf Grund der Versicherungspflicht geleistet worden, so beträgt die Wartezeit, nach deren Ablauf Rente gewährt werden kann, nur zweihundert Beitragswochen. (Für die Versicherten, die weniger als hundert Pflichtbeitragswochen Nachweisen oder die als Selbstversicherer, z. B. selbständige Handwerker, freiwillige Beiträge geleistet haben, beträgt die Wartezeit fünfhundert Beitragswochen.) Als Beitragswochen gelten auch die vollen Krankheits-, Militärdienst- und Kriegsdienstwochen. (Die Kriegsdienstzeit wird auch den freiwilligen Versicherern als freiwillige Beitragszeit ungerechnet.) Diese Zeit wird in der Weise angerechnet, daß jede Woche der Dienst- oder Krankheitszeit als Wochenbeitrag gilt. Lazarettzeit gilt auch als Beitragszeit, sodaß unter Umständen ein Anspruch, der von vornherein nicht bestand, im Verlauf des Lazarettaufenthaltes entstehen kann. 2. In den letzten zwei Jahren nach dem auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstage müssen mindestens 20 Wochenbeiträge (bei freiwilliger Versicherung 40 Wochenbeiträge) entrichtet sein, sonst ist die Anwartschaft aus der Versicherung verfallen. Militärdienst undKcank- heitszeiten gelten auch hier als Wochenbeiträge. 3. Der Versicherte muß invalide, d. h. infolge von Krankheit oder Verwundung um mehr als zwei Drittel in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt sein. Ist die Invalidität keine dauernde (s. nächsten Absatz), so muß sie mehr als 26 Wochen anhaltend hintereinander bestehen. Wann beginnt der Bezug der Rente? Ist die Invalidität nur vorübergehend, so wird Jnvalidenkrankenrente vom Beginn der 27. Krankheitswoche ab für die weitere Dauer der Invalidität gewährt. Wie hoch ist die Rente? Die Höhe der Rente richtet sich nicht nach dem Grade der Erwerbsbeschränkung, sondern lediglich nach der Höhe und Anzahl der nachgewiesenen Beitragswochen. Für jedes Kind unter 15 Jahren erhöht sich die Kranken- oder Invalidenrente um ein Zehntel. Die Kranken- oder Invalidenrente muß auch dann unverkürzt gezahlt werden, wenn noch Militärrente gewährt wird. Solange Invalidität besteht, sind die Renten auch nach Entlassung aus dem Heeresdienst zu zahlen. Wie ist der Anspruch geltend zu machen? Der Anspruch ist bei dem Versicherungsamt. in dessen Bezirk der Versicherte im Lazarett liegt, geltend zu machen. Beizufügen ist die letzte Outt- tungskarte. sowie ein ärztliches Zeugnis über die Ursache, den Grad und die Dauer der Invalidität. Besteht am Ort des Lazaretts ein Versicherungsamt. so ist also der Anspruch dortselbst geltend zu machen, andernfalls bei der Bürgermeisterei des Lazarettortes. (Bei Eisenbahnbediensteten ist der Antrag zu richten an den Bezirksausschuß der Eisenbahndirektion, bei Bergleuten an die Knappschafts- vereine.) Zur Vermeidung von Rechtsverlusten ist der Antrag binnen eines Jahres zu stellen; denn länger als auf ein Jahr rückwärts, vom Eingänge des Antrags gerechnet, wird keine Rente gezahlt, sofern nicht der Berechtigte durch Verhältnisse, die außerhalb seines Willens liegen, verhindert worden ist. den Antrag rechtzeitig zu stellen; der Antrag ist in dresem Fall binnen drei Monaten zu stellen, nachdem das Hindernis weggefallen ist. Erkennt die Landesversichcrungsanstalt nicht an, daß Invalidität vorliegt, weist sie also den Anspruch auf Rente ab, so kann binnen eines Monats nach Zustellung des Bescheides Berufung an das in dem Bescheid namhaft gemachte Oberoersicherungsamt eingelegt werden. Kapilataöfindung und Siedlung. Mit dem Gesetz vom 3. Juli 1916, das eine Kapitalabfindung an Stelle der Kriegsversorgung vorsieht, hat das Reich dem Ausiedlungsgedanken eine wertvolle Förderung zu teil werden lassen. Die folgenden Ausführungen wollen die Grundzüge de8 Gesetzes wegen seiner außerordentlich großen Bedeutung für unsere Kriegsbeschädigten in knappster Form zusammenfassen. f ' u l 19 ES kommt vor, daß beim Beginn der 27. Krank- heitswoche an der Wartezeit noch eine Anzahl Bei- tragtzwochen fehlen. Alsdann kann der Versicherte erst nach soviel Krankheitswochen die Rente beanspruchen, als noch BeitragSwochen an der Wartezeit fehlen, vorausgesetzt, daß insgesamt nicht mehr als 62 Wochen der letzten Krankheit in Frage kommen. Ununterbrochene Krankheitszeiten können natürlich nur bis zu 52 Wochen als Beitragszeiten angerechnet werden. Die Anrechnung solcher Krankheitszeiten kann aber nicht mehr erfolgen, wenn dauernde Jnvali- dität besteht. Abfindungsberechtigt sind alle seit dem 1. August 1914 mit Anrecht auf die Kriegszulage entlasseneu Rentenempfänger, ebenso seit diesem Tage kriegs- versorgungsbercchtigte Witwen und Angehörige der freiwilligen Krankenpflege und deren Witwen. Eine Ausdehnung des Gesetzes auf Invalide aus früheren Feldzügen und ein ähnliches Gesetz für Offiziere sind vorgesehen. Mit diesen Vorlagen hat sich der Reichstag kürzlich beschäftigt. Voraussetzung für die Kapitalabfindung ist, daß der Antragsteller das 21. Lebensjahr vollendet und das 55. noch nicht zurückgelegt hat. Ausnahmen find in einzelnen Fällen zulässig. Ein Rechtsanspruch auf die Kapitalabfindung besteht nicht. Kapitalisierbar ist in jedem Falle nur ein Teil der Bezüge, also im allgemeinen die Kriegs- oder Verstüüimelungszulage oder beide. Dies gilt sinn- gemäß auch für die Abfindung der Witwen. Die b B bi 3 IS i 1 I ji fo Öl 3i ö> h. UararrM-KENKM Abfindungssumme ist nach dem Alter des Abzufindenden abgestuft und beträgt im 21. Lebensjahr das Achtzehneinhalbfache des Jahresbetrags der zu kapitalisierenden Bezüge, im 55. nur noch das Achteinviertelfache. Der Zweck des Gesetzes ist vorwiegend auf Erwerb oder Stärkung eigenen Grundbesitzes gerichtet. Um die Seßhaftmachung zu fördern, sollen unbebaute Grundstücke nicht erworben werden, es sei denn, daß die Errichtung eines Wohnhauses aus ihnen in einer der wirtschaftlichen Lage des Kriegsbeschädigten entsprechenden Weise und innerhalb kurzer Frist möglich wäre, was bei den Kriegsoer- hältnissen ausgeschlossen ist. Für viele Kriegsbeschädigte, besonders für das große Heer der innerlich Kranken und viele Amputierte wird die Beschäftigung in der Landwirtschaft oft die einzige Erwerbsmöglichkeit bedeuten. Dennoch wird in jedem einzelnen Falle zu prüfen sein, ob eine Ansiedlung vom wirtschaftlichen und sanitären Standpunkt aus ratsam erscheint. Daher werden Kriegsverletzte, die einer Ansiedlung näher treten wollen, sich zweckmäßig mit den in allen Fürsorgebezirken vorhandenen Beratungsstellen (in Frankfurt a. M. Jordanstraße 17) ins Benehmen setzen, die auch über die erforderlichen Schritte Auskunft geben können. Kleine Mitteilungen. Wie wird für die Aamitien von Hefangenen ■ und vermißten gesorgt? Die Bewilligung der ganzen Löhnung oder eines Teiles derselben während der Gefangenschaft oder des Vermißtseins darf, wenn die Unterhaltung von Angehörigen daraus bestritten werden soll, verfügt werden. > Diese Bestimmung ist durch einen Erlaß des Kriegsministeriums dahin erweitert worden, daß die Löhnung des Kriegsgefangenen an dessen Angehörige auch in den Fällen ganz oder teilweise gewährt werden darf, wo dies zur Unterstützung des Gefangenen selbst notwendig erscheint und^von den Angehörigen die Bestreitung dieser Kosten nicht geleistet werden kann. Die Frage der Bedürftigkeit ist von der zuständigen Zivildienststelle (Ortspolizeibehörde) zu beglaubigen. Alsdann sind die Anträge an den Feldtruppenteil'weiter- zugeben, welcher sie zu prüfen und die Entscheidung hierüber zu treffen hat. Naturwissenschaft. Pie tzrde und die Sonne. Von Johann Peter Hebel. Nach dem Augenschein und dem früheren allgemeinen Glauben wäre die Erde eine große runde Fläche, gleich einer ungeheuer großen Scheibe. Am Rande derselben weiter hinaus kommt nichts mehr, dort ist gleichsam der Himmel an sie angesügt, der wie eine große hohle Halbkugel über ihr steht und sie bedeckt. Dort geht am Tag die Sonne aus und rmter, bald links an einem gewissen bekannten Berg oder Haus, bald rechts, und bringt Tag und Nacht, Sommrr und Winter. Das wäre nun alles gut, wenn's niemand besser wüßte, aber wir Sternseher und Kalender- macher wissen's besser. Denn erstlich, wenn einer daheim weggeht, und will reisen bis ans Ende der Erde, an den Rand, wo man einen ausgehenden Stern mit der Hand weghaschen und in die Tasche stecken kann, und er geht am ersten April vom Hause aus, so bat er den rechten Tag gewählt. Denn er kann reisen, wenn er will, durch Deutschland, durch Polen, durch Rußland, nach Asien hinein durch die Mohammedaner und Heiden, vom Land aufs Wasser, und vom Wasser wieder aufs Land, mnd immer weiter. Aber endlich, wenn er ein Pfeiflein Tabak ein- süllt, und will daran denken, wie lange er schon von den Seinigen weg ist, und wie weit er noch zu reisen hat ans Ende der Erde, auf einmal wird'8 ihm heimlich in seinem Gemüt, eS wird nach und nach alles, wie es daheim war, zuletzt erblickt er von weitem einen Kirchturm, und wenn ec auf ihn hingeht, kommt er in ein wohlbekanntes Dorf, und hat nur noch zwei Stunden oder drei, so ist er wieder daheim, und hat das Ende der Erde noch nie gesehen. Nämlich er reist um die Erde, wie man einen Strich mit Kreide uln eine Kugel herum zieht, und er kommt zuletzt wieder auf den alten Fleck, von dem er auSging. Ist nicht der englische Seekapitän Cook in einem Leben zweimal um die ganze Erde herumgereist, und von der andern Seite her wieder heimgekommen, aber das dritte Mal haben ihn die Wilden auf der Insel Owei ein wenig tot geschlagen und gegessen. Daraus und aus mehreren sichern Anzeichen erkennen die Gelehrten folgendes: Die Erde ist nicht bloß eine ausgebreitete, rund abgeschnittcne Fläche, nein, sie ist eine ungeheure große Kugel. Weiters: sie hängt und schwebt frei ohne Unterstützung, wie seines Orts die Sonne und der Mond, in dem unermeßlichen Raum des Weltalls unten und oben zwischen lauter himmlischen Sternen. Die Gelehrten haben nun berechnet, wie groß die Kugel sei. Ihre Oberfläche beträgt über neun Millionen Meilen ins Gevierte und davon sind zwei Dritteil Wasser und ein Dritteil Land. Ihre ganze Masse aber beträgt mehr als zweitausend sechshundert und zweiundsechzig Millionen Meilen im Klastermaß. Das haben die Gelehrten mit großer Genauigkeit ausgemessen und ausgerechnet, und sprechen davon wie von einer gemeinen Sache. Aber niemand kann die göttliche Allmacht begreifen, die diese ungeheure große Kugel schwebend in der unsichtbaren Hand trägt, und jedem Pflänzlein darauf seinen Tau und sein Gedeihen gibt, und dem Kindlein, das geboren wird, einen lebendigen Odem in die Nase. Man rechnet, daß mehrere tausend Millionen Menschen zu gleicher Zeit auf der Erde leben, und bei dem lieben Gott in die Kost gehen, ohne das Getier. Aber es kommt noch besser. Tenn zweitens: Die Sonne, so nahe sie zu sein scheint, wenn sie früh hinter den Bergen in die frische Morgenluft hinaufschaut, so ist sie doch über zwanzig Millionen Meilen weit von der Erde entfernt. Weil aber eine solche Zahl sich geschwinder aussprechen als erwägen und ausdenken laßt, so merke: Wenn auf der Sonne eine große scharf geladene Kanone stünde, und der Konstabler, der hinten steht und sie richtet, zielte auf keinen Menschen als aus dich, so dürftest du deswegen in dem nämlichen Augenblick, als sie losgebrannt wird, noch herzhaft anfangen, ein neues Haus zu bauen, und könntest darin essen, trinken und schlafen, oder du könntest ohne Anstand noch geschwinde heiraten und Kinder erzeugen und ein Handwerk lernen lassen, und sie wieder verheiraten und vielleicht noch Enkel erleben.*) Denn wenn auch die Kugel in schnurgerader Richtung und immer in gleicher Geschwindigkeit fort und fort flöge, so könnte sie doch erst nach Verfluß von 25 Jahren von der Sonne hinweg auf die Erde anlangen, so doch eine Kanonenkugel einen scharfen Flug har und zu einer Weite von 600 Fuß nicht mehr als den sechzigsten Teil einer Minute bedarf. Daß nun weiters die Sonne auch nicht bloß eine glänzende Fensterscheibe des Himmels, sondern wie unser Erdkörper, eine schwebende Kugel sei, begreift man schon leichter. Aber wer vermag mit seinen Gedanken ihre Größe zu umfassen, nachdem sie aus einer so entsetzlichen Ferne solche Kraft des Lichts und der Wärme noch auf die Erde ausübt, und alles segnet, was ihr mildes Antlitz bescheint? Der Durchmesser der Sonne ist 114mal größer, als der Durchmesser der Erde. Aber im Körpermaß beträgt ihre Masse anderthalb Millionen mal so viel, als die Erde. Wenn sie hohl wäre inwendig, so hätte nicht nur unsere Erde in ihr Raum, auch der Mond, der doch 60 000 Meilen von uns absteht, könnte darin ohne Anstoß auf- und untergehen, wie so, ja er könnte noch einmal so weit von uns entfernt sein, als er ist, und doch *) Bei unseren Kanonenkugeln von heute dürfte auf Enkel nicht mehr zu rechnen sein; der Artillerist möge die Rechnung selber aufmachen. (Entfernung der Sonne 150 Millionen Kilometer ) ohne Anstoß um die Erde herumspazieren, wenn er wollte. So groß ist die Sonne, und geht aus der nämlichen allmächtigen Hand hervor, die auf der Erde das Magsamen- oder Mohnsamenkörnlein in seiner Schale bildet und zur Reife bringt, eins so unbegreiflich, wie das andere. Der Hausfreund wenigstens wüßte keine Wahl, wenn er eine Sonne oder ein Mohnsamenkörnlein machen müßte mit einem fruchtbaren Keim darin. Da die unermeßlich große Sonne in einer so unermeßlich weiten Entfernung von uns weg ist, so hat es den Sternsorschern schon lange nicht mehr einleuchten wollen, daß sie unaufhörlich und je in 24 Stunden um die kleine Erde herumspringen soll in einer unbegreiflichen Kraft und Geschwindigkeit, nur damit wir in diesem kurzen Zeitraum einmal Morgen und Mittag, Abend und Nacht bekämen. Ein rechtschaffener Steinsetzer, Kopernikus, hat bewiesen, daß es nicht nur so geschehen könnte, wie die Naturforscher denken, sondern daß es wirklich so geschieht, und die göttliche Weisheit hat früher daran gedacht, als die menschliche. Der geneigte Leser wird jetzt erfahren, was Kopernikus behauptet und bewiesen hat, wird aber ersucht, zuerst alles zu lesen, ehe er den Kopf schüttelt oder gar lacht. Erstlich, sagt Kopernikus, die Sonne, ja selbst die Sterne, haben gegen die Erdr weiters keine Bewegung, sondern sie stehen für uns so gut als still. Zweitens, die Erde dreht sich in 24 Stunden um sich selber um. Nämlich man stelle sich vor, wie wenn von einem Punkte der Erdkugel durch ihr Zentrum bis zum entgegengesetzten Punkt eine lange Spindel oder Achse gezogen wäre. Diese zwei Punkte nennt man Pole. Gleichsam um diese Achse herum dreht sich die Erde in 24 Stunden, nicht nach der Sonne sondern gegen die Sonne, und wenn ein langer roter Faden ohne Ende, ich will sagen am 21. März, von der Sonne herab auf die Erde reichte, und mittags um 12 Uhr an einem Kirschbaum oder an ein Kruzifix auf dem Felde angeknüpft würde, so würde die Erdkugel diesen Faden in 24 Stunden einmal ganz um sich herum gezogen haben, und so jeden andern Tag. Auf diese einfache Weise geschieht das nämliche, was geschehen würde, wenn die Sonne in der nämlichen Zeit einen Kreisgang von 132 Millionen rings um die feststehende Erde herum wandeln müßte. Nämlich die eine Hälfte der Erdkugel ist gegen die Sonne gekehrt, und hat Tag, und eine Hälfte ist von der Sonne abgekehrt gegen die Sterne hinaus, und hat Nacht, aber nie die nämliche, sondern wie die Erdkugel sich gleichsam an ihrer Achse gegen die Sonne dreht, löst sich immer an dem einen Rand der finstern Hälfte ein wenig von der Nacht in die Dämmerung auf, bis man dort die ersten Strahlen der Sonne erblicken kann, und Veint, sie gehe auf, und an der andern Seite der erleuchteten Hälfte wird's immer später und kühler, bis man die Sonne nicht mehr sieht. Drittens, sagt Kopernikus, während die Erde den Morgen und den Abend in 24 Stunden gleichsam um sich herum spinnt, bleibt sie nicht an dem nämlichen Ort im unermeßlichen Weltraum stehen, sondern sie bewegt sich unaufhörlich und mit unbegreiflicher Geschwindigkeit in einer großen Kreislinie zwischen der Sonne und den Sternen fort, und kommt in 365 Tagen und ungefähr 6 Stunden um die Sonne herum, und wieder aus den alten Ort. Deswegen und weil alsdann nach 365 Tagen und ungefähr 6 Stunden alles wieder so wird, und alles wieder so steht, wie es vor eben so vieler Zeit auch gestanden ist, so rechnet man 365 Tage zu einem Jahr, und spart die 6 Stunden 4 Jahre lang zusammen, bis sie auch 24 Stunden ausmachen; denn man darf nichts von der kostbaren Zeit verloren gehen lassen. Deswegen rechnet man je auf daS vierte Jahr einen Tag mehr, und nennt es das Schaltjahr. Die Sache fängt an, dem Leser einzuleuchten, und er wäre bald bekehrt, wenn er nur auch etwas von dem Drehen und Lausen der Erdkugel verspüren könnte! Deswegen und Viertens, sagt der Hausfreund, man kann die Bewegung eines Gefährtes, aus welchem man mit- föfjrt. eigentlich nie an dem Gefährte selbst erkennen. Wenn ihr auf einem sanft fahrenden Wagen oder lieber in einem Schifflein auf dem Rheine fahrt, und ihr schließt die Augen zu, oder ihr schauet eurem Kameraden, der mit euch fährt, steif auf einen Rockknopf, so werkt ihr nichts davon. daß ihr weiter kommt. Wenn ihr aber umschaut nach den Gegenständen, welche nicht selber bei euch aus dem Gefährte sind, da kommt euch das Ferne immer näher, und das Nahe und das Gegenwärtige verschwindet hinter eurem Rücken, und daran erkennt ihr erst, daß ihr vorwärts kommt, also auch die Erde. An der Erde selbst und allem, was auf ihr ist, so weit man schauen kann, läßt sich ihre Bewegung nicht absehen (denn die Erde ist selbst das große Gefährte, und olles, was man auf ihr steht, fährt selber mit); sondern man muß nach etwas schauen, das stehen bleibt und nicht mitfähri, und das sind eben nach Nr^L He Sonne und die Sterne. Hierüber wäre denn, wie schon der Kalender ausweist, noch ein Mehreres ,u sagen, vor allem über den Tierkreis; um dem ßefer nicht zuviel Kopfzerbrechen zu machen, wollen wir aber dieses Kapitel überschlagen. Zu dem allem sagt Fünftens und letztens der Kopernikus wieder, wenn gleichwohl die Achse der Erdkugel gegen die Sonne wagrecht läge, und die Erde drehte sich auch so, und sie bewegte sich wagrecht in einer vollkommen runden Zirkellinie um die Sonne, also daß die Sonne genau im Mittelpunkt des Zirkelkreises stände, so müßte Jahr aus Jahr ein und auf allen Orten der Erde Tag und Nacht gleich sem. Aber es ist nicht so, sagt der Sternseher. Die Achse der Erde liegt nicht wagrecht und nicht senkrecht gegen die Sonne, sondern schief in einem Winkel von 67 Graden, wcr's versteht. In dieser Richtung gegen die Sonne dreht sich die Erde in 24 Stunden um, in dieser Richtung wandelt sie in einem Jahr um die Sonne ebenfalls nicht senkrecht, sondern schief, und aus dieser schiefen Stellung kommen die Märzenveilchen, die Erntekränze, der süße Wein, und die gefrorenen Fensterscheiben (will sagen: die vier Jahreszeiten) her. w>e der geneigte Leser ^>em Hausfreund diesmal aufs Wort glauben möge. So viel für diesmal von der Erde. Gleichwohl wenn ein Mensch von derselben sich aufheben, und in gerader Linie zum Abendstern aufsteigen könnte der unter allen Sternen der nächste ist. so würde er noch merkwürdige Dinge sehen. Der Stern würde vor seinen Augen immer größer werden zuerst wie der Mond, bald darauf wie ein großes Rad, zuletzt wie eine unübersehbare Kugel oder Fläche; in einer gewissen Entfernung davon, würde er schon Berge und Täler entdecken, und zuletzt auf einer neuen Erde landen. Alsdann würde er die Erde weit draußen am Himmel als einenfleb- lichen Stern unter den andern erblicken, und mit ihnen auf- und untergehen sehen. .Sieh dort' würde er zu seinem ersten Bekannten sogen, mit dem er bekannt wird, .sieh jenen lieblichen Stern, dort bin ich daheim, und mein Vater und meine Mutter leben auch noch dort. Die Mutter ist eine geborene so und so.' Es müßte ein wundersames Vergnügen sein, die Erde unter den Sternen des Himmels und ganz als ihres Gleichen wandeln zu sehen, und der Hausfreund hat dem geneigten Leser diese Freude in dem Artikel von den Planeten zugedacht. ITn Lazarett.Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge, Lheaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 4—5 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. wer mS eigene Hintergelände. .Wissen Sie, wei Sre vor sich haben?" frug der Major. .Jawohl den Feind," war die kurze und bestimmte Ant wort. MWs Aus der Schlesischen Lazarettzeitung. Krs.-Wes. L. Frage: In meinem Lazarett wird den Leuten, die tagsüber zur Arbeit beurlaubt sind, allwöchentlich der Lohnzettcl abverlavgt. Angeblich geschieht dies zur Prüfung, ob die Be- urlaubung auch zu Arbeitszwccken benutzt wird. Ich fürchte aber, daß diese Prüfung Einfluß auf die spätere Festsetzung der Militärrente hat. — Antwort: Die Arbeiten, die Lazarettinsassen verrichten. haben auf die später f-stzusetzende Militärrente keinen Einfluß. Mehrmann M. Frage: Ich hatte 14 Tage landwirtschaftlichen Urlaub. Da ich aber des schlechten Wetters wegen nicht richtig arbeiten konnte, erbat ich einen achttägigen Nachurlaub, der wir gewährt wurde. Für diese acht Tage wurde mir aber die Auszahlung des Verpflegungsgeldes verweigert. Geschah das zu Recht? — Antwort: Falls Sie Urlaub zur Beschäftigung im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb erhalten haben, so steht Ihnen die Geldabfindung zur Selbstbeköstigung für einzelne Mannschaften bestimmungsgemäß für die ganze Dauer des Urlaubs zu, falls der Urlaub einen Monat picht überschreitet. Sergeant I. Frage: Ich bin in einem Reservelazarett als Polizeiunteroffizier und Rech- nungsführer tätig, ohne daß mir die Rechnungs- führerzulage zu teil wird. Wie komme ich zu der- ~ ^"tn-ort: Die Rechnungsfahrerzulage ist bestimmungsgemäß nur in Vereinslazarettcn zuständig. Musketier I. Frage: Steht mir als Inhaber des Eisernen Kreuzes I. Klasse ein Geldbe- trag zu? - Antwort: Es steht Ihnen kein Geldbetrag zu, jedoch ist zu erwarten, daß nach Beendigung des Krieges ein Gesetz ergehen wird, das den Inhabern des Eisernen Kreuzes Geldvarteile zuerkennt. Auch einige Jahre nach Beendigung des Krieges 1970/71 ist ein ähnliches Gesetz ergangen. 1. Rätsel. Kennst du das glühend heiße Wort. Das alle Menschen schätzen müssen. Du triffst es an an jedem Ort, Kein Mensch mehr kann es fürder missen. Verderblich ist es oft der Welt, Wenn zügellos es seine Schranken Verläßt; doch zündend wenn's erhellt In andrer Form den Sinn, Gedanken. •iiji war es schwer, mn langer Nor Bracht es der Wilde auS der Rinde. Es brachte manchem schon den Tod. Und spielend glückt's jetzt jedem Kinde. Einsender: Friedrich Max Roeber. Konstanz 2. Rätsel. An der ersten sich zu laben Soll der Mensch die zweite haben; Bitter würd' er sich beschweren. Müßt' das Ganze er entbehren. Doch als Segen es empfinden Würd' es überhaupt verschwinden. _ Xaver Lieck. Scharade. Der Schenkwirt tut die ersten beiden; Ihr mögt nach guter alter Sitte Dann herrlich an dem Trunk euch weiden; Spielt nur einander keine drittel Wer so denn frei und ungebunden Der Lust im bunten Rocke frönte. Eilt heim nach froh verlebten Stunden. Sobald de? Ganzen Ruf L:t2.'.tr. Niedersächfische Kriegsb-fchLdigten-Ziitschrift. Scherz Lazarett-Aeratuna Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Jede, mdge die Fragen, die er auf dem Herzen hat, seien sie wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett-Beratung richten. Es soll auf jedr Frage brieflich Antwort gegeben und die Mdglichkeit ge. sucht werden, Rat und Beistand zu schaffen. An'. Worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na- mensnennung in der Lazarett»Zeitung verdffentlichi. vertrauliche Behandlung wird zugestchert, daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: Au Rothschild und die Kommunisten. Inden Revolutionstagen des Jahres 1848 traten eines schönen Tages vier Kommunisten in das Bureau des Bankiers Anselm Rothschild in Frankfurt a. M. »Sie haben viele Millionen', sagten die vier Männer, .wir haben nichts — Sie müssen mit uns teilen.' .Gut', entgegnete Rothschild ruhig, .wie v-el glaubt Ihr denn, doß ich besitze?' .Nun wir meinen ungefähr vstrzig Millionen Gulden." .Vierzig Millionen? In ganz Deutschland leben ungefähr vierzig Millionen Menschen. Nach Eurer Berechnung kommt also auf den Kopf ein Gulden Hier habt Ihr Euere j*ier Gulden, aber nun laßt mich in Ruhe?' Verdutzt zogen die Kommunisten ab. „ O. St. Besichtigung. Die ganze Kompagnie war in Bewegung. Der Brabkn muße tiefer gemacht werden, denn heute Abend wollte der neue Regimentskommandeur die Stellung besichtigen. Noch schnell wurden die Intelligentesten der Kompagnie auf Posten gesteckt, damit die etwaigen Fragen ohne Zaudern beantwortet würden. Schon wurde die Ankunft von der Rächdarkompagnie telephonisch g-meldet. Alles ist auf seinem Posten. Der Herr Major ist sichtlich zufrieden mit dem Ausbau der Stellung sowie der Strammheit der Mannschaften. Aber noch war die Kompagnie nicht durch. Den Landsturmmann O„ ein biederer Berliner, sprach der Major an. .Auf Posten nicht« Neues,' meldet O. stramm, dabei die Nase im- Dri-ik von L»b«, « So., gitnffurt c. M. ; r.ötfltal« 3» Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn sie vollständig sind. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein- sender bis 15. Juli einzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M.. Theaterplatz 14 . Auf dem Briefumschlag soll das Wort .Rätsellösung" stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Auflösungen ?it den Rätseln vorigen Nummer. Nätset: .Frachtraum.". ^ Schieöerätsek: .Frieden mit Rußland." Siköenrässet: .Kakadu." Nreise ru den Auflösungen der vorletzten Nummer. Ludendorff^^: »Deutschlands Zukunft - Hindenburg, Iahkenrätsek: .Flandern — Argonnen." Nätset: .Tagdieb.' - ^ Es gingen uns diesmal so viele Lösungen ein, daß wir durch das Los 30 Preise verteilen konnten. Die La z a re tt-Z ei t u ng erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten^ Kranken und Genesenden im Beztr, bti XI ' :1mh «VH*. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung. Zuschriften sind zu adressieren: Lazarett-Zeitung, Franl. furt a. M., Theaterplatz 14. Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Dr. Earl Gebhardt in Frankfurt a. M. Nummer 16. 1. Juli 1918. Stoßgebet. Der du verschmähst des Pharisäers Bitten, Wir sind uns eigner Schuld vor dir bewußt, Doch, Herr, daß wir nicht-sind wie diese Briten — Vergib! Und doch durchflutet's mir die Brust. Mit selbstgerechtem Dank vor dich zu treten, Ist Frevel. Doch, daß ich ein Deutscher bin . . . Vergib mir, Gott und Herr! Ich muß so beten: Ich danke dir, daß ich ein Deutscher bin. Walter Fl ex. (Aus: Sonne und Schild.) Peulschtands Kampf ums Wecht. Es ist über .Deutschlands Kamps ums Recht- schon manch treffendes Wort gesagt und geschrieben worden. Wohl das treffendste aber von jenem geistig hochstehenden mit freiem geschichtlichen Blick und seiner scharfer Ironie begabten Autor, der unter dem Namen Cir.cinnatus ein Buch dieses Titels schrieb. (Verlag Hirzel, Leipzig, Preis: 2.60 Mk). Er hat für den Verleumdm-gsfeld- zug der Entente die Benennung .Hexenprozeß- ein- gesührt. Und er sührt die Analogie mit jener Zeit der Hexenverfolgung in vielen Einzelheiten aus. Es mutet uns wie Wahnsinn an, wenn wir heule lesen, was in der Ententepresse uns selbst bei neutralen Völkern von Deutschland alles gelogen und geglaubt wird. Als ein furchtbares Verbrechen an Recht und Menschlichkeit erscheint eS uns, wenn wir Deutsche unS von der.ganzen Welt plötzlich grundlos geächtet und verworsen sehen. Wir müssen in der Tat in jenen Zeiten des Zaubecwahns und des TeuselsglaubenS zurückgehn, um wenigstens bie psychologische Möglichkeit einer solchen welthistorischen Geistesverwirrung zu fassen. Es gibt Deutsche und es gibt Menschen, so konnte Bonar Law am 20. Februar 1917 im Unterhause unterscheiden. Deutschland ist der Aussätzige Europas, so konnte die .Morning Post- schreiben. Daß die Deutschen aus den Leichen gefallener Soldaten Fett produzieren, und zum Zwecke der Kindergewinnung die Doppelehe eil führten, konnten verantwortliche englische Staatsmänner an offizieller Stelle als möglich hinstellen Und wenn so alle irdischen Autoritäten sich für eine Anschauung einsetzen, was Wunder, daß die breite Masse des Volkes ihnen glaubt. Denn war's nicht so auch in den Zeiten des Hexenwahns? In den Maffen schlummern immer neben allen guten Kräften auch noch die gefährlichsten Instinkte. In den Maffen, in ihrer Phantasie und mangelhaften Bildung schlummert der Keim der wunderlichsten Vorstellungen. Lenkt eine gesunde Schulbildung den Geist des Volkes auf normale Bahn, so schafft es gerade durch die Vereinigung seiner ungezählten Kräfte die Wunderwerke der Kultur. Leitet man diese Masse durch seierlich beschworene Lügen und Verdrehungen aus die Bahnen des Aberglaubens und des Menschen- hasseS zurück, so kann man sich jeder Schrecklichkeit von ihr versehen. England aber hatte keinen triftigen Kriegßgrund. So blieb ihm nichts anderes übrig, als den Haß, den keine Tatsachen weckten, aus künstliche Weise heroorzurufen. Das ist Englands .Hexenprozeß- gegen seinen germanischen Vetter. Und wie es in der Zeit der Hexenprozrffe durch Suggestion und Folter gelang, die unglücklichen Opfer selbst zum Bekenntnis einer Schuld zu treiben, die sie gar nicht hatten, so möchte England auch das deutsche Volk durch alle Mittel der Verführung und Erpressung dazu bringen, schließlich selbst die Schuld auf sich zu nehmen, die anderen zukommt Und es gibt ja leider in jedem Volke Elemente, die sich des Zusammenhangs mit der eignen Nation wenig genug bewußt sind, um einer fremden Dienste zu leisten. Es ist aber dies der Unterschied zwischen den Hexenprozessen von damals und dem von heute: jene alten Hexenrichter lebten ehrlich ihres tollen Glaubens. Die klugen englischen Staatsmänner können aber unmöglich alles glauben, was sie von Deutschland zusammenreden. Hier wird der Hexenprozeß — und daS macht ihn noch zehnmal furchtbarer und verbrecherischer wie jenen alten — zu einem bewußten Instrument der Kciegsführung, wird wider besseres Wiffen der bloßen Selbstsucht zuliebe unentwegt durchgesührt. Es ist der englische Utilitätsgedanke, der schon immer vor dem englischen Gewissen alles rechtfertigen sollte. Als der bekannte englische Historiker Henri Thomas Buckle seine .Geschichte der Zivilisation- schrieb, da glaubte er seinen Landsmann Edmund Burke in Schutz nehmen za müssen, weil dieser in der Zeit der französischen Revolution in einem Tone zum Kriege gegen Frankreich aufgefordert hatte, als ob es sich auch da um einen Kreuzzug gegen Verbrecher und Wahnsinnige handle. In der Mitte >es 19. Jahrhunderts hielt Buckle eine solche Art der geistigen Kriegssührung doch nicht mehr für möglich. Heute aber, wieder zwei Menscheyalter weiter, sehen wir England, diesmal an der Seite Frankreichs, jenen verruchten Ton maßloser Ueber- Ireibung und Verleumdung doch wieder anschlagen. Wann wird sich der zweite Buckle finden, der den Engländern den verbrecherischen Wahnsinn dieses neuen Hkxenprozeffes vorhält. R. Strecker. Belgier, um sie zu einer Annährung an Frankreich zu gewinnen. Auch diese Versuche blieben praktisch erfolglos, wenngleich es Frankreich gelang, in gewissen Schichten der belgischen Bevölkerung ein Annäherungsgefühl zum Franzosentum zu züchten. Schließlich verdarb der Engländer wieder einmal seinem heutigen Bundesgenossen die Suppe. Es kam am 4. Oktober 1830 zur Gründung des Königreichs Belgien. Keineswegs aber ließ sich nun Frankreich darin stören, das als neutral erklärte Land weiter als ein französisches zu betrachten, es französischen Interessen zugänglich zu machen, vor allem seine Presse in die Hände von Französlingen zu bringen. Der belgische Eroberungsgedanke wurde tm französischen Volke eifrig weiter genährt. Mit unoerhüllter Offenheit erklärte Adolphe Thiers in der Kammer: .Ja, meine Herren, wer ist unter Ihnen, der nicht wünscht, daß unS Belgien wieder gehöre? Wir alle wünschen es, und wir sind überzeugt, daß eS dazu kommen wird.- Der französische Geschichtsschreiber Jules Michelet nannte Belgien .eine englische Erfindung-, denn .niemals hat eS ein Belgien gegeben, niemals wird es eins geben-. Und der Historiker Lavall^e schrieb: .Die Neutralität Belgiens ist ein Hirngespinst. Es ist der unvermeidliche Kriegsschauplatz für französische Einfälle.- Der alte Spitzbube Talleyrand bemerkte in einem Brief: .Belgien wird uns vielleicht in den Schoß fallen, aber später . . . Die Macht der Verhältnisse führt eS zu Frankreich.- (Talleyrand versucht übrigens 183 t Preußen für den Plan einer Teilung Belgiens zu gewinnen!) Napoleon III. endlich scheute sich nicht, Preußen 1866 einen Vertrag anzubieten, nach dem es Frankreich Waffenhilfe leisten sollte, wenn dieses sich gezwungen sähe in Belgien einzumarschieren! Nur Preußen hat es Belgien zu danken, wenn es damals nicht von seinem landhungrigen Nachbar verschluckt wurde. Belgien — jahrhundertelang ein französtsches Sroöerungsziek. Bereits die erste, regelmäßig in Frankreich erscheinende Zeitung, die »Gazette de France-, die der Kardinal und allgewaltige Staatsminister Richelieu im Jahre 1631 gründete, verfolgte ausschließlich den Zweck, Stimmung für die Eroberuags- pläne der Regierung zu wachen. Die Wirksamkeit dreser Propaganda ist ganz ungeheuer gewesen, denn schon 1633 stand in Frankreich die Ansicht fest, daß die Grenzen des Landes nach Osten und Nordosten am linken Rheinuser zu verlaufen habe. Demgemäß wurde unter Ludwig XIV. in der französischen Nation allgemein in Wort und Schrift das Recht aus die Gebiete des heutigen Belgiens betont. Allein dir Versuche des Königs und seiner beiden Nachfolger, neben deutschen Landen auch Belgien an Frankreich zu bringen, schlugen fehl. Zur Zeit der französischen Revolution ertönte in Frankreich von neuem der Rus nach Belgien. Im Jahre 1792 .bestimmte- die vorläufige, ausführende Negierung den Rhein als Nord- und Nord- ostgrenze der Republik! Mit größerer Ehrlichkeit, als sie die heutigen Machthaber in Paris auszeichnet, erklärte Merlin de Douai im Parlament, .die Belgier und Lütticher sollen nur in dem Sinne frei und unabhängig sein, daß sie — Franzosen sind. Teils durch Eroberungen, teils durch Verträge müßten diejenigen Gebiete zu Frankreich kommen, deren Besitz ihm gutdünke, selbst ohne ihre Bewohner zu kennen I- Diese Grundsätze machte sich Napoleon I. zu eigen. Es gelang sogar den Franzosen für kurze Zeit (1801—1815) in Flandern zu herrschen, wo sie ihr .Kulturwerk- alsbald mit militärischen Aushebungen begannen! Der Wiener Kongreß bracht« 1815 Belgien an Holland. Jetzt wurde von Paris gus gegen die Niederlande eine eifrige Propaganda getrieben. Mit allen erdenkbaren Mitteln bearbeitete man die Auch nach dem Sturz Napoleons HI. hat das Bestreben in Frankreich nicht nachgelassen, Belgien an sich zu reißen. Man beschränkte sich zunächst daraus dies .moralisch- zu tun. Die friedliche Eroberung Belgiens, gestützt durch allerhand Vereinigungen .kultureller- und .wirtschaftlicher- Art, nicht zum mindesten durch stattliche französische Geheimfonds, gelang in einer die französische Regierung durchaus befriedigenden Weise. Beim Ausbruch des Weltkrieges glaubte Frankreich sich am Ziel seiner Wünsche. Die Unterstützung durch die Belgier galt ihm sicher, und daraus baute auch der Grneralstab in Paris seinen Offenstoplan aus. Man erwartete den Anschluß der Belgier schon beim beabsichtigten Durchmarsch durch deren Land, die politische Angliederung aber nach der vollständigen Niederlage Deutschlands. Allerdings war man sich bewußt, daß an England als Preis für die Mithilfe beim Raubzug die flandrische Küste überlaffen werden müßte. Der schnelle Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien veceilte nicht nur den französischen Kriegsplan gegen uns, sondern auch den Plan der Eroberung Belgiens. Wieder einmal ist den Franzosen der seit Jahrhunderten vorbereitete Raub des belgischen Landes entgangen, und Deutschland ist es. das Belgien den zufassenden Händen der französischen Imperialisten entrissen hat. Deutschland muß aber auch vor späteren Ueberfällen aus Belgien heraus bewahrt bleiben und Belgien darf als unabhängiger Staat nicht wieder zu einem Werkzeug Frankreichs und Englands herabsinken. Sind diese Garantien gegeben, dann wird Belgien einer neuen befferen und stcherern Zukunft entgegengehen. Aiildesliusschus; für Kriegsbeschädigten- Jürsorge im Keg.-Bezirk Wiesbaden. Geschäftsstelle: Frankfurt«. M., Bleichstr.18.pt. Sprechstunde 8—3 Uhr. Fernruf Amt Hansa 7396 und 7397. Bewerber für unten ausgeschrieben Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä- digten-Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Auskunft in allen Rentensragen erteilt. 6. Uertieberunatöetelltebaff, Bezirktdirektion in TrankTurt a. M., eine Anzahl Reise- und Akquisitionsbeamte. 7216. Bkiegrwicdtigen Betrieb ein Bote. 7316. Apparatebau-Fabrik ein Büroarbeiter. 7416. Sarteneinricbtungr-Setcbätt ein Hausbursche. 76>6. Eandet-Beil- und pliegeanttalt ein Bürohilss. arbeiter zu Buch-, Listen- und Kontrollführung bei freier Station. Kriegsdauer. 7716. Sparkasre ein Kassenbote. Eventuell Dauerstellung. Kaution 10O0 Mk. 7816. Eisenwerke in Berten ein Herr aus der Eisenbranche für die Materialausgabe. 79>6. Ulartnbaut ein Portier. 8016 Burdirektion. Badeort in Berten, ein Kassierer für die Theaterkasse. 81>6. Scbaurpieibaurverlvaltung ein Aufseher für Gefangene und Mitarbeit. Beschäftigungsdauer 14 Tage bis drei Wochen. 82|6. Billettwerke ein Bote. 8316. vergieicben ein Mann für Rollschneidemaschinen. 8416. lltarenbaur ein Warenempfänger. Kaufmännisch gebildete Persönlichkeit. 8516 . Kriegsindustriellen Betrieb.UorortJrankTurts, ein Lebensmittelverteiler. 8616. Bekannte (tergnügungrlokalitaten ein Küfer oder Spengler für Kellerarbeiten. 8716. candratramt in Ulestfalen drei Bürohilfsbeamte. 88>6. Badeverwaltung überberrenr ein Heizer oder Installateur. 8916. Sattlerei- und Polttereiwerkttäite, Stadt an der Bubr, ein Sattler. 9016. Scbmirflelwerke in OMenbaeb a. Main zwei Schreiner. 91(6. Sanatorium. Badeort im Gaunut. ein Kupser- putzer. 9216. Rupterlverke bei Frankfurt ca. 20 Hilfsarbeiter für Metallbandsäge; stehende Beschäftigung. 9316. Ufl’tandgttCbäTt ein Packer und Ausläufer. 94>6. Gattbof, Stadt am Rbein. ein Maschinist zur Bedienung der elektrischen Anlagen, Gasmotoren, Akkumulatoren, Licht und Fahrstuhl. 95|6. GuttbOf in Betten ein Hofschmied und einige Landarbeiter. 9616. Ledenvarenkabrik bei Ofsenbaeb ein zuverlässiger Fuhrmann zu zwei Pferden. 40 Mk. Wochenverdienst bei freier Wohnung. 9716. meebanitebe Ulerkstätte ein Schreibmaschinen» reparateur. Bedingur-g: genaue Kenntnisse dieser Spezialarbeit. 9816. Miittar-Lttektenkabrik eine Anzahl Sattler. 99>6. Bierbrauerei, r. Zt. Crockenanlage, ein Buch. bolter für doppelte Buchführung. Wohnung und Verpflegung im Hause. 10016. Putrmittelgrottbandiung ein Lagerist. 101|6. Lebentmittelgrottbandlung ein Lagerarbeiter. 102>6. Ceebnitcbe Direktion einet kriegtinduttriei- len grotten Unternebment ein Bote innerhalb der Werke. Besonders zuverlässige Persönlichkeit. I03>6. Grotte Destillation und Uleinbandlung ein Hausbursche für alle vorkommenden Arbeiten. 10416. Landarzt in Thüringen ein zuverlässiger Kutscher zu einem Pferd und Wagen. 10516. Eisenwerke an der Cabn ein Gärtner für Gartenbau und Landwirtschaft. Derselbe soll auch in der Tierpflege erfahren sein. 106>6. Graphische Hunstanstalt und Hütebee-Tabrik ein Positiv-Retuscheur. 106J6 a. Desgleichen ein Autolypie-A'tzer. 107|6. Desgleichen ein Galvanoplastiker. Verwundeten-Mnterricht I. Unterricht in der Gewerbeschule (Kirchstraße 16 ). Bauzeichnen, t ' Fachzeichnen, Dienstag, Mlttwoch, Donnerstag u. Samstag Freihandzeichnen, ( ^^n ^9 —12 Uhr. Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Wcch s^Nehr e,' } TOonto B unb Mittwoch von 2-5 Uhr. Rechnen, Montag von 2 — 5 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—5 Uhr. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel. Bert. Klein. Fritzel. Haaaen- müller, Pros. Dr. Krausmüller und 2 Architekten. Meldungen werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr. entaenen- genommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. praktische Arbeiten in den Lehrwerkstätten. Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei Schmiede, täglich 8 Korb flechten, täglich von 9—12 und 2-6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. —12 und 2—6 Uhr II. Zlnterricht in Lazaretten und im Soldatenßeim. Stenographie (Gabelsberger System). Polizeik.-Aspirant K a r n b a ch.. Versich erungs- und Fürso rg e we s en. Dienstag und Freitag 2 %— 3% Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenver- sicherung, Kriegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz-, Flecht- und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. Kießener Lazarettberalurrg. Seit Juni 1916 ist mit Genehmigung der Militär-Sanitätsbehörde in den Gießrner Lazaretten die Lazarettberatung eingeführt, wie solche Einrichtung auch an anderen Orten besteht. Von einer Anzahl Giehener Herren, die sich in dankenswertester Weise freiwillig zur Verfügung stellten, hat je einer ein Lazarett übernommen, das er wöchentlich eia- oder zweimal besucht, um mit den Verwundeten in Verkehr zu treten und diesen in persönlichen Angelegenheiten Auskunft und Rat zu erteilen, wenn solcher gewünscht wird. Die Lazarettberater übernehmen die Vermittlung zwischen ihren Schutzbefohlenen und der Berufsberatung, dem Stellen- und Arbeitsnachweis sowie der Beratungsstelle für Verstcherungs- und Fürsorgewesen. Sie sorgen auch, wenn ste darum gebeten werden, für Anregung und Unterhaltung der Lazaretlinsassen. Verschiedentlich haben sie mit diesen Spaziergänge unternommen und haben ste in die Museen der Stadt geführt. Endlich weisen sie die Verwundeten auf die Benutzung der Lazarettbibliotheken, auf die Lazarettzeitung, den Vecwundetenunterricht und die Vorträge oder Abrndunterhaltungen hin. Zur Zeit sind folgende Herren als Lazarettberater tätig: Dr. Berger: Ohrenklinik Prof. Eger: Medizinische Klinik Kaufmann Horst: Evangel. Schwesternhaus Prof. Ko ob: Kath. Schwesternhaus u. Vereinshaus Rechtsanwalt Leun: Frauen- und chicurg. Klinik Prof. Michel: Knabenschule Geh. Rat Mittermaier: Alte Klinik Dr. Rhotert: Alte Klinik Dr. Schneider: Alte Klinik Prof. Trapp: Siechenhaus Landgerichtsrat Wiener: Steins Garten. Für Akademiker, die in Angelegenheiten ihres Studiums Rat suchen, ist Herr Sekretär Erle aus dem Unioelsitülssekretariat (BiSmarckstr.) während seiner Dienststunden zu sprechen. D«-. Henneberg. Aas Kießener Soldatenheim. Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burg gra be n 9, Eingang von der Marktstraße aus, nahe am Markt. Zeitungen. Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Einsache Erfrischungen werden zum Selbstkostenpreise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu hergerichtet. Bis aus weiteres sollen an jedem Donnerstag nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Kreis- und Ortsausschuß, Kießen, für die Kriegsbeschädigteu-Aürsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstag nachmittag, von 8 — 12 und 2 — 5 Uhr. W erkst ät te. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Ge- öffiret Montag bis Fceitagvon 8—12 und 2—6 Uhr. Unterrichtsräume: Gewerbehaus. 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Berufsberatung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Ausstellung von Arbeiten Kriegsbeschädigter, chewerbehaus, Kirchstr. 16 geöffnet: Werktags von 8—12 und 3 -6 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsausschus; (Siesten für die Kriegsbeschädigten-Mrsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. chießener Sehenswürdigkeiten. 1. Sammlungen des Hberkessischen Heschichts- vereins und der Withetm Haitschen Stiftung. Im alten Schloß, Brandplatz. Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Vötkeemultum, neben der alten Kaserne. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Hteßener Kunstsammtnng, im neuen Schloß über dem Völkermuseum, Sonntag 11—1 Uhr. 4. Botanischer Harten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8—12 und 2—5 Uhr, Sonntags vou 9—12 Uhr. 5. Lesehalle des Hießener Lesekalleu-Vereins im Forhaus, Settersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Schriftleitung der Gießener Beilage: Geh. Hofrat Ur. H. Haupt. Gießen. Keplerstraße I. und Professor Ur. Karl Helm. Gießen, Stefaustraße 7.