Gießen. Nr. 15. 15. 0uni 1918. Khronik. Am 27. Mai hat der dritte Teil der deutschen Offensive gegen Frankreich begonnen. Die Stellung der Franzosen am Damenweg zwischen Soissons und Reims, die von den Deutschen in freiwilligem Rückzug nach langen schweren Kämpfen den Franzosen im Herbste vorigen Jahres überlassen worden war. wurde in überraschendem Ansturm genommen. Abgekämpfte englische Divisionen waren in dieser Stellung. die als Ruhestellung galt, untergebracht worden. Vom Feinde wurde kein nennenswerter Widerstand geleistet, sodaß der deutsche Ansturm sofort weiter über die Talsenken der Aisne und der Vesle weitergeführt werden konnte. Schon am 28. Mai fiel Fismes mit einer ungeheuren Beute in unsere Hände. Am 28. Mai standen unsere Truppen bei Fd re en Tardenois und am 81. Mai war bereits durch den Stoß von Norden nach Süden die Marne erreicht. die seit dem September 1914 außerhalb des deutschen Machtbereiches lag. Der Erfolg der Offensive machte sich alsbald auch an den Flügeln der deutschen Stellung geltend. Am 88. Mai fiel die französische Festung Soissons, früher schon waren di^ Forts, die Reims im Norden und Nordweften umgeben, in deutsche Hände gefallen und damit die deutsche L'nie hart an Reims herangetragen Die deutsche Offensive änderte nunmehr ihre nord-südliche Richtung in eine ost-w-stliche Richtung, indem die Linie zwischen Noyon und der Marne vorgetragen wurde. An der Marne wurde am 1. Juni Chateau Thierry erreicht und damit die deutsche Stellung nach Süden hin durch das Marnetal auf weite Strecken gesichert. Das von unseren Truppen besetzte Nordufer beherrscht vollkommen dos Südufer und damit ist die wichtigste französische Bahnlinie Parts-Nancy durchschnitten und für die französischen Truppenverschiebungen unbrauchbar gemacht. Chüteau Thierry selbst ist von den Außenforts von Paris nicht ganz 65 km entfernt. Zwischen Noyon und Chateau Thierry wurde die Linie bis an den Wald von Fert6 Milon herangetragen. Am 5. Juni war dieser Teil der Offensive im Westen abgeschlossen. Er hat uns gegen 60'000 Gefangene und einen Geländegewinn in der Größe der hessischen Provinz Starkenbury, daneben große französische und englische Lagerstädte mit unübersehbarer Beute eingebracht. Ter Geländegewinn ist umso wertvolle», als es sich dabei um weite Strecken vom ^rieg verschonter. gut bebauter Gebiete handelt. Am 8. Juni begann die Offensive von neuem in dem von Noyon nach Südwesten bis Montdidier anschließenden Abschnitt. Auch hier wurden Erfolge erzielt und bereits am ersten Tage 8000 Gefangene gemacht. Unsere U-Boote haben inzwischen ihre Arbeit an der Südostküste der Vereinigten Staaten von Amerika ausgenommen nnd nach amerikanischen Mitteilungen schon eine große Anzahl wertvoller amerikanischer Schiffe versenkt. Nachdem am 25. Mai der Reichstagspräsident Kämpf gestorben war, fand am 8. Juni die Neuwahl des Prä- sidiums statt. Zum Präsidenten wurde d?r Zentrumsabgeordnete F e h r e n b a ch, zum Vizepräsidenten der Sozialdemokrat Scheide mann, der Fortschrittler Dove und der Nationalliberale Paasche gewählt. Ins verschlossene Land?) Von Legationssekretär Tr- v. Heutig. Von Afghanistan wußten wir, als wir es betraten, wenig mehr, als uns die spärlichen Zeichen der Karte erzählen konnten. Wir waren zwar auf ein Zusammentreffen mit der im allgemeinen fremdenseindlichen Bevölkerung vorbereitet, glaubten aber nicht an die Schauergeschichten, die ringS um die Grenzen erzählt wurden: Kosaken, denen die Pferde beim Tränken weggelaufen waren, sollten von den blutdürstigen Afghanen ohne Kopf zurückgeschickt worden sein, und dergleichen mehr. Wir wußten, das waren englische Märchen — denn England hat ein Interesse daran, alle, die ihm mißliebig sind, vom Eintritt ins verschlossene Land abzuschrecken. Dagegen erwarteten uns andere, ganz unvorhergesehene Schwierigkeiten. Aus dec Karte waren einige Dörfer vermerkt. Sie hatten wir als Zielpunkte unserer letzten Märsche gedacht. Schon die erste Wasserstelle indes, die wir nach Aussage des Führers unterwegs antreffen sollten, war vertrocknet. Unser aller bemächtigte sich eine starke Gereiztheit. Seit vier Tagen hatten wir nun schon wieder kein süßes Wasser gehabt; das Salzwasser von Mdzun aber hatte weder Tiere noch Menschen zu erquicken vermocht. Noch ties im Nachtdunkel gelangten wir dann an den Punkt, den auch unser Führer mit dem Namen der Karte bezeichnete. Es war aber weder ein Dorf noch eine Quelle, sondern nur eine Felsaussprengung, in der sich, mit ausgelauchtem Mist und einer üblen Kameljauche vermischt, vom Frühjahr her noch etwas salziges Wasser befand. Es war so schlecht, daß weder die Pferde noch die wenig verwöhnten Maultiere bei allem Durst es anzurühren wagten. Sie beschnupperten eS nur mißtrauisch. Unsere Futtervorräte hatten wir schon *) Wir entnehmen die folgende Darstellung mit Erlaubnis des Verlags einem der spannendsten und inhaltsreichsten Ullsteinschen Kriegsbücher .Meine Diplomatenfahrt ins verschlossene Land/ Der Verfasser wurde vom Auswärtigen Amt zum Emir von Afghanistan entsandt, um während des Weltkriegs mit diesem unabhängigen mohammedanischen Herrscher in Mittelasien Beziehungen anzuknüpfen. Die Diplomatenfahrt war von Erfolg gekrönt. Sie hat auf mühsamen Wegen durch die russischen und englischen Sperrkordons in der persischen Wüste und durch das unzugängliche Hochgebirasland Pamir in Montblanc- Höhe nach den Sandwüsten Chinas, dann in kühner Abenteurerfahrt über Japan nach Amerika geführt. tags zuvor gänzlich verausgabt. Die Anstrengungen der letzten Zeit, verbunden mit Dysenterie und anderen Krankheitsfolgen, hatten auch die meisten von uns so geschwächt, daß wir kaum glaubten, weiterzukommen. Dazu herrschte eine Hitze, wie wir sie nur an einigen Tagen in der Kewir erlebt hatten. Das Thermometer stieg im Schatten auf 62 Grad Celsius, eine bei den chemischen Wirkungen der'Hochlandssonne gefährliche Temperatur. Das Herz pumpte mühsam. Röhr und ich versuchten uns dadurch lebendig zu halten, daß wir uns die oben beschriebene Lake über die Kleider gossen; die schnelle Verdunstung brachte uns ein wenig Kühlung. Große, und kleine Sorgen bestürmten mich. Wie würden nach dieses Tages Sonnenbrand die Tiere, die wir frei in die Wüste hatten treiben müssen, einen weiteren Marsch ertragen? Einen meiner Leute, der ungehorsam gewesen war und nicht das ihm zugewiesene Tier genommen hatte, hatte ich, um ihn zu strafen, zu Fuß laufen lassen. Eigensinnig war er in der Nacht zurückgeblieben und immer noch nicht eingetroffen. Schließlich lief ich in meiner Ungeduld ihm entgegen. Lief, ohne aus die spitzen Steine zu achten, bis er als ganz kleiner Punkt am Horizont erschien. Meinen übrigen Afridis fiel das Lagern in der Glut-onne so schwer, daß sie um Erlaubnis baten, bis zum nächsten Rastpunkt vorwärts marschieren zu dürfen. Ich gab ihnen diese Erlaubnis, traf sie aber am Abend sehr bald, denn sie hatten doch ihre Kräfte überschätzt. Vor Schwäche waren sie einfach am Wege liegengeblieben. Der nächste, noch schwerere Nachtmarsch sollte zunächst einen kleinen Alarm für unsere in Verzweiflung absterbenden Nerven bringen. Dicht neben uns ertönte ein scharfer Schuß, dann noch einer und ein dritter. Aha! das sind die bewaffneten Hirten, die, wie man uns erzählt hat, den Grenz, schütz ausüben und keinen Fremden hereinlassen dürfen! Die Karawane stöckle, Röhr ritt in der Richtung des Schalls. Doch schon nach' wenigen Minuten löste sich die unbehagliche Spannung. Einige unserer Oesterreicher hatten den Weg verloren, waren umyergeirrt und hatten sich nur durch Signalschüsse zu Helsen gewußt. In Mogul-Badschah, auf das wir so große Hoffnungen gesetzt hatten, waren wir zuerst trostlos. Statt des vermuteten Dorfes fanden wir nur Ruinen, statt des Wassers nur einen schwefligen Pfuhl. Die Tiere konnten die Flüssigkeit nicht ein- DszavE NENN sp mal von ferne riechen. Auch heute'noch kein Wasser — dann waren wir unbedingt verloren. Dieses Gefühl war in uns allen so stark, daß wir sofort mit dem ganzen tollen Eifer der Verdurstenden einem Chanat, einer unterirdischen Wasserleitung, nachgruben. An einer Stelle fanden wir Blutegel; und das beglückte uns, denn es war ein Zeichen für Feuchtigkeit. Mit Bechern und Emailletellern wurde sofort weiter geschaufelt. Die Grabstelle zeigte allmählich nässere Wände, dann sammelten sich Helle Tropfen, und nach einer Weile konnten wir einen halben Becher schöpfen. Freudestrahlend hoben wir ihn heraus. Wir Deutschen standen alle im Kreise herum, sahen uns das richtige Wasser an, das wirklich süß sein sollte, und starrten uns dann, einer über den anderen erschreckend, in die fahlen, aschgrauen Gesichter. Donnerwetter, den hat es aber mitgenommen! dachte jeder vom andern. Nach dem ersten redlich geteilten Trunk waren wir schon wie verwandelt. Wir hatten nun wieder Hoffnung, ja wir hatten in uns die Zuversicht. doch noch lebend uriser Ziel zu erblicken l ein Lauschen auf das deutlich vernehmbare Plätschern der Quellen im Garten zeigten unseren Sinnen, daß dieses Blütenparterre vor uns keine Fata Morgana, sondern ein wirklicher, wahrhaftiger Teil des endlich erreichten .gottgegebenen' Afghanistan war. Jäter Pereh, der erste bewohnte afghanische Ort, in den wir am nächsten Morgen gelangten, bot uns keine allzu großen Eindrücke. Die Leute unterschieden sich in ihrem Aeußeren, bis auf die ganz weiße Baumwolltracht, wenig von den Persern der Grenze. Sie begegneten uns mit stummer Achtung, ohne kriecherische Unterwürfigkeit. Wir wußten nicht, was bei uns im Augenblick heftiger war, unsere Freude, m Afghanistan zu sein, oder die Spannung, wie die nun bevorstehenden. Entscheidungen ausfallen würden. Am Nachmittag unseres Ankunftstages wurden ww in unserer schläftigen Ermattung durch eine Bewegung vor der Karawanserei gestört. Pferde schnoben, Stimmen schallten, und schließlich eilten unsere Leute herein, vornehme afghanische Gäste zu melden. Es waren die Abgesandten des Generalgouverneurs von Herat. Unser Kommen war dem Vizekönig rechtzeitig gemeldet worden, und er hatte nicht gezögert, uns mehrere seiner Edelleute zur Begrüßung entgegenzuschicken. Wenn wir uns noch hätten wundern können so hätten wir über die äußere Erscheinung dieser afghanischen Notabeln gestaunt. Der Führer der Deputation war ein stark semitisch aussehender Mann in hohen wildledernen Reiterstiefeln und einem langen grünen Rock. Er hatte ein mittelalterliches Wehrgehänge um und auf dem Kopf einen grauen Tropen-Halbzylinder, wie vor Jahrzehnten wohl die alten Buren in ihrer freien Republik ihn trugen. Als Schatten folgte ihm auf Schritt und Tritt, ganz im Kostüm der mittelalterlichen Hofnarren, eng anliegendem, um die Knöchel sestgeschnalltem Beinkleid und buntem Wams sein Becherträger; statt der Pritsche führte er eine Fliegenpeitsche. Die übrigen Afghanen waren ähnlich gikleidet, aber stummer und zurückhaltendlr als ihr Führer. Dieser lud uns im Namen des Gcneralgouverneurs ein. uns als Gäste der afghanischen Regierung zu betrachten. Eine große Karawane mit Küchengeräten und Dienern sei eingetroffen und stehe zu unserer Verfügung. Am folgenden Morgen brachen wir in langem, prächtigem Zuge nach Herat auf. Unseren Gastgebern zu Ehren hatte ich Uniform angelegt. Mein Blauschimmel erregte überall die grüßte Bewunderung. Das Volk grüßte uns allenthalben sehr freundlich, mit jener gedämpften Begeisterung, wie sie dem Orientalen bei festlichen Begebenheiten eigen ist. 1 Vor uns lag Herat. Tief im Grünen waren die Umfassungsmauern des uns angewiesenen Palais eingebettet. Garden in weißbaumwollenen Unterhosen mit roten englischen Jnfanterierücken, ^ cn Krwalkrie- und Jägeruniformen, Schnabelschuhe an den nackten Füßen und ein gewaltiges Gewehr mit Bajonett über der Schulter. salutierten in strammer Haltung. Ein Oberst den ich „> seiner Schofförmütze zunächst verkannt hatte, nahm uns in Empfang. Ein Hinuntertasten an den leichten Wiener Rohrstahlen, die uns zu Ehren aufgestellt waren, ein tiefer Atemzug, mit dem wir die Blumendüste opp draußen einsogen Von Soldat Kurt Bürger, z. Zt. Reserve-Lazarett V. Frankfurt a. M. (Aus dem VII. Preisausschreiben.) (Schluß.) Er erzählte: Vater war 23 Jahr verheiratet und hatte noch sieben Kinder; eine Tochter war mit neun Jahren gestorben, sein Aeltester fiel im Kampfe fürs Miterland. Von Beruf war Vater eigentlich Maurer, wenn eine Stube zu weißen, ein kleiner Stall zu bauen oder irgend ein kleiner Schaden am Hause auszubessern war, dann wurde Vater gern geholt; denn er arbeitete gut und billig. Wegen seiner Geschick■ lichkeit und seines freundlichen Wesens sah man den Maurer Becker überall gern.. Es ist ihm nicht leicht geworden, die vielen Mäuler seiner- Familie zu sättigen. Aber Vater brachte es fertig, dank seines großen Fleißes und vor allem seiner Liebe zu den Seinen. Ihm zur Seite stand seine sparsame Gattin, die vorzüglich zu wirtschaften verstand und neben der Erziehung der Kinder und der Instandhaltung des Haushaltes noch Zeit fand, für fremde Leute etwas Wäsche zu reinigen. Da kam der Krieg. O. dieser Krieg! Vater erhielt keine Arbeit mehr und sah sich gezwungen, irgend wo anders Beschäftigung zu suchen, um seine Lieben vor knappen Stunden zu bewahren. Endlich wurde er bei einem Transportgeschäft als Lohnkutscher angestellt. Das war sein Verderben. Seine Beschäftigung brachte cS mit sich, daß er wochenlang nicht cheimkam; allen Witterungsoer- hältnissen war er ausgesetzt. Ein schlechtes Dasein sür unseren an den Heimatherd gewöhnten Vater I Aber anderen Kutschern ging es genau so. und die ertrugen's doch auch. Ja. bei denen war es etwas anderes, die waren von Jugend auf Kutscher. und dieses Leben war ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden. Und dann vertrieben sie Kälte und Sorgen mit Bier und Branntwein. Wie wär's, wenn auch er cs einmal mit Schnaps versuchte? Vielleicht half es auch ihm? Und Becker versuchte und täuschte sich wie so viele andere auch: Auch er glaubte an die hei- lende und wärmende Wirkung des Schnapses. Nun. das wäre noch gar nicht so übel gewesen, wenn Vater nicht zu schwach gewesen wäre, Herr über sich selbst zu sein. Das Wirtshaus wurde ihm zum Aufenthaltsorte in der dienstfreien Zeit. Dort trank er und betrank sich, spielte und verlor. Oft kam er am Löhnungstage nur mit einem kläglichen Reste seines Verdienstes heim. Die Folgen waren Meinungsverschiedenheiten, Auftritte und zuletzt Schlägereien. Die Frau begegnete ihm mit Mißtrauen. Die Kinder, an denen er mit leidenschaftlicher Liebe hing, fingen an, ihren Vater mehr zu fürchten als zu lieben; die großen verkrochen sich schüchtern in die Winkel und suchten Zuflucht bei der Mutter; die kleinen wichen seinen Liebkosungen aus und fingen bei seiner Annäherung an zu meinen. Vater merkte das, kam immer weniger heim und besuchte desto mehr seine Stammkneipe. Es war ganz gut. daß diesem Zustande durch dle Einziehung Vaters ein Ende gemacht wurde. Die Liebe zu seinen Kindern war dieselbe geblieben. Von seiner Frau aber, die nach seiner damaligen getrübten Meinung mit ihrer Streit- süchtigkeit die Ursache aller Zwistigkeiten gewesen, schied er mit Groll. Vater kam nicht wieder heim. Seine Kinder besuchten ihn ein-, zweimal, kaum daß sie ihm -Guten Tag" sagten, die Gegenwart ihres Vaters berührte sie nichts weniger als freudig. Darüber grämte sich Becker oft. Ueberhaupt hatte die Einsamkeit der Kaserne ihm einige Klarheit über sein Familienleben gebracht. Aber waS nutzte sie ihm. Er hatte sich die Liebe seiner Frau und seiner Kinder verscherzt, sie sich wiederzuerobern, fehlte ihm nach seiner Ansicht die Kraft. WaS sollte er da noch auf der Welt? Arbeiten und immer wieder arbeiten, mechanisch wie eme Maschine arbeiten, nur um sich und seine Familie ernähren und kleiden zu können. Arbeiten ohne jeden Dank, ohne Gegenliebe, ohne daß sich rhm nach des Tages Mühen abends die Türen eines gemütlichen Familienheims öffneten, ohne daß er sich am Sonntag an den drolligen Einsallen seiner Kmder erfreuen, mit ihnen einen kleinen Spaziergang machen kann? Das sollte sein Los, sein Lebenszweck sein? Das sollte er ertragen? Nein, ein solches Leben konnte er nicht ertragen, nie und nimmer; d'as wollte er nicht ertragen. Lieber wollte er nicht bestehen. Täglich beschäftigte er sich mit diesen Gedanken, täglich ärgerte er sich über das Zwecklose seines Daseins und wurde dabei immer stumpfsinniger. Freudig erfaßte er deshalb die Gelegenheit, sich freiwillig zur Front zu melden. Sein Entschluß war zur Ausführung reif. Dort draußen konnte er seine Sorgen vergessen, vergessen Weib und Kind, vergessen die Zwecklosigkeit seines Daseins. Dort draußen konnte er seinem elenden Leben ein Ende machen, konnte er in den Tod gehen, ohne daß ein Makel an seinem Namen hängen blieb; dort draußen konnte er fein Leben beschließen.' ehrenhaft wie sein Sohn . . . , Und Vater meldete sich freiwillig. Er kam ins Feld. Aber allzufrüh merkte er, daß er sich gewaltig geirrt hatte. Mehr als sonst schweiften seine Gedanken heimwärts. Die innere Befriedigung wollte nicht kommen. Und der — Tod kam auch nicht. Hier hielt Vater inne. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust. Ich hatte aufmerksam zugehört und verstand jetzt unseren Vater und sein eigentümliches Wesen; ich dankte ihm und ließ ihn allein. . Am Abend aber ging ein langer, ungelenk geschriebener Brief an Frau Becker ab. Wir setzten ihn beide auf, aber geschrieben' hatte ihn Vater allein, ich hatte es trotz seines Sträubens durchgesetzt. Schön sahen diese Zeilen nicht aus, aber desto herzlicher waren sie gemeint. Wird das Frau Becker auch merken. Ein schwüle Augustnacht l Durch die schwarzgrauen Wolkenfetzen brach sich die von einem breiten Hof umgebene blasse Mondscheibe nur zuweilen Bahn. Ihr fahles Licht drang schwach durch die nebeldicke Luft und ließ undeutlich die Umrisse einer Baracke erkennen. In ih, war noch Leben. Ein dumpfes Gemurmel kam aus dem Innern, und die unvollkommene Reisigoerkleidung der Fenster ließ einen matten, gelben Lichtschimmer hindurch. Es war eine der vielen Militärbaracken hoch oben in Flanderns weiter Ebene. Zwei Posten gingen mit Gewehr im Arm langsamen und müden Schrittes leise flüsternd vor ihr auf und ab. Der größere von beiden schob beim Gehen seinen Oberkörper etwas nach vorn. Unser Vater! Und der andere Posten, das war ich. Unseren vor Lehm und Schlamm klebenden Kleidern sah man eS an, daß wir noch nicht lanae in Ruhe lagen. Erst vor etwa einer Stunde waren wir aus der Reservestellung zurückgekommen. Vater und ich, wir beiden dursten als erste auf Posten ziehen. Daß wir darüber nichts weniger als erfreut waren, wird uns niemand übelnehmen. Dars«E°Srtkirrrg. Zum Glück hatten wir vorher noch so viel Zeit, um unsere Post in Empsang zu nehmen. Ich wurde enttäuscht. Für mich lag nur eine Zeitung bereit, nach vier langen Tagen nur eine -lappige Zeitung. Aber Vater erhielt einen Brief, ich hatte gesehen, wie er ihn hastig erbrach und ihn sofort im Scheine des HerdfeuerS der Feldküche las; deutlich hatte ich beobachtet, wie sich seine Gesichtszüge, je länger er las, immer mehr verklärten, und wie nachher ein Lächeln um seinen Mund spielte, eine Erscheinung, die ich bei unserem ernsten Vater noch nie bemerkt hatte. Da war es mir klar geworden, von wem der Brief stammte. Beckers Frau hatte geantwortet; Beckers Frau hatte unserm Vater geschrieben, daß daheim Frau und Kinder aus die Rückkehr ihres Mannes und Vaters warten. Daß ich mich nicht geirrt hatte, erfuhr ich auch bald daraus auf unserem Postengange. Während wir langsam um die Baracke gingen, erzählte mir Vater von diesem wichtigen Briefe. Unser wortkarger, fast mürrischer Vater war ein ganz anderer geworden. Was er alles redete, weiß ich heute nicht mehr, denn ich^hörte nur halb auf seine vielen, vielen Worte, die jetzt aus einmal so fliehend aus seinem Munde sprudelten: Mich quälte ein heftiger Kopfschmerz. Aber das ist mir noch erinnerlich, daß aus jedem seiner Worte eine große Freude sprach. Und in jedem zweiten Satze hob er die guten Eigenschaften seiner Frau hervor. Ganz bedingungslos hatte sie ihn nicht wieder bei sich ausgenommen. Nein, nein! Dann hätte womöglich das alte Leben wieder begonnen, sie verlangte von ihrem Mann, dah er sich wieder so führen solle wie vor dem Kriege Nach seiner Heimkehr sollte er wieder als Maurer arbeiten und sich abends und Sonntags voll und ganz seiner Familie widmen. Und schließlich mußte er ihr versprechen, keinen Tropsen Alkohol mehr über seine Lippen zu bringen. Diese Forderungen waren groß. Aber Pater wollte sie spielend erfüllen. Wieviel mal erzählte er mir nur das? Für einen Familienvater, der die Liebe der Seinen sucht, ist keine Aufgabe zu schwer. Die zwei Stunden, an deyen wir Posten stehen mußten, gingen herum, und Vater war immer noch nicht fertig. Schließlich machte ich seiner Gesprächigkeit, die selbst, als wir schon aus unsere Drahtlager ausgestreckt waren, noch, nicht nachließ, durch eine kurze, mürrische Bemerkung ein Ende. Der arme Vater! Hätte ich geahnt, daß ich am andern Morgen fiebernd mit Kopfschmerz und Schüttelfrost frühzeitig ins Revier eingeliefert werden sollte, ohne Vater noch einmal sprechen zu können, so wäre ich ein geduldigerer Zuhörer gewesen. Ich habe Vater nicht wiedergesehen. EineS Tages erhielt ich im Kriegslazarett einer Brief: Lieber Kurt! Endlich habe ich von Bernhard Deine Adresse erfahren. Bernhard sagte mir auch, daß es Dir jetzt ein bißchen besser geht. Wir können auch nicht klagen; den wir liegen seit einiger Zeit bei B.in Ruhe. Jß Vor vier Tagen ist Becker wegen seines Alters und der Anzahl seiner Kinder von der Kompagnie fortgekommen und verrichtet jetzt in der Etappe Schanzarbeiten, vielleicht kommt er auch bald in die Heimat. Ehe er von uns fortging, bat er mich noch. Dich recht herzlich von ihm zu grüßen und Dir für die Bemühungen — was er darunter meint, hat er mir nicht gesagt — seinen Dank auszusprechen. Ich will es hiermit getan haben. Gelt, Du schreibst bald einmal. Du weißt ja, wie man hier aus Post wartet. Sei recht herzlich gegrüßt von Deinem :< % Martin. Seitdem habe ich nichts wieder von Vater gehört. Wie ist nach dem Krieg für Handwerk und Keweröe gesorgt? Von Assessor Dr. Hans Maier, Frankfurt a. M. .Was wird nach dem Kriege aus uns werden ?• ist die bange Sorge vieler Handwerker und Gewerbetreibender. Die Läden sind geschlossen. Die Werkstätten, deren Betrieb die fleißige Frau mit einem bis zwei Gesellen erhielt, konnten nicht durchgehalten werden, nachdem die letzten Gesellen zum Heeresdienst eingezogen wurden. Die Kundschaft hat sich verlausen, Waren sind keine mehr vorhanden. .Was soll aus unS werden?' steigt dann immer wieder als bange Furcht vor kommender Friedenszeit in den Seelen vieler Soldaten auf. Die Industrie konnte sich mit ihren zahlreichen Arbeitern weiter betätigen und den umgewandelten Verhältnissen anpassen. Der Beamte kehrt nach Kriegsende in seine alte Stellung zurück. Ein Heißhunger herrscht nach gelernten Arbeitern, die ein baldiges lohnendes Einkommen wiederum finden werden. Was wird aber aus Handwerk und Gewerbe? Auch für die Handwerker und Gewerbetreibende ist in der Heimat vorgesorgt worden. So hoffnungslos für viele die Lage heute ausschaut, es gilt, nicht den Mut zu verlieren, denn es sind zahlreiche Maßnahmen geplant, die einer Wiederaufrichtung der schwer geschädigten Mittelstandsbetriebe zu gute kommen sollen. Für das Handwerk sind drei Dinge vornehmlich notwendig: Arbeit, Rohstoffe und Kredit. Arbeit wird es in Hülle und Fülle geben. In vier Jahren des Krieges sind wenig, in den beiden letzten Jahren so gut wie keine Erneuerungen vorgenommen worden. Wo Ausbesserungen unvermeidlich geblieben sind, hat man zu Ersatzstoffen gegriffen, die keine Dauerhaftigkeit gewährleisten. Unsere Hausfrauen können ein Liedlein davon singen, wie schwer es heute hält, Handwerker für die notwendigen Haushaltsarbeiten zu erhalten. Sie freuen sich auf den Tag. an dem das Geschirr geflickt, die Tapeten ausge- bessert und die Wände wieder gestrichen werden können. Große öffentliche Aufgaben erwachsen für die Zeit nach dem Krieg aus der Errichtung notwendiger Kleinwohnungen und der Beschaffung von Haushaltsmobiliar. Ueberall wird es lohnende Arbeit für den Handwerker geben. Um seine Leistungsfähigkeit der Industrie anzugleichen, muß sich das Handwerk zu Lieferungsgenossenschaften zusammenschließen. Im Krieg hat die Handwerkerorganisation über Erwarten große Fortschritte gemacht. Dem genossenschaftlich zusammengeschloffenen Handwerk wird es an Arbeit nach dem Krieg nicht fehlen. Aber Arbeit allein kann nichts nutzen, wenn es an Arbeitsstoffen gebricht Die Rohstoffe sind zur Zeit sehr knapp. Auch in drr Zeit nach dem Krieg wird es noch an so manchem fehlen. Einmal werden aber Ersatzstoffe geliefert werden können, zum zweiten wird sich allmählich die Erzeugung und Zufuhr notwendiger Rohstoffe heben. Schließlich können große Mengen des von der Heeresverwaltung nicht mehr benötigten Materials freigegeben und dem Handwerk zugeführt werden. Auch hier wird ein Zusammenschluß zu Bezugsoereinigungen förderlich sein. Ankaufsgenossenschaften des Handwerks sind in der Lage, in größerem Matzstabe Rohstoffe zu beziehen und sie den einzelnen Betrieben zuzuführen. Gemeinnützige Gesellschaften m. b. H. sind mancherorts im Entstehen, um die Vermittlung der nötigen Rohstoffe durchzusühren. Jeder Soldat weiß, über welch ungeheure Menge von Arbeitsgerät und Arbeitsstoffen unsere Heeresverwaltung verfügt. Mit dem Material eines Pionierparks lassen sich die Schlosser eines ganzen Landstrichs versorgm. Bei einer Demobilisierung werden aus diesen Quellen dem Handwerk reichliche Arbeitswerkzenge und Rohstoffe zufließen. Auch hier ist ein Zusammenschluß der Selbsthilfeorganisationen des Handwerks erforderlich und bereits angebahnt. Zum Ankauf von Rohstoffen und Werkzeugen, zur Zahlung der Löhne und zu vielen anderen Dingen wird der Handwerker Geld und Kredit benötigen. So wurde von verschiedenen Seiten behauptet, der Wiederaufbau ist eine Kreditfrage. Um bei verteuerten Geldverhältnissen den Kriegsteilnehmern aus dem Handwerkerstande Kredit zu ermöglichen, sind in fast allen deutschen Bundesstaaten von den Gemeinden oder Provinzialverbänden Hilfskassen errichtet worden, die gegen geringe Sicherheit höchstens 4 Proz. verzinsliche Darlehen zum Wiederaufbau an Handwerker und Gewerbetreibende gewähren. Auch haben die Kreditgenossenschaften während des Krieges einen großen Aufschwung genommen und es wird diesen möglich sein, ihren Mitgliedern weitgehendstes Entgegenkommen zu zeigen. WaS für das Handwerk gilt, kommt zum großen Teil auch für den Kleinhandel und andere Gewerbetreibende in Betracht. Die Kreditorganisationen werden in gleicher Weise auch diesen Berufen zu gute kommen. Allerdings darf nicht verkannt werden, daß der Kleinhandel und das Gewerbe mit weit größeren Schwierigkeiten als das Handwerk zu rechnen haben werden. Wir wollen nicht die Lage besser darstellen, als sie in Wirklichkeit ist. Eine große Zahl von Kleinhandelsgeschäften ist heute nicht mehr selbständiger Gewerbebetrieb, sondern behördliche Verteilungsstelle für zugewiesene Ware. Auch nach dem Kriege wird sich daran zunächst nicht vieles, und manches nur sehr allmählich ändern. Gewinne sind gering. Inlandswaren, wie die Erzeugnisse der Eisen-, Papier-, Holz- und Zuckerindustrie, werden zwar reichlicher dem Kleinhandel zufließen, aber die beiden wichtigsten Zweige, das Lebensmittel- und Textilwarengewerbe, werden noch auf recht lange Zeit mit Knappheit an Waren zu rechnen haben. Alte angesehene Geschäfte mit einem großen Kundenkreis können bei einem erheblichen Umsatz der ihnen zugewiesenen Gegenstände auch nach dem Krieg wieder einen ausreichenden Verdienst finden. Das gleiche gilt für ländliche Geschäfte; dagegen muß dringend vor jeder Neugründung selbständiger Handelsunternehmungen und Geschäfte gewarnt werden. Bei vielen Frauen, besonders Kriegerwitwen, bei Kriegsbeschädigten oder bisher abhängigen Personen, wird der Wunsch nahe liegen, sich selbständig zu machen und einen Erwerb durch Eröffnung eines Lädchens oder den Verkauf im Herumreisen zu suchen. Die Aussichten für solche Unternehmungen sind äußerst schlecht. War vor dem Krieg der Wettbewerb schon sehr erheblich, so wird er nach dem Krieg nicht zurückgehen, und die zur Verfügung stehenden Waren werden so gering an Zahl sein, daß der einzelne bei einem kleinen Umsatz nur unbedeutende Verdienste erzielt. Jeder, der Absichten auf Eröffnung eines selbständigen Brtriebes hegt, soll zwei- bis dreimal mit sich und Freunden zu Rat gehen, bevor ec seine Pläne verwirklicht. Um seiner und seiner Familie Zukunft willen sei er dringend gewarnt. Jedenfalls soll et' sich vorher mit einer der Beratungsstellen für selbständige Kaufleute und Gewerbetreibende ins Benehmen setzen, die zur Zeit überall errichtet werden, oder, falls eine solche an seinem Heimatort nicht vorhanden ist, möge er sich an eine andere gemeinnützige Organisation (Kriegsfürsorge, Kriegsbeschädigtenfürsorge) wenden, damit er nicht mühselig ersparte Gelder, die ihm für die Ausbildung seiner Kinder hätten zu gute kommen können, in ein verlustbringendes Unternehmen steckt. Schließlich sei noch des Hausbesitzers gedacht, llietnachlässe, Leerstehen von Wohstungen haben manchem Hausbesitzer während des Krieges schwere Sorgen gebracht. Eine Steigerung der Mieten ist mch Kriegsende zu erwarten. Im Interesse der ninderbemittelten Bevölkerung werden Maßnahmen rforderlich sein, diese Steigerung nicht überhand cehmen zu lassen, sie darf nicht höher anschwellen, ils es der Steigerung der Reparaturkosten und des lypothekenzinsfußes entspricht. Werden der Miet- rhöhung Riegel vorgeschoben, so darf der Haus- Besitzer mit Recht fordern, daß auch einer Erhöhung »er Hypothekenzinsen entgegengewirkt wird. Während >es Krieges sind bereits aus Grund einer Bundes- atsverordnung Miet- und Hypothekeneinigungs- imter geschaffen worden,'die sich mit der Regelung icr Hypothekenzinsen zu befassen haben. Die Aufgabe dieser Aemter hört nicht mit der Beendigung es Krieges auf. Sie werden auch späterhin im lusgleich der Miet- und Hypothekenverhältnisse ihre lufgaben zu erfüllen haben. Die gemeindlichen und Landcshilfskassen werden dem aus dem Kriege heimkehrenden Hausbesitzer bei der Entlastung etwaiger aufgelaufener Hypothekenschulden Helsen und Sorge tragen, den reellen Hausbesttz aufrecht zu erhalten. Ueberblickt der Handwerker und Gewerbetreibende die Gesamtheit dieser geplanten Maßnahmen, so wird er auf seine angstvolle Frage: „Was soll aus uns werden?" aus der Heimat eine Antwort finden: „Wir wollen helfen! Es ist unsere Heimatpflicht, die Brüder, die draußen mit ihrem Körper und Leben die vaterländische Scholle beschirmten, bei dem wirtschaftlichen Wiederaufbau nach ihrer Rückkehr nicht im Stiche zu lassen." Die Kriegsöesctiädigtenfürsorge. Ilnlerstühungswesen. Die Unterstützungen, die für Kriegsbeschädigte und deren Familien zur Verfügung stehen, lassen sich zunächst in zwei große Gruppen einteilen. Die Militärbehörde gibt auf Grund verschiedener ministerieller Erlasse über das Ummschasts. Versorgungsgesetz hinaus besondere Zuwendungen aus Kapitel 74,8 und 84 a, die der Fürsorge, wenn sie auch nicht unmittelbar darüber verfügen kann, doch ihre Arbeit wesentlich erleichtern. Di» bürgerliche Fürsorge konnte anfänglich zur Durchführung ihrer Aufgaben nur auf private Mittel zurückgreifen. Heute stehen ihr Rcichsmittel. Mittel der Kriegswohlfahrtspflege und Stiftungsmittel im Reiche allgemein zur Verfügung.. (Im Regierungsbezirk Wiesbaden kommen hierfür außerdem Mittel des Bezirksverbandes zur ergänzenden Fürsorge, die dieser nach einem Beschluß des Kom- munal-Landtages vom 6. Mai 1916 bis zur Durchführung einer einheitlichen Organisation der Fürsorge und Uebernahme der Kosten auf das Reich zur Verfügung stellt.) Außerdem stehen Mittel des Roten Kreuzes zu Darlehenszwecken für Möbelbeschaffung und ähnliche Aufgaben und sonstige Stiftungsmittcl für Fürsorgezwecke bereit. Aus den vorhandenen Mitteln gewährt die Fürsorge an Unteistützungen: I. Barunterstützungen, 2. Naturalien, wie z. B. Diätkost. 3. Mittel zur Beschaffung von Bekleidung, 4. Mittel zur Bestreitung der Kosten für Um- und Weiterbildung von Beschädigten und zur Gründung von Existenzen. In der Frage der Zuständigkeit der Beschädigten wurden die Grenzen von Anfang soweit wie möglich gezogen. Die Fürsorge soll nicht nur auf die Rentenempfänger ausgedehnt werden, sondern auf alle diejenigen, die längere Zeit zum Heere eingezogen waren und wegen Krankheit oder alter Leiden entlassen werden mußten. Sie soll ihnen dann den Weg ins Erwerbsleben, sofern sie Schwierigkeiten hierbei finden, bahnen. Erst wenn dieses Ziel nicht erreicht werden kann, also eine dauernde Fürsorge notwendig wird, tritt die Ärmen- verwaltung ein. ebenso in Fällen, in denen wie bei Paralytikern oder Geisteskranken eine dauernde Anstaltsbehandlung notwendig ist. Broschüre wiedergegebenen Beobachtungen und Erfahrungen bezwecken, neben der Ausbildung von männlichen und weiblichen Hilfsbeamtcn und Facharbeitern, die Wiederertüch- tigung von Kriegsinvalidin einer besonderen Berücksichtigung zu unterziehen. Die Brofchüre wendet sich aber nicht nur an die sachkundigen Kreise, sondern sie will auch ausklärend wirken im gesamten werktätigen deutschen Bolk und den dielen kriegibeschädigten Metallarbeitern und Hand- Werkern als Wegweiser und Ratgeber dienen. Lazaretl-Aeratung. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung beS Roten ^uzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Jeder die Fragen, die er auf dem Herzen hat. seien st, L'EEicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett.Beratung richten. LS soll auf jede ssrage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge- such werden. Rat und Beistand zu schaffen. Ant- Worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na- mensnennung in der Lazarett. Zeitung veröffentlicht, vertrauliche Behandlung wird zugestchrrt. daher anonym, Anfragen verbeten Die Zuschriften sind zu richten: An Le. 2°r°re "'Beratung. Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge, Lheaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 4—5 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. Rätsel. Das Entscheidende. In den grauenvollen Kriegesjahren ' Schafft man unter drohenden Gefahren Meine Erste über Land und Meer. In der Zweiten stoßen sich die Dinge. sie groß und wichtig, ob geringe. Hart und unaufhaltsam stets umher. Und das Ganze ist in diesen Tagen Worden zu der bängsten aller Fragen Wohl für alles, was da lebt und strebt. Ueber Sein und Nichtsein wird's entscheiden. Enden kann sein Schwinden Not und Leiden' Unter dem die ganze Welt erbebt. Renata GreveruS. Aus der .Vosfischen Zeitung". Mch-rsch Der Nachwuchs an männlichen und weiblichen Kilfsveamten und Kacharöeitern im Maschinenbau unter besonderer Merücksichtiauna Kriegsveschädigter. Von Ingenieur K. A. Weniger. Preis 60 Pfg. Stuttgart, Franckh'sche Verlagshandlung. Tie Frage derVerwendung von Kriegsbeschädigten in der Industrie ist immer noch brennend, die Möglichfeit sie ,hren früheren Berufen zurückzuführen, ist eine notwendige Forderung und ihr sollte soweit als möglich Rechnung getragen werden. Die Verwendungsmöglichkeit kriegsbeschü- dlgter Facharbeiter im Maschinenbau behandelt Ingenieur K. A. Weniger in einer loeben bei der Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart erschienenen Broschüre: Der Nachwuchs an männlichen und weiblichen Hilfsbeamten und Facharbeitern im Maschinenbau unter besonderer Berücksichtigung Kriegsbeschädigter' (Preis 50 Pfg.). Der Versa ser, der lange Zeit Lehrer an der Stuttgarter Verwundeten- und Gewerbeschule war. will mit seinen in der Fieservist W. Frage: Ich war zur Arbeit beurlaubt und verunglückte. Steht mir nun während meiner Militärzeit neb-n der Invalidenrente auch die Unfallrente zu? — Antwort: Die Unfallrente wird Ihnen von der 14. Woche ab ausgezahlt, ganz gleich, ob Sie beim Militär find oder nicht. Junker U. Frage: Kann ich jetzt während des Krieges und unter welchen Vorbedingungen eine Kapitulation zur Zahlmeisterlaufbahn eingehend — Antwort: Sie können sich an die Kassenverwaltung des Truppenteils wenden, mit dem Sie eine Kapitulation eingrhen wollen. Es erfolgt dann die vorgeschriebene Ausbildung als Zahlmeisteranwärter. zuerst bei der Truppe und später bei der Intendantur. Hvergefreiter ZS. Frage: Ich bin Anfang September 1914 al« Landsturm I. Inst, bei der Kriegsmusterung ausgehoben, bin Jahrgang 95. Ich wartete nun nicht bis mein Jahrgang einberufen wurde, was im Mai 1916 stattgefunden hatte, sondern ging Ende September 1914 freiwillig zur Fußartillerie. Gehöre ich nun zum aktiven Soldaten und benötige ich bei meiner Verheiratung die Genehmigung meiner Vorgesetzten Behörde oder die des Regimentes? — Antwort: Sie gehören nicht zu den aktiven Soldaten. Die Genehmigung der militärischen Behörde zur Verheiratung ist daher nicht erforderlich. Hffizierstessvertreter Sch. Frage: Da ich augenblicklich nicht mehr k. v. bin, möchte ich mich reklamieren lassen. Werde ich nun bei einer Wieder- einziehung zum Heeresdienst als Offizierstellver- treter eingezogen oder finde ich als Mzewacht- meistcr Verwendung? — Antwort: Ihre Wieder- einziehuvg zum Heeresdienst erfolgt als Vizewachtmeister. nicht als Offizierstellvertreter. Scher; Zeitgemäße Ausrede. Ein Angler wird beim verbotenen Fischen ertappt. — Gendarm: .Wissen Sie nicht, daß das Fischen verboten ist?" Angler: .Rein. Herr Gendarm, ich fange bloß Engländer und Franzosen und Amerikanerin Gendarm: .Woran erkennen Sie denn die?' Unterdessen zieht der Angler auch schon einen mächtigen Fisch an die Oberfläche und erwidert' .Sehen Sie. das zum Beispiel ist ein Engländer, den kenne ich an der großen Schnauzei' Worauf der Gendarm schmunzelnd abzieht. * Kraftprobe. Karlchen (nachdem er eine Ohrfeige von seinem Vater erhalten hat): .Und Du willst .D. U." sein?" Aus der „Schles. Lazarettzeitung." Schieberälsel. Kraftfahrer. Werra. Radium. Vesper, Landzunge. Belgien, Kanal, Lemnos, Fidibus. Man schreibe vorstehende neun Wörter untereinander und verschiebe sie so lange seitlich, bis zwei Buchstabenreihen — beidemal von oben nach unten gelesen — einen unlängst in Erfüllung gegangenen Wunsch der Bierbundstaaten ergeben. AuS der „Echles. Lazarettzeitung". Silbenrätsel. Die Erste ist der Zweiten gleich. Die Dritte bist du selber; Das Ganze ist an Farben reich, Rot, blau, auch grüner, gelber. Es kam zu uns aus fernem Land; Doch: Hebt cs an zu singen. So wäre mancher wohl im stand Es meuchlings umzubringen. __Linsender: X. L. Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn fit vollständig sind. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Einsender bis 1. Juli e.inzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Auf dem Briefumschlag soll das Wort .Rätsellösung' stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.). Auflösungen ru den Rätseln der vorigen Uummer. „ ^ SttSenrätsek: .Deutschlands Zukunft - Hindenburg, Ludendorff.' Aahkenrätsek: .Flandern - Argonnen.' N-itfek: .Tagdieb.' Urelse ;u den Auflösungen der vorletzten Uummer. Sitöenrälsek: „Lerne leiden ohne zu klagen" — 8 richtige Lösungen. Aätsek: .Das Herz' ] = 8 richtige Lösungen. Worträtsel: „Sturmwind. Regenwetter. Rindvieh- Fieberhitze usw.: Viele richtige Lösungen außer Wettbewerb. - 8 Einsender haben alle Rätsel richtig geraten. Sie erhielten Preise: Musk Tachmann, Karlsruhe; San.-Serg. Haussauer. Gießen; Musk. Joshua, Frankfurt a. M.; Telegraphist Engel. Neheim (Ruhr); Luftschiffer Marr, Darmstadt; Musk. Rabus, Mainz; Ldstm. Misselbcck, Reichelsheim; Ldstm. Dübel, Frankfurt o. M. Dt, Lazarrtt-Zettung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden tm Bezirk de, XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Brrfügung. Zuschriften sind zu adressieren: Lazarett-Zeitung, Frank» furl a. M.. Theaterplatz 14. Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Di*. Earl Gebhardt in Frankfurt a. M. Druck von Löbrr * So., Frankfurt a. M., Slbestratzr 8S Nummer 15. 15. Juni 1918. Der Heneratquartiermeister Als donnerte die Völkerschlacht Und manche Mutter weinte, Hast du, General, Quartier gemacht — Im Lande unserer Feinde. Die eigne Heimat blieb verschont Bon Flammenwurf und Gasen — Doch wo der Brite kaum gewohnt, Zog's feldgrau durch die Straßen. Und waren's weite Wege schier Durch Sand und Felsenstiege, Wir wußten's dankbar: jed' Qnartier Führt näher uns dem Siege; Denn der uns die Quartiere all' Gewiesen mit Granaten, Hat mit dem alten Feldmarschall So Weg, wie Ziel, beraten. Noch schimmert fern,das goldne Tor Dem heil'gen Pfad zum Frieden — Du aber siehst .Quartiere" vor Schon heute für die Müden. Du denkst, da noch vom Blute naß Das Korn fault iu der Erden, Schon heut, an die, so wund und blaß Die Heimat suchen werden. Den soll die Nachwelt, wie's gebührt, Den .großen Feldherrn* nennen, Der nicht nur wagt und stürmt und führt. Wo Stadt' und Dörfer brennen; Der, ruhend kaum von heißer Schlacht, Statt ruhmsatt sich zu freuen, Im Zelt die Heimkehr vorbedacht Für jeden Kampfgetreuen. Das schönste Blatt der Lorbeerzier, Die grün dein Haupt umkleidet: Daß von Quartier du zn Quartier Vom Sieg znm Heim geleitet; Daß, wo dein Name je genannt Wird einst im stolzen Frieden, Zur Mütze grüßend fährt die Hand Des ält'steu Invaliden. Rudolf Presber (Zur Ludendorff-Spende aus den „Lustigen Blättern".) Wilson und die Hlot Europas. Mit Recht hat ein holländischer Politiker dem amerikanischen Präsidenten kürzlich den schweren Vorwurf gemacht, daß er das unglückliche Europa immer tiefer in dir Raserei der Revolution hineintrieb. Der wahre Staatsmann soll Erzieher der Völker sein. An diesem Maßstabe gemessen sinkt Wilsons aufgeblasene Größe völlig in nichts zusammen. Er wird gerade da« Gegenteil dessen, was er sein soll, Völkerverführer! Der holländische Beurteiler hält ihm mit feierlichem Ernst den Spiegel E er: zeigt den Wilson, der die sinnloseste radikalste Revolution in Rußland wie eine mögliche Regierung zu behandeln sucht, und den Wilson, der rlles herunterreißt in den Staub, was an monar- hischen Autoritäten, was überhaupt an Autoritäten bei ,en Mittelmächten vorhanden ist. Er muß entweder ilind oder völlig gewissenlos sein. Eine andere Wahl -eS Urteils über ihn gibt es nicht. Lernen aber kann rnd soll man auch von dem schrecklichen Gegenbild der Lugend. Was in den Mittelmächten an sittlicher Kraft ebendig ist, was da trotz unzähliger Schwierigkeiten ine Widerstandskraft verleiht, die bei Beginn des Krieges keiner der Feinde auch nur im entferntesten geahnt hat, das müßte sachlicherweise selbst dieser Feind zugestehn. Und umgekehrt dürfte auch dieser Feind nicht leugnen, daß die russische Revolution in einen bodenlosen Abgrund geführt hat; daß durch sie alles, aber auch wirklich alles, was noch irgend an Staatsform, an Gemeinschaflspflicht, an Autoritätsgesühl erinnert, zu Grunde gerichtet worden ist. Man mag bei der Entente noch so viel große Redensarten machen, das tatsächliche Bild Europas steht doch in zu scharfen Farben vor aller Welt Augen, als daß es sich noch verschleiern ließe. Je länger der Krieg dauert, umso tiefer wühlt er und holt aus den Tiefen Gewalten herauf, vor deren Anblick jeder besonnene Kulturmensch erschrecken müßte. Das Beispiel Rußlands redet laut genug. Soll nun trotzdem erst noch das Beispiel Italiens, das Beispiel Frankreichs folgen? Und wenn es folgt, wie wird sich die Erschütterung fortpflanzen? Wo sollen sich die sittlichen Mächte, die Autoritätsgewalten finden, die eine neue Welt der Ordnung wieder aufrichten und tragen können? Und wieder aufrichten ist schwerer als tragen. Zur Rot hätte Rußland mit seinem alten Zarentum schon noch eine Weile weiter bestanden, wenn es rechtzeitig Frieden gemacht hätte. Was dagegen aus dem Rußland von heute, dem zerrissenen und an allen Gliedern zuckenden Rußland werden soll, das wagt wohl niemand voraus- zusagm. Angesichts einer solchen Katastrophe mit ihren Urhebern noch zu liebäugeln, ihre Urheber gegen die Träger gesicherter alter Kulturmächte auszuspielen. das bringt wirklich nur ein sehr weites, ein amerikanisches Gewiflen fertig. Wir wollen demgegenüber desto gründlicher uns besinnen auf das. was wir an unserer Staatsordnung noch haben. Gerade je wilder das Geschimps auf unfern Kaiser, auf unser- Fürsten und Generale, auf die Führer unserer Bundesgenossen wird, umso deutlicher muß uns einleuchten, wie dankbar wir für sie sein dürfen. Was in einer jahrhundertelangen Geschichte an staatlichen und gesellschafilichen Ordnungen bei uns wurde, das allein gibt uns das Gefühl der Sicherheit. gibt uns das feste Zutrauen zu dem Boden, auf dem wir stehen. Wohl lassen auch ihn die Erschütterungen des Weltkrieges beben. Wohl mutz auch an diesen Ordnungen manches einer neuen Zeit sich anpassend weiterwachsen. Aber was wir ohne sie wären, das eben zeigt uns das von Wilson umschmeichelte kommunistisch-anarchistische Rußland. Es ist eine schwere Aufgabe, Staatsmann, Bölker- erzieher zu sein. Wir feiern nicht umsonst das Andenken unserer Stein und Bismarck. Dem amerikanischen Präsidenten dagegen wird die Weltgeschichte kein Denkmal setzen. Wer es jetzt, wir sagen gar nicht mit den Mittelmächten, sondern auch nur mit dem leidenden Europa im ganzen gut meint, der mutz dringend wünschen, daß die wilden revolutionären Triebe allmählich gedämpft, das Verständnis für die notwendigsten Stützen staatlicher Ordnung gestärkt werden. R. Strecker. Der Akademische Kilfsöund. Unter den Kriegsbeschädigten, die durch ihr Schicksal in bitiere Verlegenheit geraten, sind auch viele akademisch Gebildete oder in der akademischen Ausbildung Befindliche. Ihnen in ihren besonderen Röten zu helfen, bildete sich bereits 1915 der „Akademische Hilfsbund". Nicht um die Akademiker von den anderen abzusondern. wurde er ins Leben gerufen. sondern aus dem Gefühl der Pflicht heraus, die besondern Sorgen der Akademiker nicht anderen aufzuladen, sondern in treuer Gememschaft zu tragen. In den wenigen Jahren seines Bestehens ist der Bund bereits zu einer umfassenden Organisation geworden. Ein Vorstand und ein Arbeitsausschuß in Berlin bilden die Zentralleitung (Geschäftsstelle in Berlin N.W. 7, Georgenstraße 441. Nähe Bahnhof Friedrichstraße): entscheidend- Beschlüsse faßt die Hauptversammlung der Mitglieder. Ueber das ganze Reich sind Ortsausschüsse verstreut, die teilweis zu Landesverbänden zusammengefaßt sind. Namentlich an den Sitzen der Hochschulen haben sich Ortsausschüfle gebildet. Im Großhcrzogtum Hessen bestehen zwei Ortsausschüsse, in Darmstadt und in Gießen, der erster- hat die Fürsorge für alle Kriegsbeschädigten übernommen, die zur Technischen Hochschule in Darmstadt in Beziehung stehen: der andere sorgt ähnlich für die an der Universität Gießen Ausgebildeten oder in Ausbildung Befindlichen. Die Mitglieder beider „Ortsausschüsse" sind über das ganz- Großherzogtum verteilt. Die Mittel, durch die der Akademische Hilftbund seinen Zweck zu erreichen sucht, sind vor allem Beratung in allen «erufsfragen durch sachkundige Berater sowie in besonders dafür geeigneten Fällen Unterstützung für die Wiedergewinnung der Gesundheit für die Weiter- bildung oder di- künftige Erwerbstätigkeit. Die Zentrale hat in Helmstadt ein Erholungsheim für kriegsbeschädigte Akademiker gegründet. Der Ortsausschuß Gießen, deflen Vorsitzender immer der Rektor der Universität ist. ist erst 1917 ins Leben getreten: die Zahl seiner Mitglieder ist noch verhältnismäßig gering und die ihm zufließenden Mittel reichen für größere Hilfeleistungen noch nicht aus. Doch steht zu hoffen, daß er in wachsendem Maße Entgegenkommen finden wird, damit er seine wichtigen Aufgaben, die namentlich nach dem Kriege sehr großen Umsang annehmen werden, ausreichend erfüllen kann (die Geschäftsstelle des Ortsausschusses Gießen ist das Unioersttätssekretariat Gießen, Bis- marckstraße 22). Schian. 3>te wichtigste Aufgabe völkischer Innenpolitik ist nach dem bekannten Münchener Hygieniker Prof, v. Gruber — in seiner neuesten diesbezüglichen Schrift (Sonderdr. aus „Deutschlands Erneuerung", 1918 H. 1, Lehmann, München) — dem darin viele „BeoölkerungSpolitiker" beipflichten — Raffen- hygienie. Naturgemäß ist dabei die Geburtenfrage von besonders entscheidender Bedeutung. Die Ge- bürten- und namentlich die Aufwuchsziffern werden besonders auch durch Krankheiten u. a. auf seiten der Eltern sehr herabgesetzt. Vor allem durch die Geschlechtskrankheiten. Weiter die Tuberkulose u. a. Auch der Alkoholismus, so hebt Gruber hervor, hat seinen wohlgemessenen Anteil an Unfruchtbarkeit und Minderwertigkeit des Nachwuchses. „Der Keimoerderb durch Syphilisgift und Alkohol dürfte die Hauptursache sein für die auffallende, mit den Erfahrungen der Züchter in so traurigem Wider- spruch stehende Tatsache, daß nur allzu häufig Eltern von ungewöhnlicher angeborener Kraft, Begabung und Tüchtigkeit Kinder hervorbringen, die von den elterlichen Gaben fast nichts mehr besitzen". Je mehr wir diese Uebel durch kräftigen Feldzug dagegen eindämmen, um so mehr werde vor allem die Beschaffenheit des Nachwuchses gewinnen, „jenes gewaltige Heer der Minderwertigen und Halbbrauchbaren an Zahl abnehmen, das eine so ungeheure Äast für jedes Volk ist". Für eine genügende Menge des Nachwuchses sei aber zugleich Stärkung und Neubelebung des Willens zur Nachkommenschaft unveräußerliche Bedingung. Wenn die so viel beklagte willkürliche Geburtenbeschränkung der Neuzeit häufig wachsender wirtschaftlicher Not der breiten Volksschichten in die Schuhe geschoben wird, so sei dies völlig unrichtig. Die wirtschaftliche Lage habe sich in der Zeit vor dem Kriege im ganzen im Gegenteil sehr gebessert. Beweis u. a.: die stark, stärker als die Preise gestiegenen Löhne, — die Alkoholausgabe des deutschen Volkes von rund vier Milliarden im Mittel dec letzten Friedensjahre, die Tabakausgabe von mehr als einer Milliarde! ... Dr. F. Unzavckt-Zcikurig. ^erwnndeten-Mnterricht. I. Unterricht in der Gewerbeschule (Kirchstraße 16 ). Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. SamStag von %9 —12 Uhr. B a uzeich ne n , Fachzeichnen, Fre ihandzeichnen, Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Buchführung,! ' Wechsel l^ehre, | Montag und Mittwoch von 2 — 5 Uhr. Rechnen, Montag von 2—6 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—5 Uhr. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Appel, Bert, Klein, Fritzel, Haggenmüller, Pcof. Dr. Krausmüller und 2 Architekten. Meldungen werden bei der Schulleitung der Gewerbeschule, abends von 5—6 Uhr, entgegengenommen. Der Unterricht ist unentgeltlich. praktische Arbeiten in den Lehrwerkstätten. Schreinerei, Schlosserei. Schuhmacherei Schmiede, täglich 3-12 und 2-6 Uhr. Korbflechten, täglich von 9—12 und 2—6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. II. Unterricht in Lazaretten und im Sotdatenßeim. Stenographie (Gabelsbergec System). Polizeik.-Aspirant K a r n b a cfj. Versich erungs- und Fürsorgewesen. Dienstag und Freitag 2tz—3tz Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung, Kciegsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz-, Flecht- und Papparbeiten. Vormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. ?andesausschulj für Kriegsbeschädigten- Jürsorge im Aeg.-Be;irlr Wiesbaden. Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Bleichstr.18.pt. Sprechstunde 8—3 Uhr. Fernruf Amt Hansa 7396 und 7397. Bewerber für unten ausgeschrieben Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des LandeSausschusfes für Kriegsbeschä- digten-Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Auskunft in allen Nentenfragen erteilt. Es Wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die Tagebnchnummer mitanzugeben. Gesucht werden für: 124>5. Speditionsgeschäft, Uorort Jrankfurts, ein Kriegsbeschädigter für Büro und Außendienst. 125|5. Korbmacberei verschiedene Korbmacher, evtl, auch geeignete Leute zum Anlernen. 12615. Eisenhandlung in Usedakkenburg ein Kauf, mann aus der Elsenbranche für Verkauf und Vertretung. 12715. Kriegsindustriellen Betrieb ein Nachtwächter. 128j5. KommaiutitdeselUcbaft ein Kassenbote. 129>5. Bootbauanstalt. Beilbronn a. d. Habe, ein Kriegsbeschädigter, welcher die Bootvermietung überwacht. Stellung dauernd. Bevorzugt einschlägiger Handwerker. 13015. Kunst- und Steindruckerei ein Ausläufer. 1|6. fioizbandlung ein vertrauenswürdiger Bote, welcher gleichzeitig die Kassengänge besorgt. 2|6. Jlascbcnbierbandlung ein Ausfahrer. Stundenweise für vormittags. 3|6. Büro einer pharmazeutischen Tabrik ein Kauf, mann für alle Büroarbeiten (Maschinenschreiben und Steno- lypist). ^ 4|6 Desgleichen ein Kaufmann für Buchhaltung rc. 516. kriegsindustriellen Betrieb in Rbeinbessen ein Kaufmann für Büro. Stenographie, Maschinenschreiben Bedingung. 616. Druckerei und Ucrlag zwei Ausläufer. 716. Magistrat. Stadt am Rhein, ein gewandter Registrator. Schriftliche ausführliche Bewerbungen. 816. Uillenbesitz in Jrankfurt a. M. ein verhei- rateter Hausmeister für die Sommermonate, während Abwesenheit der Herrschaft. 916. Kartonagenfabrik ein Dreher. 10(6. Obst-und Dartenbauverein,Stadt Oberhessens, ein Obstbautechniker. Der Bewerber muß eine sorgfältige sachliche Vorbildung Nachweisen können und in der kaufmännischen Geschäftsführung bewandert sein. Radfahren und große Strecken in gebirgigem Gelände sind zu' Fuß zurückzulegen. 1116. Grosse Ünstallationsfirma ein Spengler. 12J6. Desgleichen ein Autogenschweißer. . 1316. Uerwaltnng eines Schauspielhauses aushilfs- weise für zwei bis drei Wochen ein Aussetzer zur Beaufsichtigung der Gefangenen. Mitarbeit erwünscht. 14(6. Eisenbahnwerkstättenamt ein Geräteverwalter. Bewerber soll möglichst technische oder kaufmännisch-technische Vorbildung haben und fähig sein, den Schriftverkehr mit den liefernden Firmen zu^führen. 1516. Kriegsindustriellen Betrieb ein Techniker, welcher mit einschlägigen Zeichnungsentwürfen der Kriegsindustrie beschäftigt wird. 1616. Kriegsindustriellen Betrieb. Stadt in Oberhessen, eine technisch gebildete Kraft. ' 1716. Chemische Tabrik in der Häbe Trankfurts ein verheirateter Hausmeister, welcher die Registratur mitführt. 1816. Rittergut in der nähe von Lasse! rin zuverlässiger tüchtiger Jagdaufseher, für ca. 3000 Morgen Wald- und Feldjagd. Forstliche Kenntnisse erforderlich. Eintritt sofort. 1916. Kurzwarengrosshandlung eine möglichst branche- kundige kaufmännische Kraft für alle vorkommenden Büro- und Lagerarbeiten. Dauerstellung. Gehalt 2400 bis 3000 Mk. 20(6. Benachbartes Gestüt in Ressen ein verheirateter und zwei ledige landwirtschaftliche Arbeiter. 21|6. Gasfabrik drei bis vier Heizer. 22>6. Berrscbaftsbesitz, Badeort i. Gaunus, ein zuverlässiger Haus- und Gartenarbeiter. Kießener Seyenswürdigkeiten. 1. Sammlungen des Höerhestilchen Heschichts- vereins und der Wilhelm Hailfchen Stiftung. Im alten Schloß auf dem Brandplatz. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Uölkeruruleum, neben der alten Kaserne. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Hießener Kunstsammlung, im neuen Schloß über dem Völkermuseum, Sonntag 11—1 Uhr. 4. Botanischer Harten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8—5 Uhr (von 12—1 Uhr geschlossen), Sonntags von 9—12 Uhr. 5. Lesehalle des Hießener Lesehallen-Pereins im Forhaus, Settersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Das Kießener Saldatenyeim Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burggraben 9, Eingang von der Markt st raße aus, nahe am Markt. Zeitungen, Zeitschriften, KriegSkarten, Bücher und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Einfache Erfrischungen werden zum Selbstkostenpreise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu hergerichtet. Bis auf weiteres sollen an jedem Donnerstag nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Kreis- und Ortsausschuß, Kießen, für die Kriegsbeschädigteu-Aürsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstagnachmittag, von 8 — 12 und 2 — 5 Uhr. Werkstät te. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8 — 12 und 2—6 Uhr. Unterrichtsräume: GewerbehauS, 1. und 2. Obergeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Berufsberatung: GewerbehauS, Erdgeschoß. Sprechstunde Mittwoch-von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Sprechstunde: Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Auskeilung von Arbeiten Kriegsbeschädigter, Geweröeyaus, Kirchkr. 16 geöffnet: Werktags von 8 — 12 und 3—6 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelaffen. Kreis- und Ortsausschutz Metzen für die Kriegsdeschädigten-Fürsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. Schriftleitung der Gießener Beilage: Gch. Hofrat Dr. H. Haupt, Gießen. Keplerstraße 1. und Professor Dr. Karl Helm. Gießen, Stefanstraße 7.