VNVH gegeben^ 6uvd) betv Ctu&jcl^uß fi a>om Gießen. Nr. 12. 1. Mai 1918. ßüronik. Tie große Lffensive in Frankreich, die am 21. März begonnen hat, hat im Verlauf von wenig mehr als einem Monat zu Erfolgen geführt, die schon jetzt alS kriegsent- fcheidend betrachtet werden müssen. Hat man früher die beiderseitigen Verteidigungsstellungen rm Westen für unantastbar gehalten, so hat stch gezeigt, daß der Stoßkraft unserer Offensive die englische Verteidigungsstellung trotz stärkster Bewaffnung nicht stondhalten konnte. Ter erste Teil der deutschen Offensive in dem Abschnitt zwischen Arras und Soissons hat zu einem gewaltigen Einbruch in der feindlichen Front geführt und uns eine mächtige Offensivstellung in der Richtung auf Amiens verschafft. Die Kampfhandlung 'N diesem Teil wurde Anfang April eingestellt, aber die Verbindung der französischen und der englischen Armee blieb vor Amiens weiter an ihrer empfindlichsten Stelle bedroht, da ein Durchbruch nach dem Meere» das hier von dem vor» geschobenen Keil unserer Kampfstellung nur ca. 60 Kilometer entfernt ist, das englische Heer in Flandern und Nordfrankreich völlig von den Franzosen abschneiden müßte. Tie Franzosen haben, um diese Verbindung aufrechtzuerhalten, allmählich alle ihre strategischen Reserven einsetzrn müssen, die sie für Gegenangriffe gegen die deutschen Linien hatten auf- svaren wollen. Tie strategische Bewegungsfreiheit ist ihnen damit vollkommen verloren gegangen. Nach einer Vorbe» reitungspause hat am 9. April die deutsche Offensive mit ungeheuerer Wucht an anoerer Stelle wieder eingesetzt. Südlich der belgisch-französischen Grenze haben die deutschen Truppen Stellungen, die von Engländern und Portugiesen besetzt waren, durchbrochen und das schwierige Gebiet der öys-Niederung besetzt. Am 12. April fiel die bedeutende Industriestadt Armentieres, umflügrlt, in die Hände der deut- ichen Truppen, am 16. April der wichtige englische Etappenort B ai lleul an der belgisch-französischen Grenze. Durch den Einbruch des deutschen Heeres an diesen Stellen wurde die Stellung der Engländer in Flandern bedroht, und die nächste Folge war, daß die Engländer schon am 17. April sich aus dem Gebiete vor Npern zurückziehen mußten, das sie in den Flnndern-Schlachten unter Einsatz ungeheuerer Massen errungen haben. Langemorck und Paichendaele kam wieder in die Hände der Deutschen. Der Eriolg des Einbruchs bei Armenlieres ermöglichte, eine 2er stärksten Verteidigungsstellen der Engländer auf belgischer Erde zu nehmen. Nachdem am 28. April der Kampf nach 'iner neuen Vorbereitungspause wieder ausgenommen war, wurde am 27. AprU der Kemmelberg erstürmt, der die flandrische Ebene Überschaut, und die Verbindungslinie zwischen den Kanalhäfen Calais, Boulogne und Dün- 'irchen mit Hvern beherrscht. Ein neuer Rückzug der Engländer auf Hpern hin bestätigte den großen Erfolg unserer Waffen, der wohl in der Kanalge^end noch weitere Folgen haben dürfte. Am 28. April war auch die Stel- ung vor Amiens durch die Wegnahme von Hangard verbessert worden, ohne daß es in diesem Gebiete zu weiteren Rutschen Angriffen gekommen wäre. Die Tätigkeit der Franzofen und Engländer hat sich auf verlustreiche Abwehr und noch blutigere, aber ergebnislose Gegenangriffe beschränkt. > Nach Verlust der fest ausgebauten Stellung und eines großen Teiles des Kriegsgerütes mußten Franzosen und Engländer sich darauf beschränken, durch eiligst herbeigesührte Reserven vie Lücken auszufüllen. Ihre Einbuße an Menschenmaterial übersteigt um ein Vielfaches die deutschen Verluste, die schon dadurch bei dieser Offensivhandlung um so viel geringer sind, als in den früheren Abwehrschlachten, weil die Engländer und Franzosen auf dem Rückzuge ihre Verteidigung notgedrungen größtenteils durch Infanterie und Maschinengewehre, aber nicht durch Artillerie bestreiten. Um die deutsche U-Boottätigkeit lahm zu legen, wohl auch um die sinkende Stimmung in der Heimat aufzurichten, unternahm die englische Flotte in der Nacht vom 23. auf 24. April einen kühnen Handstreich gegen unsere belgischen U-Boothäfen Ostende und Z e eb r ü g g e, der zwar infolge einer Reihe für die Engländer günstiger Umstände bis an die Reede selbst heranführte, aber abgesehen von unbedeutenden Schädigungen der Mole von Zeebrügge nicht zu dem gewünschten Erfolg einer Absperrung der Ausfahrtsstraße für unsere U-Boote führte. Einen schweren Verlust erlitt das deutsche Heer am 22. April: Rittmeister Manfred von Richthofen, unser heldenhafter Kampfflieger, siel, nachdem er seinen 80. Gegner im Luftkampfe besiegt hatte. Er wurde von den Engländern unter den höchsten militärischen Ehren bestattet. Die U-Boot beute des März betrug 689000 Tonnen, sodaß nunmehr die Gesamtzahl des seit dem Beginn des uneingeschränkten U-Bootkrteges versenkten Schiffsraumes 10 959 000 Tonnen beträgt. In Finnland macht die Besetzung des Landes durch die deutschen Truppen weitere Fortschritte. Nachdem am 2.April die ersten Truppen bei Hangö gelandet waren, wurde am 8 April Karns. am 18. April Helfingfors, am 19. April Abo. am 24. April Lantrs, am 24. April Tarvestehus besetzt. Auch die Besetzung der Ukraine macht weitere Fortschritte. Am 6. April wurde Iekaterinoslaw, am 19. April Tschaplinka und Melitopol besetzt, am 22. April wurde der Zugang zur Krim, der Halbinsel im Schwarzen Meere, erzwungen und am 29. April Simferopol in der Krim besetzt. Die Ordnung wird in der Ukraine in immer weiteren Gebieten hergestellt und durch Eingreifen der militärischen Autorität für genügende landwirtschaftliche Bestellung des fruchtbaren Landes, der ruffischen Kornkammer, Sorge getragen. Tie Auseinandersetzung in Oesterreich, die sich an den Brief des Kaisers Karl an seinen Schwager, den Prinzen Sixtus von Parma, anschloß, hat ihren Fortgang genommen. In ihrem Verlaufe ist Graf Czernin am 14. April zurückgetreten. An seine Stelle tritt sein Vorgänger, der frühere Minister des Aeußeren. Baron Burian, ein Ungar, dessen unbedingtes Festhalten an dem Bündnis mit dem Deutschen Reich außer Frage steht. Der Telegrammwechsel zwischen dem österreichischen und dem deutschen Kaiser hat gezeigt, daß die an französischem Starrsinn gescheiterten Friedensversuche Kaiser Karls der Vergangenheit angehören, und daß der auf den Schlachtfeldern der Picardie und Flanderns sich offenbarende Waffenbund Deutschlands und Oesterreichs nunmehr uns den Sieg und mit dem Sieg den Frieden bringen mutz. Jtanderuschtacht. . . . Schon fällt der Tommy über den Graben her — Immer noch ratterr's Maschinengewehr. »Den Graben räumen", so ruft es zu Haus', -man suche die rückwärtigen Stellungen auf! - Alles läuft und drängt sich nach hinten, um zu dem Gegenstoße Zeit noch zu finden. — Jetzt ist der Graben schon nahezu leer, doch immer noch rattert's Maschinengewehr. Die Letzten sie rufen: .Ihr seid ja des Tods!" -Wenn schon, dann ist es der Ruf unsres Gotts." Als im Laufgraben nun auch der Letzte verschwunden, haben endlich die Schützen auch Zeit gesunden, denn man hört den Befehl: .Schützen zurück — doch säumet keinen Augenblick. Der Weg zuin Grabenwinkel ist ja nicht weit und seid ihr erst dort, dann seid ihr gefeit." Um möglichst schnell nun in Deckung zu kommen wird dieser Abschnitt im Sturmschritt genommen. Rur jetzt noch flugs um die Ecke herum. Doch— vor diesem Winkel blieb Einer noch stumm. Und dieser Eine — ich sah als er fiel sein bleiches Gesicht — trug meines Sohnes Profil. Von hinten traf ihn das englische Blei und schlug alle unsere Hoffnung entzwei. Ich schaffe mich selbst in den Graben hinein, doch — behilflich könnt' ich ihm nicht mehr sein. Unentstellt — sein Gesicht zu mir spricht: ,Lebet wohl meine Lieben, vergeht meiner nicht". Ldsturm. I. Schäfer d. I. R 118|1 3. Zt. Reserve-Laz. Abt. Sophienhaus, Worms am Rhein. (VII. Preisausschreiben.) Von Sanitätsunteroffizier Berk t old. Res.-Lazarett Limburg a. d. L., Teillazarett Pallottinerinnen. (VH. Preisausschreiben.) Am 30. September 1915, vormittags 6 Uhr, geriet ich in der Champagne bei der großen Herbstschlacht in französische Gefangenschaft. Nach 7tt- stündigem Trommelfeuer gelang es den Franzosen, gemischt mit Senegalnegern, unsere Stellung zu durchbrechen. Meine vierte Kompagnie wurde somit im Rücken angegriffen. Der SanitätSunterstand befand sich zirka acht bis zehn Meter hinter der vorderen Stellung. In demselben befanden sich zehn Verwundete, zwei Krankenträger und zwei ITstf ««ft?-Betitln a» Sanitätsunteroffiziere. Am 30. September 1915 vormittags 5.30 Uhr hörte ich plötzlich Jnfanteriefeuec und Handgranaten. Ich trat vor den Unterstand, und zu meinem Erstaunen mutzte ich sehen, daß die Franzosen schon anmarschiert kamen. Ich ging in den Unterstand zurück und sagte dies natürlich; alles machte lange Gesichter. An ein Auskneifen war nichi mehr zu denken, und so verkroch stch alles in die Ecken. Es dauerte nicht lange, da standen die Franzosen schon am Unterstand und schossen wie die Wilden in ihrem betrunkenen Zustand in unseren Unterstand herein. Kurz entschlossen trat ich raus, und da stürmten ungefähr 18 bis 20 Mann mit Bajonetten auf mich zu. Ich schrie gleich in französischen Worten, sie mögen uns verschonen, wir wären lauter Verwundete und Sanitätspersonal. Als die Franzosen das Französisch hörten, da stutzten sie einen Augenblick, und das war die rettende Minute. In diesem Moment kam ein französischer Korporal und nahm die Bajonette von mir, ließ mich abschnallen und sagte, ich solle die anderen Leute aus dem Unterstand rufen, und ich tat wie besohlen. Wir wurden alle Mann abgcführt in Gefangenschaft. In dem Gelände zwischen beiden Stellungen wurden drei Mann abermals verwundet. Einer davon flehte mich an. ich solle ihn doch mitnehmcn; ich tat cs auch, aber da kam der Posten und stach mir in die Hände, und so mußte dieser Mann elend zu Grunde gehen, wobei die Franzosen höhnisch lachten. Nun ging es weiter, von allen Seiten kamen Soldaten herbeigestürmt, ohrfeigten, traten und bespuckten uns. Sämtliche Sachen wurden uns abgenommen, es blieb uns aber auch garnichts mehr übrig. Vom Waffenrock wurden uns die Knöpfe. Tressen. Achselklappen, alles abgerissen, sowie auch Mütze. Und so kann man sich vielleicht in eine Lage eines armen wehrlosen Gefangenen hineindenken. Vorgesetzte standen dabei und lachten spöttisch. Das Verspotten war nicht allein kurz nach der Gefangennahme, sondern das wird fortdauern solange noch ein deutscher Soldat sich in Frankreich befindet. Denn das Zivilvolk ist mit einem Wort fanatisch und furchtbar gehässig. Bis abends 11 Uhr waren wir unterwegs. Endlich gab es halt. In der Nähe von Chalons befand sich ein Lager. Lager kann man dies nicht nennen, es war bloß eine Drahtumzäunung untrr freiem Himmel. Da befanden sich noch mehrere deutsche Gefangene. Und so verblieben wir bei Wasser und Brot siebzehn Tage, aller Witterung ausgesetzt. Es ist vorgekommen, daß bei Verwundeten Maden durch den Verband gekrochen sind. Andere sind durch tagelanges Hungern und an starken Durchfällen zu Grunde gegangen. Man sah, daß dies für die Franzosen Genugtuung war. Nun kam die schreckliche Fahrt von St. Mene- hould bis Orleans. An jeder Station standen Zivilleute, die uns mit Steinen geworfen, beschimpft und bedroht haben. Nach drei Tagen Bahnfahrt gelangten wir in Orleans an. Hier stand ein französischer Kapitän, der sagte: .Na. chr deutschen Helden, habt ihr auch Hunger und Durst?' Alle» sagte ja, worauf er erwiderte: .Verrecken sollt ihr deulschen Hur.de!' Der Empfang war trostlos. Diese Menschenansammlung, dieses Aufgeregte war ja rein toll. Elektrische Bahn, alles blieb still stehen wegen der paar Gefangenen. Alles schrie: .Alle- mangne kaput, Schweinehunde. Schweinekopf. Boche' und noch so manches. Auch das Lager in Orleans bestand nicht aus Baracken, sondern alles Zelte, in denen wir einen ganzen Winter uns kümmerlich behelfen mußten. Weil in Frankreich großer Mangel an Arbeitern herrschte, ging es gleich zur Arbeit. Zum Beispiel Steinbruch. Holzfällkommando, Kohlenausladen usw. Arbeitszeit 12 bis 14 Stunden pro Tag. Verdienst 20 Centimes, nach deutschem Geld 16 Pfennig. Essen war gut. Auch gibt es verschiedene Lager, zum Beispiel Elsässer-, Schleswig-Holsteiner- und Polenlager. Leute dieser Nation werden solange gut behandelt, bis sie ihre Unterschrift hergeben. und dann werden diese ins französische Heer eingereiht. Auch ich sollte in ein Elsässer-Lager und mich äußern, ob ich keine französische Gesinnung habe. Als ich dies alles verweigerte, setzte man mich zwei Monate auf eine Festung (Dijon). Nach den zwei Monaten fragte man mich wieder. Ich blieb aber der Selbe und so war ihr Plan nichts geworden. Von neuem wurde ich dann zum Holzfällen bestimmt und blieb bei dieser Arbeit bis zum 24. September 1916, als plötzlich die Nachricht bekannt wurde über den Austausch von Sanitäts- mannschaften. In Lyon war die Sammelstelle der Auszutauschenden, wie hier in Deutschland Konstanz es war. Die letzten acht Tage hatten wir es sehr gut, da wollten nämlich die Franzosen wieder gut machen, was sie das ganze Fahr hindurch an uns gesündigt hatten. Auf dem Wege zum Bahnhof mußten französische Regimenter Spalier bilden, damit wir nicht allzusehr von dem fanatischen Volk belästigt wurden. Als der Zug sich in Bewegung setzte, war uns, wie man es gewöhnlich nennt, .ein Stein vom Herzen gefallen'. Während der ganzen Fahrt mußten die Gardinen heruntergelassen werden, damit ja das Zivilvolk nicht sehen kann, daß Deutsche im Zuge sind. Der herrliche Empfang in der Schweiz sowie in Deutschland wird mir in steter Erinnerung bleiben. Was ist der Staat und warum brauchen wir ihn?") Von Eberhard Faden. Etz ist sonderbar, aber es ist so: unter dem Staat können sich viele Leute immer nur etwas Unangenehmes vorstellen: Polizei. Steuerzahlen. Gefängnis. Auf den Staat wird immer geschimpft, keinem kann er's recht machen. Am liebsten ist ihnen, wenn sie nichts von ihm zu sehen und zu hören brauchen. Aber jetzt im Kriege rufen olle nach dem Staat; da fühlt jeder, daß er ihn braucht, daß er ohne seinen Schutz und seine Sorge nichts vermag. Denkt Ihr noch an den 1. August 1914, als es wie ein Sturm durch Deutschland brauste, als wir alle zusammentratcn wie ein Mann, um das Vaterland zu verteidigen? Der Staat ist in Gefahr! Die Feinde — allen voran Herr Wilson — behaupten Zwar, sie kämpften nur gegen die deutsche Regierung, nicht gegen das deutsche Volk. Wir aber wissen, daß es um unser Leben geht, um Familie und Heimat, um Arbeit und Wohlstand. Der Staat — das sind wir ja selbst, das ganze Volk; mit ihm stehen und fallen wir. .Mit Gott für König und Vaterland' — so heißt der Spruch, den wir als Helmzier tragen. Volk und Staat gehören zusammen, bilden eine unlösbare Einheit. sie haben dazu keinen Verein mit Satzungen gegründet, nicht darüber abgestimmt. Der griechische Weise Aristoteles hat recht, der vor mehr als zweitausend Jahren gesagt hat: ..Der Mensch ist von Natur zum Leben im Staate bestimmt" Der Staat gehört zum Wesen des Menschen. Wir finden staatliche Ordnung ja schon in der Tierwelt, bei den Ameisen und Bienen, bei den in Herden zusammenlebenden wilden Pferden und Rindern, die sich um einen Führer, das sogenannte Leittier scharen; selbst die Schafe haben ihren Leithammel. Der einzelne Mensch vergeht. Familien sterben aus, neue kommen hoch, bestehen durch mehrere Geschlechter und sterben wieder aus. Im Staate dauert die Gesamtheit aller dieser Menschen und Familien, er ist das Bleibende. Dem Staate verdanken wir. daß wir leben und arbeiten können. „Alles was ich bin und habe, dank ich dir. mein Vvter- land!" Viele denken zwar: ich habe doch meine Familie, meine Innung oder Gewerkschaft, meine Kirchengemeinde; darin lebe ich. Nur die Beamten sind doch eigentlich auf den Staat angewiesen, der ihnen ihr tägliches Brot gibt. So äußerlich darf man aber die Dinge nicht betrachten. Wer macht denn alles bürgerliche Schaffen und Wirken möglich? Was ist denn die Grundlage, ohne die jene Verbände und Genossenschaften garnicht bestehen können? Der Staat ist es. der höchste, alle Kräfte des gesamten Volkes zusammenfassende Verband. Das ist immer so in der Weltgeschichte gewesen. In gemeinsamer Gesahr besinnen sich die Menschen, da schließen sie stch eng zusammen, da fühlen sie sich als ein einig Volk von Brüdern. In friedlichen Zeiten streben sie auseinander, als gehörten sie nicht zusammen. Da machen viele einen Strich zwischen sich und dem Staate. Der Staat — das sind für sie die Regierenden und Besitzenden. Die einzelnen Stände bekämpfen sich erbittert, als seien sie Feinde und nicht Bürger desselben Staates. Diese inneren Kämpfe sind so alt wie die Staaten selbst. Es gibt eine Fabel, die sich die Menschen schon vor zweitausend Jahren erzählt haben, die Fabel vom Magen und den Gliedern. Eines Tages verweigerten die Glieder den Dienst; sie müßten immer arbeiten und für den Magen Nahrung herbeischaffen, er selber aber tue weiter nichts als essen und trinken. So gut wollten sie es auch haben. Aber nun versagte der Magen natürlich und konnte die Glieder nicht mehr mit frischem Saft und frischer Kraft versorgen. Da wurden sie auch krank und fühlten, daß sie ohne den Magen doch nicht bestehen konnten, und arbeiteten weiter. Die notwendigste Aufgabe des Staates ist, sich selbst und damit seine Bürger zu schützen gegen Angriffe von außen und gegen Friedens- und Rechtsverletzung im Innern. Dazu muß der Staat unabhängig nach außen und selbständiger oberster Herrscher im Innern sein. Diese doppelte Unabhängigkeit des Staates nennen wir „Souveränität". Ohne Macht aber kann der Staat sich nicht behaupten. seine Schutzaufgabe nicht erfüllen. Heer und Flotte sind also notwendig; sie müssen um so stärker sein, je größer und reicher der Staat ist und je schwerer seine Grenzen zu verteidigen sind. Darum sprechen wir im Gegensatz zu den Kleinstaaten nicht von Großstaaten. sondern Großmächten So müßt Ihr das Wort verstehen, das der Geschichtsschreiber Heinrich von Treitschke gesagt hat: .Der Staat ist Macht." Unsere Feinde wollen uns einen Strick daraus drehen. Sie behaupten, das Wort bedeute: Der Staat soll erobern, soll eine Will- kürherrschaft errichten, im Innern über seine Bürger, nach außen über seine Nachbarn. Das sei ja apch unser Nationallied: Deutschland will über alles herrschen, während wir doch meinen: in unserem Herzen geht uns Deutschland über alles andere in der Welt. Freilich, mit Worten läßt sich trefflich streiten. Aber wie sagen die Engländer selbst? Ihr Wahlspruch heißt: Recht oder Unrecht, mein Land geht vor. Das heißt: nicht Gerechtigkeit, sondern England ist die Hauptsache in der Welt. Also rücksichtslose Selbstsucht! Kein einzelner Mensch, kein einzelner Stand vermag für sich allein zu leben. Sie brauchen sich gegenseitig. Und für dieses Zusammenleben brauchen sie eine bestimmte Ordnung und Regel, brauchen sie den Staat. Das liegt in der Natur der Menschen, *) Wir entnehmen die folgenden Betrachtungen einem ^krtvollen Büchlein „Vom Leben und Kämpfen der Staaten und Völker, eine Staatslehre für deutsche Feldsoldaten". schreibt als Feldsoldat für Feldsoldaten, er schildert das Wesen und die Aufgaben des Staates, untersucht das Verhältnis von Staat und Nation, von Staat und Volk, um zum Schluß die Anmaßung Wilsons zurück- zuweisen die uns zur französischen Demokratie bekehren will T,e Schrift kann von der Zentralstelle der Lazarett- Beratung. Frankfurt a. M., Theaterplah 14 . bezogen werden. Der Schutz nach außen und der Rechtsschutz im Innern ist wohl die notwendigste Aufgabe des Staates, aber nicht seine höchste. England und Amerika freilich kennen keine weitere. Sie begnügen sich damit, daß der Staat sozusagen eine bessere Aktiengesellschaft ist zur Versicherung von Leben, Freiheit und Eigentum. Wie man Versicherungsbeiträge bezahlt, weil sie nun eben notwendig sind, so halten sie auch den Staat für ein notwendiges Uebel, mit dem sie nicht mehr, als unbedingt er. forderlich, zu tun haben wollen. Er hat nur über die äußere Ordnung und Sicherheit zu wachen. Im übrigen läßt er dem einzelnen volle Bewegungsfreiheit, seine persönlichen Interessen ohne Rücksicht aus schwächere Mitmenschen durchzusetzen. Der Staat paßt nur auf. daß bei diesem schrankenlosen Gegeneinander nichts „passiert", wie ein Schutzmann oder Nachtwächter. Man hat das englisch-amerikanische Staatsideal deswegen spöttisch als das des „Nachtwächterstaates" bezeichnet. Wir Deutsche haben ein anderes Ideal. Unsere Reichsverfassung sagt: Das Reich ist errichtet „zum Schutze des Bundesgebietes und des innerhalb desselben gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen Volkes". Wohlfahrt bedeutet: Gesundheit, wirtschaftliche Kraft, freie geistige Bildung. Wir Deutsche betrachten den Staat als Kulturftaat. Seine höchste Aufgabe ist die Förderung der Kultur, d. h. die Pflege der körperlichen, sittlichen und geistigen Kräfte des Volkes. Unser Heer dient nicht nur dem Schutze des Reiches, sondern zugleich der körperlichen Durchbildung des deutschen Volkes. Daneben sieben unsere öffentlichen Schulen mit ihrem vorzüglichen Unterricht, der uns die Grundlagen für unsere Erfolge im Leben gibt, während England und Amerika säst nur private Unterrichtsanstalten haben, die bedeutend weniger leisten. Als drittes schließt sich unsere große soziale Gesetzgebung an, ein Werk, wie es kein anderes Land bisher zu stände gebracht hat. Der Staat sorgt sich bei uns viel mehr um das Wohl und Wehe seiner Bürger als in anderen Ländern, wo mehr sogenannte „Freiheit" herrscht. Im „freien" Amerika kann jeder tun und lassen, was ihm beliebt, die wirtschaftlich Schwachen sind ohne Schutz und werden rücksichtslos zu Boden gedrückt, wenn sie sich nicht selbst helfen können. Bei uns sorgt der Staat für soziale Gerechtigkeit, für einen Ausgleich zwischen den Ständen. Darum ist auch jeder viel fester mit dem Staate verbunden. Die Feinde freilich verstehen unsere Staatsgesinnung nicht, ihnen erscheint dieses Eingreisen des Staates in das Leben seiner Bürger, die Beschränkung der Freiheit des einzelnen zum Wohle des Ganzen als unerträglicher Zwang, und darum höhnen sie über unfern „Militarismus". Nnterrichtskurse tür erlaubte und hochgradig schwerhörig gewordene Kriegsteilnehmer. Der Landesausschuß für die Kriegsbeschädigten- sürsorge im Regierungsbezirk Wiesbaden macht darauf aufmerksam, daß seit 1916 jetzt in der Hölderlinschule untergebrachte Unterrichtskurse für ertaubte und hochgradig schwerhörig gewordene Kriegsteilnehmer eingerichtet sind, die der Erlernung des llbsehens der Sprache vom Munde dienen. Die ^urse stehen unter der Leitung des Herrn Stadt- chulinspektor Hrnze und haben bisher äußerst günstige Ergebnisse aufzuweisen. Die Mehrzahl rer Teilnehmer an ihnen, bis zum 1. Dezember 191/ insgesamt 40 Beschädigte, erwarben eine genügende Absehfertigkeit, um sich mit den Ihrigen vieder verständigen zu können. Die Zahl der in den Lazaretten des Korps- Deichs befindlichen Schwerhöngen und Ertaubten »ürfte die Zahl der bisher in den Kursen Unter- nchleten wesentlich überschreiten. Der Landes- msschuß wacht^ daher erneut aus diese Kurse auf- nerklam. Beschädigte, die an ihnen teilzunehmen vünschen, reichen ihre Meldung zweckmäßig bei dem uständigen Lazarettvorgesetzten ein. Anmeldung leuer Teilnehmer werden an die Geschäftsstelle es Landesausschusses, Frankfurt a. M., Uelchstraße 18 erbeten. Ansprüche an die Invalidenversicherung. Als Leistungen an den Versicherten kommen 'ahrend des Lazarettaufenthaltes in Betracht- nvaudendauerrente und Jnoalidenkrankenrente. Unter welchen Voraussetzungen wird die Rente gewährt? Die Jnvalidendauerrente und Jvvalidenkranken- 'währt^^d U ” ter senden Voraussetzungen 1. Das Versicherungsverhältnis muß beim Emtritt der Fälligkeit der Versicherung durch die Verwundung oder Erkrankung eine gewisse Dauer bestanden haben (Wartezeit). Sind mindestens hundert Beiträge auf Grund der Versicherungspflicht geleistet 0 betragt die Wartezeit, nach deren Ablauf jlente gewährt werden kann, nur zweihundert Beitragswochen. (Für die Ber- s'cherten, die weniger als hundert Pflicht- Beitragswochen Nachweisen, oder die als Selbstversicherer, z. B. selbstündige Hand- JTaicm-U- VeiiitttM werker. freiwillige Beiträge geleistet haben, beträgt die Wartezeit fünfhundert Beitragswochen.) Als Beitragswochen gelten auch die vollen Krankheits-, Militärdienst- und Kriegsdienstwochen. (Die Kriegsdienstzeit wird auch den freiwilligen Versicherern als freiwillige Beitragszeit angerechnet.) Diese Zeit wird in der Weise angerechnet, daß jede Woche der Dienst- oder Krankheitszeit als Wochen- beitrog gilt. Lazarettzeit gilt auch als Beitragszeit. sodaß unter Umständen ein Anspruch. der von vornherein nicht bestand, im Verlauf des Lazarettaufenthaltes entstehen kann. 2. In den letzten zwei Jahren nach dem auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstage müssen mindestens 20 Wochenbeiträge (bei freiwilliger Versicherung 40 Wochenbeiträge) entrichtet sein, sonst ist die Anwartschaft aus der Versicherung verfallen. Militärdienst- und Krankheitszeiten gelten auch hier als Wochenbeiträge. 3. Der Versicherte muß invalide, d. h. infolge von Krankheit oder Verwundung um mehr als 2 /g in seiner Erwerbsfäh'gkeit beschränkt sein. Ist die Invalidität keine dauernde, (s. nächsten Absatz), so muß sie mehr als 26 Wochen anhaltend hintereinander bestehen. Wann beginnt der Bezug der Rente? Ist die Invalidität nur vorübergehend, so wird Jnoalidenkrankenrente vom Beginn der 27. Kcank- heitswoche ab für die weitere Dauer der Invalidität gewährt. Es kommt vor, daß beim Beginn der 27. Krank- heitswoche an der Wartezeit noch eine Anzahl Beitragswochen fehlen. Alsdann kann der Versicherte erst nach soviel Krankheitswochen die Rente bean- sprachen, als noch Beitragswochen an der Wartezeit fehlen, vorausgesetzt, daß insgesamt nicht mehr als 52 Wochen der letzten Krankheit in Frage kommen. Ununterbrochene Krankheitszeiten können natürlich nur bis zu 52 Wochen als Beitragszeiten angerechnet werden. Die Anrechnung solcher Krankheitszeiten kann aber nicht mehr erfolgen, wenn dauernde Invalidität besteht. Bei dauernder Invalidität hat der Versicherte Anspruch auf Invalidenrente vom Beginne der dauernden Invalidität ab. Dauernd ist die Invalidität, wenn nach menschlicher Voraussicht es ausgeschlossen erscheint, daß der Versicherte wenigstens ein Drittel der normalen Erwerbsfähigkeit wiedererlangen wird. Als dauernd ist die Invalidität also nicht anzusehen, wenn begründete Aussicht besteht, daß der Versicherte infolge Besserung des Zustandes und Gewöhnung in absehbarer Zeit wieder fähig sein wird, ein Drittel des normalen Arbeitsverdienstes durch Lohnarbeit zu verdienen. Wie hoch ist die Rente? Die Höhe der Rente richtet sich nicht nach dem Grade der Erwerbsbeschränkung, sondern lediglich nach der Höhe und Anzahl der nachgewiesenen Beitragswochen. Für jedes Kind unter 15 Jahren erhöht sich die Kranken- oder Invalidenrente um ein Zehntel. Die Kranken- oder Invalidenrente muß auch dann unverkürzt gezahlt werden, wenn noch Militärrente gewährt wird. Solange Invalidität besteht, sind die Renten auch nach der Entlassung aus dem Heeresdienst zu zahlen. Wie ist der Anspruch geltend zu machen? Der Anspruch ist bei dem Versicherungsamt. in dessen Bezirk der Versicherte im Lazarett liegt, geltend zu machen. Beizufügen ist die letzte Quittungskarle sowie ein ärztliches Zeugnis über die Ursache, den Grad und die Dauer der Invalidität. Besteht am Ort des Lazaretts ein Versicherungsamt. so ist also der Anspruch dortselbst geltend zu machen, andernfalls bei der Bürgermeisterei des Lazarettortes. (Bei Eisenbahnbediensteten ist der Antrag zu richten an den Bezirks-Ausschuß der Eisenbahndirektion, bei Bergleuten an die Knappschastsvereine.) Zur Vermeidung von Rechtsoerlusten ist der Antrag binnen eines Jahres zu stellen; denn länger als auf ein Jahr rückwärts, vom Eingänge deS Antrags gerechnet, wird keine Rente gezahlt, sofern nicht der Berechtigte durch Verhältnisse, die außerhalb seines Willens liegen, verhindert worden ist, den Antrag rechtzeitig zu stellen; der Antrag ist in diesem Fall binnen drei Monaten zu stellen, nachdem das Hindernis weggefallen ist. Erkennt die Landesversicherungsanstalt nicht an, daß Invalidität vorliegt, weist sie also den Anspruch auf Rente ab, so kann binnen eines Monats nach Zustellung drs Bescheides Berufung an das in dem Bescheid namhaft gemachte Oberversicherungsamt eingelegt werden. Aürsorge für Urlauber. Viele unserer tapferen Feldgrauen sind verwaist, ohne jeden Anhang und heimatlos und dadurch von der größten Freude des Krieges: des Urlaubs ausgeschlossen. Um diesen Kameraden zu Helsen, hat sich 1917 in Bürgel in Thüringen unter Leitung des dortigen Bürgermeisters eine Stelle gebildet, die sich die ,Geschäftsstelle für heimatlose Urlauber" nennt. Ihre Tätigkeit besteht einesteils in der Beschaffung von Freistellen, die ihr wohlgesinnte Familien zur Verfügung stellen, andern- teils in der Erfassung der Heimatlosen im Heerx^ die sie den Familien zuweist. Die Geschäftsstelle fand von Anfang an lebhafte Unterstützung bei allen in Betracht kommenden Behörden, den Kriegsministerien, dem Reichsmarineamt und den stellvertretenden Generalkommandos und verschiedenen Vereinen vom Roten Kreuz Deutschlands und der verbündeten Mächte. Obgleich die Vermittelung der Geschäftsstelle, die im Jah-e 1917 gegründet wurde, naturgemäß schnell bekannt und in Anspruch genommen wurde, ist die Kenntnis von ihrer Tätigkeit anscheinend noch immer nicht weit genug gedrungen, denn noch immer stehen mehr Freistellen zur Verfügung, als Nachfrage besteht. Es ist zu hoffen, daß diese segensreiche Einrichtung aufs lebhafteste benützt wird. Ueber die Art der Benutzung sei folgendes kurz mitgeteilt: Ein Erlaß des Königl. Kriegsministeriums vom 8. August 1917 bestimmt, daß sich Truppenteile wegen Unterbringung heimatloser Urlauber an die stellvertretenden Generalkommandos, in deren Bereich sie aufgestellt sind, zu wenden haben, wobei Sonderwünsche der Urlauber in Bezug auf Unterbringung in bestimmten Orten oder in anderen »Korpsbereichen besonders zum Ausdruck zu bringen feien. Die Verteilung der Urlauber auf die Urlaubsorte nehmen die stellvertretenden Generalkommandos vor. Können sie nicht alle angemeldeten Urlauber unterbringen, oder ergeben sich sonstige Schwierigkeiten im Korpsbereich, so haben sich die stellvertretenden Generalkommandos an die Geschäftsstelle für Fürsorge für heimatlose Urlauber in Bürgel in Thüringen zu wenden, die die Feststellung geeigneter Urlaubsstellen auf Grund des ihr vom Königl. KriegSministerium übersandten Verzeichnisses über verhandene Urlaubsstellen im ganzen Reiche als Ausgleichsstelle für die Generalkommandos veranlaßt. Die Erfahrungen, die die Geschäftsstelle bei der Unterbringung der Mannschaften gemacht hat, sind durchweg die besten. Manche Freundschaft zwischen Gastgeber und Urlaubsgast hat sich gebildet, die auch noch im Felde aufrecht erhalten und in einem hoffentlich baldigen Frieden weiterwähren wird. Sammlung von Iolks- und Kinderliedern der Kriegszeit. Aus der Jubiläumsspende von 100 000 Mk., die dem Kaiser s. Z. von der Stadt Frankfurt a. M. für die Pflege des Volksliedes zur Verfügung gestellt wurden, hat das Kultusministerium einen ansehnlichen Betrag für die Einsammlung des Volksliedes in Frankfurt a. M. und Nassau bewilligt. Außerdem ist von dem Landesausschuß des Regierungsbezirks Wiesbaden ein jährlicher Beitrag von 1000 Mk. für den gleichen Zweck zur Verfügung gestellt worden. Zur Verwaltung dieser Mittel und zur Verfolgung der gestellten Ausgaben hat sich ein .Volks- liedausschuß für Frankfurt und Nassau"' unter dem Vorsitze des Geh. Reg.-Rats Professor Dr. Panzer in Frankfurt gebildet, dem eine Reihe maßgebender Herren aus Frankfurt und dem Regierungsbezirk Wiesbaden angehören. Der Ausschuß wird seine planmäßige Tätigkeit naturgemäß erst nach dem Kriege beginnen können; immerhin erwachsen ihm auch im Kriege schon besondere Ausgaben, vorzüglich mit der Einsammlung des Soldatenliedes bei den Truppen unseres Regierungsbezirkes. Der Ausschuß sieht sich aus die Mitwirkung weitester Kreise angewiesen und bittet alle, die Teilnahme für seine Ziele zeigen oder im Besitze von irgend welchen Dolksliedersammlungen sind, sich mit ihm unter der Anschrift des Vorsitzenden (Frankfurt a. M., Universität) in Beziehung zu setzen. Er ist gern bereit, Unkosten zu ersetzen und Sammlungen zu vergüten. Kinderspiele, die eine eigene Kriegöform angenommen haben (Kriegsreigen, Hickelspiel, Festungsspiel, Länderraub u. a.) sollen photographisch ausgenommen und dahiv gehörende Zeichnungen, Bilder und Sammlungen ebenfalls erworben werden. Mcherfchau Verfassung und Verwaltung im Königreich Vreußen (in Frage und Antwort). Ein Hilfsbuch für den Fern- und Nahunterricht der deutschen Staatsbürger- und Beamtenschule in Berlin und für den Selbstunterricht von Robert Gersbach. Preis 60 Pfg. Verlag: Kameradschaft, G. m. b. H., Berlin W. 35, Um sich über die Verfassung und Verwaltung des preußischen Staates zu unterrichten, dürfte es selten ein geeigneteres Buch geben, als das vorliegende. Auf 92 Seiten tührt der Verfasser in 335 Fragen und den dazu gehörigen Antworten den ganzen Lesestoff vor. Er kennt keine Antwort mit .Ja" oder .Nein". Jede Antwort besteht aus selbständigen Sätzen, die auch ohne die Fragen verständlich find und den Lehrstoff vermitteln. Nimmt man die Fragen sort, so liest sich das Ganze wie ein knapper, klarer, über- fichtlicher Vortrag. Das Buch ist ein gutes Hilfsbuch für die Beamtenanwärter, und als Lehrbuch in kaufmännischen und gewerblichen Fortbildungsschulen dürste fich das Buch ebenfalls hervorragend eignen. Lazarett-Aeratung. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten »nd Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Jeder »öge die Fragen, die er auf dem Herzen hat. seien fie wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett-Beratung richten. ES soll auf jede Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge» sucht werden, Rat und Beistand zu schaffen. Ant- Worten von allgemeinem Intereffe werden ohne Na» mensnennung in der Lazarett»Zeitung veröffentlicht, vertrauliche Behandlung wird zugefichert. daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett'Beratung, Frankfurt a. M., KrtegSfürforge, Dheaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 4 — 5 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung. Hefreiter I. Frage: Ist eine drei- oder vierfache Verstümmelungszulage denkbar? Besteht eine neue Verfügung, wobei auch bei Kopfschuß Verstümmelungszulage gewährt wird? — Antwort: Je nach der Schwere des Falles ist auch eine drei- oder vierfache Verstümmelungszulage denkbar. Bei Kopfschuß kann eine Unterstützung gewährt werden, an Stelle einer vorläufig nicht gesetzlichen Verstümmelungszulage. Die Erweiterung des bezüglichen Paragraphen des Versorgungsgesetzes ist geplant. Der Betrag der Unterstützung kann die Höhe der gesetzlichen Verstümmelungszulage erreichen. AlAztt«rrK°ÄVikung. Mititärkrankenwärter H. Frage: Steht einem Militärkrankenwärter Heimaturlaub zu oder ist ein solcher als Vergünstigung anzusehen? — Antwort: Besondere Bestimmungen für die Gewährung eines Heimaturlaubes für Militärkrankenwärter bestehen nicht, der Urlaub soll bestimmungsgemäß möglichst gleichmäßig an alle Mannschaften erteilt werden und Bevorzugungen einzelner sollen möglichst vermieden werden. Gffiziersstelloertreter A. F r a g e: Zur Wiederherstellung meiner Gesundheit war ich in die Heimat beurlaubt worden und war dort in Pflege bei meinem Schwiegervater. Für diese Zeit erhielt ich wohl Löhnung aber keinerlei Verpflegungszuschuß. Steht mir nun ein solcher zu? — Antwort: Bei Urlaub zur Wiederherstellung der Gesundheit ist die Geldvergütung für Selbstvcrpflegung dann zuständig, wenn vom Truppenarzt die Notwendigkeit des Urlaubs bescheinigt ist. 1. Mtsel. Ein jeder Mensch besitzt es; Man kann davor erschrecken. Doch wär' es ganz entsetzlich. Könnt' man's nicht mehr entdecken Bald heller und bald dunkler Lebt es doch nur im Lichten. Mit anderm Kopf, da wird es Gerühmt oft in Gedichten Als Hort von Lieb' und Treue, Als Halt in allen Dingen. (Doch soll, so wird behauptet. Dies oft .vorbeigelingen".) Mit nochmals anderm Kopse Mag's gelten unfern Schönen Als Sinnbild eines Zustands, Den sie meist heiß ersehnen. Doch hat's auch praktische Zwecke; Denn es bedient sich seiner Und kann e8 nicht entbehren Der Zimmermann und Schreiner. Mit w'eder anderm Kopfe Jst's ekelhast zum Grausen, In kalten, feuchten Löchern Pflegr's meistenteils zu Hausen. Auch sieht man's lieblich schweben. Umstrahlt von tausend Kerzen, Ein Bild der holden Jugend, Erfreuend Sinn' und Herzen. Nochmals mit anderm Kopse Seh'n wir es voll Verlangen Im Sonnenglanz aus Bergen Und aus den Fluren prangen. Aus letztern weiß die Hausfrau Besonders es zu schätzen. Noch einmal laßt zum Schlüsse 'nen andern Kopf uns setzen: Mit diesem Kopfe manches Verschied'ne es bedeutet; Es wird in mächt'gen Werken, In Küchen auch bereitet. Es schwimmt auf weitem Meere, Steht friedlich aus dem Tische, Bedräuet unsre Feinde, Trägt Fleisch, Gemüse, Fische. Gar mancher auch besitzt es. Dem es nicht sehr willkommen; Denn vielfach soll es, sagt man. Vom raschen Leben kommen. Auch im Gebiet der Künste Wird's mannigfach verwendet. — Und hiermit sei nun schließlich Mein Rätsel auch beendet. 2. Rätsel. Einsender: Xaver Lieck. Mächtig ragt es in die Wolken, Prächtig schillert's als Gewand, Auch ist es seit Jugendzeiten Jedermann als Buch bekannt. Das, zumal in jetz'gen Tagen, Wird benutzt besonders viel; Aber wenn man's auf den Kopf stellt Jst's ein unterhaltsam Spiel. Einsender: Xaver Lieck 3. Rätsel. Es ist ein Ding, daS alle Menschen haben. Du träges bei dir Tag und Nacht, Und immer wird es neu dich laben. Wenn du ein gutes Werk vollbracht. Es führt dich mühlos in die fernsten Zonen, Du mußt stets folgen seiner Spur, Es wird dich innerlich belohnen. Schaffst du ihm gute Werke nur. Such nicht zu weit, in diesem Augenblicke Hält es dich fest in seinem Bann, Zu deinem großen Erdenglücke Hat es den ersten Schritt getan. Einsender: Friedr. Mar Roeber. Konstanz, Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn sie vollständig sind. Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Einsender bis 16. Mai einzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Aus dem Briefumschlag soll daS Wort .Rätsellösung"' > stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.) Auflösungen ;u den Rätseln der vorigen Nummer. t 2 u Aälsetyafte Anschrift: „Zeichnet Kriegsanleihe.' 1. Aätset: „Rettig — Gitter." 2. Aätsek: „Revierförster." Sitöenrittsek: „Ein Gott, ein Recht, eine Wahrheit.' ZZtkderrätfet: „Zeichnet Kriegsanleihe." N d 2 Preise $u den Auflösungen der vor letzten Rümmer: n it \l Q f« 1. Aätsek: „Zeichnet Kriegsanleihe" — 5 richtige Lösungen. 2. Aätset: „Die Hände" — 2 richtige Lösungen. Aesuchskartenrätsek: „Assistenzarzt" — 6 richtige Lösungen. 2 V lei eti ne C Nur 2 Einsender haben diesmal alle Rätsel richtig gelöst: Grenadier Stammerjohann. Niederlahnstein, und Ldstm. Roeber, Konstanz. Sie erhielten erste Preise. 8! lv dn £ !ie bie Die Lazarett-Zeitung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk de» XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung. | Aufchristen find zu adrefiieren: Lazarett-Zeitung, Frank» surt a. M., Lheaterplatz 14. !* bü 8c, vo, Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Dr. Larl Gebhardt in Frankfurt a. ünj rvir 4fe ( tön der len, nich S Druck von 8 über 6 Lo., Frankfurt a. M.. Elbestraße *9. 1. Mai 1918. Nummer 12. Deutsche voran! Mitten durch feindliche Leere Lau'n wir mit blitzender Mehre Kühn uns die Dahn! Llintzsnm bedroht, Folgen wir ruhmreichen Ahnen, Kufen und schwingen die Fahnen: Sieg oder Tod! Julius Sturm Wuhmestage. So schreitet unser Volk nun wieder durch unerhörte Ruhmestage! Was wir von Vätern und Vorvätern staunend hörten, jetzt geschieht es vor unseren eigenen Augen von unserem eigenen Geschlecht. (Ls soll uns nicht übermütig wachen. Das wird schon deshalb nicht geschehen, weil jeder ernsthafte Ruhm auch ernsthaft bezahlt werden muß. Die Weltgeschichte verschenkt ihn nicht. Er kostrt Arbeit, Kamps, Opfer. Und so sind diese Siegestage doch zugleich auch ernste Tage für uns. Aber schön sind sie drum doch, wie strahlend von Sonnenglanz, und stolz dürfen wir sein, so wie stolz sein immer nur erlaubt ist: in dem Selbstgefühl erfüllter Pflicht und in der Dankbarkeit gegen die Vorsehung. Ein .stolzes Volk" haben unsere Feinde bei Beginn des Kriegs uns voll Aerger genannt, und gar zu gern hätten sie diesen Stolz gebeugt, ack liebsten überhaupt gebrochen. Es ist ihnen nicht gelungen, weil unser Stolz doch schließlich sittlich berechtigt war. Eben der Krieg und seine wunderbare Leistung bewiesen es. Was gebrochen werden mutz, ist nicht dieses sittliche deutsche Selbstgefühl, das wahrlich vor dem Kriege eher noch zu gering entwickelt war, sondern die gallische Eitelkeit, der britische Dünkel. Die russische Phantasterei wurde ja bereits von ihrem Schicksal ereilt. Wir haben auch den Wert des Feindes immer gern anerkannt. Vor dem Kriege vielfach mehr, als billig und recht war. Denn da haben wir manchmal seine eingebüirelen oder vorgrspiegelten Werte auch noch für echt genommen. Wir werden uns aber auch jetzt noch durch keinen Sieg von einem sachlich ruhigen Urteil abbringen lassen. Aber herzlich freuen wir uns, falsche Werte, angematzte Ehrentitel, scheinheilige Tugenden zusammenbrecyen zu sehen. Und umsomehr freuen wir uns, weil wir gerade unter ihnen in diesem Kriege so Unsägliches zu leiden hatten, körperlich und seelisch. Denn letzten Endcs ist ja aus jener gallischen Eitelkeit und jenem britischen Dünkel der Weltkrieg überhaupt erwachsen. Man brachte es mch*. fertig, unser ausstrebendes Volt als gleichberechtigt im Völkerbunde anzuerkennen. Man wollte ihm gegenüber immer noch etwas von jenen herrischen Vorrechten in Anspruch nehmen, an die man sich in der langen Zeit unserer Schwäche und Uneinigkeit nur gar zu gern gewöhnt hatte. Da man sich nun auch durch all unseren glänzenden Ausstieg im vergangenen Jahrhundert, weder durch unseren politisch-militärischen noch auch durch unseren friedlich-kulturellen nicht wollte belehren lassen, so bedurfte es freilich noch dieser furchtbaren neuen Auseinandersetzung. Wie stehen sie nun da, alle diese Großsprecher und Verleumder, die bis kurz vor Eintritt dieser vernichtenden Entscheidung immer noch glaubten, die Wahrheit mit ihrem Geschwätz Niederhalten zu können. Und voll dürfen wir diese Genugtuung auskosten, auf die wir gewartet haben in felsenfestem Vertrauen, getragen von unserm reinen Gewissen und von dem Gefühl unserer unzerbrechlichen Kraft. Gewiß sind auch wir Deutsche kein Volk von Heiligen und haben mit schweren Sünden bei uns selbst zu tun bekommen Aber die GeneraloerdammniS, mit der unsere gehässigen Feinde uns belegten, die verdienten wir wahrlich keinen Augenblick, und aus dem Gebiete der Kriegswut und Eroberungssucht, wo die Ententemeute uns nachstellt, lagen unsere Fehler gewiß nicht. Und das macht den Stolz dieser großen Tage für un8 aus: die Probe ist gemacht worden. die unsere Gegner herausforderten, die Probe, auf die wir in langer schwerer Zeit warten wußten. Und nun ist sie wirklich vor den Augen aller Welt ausgefallen, wie wir wünschten, wie wir es für recht halten dürfen. Nochmals: nicht übermütig soll's uns machen, sondern nur noch ernsthafter; in dem Gedanken vor allem, daß wir nur unseren besten Eigenschaften daS glänzende Bestehen dieser eisernen Probe verdanken. Hüten wir diese Eigenschaften künftig mit doppelter Treue! R. Strecker. Aus der Zeit des siebenjährigen Krieges. Kriegsbedrängnisse in und bei Gießen im Winter 1759. Am 1. August 1759 hatte Herzog Ferdinand von Braunschweig, der Verbündete des Preußenkönigs Friedrichs II., die Franzosen bei Minden in Westfalen gänzlich geschlagen. Infolgedessen verließ die französische Armee den westfälischen Kriegsschauplatz, um an der Layn und am Main die kommenden Dinge abzuwarten. Die französische Armee zog längs der Weser her und hatte am 23. August Kirchhain an der Ohm erreicht. Herzog Ferdinand von Braunjchweig folgte mit der .alliierten^ Armee, die aus hessen-kasselschen, braunschweigischen, hannoverschen und englischen Truppen bestand, den Franzosen au? dem Fuß und drängte sie bis Gießen zurück. Am 7. September befand sich das Hauptquartier des französischen Marschalls Contades in dem Dorfe Annerod bei Gießen. Seine Truppen lagerten in einem Haken gegen das Dorf Steinbach und das Schloß Schiffenberg hin mit der Richtung nach Gießen. Das Korps des französischen Marschalls Broglw stand zur Deckung Wetzlars hmrer der Lahn bei Dudenhofen. Ein kleines Korps zwischen Gießen und Klein-Linden unterhielt die Veroinduug zwischen Broglio und Contades. Am 19. September war auch die Armee des Herzogs von Braunschweig in Krofdorf unweit Gießen angekommen, wo sie hinter dem Gleiberg und Vetzberg Stellung nahm. Die Anstrengungen, die zu dem Ergebnis geführt hatten, die Franzosen bis Gießen zurückzudrängen, waren bedeutend gewesen. Jetzt lag für die verbündete Armee ein Bedürfnis zur Ruhe vor; man mußte sich in einer starken Stellung sestjetzen, um von hier aus dem Feinde nach allen Richtungen entgegentreten zu können. Gras Wilhelm von» Bückeburg, sin bedeutender Fachmann in der Anlage von Verschanzungen, wurde beauftragt, die Befestigung des Lagers zu besorgen. Es wurden aus dem Plateau Wettenberg, Gleiberg, Vetzberg und Dünsberg große Verschanzungen errichtet. Aehn- liche Redouten erhoben sich südwestlich vom Dorse Rodhnm, auf der Höhe des Lauserwaldes, zur Beherrschung der Gegend nach Wetzlar hm. Die Untätigkeit des französischen Marschalls Contades gegen das verschanzte Lager des Herzogs Ferdinond bei Krofdorf erregte Unzufriedenheit beim französischen Hose und brachte ihm Ende Oktober die Abberufung. Dem Marschall Broglio wurde der Oberbefehl über die französische Armee an der Lahn und am Main übertragen. Dieser erwies sich rühriger. Wiederholt machte er Versuche, den Herzog zum Verlassen der Stellung bei Krofdorf zu nötigen. Seit dem 5. November begann das Wetter recht ungünstig zu werden, sodaß die englische Reiterei in die Kantonnements verlegt werden mußte. Auch wurde durch das ungünstige Wetter die Armeeoerpflegung erschwert. Am 5. Dezember gab Broglio sein Lager bei Gießen auf und marschierte nach Butzbach. In Gießen blieben 2000 Mann unter dem Kommandanten Blarscl zurück. Der Abmarsch drr französischen Truppen nach Butzbach brachte dem Herzog Ferdinand Erleichterung. Ec ließ daher am 5. Dezember mittags den Baron von Blaesel zur Ueber- gabe der Festung Gießen auffordern. Mit einer kurzen lakonischen Antwort wurde die Aufforderung abgewiesen. Gießen wurde nun vom Herzog enger eingeschlossen. Truppen der verbündeten Armee standen im Norden der Stadt bei Lollar, Wieseck, Annerod, im Osten bei Steinberg, im Süden bei Klein-Linden, Groß-Linden, Langgöns. DaS Hauptquartier des Prinzen von Holstein, der den rechten Flügel kommandierte, befand sich aus der Komturei Schiffenberg. Die Festung Gießen besaß nur eine Erdumwallung. Eine Hauptdeckung der Stadt gewährten die von der Wieseck und Lahn gespeisten Gräben, an deren Auseisung die französische Besatzung und die Bürger von Gießen vom 5. bis ' 21. Dezember täglich arbeiten mußten. Während dieser Zeit wurden beständig Ausfälle aus der Stadt gemacht. Am 7. Dezember um 3 Uhr nachmittags wurde der Kommandant von Gießen, Baron Blaesel, zum zweiten Male ausgeford rr s^ch zu ergeben, diesmal unter vorteilhafteren Bedingungen. Der Kommandant lehnte wieder ao m d r Begründung: »Ich befinde mich aus dem Platze u n mich zu txe leidigen. Ich diene nun 30 Jahr, meinem Kön.^ und habe die Furcht verlernt.* A u 10. Dezember um 6 Uhr morgens rückten 150 Freiwillige aus der Festung, um Holz für die Erwärmung der Garnison zu fällen und zu gleicher Zeit das Dorf Wteseck zu überrumpeln. Die Abteilung fand die Wiesecker Besatzung vorbereitet unter den Waffen. Die Ausfallkosonne mußte sich zurückziehen, ohne das gefällte Holz fortschiffen zu können. Ein Aus- | fall aus der Stadt am 13. und 17. Dezember mit stärkeren Abteilungen nach derselben Richtung hin hatte gleichfalls kernen Erfolg. Der 21. und 22. waren besonders unruhige Tage. Diesmal versuchte der Feind mit 1000 Mann aus der Garnison Gießen nach den Dörfern Klein-Linden und Heuchelheim vorzadringen. Eine schneidige Attacke der herzoglichen Reiter brachte ihn in Verwirrung und jagte ihn wieder in die Sradt zurück. Zu gleicher Zeit lies ein Bericht ein, daß die Franzosen mit 3000 Mann unter General Sr. Germain von Butzbach auS einen Angriff auf Langgöns unternommen hätten. Der deutsche Oberst von Freytag wies den Feind ab und jagte ihn wieder nach Butzbach zurück. Ebensowenig glückte den Franzosen an demselben Tage ein Angriff aus Lich. Durch die ungünstige Witterung veranlaßt, hob der He-zog Ferdinand am 24. Dezember die Blockade von Bußen auf. Am 27. erschien Broglio vor Gießen Von hier aus unternahm er einen Rekognoszierungsritt; aber der dichte Nebel hinderte ihn an jeder Beobachtung. Herzog Ferdinand erwartete wohl vorbereitet den Angriff de« Feindes. Auf der Bleiberger Höhe stellte er seine Truppen auf. 26 Bataillone bildeten das erste Treffen, 25 Schwadronen das zweite. General Wangenstein deckte bei Her- mannstein-Wetzlac den rechten, Prinz Holstein bei Stauffenberg den linken Flügel. Die Attacke des Feindes blieb aus, und die verbündete Armee rückte wieder in ihre Kantonnements. Die Bewegung eines feindlichen Korps von 10 000 Mann nach dem Westerwald ließ die Absicht des Feindes erkennen, den Herzog bei Krofdorf womöglich einzu- schließen. Dir Verpflegungsschwierigreiten hatten sich mittlerweile im Lager von Krofdorf noch gesteigert. Die Hoffnung, sich der Stadt Gießen bemächtigen zu können, mußte ausgegebm werden. Daher erfolgte vom 3. zum 4. Januar 1760 der Aufbruch der Verbündeten aus dem Lager von Krofdorf. An 6. Januar befand sich das Hauptquartier in Marburg. Das Zicl des Marsches war Westfalen. Ja Hessen verblieben nur noch einige Besatzungen in Marburg und Homburg a. d. Ohm. Auch de französische Armee rückte nach dem Main hin, um dort Winterquartiere zu beziehen. Gießen behielt seine französische Besatzung bis in das Jahr 1763 hinein. Dre verbündete Armee hatte sich trotz der Ueberlegenhrit der Franzosen brav gehalten. Die Franzosen hatten schwer die Tätigkeit ihres deutschen Gegners fühlen gelernt, der beständig ihre Stellungen angegriffen, ihre Quartiere beunruhigt, ihre Magazine bedroht und ihre Transporte weggenommen hatte. Erleichtert erließ Broglio, der den deutschen Gegner nicht unterschätzte und sich nach Ruhe sehnte, beim Abzug der verbündeten Armee die Parole: „Ils sont partis!“ H. Berg 6 r , Gießen. SFs4fat*cff-3eifuim Vandesausschusj für Irriegsbeschädigten- Jürsorge im Reg.-BeM Mesliaden. Gkschüftsstrllr: Frankfurt a. M., Bleichstr.18,pt. Sprechstunde 8—3 Uhr. Merivunöeten-Hlnterricht Fernruf Amt Hansa 7396 und 7397. Interricht in der Keweröeschuk (Kirchjlrak- O Bewerber für unten ausgeschrieben Stellen wenden sich an die Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschä- digten-Fürsorge. Ebendaselbst wird auch unentgeltlich Auskunft in allen Rentenfragen erteilt. Es wird gebeten, bei etwaigen Rückfragen die Tagebuchnummer mitanzugeben. Gesucht werden für: 19,4. mineralbrunnen in der Nabe Trankrum ein Gärtner. 19|4a vergleichen ein Hilfsheizer. 2014. vergleichen ein Mann für leichtere Arbeiten. . 2114 Erziehungsanstalt bei Darmstadt ein landwirtschaftlicher Aufseher, welcher gleichzeitig erzieherisch mit« wirkt. 2214. Eandeserziehungranstalt in Nassau zwei Aufseher als Erziehungsgehilfen, katholischer Konfession. 2314. Maschinenfabrik ein Maschinenzeichner. Bewerber muß aus dem Maschinenfach sein. 31,4. Tahrenpächter auf dem Main nächst Trank- turt ctrt Schiffer als Fährenführer. . .32/4. Kröppelbeim und Lehrwerkstätte in Trank- rurt a. m. ein Registrator. . 36|4. Schreibzeug-und Etuifabrik in Trankfurt a. M. Cl ü ?ortefeuiller gesetzten Alters, ernst und vertrauens- würdlg. ^ welcher in der Lage ist, einer größeren Anzahl Arbeiterinnen vorzustehen. 3814. Zuckerfabrik in Hessen ein Bürodiener, welcher gleichzeitig die Registratur führen soll. Gute Schul- brldung, Arbeitsfreudigteit und Zuverläffigkeit Bedingung. Eventl. Lebensstellung. 3914. vergleichen ein junger Mann für das Büro Schreibmaschine und Stenographie Bedingung (Dauerstellung) 40>4. Teinere Schneiderei in Trankfurt a. M. ein Zuschneider, verschiedene Schneidergehilfen für Herren- und Damenschneiderei. , 4114 Marchinenfabriksbüro in Trankfurt a. M. etn Maschinenzeichner. 42|4. General der Infanterie z. v., Gutsbof in wessen, ein Diener für leichte Arbeit im Hause, bei freier Zeit Mithilfe beim Gärtner. 4414. Drogengrossbandlung zwei kräftige Packer. 45>4. Statistische Abteilung einer Uerwalfungsbe- horde ein Hilfsarbeiter für Rapporte. 46>4. General-Agentur einer Versicherung ein Mann für Büro und Außendienst. 47>4. Damenbutgrossbandlung ein Packer. Gleichzeitig Mitbeförderung zur Bahn und Post. 4814. Uhrenhandlung ein Bote für einige Stunden am Tage. * 49[4. Stadtbauamt im Bezirk Crier ein Wasserwerk- rohrmeister, besonders erfahren in Rohrlegungsarbeiten eines Wasserwerks. Prüfung und Reparatur von Wasser- meffern. Eventuell Dauerstellung. Bewerbungen mit Zeug- niffen und Gehaltsansprüchen sofort. 5014. Oei- und Tettbandlung in Mainz ein Verkäufer zum Besuch der Landkundschaft. 5114. Gewerkschaft a. d. Lahn ein flotter Buchhalter und Stenotypist. Erfahrung in der Lohnbuchhaltung und Expedition. Offerten mit Referenzen und Gehaltsansprüchen. 5214. Schauspielhaus in Trankfurt a. M. drei Bühnenarbeiter. 53>4. Konservenfabrik ein Aushilfzbuchhalter. 5414. Privathaus im Taunus ein landwirtschaftlicher Arbeiter. 90 Mk. pro Monat bei freier Station usw. 5514. Eisengiesserei und Maschinenfabrik i» Ueckermunde ein erfahrener Dreher als Drehermeister. 5614. Wobifabrtscinriebtung in Trankfurt a. M. ein Schreiner zum Aufpolieren von Möbeln. 5714. Seeverkebrsgesellsebaft in Trankfurt a. m. ein Bürodiener, welcher die Reinigung der Büroräume mit übernimmt. 58>4. Katholisches volksblatt ein Herr für Büro und Kundenbesuch. Rur katholische Bewerber kommen in Frage. 5914. vesgieichen ein Setzer oder Buchdrucker. 6014. Ziegeleiofen im Taunus ein kräftiger Fuhrmann. 6114. Kriegsindustrielles Unternehmen einige Einarmige zum Anlernen als Dreher. 6214. Hotel a. d. Nahe ein Hausdiener. 63|4 Kriegsbeschädigten-Türsorge im Regierungs- Bezirk Wiesbaden ein katholischer Bürohilfsarbeiter. Bei Einigung Dauerstellung. Gehalt 150 Mk. 64>4. Cellulose-Tabrik, Ort am Main, ein schreibgewandter Pförtner. Bauzeichnen, j . ' , ' Fachzeichnen, \ Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Samstag Freihandzeichnen, | von %9 —12 Uhr. Deutsch, Mittwoch und Donnerstag von 2—4 Uhr. Buchführung, | Wechsellehre, j Montag und Mittwoch von 2-5 Uhr. Rechnen, Montag von 2—6 Uhr. Projektionszeichnen, Mittwoch von 2—5 Uhr. mr.rr den Herren Appel. Bert. Klein. Fritzel, Haggen- muller, Prof. Dr. Krausmülle r und 2 Architekten. praktische Arbeiten in den Lehrwerkstätten. Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei Schmiede, täglich 8 Korbflechten, täglich von 9—12 und 2 — 6 Uhr. Maschinenschreiben, täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. — 12 und 2—6 Uhr Alnteiricht in Lazaretten und im Sotdatenbeim Stenographie (Gabelsberger System). Polizeik.-Aspirant Karnbach. Versich e rang s- und Für so rge wesen. Dienstag und Freitag 2 *-3* Uhr Beratung der Kriegsteilnehmer über alle Fragen der Kranken-. Jnoaliden- und Hinterbliebenenoer- sicherung, K.-egsversorgung usw. Im Soldatenheim. Bürobeamter Kirchner. Schnitz-. Flecht- und Papparbeiten. Bormittags und nachmittags; in den Räumen des Roten Kreuzes und in den Lazaretten. (Hießencr Sehenswürdigkeiten. 1. Sammlungen des Höerhefftschen Helchichts- vereins und der Wilhelm Gailschen Stillung. Jln alten Schloß auf dem Brandplatz. Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 2. Vätüermuleum, neben der alten Kaserne Zugänglich Sonntag von 11—1 Uhr. 3. Aotanischer Harten der Universität am Brandplatz. An Werktagen freier Eintritt von 8 -5 Uhr (von 12 1 Uhr geschlossen), Sonntags von 9—12 Uhr. 4. Lesehalle des Hießener Lesehallen-Vereins im Forhaus, Settersweg 93. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Kreis- und Ortsausschuß, Hießen, für die Kriegsbeschädigteu-Aürsorge. Geschäftsstelle: Gewerbehaus, Kirchstr. 16 (Fernsprecher 535). Geöffnet täglich, außer Sonntag und Samstagnachmittag, von 8 — 12 und 2 — 5 Uhr. Das Hießener Soldaterrßeim. Im früheren Kaffeehaus Ebel, Burggraben 9, Eingang von der Marktstraße aus, nahe am Markt. Zeitungen. Zeitschriften, Kriegskarten, Bücher und Gesellschaftsspiele stehen zur Verfügung, ebenso ein gutes Klavier sowie Schreibtische mit Briefpapier. Einfache Erfrischungen werden zum Selbstkostenpreise gereicht. Für den Aufenthalt im Freien bietet der hübsche Hausgarten Gelegenheit. Auch eine Kegelbahn ist für die Besucher neu hergerichtet. Bis auf weiteres sollen an jedem Donnerstag nachmitttags von 3—5 Uhr Konzerte der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments 116 stattfinden. Die Räume sind täglich von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends geöffnet. W e r k st ä t t e. Gewerbehaus, Erdgeschoß. Geöffnet täglich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 und 2—6 Uhr. Unterrichts räume: GewerbehauS, 1 . und 2. Obergeschoß. Geöffnet tl^glich, außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr. Berufsberatung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Sprechstunde Mittwoch von 5—6 Uhr. Stellenvermittelung: Gewerbehaus, Erdgeschoß. Sprechstunde: Täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Ansüessung von Arbeiten Kriegsbeschädigter, Hewerbeyaus, Kirchlir. 16 geöffnet: Werktags von 8 — 12 und 3—6 Uhr. Zutritt unentgeltlich. Kinder sind nicht zugelassen. Kreis- und Ortsarisschtitz Gietzen für die Kriegsbeschädigten-Fürsorge. Der Vorsitzende: Keller, Oberbürgermeister. Schriftleitung der Gießener Beilage: Geh. Hofrat Dr. H. Haupt, Gießen, Keplerstraße 1, und- Proseffor Dr. Karl Helm, Gießen, Stefanstraße 7. k T. £ li I K pii ln J:c M h Ifo K fr