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Wie gern hätten wir nach glücklich beendetem Kriege dieses Lied angestimmt, aber es lag das nicht im Ratschlüsse Gottes, und wir wollen uns am Ende dieses Jahres nicht verhehlen, das; die Hand des Allmächtigen nns schwer getroffen hat. Dunkel ist es, wohin wir schauen. Deutschland ist an der Front und im Innern zusammen- gcbrochen, das Reich droht aus den Fugen zu gehen, vor! unseren Jugcndidealeu und Jugendhoffnungen müssen wir Abschied nehmen, das deutsche Volk gleicht einer Familie, über die der Bankerott gekommen ist und die nun nicht weiß, wohin den Wanderstrb setzen und wo eine neue Existenz begründen. Es hilft nichts, das; . wir uns allerhand Vorreden und sagen: wir werden in einigen Jahren wieder hochgc- kommen sein. Das eine stellt sich uns mit aller Schärfe vor die Seele: Gott wollte uns auf das schwerste treffen, wir sollten den Stachel des Schicksals spüren. Wir gedachten, beim Friedensschlüsse die Glocken hell erklingen zu lassen und Jubcllieder anzustim- men, nun ist unser Lied das alte, bittere Worte des Hiob : Meine Harfe» ist eine Klage geworden und meine Flöte ein Meinen. Dennoch lassen wir nicht von dem Glauben, das; uns Gottes Hand fest hält. Wer weis;, was er gewollt, indem er uns diesen Weg der Tränen, diesen Weg entlang an endlosen Gräberrciheu ger- führt hat? In alten Tagen haben fromme, gefangene, angesochtcne Menschen gesagt: Die mit Tränen säen, werden mit Freuder. ernten, sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Wir wollen in der Silvesternacht des Jahres 1918 keinen trüge- rilchen Hoffnungen nachhängen, aber wir wollen Gott bitten, uns die Kraft zu geben, daß wir stille werden und das tun, was er, was die Not des Vaterlandes von uns fordert. Josef von Eichendorff, der fromme und vaterländisch gesinnte Dichter, der schon seit bl Jahren im Grabe ruht, hat das wahre Wort für die gegenwärtige Zeit gesprochen,' dieses Wort lautet: Was ich wollte, liegt zerschlagen, Herr, ich lasse ja das Klagen, Und das Herz ist still. Nun aber gib auch Kraft zu tragen. Was ich nicht will! H. B. Geschichten und Bilder aus Alt-Gietzen. 12. Der Zug des Todes im Dreißigjährigen Kriege. (Fortsetzung folgt.i 1629. Ein Papist (Katholik) in meister Magnuß Haus; Kranck gelegen, ist mitt 3 glucken und mitt singen begraben worden — Am 1. September wird eingetragen: Landgraff Philips, sein gemahlin begraben worden und allhicr um achi (8) Uhrer mit allen glocksn geläutet , und ein Leichenpredigt darauff gehalten worden und den gantzen tag darauff gefeyert worden. — Es handelt sich hier um die Gemahlin des Landgrafen Philipp, des Onkels des regierenden Landgrafen Georg II. (1620 bis 1661); Philipp lebte zumeist in Butzbach. 1630. , Johann Maloomesius ein Kind. 1631. Dem Herrn Stadtschultheißen ein Knäb- lein — Dem Vogt von Wetzlar ei» .Kindlein — Ein fremd frau aus; dem Stift Fulda. 1632. Adam der tag löhn er in der Hintergaß — Hannß Ferber — Caspar Ellermann begraben ist auf dem wilden man (wohl Flurbezeichnung) von einem von adel des Nachts erschossen worden — Merten Ludwig der Kuhirt. 1633. Ein Rittnrcister aus; Westvalen ein Kind — dem Wasenmeister sein weib — ein Corpora! von einem anderen corporal erstochen worden — ein Soldat, den Conrad Rinner mit einem messer gestochen halt das er gestorben ist. 1634. Jörg Keßeler von Wissigk — Heinrich Victor, mein schwager (Aus dieser Notiz geht hervor, das; der Opsermann Johannes Georg Vietor noch in diesem Jahre, also schon snt 20 Jahren, die Einträge in das Kirchenbuch machte.) — L. G. (Landgraf) Jürgen sein bey Lauffer zu der Cron, weiß man nit, wahn er gestorben ist, haben Ihn die Feld- schützen hinaußgetragen und ist ihm gepredigt und gesungen und mit dem kleinen glöcklein geläutet — Dieser auf geheimnisvolle Weise drucke«! 206 um das Leben gekommene Mann war ern Treuer des Landgrafen Georg II., der damals wegen der Wirren des Ktreges rn der Stadt Gießen, wo er sicherer war alv rn Darmstadt, wohnte. In diesem Jahre wurde koch zu Gr che getragen: ein ,rembder Knecht von Polen von den Soldaten erschossen worden. 1635. ' Dieses Jahr ist das für die Stadt Gmtzen verhängnisvollste des Dreißrgiahrigen Kire- l ges gewesen; denn die Pest hat damals sehr viele Opfer gefordert. Das ^ahrlrngschon schlecht an; denn am 1. Januar schreibt Vre- tor ein: ein Bauer erstocken von obersten Leninants mosterschrerber — Werter hnsst es: Gerlach Boß ern Krnd — -Hans; der Fürstin Cammerdiener — Magister Hagen Itadt- schreiber — ein srembter Marr von Wetzlar in der son (Svnnenstraße) gestorben — Adam der strohschneider — der alt sporer Johann Velten Peppeler ern Kind Hinter diesem Einträge steht von der j Hand des Mannes, der die späteren Erntrage macht, geschrieben: „Summa derer So nn Vergangenen Monat gestorben 'ehndt 48 Personen. Mhier sähet rrch die Pejt ahn. T>er Mann, der diesen Zusatz gemacht hat, ist wie ans den Mrchenvechnnngen dreser Feit, in denen sich dieselbe Handschrift findet, hervorgeht, der Kastenmeister (Krrchenrech- ner) Johannes Keminerer. ex schrreb erne sehr schöne, nach der damaligen Mode kunstvoll verschnörkelte Handschrift, wahrend Breton steif und schlecht schrieb, ^ach diesem Zusätze sing die Pest im Jnm an, Es starben nn Mai wie schon bemerkt, 48, rm Jnnr 8», rn, Juli 147, im Angnst 304, im September 311 im Oktober 169, iin November 78, rm Dezember 39 Personen: die Seuche war mithin am Ende des Jahres erloschen. Am 3. Juli wurde zu Grabe gebracht „Toctor Cnntzler Wolfsen ,ern Werb. Das war die Frau des Kanzlers Antonrus Wolfs ovn Todtenwart, der zum Andenken an seine Gattin die heute noch in Geltung befindliche Todtenwart'sche Stiftung errichtet hat. 4re Frau starb, während ihr Ehemann tn Prag weilte, um Friedensverhandlungen zu fuhren; der Landgraf hatte ungeordnet, daß dem Kanzler, damit die Verhandlungen nicht unterbrochen werden sollten, von der Erkrankung seiner Frau keine Mitteilung gemacht werden solle, sie starb in ferner Abwesenheit am 10 Juni, vormittags zwischen 5 und 6 Uhr Nähere Mitteilungen über diese interessante Stiftung haben wir in unserem Gemeindeblatte, Jahrgang 1912, Nr. 25 und 26, gemacht, wo mich der Stistiingsbrref abgedruckt ist. Merkwürdig ist, daß man die Frau so spät bestattethat, vermutlich hat man sie provisorisch beigesetzt und mit der Bestattungsfeier gewartet, bis der Ehemann nach Hanse zurückgekehrt war. In dieser Zeit ereilte der Tod auch de» treuen und gewissenhaften Schrerber des Kirchenbuches, am 19. Juli hörte Victor zu schreiben auf, nun beginnt in dem Buche die schon erwähnte Handschrift Keinmcrers, am 27. Juli wurde Victor zu Grabe getragen, nachdem er am 0. und 12. Juli schon zwei Töchter in das Grab hatte sinken sehen müssen. Vermutlich hat die Pest der Familie so großes Leid gebracht. . . Ter Zug des Todes schwillt rn diesem Jahre, wie die angeführten Zahlen schon erwiesen haben, zu bedenklicher Große an Wo nicht anderes bemerkt ist, kann inan wohl an- nehnren, daß die Verstorbenen der Pest zum Opfer gefallen sind. Folgende Einträge sind bemerkenswert: Jörg Schneider sauhrrt - Jörg Schneider fhnrrnann in der Lohn ersoffen — Landgraff Fritzen Cammermagd - Des Wasennieistcrs Mägdlein — EhnnrL Weydichen ein Kindt — ein arm Kind so uff der gassen todt gefunden — ern frembder Sattlergesell — ein frembder Soldat und eine Svldatin sampt ihrem Kind — em Bauersmaiin von Alleudors nn Huttenbergk — Tlcr alt Zeugkapitän Schenck,— eine frernbde Tienstniagd in der Neustadt — Balzar Volcker ein tochtcr — Johannes Sirnrnon ein Söhnlein — Volpert tu stör ein Söhnlein — Lndlvig Kuhn ein Kind — Johannes von der buch, der Balbrerer — kob Koch der Mertreger — Conrad Kühl em Kind - Kaspar Maussen Wittib — Dem Leinweber von Wetzlar ein Kindt — -o'v- hannes Pistors Wittib — Toctor Winckel- rnanns ivittib - - Jörg Schneider des Sauhirten Kind — eine maßt bei dem Keller (Amtsverwalter ) von Rosbach gedient rn Volpert Römers Hans — Jörg Schneider des sauhirten Frau — Magister Atogius sein Vatter — Hans; Krenter ein Knab. Folgender Eintrag beschließt das nähr 1635 s „Dc>i letzten Tezembris Unser Hen ' Superintcudens Toctor Johann Tiettnch welcher dieß Jhar geschlossen." — Dietrich, gebürtig aus Gernünden an der Wohra, war ein sehr geistvoller und tüchtiger Geistlicher. Ein Teil seiner m bet Zeit des großen Krieges gehaltenen Predigten sind noch erhalten, sie sind heute noch lesenswert. . r ,, Unter den Einträgen, die rm Oktober, als die Seuche etwas abnahm, gemacht wurden, findet sich die Bemerkung, von Kemmerers Hand: „Es bericht aber der totengräber, daß von ansang dieses Jhars undt bis hierher seyn begraben waren 1280 Personen, dre aber nicht alle in diesem regiestcr befindlich, darunter aber befindlich 129 Burger und 154 Bürgerinnen." Am 2. Oktober wurde m das Buch eingetragen: „Wiedrumb an- gefangen umb 12 Uhr zn. leutten. . ® scheint, daß man in der, Zeit der höchsten Not das Läuten um 12 Uhr eingestellt hat, um, als die Seuche erlosch, wieder dainu zu beginnen. Normale Verhältnisse kamen aber erst Monat fa Die Mon> die verhäi den als > Am 24. L am 29.O zum ers Schlüsse, tnchs ber marium c storbcn C da die J)i sonen." erdigt 12 also 240. in Gieße auch berii storbenen der Stad Glieder > landfrein Stadt a> Boii' lichkeit ii zen. Fol Ein Fhr Schm all Darmsta So ini zu todt c Gerh Hausen Knäblci Froschg, bekannt Mei Stiefbr: Medcro der gas Bar so ahm Junger ist erst Ebels >c Ein a: sGnnte werk? ihres ' bach, i Hain) t Enl Eintra meistei an sch nung. Hand 4. Ist ml; een 3ee ieier mite sie ert, am i rmieii, en zwei ii sehen ' -mtilie diesem cten er- an. Wo eelil aasest zum iiae sind il'iri — !öhn cr- mago — shunrad id so uif eembder bat und — ein leubergk — eine trabt — io Hannes nstor ein i — Jo- — Ja- Kuhl ein — Dem — Jo- Wiuckel- >es Sau- n Keller bient in Schneider Mogius .Kirab. rs Jahr ser Herr Tiettrich — Tie- an der nd tüch- in der en Pre- ;ute noch ibcr, als wurden, nmerers bcr, daß hierher ! reu, die stindlich, zer und s aurde in mb an- n." Es höchsten eilt hat, c damit ■ kamen j - 207 - aber erst wieder im Dezember, in diescnr Monat fanden nur 39 Beerdigungen statt. Die Monate August und September waren die verhängnisvollsten, am 3. August wurden als beerdigt 18 Personen eingetragen. Am 24. Oktober wurden nur zwei Personen, am 29. Oktober nur eine, am 10. November zum erstenmal niemand beerdigt. Am Schlüsse, nachdem über das Begräbnis Dietrichs berichtet ist, steht geschrieben: „Sum- marium^ller deren so in diessem Jhar Verstorben Seyndt wie der totengräber bericht, da die hierin nicht alle angezeigt 1503 Per- sonen." Im Buche selbst stehen als beerdigt 1203 Personen, still beerdigt wurden also 240. Der Tod hatte in diesem Jahre in Gießen eine reiche Ernte gehalten, wenn auch berücksichtigt werden muß, daß die Verstorbenen bei weitem nicht alle Einwohner der Stadt waren, sondern vielfach Soldaten, Glieder von fremden Soldatenfamilien und landfremde Menschen, die der Krieg nach der Stadt an der Lahn verschlagen hatte. 1636. Von diesem Jahre an hält sich die Sterblichkeit in Gießen wieder in normalen Grenzen. Folgende Einträge sind bemerkenswert: Ein Fhurknecht in der Croiren außm Ampt Schmalkalden - ein frembter Mann von Darmstadt Junker Schwert) von Nidda So im Cöllnischen Landt von den Bauern zu todt geschlagen worden. 1637. Gerhart, eilt Becker Lehrknabe von Beln- hausen — Peter Hartten, Kuhehirten ein Knäblcin — Johann Müllers Wittib in der Froschgassen (biefe Gasse ist jetzt nicht mehr | bekannt) — Ehristosfel, der alte Spengler, j 1638. Meister Valentin Beplers Stadtmüllers Stiefbruder — Peter Biedenkäppers von Niedcrohm (NiederohmUt! eine Soldatin, uss der gassen des Zehen Tode todts gestorben. 1639. Barbara, Johann Eonrad Ebels tochtcr! so ahm Wallpforterthor von einem schneider Jungen, so die Wacht gehapt, von ohngefähr ist erstochen worden - Johann Ehunrat Ebels andere Tochter ein junges Kindlein — Ein armer Mann von Guntters Blumen (Guntersblum in Rheinhcsseni seines Handwerks ein Schneider — die alte Mohrin, ihres Alters 75 Jhar — Bastian Lingel- bach, Soldat von Breuneßhayn (Breungeshains im Ampt Schotten. 1640. Ende Mai dieses Jahres wird der letzte Eintrag von der geübten Hand des Kastenmeisters Johannes Kemmerer gemacht. Daran schließt sich eine merkwürdige Aufzeichnung. Von Kemmerers charakteristischer »and steht eingetragen: „Ten 2. Jnny, den 4. Ist der Ehrgeachter Herr Johannes Kem- merer gewesener opffermann christlich zur erten -bestattet." Dieser Eintrag, auch das verschieden angegebene Datum ist durchgestrichen, dagegen findet sich als am 3. September bestattet noch einmal eingetragen! „Hr. Johannes Kemmerer 16er undt opffermann allster 70 Jahr alt." Wie ist dieser Widerspruch aufzuklären? Nur dadurch, daß man annimmt, Kemmerer habe, als er seinen letzten Eintrag Ende Mai machte, seinen nahen Tod vorausgefühlt und selbst den vermeintlichen Tag seines Begräbnisses eingetragen. Das hat ment tarnt später durchstrichen, und von einer anderen Hand findet sich der zweite, richtige Eintrag. Kemmerer muß ein angesehener Mann gewesen sein; beim er gehörte der städtischen Vertretung, die sich aus 16 Mitgliedern zusammensetzte, an; diese Männer wurden kurz die „Sechzehner" genannt. (Schluß folgt.) Dem Andenken eines Gefallenen. Im vergangenen Frühjahr fiel an der Westfront der Lehramtsassessor und Leutnant der Reserve Karl Walter aus Gießen, lieber seinen Tod hat sein Freund und Regimentskamerad, der Leutnant der Reserve W. Kranz aus Lixseld folgende Mitteilung gemacht: Mein Freund und Kamerad Karl Walter starb am 28. März dieses Jahres für sein Vaterland. In der Frühe dieses dunklen Tages kauerte ich zusammen mit ihm in einem Erdloche nahe bei dem Dorfe Moyen- ville. Unser, Angriff war im 'Gange. Wir beobachteten, und ich hatte, da wir sonst nicht gut so eng zusammenstehen konnten, meinen Arm um meinen Freund gelegt. „Gebt mir ein Maschinengewehr!" rief er in höchster Kampfesbegeisterung, da war sein Leben schon dahin. Durch den Stahlhelm, mitten in die Schläfe war die Kugel gegangen. Ohne einen Laut, ja ohne nur ein schmerzliches Atmen war er in meinen Armen gestorben. Ich kannte ihn genau, so wie man in tausend Gefahren da draußen zusammenwächst. Sein herrlicher Soldatentod ist in meinem Bewußtsein wie eine Krone über seinem schönen und guten Leben. So kamen mir zum Totensonntag die folgenden, an die Eltern und an die Braut gerichteten Worte: Wir kannten fröhlich, sonnig nur sein Wesen, Des Lebens Schatten blieben ihm erspart, Von Trug und Schein und Wahn ist er genesen, Nichts kann mehr hindern seine grade Art. Er war ein Held und ist als Held gefallen. Aus vollem Leben ist sein Geist entschwebt, > Die glücklichsten sind von uns Kämpfern allen. Die, die nicht Deutschlands tiefste Schmach erlebt. Nicht lollte er beu Alltag kennen lernen, Ein einz'ger Sonntag war sein kurzes Sein, Drum suchen wir ihn nicht in öden Fernen, Nein, lebensvoll tritt er zu uns herein. Der Vater gab ihn euch und nahm ihn wieder, Er konnte schmerzlos, selig heimwärts gehn, Sein Geist umschwebt auf leuchtendem Gefieder All euer Sein bis zu dem Wiedersehn. Meine Mitteilungen. In dem Liederbuche des Rostocker Studenten Petrus Fabrieius aus Tondern (1603 — 1608) findet sich ein Vers, der so recht wieder für unsere Zeit paßt, er hat folgenden Wortlaut: Gudt machet mudt, mudt machet übermudt, übermudt machet kreig, kreig machet armudt, armudt machet demudt, demudt bringet godtsürchtigkeit, godtfürchtigkeit bringet die seligkeit. -I- Bei der herrschenden Kohlenknappheit sind wir selbstverständlich genötigt, mit den Kohlen, die unseren Kirchen zur Verfügung stehen, sparsam umzugehen, damit wir nicht in die Lage versetzt werden, im Februar und März in ungeheizten Kirchen Gottesdienst zu veranstalten. Sonntag den 29. Dezember soll deshalb nur in der Stadtkirche, Sonntag pen 5. Januar nur in der Johanneskirche Gottesdienst stattsinden. * Aus allen Teilen des Reiches mehren sich die Nachrichten über Einspruchsver- .sammlungeu gegen eine übereilte Trennung von Staat und Kirche. Allein aus den letzten Tagen liegen Meldungen vor über Kundgebungen in Essen, Chemnitz, Kiel, Ahlden, Oldenburg, Darmstadt, Breslau, Osnabrück/ Halle, Greifswald, Zwickau, Liegnitz, Graudenz, Grimma, Rostock, Hannover. Ueberall herrscht starker Andrang zu den Versammlungen; so mußten iit Hannover Hunderte vor dem überfüllten großen Saal im „Haus der Väter" umkehren, in Rostock, Oldenburg und Halle sprachen die Redner vor 1000, in Graudenz vor 2000 Zuhörern. Schon jetzt ist die aufwühlende Wirkung des neuesten Eingriffes der preußischen Regierung in den Religionsunterricht der Schule zu verspüren. Die Regierungskreise mögen sich nicht darüber täuschen, daß ein neuer Kulturkampf die kirchlich denkenden Massen des evangelischen Volkes in weitestem Umfang zu entschlossenster Abwehr auf dem Plan finden würde. Sollte man wirklich dazu übergehen, den Religionsunterricht aus. der Schule zu verbannen, so wäre nichts mehr bedroht als die staatliche Schule. Unzählige Eltern würden ihre Kinder alsdann den in großer Zahl entstehenden Privatschuleu zuführen. Ein Gesetz, das das verhindern würde, ist undenkbar, denn Gewissensfreiheit ist auf die Fahne der heute bestehenden Regierungen geschrieben. Nicht die Regierungen und nicht die Lehrer haben allein über die Kinder zu bestimmen, sondern in erster Linie selbstverständlich die Eltern. Welches Ehepaar möchte sich noch Kinder wünschen, wenn I fremde Menschen über die Kinder in einer Weise bestimmen würden, die den Anschauungen der Eltern widerspricht? In Grodno haben die dortigen Rabbiner mit dem Cherem, einem Baunspruch gegen den Wucher, unter der Bevölkerung wahre Wunder gewirkt. Seit seiner Bekanntgabe ist kaum lein einziger Wucherfall zur Anzeige gebracht worden. In feierlichster Form wird durch strengen Synagogenbann verboten, von der Stadt Grodno sowie vom Kreise Grodno, wie es auch sei, mit der Eisenbahn, mit Wagen, mit Autos, weder selbst noch durch einen Genossen oder Boten oder einen Bremser, durch einen Juden oder Christen, folgende Lebensmittel zu exportieren: Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Buchweizen, Mehl, Graupen, Kleie, auch Brot und Kuchen, Erbsen, Bohnen, Linsen, Möhren, Rüben, Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln, Obst und den dortigen Kaffee-Ersatz. Ebenso Eier, Butter und Honig, Zucker und Zuckermehl. Ter Spruch gilt auch für die Herstellung von Branntwein aus Mehl oder von Seife aus Fett und Butter. * Wohlan wir haben's auf den Mann, den Herrn Christum, Gottes Sohn, gewagt, der wird uns gewißlich nicht lassen. Unser Lew und Leben steht auf ihm: wo er bleibt, da werden wir auch bleiben; sonst weiß ich nichts, darauf ich trotzen konnte. Auf ihn wagen wir's; er wird helfen! * Luther. kirchliche Anzeigen. Sonntag nach Weihnachten, 2 9. D e i e m B c r: Gottesdien st. 3n der Stadtkirche. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Mahr. — Nachm. 5 Uhr: Pfarr- assistent Schäfer. Zn der Johanneskirche fällt der Gottesdienst aus. Silv ester, 31. Dezember: In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Professor v. Schian. Zn der Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Neujahr 1919, 1.Januar: In der Stadtkirche. Vormittags R/i-Uhr: Pfarrer Mahr. — Nachmittags 5 Uhr: Pfarrassistent Schäfer. . In der Johanneskirche. Vormittags 9V-> Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck unl,Verlag der Drühl'fchen UniverfltSts-Buch-und Steindruckerei R. Lange. Gießen. 208 - I