Hr. 4-8 Gießen, I. Advent, den I. Dezember I9J8 7. Jahrgang. Advent in schwerer Zeit. 1. Brief an die Thessalonicher 4, 11. Ringet danach-, daß ihr stille seid und das Eure schaffet. Jeder, dem noch ein deutsches Herz in der Brust schlägt, der möchte auf den dahinrasenden Wagen, der das Schicksal unseres Volkes dem Verderben entgegenträgt, springen, um den Lauf zu hemmen, er möchte sich in die Speichen der Räder werfen, um die grausige Fahrt aufzuhalten, damit das deutsche Volk einmal wieder zur Klarheit und zur Besinnung konimen kann. Aber die Entwicklung geht unabänderlich weiter in immer beschleunigterem Tempo bergab. Ist es ein allmächtiges, grausames Geschick, das unser' Volk ergri'sen hat und es dem Abgrund entgegen- trcibt? Fast scheint es so, als sei Gott, der von den Schlechten die Gerechten nicht knechten lassen will, gestorben und das blinde Schicksal habe die Weltregicrung übernommen. Nein, so ist es nicht, wir müssen das Eine sesthalten, der alte Gott lebt noch, er hält auch heute noch Gericht an den Völkern, bei ihm ist kein Ting unmöglich, auch nicht die Rettung unseres deutschen Volkes. Gerade daran, daß er unser Volk in die Tiefe führt, merken mir, das; er noch etwas mit ihm vorhat, daß er es auf neue Zeiten in der Trübsal zubereiten will. In dieser Adventszeit des schweren Jahres 1918 tröstet uns die alte, frohe Botschaft, daß Gott einst, als es am dunkelsten war auf der Welt, seinen Sohn gesandt hat, um die Menschen mit Freude und Seligkeit zu erfüllen. Und Jesus, der Heiland aller Welt, ist immsb noch da, er ist bei den Seinen bis an der Welt Ende. Darum wollen wir danach ringen, stille zu sein, .still im Vertrauen auf Gottes Regiment, der in seinem Königreich noch nie etwas versehen hat. Nicht eine. Stille dumpfer Verzagtheit und dumpfer Verzweiflung wollen ivir — die ist ärger als der Tod, sondern eine Stille, die Kraft ist und Leben anslöst. In schwerer, harter Zeit die Hände znm Gebet falten und nach der rechten Stille ringen, dann aber auch mutig und getrost die Arbeit des Tages tun, das ist Christenpflicht, das ist das Gebol der Stunde. Tann können nur in kindlichem Vertrauen Gott den Ansgang der Sachen, die uns so verwirrt und unlösbar scheinen, überlassen, wie denn auch Luther einmal das große Dennoch' des Glaubens also erläutert: „Hörst du, Seele, Gott muß man den Ausgang aller Tinge, sonderlich die verwirrt sind, heimgeben. Er, d'er Allweise wirds schon wissen, herrlich auszuführen,, was er wunderlich angefangen. Anfang und Ende steht in seinen Händen. Rollt er mit dir hinüber über Stock und Block, Berg und Tal, durch Feuer und Wasser, also, daß alle Kreatur schreit und nicht anders meint, er werde dir noch den Hals entzwei rennen, so sei du getrost und guten Mutes. Fürwahr, er wirds so stattlich hinausbringen, daß du seine unergründliche Weisheit und unbegreifliche Macht gleich' als mit Fingern tasten wirst." ! MC : i | . . Das kirchliche und religiös-sittliche Leben in den evangl. Gemeinden des Dekanates Gietzen während des Jahres J9U. (Schluß.) 11. Der Evangelische Bund. Ter Mitgliederbestand hat nennenswerte Einbußen nicht erlitten. Nach dem vom Hessischen Hauptverein herausgegebenen Verzeichnis bestehen im Dekanat neun Zweig- vcreine mit zusammen 633 Mitgliedern, wobei die des Zweigvereins Hausen nicht einbegriffen sind, von dem wohl wegen des Todes seines Vorsitzenden eine Bestandsmeldung nicht erfolgt ist. An der Unterstützung der Arbeit zur Förderung der evangelischen Bewegung rn Oesterreich haben sich, wie in früheren Jahren, auch diesmal die Kirchenkassen Gießen mit 100 Mk., Kirchberg, Watzenborn, Leihgestern und Großen-Buseck mit je 10 Mk., Großen - Linden, Burkhardsfelden, Reis- kirchen, Hausen, Garbenteich und Treis an der Lumda mit je 5 Mk., Annerod und Rödgen mit je 3 Mk., Albach und Steinbach mit je 2 Mk. beteiligt. Es wäre wünschenswert und dankbar zu begrüßen und wird wiederholt recht herzlich darum gebeten, daß auch die übrigen Gemeinden des Dekanats dem guten Beispiel der vorgenannten Kirchen- kassen Nachfolgen und in ihrem Voranschläge Beiträge zu diesem Zweck einstellen möchten. Allerdings ist ja, wie der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins in dem Jahresbericht von 1917 aus ührt, die „Los-von-Rom- Bewegung" in Oesterreich' durch den Krieg etwas zurückgedrängt worden, wird aber nach dem Kriege um so stärker hervortreten, und wenn auch die frei h ssischen Pfleg gemeinden in Steiermark Leoben, Knittel ^eld und Judenburg durch den Krieg etwas gelitten haben, so gehen sie doch einer gesicherten Zu- ISO kmift entgegen. Im Jahre 1917 fanden trotz des Krieges in Steiermark allein 317 Neber- trittc zur evangelischen Kirche statt. Damit hat sich die Seelenzahl der Evangelischen in Steiermark seit Beginn der Bewegung vor 20 Jahren um rund 1900 --- 475vermehrt. Die Bewegung geht also vorwärts und ist darum unserer Hilse wert und auch weiterhin bedürftig. Der Hessische Haupt- verein hat im Berichtsjahre 10 481,82 Mk. zum Besten der drei Pslegegemeinden verausgabt. Wie schon erwähnt, brachte das Jahr 1917 das 400jährige Jubiläum der Reformation, das leider wegen des Krieges nicht in der ausgedehnten Weise gefeiert werden konnte, wie iber Tag es verdient hätte. Bon seiten des Zentralvorstandes in Berlin wie des Hessischen Hauptvereins ist alles geschehen, was getan werden- konnte, um durch Zeitungsartikel und Flugschriften auf die Segensgüter der Reformation hinzuweisen und unserem Volke die hohe Bedeutung jener Gottestat aufs neue eindringlich ans Herz zu legen. Ebenso gab die am 19.^April d. I. durch den Bundesrat erfolgte Aufhebung des Jesuitengesetzes dem Zentralvorstand Anlaß, in einer Kundgebung an das deutsche evangelische Volk gegen diese Verletzung des Burgfriedens Stellung zu nehmen und auf die Gefahren hinzuweisen, bxe der Fall des Jesuitengesetzes für die im Kriege so erfreulich eingeleitete Verständigung der Konfessionen und-insbesondere für die Einigkeit und Kraft der Nation mit sich bringt. Tie Einmischung des Papstes in den Weltkrieg zu ungunsten Deutschlands, wie sie in dem päpstlichen Appell an die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker vom 1. August 1917 geschieht, wurde auf Veranlassung des Zentralvorstandes in der Schrift „Papst, Kurie und Weltkrieg" gebührend beleuchtet. Die Schrift weist schlagend nach, daß vdn der nationalrömischen Kurie nichts Gutes für Deutschland zu erwarten ist. Durch diese und viele andere Auf- klärungsschri'ten, deren Zahl in diesem Jahr 'über vier Millionen Stück hinausgeht, hat der Evangelische Bund seiner Aufgabe als Mahner und Wächter für die evangelische Sache getreulich' gedient, und es wäre nur recht und billig, daß in jeder evangelischen Gemeinde ein Zw-eigverein des Bundes vorhanden wäre und jeder evangelische Christ aus Dankbarkeit für das, was der Bund für die Sache des Evangeliums tut, eingeschriebenes Mitglied würde. Der Unterzeichnete ist gerne bereit Anträge wegen Neugründung von Zweigvereinen entgegenzunehmen und die Entsendung von Bundesrednern zp vermitteln. Pfarrer B ö chner -Trais a. d. Lda. Zeebriigge J9U- Friedliche Erinnerungen Von Pfarrer Wilhelm 5) o f f m a n n. (Schluß.) Ta er selbst aber — außer einigen dem Konversationsführcr entnommenen Redensarten — der srauzö ischen Sprache nicht mächi- tig war und auf rheinisch-flämisch sich nur notdürftig mit der Erwählten verständigen konnte, so nahm er den sehr sprachkundigen Oberlehrer und mich gewöh.lieh noch zu seinen abendlichen Besuchen ins Cafa mit, um Dolmetscher seiner Gefühle zu haben. Ter „Liebesdienst" wurde auch getreulich geleistet, aber ohne sonderlichen Erfolg. Tie etwas schattig veranlagte Honorinc, die auch sonst schon versorgt schien, vermochte seinen! allerdings auch etwas plumpen Aeußcren keinen sonderlichen Geschmack abzugcwinnen, und so fehlte es an humorvollen Intermezzi, die auch noch durch- mancherlei — nicht immer unbeabsichtigte — sprachliche Mißverständnisse gefördert wurden, keineswegs. Ich aber bekam durch diese abendlichen Besuche im Cafs. Helge die Möglichkeit, sür den Rest meines Aufenthalts iir dem leicht besetzten Zeebriigge ein Quartier zu finden und neue Gesellschaft, diesmal ausschließlich belgische, Brüsseler vom reinsten Wasser, muß aber sagen, daß ich auch mit diesen gut gefahren bin. Etwas unbehaglich war es mir ja allerdings zumute, als ich bei unserer kleinen! Mittagstafel neben eine Dame gefetzt wurde, die — ebenso wie die ganze Tafelrnirde — obwohl flämischer Abstammung, nichts anderes als Französisch verstand/und die Aufmerksamkeit doch die Einleitung einer Unterhaltung forderte. -Aber schließlich haben wir uns doch alle recht gut verstanden, und der Einblick in belgische Sinnes- und Denkart, den ich dort gewann, war mir auch für spätere Tage recht wertvoll. Liebenswürdig, leutselig und freundlich waren meine Brüsseler, deren einer sogar als Vicomte im Fremdenbuch stand; auch von Feindschaft gegen Deutschland Und das Deutschtum habe ich nicht das geringste wahrgenommen, obgleich damals in jenem Sommer die Wellen der politischen Erregung doch auch hochgingen. Den Frauen imponierte sogar die voraus- - gesetzte und wohl auch tatsächlich befundene eheliche Treue der deutschen Männer, die dorten offenbar eine recht seltene Erscheinung ist. Ich habe darüber manche Eröffnung gehört. Eine kleine Aufmerksamkeit, die den beiden Marien unseres Hauses an ihrem Namenstage erwiesen wurde, ward über Gebühr gewürdigt und mit einem Hoch auf die deutschen Männer belohnt. Und- als die dicke Wirtin im Hotel maritime bei mir die eingangs -erwähnten Nippsigürchen und sonstigen kleinen Andenken gewahrte und erfuhr, daß sie für Madame zu Hanse bestimmt seien, belobte sie dieses ihr offenbar als außergewöhnlich -erscheinende Beginnen und fügte tan n. en dem iedens- t machi- ich nur indigm indigen A'l sei- iit, um t. Der eleiftet, etwas ch sonst i aller- kcinen und so zzi, die immer n-ständ- schaber lche im m Rest icsetzten rd neue elgische, iß aber gefahren a aller- kleinen! wurde, ende — hts an- >ie Auf- Unter- ben wir und der oenkart, für spä- würdig, Brüsse- i Frem- t gegen labe ich obgleich ilen der Mingen. voraus- fnndene ncr, die heinung ung ge- die den -ein Na- Gebühr >ie deut- ne dicke die ein- ) sonsti- ersuhr, nt seien, äußernd fügte 191 - die bezeichnende Aeußerung hinzu: „Wenn ich wieder heirate, Heirat" sth auch emeit Deutschen!" Den belgischen Männern war die treue monarchische Gesinnung, die sie bei uns Deutschen gewahrten und ohne werteres voraussetzten, etwas Fremdes. Als ich! bei .einigen despektierlichen Aeusternngcn über ibrcn Landesherrn meine Bewunderung aus- srrack, kam die Antwort zurück: Ce nest ias cheÄ nous comme en Allemagne. Auch sonst kam das Gespräch, mitunter aus das politische Gebiet. In scherzhafter Weise kiel sogar einmal die Aeußerung, daß Bel- men und die flandrische Küste doch noch ern- mal un'er sein würden, im Falle des unausbleiblichen Krieges mit England, wovon unsere Gegenüber begreiflicherweise allerdings nichts wissen -voll en. Im übrigen erklärten sic, keine Deutschenhasser zu fern, nach Frankreich ziehe sie hauptsächlich, die dortrge repir- blikanische Staatsform, die sie auch für ihr Land am meisten begehrtem was man der der Beschassenheit ihrer Monarchie auch .einigermaßen verständlich linden konnte. , Eiiren recht gemütlichen Abend habe ich mit dm Belgiern des Cafe belge noch zur Vorfeier des Mariensestes 115. August) verlebt hörte vom Namcnstagsbranch des pi- gusr n I'eprinsls und anderen Branchen, wte übwhaupt das flämische Volksleben, selbst das Brüsseler, noch manches mit unseren alten ländlichen Sitten gemeinsam zu haben scheint, durste erleben, daß mrr zur Ehren die „Wacht am Rhein''aus dem Klavier erscholl was bei andern Gelegenhetteimdte Sevster Kurkapelle trotz des stürnnsch.en Verlangens vieler Badegäste, nachdem man geduldig oder mit stürmischem Bet all dte Marseillaise anqchört hatte, ablehnte. Eure» het- teren Erlebnisses sei übrigens auch noch vom heyster Strandkonzert gedacht Ich hatte mich an bewußtem Sonntagnachmittag mu meinem Gesährteit, dem Oberlehrer, gerade bei einer Tasse Ka fee niedergelassen, als eine neben uns sitzende, eifrig ^st^zöltsch parlierende ältere Dame durch dte Ungeschicklichkeit des Sonntags-Atishtllskellners tuchtrg mit heißem Kaffee begossen wurde Cm. quu m’abrüle!" tarn cs zuerst schmcrzbewegt un! dann zornerfüllt über die Lippen; als aber die französischen Entrüstungsschrcie mast mehr ausreichtm, das Mitleid der Umwelt zu erregen, ging es auf gut Frankmrtertsch in gewaltigem Redestrom werter. Das lvar natürlich ein Mittel zur Herstellung genauerer Beziehungen und schließlich haben wir die ganze Lebens- und Famt tengeschichte der aus dem Schwabenland in dte Wemstadt verschlagenen und dort eingebürgerten Landsmännin erfahren, die nun ersrent^var, am fernen Gestade solch teilnehmende Leclen zu finden. Sie hatte eine junge Sängerin ano Ostende bei sich, die mit ihrer Tochter vf,en- bar große Freundschaft geschlossen hatte, hoffentlich ist diese inzwischen nicht rn dte Brüche gegangen! Auch im Gottesdienst rückte .einmal dte Heimat nach. Ich habe solchem sowohl m der katholischen Kirche zu Zeebrügge belgewvhnt, wie nach langem Suchen im Hotel de vtlle zu Blankenberghe, wo dem evangelischen Er- baunngsbedürfnis Rechnung getragen wird durch deutsche Pfarrer, die dort die Kür gebrauchen Natürlich tritt dann hau.ig Wechsel eilt, so ziemlich alle vier Wochen. Bei meiner Anwesenheit versah gerade ein^ Dekali von Homburg vor der höhe den dienst und hielt eine ansprechende, deutschen Ge- wissensernst in diesem leichtlebigen Bade- trcibeii zur Geltung bringende Predigt, etn Professor aus Wiesbaden und meine Wenigkeit übten uns aus seinen Wunsch in den Funktionen des mangelnden Kirchendieners oder der ebenfalls mangelnden Kirchenvorsteher und präsentierten die Op.erte.ler für die evangelische Sache an der flandrischest Küste, die hier kümmerlich ihr Tasem fristet, wo sie vor Jahrhunderten einmal die herrsch,mde gewesen war. Wir hatten den «aal noch nicht verlassen, als der engli,che Re- verend eintrat, um ferne Landsleute sorgerlich zu bedienen. Daß sein rn ernste Falten gelegtes Antlitz wohlwollend zu den deutschen .Glaubensgenossen dreingeschaut hatte, kann ich gerade nicht sagen, -FM ka- tholisch.m Goiteshaus zu Zeebrügge frei mrr aus, daß es lange nicht in dem Maße, wie wir es in deutschen katholischen Kirchen gewohnt sind, besucht war. Bei der Liturgie sprach der Geistliche ein Latein mit franzoji- schem Akzent und französischer Aussprache, bei der Predigt und den Verkündigungen! harten wir Gelegenheit, Satz für Satz dre belgische Doppelsprachigkeit zu gewahren Das Marien est, das auf einen Dienstag fiel, weshalb man in Brüssel und sonst auch gleich den Montag von Geschäften frer- machte, führte wieder große Mengen Menschen aus dem Innern des Landes an die in diesen heißen Tagen besonders wohltätig empfundene See. Ich zog es, aber vor, da auch die Pflicht rief, zu den heimatlichen Penaten zurückzueilen. Am Mittag brachte mich das Dampfroß wieder dem Rhein zu. Mutier Verheknm — de Jong — oder war es honorine gewesen oder die Namens- träqeriii des Festes oder eine andere von den zahlreichen Töchtern des Hauses? trenn ich mich recht erinnere, habe ich von zehn Kindern gehört, was auch, nicht gerade von „Verflanschung" zeugt — hatte gut für dre R ife gesorgt und mich mit Mnndvorrat versehen, der reichlich bis nach Mitteldeutschland langte, alles von den 5 Franken Per^ sion pro Tag. Ich- habe ste alle denn auch in freundlicher Erinnerung behalten,, bekam auch auf Neujahr noch einmal cm Kärtchen, das offenbar das Haus, aufs neue m empfehlende Erinnerung bringen sollte, wie ich mich denn auch vom Hotel maritime mit .einem rsvoir psnt-sirs ä l’anuee proohaine verabschiedet habe. Es ist aber natürlich - 192 nichts mehr daraus geworden bis auf den heutigen Tag. Doch weiß ich aus einem Briefe meines nun geschiedenen Bruders, der sein Scherzwort von der flandrischen Küste wahrgemacht und als deutscher Landwehroffizier die Stätte unserer damaligen Ferienfreuden noch einmal besucht hat, wie es gegenwärtig dort aussieht und zugeht. Als ich in Köln wieder deutschen Boden betrat, freute ich mich über unseres Rheines grüne Fluten, über Preußischen Schneid und deutsche Sauberkeit. Kleine Mitteilungen. Tie „Frankfurter.Nachrichten" hatten in ihrer Abendausgabe vom 18. November d. I. jaus Berlin folgende Notiz gebracht: „Als gestern der Oberhosprediger Tr. ü 1 . Dryan- der int Dome Gottesdienst abhielt, unterbrach ihn ein besser gekleideter Mann und hielt von der Empore herab ein Ansprache, die mit den Worten schloß: „Jefus Christus ist uns Wurst". Pfuirufe ertönten, viele Frauen brachen in Tränen aus, der Geistliche barg das Gesicht in den Händen. Die Gemeinde aber stimntte sofort den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott" an. Man beförderte den Mann aus dem Gottesdienste." Diese Mitteilung hat im ganzen evangelischen Deutschland große Unruhe und Sorge hervorgeruseu, man fürchtete, daß infolge der neuesten innerpolitischen Vorgänge der Religionsübung Störungen erwachsen würden. Diese Furcht ist unbegründet, man darf zu denen, die jetzt die Geschicke Deutschlands leiten, das Zutrauen hegen, daß sie keine Vergewaltigung der religiösen Ueber- zeugung zulassen und nach wie vor freie Re- ligionsübnng gestatten. Eine Mitteilung der „Korrespondenz des Evangelischen Presseverbandes für Deutschland" klärt nunmehr den Vorfall im Berliner Dom auf. Diese Mitteilung^ har folgenden Inhalt: „Tie gottesdienstliche Störung im Berliner Tom, die die Oeffentlichkeit vielfach beschäftigte, ist die Tat eines Mannes, der sich durch seine an religiöse Wahnideen streifenden Absonderlichkeiten wiederholt bemerkbar gemacht hat und sich auch als „Ober- dada" des „Tadaistenklubs" bezeichnet. Es sind darum Folgerungen, wie sie hie und da an den Vorgang.im Tom geknüpft wurden, nicht berechtigt. Immerhin ist nicht ausgeschlossen, daß diese vereinzelte Verirrung ansteckend auf andere anormale oder exaltierte Köpfe wirken und sie zu ähnlichem Vorgehen vetchnlassen könnte. Daß jede Gemeinschaft ihr Hausrecht, vollends im geschlossenen Raum, zu wahren befugt ist, wie dies auch in Berlin geschehen, liegt auf der Hand. Tie Gemeinde wird wissen, wie sie, ohne ihrer Würde etwas zu vergeben, jedweder Vergewaltigung zu begegnen hat. Aber Sturmzeichen solcher Art haben auch ihr Gutes. Sie öffneir vielen bis dahin Lauen und Gleichgültigen die Augen, wie leicht hohe Güter des deutschen evangelischen Volkes an-^ getastet zu werden in Gefahr stehen. JhZ kann nur durch engen, zielbewußten Zu-k sammenschluß aller seiner Glieder begegnet- werden. Gewaltsame Antastung der Reli-s gionsfreihcit weckt desto entschiedeneres Auf- raffen und entschlossenere Gemeinschaft derer die in Gott ihren festen Halt und bleibenden! Gewinn erblicken. So sind Leidenszeiten der - Kirche noch von je zu Zeiten stärkster Zeug- [ niskraft und lebenerweckcnder Vertiefung geworden." . Um Heizung und Beleuchtung zu sparen, ! und wir genötigt, vorläufig die Kriegsbetstunden einzustellen. Wir hoffen auf diese Weise, in die Lage versetzt zu werden, daß ! wir die Passionswochengottesdienste halten können. Tie Abendgottesdienste an den Sonntagen gehen natürlich weiter ihren Gang, auch wenn weiterhin die Beleuchtung der Kirchen, lote das am vorigen Sonntag der Fall war, nicht aus der alten Höhe stehen sollte. kirchliche Anzeigen. Sonntag den 1. Dezember ( 1 . Advent). Kollekte für die Kirchenkasse. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 91 / Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Matthäus- und Markusgemcinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. — Vormittags 11 1/4 Uhr: Kinder- sirche für die Matthäusgemcinde. Pfarrer Mahr. — Abends 5 Uhr: Pfarrassi, stent Liz. Reuning. — Abends 8 Uhr: Vereinigung oer tonfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeindc. — Dienstag den 3. Tezember, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsvcrein. — Freitag den 6 . Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Mat- I thäusgemeinde. In der Zohanneslrirchc. Vormittags 91? Uhr: Pfarrer Bcchtolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. — Vormittags lit /4 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemcinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Aus-> selb. — Abends 1/8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. — Abends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Gemeindesaal, Kirch- straße 9. —- Mittwoch den 4. Dezember, abends 8 Uhr: Kricgsbetstunde. Pfarrer Auseld. Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck uni Verlag der Brühl-fchen Universttäts-Buch- »ad Steindrucke«! N. Lange, Gießen.