Sonntagsgruß ( GemeLndeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen lTr- 42 Gießen, 21. Sonntag n. Trinitatis, den 20. Oktober 1918 7.Iahrg. Gottes Stunde. Evangelium des Johannes 2, 4. Meine j Stunde ist »och nicht gekommen. Tie Stunden und die Tage und die Jahre eilen dahin, es ist, als säßen wir in einem I Schnellzug und sähen hinter uns alles, was wir gerade noch schauten und erlebten, in demselben Augenblick in weiter Ferne verschwinden. Eine Stunde birgt in unserer Zeit oft Erlebnisse und Ereignisse, die sich sonst wohl in langen Jahren abgespielt haben, aber auch diese Stunden enteilen und wir eilen mit ihnen. Es ist uns oft, als zählten wir die Stunden, die an uns vorübersausen, um Ausschau nach der einen Stunde zu halten, die wir alle so herbeiseh- ncn, der Stunde, die die Friedensglocken niit ganz besonderem Klang begrüßen sollen. Aber eine Stunde nach der andern kommt und geht, und wir fragen sic alle: bist du endlich die Skunde, die den Truck von unserem Herzen, von unserem Volke nimmt? Und sie antworten alle ernst.und schwer: Noch nicht! Noch nicht! Tann schauen wir auf in Ungeduld und Kleinglaubeu zu dem Gott, der jede einzelne Stunde über die Erde laufen läßt mit einem besonderen göttlichen Aufträge, und wir rufen zu dem Herrn: Ach, Herr, wie lange? Er hört unser Schreien wohl, aber er weiß in seiner göttlichen Weisheit allein, was uns srcmmt, und antwortet ernst und unerbittlich: Meine Stunde ist noch nicht gekommen Es ist nicht ein strenges Verlagen, das uns trifft, nein, ein kindliches, gläubiges Herz hört aus diesem „noch nicht" die herrliche Zusage und Verheißung: Meine Stunde wird kommen ganz gewiß, aber zu meiner Zeit. Gottes Uhr geht richtig, die Stunde wird einst schlagen. Menschenuhren gehen oft verkehrt, darum müssen wir, jeder einzelne von uns, unsere Uhr nach Gottes Uhr stellen, und daun, wenn beide denselben Gang, denselben Schlag haben, dann wollen wir getrost sein und harren ans Gottes Stunde. Die Stadt Gießen in den Jahren 1861 bis 1869. (Fortsetzung.) 1868. Bei der Volkszählung am 3. Dezember 1867 wurden in Gießen 10 233 Personen gezählt, darunter 464 Militärpersonen. Infolge einer Mißernte im Jahre 1867 war in Ostpreußen eine große Hungersnot und damit zugleich an einzelnen Orten der Hungertyphus entstanden. All nthalben wurde für diesen Notstand Geld gesammelt, in Gießen und Umgebung kamen 1642 Gulden zusammen. Im Mai wurde eine Zentesimalbrückcn- wage am Neustädter Tor neben dem Eisenbahndamme errichtet und dem Torschreiber an dem genannten Tore zur Verwaltung übergeben. Bereits im Juli des vorausgegangenen Jahres hatte Pfarrer Landmann das alte Pfarrhaus verlassen, um eine Mietwohnung zuerst auf dem Reichensand (jetzt unterer Teil der Bahnhvfstraße) und dann in dem früheren Postgebäude am Walltor zu beziehen. Das alte Pfarrhaus würde im April 1868 abgebrochen, bei dem Abbruch wurde nichts Merkwürdiges gefunden als ein Stück der alten Burgmauer, welches einen Teil der Hinterwand des Hauses bildete und schwer zuvzertrümmern war. Im Lauf des Sommers wurden die beiden Pfarrhäuser unter Dach gebracht, die Vollendung wurde bis zum nächsten Frühjahr verschoben. Mit dem Neubau der beiden Pfarrhäuser traf in diesem Jahre die innere Ausbesserung der Stadtkirche zusammen. Darüber war schon seit Jahren oerhandelt worden. Schon im Jahre 1843 hatte sich ein Komitee gebildet zur Herbeiführung einer Verschönerung uns bequemeren Einrichtung der Stadt, kirche. Dieses Komitee hatte die Anschaffung eines Bildes Philipps des Großmütigen neben dem Bilde Luthers betrieben und dafür aus den eingesammelten Geldern 550 Gul- den an den Müler Trautschold bezahlt, außerdem 213 Gulden für weitere Zwecke verausgabt. Darauf hatte die Sache geruht, bis sie durchs ein Schreiben an den Stadtvorstand vom 12. Februar 1856 von neuem angeregt wurde. Tie Folge davon war, daß der Stadtvorstand die Notwendigkeit einer inneren Umgestaltung und besseren Einrichtung der Kirche anerkannte und eine Summe von 25 000 Gulden bewilligte, und daß der Bauakzessist Busch mit dem Entwurf eines Planes beauftragt wurde. Er erhielt die Weisung, außer verschiedenen Abänderungen an der Emporbühne die Kanzel vor die Orgel zu stellen. Wer noch andere weitgehende Veränderungen waren zuerst vorgesehen. Man wollte Turm und Kirche miteinander verbinden, die Sakristei in den Zwischenraum zwischen Turm und Kirche legen, die Kirche in Kreuzform nach der Turmseite hin aus- banen, in diesen Ausbau den Altar, an seine Ecke die Kanzel verlegen und gegenüber auf dem großen Vorplatz über dem Hauptein- gang die Orgel anbringen und die jetzige Orgelseite terrassenförmig zu Emporbühnen ausbauen. Dieser Plair. soll ursprünglich auch den Beifall des Großherzogs gefunden haben, später soll der Landesherr aber geäußert haben, wenn man so viele Mittel habe, so möge man lieber eine neue Kirche bauen, da an der alten doch nicht viel mit Nutzen geändert werden könne. Die Umänderung beschränkte sich deshalb nur auf das Mlernotwendigste. Es wurden zwei neue Stühle neben dem Pfarr- und Kirchenvorstandsstuhl für die Lehrer und für den Ortsund Schulvorstand errichtet, zwei Doppeltüren an der Ost- und Südseite angebracht, und das Innere neu gestrichen. Den Plan hierfür hatte Professor Dr. von Ritgen gemacht. Tie Hauptsorge hatte man dabei auf die Kanzelseite gerichtet, welche ein farbiges Fenster erhielt und mit diesem wie mit den «großen Bildern und übrigen Verzierungen ein Ganzes vorstellen sollte. Zu gleicher Zeit wurde die Orgel durch« ä'roei neue Register verbessert, dagegen war es nicht zu er- reichen, daß Gasbeleuchtung eingeführt Wurde. Sie hätte zwischen 5—800 Gulden gekostet, durch eine Verlosung hatte man für diesen Zweck 140 Gulden gesammelt. Diese Arbeiten wurden in der Zeit »'rat 1. Sonntag nach Trinitatis bis zuin 1. Advent aus- gesührt und der Gottesdienst in dieser Zeit in der neuen Turnhalle gehalten. Dem Eingang gegenüber war die Kanzel aus der Hospitalkirche mit dem Schalldeckel aus der Stadtkirche angebracht, davor war der Altar errichtet. Für die Frauen waren vier Reihen Bänke in der Mitte des Saales vor dem Altar, für die Männer die Bänke zu beiden Seiten unter der Entporbühne lund auf dieser ausgestellt. Auch die Schüler fanden auf der Emporbühne Platz. Die Turnhalle war für den Gottesdienst recht geeignet und könnte sehr leicht in eine Kirche verwandelt werden. Es predigte sich! leicht, und die Predigt konnte von der im weiten Raum um die Kanzel versammelten Gemeinde gut verstanden werden. Der Gesang war trotz der kleinen Orgel kräf. tiger als in der Weitschichtig angelegten! Stadtkirche. Bei der Rückkehr in die Stadtkirche wurde der Kirche ein gesticktes Altartuch im Wert von 100 Gulden von dem Frauenverein der Gustav - Adolf - Stiftung überreicht, die Spitzen hierzu hatte Frau Kä- roline Gail gestiftet. Frauen und Jungfrauen der Gemeinde stifteten ein Altarkreuz, Frau Jeanette Gail schenkte einen Klingelbeutel. Nachdem das erste Adreßbuch der Stadt Gießen int Jahre 1840 (siehe Sonntagsgruß 1918, Nr. 10 und 13—20) erschienen war, ohne seither einen Nachfolger zu finden, gab in diesem Sommer Buchdruckereibesitzer Pietsch wieder ein solches heraus, Und zwar zu dem Preise von 42 Kreuzer. (Es dauerte dann wieder bis 1877, bis ein neues Adreßbuch herauskam, seit dieser Zeit ist es mit Ausnahme der Kriegsjahre 1915 und 1916 166 - regelmäßig erschienen.) Dieser Sommer war sehr heiß und trocken, so daß viele Bäume verwelkten und das häufige Begießen der Straßen den Anwohnern polizeilich anbesohlen wurde. In diesem Sommer wurde auch mit dem Bau der Oberhessisch«en Eisenbahn von hier nach Fulda und nach Gelnhausen der Anfang gemacht. Dabei wurde ein heftiger Streit über den neuen Bahnhof geführt, indem die einen, namentlich die Behörde und die aussührende Gesellschaft, die Verbindung desselben mit dem Main—Weser-Bahnhof wünschten, die anderen aber die Verlegung in größere Nähe der Stadt, hinter der neuen Anlage und vor den Busch'schen Garten (also ungefähr auf dem westlichen Teile des Ludwigsplatzes) wünschten. Tiefer Wunsch war ganz begründet, aber der Streit ganz vergeblich, da eine Verbindung mit dem bereits vorhandenen Bahnhöfe entschieden den Vorzug v«erdiente. Am 27. August zog das bisher hier garni- sonierende 1. Großherzogliche Jägcrbatail. lon v«on hier ab, zunächst zu den tzerbst- übungen in der Nähe von Darmstadt, aber zugleich auch, um darnach seine neue Garnison in Friedberg zu erhalten. Dafür wurde das 2. Großherzogliche Infanterieregiment hierher verlegt, welches am 21. September seinen Einzug in Gießen hielt, nachdem zuvor die Kaserne weiter ansgebaut und zur Aufnahme der Soldaten eingerichtet war. (Dieses Regiment hat somit jetzt ein halbes Jahrhundert lang seine Garnison in Gießen.) Auf das Betreiben des neuernannten und tätigen Realschuldirektors Stein wurden zwei Vorbereitungsklassen an der Realschule für Knaben von 6—10 Jahren mit zwei Lehrern errichtet und die Oberklasse um 1 — 2 Jahre fortgerückt, so daß die aus der Oberklasse Äustretenden ohne besondere Prü'ung die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst bekamen. Dadurch hob sich die Schülerzahl bis über 200. Für die von einer großen Ueberschwem- mung betroffenen Schweizer Kantone Tessin, St. Gallen, Graubünden, Wallis und Uri wurden im Oktober 451 Gulden gesammelt. Am 12. Dezember wurde das Brautpaar Kappenmacher S. und Emma M. aus Büdingen zusammengebunden an der unteren Mühle tot in der Lahn gefunden. Die Einwilligung der Eltern der Braut zur Verheiratung, welche seither verweigert worden war, traf einen Tag zu spät, am 13. Dezember ein. (Fortsetzung folgt.) Zur Lage. Eine Umwandlung hat sich in diesen Tagen mit unserm staatlichen Leben vollzogen, wie sie seit dem Jahre 1848 nicht dagcwesen ist, «deren Größe und Bedeutung abzuschätzcn uns vorläufig noch jeglicher Maßstab fehlt. Sie ist nicht über uns gekommen wie ein Ticb in der Nacht, sondern der Einsichtige hat sie kommen sehen, wenn er vielleicht auch nicht damit' gerechnet hat, daß sie so bald kommen werde. Nun ist sie da, und es gilt, sich mit ihr abzusinden als mit einer voll» zog men Tatsache. Angesichts der an die Pforten des Reiches pochenden Feinde und der grenzenlosen Wut, mit der sie den Einbruch Au erzwingen suchen, wäre es Selbstmord von unserem Volke, wenn es dem innerem Streit länger Raum gewähren wollte, als mr Ordnung der inneren Angelegenheiten unbedingt nötig ist. Zn dieser Ansicht sind ja auch die Parteien gekommen, zu deren Ungunsten sich die. Wandlungen vollzogen hat, und sie haben dem Ernst der Stunde Rechnung getragen, indem sic fidö bereit erklärten, an der RegelUM der Ausgaben, die die Durchführung des^rieges erfordert, Mitarbeiten zu wollen. Nun wird es von den staatsmännischen Fähigkeiten der Männer, in deren Hände jetzt die Gestaltung der Geschicke unseres Volkes gelegt ist, abhäugen, ob diese Neuordnung wirklich das herbeisühren wird, was dem Kaiser bei der Durchführung vorgeschwebt hat, nämlich die Herstellung und Befestigung der inneren Front den äußeren Feinden gegenüber, die Zusammenfassung aller Kräste, der geistigen sowohl wie der sittlichen, zur Durchführung des Schickscckskampfes, der unserm Volke auserlegt ist. Alles andere verschwindet hinter einem großen Fragezeichen, das vor uns steht. Wer wollte behaupten, daß ihn der Hinblick aus dieses Fragezeichen nicht mit tiefem Ernste, ja mit Sorge erfüllt? Es ist vielleicht nicht unangebracht bei der Unsicherheit, die auf uns lastet, und der Ratlosigkeit, die uns umgibt, eines Mannes zu gedenken, der wohl die jetzige Entwicklung der Tinge vorausgcahnt hat und daraus hinzuwirken suchte, daß sie unser Volk nicht unvorbereitet treffen sollte. Es ist das der bei. Lebzeiten von vielen verkannte und noch mehr verlästerte A d o l s S t ö ck e r , der vor einem knappen Jahrzehnt die Augen geschlossen Hai Mehr und mehr hebt sich das Bild dieses Mannes in seiner Reinheit von dein Wust von Jrrsal und Mißverständnis, der es bei seinen Lebzeiten umgeben hat, ab. Mehr und nrehr dringt bei denen, die sein Lebensbild ohne Voreingenommenheit betrachten, die Erkenntnis durch, daß er zu den geborenen Führernaturen unseres Volkes gehört, auch wenn dieses seine Sendung bisher weder verstanden noch begriffen hat. Adolf Stöcker hat bis zu seinem letzten, Atemzuge die Hoffnung nicht aufgegeben, er I könne seinem Volke zum Heil verhelfein tn*| dem er seinen Sinn mit dem Geiste der christlichen Lebensanschauung zu durchdringen suchte. Gerade heute, wo die ernste Umwälzung unseres staatlichen Lebens vor unfern Augen steht, von deren Folgen sich bts- lang kein Mensch Rechenschaft zu geben vermag, haben wir Ursache, auf diesen Mann 167 - den Blick zurückzulenkeu, der bei aller Ein- seitigkcil seiner Anschauung und Schroffheit seines Wesens von dem lautersten Willen und der redlichsten Absicht beseelt war, der den Wunsch, die Wohlfahrt seines Volkes, das er aus tiefster Seele liebte, zu fördern, auch die Rücksicht auf seinen eigenen Vorteil ohne Bedenken untcrordnete. Mit Stolz mochte es Adolf Stöcker erfüllen, als er in der Anfangszeit seines öf-' smtlichen Wirkens, in die Hitze und Unruhe des politischen Kampfes laus durchaus gesicherter Lebensstellung hinabgestiegen, sich der Zustimmung des Mannes versichert halten durfte, auf dem als dem zukünftigen Erben der Kaiserkrone die Hoffnungen unseres Volkes ruhten. Und als dann später in diese Beziehungen eine nachteilige Wandlung hineinfuhr, und sein Wirken bei dem zu Macht und ausschlaggebendem Einfluß Gelangten nicht mehr gern gesehen wurde, da trar er von den Stufen des Thrones, an denen er als Zeuge der Glaubenswahrheit zu stehen berufen worden war, zurück und ließ sich- auch durch die kaiserliche Ungnade nicht anfechten, den Weg, den er als den richtigen erkannt hatte, allen sonstigen An- sechtungen»zum Trotz weiter zu gehen. Wir dürfen wohl sagen, daß der Geist und das Vorbild Adolf Stöckers sich für unser Volk als wertvoller erwiesen hat, als die politische Gemeinschaft, deren Gründung ihm gelungen ist, die christlich-soziale Partei Wie in dieser Partei die Person des Führers alles gewesen ist, das sehen wir daran, daß sie mit dessen Abtretcn vom Schauplatz des politischen Lebens in Bedeutungslosigkeit verfank, indem es auch, keinem der Nachfolger gelungen ist, sie zu einer ausschlaggebenden Größe in unserem öffentlichen Leben zu machen. Wir können hier den Gründen dieses Versagens nicht nachgehen; dies wurde uns zu weit in Erörterungen, die von unserm Wege abliegen, hineinführen. Aber was der Alaun für sich' persönlich im Großen gewollt hat, das war das Richtige. Er wollte nämlich unserem Volke und jedem einzelnen in ihm zum Bewußtsein der persönlichen verhelfen. Er sagte unter anderem: Das deutsche Bol? ist von Natur und durch Gottes Gnade ein arbeitsames, geschicktes, biederes, treues und frommes Volk; aber es verträgt die schrankenlose Freiheit nicht. Er meinte damit: es hat die genügende Festigkeit nicht, unr den Versuchungen des Lebens zu widerstehen. Wohl war auch bei ihm kein Zwersel vorhanden, daß das deutsche Volk die Kraft und die Nachhaltigkeit besitzen werde, auch' den schwersten Stürmen, die von außen her gegen es anbrausen würben, Widerstand zu leisten. Aber den Verlockungen, die aus seinem Innern kommen, namentlich den Versuchungen zur Mammonslnst rind zur Zwrctracht gegenüber traute er ihm wenig Widerstandskraft zu. Wer das Jahrzehnt, das seit dem Tode Stöckers verflossen ist, miterlebt und 168 - die Entwicklung beobachtet hat, der mutz jenem Urteile unbedingt recht geben. Mit Händen ist es zu greisen, wie 'unter dem Einfluß des Wohllebens, das die letzten Friedensjahre brachten, das Gefühl der Verantwortlichkeit in unserem Volke mehr und mehr erloschen ist. Erst die Züchtigungen des Weltkrieges haben es aus dem Zustande der Erstarrung wieder aufgepeitscht. ^ Vielleicht dürfen wir sagen: Wenn Stöcker heute wieder erstände und sähe, wie sich unser Volk den äußeren Prüfungen gegenüber und allen anderen zum Trotz im ganzen doch bewahrt hat, daun würde er sein ehemaliges Urteil einigermaßen berichtigen. Vielleicht würde er sagen: Wie schön wäre j es, wenn man die Hoffnung haben könnte, daß die furchtbare Heimsuchung auf den Geist unseres Volkes die wohltätige Wirkung ausübte, daß die alten Fahler verschwinden, an Stelle der alten Schlaffheit das wünschenswerte Verantwortlichkeitsgefühl tritt, daun würde er wohl diese Ereignisse trotz ihrer Schwiere und der unnennbaren Opfer, die sie auferlegen, segnen und sprechen: Nun endlich der innere Halt gewonnen ist, mag! dieses Volk auch die Selbständigkeit, die es! gewonnen hat, genießen, ja sic» hüten als ! seinen heiligsten Hort. Aber zu btefem einen Wunsche gehört auch der andere, daß nunmehr jedes einzelne Glied des Volkes die Verantwortung fühlen muß, die auf all sein Tun gelegt ist. In diesem Sinne möge uns allen als Losungswort der Gedanke vor der Seele stehen: auf daß keiner dahinten bleibe! Ja, wir können, indem wir die Sorge um unser Vaterland aus den: Herzen lasten fühlen, keinen Wunsch aussprechen, der dem, woraus les ankommt, kürzeren 'und besseren Ausdruck geben, als dem, daß keiner dahinten bleibe! Mögen sich die einzelnen Ansichten in Parteiungen sondern, wie es die Schichtung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse mit sich bringt. Tiefer Geist sollte doch in allen, die einander im Dienst der Parteiansichten gegenübertreten, lebendig sein, daß ein jeder mit den andern um das Wohl des Vaterlandes wetteifern und ein Zurückbleiben oder gar Nachteiligwerden als die größte Unehre empfinden muß. K. G. ' Kleine Mitteilungen. dankfest wirklich als ein Tankfest sncrn; denn der Feind hat es trotz seiner Ueberzahl nicht vermocht, in unser Land einzudringen: niemals auch wird ihm dies gelingen, dafür sorgen schon unsere Tapferen und Treuen an der Westfront. Unsere Felder haben wir auch in diesem Jahre in aller Ruhe bearbeiten können. * Tie Zahl der dem Kaiserswerther Verbände zugehörigen deutschen evangelischen f Tiakonissen-Mutterhäuser betrug im Frühjahr 1913 55; bis September 1917 sind 8 1 neue Mutterhäuser hinzugetreten. Während die Zahl der Schwestern 1913 21 905 betrug, sind bis 1917 4164 Schwestern neu hinzugekommen. Tic Gesamtarbeit des Verbandes umfaßt 8492 Arbeitsfelder, - darunter allein 3412 Genieindepslcgen, 1825 K'lcin- kinderschulen und Kindergärten, 841 Krankenhäuser, 401 Siechen- und Versorgungs- Häuser mit zusammen 19 036 Schwestern. Nicht mitgczählt sind hierbei eine große Zahl von Helferinnen und freien Kräften ans den verschiedenen Arbeitsfeldern, ebenso ist die gesamte Kriegsarbeit der Tiakonissen-Mut- tcrhäuser nicht in die Statistik mit ausgenommen worden. Der Stand des Kaiserswerther Verb ands -Diako nissenwerkes ist somit als ein recht erfreulicher zu bezeichnen. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 20. Oktober (21. nach Trin.) I Erntedankfest. Gottesdien st. 3n der Stadtkirche. Vormittags 9-/- Uhr: Pfarrer Mahr. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgcmcinde. Pfarrer Mahr. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. — Abends 8 Uhr: Vereinigung der konsir- micrten männlichen Jugend der Matthaus- gemeinde. — Freitag den 25. Oktober, abends 8 Uhr: Bereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäus- gemeindc. Sonntag den 20. Oktober feiern wir das Erntedankfest, das fünfte Erntedankfest im Kriege. Tie Ernte dieses Jahres steht hinter der des Vorjahres, das uns namentlich eine Fülle von Kartoffeln und Obst brachte, zurück, man kann sie, was Getreide, Obst und Kartoffeln betrifft, nur eine Mittelcrnte nennen, aber auch mit einer Mittelernte werden wir auskommen, namentlich da zu erwarten steht, daß wir im nächsten Jahre, wenn wir säen und ernten, Frieden haben werden. Auf alle Fälle können wir das diesjährige Ernte- 3» der Zohanneskirche. Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pmrrer Bechtolsheimer. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Abends Vs 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. — Abends Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Jvhannesgemcinde. — Mittwoch den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbelstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. Bern,Uwort,ich : 'Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Vrühl'schen UniversttStr-Buch.und Steindruckerei N. Longe. Bietzen.