Gemeindeblatt für die evangelische Airchengemeinde Gießen Hr. 4-1 Gießen,20. Sonntag n. Trinitatis, den 1Z. Oktober 1918 7-Iahrg. Die Lichter. Psalm 36, 10. Bei dir ist die Quelle'des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. lieber der Stadt zieht sich eine Steige hin. Früher war dort Weinbergsland ; jetzt sieht man auf Gärten nnd einzelne Villen, die sich angesiedelt haben. Ter Weg führt hinauf auf die Höhe, wo prächtiger Wald sich dehnt und -eine schöne Fernsicht ist. Ich ging die Steige hinaus. Am Himmel Wolken. Tie Stadt lag grau in grau. Nur ein Gesumme von fernher, das sagte: dort unten wohnen Menschen. Jetzt belebt sich- das Bild. Tier Abend kommt. (£m Licht um das andere, das angezündet wird; eine unübersehbare Menge Lichter. Ob alle nötig waren? Wenn du hinabgegangen wärst und hättest gefragt von Haus zu Haus — jedes Licht hätte seine Bestimmung gehabt. Ich habe an die Menschenleben denken müssen, die jetzt wieder im Westen ausgeblasen werden — wie ein Licht. Manches ist kaum augezündet; viele junge Bürschlcin, die für uns kämpfen, und kein Härchen sproßt auf ihrer Lippe. Und mit was iür Zahlen ist wieder zu rechnen; es sind Hunderttausende! Und jeder hat eine Mutter gehabt, die um ihn bangte, für ihn betete. Ob jedes Leben nicht noch mehr ist? Ein Lichtlein auch, über das die ewige Macht sich freut? Ein Gedanke der Gottheit, ein Spiegel Gottes selbst? Wer darf sich vermessen, die Lichter auszulöschen? Mir graute vor dem Gedanken, die Verantwortung für einen solchen Ktieg zu haben. Ter Kaiser und das deutsche Volk haben ihn nicht gewollt! Tie Weltgeschichte ist nicht das Wellgericht, aber ein Stück davon. Das muß bestehen bleiben, und das wird auch im Weltkrieg die Zukunft noch- erweisen. Aber die Menschen, die untergingen — sind sie auch ausgelöscht wie ein Licht? Es gibt viele Möglichkeiten für diese und die übm:sinnliche Welt; es gibt auch mehr als -eine Welt. Manchmal ist's, als ob die Blitze einer höheren zu uns herüberzucktrn, als ob wir ihre Stimmen hörten. Gran in grau ist nur das Irdische, und nur dann, wenn keine Sonne scheint. Danken wir Gott für jeden Sonnenstrahl; er ist ein Gruß aus des Vaters Haus! . Denken wir an die Lichter in der Stadt; sie haben alle Sinn und Zweck. Und Menschen sind mehr als Lichter. K. K. Die 5tadt Grehen in den Jahren _ 1861 dir 1869. (Fortsetzung.) 1867. Im Monat Februar wurden die langen Verhandlungen über den höchst notwendigen Neubau der beiden Gießener Pfarrhäuser zwischen dem Stadt-und dem Kirchenvorstand zu Ende gebracht. Das älteste-Gieß ener Pfarrhaus soll in der Wagengasse, zwischen der Mäusburg und der Schulgasse, also nicht weit von dem im Jahre 1858 abgebrochenen Schlachthause und dicht an der alten Stadtmauer gestanden haben. Um das Jahr 1600 waren zwei Pfarrhäuser vorhanden: 1. das Pfarrhaus hinter der S-tadtkirche, später die S-uperintend-entur, auch- die alte Superinten- dentur genannt, im Jahre 1867 im Besitze des Lackierers Friedrich Karl Loos, und 2. das Pfarrhaus in der Kaplaneigasse, das in den Kirchenrechnungen bis 1588 „Pfarrhaus", in der von 1595 aber „Caplanei" genannt wird. 1585 wurde das Haus der Rentmeister Andreas Saalfeld Erben in der alten Burg an dem von Schwalb-ach'schen Burghaus gekauft und zum -ersten Pfarrhaus bestimmt, worüber sich- in der Rechnung von 1585 die Bemerkung findet: „Ist 4 thorn 4 Pfg. geben Leonhard Wiederholten, so die saalv-elten bei ihm verzehret haben, wie das neue Pfarr- hauß gekauft worden." Das war das alte Pfarrhaus hinter der Stadtkirche. Das Pfarrhaus in der Kaplaneigasse war bis 1585 vermutlich das erste Pfarrhaus und von da nach Ankauf des Saalseldischen Hauses die Wohnung des zweiten Geistlichen, des Kaplans, wonach die Gasse „Kaplaneigasse" genannt wurde. Mit diesem Hause (es steht jetzt noch und ist das Haus Kaplaneigasse 7) wurden bis in die neueste Zeit, abgesehen von den Reparaturen, wenig Veränderungen vorgenommen. Ursprünglich wohnten darin die zweiten Geistlichen, die Kapläne, zuletzt wohnte der eine oder andere Superintendent darin, so Superintendent Müller, nach ihm hatte Geheimer Kirchenrat Pfarrer Dr Engel das Haus so lange inne, bis es baufällig wurde. (Siehe Sonntagsgruß 1918 Nr. 30. ) Neben dem ersten Pfarrhause hinter der Kirche wurde 1595 eine Pfarrscheuer errichtet und 1697 zwischen den Oekonomiegebäu- den und dem Pfarrhause ein drittes Pfarrhaus, das 700 Gulden kostete, aufgeführt. Es gab somit in Gießen damals drei Pfarr- wohnungen, die Superintendentur (das 1585 angekaufte Hans), das 1697 errichtete Pfarrhaus 'unb- die Kaplanei. Die obenerwähnten DeEortomiegeMube wurden vermutlich wegen ihres Verfalls um bas Jahr 1800 abgebrochen und dadurch etwas Gartengelände geschaffen. Tie sehr geräumige Superintrn- dentur war innerlich sehr zerfallen, wurde vermietet und im Jahre 1807 an den Bürger und Wagncrmeister Andreas Loos, den Vater, des nachherigen Besitzers Lackierers Friedrich Karl Loos für 2025 Gulden ver. kauft. Hiernach waren, abgesehen von dem P;arrhause bei der Burgkirche, noch zwei Pfarrhäuser vorhanden, von welchen in der Zeit von 1807—1840 das Haus in der Ka- planeigasse, wie erwähnt, zuletzt von dem Superintendenten Müller und dem Pfarrer Dr. Engel bewohnt wurde. Das Pfarrhaus hinter der Kirche wurde zuletzt von dem Superintendenten Bechtold, Buff und Palmer, nach! dem am 17. Juli 1838 erfolgten Tode des letzteren einige Jahre von dem Superintendenten der Provinz Oberhessen, Simon, tJ'oxöer Pfarrer in Rodheim bei Nidda, be. wohnt. Sodann diente es als zweite Pfarr- wohnung dem seit Juni 1839 angestellten zweiten Pfarrer Christian Bonhard, nachdem dieser einige Jahre in der alten Post in der Walltorstraße in Miete gewohnt hatte. Superintendent Simon, dein keine Amtswohnung zustand, wurde die dem Staate gehörige Pfarrwohnung bei der abgebrochenen Burgkirche, die zuletzt der Professor, Kirchen, rat und Burgpfarrer Tr. Tiefsenbach bewohnt hatte, gegen eine Miete von 100 Gulden überlassen. (Dieses Haus steht heute noch, es ist jetzt im Besitze der Frau Adam, Sonnenstraße 1.) . Tie Besitzverhältnisse waren bezüglich der beiden um das Jahr 1867 vorhandenen, sehr baufälligen Pfarrhäuser nicht ganz klar. Der Erlös für die alte Wohnung des Superintendenten war bei dem Verkaufe in die Kirchenkasse geflossen, damit war das Gebäude als Eigentum der Kirche anerkannt worden. Auch die beiden anderen Pfarrhäuser standen bis zum Jahre 1843 in dem alten Grundbuche als Eigentun, der Kirchengemeinde. Bei der Aufstellung des neuen Grundbuches in dem genannten Jahre wurden sie in Nichtbeachtung des Unterschiedes zwischen bürgerlicher und kirchlicher Gemeinde, wie auch die Kirche, auf den Namen der Stadt geschrieben. Ter damalige Kirchenvorstand hatte es versäumt, dies richtigstellen zu lassen. Durch diesen verschiedenen Eintrag waren die Besitzverhältnisse sehr verwirrt worden. Es galt nun als zu Recht bestehend, daß alle Baulasten an den kirchlichen Gebäuden tron der Stadt zu tragen seien, mithin auch der Stadt die Kosten für Neubauten zufielen. Langwierige Verhandlungen entstanden über den Neubau der Pfarrhäuser. Tie Notwendigkeit, neue Pfarrhäuser zu erbauen, war schon im Jahre 1840 anerkannt worden, aber beinahe drei Jahrzehnte sollten noch vergehen, bis die Neubauten ausgeführt wurden. Viele Projekte tauchten -auf und wurden wieder verworfen. Im Jahre 1849 dachte man daran, ern großes Haus in der Walltorstraße für die berden Geistlichen anzukaufen, 1861 beschloß dre Majorität des Gemcinderates, zwei neue Pfarrhäuser vor das Nenenweger Tor in der neuen, Anlage (Südanlage) zu errichten. Ge, gen diesen Plan kam eine große Anzahl Gie- pener Einwohner beim Großherzoglichen Oberkonsistorium ein, vermutlich sah man biefeit Platz als zu weit von dem Zentrum der Stadt entfernt liegend an. Ein Jahr später wollte der Gemeinderat die beiden Pfarrhäuser, wenn die Erweiterung der Schulstraße erfolgt sei, gegenüber dem Hause des Gesellschaftsgebäudes erbauen. Hiergegen sprach sich wieder der Kirchenvorstand aus. Endlick) wurde beschlossen, das erste Pfarrhaus (jetzt Pfarrhaus der Matthäus, geniemde) an der Stelle des alten Hauses zu errichten, das zweite Pfarrhaus (jetzt Pfarr. haus der Johannesgemeinde) in die Südanlage zu stellen. Kvcisbaumeister Baurat Hermann Holzapfel übernahm es im Jahre 1867, die Baupläne aufzustellen. Mit dem 1. Juli 1867 ging die ganze Verwaltung des Postwesens und die Ausübung des Postregals an Preußen über, damit war leine große Veränderung des Portos, der Uniformen und der Kontrollierung der Postbeamten verbunden. An den Postgcbäu- den wurden das Königlich Preußische Post, wlappen und das Großherzoglich Hessische Wappen in gleicher Größe nebeneinander ge. stellt. Das Preußische Wappen war in' der erste,: Zeit für viele ein Aergernis, es wurde wie auch das Wappen an der preußischen Etappeninspektion oft besudelt, bis die Bürgermeisterei sich genötigt sah, dieses gemeine und bubenhafte Benehmen öffentlich zu rügen und auf die nachteiligen Folgen aufmerksam zu machen. Am 24. Juli wurde der neu ernannte Kirchendiener und Opfermann (eine alte Be- Zeichnung, die jetzt nicht mehr besteht) Wilhelm Knoll aus Muschenheim in seinen Dienst eingewiesen. Er trat an die Stelle des 1866 verstorbenen Kirchendieners Johannes Bourgeois. Knoll, geboren 1821, hatte lange Zeit beim Militär gestanden und w'ar als Feldwebel mit dem Zeugnis „aus- gezeichnet" verabschiedet worden. Im Herbste erhielt das 1. Hessische Jäger, bataillon seine Garnison in Gießen, es wurde in dem zur Kaserne hergerichtcten alten Zeughause und in Bürgerquartieren untergebracht. Am 16. November wurde das Bataillon mit Extrazug hierher von Darmstadt gebracht, an dem mit Fichten und Girlanden geschmückten Selterstore wurde es vom Stadtvorstande empfangen und inmitten einer wogenden Menschenmenge nach der Kaserne geleitet, worauf die Mannschaft Erfri- g !ungen auf städtische Kosten erhielt und das ffizierkorps zu einem Abendlessen in das Einhorn geladen wurde. In der Stadtkirche wurde den Soldaten die zweite Emporbühne über dem Haupteingang als Platz angewie. sen. (Nun hatte Gießen nach einem Zeit. 163 - raum von 46 Jahren wieder Garnison erhalten, im Jahre 1821 waren die hier garni- sonierenden Soldaten wegen Streitigkeiten mit den Studenten nach Worms verlegt morden.) (Fortsetzung folgt.) yer Adolsrturm in der Burg Hriedberg^! Wer von unserer Stadt aus mit der Eisenbahn nach Frankfurt fährt, der sieht, schon bevor er in Bad-Nauheim angekommen ist, die beiden Wahrzeichen der Stadt Friedberg, den Adolssturm und den Turm der wunderbar schönen Stadtkirche, am Horizont emporsteigen. Ter Adolssturm, einst der Bergfried der freien Reichsburg Friedberg, bietet mit den die Burg umgebenden hohen Mauern und tiefen Gräben dem Auge des Beschauers ein Bild von großartiger Romantik. Manch liebe alte Erinnerung an die schönen sonnigen Tage der Kindheit wird in mir wach, wenn ich vor diesem Bilde stehe. Da tummeln wir Knaben umher im „Hirsch- graben" in wildeni, fröhlichein Spiel, da klimmen wir an den steilen Felsabhängen der Burg empor und suchen allerlei verborgene Höhlen aus. Dann stehen wir niit neugierigem, staunendem Blicke hinter einem Maler, der die prachtvolle Vorlage in mehr oder minder geschickter Weise auf der Leinwand wiedergibt: den mächtigen, 65 Meter hohen alten Turm, das hintere Burgtor mit seinem Ausgang, durch das ich so manches Mal den ehemaligen Herrscher aller Reußen, Nikolaus II., in den Tagen seines Glanzes schreiten sah, den Burggraben ini jugendsrischen Grün des Frühlings und in der reichen Farbenpracht des Herbstes. Seit einigen Wochen ist mir nun die Freude an diesem Bilde etwas getrübt worden. Wie das zu- ging, sollen die folgenden Zeilen berichten. Es war am 15. September, dem ersten Sonntag meines Urlaubs, als frühmorgens -ein Freund, der in Friedbcrg den feldgrauen Rock trägt, mich zu einem kleinen Spaziergang abholte. Ta er Friedberg noch nicht kennt, schlage ich eine Besteigung des Adolfsturmes vor, den ich gewiß seit 8 — 10 Jahren nicht mehr von innen gesehen habe. Wir steigen also die steilen Stufen empor, treten in die verschiedenen inneren runden Gemächer im Turme ein, die noch vor einigen Jahrzehnten als Gefängnis benutzt wurden. Ter letzte Gefangene war waghalsig genug, sich aus dieser luftigen Höhe an einem Strohseil, das er sich aus der Matratze seines Lagers gedreht hatte, herabzulassen, um dann nach Amerika zu entkommen, was ihm auch gelungen ist. Nachdem wir oben uns an dem herrlichen Anblick der Wetterau und des Taunusgebirges erfreut haben, steigen wir wieder hinab und gelangen an den Ausgang aus dem Turm, der sich etwa in 10 Meter Höhe befindet. Da sehe ich, daß eine Tür nach, dem Verließ des Turmes, die ich früher immer verschlossen fand, offensteht. Eine alte. Stearinkerze liegt am Boden, so daß wir in die Tiefe hinabsteigen können. Etwa 15 Stufen führen uns nach abwärts, und wir gelangen nun in einen 5—6 Meter langen Gang, fc-ex so schmal ist, daß nicht zwei Personen nebeneinander gehen können. Er endet in eine türartige Oefsnung, doch ohne Tür. Ich nehme die Kerze und blicke Hinab in ein tiefer liegendes rundes Gemach', auf dessen Boden eine Leiter hinabführt. Ich steige hinab, während mein Freund mit der Kerze oben bleibt. Ms ich' von der letzten Stufe der Leiter heruntertrete, komme ich auf ein ziemlich kurzes, aber breites morsches Brett zu stehen, dessen Festigkeit, wie ich, durch Aufstampfen der Füße feststelle, nicht gerade groß ist. Es ist ja auch schon Jahrhunderte alt und hat fünf große Löcher, wie ich bald -entdecke. lieber mir sehe ich! ein 2,50 Meter hohes Gerüst. Uni dessen Bedeu- tung festzustellen, lasse ich mir die Kerze herabreichen. Wir entdeckten bald, was es ist: ein vorzüglich erhaltener ■ - Galgen! Er besteht aus zwei Längsbalken mit Stützen, darüber ein Querholz, das auf der einen Seite in die Höhe gebogen ist. In der Mitte und an der einen Seite sind Löcher angebracht, so daß zwei Personen zugleich gehängt werden konnten. An der erhöhten Seite hängen tatsächlich noch Stricke mit mehreren eisernen Haken! Ein unheimlicher Anblick. Der Aufenthalt auf dem erwähn- ten Brett wird mir etwas ungemütlich: Wer weih denn, ob es nicht eine Falltür ist, wie man sie in England heute noch bei Hinrichtungen hat! Wer weiß auch, was sich- darunter befindet! Ich trete also zurück, hebe das Brett empor und sehe zunächst nichts als undurchdringliche, schwarze Findernis. Aber -eine Postkarte, die ich mit dem Stearin der Kerze möglichst ausgiebig übergieße, damit sie recht lange brennt, soll mir bald Aufklärung verschaffen. Ich zünde sie an, werfe sie hinab, und sie fällt und fällt in -eine Tiefe von mindestens 60 Meter! Ms sie -endlich am Boden ankommt, ist sie verbrannt und zeigt nur noch einen rötlichen Schimmer, der aber nicht die Umgebung erkennen läßt. Im selben Augenblick erkemre ich die furchtbare Todesgefahr, in der ich schwebte, als ich auf dem morschen Brette stand, das leicht hätte durchbrechen können, und es beschlich mich ein Gefühl wie den Reiter, der über den gefrorenen Bo-dcnsee ritt. Aber ich durfte auch dankbar sprechen: „In wieviel Not Hat nicht der gnädige Gott lieber mir Flügel gebreitet!" Natürlich habe ich- für eine ausreichende Verschließung der Tür nach diesem gefährlichen Platze, der offenbar ganz unbekannt ist, Sorge genügen. Der Sinn dieser Einrichtungen war mir sofort klar: man benutzte den Platz zur Hinrichtung der' Verbrecher, deren Körper dann in die grundlose Tiefe hinabgeworfen wurden, damit niemand ihnen ein ehrliches Grab bereiten konnte. Hätte 164 - die Karte lange genug geleuchtet, so hätte ich wohl sicher noch Knochenreste am Boden erblicken können. Welche Tragödien mögen sich wohl da unten beim flackernden Fackelschein abgespielt haben! Welch barbarisches Zeitalter — das müssen wir selbst in unserer harten Zeit sagen —, das solche grauenvolle Einrichtungen erdachte und baute! W.R. Kleine Mitteilungrn. Bei der Ergänzungswahl zum Kirchen- vorstande, die am 1. Oktober stattfand, wurden zu Mitgliedern des Kirchenvorstandes der Lukasgemeinde wiedergewählt die Herren Fabrikant Eugen Käuffmann, Schreinermei- ster Johannes Lenz und Rentner Heinrich Winn, neugewählt wurde Herr Sparkassekontrolleur Christian Haas. Zu Mitgliedern der Gemeindevertretung der genannten Gemeinde wurden gewählt die Herren Kaufmann Heinrich Böller, Universitätsprofessur Tr. Otto Eger, Oberbriefträger Christian Enders,_ Kaufmann Wilhelm Schuchard, Landgerichtsrat Richard Schudt und Rentner August Schwan. Sonnabend den 1. Januar 1519 bestieg Zwingli an seinem 36. Geburtstage die Kanzel des Münsters zu Zürich zu seiner Antrittspredigt, die den Beginn der Schweizer Reformation bedeutete, auf die auch Entwicklung und Bestand der reformierten Gemeinden in Deutschland Aurückzuführen sind. Von der „Reformierten Kirchen-Zeitung", dem Organ des Reformierten Bundes für Teutschland, wird daher die Anregung gegeben, so wie die Schweiz die Reformation durch« Luther mitfeierte, nun auch in Deutschland der Schweizer Reformation durch Zwingli zu gedenken. Wohl sei hinter der gewaltigen Größe Calvins die Gestalt des großen Zürchers zurückgetreten. Wer aber «einmal anfange, sich mit seinen Schriften zu beschäftigen, werde erstaunt sein über die durchschlagende Klarheit, die Wucht und Feinheit der Gedanken und sich! erquicken an der Gemütstiese dieses kerndeutschen Mannes. In Rr. 39 unseres Gemeindeblattcs hatten wir mitgeteilt, daß am 13. Juli 1866 Leute auf dem Dchiffenberg den Kanonendonner aus der Gegend von Hanau gehört haben wollten. Ein Leser unseres Blattes, der seine Jugendzeit in Klein-Linden verbracht hatte, teilt uns hierzu folgendes mit: In dem besagten Jahre glaubte man an einem Sommerabend — es wird wohl auch im Juli gewesen sein — in Klein-Linden auch Kanonendonner zu hören. Aus der Straße bildeten sich Gruppen ängstlicher, i aufgeregter Menschen. In der Tat war aus der Ferne ein dumpfer Ton zu vernehmen Man legte sich« auf den Boden, da man wußte, daß sich die Schwingungen des Schalles besonders durch« die Erde weiterverbreiten, und richtig, der Ton war noch« viel deutlicher zu hören, in gewissen Abständen ließ er sich immer wieder vernehmen. Bedrückt legte man sich an diesem Abend zu Bette. Erst am folgenden Tage erfuhr man die Ursache des schreckhaften Geräusches. Ein Klein-Lindener Einwohner hatte ein Pferd, das einen schlimmen Fuß hatte. Ter Fuß war «dicht mit Lappen umwunden. Nun trat das Pferd, dem diese Umwicklung unbequem war, fortwährend mit dem verbundenen Fuße «auf, und das war der dumpfe Ton, den die erregten Gemüter als den Donner «einer großen Feldschlacht zwischen den Preußen und den süddeutschen Truppen deuteten. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 13. Oktober (20. nach Trin.). Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich. Gottesdien st. 3n der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Schwabe. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Markus- und Militärgemeinde. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Feierliche Eröffnung des Kvnsirmandenunterrichts für die Mat- thäusg'kmeinde. — Dienstag den 15. «Oktober, abmbZ 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusge- meinde. Tie Konsirmandenvereinigung der männlichen Jugend der Markusgemeinde ist mit dem Wartburgvercin verbunden: siehe dessen wöchentliche Veranstaltungen. — Mittwoch den 16. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Zohanneskirche. Vormittags 97 j U hr: Pfarrer Ausfeld. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Johannesgemeinde. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Lukasgemeinde. — Abends 1/28 Uf)T: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. — Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung ini Johannessaal. — Freitag den 18. Oktober, abends si °6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. Verantwortlich: Pfarrer «echtolrheiwer. Druck und Verlag der Brühl'schen UntverfitLtr.V«ch. »nd Steindruckerei R. Lange, Gießen.