onntagsyruß Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen Nr- £0 Gießen, 19. Sonntag n. Trinitatis, den 5. Oktober 1918 7-Iahrg. Unser Berus. 1. Brief an die Thessalvnicher 2,12. Ihr sollt wandeln würdiglich vor Gott, der ench berufen hat zu seinem Reiche und zu seiner Herrlichkeit. Ein Künstler sieht in bem unbehauenen Marmor block schon das fertige Kunstwerk und arbeitet an dem rohen Stein, bis das Bild, das et selbst in sich trägt, verwirklicht ist. So will Gott in jedem Menschen einen besonderen Gedanken zur Entfaltung bringen und ihn schließlich geschickt machen zu dem höchsten und vornehmsten Beruf, in seinem Reich unter ihm zu lebeir in ewiger .Herrlichkeit. Wer diese Stimme Gottes, diesen heiligen Beruf in sich trägt, der kann nicht klagen, das; er seinen Berus verfehlt hat, und wenn ex auf Erden den niedrigsten Platz inue hätte. Er weis;. Nicht daraus kommt es an, was für eine Arbeit er tut, sondern wie er sie verrichtet. Der ewige Beruf, zu dem er auf Erden emporwachsen, in den er hineinwachsen soll, steht ihm als Ziel vor Augen. Deshalb kann er froh seine Pflicht tun, denn — so sagt Sch leierm acher einmal — „ ein fröhliches Herz hat keinen sicheren Grund, als wenn jeder seinem Beruf die edle und erfreuliche Seite abgewinnt Und was er zu tun hat, von Herzen tut." Wie trostlos ist dagegen ein Leben, das sich ohne die Gewißheit des himmlischen Berufs in der aufreibenden Tretmühle des Alltags dahcnschleppt ohne Freudigkeit 'und ohne Kraft. Tann hört man bittere Klagen über verfehlten Beruf und unüberwindliche Le- bensmüdigkekt. Lassen wir uns nicht täuschen, in keiner Arbeit, an keinem Platze kann ein solcher Mensch glücklich werden, denn er bringt ja sein unglückliches, leeres Herz zu jeder Arbeit mit. Rein, die Sonne der Ewigkeit muß über unserem Leben stehen, dann liegen Sonnenstrahlen auch über unserem irdischen Berufe und verklären jede Arbeit, jeden Tag mit himmlischem Glanz. Die Stadt Giehen in den Jahren *86* bis *869. (Fortsetzung.) 1866. Am 20. Juli kam ein Züg mit Leichtverwundeten hier an und wurde über Wetzlar nach Köln befördert, zwer Verwundete WUrdm in das hiesige Akademische Hosvi- tal (Klinik) gebracht. Tie neuerbaute Turnhalle wurde zum Lazarett eingerichtet. Ms zum Ende des M onates blieb es ziemlich! still. Am 28. traf ein preußischer „Zivil-Kom!- missarius" hier ein und erließ am 29. Juli folgende Bekanntmachung: „Nachdem die Occupation der Grvßherzo glich Hessischen Provinz Oberhessen durch die Königlich Preußischen Truppen erfolgt ist, bin ich> als Civil-Kommissarius für dieselbe batrdj! das Königlich Preußische Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten bestellt und angewiesen worden, die Civilverwältung dieser Provinz unter Autorität des Oberbefehlshabers der Mainarmee, H. Generatlieutenant Freiherrn von Manteuffel, Excellenz, einstweilen zu führen. In Abwesenheit Sr. Excellenz des Herrn Oberbefehlshabers bringe ich! dies hiermit zur Kenntniß der sämtlichen Behörden und Bewohner der Großherzoglich Hessisch!en Provinz Ober- hessen mit dem Bemerken, daß die Verwaltung heute von mir übernommen worden ist und nach den bestehenden Landesgefetzen geführt werden wird, soweit die Kriegführung und die Sicherheit der Königlichen Truppen nicht einen Ausnahmezustand bedingen, und daß die Occupation nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen die Großherzogliche Regierung gerichtet ist. Dagegen spreche ich die Erwartung aus, daß die Behörden und Bewohner sich unw>eigcrlich den Anordnungen! Sr. Excellenz des Herrn Oberbefehlshabers und der weinigen unterwerfen werden, und füge die Bitte hinzu, daß dies mit Vertrauen geschehen möge. Ter Königlich Preußische Civil-Commissarius Landrath von Briefen." Eine große Veränderung trat durch diese (sehr maßvoll gehaltene) Bekanntmachung in den ersten Tagen nicht ein, nur die Stoffe» beamten erhielten die Weisung, kein Geld nach Tarmstadt zu schicken. Für die Verwundeten wurde von verschiedener Seite Fürsorge getroffen. Hemden und Verbandzeug wurden zusammengebracht, Charpie gezupft, namentlich! von den Schulkindern. Bon jungen Männern würden hier 1200 Gulden gesammelt. Advokat Tiery, dessen Bruder bei Laufach verwundet worden war, brachte Leinwand und Lebensmittel zu den 5efftfd£)!en Verwundeten, die bei Laufach und Fronhofen im Kampfe gestanden hatten. Mit den Verwundeten wurden mit der Bahn auch zwei Subjekte befördert, die bei Lausach an den Verwundeten allerhand Scheußlichkeiten verübt haben sollten. Sie wurden aus dem Bahnhof v!on den begleitenden preußischen Soldaten der versammelten Menge zur Schau gestelltund durch Kolbenstöße gezwungen, ihre Scheußlichkeiten selbst zu erzählen. Am 3. Au Au st kamen die bisher in Mainz stationierten und dann nach Rastatt verlegten und von den Bundestruppen festgehaltenen weimarischen Truppen in mehreren Zügen niit fröhlichem Gesang hier durch, um nach ihrer Heimat zurückzukehren.^Am 5. gingen vier Züge mit preußischen Soldaten in der Richtung nach Suddeutschland über Gießen, wie man sagte, zur Behauptung der Mamlinie. Tie Verköstigung der Truppen mit Brot, Butter, Wurst, Käse, Bier und Kaffee wurde in diesen Tagen der Stadt oft auferlegt, während die Einquartierung verhältnismäßig unbedeutend war. Tie Rede des preußischen Königs zur Eröffnung d^ Landtages machte einen sehr guten Eindruck, da sie in feierlichem Ernst, einfach, würdig und ohne alle Erhebung den Wunsch nach Versöhnung und nach einer rechteii Benützung der großen und teuer erkauften Siege zum Wahle Deutschlands und Preußens aussprach!. Am 7. August wurde das 36. Regiment, das bei llettingen schwer gelitten hatte, Heer einquartiert. Allerhaird Gerüchte über die Zukunft der Stadt Gießen gingen in diesen Tagen durch die Stadt. Tie Frage war: werden wir hessisch bleiben oder preußisch werden? Viele wollten schon wissen, daß der letztere Fall eintreten und die Universität Gießen mit der von Marburg würde vereinigt Werden. Andere sagten, daß die Universitäten Gießen, Marburg und Göttingen zu einer Universität in Kassel zusammengelegt werden würden. Herr von Briefen, der preußische Zivilkommissar, hatte.seinen Amtssitz nach Homburg verlegt. Die Staatsbeamten mußten einen Revers unterschreiben, daß sie während der Zeit der Okkupa- Uon, unbeschadet ihrer Dienstpflicht, sich, den preußischen Anordnungen fügen und nichts gegen Preußen tun wollten. Aller Verkehr mit den Oberbehörden in Darmstadt wurde untersagt, die Beförderung aller dienstlichen Schreiben nach Tarmstadt verboten, dadurch wurde eine große Stockung aller Angelegenheiteil herbeigeführt. Schließlich wurde auch noch die „Tarmstädter Zeitung" verboten Und dadurch Oberhessen mit bezug auf die Staatsangelegenheiten in eine ägyptische Finsternis gehüllt. Tie hessischen Truppen, die nach Wbruch der Feindseligkeiten sich nach Württemberg begeben hatten, wurden, als der Waffenstillstandsvertrag geschlossen worden war, nach Rheinhessen verlegt und in der Nähe von Wörrstadt einquartiert. Am 16. August hielt der vom Niederrhein stammende Feldprediger Niebmann in der Stadtkirche, und zwar nachmittags Um 4 Uhr, einen Gottesdienst für die in Gießen anwesenden preußischen Truppen ab. Trotz guter Erwartungen war die Ernte in diesem Jahre gering ausgefallen; denn im August war die Witterung sehr naß, und allenthalben zeigte sich die Kartosfelkrank- heit. Mitte August brach der Typhus aus, in einem Hause lagen 15 Ktanke. Am 29. August wurden 1500 Kurhessen einq uartien, die bis dahin in der Festung Mainz gelegen hatten, lauter große und kräftigje Leute, die ganz wie die Preußen uniformiert waren. Man befürchtete (augenscheinlich ohne Grund), daß es in der Stadt zu Schlägereien i zwischen den Preußen und Kurhessen kommen k werde, zumal aus Anlaß des Jahrmarktes I viele kurhessische Bauern in der Stadt waren. Tie kurhessischen Husaren ritten au der Stadt vorbei und wurden in den umliegenden Ort- k schäften einquartiert. Am 2. September, einem Sonntag, brach nachmittags um 5 Uhr in Heuchelheim in der Nähe der über den Bach führenden Brücke ein Brand aus, der gewaltig um sich griff und bis zun: Morgen des 3. September andauerte. Löschmannschaften mit Spritzen eilten von Gießen, Wieseck, Kinzenbach, Krofdorf, Wetzlar und der ganzen Umgegend herbei, aber sie konnten dem verheerenden Elemente nicht steuern, das sich auf den Strohdächern und in den mit Weizen, Gerste und I Hafer angefüllten Scheuern von einem Ge- I bäude zum andern weiter wälzte und bis zum Morgen 51 Wohnhäuser ganz und 20 teilweise, im ganzen 200 Gebäude einäscherte. Das ganze Dreieck von der- Brücke links des Baches bis zum Gäßchen hinter dem Pfarr- hause, von da bis hinauf an das Schulhaus und von da wieder herab bis zur Brlicke war bis auf einige Wände ganz niedergebrannt, ebenso die ganze rechte Häuserreihe in der Straße von der Brücke bis zum Schulhause, abgesehen von einzelnen Gebäuden, die sonst noch im Tlorfe hin und wieder ganz oder teilweise in Brand geraten waren. Das Psarr- I haus und ebenso auch die Schulhofreite befanden sich in der größten Gefahr, alles wurde ausgeräunit, die Kirchenbücher wurden in Sicherheit gebracht, das Pfarrhaus, an dessen hinterer Seite die Fensterscheiben infolge der Flammenhitze sprangen, wurde durch die Wetzlarer Feuerwehr gerettet. Bei den Löscharbeiten zeichneten sickpauch die hier einquartierten preußischen Landwehrleute aus. Gerade in Heuchelheim war der Preußenhaß leider sehr groß, noch während des Brandes wurden die Soldaten beleidigt und geschlagen, einer von ihnen erhielt sogar mehrere Wunden. Nun erfuhr dieser traurige Haß eine rechte Beschämung. Auch die Löschmannschaften aus Gießen bewährten ihre Tüchtigkeit und Energie, aber diese vereinigte Arbeit konnte doch nur wenig aus- 1 richten, weil die Strohdächer mit Kiesenschnelle von den Flammen ergriffen wurden. Seit 70 bis 80 Jahren hatte es in Heuchelheim nicht gebrannt, dadurch war eine ge- 1 wisse Sicherheit entstanden. Menschenleben I waren nicht zu beklagen, lieber die Entstehung wurde nichts bekannt. Eine halbe Stunde nach dem ersten Feuerlärm sah Pfarrer Landmann Von der Galerie des Stadtkirchturms nach dem brennenden Torfe, das war schrecklich anzusehen. Vom südlichen Ende stieg der Rauch empor und zog sich, von muarttcrt, nz nclenett iümte, die :rt waren, lich ohne ch lag er eien 'ii toimnen ihri'.iarktcs adl waren, i der Stabt 'liDcn wrt- atag, brach wlheiin in den Brücke i sich griff iember an- pritzcn eil- mch, Kros- ,egend Herenden Ele- den Stroh- Gerste Und einem Ge- »d bis zum rd 20 teil- cinäscherte. e links des >em Pfarr- Schnlhaus Brücke war ergebrannt, nhe in der Schulhause, ti, die sonst iz oder teil- Tas Psarr- hofrcite be- ffa.hr, alles ncher wur- Pfarrhaus, isterscheiben gen, wurde n-ettct. Bei uch die hier rdivehrleute ' der Preu- ährcnd des ckeidigt und hielt sogar liefer trau« . Auch die bewährten r diese ver- oenig aus- rit Riesen- en wurden, in Heuchel- rr eine ge- nschenleben die Entste- Line halbe rlürm sah ialerie des eben Torfe, !N südlichen ig sich, von - 159 - dem Luftzug getrieben, schräg aufsteigend, in nördlicher Richtung über das ganze Torf, Helle Flammen zuckten an vielen Stellen empor. Tie Hauptflamme loderte breit uitb hoch gerade vor den: Kirchturm empor, so daß umu diesen nicht sehen konnte. Noch. abends um 9 Uhr war es ein ausgedehiites Feuermeer. Brot und Kaffee sowie Kleidungsstücke wurden schon am Tage nach dem Brande in ziemlicher Menge von hier nach Heuchelheim gebracht, weitere Vorbereitungen wurden für die nächsten Tage getroffen, zur Sammlung von Geld trat ein Komitee zusammen. 54 Familien waren obdachlos und hatten nur weniges retten können, das Vieh war zersprengt, viele Kinder wurden gesucht. Ta- baksfabrikant Gail hatte schon während des Brandes einen ganzen Wagen obdachloser Kinder hierherbringen lassen. Viele Abgebrannte hatten sich in die Kirche geflüchtet, dazu eine Anzahl Katzen und Hühner. In allen Kreisen des Großherzogtums wurde Geld zur Unterstützung der Abgebrannten ge sammelt, und insgesamt 18 677 Gulden »er teilt. Anfang September herrschte in einigen Häusern an der Ecke des Lindenplatzcs und der Hundsgasse der Typhus, dem mehrere Opfer im Alter von 15—22 Jahren erlagen. Man suchte die Ursache in dem dort stehenden schlechten Brunnen und in dem dort hcrziehcnden Stadtgraben. Am 4. September kam ein Bataillon preußischer Garde nach Gießen, rastete hier einen Tag und zog dann weiter nach. Coblenz. An demselben Tage wurde dem Bürgermeister Vogt von dem Herrn von Briefen seine Tienstent- lassung zngcschickt, und der erste Beigeordnete Heinrich Ferber mit der Tienstversehung be- dwtragt aus dem Grunde, weil Vogt eine Mliricht in dem „Frankfurter Journal", daß die Stadt Gießen oder Bürgerschaft Gießen um Einverleibung in Preußen nachgesucht hätte, dahin berichtigt hatte, daß ein solcher Wunsch bei der großen Mehrheit nicht vorhanden sei und daß das Gesuch von einer kleinen Anzahl ausgegangen sei. ?Man sieht hieraus, wie schwer es für einen Beamten in einem besetzten Gebiete während eines Krieges ist, seine Stellung zu behaupten.) Ungefähr seit dem 10. September war die Main—Weser-Bahn ganz für den Transport der heimkehrcnden norddeutschen Truppen in Anspruch genommen, die Züge gingen Tag und Nacht, weil auch die in Böhmen stehende Armee zum Teil auf dieser Linie zurückbefördert wurde. Vom 13.—17. September lagen hier zwei Bataillone Hamburger mit schöner Musik, die täglich vor dem Einhorn oder dem Prinzen Karl konzertiert Am 18. September, nachdem der Friede zwischen Preußen und Hessen schon geschlossen war, kam zum erstenmal wieder die „Darmstädter Zeitung" nach Oberhessen. Bürgermeister Vogt war unterdessen wieder m sein Amt eingesetzt worden. Wenige Tage nachher kehrten die Soldaten, die den Feldzug mitgemacht hatten, hierher zurück, sie wurden am Bahnhofe von einer großen Menge und mit Musik empfangen. Ein aus Großen gebürtiger Soldat war seinen Wunden 'erlegen, ein anderer war leicht verwundet worden. In diesem Monat war die Cholera nach. Starkenburg und Rheinhesscn verschleppt worden, Oberhessen blieb davon verschönt. Durch den Friedensschluß vom 3. September waren die Gemeinden Crumbach, prankcnbach, Fellingshausen, Rodheim, Königsberg, Waldgirmes, Naunheim und Hermannstein vom Großherzogtum Hessen abgetrennt worden. Ten abtretenden Bürgermeistern ßu Ehren wurde im Zinßer'schen (jetzt Steins) Garten ein Abschiedsessen veranstaltet. Bei der Pfarrkonferenz am 23. Oktober und bei der Generalkonferenz samt- licher Lehrer des seitherigen Kreises Gießen am 24. Oktober wurden den nun unter preußische Oberhoheit tretenden Geistlichen und Lehrern die besten Wünsche ausgesprochen. Am 28. Oktober wurde die neu erbaute Krrche zu Kleinlinden eingeweiht, an: gleichen Tage wurde die neue Turnhalle dem Gebrauch übergeben. (Fortsetzung folgt.) Hundertjahrfeier des Theologischen Seminars zu Herborn. .In Herborn war im Jahre 1584 eine Universität begründet worden, die bis zum Jahre 1811 bestand. Um wenigstens die theologische Fakultät nicht auf die Tauer zu verlieren, erließ die nassauische Landesregierung am 25. Juli 1818 eine Verordnung über Errichtung eines neu zu gründenden theologischen Seminars, das am 12. Oktober 1818 in der alten Aula der Hohen Schule eröffnet wurde. Tie ersten Professoren waren Spiekcx und der spätere Landesbischof Heydenreich. Tie Hauptaufgabe des Seminars bestand in der praktischen Vorbildung der Kandidaten für das Pfarramt. Anfangs wähnten diese bei Herborner Bürgerfamilien. Als 1880 das alte Schloß in den Besitz des Zentralkirchenfonds überging, würden in diesem neben der Tirektorialwohnung auch! Wohn- räume für die Kandidaten eingerichtet. An der Spitze des Seminars steht zur Zeit Professor O. Knodt; ihm zur Seite stehen die beiden Herborner Pfarrer Tekan Professor Haussen und Pfarrer Weber. Ms Herbst 1914 besuchten 717 Kandidaten das Seminar, das seit Ostern 1915 geschlossen ist, da das Vaterland auch die jungen Theologen in einen Dienst berief. Doch wird am 15. bis 16. Oktober eine würdige Jahrhundertfeier veranstaltet werden. Bemerkt sei, daß das evangelische Predigerseminar Friedberg erst im Jahre 1837 begründet worden ist. Ob der Betrieb dieser Anstalt im kommenden Winter weitergehen 160 wird, ist noch unsicher, es hat sich seither nur ein Kandidat zur Aufnahme gemeldet. Tie jungen Theologen stehen zumeist im Felde, viele von ihnen sind gefallen. Meine Mtttettungen. An die mit der Aufsicht über die Volks» schule betrauten Behörden gelangen jetzt vielfach Gesuche, die die vorzeitige Entlassung von Kindern aus der Schule wünschen. Zumeist handelt es sich> dabei um solche Kinder, deren Vater im Felde steht oder deren Vater leider gefallen ist; es ist der Wunsch der Eltern oder der Mutter, an dem Kinde eine Stütze bei der Arbeit und dem Erwerbe zu finden. So begreiflich dieser Wunsche auf der einen Seite auch ist, so kann man auf der andern Seite doch nicht anerkennen, daß seine fErfüllung eine Wohltat für das Kind ist. Heute dürfte sich in allen Teilen unseres Volkes die Erkenntnis durch!gerungen haben, daß ein jeder Mensch zu seinem Fortkommen in der Welt ein gewisses Maß von Kenntnissen nötig hat. Diese Kenntnisse vermittelt die Schule. Die Erfahrung lehrt, daß alle einigermaßen strebsamen Kinder gerade im letzten Schuljahre große Fortschritte im Lernen machen. Das Kind früher aus der Schule entlassen, heißt, es um diesen Fortschritt bringen Ein Küabe oder ein Mädchen, dessen Schulzeit auch nur um ein halbes Jahr v!erkürzt wird, tritt weniger gut ausgerüstet in das Leben als das Kind, das ber der Konfirmation seine volle Schulzeit hinter sich hat. Im Interesse der Eltern selbst liegt es, daß die Kinder, wie bei uns in Hessen das Gesetz vorschreibt, volle acht Jahre die Schule besuchen; denn Kinder, die die Schule regelrecht besucht haben, werden auch iin Erwerbsleben den Eltern mehr nützen, als wenn ihre Schulzeit verkürzt wird. * Ten Todesanzeigen gefallener Soldaten, wie sie in den Zeitungen veröffentlicht werden, find oft Verse beigegeben, die nach! Form wie Inhalt äußerst dürftig sind. Hier und da findet mau jedoch kleine Gedichte, die den Volkston treffen und würdig sind, einem gefallenen Krieger nachgerufen zu werden. So haben in einer hessischen Zeitung neulich die Altersgenossen eines Gefallenen, sowohl die jungen Männer wie die gleichalterigen Mädchen, den Tod ihres Schulkameraden mitge- teilt und dabei folgenden schlichten, ergreifenden Vers angefügt: Ailf stiller Heide da liegt ein Grab, Da ruht im Schlafe ein toter Kamerad, Ein toter Krieger, tapferes Blut, Voll Liebe und Leben, so edel und gut. Ein sandiger Hügel, der Helm darauf steht. Ein hölzernes Krcuzchen, vom Winde verweht. Tie Sonne leuchtet im Wendrot, Tie Sterne funkeln. Unser f antetab' ist tot. Tie Eltern, welche in der nächsten Woche ihre Kinder zum Konfirmandenunterricht anmelden, werden gebeten, die Anmeldeformulare vorher auszufüllen rmd mitzubringen. Diese Formulare sind von den Pfarrern und den Kirchendienern vorher zn erhalten. Nächsten Sonntag nehmen die Konfir- mandenvereinigungen wieder ihren Anfang, lieber ihre Art und Aufgabe haben wir das Nähere in den früheren Jahrgängen unseres Gemeindeblattes gesagt, so daß es sich erübrigt, noch einmal darauf einzugehen. Tie Eltern werden gebeten, ihre Kinder zu dieser Veranstaltung anzuhalten. kirchliche Anzeigen. S o nn t a g d e n 6 . O k t o b e r, 19. nach Trinitatis. G o t t e s d i e n st. In der Stadttzirche. Vormittags 9*/:., Uhr: Pfarrer Mahr. — Vormittags 11 Uhr: Kin- dcrkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — Dienstag den 8 . Oktober, abends 8 Uhr: Gottesdienst anläßlich der Jahresversammlung des Obcrhessischen Vereins für Innere Mission: Pfarrer D. Preuschen (Hausen). — Kriegsbetstunde fällt in dieser Woche aus. In der Zohanneskirche. Vormittags 9 */ü U hr: Pfarrer Bechtolsheimer. ■ — Vormittags 1.1 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. — Abends V 28 Uhr Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. — Abends Vz 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannes gem einde. Die Anmeldung der diesjährigen Konfirmanden erfolgt Donnerstag den 10. und Freitag den 11. Oktober, vormittags 11 bis 1 Uhr und nachmittags 4—6 Uhr, und zwar die Könfrrmairden aus der Matthäusge- Ureinde bei Pfarrer Mahr, Kirchstraße 1, aus der Markus- und Militärgemeinde bei Pfarrer Schwabe, Kirchstraße 5, aus der Lukasgemeinde bei Pfarrer Bechtolsheimer, Liebigstraße 56, aus der Johannesgemeinde bei Pfarrer Wsfeld, Südanlage 8 . Wartburg, «vgl. Jünglings- und Männer- verein, Tiezstraße 15. Sonntag den 6 . Okt., abends 8 Uhr: Vortrag. Donnerstag den 10. Oktober, abends 8 V 1 Uhr: Leseabend!. Gäste stets willkommen. Sonntagrverein für Mädchen, Kirchstr. 9. Jeden Sonntag nachmittag Zusammenkunft. Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck uno Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, Gießen.