Lin festes Herz. Brief an die Hebräer 13, 9. Es ist rin köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. Wir kennen alle jene Geschichte von dem Landgrafen, der hart werden sollte wie ge- > schmiedetes Eisen. „Landgraf, werde hart!" So hörte er immer wieder bei jedem Hammerschlag aus dem Munde des Schmiedes. Hat uns die Erzählung nicht etwas zu sagen? Unser Gott steht vor dem Amboß der Zeiten und will in roter Glut das Eisen schmieden; er will uns stahlhart machen, unsere .Herzen sest wie Eisen. Eiserne Zeit ist es, in der wir leben, mit stählerner Wehr trotzen wir dem Feinde, und cs bleibt auch im fünften Kriegsjahr unser Siegesgesang: „Es sind die alten Schwerter noch, Es ist das deutsche Herz; Ihr schlagt es nimmermehr ins Joch: Sie halten fest wie Erz!" Das deutsche Herz, das ist fest wie Erz, sest wie die Eichen des deutschen Waldes. Wenn wir nur alle ein wahres deutsches .Herz hätten! Aber es gibt so viele Menschen unter uns, denen das Herz in der Unruhe des Lebens schwach geworden ist, ja, die durch ein sündhaftes Leben ihr Herz selbst verdorben haben. Sie brauchen eine Kur in der Eisenquelle, die allein die wunderbar^ Kraft hat, kranke Menschenherzen zu reinigen und wieder gesund und sest zu' machen. jSer Gnadenstrom, der aus Jesu Wunden strömt, besitzt diese Heilkraft, er heiligt die Herzen — durch Blut und Eisen. Ein festes Herz, unbeweglich in den Stürmen des Lebens, weil gegründet auf Felsengrund, das ist ein köstliches Ding. Deshalb wollen auch wir bitten: „Hilf du uns durch die Zeiten Und mache fest das Herz. Geh selber uns zur Seiten Und führ' uns heimatwärts!" Die Stadt Stehen in den Jahren 1861 bis J869. ~ 4 - Von jeher haben die Pfarrer wichtige Begebenheiten aus ihren Gemeinden und auch aus der großen Welt als gewissenhafte Chronisten ausgezeichnet, um der- Nachwelt von dem Geschehenen Kunde zu geben. -M früheren Jahrhunderten dienten hierzu na- mentlich die Kirchenbücher. Wir haben rn unserem Gemeindeblattc schon oft _ interessante Notizen, die zwischen die Einträge über die Todesfälle eingcstreut waren, mrt- geteilt. Eine Verordnung vom 24. -September 1807 untersagte leider derartige Notizen, infolgedessen sind die Kirchenbücher vom 1. Januar 1808 an, dem Tage, da diese Verordnung in Kraft trat, sehr langweilig, die Einträge sind wie heute die Einträge der Standesregister alle nach demselben Schema angefertigt. Erfreulicherweise verfügte das Großherzogliche Oberkonsistorium im Jahre 1857, daß die Geistlichen Ortschroniken führen sollten. Der Aufgabe, eine Ortschronik zu schreiben, hat sich in Gießen damals Pfarrer Landmann unterzogen. Er begab sich zunächst daran, die ältere Kirchengeschichte von Gießen zu schreiben. Das war für ihn eine undankbare Arbeit; denn er fand nur sehr dürftige Unterlagen vor. Gießen hat in der alten Zeit stets mehr als genug Pfarrer gehabt, zum großen Teil waren sie nebenher Professoren an der Universität oder Superintendenten. Seiner Be- völkerungszisfer nach ist Gießen vor dem Jahre 1800 nichts als ein großes Dorf gewesen, trotzdem hatte die Stadt so viele Pfarrer, die sich meist mit prunkvollen Titeln schmückten. Diese alten Herren scheinen allesamt kein oder nur wenig geschichtliches Verständnis gehabt zu haben, den meisten lag mehr die theologische Polemik. So har im 16. Jahrhundert der Pfarrer Nigrinus sehr viele Streitschriften geschrieben, deren Titel schon auf die heftige Gemütsart des Mannes schließen lassen. Akten, die über die Geschichte vergangener Tage Auskunft geben, sind, abgesehen von den Kirchenbüchern, den Kirchenrechnungen und den Kirchenkonvcntsprotokollen, in unserem Kirchenarchive nicht vorhanden. Infolgedessen konnte Landmann trotz großer Sorgfalt die Geschichte der älteren Zeit nur lückenhaft schreiben, und die Gießener Kirchengeschichte harrt noch ihres Bearbeiters. Dagegen hat der genannte Geistliche gewissenhaft ausgezeichnet, was sich lwährend seiner Amts- pbriode hier zugetragen hat, er hat die Chronik für die Zeit von 1861 bis 1869 geführt, darnach hat er diese Arbeit in andere Hände gelegt. Das Wichtigste aus der Kir- chenchronik von 1871 bis 1900 haben wir bereits im „Sonntagsgruß" (Jahrgang 1913, Nr. 21—25) mitgeteilt. _ Im nachfolgenden geben wir das Wesentliche von dem wieder, das Landmann aufgezeichnet hat. Stilistische Aenderungen sind hier und da vorgenommen, einiges, das kein Interesse für die Allgemeinheit hat, ist weggelassen, anderes nur im Auszüge mitgeteilt. Tie Stellen, die der Herausgeber zur Erläuterung! beigefügt hat, sind in Klammern gesetzt. ■V 126 lieber den Verfasser der mitgeteilten Aufzeichnungen sei folgendes gesagt. Gustav Karl Christian (Rufname Gustav) Landmann war am 14. Juli 1818 zu Gedern geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Büdingen, studierte von 1837 bis 1841 Theologie und tourr von 1841 bis 1842 Mitglied !des Predigerseminars zu Friedberg. 1843 wurde er Pfarrvikar zu Stockhausen, ein Jahr später kam er in gleicher Eigenschaft nach Volkartshain und 1845, wieder als Vikar, nach Friedberg. Im Jahre 1846 wurde ihm die evangelische Pfarrstelle zu Stockhausen übertragen, 1853 wurde er zweiter, nach dem Tode des Geheimen Kirchenrates I)r. Engel ^erster Pfarrer zu Gießen, seit 1865 war er auch Dekan des Dekanates Gießen. Landmann starb am 7. August 1875, morgens 6 Uhr, ini Alter von erst 57 Jahren. In den 22 Jahren, die er hier zugebracht hat, hat er segensreich gewirkt als ein ernster und besonnener Mann. Ihm zu Ehren trägt die Landmannstraße ihren Namen. * 1861. Eine große Landplage waren in diesem Jahre die Legionen Feldmäuse, _ die von Süden her über ganze Länder bis in die 'hiesige Gegend sich verbreitet hatten und in irgend nur trockenen Garten, Weckern und Wiesen bei jedem Schritt und Tritt zu sehen waren. Ueberall Mäuslöcher in großer Menge und Mäusestraßen in den Wiesen von einem Loch bis zum andern, in die Kreuz und Quer, überall ein Laufen und Flüchten des widerlichen Ungeziefers, überall die Spuren einer großen Verheerung. An vielen Stellen wurden beim Umgraben und Umackern ganze Vorratskammern von Früchten aller Art, von Bohnen usw. angetrosfen und an den Wurzelgewächsen die größte Beschädigung wahrgenommen. Alle Versuche, das schnell wachsende und sich vermehrende Gewimmel -auszurotten, Vergiftung, Totschlägen, Einfangen, Nesterzerstörung erwiesen fidj' als erfolglos, es fehlte nichts, als daß dre Mäuse noch in die.Häuser drangen, so sehr mußten die Menschen ihre Ohnmacht fühlen. Hier in Gießen wurde befohlen, auf einen Morgen 20 Mäuse zu liefern und sür jede fehlende einen Kveuzer zu entrichten, und die 11000 Stück, welche die Stadt zu liefern hatte, wurden mit je einem Heller bezahlt. Am 2. September brannten in Wieseck 2 Häuser und 17 mit 80 Fudern Früchte und 30 Wagen Heu angefüllte Scheunen ab, ein Pferd, eilt Rind, eine Ziege und ein Wagen verbrannten mit, außerdem wurden zwer Wohnhäuser und mehrere Ställe beim Löschen fast zerstört. Das Feuer war vom Gießener Stadtkirchturm aus schrecklich anzusehen. Für die Brandbeschädigten wurde von einem hiesigen Komitee eine Kollekte erhoben. Zum Bau von Kanonenbooten zum Schutz der Nord- und Ostseeküsten Deutschlands, welche in die Hände Preußens gelegt werden sollten, bat eine Anzahl patio- I tischer Bürger um Beiträge. Äm. 3 .November, gelegentlich des Reformationsfestes, wurde in einer Versammlung von Frauen und Jungfrauen ein Frauen- verein für die Gustav-Adolf-Stiftung gebildet und ein Vorstand von 7 Frauen und 7 Jungfrauen als Gehilfinnen oder Sammlerinnen gewählt. Die Leitung übernahmen Frau Pfarrer Landmann 'und Frau Advokat Faber. » Am 28. April starb der pensionierte Gymnasiallehrer und zweite Universitäts- biliothekar Johann Valentin Klein, 71 Jahre alt, ein Mann von biederer Gesinnung und großer Gelehrsamkeit, besonders ein Mann von geschichtlichen Kenntnissen, die er namentlich in seinem Werke zur Erklärung der Figuren an dem sehr alten Turm der Kirche zum Großen-Linden entwickelte. Bei dem Geschichtsunterricht im Gymnasium hatte-er eine sehr eigentümliche Weise, die einzelnen Namen und Ereignisse dcnr Gedächtnisse einzuprägen. Die einzelnen Deckenbalken wurden der Reihe nach mit geschichtlichen Namen belegt, oder die Gymnasiasten wurden zu Namenträgern der Hauptpersonen gemacht, so daß mit der Geschichte zugleich die Mnemonik (Gedächtniskunst) verbunden war. Durch seine Geburts- und Vermögensverhältnisse bekannt war der am 23. Juni verstorbene Bürger und Rentner Friedrich Wilhelm Baron von Humbracht, welcher früher der katholischen Kirche zur Anschaffung einer Uhr und von Glocken 500 Gulden und dann in seinem Testament der Stadtkirche 2000 Gulden zur Anschaffung zweier Bilder von Melanchthon und Gustav Adolf vermacht hatte. (Fortsetzung folgt.) Am Beginn des fünften Ariegsjahrer. Was uns an diesem Zeitpunkte besonders nottut, ist in erster «Linie, daß wir die Wahrheit und Wirllichkcit dieses Krieges erkennen. Die Wahrheit und Wirklichkeit der Zeitereignisse, die uns umbrauscn, ist nicht — darüber braucht man -eigentlich fein Wort mehr zu verlieren — , daß wir in einem Ansturm den Feind überrenneir, um dann Siegesfeste zu feiern, die Tür mit grünem Laubgewinde zu behängen und uns der Ausgelassenheit und Lustigkeit hinzugeben. Die Wahrheit und Wirklichkeit dieses Völkersturmes ist, daß tvir in einen Kampf hineingestellt sind, wre ihn das deutsche Volk seither iroch nicht zu bestehen hatte. Wir kämpfen beinahe mit der ganzen Welt, wir haben die mächtigsten, nnt allen Hilfsmitteln ausgestatteten Völker gegen uns. Geradezu frevelhaft ist es, orche Gegner zu verachten, ihre militärische Züchtigkeit anznzwciieln. Die Franzosen sind von - 127 jeher ehrliebend und tapfer gewesen, die Eng- ländcr haben sich in vielen Kolonialkriegen militärische Schulung angeeignet, die Amerikaner, namentlich die aus dem wilden Westen, sind wahrlich keine Stubenmenschen, die sich vor jedem Luftzuge fürchten oder ängstlich der Gefahr aus dem Wege gehen. Es heißt die Leistungsfähigkeit unserer Soldaten herabsetzen, wenn mir den Gegner so einschatzen, wie man einst die deutsche Reichsarmee ern- qeschätzt hat. Dieser Krieg ist schwere Lebensnot und für viele im Lande dunkles Schick,al. Eins leuchtet in diesen dunklen Tagen hervor, das ist die Ehrliebe, die treue Pslicht- ersüllung und die Selbstverleugnung unserer Soldaten. Vier Jahre Hallen die Tapst- ren, die Treuen nun aus in Sturm und Not, im Granatenhagel und unter dem Sterben der Kameraden. Gedankenlose Schwätzer, die es sich in der Heimat wohl sein lassen, sagen manchmal: Die Stimmung an der Front ist prächtig. Als ob es an der Front so zugehe, wie bei einem Feste, das man früher am Fne- den geseicrt hat! Das richtige Wort rst: Der Geist an der Front ist groß und untadelhast. Ta ist mehr als 1813 und 1870; denn damals ging es rasch voran, von Seeg zu Sieg, heute heißt es hassen, harren und geduldig sein. Glaube niemand, daß unseren Soldaten der Krieg vorkommt wie einst im Frieden ein Herbstmanöver mit guten Quartieren in schöner Gegend. Aber sic wissen, warum sie draußen stehen, und handeln nach dem schönen Worte des Buches der Matka- bäer, das auf dem Hessendenkmal bei Gravelotte steht, nach dem Worte: Ist unsere Zeit gekommen, so wollen mir ritterlich steroent um unserer Brüder willen und unsere Ehre nicht lassen zu Schanden werden. Die Alten unter ihnen harren aus, und die Achtzehnjährigen haben keinen größeren Wunsch, als an den Feind heranzukommen. Wenn nur die in der Heimat au, der gleichen Höhe der Gesinnung stünden! Sicher bewähren sich jetzt iingezählte Scharen als rechte Christenmenschen und tun wacker ihre Schuldigkeit. Ich denke da an die Art, wre so viele ihr großes Leid um die Gefallenen tragen, All, ernst, gottergeben. Ich denke an die Alten, die Frauen, die Kinder, du dle schwere Arbeit verrichten, die sonst die Männer taten. Aber manchmal kommt nnr letzt die griechische Sage in den Sinn von dem edlen Dulder Odysseus, der, von widrigen Winden umhergetrieben, auf dem Meereum- herirrt. Derweil machen sich fremde Menschen in seinem Hause breit und maßen ,ich Rechte an, die ihnen nicht zukommen Unsere Männer stehen im Felde, können sich weder am politischen noch am sozialen Leben beteiligen, können nicht einmal über die eigenen Kinder bestimmen, und die in der Heimat Zurückgebliebenen, oft solche, die zu öfsentlichem Wirken gar nicht berufen sind, wollen über dre Geschicke des Volkes entscheiden. Leute, dre keine Kinder haben, wollen über die fügend bestimmen. Männer und Frauen, die unverheiratet sind, wollen das deutsche Familienleben in andere Bahnen lenken. . Ein Krieg, der mit solcher Wucht dre Volker trisft, wie dieser Ktieg, sollte dazu treiben, daß man sich vor Gott demütigt, statt dessen rühmen viele in der Heimat ihre eigenen Leistungen. Was haben sie nicht alles organisiert und getan! Was die an der Front leisten, was die Führer des Heeres und die Lenker des Staates leisten — gewiß oft unter schweren Sorgen, Enttäuschungen und in schlaflosen Nächten — wird von ihnen nicht gewürdigt. Man will selber eine Rolle spielen Mills man tut, wird an die große Glocke gehängt ober man verlangt dafür für die Zukunft schon jetzt besondere Rechte. Ties greift das Todesleid rn unsere Familien ein. Trotzdem im Lande Veranstaltungen höchst verwerflicher Art. ^en „Alldeutschen Blättern" (Nr. 29) entnchme ich aus Düsseldorf folgenden Bericht: „Die Zeitungen verkündigten, daß Mittwoch den 3. Juli zum Besten der Hinterbliebenen der Gefallenen des 135. Infanterie-Regimentes, also zur Ehrung der entseelten Krieger und ziim Besten der Trauernden, ein Schwank-, Tanz- und Possenabend im Festsaale der städtischen Tonhalle stattfinden solle. Düsseldorf ist nicht die einzige Stadt, in der man den Leuten, die jetzt Geld genug verdienen, solche Unterhaltung darbietet. Das ist auch kein Zeugnis dafür, datz nian sich bewußt ist, wieviele wertvolle Opfer uns dieser Krieg gekostet hat. All dies, nicht zuletzt der Wucher, der sich jetzt brcrt macht, erschweren das Ausharren. Aber ausharren müssen wir. Wir wollen alle den Frieden, aber was hilft es, dem Feinde den Frieden anzubieten, wenn er aut unser Angebot nicht eingeht? Gott wollte uns keinen raschen Sieg schenken, aber er will, daß mir aushalten, um unsere heiligsten Güter zu verteidigen Und sie unseren Kindern und Kindeskiudcrn ungeschmälert zu vererben. Jetzt gilt wieder Ernst Moritz Arndts Lied: „Der Gott, der Eisen wachsen, ließ, der wollte keine Knechte, drum gab er sabel, Schwert und Spieß dem Mann m ferne Rechte, drum gab er ihm den freuen Mut, den Zorn der kühnen Rede, daß er bestände bis aufs Blut im Kamps und in der Fehde. Machen wir uns klar, daß wrr nur tn der Kraft Gottes aushalten können. Erii srom- mes, demütiges Volk wird nicht untergehen« sondern durch Not und Tod hindurch den Sreg gewinnen. L. V. Kleine Mitteilungen. Die Deutsche Gesellschaft für soziales Recht hat, wie eine Zeitungsnotiz besagt, vor einiger Zeit einen Ausschuß zur Forderung der Frauenfürsorgetatigkeit ber der Polizei gegründet. Die Erreichung des Zieles, ! das sich der Ausschuß gestellt hat, rst zum Teil an die Verfügung über dre für diese | schwierige soziale Arbeit geeigneten Kräfte - 128 - geknüpft. Neben persönlichen Eigenschaften! ben so viele, daß die Toten auf den Ochsen und praktischer Vorbildung erscheint ein gewisses Maß von theoretischen Kenntnissen dringend ^erwünscht, das die sozialen Frauenschulen in besonderen Unterrichtskursen vermitteln können. Das Christlich-soziale Frauenseminar des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes, Hannover, will bei genügender Beteiligung im Herbst mit einem solchen Kursus, der 5 Monate dauern soll, beginnen. Als Hauptunterrichtsfächer sind Rechts- und Verwaltungskunde, Volkswirtschafts-, Erzie- hungs- Und Gesundheitslehre, Einführung in verschiedene Gebiete sozialer Arbeit und Wohlfahrtspflege und religiöse Unterweisung in Aussicht genommen. Bedingungen für die Aufnahme sind : Höhere Schulbildung, zurückgelegtes 30. Lebensjahr, möglichst srü wagen geladen und in den Ganges geworfen wurden, da nicht genug Männer vorhanden waren, die Toten der Hindusitte gemäß nach dem Ganges zu tragen und dort zu verbrennen. Ter junge Missionar Heinrich Lorbeer waltete, wie die „Biene auf dem Missionsfelde" in ihrer neuesten Juli-August- Numnier berichtet, als heilender Missionar vom 12. Dezember v. Js. bis 6. März d. Js. im Zeltlager bei Karimuddinpur seines schweren Amtes. Er schreibt u. a.: „S'eht Wunder, daiß die Pest so viel Opfer forderl, denn erstens künimert sich kein Mensch um sie, und zweitens spotten die gesundheitlichen Verhältnisse jeder Beschreibung. In manchen Dörfern besuchte ich an einem Tage gegen 50 Pestkranke, und es gelang mir durch Got- here Betätigung in charitativer oder sozialer! tes Hilfe, mit Vaters Pestpillen und honiöo Arbeit, gute Empfehlungen und Zeugnisse Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle des Seminars, Hannover, Wedekindstrahe. Es ist zweifellos ein sehr guter Gedanke, der hier verwirklicht werden soll, aber eins macht stutzig, das ist die kurze Zeit der theoretischen Ausbildung. In fünf ganzen Monaten sollen die Bewerberinnen sich das aneignen, was sie für ihreir schweren Beruf nötig haben. Jedem Manne, der in Staat oder Gemeinde auch nur das bescheidenste Amt pathischen Arzneien manch schweren Pestfall zu heilen. Fälle, wo der Patient im Delirium lag, und die Zunge schon angeschwollen war. das Leben nur noch an einem zarten Faden hing, sind gerettet worden." Wie segensreich das Licht der Mission auch über den rein religiösen Rahmen hinaus selbst in alten Kulturländern wie Jndieir zu wirken vermag, geht aus den weiteren Angaben hervor: „Tie Mohammedaner verzichten auf meine ärztliche Hilfe. Sie hielten es in ihrem übernimmt, wird eine viel längere Ausbil- Fatalismus für genügend, sich abends und dnngszeit vorgeschrieben. Das Wichtigste bei dieser erstrebten Fürsorge wird sein, die ge- | eigneten Persönlichkeiten zu finden. Jemand, der nach einem Vierteljahre diese Tätigkeit wieder aufgibt, weil zu Hause die Mutter krank ist oder die Tante zu Besuch kommt, wird kaum geeignet sein. Bevor man solche Polizeiassistentinnen anstellt, müßte man von ihnen einen längeren Vorbereitungsdienst verlangen. Auf alle Fälle aber verdient der der Sache zugrunde liegende Gedanke sehr die Beachtung weiter Kreise. Zur Fürsorge für solche Frauen, die mit der Po- lizer zu tun bekommen, ist niemand so geeignet wie eine crnstgesinnte Frau, die an diese Arbeit herantritt mit dem ernstlicheir Willen, sie sich zur Lebensaufgabe zu machen. Wir teilen die Absicht des Christlich-sozialen Frauenseminars zu Hannover hier mit, weil vielleicht auch in unserem Leserkreise sich Frauen finden, die für die Tätigkeit der geschilderten Art berufen sind. morgens stundenlang mit Fäusten ihre Brust zu schlagen, daß es weithin dröhnte,und ihren Nationalhelden Hassau-Husain anzurufen. Tie Hindus opfern der Göttin Kali Ziegen- böcke, um sie milder zu stimmen." — Wo bleibt da die englische Kultur-Mission? Ich bin vom 12. August bis 8. September verreist: meine Amtsgeschäfte übernimmt in dieser Zeit Herr Pfarrassistent Liz. Reuning, Wetzsteinstraße 38. Bechtolsheimer. kirchliche Anzeigen. Sonntag den 11. August (11. n. Trinitatis). Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Wahr. — Kinderkirche fällt aus. — Mittwoch den 14. August, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Zohaniieskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehr e für die Neu konfirmierten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 9 Vs Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für die Lukas- und Jo- hannesgcmeinde. — Kinderkirche fällt aus. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer Druch lind Verlag der Vrnh''sch,kl Üiuverittäts-Duch- lind Steindruckerei 'JS. Lauere. Gieren. Einem Bericht der von der Goßnerfchen Misfionsgesellschaft (Sitz Berlin-Friedenau) unterhaltenen Ganges-Missiou entnehmen wir folgende Mitteilungen: Infolge der in diefeui Frühjahr ausnahmsweise kühlen Witterung hat die Pest in Karimuddinpur und in allen nahen und fernen Dörfern furchtbar gewütet. Ganze Straßen und Dörfer sindausgestorben. In manchen Dörfern ster-