Vlv. 28 (Sieben, 7. Sonnrag n. Trinitatis, den H. Juli 1918 7. Iahrg. NremaZs müde! 2 . Brief des Apostels Paulus an die Thessa- lot'.icher 3,13. 3'Ijr aber lieben Brüder, .werdet nicht verdrossen, Gutes zu tun! Zu lange währt der Krieg, da ist die Begeisterung für den einen großen Gedanken, Vaterland, verflogen, da ist der Opfersinn für die Gesamtheit, für die tapferen Kämpfer da draußen vergangen, wir sind müde geworden. Wenn auch die Flamme der Begeisterung, die plötzlich wie aus einem Vulkan hoch aufschlägt, nich!t von Dauer sein kann, sondern wieder in sich! , zurückfällt, der Opfersinn muß bleiben, inrmer wieder genährt und entzündet von dem stillen Glühen reiner Liebe zu denen, die unser Vaterland! schützen. Wenn die meisten, die besten unserer Kämpfer -dort draußen nicht müde wer- den, Not und Tod aüf sich zu nehmen und Entbehrung und Leiden aller Art zu tragen, wollen wir uns hier in der Heimat beschämen lassen? Gewiß, es ist nicht leicht, niemals müde zu werdet!, sondern unverdrossen Gutes zu tun. Es treten so viele Anforderungen an uns heran. Und doch, können wir je zu viel tun? Wie sagt doch Luther? „Achte nur darauf, was Christus für dich und für alle getan, damit auch du lernst, was du für andere zu tun schuldig bist." Also, das Maß, in dem du deine Schulden an anderen Menschen abträgst, zeigt, wie hoch du die Gabe, die du empfangen hast, einschätzest. Wer, wenn du auch wirklich keinen Pfennig hättest, den du opfern könntest, du kannst doch Gutes tun, auch für beinj Vaterland. Du leistest deinem Vaterland einen großen Dienst, wenn du still und opferbereit auf dich nimmst, was die Kriegszeit von dir fordert. Du bist ein tapferer Held, wenn du unverdrossen den täglichen Kampf mit dcnr Leben auf dich nimmst — niemals müde. In uns haben wir nicht die Kraft, unverdrossen an unserem Platze Gutes zu tun. Wir müssen sie uns schenken lassen von dem, der es auch an Uns wahrmachen will: „Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden." Fa, die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie äusfahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht müde werden, daß sie wandeln und nicht matt werden!" hessische Biographien. Unser Gemeindeblatt richtet sein Augenmerk in erster Linie natürlich aus die Be-! spircchung der Fragen, die unser kirchliches Gemeindeleben berühren, aber es zieht auch kirchliche Fragen allgemeiner Art in den Kreis seiner Darstellung und beschäftigt sich namentlich mit der Ortsgeschichte und mit der hessischen Geschichte. So ist es denn auch angebracht, wenn wir mit diesen Zeilen die Aufmerksamkeit unserer Leser auf ein literarisches Unternehmen hinlcnken, das sich ausschließlich mit hessischer Geschichte befaßt. Es sind das die „Hessischen Biographien", die Hermann Haupt in Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert heraus gibt und von denen mit der vierten Lieferung nun der erste Band abgeschlossen ist (Grohherzoglicher Staatsverlag, Preis 12 Mk.). Weitschichtig! angelegte Werke dieser Art, die das Leben . hervorragender Männer darstcllen, hat es selbstverständlich früher schon gegeben. Wir nennen hier nur das große und treffliche Unternehmer, die „Allgemeine Deutsche Biographie", in dem man über jeden irgendwie hervorragenden Deutschen etwas findet. Diese älteren Werke haben vorzugsweise Gelehrte, ! Schriftsteller, Dichter und Politiker behandelt: Die „Hessischen Biographien" sind er- [ freulicherweise einen Schritt weitergegangen! und stellen sich dadurch als ein nrodernes Unternehmen dar, daß sie auch die Lebensbeschreibungen bedeutender Männer der Jn- ! dustrie und des Handels bringen und auch andere Männer des praktischen Lebens, ! Geistliche, Merzte, Techniker und Künstler berücksichtigen. Die einzelnen Biographien in alphabetisckter Reihenfolge zu bringen, war nicht möglich, jeder Band aber soll ein alphabetisches Register enthalten, mit dessen Hilfe man sich leicht zurcchtfinden kann. Berücksichtigt sind nur Personen, die ini 19. Jahrhundert gelebt haben. Daß in der Stadt Gießen von jeher hervorragende Männer gelebt haben oder von : dieser Stadt ausgegangen sind und mit ihr in Verbindung gestanden haben, geht aus dem vorliegenden Bande hervor. So machen ! wir aufmerksam aus die Biographien des Mathematikers Baltzer, des Theologen Wilhelm Baur, des Chirurgen Bose, des Pharmakologen Buchhcim, des Gymnasiallehrers : Büchner, des Theologen Credner, des Musikdirektors Felchner, des Volksschriftstellers Oeser (Glaubrecht), des Majors Peppler. In der vierten Lieferung finden >vir die Biographien des Physikers Buff und des Forschungsreisenden Robert von Schlagintweit, der in den 60er und 70er Jahren des vorn- geil Jahrhunderts hier Vorlesungen über Geographie gehalten Hai. Ganz besonders! wertvoll ist es, daß auch drei in Gießen wirkende Männer des praktischen Lebens berücksichtigt werden. Hermann Haupt bringt eine interessante Biographie des Bürgermeisters Heinrich Ludnüg Ferber, des Sohnes des Herrn „Kapperates", über den einer ferner Enkel vor kurzem in unserem Gemeindeblatt berichtet hat. Ferber lebte von 1813 bis 1882 und hat sich in unserer Stadt namentlich in den Jahren 1848 bis 1866 lebhaft politisch betätigt. Georg Lehncrt hat eine kurze Biographie des Tabakssabrikanten Georg Heinrich Schirmer beigesteuert. Dieser, 1787 in Waldau, Bezirk Kassel, als Sohn eines Pfarrers geboren, begründete 1825 in Gre- ßen eine Tabakfabrik, die rasch zu hoher Blüte kam. Schirmer starb schon 1835. Karl Esselborn erzählt das Leben des Buchhändlers Georg Wilhelm Friedrich Hetzer, der 1771 zu Bromskirchen im hessischen Hinterland geboren und 1847 hier gestorben ist. Hetzer hat sehr viel zur foefmttg des Buchhandels im allgemeinen getan. Mitarbeiter aus verschiedenen Ständen kommen in diesem Werke zum Worte, immer aber sind es sachkundige Mitarbeiter. Das Werk ist streng wissenschaftlich gehalten, viel Mühe steckt namentlich in den Literaturangaben, aber die Darstellung ist so gefaßt, daß jeder, der sich für geschichtliches Leben interessiert, gern zu dem Buche greifen wird. Es sei deshalb unseren Lesern angelegentlich empfohlen. H- B. Geschichten und Bilder aus Alt-Giehen. 8. T a s L a t e r n e n m ä n n ch e n. „Sei ruhig oder Tri. kommst ins Laterne- männche!" Dieser Zuruf war in früheren Zeiten in Gießen eine sehr gebräuchliche Verwarnung, die jedermann verstand und zu beherzigen wußte. Damit seine Bedeutung Und wie er entstanden ist, nicht ganz der' Vergessenheit anheimfällt, soll sie hier erklärt werden. Mit dem Beginn der sogenannten Re- aktionsperiodc ini Anfang der 1850er Jahre wurden die Beioohner.unserer Stadt mit dem Erscheinen eines satirisch-humoristischen Blättchens beglückt, das sich „Laternenmännchen" nannte. Der Herausgeber war der Buchdrucker Schild, der während der eben vorangegangenen Zeit der Auf- standsböwegung die ultraradikalen und revolutionär' gehaltenen Zeitungen „Der jüngste Tag" und den „Wehr dich" unter der Redaktion von August Becker und unter der Mitarbeiterschaft von Rudolph Fendt und Gesinnungsgenossen herausgegeben hatte. Als diese Mütter nicht mehr erscheinen durften, sollten die Leser derselben, die an eilte stark gewürzte Kost gewöhnt ivaren, im parteilosen „Laternenmännchen" einen ent- j sprechenden Ersatz finden. Nach unseren heu-! tigen Begriffen war das Blättchen ein höchst dürftiges Machwerk, das mit Vorliebe mißliebige Personen, aber auch solche, die ihm Stoff boten, zur Zielscheibe seiner Spöttereien machte. Alle Tagesbegebenheiten der kleinen Stadt wurden in einer gerade nicht immer wohlwollenden Weise darin besprochen, und zwar . in einer stehenden Rubrik, einem Zwiegespräch in altgießener Mundart zwischen den Proletariern „Kanalmüller" und „Schlammbeißer", von denen dieser zuletzt genannte ständige Mitarbeiter sich im Volks- mnnd eiiren unsterblichen Namen gesichert hat. » , „ , „ .1 Insofern mag daS „Laternenmairnchen" vielleicht auch etwas erzieherisch gewirkt haben, als besonders die Gießener Spießbürger eine höllische Angst vor ihm hatten und sich lieber jeder anderen Strafe unterworfen hätten, als daß" sie sich vor der Oesfentlich- keit bloßgestellt und lächerlich gemacht gesehen hätten. Im übrigen hat sich das Blättchen verhältnismäßig lange gehalten, da es trotz alledem gerne gelesen wurde. Die oben- erwäbnte Verwarnung hatte also immerhin ihre Berechtigung, und sie hielt manchen davon ab, sich zu unbedachten Worten oder unvorsichtigen Handlungen hinreißen zu lassen. H. H-r. Lin Zeitbild aus Gberheffen. — In einem oberhessischen Landstädtchen verwaltete der Bürgermeister sein hohes Amt rnii Umsicht und ganz zur Zufriedenheit seiner Mitbürger und seiner Vorgesetzten Behörde, nur mit Fragen, die mehr oder weniger Gelehrsamkeit erforderten, konnte er sich nicht recht befreundeir Und wußte nicht über sie Herr zu'werden. So wurde einst — es ist nämlich schon gar lange her — vom Ministerium eine allgemeine Zählung der Obstbänme angeordnet. In jeder Gemarkung des Grotzherzogtums sollte die Zählung nach Sorten und Arten vorgenommen und das Ergebnis alsdann nach Darmstadt berichtet werden. Dem mit der Durchsicht der Berichte und mit der Zusammenstellung der Ergebnisse beauftragten Ministerialbeamten fiel es auf, daß in einer Gemarkung in Oberhessen so viele Nußbäume angegeben waren, während es doch bekannt war, daß das rauhe Klima dieser Gegend ein Fortkommen von Nußbänmeiis nicht zuließe. Er wandte sich daher mit einer Anfrage an das dortige Kreisamt. Der Krcisrat war ebenfalls Höchst s erstaun: und stellte den Bürgermeister darüber zur Rede, wie es känre, daß in seinem Bericht so viele Nußbänme angegeben seien, toährend, soviel er wüßte, doch in der ganzen Gemarkung keiner stünde. „Ja, wisse Se, Herr Kreisrat, Sie hawe ganz recht," erwiderte der Bürgermeister, 111 ,eigentlich sin's ja Quetscheboim, awer der T-euwel schreib das große Que." -i- Ter zu dieser Zeit regierende Großherzog hielt sich zuweilen -ans seinem in der Nähe gelegenen Jagdschloß auf und lieft eines Tages dem Bürgermeister sagen, er würde ihn demnächst besuchen, Um das wegen ferner architektonischen Schönheit berühmte Rathaus, sowie die darin aufbewahrten Mtertümer zu besichtigen. Besonders interessiere ihn ein Rolandsschwert, von dem er gehört habe, daß es sich dort befände. Der Bürgermeister, sehr erfreut über den ihm angekündigten hohen Besuch des Landes- sürsten, unterwarf alle Gegenstände irochnials einer eingehenden Prüfung, fand aber das alte Schwert durch den Zahn der Zeit so zerfressen, daß er glaubte, es nicht mcmtwotten. hi können, es dem Großherzog in diesem Zustande zu zeigen. Er ließ es daher gründ-: sich reinigen, den Rost abschaben und die Klinge, die viele Scharten aufwies, fern - säuberlich schleifen. . „ , , Nachdem der Großherzog alles andere be-- sichtigt und seine volle Zufriedenheit über das Gesehene ausgesprochen hatte, frag er nach dem alten Schwert. Mit heiterem Lächeln zeigte der Bürgermeister auf die gesäuberte Waffe, erschrak aber nicht wenig, als der Großherzog ganz bestürzt ausrief: „Na, welcher Esel hat denn die Dummheit begangen und hat das Ding da schleifen lassen?" worauf der Bürgermeister prompt zur Antwort gab: „Ei, ich, Königliche Hoheit". ver Tanz um das goldene Ualb. Die Gier nach Geld hat unser Volk in erschreckender Weise ergriffen, der Tanz um das goldene Kalb versetzt weite Kreise in allen Schichten unseres Volkes in einen Taumel, der sie nur das eine, die Macht des Geldes sehen läßt. Wie weit der Mammons- teufel unser Volk schon beherrscht, zeigt folgender Bericht, der dem „Berliner Tageblatt" entnommen ist: ! „Jedenfalls ist die Spekulation rn Börsenpapieren heute in so weite Volkskreile gedrungen, wie dies vielleicht nur noch in der Gründerperiode der 70er Jahre und in Zeiten der wildesten Kalispekulalion, allerdings hier nur in lokal begrenzten Gebieten Deutschlands, der Fall gewesen ist. Heute spekulieren nicht nur Waufleute, Rentner, Aerzte, Juristen, Beamte usw., sondern auch tm wahrsten Sinne des Wortes „Gevatter Schneider und Handschuhmacher". Zur Ausbreitung der Spekulation hat auch der Umstand beigetragen, daß die Angestellten rn den Banken, die ja „an der Quelle sitzen und die Gewinninöglichkeiten des Börsenspiels lange, genug aus nächster Nähe verfolgen konnten, in großenr Umfange für eigene Rechnung zu spielen begannen. Aus den „Elektrischen", die die Friedrichsbrücke kreuzen, kann man ganz jungen Bürschchen begegnen, die sich- prahlend -erzählen. Was sie bei ihren letzten Geschäften in „Bemberch und „Rhein. Metall" verdient Hätten. In manchen Bankburoaus bilden sich, förmliche Spielkonsortien von Angestellten, die ihren Partnern (so lange es gut geht) fette Prozente abwerfen. Tie Partnerschaft bei solchen Konsortien erstreckt sich bis -auf die Kontoristinnen, die auf diese Weise allmonatlich weit über ihre Gehälter hinausgehende Gewinne einstreichen. Ueberhaupt hat sich gerade das weibliche Element in gewissen Bevölkerungsschichten in besonders großem Umfange dem Börsenspiel zugewandt." Bei England verurteilen wir die Profrt- gier und Mammonssucht, die es in den Krieg trieb, und wir? Sind wir nicht auch- schon verseucht von der „englischen Krankheit"? Uleine Mitteilungen. Ter tausendjährige Rosenstock im Dom- hos zu Hildesheim steht jetzt wieder in voller I Blüte. Sein Alter ist freilich- nicht genau zu bestimmen. Geschichtlich läßt sich- das Vorhandensein des alten Stammes nrch-t über das Jahr 1650 hinaus verfolgen. Damals veröffentlichte ein Jesuit Georg Elbers eme . Geschichte Hildesheims, in der er ber Erwah- nung des Rosenstockes betonte, daß dieser ! schon viele Jahrhunderte lang bestehe. Für diese Behauptung sprechen aber nur Legende und Sage. Jinm-erhin ist der Rosenstamm sehr alten Ursprungs. Mit seinen Aesten und Zweigen bedeckt er die Chorwand des Domes in einer Höhe und Breite von 10 Metern. Tie Triebe sterben nach Jahrzehnten immer wieder ab. Von den jetzt vorhandenen stammt der älteste von 1863. In diesem Jahre smd ihm orer krästig-c Ausläufer erwachsen, von denen der eine unmittelbar aus der Wurzel in der Erde entsprossen ist. zzn dem von uns in der vorigen Nummer erwähnten Jahrgang 1777 der Zeitschrift „Ephemerid-en der Menschheit" findet sich auch folgende Notiz: , Herr Pfarrer Arnolds zu Großlmden tm Hessendarmstädtischen begnügt sich nicht daran, seiner Gemeinde durch- seinen Unterricht nützlich zu sehn und die übrige Zeit in geistlicher Ruhe h-inznlegen. Er fühlte Talente und M ath genug außer den Pflichten ernes Pfarrers noch größere eines Menschenfreundes (Anmerkung des Herausgebers: sollte man wohl durch etw-as mehr Menschenfreund sehn können als durch die Ausübung der Pflichten -eines Pfarrers? Warum spielt man doch so sehr mit dem Worte Menschenfreund?) ausüben zu können. Er versammelte um sich -eine kleine Schule von unglücklichen taub- und stummgebohrenen Personen, und durch seinen unermüdeten Fleiß und Geschicklichkeit wußte er nicht nur ihnen Be- 112 - griffe beizubringen sondern er lehrte sic auch ihre Begriffe auszudrücken. So daß sie mit ihm nach ihrer Art alles reden können, daß sie sogleich niedcrschreiben, was er ihnen vorsagt, ja sich selbst überlassen einige Aufsätze machen, die zwar nicht immer so genau zu- sammenhängen, die aber meistens ihre Gedanken genau ausdrücken. — Um diese Notiz nach ihrer ganzen Bedeutung würdigen zu können, muß man bedenken, daß man um die Mitte des 18. Jahrhunderts Überhaupt erst anfing, die Taubstummen reden z!u lehren. Der Deutsche Hei- nicke (1729—1790) und der Franzose de l'Epee (1712—1788) sind auf diesem Gebiete bahnbrechend gewesen. Neben ihnen gebührt auch dem Großen-Lindener Pfarrer, auch wenn er in der großen Welt weniger bekannt ist, eine Ehrenstelle. * In Darmstädter Blättern findet sich folgender Notschrei: Seit längerer Zeit befindet sich Einjender auf der Suche nach einer Wohnung, aber alle Bemühungen sind umsonst. Und warum? Weil er das Glück — oder in diesem Falle das Unglück! — hat, drei Kinder zu besitzen. Erst gestern wurde seiner Frau in einem Hause gesagt: „Leute mit Kindern nehmen wir nicht!" Ein solches Verhalten von Hausbesitzern ist bocfj traurig, in dieser Zeit tieftraurig. Da draußen verbluten im Kampfe um Deutschlands Existenz Millionen von Männern, unsere besten Volkswirtschaftler schreiben ganze Bände über den Bevölkerungsrückgang, !und wie ihm abzuhelfen sei, überall bestehen Vereine Und Genossenschaften und werden deren neue ge- gegründct, um das Problem zu lösen und Deutschland das Schicksal Frankreichs zu ersparen. Und demgegenüber ein derartiges Verhalten eines großen Teiles der Hausbesitzer !! * uarberuf haben, schon jetzt als Bewerber in den Bildungsanstalten airmelden. Es köirnen jauch Jünglinge sein, die gegenwärtig iwch ihrer Pflicht als Vaterlandsverteidiger genügen. Tie Sorge für guten und passenden Nachwuchs lastet schwer aus den Misiions- häusern und den übrigen verantwortlichen Stellen. * Seit Wochen hing das Damoklesschwert der Ausweisung über den in China lebenden Deutschen. Man wollte ihnen in Australien Unterkunft geben. Wie diese beschaffen lein würde, darüber verlautete nichts Gewisses, doch ließ die feindselige Stimmung der Australier und Engländer fürchten, daß der Wohnsitzwechsel für unsere Landsleute im fernen Osten völlige Verarmung und Verelendung nach sich ziehen würde. Diese Gefahr ist nun glücklich abgewandt. Es ist, wie schon im Reichstage mitgeteilt wurde, den deutschen Vorstellungen auf der gegenwärtig im Haag tagenden Gefangenenaustausch- Konferenz gelungen, den englischen Plan zu vereiteln. Die britische Regierung hat sich darauf beeilt, in Peking die Zurückziehung der von China bereits erlassenen Auswei- sungs- und Versendungsbesehle zu erwirken. So ist also noch in zwölfter Stunde die von England betriebene Deportation der Deutschen laus China verhindert worden. Hoffent- lich kann nun auch das Liebeswerk der Baseler Mission ungehindert weiter betrieben werden, das trotz mancherlei Schwierigkeiten während des Jahres 1917 fortgeführt worden ist. Nach den beim Baseler Mutterhaus eingegangenen Arbeitsberichten haben 1917 seine Missionare 1028 .Hcidcntaufen vollzogen, davon 905 an erwachsenen Täuflingen. kirchliche Anzeigen. Sonntag den 11. Juli (7. nach Trinitatis). Tie Verödung der deutschen Missionsseminare durch den Krieg wird am besten ail dem Verspiel der Berliner Mission erkannt und gewürdrgt. Während in ihrem j Seurrnar bis 1914 in der Regel 50 Zöglinge herangebildet wurden, gibt es irach erner im „Reichsbotcn" veröffentlichten Mitteilung zurzeit dort nur einen einzigen. | Und das ist ein im Zivildienst tätiger Kriegsbeschädigter. Alle übrigen ehemaligen Se-' minaristen stehen entweder im Felde oder sind bereits gefallen. Jni günstigsten Falle dürfte kaum die Hälfte der früheren Zöglinge in die Anstalt zurückkehren. Ihnen eröffnet sich beim Friedensschlüsse vermutlich ein so großes Maß von Arbeit, daß sie es allein nicht bewältigen können. Es ist deshalb dringend erwünscht, wenn sich junge Leute, die Lust und Befähigung zum Missio- j Kollekte für den Bau einer evangel. Kirche in Gaualgesheim. G o t t e s d i e n st. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9 1/2 Uhr: Pfarr- assistenr Liz. Reuning. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- gemeiude. Pfarrassistent Liz. Reuning. — Mittwoch den 17. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. Zn der Zobannerkircho. Vormittags 8 Uhr: fällt aus, siehe Stadtkirche! — Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirchc für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Drühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei N. Lange. Giehen.