Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen Nr- 27 Gießen, 6 . Sonntag n. Trinitatis, den 7. Juli 1918 7. Iahrg. Sonnenschein. Psalm 84, 12 . Gott der Herr ist Sonne nnd Schild. Auf den Wiesen lag er, ans dem braunen Ackerfeld; er flog hinüber bis zum fernen Buchenwald, der lichtgrün leuchtete, undw-ie sah das Dorf so aus; er spielte in den Haaren der Kinder, die auf meiner Treppe saßen, an den Giebeln der Häuser, im Staub der Straße — ich wollte die Arme ausbreiten: Gott grüß dich, lieber Sonnenschein ! Ich ging in ein Haus hinein. Drin saß eine junge Frau mfl traurigen Augen und schwarzem Kleid. Sie hatte ihven Mann im Küieg verloren; ein blonder Knabe war der tzinzige Zeuge ihres Glücks. „Wissen Sie, ich kann mich nimmer freuen; auch der Sonnenschein tut mir weh." Mir siel der Soldat ein, der neulich bei Noyon mitge- stürmt, mein Bruder; wo er wohl ist, ob er noch lebt? Er hat an der Bzura gekämpft, war vor Warschau verw!undet und lag lang im Regen von Amiens. Freilich, es ist Gott, der den Sonnenschein schickt. Wenn wir jetzt die Tränens rinnen lassen, stellen wir unserm Vertrauen aus ihn ein schlechtes Zeugnis aus. Wenn wir jetzt nur Grau in Grau sehen, machen wir selber unser Leben trostlos. Wenn wir die Flügel hängen lassen, schädigen wir unser Vaterland. Man möchte manchmal den Mut verlieren, wenn kein Ende abzusehcn ist; aber auch der Wanderer, der durch Regen geht, setzt sich nicht an einen Rain und streckt die Glieder von sich, sondern zieht die Mütze tiefer ins Gesicht und schreitet weiter; einmal muß doch Sonne kommen. Ein großes Heer versteht die Sprache des Sonnenscheins nicht. Das sind die Glücklichen, die vom Krieg Unberührten, viele Reiche, die Wucherer, die Leichtsinnigen, die kleinen Gesetzesnrcnschen, die kalten und mitleidlosen Seelen. Sie reißen ihrem Bruder die letzte Kraft aus dem Leib; sie sind die scytimmsten Feinde unserer Soldaten, sic sind Verräter ihres Vaterlandes. Sie werden einst ein schlimmes Gericht über sich ergehen lassen müssen, wenn erst die Heimkehrenden fragen: Warum hat sich mein Weib blind geweint, warum hat mein Kind nach Brot gehen müssen? Auch der Sonnenschein ist ein Bote Gottes. Er will uns sagen: Breit auch du Sonnenschein um dich aus! Sonnenschein! Ja, gib unserm ganzen Volk wieder mehr freundliche Tage ! Wir schauen zu lange Regen und Blut. Scheuche, Gott, -alle bösen Geister fort, die unter uns spuken und Furcht und Grauen in die Seelen jagen! Wir haben so viele grüblerischen Gedanken. Zerstreue sie, Gott, wie die Sonne den Nebel zerstreut! Deutsche volkspoefie aus triegsrischer Zeit. Ein Leser unseres Gemcindeblattes brachte mir neulich das Gedicht, das im nachfolgenden zum Abdruck gelangt. Ter Verfasser ist der vor ungefähr 6 Jahren im Mter von 73 Jahren verstorbene Landwirt Kvnrad Pfeffer aus Hachborn im Kreise Marburg. Er hat das Gedicht vor ungefähr 40 Jahren einem Freunde >aus Geilshausen mitgeteilt, und auf dem Wege über Geilshausen ist es nach Gießen gekommen. Kvnrad Pfeffer, dessen Sinnesart man ohne w!eiteres aus diesem Gedichte kennen lernt, gehört in die Reihe der begabten Volksdichter, die . man nicht selten im deutschen Bauernstände findet. Bon Tichtereitelkeit war er ganz frei, kaum jemals ist eins seiner Gedichte gedruckt worden. Das Gedicht, das hier unseren Lesern mitgeteilt wird, ist eigentlich nicht druckfertig, verschiedene Unckenheiten in Reim und Rhythmus, Bilder, die nicht ganz zu- treffen, finden sich darin, -einzelnes ist nicht ohne Erklärung verständlich. Dennoch habe ich mich nicht entschließen können, wesentliches zu ändern, um den Eindruck, den diese schlichte, innige nnd fromme Volkspoesie macht, nicht zu verwischen. Kvnrad Pfeffer war kein Literat, sondern ein Volksdichter, der das, was ihin das Herz bewegte, in Verse faßte, weil er nicht anders konnte, weil er seiner Gedankenwelt und seiner Stimmung diesen Ausdruck geben mußte. Die schönen deutschen Volkslieder, deren Verfasser niemand kennt, mögen auf ähnliche Weise -entstanden sein. Wie mir der in Gießen tefreTt&e Neffe dieses Dichters, Herr Oekonom Preiß, mit- - teilt, so hat Kvnrad Pfeffer den ganzen Feld- . zug 1870/71 mitgemacht und ist wieder glück- : sich nach Hause zurückgekehrt. Tie vierte . | Strophe ist ohne nähere Erklärung nicht ver- j stündlich, hier' nimmt der wegziehende Sol- : I dat Abschied von seiner späteren Braut und I Gattin. Er hatte sie schon vor seinem Aus- - Marsche im stillen geliebt, aber es war nicht :! zur Aussprache gekommen. Als der junge ! Mann während des Krieges einen Gesan- - 106 - genentrausport y\i geleiten hatte, bat er seine spätere Frau, nach Marbuxg ans den Bahnhof zu kommen, nnb dort haben sich die beiden verlobt, um gleich nach dem Kriege vor Den Traualtar zn treten und dann miteinander in glücklicher, wenn auch kinderloser Ehe zu leben. Tie „allerliebsten Kleinen", die in dem Gedichte erwähnt werden, find^ die damals noch kleinen Neffen und Nrchten des Dichters. H- B. * Der Abschied aus meinem Vaterhaus am 21. Juli 18 70. Ich dachte oft in schönen Feierstunden «till in der Einsamkeit darüber nach, Was ich von deiner milden Land empfunden. Du treuer Gott, bis zu dem heut'gen Tag. Es glänzten mir gar oftmals Helle Sterne, ^ch sah zur Zeit die schönsten Rosen blühen, Und nun auf einmal muß ich in die Ferne, Ach welcher Schmerz, ans {meinem Vaterhause ziehen. Man ruft jetzt Krieg in allen Welten, L-o schallt's durch Stadt und Land in jedem ,, . Haus, Und wenn's der treue Gott nicht mehr wird ^ , wenden, So muß noch mancher ziehen hinaus. Und darum reiche ich auch heute wieder Drr meine Hand, vielleicht zum letztenmal, £ 0 $ sei nur nicht so ängstlich, nicht so bange, Wir sehn uns wieder dort im Hochzeilssaal. Und darum reiche ich auch heute wieder Zum Abschiedsgruß dir diesen Blumenstrauß, Und wohl das letzte meiner schönsten Lieder Lei dir geweiht, du liebes Vaterhaus. Tenn, wenn ich sonst am lieben Sonntag- „ ~ , , morgen Vom Lchlaf erwacht nach einer sanften Ruh, Lo eilte ich getrost und ohne Sorgen Tem Haus des Herrn, der Heimatkirche zu. Hier eilte ich zu meines Heilands Wunden, Wenn Lündenangst auf dem Gewissen lag, Heer Hab ich manchen Trost empfunden, Teß freu' ich mich bis zu' dem, heut'gen Tag. Ich kann die große Gnade nicht ermessen, ' Dre du, mein Jesus, selbst an mir getan. Und sollt' ich darum deiner je vergessen? Nein, nimmermehr aus meiner Lebensbahn. Ich zähle zwar erst einunddreißig Jahre, Gewiß ist dieses kaum der Rede wert, Und dennoch habe ich. schon viel erfahren In Freud und Leid auf dieser armen Erd. Und so gedenke ich denn heut der Meinen, Da rch aus meinem. Vaterhaus muß ziehen, Da letzt so viele bitter um mich weinen, Werl statt der Rosen Dornen für mich blühen. Ich kann auch meines Vaters nicht vergessen, Der oftmals still irr seinem Lehnstuhl saß Und rühmte dann die alten braven Hessen. Dazu auch oft in seiner Bibel las. Des alten Mannes muß ich heut gedenken Mit seinem ernsten Blick und grauen Haar, Der wußte leicht den Streit >einst zu beenden, Ter zwischen mir und meinem Bruder war. Du edle Mutter, trockne doch die Tränen, Die stromweis stehen in deinem Augenpaar, Du hast irr Glauben, Hoffen, Sehnen So viel getragen nun schon manches Jahr. Und nun auch ihr, ihr allerliebsten Kleinen, Reicht mir in Unschuld eure liebe Hand! Gott schütze euch, führt auch mein Wege auf Erden Recht mehr zurück ins liebe Hessenland. Ihr Lieben alle, wollt mich nicht vergessen. Lchließt täglich mich in das Gebet doch ein, Nacht mich allein, nein alle braven Hessen, Daß uns der treue Gott mög gnädig sein. Und kommt es anders, trifft nach seinem „ , Willen Dre Kugel mich in Kampf und Sturm und Mein letzter Seufzer sei: Du treuer Jesus, >;ch bleibe dein im Leben nnd im Tod. Geschichten und Bilder aus Alt-Gießen. 7. Wie das Gießener Braunstein - bergwerk entdeckt toutb«4 .Zur Zeit, als der Professor von Klipstern noch den Lehrstuhl der Mineralogie an Unserer Landesuniversität inne hatte, sollte sein Jnstitutsdiener, ein jünger Bursche von Leihgestern, der mitunter auch zu gärtnerischen Verrichtungen herangezogen wurde, Blumen in Töpfe Umsetzen. „In der Linuermark, da weiß ich aber ein Plätzchen, da gibt's gute Blümenerd; ich will einmal ein Säckchen voll mitbringen," meinte der Bursche, und als der Herr Professor die vermeintliche Blumenerde zu Gesicht bekam, rief er ganz erstaunt aus: „Aber Lerpp, wie kommen Sie denn dazu, das ist ia ganz reiner Braunstein!" Die Wichtigkeit dieser Entdeckung mag der Professor von Klipstein sofort erkannt haben, aber auch die enormen Schwierigkeiten, die einer Nutzbarmachung derselben im Wege standen, und er mag sich gesagt haben, daß, abgesehen von einem großen Betriebskapital, Eigenschaften dazu erforderlich seien, die er nicht besaß. Selbstlos gab er daher die Sache preis, und ein Bergmeister von Friedb>erg nebst seinem Sohne, der ebenfalls Bergbeflissener war, nahm sie auf. Von diesen wurde dre Fundstelle auf ihre Ergiebigkeit und der Braunstein auf seinen Gehalt und auf seine Güte eingehend untersucht und alsdann das Schürfrecht erworben. An dem Unternehmen beteiligte sich noch ein Hof- 107 gerichtsadvokat aus Gießen, der sich nebenbei für Bergbau sehr interessierte, hier aber wohl mehr als kapitalistische Kraft der Gesellschaft beigetreten war. In der neueren Zeit würde man die Sache ganz anders angefaßt haben. Mit der Gründung einer Aktiengesellschaft wären die nötigen Betriebsmittel für ein so aussichtsvolles Unternehmen leicht beschafft worden, und ein tüchtiger und erfahrener Fachmann, dem man die technische und kaufmännische Leitung des ganzen Betriebs hätte anvertrauen können, hätte sich! Wohl auch gesunden. Wenn jedoch eine Gründung aus schwachen Füßen steht, wenn sie immerfort neue Opfer verlangt, und wenn trotzdem der erwartete Gewinn ausbleibt, dann entsteht Unzufriedenheit, diese führt zu Zwistigkeiten und endigt in der Regel mit einem Prozeß. So mag es auch hier der Fall gewesen sein; denn ein Prozeß wurde anhängig gemacht, der nach dem alten, schleppenden Verfahren und bei der Hartnäckigkeit der Gegner erst nach dreißig Jahren sein Ende erreichte, obwohl der Engländer Fernie, dem unerschöpfliche Mittel und eine große Geschäftserfahrung zur Seite standen, das Bergwerk inzwischen übernommen hatte. Man erzählte sich später, daß zur Fortschaffung der Akten dieses Prozesses von: alten tzofgericht nach dem. ncuerrichteten Gerichtsgebäude an der Ostanlage ein völlbeladener zweispänniger Letterwagen erforderlich gewesen sei. Neuerdings im Besitz der Firma Krupp, befindet sich das Bergwerk Wohl in den besten Händen. Ter Diener Seipp, durch dessen Zutun der Fund gemacht worden war, war nicht wenig stolz auf seine Mithilfe, er hielt sich so für ausersehen Und berufen zu weiteren wichtigen Entdeckungen. Sein Augenmerk richtete er vornehmlich darauf, die Mineralien des Heimatbodens für industrielle Zwecke nutzbar zu machen. Ter weiße Sand aus den Wiesecker Gruben, die Kreide aus der Garbenteicher Gemarkung, der Ton aus den Kauten an der Lindener Mark sollten unter Beimischung von anderen Produktes hauptsächlich für Glashütten, Steingutwerke Und Töpfereien brauchbar gemacht werden. Und alle möglichen Versuche wurden darüber angestellt. Seipp hatte sich nämlich in seiner Eigenschaft als Jnstitutsdiener alle ihn: zugänglichen Kenntnisse zu verschaffen gesucht, die er hierfür anzuwenden gedachte. Ob er jemals einen Erfolg errungen hat, ist nicht bekannt geworden. Aus seinen zuversichtlichen Erwartungen Und Hoffnungen machte er kein Hehl, nnd fand er einen willigen Zuhörer, so ließ er ihn nicht eher los, als bis er ihm alles vorgetragen hatte und mit seinem Privattssimum zu Ende war. Manchem alten Gießener wird die originelle Persönlichkeit des „Bergrats Seipp" von Leihgestern, wie er allgemein genannt wurde, noch in freundlicher Erinnerung stehen. H. H—r. Die evangelische Mche und die Ninderpflege. Was die evangelische Kirche an den Kindern tut, weist eine Zusammenstellung nach, die der Vorsitzende der Konferenz für christliche Kinderpflege, Pfarrer Alberts in Halberstadt, ans Grund einer Umfrage vom November v. Js. ausgearbeitet hat. Danach stehen von den Schwestern und Kleinkinderlehrerinnen des Kaiserswerther Verbandes deutscher Tiakonissemnutterhäuser zurzeit 3743 in 3093 Pflegestätten im Dienst von 204 855 Kindern. Im einzelnen verteilen sich diese Zahlen folgendermaßen: In 198 Krippen arbeiten 334 Schwestern an 6538 Kindern; in den 49 Säuglingsfürsorgestellen haben 77 Schwestern 2768 Kinder gesammelt. Tie Hauptarbeit luirb an den Knaben und Maschen des vorschulpslichtigen Alters (3 bis 6 Fahren) geleistet. In 2295 Kinderpflegen (auch Kleinkinder- oder Warteschulen genannt) scharen sich! täglich 164 763 Kinder um 2866 Schwestern! Dazu kommen 5 Kindergärten mit 6 Schwestern und 239 Kindern und 49 Bewahranstalten mit 90 Schwestern und 4002 Kindern. 89 Kinderheime zählen 197 Schwestern und 4481 Kinder. In 117 Kinderhorten werden von l30 Schwestern 6991 Kinder des schulpflichtigen Alters während der schulfreien Zeit beaufsichtigt und unterwiesen. In 260 Näh- und Strickschulen erziehen und beschäftigen 209 Schwestern 13 923 Mädchen, Endlich! haben 134 Schwestern 31 Heimaten ausgetan für 1150 Kinder, die .sonst heimatlos wären. Wieviel Kindernot offenbaren dixs.e Zahlen, aber auch wieviel liebevolle Hilfe! Zweifel - los geschieht, ganz abgesehen vom Kinder- gottesdicnst, zum Wohl der Kinder noch! viel mehr in der evangelischen Kirche. Wer darüber waren jetzt in der Kriegszeit keine bestimmten Zahlen zu erhalten. Jene Zusammenstellung zeigt, daß die Diakonissen- mUtterhäuser mit ihren vortrefflichen Aus- bildungsstätten die HaUPtttäger der Arbeit sind. In Norddeutschland stehen voran Bethel bei Bielefeld mit 16 000, das Cäcilien- sttft in Halberstadt mit 11 244, Witten an der Ruhr mit 7800, Kaiserswerth a. Rh. mit 5186, Frankenstein i. Schl, mit 4370,. Kö- Uigsberg i. Pr. mit 4113, Breslau-Lehm- graben mit 3691, Kreuznach mit 3410, No- wawes bei Potsdam mit 3120 Kindern; in Süddeutschland Gr.-Heppach in Württemberg mit 26 100, Nonnenweier i. Baden mit 22 750, Karlsruhe mit 11420, Neuendet- telsau in Bayern mit 7141 und Darmstadt mit 4462 Kindern. Der Krieg stellt seine Forderungen gebieterisch. Wie vor hundert; Jahren die Krankenpflege die vornehmste vaterländische und kirchliche Pflicht wurde, so ist es jetzt die Kinderpflege. Jedoch alle Mutterhäuser klagen über Schwestcrnman- gel! Die Pflicht, sich der aufsichtslosen Kinder zu erbarmen, wächst, je länger der Krieg - 108 - durch die Landwirtschaft und Rüstungsbe- triebe die Mutter ihrem gxtttfe fernhält, immer mehr. Wer tritt in den zwar Oer» antwortungsreichen, aber sehr lieblichen Dienst an den Kleinen ein? Es gilt die Zu- ftinft unseres Vaterlandes, daher die herzliche Bitte an alle evangelischen Jungfrauen, die Liebe zu den Kindern haben, mitzuarbei- ten an der Erziehung Jungdeutschlands! „Fürchte dich nicht!" Ich vertraue dir, Herr Jesu, Ich vertraue dir allein! Wohl kein Ausspruch ist in der Bibel häufiger zu finden, als dieser eine: Fürchte dich nicht! und jedesmal, wenn ich ihn finde, berührt er mich Mit unaussprechlicher Freude. Tenn ist die Furcht nicht etwas im Menschenherzen tief SSoJjmQtfceg, eine Macht, die uns zu überwinden viel Mühe bereitet? Wie oft ist die Furcht vor dem, was uns die Zukunft bringen könnte, unsere größte Sorge, oft können wir sie gar nicht bemeistern. Wie wohltuend und tröstlich ist es uns dann, wenn jemand Liebes uns gut zuredet und Mut macht. Wer in jetziger Zeit hätte nicht mit solcher Mutlosigkeit zu kämpfen? Wre geborgen aber in allen äußeren und inneren Lebensnöten müssen wir uns fühlen, wenn wir dieses Heilandswort: Fürchte dich nicht! uns zu eigen machen. Und das können wir getrost tun, wenn wir den Nachsatz: Glaube nur! in uns aufnehmen. Das eine geht nicht ohne das andere. Nur dann kann die Furcht nicht mehr Macht über uns gewinnen, wenn wir völlig uns von dem leiten lassen, der gesagt hat: Fürchte dich nicht, glaube nur! Ich kann allein nicht gehen, Nicht einen Schritt, Wo du wirst gehn Und stehen, Ta nimm mich mit! Baronin R. Meine Mitteilungen. Wir sind oft der Meinung, daß soziale Einrichtungen erst in der neueren Zeit geschaffen worden seien. Daß dies nicht zutrifft, geht aus einer Mitteilung hervor, die wir in einer alten Zeitschrift finden, die den Titel trügt „Ephemeriden der Menschheit oder Bibliothek der Sittenlehre, der Politik !und der Gesetzgebung" und einst in Basel gedruckt worden ist. In: Jahrgang 1777 dieser Zeitschrift steht folgende Nachricht: „In Gießen ist neulich zur Versorgung der armen Kinder eine Spinnstube angelegt worden. Die Einrichtung ist die: die Kinder kommen vor Anbruch des Tages in die Spinnstube und bleiben bis 10 Uhr abends da; um 11 Uhr mittags bekommt jedes Kind- ein Pfund Brot und kann alsdann, so wie auch gegen Abend, auf eine Stunde zu Hause gehen; was jedes am Spinnerlohn verdient, wird ihm sogleich und ohne den mindesten Abzug verabreicht Vormittags von 8 bis 11 Uhr wird diesen Kindern zugleich Unterricht im Christentum gegeben. In der Spinnstube ist eine Büchse hingehängt, darein die Leute, welche die Spinnerei, besehen, nach Gefallen hingeben, und von diesem Gelde teilt der Herr Stadtsyndikus Balser, der überhaupt die ganze Einrichtung besorgt hat, den fleißigen Kindern Prämien aus, die freylich nicht so ansehnlich sind, als sie einige Academien der gelehrten Welt austeilen, die aber in der Spinnstube wenigstens ebensoviel ausrichten. Es sind biß itzo 39 Kinder angestellt, theils Buben, theils Mädchen, davon viele schon ; ganz fertig Wolle spinnen, die übrigen aber noch in der Lehre sind, und es kommen täglich mehrere dazu." * Wie die „Kölnische Volkszeitung" meldet, hat der Jesuitenorden in der Albertusstraße und in der benachbarten Friesenstraßc' za Köln zwei sich ergänzende Grundstücke für seine dortige Niederlassung erworben. Nach dem genannten Blatte ist damit sticht die Einrichtung eines Gottesdienstraumes für die | Oeffentlichkeit beabsichtigt. * .Ter Rückgang in der Ausbildung von ! Missionaren und Missionsschwestern infolge ! des Krieges wird allein durch die Tatsache beleuchtet, daß sich im Baseler Missionshaus wahrend des Krieges nur ein Zögling befand. Die Sicherung des missionarischen Nachwuchses nach dem Friedensschlüsse ist vom • Missions-Inspektor Liz. Schlank aus der letzten Tagung der Norddeutschen Missions- Gesellschaft in Bremen mit Recht als eine der schwersten und wichtigsten Aufgaben des evangelischen Deutschlands bezeichnet worden. kirchliche Anzeigen. Sonntag den 7. Juli (6. nach Trinitatis). G o t t e s d i e n st. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr. zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Matthäusgemeinde. Pfarrassi- stent Liz. Reuning. — Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schwabe. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. 3» der Zohanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. — Vormittags 9y 2 Uhr: Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes gemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Abends 8 Uhr: Bibelbesprechuna im Johannessaal. — Mittwoch den 10. JUü,. abends 8 Uhr: Kri-egsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. V-rantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag derBrühl'schen UnivkrsttSts-Duch.imd Steindruck«»-:. R. Lange. Gießen.