Gemcindeblatt für die evangelische Birchengemeinde Gießen Hr. 3 Gießen, Ssnncag 2. nach Ephanias, den 20. Januar 1^18 7. Iahrg. Blumen im Erdental. Evangelium des Johannes 13. 35. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habet. Was ist Leben? Darauf gibt ein Dichter unserer Tage die treffliche Antwort: „Wenn du der Nächsten Pfade mit Blumen zierst itni dunklen Erdental, und wenn du ihnen durch des Höchsten Gnade ein Segen bist, ein lichter Sonnenstrahl." Wie anders sähe es in der Welt aus, wenn dies Wirklichkeit geworden toäre, wenn auch nur bei denen, die ernstlich Jesu, des Königs der Liebe, Jünger sein wollen! Als der Krieg begann und das Gegenteil von Liebe in der Welt offenbar wurde, auch unter den Angehörigen sogenannter „christlicher" Böller, hat man von einem „Bankerott des Christentums" geredet. Man hätte ehrlicher von einem „Bankerott der Christen", derer, die angeblich Jesu Jünger sein wollten, sprechen sollen. — Tie Welt verlangt etwas von den Christen. Und sie hat ein Recht darauf. Woher soll denn die Liebe in die Welt kommen? woher das SidEjt in ihr strahlen? wer soll die Mumien der Liebe ins dunkle, liebeleere, liedalte Erdental streuen, wenn es nicht die Jünger dessen tun, der uns Kuerst geliebt bat mit einer Lwbe, die sich selbst für uns dahingegeben? Eine gewisse Liebe, Fürsorge, Hum!anität hat auch die Welt, die nichts von Je'us wissen will. Das wollen wir ehrlich anerkennen. Aber eins tat sie nicht, kann sie nicht haben — und das ist die Seele der Liebe — nämlich die Liebe zur Seele! Welch ganz neuen, köstlichen Ewigkeitswert bekäme unser Leben, wenn wir auch.nur einer Menschenseele durch unsere Liebe za ihr und zu den Brüdern den Weg gewiesen hätten zur größten Liebe, zur Liebe Jesu, des Heilands der Welt! Taurvetter. Ueber Nacht ist es gekommen, doch' nicht ganz unerwartet. Es lag in den letzten Tagen schon in der Luft. Kündige Leute, Menschen, die schon jahrzehntelang die Natur beobachten, sagten bereits: wir bekommen Tan- wetter, aber ich legte auf ihre Reden wenig Gewicht. Iw diesem Kriege haben wir schon so viele Prophezeiungen gehört, daß wir keiner mehr Glauben schenken, auch nicht, wenn jie sich nicht nur auf Kriegsereignisse, sondern > auf das Wetter bezieht. Auch als gesagt wurde, daß wir Südwestwind hätten und ein Witterungsumschlag zu erwarten wäre, wollte es mir noch nicht recht in den Kopf, daß die Schneemassen aus Dach und Feld in das Schmelzen kommen sollten. Da — es war eine Stunde vor Tag als ich noch im Bette lag und Dunkelheit das Zimmer füllte, hörte ich! ein leises Hämmern und Klopsen, das sich! in gleichmäßigen Intervallen immer wiederholte. Anfangs, als ich noch vom Halbschlaf umfangen war, schenkte ich diesem Geräusche wenig Beach- hing, mit einem Male aber fuhr ich freudig indie Höhe: was da hämmert, das sind die Regentropfen, die aus das benachbarte Dach niederfallen. Wenn es aber regnet, so ist dte Witterung umgcschlagen. Und richtig, als ich eine Stunde später zum. Fenster hinaussehe, da riefelt es vom Himmel, Wasserlachen haben sichl aus der Straße gebildet, die Dächer sind von der Schneelast be/reit, die schmutziggrauen Schneehaufen, die allmählich zu Eis geworden waren und auch der Beilpicke wider standen hätten, werden kleiner und kleiner, der Zeitpunkt ist nahe, da sie völlig in Wasser zerfließen. Gott sei Tank, daß die strenge Kälte vor über ist. Vor dem Kriege haben sehr viele* unter uns an dem Winter ein ästhetisches Entzücken gehabt. Weibe, weiße Schneefel der, der über und über mit Schnee belastete Baum, die Kristalle vor den Fenstern, die glitzernde Eisbahn, das brachte das Blut der modernen Menschen in Wallung, ihren Geist in freudige Erregung. Wir waren in unseren Häusern so gut gegen die Unbilden des Winters geschützt, daß wir gern, wenn wir im Freien waren, die Kälte in Kauf nahmen. Mochte auch der Nordost wie mit Nadeln stechen, im Hintergrund unseres Bewußtseins stand immer die warme Stube. Nun sind wir wieder zum Standpunkt unse-er Altvordern zurückgekehrt. Tie waren ein mannhaftes Geschlecht, aber vor deni Winter fürchteten sie sich'. Durch ihre Häuser pfiff der Wind, Fenster und Türen waren undicht, die Kamine rauchten. Keiner hat in alter Zeit die Raulcheit des Winters besser geschildert als Walther von der Vogelweide. Jin Somlmer mochte der Sänger wohlgemut durch das Land' streifen, im Winter war er froh, irgendwo in einer Burg nnter- zuschlüpsen. Er hat gesungen: Uns hat des Winters Kält' und andere Not viel getan 10 zu leibe, ich, glaubte, baß ich nie mehr Blumen rot sah, aus grüner Herbe. Ein andermal klagt er: Schmerzlich bedrängte ber Winter uns all, Felder und Wälder betrübt ihr Verfall, und er wünscht: Könnt' ich im Winter verschlafen die Zeit! Was ber jahtende Sänger vor 700 Iahten empfand-,_ bas ist uns jetzt wieber kun-b geworben. Tie Tage der KoUennot ivaren doch zu schwer, nnd mit Granen denken wir an den vorigen Winter, da Wochenlang -alles zu Stein und Bein gefroren war. . . Tanwetter hat so -etwas Frühlingsmäßr- ges. Bor J-atzren — es mar gerade der 13. Januar — ging ich in einer rheinischen Stabt -an einigen Männern, -die vom Holzfällen ans dem Walde kamen, vorüber und hörte einen Alten unter ihnen sagen: „Von der Kall sein m-er noch, net befreit, aber kaan schlimme Winter kriege mer net mehr." Der Frühling ist jetzt freilich, noch weit, aber es ist doch anzunetzmen, baß die strengste Kälte gebrochen ist. Unsere Herzen schöpfen neuen Lebensmut, -es geht der guten Jahreszeit entgegen. Und zaghaft -wagen wir auch, zu hoffen, baß -auf bas tausendfache Leib dieses Krieges bald bessere Tage folgen. Eichener ZeriMgsmserttte vor 80 Jahren. (Fortsetzung statt Schluß.- Jn ber Zeit, die wir hier im Auge haben, war der Wohlstand ber deutschen Bevölkerung im Aufsteigen. Man begann in Deutschland sich, von den Verheerungen der napoleouischen Zeit wieder zu erholen, langsanr heilten die Wunden dieser unseligen Zeit aus, allmäh-- licr- wurden die Kriegsschulden getilgt, Hand- *werk unb S'rxbuftrie gingen aus den engen Zuständen der alten Zeit heraus, unb der Landmann fand für seine Erzeugnisse neue Absatzgebiete. Tie Folge war, baß bas Vergnügungsleben sich allenthalben regte; denn es ist einmal in der Welt so, baß gute Zeiten ker (so wurde -der Name damals geschrieben) aus vein S-chisfenberg macht in beur genannten Jahre bekannt: „Zu dem Samstag, den 4., Sonntag, den 5., unb Montag, den 6. August, -au, dem Sch-iffenberg sta.t.indenden H-aupt-Gaben-Schieß-en labe ich hiermit hos lich-st zur Theimahme -ein, mit ber Bemerkung, baß Herr Schierhvlz und Eomp. mit Harmonie- und Tanzmusik an beir beiden letzten Tagen -aufwarten werben." Louis Ostw-cno kündigt an: „Wenn es die Witte rung erlaubt, wirb morgen, den 16. -sep tember, zum erstenm,al aus dem Hardthofe in dem unteren Wirttchaftslokale gute Tanzmusik Statt finden — Zugleich, bemerke ich, daß zur Ausn-ahme der Gäste auch- die oberen Zimmer, die wegen Kürze ber Zeit noch nrcht eingerichtet waren, bestimmt sind. Gut abgelagertes Bairisches Bier, welches ich wreber erhalten habe, verzapfe ich sch-oppen- unb % maas,laschen,veis-e." Daß die Gieße- ner, die damals nach Klein-Linden ihre Spaziergänge -einrichteten, gerade nicht anspruchslos waren, geht aus einer Anzeige hervor, die -ber Gastwirt Ludwig Reuschling bortselbst im J-ahre 1837 erlassen hat: er schreibt: „Dem Wunsche meiner verehrten Gäste zu entsprechen, habe ich die Einrichtung getroffen, baß Montags und Donnerstags Abends, wenn die Witterung gut ist, verschiedene warme Braten serviert werben, wozu ich mit reinen preiswürdigen Weinsorten aufwarten werbe, und um gütigen Zuspruch bitte." Direktor des Gieß-ener Theaters war in diesen Jahren Friedrich! August Friese. Er führte zumeist gute Stücke auf, so Dramen von Schiller, Körners Raupach, Bauernfeld, Raimund und Beneoix, brachte aber auch die leichte Ware von Angelt), Kvtzebue, Nestrov auf seine Bühne, j-ed-enf-alls, weil die'e Sachen von dem Publikum gewünscht wurden. Ta m-als wollte man sich int Theater eigentlich nur auf gute und bequeme Art unterhalten, darum wurden so oft Possen und Lustspiele ein Änschw-ell-en ber Vergnügungen unb - -aufgeführt, diese waren -aber alle sittlich nu- Volksbelustigungen anfweifen. Um das Jahr 1840 fehlte es in und um Gießen nicht an Vergnügungen. Das merkt m-an, wenn man die damaligen Z-eitungsinser-ate durch- stubiert; zum Teil vergnügte man sich ba- mäls -auf -andere Art als heute. Im allgemeinen kann Mian sagen, baß die Menschen vor 80 Jahren in dieser Hinsicht noch- harmloser und naiver w-aren, als -es.heute ihre Rach-komMen sind. Ilm Juni 1838 macht der Gastwirt Hornivius zum goldenen Löwen in Hohensolms bekannt: „Montag, den 18. d. M., wirb der berühmte Wollmar kt dahier abgehalten, und soll -an diesein Tage, wie gewöhnlich-, wenn eine zahlreiche Gesellsch-aft hierzu Lust zeigt, in meiner Behausung ein Ball Statt finden, wozu unter der Zusicherung einer reellen Bedienung alle Freunde der Musik und gesellschaftlichen Unterhaltung ergebenst ieingelaben w-erben." Friedrich Lin- anstößig. Heute wird dem Publikum im Theater viel schwerere Speise geboten, die Dramen von Ibsen, Schönherr, Sndermami. Gerhart Hauptmann, Eulenberg und von vielen anderen rollen bedeutende Probleme v-or uns auf unb stellen -an die Fassungs kraft des Besuchers keine kleine Anforderung. Beliebt w-aren vor 80 Jahren die Stücke, die Doppelnamen trugen. So führte Friese ans: Ter Ritter von Saint Georges oder: Der Mulatte, Die S-chm-ester von Prag oder: Ter Schneider Kakadu, Schloß Grevenstein oder: Ter SamMthandschnh (Ritterschauspiel und Gemälde aus der Vorzeit in 5 Akten nebst einem Vorspiel), sowie Das Turnier zu Kronstein ober: die drei Wahrzeichen. Ritterstücke waren mithin danials noch- sehr beliebt. Das Gießener Publikum scheint in dieser Zeit noch nicht in allen seinen Schichten bei den Theateranfführungen das rick 11 tige Verhalten beobachtet zu haben; baut, Kreis rat Knorr wirb nicht ohne Grund beim Wiederbeginn der theatralischen Vorstellungen inr September 1838 folgendes bekannt gemacht haben: „Während der Vorstellung dars^Niemand einem Tritten durch! seine Stellung oder sein Betragen beschwerlich fallen und müssen Kopfbedeckungen, wenn solche die freie Aussicht auf die Bühne hindern, abgenommen werden. Das Betreten der Bühne und der GarteroLenzimmer sowie auch das Besuchen der Proben ist allen zu der Schausprelergesellschaft und deren Bedienung nicht gehörigen Personen untersagt. In allen zum Theater gehörigen Räumen darf weder Tabak geraucht, noch jemand, auch ohne zu rauchen, die Pfeife oder Zigarre im Munde führen. Das Mitbringen von Hunden ist untersagt." Friese war nicht nur ein künstlerisch gebildeter, sondern auch ein ordentlicher und vorsichtiger Mann; denn 1840 gab er bekannt: „Ta meine Mitglieder und ich alle unsere Bedürfnisse gleich bar bezahlen, so bitte ich ergebenst, Niemandem auf unsere Minen etwas zu borgen, ohne mir vorher eine Anzeige davon zu machen, widrigenfalls ich unter keinem Vorwände für meine Mitglieder Zahlung leisten werde." (Schluß folgt.) Ern Erlebnis. Von Wilhelm Barthel- Gießen. Im Jahre 1849 kani ich! am 1. Oktober mit einem Bremer Segelschiff nach sechs- wöchiger Fahrt in Nenhork an. Mein jüngerer Bruder wurde nnr ein Jahr später nachgeschickt. Sechs Jahre befand ich mich nun säum daselbst und hatte mich vollständig in die dortigen Verhältnisse eingelebt, da übte der Krimkrieg einen lähnrenden Einfluß aus das Geschäftsleben an meinem Wohnorte aus, und ieS wurde immer schwerer, Beschäftigung zu erhalten. Ein guter Freund von mir war kürzlich nach Rochester inr Staate Neuhork mit seiner Familie übcrgesiedelt und schrieb mir nun, daß ich mit nreinem Bruder dorthin kommen solle, da sich dort für uns beide gute Gelegenheit zum Fortkommen brete. So brachen chir denn im Jahre 1855 unser Zelt lab, jund ich verließ schweren Verzens, nur der Notwendigkeit gehorchend, mit meinem Bruder die mir lieb gewordenen Kreise. In Rochester angekom- »ren, fand mein Bruder bald lohnende Beschäftigung, während sich für mich die Verhältnisse weniger günstig herausstellten, und als nach einem etwa vierteljährigen Aufenthalt daselbst ein großes Turnfest in Cincinnati stattfindcn sollte, an welchen! sich auch der Turnverein von Rochester beteiligen wollte, benutzte ich die günstige Gelegenheit und fuhr mit ihnen nach Cincinnati. Ties hatte ich nicht zu bereuen, da ich hier reiche: Gelegenheit, Mein Können zu verwerten, fand. Nachdem ich hier drei Jahre zuge bracht hatte, brach die sogenannte Cincinnati Krisis aus. Banken brachen, und es trat eine Stockung der Geschäfte ein, dessen Ende vor erst nicht abzusehen war. Wohl war ick,! noch immer beschäftigt, doch mußte auch hier mit einer Stockung gerechnet werden. Meine Eltern, deren ältestes Kind ichl war, hatten mick schon wiederholt zur Rückkehr in die Heimat aufgefordert, 'unb so entschloß ich mich endlich dazu, ihrem Rufe zu folgen. Einen guten Freund in Nenhork beauftragte ich, mir einen Platz auf dem nächstabgehenden Dampf schiff nach Hamburg zu belegen, und ich machte mich nach Abwicklung meiner Geschäfte und nachdem ich Abschied von liebgewonnenen Freunden genommen Hütte, aus die Reise nachl Nenhork. Da ich auf dieser Nv.hr t Rochester berührte, so suchte ich meinen Bruder, um von ihm Abschied zu nehmen, auf. Am Wend nach meiner Ankunft sollte mr Turnverein ein kleines Fest, für das Tyearer und nachfolgender Ball vorgesehen waren, statt, indem Tie,ein Fest sollte ich! beiwohnen: da alle meine Bekannten und auch ein früherer Schulkamerad von mir anwesend sein würden, so leistete ich! auch dieser Einladung Folge, !nnd wir waren noch, recht vergnügt beieinander. Meinen Koffer hatte tcty schon nach Neuhork ausgegeoen und hatte vor. etoa nach Schluß der Theatervorstellung, was ungefähr in die Zeit des Abgangs meines Zuges fallen würde, ausznbrechen So machte ich mich denn nach Schluß der Vorstellung, lueit es die richtige Zeit für meinen Zug war, in Begleitung meines Bruders, eines Schulfreundes und noch einiger Bekannten auf den Weg nach dem Bahnhof, wo mein Zug schon zur Abfahrt bereit stand. Ich setzte mich in ein noch leere- Abteil, wo Meine Begleiter neben mir Platz nahmen, die mich! nun eindringlich beredeten, wieder ausznsteigen und den nächsten Zug, der in etwa anderthalb Stunden ab gehen würde, zu benutzen, da es ja gleichgültig sei, ob ich die kurze Zeit früher oder später dort ankäme. Jetzt würde es ja erst schön werden, und wir könnten noch ein Stündchen gemütlich beieinander bleiben. Ick bttev levoch fest bei meinem Vorsatz. Ein mir selbst unverständlicher Zwang beherrschte wich ganz. Einen Grund für Meine Dickköpfigkeit, wie sie es nannten, konnte ich, nicht angeben. Ich bin sonst nie ein Spielverderber gewesen und ließ mich nnr allzuleicht zum Dableiben bereden, an diesem Tage aber blieb ich, fest bei meinem Vorsatz bestehen, und so verließ mich, endlich! verstimmt meine Begleitung, 'als das Signal zur Abfahrt gegeben wurde. Der Abschied war frostiger, als er unter 'anderen Umständen gewesen wäre. . . Mein Zug fuhr in die Nacht hinaus: Ich selbst befand mich in einer recht gedrückten. ’ 12 Stimmung, der Abschied von meinen! Brüder und ven «deren Wurde mir erst recht fühlbar, ich, machte mir selbst heftige Vorwürfe und zieh mich der Lieblosigkeit, daß ich dem leicht zu erfüllenden Wunsch in unerklärlicher Starrköpfigkeit nicht willfahrtet hatte. So kam ich! denn bei guter Zeit am Morgen bei meinem Freunde in Neuyork an. Wir hatten uns seit drei Jahren nicht mehr gesehen, und ich wurde herzlich bewillkommnet. Sie gratulierten mir zu meiner glücklich>en Ankunft, nannten mich ein Glückskind und überreichten mir ein Morgenblatt. in ivel- ,ch,em eine telegraphische Tepesche berichtete, daß !der mir nachfolgende Zug, zu dem man mich bereden wollte, zwischen Rochester und Utlka verunglückt sei. Eine Brücke war unter ihm gebrochen und der Zug ins Wasser gestürzt. 'Ter Umfang des Unglücks sei noch nicht zu übersehen. Es ist gewiß eigentümlich und geheimnisvoll, was oft unser Schicksal bisttimmt, und .es gibt hierfür, da meine Weigerung, den nächsten Zug zu benützen, wissentlich auf keiner Vorahnung eines bevorstehenden Unglücks beruhte, nur die eine Erklärung, daß Gottes Schutz über mrc gewaltet hat. Ich bin jetzt ein Mann von über 87 Fahren, habe vieles im Leben erfahren, auch hat der Tod schon wiederholt die Hand nach mir ausgestreckt, aber ich bin noch rüstig bei der Hand und es sieht mir niemand mein hohes Alter an. Meinen Bruder habe ich im Leben nicht mehr ae'ehen, ihn deckt schon manches Jahr der Rasen. Es wird auch, schw>erlick einer von den anderen amerikanischen Be- kannten mehr am Leben sein. Meine Mitteilungen. In meine Hände kamen neulich, zwei Büchers die dem hiesigen Lesehallenverein gehören, Conrad Ferdinand Meyers wuchtige, gedankentiese Dichtung „Huttens letzte Tage" und Wolf Schmitthenners Erzählung „Das deutsche Herz". Beide Bücher waren aus das häßlichste verunziert durch Bleistiftnotizen, die in ihnen angebracht waren. Am Schlüsse der Einleitung der genannten Erzählung hat ein unbekannter „Literaturkritiker" die Bemerkung gemacht: „Der letzte Satz ist Unsinn." Tiefe „kritische" Bemerkung gilt dem Satze Schmitthenners: „Nicht die Lehren haben die Welt bekehrt, sondern allein die großen Persönlichkeiten und die großen Kunstwerke." Es gehört schon viel Unreife und Dreistigkeit dazu, diesen Satz für Unsinn zu erklären. Das hat auch, gewiß ein zweiter Leser gedacht; denn er schrieb unter die Be- inerkung seines Vordermanns: „Komische Auffassung: Narrenhände..." Nun ist diese Bemerkung ja gewiß berechtigt, sie durfte jedoch! nicht iu das Buch, geschrieben werden.' Noch schliminer sieht es in dem Buche von Meyer ,aus: auf vie en Seiten Bleisti,tstriche und törichte, über.küstige Bemerkungen. Jeden, der leine derartige Dichtung auf sich wirken lassen will, stören solche Notizen ganz ungemein: es ist ihm! zu Mute, als ob gerade dann, lwenn er von dem Dichter gepackt wird, ein Mensch vor ihn träte, der Gri Massen macht. Das sollte keiner, der Bücher ans öffentlichen Bibliotheken entleiht, vergessen, daß ifjirri' fremdes Eigentum! — iu unserem Falle völlig kostenlos — zur Benutzung übergeben wird. Wer fremdes Eigentum mutwillig erweise beschädigt und besudelt, der ist ein Mensch, den man ner- ,achten soll. * Das Geld, das einzelne unserer Gemeindeglieder neulich, zur Reformationsjubelspende gegeben haben, soll als Grund stock zu einem Kapital für Jugendpflege verwendet werden. Tie diesjährigen Kvnfirmationsfeiern sollen an folgenden Tagen stattfinden: für die Matthäus gemeinde am 17. März, für die Jolannesgemeinde am l. April (2. Oster tag), für die Markus-und Lukasgemeinde am 7. April l Sonn ta g nach, Osternd Mrchliche Anzeigen. Sonntag den 20. Januar. 2. nach Epiphanias. Gottesdienst. 2n der Stadtkirche. Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Mahr. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. — Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Lic. Reuning. — Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäus gemeinde. — Dienstag den 22. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jügcnd der Mark. Gemeinde. - Freitag den 25. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. Zn der Johanneikirche. Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Bechtolsheim,er. 1 — Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausseld. — Abends Vs 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukas g emeinde. — Ab ends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. — Freitag den 25. Januar, abends V26 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Jvhannesgemeinde. D«rantu>«rNich : Pkarrcr Druck und Verlag der Brühilchen Uni»erfltiit»-Buch-und Steiudruckere! R. Lanqe. Gießen.