«icUaa <3 uit 3 .(poq, uojoo?© U3.i3qii0 — 8SI — WV* "" 1 """" Sonntagsyruß ( Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen ^lr. 41 Gießen, Sonntag, 19- nach Trinitatis, den l4Mkcober I9l7 6 Iahrg. Aus dem Oorskirchhose. Brief des Apostels Paulus an die Römer 2, 6—9. Gott wird geben einem jeglichen nach seinen Werken: Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem dingen Leben, aber denen, die da zänkisch sind und ' der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, Ungnade und Zorn, Trübsal lind Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun. Tiefe Stille ist am Spätnachmittag über das Dorf gebreitet: die Einwohner sind zumeist auf dem Felde, nur alte Frauen und Kinder sind zu Hause geblieben. Die alten Frauen sitzen mit der Brille vor den schwach gewordenen Augen hinter den Fenstern, die sich nur um ein geringes über das Straßen- pslaster erheben, sie haben den Strickstrumpf in den Händen oder träumen auch nur ruhig vor sich hin. Die Kinder sitzen aus den Torschwellen. Die größeren unter ihnen hüten, wie das im Dorfe die Regel ist, die kleineren und haben rechte Mühe mit den oft ungebärdigen, schreienden Geschwistern oder jungen Anverwandten. Dieses stundenlange, wochenlange, jahrelange Kinderwarten ist eigentlich für die Dorfjugend ein Martprium, betrügt sie um alle Jugendsreude. Durch die stille Gasse, an geschlossenen Hosreiten vorüber, gelange ich an ein eisernes Tor, das in den Angeln quietscht, wie ich es öffne. Ich trete aus einen Platz, der ein schlechtes, holpriges Pilasteraufweist, und komme dann auf einen Rasenplatz. Nebenan erhebt sich die Kirche. Sie liegt höher als die übrigen Gebäude, auf einem niedrigen Hügel. So hat man in alter Zeit die Kirchen gern angelegt, daß man von ihnen heruntersah auf die Höfe und die Häuser, in denen die Menschen wolmen. Das Gotteshaus stammt aus alter Zeit: dicke Mauern, schmale gotische Fenster, ein uralter, massiger aber wirkungsvoller Turm. Zwischen diesen alten > Mauern mag man schon in vorreformatori- scher Zeit gesungen und gebetet haben. An die Kirche schließt sich de'c Kirchhof mit den Gräbern an. Auch er ist mit Rasen bewachsen: Fichtenstämmchen, die den Mittelweg einsäumen, geben ihm ein stim- mnngsvolles Aussehen. Das Dorf liegt im Tale, bewaldete Berge schauen aus den Kirchhof hernieder, unten rauscht der Fluß, an dem eine vielbesahrene Eisenbahnstrecke entlang zieht. Der Wind braust um Turm und Kirche und schüttelt die Fichtenstämmchen, während ich durch die Gräberreihen schreite. Dort droben aus den Bergen, deren Hänge mit Weinreben bewachsen sind, und drunten im Tale, wo sich die Aecker ausbreiten, schasst und wirkt die lebende Generation, hier aus dem Acker Gottes schläft die vergangene Generation, das Geschlecht, das einst die Aecker und Weinberge und Häuser im Besitz hatte. Einst haben sie mit Karst ! und Spaten die Erde umgegraben, sie mildem Pfluge durchfurcht, nun deckt dieselbe Erde ihr müdes Gebein. Ich sehe mir die Gräber an. Kunstvolle Grabdenkmäler sind nur in sehr geringer Zahl zu finden. Ihre Stelle vertreten in den meisten Fällen schlichte Holzkasten, weiß gestrichen, mit schwarzer Inschrift. Oben steht: Hier ruht in Gott, dann folgen Name, Geburts- und Sterbedatum, darunter im Kasten hängen die Perlenkränze. Das Eindrucksvollste und Tröstlichste sind die Bibelsprüche, die auf diesen schlichten Gedenktafeln geschrieben sind. Aus dem Grabe eines Hausvaters lese ich 2. Tim. 4, 7: Ich habe einen guten Kamps gekämpft, ich habe den Laus vollendet, ich habe Glauben gehalten, aus dem Grabe einer Mutter Jeremia 29, 41: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Auf dem Grabe eines achtzehnjährigen Mädchens steht geschrieben Evang. Matth. 5, 8: Selig sind, die reines Herzens sind: denn fie werden Gott schauen. Offenbar pflegt man in dieser Gemeinde den Toten den Text der Gedächtnisrede auf das Grab zu schreiben. Es ist erfreulich, daß man hier so viele Bibelsprüche findet und nicht inhaltlose Verse, die weder vom Glauben noch von der .Hoffnung Kunde geben. Christliches Gepräge hat schließlich auch der Vers, den ich auf einem eingesunke- ! nen Grabe finde: Friede deinen schlummernden Gebeinen, Deiner Liebe denken wir und weinen, Bis der frohe Tag erscheint, Der uns dann mit dir vereint. Ich zweifle nicht daran, daß das Leben, das die Toten einst führten, mit diesen Inschriften in Einklang stand. Gewiß wohUten ___ _ - 162 - in vergangenen Xagen unb wohnen auch jetzt noch fromme, ernste Christenmenschen im Tale, Väter, die den Ihrigen mit gutem, Beispiele vorangingen, Rlütter, die in der! Treue wirkten, gehorsame, gottergebene Kim- der. Nicht leichten .Herzens sind sie von der Erde gegangen. Im Sterben mag ihnen un- | ter der Einwirkung des Abschiedsschmerzes die Empfindung durch die Seele gegangenj sein: Dich, mein stilles, stilles Tal, grüß' ich tausend-, tausendmal, nun schauen sie, was! sie einst geglaubt haben. Aber sicherlich ruhen unter dem grünen Rasen auch solche,, die nichts weniger als bewußte Christen wa-! reit. Neben tiefer Frömmigkeit zeigt sich in unseren Dörfern doch auch viel Hartherzigkeit und .Habsucht. Selch viele Männer wohnen in ihnen, deren ganzes Denken und Sinnen nicht nur aus das Erwerben, sondern auch aus das Erlisten und Erraffen gestellt I ist. Aus dem winddurchwehten Dorskirchhofe, neben dem massigen Turme schlafen auch solche, die ihr Lebenlang vom Geize beherrscht waren. Sie trachteten darnach, unerlaubt hohe Zinsen von ihren Schuldnern zu , bekommen, sie scheuten sich nicht, den armen Knecht, den besitzlosen Tagelöhner auszubeu- ten, sie verschmähten es auch nicht, gelegentlich über die Ackergrenze hinaus zu pflügen > und auf dem Grundstück des Nachbars die! Aepsel auszulesen. Sie, die sonst fest an der Scholle klebten, machten weite Reisen, um alte, absterbende Menschen dazu zu bewegen, ihnen ihre' Habe letztwillig zu vermachen!. Ja, sie scheuten sich nicht, bei Erbteilungen in der Familie die eigenen Geschwister zu üb er vorteilen. Und Frauen schlafen neben der Kirchhofsmauer, die ihr Lebenlang ohne Grund in der Familie Streit erregt und den Jihrigen das Leben zur Hölle gemacht haben. Und Söhne und Töchter sind dort bestattet, die nur nach ikches Herzens Gelüsten lebten und den Eltern viel Kummer machten. Doch nun hat dies alles ein Ende, ^re Ernsten ruhen neben den Leichtsinnigen, der Christ, der da reich werden wollte in Gott, schläft neben dem Geizigen, das Kind des Friedens neben dem Streitsüchtigen, und Gott gibt allen nach ihren Werken., Vor seinem Richterstuhle müssen wir alle einmal offenbar werden, um zu empfangen, was unsere Taten wert gewesen sind. H. B. ttarl Ernst ttnodt f. Am 30. September d. I. ist zu Bensheim der bekannte Dichter Karl Ernst Knodt verschieden. Man kann Knodt wohl den einzigen, aus Hessen stammenden Dichter, der es tn der neueren Zeit in Deutschland zu großem Ansehen gebracht hat, nennen. Er war am 6. Juni 1856 zu Eppelsheim in Rheinhessen als der Sohn des im Fahre 1886 zu Nordheim verstorbenen Pfarrers Knodt geboren. Seine Jugendzeit verlebte er in Wonsheim im Kreise Alzey, wo sein Vater von 1861 bis 1877 Pfarrer war. Knodt widmete sich dem Studium der Theologie und wurde nach kurzer dienstlicher Verwendung zu Gernsheim im Jahre 1882 Pfarrer zu Oberklingen im Odenwalde. Dort blieb er, bis er im Jalwe 1908 in den Ruhestand trat: ein Herzleiden hatte dieses frühe Zurücktreten vom Amte veranlaßt. Weil er den wichtigsten Teil seines Lebens im Odenwalde verbracht hat, so legte er sich den dichterisckien Namen „der Waldpfarrer" bei, unter diesem Namen ist er in ganz Deutschland bekannt. Man ist in unserer Zeit, in der so viele Menschen die deutsche Sprache beherrschen, leicht geneigt, einen dichtenden Pfarrer nicht gerade als einen bedeutenden Geistesheldeß anzusehen. Dieses Urteil mag in der ersten Zeit wohl auch aus Knodt angewendet worden sein, aber von Jahr zu Jahr wuchs der dichtende Odenwaldpfarrer in die Höhe, bis er in ganz Deutschland Geltung erlangt hatte. Man kann ihn den Dichter der Sehnsucht nennen, überall in seinen Versendrängt sich die Schwermut hervor, oft singt er vom Tode, überall ist der religiöse Unterton deutlich zu hören. Wunderbar schön uüd tief ist ein kurzes Gedicht, dessen Schlußvers nun an ihm zur Wahrheit geworden ist. Es lautet: In ein Gewand aus Stille, .Hab' ich mich, Herr, gehüllt. Gewärtig, daß dein Wille Ganz meine Seele füllt. Ich will nichts mehr erstreben, Als deinen Witten tun. So werd ich heilig leben Und darnach selig ruhti. Vor nicht allzu langer Zeit sandte uns ' der nun Heimgegangene Dichter zum M- > druck in 'unserem Gemeindeblatt zwei Ge- j dichte, die wir hier folgen lassen: G r a d a u s! Wann kommt der Tag, daß ich nicht mehr die Seele in heißem Hunger aus die Menschen lege? daß ich nur noch die eine Sehnsucht pflege: wie meine Liebe ganz sich Gott vermähle. Es gibt kein Ausgehn in der Gottesliebe, das nicht ein AusgehN aus den Menschen fodert. Erst wenn die Flamme stracks zum HiMMel lodert, ist ausgelöscht der slackerndste der Triebe. * Lebe n shunge r. Nach Leben, ew'gem Leben verlangt die Menschenbrust: nichts andres kann ihr geben befriedigende Lust. Der Hoffnung Totenglocke, sie ist das grause Nichts; denn ob das Herz schon stocke: heim will's, ins Land des Lichts! i.'T ii.nuUiuvi.iioa *vv „rw.mi^rnqi.ip 3ß lQ I na^jvului/Vil ava 'Ü3 1 tiojxom o^ogx oz/107 oöiino amu aim "-'»M ujMjuQ 0f / ruiJ nu (mm r?vJumwgi& mmSudj 13 a xao xj&nvxjs ***0jun uc ^7„Ä„iS xnJTuoQ mfp^ llJßUltlldfjlffl OUlOjyi poaviq uio aoqv u.nlpl 'Cpj der Ungunst der Zeitverhältnisse scheiterten. Da brachte das Jahr 1817 die praktische Verwirklichung all dieser Pläne, und zwar int Hinblick auf das Reformations-Jubellest. Es i erhob sich die Frage: „Wie sollen wir diesen Tag ani würdigsten begehen?" Was lag nä- > her, als den alten Traum in die Wirklichkeit umzusetzen und die beiden bisher getrennten Konfessionen, die Gott zusammen- gefügt hatte und die Menschen geschieden hatten, nun wieder zu vereinigen. Der Boden war günstig: dem Landesherrn, Herzog Wilhelm, lag die Sache der Union sehr am Herzen, ebenso den beiden Generalsuperinten- denten Gieße und Müller. Beider Gedanken griff der einflußreichste Staatsmann Jbell auf, und diese drei Männer stellten in voller Einmütigkeit bei dem Herzog den Antrag,; eilte Generalsynode einzuberufen, „um über die Vereinigung der beiden protestantischen ( Kirchen im Herzogtum il-r wohlerwogenes > Gutachten abzugeben". Aus Grund eines eingehenden Berichtes über ihre Absichten und! einer ihm vorgelegten Denkschrift „7 Propositionen zur Vereinigung der beiden protestantischen Kirchen des Herzogtums Nasia.i' genehmigte der Herzog die Einberufung einer Generalsynode nach Idstein. Dieselbe sollte bestehen neben den Kommissaren der Landesregierung aus allen Inspektoren und wenigstens ebensovielen, höchstens doppelt ,o vielen Pfarrern, deren Auswahl für diesmal den Generalsuperintendenten anheim gegeben wurde. Es ergaben sich 21 lutherische, !, reformierte Mitglieder. Am 5. August 1817 wurde die erste Plenarsitzung der Synode eröffnet, und es ist noch beute ergreifend, die Verhandlungen zu lesen, wie dieselben io ganz und gar von dein Streben nach Einig feit geleitet wurden. Bereits die dritte Plenarsitzung am 9. Ailgust konnte dte fertig- gestellten Beschlüsse genehmigten und dem Herzog zur Genehmigung und Veröffentlichung vorlegen. Am 11. August Unterzeichnete dieser das hochbedeutsame Schriftstück, das dann am 23. August im Verordnungs blatt mit sämtlichen amtlichen Akten veröffentlicht wurde. Die Hauptgedanken dieses Ediktes sind dem Wortlaut nach folgende: § i Es sind beide in Unserm Herzogtum mit völlig gleichen versasstmgsmäßigen Rechten bisher rezipierte protestantische Landeskirchen zu einer einzigen vereinigt, welche den Namen der evangelisch-christlichen fuhrt. § 2. Die Pfarreien und geistlichen Jn- spektionSbezirke bleiben vorerst in ihrem bisherigen Umfang bestehen und werden künftig lediglich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung mit Rücksichten auf die Verhältnisse der Ortslage begrenzt. 8 4. Die verschiedenen geistlichen Gesamtstiftungen iverden zu einem evangelisch-christlichen Haupt- und Gefamt-KirchenfondS vereinigt. , §*5. Tie Oberaufsicht über sämtliche evangelisch-christliche Geistliche und Kirchen wird nach einer geographischen Abteilung zwischen den jetzt an der Spitze stehender« zwei Genevalsuperintendenten der Geistlichkeit beider Konfessionen geteilt mit der Bestimmung, daß sie in der Person des Ueber- lebenden sich vereinigt. § 6. Das theologische Seminarium zu Herborn bleibt zur letzten Ausbildung der Kandidaten des evangelisch christlichen Predigerstandes bestehen. § 7. In lallen evangelisch-christlichen Kirchengemeinden, wo die vormals kurpfälzische Kirchenordnung nicht bereits eingeführt ist, wird dieselbe vom 31. Oktober an und in der Art angenommen, daß von ben Pfarrern nur bei den heiligen Handlmigen der öffentlichen Taufe und der öffentlichen Austeilung des Abendmahles die darin enthalteile Liturgie buchstäblich beizubehalten ist wohingegen alle übrigen in dieser Kirchen- 'ordnung enthaltenen Formularien zum be liebigeir-mnd freien Gebrauch ilmen empfol-- len sind. | (Schluß folgt.) Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes. (Fortsetzung.) So war denn nun ivieder ein Lebensabschnitt verflossen, bedeutungsvoll für nrein inneres Leben, während es äußerlich nur die i Bedeutung der Puppe für den Schmetter- ! ling hatte. Seiit Strom hatte mich nach einer ganz andern Richtung und in ganz andere Regionen getrieben, als ivohin die Neigungsnadel meines Kompasses gewiesen und noch wies. Fast willenlos war ich diesem Strome gefolgt, und jetzt lag ich wie ein Fisch aus- geworfen am trockiten Strande und wußte ■ kaum, was zu beginnen fei. Jedenfalls galt : es, den Kopf oben zu belmlten. Ein neues Leben mußte ich beginnen, ich mußte es, wenn irgend möglich, meiner Neigung gemäß gestalten, mehr als es bisher möglich gewesen war: denn nur zu deutlich fühlte ich, daß meine Lehrjahre für mein eigentliches Leben bei aller Plage und Quälerei eine verlorene Zeit gewesen seien. Aber ungeachtet dieses Gefühls stand ich dennoch ratlos da und wußte noch nicht, wie zu beginnen sei. Berlin lag voller französischer Emauar- ! tierung und mußte für den Feind ungeheure Summen ausbringen. Tie Geschäfte stockten, und nur einzelne wußte die Zeit zu benutzen und sich durch Lieserungsgei chatte, «AUAV>\> -\>q ‘.\J\VU\o.\>WW C!U '' ''' \\ös> v \ ,\Soc^ uA -uuxnfCs ' m\ ppo,\cpölaflA^l \\\ U.'\VO>CX>

A\uuf)f UM -AVUt'VWO^V'lOV'S) >^VO.tW apivaq 1 -"? xv.v^uov U1VTN «num« ■ : x VXövaß iuS?«iiauSq qxui 'Cpa>G u*pjiu •vp^wxvp© xnvm X ?^" A i-Sfs StrAu^a ^SvWA^Ks «-\*\vyi> axuaS V PVJ \ X J& \ aü toU^ uU «u^ui Aiaqtii 'C*S8T m AXVpAUAAAAA^V tpAAX3 AOAVPA^U AVV3AUV «W» < ao ,\ A aVao'^ A OO \aW UV«. '0O«:W*UU 3-qUÖ AAVO HtpVAA2\^Cs qiv»VaAAL Vf>\\ <\ülAa. 08 L\) VPOSö xvo 1 ' 0 - 6S1 - _ - 164 - Häuserkauf und Verkauf mehr oder weiniger zu bereichern. Arbeit war schwer zu finden. Mein Oheim machte mir den Antrag, für geringen Wochenlohu bei ihm zu blel- beu. Etwas ist besser, denn nichts, und so blieb ich. Es versteht sich, das; nun alle Küchen gefch äste auf hörten, deren ich bis dahin noch einen Tseil besorgt hatte. Ich ,mietete mir auf dem Kölnischen Fischmarkte eine Kammer bei einem Schneider und richtete mich in derselben ein. Den französischen Kaiser hatte ich, solange er in Berlin verweilte, im Oktober und November vielfach, auch an der Spitze seiner Garden, gesehen, besonders wenn er im Lustgarten Revue hielt. Er stand dann im grünen Frack oder grauen Ueberrock, nur mit dem Stern der Ehrenlegion dekoriert, sehr unscheinbar vor der glänzenden Suite! der goldbeblechten und mit Orden überladenen französischen Marschälle und der übrigen hohen Offiziere in allen möglichen Uniformen und aus allen Nationen, und doch richtete sich jedes Auge nur aus ihn. Er wohnte im Schlosse nach dem Lustgarten hinaus eine Treppe hoch, das dritte Fenster von der Ecke, so daß der goldene Adler aus der jetzt in dieser Gegend stehenden Säule hätte in seine Fenster blicken können. Hier habe ich ihn von unten einige Male im Zimmer, die Hände auf den Rücken, diktierend aus- und abgehend gesehen. Wenn er nach dem Lustgarten hinabsteigen wollte, schlug eine Anzahl Tambours aus dem Korridor des Schlosses, wo er vorüber mußte, einen gewaltigen Marsch, bis er unten war. Wenn die Bataillone bei ihn vorüber zo- igen, tönte ein stetes: „Viv 6 PEmpereur!^ Auch ausreiten sah ich ihn einige Male. Bei den Revuen machte stets der Borüberzug der von ihm 'errichteten kostbar uniformierten Berliner Bürgergarde zu Pferde und zu FM den Beschluß. Kein Preuße konnte diese Dinge mit ansehen, ohne sich schmerzlich bewegt zu fühlen. Die politischen Aussichten wurden trüber und trüber. Am 7. und 8 . Februar 1807 wurde die Schlacht von Eylau geschlagen. Nach französischen Berichten war es ein Sieg der Franzosen, und da sie vorrückten, leistete die Schlacht ihnen wenigstens denselben Dienst, ungeachtet unter der Hand das Gegenteil des Sieges behauptet wurde. (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Es sei daraus aufmerksam gemacht, daß die Feiern zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichtes keineswegs nur für die Kinder, sondern besonders auch für ihre Eltern und ihre sonstigen Familienglieder, auch für ihre Paten, wenn diese kommen können, bestimmt Verantwortlich: Pfarrer sind. Konfirmation und Konfirmandenunterricht sind für den jungen Christen sehr wichtig. In der Zeit, in der er zur Kon- sirmandenstunde geht, bedarf er sehr der Förderung und Behütung durch die Seinen. Darum ist es notwendig, daß sich am Anfang dieser Zeit alle Familienglieder im Gotteshanse auf die ihnen bevorstehende Aufgabe besinnen und Gottes Segen zu einem heiligen Werke erbitten. * Am Beginn des Winterhalbjahres sei an die Familien unserer Gemeinde die Bithe gerichtet, doch die Kinder zur Kinderkirche zu schicken. Da in Gießen die Kinder in der Regel nicht am Gottesdienst der Erwachsenen teilnehmen, so gewinnen viele Kinder gar keine Verbindung mit deur kirchlichen Leben, wenn sie sich dauernd von der Kinderkirche sernhalten, und stehen, wenn sie in den Kon- sirmandenunterricht eintreten, unseren kirchlichen Einrichtungen fremd gegenüber. kirchliche Anzeigen. Sonntag den 14. Oktober. 19. nach Trinitatis. Kollekte für die hessischen Soldatenheime. G o ttesd ienst. In der Zladtkirche. Vormittags 9V 2 Uhr: Pfarrer Mahr. Feierliche Eröffnung des Konsirmandenunterrichts für die Matthäusgemeinde. — Vormittags 11 Uhr: Kinder - kirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Markusgemeinde. — Abends 8 Uhr: Bereinigung der konfirmierten männlichen Jügend der Matthäusgemeinde. — Dienstag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr: Bereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Mittwoch den 17. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Iohanneskirche. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Bechtolsheim er. Feierliche Eröffnung des Konsirmandenunterrichts für die Lukasgemeinde. — Vormittags 11 Ul;r: Kinderkirche für die Lukas gemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausseld. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Johannesgemeinde. — Abends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jügend der Lukas gemeinde. — Abends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Irgend der J!oHannesgemeinde. Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrucke e R Lange. Diehcn