joj'lpi.ioq 'no-itmu lioljoil-ioa e in ui 33 o ,t 1x4 vj\l oaiCjvC; 01- mntyü &\ v 0 - U 1»Iß uoöi.t oci iui uo'lpj 1 yai lioqmq 'oj-'J ( J-'}- tin> luiqyfp^ uotioxß ol uaqa-iffi) ua iCpno 9/, ST ^ A P?fß I mo a? 111 Öq no^tz nol_löc\ -MJJ (pm> noqrt --o.xjjD jU'j.tnju jß sjCpuxq 9 jo,t oort J-unuiCni lioquojntJjqt) jjix£ no \ 1111111 »J.vq .X 3 U 13 Hl 11131113 11 lU 3 11 OilUiJSUO UO Jit V.J) 31113 ojjv'q '.mm .io u vz i 3 ?m 15 X 3 q •'.loCpo.ig.xijj — 8CI - Sonntagsyruß ( Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen ^lr.Z6 Gießen, Sonntag, 14. nach Trinitatis,den IL September 1917 H.Ilahrg. Barmherzigkeit. Evangelium des Lukas 10, 39. So gehe hin und tue desgleichen. Es gibt Christen, welche das Evangelium vom barmherzigen Samariter für das bedeutungsvollste Stück des ganzen neuen Testaments Hallen. Sie haben insofern recht, als Jesus tatsächlich durch die Erzählung dieser Geschichte die Religion der Tat, das praktische Christentum so bestimmt ivie nur möglich gepredigt hat. „So gehe hin und tue desgleichen": in diesem kurzen und deutlichen Satz saht er die ganze Erzählung zusammen. Wie steht es in unserer evangelischen Kirche mit diesem Christentum der Tat? Nun, da habe»: wir wohl vielfach Gott zu danken für manche Aeußerungen werktätiger Liebe. Es sei hier erinnert an die Arbeiten der inneren Mission, dieses Kleinodes unserer evangelischen Kirche, wie man sie vielfach genannt hat, und die Missionsarbeit unter den Heiden schließt ebenso eine ge- lvaltige Fülle aufopfernder und entsagungsvoller Liebe in sich. Darüber darf sich jeder, der seinen Heiland lieb hat, so recht von ganzem Herzen freuen. Aber er soll sich nicht dabei beruhigen., Immer und immer wieder müssen wir uns persönlich die Frage vorlegen: was labe ich getan und was kann ich noch weiter tun, um diesem Gebot meines Heilands nachzukommen? Gelegenheit zur Barmherzigkeit hat jeder Christ, gerade auch in den kleinsten Verhältnissen. Es genügt nicht — ja, es kann sogar gefährlich werden —, wenn wir uns an Worten und Gefühlen berauschen. Tie Hauptsache bleibt die selbstlose Tat. Daraus soll die Geschichte vom barmherzigen Samariter uns zu ernster Selbstprüfnng dienen und die Aufforderung Jesu UNS in den Herzen brennen: „So gehe hin und tue desgleichen?" Wir leben jetzt im Krieg, wie das bloße Namenchristentum elend zusammengebrochen ist. Nun gibt es aber viele, die den Scheinj mit dem Kern der Sache verwechseln. aus Duinmheit oder Bosheit: meistens wirkt beides zusammen. Um so melr habest lebendige Christen die selbstverständlich? schöne Pflicht,. Samaritersinn und Samariterdienst zu üben. Jetzt und ebenso nach dem Kriege. An diesenr Talbeweis des Christentums werden! die Angriffe der Gegner zerschellen. Geschichtliches zu Luthers Lrutzlied „Lin feste Burg" Wieviel Unvergängliches gibt es doch im Vergänglichen! Wie bewahrheitet sich, daß der Geist über" Raum und Zeit erhaben! Aus schier sagenhaften Tagen klingen immer wieder wie ein neues Lied zur Harfe die Gesänge eines Homer, die Psalmen eines David! Die Pracht des alten Hellas ist längst dahin! Und doch weckt der Künstlergrisfel eines Phidias noch bis zur Stunde lausend neue Talente! In einer begnadeten Stunde vor Jahrhunderten schier aus geheimnisvollem Dunkel entstanden, können ein paar kurze Verse Millionen in den Entscheidungsstunden ibres Seins zu lichtester Begeisterung entflannnen, selbst Helsen Schlachten schlagen und Siege erringen. Dafür zeugi im gegenwärtigen Weltkrieg auch Luthers „Eine feste Burg ist unser Gott", das eine geradezu ungeahnie Auferstehung in der Seele des geiamten Volles gefunden hat! Solche Macht über die Gemüter kommt nicht von ungefähr. Hinter kurzen Zeilen verbirgt sich dann besonderer Feuergeist, der einst auS herzerschütternden Erlebnissen, ojt Weltbegevnisten ,ich gebar und zu Wundern deS Wortes sich verdichtete. Folgen mir heute den Spuren des Luther- schen Schutz- und Trutzliedes, so führen sie uns auf zwei bedeutungsvolle 'Augustdaten! seiner Zeit zurück: den Abschluß des ersten Reichstags zu Speyer am 27. August 1526 und den Märtprertod des Pfarrers Leonhard Kaiser am 16. August 1.527. — Ungeheure Stürme durchbrausten damals Europas Gefilde, die in mancher Beziehung an unsere unmittelbare Gegenwart gemahnen. Teutsch!- land zitterte unter den Erschütterungen der Reformation. Ter Ausgang des 2. Nürnberger Reichstags 1524 befriedigte keine Seite. Die Stünde hatten sich schließlich dahin geeinigt, dem Wormser Edikte „so viel ihnen möglich (?) gehorsamlich zu geleben und nachzukommen". Bis eine „genreine Versammlung deut'cher Nation" zusammentrete, sollte „das heilige Evangelium ltrfb Gottes Wort nach rechtem, wahrem Verstände und der Auslegung der von gemeiner Kirche angenommenen Lehren ohne Aufruhr und Aergernis .gepredigt werden." Der Kaiser war über das Ergebnis empört und erklärte in seinenk Schreiben u. a. Luther für einen Unchristen und Unmenschen, einen Verführer wie Mahomet, und forderte strenge Befol- - 142 - gung seiner Befehle, zumal des Ediktes Don Worms. Luther seiner, eits druckte das Warm >er E.nkt und nun daS Nürnberger zusammen ab und schrieb darüber, jeder Halbheit abhold: „Zwei kaiserliche uneinige und widerwärtige Gebote, den Luther betreffend." — In Süddeutsch!and bildete sich nun seit dem Juni 1524 ein katholischer Fürstenbund, der „Regensburger Konvent", unter deur Vorsitz des päpstlichen Legaten Campeggio, dem gegenüber die evangelischen Fürsten, obenan Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann, am' 4. Mai 1526 das „Torgauer Bündnis" schlossen und in Süddeutschland die großen freien evangelischen Reichsstädte sich ebenfalls verbündeten. So war daS deutsche Reich in zwei Lager geteilt, als am 25. Juni 1526 zu Speyer der Reichstag zusammentrat. Bemerkenswerterweife waren aber selbst hier viele katholische Stände mit den evangelischen darin einig, das; vor allen Dingen die schweren Mißbräuche in der Kirche abgestellt werden müßten. Bereits hatte eine gemeinsame Kommission beschlossen, die Priesterehe und den Laienkelch zu empfehlen, auch die Prwat- mcsse abzuschassen. Da erhoben plötzlich des Kaisers Vertreter energischen Protest. Man nlüsie beim Wormser Edikt, der Acht gegen Luther und seine Anhänger, verbleiben. Durch das alles machten die Sturmereignisse auf dem Welttheater einen neuen Strich Franz I. von Frankreich erklärte dem Kaiser abermals den Krieg, und der neue Papst Klemens VII. ward des Franzosen engster Bundesgenosse trotz Karls V. Eifer für dm katholischen Glauben. Aber dem Papst war des Kaisers politische Macht zu groß geworden: er zitterte für seinen Kirchenstaat und Italiens Unabhängigkeit, und so ward am 22. Mai „die heilige Liga" zu Cognac geschlossen, der auch Heinrich VIII. von England beitrat. Jetzt oder nie brauchte Karl die Hilfe der Deutschen, zuinal gleichzeitig dre Türken Ungarn zu vernichten drohten: dre Hilfe auch der evangelischen Stände, die sich inzwischen in dem sog. „Verständnis für den Glauben" noch enger verbündet hatten. Sv kam es zum denkwürdigen Reichstagsabschied vom 27. August 1526, auf dem die Reichsstände überein kamen, „bis zur Abhaltung eines demnächst! gen — allgemeinen oder deutschen — Konzils mit ihren Untertanen also zu leben, zu regieren und sich zu halten, wie ein ieder solches gegen Gott und Kaiserliche Majestät zu verantworten hoffe und ge traue." Jede Landesobrigkeit konnte somit nuninebr ihrer kirchlichen Ueberzeugung gemäß regieren, die evangelischen evangelisch, die katholischen katholisch: die Landeskirchen hatten Rechtsboden unter den Füßen? Das war für die evangelischen Fürsten und Staaten natürlich großer Gewinn: aber leider benutzten die katholischen diesen .Rechtsboden" nun um so mehr, eine grau samc Verfolgung der Evangelischen in ihren Ländern zu beginnen. In Bayern besonders nahm der Schrecken furchtbare Formen mr. — Auch sonst war die Lage der Lutherischen bedrängt. Von Süden ivar die Zwingli,che Reformation im Anmarsch, und die Wiedertäufer vermehrten die Verwirrung. Tie Lage spitzte ,ich noch gefahrdrohender zu, als ^m 6. Mai 1527 deut,che mib spanische kaiserliche Truppen Rom stürmten und ein derartiges Blut- und Zerstörungswerk durch Wochen airrichteten, daß die Feder es zu schildern sich sträubt. Auch der Papst mußte aus der Engelsburg bald danach kapitulieren. Karls Macht ward, zuinal nachdem er auch den König Franz noch au,s Haupt geschlagen und gefangen gesetzt, stärker denn je zuvor. Der sZ-riede zu Eanrbray (5. Augn,t 1529) ward welthistorischer Beweis dafür. Bei die,er Wendung der Dinge im Sommer 1527 fühlteir die talholischerr Fürsten in Deutschland ihre Stuirde immer mehr gekommen, und ihr Wüten gegm die evangelischen Untertanen wuchs von Tag zu Tag. Bis weit über die Grenzen ihrer Länder verfolgten sie diese. lieber Wittenberg und Luther brach noch ein besonderes Verhängnis herein. Die Pest beganir in den Mauern der Stadt entsetzlich zu wüten. Wer fliehen konnte, floh: aber Luther blieb, trotzdem er selbst kürz zuvor an seinem Steinleiden aufs schwerste erkrankt war, als Held des Glaubens und der Liebe in Wittenberg und fyat durch sein Beispiel viele Verzagte ausgerichtet. — Eines der beklagenswertesten Opfer ward derweil der Pfarrer Leonhard Kaiser (besser Käser) aus Waizenkirchen bei Passau. Er war aus innerer Ueberzeugung vom katholischen zum evangelischen Glauben übergetreten. Nun setzte niait ihn fest. Monate lang schmachtete er im Kerker. Am 16. August 1527 müßte auch er, wie Hunderte in jenen Tagen, bei Schärding den Scheiterhaufen besteigen. Als man ihn festband, bat er das Volk, ihm Luthers Lied zu singen: „Komm, heiliger Geist, Herre Gott." Als das Feuer ihn umloderte, rief er laut: „Jesus, ich bin dein, mach mich selig!" Nicht lange zuvor hatte er im Gefängnis noch einen herrlichen Trostbrief Luthers erhalten. Unter all diesen furchtbaren Welt- und Einzelgeschehnissen des Jahres 1527 raffte sich Luthers Seele zu gewaltigem Schwünge auf. Hatte er anläßlich des Märtyrertodes ! der beiden Jünglinge Heinrich Voes und Jo- ' bann Esch, die am 1. Juli 1523 auf dem Marktplatz zu Brüssel hingerichtet wurden, ihnen seine allererste Dichtung „Ein neues Lied wir heben an" als Grabgesang geweiht, nun stimmte er nach seiner Weise den 46 Psalm an! Und so entstand noch im Laufe des Jahres 1527 (nach Angabe des Radeschen Ouellenwerkes) das Schutz und Trutz lied der evangelischen Kirche: „Ein feste Burg ist unser Gott!", das dann wol'l 1529 seine Vertonung gesunden hat. Wahrlich, auch das Luthersche Kirchenlied ist mit Blut .-•V - 7 r ' ' ' 211L3.1U (jjoq (pi 3j{jn$x uojia-q^vj'Cpviyß wcrfs) oßj-qiiaqaj -7.X7 sr»c?t u .vQir, t(j 3ö>? iTV-iaci x?q qoxj ägaij .Kj 3 < / uoPant 'uoji’uvjUt DpUDCiu^tptuaiCß ? V }1£ 3IM9 M1U1U1 airu 'UWJJ Ji3i^j(pvuqi3ß 11113p : U3fJlJ IT? 3lt(t3.7^r / .WLUp &JtD UVJ U3liltJ g JO<7 &&7U ' 1113p 11077 IpitV - 143 - getauft, und aus seinen Zeilen sprühen die Feuergarben einer Welt von Krieg und Tod und Tränen. _ Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes. (Fortsetzung.) Diese Methode, lausend zu galoppieren, war eine ältere Angewöhnung von mir, und unbewußt begann ich ost ol)iue Zweck und Veranlassung fortzustürzen, bis irgend em Umstand mich zum Stehen brachte, ^zn Fallen, wie der eben erwähnte, hat mir das sausen aber doch auch gute Dienste geleistet, da ich nicht leicht vor einem Bttderladen oder einem Trödelplatze mit älteren Büchern vorübergehen konnte, ohne die Bilder zu betrachten oder aus bcu Büchern einen Gedanken aulzuhaschen, den ich während des Galopprererts verarbeitete. Es hat mir Mühe gekostet, nnch dieser (Gangart zu entwöhnen. ES begann das Jahr 1804. Am 10. Januar hielt die Neuvermählte Prinzeß Wilhelm von Preußen aus Hessen-Homburg ihren Einzug in Berlin. Unser ganzes Haus war in Bewegung, und auch ich erhielt Erlaubnis, aus eigene Hand den Einzug anzu- sehen. Ich beschreibe ihn nicht; denn er Nt in der Zeitung nachzulesen. Aber ich befand mich mit auf der damaligen, jetzt nicht mehr vorhandenen Opernbrücke im furchtbarsten . Gedränge, als dort eine Anzahl von Menschen totgedrückt und totgetreten wurden. Ich bin aus der Brücke mit den Füßen nicht auf der Erde gewesen, sondern eingekeilt von Menschen wurde ich hinübergetragen, und mün hat mir. bei dieser Gelegenheit mein Taschentuch gestyhilen. Seit der Zeit habe ich mich gehütet, mich wieder in dichtes Volksgedränge zu wagen. 'Abends saß ich und trieb Mathematik. ^ch fing an, mir ein Heft der notwendigsten geometrischen Lehrsätze auszuarbeiten. Doch schritt ich langsam vorwärts, weil es viele Abende gab, an denen ich nicht für mich arbeiten konnte. Das Italienische konnte ich im Winter aus Mangel an Zeit und Licht nur wenig treiben und wußte es für den Sommer aufsparen. . Bald nach Ostern erhielt ich einen Besuch: eine ehemalige Schulkameradin von mir, namens Johanna T.... Sie war die Tochter des herrschaftlichen Kochs in Fried- land, halte die Schule früher verlassen als ich, beschäftigte sich mit Näherei und anderen weiblichen Arbeiten für die dortigen Honoratioren und galt für ein geschicktes Mädchen. Ich batte sie nach ihrem Austritte aus der Schule selten gesehen und sic aus den Augen verloren. Jetzt war sic ftammerjung- fer auf einem adligen Gute in der Nähe von Friedland und batte ihre Herrschaft nach Berlin begleitet, die sich hier nur einige Wochen auihalten wollte, um dann mit ihr weiterzureisen. Meine Mutter l)atte ihr ein Schreiben mitgegeben und empfahl sie mir darin. weil sie in Berlin ganz und gar keine Bekannten l-atte. Mich überraschte der Besuch außerordentlich. Es war der erste, den ich je empfing. Das Mädchen war hübsch geworden, hatte sprechende Züge und schöne Farben, sah wie die Gesundheit selber aus, hatte etwas sehr Einnehmendes in ihrem ganzen Wesen, -var gut gekleidet und benahm sich fein und angenehm. Sic war gegen mich sehr freundlich und zutraulich, und mir tat es ivohl, ein- nml wieder ein aus früheren Zeiten b.kann- tes Gesicht zu sehen, das die Spielplätze meiner Jugend, das meine Eltern und ineine Schwester kannte. Ich konnte mit ihr von ihnen und ooii vergangenen Zeiten reden; aber wir sprachen in Gegenwart meines Obeims und meiner Tante und fühlten uns beide dadurch beengt. Sie wohnte mit ihrer Herrschaft int Hotel de Brandebourg aus dem Gensdarmenmarkte, war aber vor 5 Uhr nicht dienstfrei. Sie ging. Mir war seltsam zu Mute. Man denke sich die Abgeschieden- leit. in der ich lebte und gelebt hatte.. meine Sehnsucht nach einem befreundeten Herzen, das.mir jetzt wie ein holder Geist aus früheren lieben Tagen in Gestalt eines schönen blübeirden Mädchens entgegenrrat. Es war Donnerstag gewesen. Bis zunr Sonntage, wo ich sie Wiedersehen sollte, war es noch lange, ach noch sehr lange! Mir schien es, als ob die Uhr niemals so langsam gegangen sei. Endlich brach der heiß- ersehnte Sonntag an, hatte aber einen langen Vormittag. Viel batte ich schon in Gedanken mit ihr gesprochen: es war nicht wenig, was ich ihr zu sagen, was ich sie zu fragen hoffte. Ich versuchte, die Zeit heran zu lesen: aber , wenn ich die Seite heruntergelesen hatte und umschlug, wußte ich nicht, was daraus gestanden, und wenn ich dieselbe ^eite nochmals las, ging es mir wieder so. Der Nachmittag war schon vorgerückt, ich nahm meinen Hut und ging; denn zu spät wollte tch nicht kommen. Als ich aus dem Gensdarmeu« markte ankam. schlug es aber erst vrer Uhr. Ich machte Halt und besann mich, ob ich wieder nach Hause gehen sollte. Das mochte ich nicht. Ich durchlief mehrere Straßen und wänderte endlich nach den Linden, wo rch an der Uhr der Akademie genau sehen konnte, was es an der Zeit sei: denn ich selber besaß keine Uhr. Viermal lief ich die Linden von einem Ende zum andern und zählte die Schritte, ohne zu wissen, wie viele es waren. Ich lief sehr eilig: denn nach meinem Gefühle kürzte ich die Sacke dadurch ab und ärgerte' mich, daß die Lindert nicht langer seien, weil bei einer Tour die darauf verwendete Zeit gar zu kurz war und ick io oft umkebren mußte. Endlich gang tch nach dem Hotel und fand aus Befragen das Zimmer eine Treppe bock. xrv Awnvv xv<*. cpxuq vpw xx ttonua w'«**}' l1 ? x5.x \nmuuvwc; xxq 'nciiümMiK xoxo uocv Wv\u ümV uhmwu i,nA,nau.'Hua) c ^vvwVv-wwKvvv.^ ouv> XD -uÄvosÄiJM^woB U\x ,-^sx -..-. ^ ,. , .. . - «»iy»iVvHt-vV:wY 3V \ 'iJCc 11 il,T «»vH XOXYICU UO lVXX'Xl lP V Ullis 31X011 wi\ wooi.n« xs 3QJWUV x\.'V»v> II-W-" 11 " --, \ N -VS •?'.. ' , , -- , ' ' •',,,: XOCV\3>V>XC\C\ \V\*\\ XWCU VVXVLW UOCV V>U\\UV>Xp^3X'.-' , V , "VXyj; Yxo<^ sv>q oqxnov ua^xxailp^ Uj\(Ts 21XSN vx-^ xvq tpw\^’ XVXxer. Wir sprachen von den vergangenen Zeiten, von Bekannten und Verwandten, von sehr vielem, aber doch nicht von dem, womit ich mich in Gedanlen getragen hatte. lieberHaupt fand ich mich in ihrer Gegenwlart weil ruhiger, als ich mir gedacht hatte und als ich vorher geivefen war. Die Gegenwart setzte meiner Phantasie einen Dämpfer aus. Unser Gespräch mar freundlich, selbst herzlich, aber die ganze Welt hätte es hören können. Selten leistet die Wirklichkeit, was die Einbildung, veriprochen. Dennoch kam nach wenigen glücklichen Stunden die Zeit meines Aufbruches rascher heran, als mir beide gedacht hatten. Ich verabredete mit ihr, sie am nächsten Mittwoch, dem Bußtage, wo sie frei war, weil die Herrschalt dann nach Potsdam ging, nachmittags um 2 Uhr abzuholen, um ihr den Tiergarten und Eharlottenburg zu zeigen, welche Orte sie zu sehen wünschte. Ich war ruhiger geworden. Am Mittwoch holte ich sie ab. Das Wetter war trübe und kalt. Ich führte sie durch den Tiergarten, der noch ziemlich winterlich aussah; denn ivir waren im April, und die Bäume knospten erst. Dann gingen wir nach Charlottenburg und in den Schloßgarten. Wir verlebten die Stundet: in froher Herzlichkeit und Innigkeit. Als es dunkel zu werden anfing, fuhren wir nach Hause und gingen miteinander ins Theater, wo wir „Nathan der Weise^ sahen. Die Herrschaft wollte in der nächsten Woche abreisen, und bis dahin konnte Hannchen, lute sie mir sagte, keine Stunde über sich verfügen. Wir versprachen einander zu schreiben, und ich war genötigt, schon jetzt Abschied von ihr zu nehmen. Ich habe sie nicht tvieder gesehen. Ich wurde jetzt von einigen Hausdieu- sten befreit, da der Oheim endlich dahinter gekommen war, daß er meine Kräfte vorteilhafter benutzen könne, tvenn er mich am Werkbrette beschäftigte. Dennoch blieben für mich immer noch eine gute Anzahl solcher Dienste übrig. Die Bestellungen hiatten sich übrigens dermaßen vermehrt, daß außer dem vorher erwähnten zweiten Lehr burschen, dessen Vater ich noch zuweilen besuchte, endlich auch ein Geselle angenommen wurde. Einen großen Teil dieses günstigen Erfolges glaube ich mir und meiner Tätigkeit, wohl nicht mit Unrecht, zuschreiben zu dürfen; denn während der Oheim sonst nur allein arbeitete. batten jetzt vier Menschen vollauf zu tun. Der neue Geselle aber klagte bitterlich über das schlechte Werkzeug und jene, die Arbeit sehr beengende Methode, alle Materialien grv sehen weise zu kaufen. Wir wechselten zu Michaelis unsere Woh-- nung und zogen nach der Kurstraße, wo ich eine eigene Kammer zürn Schlafen erhielt. Unterdessen war mein Gemüt ruhiger geworden. Die Aeußerungen meiner Mutter über .Hannchen hatten viel gewirkt; schwerlich aber hätten ,ie das getan, wäre das schöne Kind am 1 Orte geivefen, und hätte ich sie öfter gesehen. Die Entfernung ist ein wirksames Abkuhlungsmittel. Wir schrieben uns noch von Zeit zu Zeit; aber sie lag nachher lange an einer schweren, schmerzhaften Krankheit darnieder und ich hörte nichts von ihr. Als ich dann endlich an sie schrieb und ihr Vorwürfe machte, daß sie, wie es schiene, kaltsinnig gegen mich geworden sei, schrieb sie einen recht herzlichen Brief, schilderte ihre Krankheit und versicherte mich, daß sie noch immer gegen mich wie früher gesinnt sei. Damit aber hörte unser Briefwechsel auf, und ich habe nichts weiter von ihr vernommen, als daß sie einen Jüsttzbeamten in der Neumark geheiratet habe. — Mochte ihr Wesen sein lvie es wollte, eine angenehme liebe Erscheinung ist sie mir gewesen; stets habe ich mit Vergnügen an sie zurückgedacht, und so flüchtig sie mir auch vorüberging: ans mein Leben ist sie dennoch von tiefem Einflüsse gewesen. Kein Mädchen hat jemals aus mich einen so überwältigenden Eindruck hervorgebracht, als sie bei ibrem ersten Besuche; allein diesem Eindrücke fehlte die Nachhaltigkeit, ob durch meine oder ihre Schuld, das wage ich nicht zu entscheiden. Ilr Andenken aber wird mir immer teuer bleiben. (Fortsetzung folgth Airchliche Anzeigen. Sonntag, den 9. Se p t e m b e r. 1 4. na ch Trinitatis. Kollekte für den Pfarrhausbau in .Hammelbach. G o t t e s d i e n st. 3n der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Morküsgemeinde. Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9* * Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr; Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. - Mittwoch, den 12. September: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Ashannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich C leisten lehre für die Neukonfirmierten aus der Iohannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. — Vormittags 9 1 2 Uhr: Pfarr- assistent Lic. Reuning. — Vormittags 11 Uhr; Kinderkirche für die Lukasgemeinde Pfarrassistent Lic. Reuning. — Abends 8 Ulr: Bibelbesprechung im Iohannessaal. orontroortlidi : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch-und Stein drucke,-<> N. Lange. Gießen. > - . «S ■ -