•'Vts .'l.HT; lüVl.'IMVlIIO Jia«tp ' , 'T a.'Q j\iii n,H'uuiunuul.t.Hi:'4 io^t, H- "OU' .'L'iV UJ.UW >> M\ .ic,r-ii‘C (piui • ium ikiHuKi 10IU ai'jal _ quu -• >-'° 1 rxoüv'i ,i'u;i; aoq uon -i.iipui.iÜutiaA) O.HUIipi.i' ' -I> IM.' .. .7 , , •- .'Q .Kp.il K li.Kpii l.iümm.t rP t'iini ivl.i u,>U liiö'j -i.ii>>>i jt’.ti j L S’ l n-ut ) ( \ (Piimlc.UJO-£) *u«ui|DC Oi? Joa USySIA ... I-■ >,,, g" 113111 Kl Sonntagsgruß ( Oemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde ließen Vh\ 32 Gietzen, ©ottntag, IO. nach Trinitatis, den 12.?luguft 1917 6. Iahrg. Armer Reichtum. Evangelium des Lukas 1.6, 29. Er lebte alle Tage herrlich und in Freuden. | Im Evangelium wird von dem reichen Manne erzählt: „Er lebte alle Tage herrlich und in Freuden". Dieses in den allgemeinen S prach geb r a rr ch ü b e rn o m m en e Wort offenbart uns deutlich, wie bedauernsivert arm doch dieser reiche Mann war. Denn wer mit seiner Zeit uird seinem Geld nichts anderes anzusangen weis;, als alle Tage herrlich und in Freuden zu leben, der ist tatsächlich arm und bar der höchsten Güter. Ans den passen die herben Worte des großen Dichters: „Was ist der Nieusch, lvenn seiner Zeit Ge- j fwinn, Sein einzig Tun nur Schlaf und Essen ist?! Ein Vieh, nichts weiter." Vor dem Krieg gab es leider genug reiche j Leute in Deutschland, die so lebten. Die ! harte Zeitlage hindert sie heute daran. Ern| (Slyrift wird sowohl dem Reichtum wie der! Armut gegenüber die richtige Stellung einnehmen. Das Leben ist der Güter höchstes! nicht, und kein Mensch lebt davon, das; er j viele Güter und Geld hat, das doch schließ ; lich die Motten und der Rost sressen werden, i Er wird sich stets als Haushalter Gottes auch ! über etwaigen Reichtuin sühlen und so einen vernünftigen Gebrauch davon machen. Aber ebenso muß unser Streben daraus gerichtet sein, daß unverschuldete Armut immer mehr und mehr verschwinde. Es wäre jedenfalls eines christlichen Volkes unwürdig, wenn Arme vor der Tür der Reichen lägen und die Hunde kämen, um ihre Schwären zu lecken. Nicht bloß die persönliche Barmherzigkeit hat da einzutreten, sondern vor allen Dingen auch eine in christlich-sozialem Geist geübte Landesgesetzgebung. Hier harren noch gewaltige Aufgaben der Erfüllung, es sei z. B. nur an die Wohnungsfrage erinnert, die nach dem Krieg besonders brennend werden wird. Ks darf unter keinen Umständen so kommen, daß jene Tapferen, die auf den blutigen Schlachtfeldern Uwe Gesundheit für des Vaterlandes Wohl geopfert haben, „vor der Reichen' Tür liegen". Die Schaffung von .Kriegerheimstätten ist datier eine zwingende Notwendigkeit. Der größte Reichtum eines Christen — sei er nun reich oder arm — wird darin bestehen, daß er sich reich süblt als Kind und Erbe seines himmlischen Vaters und von diesem stolzen Hochgefühl die oegel seines Lebens geschwellt sind. Dann darf er sagen: „Ich bin reich in der mancherlei Gnade Gottes." Martin Luther als Prediger. Die Predigt mit iljrer Krönung im heiligen Abendmahl, das bleibt doch das Kern- und Herzstück evangelischen Kirchentunis, und Martin Luther ist ihr gewaltigster Erneuerer, ja, ihr recht eigentlicher Begründer ge- lvesen. Zu seiner Zeit war er der Erste, der ihre ausschlaggebende Bedeutung, weit über allen, oft berückendsten und blendendsten Kirchendienst hinaus, erkannt und der sie be- wußi in den Mittelpunkt gerückt hat. Dabei sprechen wir nicht bloß von dem Luther der späteren Tage, sondern schon vom „jungen" Luther, etiva jetzt genau vor 400 Jahren, noch vor dem Thesenanschlag am 31. Oktober. Wir werden daran erinnert durch eine merkwürdige Predigt, die der jugendliche Professor am 25. Juli 1517 in der Dresdener Hofkirche vor Herzog Georg dem Bärtigen Hielt, der sich an den Generalvikar Staupitz mit der Bitte um einen frommen und gelehrten Prediger gewandt hatte. Lu- tlxr, der damals doch noch ganz im katholischen Kult und Ritus und ihrer Redeweise wurzelte und seiner Kirche getreuester Sohn sein wollte, predigte über Matth. 20, 20 bis 23, das Wort Jesu zu den Söhuen Zebedaei: „Ihr wisset .nicht, was ihr bittet." Doch ülnwaus bezeichnend für die Art, wie der junge Löwe damals schon seine Glieder reckte, ist, was die Chronik darüber von ihm berich,- tet. Bei der herzoglichen Tafel befragte nachher- der Herzog eine Hofdame, Barbara von Sala, wie ihr die Predigt gefallen habe. Tie antwortete: „Wenn ich noch eine solche Predigt hören könnte, so wollte ich ruhigen Gemüts sterben." Darauf der Herzog: „Er wolle groß Geld darum schuldig sein, wenn er dergleichen Predigt nicht gehört, als welche die Leute nur sicher und ruchlos mache." Was war geschehen? Deutschlands kommender Reformator hatte in den Mittelpunkt seiner Predigt bereits das große Pm,- luswort gestellt: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben" und nicht seiner Werke „Das ist die Saite, auf der ich immer leiere," hat Luther einmal gesagt: die Rechtfertigung aus dem Glauben ist der Grundstock der Reformation geworden — und das hatte Georgs feines Ohr argwöhnische schon damals vernommen %naß0ßr>4uuo - 126 - Wir ober wollen es Luther danken, dap er fortan |:ßiit äebgnitaiig diese Saite durch! alle Höhen, Liefen und Tonlagen zu jauch-! zendem Harfenspiel gestimmt und gerührt I har. Und daß er überhaupt zu predigen nicht j mehr müde ward. Wir fajsen es kaum, wo-; her der über und über belastete Mann i>ie Zeit genommen !>at, nicht nur sonntäglich, , nein täglich, oft gar an einem Tage drei-> bis viermal zu predigen. Schon bts 1517 ; fiel er als Subprior des Wittenberger Klo- i sters, dessen Studiendirektor er damit zugleich , ' war, sowie als Distriktsvikar und Professor j darin auf, nachdem er den Grund für feine > Predigtvertiefung schon im Erfurter Kloster . gelegt hatte. Und es ist ihm nicht einmal leicht geworden. „Das ist keine geringe Sache," sagt er einmal, „an Gottes Statt! mit den Leuten zu reden und ihnen zu predi-; gen." Auch das Kanzelfieber hat er gründ- > lich dnrchgemacht. „Wenn einer zum ersten Male auf den Predigtstuhl kommt, niemand glaubt, wie bange einem dabei wird. O wie fürchtete ich mich vor dem Predigstuhl!" Er ist darum doch einer der gewaltigsten und gesuchtesten Prediger seiner Zeit geworden. Mächtig war immer und überall die Wirkung seiner Rede. — In Wittenberg selbst predigte er vornehmlich in der Gtadtkirche, zumal, ivenn Bugenbagen nicht da war, und das währte oft Monate, Jahre lang, weil Bugeuhagen viel nach auswärts berufen wurde, das Kirchenwesen zu ordneii. Vordem mußte er aber in einer kleinen, nnr 30 Fuß langen und 20 Fuß breiten Kapelle reden, die notdürftig aus Holz und Lehm hergestellt, sehr baufällig vom Alter und von allen Seiten gestützt war. Die Kanzel gar niedrig, aus ungehobelten Brettern, so daß ein Schüler Luthers von der Kapelle schreiben konnte: „Sie hat allenthalben das Aussehen, wie die Maler ’mlden den Stall zu Bethleheni, darin Christus geboren war." In seinen späteren Jahren, etwa seit dem Frühjahr 1532, konnte Luther seines Gesundheitszustandes wegen fast gar nicht mehr in der Kirche sprechen: so verlegte er die Predigten ins Haus. Seinem Schüler Veit Dietrich verdanken wir die Nachschrift eines , großen Teils dieser kostbaren Predigten, die 151k mit einer Vorrede von Luther selbst als ,.Hauspostille" veröffentlicht worden sind und nicht ohne Grund von vielen noch höher geschätzt werden, als seine große Kirchenpostille von der Wartburg. Worin besteht nun die bezwingende Wirkung der Lutberschcn Predigt, von ihrem granitenen Glaubensinhalt ganz abgesehen? Lu Hier selbst hat manche goldene Regeln darüber gegeben, die auch vielen heutigen Pfarrern noch „gut und heilsam zu lesen" waren Er predigte allezeit für die „Einsaitigen"' „Wenn ich. auf die Kanzel komme," sagt er eiiiiüal, „so gedenke ich nur den Knechten und Mägden zu predigen, tim 1). Jonas oder Philippus oder um der ganzen Universität willen wollte ich nicht einmal austreten, denn sie können's sonst in der Schrift wohl lesen. Wenn man aber den Hochoerständigen predigen will und eitel Meisterstück lM rau sw er Kit, so stellet das arme Volk gleich wie eine Kuh." Und einem Magister, der Brandenburger Hofprediger werden sollte, schrieb er u. a.: „Alle derne Predigten sollen aufs einfälllgste sein, und siehe nicht auf den Fürsten, sondern aus die einfältigen, alber neu, groben und ungelehrten Leute, welches Tuches auch der- Fürst sein wird... Kann ich denn Griechisch, Hebräisch, das spare ich, wenn wir Gelehrten Zusammenkommen, da machen wir's so krause, daß sich unser Herrgott darüber verwundert." — Eine zweite Regel war: Kürze! „Das ist ein närrischer Prediger, der da meint, er will alles sagen, was ihm einfällt." Von Luther stammt denn auch der Spruch: „Steig frisch naus, thu's Maul aus, hör' bald aus!" — Und zum letzten: LutlM kannte auch Prophetenzoru! Alle Schäden in Welt und Kirche deckte er schonungslos auf und sagte seinen Zuhörern, aber auch allen, vom Fürsten bis zum Bet! ler, vom Greis bis zuiu Jüngling, ihre Sünden ins Gesicht. Das hat vielen nicht ge paßt! Aber Luther ließ sich nicht beirren. Er hat einmal die Predigt „das Szepter Christi" genannt. Er wußte aber neben dem Stab Wehe auch den Stab Lind meisterlich zu führen. Ihm ist's allez eit nicht zu tun gewesen um Beifall, sondern um die Wahrheit und um der Seelen Seligkeit. Und doch sollte alles Evangelium sein, „d. i. frohe Botsckiaft"! Angstmachen und Töten ist nur Gottes „frenides" Werk: sein eigentliches, eigenes Werk ist Lebendig- und Selig machen." Gießen vor 4(0 Zähren. (Fortsetzung.' Noch nach einer anderen Richtung hin ist die katholische Kirche damals von einer tiefgehenden Bewegung durchzogen worden. Zum 8. Dezember 1869 hatte der Papst Pius IX. ein Konzil nach Rom ausgeschrieben, das im vatikanischen Palast gehalten wurde und deshalb kurz als das „Vatikanum" bezeichnet wird. Dieses Konzil tagte bis zum Sommer 1870, als der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges seine Vertagung herbeiführte. Als der Krieg schon im Werden war, am 18. Jiuli 1870, verkündigte der Papst auf dein Konzile den Glaubenssatz von seiner Unfehlbarkeit in Sachen des Glaubens und der christlichen Sitte. Diesem Dogma widersetzten sich viele fromme und ernste Katholiken, und als die Kirche, wie natürlich nicht anders zu erwarten war, nicht davon abging, lösten sie sich von ihr los und begründeten eine neue, die altkatlolische Kirche, die noch heute in f Hl Uitnqiii?ui3jq!£ o-iq -qun mjjcv 'uw Ui xoqn / 3 7 ^ / uuvm; isipoaUpl ipnv uiwai QJOfi HOO '.11.107(0 X.IQll.l JHJVX II Ul 311110 g? .11 <1 'X ,1U1 QU l> Jj .1OU i'ltuli JJUOj UW p3}-Q XVtU iJJOQ — zci — Teutschlaud besteht. Auch in Gießen schritt man zur Gründung einer altkatlolischen Gemeint«. Am dritten Weilprachtstag 1875) ivnrde hier in der Hospitalktrclie der erste' altkatholische Gottesdienst abgehalten, und zwar durch den altkatholischen Pfarrer Ricks «US Heidelberg. Der Raum war überfüllt, zumal da aus Offenbach unter der Führung des Pfarrers Steinwachs viele Altkatholiken gekommen waren. Ricks sielt die Messe und die Predigt. In einem Zeitungsberichte hieß es, er labe Wahrheit, Liebe und Gehorsam gegen Gott, den Staat und die Mitmenschen gepredigt Es sei auch niemand gewarnt worden, einen anderen Gottesdienst zu besuchen, wie das am zweiten Weihnachtstag in einer Gießener Kirche geschehen sei. Ein Mann, der in einer lstestgen Wollspinnerei j beschäftigt war, suchte diesen Gottesdienst zu stören, was ihm aber nicht gelang. In den ' nächsten Tagen wurden auf der Expedition des „Gießener Anzeigers "»Anmeldungen zum Beitritt zur altkatholischen Gemeinde entgegengenommen, Noch im Jahre 1888 wurde hier altkatholischer Gottesdienst gehalten, kurz darnach scheint er jedoch eingegangen zu fein. Für alle Kirchengemeinschaften war es > wichtig, das; aml 1. Januar 1870 das neue Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes iii Kraft trat. Durch dieses Gesetz! wurde die Beurkundung der Geburten, Trau-i nngen und Todesfälle den Pfarrämtern Entzogen und den neugebildeten Standesämtern, die stets mit den Bürgermeistereien verbunden find, übertragen. Die Geistlichen beschränkten fick von nun an auf die rein reit glösen Handlungen. Man glaubte zuerst, durch dieses Gesetz ivürden viele dazu geführt werden, ihre Kinder nicht mehr taufen, ihre Verstorbenen nicht Mehr kirchlich zu Grabe bringen zu lassen und sich beim Ehe- schlus; mit der standesamtlichen Handlung zu begnügen. Jü großen Städten, wie in Berlin, ist das auch geschehen. Dagegen konnte die Gießener Dekanatsspnode bei ihrer ersten Tagung nach dem Inkrafttreten des Gesetzes feststellen, das; im ganzem Dekanate keine einzige kirchliche Handlüng abgelehüt worden war. Leider können wir das jetzt in der .Kriegszeit nicht mehr sagen. Viele Kriegsgetraute versäumen es, sich kirchlich trauen zu lassen und zwar lediglich in dem Gedanken, das später nach Friedensschluß nachzuholen. Möchten sie doch bedenken, daß es gerade in diesen schweren Tagen von Legen ist, wenn ein Pgar, das bald wieder voneinander getrennt wird, den Segen Gottes zu seinem Bunde begehrt hat! Man war allerdings auch schon vor dem 1. Januar 1876 nicht gezwungen, seine Kin der taufen zu lassen. Der Gießener Bürger- Heppe. der einer religiösen Gemeinschaft angehörte, die die Kindertaufe verwarf, hat vordem genannten Zeitpunkte seine Kinder wohl zur Eintragung in das Kirchenbuch angemeldet hierzu )var er gesetzlich verpflichtet —, aber die Taüfe ließ er nicht vollziehen. ^ Hier sei noch nachgetragen, das; im Jahre 1870 folgende Herren den evangelischen Kirchen Vorstand zu Gießen bildeten: Kaufmann Wilhelm Baiser, Rentner Louis Bücking, .Hofgerichtsadvokat Karl Dornfeiff, Fabrikant Ferdinand Gail, Fabrikant Jean Han stein, Buchdruckerei des i tze r Willxelm Keller, Kupferschmied Kirsch, Gastwirt Balthasar Lenz, Bauunternehmer Anton Petri, Schneidermeister Louis Ptmper, Professor Dr. Albrecht Thaer, Bankdirektor Georg Wortmann. 4. Ge s ch ä f ts l e ben. Das Gesetz von der Beurkundung des Personenstandes war eine der ersten Errungenschaften des neugegrüudeten Deutschen Kaiserreiches. Gerade in der ersten .Hälfte der 70 er Jahre hatten die deutsche Reichsregierung und der deutsche Reichstag ihre große Zeit. Bismarck stand an der Spitze der Negierung und überhaupt auf seinem' Höhepunkte. Alle Parteien des Reichstages wiesen außerordentlich hervorragende Männer ans, Männer von großer geistiger Bedeutung, wir erinnern nur an die Namen Moltke, Bennigsen, Miauet, Birchow, Gneist, Bamberger und Windthorst: auch stand der Ton, in dem in diesem Parlamente verhandelt wurde, auf einer Höhr, die Man später oft verlassen hat, um dafür die Geologen hei teu der wildesten Volksversammlungen anzunehmen So hat man in dem angegebenen Zeiträume eine Reil^e höchst wertvoller Reichsgesetze geschaffen. .Hierzu gehört auch die Einführung einer- deutschen Reichsmünze. Am 1. Januar 1875 trat die Markrechnung, die so viele Erleichterungen bot. in das Leben, die Gulden- und Kreuzerrechnung war damit in Hessen abgeschafft. Gießen war früher deshalb so übel daran, weil es int Halbkreise von preußischen Gebieten umschlossen ist und naturgemäß wie heute noch, mit diesen Distrikten in lebhaftem Geschäftsverkehr stand, sich mithin vielfach dom preußischen Münzfüße anpassen mußte. Mit der Einführung der Markrechnung war ein alter Wunsch der deutschen Patrioten in Erfüllung gegangen. Schon in der Zeit unmittelbar nach den Befreiungskriegen hatten sie diesen Wunsch ausgesprochen. Tie Frist, innerhalb deren man die alten Münzen umwechseln konnte, währte bis zum 1. Januar 1876. Aber viele Leute, namentlich auf dem Lande, vermochten sich nicht von den alten Kronentalern, Brabanter Gulden, Karolinen, Franken, Sechsbätznern, und was sie sonst an altem, außer Kurs ge- ! letztem Geld noch hatten, nicht zu trennen. In einer rheinhessischen Landgemeinde wurden im Jahre 1883 einem alten Manne solche Münzen, die er mit großer Zähigkeit festhielt, gestohlen. Eine ähnliche Erscheinung ist es, wenn jetzt viele Leute in unbegreif- ' sicher Weise das Kleingeld festhalten. Mit i '*■- ' „i’.x lVKuä\»v.\c luVcmii uciUv\iuj iAuqs>i.uvu.v,v «« u^xu.v '»LX\ v-'rnuvo^ w\ SSS? ^ m «s\ü\.'W uaipiaiü uta-q viu) wuvvv'A ipou .n«.'\ V'uuvwmc^ .'\A U> vwv\i ^":,\ V^' c «^ ' %Q \« l- « «V un un»4*\Mp >BK V vwaicwa \.'\\\\\ -uc'H.wv.w \.nuyi\x\ ,'C\ ,,UX\v\M v xm\\\xv uv.lV _ iiiin "fli hVivvh'uim; uv \Wx^ UM.MV^.XOAVVVK. UO«i , V'Us U\ 0»gr»u>, wocv u.'w'cw \s\nv.\.'\ii.'ivuw\ci' .vaq mluu\;\\u" '' 'Vr'V\ A\" v ' l V'v\-. , 'unnn - .'^ «.ns. univ>KCs uam**k® xiaaäc\. 3 , sl =«S 'mm\«n'i\oav « VV»x\V umj woo'xjq QWUA.Mil® ^ w wS -öupuis C5AV.UV^D -'si. xU\\ " ^ — e.z\ ~ 128 - dein 1. Januar 1875 kamen auch neue Brief- Karl wieder und mar sehr traurig. Cr marken auf. In den letzten Jtrhren haben j fragte: was ich zu tun gedenke, und ich sagte wir Aenderungen gerade auf diesem Gebiete! ihm : noch könne ich darüber nichts sagen', fa oft erlebt ^ fun* nnomt mir ntrfi.fÄ nnhiPrP’Ä iihrirtTill^lri > Unsere Hausfrauen, die jetzt mit gutem Grunde über die beinahe unerschwinglich hohen Lebensmittel preise klagen, wird es i nteressieren, zu erfahren, wie hoch diese Preise im Jahre 1875 waren. 4 Pfund gemischtes Brot kosteten 62 Pfg., 4 Pfund Roggenbrot 54 Pfg. Das Pfund Ochsenfleifch, und zwar erster Qualität, kostete 58 Pfg. Es wurde darüber geklagt, daß das Pfund Butter auf 1,45 Mk. kam. Der Zentner Brennholz ko aber wenn mir nichts anderes übrigbliebe, würde ich mich beim Militär melden. „Das tue ich zwar ungern," fügte ich hinzu, „aber eine schlechtere Behandlung als hier habe ich dort nicht zu fürchten!" Und nun schüttete ich einen Teil meiner Klagen aus, die Karl unstreitig mitgeteilt lMt, lvas auch inein Wille mar. Ich kam ebensowenig zum Abendessen und .ging endlich hungrig zil Bette. Was ich machen sollte, wußte ich nicht. Ich hatte niemanden, an den ich mich wenden stete, klein gehauen, 1,50 Mk. Die Gas- konnte; denn daß mein zweiter Oheim mir anstatt lieferte Koks, den Zentner zu 95 Pfg., nicht gegen feinen Bruder Beistand leisten, in das Haus gebracht zu 1 Mk. Der Schop- würde, wußte ich, und außer dem war nie- pen 1874 er Wein kostete 42 Pfg., die Flasche Lagerbier k8 Pfg., die Flasche Gießener Aktienbier 23 Pfg. Für den Mittagstisch bezahlte man in den angesehensten Gasthäusern 80 Pfg. Herren konnten Zugstiefel für 8,50 Mk., elegante Zugstiefel für 9,60 Mark erwerben, Danrenstiefel kamen auf 9 Mk. Daß 40 Jahre im Leben eines aufstrebenden Volkes doch recht in das Gewicht fallen, merkt man daran, daß geschäftliche Bezeichnungen, die damals gang und gäbe waren, heute weggefallen sind. Die Handwerksmeister wurden auch, wenn sie selbständig waren, damals selten als Meister bezeichnet, sondern hießen einfach Schneider, Maurer,! Schreiner, Barbier. Statt des letztgenannten Wortes sagt man heute Friseur, die Barbiere waren damals häufig auch „Heildrener" und wurden als solche recht geschätzt. IWer heute Bureauvorsteher ist, hieß damals Scri- bent, die unselbständigen Kaufleute wurden als Kommis bezeichnet. Damals existierte auch noch die etwas lang geratene Bezeichnung „Ellenwarenhändler". Mancherlei Aufschluß über das geschäftliche Leben vor 40 Jahren geben uns die Inserate im „Gießener Anzeiger". Ta werden den Damen „Chüles" angeboten, ein auswärtiger Hotelbesitzer, jedenfalls ein höflicher Mann, verkündigt: „Ich unterlasse nicht, dem wohllöblichen reisenden Publikum mein Hotel aufs beste zu empfehlen." (Kegen Erkältungen pries man Mittel, die man lieutzutage nicht mehr kennt, so Brustbonbons, Brustsirup, Trauben brusthonig, Malzextrakt-Brustzeltchen. Als Mittel gegen Magenerkrankungen brachte man „Weiße Lebensessenz" in empfehlende Erinnerung. Das waren wohl in der Mehrzahl Mittel, deren Verbreitung man heute verbieten würde. (Fortsetzung folgt.) Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes. mand da, dem ich meine Not hätte klagen können. Nur darüber war ich mit mir einig, daß ich mir keine schimpfliche Behandlung gefallen lassen dürfe, da ohnehin schon meine frühere Behandlung alles Maß der Billigkeit überschritt. Von der andern Seite aber haftete auf dem entlaufenen Lehrling ebenfalls ein schimpflicher Makel, der mir sehr empfindlich war. Beim Militär wurde ich ohne Zweifel angenommen, aber meine Mutter hätte ich durch einen solchen Schritt entschieden unglücklich gentacht. Jede andere Zuflucht aber war mir verschlossen. Ich erwachte ratlos und beschloß, auszugehen, um zu versuchen, db mir vielleicht unterwegs ein helfender Gedanke käme. Ich sagte Karl, daß ich ausginge, was nicht unbemerkt geschehen Gönnte, und lief nun ümtzer, Straße auf, Straße ab, planlos. Die Menschen gingen an mir vorüber, niemand kümmerte sich um mich und ich redete niemand an, denn an wen konnte ich mich wenden? Ich kaufte mir ein Brot, steckte es in die Tasche und kehrte nachmittags aus meinen Boden zurück, wo id) ungestört Nachdenken konnte. Karl kam wieder herauf und schien gern erfahren zu wollen, wo ich gewesen sei. Ich war aber schweigsam, und er verließ mich bald. Der Tag verging ohne irgend ein Ergebnis. (Fortsetzung folgt.) ttirchliche Anzeigen. Sonntag,den 1 2. A u g u st. 10. nachTrinitatis. G o t t e s d i e n st. 3n der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier- ten aus der Markusgemeinde Pfarrer Schwabe. — Vormittags 9(5 Uhr: Pfarr- assistent Lic. Reuning. — Mittwoch, deii 15 August, abends 8 Uhr: Kriegsbet- stunde. Pfarrer Schwabe. 3n der 3ohanne5kirche. Vormittags 8 Uhr, siehe S t a d t k i r ch e. — Vormittags 9(5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheim er. — Abends andern oben bleiben. Gegen Abend kam i 8 Uhr: Bibelbesprechung im Iohannessaal. Verantwortlich : Pfarrer B e cf) t o l * f) c i m c r. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und St-iiidruckcrei R Lanqe, Gieften.