uoukv uo-(pi ^joauM-q K3 'F' 1 ' - ">0 UOlpQü'nis M?l U 3 .|.TOtp© ,0* moimn-S» quii ui(pqpJf& 041.10 oiq oa-K noiivq sojsjfp-ijg«® Ö HIP« „öq 41441 oqsk>nna0.41pno » 4 im Cp lj oaq) 'oaio - 10» iojju uoOun.fi iiuiofl^ oiq axoi 30Q 'jCpoiu coti'aonHp] aj 'liofpßaon.ioq lioüunqoaijo» uau — 8X1 — Gemeindeblarr für die evangelische 'Kirchengemeinde Gießen Uv. 31 Gicficn, ©ontttag, 9. nach Trinicaciö, den 5.August 1917 6. Iahrg. Drei Zähre welttrieg. Jer. 5, 3. Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben. Tn schlägst sie, aber sie süh- 1 len es nicht; du machst es schier aus ^ mit ihnen, aber sie bessern sich nicht. Sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels und wollen sich nicht bekehren. Es gibt jetzt in Deutschland viele, die mit Gott hadern, weil er immer noch nicht den Frieden sendet. Ist er ein gütiger Gott, so > sagen sie, so muß er dem Kriege bald ein Ende machen. Warum wünschen diese Men-j scheu Frieden? Damit sie wieder völlig uu gehindert ihrem. Vergnügen nachgehen, damit sie Siegesfeste feiern können „niit Pauken und mit Freuden und mit Geigen", wie i einst die jüdischen Frauen, als Goliath von David besiegt worden war. Sie wollen Frieden, damit sie aus den Straßen jubeln, von sich selbst ein großes Aufheben machen und es sich bei geistlosen Vergnügungen wohl sein lassen können, wenn mich die vielen Leidtragenden bei einer derartigen Friedensfeier am liebsten in die Einsamkeit fliehen oder sich in den Keller verkriechen möchten. Man braucht kein trübseliger Moralist und kein finsterer Bußprediger zu sein, um zu sagen, daß unser Volk am Beginn des vierten Kriegsjahres innerlich nicht gerüstet ist. dem Frieden ent gegenzugehen.. Tie religiöse Hochflut des ersten Kriegsjahres ist in ein sehr schmales Rinnsal ein geströmt. Fast hat man den Eindruck, daß die starke Beteiligung am religiösen und kirchlichen Leben in den Jahren 1914 und 1915 auf einem gewissen abergläubischen Fatalismus beruhte. Mau glaubte, wenn man in die Kirckw gehe, io werde Gott den Ehemann, den Sohn, den Bruder im Felde beschützen. Das Leben in Deutschland zeigt jetzt so unerfreuliche, ja häßliche Züge, daß wir um die sittliche Kultur unseres Volkes besorgt sein müssen. Tie, die zu Hause in sicherer Ruhe sitzen, streiten darüber, ob wir Eroberungen machen sollen oder nicht, d. h. mit anderen Worten, ob Hunderttausende noch weiter ihr Leben lassen sollen oder ob der Jammer der deutschen Familien ein Ende finden soll. In dm ersten Kriegsmonaten hieß cs: wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, nun regt sich allenthalben ein geradezu brutaler Egoismus. Das sieht man am deutlichsten, wenn man aus der Eisenbahn fährt. Keiner macht dem anderen in den überfüllten Zügen Platz, jeder sucht, auch wenn noch Platz da ist, den, der einsteigen will, durch unhöfliches Betragen zu verscheuchen. In einer Zeit, in der man viel von Bevölkerungspolitik redet, will man nicht in einem Abteil reisen, in dem sich kleine Kinder befinden. Die Erziehung, die viele unserer Volksgenossen gehabt haben, ist derart, daß sie Frauen mit kleinen Kindern und Soldaten, die von der Front nach der Heimat reisen und oft schon dreißig Stunden unterwegs sind, stundenlang in den Gängen der D-Züge stehen lassen. Das 7. Gebot wird jetzt in vielen Fällen übertreten. Die Leute, welche Felddiebstähle begehen, sündigen im kleinen, die Kriegswucherer und Kriegsspekulanten bereichern sich im großen. Dieser Kriegswucher ist ein Nebel, das am Marke unseres kämpfenden und arbeitenden Volkes frißt und uns mehr Schaden bringt als die Feuerschlünde der Gegner. Die Art, ivie die Menschen jetzt miteinander und übereinander reden, wird von Tag zu Tag unedler. Wird ein Mann, der seither vom Kriegsdienst befreit war, zum Heere eingezogen, so sagen seine Nachbarn und Wider- I sacher: Das gönne ich ihm, das geschieht ihm ! recht, als ob die Verteidigung des Vaterlandes für den Mann eine Strafe und nicht höchste sittliche Pflicht wäre. Wir werden ! den Tag segnen, an dem uns das unedle ; Wort „hamstern" nicht mehr in den Ohren klingt. Die schwerste Sünde unseres Volkes ist. daß es herzlos dem Sterben seiner besten Söhne und dem unendlichen Jammer, der durch den Krieg über viele gekommen ist, zusieht. Fürwahr das alte Propheten,vort lebt wieder auf: Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben. Du schlägst sie, aber sie fühlen es nicht: du machst es schier aus mit ihnen, aber sie bessern sich nicht. Sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels und wollen sich nicht bekehren. Soll Gott uns Frieden geben, so müssen wir zeigen, daß wir dieser seiner Segnung würdig sind. Menschlich geredet, lat Gott kein Interesse daran, einem gottlosen, leichtsinnigen und lieblosen Volke den Sieg und ein neues Aussteigen zu geben. Wer leben will und gute Tage sehen, so sagt Petrus, der wende sich vom Bösen und tue Gutes, er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn merken aus die Gerechten und seine Ohren aus ihr Gebet, das ! Angesicht aber des Herrn steht wider die. die I Böses tun. H. B. % tt 3 fi <3 fi r>U U O - 122 - Giehen vor 40 Jahren. (Fortsetzung.) Am 15. April 1874 trat unter Dem Namen „Versalsung Der evangelischen Mirdje De--- Großlcrzogrun.s 5)e>sen" ein fcfcr ivichliges Gesetz in ft mit. Xurdi Dieses Gesez *• urteil Die Angelegenheiten unserer Landeskirche nen gevrdnei uiit den berechtigten ForDeruugen Der ^ieuzeit amgepaßt. Damit waren viele Wüilsche der kirchlich gericyieleu .streife un seres engeren Vaterlandes in Erfüllung gegangen. Diese Wünsche ivaren im lvesem- lichen daraus hinausgegangen, den Gliedern Des nichlgeistlichen Standes eine grössere Mitwirkung bei der Berlvaltnng des kirchlichen Vermögens und der Ordnung Der geistlichen Angelegenheiten zuzugestehen. Außerdem >var dadurch Die evangelische I Kirche in Hessen zu einer festeren Einheitj zusammengeschlosseu worden, und Durch Ein führung einer Kirchensteuer war es möglich geworden, eine Reihe von Pfarr stellen nen zu begründen und mit Den Mißständen Des ^ Vikariatswesens, von dem oben schon Die Rede war, auszuränmen. Der Anstost zu dieser Bewegung datiert von dem Jahre 1848. Am 25. März dieses Jahres hatte der Erbgroß lierzog-Mitregenl, der spätere Großherzog i Ludwig 111., ein Edikt erlassen, worin er I kundgab, „eine meitere zeitgemäße Entwicklung Der inneren Verfassung Der evangelischen Kirche des Groß Herzogtums in der Art anzubahnen, dast namentlich den Gliedern des nichtgeistlichen Standes die ihnen gebührende Mitwirkung nicht länger vor enthalten bleibe." Eine zeitgemäße Umgestaltung ist jedoch damals nicht herbeigeführt worden. Erst ini Jahre 1870 wurden Die Arbeiten wieder ausgenommen und hattlen diesmal mehr Erfolg. Wie im politischen Leben, so waren auch im kirchlichen Leben die Wogen im Jahre 1848 sehr hoch gegangen. Der Wortführer im kirchlichen Streite war damals ein Pfarrvikar Schaffer in Kirchbrombach. Er gab ein kirchlich-politisches Blatt heraus, das^den seltsamen Titel führte „Luzifer oder Süd westdeutscher Kirchenteufel". Das Blatt vertrat das Recht der Gemeinden, bei Der Anstellung ihrer Geistlichen mitzuwirken, trat für die Rechte der nicht definitiv ange stellten Geistlichen ein, regte Synoden an und was dergleichen Forderungen Mehr ivaren. Die Sprache, die das Blatt führte, war, dem Geiste der Zeit entsprechend, sehr revolutionär, namentlich wurde das hessische Kirchenregiment mit heftigen Worten und in ungebührlichem Tone angegriffen. Im Odenwald, namentlich in Kirchbrombach und Michelstadt, kam es. zu einer Loslösung * Herrn Pfarrer i. R. Scriba in Gießen, der mir das sehr selten gewordene Blatt freundlichst schenkte, sei auch an dieser Stell' herzlicher Dank gesagt. H. B. Evangelischer von der Landeskirche. Schösser hielt Gottesdienste im Freien „ohne Ehor- roct" und, was sehr viel heißen will, auch „ohne Bibel". In Wahr Heu .raren diese „Gottesdienste" Volksversammlungen mit der Tendenz, das Volk auszureizen. Diese Be- lvegung mar keine Reformation, sondern eine Revolution, wenn auch eine Revolution im kleinen. Sie krankte hauptsächlich daran, daß sie nicht religiös fundiert war. Im wesentlichen ging sie Hand in Hand mit Der von Johannes Ronge ausgegangenen dentsch-kathotischen Bewegung. Schösser soll später nach Amerika gegangen sein. Leider zeigten die Jahre 1874 bis 1870 ähnliche Erscheinungen in Hessen. Die mit vieler Mühe zustande gekommene Kirchen Verfassung erregte in Hessen nicht nur freu dige Zustimmung, sondern auch heftigen Streit. Die einen waren mit der Kirchensteuer unzufrieden, obwohl unser Volk sich damals in wirtschaftlich sehr guter Lage befand, die anderen verweigerten dem neuen Gesetze ihre Anerkennung, weil durch es nach ihrer Behauptung die lutherischen Gemeinden der Union, der Bereinigung der Lutheraner mit den Reformierten, zugeführt worden ivä- ren. Wegen der Kirchensteuer traten in Rheinhessen, besonders in den Kreisen Alzey und Worms, viele Familien leider aus Der Landeskirche aus und begründeten selbständige „freiprotestantische" Gemeinden. Ter alte Rouge kam, um für diese Bewegung zu agitieren, die sich von dem biblischen Ehri- stcntum immer entfernte und durchaus freigeistig gerichtet war. In der Person des Predigers Elßner aus Zittau, eines übrigens ehrenwerten und freundlichen Mannes, be riefen sich diese Gemeinden selbst einen Pfarrer, der einen sehr ausgedehnten Sprengel hatte und in manchen Gemeinden im Vierteljahr kaum einmal Gottesdienst halten konnte. Fm Laufe der Zeit sind diese sreiprotestantl- schen Gemeinden immer mehr zusammenge-- schrumpft, und die meisten ihrer Glieder sind zur evangelischen Kirche zurückgekehrt. Das ist ein Beweis dafür, daß die bloße Verneinung des biblischen Christentums keine Macht ist, die der Seele auf die Dauer genügen und eine feste Gemeinschaft bilden kann. Auch mehrere der Prediger dieser Gemeinden sind später in evangelischen Landes--- ürchen zur Anstellung gelangt. Fn Gießer bat die Einführung einer Kirchensteuer nicht den leisesten Widerspruch erregt. Kam diese Separation, wenn man so sagen darf, von links, so kam eine andere von rechts. Eine Reibe lutherischer Geistlicher schloß sich aus den schon angegebenen Gründen der Kirchenverfassung nicht an. Da sie sich fortgesetzt widerspenstig verhielten und dem Kirchenregimente den Gehorsam verweigerten, so mußte ihre Amtsentsetznng ausgesprochen werden, was im Jahre 1875 geschah. Es waren dies die Pfarrer Ferdinand Bringmann zu Höchst a. d. Nidder, Gustav ,- n iJ// yj? 3+v'Vi ,, uxabun xvmi ipi anj o(j LpijßuintCpixann atjvwaq aiq xaqrt aquuxg) 'iwqjaut -Wiijiifä tu tag Cpiiu <$ axajujj •’> l jqbixqn qaxaqnv ßjCpnt xiiu iniacn x.iqu , ' ' jqajxa jJo »/ . n,7 0 U 1 i? / «’Jaixffr .777.17, uaiuoj C£f=fT xvnitt>£? j uuxj — 1 ~ - 123 - / Bai st zu Ulfa, Tr. Eduard Lucius zu Rod- heim, Friedrich Kraus in Bolkartshain, Her- maun Bichmau.i in Güttersbach, vimil Kraus in Rothenberg und Georg Anthes in Reichelsheim ini Odenwalde. Schon früher war aus dem gleichen Grunde der Pfarrer Kötz von Eichelsdorf entlassen und der Kandidat; Lucius von der Kandidatenliste gestrichen worden. Einige dieser Pfarrer fanden in anderen deutschen Landeskirchen rasch gut dotierte Stellen, so das; von einem Märtyrer- j tum nicht geredet werden konnte. Tie ande ren blieben in Hessen und suchten ihre Gemeinden zu bewegen, aus der Landeskirche auszutreten. Es zeigte sich aber rasch, das;^ ihnen nur wenige aus ihren seitherigen Gemeinden Gefolgschaft leisteten. Auch diese Zahl ist wie die der Frei Protestanten sehr zusammengeschmolzen. Im Großl>erzogtuin Hessen gibt es heute nicht einmal 1000 separierte Lutheraner, aber mit acht Psarrstellen, die nur zur Hälfte besetzt sind. — Diese beiden Bewegungen, die sreiprotestantische wie die altlutherische, Huben damals in Hessen großes Aufsehen erregt, aber die Landeskirche war imstande, sie olyre Schaden zu überwinden. Leider kam es bei jeder der beiden Bewegungen zu gewaltsamen Handlangen. Diejenigen, die aus der Landeskirche ausgetreten waren, hatten damit selbstverständlich das Anrecht auf die kirchlichen Gebäude verloren. Das wollten sie aber nicht einsehen. In zwei Fällen suchte man sich gewaltsam das Benützungsrecht an den Kirchen zu verschaffen. In Ulfa erbrach man bei einer Beerdigung den Turm, um läuten zu können. In der freiprotestantischen Gemeinde Wonsheim in Rheinhessen hielt man eine Konfirmations - ieier in einem Saale ab. Darnach zog dl.'' Gemeinde, allerdings ohne den Prediger, zur dortigen evangelischen Kirche, um in ihr eine kurze Nachfeier zu halten, bei der zwei Borstet er der Gemeinde mitwirkten. Diese ^-Ungelegen beiten hatten gerichtliche Nachspiele, die beiden Vorsteher der sreiprotestantischen Gemeinde wurden mit je 8 Tagen Gefängnis bestraft. Ein Prozeß um Herausgabe der Kirche und des Pfarrhauses, den man an- strengte und der bis zum Reichsgerichte ging, ging der Gemeinde selbstverständlich verlo- reit. Auch dort hat sich seit langen Jahren wieder eine evangelische Gemeinde zusammengetan, und allsonntäglich wird evangelischer Gottesdienst gehalten. Gott behüte unsere Landeskirche in Zukunft vor solchen Streitigkeiten! Aber auch die katholische Kirche hatte damals schweren Stürmen zu begegnen. In den 70 er Jahren hatte man durch eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen im neu erstandenen Deutschen Reiche Staat und Kirch: gegeneinander abgegrenzt. Unter Bismarcks Leitung war in Preußen die katholische Kirche, weil sie öfters den Staatszwecken zu- widerbandelte. mehr als seither unter die Aufsicht des Staates gestellt worden. Das entfesselte den Widerstand der von den kirchlichen Oberen geleiteten Massen. Diese Bemühungen der Staarsregierung waren von dem Abgeordneten Birchoiv als „Kulturkampf" bezeichne! worden. Unter diesem Namen ist die Bewegung heute noch bekannt. Im Sommer 187t; wurden in ganz Deutschland, so auch in Gießen, sehr lebhaft Borfülle besprochen, die die deutschen Katholiken sehr erregt haben und wohl mit dem Kulturkampf in ursächlichem Zusammenhanga standen. Das waren die angeblichen Mutter gctteserscheinungen zu Marpingen ini rhein- preußischen Kreiie St. Wendel. Im Juli des genannten Jahres hatten drei achtjährige Mädchen beim Heide!beerenpflücken angeblich Maria und das Jesuskind im Walde gesehen. Die Aussagen der Kinder stimmten nicht überein. Bald soll Maria ein weißes, bald ein blaues, bald ein blau-weiß gestreiftes Kleid getragen haben, das Jesuskind!ein habe ein Kränzlein ans dem Haupte gehabt. Die Kinder fragten Maria nach ihrem Begehren, sie soll , gesagt haben, sie wünsche eine Kapelle, in der Kranke Heilung finden sollten. Alsbald wurde die Wundergeschichte allenthalben ruchbar, und die Bevölkerung pilgerte in großen Mengen nach der Stätte des Wunders. Die Gendarmerie wurde darauf aufmerksam und telegraphierte am 12. Juli, abends 8 Uhr, an das Landratsamt in St. Wendel: „Es pilgern Tausende von Menschen nach Marpingen, in welchem Orte die Mutter Gottes erschienen sein soll." Zu alleni Unglück war der Landrat abwesend, und der Kreissekretär, einer von der Sorte schneidiger Beamten, die für das Volk und sein Leben kein Verständnis haben und der Meinung sind, die Bevölkerung sei um der Beamten willen da und nicht die Beamten um der Bevölkerung willen, holte Militär herbei. Noch ehe das Militär kam. schritt der Sekretär mit Gendarmen gegen die Menge ein, unter der sich bereits viele Kranke befanden. doch konnte die geringe Zahl von Beamten nichts ausrichten. Am Abend kam die 8. Kompagnie des 80. Infanterie-Regiments aus Saarlouis an. Ter Komvagnieführer ließ nach dreimaligem Trommelwirbel die Menge, die 3 -4000 Menschen betrug, zum Anseinandergehen ausfordern, aber die Leute beachteten diesen Befehl nicht, sondern sangen: „Maria hilf, vernichte unsere Feinde!" Nun lvurden die Leute mit blanker Waffe auseinandergetriebcn, glücklicherweise gab es dabei keine ernsteren Unfälle. Hinterher setzte es natürlich viele Bestrafungen ab. und da der Zulaus nachließ, so wurde Marpingen nicht zum Gnadenorte. Man vermutete, daß schlaue Menschen diese ..Wundererscheinungen" inszeniert hätten, um den Fanatismus der Menge auszustacheln und größere Gegnerschaft gegen die Kircheugesetze des Staates wachzurufen. Bei den meisten der an diesen Vorfällen Beteiligten war es religiöse Schwärmerei, die sie zu Ausschreitungen — — - 124 - trieb. Wären die Behörden einsichtig gewesen, so wäre der Sturm der Exaltiertheit§ bald verflogen, und das Marpinger „Wunder" wäre rasch wieder vergessen worden, l Fortsetzung folgt., Unser letzter Ausgebot: Glocken und Orgelpfeifen heraus! Der Erdtreis unser Volk bedroht, 9hnt bleibt nur die Wahl noch: Sieg oder Tod, Verlassen steht der Heimatherd, Die Pflugschar wurde zum blitzenden Schwert; Wo der Spaten die Saat der Scholle vertraut, Er jetzt nur noch Gräben und Wälle baut. Verstummt ist der Orgeln, der Glocken Ton, Sonst erster Gruß dem Erdensohn, Kein Klang mehr zu frommer Stätte ruft, Kein letzter Gruß in die Totengruft. Des Vaterlands Not, der feindliche Mord, Er trieb sie von heiliger Stätte fort. Ihr eherner iieib, als Todesgeschoß Will zerschmettern den Feind, so Reiter tote lRoß. Sperr Gott vom Himmel, sieh darein. Laß dies letzte Opfer gesegnet jein Und führ' uns auf der rechten Spur, Daß Friede werbe der Heimatflur! Sind auch meine Tage nur kurz noch gezählt, Bis mein morscher Leib zu Asche zerfällt, Laß mein Ohr noch hören den Siegesgesang, Daß es töne wie Orgel- und Glockenklang! Dar m st a d t, 28. Juli 1017. Dr. K a p P e s f e r. Aus der Jugendzeit einer deutschen Männer. * Fortsetzung.) Mit dem Frühjahre heilten meine Hände: > ich brauchte nicht mehr einznheizeu, und manche andere Winter-Beschwerlichkeiten sielen fort. Leider aber änderte sich das Verhältnis im Hause nicht. Mein Oheim blieb grämlich und verdrossen, und wenn in den Arbeiten etwas mißglückte, war immer meine Dummheit schuld, obgleich es unmöglich war, mit dem elenden Werkzeuge genau und gut zu arbeiten. Ich hatte eines Tages mit einem Lötrohre zu manipulieren, dessen messingene Spitze ganz verbrannt und oxydiert war. Die Arbeit fiel nicht nach des Oheims Sinne aus, so sehr ich mich auch damit ge- guält und geärgert hatte. Ich hatte es wie- der nicht getroffen, und ich änderte die Arbeit, so schwierig das auch war. Abermals regnete es Vorwürfe über meine Dummheit: er wurde ganz wild und gebrauchte verletzende Worte. Sie erregten auch meine Galle, und ich gab ihm die Arbeit mit den Worten: da ich außerstande sei, es zu machen, wie er wolle, möge er es selber machen. Er sprang auf und schlug mir in bas Gesicht. „Ich dulde keine schimpfliche Behandlung von Ihnen!" ries ich empört, „und arbeite nicht weiter!" Damit stürzte ich zur Türe hinaus und auf den Boden, um erst ruhigeres Blut zu bekommen. Es dauerte lange: ich war außer mir: denn der Aerger wirkt bei mir immer nach, und ich lvar zunächst nicht imstande, einen Entschluß zu fassen. Das Leben, wie ich es bisher geführt, hatte ich satt, und mochte es so nicht weiter dulden. Es kam Mittag heran, und Karl, der Sohn, den ich am liebsten hatte, weil es ein elst'liches Gemüt war, kam auf den Boden herauf mit der Weisung: ich möchte zu Tische 1 kommen. (Fortsetzung folgt.) —7 - Kleine Mitteilungen. Bon einem Gemeindegliede, einem obereit Militärbeamten, geht uns folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung zu : „Die Gemeindeglieber, welche den mit Christenlehre verbundenen Früh gottesbienst besuchen, werben gebeten, den. Gottesdienst nicht mehr wie seither vor dem Segensspruche i zu verlassen. Erstens ist das vorzeitige Verlassen des Gottesdienstes stets eine Störung des Gottesdienstes, zweitens findet doch jeder ; gläubige Christ einen Gottesdienst ohne j Erstehung des Segens Gottes durchs den amtierenden Seelsorger als einen nicht abgeschlossenen Gottesdienst. Durch den Segensspruch empfängt man erst nach dem Borgottesdienst wie durch die tiefen, anregenden Gedanken der Predigt und ihre wohltuende, in der gegenwärtig so schweren Zielt erbauende und aus richtende Belehrung die den bedrängten .Herzen nötige Glaubenshoffnung für die künftige Woche. Die Christenlehre ist zudem doch nicht nur für die Neukonfirmierten berechnet, sondern in gleicher Weise auch für die älteren Kirchenbesucher. Es bedarf wohl nur dieses im Interesse des Ganzen wohlmeinenden Wunsches, um eine in jeder Weise nötige Besserung zu erreichen." Kirchliche Anzeigen. S o u u t a g , d e n 5. A u g u st. 9. nach T r i n i t a t i s. Gottesdienst. 3n der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten ans der Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr — Vormittags 9'.- Uhr: Pfarrer Schwabe. 3n der 3ohannesKirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas gemeinde. Pfarrer Bech- tolsheimer. — Vormittags 9h,> Uhr: Professor D. Schlau. — Mittwoch, den 8. Aug., abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrassi- ftent Lic. Reuning. Verantwortlich : Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Driihl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei R. Lange. Gießen.