-re llachbar- polenfrcuitöe schlechte und wirkte nicht tandene dro- n jrau ent- e ein eigenes ausführlicher nicht bei den nd Zchulein- llnzahl von :re darin jein lehung folgt.) Kdvent. Äonntagsgruß Gemeinöeblatt füröie evangelisch Kirtbengemeinoe Gieszew Nr. 51. Bietzen, Sonntag 4. Advent, den 24. Dezember 1916. 5. Jahrgang. t)r: Professor mche für die Uhr: Pfarrer die Marlws- m Pfarrer der rmber, abends weiblichen Zu- 20 . Dezember, ?r . - Sams-- er Zchwabe. Uhr: Pfarrer ■feinte für d'° r Nachmittags jtanitalt- Pf at! 'fe(6. beich'- infee, w-? l>e- oirb. ■ Semems er- feonsirmi-r'e" Deutsche Weihnachten 1916.*) Don Geheimerat D. Dr. FlÖri 11 g in Darmstadt. Evangelium des Lukas 2. 14. Ehre sei Gatt in der höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Weihnachten 1916, das ist ein ernstes und schweres Fest für das ganze deutsche Volk! buch wier es in der Heimat feiern darf, wem die Glocken deutscher Kirchen dazu läuten, den beschleicht doch tiefe Wehmut, wenn er an Weihnachten in früheren glücklichen Zeiten denkt,' es fehlt, abgesehen von den den Kindern in ihrer wundervollen Sorglosigkeit, an Mut zur Freude, an Stimmung zu all dem festlichen behagen, das uns grade von diesem Familienfest untrennbar erschien. Denken wir erst an die vielen, unzählig vielen, denen der Krieg ein teures Glied des Hauses von der Seite gerissen oder schwere Wunden geschlagen, denken wir an unsere Männer und Söhne und Gatten, die noch immer draußen stehen in heißem Kampf, in harten Entbehrungen und Mühsalen, denen an Weihnachten vielleicht kein Freudenlicht leuchtet, die ihre Sehnsucht nach -der Heimat heute besonders schwer empfinden: wie sollten wir da Weihnachten feiern wie in alten Zeiten und uns, groß und klein, um die Weihnachtsbotschaft scharen: Ehre sei Gott in der höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen? wie in alten Zeiten freilich können wir's nicht. Und es ist auch, gut so, daß manches im Ernst der Kriegszeit weg- gefallen ist. Diel weniger festliche Unruhe, viel ärmer die Sicherungen, viel ernster die Gesichter. Uber doch Gottlob weithin viel offener die Herzen für den eigentlichen Kern der Weihnachtsfreude und mehr Innerlichkeit, weniger Geschenke, aber mehr Innigkeit und Siebe, in der der Mensch sich selbst dem Menschen schenkt, und das ist ja das beste, was wir uns schenken können und was sonst oftmals bei all den reichen weihnachtsgaben nicht so recht zu spüren war. weniger Luxus, aber mehr bewußtsein davon, wie wir alle aufeinander angewiesen sind in Liebe und Treue. Ja, Weihnachten 1916, das ist doch trotz all des schweren Ernstes unserer Lage und trotz unserer herben Derluste ein großes hehres weihnachtsfest, an das wir lange zurückdenken *) Aus dem „hessischen Bunbesbolen" werden. Und es sollen erst recht deutsche Weihnachten sein! Cs schlingt sich heute mehr als sonst ein inniges geistiges band um alle in der Uähe und Ferne, in Uord und Süd und Ost und West, die deutschen Glauben und deutsche Treue, deutsches Gemüt und deutsche Gesittung „über alles in der Welt" stellen und gegen alles in der Welt verteidigen wollen. Eine einzige feiernde Familie will unser Dolk an diesem weihnachtsfest sein, wo heute der deutsche Ehristbaum brennt wenn auch nur mit ein paar Lichtlein im gesicherten Frieden der Heimat, im Lazarett oder im Schützengraben, wo das „Stille Nacht, heilige Nacht", „G du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit" erklingt, da fühlt man es in heilig ernster Stille: Gemeinsam ist unsere Trauer, gemeinsam sind unsere Opfer, gemeinsam aber auch unser heißer Dank dafür, daß unter Gottes beistand deutscher Mannesmut das Nergste von unseren deutschen Gefilden abgehalten hat, gemeinsam unser Dertrauen, baß die Lasten, die wir tragen, die Opfer, die wir bringen müssen, nicht vergeblich sein werden. hinter der Front steht heute, durch unser Neich aufgerufen, unser ganzes Dolk an der Nrbeit, am Hilfsdienst für's Daterland. Gegen die Feinde, die es verstehen, die halbe Welt für sich arbeiten, bluten, hungern zu lassen, schart sich unser Dolk, auf sich selbst angewiesen, nur um so enger aneinander, um der ganzen Welt wieder einmal zu zeigen, was deutscher Ernst und deutscher Wille vermag. Und auch das soll ja letztlich ein Mittel sein, das herbeizuführen, was wir alle ersehnen: den Frieden. Denn das sagt uns ja Weihnachten: Kampf und blutiger Streit sollen nicht das letzte Wort haben, sondern müssen dazu helfen, daß endlich Friede auf Erden werde allen Menschen? So grüßen wir Deutschen uns an Weihnachten 1916 aus der Nähe und Ferne mit ernsten und doch hoffnungs-- freudigen Gedanken, wir grüßen euch, ihr Tapferen da draußen, und danken euch heute inniger noch als sonst für alles, was ihr um unsertwillen ertragt und vollbringt, wir grüßen die Trauernden und Zagenden, die Mühseligen und beladenen in der Heimat: Der alte Gott lebt noch! Ehre sei Gott in der höhe! - 2Q? Dem Licht entgegen! Es ist das ganze Leben Zur den, der Jesus kennt, Lin stetes, stilles warten Zum seligen kldvent. wem Kommt in diesen dunklen Tagen nicht die Zehnsucht nach dem Licht? wenn am Morgen der Tag gar nicht kommen will, des Nachmittags die.Dunkelheit so früh hereinbricht, wie freut man sich da, zu wissen, baß es eine kurze Zeit nur noch währt, bis das Licht siegen wjird, die Tage länger werden und die Dunkelheit mehr und mehr verschwinden muß. Ja, wir gehen dem Licht entgegen! Ist es mit unserer Seele nicht ebenso, oder vielmehr, sollte es nicht ebenso sein, daß wir unverrückbar fest es uns vor Bugen halten: wir gehen aus all der Trübsal, die unsere Herzen und Seelen verdunkelt, dem Licht entgegen, dem Hellen Schein, der von dem Stern im fernen Jordantale und von der Krippe zu Bethlehem ausgeht, um unsere Herzen auf das Neue zu beleben. wir feiern in diesen Tagen das große Friedensfest, wir stehen vor der größten Wunder- und Gnadentat unseres Gottes, wollen wir nicht unsere Seelen öffnen und dies himmelslicht aufnehmen, um in Wahrheit grade dieses Fest in diesem Jahre, wo unsere Herzen des Friedens so ganz besonders bedürfen, zu begehen, als ein von unserm himmlischen Vater in seiner großen Barmherzigkeit uns von neuem geschenktes. halten wir stille, blicken wir nach oben, lassen wir uns von der Himmelsbotschaft erfüllen, und wir werden dadurch gefestigt, mit noch vermehrter Glaubenszuversicht des irdischen Friedens zu warten, den wir so heiß ersehnen. Ja, du, o Herr, bist uns zu gut in diese Welt gekommen,' Du hast freiwillig Fleisch und Blut für Sünder angenommen. Zum Gpfer brachtest du dich dar, Zu retten, was verloren war, wardst du ein Fluch hinieden. G Liebe, die nichts Gleiches hat, Du selbst trugst unsre Missetat, Erwarbst uns deinen Frieden. Baronin B. vor einem Zahr. Leise sangen die Schneeflocken ihr eintönig klagendes Lied. Es war, als wollten sie allen Jammer ringsum mit einem dichten Schleier bedecken und einen Frieden hervorzaubern, der doch nicht sein konnte,' denn aus der Ferne rollte dumpfer Kanonendonner an unser Ghr, ein Weihnachtsgruß unserer westlichen Nachbarn, denen wir an der Mosel schon seit langen Monaten nahe genug gegenüber lagen. Es war da nur ein ganz kleiner, jetzt durch die Wirkung der Granaten abgeholzter waldrücken, der uns von einander schied, fast wie weiland die zwei Königskinder, die einander so sehr liebten nur, daß auf unserer Seite wenigstens die Liebe mit einem starken Ouentlein ehrlichen, deutschen Soldatenzornes vermischt war. Doch heute schien es, als wolle der feindliche Nachbar sich nur auf den üblichen Morgengruß beschränken. Und im Grund unseres Herzens waren wir ihm für diese Nücksicht- nahme recht dankbar: war uns doch gerade heute jede Störung so unerwünscht wie nur möglich. Die konnte die schönsten Pläne über den Haufen werfen,' denn es war ja Heiligabend, und da galt es, das Bild der Heimat so herbeizuzaubern, daß alle Stimmen der Sehnsucht, die laut werden wollten, von dem Klang der reinen Freude übertönt würden, wie würde es werden? hieß es wieder Bereitschaftsstellung und Blarm oder konnten wir uns unbesorgt der Freude der Stunde überlassen? Blles deutete diesmal auf Buhe, außergewöhnliche Befehle waren nicht gekommen, und so wurden denn alle Vorbereitungen mit doppeltem Eifer betrieben. heimatliche Liebe und Fürsorge hatten unter den Millionen deutscher Soldaten im Feld auch uns nicht vergessen. Schon seit Wochen lagen gewaltige Kisten da, deren Außenwände das rote Kreug weithin leuchten ließen, die ersehnte und begehrte Schätze in sich bargen. Es war beschlossen worden, daß die Negimenter, die an diesem kleinen Grt mit seinen roten Ziegeldächern ihr Nuhequartier hatten, nahe genug an der Front, um sie jederzeit herbeiholen zu können, und das große Feldlazarett sich zu einer gemeinsamen kirchlichen Feier vereinen sollten, um dann für sich gesondert ihre Bescherung zu halten. Dieses alte katholische Kirchlein, das der gut flanzösisch gesinnte Eure in der langen Sutane so tapfer verteidigt hatte, um den evangelischen Preußen den Eingang zu verwehren, wie steht es mir noch so klar vor Bugen! Jeden Sonntag wiederholte sich dasselbe Schauspiel: wenn die Dorfbevölkerung ihr Kirchlein verließ, konnte sie vor demselben die langen Neihen feldgrauer deutscher Soldaten stehen sehen, die drinnen, wo noch die Wolken des Weihrauchs den Baum durchzogen, nun ihren Gottesdienst hielten. Und erst Weihnachten! Dieses Fest hatten die meisten unter uns doch noch nie so erlebt wie in diesem Jahr. Es sollte doch nach Möglichkeit so werden, wie daheim am Thristabend. Trotz des lebhaften Protestes des Ortsgeistlichen hatten wir es durchgesetzt, daß zwei große, herrliche Tannenbäume, nur mit Silberstreifen und Lichtern geschmückt, vor dem Hochaltar aufgestellt worden waren. Dieser selbst lag da im Hintergrund, abgeschlossen von dem, was vorne vor sich ging, nur von dem mystischen Schein der heiligen Lampe erleuchtet, eine Welt für sich. Das war ein ungewohnter Bnblick für die Dorfbewohner. Neugierig drängten sie sich heran und konnten sich nicht satt sehen an diesem absonderlichen Schauspiel. Endlich war es soweit. Die Nacht senkte sich auf das Moseltal herab, klar und kalt. Kein Schuß ließ sich hören, und so durften wir hoffen, ungestört zu bleiben. Draußen auf der Straße ein geschäftiges Laufen und Eilen. Die Unsrigen sammelten sich und standen bald in Neih und Glied. Dann, ein kurzes Kommando, eine militärische Meldung, und nun ging es hinein in das Kirchlein, das die Eintretenden mit Lichterglanz und Grgelklang begrüßte. Da waren wir alle beisammen: Offiziere und Soldaten, Evangelische, Katholiken und Juden, aus allen deutschen Gauen und doch sich als Brüder desselben Volkes fühlend, die weihe dieser Feierstunde spürend. Ein Männerchor, aus hessischen Landstürmern unter Leitung eines Organisten gebildet, sang nun Beethovens ewig schönes Lied von der heiligen Nacht. Ein Militärkrankenwärter, im Zivilberuf evangelischer Geistlicher, las die uralten Weissagungen, die immer neue Geburtsgeschichte des Heilandes und lenkte endlich in seiner Ansprache die Gedanken hin auf die einzigartige Bedeutung dieser Stunde. Zwei Opernsänger, die verwundet im Feldlazarett lagen, brachten uns Peter Eornelius' weihnachtliche Tondichtungen nahe, und dazwischen klangen die allbekannten Weihnachtslieder, ia dieser Stunde mit Wehmut und Ernst von uns angestimmt. Tannenduft durchzog den Baum, und es war wie 203 ein heimlich Grüßen von Herz zu Herz. Man hätte meinen können, wir seien daheim im Dorfkirchlein, so still, so weihevoll war uns zu Mut. Ls war wohl nur e i n Gefühl, das uns alle beherrschte: in dieser Stunde schlingt sich ein unsichtbares Land von denen daheim zu uns herüber. Und wir spürten es, als ob es ein Schauer sei, der durch die Leihen der bärtigen Landstürmer aus Hessen und Thüringen ging: wir stehen für euch daheim ein mit unserem Herzblut. Lewegt, aber getrost verließen wir die Kirche: die schwere Zehnsucht, die auf uns gelastet hatte, war nun von uns genommen. Mir hatten unser Weihnachten gehabt. Rlles Schwache war abgeschüttelt: nur durch Ztarksein konnten wir siegen. Unser Leben, unsere Gedanken gehörten wieder der Pflicht, dem Vaterland. Ztbg. ^-Erinnerungen eines alten Mannes. von Generalarzt a. D. Dr. Otto Kappesser in varmstadt. 28. B u be n u n v e r st a n d. Lls ich daheim noch in die Dorfschule ging das sind jetzt auch schon achtzig Jahre her da galt noch als Ehrung der Toten ein altfränkischer Lrauch. Gb das heute noch so ist, weiß ich nicht mehr, wenn ein erwachsenes Gemeindeglied das Zeitliche gesegnet hatte, so erfuhr die Gemeinde das alsbald durch das sogenannte ,,Schabgeläut"*), ein kurzes Zusammenklingen aller Glocken. Die Leerdigung war Zache der ganzen Gemeinde, weshalb man auch solche in der Mittagsstunde vornahm, wo jeder Zeit hatte. Für das wichtigste, die Verbringung der Leiche nach dem hoch neben der Kirche gelegenen Begräbnisplatze, hatten nach altem Herkommen die Mannsleute der Nachbarhäuser zu sorgen, denen auch die Herrichtung des Grabes und die Beschaffung des Zeils oblag, mit dessen Hilfe der Zarg in die Grube hinabgelassen wurde. vor Leginn der Feier wurde der Tote noch einmal in seinem Hofe im offenen Zarg und, bekleidet mit dem weißen Totenhemd, zur Schau ausgestellt, dann erst wurde der Deckel aufgeschraubt und von den Trägern auf die Lahre genommen, was mitunter bei gewichtigen Personen keine Kleinigkeit war. Gleich dahinter ging mit den Unverwandten der Herr Pfarrer, eine Zitrone, einen Rosmarinzweig und ein weißes Schnupftuch in den Händen, was alles ihm nach altem Lrauch als Lkzidenz verehrt worden war. Lei meiner früh erwachten Lust zum Gärtnern habe ich öfters solche Zweige, die mein Vater in der Lusübung seines Pfarramtes erhalten hatte, nach Unräten mit einem in einen Spalt des Stieles geklemmten Gerstenkorn in Blumentöpfe gepflanzt und einige stattliche Zträucher erzielt, vor dem Zarge gingen die Männer und an der Spitze des Zuges wir Luben, zusammen sangen wir die alten Zterbechoräle, die durch die Hellen Knabenstimmen belebt wurden. Wir keiner von uns wäre ohne Not zurückgeblieben versammelten uns vorher im Schulhaus und wurden von dem alten Lehrer Zebrich zum Sterbehause geführt, wo derselbe den Gemeindegesang anstimmte und leitete. Einmal aber war er krank oder sonstwie verhindert und wurde von dem pensionierten Lehrer N., der als wohlhabender Lauer im benachbarten E. lebte, vertreten, wie nun der Trauerzug sich die steile, stark gekrümmte Kirchgasse hinauf wand, da *) Durch anonyme Zuschrift eines Lesers meines Beitrags in Nr. 48, Jahrgang 1914 d. Bl., wofür ich ihm hiermit Dank sage, wurde ich belehrt, daß der Nusdruck „aufs Schab legen" auf das hier und da gebräuchliche wort „Sckaub" oder „Schab" zurückzuführen ist, was ein loses Bündel Stroh bezeichnet und auf den hygienisch löblichen Brauch hinweist, die verstorbenen alsbald aus den Zamilienbetten heraus und auf loses Stroh zu legen.. v. verf. war die ungestüme Jugend etwas vorausgeeilt und drohte der Zug wie der Feiergesang auseinanderzugeraten. Da hörte man plötzlich die laute Stimme des R.: ,,Gewitterkeil, rangeh ale, ihr Männer, hie geht's um’s Eck herum!" Nachdem das Grab zugescharrt, der Hügel geformt und nach uraltem Lrauch der bereitgehaltene, ausgestochene Lasenfleck am Kopfende darauf gepflanzt worden war, wurde in der danebenstehenden Kirche regelmäßiger Gottesdienst mit predigt gehalten, dem wir, der Lot gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, bis zu Ende beiwohnen mußten. Dann ging es wieder zurück in die Zchulstube, wo wir erwartungsvoll auf den Länken saßen, bis der Läcker kam mit seinem Korb voll frischer Wasserwecke. Davon bekam dann jeder beim hinausgehen den seinen zum Lohn, und der schmeckte damals besser als heute die feinste Nußtorte. Ich hatte damals drei gleichaltrige Spielkameraden, Louis Wallich, Louis Maul und Iörnerich Diehl, die'ersten beiden zarte Bürschchen im vergleich zu ihrer Umgebung, der dritte aber versprach ein richtiger Lauernbursche zu werden. Sie wurden alle drei von der mörderischen Typhusepidemie des Jahres 1843 hinweggerafft und ich allein blieb verschont. Man hat mir gesagt, daß, als zehn Jahre vorher das gleiche Unheil über das Dorf gekommen war, da hätte ich als Dreijähriger die Krankheit leicht überstanden. Dieser Iörnerich nun hatte uns ein Geheimnis vertraut: Wenn es beim Zuscharren des Grabes von den auf den Sarg fallenden Schollen arg rumpele, dann gäbe es gewiß bald wieder eine Leiche, von da an drückten wir uns immer dicht heran und horchten, ob es rumpele, und freuten uns auf den nächsten Wasserweck. Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant. Zu deutsch: Buben sind Buben und machen es wie Buben. Weihnachten drautzen und daheim. Wiederum läuten die Weihnachtsglocken über eine Welt, die den Frieden nicht kennt. Zum dritten Male in harter Zeit werden die kleinen Wachskerzen angezündet, zu Hause, im geschützten heim, und draußen im Unterstand, nicht weit vom Feind. Zn vielen Häusern ist die grüne Tanne in bunt- glihernder Pracht wohl ganz verschwunden, in Häusern, in denen das Leid im vergangenen Jahr Einzug gehalten hat. In anderen wieder ist sie kleiner und schlichter geworden als in früheren Jahren, wie ja auch unsere Weihnachtswünsche immer bescheidener werden. Nur geben, geben möchte man denen, die fern von der Heimat und ihren Lieben ihr Weihnachtsfest verbringen. Gar oft ist es ja auch im Kreise mitfühlender, wehmütig-froh gestimmter Menschen, im Kreise liebgewordener Kameraden im gemütlichen Unterstand, hell flammen die Kerzchen auf, die eine sorgende Hand aus der Heimat geschickt hat. Ls glitzert und blitzt in ihrem Schein der silberne Schmuck der schlanken Tanne, die man sich im nahen Walde geholt hat. Es duftet der Weihnachtsstollen durch den niederen, engen Kaum, der Kuchen, nach einem, von der Mutter erbetenen Rezept in der Feldküche gebacken. Die Rosinen kamen aus Brüssel und einige der anderen Zutaten ebenfalls. Und die Wochen vor dem Fest, wie waren sie angefüllt mit eifrigster Tätigkeit und geheimnisvollen Vorbereitungen, die Mußestunden der Offiziere und Mannschaften in Unspruch nehmend. Da gibt es Bestellungen zu machen hinter der Front, mancher Wunschzettel wandert nach Hause, mit geheimnisvollem Eifer werden die nach und nach emtreffenden Paket- — 204 chen in (Empfang genommen und ihnen öas eine und andere für den Kameraden Bejtimmte entnommen. Freilich, nicht überall ist es so still und fast friedlich zu nennen wie an dieser Stelle. Vas wissen die Bewohner des Unterstandes wohl, und sollten sie sonst über die ihnen aufgezwungene Buhe gemurrt haben, an Weihnachten freuen sie sich darüber. Können sie doch ungestört im gemütlich durchwärmten Unterstand bei der hellaufstrahlenden Tanne ihr Fest feiern, ohne auf eine Störung von feindlicher Seite gefaßt sein zu müssen. Zwischen einem Berg aufgetürmter Gaben sitzen sie, glücklich wie reichbeschenkte Kinder, nehmen das Line und Bndere zur Hand, das sorgliche Litern-, Geschwister- oder Frauenliebe für sie gewählt hat, und freuen sich an allen ihren Gaben, von denen eine jede, sei sie auch noch so klein und unscheinbar, doch den Stempel der Siebe trägt, der Siebe, die ihnen aus der Heimat in innigem Gedenken gesendet wird. Zigarrenrauch umzieht die Köpfe der still Zusammensitzenden, die Kerzchen brennen knisternd zu Ende, ein angesengtes Best ch en verbreitet würzigen Tannendufh die Ged anken, so weit weg in die Heimat gewandert, kehren wieder zurück und leise, leise wird aus rauhen Kehlen der Weihnachtsgesang angestimmt, stille Nacht, heilige Nacht . Der Posten draußen in frostklarer Winternacht hört die altbekannten, trauten Klänge, wie sie leise Heraus zu ihm dringen und Erinnerungen an vergangene Zeiten und ein weihnachtsfest bei den lieben Seinen mit sich bringen. Nun sieht er im Geiste ein kleines, schiefes Haus, am Bnfang des Dorfes gelegen. (Es duckt sich förmlich unter der dicken Schneelast, die auf dem vache ruht. Frische Fußspuren im Neuschnee führen zur Türe, hinter der eben der Postbote verschwunden ist. Lr wird den Weihnachtsbrief des Vaters bringen, und die junge Frau, die von den Sichtlein des kleinen Baumes, der den Kindern der schönste dünkt, umflossen dasteht, greift schnell nach dem knisternden Papier, öffnet und liest beim Schein der abbrennenden Kerzlein Worte der Siebe und des Heimverlangens, die ein ernster wann weit fort, in Frankreich, geschrieben hat. Zu den jauchzenden Kindern gewendet, spricht sie dann: „Der Vater hat keinen Lhristbaum, aber er hat den Himmel mit all den vielen, glitzernden Sternlein über sich, denn er muß heute nacht wache stehen." Und alle, die in der Heimat, im traulichen Zimmer der immergrüne Tannenbaum versammelt hat, gehen ihre Gedanken und wünsche nicht mit der gleichen Siebe in die Ferne? Suchen sie nicht draußen in Feindesland einen ihrer Sieben? Oder es weilen die Gedanken in vergangenen Zeiten, da eines ihrer Sieben das heilige Fest fern vom Vaterhause in Feindesland verbracht hat und dem es die letzte „heilige Nacht" auf Erden war. Jemand, den man schon lange zur Buhe getragen hat und auf dessen Grabhügel sich jetzt der Schnee schmiegt in lautloser Nacht, sei es in Feindesland, sei Der Freude! „Denn euch ist heute der Heiland geboren, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Seben haben." vergeht die rauhe Gegenwart und versenkt die Herzen in die ewig junge, hohe Botschaft der heiligen Nacht! Und des Friedens? Der Friede, der den haß und die Zwietracht der kämpfenden Völker beenden soll, sehen wir diesen Frieden kommen? Möchte er, der so stark ersehnt wird, bald Einzug halten, wie der Heiland heute seinen Einzug hält in die Herzen der gläubigen Ehristenheit, die Frieden mit Gott gefunden haben! _ 3. Kleine Mitteilungen. Rls Nr. 28 bis 30 der rühmlichst bekannten und von Professor I). Dr. viehl in Friedberg herausgegebenen Sammlung „hessische Volksbücher" ist soeben erschienen „Pirmasens und Buchsweiler" von Karl Esselborn. Vas Buch, auf das wir später noch zurückkommen werden, dürfte sich als Weihnachtsgeschenk für weite Kreise unseres engeren Vaterlandes eignen. Kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. 3tt der Stadttirche. Samstag, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinderkirche der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Sonntag, den 2 4. Dezember. 4. Bdvent. vormittags 9V* Uhr: Pfarrer S ch wa be. Nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinderkirche der Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Montag, den 25. Dez. 1. weihnachtsfeiertag. vormittags 972 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heil. Bbendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Bbends 5 Uhr: Pfarrer Hoffmann. Dienstag, den 26. Dez. 2. weihnachtsfeiertag. vormittags 972 Uhr: Pfarrer Schwabe. Bbends 5 Uhr: Siturgischer Weihnachtsgottesdienst. Pfarrer Mahr. Rbenbs 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. 3n der Johanneskirche. Samstag, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinderkirche der Sukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Sonntag, den 2 4. Dezember. 4. Bdvent. vormittags 9 7» Uhr: Pfarrer hoff mann, vormittags 1 1 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Busfeld. Nachmittags 372 Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinderkirche der Johannesgemeinde. Pfarrer Busfeld. Montag, den 25. Dez. 1. w e ih na ch t s f e i e r ta g. vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Bbendmahl für die Sukas- und Johannesgemeinde. Bbends 5 Uhr: Pfarrer Busfeld. Dienstag, den 26. Dez. 2. weihnachtsfeiertag. vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer BusfeId. Bbends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Carl Loos Kirchenplatz 13 Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. 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