\ \ n ? \ ■ Lonntaasarusz W^WGemeln öeblatt f Jpl JUI Vlttvt 7 i iupl 1 ffJA. /'T' ♦ / -A /Mw ■ M kJ ttvhfrHA liiCIf llf %i/f r iff?''— JBr.iLW 'UL, v | 7 1 11 11 1 1 Yr 1 II r ^ HL l a satt UiUlllUl Nr. 41. Gieszen, Sonntag 17. nach Trinitatis, den 15. Oktober 1916. 5. Jahrgang Aus einer Eichener ttriegspredigt des Jahres J870. Psalm 27, 1. Der Herr ist mein Licht und mein heil; vor wem sollte ich mich fürchten! Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen! wie wir beim Uusbruch dieses Krieges, am 9. Uugujt 1914, dem allgemeinen Kriegsbettage, uns zusammengefunden haben, um alle unsere Zargen vor Gatt zu bringen, so hatte König Wilhelm auch bei Uusbruch des Krieges 1870 bestimmt, daß am 27. Juli im ganzen Königreich Preußen ein allgemeiner Buß- und Bettag gefeiert werden sollte. 2m Großherzagtum Hessen ist man dem preußischen Beispiel gefolgt, und an dem genannten Tage — es war ein Mittwoch - war die evangelische Gemeinde Gießen in der Ztadt- kirche versammelt. Pfarrer Br. Zeel hielt die predigt über Psalm 27, l. Cs leben sicher noch viele unter uns, die an jenem Gottesdienste teilgenommen haben. Der ernsten, eindringlichen predigt Zeels, die durch den Druck veröffentlicht wurde und deren Erlös für die Familien der in das Feld gerückten Gießener Krieger bestimmt war, entnehmen wir die folgenden beherzigenswerten Busführungen. Der Prediger gab zunächst ein Bild von der religiösen und sittlichen Verfassung, in der sich damals das deutsche Volk befand, und sagte folgendes: „wir denken an das Ersterben der rechten, lebendigen Gottesfurcht in so vielen, vielen Zeelen. wir denken an die Zehren des Unglaubens, welche gerade in den letzten Jahren immer lauter und immer anmaßlicher durch die Welt gepredigt worden sind, die den Schöpfer in seiner Zchöpfung und das Bild Gottes in der Menschenseele leugnen, wir denken an die vielen, die dahinlebten nur nach ihres Herzens Gelüste und taten, was ihren Zinnen wohlgefiel, ohne zu fragen nach Gottes Wort und Gebot. (D, wie wiegten wir uns ein in eine erträumte Zicher- heit! 2m vertrauen auf «unser menschliches wissen und Können dachten wir» unser eigener Heiland zu sein und keines anderen zu bedürfen, wenn nur Handel und Wandel gedieh, so glaubten wir unser Haus wohl und sicher gegründet und sprachen wie jener törichte Mann im Evangelium: Zo iß und trink nun, liebe Zeele, und habe gute Buh,' denn du hast einen Vorrat für viele Jahre. Und dabei teilte sich das Leben der einen in gieriges Erwerben und eitles, üppiges, schwelgendes Genießen, während die anderen, minder Begünstigten, mit Neid und Mißgunst zuschauten und die Herzen voll Gelüsten hatten nach des Nächsten Gut." Viesen Bußgedanken folgten Worte des Trostes, die sich besonders an die Eltern der ausziehenden Streiter Ehemänner sind damals nur in geringer Zahl in das Feld gerückt - richteten. „2hr mußtet ihn lassen, den Zohn eurer Liebe,' denn nicht nur für euch, sondern auch für das Vaterland habt ihr ihn erzogen, und wenn dessen Hilferuf ertönt, da weigert sich kein deutsches Herz eines Opfers, und ob es auch das schmerzlichste wäre. Über mit blutendem Herzen habt ihr ihn ziehen lassen, und nun denkt ihr, wie ihr so manchmal an der wiege des Kindes gewacht, euch sorgend über das Krankenbett des Knaben gebeugt habt und habt ihn so sorglich gepflegt, wo sein Leben bedroht schien - nun mußtet ihr ihn ziehen lassen in große, unleugbare Gefahr und konntet nicht folgen! Uber getrost: euere Gebete können ihm folgen auf allen seinen wegen. Und der, der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, der wird auch Vater- und Muttergebete nicht verachten und wird den Euren nahe sein mit seiner Hilfe, mit seinem Schutze, mit seiner allmächtigen Liebe. Und auch wir alle, die wir nicht gerade Zöhne oder Ungehörige im Heere haben, wir wollen ihnen folgen mit unseren Gebeten. Denn jeder, der mit seiner Brust das teuere Vaterland beschützt, der ist jetzt unser Ungehöriger und unser Bruder. Und wenn so hinter den tapferen Heeren ein ganzes betendes Volk steht, dann werden ja auch unsere Gebete wie schützende Engel sie umschweben in der stunde der Gefahr, und der Ullmächtige wird unser Flehen erhören nach seiner väterlichen Weisheit." Mit Trostworten, die sich an die ganze Gemeinde richteten, schloß die predigt, „wir wollen alle unsere Zorge auf den Herrn werfen. Er sorget für uns. wir befehlen unsere Zache dem, der da recht richtet, von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf Erden wohnen, und Gerechtigkeit ist sein Kleid und Wahrhaftigkeit seiner Füße Schemel. Er ist mit denen, die ihn lieb haben und auf seinen Uamen trauen. Unter seine allmächtige Hand beugen wir uns, er wird uns erhöhen zu seiner Zeit." Man sieht aus dem, das wir hier mitteilen, daß diese predigt, obwohl sie schon vor 46 Jahren gehalten worden ist, heute noch keineswegs veraltet ist, sondern für unsere 162 — gegenwärtige Zeit und Lage recht beherzigenswert ist. Der Krieg ging damals allerdings viel schneller vorüber als der gegenwärtige Weltkrieg, den unser Volk mit der größten Kraftanstrengung führt. Gott gebe, daß die Erfolge dieses gewaltigen Bingens dieselben seien, wie sie unser Volk und Heer vor beinahe fünf Jahrzehnten errungen haben. h. B. Erinnerungen eines alten Mannes. von Generalarzt a. D. vr. Kappesser in Oarmstadt. 25. Meine Sicherheitsofenklappe. Hast du das Deine recht getan, Was gehen dich die Menschen an? Wer für alles gleich Dank begehrt, Der ist selten des Dankes wert. Laß sie nur spotten, laß sie schelten! Was von Gold ist, das wird schon gelten. Johannes Trojan. Geschichten von verunglückten Genies und Erfindertragödien bilden immer wieder ein beliebtes Thema für unsere Tagesschriftsteller. Buch ich könnte manch Liedlein davon singen, wenngleich ich mich durchaus gegen den verdacht verwahre, ein Genie und gar noch ein verunglücktes zu sein. Ueber absonderliche Verunglückung oder gar tragische Erlebnisse kann ich, Gott sei Dank, nicht Klagen. Ja, jetzt, am Ende meines langen Lebens, kann ich sogar mit einem gewissen Humor darauf zurückblicken, wie so mancher zu seinem Schaden erfahren hat, daß er mich wegen meines ungeschickten Wesens zu niedrig eingeschätzt hat. So manch Menschlein und Gernegroß schmücken sich mit Federn, die sie mir erst ausgerissen haben. Aber ich möchte doch so manches nicht ganz und gar der Vergessenheit anheimfallen lassen, weshalb ich jetzt in meinem 87. Lebensjahre wenigstens einen Fall hier aufzeichnen will für solche, die es lesen wollen. Während und nach dem 70er Krieg war eine empfindliche Steigerung aller Lebensbedürfnisse, so auch des Brennmaterials, entstanden, und kam es wohl daher, daß damals fast kein Tag verging, an dem die Zeitungen nicht Nachrichten von Todesfällen einzelner Menschen wie ganzer Familien brachten, die daher rührten, daß man die Ofenwärme durch zu frühes schließen der gebräuchlichen Ofenklappe vordem allzu schnellen Entweichen durch den Schornstein bewahren wollte. Ich sann denn auf Kbhilfe wie auch gegen jede andere gefahrdrohende Krankheit, und so erfand ich meine Sicherheitsofenklappe. Nachdem ich an einem im eigenen Hause damit versehenen Kachelofen die Sicherheit gewonnen hatte, daß sie ihre Aufgabe einer absoluten Sicherheit gegen das Nusströmen giftiger Gase in bewohnte Näume nicht nur voll erfüllte, sondern sogar noch verbesserte, da sie ein weit früheres verschließen erlaubte und dabei noch die so nötige Zimmerventilation durch den Zchorn- stein unbeschränkt erhielt, entschloß ich mich, meine heilsame Erfindung zum Gemeingut zu machen, indem ich nicht nur ein genaues Modell auf der damaligen Kasseler Ausstellung für Heizung und Ventilation ausstellte, sondern auch eine Beschreibung mit genauen Einzelzeichnungen im hessischen Gewerbeblatte abdrucken ließ. Ich machte aber gleich zwei unliebsame Erfahrungen. Ein geschäftiger Zigarrenreisender, der mein Modell nur halb begriffen, ließ sich von dem damals gerade neuerrichteten Keichspatentamt eine vermeintliche Verbesserung patentieren. Als ich dagegen Einspruch erhob, wurde mir von Berlin eine umfangreiche Schrift des „Verbesserers" zugesandt mit der Aufforderung, Prozeß zu erheben. Ich schickte solche zurück, nachdem ich darin die Beweise von Unkenntnis der einfachsten physikalischen Gesetze angestrichen hatte, und bemerkte, daß ich keinerlei eigenes Interesse an der Sache hätte und nur darauf aufmerksam machen wollte, daß da recht gefährliche Dinge der übel beratenen Geffentlichkeit geboten würden. Lin zweites war ein geharnischter Artikel, in dem ein berühmter Mann mich zurechtweisen wollte, da er offenbar in mir einen unberechtigten Eindringling in ein allein ihm gehöriges Gebiet und damit zugleich eine Gefährdung seiner Erfindungserträgnisse befürchtete. Ich habe dann an gleicher Stelle den Nachweis geliefert, daß er bei seinen Deduktionen gewisse Gesetze der Ventilation vergessen hatte, die hierzulande jeder Maurerlehrling wissen muß, wenn er einen Schornstein bauen will. von verständigen Geschäftsleuten war mir der Nat geworden, meine Erfindung patentieren zu lassen, was ich ablehnte, weil ich der Meinung war, daß es sich für einen Arzt nicht schickt, ein Mitteh das viele Mitmenschen vor dem Tod bewahren soll, als Geheimmittel auszubeuten. Selbst von Moskau ging mir damals ein verlockendes Schreiben in diesem Sinne zu, auf das ich gar nicht geantwortet habe. Es ging dann wie immer, die Sache wurde bewundert und dann über Neuem und Neuestem vergessen. Erst später, als das preußische Ministerium radikale Abhilfe schaffte, indem es kurzerhand die Ofenklappe verbot, und die Berliner nur schwer auf dieses Altgewohnte verzichten wollten, haben dortige Unternehmer von mir die Zusage verlangt, meine Erfindung patentieren zu lassen, wobei sie mir auch eine namhafte Gewinnbeteiligung in Aussicht stellten. Der hinkende Bote kam aber bald nach in Gestalt eines Bescheides des Kaiserlichen Patentamtes, was- maßen ein Geheimnis, das einer schon ausgeplaudert und an die große Glocke gehängt habe, nicht mehr patentfähig sei. Da war es wieder nichts mit dem Traum vom Fahren auf Gummirädern, und ich tröstete mich mit einem Sprichwort, das ich manchmal in meiner Heimat gehört habe: „Was zum handkäs geboren ist, bringt's nicht zum Schweizerkäs." vor einiger Zeit überraschte mich ein biederer Ofensetzer, als er gerade seine Kunst an meinem Wärmespender ausübte, mit der Bemerkung: „Herr Doktor, die Ihnen Ihrige Ofenklappe ist jetzt auch patentiert worden." „Das ist unmöglich," erwiderte ich, „das weiß ich ja selbst vom Patentamt." Da brachte er mir das Geschäftszirkular eines Fabrikanten aus Norddeutschland, auf dem die Abbildungen, die ich seinerzeit meinem Aufsatz im hiesigen Gewerbeblatt beigefügt hatte, mit allen Einzelheiten in etwa zehnfacher Vergrößerung wiedergegeben waren. Darüber stand zu lesen: „Sicherheitsofenklappe, sinnreichste Erfindung der Neuzeit" (sehr schmeichelhaft für mich!), patentamtlich geschützt, K.P.A. usw." Da ich bei aller Neugier mich persönlich nicht einmischen wollte, veranlaßte ich den Ofensetzer, an den Patentinhaber zu schreiben, daß seine angebliche Erfindung schon vor etwa dreißig Jahren von einem hiesigen Arzt gemacht und veröffentlicht worden sei. Da bekam ich von demselben eine sackgrobe Antwort: Das Patent habe er von dem Erfinder in Polnisch-Lissa für 1100 Mark gekauft und werde jeden vor Gericht ziehen, der ihm daran taste. Darauf schrieb ich an den genannten Erfinder in Polnisch-Lissa und fragte bei ihm an, wie er zu dem offenbaren Plagiat an meinem Eigentum komme. Da kam denn von ungeübter Hand ein zerknirschtes Schreiben des Inhalts: Er habe ja gar nichts erfunden, der 163 — Doktor am Grt habe ihm die Druckschrift mit Hbbilbuag gezeigt, und da habe er geglaubt, so ein kleiner Gewinn sei wohl einem armen Teufel zu gönnen. Uebri^ens habe er die 1100 Mark gar nicht ausgezahlt erhalten. Das teilte ich dem stolzen Fabrikanten mit. Darauf erfolgte etwas Merkwürdiges. Cs kam bald nachher ein Schreiben eines dortigen Rechtsanwalts: Der Herr habe seinen Bankerott erklärt und ich solle ihm Vollmacht schicken, daß er mich bei der Masse vertrete. Ich habe aber dankend verzichtet. Jetzt ist das alles durch die neuesten Errungenschaften der Industrie in Vergessenheit geraten, aber die mollige Wärme, die einst mein Kachelofen mit Sicherheitsofenklappe erzeugt hat, bei völlig erhaltener Schornsteinventilation, auf die jetzt leider allgemein verzichtet wird, haben mir die amerikanischen, irischen, Füll-und Begulieröfen nie wieder ersetzt. Auz der Jugendzeit einer deutschen Männer. (Fortsetzung.) Meiner Mutter ging oft das Herz über, wenn sie daran dachte, daß auch ich Soldat werden müsse,- denn diesem Lose war ich nach damaligen Gesetzen unvermeidlich verfallen. Die Menschen, welche sie ringsum erblickte, waren allerdings nicht geeignet, sie mit jenem Gedanken auszusöhnen, und sie war zweifelhaft bei der Frage, was sie mehr betrüben würde, meine Einkleidung als Soldat oder mein Tod. Merkwürdig ist es, daß mein väterlicher Großvater in bezug auf meinen Vater über diese Frage ganz eben so zweifelhaft geblieben war, und beide, obgleich zwei ganz verschiedene Naturen, wie es scheint, mit gleichem Nechte und aus gleichen Gründen. Es war um diese Zeit, daß ich die erste Bekanntschaft mit Büchern machte. Meine Mutter besaß nämlich Splittgerbers Lesebuch, und bemühte sich, wenngleich in sehr unterbrochenen Zeiträumen, mir daraus die erste Buchstabenkenntnis beizubringen, was mich wenig interessierte. Bei weitem wehr nahm die in jenem Buche befindliche Abbildung eines menschlichen Skelettes meine Aufmerksamkeit in Anspruch, von welchem mir gesagt war, es sei der Tod. Ich betrachtete das Gerippe immer mit einer Brt Schauder, und wenn ich des Abends die sehr spärlich erleuchteten gebrochenen Treppen der Kaserne hinunter gehen mußte, hielt ich mich so dicht als möglich am Geländer, weil ich mir einbildete, in den Winkeln stehe das Gerippe. Woher diese tolle Einbildung entstand, weiß ich nicht, aber sie hat mir oft die hacken lang gemacht, von Gespenstern wußte ich damals noch nichts. Offenbar war es nur die Furcht vor einem unbekannten Etwas, dem die Phantasie irgend eine Gestalt geben wollte und unwillkürlich diejenige wählte, welche ich als etwas Furchtbares im Bilde «ngeschaut hatte. Ich glaube daher auch nicht, daß die Ge- spensterfurcht anerzogen wird oder aus Erzählungen von Ammenmärchen entsteht. Sie liegt tiefer im Menschen und erwächst aus der dunkeln Ahnung, daß es außer dem Beiche der Sichtbarkeit auch noch ein Beich des Unsichtbaren gebe. Jenes Schaudern ist in unserm Wesen begründet, und erscheint eben deshalb bei allen Völkern. Ein zweites Buch, welches meine Eltern besaßen, waren Simonetti's predigten. Ich konnte sie weder lesen noch verstehen ; aber die Buchdruckerstöcke am Ende jeder Predigt waren mir Bilder,' denn sie enthielten in den Arabesken allerlei Figuren, namentlich Faunen und Satyrn, von welchen man mir gesagt hatte, es seien ,,Waldteufel". Ich quälte meine gute Mutter, mir von diesen recht viel zu erzählen,' denn sie interessierten mich, ich weiß nicht worum, über die Maßen, doch konnte ich nichts über sie erfahren. Noch weniger vermochte ich über ihre Verbindung mit dem mir sehr wohl bekannten gleichnamigen Instrumente des Ehristmarkts etwas entdecken, und sah hier unauflösliche Nätsel. So lebten wir einförmig und ärmlich fort und hofften weder auf Verbesserung unserer Lage, noch fürchteten wir eine Verschlimmerung derselben. Man kann hier wohl die Frage auswerfen, wie es zugegangen sein möge, daß mein Vater, trotz seiner langen Dienstzeit, nicht avanciert worden sei, allein dns erklärt sich bei näherer Erwägung sehr wohl aus unserer großen Ar- mut. hätte er seinen Adelstand behaupten können, so würde ihm das in jener Zeit ohne Zweifel sehr wesentliche Dienste geleistet haben. Dann aber hätte er sich auch standesgemäß halten müssen, und das war ihm unmöglich. Ein Avancement konnte nur auf die Vorschläge seiner nächsten Vorgesetzten stattfinden, und deren Wohlwollen sich zu erwerben, war daher -vor allen Dingen notwendig. Das ist einem völlig Armen jedoch ganz ungemein schwer,' denn die Armut entgeht nicht leicht, auch in den Bugen des rechtlichen Mannes, dem Lose der Nichtachtung, wenn sie nicht gar dem der Verachtung anheimfällt. Dies ist der böseste Fluch der Armut, und eben weil sie diesen nicht ertragen können, mühen sich so viele Menschen, wohlhabender zu scheinen, als sie sind, und wer kann si: darum tadeln? Zur höchsten Eleganz eines damaligen Unteroffiziers gehörte damals noch mehr, als die feine Montierung. Er mußte auch in jeder Hosentasche eine silberne Uhr mit heraushängender silberner Kette tragen, und das neidisch bewundernde Wort: „Er hat zwei silberne Uhren in der Tasche" Gezeichnete einen Matador unter den Unteroffizieren, von dem man überzeugt sein konnte, daß er bald vorrücken würde. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. Die Heizungsanlage in der Johanneskirche, welche Ende des vorigen Winters schadhaft geworden war, wird in dieser Woche gründlich erneuert. Diese Anlage besteht nun so lange, als die Johanneskirche steht, also 23 Jahre. Die Fortschritte, die die Technik gerade auf dem Gebiete des Heizungswesens in den beiden letzten Jahrzehnten gemacht hat, bringen es mit sich, daß die Anlage in der genannten Kirche^jetzt schon als veraltet gelten muß. * * * Kirchendiener Wagenbach, der unserer Kirchengemeinde 23 Jahre lang treu gedient hat, hat mit Uücksicht auf sein Alter und seinen Gesundheitszustand um Versetzung in den Buhestand nachgesucht, von unseren Kirchenbeamten steht Hilfskirchendiener Benner im Felde, Gemeindehelfer Engels war im Felde und tut jetzt Garnisondienst. Kirchendiener Kolbe war 15 Monate lang zum Garnisondienste eingezogen. Der Konfirmandenunterricht beginnt in allen Gemeinden nächsten Montag, den 16. Oktober, und zwar für die Knaben um 3, für die Mädchen um 4 Uhr. Die Termine für die Konfirmation sind für die Matthäusgemeinde: 1. Sonntag nach Ostern, der 15. April, für die Markusgemeinde: 2. Gstertag, der 9. April, für die Lukasgemeinde: 1. Sonntag nach Ostern, der 15. April, für die Johannesgemeinde: Sonntag Judika, der 25. März. * * * 164 - Dienstag, den 17. Oktober, nachmittags 6 Uhr, findet eine Versammlung des Frauenvereins der Lukasgemeinde statt. Wegen der Wichtigkeit der Beratungsgegenstände wird um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder gebeten. Bibel und Erziehung. Unter diesem Titel mit dem Untertitel: „Warum müssen wir auch heute an der Bibel als Grundlage der Erziehung festhalten?" hat Fr. Winkler, Direktor des deutschen Bundes für christlich-evangelische Erziehung in l)aus und Schule, ein Büchlein erscheinen lassen, das Beachtung verdient. Um Schlüsse der Schrift heißt es: „Das Begegnen Gottes im Wort der Schrift hat vor allem zur Folge, daß wir uns unter Gottes Wort beugen und- unseru fehlenden verstand nicht zum höchsten Uichter über Gottes Wort aufwerfen. Der Gotteszeuge, durch den es Gott gefallen hat, das Evangelium in Deutschland wieder auf den Leuchter zu stellen, Dr. Martin Luther, hat uns für solches Verhalten ein Testament hinterlassen, in den letzten Worten, die er geschrieben hat. Nachdem er heimgegangen war, fand man auf dem Tisch, an dem er vorher gesessen, ein Blatt Papier, auf das mit, zitternder Hand Luther die Worte geschrieben hatte: „Den vergil in seinen Hirtenliedern kann niemand verstehen, er sei denn 5 Jahre lang Hirte gewesen. Den vergil in seinen Büchern vom Landbau kann niemand verstehen, er sei denn 5 Jahre Uckersmann gewesen. Den Ticero in seinen Episteln kann niemand ganz verstehen, er habe denn 25 Jahre lang in einem großen Gemeinwesen sich bewegt. Die heilige Schrift meine niemand genugsam ver- schmeckt zu haben, er habe denn 100 Jahre lang mit Propheten wie Elia, Elisa, Johannes dem Täufer, mit Ehristo und den Uposteln die Gemeinden regiert. Du lege nicht die Hand an diese göttliche Ueneis, sondern gehe tief anbetend ihren Fußtapfen nach." Wenn Gottes Wort spricht: „Meine Uugen sehen nach- den Treuen im^ Lande," so geht dieser Uppell an alle christlichen Erzieher in Haus, Schule und Kirche, daß sie treu stehen zum Fundament aller Erziehung, dem Worte Gottes, damit sie Glauben und Treue erwecken zu diesem Wort, eine Treue, die den Ouell des Glückes bedeutet, eine Treue, die zur treuen Pflichterfüllung in allen irdischen Urbeiten erzieht, dem Staate, den Mitmenschen gegenüber. Bedingung der Erreichung solchen Zieles auf dem Fundamente des göttlichen Wortes ist, daß hinter dem zeugenden Wort die Tat eines geheiligten Lebens und Wandels steht, die schweigend verrichtet wird." kirchliche Anzeigen. bonntag, den 15. Oktober, 17. nach Trinitatis. Kollekte für die Gustav-Udolf-Stiftung. Gottesdienst. 3n der Stadtkirche. vormittags 9VZ Uhr: Pfarrer Schwabe. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde, zu welcher die Eltern und Ungehörigen herzlich eingeladen werden, vormittags I N /4 Uhr: Kinderkirche für die Markus- gemcinde. Pfarrer 5 ch w a b e. Ubends 6 Uhr: Pfarrer M a h r. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Matthäusgemeinde, zu welcher die Eltern und Ungehörigen herzlich eingeladen werden. Ubends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde, siehe Wartburg-Verein. — Montag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. — Dienstag, den 17. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Matthäusfaal: Frauenmissionsverein. 3lt der Johannestirche. vormittags 9 V 2 Uhr: Pfarrer Uusfeld. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunter- richts für die Kinder aus der Johannesgemeinde, zu welcher die Eltern und Ungehörigen herzlich eingeladen werden, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Ubends 6 Uhr: Pfarrer B e ch- t o l s h e i m e r. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Lukasgemeinde, zu welcher die Eltern und Ungehörigen herzlich eingeladen werden. Ubends 7 V 2 Uhr: vereiniguüg der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal. Ubends 7 V 2 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal. — Mittwoch, den 18. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer B e ch t o l s - heimer. — Freitag, den 20. Oktober, abends 0 V 2 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal. £ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen } (larl Ü005 Edgar Borrmann,Giessen «irchenpiatz 13 :: leiepbon 797 Neurtadtll Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 r r , empfiehlt billigst JJCanU|aRtUr= Oefen, Herde, Ersatz fiir kupferne Wasuhkessel, Haus- und Küchen- UTtb 2BeifoU)aren geräte,SolingerStahlwaren.landwirtschafl.Maschinenu.Geräte,Vogel- « u ui käfigeu.Züchterutensilien,Fischereigeräteete.etc.Waffen u.Munition. D crren= HnaüenRietOer Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen ßescliw. Holberg Nacbt. Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. ™ 1 CARL LUDWIG LEIB püUjinnflrUmüO u ♦ Kunsthandlung bilden ffrnfl Ihallier, Eicken i einrahmungs-geschäft Kudolph's Macht. : VERGOLDERBI kirchstr .2 ANTIQUITÄTEN Pboenii-lBclii. Auch andere Systeme stets auf Lag«. 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