Nr. 35. Gichen, Sonntag 11. nach Trinitatis, den 3. September 1916. 5. Jahrgang. Unsere Gotteshäuser. , Psalm 27, 4. (Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern: daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempelzu betrachten. Wenn ein frommer Jude der alten Zeit von dem,,Hause des Herrn" redete, so meinte er allemale den Tempel zu Jerusalem. Nach diesem Tempel ging seine Zehnsucht,' auch, wenn er noch so arm war und sich das Neisegeld mühsam zusammensparen mußte, mindestens einmal im ^ahre, in der Negel zum Osterfeste, ging er dorthin, betete zu Gott, schaute die schönen Gottesdienste des Herrn, betrachtete in ernstem Nachsinnen den Tempel und zog dann glücklich wieder heim. Die Nethäuser, die überall in den Dörfern standen und in denen sich am Sabbat die Gemeinden versammelten, hatten lange nicht diese Bedeutung. Ts ist auch sicher, daß sie von einfacher Bauart und Nusstattung waren. Darum ist zu verstehen, daß der höchste Wunsch mehr als eines Frommen der war, den der psalmist ausspricht, im Hause des Herrn zu bleiben sein Leben lang. Wer jemals eine große katholische Kirche aus alter Zeit mit Aufmerksamkeit und Verständnis betrachtet hat, der hat erkannt, daß das Urbild, nach dem sie gebaut ist, der Tempel auf Zion ist. hier wie dort weite, hohe Hallen, nirgends nur ein einziger Kirchenraum, sondern ein Nebeneinander von Hallen, Schiffen, wie man sagt, von Thorumgängen und Kapellen. Diese Kirchen aus alter Zeit sind heiliger Stimmung voll. Man meint beinahe, daß die Architekten und Künstler unserer Tage nicht mehr wie ihre Berufsgenossen im Mittelalter imstande seien, so viel Seele, Gemüt und Frömmigkeit in die spröden Steinmassen zu legen. Diese Ulten haben den Stern vergeistigt. Wie gelangt in den Kirchen von gothischer Bauart mit ihren kühn nach oben strebenden Türmen, deren Spitze sich in dem Blau des Himmels verliert, das Streben des Ehristen von der Erde nach dem Himmel zu so schöner, sinnbildlicher Darstellung, viele Stunden habe ich schon mit der Betrachtung dieser Bauwerke zugebracht. Die Dome zu Köln und Hildesheim, das Münster zu Straßburg, die Kathedrale zu Nntwerpen, die Gudula- kirche zu Brüssel, die St. Bavokirche zu Gent, die Notre- damekirche zu Paris, die Kathedralen zu Nmiens und Nouen, den Dom zu Mailand, die Markuskirche zu Venedig, den Dom zu Negensburg, die wundervolle Basilika zu München habe ich auf mich wirken lassen, ohne müde geworden zu sein, mich in Einzelheiten zu vertiefen. Edle Kunst hat hier das Weihevollste geschaffen,' Maler, Bildhauer und Holzschnitzer haben miteinander gewetteisert, eine Ueberfülle drängt sich in diesen Gotteshäusern dem Buge auf. So gibt es kaum einen Vorgang aus der biblischen Geschichte des Nlten und des Neuen Testaments, der in der Kathedrale zu Nmiens nicht dargestellt ist, vom Paradiese bis zum großen Weltgerichte ist hier die heilige Geschichte in Stein gebildet. Buch das Leben eines heiligen der katholischen Kirche gleitet hier an dem Beschauer vorüber. Nlle diese Kirchen sind weniger für die Wortverkündigung geschaffen, sie sind Tempel von großer Nnlage, Näume für die Nnbetung, heilige Hallen mit Darstellung des Göttlichen. Eine Neihe von evangelischen Kirchen, die aus der vor- reformatorischen Zeit stammen, zeigen naturgemäß gleichfalls diese Nusprägung, so die Elisabethkirche zu Marburg, die Stadtkirche zu Friedberg, die Lorenz- und die Sebalduskirche zu Nürnberg, die Stiftskirche zu Stuttgart, die Barfüßerkirche zu Nugsburg. Diese herrlichen Kirchen entsprechen eigentlich nicht dem evangelischen Frömmigkeitsideale. Unsere Frömmigkeit gründet sich auf das Wort Gottes, das wollen wir lesen und hören. Jene großen, viel- gliedrigen Kirchen sind für die predigt des Wortes nicht geschaffen, hierzu brauchen wir geschlossene Bäume von nicht allzu großer Nusdehnung. Gerade moderne evangelische Kirchen nähern sich mehr der Nrt, in der man große Versammlungsräume aufrichtet. Nber wir haben unsere einfachen und schlichten Kirchen genau so lieb, wie einst der fromme Jude seinen Tempel liebte und heute der fromme Katholik seine kunstvollen Dome liebt. Wenn wir im Gotteshause weilen, so tritt die Welt hinter uns zurück, hier sammeln wir uns von aller Zerstreuung der Welt um das Ewige, hier empfangen wir Trost und Stärke. Gerade in der Kriegszeit haben sich unsere Kirchen als solche Friedensorte erwiesen. Daß die Gotteshäuser unserer Heimat noch unversehrt sind und nicht, wie es im Feindesland vielfach der Fall ist, zu ausgebrannten Buinen geworden sind, treibt uns in diesen Tagen dankend besonders zu dem, dem wir in unseren Kirchen dienen. H.B. 138 - vor hundert Zähren. (Schluß.) Mitteilungen über das Mißjahr 1816. Sie setzten ihr Treiben noch fort, als die Trnte schon beinahe zu Ende war und die Getreidepreise bedeutend gesunken waren. Infolgedessen kam es am 15. Kugust 1817 in Mainz zu einem regelrechten Brotkrawall. Die Kornwucherer trieben dort an einem Markttage die Preise so in die l)öhe, daß der £aib Brot von 16 Kreuzer wieder auf 23 Kreuzer stieg, sie boten auf dem Markte den Landleuten für das Malter 15 Gulden anstatt 9 Gulden, was zuletzt der Preis gewesen war. Tine resolute Frau, die dabei stand, als ein Makler wieder seine unredlichen Operationen beginnen wollte, ergriff den Menschen am Kragen. Das gab das Signal zu einem allgemeinen Kufstand gegen die Kornwucherer. Sic wurden von dem Volke mißhandelt, ihre Häuser wurden gestürmt, die Fenster eingeworfen, und auf dem Markte wurden die Kartoffelsäcke und Tierkörbe umgeworfen. Die erregte Volksmenge hätte diese Leute getötet, wenn nicht das preußische Wachtkommando auf der hauptwache in das Mittel getreten wäre. Die ganze Garnison trat unter Waffen, der Aufstand der Mainzer hatte aber die günstige Wirkung, daß der Preis des Laibes Brot um 4 Kreuzer herabgesetzt wurde. Km 17. Kugust machte der Mainzer Oberbürgermeister Freiherr von Jungenfeld eine von der Negierungskommission genehmigte Bestimmung bekannt, nach der jeder, der auf dem Markte Tumult machte, bestraft werden sollte. Ts wurde eine Marktkommission gebildet, die die Klagen der Konsumenten anhören sollte. Für den vierpfündigen Laib Brot waren vor dem 27. Juni in Mainz noch 51 Kreuzer bezahlt worden, dann sank der Preis auf 27 und fiel weiter, wie oben erwähnt worden ist, auf 16 Kreuzer. Dieser Preis blieb bis zur Trnte bestehen. Bus dem Lande waren die Brotpreise ganz der Willkür unterworfen, so daß die Leute nach der Stabt gingen, um da einzukaufen. Die Bäcker scheinen mit dem Linken der Preise nicht einverstanden gewesen zu sein,' denn es wird geklagt, daß es mit dem Brotbacken sehr langsam gehe, vielfach war Brot überhaupt nicht zu erhalten. Cs war auch Zeit, daß die Preise fielen,' denn angesichts einer reichen Trnte war die Not groß, ging der Hunger als ein hohläugiges Gespenst in vielen Landesteilen um. Tnde Juli wurde vom Hunsrück gemeldet: ,,Die Noth war und ist schrecklich. In den Gegenden, wo lauter Holzhauer wohnen, nähren sich die Menschen mit Milch und Wiesen- und Wald- lkräutern, das Brot reichte nicht hin. Jetzt zeigt sich in diesen Gegenden eine Krankheit, die Farbe wird gelb, die Gesichter schwellen." In der Tifel nährten sich die Menschen seit Monaten von erfrorenen Kartoffeln, aus denen sie Kuchen herstellten. hungernde, blasse Menschen zogen zu vielen Tausenden den Nhein hinunter, mit der Kbsicht, nach Amerika zu gehen, die meisten gingen einem ungewissen Schicksale entgegen. Tndlich kam nach Tagen der Not und der Verzweiflung, des Betons und Fluchens die Trnte,' sie war reicher denn je und begann sehr früh. Die armen nun wieder aufatmenden Menschen ließen es sich on vielen Orten nicht nehmen, die ersten Garben in feierlichem Zuge nach Hause zu bringen. Kus Kreuznach wird am 5. Juli berichtet: ,,Diesen Kbend um 5 Uhr sind die zwei ersten Wagen voll Frucht es war Wintergerste nach hau^ g fahr-n worden. Während uns eben noch die traurige Nachricht*) von vierzehn verhungerten Menschen niederbeugte, während Wagen mit Brot vom Nhein aus und von hier aus den unglücklichen Wald- und Gebirgsbewohnern gesendet wurden, haben wir die Freude, daß die Trnte beginnt. Gott allein die Thre!" Das Einbringen der ersten Garben gestaltete sich m der Stadt an der Nahe zum Volksfeste. Tine Musikkapelle zog voraus, dann kamen die Erntewagen. Kuf den Pferden saßen Knaben, die Blumensträuße in den Händen hielten. Unter Glockengeläute bewegte sich der Zug nach der Kirche, wo man eine Crntedank- feier abhielt. Noch durch manches Jahr hindurch wurden Kehren und Körner von dieser Trnte sowie Gedenkmünzen an das Hungerjahr in vielen Familien aufbewahrt. Mein Konfirmand, der Gberrealschüler Nudolf Hahn zu Gießen, zeigte mir im Kpril 1916 Gstseekorn aus dem Jahre 1816 und eine Denkmünze an das Hungerjahr; beide Erinnerungszeichen rühren von seinem Urgroßvater, dem Superintendenten höhne in Dutenhofen bei Wetzlar her. Die venk- münze zeigt auf der einen Seite eine Mutter mit zwei hungernden Kindern, die Umschrift lautet: „G gib mir Brot, mich hungert sehr". Kuf der anderen Seite ist das Bild einer Wage. Die eine Wagschale trägt einen Gewichtstein, darunter steht: ,,1 Pfund 5 Lot", auf der anderen Schale liegt ein Laib Brot, darunter steht: „12 Kreuzer". Darunter ist ein Knker abgebildet, der in einer Getreidegarbe haftet. Die Umschrift lautet: „verzaget nicht, Gott lebet noch". Die Kreuznacher Feier scheint völlig improvisiert gewesen zu sein und anderen Städten und Dörfern als Muster gedient zu haben. Kehnliche Feiern sind aus Wiesbaden und Hadamar gemeldet, sind augenscheinlich aber auch noch an anderen Orten abgehalten worden. Der günstige Kusfall der Ernte chatte zun Folge, daß man die Kusfuhrverbote aufhob und dem Handel keine Hindernisse mehr in den weg legte. Km 2. Kugust erließ die Mainzer Negierung die im Unterschied zu den früheren Verordnungen über Maßregeln gegen die Teuerung sehr knapp gehaltene Bekanntmachung: „Die Unterzeichnete Stelle beeilt sich hierdurch zu verkündigen, daß Se. Königliche Hoheit der Großherzog bei der neu eingetretenen, sehr ergiebigen Trnte sich gnädigst bewogen gefunden haben, die durch den Drang der Umstände bisher nötig gefunden haben, die durch den Drang der Umstände bisher nöthig gewesene Fruchtsperre gegen das Kurland in dem gesammten Großherzogthum wieder aufzuheben und den freien unbeschränkten Handelsverkehr der Früchte, vom gestrigen Tage an, wieder cherzustellen, wonach alle betreffenden diesseitigen Behörden sich zu richten haben." Brot war nun wieder im Lande, aber es kam doch kein rechter Kufschwung für die Landwirtschaft,' denn der Erlös war bei den nun niedrigen Fruchtpreisen gering. In den 20er Jahren erreichte der Wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse infolge der veränderten Verkehrsverhältnisse einen solchen Tiefstand, daß „mancher Gutsbesitzer den Erlös für seinen Ueberschuß in der Westentasche heimtrug und kaum die Steuern herauswirtschaftete". Die massenhafte Kuswan- derung dieser Jahre war mit durch diesen Umstand verursacht. Noch viele Jahrzehnte blieb das Hungerjahr 1816 17 im Gedächtnisse derjenigen, die es erlebt hatten, haften. Der noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Wonsheim im Kreise Klzey lebende Landmann Johannes Fitting *) Diese Nachricht hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. soll allemale, wenn es im Frühsommer viel regnete, sorgenvoll gesagt haben: ,,Ls kommt wieder ein 16er Jahr". Rber auch die Nachlebenden wissen aus den Mitteilungen ihrer Vorfahren heute noch von diesem Jahre der Not zu erzählen. (Es schien damals, als ob die so viel geplagten Menschen auf dem linken Nheinufer gar nicht zur Nuhe kommen sollten. Vas Jahr 1822 brachte abermals Unwetter, Sturm und Regengüsse. Um 15. Juni zog ein schweres Unwetter über Darmstadt hinüber nach dem Rheine. In Rodenheim entstand ein Schaben, der auf 20 000 Gulden berechnet wurde, der Hagel beschädigte die Weinberge. Trotz der großen Hitze fand man drei Stunden, nachdem das Unwetter vorüber war, Schloßen (Hagelkörner), die dicker waren als Taubeneier. Um 25. Juli zog ein fürchterliches Wetter über ben Ranton Oppenheim. Rbermals wurde Rodenheim schwer getroffen, der wein wurde dort ganz vernichtet. Nackenheim und Harxheim litten gleichfalls Not. Der Sturm tötete Hasen, Feldhühner und andere Vögel, die man auf den Feldern und den entblätterten Räumen fand. Ruf der rechten Rhein- seite wurde Rischofsheim von diesem Wetter berührt. Natürlich erwachte in den Bewohnern dieser Gegend die Furcht, daß bas Jahr 1816 wieder komme, diese Furcht ging durch ganz Deutschland, schwand aber bald, als das Wetter dauernd günstig blieb. Unsere Ernte. G gib uns Demut, aller Selbstsucht bar. Reif unsre Dankbarkeit, Herr, heiß und wahr, Daß unser Herz der Ernte rein entgegen klingt, Lin Lob- und Preislied deiner Güte singt! Drei Wochen ist die Sonne durch den Himmelsraum gewandelt vom Morgen zum Kbend. Unentwegt goß sie ihre Strahlen auf wogendes Rornmeer, in weit geöffnete Reiche, auf alle Früchte, auf die Schönheit der Rosen und die Lieblichkeit der Wiesenblumen aus, förderte und behütete die Fruchtbarkeit der Erbe, unermüdlich, wie eine gute und getreue Mutter ihren Rindern Fülle um Fülle gibt von den besten Schätzen des Geistes und des Gemütes und ihre zarten Seelen vor schädlichen Einflüssen bewahrt. Die Rehren rundeten sich unb reiften unter dem steten, warm-freundlichen Blick der Sonne, demütig geneigt in ihrer Rörnerschwere, in bebendem Schweigen das walten ihres Schöpfers verspürend. Sn die Fülle der Halme greifend wie in goldene Harfensaiten, sang ihnen der wind das Lied des Werdens und Wachsens und der wundersamen Vollendung, geschützt und gekrönt von göttlicher Rllmacht. Einmal hat die Sonne sich in graugelbe Schleier gehüllt, und es rann und rauschte aus den weiten des Himmels auf die Fluren hernieder, wie tat ihnen der Segenstau gut! O goldener Reichtum, doppelt wertvoll und köstlich in dieser schicksalsschweren Rriegszeit! Unser Wandel durch diese Wochen der Reife, die mehr als sonst von der Gegenwart Gottes erfüllt sind, sei ein Schreiten im Gebet und in Gedanken des Vertrauens, voller Rndacht und Demut, der Demut, die uns die Natur selbst in ihrer gesegneten Stille und Gebeugtheit vor Rügen führt! hat der Regen, indem er die Fluren tränkte und mit Tropfengeschmeide schmückte, auch all den Unrat an Murren und Mißtrauen hinweggewaschen, der sich während der drei Wochen strahlenden Lichtes in die Gedanken des Friedens und der Freude eingeschlichen hatte? Ts sollte so sein, auf daß der Segen, der sonnengolden und früchtebunt der Ernte entgegenwächst und -gedeiht, nicht zum Unsegen werde, auf daß die Verantwortung der Zukunft, das Sorgetragen für die Rllgemeinheit, die sich an ihn knüpfen, nicht als eine Last Niederdrücke, sondern wahrhaft frei und fröhlich mache, wert des Lohnes, wenn der Tag der Ernte gekommen ist. wie kann ein Mensch sich goldener Ernte freuen, wenn er mit dem Lenker und Hüter alles Wachstums, dem gütigsten Vater, vorher gehadert, seine Weisheit angezweifelt hat, die sich oft in der hülle des Geheimnisses verbirgt? Nein, ein verdrießliches und unzufriedenes Herz ist keine Rammer für den Segen des Herrn,' es ist zu klein und enge, um alle die Gotteswunder, all das Erntegold zu fassen und festzuhalten ! Sch fand auf einem Spaziergange eine Rornähre, und heilige Freude ergriff mich bei der Betrachtung des zierlichen Gebildes im Schmucke seiner Rispen und im Goldschimmer seiner Rapseln, die den Schatz tragen für des Volkes leiblich und geistig Wohl. Mein deutsches Volk, herrlich hast du dich bjs zum heutigen Tage bewährt, tapfer und fest stehst du noch im dritten Rriegsjahre wie eine Mauer um dein Vaterland, daß keine feindliche Hand es berühre und verderbe. Und Opfer um Opfer brachtest und bringst du, draußen und in der Heimat, stille und scheue Opfer des einzelnen, die, wie die unterirdischen Ouellen, nicht geschaut, nur geahnt, wohltätig rinnen und gemeinschaftliche, weithin leuchtende, auf welche selbst der Feind mit achtungsvollem Staunen blickt. Mein deutsches Volk, das hast du gekonnt und kannst du noch und vermagst noch mehr: Dein ,,Ich" bezwingst du, deinen Eigenwillen gibst du auf und gehst auf im wirken für die Gemeinschaft, in Werken, die den inneren Frieden befestigen, das allgemeine vertrauen in aller Herzen einwurzeln und wahren. Und deine Dankbarkeit ist hoch aufgelodert als eine reine und schöne Flamme gen Himmel, als die großen Siegesbotschaften dir in Haus und heim, über Wald und Flur, in Stadt und Dorf getragen wurden! Sollten einzelne in deinen Reihen, deutsches Volk, heute den Dank vergessen, der das Schönste und höchste ist, was ein Menschenherz empfinden und seinem Herrgott darbringen kann? vertrauen sei der Grund, auf dem die Dankbarkeit blühe und wachse, und dauere! Nimmermehr glühe sie auf und verblühe und verwehe, wie der Mohn in den Rorn- feldern! Sch denke an das Werk eines warmherzigen Mannes und Rünstlers, das ich kürzlich im Bilde gesehen habe: ein Jüngling in der Blüte seiner Rraft und Männlichkeit bindet eine Korngarbe, inmitten einer Fülle von Halmen kniend. Gewiß eine einfache und anspruchslose Handlung, doch, durchströmt von wundervoller Innigkeit und Hingabe, einer dankerfüllten, weihevollen Rndacht vor der herrlichsten Himmelsgabe, bedeutungsvoll zu Herzen sprechend, ein heiliger Gottesdienst. Es erscheint mir der ,,Garbenbinder" von Franz Scheider als ein Sinnbild deutscher Wesensart und Bestimmung ! Ihr Unzufriedenen und verzagten im deutschen Volk verstummet, besinnt euch auf euer besseres Selbst und stimmet ein am Tag des Erntefestes in den Thor zu Gottes Lob und Preis, der uns am jüngsten Tage zur himmlischen Erntefeier alle versammeln und segnen möge mit dem Segen seiner Liebe und Gnade ! h. R. 140 — wenn Frieden ist. . . Einmal wird Friede sein! Und jede Stadt, Das kleinste Dorf wird seine Helden haben Und Feste feiern wollen. Sorgensatt vergeht dann nicht der Helden, die begraben, Die eingescharrt in fremder Erde ruhn! Einsam gestorben, wie das Tier im Walde - Scib nicht zu laut mit eurem Festestun! Denkt an die Gräber auf verlass'ner Halde. Der Gräber denkt an dunklem Waldessaum — Hn Gräber, tief auf blauem Meeresgründe - Rn Gräber, einsam unter Busch und Baum - Und sachter fließt das Wort aus eurem Munde! Windet ein Trauerreis zu jedem Kranz, Der einem Helden zum Willkomm geboten, Seib stille von Musik upd Spiel und Tanz. Denn gar zu leicht vergessen wir die Toten. (Aus „Unseres Herrgotts Kanzlei".) Meine Mitteilungen. Die Schulbehörde der Stadt Frankfurt a. M. hat die Regierung gebeten, mit dem I. September den Schulbeginn wieder morgens auf 8 Uhr zu verlegen. Zur Begründung dieses Gesuches hat man auf die gesundheitlichen Schäden verwiesen, die den Kindern aus dem zu frühen Schulbeginn erwachsen, man hat gleichzeitig auch gefordert, daß im nächsten Sommer, falls die sogenannte ,,Sommerzeit" wiederkehren sollte, der Schulbeginn überhaupt auf 8 Uhr gelegt werde. Wenn man bedenkt, daß die Kinder in den Städten - auch in Gießen - in der Regel sehr weite Wege vom Elternhaus bis zur Schule zurückzulegen haben, während auf den Dörfern die Kinder ihr Schulgebäude in wenigen Minuten erreichen, so versteht man, daß hier wirklich ein Rotstand vorliegt, viel zü früh werden die Kinder aus dem Schlaf geweckt, haben einen weiten Weg zurückzulegen, müssen dann fünf Stunden in der Schule sitzen, haben mitunter noch zwei Stunden Nachmittagsunterricht, wie kann es da anders sein, als daß die Gesundheit Schaden leidet? Man muß sich wundern, daß man in einer Zeit, in der man „Bevölkerungspolitik" treibt und ein gesundes Geschlecht heranziehen will, eine solche Maßregel ergriffen hat, die diesen Rbsichten ganz zuwider ist. Ruch der wirtschaftliche Nutzen der „Sommerzeit" scheint fraglich zu sein. Man wollte Sicht sparen. Für die Monate.Mai, Juni und Juli kam das überhaupt nicht in Betracht,- denn in diesen Monaten ist es sehr lange Tag, weder morgens noch abends braucht man zur Rrbeit Sicht zu machen. Im September aber muß man in der ersten Rrbeitsstunde die Rrbeitsräume beleuchten, was früher nicht nötig war. Ts scheint, daß höchstens Unternehmungen, die Vergnügungszwecken dienen, von der neuen Maßregel Nutzen haben, so die Kurverwaltungen, die den Kurpark höchstens eine Stunde lang für die Rbendkonzerte zu beleuchten brauchen. Man hat gerühmt, daß der Rrbeiter am Rbend viel mehr Zeit zu seiner freien Verfügung habe. Gb namentlich die jungen Seute in ihrer Gesamtheit diese Zeit gut anwenden, ist zu bezweifeln. Endlich aber ist das kirchliche Seben, das überall im ersten Kriegsjahre eine lebhafte Steigerung erfahren hat, durch die „Sommerzeit" geschädigt worden. Die Kinder, die an den Wochentagen so früh aufstehen müssen, wollen und müssen Sonntags einmal ausschlafen. Dadurch werden auch die erwachsenen Familienglieder, besonders die Mütter, am Besuch des Frühgottesdienstes gehindert, vollends die Kriegs- betstunden, die in den eigentlichen Sommermonaten bei Hellem Tageslichte abgehalten werden, haben durch die Unordnung, von der wir erhoffen, daß sie bald der Geschichte angehören wird, eine Verminderung der Besucherzahl erfahren. Die weitaus meisten deutschen Behörden scheinen sich davon überzeugt zu haben, daß die Vorteile, die man von der „Sommerzeit" erwartet hat, ausgeblieben sind. kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. Kollekte für die Kaiser-Wilhelm-Stiftung. In der StadMrche. Sonntag, den Z. September, 11. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markus- gemeinde. vormittags 9V-> Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. pfarrerM a h r. In der Johanneskirche. Sonntag, den z. September, 11. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Russeld. Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde, vormittags 9 1 /» Uhr: Pfarrer Be ch - tolsheimer. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Sukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. — Mittwoch, den 6. Sept., abends 8 Uhr: Kriegsbetslunde. Pfarrer Rusfeld. L Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Nirchenplah 13 :: Telephon 797 Manufaklur- und Weigwaren Herren- u. Knabenkleider Edgar Borrmann,Giessen Neu8tadtll Eisenwaren, Haus-u. Küchengeräte Teleph.165 empfiehlt billigst Osten, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte, SolingerStahl waren, landwirtschafl.Maschinenu. 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