LonntagsgrM Gemeinüeblatt süröie evangelische Kirchengemeinöe Gieszew Nr. 33. Gießen, Sonntag 9. nach Trinitatis, den 20. August 1916. 5. Jahrgang. Der Totenwagen. Hiob 16, 22. Ich gehe hin des Weges, den ich wieder nicht kommen werde. Durch die Straßen der Stadt, in der ich vorübergehend weile, sehe ich am sonnenhellen Sommertage den Totenwagen fahren. Tr ist leer und kommt vom Friedhöfe zurück, wohin er einen müden Trdenpilger gebracht hat. Langsam gehen die schwarz begangenen Pferde einher, von dem schwarz gekleideten Fuhrmann geleitet. (Es ist ein eigentümliches Bild, wie dieser Wagen durch die Stadt fährt. Die Straßen sind sehr belebt. Kinder gehen zur Schule, schnellen Schrittes hastet der Kaufmann vorbei, Landleute gehen, mit Körben beladen, zum Markte, Soldaten, geschmückt mit dem Eisernen Kreuze, schreiten vorüber, Behende eilen zum Bahnhofe, knarrend und schwer beladen fährt ein Erntewagen hinter dem Totenwagen einher. Über nur wenige unter den vorübergehenden schenken dem schwarzen Magen ihre Beachtung. wohl tausendmal bin ich vor oder hinter dem schwarzen Magen einhergegangen, dennoch bringt er, wie er so durch das Menschengewühl leer dahinfährt, meine Seele in Schwingung. Mit diesem Magen müssen alle einmal fahren, die jetzt an ihm vorübergehen und kaum einen Blick für ihn haben: der kleine, blonde Knabe, der lebhaft mit seinem Sichulkameraden spricht, der Kaufmann, dem „Zeit ist Geld" das Losungswort ist, der alte, ärmlich gekleidete Mann, der sich schwach auf seinen Stock stützt, der Müßiggänger, der an der Straßenecke steht, der junge Mann, den das feldgraue Maffenkleid schmückt, die modern gekleidete Dame, die einer Bekannten lachend und grüßend zuwinkt, ich selber wir alle gehen einmal des Meges, den wir nicht wieder kommen werden, wir alle werden einmal still hinausgefahren. vielen Menschen ist das eine schreckensvolle Aussicht, der gereifte Ehrist findet in ihr Trost und Beruhigung, von diesem Trost und dieser Beruhigung hat Tonrad Ferdinand Meyer in dem wunderbaren Gedichte geredet, in dem er den zum Feuertod verurteilten Johann huß sprechen läßt: Es geht mit mir zu Ende, mein' Sach' und Spruch ist schon weit über Menschenhände gerückt vor Gott:s Thron, schon schwebt gleich einer Molke, umringt von seinem Volke, entgegen mir des Menschen Sohn. Die Leiden dieser Zeit, die uns jetzt tausendfach bedrängen, gehen vorbei, hinüber über das wilde Geschehen des Krieges schwillt der Strom der Vergänglichkeit' alle Dissonanzen sind gelöst, aller Streit ist ausgekämpft, alle Sorge getragen, wenn wir auf dem schwarz verhangenen Magen nach dem Ucker Gottes gefahren werden. Menn ich Menschen sehe, die rücksichtslos und hartherzig nur nach Vermehrung ihrer habe streben, oder Menschen, die so tun, als ob sie allein in der Melt seien, um ewig bewundert zu werden und vor den anderen eine Bolle zu spielen, so muß ich immer an den Magen denken, den die schwarz behan- genen Pferde ziehen. Und denke ich an das himmelschreiende Unrecht, das in diesem Kriege geschieht, so tritt mir vor die Seele, daß nicht nur die, die das Unrecht wehrlos ertragen müssen, sondern auch die, die es — vorläufig noch ungestraft — tun, einmal die letzte Fahrt machen werden und dann vor dem ewigen Bichter stehen. Gerade ein Mort für die Kriegszeit ist, wa's der Prediger Salomo sagt: Sch wandte mich um und sah alle, die Unrecht leiden unter der Sonne, und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster, und die ihnen Unrecht taten, waren zu mächtig, daß sie keinen Tröster haben konnten. Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben hatten. Mir Menschen der Gegenwart sind daran gewöhnt, oft und weit zu reisen, wir reisen zu Fuß, zu Magen, zu Schiff und vornehmlich mit der Eisenbahn. Je älter wir werden, um so weniger wollen wir reisen, gleichsam, als ob im Hintergrund unserer Seele stets das Mort weile, das ein Mainzer Schiffer selbst für seinen Grabstein bestimmt hat: Einst fuhr ich in der Tat von morgens früh bis abends spat, nun mag da reisen, wer da will, hier liege ich vor Unker still. Mir sollten öfters einmal auch an die letzte Fahrt denken, die wir auf dem Totenwagen durch das Menschengewühl hindurch machen, und uns dabei fragen: was dann? Schickt das herze da hinein, Mo ihr ewig wünscht zu sein. h. B. 130 — vor hundert Zähren. (Fortsetzung.) Mitteilungen über das Mißjahr 1816. Sd]on am 17. Januar 1817 erfolgte die erste Verordnung der Mainzer Regierung, die sich auf den herrschenden Notstand bezog. Die Negierung ging hierbei von der Erwägung aus, daß in ihrem Verwaltungsbezirke der für die Bevölkerung bis zur künftigen Ernte notige Vorrat an Kartoffeln und Brotfrucht sicherzustellen sei. Man hatte die Gutsbesitzer in den einzelnen Kantonen aufgefordert, zu erklären, was sie zur Sicherung des Bedarfs bis zur nächsten Ernte zurückbehalten wollten, die eingelaufenen Erklärungen waren aber so unvollständig ausgefallen, daß der Bedarf bei weitem nicht gedeckt erschien. Nun wurde die Nusfuhr von Kartoffeln ganz verboten. Durch die Bürgermeister sollte unter Zuziehung der Schöffenräte (Gemeinderäte) eine Nuf- nahme der Bestandes der Vorräte an Weizen, Korn, Gerste, Spelz und Mehl vorgenommen werden. Gleichzeitig wurden die, die mehr besaßen, als sie verbrauchten, aufgefordert, anzugeben, was sie zur Verfügung der Negierung stellen wollten. Die Nusfuhr von Norn und Gerste wurde ebenfalls verboten, nicht einmal nach den beiden rechtsrheinischen Provinzen war die Nusfuhr gestattet. Da an weizen und Spelz noch ansehnliche Vorräte vorhanden waren, so wurde die Nusfuhr unter der Bedingung gestattet, daß Verkäufe nur auf den Frachtmärkten zu Mainz, Oppenheim, Worms, Nlzep und Bingen stattfinden sollten und daß die Nusfuhr nur durch diese Orte und gegen einen „Exportationsschein" geschehe. Uebertretung dieser Bestimmungen sollte mit Konfiskation der verordnungswidrig ausgeführten Früchte geahndet werden. Schon am 13. Februar konnte die Mainzer Negierung einer weiteren Verordnung bekanntgeben, daß die Bestandaufnahme ergeben habe, daß die nötigen Quantitäten Korn und Gerste mit Einschluß der Saatfrucht bis zur nächsten Ernte hinreichten, daß eine den Bedarf überschreitende Menge von Kartoffeln vorhanden sei und daß von den sehr bedeutenden Vorräten von Weizen und Spelz noch ausgeführt werden könnte, infolgedessen sollten dem freien Verkehr möglichst wenig Hindernisse in den weg gelegt werden. Der verkauf dieser Getreidesorten blieb unter den seitherigen Bedingungen auf den Fruchtmärkten der in der ersten Verfügung genannten Städte erlaubt. Sn diesen Städten wurden Niederlagen zum verkauf der feinen Weizen- und Spelzmehlsorten errichtet, besonders ernannte Experten mußten darüberwachen, daß kein Gersten- und Noggenmehl untermischt wurde. Die aufgekauften Vorräte an Getreide und Mehl durften nur auf bestimmten Straßen ausgeführt werden, von Nlzep aus auf der Straße nach Kirchheimbolanden, von Bingen aus durch den Nheinhafen über die Nahebrücke, von Mainz aus durch den Nheinhafen über die Nheinbrücke, von Oppenheim aus am gewöhnlichen Einladungsort am Nhein, von Worms aus ebendaselbst und auf der Mannheimer Straße. Jede Nusfuhr zur Nachtzeit war verboten. Den Bewohnern .der rechtsrheinischen Provinzen wurde der Nnkauf von Schwarzfrüchten (Korn und Gerste) zum eigenen Bedarf bei einem Höchstquantum von fünf Maltern gestattet. Das gleiche Necht wurde den Nheinhessen hinsichtlich der beiden anderen Provinzen zugestanden, sie werden aber nur wenig Gebrauch davon gemacht haben, da im Odenwald Hungersnot herrschte. Branntweinbrennen und Essigsieden wurde weiter gestattet, jedoch mußte von jedem viertel (8 Liter) der hergestellten Menge eine Nbgabe von drei Kreuzern, die zur Unterstützung von Notleidenden bestimmt war, entrichtet werden. Der schon erwähnte Ndam Boost wurde zum Spezialkommissar zur schnellen Nusführung der verordneten Maßregeln und zur Information der Behörde ernannt. wie allerwärts und zu jeder Zeit verursachten diese Sperrverordnungen, daß sich der Schleichhandel regte und daß Spekulanten sich die Sachlage zunutze machten, indem sie sich Vorräte verschafften und zu Wucherpreisen verkauften. Deshalb und weil man befürchtete, daß die vorhandenen Vorräte doch bis zur nächsten Ernte nicht reichen würden, kam am 21. Hpril 1817 eine neue Verordnung heraus, die die Nusfuhr aller und jeder Frucht- und Mehlgattung verbot. Der Transithandel wurde auf das strengste überwacht. Gleichzeitig bekamen die Gutsbesitzer, die Getreide zur Verfügung der Behörde gestellt hatten, wieder das Necht, darüber zu verfügen, um die angesammelten Vorräte in den freien Verkehr zu bringen. wenn ein Landstrich eine Mißernte gehabt hat, so ist selbstverständlich die Not in dem darauffolgenden Frühjahre und Frühsommer am größten, weil alsdann die von früheren Jahren noch vorhandenen Vorräte aufgezehrt sind und für sie noch kein Ersatz da ist. So war auch in den Monaten Npril, Mai und Juni 1817 die Teuerung am drückendsten, und die Nusfuhrbestimmungen wurden immer mehr verschärft. Das Höchstquantum, das man nach den rechtsrheinischen Provinzen bringen durfte, wurde am 21. Mai auf drei Malter verringert. Ohne Nttestate der Bürgermeister und Marktbehörden konnte man nichts mehr ausführen. (Fortsetzung folgt.) will". vor einiger Zeit las ich den Nusspruch : „Ein jeder von uns stellt einen Gedanken Gottes dar." Vas gab mir viel zu denken,' je mehr ich darüber nachdachte, um so mehr weitete sich mir der Blick, und ich glaubte in ungemessene Fernen sehen zu können, was ich da sah, war schön und tröstlich' denn es hob mich aus der Erdenenge heraus und ließ mich himmelsweite ahnen. wie herrlich ist das Bewußtsein, einen Gottesgedanken verkörpern zu dürfen, wie muß es uns die Sehnsucht mehren, diesen Gottesgedanken zu finden, zu verstehen, so auszu- arbeiten, daß er zur schönsten Entwicklung in uns und durch uns komme! welche Fülle von Segen für uns und für unsere Mitwelt könnte daraus fließen und welch ein Strom von Frieden! wir fragen uns, ob es denn so schwer, so ganz unmöglich wäre, uns so zu vertiefen, daß wir dieses Ziel erreichen können? Gewiß ist es schwer, und es bedarf großer Nufmerksamkeit, um bei den Nnforderungen unseres täglichen Lebens nicht das Ziel aus den Nugen zu verlieren, es bedarf unseres Willens. Nur zu gern lassen wir uns treiben, gerade bei allem, was nicht sichtbar zu uns redet, und davor müssen wir uns hüten. Ist es nicht eine bemerkenswerte Erscheinung im Kindesleben, daß eins der ersten Worte, die ein Kind fast schon mit Bewußtsein sagt, dieses ist: ich will! oder lieber noch: ich will nicht! Ich glaube, wir sollten dies: ich will! festhalten für unser Leben bei allem, was uns dem Ziele näher zu bringen vermag, das ein jeder von uns sich stecken sollte, nämlich dem Gottesgedanken nachzusinnen, den wir zu verkörpern berufen sind, wir werden dann aus der Enge in die weite, aus der Tiefe in die höhe geführt werden, und so manchem den weg zu finden behilflich sein können, nachdem wir ihn selbst gefunden haben. Baronin N. Der einarmige Pfarrer. Unter dieser Überschrift brachten die „Frankfurter Nachrichten" neulich folgende Nusführungen: „Im allgemeinen herrscht bei der Kriegsbeschädigten- Fürsorge der Grundsatz, daß die im Kriege verletzten dem früher gewählten Beruf wieder zugeführt werden sollen. Nur dort, wo die Wiederaufnahme des früheren Berufs unmöglich ist, soll den Kriegsverletzten eine Berufswahl ermöglicht werden. Nuch die jungen Leute, die sich einem Studium gewidmet haben und kriegsverletzt sind, sollen in dem in Nussicht genommenen akademischen Berus, soweit dies nach der Nrt der Verletzung überhaupt möglich ist, weiter studieren. Da fällt es um so mehr auf, daß in der preußischen Kirchenverwaltung eine Neigung zu bestehen scheint, solche Theologie- Studenten, die im Kriege schwer verletzt wurden, später nicht anzustellen. Die Bedenken gründen sich darauf, daß ein schwerverletzter Pfarrer, z. B. einer, der einen Nrm oder ein Bein verloren hat, Nnstoß erregen könnte, wenigstens wurde ein ähnlicher Bescheid gegeben bei einem Theologie-Studenten — einem Einarmigen —, der sich dem theologischen Beruf weiter widmen wollte und der, weil er bei der Kirchenverwaltung widerstand fand, schließlich zu einem anderen Beruf übergehen mußte. Selbst der Einspruch eines Universitätsprofessors, daß es nach diesem furchtbaren Kriege wohl in jeder Gemeinde Leute geben werde, die schwer kriegsverletzt sind, und daß sicherlich niemand daran Nnstoß nehmen werde, wenn ein einarmiger Pfarrer amtiere, konnte die Kirchenverwaltung nicht davon überzeugen, daß ein kriegsverletzter Pfarrer seinen Dienst, ohne Nnstoß zu erregen, ausführen könne. Der Fall, daß kriegsverletzten Theologie- Studenten das Studium auf diese weise verleidet wird, daß man ihnen bedeutet, eine Pfarrei könnte für sie nicht in Nus- sicht gestellt werden, soll sich übrigens nicht auf den einen Fall beschränken, der zur Kenntnis des Schreibers dieser Zeilen gekommen ist. Jedenfalls sollte die Kirchenverwaltung ihre Nnsicht in dieser Sache noch einmal einer eingehenden Nachprüfung unterziehen,' denn es kann wohl angenommen werden, baß in Deutschland kaum ein Gemeindemitglied daran Nnstoß nähme, wenn ein Pfarrer auf der Kanzel predigt, der in diesem Kriege einen Nrm verloren hat oder sonst in einem gewissen Grade kriegsbeschädigt ist." Diese Mitteilung scheint uns entschieden auf einem Irrtum zu beruhen. Es ist völlig unglaubhaft, daß eine deutschevangelische Kirchenbehörde — es ist ja auch keine bestimmte Behörde mit Namen genannt worden — kriegsverletzten jungen Theologen den Eintritt in das Pfarramt verwehren könnte. Das wäre ein Standpunkt, der sich am allerwenigsten für eine Behörde eignen würde, die die Predigt des Evangeliums und die christliche Liebestätigkeit zu überwachen hat. Mit offenen Nrmen und mit der größten Bereitwilligkeit muß jede deutsche Behörde Kriegsverletzten zu einer Nn- stellung verhelfen. Daß es Glieder deutsch-evangelischer Gemeinden geben sollte, die an einem einarmigen oder einbeinigen Pfarrer „Nnstoß" nehmen, halten wir für ganz* und gar ausgeschlossen. Solcher Erbärmlichkeit der Gesinnung halten wir deutsche Ehristen nicht für fähig, wir haben uns jetzt schon an den täglichen Nnblick kriegsverletzter Männer gewöhnt und werden uns nach dem Kriege noch viel mehr daran gewöhnen müssen. Unser Uaiser und Generalseidmarschall hindenburq. (Im Volkston.) wer kennt denn nicht das schöne Bild, wo, freundlich anzusehen, Der Kaiser und der hindenburg Nah' beieinander stehen? — Die hohe Frau, die Kaiserin, Gen Osten hingekommen, hat dieses Bild, das uns so lieb, Selbst damals ausgenommen. Nn dieses Bild gedenken wir Nuch jetzt in diesen Tagen, wo das gewalt'ge Nussenheer Den Durchbruch glaubt zu wagen. Der Kaiser in dem Hauptquartier Sagt jüngst: „Ich muß mal gehen Nun wieder nach dem Osten hin Und nach dem Nechten sehen." Der Kaiser kommt zu hindenburg, Genannt „der Nussenschrecken", Und spricht zum Generalfeldmarschall, Dem kühnen, deutschen Necken: „Die Lag' ist ernst, zu handeln gilt's, verdorb'nes gut zu machen, Du bist der Mann, der helfen kann, Erprobt in solchen Sachen." Und hindenburg besinnt sich kurz, Und ohne viel zu sagen: „Des Kaisers Wunsch ist mir Befehl, „Ich will mit Gott es wagen!" Der Kaiser dankt dem treuen Held, Reift wieder nach dem Westen, Und denkt bei sich in seinem Sinn: So war es doch am besten! Nun soll es uns dort an der Somme Nicht vor dem Feinde bangen: „Gott ist mit uns und wir mit Gott, Den Sieg woll'n wir erlangen!" Dem Herrn sei Dank, daß er uns gab Die Feldherrn, die wir preisen, Den Kaiser und den hindenburg, Und — wie sie alle heißen! h. _ 6.H. Kleine Mitteilungen. Da in diesem Jahre ein Teil der Schulferien in die Zeit vom 28. September bis 12. Oktober gelegt ist und viele Kinder in diesen beiden Wochen verreist sein werden, so muß auch der Beginn des Konfirmandenunterrichts später fallen. Die Nnmeldung der Konfirmanden soll Donnerstag, den 12. und Freitag, den 13. Oktober stattfinden, die feierliche Eröffnung des Unterrichts ist Sonntag, den 15. Oktober, der Unterricht selbst beginnt am Tage darnach. Es besteht die Nussicht, daß die sogenannte „Sommerzeit" im nächsten Jahre wieder in Wegfall kommt,' denn die — 132 — hessischen Handelskammern wie auch andere Korporationen haben sich in diesem Zinne ausgesprochen. Man hat anfangs, wie das in Deutschland leider üblich, die neue Einrichtung übertrieben gelobt, nun lauten die Urteile ganz anders. Daß man von der Trefflichkeit der ,,neuen Zeit" keineswegs überzeugt ist, geht auch daraus hervor, daß die preußischen Minister durch eine Nundfrage Erhebung über die seither gemachten Erfahrungen angestellt haben. Aus vielen Aeuße- rungen ersieht man, daß man von dem früheren Beginn der Arbeitszeit Nachteile für die Volksgesundheit befürchtet. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Gesundheit der Kinder durch tägliches zu frühes Aufstehen geschädigt wird. Man kann eben nichts gegen die Natur unternehmen. * * * Der Liedvers ,,Unverzagt und ohne Grauen soll ein Ehrist, wo er ist, stets sich lassen schauen" (Gesangbuch, Lied Nr. 332) fand neulich eine bedeutsame Bekräftigung: Beim Fliegerangriff auf Karlsruhe am 22. Juni, nachmittags halb 4 Uhr, befand sich das Großherzogliche paar und die Großherzogin Luise samt engerem Gefolge bei einem Missions- gottesdienst in der im Zentrum der Stabt gelegenen Ztadt- kirche. Als die gewaltigen Bombenschläge zu ertönen anfingen, wurden viele Hörer unruhig und wollten die Kirche verlassen. Da intonierte der Prediger, Pfarrer Mühlhäußer, ,,Ein feste Burg ist unser Gott" und alles sang ohne Grgel kräftig mit, ebenso danach, während der Kanonade, auch das ganze Lied ,,Befiehl du deine Wege". Die höchsten Herrschaften hatten die ganze Zeit ihre Plätze und ihre Loge nicht verlassen, was auf alle ermutigend wirkte. Der „Bad. Beob." schreibt darüber: „Während draußen der Lärm des Fliegerangriffs über der Stabt tobte, sang die Gemeinde und mit ihr der Großherzogliche Hof das Lied des Gottvertrauens, und selbst bei den weniger Beherzten kehrte wieder Mut und vertrauen ein. So hat unser badisches Fürstenhaus in der schwersten Ztunde, welche die Ztadt Karlsruhe bis jetzt wohl durchgemacht hat, den Bürgern mit einem guten christlichen Beispiel vorangeleuchtet,, das der Mitwelt und den kommenden Geschlechtern überliefert zu werden verdient." Erst als die kirchliche Missionsfeier ganz vorbei war, fuhren die höchsten Herrschaften ins Zchloß. Ihre Majestät die Königin von Zchweden, noch krank, war über die Zeit der höchsten Gefahr in den Zchloßkeller getragen worden. Dann fuhren der Großherzog und die Großherzogin sowie auch die Großherzogin Luise in verschiedene Krankenhäuser und erkundigten sich nach den verletzten. Kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. )n der Ztadtkirche. Zonntag, den 20. August, 9. nach Trinitatis. Kollekte für die innere Mission, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Zchwabe. Zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde, vormittags 9VsUhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. Zonntag, den 20. Aug., 9. nach Trinitatis. Kollekte für die innere Mission, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Zugleich Ehristenlehre für die Neukon- sirmierten aus der Johannesgemeinde. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags I N/^UHr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. — Mittwoch, den 23. August, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. * - * * Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein, Diezstraße 15. Zonntag, den 20. August, abends 8 Uhr: Vortrag. Aufnahme neuer Mitglieder. Dienstag, den 22. August, abends 8 Vs Uhr: Bibelstunde. Mittwoch, den 23. August, abends 8Vs Uhr: Leseabend. Donnerstag, den 24. August, abends 8Vs Uhr: Turnabend. Zamstag, den 25. August, abends 8Vs Uhr: Aeltere Abteilung. Gäste stets willkommen. * * * Vibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6 bis 7 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Zamstag von 6 bis 7 Uhr im Johannessaal. Vibelkränzchen für Mädchen aur der Johannesgemeinde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. £ Ankündü zungen m] pfehlenswert« ;r Firmen } Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Edgar Borrmann,Giessen Neustadtll Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte,SolingerStahl waren,landwirtschafl.Maschinenu.Geräte, Vogelkäfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte etc.etc. Waffen u.Munition. Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen. Hof-Möbel-Fabrik Th. Brück Gießen, Ecke Schloßgasse- :: Kanzleiberg-Brandplatz:: Ältestes u. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens Gegründet 1858 :: Mehrfach ausgezeichnei Vorhänge - Teppiche • Linoleum 5pez.: Schlafzimmer-Einrichtungen mit patentamtlich gefch. 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