Äonntagsgruß ff; Gemeinöeblatt füröie evangelische Kirchengemeinoe Gieszew Nr. 32. Bietzen, Sonntag 8. nach Trinitatis, den 13. August 1916. 5. Jahrgang. Menschen, die zusammengehören. Vrief des Apostels Paulus an die Galater 6, 2. Liner trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Mit verzehrender Sehnsucht denken die Hatten und Väter, die nun schon so lange Monate draußen im Felde stechen, an ihr Daheim, an die Menschen, die ihnen die nächsten und liebsten sind. Sie träumen davon bei Tag und Nacht, wie schön das sein mutz, wieder daheim zu sein bei Frau und Kindern und all den andern lieben Menschen, die ihrer dort voller Sehnsucht warten. Das eigne heim! Nls neue Stätte, da Glück und Frieden wohnt, als neue (puelle der Freude und immer neuer Schaffenskraft steht es vor ihrer Seele. Und wir wollen von herzen wünschen, daß es für die heimkehrenden Krieger das auch wirklich wird! Für viele war es das ja von jeher. Für andere aber mutz es das erst werden. So viele haben es erst da draußen im fernen, fremden Sande ganz empfunden, was sie an ihrem Daheim, an der Siebe der Ihren besaßen. Sie verstehen es jetzt nicht mehr, daß man sich einst so manche Stunde gegenseitig verbittert hat durch Grollen und Zanken um nichtiger Dinge willen und so oft einander das Seben nicht leichter, sondern schwerer machte. Und sie geloben wohl im stillen: wenn dir das Glück der Heimkehr beschieden ist, dann solls anders werden, als es war, dann soll Freude und Frieden wohnen in deinem Haus! Und die, die nicht mit hinausgezogen sind? Sollten die es nicht auch empfinden, daß diese Zeit mit ihrem Ernst und ihrer Not sie zwingt, ihr Zusammenleben aus einen neuen, herzlicheren Ton zu stimmen? Die Menschen, die von Gottes und Nechts wegen zusammengehören, sollten doch in dieser Zeit gemeinsamer Sorgen und Note in rechter Treue Zusammenhalten und sich gegenseitig nach Kräften helfen, die Lasten zu tragen, die jedem auferlegt sind! Sie haben doch, einst einander Siebe gelobt! Jetzt gilts, die Echtheit und Kraft der Siebe zu beweisen. Jetzt müßte in allen Häusern die rechte Freundlichkeit und Herzlichkeit, das rechte Zartgefühl und Mitempfinden herrschen, das dem Herzen des andern so wohl tut. Gewiß, es werden jetzt hohe Unforderungen an den Einzelnen gestellt, an seine geistige und körperliche Kraft, an seine Nerven und an die Kraft der Seele. Es ist kein Wunder, wenn dabei viele Männer und Frauen — abgespannt, ungeduldig, reizbar und nervös werden. Uber ein Unrecht ist und bleibt es doch, wenn ein Mann, der auch in dieser Zeit gegenüber andern Menschen, etwa seinen Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden, oder im geselligen Verkehr allezeit höflich und freundlich bleibt, daheim sich einfach ,,gehen läßt" und unfreundlich, gereizt und heftig gegenüber den Seinen ist, weil er meint, in seinem eigenen Hause hätte man es nicht nötig, sich Zwang anzutun und Nücksichten zu nehmen. Solch eine Lieblosigkeit gerade denen gegenüber, auf die du stets die größte Nücksicht nehmen solltest, schafft so viel Bitterkeit und Verdrossenheit und lähmt die Tragkraft der Seele. Nein, gerade in dieser Zeit, in der wir doch ohnehin alle so viel Schweres zu überwinden haben, sollte für die Menschen, die zusammengehören und - die auch jetzt zusammen sein dürfen, das Wort gelten: Einer trage des andern Säst! Sie sollten sich freuen, daß ihnen die Gelegenheit dazu gelassen ist! wie viele andere entbehren die jetzt so schmerzlich! Du kannst auch in dieser Zeit den Deinen so viel sein! So sei ihnen denn auch alle Zeit ein rechter halt und Trost, laß sie sich erquicken an deiner Siebe und Freundlichkeit! Damit erweist du nicht nur den Deinen einen wertvollen Dienst, den sie dir danken werden, sondern auch deinem Vaterland! Denn du hilfst dadurch an deinem Teile mit, daß in der Stille des Hauses ein Geist der Kraft und Freudigkeit erhalten bleibt, den wir so dringend brauchen zum Nushalten. vor hundert Zähren. Mitteilungen über das Mißjahr 1816?) Eine empfindliche Schädigung erwuchs auch den rheinhessischen Städten und Gemeinden durch das Notstandsjahr 1816, das in der Geschichte bis auf diesen Tag unter dem Namen das ,,Hungerjahr"') weiterlebt. Ich muß hier, um 1) Diese Ausführungen sind mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Verlegers (Diemer-Mainz) der „Festschrift zur Hundertjahrfeier der Provinz Rheinhessen" entnommen, die von Pfarrer vechtolsheimer- Gietzen, Archivdirektor l)r. Dieterich-Darmstadt und Rreisamtmann Strecker-Mainz bearbeitet ist. Pr. 3 Mk. 2) vgl. meine Erzählung „Das Hungerjahr" (Wiesbadener Volksbücher Nr. 97). 1907. 21. bis 35. Tausend. 1913. \ • - 126 — von Liefern Notstand und seinen Ursachen ein richtiges Bild geben zu können, etwas weiter ausholen und bas ganze südwestdeutsche Gebiet in das Kuge fassen. Die Laat stand im ITfcri 1816 in dem bezeichnten Gebiete wie immer auf das beste, als Naturereignisse eintraten, die zu den schlimmsten folgen führten. Kus verschiedenen Gegenden des deutschen Westens und des deutschen Lüdens werden im Juni Wolkenbrüche und heftige Kegen- güsse gemeldet. Für den Negen-, Gberdonau- und Isarkreis war der 10. Juni verhängnisvoll. Ein heftiges Gewitter entlud sich über diese Gegend und vernichtete in einer Ausdehnung von zehn stunden völlig das Getreide und das Gbst, an verschiedenen Stellen lag der Hagel fußhoch. Kuch über Ingolstadt und die oberen Donaugegenden ging an diesem Tage ein schweres Unwetter. In München hatten Häuser, Gartenanlagen, Gbstbäume und Getreidefelder schwer gelitten. Um IZ.Juni ging ein Unwetter über die Uord- schweiz, das so furchtbar war, daß bei Basel der Uhein von den Trümmern eingestürzter Häuser bedeckt war, die Kare trat über ihre Ufer, und das Emmental wurde schwer heimgesucht. Gleiches wird aus dem Breisgau gemeldet. Kuch Italien litt unter der feuchten, kalten Witterung, im Kpril soll es in Uom noch Eiszapfen gegeben haben. In der Kocht vom 16./17.Juni fiel in der Gegend bei Bamberg ein fürchterlicher Wolkenbruch, 17 Gemarkungen wurden zerstört, mehrere Häuser stürzten ein, Menschen und Tiere fanden dabei ihren Tod. Um 15. Juni kamen durch einen Wolkenbruch, der bei Buttenheim unweit Erlangen siel, 20 Menschen um das Leben. Uuch Uordwestdeutfchland hatte zu leiden, am 14. Juni richtete ein Wolkenbruch bei Hildesheim und Einbeck großen Lchaden an; Uecker und Wiesen wurden überschwemmt, viele Vorräte zerstört und viele Häuser beschädigt. Ein Wolkenbruch, der am Übend des 17. Juni bei Landshut fiel, machte die Heerstraße nach München dadurch unpassierbar, daß er alle Brücken wegriß. Mitte Juni wurde aus Bordeaux folgendes gemeldet: „Wir wissen wahrlich nicht, woran wir hier sind. Bei verschlossenen Fenstern und Thüren brennt wie im Winter Feuer in unseren Kaminen. Es ist eine Kälte wie im Oktober, die Luft dunkel und regennaß. Heftige Windstöße, mit Platzregen und Hagel begleitet, umstürmen unsere Landhäuser. Die Niederungen stehen Unter Wasser; einem erträglich warmen Tage folgen mehrere kalt und mit Kegen, wie die vorher- gegangenen. Eines ähnlichen Lommers erinnern sich die ältesten Leute nicht in diesem Lande. Die ganze Vegetation leidet, besonders der Weinstock. Die Zeit der Blüthe sollte schon vorüber sepn, und noch haben die Keben zu blühen nicht angefangen." Diese Schilderung der Witterungsverhältnisse im Lommer 1816 trifft auch für die südwestdeutschen Gebiete zu. In der ,,Großherzoglich Badischen Ltaatszeitung" war damals ausgeführt, daß seit dem ungewöhnlich heißen Lommer 1811 die Lommer immer kälter geworden seien. Die vielfachen Kegengüsse hatten Ueberschwemmungen zur Folge. In der Nacht vom 6. 7. Juli brach bei Philippsburg der Kheindamm, mehrere Hundert Morgen Wiesen und Getreidefelder waren zu einem Lee geworden. Kuch die Umgebung von Mannheim wurde unter Wasser gesetzt, die Ernteaussichten wurden dadurch ganz vernichtet. Was die reißenden Fluten noch verschonten, fiel dem andringenden Ouellwasser zum Opfer. Was an Früchten, Tabak und Gartenerzeugnissen dort verdarb, konnte gar nicht berechnet werden. Die Lchäden bei den großen Ueberschwemmungen der Jahre 1784 und 1799 waren nicht so schlimm, weil diese Ueberschwemmungen in den Winter sielen und nur wenige Tage andauerten. Im Lommer 1816 war der Khein bei Mannheim zu einem 4 bis 5 Ltunden breiten Lee geworden. Kcht Wochen lang war der Khein über seine Ufer getreten, als pm 5. Kugust vom Wasgau her Lturm und Hagel kamen und in zwölf Gemeinden, die Karlsruhe benachbart sind, die Hoffnungen vieler Familien zerstörten. Hagelkörner von der Größe eines Hühnereis fielen dort nieder, Hasen und Vögel wurden getötet, Menschen auf dem Felde verletzt, Gbstbäume entwurzelt und ihrer unreifen Früchte beraubt, in den Wäldern viele Tausende von Bäumen umgerissen. Der ganze Erntesegen war dahin, die unglücklichen Bewohner lasen die halbreifen Getreidekörner vom Boden auf. Gleiches wird aus Zabern und Weißenburg gemeldet. Koch im Leptember gab es verheerende Gewitter. Km 12. dieses Monats zog ein fürchterliches Gewitter von Worms her über die Ltädte Bensheim und Heppenheim und einen Teil des Gdenwaldes. In den beiden Ltädten an der Bergstraße wurden fast alle Fenster zerschlagen und viele Dächer beschädigt, der Lchaden an Feldfrüchten, Bäumen und Weinbergen war ungeheuer. Unwetter dieser Krt werden auch aus Kheinhessen gemeldet. Im Leptember ging ein schweres Wetter über die Wormser Gegend nieder, vielleicht ist es dasselbe, das der Bergstraße Lchaden brachte. Kus mündlicher Ueberlieferung ist mir berichtet worden, daß es in unserer Provinz vom Mai bis zum Oktober anhaltend geregnet hat, es herrschte eine kalte Witterung, ab und zu fiel auch Hagel. Infolgedessen kam die Ernte sehr spät. Während die Kornernte sonst Mitte Juli beginnt und Mitte Kugust mit dem Haferschnitt beendet ist, brachte man in Kheinhessen im Jahre 1816 die Ernte erst um den Gallustag <17. Oktober) nach Hause. Die Frucht war sehr minderwertig; denn die Körner waren nicht ausgewachsen und ergaben ein minderwertiges Mehl, das daraus hergestellte Brot war naß, klebrig und ungesund. von vornherein müssen wir freilich im Kuge behalten, daß in Kheinhessen zwar auch Teuerung, jedoch keine eigentliche Hungersnot herrschte. Lin intelligenter rheinhessischer Landmann, ein Mann von der Krt, wie man sie in der Provinz oft findet, Kdam Boost aus Kierstein, hat das in einer Lchrift, die er im Dezember 1816 abgeschlossen hat, ausdrücklich festgestellt. Kuch Boost ist der Knsicht, daß die günstige Lage der Provinz aus ihrer Parzellenwirtschaft resultiere. Kuch der geringste Taglöhner habe ein kleines Ltück Feld als Eigentum, könne darauf Kartoffeln und Küben pflanzen und gewinne so die Möglichkeit, sich und die Leinen in Zeiten der Teuerung durchzubringen. Groß war die Hungersnot im Odenwald. vor der Ernte waren natürlich auch in Kheinhessen die Befürchtungen wegen einer eintretenden Hungersnot nicht gering gewesen. Prof. vr. Keeb, damals Bürgermeister zu Kieder-Laulheim, veröffentlichte deshalb in der „Mainzer Zeitung" einen Krtikel, der überschrieben war: „Beruhigungsgründe bei der Furcht vor einer durch nasse Lrndte entstehenden Koth". Der gelehrte Philosoph und sachkundige Landwirt, der sich in diesem Krtikel als „Departementalrath Keeb" bezeichnet^ ging von einem im Volke seit alter Zeit verbreiteten Kberglauben aus. Er sagte, in seiner Gemarkung läge ein Born, genannt der „Hungerborn" (Hungerborne werden auch anderwärts, so bei Kaiserslcrutern erwähnt). Der Hungerborn zu Kieder-Laulheim sei jetzt abermals geflossen, nachdem ein sechzigjähriger Mann ihn in seiner Kindheit bereits einmal habe fließen sehen, das be- deutschen Staaten, die schwer gelitten hatten, und Preußen, deute in der Volksmeinung Hungersnot. Keeb setzte dann Verhältnismäßig spät und nur durch das Vorgehen der Kach- auseinander, daß in Kheinhessen die Behandlung der Ernte barstaaten dazu veranlaßt, ordnete die Großherzoglich nicht aus nasse Jahre berechnet sei, man müsse deshalb hessische Regierung die Grenzsperre an. Noch im Dezember von den Leuten lernen, deren Ernte spät käme und daher 1816 wurde der ,,Mainzer Zeitung aus Klzep berichtet, durch Negen gefährdet sei. Man solle beim Schneiden des man sei dankbar, daß der Landesherr nicht durch Anlegung Korns die Kehren nicht auf die bloße Erde, sondern immer einer Sperre die Not vergrößert habe, in „Keuhessen" habe auf den Sturz der Halme des vorliegenden Gelages legen man den Selbstbedarf gesichert und für die Krmen gesorgt, und die Gelage sehr dünn ausbreiten. Jede gute Stunde be- (Fortsetzung folgt.) nütze man zum Menden und Binden, und während man noch bis auf diesen Tag in Kheinhessen die Kornhaufen so aufschichtet, daß man je zehn Garben übereinander legt, gab Keeb den Kat, es so zu machen, wie es in der Wetterau geschähe, nämlich die Garben aufrecht in einen Kreis zu stellen und den Kegel mit den ausgebreiteten Halmen einer auf ihn umgestürzten Garbe zu bedecken. So könnten die Kornhaufen zu je zehn Garben bis zum herbste der nassen Witterung widerstehen. Gerste und Weizen behandle man auf dieselbe Krt. Nach dem Jahre 1811 hatte man, wie schon erwähnt ist, in Kheinhessen kein gutes Weinjahr mehr gehabt, 1816 war ganz unergiebig. Wie wenig man sich von der Weinernte versprach, zeigte ein Tauschkontrakt, den in einem Dorfe des Kantons Pfeddersheim — der Name wird nicht genannt — zwei Männer, und zwar, wie die Zeitungsmeldungen hervorzuheben für nötig finden, in nüchternem Zustande und mit reiflicher Ueberlegung miteinander abschlossen. Der eine von ihnen trat dem andern die 1816er Kreszenz von fünf Morgen gut gehaltener Weinberge gegen eine Maß 1811er Wein förmlich ab. Line Folge des schlechten Ausfalles der Ernte war auch, daß der Aberglaube, der damals in der rheinhessischen Bevölkerung viel fester eingenistet war als heute und der an manchen Winterabenden Stoff zu schauerlichen Gesprächen bot, sehr rege wurde. Namentlich im traurigen Winter 1816/17 hatten die Furchtsamen Anlaß, das Versagen der Naturkraft mit unheimlichen geheimnisvollen Gewalten in Zusammenhang zu bringen. Davon berichten auch die Zeitungen. Aus England, wo Unfälle verschiedener Krt, Feuer und Sturm, die Bevölkerung schreckten, wurde berichtet: „Zeichen lassen sich am Himmel und auf der Erde sehen, die dem großen Haufen nichts Gutes verkünden. Feuerkugeln und geflügelte Drachen ziehen durch die Luft, man hört klägliche Stimmen aus der Tiefe des Bodens, und Propheten sagen schreckliches Unheil voraus, das da kommen soll. Das schlimmste Zeichen aber ist der Mensch selbst mit seinem Aberglauben ohne Keligion." Natürlich redeten die Aengstlichen bei den großen Kegengüssen des Jahres 1816 wieder vom Weltuntergang, wie sie das fünf Jahre zuvor, als der große Komet am Himmel stand, schon getan hatten, sie sagten, für 1816 sei geweissagt worden, die Welt gehe in Feuer unter, nun sei ersichtlich, daß sie durch Wasser untergehe. Buch sah man damals Zeichen an Sonne, Mond und Sternen. In Ungarn, so hieß es, sei eine feurige Kugel so groß wie ein Vollmond erschienen, das bedeute nichts Gutes. Vielleicht war diese Kugel wirklich der Vollmond, die einem spät nach Hause Wandelnden auf den Weg leuchtete. Ernster waren die Maßnahmen, die die Landesregierungen Vornahmen. Man glaubte, dem herrschenden Notstand nicht besser begegnen zu können, als indem man allenthalben die Landesgrenzen für den Handelsverkehr sperrte. Es waren die außerdeutschen Staaten Frankreich und Oesterreich, die damit anfingen. Dann folgten die süd- ttriegrgedanken. 5. (Schluß.) Das Gold zur Keichsbank! D deutsches Volk, du Volk der Kraft, Was hast du alles schon geschafft! Die Feinde groß und klein zerzaust Mit deiner erzbewehrten Faust. Doch haben sie noch nicht genug. Sie brauchen alle List und Trug, Kanns auf dem Weg des Kampfs nicht sein, Dich wirtschaftlich zu machen klein. Drum, Michel, jetzt nicht lang bedacht! Kimm deine Lage wohl in acht. Das Gold, das hell ins Auge sticht, Als einen Schußwall um dich schicht'. Zu deines eignen Landes Nutz Und deinen Feinden all zum Trutz. Keck' in die höh' die goldne Faust, Daß deinen Feinden davor graust. Kück' deine letzten Kronen raus, Die du noch findest in dem Haus. Schaff', daß all dein gemünztes Gold hin in die Keichsbankkasse rollt. In Kisten und Schubladen schau, Was noch an Schmuck hat deine Frau. Krmband, Uhrkett' und Medaillon, Kuch Brosch' und Ohrring nicht verschon'. Was sie nur hat an goldnem Tand, Das gebe sie dem Vaterland. Was nutzlos Jahr um Jahr schon lag, Sie schleunig in die Keichsbank trag. Daß sie die Goldrüstung vermehr' Und stärke unsres Kelches Wehr. Daß Truppen Hab' der Feldmarschall Und Gold der Generalgeldmarschall. K. G. Kleine Mitteilungen. Schlichte Ehrung der Gefallenen. Wie die Teilnahme am Heldentod der Krieger und am Schmerz der Ungehörigen, sei auch die Ehrung allgemein und öffentlich. In einer Vorortkirche bei Altona geschieht das besonders schön und eindrucksvoll. Für jeden, der den Heldentod für Kaiser und Kelch gestorben, wird ein grüner Tannenkran) mit schwarz-weiß-roter Schleife und mit Kngabe von Kamen und Kegiment aufgehängt. Lauter gleiche Kränze nebeneinander an geeigneter Stelle der Wand, jedes Kuge sucht den bestimmten. Immer wieder neue kommen hinzu, alle gleich! 128 Um den Kranz haltbarer herzustellen, läßt sich auch künstliches Laub, rotes oder grünes, oder Ilex benutzen. Kann die Gemeinde nicht die Kosten tragen, so tun es gern die Ungehörigen- es kommt nur darauf an, daß jemand den Unfang macht. Die Zchleifen brauchen nicht zu kostbar zu sein, und die Unterschriften stellt gewiß gern eine geschickte Hand unentgeltlich her. Uber alle Kränze müssen völlig gleich sein, wie ja doch unsere Dankbarkeit allen gleichmäßig gebührt. Leere Wände zur Uufnahme solcher Chrenkränze finden sich wohl in allen Kirchen. * * * Wer Geringes nichtehrt, ist Größeres nicht wert! Es kann einem Deutschen in dieser ernsten Kriegszeit angesichts des schändlichen Uushungerungsplanes unserer Feinde manchmal ins Herz schneiden, wenn er beim Wandern ins Freie sieht, wie gedankenlose Herumstreicher, um ein paar Zchritte zu sparen, die Ecken sich kreuzender Wege in den prangenden Fluren „abschneiden", am Bande des Feldrains die Getreidehalme ausreißen, oder gar sich Pfade ins wogende Kornmeer bahnen, um ein paar arme Feldblumen abzurupfen! Das ist zu aller Zeit eine Zchande, jetzt aber eine doppelte! Wenn's nun ein jeder so betreiben wollte? Wo bliebe da schließlich Nahrung für uns und Futter für die Tiere? Dabei mag dieser oder jener darunter sein, der abends womöglich nach alter Gewohnheit noch gedankenlos ,,betet": „Unser täglich Brot gib uns heute!" Gb er es wert ist? Worte zum Nachdenken in der Ariegrzeit. „Wir müssen unsere Gesinnung veredeln. Wir müssen uns als das fühlen und hondeln, was wir sind, als Lebensleute des zu Unsterblichkeit bestimmten Lebendigen, dessen vergängliche Blüten und Zamenkapseln wir sind, jenes Lebendigen, das unablässig schaffend sich müht, aus den ihm verliehenen Gaben immer vollkommenere Werke zu schaffen, in unendlicher Unnäherung den Deutschen zu verwirklichen." Geheimrat Prof. Dr. med. Gtto von Gruber - München (in einem Vortrag über „hygienische Uufgaben der Gegenwart"). „Der alte Wandsbecker Bote sagt einmal: Zorge für deinen Leib, doch nicht also, als ob es deine Zeele wäre! Wenn man jetzt nur noch die Klagen hört: Was werden wir essen? Was werden wir trinken?, möchte man wünschen, daß nur ein wenig von dieser tiefgründigen Zorge der Zeele zugute käme, der man Luft und Licht, Nahrung und Labung entzieht und Dinge zuführt, die sie tief schädigen, Bilder, Lieder, Klänge, Genüsse, bei denen man vor Begierde verschmachtet." Gberkonsistorialpräsident v. Dr. o. Bezzel - München. * * * „Der Wert des Lebens besteht nicht in seiner Länge, sondern in seinem Inhalt, nicht in seinem Ublauf, sondern in seiner Fruchtbarkeit. Wohl ist langes Leben eine Gnade, aber köstlich gewesen ist es nur, wenn es Mühe und Urbeit war." Johannes Müller. kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. In der Ztadttirche. Zonntag, den 1Z. Uugust, 9. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Mahr. Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. vormittags 9 V 2 Uhr: pfarrassistent Hoffman n. Beichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags 11 1/4 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Z ch w a b e. - Mittwoch, den 16. Uugust, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Z ch w a b e. In der Johannestirche. Zonntag, den 13. Uugust, 9. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtols- heimer. Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Lukasgemeinde, vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Uus- f e l d. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Ubends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibelbesprechung. - Nächsten Zonn- tag, den 20. Uugust, findet im Hauptgottesdienste Beichte und heil. Ubendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde statt. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Un demselben Tage wird in beiden Kirchen eine Kollekte für die innere Mission erhoben. £ Ankündig nngen empfehlenswert« ix Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 7S7 A Manufaktur- { und Weißwaren Herren- u. 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