5. Jahrgang Gießen, Sonntag 6. nach Trinitatis, den 30. Juli 1916 Zwei Jahre Weltkrieg. Psalm 77, 20 u. 21. Dein weg war im Meer und dein Pfad in großen wassern, und man spürte doch deinen Fuß nicht. Du führtest dein Volk wie eine Herde Schafe durch Mose und tlaron. In der kommenden Woche begeht das deutsche Volk einen ernst bewegten Gedenktag, das ist der l. August, der Tag des Kriegsbeginns. Zwei Jahre dauert nun der Weltkrieg. Man sagt, daß glückliche Tage dem Menschen rasch dahinrinnen. Sie kommen und gehen, daß man es kaum gewahr wird, nur in der Kückerinnerung wird man inne, daß man einmal glücklich war und nur über vergangenen Tagen sieht man Hellen Schimmer liegen. Aber auch schwere Tage, Tage der Furcht, der Erregung, des harten Kampfes fliehen schnell vor uns vorüber, wenn der Wirbelwind des Schicksals über die Menschen dahinbraust, so hat er nicht Zeit nachzudenken. So sind uns auch diese zwei Kriegsjahre rasch dahingeschwunden, und das ist gut. Ls ist ein Trost, freilich nicht der höchste und beste Trost, daß auch harte Zeiten vorübergehen und einmal ein Ende nehmen müssen. Der hochbegabte leider zu früh verstorbene Maler Albert welti hat ein ergreifendes Bild gemalt, es besteht aus zwei verschiedenen Darstellungen. Auf dem ersten Gemälde sitzen zwei Ehegatten friedlich am Abend beim Lampenschein vor ihrem Hause zusammen, auf dem zweiten wird bei wehendem Winde der Sarg der Gattin einen Hügel hinuntergetragen, der Ehemann folgt, sein Kind an der Hand führend, dem Sarge. Unter das Doppelbild hat der Künstler die Worte gesetzt: Glück und Unglück, beides trag in Kuh, alles geht vorüber und auch du. Schauen wir auf die zwei Jahre Weltkrieg zurück, so kommt uns zunächst schmerzlich zum Bewußtsein, daß unser Volk für seine Ehre und sein weiterbestehen heilig, große Opfer hat bringen müssen. Fast kein Haus ist verschont geblieben, viel edles Leben ist in diesen beiden Jahren untergegangen, und der Tod hat eine furchtbare Ernte gehalten. Koch in fünfzig Jahren wird das Leid, das dieser Krieg gebracht hat, im deutschen Lande nicht überwunden sein. Koch manche Witwe wird dann daran denken, daß sie vor einem halben Jahrhundert das Glück ihres Lebens verloren hat, und grauhaarige Menschen werden traurig sein, weil ihre Kindheit unter dem Eindrücke stand, den das frühe Scheiden des Vaters erregt hatte. Aber wir wissen am Schlüsse des zweiten Kriegsjahres doch auch, daß alle diese Opfer nicht umsonst gebracht worden sind, haben wir auch noch nicht den Frieden erkämpft, so hat unser unvergleichliches Heer doch Großes geleistet. Ich fahre am schönen Sommertage durch das südwestdeutsche Land. Ueber der Großstadt mir ihrem häusermeer liegen dichte Dunstwolken, das ist der Bauch, der von den Fabrikschornsteinen aufsteigt. Keine Unternehmung der deutschen Industrie ist vom Feinde gestört worden. Traulich schmiegen sich die Dörfer an den Bergshang, ein Bild des Friedens; fremde Soldaten haben plündernd hier nicht geweilt. Fleißige Leute schneiden auf den Feldern Getreide, die Hufe der Kosakenpferde haben die Flur nicht zerstampft. Eine junge Frau fährt mit ihrem zweijährigen Söhnchen mit mir im Abteil, sie fährt ungehindert nach einer lothringischen Stadt, wo ihr Mann früher in Garnison stand, sie will wieder einmal nach der Wohnung sehen, nachdem sie lange bei den Eltern geweilt hat. Der Kleine schaut zum Fenster hinaus und ahmt das Geräusch der Eisenbahn nach; auf die Frage, wo der Vater sei, sagt er: „In Kußland." Wenn wir daran denken, wie es im Lande des Feindes aussieht und zugeht, so verstehen wir, was unser Heer geleistet hat, indem es in einem Ansturm den Krieg über Deutschlands Grenzen hinausgetragen und dort seither den Feind festgehalten hat. Aber wir erkennen besonders auch, daß Gott mit uns war. Sein Weg war mit uns im Meer der Trübsal, sein Pfad mit uns in den großen Wassern des Weltgeschehens, auch wenn wir manchmal seinen Fuß nicht gespürt haben. Er führte unser Volk wie eine Herde Schafe durch Mose und Aaron. Er führt uns freilich durch Leid und Trauer hindurch, aber er weiß auch, warum er das tut. In seiner Kraft wollen wir ausharren>, bis die Friedensglocken von den Kirchtürmen erklingen und, so der Allmächtige will, eine neue, bessere Zeit einläuten. Glück und Unglück, beides trag in Kuh, alles geht vorüber und auch du. h. B. ttriegrgedanken. 3 . Die Kriegsgespräche, die das deutsche Volk jetzt führt, geben manche Kätsel auf. Das, was vor allem auffällt, ist die Abwesenheit jeder Kuhmredigkeit. Das gibt auch dem Fremden zu denken. Er wundert sich über die Schlichtheit, mit der der deutsche Krieger über das spricht, was draußen geschieht, wie fast unpersönlich er von dem redet, an dem 118 — er selbst teilgenommen, vielleicht in hervorragender Meise teilgenommen hat. Ls ist, alz ob sich die einzelnen nür als Teile des Ganzen fühlen, das die eigentlichen Taten verrichtet, während jene nur d-essen Merkzeuge sind. Das ganze deutsche Volk hinwieder fühlt sich als Scholle, in die der Krieg seine Furchen reißt, und die bei allen schmerzen, die ihr diese Handlung verursacht, unter dem sich ihr mitteilenden Gefühl der Schaffenslust und Schaffensfreudigkeit erbebt. Sie spürt den Gdem der Zukunftslüfte, die über sie hinstreichen und aus ihr ein Mesen entstehen lassen wollen, von dessen Herrlichkeit sie selbst nur eine ferne Khnung hat. Bus den Minter- schauern des Krieges hebt sich schon das Brausen der Frühlingsstürme, in die das deutsche Volk all sein hoffen legt, denen es alle seine Münsche, sein starkes Mollen, seine zarten Geheimnisse anvertraut. Freilich scheint die Tatsache, daß der Streit um die ,,Kriegsziele" bereits im Begriffe ist, unter uns zu entbrennen, dem allen, was d«a gesagt ist, zu widersprechen, viele sehen schon den alten Parteigeist neu erstehen und die jugendliche Begeisterung unseres Volkes mit bleiernem Druck ersticken. Trotzdem will es untz scheinen, als ob wir davor keine allzu große Ungst zu haben brauchten. Der Strom des Meltlebens, in den unser Volk jetzt hineingerissen wird, wird diesem gar keine Zeit mehr lassen, sich im parteihader zu verzehren. Es ist anders als nach dem Jahre 1870. Menn auch der Kusgang jenes Krieges dem deutschen Volke wieder nach langer Zeit ein erstes frohes Siegesgefühl schenkte, so überließ er es doch im wesentlichen sich und seinen Verhältnissen allein. Das deutsche Volk hatte die ersten zehn Jahre mit sich und der Ordnung seines inneren Mesens zu viel zu tun, als daß es sich mit den andern Völkern mehr als nötig abgeben konnte. Es kam die Zeit der Gründungen. Keichtümer wurden mühelos erworben und gedankenlos verpraßt. Mährend sich so die oberen Schichten unseres Volkes dem verantwortungslosen Sinnengenusse Hingaben, ergoß sich ein Strom der Entgleisten sowie solcher, die an der reich besetzten Tafel überhaupt keinen Platz finden konnten, ins Kurland. Solche, die in Deutschland Träger von Grafenkronen gewesen waren, mußten sich dazu herablassen, in Uewporker Gasthöfen Kellnerdienste zu verrichten. Mas an edler Sinnesart sich aus der Zeit des Krieges erhalten hatte, rettete sich in den Hafen der Vereinsmeierei. Die Erfahrungen, die diese Zeit unser Volk hat machen lassen, wecken in uns die Hoffnung, daß es nicht zum zweiten Male diesen Gefahren erliegen wird. Gerade das, was unsere Feinde als besonders wirksames Machtmittel glaubten in Tätigkeit setzen zu sollen, die wirtschaftliche Bbschnürung, hat in unserm Volke Gaben und Kräfte ins Leben treten lassen, die ihm auch nach dem Kriege werden verhüten helfen, daß es das innere Gleichgewicht verliere. Das Videant consules ist über Nacht zu einer Macht in unserem Volke erstanden, der wir auch seine Zukunft ruhig anvertrauen dürfen. Freilich, das einzige, was wir am Himmel unserer Zukunft in scharfen Umrissen heranziehen sehen, ist das Heer doppelter und dreifacher Steuern, die wir werden entrichten müssen, hier erhebt sich denn die bedeutsame Frage: Merden nicht viele in unserem Volke sein, auch unter denen, die gegenwärtig für ihr Vaterland kämpfen, die später, wenn die vaterländische Begeisterung verflogen ist, sich diesem Druck zu entziehen trachten, indem sie dem vaterlande für den Best ihres Lebens den Kücken kehren? Es wäre nichts beschämender für Deutschland, als wenn nach dem Kriege die Buswanderer- zahlen wieder in die höhe gingen. Es wird die Aufgabe der Besten unter uns sein, auf Mittel und Wege zu sinnen, daß unseren! vaterlande diese neue Schmach erspart werde, vor allem wird Vorsorge zu treffen sein, daß den besitzlosen Kreisen das Leben im vaterlande trotz der Steuern so begehrenswert erscheine, daß sie gar nicht in die Versuchung kommen, diesem den Kücken zu kehren. Sodann werden sich die Besitzenden eine Einschränkung des Lebensgenusses gefallen lassen müssen, durch die die damit vergeudeten Lebenskräfte anderen, nützlicheren Zwecken zugeführt werden. (Fortsetzung folgt.) K. G. Sin Kirchgang. Zur Kirche rief der Helle Glockenklang' Ich wanderte das grüne Tal entlang Und folgte jenem Kuf aus himmelshöh'n, vor Gottes Antlitz im Gebet zu steh'n. — Mir sangen: ,,Morgenglanz der Ewigkeit." — Dann, in des Textes heiligem Geleit, Erzwangen sich der predigt ernste Morte Den stillen Einzug durch des Herzens Pforte. Es ward geredet von dem reinen Licht 3m himmelsglanz vor Gottes Angesicht, Mo alles Elend unsrer dunklen Pfade Sich lösen wird im Sonnenmeer der Gnade. — Ein leises Schluchzen neben mir klang nach, Als dann der Geistliche das Amen sprach; 3d) blickte auf ein Mädchen, halb noch Kind, Mir nah' zur Seite sitzend, das war blind. Mit Zittern tastete die kleine Hand, Bis sie das arme Tränentüchlein fand Für ihre Augen, die vom Licht nichts wußten Und drum so bitterlich heut weinen mußten. Es tropfte Zähr' auf Zähre silberhell Aus diesem dunkeltiefen Tränenquell,' G leidvoll Bild, so arme, tote Augen, Die nicht zum Sehen, nur zum Meinen taugen! Mehr als die Kede drang der stumme Schmerz Gleich einer Gottespredigt mir ins Herz. Mie trübe war des Kindes Lebenspfad, Das hier in seiner Kot gebetet hat! Gb auch kein Erdenirrlicht es verführe, Ob vielen falschen Schein es nimmer spüre: 3hm fehlt das Beste, Tröstlichste: das Licht! Es kennt nur Uacht, ihm scheint die Sonne nicht. Und ich empfand ein innerstes Erbarmen, Mie nie zuvor fühlt' ich mein Herz erwärmen Für jene vielen, die, wie dieses Kind, Des finstern Tales arme Pilger sind. Mir alle, die bewahrt vor solchen Schmerzen, O nähmen wir es treuer noch zu Herzen: Der beste Dank, daß uns die schöne Welt Als Bildnis sichtbar in die Bugen fällt, Daß uns der Erdensonne Helle Strahlen So frohe Farben in das Leben malen, 3st eine milde, hilfsbereite Hand Für jene, die das Glück noch nicht gekannt. Es gilt bedenken, daß die armen Blinden Den mühevollen Meg allein nicht finden,' Nur wer erhellen hilft die trüben Pfade, Der wandert selbst im Sonnenschein der Gnade! — 119 — — $o leuchte denn der warmen Liebe Licht, Vis allen dort, vor Gottes Kngesicht, Km Ziele dieser kurzen Lrdenbahn Die Kugen endlich werden aufgetan, Um kindlich froh, in lichten Friedensauen Den ,Morgenglanz der Ewigkeit" zu schauen! Gräfin Helene waldersee. Aus der Ariegsarbeit des Diakonissenhauses LIisabethenstift zu Darmstadt. Die Teilnahme des Diakonissenhauses an der Losung der Kriegsaufgaben erstreckt sich im wesentlichen auf die zwei Gebiete: die Einrichtung eines Lazaretts im Mutterhaus und die Stellung von Diakonissen für die Verwundetenpflege. Veide Gebiete waren in den letzten Jahren neu geordnet und sorgfältig vorbereitet worden. 19 l l war ein vertrag mit dem Landesverein vom Voten Kreuz geschlossen worden, nach dem das Diakonissenhaus sich verpflichtete, ein Vereinslazarett von 80 betten in seinen Krankenhäusern einzurichten und ferner die Besorgung eines Hilfslazaretts im Saale des naheliegenden ,Feierabend" zu übernehmen. 1913 waren zu den dem Johanniterorden in Kussicht gestellten 24 Kriegsschwestern 75 weitere hinzugefügt worden. Mit dem Kriegsausbruch begann die bäumung des Krankenhauses. Es wurde Einrichtung getroffen, daß das Krankenhaus auch während der Kriegszeit zur Kufnahme von Zivilkranken offen bleiben konnte, wenn auch mit beschränkter Vettzahl. 80 betten standen im Mutterhause vom 10. Mobilmachungstage an zur Aufnahme von verwundeten bereit. Km 21. Mobilmachungstage kamen die ersten verwundeten, 57 Franzosen, die aber schon nach zwei Tagen durch höheren befehl fast sämtlich in das Garnisonslazarett überwiesen und durch Deutsche erseht wurden. Dann wurde der ,,Feierabend" eingerichtet mit 25 (statt 40 betten) und auch sofort besetzt. Doch die Knforderungen wuchsen und wuchsen. Ts mußten noch mehr bäume geschaffen werden, heute stehen statt den ursprünglich vorgenommenen 105 Betten 155 betten für die verwundeten zur Verfügung und sind meist vollbelegt. Die frühere Männerstation, die Frauenstation, das Isolierhaus sind mit verwundeten belegt, das Wohnzimmer der Schwestern ist Kasino und bauchzimmer geworden. Der ganze große Garten ist ,,militärisch besetzt und manches frohe Soldatenlied ist in den bäumen zu Horen. Ls konnten bisher 575 Mann verpflegt werden, von denen nur zwei gestorben sind, während viele wieder in der Front kämpfen. Die Knteilnahme der Diakonissen an der Kriegsarbeit begann mit der Entsendung einer Johanniterschwester nach dem Diakonissenhaus Ingweiler (Elsaß) am Tage der Kriegszustandserklärung. Sie vertritt dort die Oberin und steht einenk Lazarett von 70 Schwerverwundeten vor. von den dem Johanniterorden zur Verfügung gestellten 99 Schwestern wurden durch den Landesverein vom boten Kreuz immer mehr Kräfte zur Krbeit in beservelazaretten des Landes angefordert. Dazu kamen manche Krbeiten, die von den Grts- vorständen unserer Diakonissenstationen unternommen wurden. Das äußere Gewand der Krbeit ist sehr verschieden, vom Schloß bis zur Kaserne, vom hochschullehrsaal bis zur Turnhalle, vom wohleingerichteten Krankenhause bis zu den in Wirtshaussälen improvisierten Lazaretten, bei denen außer den betten selbst alles mangelte - aber überall doch der eine Dienst und das eine Streben, der großen heiligen Sache des Vaterlandes dienen. Cs arbeiten jetzt von den Schwestern des Diakonissenhauses in der Heimat an verwundeten: in Darmstadt (Technische Hochschule) 5, in Kuerbach 7 (Gasthaus zur Krone 2, Gasthaus zur Bergstraße 1, Schulhaus 2, Fürstenlager 2), in Babenhausen 1 (Kaserne), in Mainz 22 (bochusspital 20, evang. Vereinshaus 1, Liedertafel 1), in Worms 9 (Sofienhaus 2, städtisches Krankenhaus 2, Garnisonslazarett 2, Festhaus 2, Neuhausen 1), Bad Ems 10 (Kgl. Kurhaus 5, Hotel Panorama 2, Imhoff 1, viertürme 2, Lehrerinnenheim 1, blödenanstalt Scheuern 1), in Gießen 16 (evang. Schwesternhaus 5, alte Klinik 6, Steins Garten 2, Siechenhaus 5), in Butzbach 11 (Kaserne 9, Turnhalle 1, hessischer Hof 1), Niederweisel (Johanniter-Krankenhaus) 5, Bad-Nauheim 7 (Konitzkystift 4, Elisabethhaus 5), Friedberg 7 (städt. Krankenhaus), Krnsburg (gräfliches Schloß) 1, Echzell (Gewerbeschule) 1, Vilbel (städt. Krankenhaus) 1, Büdingen (Mathilden-hospital) 5, Hungen (neues Schulhaus) 2, Laubach (gräfliches Schloß und Krankenhaus) 2, Lich (gräfliches Spital und Kinderschule) 2, Grtenberg 1, Lauterbach (evangelisches Krankenhaus) 2, Schlitz (gräfliche Vorderburg) 1. Sickendorf (freiherrl. Schloß, beithalle) 1, Groß- Umstadt (Spital) 1, Büdesheim, Oberhessen (gräfliches Schloß) 1, Grtenberg 1, Oppenheim 1, Lampertheim (evang. Krankenhaus) 2, insgesamt also 125 Schwestern im heimatgebiet, die zusammen wohl gegen 4000 verwundete verpflegen. Mitten in diese Krbeit hinein kam der buf zum Dienste in der Etappe. Km 50. September zog der erste Trupp von 8 Schwestern nach Magdeburg, um dort einem größeren Lazarettrupp beigesellt zu werden. Tr steht unter der Führung eines Johanniterritters und hat in Ehauny (Nord- Frankreich) und Umgegend Krbeit gefunden. Der zweite Trupp von 50 Schwestern zog am 22. Oktober aus, ebenfalls nach Nord-Frankreich, und hat in Grandpre und Stenay Krbeit zu tun. Beide Trupps sind ganz nahe an der Schlachtlinie, und die Luft erdröhnt dort von dem Donner der Kanonen. Eine solche Kriegsarbeit mit insgesamt 161 Schwestern ist natürlich nicht möglich, ohne große Einschränkung der Friedensarbeit. Zwar ist bisher nur ein Ort, der mit Diakonissen besetzt war, ganz ohne Schwestern, und da hat die Gemeinde von sich aus die Schwestern zur Verfügung gestellt. Kn den meisten Orten versehen die Kinderschulschwestern mit Hilfen aus den Gemeinden die Gemeindepflege mit, oder die gebliebenen Gemeindeschwestern tun mit den dankenswerterweise fast allerorts vorhandenen freien Helferinnen den Dienst der abgerufenen Schwestern mit,' da und dort wird der Dienst von den schon in den buhestand übergetretenen Diakonissen versehen. So geht überall die Krbeit weiter. — Noch ist zu danken für sehr zahlreiche Liebesgaben an Sachen und Geld für das Haus und Lazarett, die hochwillkommen waren und sind, und dem Hause helfen, über die finanziell so schwere Kriegszeit hinüber zu kommen, weitere Gaben sind herzlich willkommen. N.-v. Die Stadt Gietzen im Anfang des 1? Jahrhunderts. (Fortsetzung.) Seinen Erläuterungen über die Stadt Gießen fügt bam- bach noch folgendes hinzu: ,,vor dem Wallthor hat sich sonst auf linkerhand der Marburger Straße, in der Lichtenau, eine warte befunden, wie aus einem Document von 1579 zu ersehen und wovon noch jetzo Ueberbleibsel der Grundmauer vorhanden sind. Im Jahre 1560, den 27ten May 120 — brannte durch ein eingeschlagenes Gewitter die gantze Wallporter Strafe, worauf 160 hauptbäue ohne die andren waren, innerhalb 2 Stunden ab, wurde aber bald wieder erbauet. Davon sind in der Stadtkirche auf einer alten Tafel lateinische und teutsche Verse zu lesen." Doch nicht alle Gebäude sind damals wieder aufgebaut worden, wie Rambach meint,- denn der „Brand" jetzt „Landgraf-Philipp-Platz" genannt, rührt von dieser Feuersbrunst her. Ueber die Gießener Kirchen berichtet Rambach auf Grund der Feststellungen, die von Winckelmann herrühren, daß Gießen schon im Jahre 1320 zwei Kirchen gehabt habe, „eine auser der Stadt, welche zu Ehren St. Petri in Selicern, daher der Grt den Kamen des Selherberges bis annoch behalten, die andre in der Stadt, die zu St. pancratii und St. Marien Ehren erbauet gewesen. Dieses Dorf Seltzer ist ohne Zweifel eingegangen, da das alte Gießen von derselben Seite weiter angebauet worden. Die Kirche ist aber erst nach der Rnno 1524 in Hessen eingeführten Reformation durch Philipp den Großmütigen wegen der nahen vestungswerke, die er angelegt, 1550 abgebrochen worden. Wahrscheinlich hat man auch damals die dabey stehende Ziegelhütte niedergerissen, die nun vor der Reustadt stehet. Sonst sagt man auch von einem bepm Setzersberg gestandenen Siechenhauß oder Spital und nennt noch einen gewissen Platz das Siechloch und das dabei) fließende Wasser die Siechbach." Die Mutterkirche war die Peterskirche in Selters, die Kapelle in der Stadt war Filiale. Doch wohnte der Pfarrer schon früh in der Stadt, wohin auch der Hauptgottesdienst verlegt wurde und ein Friedhof entstand. Schon 1354 wird von der Stadtkirche alz parochialis ecclefia (Pfarrkirche) gesprochen. Die „Siechloch" genannte Stelle ist an der Ecke der Frankfurter und des westlichen Teiles der Rlicestraße, dem „hessischen Hof" gegenüber. Die alte Stadtkirche stund mit ihrer Längsachse senkrecht zur Gstseite des Turmes, mit dem Thor nach der Kaplaneigasse gerichtet, also im rechten Winkel zur Längsachse der jetzigen Kirche. Rn ihr wurde während des ganzen Mittelalters gebaut, 1520 war sie fertig. Sie mag wohl im 18. Jahrhundert zu klein geworden sein, aber nur übertriebener Sparsamkeit ist es zuzuschreiben, daß sie im Rnfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Wie froh wären wir heute, wenn wir das ehrwürdige und sicherlich interessante Bauwerk noch besäßen! Für eine neue Kirche hätte sich leicht ein anderer Platz finden lassen. Die Burgkirche (über deren Entstehung wir im vorigen Jahrgang des „Sonntagsgrußes" berichtet haben) stand am Ende der Sonnenstraße in dem Winkel rechts am botanischen Garten. von der Kapelle auf dem alten Gießener Friedhof sagt Rambach: „Ruser der Stadt- und Burgkirchen befindet sich auch hier, vor dem Reuwegerthor auf dem Kirchhof eine artige Todeneapelle, worinn die Leichenpredigten gehalten werden und viele schöne epitaphia (Grabsteine) zu sehen." Die Totenkapelle auf dem alten Friedhof ist die hier erwähnte. Sie wurde 1625 bis 1625 vom Rat der Stadt erbaut. Das Bild des Ratsherrn, der damals dem städtischen Bauwesen Vorstand, Johannes Ebel zum pirsch, hängt in der Empore der Kapelle. Leider ist die Renovierung mißraten, aber der Kopf läßt doch noch erkennen, daß es von der !)and eines tüchtigen Meisters stammt. (Fortsetzung folgt.) kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. )n der Stadtkirche. Sonntag, den 50. Juli, 6. nach Trinitatis. vormittags 8 Uhr: Siehe Johanneskirche. vormittags 9 1 -> Uhr: Pfarrer Schwabe. - Mittwoch, den 2. Rugust, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde, pfarrassistent Hofsmann. In der Johanneskirche. Sonntag, den 50. Juli, 6. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Zugleich Ehristenlehre für die Reukonfirmierten aus der Lukasgemeinde: pfarrassistent H o f f m a n n. vormittags 9V 2 Uhr: Pfarrer Ru 5 feld. Rbends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibelbesprechung. * * * Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein, Diezstraße 15. Sonntag, den 30. Juli, abends 8 Uhr: Vortrag. Rufnahme neuer Mitglieder. Dienstag, den 1. Rugust, abends 8Vs Uhr: Bibelstunde. Mittwoch, den 2. Rugust, abends 8V2 Uhr: Leseabend. Donnerstag, den 5. Rugust, abends 8V2 Uhr: Turnabend. Samstag, den 4. Rugust, abends 8V2 Uhr: Reltere Rbteilung. Gäste stets willkommen. Vibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Rbteilung jeden Mittwoch von 6 bis 7 Uhr, für die ältere Rbteilung jeden Samstag von 6 bis 7 Uhr im Johannessaal. Vibelkränzchen für Mädchen aur der Johannergemeinde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Edgar Borrmann,Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus- u. Küchengeräte Teleph.165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte,SolingerStahl waren,landwirtschafi.Maschinenu.Geräte, Vogelkäfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte eto.etc. Waffen u.Munition. Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen. H». Her; Hl. Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. E. Störer, Gießen Seltersweg 16 Klimt, Gold- u. Silberwaren Bestecke Reparaturen in eigener Werkstatt prompt und billig Heinrich Noll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf - Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre Pboenii-Nälnnasehine. Auch andere Systeme stets auf Lager. Preislage Mk. 60. - bis Mk. 180. - Nur bestbewährte Qualitäten ßr. Linker. Ludwigstr. \b Reparaturwerkstatt f.Nähmaschinen verantwortlich: für den Textteil pfarrassistent hoffmann, für den Anzeigenteil 6- Neck: Druck und Verlag der Vrühl'schen Universiläts Buch- und Steindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.