Gemeinüeblatc sürüie evangelische Kirchengemeinoe Gieszew Nr. 29. Gießen, Sonntag 5. nach Trinitatis, den 23. Juli 1916. 5. Jahrgang. Der Christ und die Leidtragenden. Brief des Rpoftels an die Römer 12, 15. weinet mit den weinenden. Bei allen Kulturvölkern herrscht die Sitte, daß man Bekannten, die von einem schweren Schicksal heimgesucht worden sind, seine Teilnahme bekundet. Das geschieht namentlich in den Fällen, wo Todesleid in eine Familie eingekehrt ist. Mündlich oder schriftlich bringt man den Trauernden zum Busdruck, daß man für ihr Seid Verständnis hat und es mitempfindet. Sehr häufig ist diese Bekundung der Teilnahme ja etwas, das den Trauernden lästig ist. Immer wieder, wenn man gar nicht zum Sprechen aufgelegt ist, soll man Besuch empfangen, soll man Antwort geben und, was am schmerzlichsten ist, den Hergang des traurigen Erlebnisses erzählen. Man versteht es deshalb, daß schon vor hundert Jahren Trauernde ihre Bekannten und Freunde gebeten haben, von Beileidsbezeugungen abzusehen. Immerhin beruht diese Sitte auf einem tiefen sittlichen Gründe und kann deshalb heilsam wirken. Unter keinen Umständen möchten wir sie ganz aus dem Leben unserer Tage gestrichen haben. Tausendfaches Leid geht in diesen Tagen durch unser Volk, an vielen Orten macht sich auch wahre, echte Teilnahme geltend, vielfach aber Klagen die Trauernden darüber, daß sie durch Herzlosigkeit verletzt werden. Zu Witwen, die mit dem Manne das Glück ihres Lebens verloren haben, kommen Bekannte und erzählen, ohne mit einem Worte auf das Leid der gebeugten Frau einzugehen, wie es dem eigenen Sohne oder Bruder draußen im Felde so gut geht, wie er einen längeren Urlaub bekommen hat oder ganz in die Heimat entlassen worden ist. Eltern, die sich um den vermißten Sohn grämen, müssen die Uede hören: was braucht ihr so traurig zu sein, ihr habt eueren Sohn doch auch schon vor dem Kriege nur selten bei euch im Hause gehabt. Frauen, die sich um den Ehemann ängstigen, der längere Zeit keine Nachricht von sich gegeben hat, quält man mit der unbegründeten Vermutung, daß er gefallen sei. Ist ein Kriegsfreiwilliger gefallen, so kommt man mit der schnöden Bede: Ihr hättet ihm nicht erlauben sollen, freiwillig in das Heer einzutreten. Mit einer solchen Nede, die der größten Verachtung wert ist. senkt man tief den Stachel in die Seele der Bngefochtenen. kein Vater und keine Mutter konnten es dem jungen Sohne verwehren, sich freiwillig zur Verteidigung des bedrohten Heimatlandes zu melden, hätten sie das getan, so hätten sie ihn innerlich gebrochen, wie es Goethe mit.seinem Sohne Bugust getan hat, dem er 1813 nicht erlaubte, gleich so vielen anderen deutschen Jünglingen in das Heer einzutreten. Buch kriegsverletzte sind oft herzloser Neugier ausgesetzt, müssen auf der Straße Bemerkungen über sich hören, die tief in die Seele einschneiden. Feingefühl ist eben noch nicht in allen Schichten unseres Volkes zu finden. In einer Zeit, in der der Tod eine so furchtbare Ernte hält, in der täglich der Tod gereifter, verdienter Männer gemeldet wird, in den Tagen, da die Sturmflut der feindlichen Heere von allen Zeiten gegen unsere tapferen Truppen heranbrandet und von diesen mit der größten Standhaftigkeit und rückhaltloser Hingebung zurückgedämmt wird, in einer Zeit, in der so viele um das Schicksal ihrer Lieben bangen und zittern, so oft der Postbote das Haus betritt, haben die theatralischen und musikalischen, von privater Seite veranstalteten Bufführungen noch nicht aufgehört. Das ist ja an und für sich kein Unrecht, man kann niemand zwingen, den Ernst und die Größe dieser Zeit mitzuempfinden, auch in der Kriegszeit haben wir Erholung notig, aber man sollte dergleichen Veranstaltungen doch nicht an die große Glocke hängen, nicht so viel Uühmens von ihnen machen,' denn das kränkt auf das bitterste die Leidtragenden und Bekümmerten. Um den Empfindungen so vieler in unserem Volke jetzt gerecht zu werden, müssen wir auf Jesus aufschauen. Er war ein barmherziger Heiland. Ihn jammerte des Volkes, das der Herde gleich war, die keinen Hirten hatte, er weinte am Grabe seines Freundes Lazarus,' wenn er in ein Trauer- Haus eintrat, so kam er nur, um zu helfen, zu heilen und zu trösten. Ihm folgend, sagt sein großer Bpostel: weinet mit den weinenden. Uach diesem Wort müssen wir uns jetzt richten. Das Leid, das so viele unserer Volksgenossen tragen, ist unser aller Leid. Für uns, damit wir frei und sicher leben, damit die würde des deutschen Volkes gewahrt bleibe, sind unsere Helden gefallen und sind sie verwundet worden. Man sollte jeden verachten, der sich Leidtragenden gegenüber hart, rücksichtslos und egoistisch geberdet. Buch unsere Jugend sollte in dieser ernsten Zeit nicht durch wüsten Lärm auf den Straßen, wie es vielfach geschieht, bekunden, daß sie durch elterliche Zucht nicht gebändigt wird. h. B. - 114 Julius Sturm. Der hundertjährige Geburtstag (21. Juli) des Dichters Julius Sturm soll nicht vorübergehen, ohne daß dieses berühmten Lyrikers auch in unserem Sonntagsgruß, Oer öfters kleine Gedichte von ihm gebracht hat, kurz gedacht worden ist, zumal unser hessisches Gesangbuch wenigstens drei seiner Kirchenlieder enthält, nämlich Nr. 183, 324 und 545 (letzteres im Anhang), von denen das erste sich zum Singen im öffentlichen Gottesdienst sehr eignet, während die beiden andern mehr den Charakter des geistlichen Volksliedes tragen. Julius Sturm ist nämlich vorwiegend religiöser Dichter, wiewohl auch seine weltlichen Lieder und Gedichte, besonders die patriotischen und seine Kinderlieder, geschätzt und der Beachtung wert sind, wie denn die Volks- und Schullesebücher fast sämtlich Gedichte von ihm enthalten. Am bekanntesten ist wohl sein kurzes, schönes Gedicht: „Gott grüße dich", gern, wie auch andere seiner Lieder, von weltlichen Gesangvereinen gesungen. Auch schöne Märchen und Fabeln hat Sturm dem deutschen Volke geschenkt. Seine „frommen Lieder" und seine „Andachtsstunden in frommen Liedern unserer Gage" können zur Erbauung für Haus und Familie warm empfohlen werden. Auf den Lebensgang des Dichters (gestorben am 2. Mai 1896)'näher einzugehen, verbietet der beschränkte Kaum dieses Blattes. Erwähnt fei nur, daß dem Dichterpfarrer in seinem schönen Heimat-Badestädtchen Köstritz im Fürstentum Beuß j. L. ein herrliches Grabdenkmal und im Jahre 1912 auch ein weiteres Brunnendenkmal errichtet worden sind, und daß zu seinem 100. Geburtstag daselbst ein Julius-Sturm- Zimmer von der Gesellschaft seiner Freunde Beitrag jährlich nur 1 Mk. eingerichtet werden soll, welch letztere sich zugleich die Aufgabe stellt, zur Verbreitung der Merke (30 an der Zahl) des Dichters beizutragen. Für die jetzige ernste Zeit sind die „Kampf- und Siegesgedichte" Sturms aus dem Jahre 1870 (Halle, Verlag von G. Emil Barthel) zu empfehlen, da die meisten auch recht gut für den furchtbaren Krieg unseres lieben deutschen Vaterlandes mit seinen großen Opfern an Gut und Blut passen. Ls sei nur eines zum Schluß hier mitgeteilt: Trauernden Zllütteni zuin Trost. Zerschlagenes Mutterherz, Gott kennet deinen Schmerz Und hört dein Meinen und dein Klagen,' G gib mit gläub'gem Sinn Dich ihm zu eigen hin, Denn er will dich auf Liebesarmen tragen. Das Schwert in tapfrer Hand, hat für das Vaterland Dein Sohn als Held sein Blut vergossen,' Im Felde liegt sein Grab, Dort senkten ihn hinab voll tiefer Trauer seine Kampfgenossen. Doch ist sein Grab geweiht,' Der Herr der Herrlichkeit hat seinen Segen ihm gegeben, Und junges Grün bekränzt Den Hügel, wenn es lenzt, Und singend werden Lerchen drüber schweben. So gönn' den Staub dem Staub,' Ist doch dem Tod zum Kaub Nicht deines Sohnes Geist verfallen,' Tr schwang auf freier Bahn Sich dorthin himmelan, wo sel'ge Geister grüßend ihn umwallen. G weine still dich aus Und denk an's Vaterhaus,' Es harrt das Kind der Mutter droben: Und wenn du ausgeweint, wirst du mit ihm vereint Am Throne Gottes danken nur und loben. h. _ A. h. Dos Gebet. lvie hat's die Seele doch so gut, vie sich dem Herrn ergiebt, Die nichts mehr will und nichts mehr tut, Als daß sie Sesum liebt. Still wandelt sie an seiner Hand, Ein selig Kinb des Lichts, Vas Antlitz hin zu ihm gewandt, Und scheut und fürchtet nichts. wie viel Lärm und Unruhe läßt die Welt in unserer Seele zurück! wie beeinflußt sie unsere Werturteile, und färbt unsere Stimmungen, ist es da nicht natürlich, baß sich oftmals ein Schleier über unsere Eindrücke legt? wir möchten dann fern von der Welt leben, doch, was sollte dann aus der Familie, dem Berufe, ja dem Staate werden? Und doch, wir müssen stille Stunden haben, Stunden, in denen die Seele sich sammeln und erstarken kann, wir müssen dem Gottesgedanken in uns zum Leben verhelfen, wir müssen beten. wir wissen, daß das Gebet das einzige ist, was uns mit Gott verbinden kann, wir sollen beten, selbst wenn wir fühlen, daß unser Flehen dem Stammeln eines Kindes gleicht, für dieses von der grüßten Wichtigkeit, uns oft nur ein Lächeln abgewinnend. Trotzdem, wie gern hören wir diese Kinderbitten! versuchen wir es, uns in dasselbe Vertrauensverhältnis zu unserem himmlischen Vater zu bringen und unser ganzes Leben wird eine Gebctskette sein. Tin kleiner Zunge antwortete seinem Vater, in dessen Zimmer er immer wieder ungerufen kam, auf Befragen: „Ich will nur bei dir sein." wollen wir nicht an diesen, kindlichen Ausspruch denken, wenn wir z. B. vor Beginn des Gottesdienstes in der Kirche versuchen, unsere Gedanken zu sammeln, sie nicht umherwandern lassen,' denn wir sind in unseres Vaters Haus, in seiner Gegenwart, wie wird uns dann schon die Liturgie mit Andacht erfüllen,' dies eine Wort: von Ewigkeit zu Ewigkeit ist mir immer so besonders wertvoll und eindringlich, es gibt so viel zu denken,' denn müssen wir uns nicht sagen, daß es etwas ist, was wir nie mit unserem verstände fassen können, diese Ewigkeit, daß wir Alle ihr aber entgegeneilen in jeder Stunde unseres Lebens. Dies allein schon meine ich, müßte uns ernster stimmen, und uns veranlassen, mehr und mehr an die Verinnerlichung unseres Lebens und Seins zu denken, daran zu arbeiten, in der Welt, aber nicht mit der Welt zu leben. Ts scheint wohl oftmals schwer, aber nur im Anfang' mit der Zeit kommt eine solche Freudigkeit in unsere Seele, die uns weiter und weiter führt unserem Herrn und Heiland entgegen, daß wir mit Bedauern der vielen Zeit gedenken, da wir noch nicht den weg kannten und liebten, der uns alles Schwere erleichtert und jede Freude heiligt. Denn wir kennen dann . I W % VV-V tVi.W 115 Keine anderen Freuden mehr, als die, die auch Gott uns segnen kann, wir wollen nicht müde werden, darum zu ringen, damit wir uns an jedem Tage unseres Lebens sagen können: Rch ja, wir Habens gut! Ich will streben nach dem Leben, wo ich selig bin; Ich will ringen, einzudringen, Bis daß ichs gewinn! Baronin R. Uriegzgedanken. Das Rriegserleben läßt sich unsere Gedanken nicht bloß mit der Gegenwart und ihren oft wirren Geschehnissen beschäftigen, sondern es lenkt auch unseren Blick in die Vergangenheit. Dieses letztere können wir nur als eine Wohltat bezeichnen, während früher das Gefühl, das sich unser beim Hinschauen auf die trübsten Zeiten unseres Volkes bemächtigte, in der Hauptsache dasjenige der Beklemmung war, können wir jetzt nicht mehr dasselbe sagen. Im Gegenteil, jene Rückschau wirkt viel mehr befreiend. Unser Geist sagt sich: wenn unsere Vorväter schon solches ausgehalten haben, so können wir das, was uns jetzt trifft, doch sicherlich auch tragen. Über noch mehr wächst uns aus dem Rückblick in die Vergangenheit zu. Rl§ im herbste vorigen Jahres zur Ueberraschung ganz Europas der kühne Zug nach Zerbien in Rngriff genommen wurde, als uns die Namen Belgrad, Zemlin, Peterwardein wieder geläufig wurden, wessen Rüge hat sich da nicht wieder die Gestalt jenes kühnen prinzlichen Heerführers vorgestellt, wie er mit der Hand vorwärts deutend am Donauufer stand und Rnweisungen gab zur Erbauung der Brücken, über die dann seine Heerscharen sollten Hinüberrücken zur Belagerung und Gewinnung der Feste, um deren Besitz sich wie um eine Rngel das Schicksal desselben Mitteleuropa drehte, das sich jetzt gerade nach der Gegenseite hin in den schwersten Rümpfen behaupten muß. Der vergleich von einst und jetzt läßt jedem, der nicht des geschichtlichen Zinnes völlig bar ist, die Gewißheit aufgehen, daß Mitteleuropa keineswegs, wie heute noch manche wähnen, ein bloßer geographischer Begriff ist, in dessen Bereich uns versetzt zu haben, als die größte Ungunst des Geschickes angesehen werden könnte. Gewiß, wir erfahren es täglich handgreiflicher, daß es keine leichte Zache ist, zu den Bewohnern Mitteleuropas zu gehören. Rber es bildet sich auch in uns mehr und mehr die Ueberzeugung heraus, daß Mitteleuropa ein Flecken Erde ist, um dessen Bewohnerschaft sich bei aller konfessionellen, sprachlichen, völkischen Verschiedenheit ein Band gemeinsamer Geschichte schlingt, das unzerreißbar ist, schon damals sich geschlungen hat, als die Teile dieser Bevölkerung noch mit leidenschaftlichem Grimm auseinander strebten! Ruch dieser Krieg ist wieder ein neues Glied in der Rette geschichtlichen Lebens, das den alten Erdteil Europa mit Lärm und Waffengetöse erfüllt, aber die darauf wohnen, wieder um ein mehrerer aneinander bindet bis ins dritte und vierte, ja bis ins zehnte und zwanzigste Geschlecht. In welch anderer weise wird den Rindern dieser Geschlechter die Gestalt des Prinzen Eugen erscheinen, wenn sie das Lied vom edlen Ritter singen, als sie es gegenwärtig noch tun. vor ihren Rügen wird dieser Held sicher nicht mehr allein stehen, sondern Seite an Seite mit ihm der andere Bezwinger des Ostens, Held Mackensen, wem dieser Gedanke, daß unsere Enkel und Urenkel einmal die Rümpfe und Ziege und Leiden unserer Zeit besingen werden, wie wir es mit denen der Vorzeit tun, nicht ans Herz greift, dem ist nicht zu helfen,- der ist für diese große Zeit verloren, und für den ist auch sie verloren. (Fortsetzung folgt.) K. G. Die Stadt Sieben im Anfang des J7. Jahrhunderts (Fortsetzung.) Ueber die Ztadt Gießen selbst macht Rambach folgende Rngaben: ,,Die Stadtmauer war innerhalb des kleinen Bezirks herumgeführt, wovon sich noch deutliche Merkmale befinden. Denn in der Mauer des von Zchenckischen Burg- hauses bep dem wagengäßchen sieht man eine zugemauerte grose Thür und es ist erweislich, daß die Häuser von der Wage an auf der alten Stadtmauer stehen. Ruch ist es gantz offenbar, daß nach der Neustadt zu in dem Gäsgen, die alte Ställe genannt, alte Häuser auf die Stadtmauer ge-bauet worden, wovon sich nicht weniger bep dem Diebsweg (eigentlich tiefen weg), sodann hinter den Häusern der Judengasse und in der Raplansgasse viele Zpuren zeigen. Rlles, was außer dem durch die alte Mauer und die Bach eingejchlossenen Bezirk liegt, ist nach und nach bis 1525 angebauet und damals der eigentlichen Ztadt einverleibt worden, worauf man endlich die alte Mauer abgebrochen und alles zusammen in eine neue eingeschlossen. Zu dem neu eingeschlossenen gehört namentlich die gantze Ztraße nach dem Wallthor samt dem Rster- weg und der Brands-, Hunds-, Linden-, Jochims- und Hintergasse, auch der gantze Brand und die Reue Bäue, bis an die Burgkirche, die Zonne, der Reucnweg samt der Weidengasse, der Zeltzersweg, das Rreuh bis an die Spitze der Mäusburg, die Zchnurrerep genannt, nebst der Map-, Löwen- und Blauwolkengasse, der reiche Zand, die Raplansgasse, die gantze Reustadt mit der Zandgasse. Sonst ist auch aus sicheren Urkunden und Merckmalen erweislich, daß vor Zeiten die Wieseck durch die neu angebaute Ztadt geflossen, wahrscheinlich kam sie in der Gegend des Rmtsgartens herein und zog durch die Reue Bäue nach der Zonne zu, wo noch Reste von einem unterirdischen Gewölb zu treffen, weiter ging sie unter dem Rreutz und unter des Rramers Ernst plancken hauß her, wo noch ein großes unterirdisches Gewölb zu finden, von da hat sie sich wahrscheinlich nach der Mühlgasse gewendet und daselbst eine Mühle getrieben, von der noch itzo die Gasse den Ramen hat, wie denn auch hier an dem Ort, wo der Fuhrmann Ronrad Rinn eine Zcheuer hat, noch vor ungefähr &0 Iahren ein Wellbaum und Wasserbett angetroffen worden und noch itzo die Häuser in derselben Gegend an die Kommende Zchifsenberg ein sogenanntes Ztromgeld- bestehend in einer Meste Oelsamen und einem schwartzen hahn jährlich entrichten müssen, von da aber ist sie etwa in der Gegend des Rusgerinns zur Ztadt hinausgeflossen, hernach da die Ztadt weiter angebaut und durch das Wasser ohne Zweifel manche schädliche Reberschwemmung verursacht worden, hat man sie von der Ztadt gäntzlich abgegraben und auserhalb der Festung hergeleitet. Es kann aber noch itzo durch dieselbe die gantze Ztadt rings umher in Wasser gesetzt werden."» Der Bezirk der alten Ztadt ist von Rambach richtig angegeben. Die vor 1325 aufgenommenen Bürger wohnten in der Marktstraße, am Rreuzplatz und in der inneren Walltorstraße. Die weiter aufgezählten Gassen und Plätze wurden wohl erst später bebaut. Die Wieseck wurde bei der Rnlage der Festungswerke verlegt. Der Rame Blauwolkengasse für 116 — die jetzige Wolkengasse geht auf eine phantastische Rekonstruktion Lambachs zurück, mit den blauen Wolken am Himmelszelt hat die Verbindungsstraße zwischen Zeltersweg und Bahnhofjtraße nichts zu tun. Sie war früher von den Gießener Webern, den Walkern, bewohnt, und hieß Walkergasse. Dieser Name wurde in der Gießener! Mundart,Molkergasse" ausgesprochen. Daraus entstand die jetzige Bezeichnung ,,wolkengasse". Nachdem der alte originelle wasenmeister Johannes Bender und zuletzt auch seine Ehefrau gestorben ist, die aus ihrem Vaterhause nicht mehr herausgehen wollte, wird durch den verkauf und Rbbruch dieses Hauses die Wolkengasse wohl bald in ihrem östlichen Teile verbreitert werden. Der Bezirk der alten Stabt ist richtig angegeben. Die 1325 aufgenommenen Bürger wohnten in der Marktstraße, am Kreuzplatz und in der inneren Walltorstraße. Die weiter aufgezählten Gassen und Plätze wurden wohl später bebaut. Die Wieseck wurde bei der Rnlage der Festungswerke verlegt. Rückwand sich ein großes holzkreuz erhebt' in der einen Ecke befindet sich sogar für die Katholiken ein Beichtstuhl. Die Masse der Soldaten sammelt sich bei den Gottesdiensten auf dem großen Platze vor der Kapelle, während ich den Gottesdienst an dem weithin sichtbaren Rltar abhalte. Es dürfte wohl einzig dastehen, daß sich unsere Soldaten nur 300 Meter von den vordersten Schützengräben entfernt ein würdiges Gotteshaus errichtet haben, in dem sie unter dem pfeifen der Kugeln und dem Zausen der Granaten ihre Seele zu ihrem Gott und Heiland erheben wollen. Nach jedem Gottesdienst lasse ich für die Witwen und Waisen unserer gefallenen Kameraden eine Kollekte sammeln, die an den deutschen Kriegerbund in Berlin abgeliefert wird. Der Erfolg ist überraschend groß. Rm Ostersonntag betrug die Kollekte bei einem einzigen Gottesdienst über 700 Mark. 3m ganzen habe ich schon über 4000 Mark abliefern können." (Tgl. Kundsch.» Uleine Mitteilungen. Ein evangelischer Feldgeistlicher aus dem Osten schreibt: ,,wenn man einmal die Geschichte deutschen „Barbarentums" schreibt, sollte auch ein Passus darin Vorkommen: „Barbarenkirchen am Narotschsee". 3m ganzen Divisionsgebiet, das etwa zwei badische Rmtsbezirke umfaßt, ist nur eine Kirche. Sonst sind wir auf Wald und Feld angewiesen für unsre Versammlungen,' bei Kegen, Schnee und wind doch nicht gerade angenehm! Rber unsere Feldgrauen haben sich zu helfen gewußt. Ruf den Hinweis von uns Pfarrern haben sie in jedem größeren Dorfe eine Scheune ausgeräumt, die ganzen Innenflächen mit Tannenreis ausgeschlagen, die Balken ebenso verkleidet, Kanzel und Rltar hineingebaut, zwei Fenster eingesetzt, ein Tannenkreuz am Strohdachfirst befestigt. Dann haben wir Kircheinweihung gehalten und so stehen jetzt in meinem Gebiet fünf Schmuckkästchen aus Tannengrün, Kirchen, wie sie nur ein deutsches Gemüt aussinnen konnte, — „Barbarenkirchen am Narotschsee". — Und ein anderer Feldgeistlicher berichtet: „Im Walde, nur 300 Meter von unseren Schützengräben entfernt, hat die Brigade für unsere sonntäglichen Gottesdienste eine aus Fichtenstämmen zusammengefügte Waldkapelle errichtet, die, nach den Plänen eines bei der Division stehenden berühmten Rrchitekten gebaut, einen großartigen Eindruck macht. Rn der einen Längsseite, dem Eingang gegenüber, steht der Rltar, über dessen kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Sonntag, den 23. Juli, 5. nach Trinitatis. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Ehristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Markusgemeinde. vormittags 9V2 Uhr: pfarrassistent Hofsmann, vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Sonntag, den 23. Juli, 5. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Rusfeld. Zugleich Ehristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. vormittags 9 J 2 Uhr: Professor D. 5 chian. — Mittwoch, den 26. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde, pfarrassistent h o s f m a n n. Ich bin bis zum 9. Rugust verreist. Die Rmtsgeschäfte der Lukasgemeinde werden in dieser Zeit von Herrn pfarr- assistenten hoffmann, wetzjteinstraße 38, versehen. Gießen, den 20. Juli 1916. Bechtolsheimer, Pfarrer der Lukasgemeinde. £ Ankündig ungen empfehlenswert« >r Firmen } Carl Loos! Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 : Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider CARL LUDWIG LEIB j KUNSTHANDLUNG • BILDER* EINR AHMUNGS * GESCHÄFT \ VERGOLDEREI kirchstr.2 ANTIQUITÄTEN | ßesctiw. flolberg Nach!. Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. E. Stöver, Gießen Seltersweg 16 Uhren, Gold- u. Silberwaren Keftecke Reparaturen in eigener Werkstatt prompt und billig Edgar Borrmann.Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte, SolingerStahl waren, landwirtschafl.Maschinenu. Geräte, Vogelkäfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte etc.etc.Waffen u.Munition. Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen. PhoeMmasine. Auch andere Systeme stets auf Lager. Preislage Mk. 60.— bisMK. 180.— Nur bestbewährte Qualitäten Zr. Linker, Ludwigstr. tb Reparaturwerkstatt f.Nähmaschinen verantwortlich: für den Textteil pfarrassistent hoffmann, für den Anzeigenteil 6- Deck; Druck und Verlag der Brühl'schen Universität Bnd): und Zteindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.