Äonntagsgrusz Gemeinöeblatt smöie evangelische Kirchengemeinoe Gieszew Nr. 28. Gießen, Sonntag 4. nach Trinitatis, den 16. Juli 1916. 5. Jahrgang. Aus einer alten Ariegschronik. 2. Buch der Chronik 32, 8. Mit uns ist der Herr, unser Gott, daß er uns helfe und führe unsern Streit. In diesen ernstesten Tagen des Weltkrieges, da die Uebermacht der Feinde sich wie in einem geschlossenen kling gegen uns gewandt hat und mehr denn je gerechnet wird, wer wohl endgültig über die größeren Machtmittel verfügt, bekommt das Wort eine ganz besondere Bedeutung: ,,Mit uns ist der Herr, unser Gott, daß er uns helfe, und führe unsern Streit." Ls entstammt einer echten, wenn auch uralten Kriegsgeschichte, und ist gesprochen von einem königlichen Heerführer, als er in den Stunden der Entscheidung für Recht und Bestand seines Reiches sich befand, hiskia bekannte es vor allem Volk, als König Sanherib mit großer Heeresmacht gegen Jerusalem und ganz Judäa herangezogen war, um es zu vernichten. Steigt nicht blitzartig die Geschichte unseres eigenen Volkes im jetzigen furchtbaren Ringen vor unserm Rüge auf, und der Geist, aus dem heraus Deutschland, sein Kaiser, seine Fürsten und Volker in den Krieg gezogen sind und in diesem Kriege zu bestehen sich gelobt haben? Dieses Wort ist wieder eine Losung geworden, so hochmodern, als hätte sie die Stunde der unmittelbaren Gegenwart geboren! Und es gewinnt für uns noch an eigenartiger, markiger Kraft, wenn wir es im Zusammenhang der ursprünglichen Rufzeichnung, dem 32. Kapitel des 2. Buches der Thronika, lesen. Man wird geradezu staunen, wenn man dort findet, wie uralt doch schon eine schmählichste Waffe unserer Feinde im gegenwärtigen Weltkriege ist: die Lüge! Nur daß sie sich immer gewaltiger ausgewachsen hat, den gewaltigen Verhältnissen des heutigen Völkerringens entsprechend. Vor dieser Lüge könnte uns manchmal noch bänger werden ajs vor allen sonstigen Machtmitteln unserer wutentbrannten Gegner. Um so helleren Trost darf unser deutsches Volk, das sich in seiner entschiedenen Mehrheit von Rnfang an zu diesem Schriftwort bekannt hat, auch dem Rusgang jener alten Kriegsgeschichte, aus der es stammt, entnehmen. Rll jene Waffen- und Lügengewalt ward dennoch zerschmettert von dem heiligen Ursprung aller Gerechtigkeit und Wahrheit. ,,Und der Herr — wie es in der markigen Sprache der Rlten Schrift heißt „sandte einen Engel, der vertilgte alle Gewaltigen des Heers und Fürsten und Obersten im Lager des Königs zu Rssur, daß er mit Schanden wieder in sein Land zog!" Deß wollen auch wir uns getrosten, und dürfen es, je fester und zuversichtlicher wir uns auf dieses Gotteswort stützen, dem als wunderbare Ergänzung, auch für allen inneren und seelischen Kamps unserer Tage und unseres christlichen Gewissens, das Wort aus der Offenbarung des Johannes zur Seite steht: „Es hat überwunden der Lowe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel Davids" — Jesus, der Herr und Heiland, auf den wir mit neuer Glaubensstärke weiter bauen wollen! Einiger über die Briefe der Neuen Testamentr. l. wir Horen manchmal, wie von der Krankheit eines Menschen gesprochen wird, von den Heilmitteln, welche dem Kranken Linderung verschaffen, wie die Ungehörigen es versucht haben mit dem und jenem Rrzt, bis sie endlich die rechte Stelle und die rechte Schmiede gefunden haben. Rber wenn das so erzählt wurde, so haben wir gar nicht recht darauf geachtet, gar nicht recht hingehört' denn der Kranke, von dem die Rede war, war uns unbekannt, wir kannten ihn nicht näher. Rber anders wird die Sache, wenn wir selber erkranken oder einer der Unseren. Da haben wir den Berichten über ein Heilmittel oder über einen geschickten, erfahrenen Rrzt ganz anders zugehört, mit viel mehr Ruf- merksamkeit und Begierde. Denn jetzt hatte die Sache für uns auf einmal ein persönliches Interesse, sie ging uns etwas an,' wir selbst oder eines der Unseren waren erkrankt. Und so ist es oft. wir lesen die Tagesberichte der obersten Heeresleitung stets mit Interesse, aber unsere Spannung und unsere Beklemmung ist oft noch» großer, wenn wir wissen: an den Kampfstellen, die der Tagesbericht erwähnt, stehen unsere Regimenter, unsere Lieben, wo eine Sache uns angeht, da Horen wir ganz anders zu, da ist unser Sinnen und Nachdenken, unser hoffen und Fürchten, der Angelegenheit ganz anders zugewandt. Das gilt nun ganz besonders von den Briefen des Neuen Testaments, was diese Briefe veranlaßt und hervorgerufen hat, das ist nicht etwa die Rbsicht, z. B. des Paulus, gewesen, seinen Gemeinden eine geschriebene predigt zu senden — 110 — oder ihnen einen klugen Vortrag über die christliche Lehre zu halten, sondern das war ein bestimmtes persönliches Interesse des Npostelz an den Gemeindegliedern, an welche er schreibt. Die Gemeindeglieder befinden sich in bestimmten Verhältnissen, in einer bestimmten Lage. Sie wissen nicht, was sie diesen Verhältnissen gegenüber tun sollen. Und sie wenden sich nun an den Npostel um Nat und Nuskunft, was sie tun sollen. Nuf diese bestimmten Verhältnisse und Fragen gibt der Npostel in seinen Briefen Auskunft und Belehrung, was sich für Christen zieme. hierfür soll nur ein Beispiel angeführt werden. Im 10. Kapitel vom 1. Korintherbrief spricht Paulus von der Teilnahme der Christen an den Gpfermahlzeiten der heidnischen verwandten. Cs kam wohl vor, daß ein vom Heidentum zum Christenglauben frisch Uebergetretener von einem heidnischen verwandten zu einem Opferessen eingeladen wurde, d. h. zu einer Mahlzeit, bei welcher das von einem vorausgegangenen heidnischen Opfer übriggebliebene Fleisch verzehrt wurde. Lolche Cinladungen kamen wohl nicht selten vor, sondern öfters, ver Verkehr und die Freundschaft zwischen verwandten rissen wohl nicht gleich ab, wenn einer Christ wurde. ^ Nun gab es natürlich deswegen unter den Christen von Korinth Meinungsverschiedenheiten und Nuseinander- setzungen, ob sich solche Teilnahme an heidnischen Opfermahlzeiten für einen Christen zieme oder nicht. Manche hielten es für unrecht und für unvereinbar mit christlicher Charakterfestigkeit. Zchließlich holte man das Gutachten des Npostels Paulus darüber ein. Und dieses Gutachten haben wir vor uns im 10. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Da heißt es z. B. Vers 27 28: „Wenn aber jemand von den Ungläubigen euch ladet, und ihr wollet hingehen, so esset alles, was euch vorgetragen wird und forschet nichts, auf daß ihr des Gewissens verschonet. VOo aber jemand würde zu euch sagen: das ist Götzenopfer, so esset nicht, um deswillen, der es anzeigte, auf daß ihr des Gewissens verschonet." hier haben wir den Ztandpunkt des Npostels Paulus in dieser Frage. Zolange ein Christ nicht weiß, daß eine Fleischspeise, welche ihm bei einer Einladung vorgesetzt wird, von einem Opfer herrührt, soll er sie getrost essen. Denn an und für sich erblickt Paulus im Genuß solchen Fleisches keine Zünde. Uber wenn ein anderer Christ es für Zünde hält, soll der christliche Bruder vom Genuß von Gpferfleisch lieber absehen, um der Liebe willen, um dem empfindlichen Gewissen seines Mitchristen keinen Unstoß zu geben, um dem Frieden zu dienen. Näher wollen wir auf diese Frage, die in unserm heutigen Leben eine parallele etwa im Ulkoholgenuß hat, nicht eingehen. Ls sollte mit dem Beispiel, wie bemerkt, nur gezeigt werden, daß die Briefe des Neuen Testamentes fast durchweg nur geschrieben sind mit Nücksicht auf bestimmte tatsächliche Fragen, aus vorhandenen praktischen Bedürfnissen heraus. 2 . Etwas deutlicher soll das nun noch ausgeführt werden an dem kürzesten Briefe, welchen wir im Neuen Testament haben, an dem Brief an philemon. Der Brief hat im ganzen nur 25 Verse, so daß auch ein Leser mit nur wenig Zeit es doch ermöglichen kann, das kurze Zchriftstück einmal genau zu überblicken. Geschrieben ist der Brief im Gefängnis zu Nom, in welches Paulus etwa im Jahre 61 nach Christus eingeliefert wurde. Diese Haft war nicht so streng, wie wir uns das nach unseren heutigen Begriffen von Gefängnis vorstellen, sondern der Npostel war tagsüber an einen Zoldaten gekettet und durfte sich mit diesem Wächter frei nach Belieben bewegen. Nur nachts mußte er in den ihm un- gewiesenen Nufenthaltsraum zurückkehren. Paulus konnte also auch ungehindert Freunde und Bekannte empfangen. Eines Tages fand sich nun ein seltsamer Freund bei dem gefangenen Prediger des Evangeliums ein, nämlich ein entlaufener Zklave, Namens Onesimus (Vers 10). Ver Herr des Zklaven hieß philemon und war ein eifriger Christ, zugleich ein guter Freund und Bekannter des Paulus. Um irgend eines Vergehens willen, vielleicht auch nur, weil ihm das harte Los eines Zklaven allmählich unerträglich wurde, war Gnesimus geflohen und war, vielleicht nur aus Zufall, vielleicht auch mit Nbsicht, zu Paulus geflüchtet. Möglicherweise hatte der Zklave gehört von dem Manne, der predigte, daß alle Menschen Brüder seien, der ein unentwegter Prediger der Liebe war. vielleicht auch hatte seine Zeele verlangen nach der Zpeise des Evangeliums. vielleicht mochte er von der Bekanntschaft mit Paulus auch nur eine Milderung und Linderung seines harten Zkla- venschicksals erwarten. Wir wissen ja, daß zum Beispiel bei Luther unzählige einkehrten, die Hilfe und Zchutz bei ihm suchten in ihrer Not und Förderung ihres Fortkommens. In dieser Hoffnung hat sich denn auch der flüchtige Zklave nicht getäuscht gesehen. Paulus, der Volksmissionar, der ein Herz hatte gerade für die Geringen, für die Gedrückten und Entrechteten, nimmt sich des Flüchtlings an und gewinnt die begierige und verlangende Zeele leicht für den Glauben an das Evangelium. Nber in seiner vornehmen, taktvollen Gesinnung behält der Npostel den bekehrten Zklaven nun nicht für sich. Das wäre ja dem Gnesimus wohl das Liebste gewesen. Bei Paulus fühlte er sich wohl, zu ihm hatte er ein herzliches Zutrauen. Nber Paulus vergißt nicht die schuldige Nücksicht auf seinen Freund philemon und sendet den Zklaven mit einem liebevollen Briefe an seinen Herrn zurück. Er legt Fürbitte für den Flüchtling ein und weist darauf hin, daß die Flucht auch ihren Zegen gehabt habe,' denn Gnesimus sei jetzt innerlich umgewandelt. Er werde seinem Herrn jetzt gern und willig dienen mit doppeltem Eifer und doppelter Treue, philemon soll daher den Zurückgekehrten ansehen nicht mehr „als einen Knecht", sondern „als einen lieben Bruder" (Vers 16). Die schwierige Zklavenfrage, welche später England und Nmerika nur nach jahrzehntelanger Grausamkeit und Unmenschlichkeit durch harte gesetzliche Maßregeln und Ztrafen gelöst haben, hat hier Paulus mit einem Griff gelöst, indem er den Zinn christlichen Dienens weckt bei dem Zklaven! und den Zinn christlicher Nücksicht bei dem Herrn. 3. Zum Zchlusse noch eines! In der Kriegszeit werden wir alle mit zahlreichen Wünschen und Nnliegen angegangen, besonders von unfern Zoldaten, welche draußen stehen, oder deren Ungehörigen. Die wünsche sind oft so zahlreich, daß wir manchmal Mühe haben, sie alle zu erfüllen. Manchmal kommt wohl auch eine gewisse Gleichgültigkeit oder Müdigkeit über uns. Wir möchten nicht mehr auf jeden einzelnen Wunsch achten. Da können wir von Paulus lernen. Der Npostel schreibt einmal 1. Kor. 11, Vers 28: „Ich werde täglich angelaufen und trage Zorge für alle Gemeinden." welche Brbeitslast muß auf dem Apostel gelegen haben auch im Gefängnis! Buch da steht er noch mit seinen Gemeindegliedern in lebendigem Verbehr und sorgt für sie mit unverminderter Freudigkeit und Liebe. Cr findet noch Zeit, sich eines unscheinbaren Sklaven anzunehmen und sucht ihm sein Schicksal zu ebnen durch einen mit soviel Taktgefühl und einer seltenen Herzensgüte geschriebenen Brief. Das muß uns ein Sporn fein, allen wünschen und Bitten, die infolge des Krieges an uns herantreten, mit doppelter Treue und unverdrossener Freudigkeit nachzukommen. — Im übrigen sollten vorstehende Zeilen nur Anregung geben, daß die Leser des „Sonntagsgrußes" Lust bekommen, einmal nach ihrem Neuen Testament zu greifen und einen von den gemütbildenden Briefen des Paulus zu lesen. XTTit dem kleinen, wie z. B. mit dem Briefe an philemon, fange man an! Tine gute Hilfe für das Verständnis kann hierbei die im Jahre 1912 erschienene und mit guten erklärenden Bemerkungen versehene Stuttgarter Jubiläumsbibel leisten. G- G. Zum Geleit für Heimaturlauber und zum Traft für alle in ernster Zeit. Herz, mein Herz, laß ab vom Sorgen, Schweige deinen bittern Schmerz, heb' an jedem neuen Morgen Deine Seele himmelwärts. hier ist deines Bleibens nimmer, Kurz ist nur dein Aufenthalt, Und vor Bugen steht dir immer, Daß du scheiden mußt gar bald. — Scheiden von den lieben Deinen, Bus vielleicht Nichtwiederseh'n, Deren Bugen still d'rum weinen, wenn die Zeit kommt fortzugeh'n. Bus ihr Haupt legst du zum Segen Dann noch leis' die Hand geschwind, Betend, daß Gott allerwegen Schütze, die dir teuer sind. Und — wenn so auch dies geschehen, Du zur Bbfahrt bist bereit, winkst du noch: auf Wiedersehen hoffentlich in kurzer Zeit. — Selig sind, die Heimweh haben, Denn sie kommen auch nach Haus, wenn sie ausgekämpfet haben, wandern sie zur Heimat aus. Nach der lieben Heimat drüben, Die durch Thristus offen scheint, wo der Herr mit unsern Lieben Uns auf ewig dann vereint. — In dem Land, vom Urieg verschonet, Statt’ von sonderlichem Beiz, wo der Herr Getreue lohnet Mit dem güldnen Threnkreuz. hörst du nicht die Glockenklänge Und der Drossel Hellen Schlag, — hörst du nicht, die heimatsänge Ulingen dir beim Scheiden nach? — Herz, mein Herz, laß ab vom Sorgen, Schweige deinen bittern Schmerz, heb an jedem lichten Morgen Deine Seele himmelwärts! h. K.h. Die Staöt Siesten am Anfang des \Z. Jahrhunderts. (Fortsetzung.) Ueber den von Dietrich erwähnten Bach, der durch die Stadt Gießen fließt, macht Nambach folgende Bemerkungen: „Das durch die Stadt fließende Wasser ist ohne Zweifel die Bach und nicht der Zluthgraben, der ein besondrer enger und bedeckter Uanal ist, welcher alle Theile der Stadt durchkreuzet und die Unreinigkeiten derselben in die Bach hinein- sühren soll. Die Bach selbst aber kamt nach sicherer Erkundigung und nach einem von dem sel. pronner gezeichneten Grundriß der Stadt zwischen dem Massonischen und dem Lpnckerischen grosen Garten unter dem wall durchs Lin- gerinn herein, wodurch sie aus der Lahn, vermittelst einer auf der Esplanade oder Schore bei) der Mühlenschanze (zwischen dem Wallthor und dem Neustädterthor) befindlichen Schleuse eingeleitel wird und auch nach Umständen abgehalten werden kann. Sie fließt, zuerst oben an dem v. Schwabachi- schen Garten bepm Stockhauß und großen Stadtbrauhauß vorbei), wo sie die Ferbebach heißt. Bn der Ecke des Brau- haußhofes, wo die Einfahrt ist, trennt sie sich in zween Brme. Der eine und Hauptarm gehet hinter den plockischen Scheu- ren an Herrn Negierungsrathes Nochs und dem Superinten- denturgarten vorbei) nach dem kleinen Brauhauß und der Stadtschul, von da lauft er unter den auf dem Nirchenplatz stehenden Häusern her und kommt dicht an dem Bsmusischen hauß auf dem Lindenplah heraus, wo er die Lindenbach genannt wird, hier tritt er unter des Lindenschmits hauß und komt bei) dem Wittigschen und des Herrn Tommandanten Garten wieder zum Vorschein, geht unter dem Brandplatz quer durch und läßt sich zwischen der Tantzlep, den Uni- versitäts- und Bmtsgärten sehen, fliest um die Tantzlei) herum und an der anderen Seite derselben verbirgt er sich wieder und nimmt seinen weg weiter unter dem hofmänni- schen, hapnemännischen und von Schadischen hauß bis an des Schneider Seipels Wohnung in der kleinen Braugasse, wo er auf der Bach genannt wird, von da gehet sein Fluß zwischen den Häusern nach der Mäusburg zu, und unter der Mäus- burg und den sämtlichen Häusern, welche zwischen der Taplansgasse einerseits, hauptsächlich aber der Judengasse und vorderen Neustadt anderer Seits gelegen sind, bis er ohnweit und außerhalb der Stadtpforte unter dem tiefen weg wieder zum Vorschein komt. hier vereinigt sich mit diesem Hauptarm der andre geringere Brm, der obgedachter- masen an der Ecke des Brauhaußes bei) der Ferbebach vom Hauptarm getrennt anfängt, alsdann beim Hertischen Garten und den so genannten alten Ställen herfliest und das Sitzenbächlein heiset Bepde Berme vereint gehen denn an dem tiefen weg her, bep der Werkstätte vorbei) durch die Gärten der Mühlgasse hindurch und an dem o. Löwenfeldi- schen Garten durch das Busgerinn bei) der Georgenschanze der Stadt hinauß. hier geht ihr weg zwischen dem untern Hamm und der sogenannten Scheppecke in die Wieseck. Nach dieser Beschreibung, die Einheimische leicht verstehen werden, ist es richtig, daß das von den bepden Bermen der Bach eingeschlossene Nevier der Stadt rund gewesen, aber ovalrund und eigentlich wie eine längliche Birne gestaltet." Rambad) meint, daß diese Beschreibung den Einheimischen leicht verständlich sein werde, das galt für das Jahr, in dem er seine Bemerkungen niederschrieb, für das Jahr 1771. Heute werden wohl nur einige wenige Gießener, die schon manches Jahrzehnt hier gelebt haben und mit dem alten Gießen vertraut sind, den Lauf „der Rach" verfolgen können, folgende Bemerkungen des Herrn Dr. Ebel werden deshalb das Verständnis erleichtern: „Vas durch die Stabt fließende Wasser oder „die Rach" (man beachte: die Rach) ist der alte Stadtgraben, dessen Lauf als bekannt vorausgesetzt werden darf. Vas „Eingerinn" ist der Kanal, durch den das Wasser aus der Lahn in den Stadtgraben geleitet wird. Ls beginnt zwischen der Moserschen Mühle und dem Roothaus der Rudergesellschaft, geht durch den Eisenbahndamm zwischen der ehemaligen Lulerschen Badeanstalt, wo es hinter der jetzigen Feuerwache (hier die ehemalige Mühlenschanze) den Zchoorgraben speist, geht hinter den beiden Enden der Zandgasse („Ztockhaus" -- altes Rrrest- haus und „großes Brauhaus" jetzt pistorsches Lagerhaus) und trennt sich dann bald in die zwei Rrme. Der Rame „Ferbebach" erklärt sich von selbst: hier hatten die Färber ihre Werkstätten. Der Zuperintendenturgarten ist der Pfarrgarten an der Kirchgasse, die Iudengasse ist die Rittergasse. Die Georgenschanze lag an der West-Rnlage in der Rähe des Zchulhauses. Die „Zcheppecke" (schiefe Ecke, schepp = schief) lag an der Ostseite des Eisenbahndammes." (Fortsetzung folgt.) Meine Mitteilungen. 3n einem ausführlichen Berichte des Finanzausschusses der bayerischen Kammer wurde mit großem Rachdrucke betont, daß der Zonntag in Zukunft nicht der militärischen Jugendausbildung gewidmet sein dürfe, der Zonntag sei vielmehr da für das Familienleben, die geistige Veredlung und die persönliche Erholung. Unberechenbare Folgen würden entstehen, wenn man, wie es seither oft geschehen ist, auf den Zonntag militärische Uebungen für die Jugend legen würde. Diese Rnsicht wird in weiten Kreisen unseres Volkes geteilt. Gewiß wollen wir eine wehrhafte Jugend heranbilden,- hierzu ist aber auch moralische Kräftigung nötig, die im Kreise der Familie und durch Rnteilnahme am Gemeindegottesdienste gewonnen wird, vielen Eltern ist es ein unerträglicher Gedanke, daß ihre Zähne, die in der Woche durch Zchulunterricht und durch Rrbeit unausgesetzt beschäftigt sind, nun auch am Zonntag sich dem Einflüsse ihrer Familie entziehen sollen. Ramentlich vermerkt es die Landbevölkerung sehr übel, wenn sie ihren Zonntag durch militärische Uebungen der Jugend, Rbkochen und dergleichen beeinträchtigt sieht. Das Bedenklichste an den Zonntags- übungen aber ist, daß gerade die ernstgesinnten unter der Jugend dadurch in einen Gewissenskonflikt Hineingetrieben werden. Zie wissen vom Clternhause her, daß der Zonntag heilig gehalten werden soll, und werden auf der anderen Zeite unausgesetzt ermahnt, sich an Uebungen zu beteiligen, die ftühmorgenz anfangen und am späten Rbend endigen. Uebrigens sei bemerkt, daß gerade Offiziere sich von der militärischen Jugendausbildung sehr wenig Erfolg versprechen. Das muß auf alle Fälle gefordert werden, daß über diese wichtige Frage in Zukunft nur militärische Zachverständige urteilen, also höhere aktive Offiziere. * * * Da in dieser Woche die Zchulferien ihren Rnfang genommen haben und viele Kinder infolgedessen auf einige Wochen die Ztadt verlassen, so machen auch unsere Kinderkirchen Ferien. Die Markus- und Johannesgemeinde haben zum erstenmal wieder am IZ.Rugust, die Matthäus- und Lukasgemeinde zum erstenmal wieder am 20. Rugust Kinderkirche. _ kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. )n der Ztadtkirche. Zonntag, den 16. Juli, 4. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. Zugleich Thristenlehre für die Reukonsirmierten aus der Matthäusgemeinde, vormittags 9 1 /« Uhr: Professor D. E ck. Mittwoch, den 19. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetslunde. Pfarrer Z ch w a b e. In der Johanneskirche. Zonntag, den 16. Juli, 4. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Thristenlehre für die Reukonfirmierten aus der Lukasgemeinde, vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Russe ld. Beichte und heiliges Rbendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam. Rnmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Rbends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibelbesprechung. £ Ankündig ungen empfehlenswerte ;r Firmen } Carl Loos Kirchenplah 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf • Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei. Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre Phoenix-lunie. Auch andere Systeme stets auf Lager. Preislage Mk. 60. - bis Mk. 180. - Nur bestbewährte Qualitäten Zr. Linker, Ludwigftr. 16 Reparaturwerkstatt f.Nahmaschinen Gesell«. Bolberg Nach!. Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich inallen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. Edgar Borrmann,Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte,SolingerStahl waren.land Wirtschaft Maschinenu.Geräte, Vogelkäfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte etc.etc. Waffen u.Munition. 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