öonnta äs gruft Gemeinöeblatt füröie evangelische Kircbengemeinoe Gieszerr Nr. 26, Gieszen, Sonntag 2. nach Trinitatis, den 2. Juli 1916, 5. Jahrgang, worauf es ankommt. Evangelium des Matthäus 10, 32 und 33. wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater, wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. So schwer auch der Weltkrieg auf uns allen, im großen kund kleinen, lastet, ein Gefühl des unbeugsamen Stolzes beseelt uns doch, wenn wir dessen gedenken, was das deutsche Volk in dieser großen, ernsten Zeit schon geleistet hat und auch fernerhin zu leisten gewillt ist! Nicht mit gekünstelter, sondern mit berechtigter Bewunderung dürfen wir auf unsere todesmutigen Nrmeen und deren hervorragende Führer blicken. 3a, vielleicht machen wir es uns manchmal gar nicht gegenwärtig genug, was alles dazu gehörte und gehört, eine Welt von Feinden nun schon nach fast 2 Jahren Krieges unentwegt nicht bloß weitab von den Grenzen des Beichs entfernt zu halten, sondern den Fuß selbst so weit und tief in die Länder der haßerfüllten Gegner gesetzt zu haben. Und wenn auch im Innern die wirtschaftliche Knappheit manche Unbequemlichkeiten und wohl auch Sorgen schafft: wer hätte früher je gedacht, daß Deutschland jahrelang imstande sein würde, sich trotz Unterbindung fast sämtlicher Lebensmittelzufuhr selbständig zu ernähren! Ueben der nimmermüden Umsicht der produzierenden Stände ist hier doch auch hervorragendes der deutschen Grganisationskraft zu danken. Da kann es denn leicht kommen, daß ein Volk, das seiner Kraft sich derart bewußt sein darf, die (Quellen seiner Stärke allein in sich selbst sucht. Davor will uns das schöne Psalmwort bewahren: „Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Grde gemacht hat." - wir selbst haben es doch auch schon oft genug erfahren können, wie rasch die wage des Kriegsglücks trotz allen Heldenmuts zu unserm Schaden in die höhe schnellen kann. Ein Blick auf die Vorgänge an der österreichischen Ostfront hat es noch jüngst wieder bezeugt. Und wie steht Saat und Ernte in ihren ausschlaggebenden Entscheidungen so völlig außer unserm Einfluß und Krafteinsatz! Gott hilft. Und er hilft gern, aber er will auch, und muß es um seiner Heiligkeit willen, daß Seinem Namen die Ehre gegeben werde. Das hat der psalmist tief erfaßt, und in dem so kurzen Glaubenswort liegt ein umfassendes ^Bekenntnis hochragender Nrt! Uuf dies Bekennen aber kommt es vor allem an! Mancher bewegt bisweilen gute und fromme Gedanken in seinem Herzen. Uber sie auch nur dem vielleicht etwas spöttischen oder unfrommen Nächsten zu äußern, vollends im Blick auf Jesus, den Gottessohn, das würde ihn viel zu sehr „genieren"! Deshalb gilt besonders für diese Zeit das ernste Mahnwort des Meisters von Nazareth hinzugefügt:,, wer mich bekennet vor den Menschen den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater, wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." Gott und den Heiland bekennen vor aller Geffentlichkeit, gerade auch im jetzigen Weltkrieg, darauf kommts an. wir können da von unserm Kaiser viel noch lernen! Und seien wir gewiß: schließlich werden wir allein in diesem Zeichen siegen! Zeldgotterdienst. von einem Divisionspfarrer. „Ulso zuerst nach N. zur Artillerie in der Uichtung nach B_ Dort ist Gottesdienst um 8 Uhr 30 angesetzt; von dort weiter nach F., wo wir um lO Uhr sein müssen, und von da nach B., wo 11 Uhr 30 Gottesdienst und heiliges Abendmahl stattfindet" - so lautet die Weisung an den Fahrer. Der Bursche, der zugleich das Amt des Küsters versieht, bringt den Amtskofser mit den Abendmahlgeräten und ein Paket Schriften, und vorwärts gehts am sonnigen Sonntagmorgen hinaus. Das hat sich wohl auch mein wagen früher nicht träumen lassen, daß er einst noch einen deutschen Divisionspfarrer durch Frankreichs Städte und Dörfer fahren würde. Tief in Uußland war seine Heimat, da stand er einsam und verlassen, als wir im September auf dem Gute Ouartier bezogen. Mein erster wagen, der mir bei der Ausrüstung seinerzeit gestellt war, hatte die ganze russische Sommeroffensive 1915 mit mehr als 6OO Kilometer hinter sich. Und wer russische „Wege" kennt, weiß, was das bedeutet. Er war übel mitgenommen, seine Federn waren vielfach mit Stricken zusammengebunden, und mancher Deichselstoß hatte während des Vormarsches seine hinterwand getroffen. So hatte er seine Ablösung mit d m „dob- schen" russischen wagen wohl verdient. (Mit dieseni fremdländischen Eigenschaftswort ist der Ausdruck höchster Zufriedenheit gemeint.) Es ist ein stark gebauter Ueisewagen. in dem man mit Leichtigkeit sein ganzes Gepäck unterbringen - 102 — kann, und das ist für den Bewegungskrieg sehr wichtig. Jetzt im Stellungskrieg tut er erst recht vortreffliche Dienste, denn leicht rollt er über die vorzüglichen französischen Straßen und Chausseen dahin, und bald ist die erste Gottesdienststätte erreicht, vor der Grtskirche sind die Mannschaften mit ihren Offizieren versammelt, kurze Kommandorufe ertönen, als der Uegimentsführer mit seinem Stabe erscheint. Das Gotteshaus faßt kaum die Menge der deutschen Feldgrauen, die nur zum Teil auf den niedrigen Betstühlen Platz finden, während noch viele stehen müssen, pünktlich zur Minute beginnt der Gottesdienst. Tr vollzieht sich in einfachster Form, und doch liegt etwas von so erhebender Feierlichkeit, von so tiefer deutscher Herzensfrömmigkeit über ihm, daß sich auch die Sandesbewohner diesem Eindruck nicht entziehen können. „Welch ein Unterschied bei Ihnen und bei uns!" meinte neulich ein französischer Eure, der von der Jakristei aus dem Gottesdienst beiwohnte. — Drei Stücke sind es, die dem deutsch-evangelischen Feldgottesdienst das Gepräge und die Weihe geben: Der frische Gesang, die predigt der Tat, und das Opfer des Gebets. — Ja, singen können unsere Soldaten, nicht bloß die frischen Soldatenlieder, die in den schönsten Ukkorden tönen, wenn Kampfeslust und heimatsliebe zusammenklingen, - nein, auch im evangelischen Kirchenliede steigt die ganze Welt echter deutscher Frömmigkeit zum Himmel empor. Ts ist, als ob solch ein Soldatengesang trotz der rauhen Kehlen doch viel herzandringender klingt, als oft der Kirchengesang in der Heimat, was das Herz empfindet, kommt viel ursprünglicher, freier zum Ausdruck. In der Welt der Töne schwingt eben das eigene Erleben mit. Und der Dank gegen Gott zittert beim Singen der Worte ,,In wieviel Uot hat nicht der gnädige Gott über mir Flügel gebreitet" ebenso innig durch die Herzen, wie die Sehnsucht nach dem Sieg unserer Waffen brausend emporsteigt in dem gewaltigen Schlußakkord des Niederländischen Dankgebetes: ,,herr mach uns frei!" Ls ist gut, wenn der Feldprediger selbst über eine kräftige Stimme verfügt, die sicher auch den Ton trifft. Nicht immer ist, zumal im Bewegungskrieg, wo jede Gelegenheit zur Abhaltung eines Feldgottesdienstes beim Schopf gefaßt werden muß, gleich Musikbegleitung zur Stelle. Da muß der Pfarrer den Kantor spielen, und dazu gehört eine treffsichere, starke Stimme. Und sie gehört auch zur predigt als gute, schätzenswerte Beigabe. Die predigt, das ist so recht das Herzstück des evangelischen Feldgottesdienstes, schon deswegen, weil die liturgische Ausgestaltung der Feld- gottesdienste sich in den allermeisten Fällen aus Zeitmangel und anderen Gründen von selbst verbietet. An ihre Stelle tritt am besten die Verlesung des Evangeliums oder der Epistel des betreffenden Sonntags, an die sich ein kurzes Gebet und der Gesang eines Siederverses knüpft, der zugleich zur predigt überleitet. Es gilt, unserer deutschen Männerwelt in Feindesland durch die Verkündigung des göttlichen Wortes die Kraftquellen unseres Evangeliums aufzudecken, daß sie die Schwere und Große der Zeit und ihr eigenes Erleben in höherem Sichte schauen. Das ist die letzte Auf- gabe jeder Feldpredigt, und die Schwere der Verantwortung, die dabei auf dem Feldprediger selbst liegt, wird wesentlich erleichtert durch ein unbestreitbar gesteigertes religiöses Bedürfnis seiner Zuhörer. Gerade unsere Soldaten im Felde haben ein sehr feines Gefühl für alles, was echt erlebt und empfunden ist, und je natürlicher die Sprache des Predigers ist, desto nachhaltiger wird die Wirkung seiner Worte sein. Und im unmittelbaren Unschluß an die predigt muß das Gebet zum Höhepunkt des ganzen Feldgottesdienstes führen. Für den geregelten Gottesdienst wollen wir den Wert des liturgischen Gebets durchaus nicht verkennen. Uber im Feldgottesdienst will uns das frei aus dem Herzen quellende Gebet als das richtigere, weil ursprünglichere, erscheinen, hier im Gebet klingt noch einmal alles zusammen, was das Soldatenherz in Feindesland bewegt. Eigene und fremde Uot, das Sehnen nach Sieg und die Fürbitte für Kaiser und Ueich, für Heimat und Vaterland — alles das zieht durch die Seele und klingt aus im Schlußlied und stillem Gebet, und keiner verläßt wohl die Stätte, ohne einen hauch des Geistes gespürt zu haben, der aus der oberen Welt auch über diese kampfdurchlochte, schmerzzerrissene Erde lindernd und erquickend, stärkend und beseligend weht. Die Staöt Gieszen am Anfang des U. Jahrhunderts. Fortsetzung.) 4 . Die Duft zu Gießen ist gesund. Denn die Stadt liegt nicht zwischen Bergen, daß schädlicher Gestanck und faule Dünste, durch ihre giftige Verdickung die Suft verderben Konten, somdern sie genießt einer frepen und daher auch reinen Suft, so daß überaus selten die Pest und andere gefährliche Kranck- heiten hier, wie an andern Orten, grussiren, oder wenn ja dergleichen entstehen, sie doch nicht gar ansteckend sind und sich nur hier und da in geringem Grad, äusern. Uingsumher ist der Boden fruchtbar, ja er komt dem der Wetterau an Fruchtbarkeit gleich und bringt von allen Arten Hülsen- und anderen Früchten einen reichen Vorrath, hat auch einen grosen Überfluß an trefflichen Weiden und gewässerten Wiesen, deren Ergiebigkeit durch die vorbepfliesende Wiseck und Sahn gar sehr befördert wird, so daß hierinnen, nach aller vernünftigen Urtheil, Gießen den übrigen hessischen Städten billig vorgezogen wird. 5 . Dieser allenthalben fruchtbare Boden macht denn auch den Grt ungemein annehmlich. Die vielen Gärten verursachen überall den besten Geruch, der Ueberfluß an Wiesen gibt einen reihenden Anblick, an Feldern und Aeckern zeigt sich ein groser Ueichthum, und die einsame Spatziergänge und schattichte Wälder sind entzückend. Daß man also nicht unrecht mit jenem Poeten sagen kann: „An Gießens Anmut reicht kein Grt der Welt." 6 . Die Bürger unserer Stadt treiben meist den Feldbau und Handwerker, vornehmlich aber seit vielen Jahrhunderten, die Wollenweberep, weswegen auch Gießen und das gießi- sche Tuch bep den Auswärtigen berühmt sind. Weil sie aber nicht nach Wucher und gewinnsüchtigem Handel streben, so sind sie von Unbilligkeit und Betrug entfernt, sind ehrlich, demüthig, mäßig, und daß ich alles zusammenfasse, honette Und rechtschaffene Seute. Wird auch bisweilen der eine und der andere nichtstaugliche Mensche unter ihnen gefunden, so ist dies eben kein Wunder, weil sich immer, durch den Irrthum Böses unter das Gute mischt. 7 . Die hiesige obrigkeitliche Verfassung ist vermischt, den Fürsten und seine untergesetzte Eollegia erkennen die Einwohner vor ihre höchste Obrigkeit, daneben sind die Uaths- herren und Burgemeister. Die Streitigkeiten werden nach den billigsten Gesetzen geschlichtet, Uechtschaffene und Unschuldige geschützt, Boshafte aber und Sasterhafte ernstlich bestraft. 103 8 . (Eine unserer Hauptzierden ist der hier blühende reine Lehrbegriff und bisher unverfälscht gebliebene Gottesdienst. Diese Wohltat hat die Stadt den treuesten Seelsorgern und berühmtesten Männern die ihr schon lange Jahre durch Lehre und Wandel vorgestanden, zu danken. Unter diese gehören vorzüglich Henrich Grth, der hernach profejsor der Theologie zu Marburg ward, Georg Nigrinus, der Superintendent der Grafschaft Nidda, sonderlich wegen seiner berühmten Schriften, und zu unserer Zeit Jeremias Vietor, der heiligen Gottesgelahrtheit Doctor und Superintendent, an dessen Stelle nach seinem Tod Johann winckelmann, der heiligen Schrift Doctor, erster Professor der Theologie und Superintendent gekommen, der noch gegenwärtig durch reine Lehre und einen gottseligen und strengen Wandel seinem Rmt eifrig vorstehet. Rllein das fürtreffliche Kleinod, das andere Schätze weit übertrift, ist dieses, daß bei) entstandener und überhandnehmender verderbniß der reinen Religion in Hessen, im Jahr 1605 durch Gottes Beistand unser gnädigster Nutritor Landgraf Ludwig der Treue, eine hohe Schule hier angelegt, die Kaiser Rudolph II. im Jahr 1607 mit akademischen Privilegien begnadigt. Diese Rkademie ist nun die vollkommenste und berühmteste Schule der wahren und reinen Religion, die sonst aus Hessen zu entweichen anfing, wie auch aller Facultäten, Wissenschaften, schonen Künste, Tugend und Gottseligkeit, aus welcher, wie aus jenem trojanischen Pferd die griechischen Helden, so aus dieser die fürtrefflichsten Männer in allen Wissenschaften, die nicht nur dem Vaterland, sondern auch auswärtigen Nationen sehr nützlich sind, täglich ausgehen. 9. Zuletzt würde ich auch noch von den berühmten Taten der Gießer Bürger reven. weil sie aber diesen Ruhm mit den übrigen Hessen gemein haben, so will ich nichts davon sagen. Daß sie sich indessen allzeit um ihre Fürsten höchst verdient gemacht, beweisen viele Fürstliche und auch Kaiserliche Frepbriese, die sie erhalten haben, wenigstens entzog Maximilian I. den Butzbachern die Freiheit, acht gantzer Tage, in der Woche von dem Sonntag Rogate einen öffentlichen Jahrmarckt oder Messe zu halten, und schenckte sie allergnädigst den Gießern, worüber er ihnen ein gratiöses Diplom mit kaiserlichem Siegel bekräftiget und, von dem Erzbischof von Mapnz mit eigner Hand unterschrieben, im Jahr 1497 am 8 ten Juli ausfertigen lassen. Die Fürstlichen Privilegien des Landgrafen Otto von 1325, Henrichs von 1367, Hermanns von 1400, Wilhelms von 1498 und andre übergehe ich, weil sie spezieller sind. (Fortsetzung folgt.) Nriegsstimmung eines Sechsundachtzigjährigen.^ Unsere todesmutigenJünglinge und unsere waffentüchtigen Männer stehen seit langer Zeit im Felde und halten den Feind von den Grenzen unseres Heimatlandes zurück. Über auch die Ulten, die nicht mehr kämpfen können, sind von deutschem Geiste und deutscher Standhaftigkeit erfüllt. Das zeigt uns ein Brief, in dem unser verehrter Mitarbeiter Herr Generalarzt a. D. Dr. Kappesser in Darmstadt ein Glückwunschschreiben zu seinem 86. Geburtstage erwidert hat. Der Mann, der schon 1866 und 1870/71 im F?lde stand und als Rrzt, helfend und heilend, seine Schuldigkeit getan hat, nimmt an den großen Ereignissen der Weltgeschichte, die sich in diesen Tagen zutragen, noch lebendigen Rnteil. So schreibt er am 19. Juni: „Tot geärgert hätte ich mich, wenn ich nicht wenigstens noch den herrlichen 31. Mai und Himmelfahrtstag miterlebt hätte, da die schürfe „Scheer" des tapferen Hanauer Lehrerssohnes unseren Vettern ,,drib der Bach" so schön die Ohren gestutzt und sie so gründlich verskagerakt hat, daß sie noch lange daran denken sollen. Sodann aber, daß der Schlächter von Gmdurman auf seiner letzten Tinkrei- sungsfahrt das verdiente, unselige Ende gefunden hat, gleich der Maus, die ins Butterfaß gefallen ist. Das diesmalige Fest der Freude (Pfingsten) habe ich frierend und hustend «neben dem geheizten Ofen verbracht. Doch habe ich in einer fast schlaflosen Nacht versucht, unseres Luthers herrliches Kampflied mit einigen Versen der Gegenwart anzupassen und, wenn es Sie interessiert, hier mitzuteilen: Rlldeutsche Pfingsten, weise: Ein' feste Burg ist unser Gott, wir Deutsche fürchten Gott allein Und sonst nichts auf der Erde, Der wird uns Schild und Helfer sein Bis daß uns Friede werde. Mag der Feinde Heer Bedroh'n uns ringsumher, Daß Lüg' und Hinterlist Sein einzig Rüstzeug ist, Der Sieg muß uns doch bleiben. Ob auch manch herz im Tod noch bricht Ruf ferner, blut'ger Erde,' Du Häuflein klein, verzage nicht, vertraue deinem Schwerte, wer auf Gott vertraut Und brav um sich haut, Slieg höher auch die Not, Die Hilfe steht bei Gott, Der läßt uns nicht verderben. - Wo deutsches Herz und deutscher Mut Bei deutschen Fahnen stehen, Sn wassersflut, in Feuersglut Soll'n nimmer sie vergehen. Daß deutscher Mut und Treu Erblühen immer neu Ruf unsrer deutschen Erde Und nie es anders werde, Soll heut' uns deutsche Pfingsten sein. Kleine Mitteilungen. Für den kommenden Frieden fordert die Evang.-lutherische Hausvätervereinigung in Dresden-Kaditz zur Mitunterzeichnung einer Eingabe an das Kgl. Sächsische Ministerium des Innern auf. Dasselbe wolle eine Verordnung erlassen: „1. daß nach Beendigung des Krieges und aus Rnlaß des erhofften Sieges und der Friedensfeier oder der zurückkehrenden tapferen Krieger keinerlei öffentliche oder gesellschaftliche oder Vereinsfestlichkeiten mit Tanzmusik verbunden werden,' 2. daß die Erlaubnis an die Saalinhaber in Stadt und Land, öffentliche Tanzmusik zu halten, desgleichen gesellschaftliche Bälle und Tanzereien zu veranstalten, mindestens erst nach drei Monaten oder innerhalb einer andern angemessenen Frist erteilt werde,' 3. daß in Zukunft überhaupt öffentliche Ball- und Tanzgelegenheiten auf die Hälfte des bisherigen Umfanges beschränkt werden und zugleich für öffentliche wie gesellschaftliche Tanzereien ein strenges polezeiverbot gegen alle sogenannten Schiebetänze Onestepp, Twostepp, - 104 — Tango und andere dergleichen auswärtige, nur die Zinne aufpeitschenden Tänze — erlassen werde, damit das Bild der Tanzenden wieder ein anmutigeres, dem deutschen instand wohltuenderes werde - — bekanntlich sind Offizieren in Uniform die gerügten Tänze verboten- 4 4 daß ausnahmslos alle an Vorabenden von kirchlichen Zesttagen stattfindenden öffentlichen oder gesellschaftlichen Tanzereien (auch bei Hochzeiten) spätestens um 11 Uhr zu schließen sind." — Die Begründung zu 1. und 2. dieser Bitte ist nicht schwer. Oie furchtbaren Opfer, die dieser Weltkrieg gefordert hat und noch fordern wird, lassen es selbstverständlich erscheinen, daß der größere Teil unsres Volkes keine große Zehnsucht haben kann, den Zriedensschluß oder die Heimkehr der siegreichen Truppen, unter denen Tausende ja nicht wiederkehren, bei Ballmusik zu feiern. Zo gut man in der Kriegzzeit ohne Tanzmusik ausgekommen ist, wobei die weitesten Kreise sich sehr wohlgefühlt haben, so gut wird es auch nach Kriegsende einige Monate ohne diese die Volksgesundheit und volks- sittlichkeit nicht gerade fördernden Lustbarkeiten gehen, ganz abgesehen davon, daß eine solche vom Lärm öffentlicher Vergnügungen unberührte Zeit gewiß der stillen Trauer derer wohltun würde, die schwere Opfer dem vaterlande haben bringen müssen. Diese müßten es geradezu als einen hohn, als eine Kränkung ihres heiligen Zchmerzes empfinden, wenn nach Beendigung des Krieges der Zieg und die Heimkehr der durch Gottes Gnade unversehrt Gebliebenen durch öffentliche oder gesellschaftliche Tanzereien gefeiert würden. Die Unterzeichneten glauben sogar bestimmt versichern zu können, daß die innere Ztimmung, das feine Gefühl unseres Volkes, das in diesem Kriege, Gott sei Dank, manches Gute gelernt hat, geradezu eine Verordnung, wie unter 1. und 2. angedeutet, von höchster Ztelle erwartet. Die Begründung zu 3. und 4. der Bitte liegt für die Unterzeichneten in Erwägungen national-ökonomischer, hygienischer und religiös-sittlicher Natur und bedarf wohl einer weiteren Uusführung nicht. Gottes Mort im Kriege. Ueberraschend stark ist die Nachfrage nach Bibeln und Bibelteilen in der Kriegszeit gewesen. Noch nie, seit überhaupt Bibeln verbreitet werden, hat eine derart umfangreiche Verbreitung stattgefunden wie in den Jahren 1914 und 1915. Die Gesamtzahl der im Zahre 1914 verbreiteten Bibeln, Neuen Testamente und sonstigen Bibelteile beläuft sich auf 2 3 / 4 Millionen, während im Jahre 1915 die Zahl sogar auf 3 1 /* Millionen gestiegen ist. Zn der ganzen Kriegszeit also sind von den bibeldruckenden Gesellschaften allein 6 Millionen Bibeln, Neue Testamente und Bibelteile ausgesandt worden. Nimmt man die Bestände derjenigen Gesellschaften hinzu, welche bei Kriegsbeginn vorhanden waren, so stellt sich die Verbreitung noch hoher. Die Zahl der fiemdsprachlichen Neuen Testamente und Bibelteile, die sich unter diesen Millionen findet, fällt nicht sehr ins Gewicht, so daß die verbreiteten Zchristen fast ganz auf die deutsche Bevölkerung zu rechnen sind. Unter den Bibelanstalten hat das Größte immer noch die Britische und Uusländische Bibelgesellschaft in Berlin geleistet. 3m Jahre 1915 hat die Leistung der Württembergischen Bibelanstalt in Ztuttgart die der Britischen und Ausländischen Bibelanstalt nahezu erreicht. Die preußische Haupt-Bibel-Gesellschaft in Berlin weist im Jahre 1914 eine Verbreitung von 350 000, im Jahre 1915 von 480 000 Ueuen Testamenten und Bibelteilen auf. kirchliche Anzeigen. Gottesdienst. Zn der Ztadtkirche. Zonntag, den 2. Juli, 2. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Mahr. Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Zchwabe. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Mittwoch, den 5. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde, pfarrassistent ff off m a n n.—Kommenden Zonntag, den 9.3uli, findet im fiauptgottesdienst Beichte und heiliges Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde statt. Unmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. 3fi der Johanneslirche. Zonntag, den 2. Juli, 2. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Lukasgemeinde, vormittags 9 1 / 2 Uhr: Professor D. Zchian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer UdolpH. Ubends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibelbesprechung. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- ii. Knabenkleider Heinrich Moll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Gaschäft für Bureaubedarf * Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre ®. Stöver, Gießen Seltersmcg 16 llhren, Gold- u. Silberwarrn Kestecke Reparaturen in eigener Werkstatt prompt und billig Ptaffl-iimsEüe. Auch andereSysteme stets aufLager. Preislage Mk. 60. - bisMk. 180.- Nur bestbewährte Qualitäten 5r. Linker, Ludwigstr. tb Reparaturwerkstatt f.Nähmaschinen Edgar Borrmann,Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus-u. Küchengeräte Teleph.165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte,SolingerStahl waren,landwirtschafl.Maschinenu.Geräte, Vogelkäfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte etc.etc. Waffen u. Munition. Glühüchtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen KM Mg EM Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich inallen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. verantwortlich: für den Tertteil Pfarrer Bechtolsheim er. für den Anzeigenteil h. Seck; Druck und Verlag der Brühl'schen Universität*. Duck- und Steindruckerei N. Lange, sämtlich zu Gieken.