Nr. 21. (Ziehen, Sonntag Rogate, den 28. Mai 1916. 5. Jahrgang. Himmelfahrt. Psalm 29, 10. Der Herr bleibt ein König in Ewigkeit, von Generalsuperintendent E). Klingemann- Toblenz. Jesu Himmelfahrt bedeutet seines Erdenwerkes Vollendung und zugleich die Krönung seiner Person. Der Herr ist König! vom Fimmel auf die Erde klingt der Triumphgesang: „Nun ist das heil und die Kraft und das Neich unsres Gottes worden, und die Macht seines Christus, weil der Verkläger unsrer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor Gott." Wenn die Worte im Tongewand unseres Johann Sebastian Vach erklingen, dann ist's, als gäbe die Trde dem Himmel den Jubel zurück, den sie von ihm empfangen. Der Herr ist König! Damit bekennen wir den Glauben an das Himmelreich, das er verkündet und aufgerichtet hat. Vas Neich Gottes, das Himmelreich ist der leitende Gedanke, der große Inhalt der Frohbotschaft Jesu, und doch versagen unsre Begriffe, wenn wir diesen Gedanken in Worte kleiden, das Wesen dieses Neiches zu bestimmen versuchen. Ewig ist es und ragt doch in diese Zeit hinein, jenseitig und doch im Diesseits erschienen, vollkommen und doch hier auf Erden mit Unvollkommenheit behaftet, ein Reich des Friedens ist es und enthebt uns dennoch nicht des Streites. vom Himmelreich redet Jesus als von unsres Herzens gegenwärtigem Besitz und lehrt uns doch dieses Reiches und seiner Vollendung hoffen,' wir dürfen im Reich Gottes leben und sollen doch ins Reich Gottes kommen. Da sind wohl Widersprüche, aber sie losen sich uns im Glauben. Venn alles, was uns Gegenstand des Glaubens ist, muß nun einmal über der erfahrungsgemäßen Wirklichkeit stehen, wo alles unserm Denken, unserm Erkennen sich fügen wollte, würde es des Glaubens nicht bedürfen, „wir sind" — so sagt uns Paulus - „wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man siehet, ist nicht Hoffnung,' denn wie kann man des hoffen, das man siehet?" Über wir leiden wohl an den Widersprüchen zwischen Glauben und Wirklichkeit, weil damit immer etwas von menschlicher, von eigener Unzulänglichkeit uns aufgedeckt wird. Und das gehört zum besonderen Leiden dieser gewaltigen Zeit, daß wir um Gottes Reich Sorge tragen. Nicht als könne das Reich, an das wir glauben, das der ewigen, unsichtbaren Welt angehört, Gegenstand unserer Sorge sein. Über der Glaube selbst geht durch schwere Rnfechtung hindurch, weil die Geschehnisse dieser Zeit uns immer wieder im Gegensatz zur Herrschaft Gottes erscheinen wollen. Wir redeten gern und dankbar von einem Jahrhundert der Mission, wir meinten von der die Völker verbindenden Kraft gemeinsamer Rrbeit für Gottes Reich etwas zu spüren. Und nun ist so unendlich viel zerstört, nun sind wir so weit hinter ein scheinbar nahes Ziel zurückgeworfen worden! Und der Krieg selbst, der erbitterte, auf Vernichtung zielende Kampf eben der Volker, die in der Christenheit die führende Stellung einzunehmen berufen waren, ist er nicht ein harter Widerspruch gegen die Herrschaft Gottes, wie Jesus sie verkündet hat? Vas maßlose Leid, das im Gefolge des Krieges einherschreitet, muß es nicht am Glauben selbst, am vertrauen auf den Gott der Liebe irre machen? Und wo man gar den Fortschritt der Menschheit, die Kultur, die Beherrschung der Uaturkräfte als die eigentliche Offenbarung der Gottes- Herrschaft in Rnspruch nahm, da erlebt solche Kulturseligkeit den völligen Zusammenbruch ihres Lieblingsgedankens, da muß sie den Fortschritt, Forschung und Wissenschaft im ausschließlichen Dienst der Zerstörung tätig sehen. Ist in solcher Zeit für Gottes Reich überhaupt noch Raum? — Über es ist uns doch gerade jetzt der Himmel, die Hoffnung des ewigen Lebens unentbehrlicher als je. Es sehnt und streckt sich unser Herz nach der Gewißheit, daß über der Herrschaft des Todes, die um uns her sich breitet, das Reich Gottes als Wirklichkeit vorhanden ist. Diese unentbehrliche Gewißheit haftet an Jesu vollendeter Person, an seinem königlichen Rmt. Ruch seine Vollendung geht aus Streit und Widerspruch hervor, auch hier begegnen UNS die Gegensätze, die nur der Glaube überwindet, was kann nach menschlichem Maß und Urteil sinnloser erscheinen als der Rnspruch eines am Kreuz gerichteten, in Hilflosigkeit gestorbenen Mannes auf ewige Herrschaft und Herrlichkeit? Der Glaube aber erfaßt über solchem Widerspruch das Urteil Gottes, jene göttliche Torheit, von der uns der Rpostel sagt, die weiser denn die Menschen ist, die göttliche Schwachheit, die stärker ist, denn die Menschen sind. MM — 82 3m uralten Damaskus stand ich vor jener Moschee, die einst eine christliche Kirche gewesen ist, die wiederum selbst aus einem heidnischen Heiligtum entstanden war. Kn ein korinthisches Portal aus der christlichen Zeit hatte frommer Glaube die Inschrift eingegraben: ,,Dein Mich, o Thriste, ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für." Die Erbauer der Moschee hatten die Inschrift sorgsam verputzt. Rber die deckende Lchicht ist zerbröckelt und herabgefallen, und wieder zeugt die alte Inschrift von dem Glauben, der aller Zeiten Mandel überdauert. Ruch Krieg und Kriegsnot gehen vorüber. Und wenn ihre Gewalten Gottes Rufträge werden ausgerichtet haben, wird in alter und in neuer Kraft das Bekenntnis leuchten: Dein Reich, o Ehriste, ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. Deutsches Heldentum. Rm 15. März d. 3 - ist Leutnant Rugust Lchenck aus Gießen, der der 5. Kompagnie des Infanterie-Regiments Rr. 68 angehörte, im Rlter von 19 Jahren gefallen. Lein Tod, über den die Tageszeitungen schon berichtet haben, ist unter außergewöhnlichen Umständen erfolgt. Im Dienste helfender und rettender Menschenliebe hat der junge Offizier, der von seinen Eltern und Geschwistern tief betrauert wird, sein Leben dahingegeben. Es wird heilsam sein, wenn man den Menschen von heute, die vielfach auch in der ernsten Kriegszeit egoistisch gesinnt sind, wenig praktisches Ehristen- tum üben und nur auf die Befriedigung ihrer Eitelkeit und ihrer Gewinnsucht bedacht sind, das Beispiel des edlen, heldenmütigen Jünglings, der der Ltolz und die Freude der Leinen war und im Beginn des Krieges noch der Kadettenanstalt zu Karlsruhe angehörte, vorhält. Mir möchten auch wünschen, daß seiner Tat noch in der Zukunft gedacht werde. Mir lassen deshalb die Briefe, die die Mitkämpfer des Gefallenen an die Eltern gerichtet haben, hier folgen. Regimentskommandeur Major Bohne schreibt am 15. März 1916: ,,Ein schwer verwundeter Franzose — er war in der Rächt von gestern zu heute verwundet worden — lag in einem Granatloch zwischen der deutschen und französischen Ltel- lung. Der Bataillonskommandeur hatte befohlen, daß der verwundete Franzose heute nacht geborgen werden sollte. Ihr Herr Lohn lief ohne Befehl und trotz Marnung mit einem Unteroffizier an die fragliche Stelle, und so gelang es ihm, den Franzosen bis an das Drahthindernis zu ziehen, hier erhielt er starkes Feuer und fiel, von mehreren. Lchüssen in hals und Kopf durchbohrt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Unteroffizier sprang unverletzt in den Graben, der Franzose starb in unserm Graben. Ihr Herr Lohn ließ sich bei seinem Tun zweifellos von der guten Rbsicht leiten, den schwer verwundeten Feind zu bergen. Durch seine kühne Tat gelang es, festzustellen, welches französische Regiment uns gegenüber liegt. Ich hätte Ihren Herrn Lohn für seine Heldentat zur Ruszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse in Vorschlag gebracht, wenn er sie überlebt hätte." Kompagnieführer Leutnant d. Res. heider schreibt am gleichen Tage: ,,In der vergangenen Rächt war von unserem Posten eine Patrouille des Gegners beschossen worden, daß er zwischen »unserer und der französischen Ltellung liegen blieb und wir ihn am Rbend zu uns hereinzuholen gedachten. Rber Ihrem tapferen Lohn wollte es nicht in den Zinn, einen Menschen so lange hilflos liegen zu lassen,' er fürchtete auch, die Franzosen könnten ihren Kameraden zurückholen. Kurz, allen Vorstellungen und Marnungen zum Trotz stürzte sich Ihr heldenjunge aus unserer Lappe auf bie Stelle vor dem Franzosengraben, wo der verwundete lag. Rls er sah, daß er ihn nicht allein zurückschleppen konnte, winkte er zurück, und Unteroffizier Borchert 5./68 eilte ihm zu Hilfe, und vereint zogen sie nun unter dem heftigsten Gewehrfeuer des Gegners, der trotz der ihm deutlich erkennbaren Rbsicht der Unsrigen, ihren Kameraden zu bergen, vom Lchießen nicht abließ, den schwerverwundeten Feind zu unserem Drahtverhau. Mährend sie dieses zu durchschneiden suchten — Ihr Lohn hatte gerade noch sieghaft zu seinen Kameraden und Leuten herübergelächelt —, ereilte ihn das tödliche Infanteriegeschoß, welches ihn in den Hinterkopf traf. Er sank sofort lautlos zusammen, und gleich darauf machten zwei weitere Lchüsse durch hals und Brust seinem jungen Leben ein Ende. Mir aber schufen uns schnell zu ihm eine Lappe und bargen seinen toten Körper und den von ihm eingcbrachten Franzosen." Der Bursche, Gefteiter Joseph Leuwer, schreibt: „Rls Bursche von Ihrem vielgeliebten Lohn muß ich Ihnen die traurige Mitteilung machen, daß Ihr Lohn, Herr Leutnant, heute morgen auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Ich kann es nicht glauben und nicht zukommen. Er war so gut mit mir, wie ein Vater mit seinem Kinde. Ich werde mein Leben lang an meinen lieben, treuherzigen Leutnant denken. Ich bin gerade die Lachen von Herrn Leutnant am einpacken und werde alles durch die Kompagnie abschicken. Die kleine Rrmbanduhr war in Reparatur, wird in den nächsten Tagen fertig sein. Ich schicke dann die Uhr mit den Kofferschlüsseln zusammen ab. Der Herr Kompagnieführer, Herr Leutnant heider, hat die übrigen Lachen, als Geldtasche, Geldbeutel und Loldbuch angenommen und hat auch bereits an Lie geschrieben. Zum Lchlusse sendet die besten Grüße Rchtungsvoll Gefreiter Jos. Leuwer. Münsche hierzu mein herzl. Beileid." Dieser Brief in seiner ungelenken Rrt wird jeden tiefer empfindenden Menschen durch seine Lchlichtheit und Treuherzigkeit ergreifen. Lo sind unsere wackeren Loldaten, sie bringen ihren Führern Liebe und Treue entgegen, sie gehen für sie durch das Feuer und betrauern sie, wenn der Lchlachtentod sie ereilt hat, tief und innig. Der Krieg, so schrecklich er ist, hat doch das Gute, daß er das Edle in unserm Volke an das Licht bringt. Unser Volk besitzt doch noch Heldenmut und Gemütstiefe, auch wenn vor dem Kriege alles geschehen ist, ihm diese wertvollen Eigenschaften zu rauben. Der sei in der Zukunft verachtet, der die schlichten Leute aus dem Volke verachtet. Der Gffiziersbursche Joseph Leuwer ist für unsere Nation wertvoller als alle ,,Eigenen" und „Modernen" zusammen. Endlich sei noch darauf hingewiesen, wie sich der Vorgang, auf den die mitgeteilten Briefe eingehen, im Gemüte eines Kindes spiegelt. Der Kompagnie des Leutnants Lchenck gehörte auch ein Lehrer aus hornberg im Lchwarzwalde an. Dieser hat den tragischen Fall nach Hause gemeldet, und die dortigen -Lchulkinder haben diesen in einem' Zchulaufsatze behandelt. Dieser Tage gelangte einer dieser Rufsätze hierher, er hat folgenden Mortlaut: „Ein deutscher Held". „Gegen Morgen hatte einer unserer Vorposten auf eine feindliche Patrouille gefeuert. Ein Franzose wurde verwundet und blieb unweit der französischen Stellung liegen. Seine Kameraden ließen ihn feige im Stich und flohen eilends in ihre Gräben zurück. Der Tag brach an. Da sahen wir von unserem Graben aus den verwundeten Franzosen liegen. Sein Stahlhelm war ihm vom Kopfe gefallen, und der Lauf seines Gewehres blinkte in der Morgensonne. Setzt richtete er sich mühsam auf und wandte sein trauriges Gesicht uns zu. Ls war ein noch junger Mann mit tiefschwarzem Schnurrbart. Lr trug feldgraue Uniform, die ja auch die Franzosen für ihre blaue Sacke eingetauscht haben. Tiefes Mitleid mit dem Krmen ergriff jedes Herz,' wir winkten dem Unglücklichen, er solle herüberkommen, es würde ihm nichts zuleide geschehen. Lr machte auch den versuch, einige Schritte herüberzukommen, aber kraftlos brach er wieder zusammen. „wir holen ihn, wenn es dunkel wird," sagen viele. Smmer und immer wieder richtet sich der verwundete auf, seine Bewegungen werden immer matter. Lr muß doch schwer verwundet sein, er ist ganz blutig an der Seite. Uber ob er den Übend noch erleben wird? „Dem Mann muß Hilfe werden, koste es auch mein eigenes Leben," denkt einer von unseren Leutnants und schwingt sich auf die Deckung. Lin beherzter Unteroffizier folgt ihm. Kuf Händen und Füßen kriechen sie auf den verwundeten zu, wir verfolgten mit atemloser Spannung die kühne Tat. Setzt sind sie bei ihm. Sie er-, greifen ihn bei der Hand. Dann treten sie, den verwundeten nach sich ziehend, den Uückweg an. Klles geht gut. Schon sind sie am Drahthindernis direkt vor unserem Graben angekommen, da richtet sich der Leutnant auf, um den verwundeten vollends in den Graben ziehen zu können. Drüben blitzt ein Schuß, ein zweiter und dritter folgt unmittelbar darauf. „Unser Leutnant ist tot", läuft die Trauerkunde von Mund zu Mund. Buch der Franzose hat einen Schuß in den Kücken bekommen. So liegt der Ketter neben dem beinahe Geretteten, hacke und Spaten sind gleich zur Hand. Sn aller Lile wird ein Graben gezogen, um ungestört zu dem Gefallenen gelangen zu können. Krankenträger mit Bahren und Verbandszeug sind schon zur Stelle. Der Franzose wird zuerst geborgen. Lr lebt noch, aber der Todesengel schreitet neben der Bahre. Dann bringen sie auch den Leutnant, der sein Leben für den Feind geopfert hat. Tief ergriffen stehen wir da, in den Schmerz um den geliebten Toten mischte sich die Wut über die Hinterlist der Feinde, die, zu feige, ihrem Kameraden zu helfen, es fertig brachten, auf dessen Ketter zu schießen. ' Thristine wöhrle." * * * Unser Herr und Heiland hat gesagt : will mir jemand Nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir,' denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren, wer aber sein Leben verlieret um meinetwillen, der wird es finden (Lvang. Matth. 16, 24 u. 25). Nach diesem Worte hat der junge Held gehandelt, von dem diese Zeilen berichten. Möge sein Beispiel als leuchtendes Beispiel der Nächstenliebe und Selbstverleugnung unter uns weiterleben! Sichen vor hundert Zähren. (Fortsetzung.) Sehr beliebt scheint vor 100 Zähren in Gießen das verlosen von allerhand Gegenständen gewesen zu sein, übrigens hat man auch noch vor 40 Jahren, wenigstens auf dem Lande, gern Gegenstände verlost, wobei der verloser wohl allemale ein gutes Geschäft machte. Der Schreinermeister Johannes Dillmann brachte 1816 mit obrigkeitlicher Lr- laubnis eine „künstlich spielende" Schnupftabakdose, also nach heutiger Kedeweise eine Spieldose, zur Verlosung. Sie spielte einen Marsch und ein Tiroler Lied,' es wird für die Schnupfenden sehr erfreulich gewesen sein, daß zu den Genüssen, die ihre Käse hatte, auch noch ein Ohrenschmaus hinzukam. Dillmann verkaufte das Los für 24 Kreuzer. Unter amtlicher Kufsicht wurde das Kunstwerk bei Kath- schöff Keiber in dessen hintergarten in der Neustadt verlost. Dillmann scheint die Krbeit in seiner Werkstatt nicht sonderlich geliebt zu haben,' denn er veranstaltete öfters ver-. losungen. So verloste er ein andermal silberne Taschenuhren, Kaffeelöffel, Pfeifenköpfe, Ohrringe und Vorstecknadeln. Lin Vierteljahr später trat er mit einer ähnlichen Knzeige wieder vor das Gießener Publikum. Matthias Lotz, wohnhaft bei Schreinermeister Jacobp in der Neustadt, verloste in der Wohnung des Burgers und Wirts Friedrich Sony unter stadtamtlicher Kufsicht einen schon gerauchten Pfeisenkopf von Meerschaum mit silbernem Beschlag. Lr machte bekannt: „wer der Ziehung beiwohnen will, beliebe sich an erwähntem Orte zur bestimmten Zeit einzufinden. Kur noch einige wenige Lose, das Stück zu 12 Kr. sind zu haben." Alexander Dosse, der unternehmende Wirt von Großen- Linden, veranstaltete 1817 ein „Kitter-Schießen", wozu er die „Herrn Schießliebhaber" einlud. Die Gaben, die aus- geschossen wurden, bestanden in einem „Haupt-Kitter von 2 Gulden, einem Schwarzritter von 1 Gulden 50 Kr., einem Kach-Kitter von 45 Kr." Ls ist nicht mehr ganz klar, was das für eine Veranstaltung gewesen ist, noch unklarer sind uns heute die Bezeichnungen der Preise. Scheibenschießen wurde auch in Heuchelheim am Eingang des Dorfes abgehalten, damit war Tanzmusik verbunden. Johann Philipp Wagner, dem Bürgermeister und Kat der Stadt Gießen 1816 die Kb- haltung von Tanzmusik am Hohenwart-Brunnen verboten hatten, veranstaltete im Gießener Schießhause ein Kingel- schießen. Die Gießener Herren Schießliebhaber hatten somit reichlich Gelegenheit, ihr Pulver zu verschießen. Buch an musikalischen Darbietungen fehlte es damals nicht. Ls bestand hier eine Konzertgesellschaft, Direktor, d. h. Präsident derselben war Hofgerichtsadvokat Bender. Diese Gesellschaft trat auch unter dem Kamen „musikalische Gesellschaft" in die Deffentlichkeit. Km 11. Mai gaben wiener Sänger im Linhorn eine „Vokal-Kbend-Knterhaltung". Sie waren nach ihrer Kngabe vorher in Darmstadt vor dem Großherzoge aufgetreten und glaubten deshalb auch in Gießen „ihren Zweck nicht zu verfehlen". Lin Herr hayd veranstaltete Sonntag, den 21. „Julius" 1816 eine „dramaturgischdeklamatorische Vorstellung. Seine Knkündigung ist recht eigenartig, sein Programm umfaßte folgende „Piecen": „Gärtner Veit oder Kaiser Karl auf der Jagd, ein komischer Prolog von Hagemann, hierauf: Meister Llias, Ouodlibet aus pasewalk oder das Genie auf Keisen, ein Intermezzo von Hagemann. Dann folgt: Zehnmal einer und nie der Kem- liche, eine dramaturgische Piece von Kotzebue. hierauf: eine Scene aus den Schwestern von Prag. Zum Beschluß: ein englisches Solo, getanzt von Friedericke hapd und ein russisches Pas de deux, getanzt von Kugust und Zriedericke hapd." Sehr wortreich teilte Herr hapd in seiner Knkündigung mit: „Der Schauplatz ist in dem Gartensaal der Madame Busch. Ich wählte auch in dieser Hinsicht dieses Locale, weil ich überzeugt bin, daß die Kuswahl dieses Saales den hiesigen Honoratioren und anderen Gönnern der Kunst nicht mis- fallen wird." (Schluß folgt.,' - 84 — Zeit. Du eilst so schnell mit-uns durch lichte Stunden, Du fliegst, wenn dich des Glückes Schwinge trägt; Und wird in dir ein Seid uns auferlegt: Dann bist du bleiern, träge und gebunden! G Zeit, warum mit kurzem Glück noch eilen? Warum so langsam, schweren Schrittes nur Durchs Dunkel schleichen auf der Schmerzen Spur? Warum im Sonnenglanze nicht verweilen? — Umsonst die Fragen all, die frühen und späten! Für dieses arme Leben herrscht die Zeit, Bis einst die königliche Ewigkeit Befreiend wird an ihre Stelle treten. Gräfin h. Waldersee. Uleine Mitteilungen. Km himmelfahrtstage findet nachmittags 1 / 2 ^ Uhr bei der ,,Dicken Eiche" im Walde zwischen dem Bubenröder Hofe und Uaunhsim ein christliches Waldfest statt. Die beste Verbindung von Gießen aus ist die mit dem Zuge der Biebertalbahn 1.15 ab nach Kodheim, von da zu Fuß nach der „Dicken Eiche". Km 10. Juni, morgens zwischen 5 und 6 Uhr werden wieder in der Stadtkirche die Zinsen der Totenwart-Stiftung verteilt. Dem Testamente des Stifters, des Kanzlers Kntonius Wolff von Totenwart, zufolge wird die Knkündigung in den Worten der alten Zeit am himmelfahrtstage (im Testamente heißt es am ,,Kuffahrtstage"> in unseren beiden Kirchen stattfinden. * » * Der Schluß des Krtikels „Ein ernster Mahnruf" erscheint in nächster Nummer. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2 8. Mai, Nogate. Kollekte für evangelische Gemeinden im Kusland. Gottesdienst. In der Stadttirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. In der Johannestirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Kusfeld. Zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde, vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 1 l Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Kbends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibelbesprechung, himmelfahrtstag, den 1. Juni. In der Stadtlirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche, vormittags 9 V 2 Uhr: Pfarrer Kusfeld. In der alten Friedhofskapelle. Nachmittags 2 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein, Diezstraße 15. Sonntag, den 28. Mai, abends 8 Uhr: Vortrag. Dienstag, den 50. Mai, abends 8Vs Uhr: Bibelstunde. Mittwoch, den 31. Mai, abends 8Vs Uhr: Seseabend. Donnerstag, den 1. Juni, abends 8Vs Uhr: Turnabend. Samstag, den 5. Juni, abends 8Vs Uhr: Keltere Kbteilung. Gäste stets willkommen. vibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Kbteilung jeden Mittwoch von 6 bis 7 Uhr, für die ältere Kbteilung jeden Samstag von 6 bis 7 Uhr im Johannessaal. vibelkränzchen für Mädchen aus der Zohannesgemeinde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. £ Ankündig ungen empfehlenswerter Firmen ]] Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider EdgarBorrmann, Giessen MusttüllkN Neustadtll Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 CtltC Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchen- (ThaHtot* ifito frort geräte,SolingerStahlwaren,landwirtschafl.Maschinenu.Geräte,Vogel- Ttllsl lUjullIilj UMtfjUl käfigeu.Züchterutensilien,Fischereigeräteetc.etc.Waffen u.Munition. lüudolph's Iflachk. Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen. jfleurnwkg 9 Telephon 971 Hof-Möbel-Fabrik Th. 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Leck; Druck und Verlag der Brühl'schen Universität?» vuch- und Steindruckerei R. Lange, sämtlich zu Giehen.