Honntagsgrus; Gemeinöeblatt sürüie evangelische Kirchengemeinoe Gieszew Nr. 19. Bietzen, Sonntag Jubilate, den 14. Mai 1916. 5. Jahrgang. Leben. Evangelium des Johannes 17, 3. Das aber ist das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Iesum Christ, erkennen. Neues Leben regt sich in diesen Tagen im deutschen Lande, wunderbar herrlich ist der Frühling aufgeblüht. wohin wir unsere Nugen richten, Wachstum und Gedeihen. Tine Fülle von Blüten leuchtet uns in Garten und Feld entgegen. wenn di- Kinder vom Walde heimkehren, so tragen sie Maiglöckchen in den Händen. Die Bäum« sind dicht belaubt, und wenn uns nicht alles täuscht, so werden wir in diesem Jahre eine reich« Trnte haben. Unter dem Lindrucke der Naturlebens regt sich auch im M-nschenherzen Lebenssehnsucht und Lebensgefühl. Vie Zeit ist da, da man wandern möchte über Berg und Tal, da man hinaufsteigen möchte auf alte Burgen, da man alte, deutsche Städte sehen möchte, wo der Geist einer großen Vergangenheit lebendig ist. vie. Zeit ist da, da man durch trauliche deutsche Dörfer wandern möchte, um das fromme, fleißige Leben dort zu beobachten. Nll das Ldle in Kunst, Geschichte, Menschen- und Naturleben spricht in schönen Frühlingstagen vernehmlicher zu unseren Kerzen als sonst. Dennoch kann wahre Lebensfreu.de jetzt nicht in uns hochkommen. Es ist uns zumute, als hätten wir kein Necht mehr zu dieser Freude, da so viele Lebenswürdige, Lebensmutige in den beiden letzten Jahren aus unserer mitte, aus dem Lande der Lebendigen hinweggerissen worden sind. Sie hätten alle noch so gern gelebt, die auf den Schlachtfeldern gefallen sind. Hls Schiller jung gestorben war, hat Goethe zehn Jahre später in der Nückerinnerung an den Eindruck, den das schmerzliche hinscheiden seines Freundes auf ihn gemacht hatte, gesagt: ,,Den Lebenswürd'gen soll der Tod erbeuten, ach! wie verwirrt solch ein Verlust die Welt! sehnliche Empfindungen bewegen uns zu dieser Zeit. Viele unfrei Gefallenen kannten das Leben noch gar nicht, sie sind als halbe Binder da draußen gestorben, alle hatten noch so viele Pläne für die Zukunft, waren noch so sehr notwendig auf Erden, den Ihrigen eigentlich unentbehrlich, wieviel edle Manneskraft hat uns dieser furchtbare Krieg geraubt! Nun ruhen die Tausende deutscher Männer und Jünglinge in fremder Erde, in Galizien und Nordfrankreich, in Flandern und Polen und auf dem Grunde des Weltmeeres. Sie sehen nicht mehr den deutschen Frühling, sie pflücken keine Blumen mehr im deutschen Walde, sie grühen die Heimat nicht m:hr mit jauchzendem Gesang, sie halten nicht mehr Zwiesprache mit Vater und Mutter, mit Ehegattin und Kindern, das Leben ist für sie verklungen mit Lust und Leid, mit Arbeit und Familienfreude. Wahrlich, wenn wir von keinem anderen Leben wüßten, als von diesem zeitlichen Leben, wir müßten jetzt verzweifeln und verzagen, wir hätten nicht mehr den Mut, weiter zu leben, zu wirken und zu schaffen. Nber gottlob, dieses zeitliche Leben ist nicht das Einzige und Veste. Das allein wahre, das ewige Leben, ist, wie der Heiland gesagt hat, daß wir den Vater im Himmel, daß er allein wahrer Gott ist, und den er gesandt hat, Jesum Thristum, erkennen. Zn Gott allein gewinnen wir jetzt Festigkeit, nur wer mit Jesus im Bunde steht, sich von ihm erlöst weiß und deshalb an ihn glaubt, in ihm seinen Vetter und Heiland sieht, der kann in dieser wildbewegten, leidvollen Zeit ausharren. Nur im Glauben gewinnen wir Mut und Kraft, jetzt unsere Schuldigkeit zu tun. Es ist nicht mehr alz natürlich, als daß die hochfliegende Begeisterung der ersten Kriegswochen vorüber ist. Sn den Gesetzen, die das menschliche Seelenleben bedingen, liegt es begründet, daß solche Erregungszeiten, wie man sie im guten Sinne nennen kann, alsbald wieder vorübergehen. Nber an die Stelle der Begeisterung sind nun das Pflichtgefühl und die Nusdauer getreten. Pflichtgefühl und Nusdauer aber wachsen nur aus dem Glauben hervor. Lasset uns feststehen im Glauben, dann werden wir auch über diese schweren Tage hinwegkommen und die Kraft haben, zu tun, was Gott von uns fordert. _ h- B. Gietzen vor hundert Jahren. (Fortsetzung.) Wie wenig Verständnis man damals noch für diese heilige Sache hatte, geht aus einer Nuslassung hervor, die ich im Jahrgang 1817 der „Mainzer Zeitung" gefunden habe. Dort urteilte ein Einsender, die Bibelgesellschaften hätten keinen Wert, das reine Thristentum sei die höchste Humanität. Diese Wirkung hätten die heiligen Bücher nicht, sie trennten - 74 — die Menschen voneinander. Zwar seien die Bibelgesellschaften keine greuliche Erfindung, keine Pestilenz und Gottlosigkeit, wie die päpstliche Bulle vom 26. Juni 1816 behaupte, aber mit dem besten Willen vermochten sie nicht mehr zur Bettung alz zum verderben zu tun. Erfreulicherweise fand sich alsbald ein anderer Einsender, der diesem oberflächlichen, unverständigen Urteile kräftig widersprach. 4. Wie man in alter Zeit reiste. Gießen ist heutzutage eine Stadt, in der wichtige Eisenbahnlinien zusammenlaufen. 3n der kürzesten Frist kann man mit den Schnellzügen von hier aus nach jeder Bichtung reisen. Zn der Zeit, in der es noch keine Eisenbahnen gab, war das Ueisen weit beschwerlicher. Man war für größere Strecken auf die Post angewiesen oder mußte sich selbst eine Fahrgelegenheit verschaffen. Kls der Professor Vahrdt 1771 von Erfurt nach Gießen kam, ließ er sich einen Beisewagen bauen, mit dem er vier Tage unterwegs war und der unterwegs einmal einen Kbhang hinunterstürzte, so daß die kleinen Binder des Gelehrten vor Schrecken weinten. 2m Jahre 1816 suchte man, wenn man sich einen Beisewagen verschafft hatte, die nötige Zahl der Insassen zusammenzubekommen. S'o sagt ein Inserat vom Jahre 1816: ,,In einem gut bedeckten Wagen, welcher Montag früh nach Darmstadt fährt, können noch einige Personen Platz haben. Erkundigungen hierüber sind bei Ausgebern einzuziehen." Statt ,,bei Ausgebern" sagt man heute ,,bei der Expedition des Blattes". Eine andere Knzeige dieser Krt lautet: „Zwei Männer, welche die Frankfurter Messe besuchen und den zweiten Osterfeiertag von hier in einer Thaise dahin abreisen, suchen noch einige Beise- gesellschafter. Man kann das Nähere bei Kusgebern erfahren." In der Zeit, ehe Eisenbahnen gebaut wurden, wurde der Personen- und Güterverkehr hauptsächlich „per Kchse", wie der landläufige Kusdruck lautete, befördert. Die Fuhrleute hatten viel zu tun. Wenn sie Waren transportierten oder ^u den Märkten fuhren, so erledigen sie auch Nusträge, die man ihnen nebenher übergab. Sie überbrachten Briefe und kauften für ihre Kuftraggeber ein. In den Zeitungen gaben sie bekannt, wo sie zu treffen waren und wann sie ihre Fahrten machten. Botenfrauen vermittelten den Verkehr von Dorf zu Dorf. Kn diese alte Zeit wurde ich erinnert, als ich im Sommer 1915 zu Oberwiesen in der Bheinpfalz Bayern eine Frau aus Kriegsfeld traf, die in Botengängen regelmäßig nach den benachbarten Dörfern geht, da in dieser eisenbahnlosen Gegend der Verkehr durch die Post sich nicht schnell genug vollzieht. Km 14. September 1812 war das Postwesen in Hessen neugeordnet worden. Diese Verordnung gewährt uns einen Einblick in die Krt, wie man damals reiste. Line große Bolle spielten die Posthalter, die brauchbare Pferde und wohl- „konditionierte" Thaisen zu unterhalten hatten. In der erwähnten Verordnung wurde ihnen ausdrücklich zur Pflicht gemacht, „sich gegen die Beisenden eines höflichen und gefälligen Betragens zu befleißigen und auch ihre Leute hierzu streng anzuhalten". Es scheint sonach nicht überall liebenswürdige Posthalter gegeben zu haben. In jedem Poststall sollte nachts eine Laterne brennen und ein Postillion sollte Wache halten, damit die Beisenden nicht zu warten brauchten. Kuf Hauptstraßen sollten Extraposten längstens in einer Viertelstunde, Kuriere und Stafetten innerhalb 10 Minuten befördert werden. Die postknechte sollten nicht dem Trunk ergeben sein, ein betrunkener Postillion müsse sofort durch einen nüchternen ersetzt werden, nur mit Bewilligung des Beisenden durfte er, wenn er im vorderen Teile des Wagens saß, Tabak rauchen. Man unterschied ganz gedeckte, geschlossene Beisewagen und nicht gedeckte, offene Postchaisen. Kuf den Stationen wurde der Wagen öfters geschmiert, die Taxe bestimmte 12 kr. für das Schmiergeld, hiervon mag sich wohl das Sprichwort ableiten: „Wer gut schmeert, der gut fährt." Kuch das Trinkgeld des Postillions wurde genau abgegrenzt. Wie langsam im vergleich zur Gegenwart sich damals der Verkehr abwickelte, erhellt aus der Tatsache, daß im Jahre 1819 ein Brief von Halle a. S. nach Mainz normalerweise vier Tage unterwegs war. Dem Warentransport und dem Personenverkehre dienten auch die Marktschiffe. So ging täglich ein Marktschiff von Mainz nach Frankfurt und zurück, ein zweites von Frankfurt nach Mainz und zurück. Den Verkehr auf dem Bheine vermittelte auch eine „Wasserdiligence", also ein schnellfahrendes Schiff. Die Dampfschiffahrt war damals noch in ihren Knfängen. Die Mainzer Zeitung meldete, daß man am 12. Juni 1816 das nie dagewesene Schauspiel gesehen habe, daß ein ziemlich großes Schiff ohne Mast, Segel und Buder sehr schnell den Bhein heraufgefahren sei. Dieses Schiff sei ein von London nach Frankfurt gehendes englisches Dampfschiff gewesen, vielen erschien der Dampfbetrieb damals als eine sehr bedenkliche Sache. Lin Ueberängst- licher meinte, „man solle das eigentliche Dampfbetriebe in einem besonderen kleinen Fahrzeuge, gehörig entfernt vor das eigentlich Schiff, spannen, wie ein übermächtiges Boß". Im Jahre 1825 ist das erste Dampfschiff auf seiner Probefahrt von Köln nach Mainz gekommen. Das Beisen vollzog sich damals in voller Geffentlichkeit, insofern alz die Zeitungen unter der Ueberschrift „Lin- und Kuspassierte" die Namen ber in der Stadt abgestiegenen Fremden mitteilten. Das mag in Gießen die Neugier mächtig angeregt haben. Gasthäuser in Gießen, in denen damals Fremde abstiegen, waren: „zum Einhorn", „zum Bappen", „zum Schwanen", „zur Post", „zum Löwen", „zum grünen Baum" und „in der Sonne", von diesen existieren heute nicht mehr die Gasthäuser „in der Sonne" (stand in der Sonnenstraße und gab dieser den Namen) und „zum grünen Baum". Km 25. Kugust 1816 beherbergte Gießen einen hohen Gast, nämlich den Kronprinzen von Schweden, in seinen Mauern, er wohnte in der Post. Kber auch die Fremden, die bei Privatleuten und bei Freunden und Verwandten abstiegen, wurden in der Zeitung unter der Bubrik „Kngekommene Fremde außer den Wirtshäusern" aufgeführt. So wissen wir heute noch, daß am 28. Kugust 1817 die Jungfern Friederike und Kmalie Nebel aus Darmstadt bei der verwitweten Frau Professor Nebel abgestiegen waren, daß die Jungfer Neurath aus Königsberg bei der Frau> Steuerexäquator (übrigens ein schöner Titel!) Binßer und der Kaufmann Busch aus Marburg bei Martin Bücking logierten. Eine glückliche Zeit, in der man sich in der Kleinstadt noch für dergleichen Dinge interessierte! (Fortsetzung folgt.) Sine Amerikanerin gegen den Nrieg. Kn den Kriegshetzer Präsident Wilson richtet in den Evening Times aus Bochester S. Knnie Daehn folgenden Krtikel, dessen Original einem Gießener Bürger dieser Tage als Zeitungsausschnitt aus Kmerika zugesandt wurde und der in wortgetreuer Uebersetzung folgendermaßen lautet: 75 — „Ich will an alle Militärdienstpflichtigen und solche, die es nicht sind, appellieren, und an die Frauen, welche Gatten, Brüder und andere verwandten haben, die im Kriegsfall in den Dienst geschleppt würden,- ich möchte auch an die Republikaner appellieren, die ihre Parteipflichten ernst nehmen, einen schriftlichen Protest an unsere Kongreßabgeordneten in Washington zu richten, gegen die leichtsinnige Verwickelung unseres Landes in den Krieg. Wer einen Augenblick Nachdenken will, muß zugeben, daß die deutsche und irische Kasse in diesem Lande vorherrschen. In Summa, kaum alle unsere Leute werden sich dem aussetzen, Kriegsdienste zu leisten und ihr Leben zu opfern, damit ein paar Kmeri- kaner auf bewaffneten kriegführenden Schiffen reisen können. Beinahe jedermann ist aufgeschreckt durch die Kussicht, zum Krieg gezwungen zu werden. Besonders die Frauen werden von dem Gedanken gepeinigt, daß ihre Vater, Söhne, Gatten und Brüder zusammengetrieben werden, um ihr Leben zu verlieren. Eine Kede gegen den Krieg und eine Kesolution irgendwelcher Krt, die uns die Möglichkeit, in den Krieg verwickelt zu werden, ausschließt, das ist es, was die Kmerikcmer durch die ganzen vereinigten Staaten wünschen. Es empfiehlt sich, mit einer solchen Kesolution rasch vorzugehen, um dem zuvorzukommen, daß von seiten des Präsidenten die Dinge überstürzt werden. Eine Kriegsbill sollte durchaus abgelehnt werden. Ein Präsident sollte dem Kongreß untergeben sein. Einem Manne sollte nicht die absolute Gewalt in irgend einer Frage, oder bezüglich unvernünftiger Forderungen an ein anderes Land gegeben sein. Präsident Wilsons Forderung, daß Deutschland keine bewaffneten Handelsschiffe torpedieren soll, ist so lächerlich und eine so offenkundige Bemühung, England zu Helsen, daß selbst der englandffeundlichste Demokrat über diese Handgreiffiche Unaufrichtigkeit entsetzt ist. Zu sagen, daß es ungesetzlich für ein Unterseeboot sei, ein besonders zu seiner Vernichtung bewaffnetes Schiff zu torpedieren, ist die widerlichste Heuchelei. Es ist ein hohn auf die einfache Intelligenz, von Deutschland zu verlangen, aus solchen haarsträubenden Unsinn zu hören und solche Krgumente Leuten von der Intelligenz unserer Kbgeordneten zuzumuten. Glaubt Präsident Wilson mit einer Herde Schulkinder zu sprechen. Ein Geschütz ist Kriegsgerät, Verteidigung oder Kn- griff, das hängt von der Bedienungsmannschaft ab. England har in dem Baralong-Fall gezeigt, daß solche Bewaffnung zum Kngriff vorgesehen ist und gebraucht wird. Kann man sich einen Engländer und Franzosen vorstellen, der auch nur einen Kugenblick zögern würde, von einem Unterseeboot Gebrauch zu machen. Klso es ist Tatsache, daß die Kmerikaner keinen Krieg wünschen und noch weniger die ungeheuren Kriegs- fteuern. Das Elend von Europa sollte uns allen eine Lehre sein. Wir erwarten, daß unsere Kbgeordneten uns von diesem Elend fernhalten, bevor das Unglück geschehen ist." Kdalbert Bindewald. Glieder. Die Welt steht im Zeichen des Flieders. In verborgenen Gärten, abseits der Straße, stehen sie, die alten, knorrigen Fliederbäume und strecken ihre duftenden Zweige mit den zart gefärbten Dolden über schlummernde Parkwege. Ueber gußeiserne Gitter, an asphaltierten Straßen drängen sich die schwer hängenden Zweige, dem vorübergehenden, dem hastenden einen stillen, duftenden Gruß zunickend: sieh, es ist Frühling, die Welt grünt und blüht ringsum! Geffne die Kugen, laß sie gleiten über meine zart gefärbten Blüten, laß sie ruhen im saftigen Grün der Blätter und wiesen. Und, nimm dir einen hauch meines Duftes mit in dein stilles Krbeitszimmer, daß du über die Krbeit gebeugt nicht vergißt: draußen ist Frühling. Schon lange, lange haben ihn die Schneeglöckchen eingeläutet, hat dir die weiß und rosa Baumblüte erzählt, daß er da ist, nun bin ich an der Keihe, zu blühen und duften und mit allem Blühenden zu wetteifern. Kuch die Blume des Klais läutet dir mit den zarten Glöckchen ihre Botschaft zu. Und kommst du in ein Krankenzimmer - es gibt eben deren viele auf der Welt —, so schlägt dir auch hier mein süßer Duft entgegen. Leise wehen die Vorhänge im wind, bleiche, abgezehrte Gesichterschauen aus den Kissen, sehnsüchtige Kugen sehen dich an, der du gesund bist und aus der blühenden Welt kommst. Kber nicht spurlos ist der Frühling vorübergegangen, einen Gruß hat er allen geschickt, die leidend liegen ohne Klagen. Die Kugen weilen auf dichten Fliedersträußen, neben dem Bette, sie betäuben mit ihrem Duft die Sinne der Leidenden,-daß sie matt werden und vor sich hinträumen. Und sie vergessen in diesem Blumenduft und dem warmen wind, der durch das offene Fenster weht und alle ihre wunden Gedanken und Sinne einschläfert, die entsetzlichen Stunden und Tage im Kampfgewühl, das immer sich gleich bleibende Brüllen der Geschütze. Ja, es ist Frühling! Es gibt Fleckchen, wo die Sonne scheint, die Vögel jubilieren, Blumen und Bäume blühen und duften, Kinder lallen, und Menschen ruhig ihrem Tagewerk nachgehen. Es ist nicht überall ein Dröhnen und Donnern von Geschützen, ein Stampfen von Pferden, ein wimmern von Menschen und ein Kasseln der nimmermüden Eisenbahnräder, es gibt auch Kühe, Stille, ein fried- volles Plätzchen zum Genesen. Man kann sogar vergessen! Und die violett gefärbten Blütendolden nicken vom hohen Glase herunter, nicken und freuen sich des Segens, den sie in ein stilles Krankenzimmer tragen durften. L. Z. Sin neuer Lied, das bereits guten Knklang gefunden hat und nach Inhalt und weise zu dem Besten gerechnet werden darf, das die Volksdichtung dieses Krieges hervorgebracht hat, ist wohl wert, auch unserem Leserkreise mitgeteilt zu werden. Es lautet: I m Krgonnerwald. Krgonnerwald. Um Mitternacht ein Pionier stand auf der wacht. Ein Sternlein hoch am Himmel stand, bringt Grüße aus dem fernen Heimatland. Und mit dem Spaten in der Hand er vorne in den Sappen stand. Mit Sehnsucht denkt er an sein Lieb, ob er sie wohl noch einmal wiedersieht. Und donnernd dröhnt die Krtillerie, wir stehen vor der Infanterie. Granaten schlagen bei uns ein, der Franzmann will in unsre Stellung rein. Und droht der Feind auch noch so sehr, wir Deutsche fürchten uns nicht mehr. Und ob er noch so stark mag sein, in unsre Stellung kommt er doch nicht rein. Der Sturm bricht los, die Mine kracht, Der Pionier steht auf der wacht. Bis an den Feind schleicht er heran, und zündet dann die Handgranate an. 76 Oie Infanterie steht auf der Macht, bis daß die Handgranate kracht. Sie geht im Sturm bis an den Feind, Mit Hurra nimmt sie dann die Stellung ein. Der Franzmann ruft: pardon, monsieur, hebt beide Hände in die höh'. Er fleht bei uns um Gnade an, die wir als Deutsche ihm gewähren dann. Bei diesem Sturm viel Blut auch floß, manch junges Leben hat's gekost't. Mir Deutsche aber halten stand für das geliebte deutsche Vaterland. Hrgonnerwald, Hrgonnerwald! ein stiller Friedhof wirst du bald! In deiner Kühlen Erde ruht so manches tapfere Soldatenblut. Das Lied ist wegen der klaren und anschaulichen Schilderung des modernen Stellungskrieges sehr bemerkenswert. - K. G. Kleine Mitteilungen. Huf die Thristenlehre, die kommenden Sonntag für die Markus- und Johannesgemeinde und, Sonntag den 21. Mai für die Matthäus- und Lukasgemeinde ihren Hnfang nimmt, sei hier noch einmal aufmerksam gemacht. Der Deutsche evangelische Kirchenausschuß (eine Vereinigung, in der alle deutschen Kirchenbehörden vertreten sind) hat angeregt, daß wie im vorigen Jahre so auch in diesem Jahre am Sonntag Bogate (21. Mai) in den Kirchen eine Fürbitte für die Ernte abgehalten werde. Großherzogliches Gberkonsistorium hat deshalb angeordnet, daß an dem genannten Sonntag in predigt und Gebet der großen Bedeutung gedacht wird, die es in diesen Kriegszeiten für unser Vaterland hat, daß auch die diesjährige Saat von Gott in Gnaden behütet und uns eine ausgiebige Ernte beschert wird. Mertworte. Erholung und Hrbeit. „Erholung, auch geistiger Hrt, bedeutet für die Seele dasselbe, was das Schleifen für die Sichel des Schnitters ist, der ihre Schneide schärft, damit sie nicht stumpf und unbrauchbar wird. Mer seine ganze Zeit nur der Erholung oder Erbauung xoidmet, schärft .immer, aber er mäht niemals. Sein Gras wächst, aber seine Schafe können dabei verhungern. Mer im Gegenteil immer arbeitet und niemals Buhe und Erquickung sucht, mäht immer, aber wetzt seine Sense nie, sein Hrbeiten schafft nichts, denn seine Merkzeuge sind stumpf. Nur dann geht dein Merk gut vorwärts, wenn die Sichel so vernünftig und richtig geschärft ist, daß sie gut schneidet, und so schneidet, daß man merkt, sie ist zur rechten Zeit geschärft worden. Merde kein stumpfer, müder Hrbeiter, aber verschwende deine Zeit auch nicht mit unnötigen und überzähligen Erholungen." Hus dem ,,Friedensboten"-St. Louis. Es muß doch ein tiefer Grund von Gottesfurcht im gemeinen Mann bei uns sitzen, sonst könnte das alles nicht sein. Bismarck. Kirchliche Anzeigen. In der Stadtkirche. Sonntag, den 14. Mai, Jubilate, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Ehristenlehre für die Beukonfirmierten aus der Markusgemeinde, vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Mittwoch, den 17. Mai, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer H u s f e l d. Zugleich Ehristenlehre für die Beukonfirmierten aus der Iohannesgemeinde. vormittags 9 % Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Hbends 8 Uhr im Johannes- saal: Versammlung und Bibelbesprechung. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen J Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Musikslien >NWkji>stmmente llrnfl llhsllier, Sichen Kudolph's Klschf. Prurrnorg 9 Lelrphon 871 Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich inallen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. C. Röhr k Co. 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