Nr. 18. Giehen, Sonntag Misericordias Domini, den 7. Mai 1916. 5. Jahrgang. Zonnenleuchlen. - Psalm 84, 12. Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Seit dem zweiten Ostertage lacht uns wieder die Sonne. Trübe, regenschwere Tage gingen voraus. Sn der Karwoche war der /Himmel meist grau umzogen; wehender wind, Regenschauer, die mehrere Male am Tage niedergingen, fliegendes Gewölk, das waren die Kennzeichen dieser Woche. Doch nun scheint die Sonne. Sie leuchtet herab auf Felder und Gärten, an allen Enden regt sich Wachstum und Gedeihen, blitzblank sind die jungen Blätter, und die weißen und roten Blüten senden süßen Lenzesduft. Die Sonne leuchtet herab auf Städte und Dörfer, ihr milder Schein wärmt die Rlten, die mühselig am Stock dahinschleichen und sich freuen, daß sie den Frühling noch einmal sehen dürfen. Die Sonne scheint in die Säle der Lazarette und erfüllt die bleich da liegenden verwundeten mit neuer Hoffnung. Sie lockt und treibt die Kinder heraus aus den Stuben in das Freie, baß sie auf der Straße Ringelreihen-Rosenkranz singen, sich an den Händen fassen und fröhlich herumspringen. Sie scheint in die Rrbeitszimmei und Fabrikräume, wo fleißige Menschen tätig sind, sie leuchtet auf den Rsphalt der Großstädte, ihr Schein dringt sogar wenn auch nur für kurze Zeit - in die sonst lichtlosen, rings von hohen Mauern umschlossenen Höfe. Bunte Muster malt der Sonnenschein auf die Steinfließen, wenn er durch gemalte Kirchenfenster dringt. Blendendes Sonnenlicht liegt auf allen unseren wegen, gleitet über die Dächer, läßt Kirchturmkreuze hell erglänzen und Fensterscheiben in roter Glut aufleuchten. Rousseau hat einmal gesagt, man solle einem kleinen Kinde von Gott kein Wort sagen, wenn es aber zehn Fahre alt geworden sei, solle man es früh vor Tagesanbruch mit auf einen hohen Berg nehmen und ihm dann, wenn der Zonnen- ball im Osten aufschwebe, sagen: Das ist Gott! Selbstverständlich ist das ein phantastischer Vorschlag, aber es wiikt in ihm doch eine der ursprünglichsten Vorstellungen des Menschengeschlechtes nach, das, bevor ihm die volle Offenbarung Gottes in Jesus Thristus zu teil geworden ist, in der Sonne Gott gesehen hat. Ruch der psalmist fußt in gewissem Zinne noch auf dieser Vorstellung, wenn er sagt: Gott der Herr ist Sonne. Rber wie unendlich tiefer ist doch sein Gottesbegriff! Ihm ist Gott nicht die allwaltende Naturkraft, sondern der lebendige, persönliche Gott, der sich seiner Menschenkinder annimmt, der in Not und Kriegssturm ihr Schild ist, der Gnade und Ehre gibt und kein Gutes den Frommen mangeln läßt, wie trostreich ist uns diese Zusage gerade in der gegenwärtigen Zeit. Noch immer keine Russicht auf Frieden. Ernst bewegt uns die Frage, ob zu unseren seitherigen Gegnern noch neue hinzukommen werden!, schwere Opfer müssen noch immer gebracht werden, noch fahren die Lazarettzüge durch das Land, und das Leid liegt wie eine schwere Wetterwolke über dem deutschen Volke. Rber Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen, wie jetzt nach regenschweren Tagen die Frühlingssonne uns leuchtet, so wird sich unser Gott unser nach Monaten der Rngst, Sorge und Not wieder annehmen. Der Herr wird uns helfen, wenn seine Stunde gekommen ist. _ H. B. Drei Nriegsgedichte. 1. Psalm 50, 21. 22. 3n London kühn Herr Rsquith spricht, Herr Sasonow viel Worte bricht, Herr Briand Siegeskränze flicht. - Der Herr im Himmel schweigt. wo Menschen reden, bleibt das Tun Ruf ew'gen Händen ganz beruh'n, versiegelt harrt'? in Gottes Truh'n. - Der Herr im Himmel schweigt. 2. was nicht sein sollt, was nicht sein sollt', Ihr habt's gewollt, 3n sonn'ge Welt brach's jäh zu Tal. Mit Donnern schwer Blitzsprühend Heer, Des Lebens Rot, Herzkranke Oual. — Deß ihr vergaßt, Der wend' die Last, Dran eine Welt selbst trägt zu schwer! — 70 (Er still' die Glut, Gr wend' die Flut, Genesung spend', den Frieden hehr! 3. Herrn Wilson in sein Notenbuch. Es drohet von Westen geballt eine Faust weither vom Atlantischen Meere, Mein deutsches Volk, wie hätt's dir gegraust, wenn Flotten ihr folgten und Heere! Doch folgt ihr von drüben gequält nur ein Ton von harmlos geborstener Schelle, Und der ihn verübt', es war nur ein Sohn Oes Volks mit der schachernden Elle. Das Haupt, nein, der Unecht nur des Mammongeschlechts, will höhnen mein Volk in den Waffen? Oie Maske, vermummt in die Flitter des Rechts, will schrecken und Rengste uns schaffen? was soll uns ein Volk, das mit Frieden hausiert, Krieg nährend mit seinen Millionen, Rls Schützer der Freiheit ruhmredig posiert, Versklavt herrschgierigen Thronen? Mein Volk, auf der Walstatt von vielen umbraust, Bedroht von dem Schlag einer Gerte, Enthülle dein Haupt und bewahre die Faust, Dem Worte steh' Red' mit dem Schwerte! Sei David, dem Riefen gestellet zum Kampf, Held Gottes der feigfrommen Rotte, Und schleudre Geschosse in Feuer und Dampf, Fest trauend dem ewigen Gotte! Db einsam du stehst, du bist nicht allein: Gott mit dir! mein Volk in der wehre, Daß an ihr zerschelle die Lüge, der Schein, Gott schuldig dein Sein, deine Ehre! ?. Gietzen vor hundert Zähren. 3. Kirchliches. Sn den Jahren 1809 bis 1821 wurde nur in der Burgkirche Gottesdienst gehalten, da die alte Stadtkirche niedergelegt und der Neubau noch nicht vollendet war. Es fand vormittags und nachmittags, wohl um y 2 10 und um 2 Uhr Gottesdienst statt. Die Geistlichen waren Superintendent Buff, Superintendent Müller, Superintendent Palmer und Professor Dieffenbach, es gab also in der kleinen Stadt reichlich viele Superintendenten, was der Titelsucht der alten Zeit entsprach. Neben ihnen stand seit 1812 der junge Vr. Engel, damals Lehrer am Gießener Pädagogium (Gymnasium), gestorben als Geheimer Kirchenrat am 24. März 1864 dahier. Nebenher wirkten noch hilfsgeistliche, die bis in die 70 er Jahre hinein den Titel ,,Freiprediger" trugen und im Hauptamt Unterricht an der hiesigen Stadtschule erteilten. Es werden aus der Zeit, die uns hier beschäftigt, erwähnt Freiprediger Schäffer, wohl ein Gießener, und Freiprediger Franz. Nachmittags predigten öfters noch Kandidaten, so daß die Gießener Geistlichen mit predigten nicht überlastet waren. Die Kirchenoorsteher trugen den Titel ,,Kirchensenioren", erwähnt wird öfters der Kirchensenior Seip. Die Zahl der Rmtshandlungen wird für das Jahr 1816, wie folgt, angegeben, in der Stadtkirchengemeinde: 38 getraute paare, 136 getaufte Kinder, 130 verstorbene, in der Burgkirchengemeinde: 16 getraute paare, 27 getaufte Kinder, 41 Beerdigte. verhältnismäßig groß ist die Zahl der verstorbenen, sie übertrifft die Zahl der Geborenen um 8, was auf mangelnde hygienische Fürsorge zurückzuführen ist. 3m Zähre 1817 wurden in der Stadtkirchengemeinde getraut: 26 paare, getauft 179 Kinder, beerdigt 115 Personen, in der Burgkirchengemeinde getraut 6 paare, getauft 50 Kinder, beerdigt 45 Personen. Die Zahl der Rmtshandlungen in der katholischen Gemeinde war klein, 1816 wurden hier getraut 1 paar, getauft 5 Kinder, beerdigt 4 Personen. Damals war es üblich, daß die Kirchendiener oder „Opfermänner", wie sie hießen, am Reujahrstage von Haus zu Haus gingen und ein Gedicht, das sich auf den Jahreswechsel bezog, anboten, dem kurze Notizen über die Rmtshandlungen des abgelaufenen Jahres beigegeben waren. Die Rbsicht dabei war natürlich, ein Neujahrsgeschenk zu erhalten. So machte es der Gpfermann von der Burgkirche Ehristian Valentin und zu Darmstadt „des seligen Thristian Schulz, Garnisons-Kirchendieners trauernde Tochter". Einen wichtigen Fortschritt für das religiöse Leben bedeutete es, als man unmittelbar nach den Befreiungskriegen in Deutschland Bibelgesellschaften gründete. Das Reformationsjubeljahr 1817 förderte diese Sache auch im Hessenlande. Superintendent Müller übernahm es, die Bibelgesellschaft für Gießen und Umgebung ins Leben zu rufen. Rm 4. Februar 1817 erließ er einen diesbezüglichen Rufruf. Er bat, daß sich Einwohner von Gießen und Umgegend als Wohltäter oder als Mitglieder der Bibelgesellschaft einzeichnen, möchten, der Beitrag betrug jährlich 1 Taler. Ruch bat Müller darum, daß ihm arme Hausväter oder Hausmütter oder Kinder genannt würden, denen es an einer Bibel fehle, damit er ihnen entweder ganz unentgeltlich oder für einen geringen Preis eine solche verschaffen könne, wer von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollte, mußte eine Bescheinigung von einem Mitgliede oder einem Wohltäter des Vereins über seine Mittellosigkeit beibringen und ein Zeugnis darüber vorlegen, daß er des Lesens kundig sei. (Fortsetzung folgt.) Die „Geisterseher., wieder am Werk. Es gab Zeiten in Deutschland, trübe, dunkle Zeiten, in denen man der Kirche und ihrer Lehre müde war, da glaubten die Leute an böse Geister, hexen, Gespenster und andere schreckliche Dinge und fürchteten sich davor und knieten vor ihnen, wie kleine Kinder, wir lächeln heute über so etwas. -Und doch, es gibt eine Zeit ganz jungen Datums, da kam eine Weisheit auf, eine sehr „moderne" Weisheit, die in vielen Stücken nichts ist als eine „Geisterlehre" wie jene Erscheinungen des finsteren Mittelalters. Etwa um die Mitte des letzten Jahrhunderts kamen die Rpostet dieser neuen Lehre zu uns, aus einem sehr „aufgeklärten" Lande der Erde, zu Schiffe über ein großes Wasser, und machten bei uns bald vorzügliche Geschäfte. „Spiritisten" nannten sie sich. Sie brachten verschiedenstes mit, vor allem aber reisten sie in „religiösen Offenbarungen" und fanden bald ihre Gemeinde. Man hörte Wunderdinge aus ihren Sitzungen, wenn sie in den Versammlungen — d. h. für Geld natürlich — ihre berühmten „Medien" losließen, dann vermochten diese die Geister längst Begrabener zu beschwören, die tiefe, prophetische Lehren hersagten- auf ihr Gebot wurden die Tische im Saal verrückt, ohne daß jemand eine Hand rührte, und Wunders mehr — begreiflich, daß der Zulauf gewisser Kreise zu dieser Sekte bald bedenklich anwuchs, denn der 71 ganze Zauber mußte ja den Leuten unheimlich imponieren. Ls gab dann einige höchst peinliche Entlarvungen von berühmten „Medien", ältere Leute entsinnen sich dessen vielleicht noch,' in Men z. B. fiel 1884 ein gewisser Bastian vor dem Erzherzog Johann, in München ein gewisser Eglinton, Florence Lorner in London, anderorts noch mancher andere, mit seinem Zauber böse hinein, der Helle Betrug kam ans Licht, von „Geist" keine Spur! Doch hinderte das alles nicht, daß die spiritistischen „religiösen" Offenbarungen usw. eine Zeitlang reißenden Rbsatz fanden. Um 1890 gab es in Berlin Hunderte von Medien. Die Blütezeit des Spiritismus in Deutschland ist nunmehr jedoch längst überstanden, es gibt noch okkultistische Konventikel hier und da, doch hörte man von der ganzen Bewegung immer weniger, in letzter Zeit so gut wie gar nichts mehr. Gott sei Dank. Jetzt plötzlich flattern nun an vielen Orten wieder Bücherzettel umher, die mit der alten Aufdringlichkeit die Reklamepauke rühren für neue S p i r i t i ste n l it e r a t u r. „Die Toten leben!" „Eigene Erlebnisse von G. Spannender als der spannendste Roman . . . Der Tod ist unerbittlich . . . und rafft uns und unsere Lieben . . . erbarmungslos dahin. Dieser brutalen Tatsache stellt der Verfasser den sicheren Beweis gegenüber, daß wir sofort . . . persönlich weiter-, leben mit einem wunderbar organisierten Körper von ätherischer Feinheit. Ja, er beweist'noch mehr, nämlich, daß die Rbgeschiedenen ... sich sichtbar machen können, daß sie in unsere Welt einzugreifen vermögen, und daß sie sogar, wenn auch nur für kurze Zeit, sich zu verkörpern imstande sind, anfaßbar und klar kenntlich, als wären sie noch Menschen von Fleisch und Blut. Rlles das und noch mehr beweist der Verfasser, nicht durch leere Behauptungen, nicht durch kirchliche Tröstungen, sondern" . . . usw. Diese Stilproben mögen hinreichen, die Neuerscheinung zu kennzeichnen: S e n s a t i o n — wie die erdrückende Mehrheit aller spiritistischen Druckschriften! Denn es ist eine abgedroschene Redensart, wenn der besagte Zettel „neue Beweise" verkündigt,' beweisen ließe sich der Okkultismus überhaupt nur durch wissenschaftliche Erkenntnisse, und diese Seite des Spiritismus, die eine Einführung in ver-! zwickteste Probleme der Strahlenforschung voraussetzt, ist den philosophisch ungeschulten Köpfen einer breiteren Oeffentlich- keit selbstredend von vornherein verschlossen. Das weiß man sehr wohl und wirbt deshalb mit sensationellen Kunststücken statt „Beweisen". Taschenspielerei! Rus jenem Jenseits, aus welchem das Buch eigene Erlebnisse verraten will, ist noch niemand wiedergekehrt, und von dem, was nach diesem Leben ist, wissen wir nichts. D3ir können diesen Dingen nur mit dem Glauben beikommen- einen solchen festen, unerschütterlichen Glauben darüber haben wir Ehristen. Und dieser Glaube, die „kirchlichen Tröstungen", die der Prospekt mit Rchselzucken behandelt, bietet denn doch Tröstlicheres als die Zauberkunststücke der Spirits. Tr sagt uns, daß unsere Dahingeschiedenen nicht „tot" sind, daß sie in Gottes Hut schlafen, ruhen, daß sie „leben", nicht aber von irgend einem Medium bei „fliegenden" Tischen zitiert und auferweckt werden können. Ja, der Glaube lehrt auch uns sogar, daß wir die Toten Wiedersehen werden; d. h., nach dieser Zeit, wenn auch wir einmal eingehen werden in die Ewigkeit, nicht irgend eines Rbends in irgend einem verdunkelten Tanzsaal. Genug solcher Betrachtungen. Der Spiritismus als „religiöse" Philosophie, als Ehristentum-Ersatz hat heute wohl kaum noch Glück mit seiner Propaganda. Zn dieser Zeit ganz und gar nicht, was den Geistersehern seinerzeit den starken Zulauf sicherte, ist ja auch nicht allein das Sensationelle seiner Erscheinung gewesen,' es war noch etwas anderes. was, darauf legte Rdolf Ztoecker damals in einer seiner Reichstagsreden sehr richtig den Finger, wenn er sagte: „Die ganze Sache hängt zusammen mit der Neigung unserer Zeit nach dem Rbenteuerlichen und Unnatürlichen. Das Thristentum ist vielen verleidet, verekelt,' nun greisen sie nach dem wunderbaren, das ihnen entgegentritt . . ." Man darf wohl ohne Ueberhebung sagen, daß solche Worte für unsere Zeit nicht mehr zütreffen, und darf sich wohl der Erwartung hingeben, daß sich mit den jüngsten Zähren der Glaubensarmut und Geistesöde auch der kindische Schwarm für so abergläubische Erscheinungen wie Spiritismus und ähnliches verlaufen hat, und daß die neuerlichen Rnstrengun- gen der „Geisterseher" und ihres literarischen Rnhongs keine großen Ueberraschungen für das Thristentum zeitigen werden. Kleine Mitteilungen. Rm Karfreitag entschlief der in weiten Kreisen des Hessenlandes bekannte Direktor der Iudenmission, Pastor T. Wag- ner-Köln. Nach bestandenem Definitorialexamen stand er zunächst im Dienste der deutsch-evangelischen Gemeinde zu Budapest,' zugleich war er dort Iudenmissionar. Späterhin weilte er längere Zeit als deutsch-evangelischer Pfarrer in London. Mit unserer Heimat trat er erstmalig in nähere Beziehung als vereinsgeistlicher für Innere Mission in Hessen. Darmstadt war für einige Jahre sein Wohnsitz. Nach nochmalig vorübergehender Rmtsleistung in einem Gemeindepfarramt auf dem Lande widmete er die letzten Jahre seines Lebens dem Westdeutschen Verein für Israel. Mit Missionspredigten und Vorträgen diente er auch in Hessen vielfach den Gemeinden, zugleich mit Israel Goldstern und Pastor Klose-Frankfurt a. M. In ersterem schenkte Gott ihm eine erste Frucht seiner Missionstätigkeit am jüdischen Volk. Noch während der ersten Zeit seines Rufenthaltes konnte Wagner den ehemaligen Rabbinatskandidaten Goldstern aus Lemberg durch das Sakrament der heiligen Taufe in die christliche Kirche aufneh- men. Damit hatte der junge Theologe einen begeisterten Schüler für die Sache des Evangeliums gewonnen. Durch Leiden und viel Trübsale hielt Goldstern unentwegt an seinem Heiland fest, von seiner Jesusjüngerschaft legen beredtes Zeugnis ab die von ihm selbst erwählten Worte auf seinem Leichenstein zu Homburg v. d. höhe: „Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth." Wagner sollte dem Schüler die Leichenrede halten. Die Bedeutung Wagners ist nach zweierlei Richtung zu erkennen. Zunächst galt seine Rrbeit, wie die eines jeden Judenmissionares, Einzelnen aus den Juden. Durch Hausbesuche, öffentliche Vorträge für Juden wie Ehristen mit Themen wie: „Neues Testament und Talmud", oder: „Das Rite Testament, seine Hoheit und seine Schranke" u. dgl., Katechumenenunterricht und Briefverkehr suchte er an die jüdische Seele heranzukommen. Um die zersplitterten Missions- Kräfte zu einen, trat Wagner für Zusammenschluß der deutschen Judenmissionsgesellschaften ein. Im Kriege entstanden, soll diese Einigung zugleich eine feste Grenze gegen englische Missionsmethoden in Deutschland bilden. Eine gewisse Einleitung dazu bot das Delitzsch-Jubiläum zu Leipzig 1913, worüber Schreiber dieser Zeilen im „Sonntagsgruß", Jahrgang 1913, berichtete. Erwähnt sei hier im Zusammenhänge noch, daß Wagner von der Universität Erlangen her Schüler - 72 — des großen Theologen Franz Delitzsch war. Delitzsch, einer der besten und feinsinnigsten Kenner des Alten Testamentes wie der jüdischen Literatur und Sprache, empfand in seiner Sorge um die jüdischen Seelen etwas von dem, was Paulus Römer 9. als tiefste Sehnsucht seines Herzens bezeichnet. Mit Delitzschs hebräischer Übersetzung des Neuen Testaments ward Wagner instand gesetzt, den Unterricht mit seinem der deutschen Sprache nicht ganz mächtigen Crstlingsschüler Goldsternen beginnen. Den Unfang bildete der Römerbrief. Sn anderer Hinsicht war für Wagners Hrbeit Aufklärung des christlichen Volkes geboten. Shr dienten namentlich die nicht gerade wenigen Schriften des verewigten. Auf diese Weise suchte er die - Bedeutung der Missionierung und Thristiani- sierung der Juden bei voreingenommenen Thristen über alle Zweifel zu erheben. Sie allein schienen ihm die Lösung der Iudenfrage zu bilden. Sn gleichem Sinne wirken die ihm nahe befreundet gewesenen Professoren König-Bonn und Kittel-Leipzig. Snteresse für die Iudenmission sollten in der evangelischen Kirche gerade jetzt vorhanden sein. Denken wir nur einmal daran, welche Schwierigkeiten für Staat und Kirche aus einer möglichen Ungliederung Polens an das Deutsche Reich im Hinblick auf die zahlreiche polnische Iudenschaft erwachsen dürften. Uus der Reihe der Antisemiten ist bereits ein Lösungsversuch ausgearbeitet worden. Tr lautet sehr einfach: Schluß der Gstgrenze. Das hieße, die Frage lösen, wie wenn man einen Knoten zerhaut, anstatt ihn zu entwirren. Leider verliert die Kölner Gesellschaft mit Pastor Wagner ihren letzten theologischen Arbeiter. Pastor Klose-Frankfurt und Pastor Franz-Köln traten ins Pfarramt zurück, hoffentlich gelingt es, für den verstorbenen Direktor baldigst einen geeigneten Nachfolger zu finden. K. R. Sn der Sohanneskirche wurden am 2. Ostertage 170 Kinder aus der Lukasgemeinde, am Sonntag nach Ostern 86 Kinder aus der Johannesgemeinde konfirmiert. Demnächst nimmt wieder die Christenlehre für die Neukonfirmierten ihren Anfang, sie wird wie immer, im Anschluß an den Frühgottesdienst um 8 Uhr gehalten werden und zwar erstmalig für die Markus- und Johannesgemeinde am 14. Mai, für die Matthäus- und Lukasgemeinde am 21. Mai. Eltern, Lehrmeister und Arbeitgeber werden gebeten, die Kinder zum Besuch der Christenlehre anzuhalten. * * * Kinderkirche für die Lukasgemeinde ist nicht, wie irrtümlich mitgeteilt wurde, am 21., sondern am 14. Mai. * * * Um Srrtümer zu vermeiden, sei darauf hingewiesen, daß der Beginn unserer Gottesdienste sich nach der neuen Zeiteinteilung richtet, also gegen früher um eine Stunde früher liegt. Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 7. Mai, Misericordias Domini. Sn der Stadtkirche, vormittags 9Vs Uhr: pfarrassistent h o f f m a n n. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde, pfarrassistent Hoffman n. Sn der Johanneskirche, vormittags 9 % Uhr: Professor D. S ch i a n. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Mittwoch, den 10. Mai. Sn der Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer A u § f e l d. Vibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6 bis 7 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Samstag von 6 bis 7 Uhr im Johannessaal. vibelkränzchen für Mädchen aus der Johannesgemeinde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen j Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf • Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre taix-NäHie. Auch andere Systeme stets aufLager. Preislage Mk. 60.— bis Mk. 180.— Nur bestbewährte Qualitäten 8r. Linier, Ludwigstr. 16 Neparaturwerkstattf.Nähmafchinen Edgar Borrmann, Giessen Neustadtll Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph.165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte,SolingerStahl waren,landwirtschafl.Maschinenu.Geräte, Vogel käfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte etc.etc.Waffen u.Munition. Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen. Hos-Möbel-Fabrik Th. 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