Honntagsgnch Gemeinöeblatt fürüie evangelische Kirchengemeinoe Gieszew Nr. 16. Gießen, Sonntag Ostern, den 23. April 1916. 5. Jahrgang. Ostern. Von Generalsuperintendent I). K l i n g e m a n n - Toblenz. 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther 15, 55. Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Das Fest des Lebens und der Siegesfreude dürfen wir feiern, wie hart und schwer auch der Streit uns noch umwogt. Unsere Altvordern nahmen den Jubelklang des Ojter- liedes, in dem so wunderbar Ernst und Freude sich vermählen, das „Christ ist erstanden" mit in den Streit. Sie taten recht daran, denn es atmet die Kraft und die Freude des Sieges, es kündet den größten Sieg, den Triumph des Lebens über den Allherrscher Tod, den Sieg, an dem wir Anteil begehren, weil wir alle in jenen schweren Streit verstrickt sind, bei dem die Menschenkraft versagt, unser hilfloses Wesen, das an die Sünde gebunden uns zu Knechten der Todesfurcht macht unser Leben lang. von jenem gewaltigen Kampf und Sieg singt Luther im Gsterlied: Es war ein wunderlicher Krieg, Da Tod und Leben rungen; Das Leben, das behielt den Sieg, Cs hat den Tod verschlungen. Leben und Lehren, Leiden und Sterben des Heilands ist ein großer Kampf wider des Codes Gewalt. Sn ihm war das Leben, und gegen dieses Leben aus Gott mußten alle Gewalten des Verderbens, Sünde und Tod sich aufmachen. Worte des ewigen Lebens nennt der von Jesu Herrlichkeit ergriffene Jünger die Uede des Meisters, Werke des Lebens sind die Wundertaten, mit denen Jesus in das Herrschaftsgebiet der Krankheit, der Vergänglichkeit, des Codes hineingreift. Und am Kreuz vollendet sich der ,,wunderliche Krieg, da Tod und Leben rungen". wo die Gewalt der Sünde ihr äußerstes tut, will der Tod sein altes Uecht geltend machen, da kommt er in all seiner Furchtbarkeit und Bitterkeit. Uber er kann den nicht zwingen, an dessen innerstes Lebevdie Sünde nicht heranreicht. „Das Leben, das behielt den Sieg", die Einheit dieses Lebens mit Gott bleibt unantastbar, wo Jesus sein Haupt im Tode neigt, ist dennoch des Lebens Sieg über den Tod erstritten, denn hier hat des Todes Stachel, die Sünde, Macht und Uecht verloren. So konnte das Grab den Fürsten des Lebens nicht halten, und durch die Zeiten, die Lande, geht die Kunde von dem Sieg des Lebens, in den der Tod verschlungen ist. ,,Dauert nichts so lang in den Landen Als das: Christ ist erstanden -" So bekennt es unser großer Dichter, halb in Verwunderung, halb in Bewunderung. Dem Glauben aber ist die große Gewißheit von des Lebens Sieg in Jesu Auferstehung das Gottessiegel auf des Sohnes Werk, die eine, unentbehrliche Bestätigung des im Leben und Sterben Jesu uns erworbenen Heils, die Bürgschaft des Lebens, des wir hoffen. Mit unseres Herrn Gstersieg tritt das Ueich, die Herrschaft Gottes, danach wir uns sehnen, in greifbarer Wirklichkeit in diese Zeit des Leidens, der Vergänglichkeit, des Todes hinein. Wohl bleibt dieses Ueich Gottes Gegenstand unserer Hoffnung, jenseitig, überweltlich,- und doch ist es vorhandene Wirklichkeit, wo Jesus, der Lebendige, herrscht, wo sein Sieg den Tod in uns überwindet, wo wir wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch seine Auferstehung des unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbes warten, das im Himmel behalten wird, da ist Gottes Ueich, die alles Sichtbare und vergängliche überdauernde Wirklichkeit für die alle, die im Glauben gelernt haben, nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare zu sehen. vom harten Kampf, an dem wir alle beteiligt sind, ist diese sichtbare Welt durchwogt. Und ob wir auch des Sieges hoffen, so ist uns doch zu Zeiten, als behaupte als der letzte Sieger der Allherrscher Tod das Feld, wo die zerstörenden Mächte aufeinanderprallen, wo in ihrem Zusammenstoß eine nicht auszudenkende Fülle von Leben, von Gut und Glück vernichtet wird, wo alle Erfindungsgabe und Spannkraft des Menschengeistes auf das verderben gerichtet ist, da mag uns wohl der bange Gedanke kommen, ob in solcher Zeit für Gottes Ueich noch Uaum bleibe. Es ist unser Glaube selbst, um den wir kämpfen in schweren Tagen, den es aus ernster Anfechtung zum Sieg hindurchzuretten gilt. Und unsere Kraft müßte versagen, wenn nicht in alles Dunkel die Ostergewißheit hineinleuchtete: Das Leben, das behielt den Sieg. Auf heil und Leben sind unseres Gottes Gedanken gerichtet, und auch die zerstörenden Gewalten müssen seinen Plänen dienen. Es ist ihnen ihre Zeit gegeben, bis aus dem - 62 Tode neues £eben hervorsprießt, bis des Lebens Sieg offenbar wird. Huf das Leben selbst, auf gottgeschenktes, gottgeweihtes Leben ist unsere Siegeshoffnung für unser Volk gerichtet. Und so vernehmen wir in harter, von Sorge und Trauer beschwerter Zeit den alten Gsterklang: ,,Christ will unser Trost sein." Trost, Hufrichtung und Kraft ist uns die Gewißheit von des Lebens Sieg. Wie auch das schwere Hingen unserer Zeit zu Ende gehe, vor uns liegen Tage harter Hrbeit, die gewiß dadurch nicht leichter werden, daß viel schmerzliches Entbehren uns in die kommende Zeit geleitet. Huf Ewiges gerichtet, des Lebens im Neiche Gottes gewiß, wollen wir dem Neich, der Herrschaft Gottes auch in der Zeit entgegen hoffen und wirken. Wir glauben an des Lebens Sieg. Dem Gedächtnis eines Trotzen. Zum 2 4. Hpril l9I6. Wohl nur sehr wenigen wird es bewußt sein, daß am 24. Hpril d. I. fünfundzwanzig Jahre vergangen sind, seit unser einstiger großer Schlachtenlenker Moltke abgerufen wurde zu den himmlischen Heerscharen. Zwei Jahrzehnte waren ihm vergönnt gewesen, noch ,,den Baum wachsen zu sehen", wie er einstens selbst gesagt hatte, den Baum, den er selber mitpflanzen half,' und so geistesfrisch war der Neunzigjährige, daß er noch wenige Stunden vor seinem Heimgang einer Sitzung wenn ich mich recht erinnere im Herrenhaus in Berlin beiwohnte. Wenn auch in der Jetztzeit unser Denken und Sinnen vollauf in Hnspruch genommen ist durch die gewaltigen Taten unserer siegreichen Heere, und wir oftmals von der Fülle des Stoffes benommen sind, der die wuchtigen Schritte der jetzt sich entwickelnden Weltengeschichte begleitet, so wollen wir darüber des einen nicht vergessen und dankbar seiner gedenken, dessen Lebenswerk es war, „ein geeinigt Volk in Waffen" schaffen zu helfen. Er war ein Vorläufer unserer jetzigen großen schweren Zeit, dessen Geist nachwirkend die Melden bilden half, deren weitausschauendem Feldherrnblick, vereint mit schlichter Seelengroße wir so unendlich viel zu danken haben, so viel, daß ein Menschenalter nicht ausreicht, diesen Dank abzutragen. Nein, bis in die Ewigkeiten hinein wird dieser von Generation zu Generation sich fortpflanzen zu einem unvergänglichen Erbe. Hus diesem Gefühl tiefster, unauslöschlicher Dankbarkeit heraus wollen wir am 24. Hpril rückschauend unsres großen Moltke gedenken, und oorwärtsschauend in gleichem vertrauen den Blick von der Gegenwart in die Zukunft richten, in der festen Neberzeugung, daß unsere Heerführer von heute uns zu dem heißersehnten Frieden führen werden, wenn nach des Hllmächtigen Natschluß die Zeit hierfür gekommen sein wird. Baronin N. Gebet. Ew'ge Güte, stärke uns Jetzt in diesen Tagen, Dieser Erde Druck und Leid Festen Muts zu tragen. Wild und schwer die Wetter dröhn Bings an allen Enden. Laß uns nur geborgen sein, Herr, in deinen Händen. Gib die Kräfte der Geduld, Gib die Kraft des Leides. Laß uns unter deinem Schutz Sein gesegnet beides. wahres Leben. „Lebst du in mir, 0 wahres Leben, so sterbe nur, was du nicht bist. Ein Blick von dir kann mehr mir geben, als was der Welt das liebste ist." So sagt ein sinniges Glaubenswort, dessen Gedanken uns gerade in der gegenwärtigen Zeit, wo wir die Ueberwindung des Todes durch den Lebensfürsten feiern, treffliche Dienste leisten können, vom wahren Leben redet dieses Liedeswort, und es bedarf nicht viel Nachdenkens, um zu erkennen, daß damit der Gegensatz zu einem unwahren, falschen Leben festgestellt ist. Wie wahres und unwahres Leben voneinander zu unterscheiden sind, darüber muß sich der Mensch von der Erfahrung des Lebens belehren lassen. Diese weist uns aber auf das Vorhandensein von verschiedenen Lebensstufen hin. Da ist zunächst die Stufe des Lebens, auf der das Tier steht. Gewiß lebt das Tier auch und versteht, oft auf sehr entschiedene Weise, seinen Neigungen Geltung zu verschaffen und nach dem Maß seiner Kräfte seinen Wünschen Nachdruck zu verleihen. 3n einem Vortrag, den der neunzehnjährige Schiller auf der Karlsschule vor seinem Herzog und einem großen Zuhörerkreis gehalten hat, ist die Frage des Zusammenhangs der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen in einer Weise behandelt, die noch heute mustergültig genannt werden kann und an der man den hochstrebenden Geist erkennt, der den Jüngling erfüllt und den Mann bis zu seinem Lebensende unter vielen und schweren Daseinskämpfen ohne Nachlassen begleitet hat. Es ist kein Zweifel, daß die geistige Natur unter diesem Zusammenhang leidet, und die Frage, warum diese Einrichtung getroffen ist, warum der Geist von dieser Fessel betroffen werden mußte, schließt sich an diese Feststellung an. Schiller gibt auf diese Frage eine ebenso tiefe wie befriedigende Hntwort. Er sagt ungefähr folgendes: Gesetzt, der menschliche Geist stände ohne die Leibesfessel der Welt gegenüber' was wird ihn zur Betrachtung der Welt einladen? Selbst wenn er die Vorstellung ihrer Vollkommenheit und den Trieb zur Hktivität des Willens hätte, könnte er doch nicht anders als durch die Erfahrung ihres Daseins mit ihr in Wechselbeziehung treten. Diese letztere aber wird nur durch die leibliche Organisation vermittelt. „Man versetze die Seele in den Zustand des physischen Schmerzes. Das war der erste Stoß, der erste Lichtstrahl in der Schlummernacht der Kräfte, tönender Goldklang auf die Laute der Natur. Jetzt ist die Empfindung da, und Empfindung war es ja auch nur allein, was wir vorhin vermißten. Der Wille ist tätig, und die Tätigkeit einer einzigen Kraft ist hinlänglich, alle übrigen in Wirkung zu setzen." So erhebt sich zunächst über die Stufe des Tieres diejenige des Kindes. Dieses lebt ja auch zumeist für den Hugenblick und empfindet nur die Seligkeit des Hugenblicks. Hber über das, was ihm die Gegenwart bietet, legt sich, wenn auch undeutlich und unklar, der Schleier der Zukunft. Das Kind hat das Gefühl, daß sein Leben auf die Zukunft angelegt ist, und von dem, was ihm die Gegenwart an Mühsalen bringt, hofft es, daß die Zukunft es befreien werde. So kommen gar viel ' Menschen, sie mögen noch so alt werden, doch über die Lebensstufe des Kindes nicht hinaus, weil sie sich immer wieder mit dem Glauben täuschen, die Zukunft müsse ihnen 63 das ersetzen, was ihnen die Gegenwart und die Vergangenheit schuldig geblieben sind. Vas rechte Verständnis des Lebens hat erst der, der den Ernst des Lebens begriffen hat. In wessen Blicken dieser sich erst einmal Achtung verschafft hat, der muß erkennen, daß er sich nichts abhandeln und auch weder durch die vollen Schüsseln, vor denen einer sitzt, noch auch durch die vollen Taschen, mit denen er herumgehen mag, bestechen läßt. Er kann die Seele begreifen lehren, daß auch das Leben im Reichtum und im Genuß, mag sich seine Außenseite noch so lustig ansehen, doch noch kein wahres Leben, sondern vielmehr nur das gerade Gegenteil ist. Wer noch auf dem Standpunkt steht, daß Reichtum und Ueppigkeit das einzige Leben sind, der geht nur mit geschlossenen Rügen dahin, muß aber gewärtig sein, daß sie ihm jeden Rugenblick zu seiner großen Enttäuschung geöffnet werden können. Manchem werden die Rügen dann in einer Weise geöffnet, daß er sie am liebsten für immer schließen möchte. So grausam stellt sich ihm der Ernst des Lebens, dem er immer gemieden hat, ins Rüge zu sehen, dar. Not und Elend der Zünde greifen an seinen Lebensbaum und bringen seine Rlätter zum Welken. Diese Einsicht macht sich auch unter uns vereinzelt immer wieder geltend. Einst aber hat es ein Volk gegeben, das war von ihr so mächtig ergriffen, daß es seinen ganzen Wandel da.'auf einzustellen suchte, indem es die Lebensart mit einem Zündopfer abzuwischen suchte und sagte: wenn wir unserer Zünde ledig sind, dann hat alle Rot ein Ende. Das war ein richtiger Gedanke. Das wahre Leben aber haben sie damit doch nicht erreicht, weil die Mittel nicht taugten, die nur von äußerer Rrt waren. Das rechte Mittel zur Erfassung des wahren Lebens ist die innere Umwandlung, die sich Gottes Leben zum Muster und Vorbild nimmt. wenn dieses Leben in einem Menschen Wirklichkeit geworden ist, wenn er sagen darf: Lebst du in mir, o wahres Leben, dann muß er auch fortfahren: Zo sterbe nur, was du nicht bist. Das heißt, er muß sein Herz in die jenem Leben allein entsprechende Verfassung bringen. In erster Linie muß er es vermeiden, auf die niederen Ztufen der Lebensführung herabzusinken. In ihm darf nicht mehr die schrankenlose Lust und Begierde, wie es bei dem Tiere der Fall ist, die Herrschaft führen. Er muß wissen, daß er den klaren und reinen Zpiegel des wahren Lebens, zu dessen Verständnis und in dessen Besitz er gelangt ist, nicht mehr durch die Dünste der Fleischeslust trüben darf, wenn wir daran die zweite Lebensstufe, diejenige des Rindes, sich anschließen lassen, dann scheint uns hier das Wort des Heilands in den weg zu treten. Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Rinder, so könnt ihr das Reich Gottes nicht ererben. Rber es ist ein Unterschied zwischen Rindesart und Rindesart. von der einen haben wir schon geredet, derjenigen des ungefestigten, dem Ernst des Lebens unzugänglichen Herzens. Die andere ist die, welche in der Liebe die rechte Lebenskraft gefunden hat und mit deren Hilfe emporschreitet auf die Ztufe des in dkut gefestigten, in Selbstbeherrschung und Selbstvervollkomm- nung unermüdlich tätigen Mannessinnes. R. G. Gietzen vor hundert Zähren. (Fortsetzung.) Moritz Damian höpfnerund Heinrich Stein boteu in einer gemeinsamen Rnzeige meerschaumene Pseifenköpfe an. Ludwig Reil am Markte verkaufte Leipziger Pantoffeln und Winterschuhe für „Frauenzimmer und Mannspersonen". Ein unternehmender Geschäftsmann scheint der schon erwähnte Raron Ziegelstein gewesen zu sein, vom Großherzoglichen Rriegskommissariat hatte er Ende 1815 44 Transportwagen gekauft, die man beim Rückmarsch der Russen aus Frankreich verwendet hatte, diese gab er nun nach seiner Rnzeige einzeln und zu billigen Preisen ab. „Bei Tonrad Frechen Wittib an der Ztadtkirche", so lautete eine andere Rnzeige, war guter Essig, die Maß zu 8 kr. zu haben. Joseph Markus Flett bot die „so beliebten Ziegenhainer Ztöcke" an, seine Rbnehmer werden vorzugsweise Studenten gewesen sein,' denn die zogen damals, mit diesen derben Stöcken bewaffnet, durch das Land. wie die Redeweise eines Volkes sich im verlaufe von 100 Jahren wandelt, ist aus einigen Rnzeigen zu sehen. Zo wünscht im Jahre 1816 „eine Weibsperson von gesetzten Jahren, die Rochen, Nähen und Stricken kann, auch alle übrigen Hausarbeiten verstehet, und in mehreren grosen Ztädten conditioniret, weshalb sie Zeugnisse ihres Wohlverhaltens vorzuzeigen im Ztande ist, als Röchin in einen Dienst zu treten." Ein andermal wird ein „Zubject" gesucht, das einem Rnaben Stunden geben kann, heute ist wenigstens in den Ztädten der gute deutsche Rusdruck „Magd" verpönt, man sagt lieber „Zimmermädchen" oder „Stütze" oder gar „Fräulein", damals fanden es junge Mädchen noch nicht unter ihrer würde, sich als „Hausmagd" oder „Rindermagd" anzubieten. Den Rusdruck^,Zimmer" kannte man vor 100 Jahren in Gießen noch nicht, bei Wohnungsanzeigen wurden nur Ztuben und Rammern angeboten, in der Regel wurde auch darauf hingewiesen, daß zur Wohnung ein Holzstall gehöre. Die Häuser in der Stadt waren nicht nach Straßen numeriert, sondern die Nummern liefen durch die ganze Stadt hindurch. So hieß es beispielsweise „Nr. 245 am Ranzleiberg" oder auch kurz nur „Nr. 269". viele Rnzeigen befassen sich mit Kleinigkeiten. So wünschte jemand im Jahre 1818 einen „gut conditionirten Raffer" zu kaufen. Eine große schöne Feuerherdplatte stand in Nr. 21 zu verkaufen. Ein „Wägelchen, um darin Rinder fahren zu können", wurde gesucht. Im Jahre 1813 hatte man auch in Hessen die Landwehr organisiert, es war dies bei uns eine Rrt Bürgergarde, wie sie vor diesem Kriege in Belgien bestand. Zwei Jahre später, als Napoleon endgültig niedergeworfen war, wurde die hessische Landwehr wieder aufgelöst. Die Offiziere hatten sich Uniformen angeschafft, die sie nun wieder zu verkaufen wünschten, was sie in Zeitungsanzeigen zum Rusdruck brachten. Oft forderten Gießener Einwohner zur Rückgabe der Bücher auf, die sie anderen geliehen hatten. Pfarrer Schäffer macht bekannt: „wer von meinen Freunden noch ein von mir gelehntes Buch in Händen hat, ist höflichst ersucht, dasselbe meinem Vater, den Ehirurgus Schäffer, baldigst abzugeben. Namentlich vermisse ich noch: Freimund Raimars deutsche Gedichte, Dassels Reisen der Gutm. Familie, einige Teile von Snells Handbuch der Philosophie, Tampes Sammlung von Rcisebeschreibungen." Gießen muß doch damals ein rechtes Rleinstädtchen gewesen sein, da man sich von solchen Rnzeigen Erfolg versprach. Im September 1817 ha! jemand auf dem Wege vom Trieb bis zum Schießhaus „eine Rappe von grünem Tuch mit einer braunen pelzbräme und oberhalb mit einer aus Gold- und Silberfäden verfertigten Ouaste versehen" verloren, er ersucht in der Zeitung um Rückgabe. Ruch Pfeifenköpfe und goldene Uhrschlüssel werden als verloren angezeigt. Ganz im Gegensatz zur Gegenwart kamen damals oft auswärtige Raufleute zu mehrtägigem Rufenthalt nach - 64 — Hießen, um hier ihre Waren abzusetzen, vermutlich hatten sie Artikel, die in den hiesigen Ladengeschäften nicht zu haben waren, sonst hätten sich die Gießener Geschäftsinhaber das wohl nicht gefallen lassen. Franz Jelmoli aus Toceno in Italien, der im hausgarten des Gasthauses zum Löwen, vermutlich im mitgebrachten Reisewagen, logierte, empfahl sich mit Modewaren der verschiedensten Rrt. Samuel Lion aus Elberfeld, der bei Samuel Rotenberg in der Neustadt wohnte, verkaufte optische Instrumente, Brillen, Perspektive und Mikroskope. Joseph Binda, der gleichfalls im Löwen abgestiegen war, empfahl Bijouterie- und Galanteriewaren. Jakob Guper aus Zürich hatte ebenfalls im Löwen sein Lager in Modewaren aufgeschlagen. Sogar aus Serbien war im Jahre 1816 ein Händler nach Gießen gekommen. Cr hieß Daniel Major, blieb drei Tage im Einhorn und empfahl sich mit wohlriechendem Rosenöl, türkischen und wiener Shawls, ungarischen und türkischen Pfeifenköpfen und türkischem Rauchtabak. (Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der «riegrzeit. Der Erfolg irn Leben hängt zweifellos mehr von einem strebsamen und zuverlässigen Charakter ab, als von einem großen Talent, das oft mancherlei Gefahren in sich birgt. Unser Christentum darf nicht bloß Weltanschauung sein, sondern es muß sich durch die Tat bewähren. wenn die heilige Schrift mir Rlarheit geschenkt hat, wenn ich durch meinen Christenglauben eine heilsame Umgestaltung erfahren, im tiefsten Herzen inneren Frieden und wahres Glück gefunden und durch mein Gottvertrauen Kraft und Freudigkeit erlangt habe, dann bin ich über die Fragezeichen hinaus, weil meine Entscheidung auf dem Grunde feststehender Erfahrung ruht. Dr. Paul Lechler. Ein Wort zum Tod fürs Vaterland, während der heilige Enthusiasmus in meinem Herzen, der Gedanke, daß ich meine Pflicht und Schuldigkeit tat, mich ehrt, macht der andere Gedanke, ich habe einen guten Samen gesät und nicht umsonst gelebt, mich glücklich. Fichte. «leine Mitteilungen. Mit Rücksicht auf die vielen Gottesdienste an den Gster- feiertagen und an den bevorstehenden Konfirmationstagen soll in der Woche nach Ostern die Kriegsbetstunde ausfallen. kirchliche Anzeigen. 1. Osterfeiertag, den 2 3. Rpril. Kollekte für die Kirchenkasse. Gottesdienst. In der Stadtkirche. vormittags 9 l k Uhr: Pfarrer Schwabe. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Pfarrer Schwabe. Rbends 6 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. In der Johanneskirche. vormittags 9% Uhr: Pfarrer Rusfeld. vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Rusfeld. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Im Rnschluß hieran Beichte für das heil. Rbend- mahl am 2. Gsterfeiertage. 2. Osterfeiertag, den 24. Rpril: Kollekte für die Rrmen. In der Stadtlirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Mahr. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde. Die Konfirmation findet am Sonntag Ouasimodogeniti statt, in Verbindung damit Feier des heil. Rbendmahls. Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. Vormittags 97 2 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lukasgemeinde. Feier des heil. Rbendmahls. Pfarrer Bechtolsheimer. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johannesgemeinde. Die Konfirmation findet am Sonntag Ouasimodogeniti statt, in Verbindung damit Feier des heil. Rbendmahls. Pfarrer Rusfeld. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Rusfeld. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weihwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf ♦ Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. 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