Äonntagsgruß Gemeinüeblatt fmöie evangelische Kirchengemeinüe Gieszew Gießen, Sonntag Palmarum, den 16. April 1916. Vuh- und öettag. Zeremia 29. I I, 13 und 14. Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Denn so ihr mich von ganzem Kerzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Den Buß- und Bettag feiern wir diesmal in sehr ernster Zeit. Vieser Palmsonntag wird viele evangelische Christen in unserem Hessenlande zur Selbstprüfung und zur Selbstbesinnung treiben, und die Kirchen werden mehr gefüllt sein als in früheren Jahren. Nach alter frommer Sitte hat unser Landesfürst die Texte für diesen Tag selbst musgewählt, und die oberste Kirchenbehörde, das Großherzogliche Gberkonsisto- rium, hat in einer an die Gemeinden gerichteten Ansprache auf die würdige Begehung des Buß- und Bettages hingewiesen. Diese Ansprache ist sehr dazu angetan, unsere Seelen in die richtige Verfassung zu bringen,' wir lassen sie deshalb hier in ihrem lvortlaute folgen: Liebe evangelische Glaubensgenossen! Die Glocken des Buß- und Bettages lassen auch in diesem Jahre ernste Klänge Hineintonen in den erschütternden Crnst des großen Krieges, der nun schon seit zwanzig Monaten die Söhne unseres Volkes auf den Kriegsschauplätzen gebannt hält. Zu der einmütigen Erhebung unseres Volkes im Beginn des Krieges ist die weit schwierigere Aufgabe getreten, in Geduld und in unbeirrtem Hufblick zu Gott, dem ewigen Walter über die Geschichte und den Geschicken der Völker, auszuharren bis an das noch unabsehbare Ende in dem weltgeschichtlichen Kampf, der uns verordnet ist. wir haben zu danken für all den reichen Segen, den der ewig treue Gott bisher unsern Waffen zu Lande und zu Wasser verliehen hat. wir haben zu danken für den tapferen, stammen Geist ernsten Verantwortlichkeitsgefühls und gewissenhafter pflichttreue, der unser Heer vom obersten Kriegsherrn bis zum letzten ungenannten Krieger im Schützengraben oder im Unterseeboot beseelt, für die Treue und die Willigkeit zum hingeben und Entbehren, mit dem unser Volk im großen Ganzen sich zu dem harten Kamps 'unserer Wehrmacht bekennt. Nls ein mjit den Lasten und Sorgen des Krieges ringendes und nach Gottes Gnade betende Hände ausstrecken- des Volk stehen wir daheim hinter unserem Volk in Waffen in seiner furchtbar ernsten Schwertesarbeit. wir Haben zu danken, aber auch reichlich Unlaß, uns vor Gott beschämt zu beugen in dem Gefühl, daß wir viel zu gering sind aller Barmherzigkeit und Treue, die der ewige Gott an uns und unserem Volk getan hat, und daß wir leider nicht immer würdig sind der Großtaten opferwilliger Lebenshingabe unserer Brüder auf den Schlachtfeldern, auf dem Meere, im aufreibenden Stellungskrieg. Zn gar vielen unserer Volksgenossen lebt nicht genug Dankbarkeit für die so weit gehende Verschonung unseres vaterländischen Bodens von den Greueln, Schrecken und Verwüstungen des Krieges. Zn weiten Kreisen fehlt es an dem aufrichtigen Gefühl von dem Ernst der Zeit, die wir durchleben. Selbstsucht und Gewinnsucht verschließen mancher Herz vor dem darbenden Bruder und benutzen die Not als Gelegenheit zu eigensüchtiger Bereicherung. Der Krieg, ein Erzieher zur Herausarbeitung so vieles Guten und Edlen, das Gott der Seele unseres deutschen Volkes mitgegeben hat auf seinem dornenreichen weg durch die Geschichte, ist auch ein unerbittlicher Offenbarer des Gemeinen und Niedrigen geworden, das unser Volk wie jedes andere Volk der Erde als auf seinem Leben lastenden Schatten tragen muß. Möge Gott in Gnaden uns helfen, daß wir in aufrichtig bußfertiger Demütigung vor Gott erkennen, was uns fehlt und worin wir uns verfehlen. Laßt uns ringen gegen die allerlei bösen Geister, die unser persönliches und unser Familienleben, das Leben unserer Jugend und unseres Volkes bedrohen. Zum Gebet rufen uns die Glocken des Buß- und Bettags. Laßt uns bitten, daß die stille Nrbeit unserer religiösen Gemeinschaft an der Seele unseres Volkes gesegnet und nicht vergeblich sei. Laßt uns bitten, daß in dieser Leidenszeit unseres Volkes Er, der leidend und sein Leben hingebend die Sünden der Welt auf seinem unschuldigen, von heiliger Liebe erfüllten Herzen trug, mit seinem Wort und Wesen heilend und erhebend uns innerlich nahe trete, unser einiger Heiland Jesus Christus! Laßt uns von Herzensgrund unser.i ewigen Nichter, Meister und König bitten, daß Er in dieser für unseres Volkes Leben und Zukunft entscheidenden Zeit uns in Gnaden erfahren lasse, daß Er Gedanken des Friedens über uns hat und nicht des Leides, daß Er uns gebe das Ende, des wir warten. Unserem ganzen Volk, daheim und draußen, gilt die Mahnung und Verheißung des Buß- und Bettages: „So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen!" Zreud und Leid aus der Heidenmission. 1. Huf 2 5 Jahre erfolgreicher Missionsarbeit in Deutsch-Gstafrika kann die Brüdergemeine zurückblicken. Venn am 31. März 1891 reisten ihre ersten 4 Sendboten von Herrnhut ab, um die neue Hrbeit im Konde-äland am Nordende des Njassa- Sees in der jungen deutschett Kolonie in Hngrifs zu nehmen. Mit Hingebung, Hufwendung erheblicher Mittel, aber auch mit sichtlichem Erfolg hat die Brüdermission sich seitdem dieser neuen Hufgabe gewidmet. Hllerdings hat es auch an schmerzlichen Opfern an Menschenleben und Hrbeitskräften nicht gefehlt. Schon ehe die erste Station am Nungwegebirge gegründet werden konnte, war einer jener 4 ersten Missionare als Opfer des Klimas und der Strapazen der Hnfangs- zeit ins Grab gesunken. Dagegen steht der Leiter jener ersten Expedition, Missionar Th. Meyer, noch heute als Präses an der Spitze der dortigen Mission. Huf 6 verschiedene volksstämme in 4 dialektisch verschiedenen Sprach- gebieten haben die Herrnhuter Missionare ihre Tätigkeit ausgedehnt, die jetzt einen Landstrich etwa von der Große des Königreichs Lachsen umfaßt, von den 60 Missionsarbeitern