Nr. 8. Gieszen, Sonntag Sexagesimä den 27. Februar 1916. 5. Jahrgang. Die eigene Ehre. Evangelium des Johannes 8,50. Jesus antwortete: Ich suche nicht meine Ehre. Ls gibt Menschen, für die das Ich im Mittelpunkte ihrer Weltanschauung steht. (Es gibt für sie nichts als die eigene liebe, eitle, gefallsüchtige Person, alles in der Welt soll sich nach ihr richten. Man kann eine derartige Weltanschauung mit dem Fremdworte eine egozentrische nennen. Diese Menschen suchen nur ihre Ehre, wer kennt nicht solche, die bei öffentlichen Verhandlungen, - ohne daß sie sich selbst jemals die Mühe machen, in stiller, fleißiger Krbeit neue Gedanken hervorzubringen oder alte Gedanken zweckmäßig zusammenzustellen, jedesmal sofort das Wort ergreifen und nun lang und breit von ihren Verdiensten, ihren Ansichten, ihren Leistungen in früherer Zeit den anderen erzählen, einerlei, ob diese davon hören wollen oder nicht. Diese unangenehme Eigenschaft verstärkt sich mit den Jahren, oft tritt sie im Klter so unleidlich auf, daß der ehrsüchtige Mensch zum Spott wird, aber sie ist auch bei jungen Menschen zu finden und steht im umgekehrten Verhältnisse zu den wirklichen Leistungen. Oft sogar findet man sie bei Kindern. In irgend einer Form rücken sich alle diese Menschen in den lTTittcI= punkt der Dinge. Dergleichen unerfreuliche Erscheinungen werden natürlich auch durch den Krieg nicht aus der Welt geschafft,' denn die menschliche Natur bleibt sich unter allen Umständen gleich. Gerade in der Kriegszeit drängen sich viele mit ihren Leistungen in den Vordergrund, wenn die Öffentlichkeit nicht wäre, die von allem, was im Dienste der Allgemeinheit geschieht, gebührend Notiz nimmt, so würde manches ungeschehen bleiben. von allem, was auch im kleinsten Dorfe geschieht, muß berichtet werden. Sogar, wenn Kinder bei irgend einer Gelegenheit ein Gedicht aufsagen, versucht man das in die Zeitung zu bringen, erst recht geschieht das mit den Leistungen der Erwachsenen, als ob sich in der Zeit des großen Weltkrieges nicht von selbst verstünde, daß jeder seine Schuldigkeit tut. Diese Art tritt namentlich bei den zu Hause Gebliebenen zutage, wie seltsam hebt sich hiervon das ab, was draußen im Felde geschieht, was unsere Offiziere und Soldaten leisten an Todesverachtung, Hingebung, an Ertragen von Mühseligkeiten, Entbehrungen, Unbequemlichkeiten aller Art, das wird kaum bekannt. Mancher Mann steht seit 19 Monaten im Felde, Lut wacker seine Schuldigkeit, leistet dem Vaterland einen ganz unermeßlichen Dienst, und wenige nur erfahren davon. Auch von dem, was die Professoren der Medizin und die Aerzte in den Kliniken und Lazaretten leisten, um verwundete am Leben zu erhalten und sie ihren Familien wieder zurückzugeben, von der Last der Verantwortung, die auf ihnen liegi, wird öffentlich kaum geredet. Der Krieg sollte uns antreiben, nicht die eigene Ehre zu suchen, wir können das von dem lernen, der von sich mit gutem Grunde sagte: Ich suche nicht meine Ehre. Der Heiland hat nie darnach getrachtet, bei seinem Volke berühmt und beliebt zu werden,' den Menschen ging er aus dem weg, wenn sie ihn ehren wollten, nichts war sein Ziel, als zu wirken die Werke dessen, der ihn gesandt hatte. Diesen Auftrag vollführte er, indem er Schande, Schmach, Mißhandlung, schließlich den Tod ertrug. Sollten die, die ihm nachzufolgen gelobt haben, es nicht über sich gewinnen, die eigene Ehre, die doch schließlich ein zweifelhaftes Gut ist, hintanzusetzen, still ihre Pflicht zu tun und nach dem einen zu trachten, das not trzt? h- b- Meine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung und Schluß.) Ich erwiderte, daß ich nur noch auf Antwort von meinen Eltern warte. Spät abends kam ein Telegramm mit dem Inhalte: ,,Komme sofort, Vater ist tot." Das hatten sie mir zu Hause im ersten Briefe nicht miige'eilt, um mich nicht zu beunruhigen. Nun war kein Bleiben mehr für mich. Ich machte mir bittere Vorwürfe, daß ich nicht gleich nach hau e gefahren war,' denn dann hätte ich vielleicht den Vater noch lebend getroffen. Mit dem nächsten Zuge fuhr ich nach Hause und kam nachts im strömenden Kegen hier an. wie war die Freude bei den Meinen lgroß, als ich ankam. Meine erste Frage war die nach dem Vater, und da erfuhr ich, daß er schon vor einem halben Jahre verschieden sei. Die Depesche hatten die Meinen abgeschickt, weil sie gefürchtet hatten, ich würde mich zum zweitenmal anwerben lassen. Nachwort anstatt eines Vorwortes. viele meiner lieben Leser werden schon Erlebnisse von Fremdenlegionären gelesen haben, auch ich habe schon solche gelesen, muß aber gestehen, daß alle für mich den Wert verloren haben, weil sie zumeist abenteuerliche Berichte enthalten, die nicht glaubwürdig sind. Da wird von Kämpfen mit wilden Menschen und mit wilden Tieren, namentlich mit Tigern, erzählt, so daß der Kundige alsbald merkt, daß das alles auf der Phantasie und nicht auf der Wirklichkeit beruht. Ich habe es vermieden, meinen Lesern einen solchen Stoff zu bieten, und mich streng an die Wahrheit gehalten. Ich weiß sehr wohl, daß solche abenteuerliche Schilderungen die Jugend mächtig anreizen, in die Fremde zu ziehen und dort Nbenteuer zu erleben. Ich wollte aber wahrlich die Jugend nicht anreizen, sondern sie warnen, damit sie nicht in ihrem späteren Leben nichtswürdigen Werbern, die mit schönen Lobgesängen und Versprechungen kommen, in die Hände fallen sollen. Lodann wollte ich auch eine der Nationen, mit denen wir jetzt in einem so schweren Kampf stehen, im rechten Lichte schildern, die Nation, die unsere Zivilgefangenen aus Kamerun und Togo so unmenschlich Gehandelt. Tine Mahnung für Jung und Hit sollte meine Schilderung [ein. Diele haben seither gedacht, daß man es in anderen Ländern besser habe als in Deutschland. Nber in allen Ländern, in welchen fremde Leute für die Kolonien angeworben werden, ist es der Hauptgrundsatz und Hauptzweck, die eigenen Landeskinder zu schonen, sie vor den Entbehrungen und Strapazen zu bewahren, welchen gerade die Kolonialtruppen unterworfen sind. Wie viel Menschenleben in den Kolonialkriegen zugrunde gehen, dafür nur ein Beispiel. Im Jahre 1882 hatte die französische Fremdenlegion nur vier Bataillone, jedes ungefähr 1000 Mann stark. Zwei Jahre später wurden zwei Negimenter gebildet, mit je vier Bataillonen, von denen jedes I20O Mann stark war. wie hatte man da die Werbetrommel gerührt, wie viele sind da in ihr Unglück hineingeraten. Freilich heißt es, daß sie sich freiwillig gemeldet haben, aber was sind es oft für Umstände, unter welchen diese „Freiwilligen" sich anwerben lassen. Sollte es mir gelungen sein, mit meiner Schrift hier Nufklärung geschaffen zu haben, so wäre das mein schönster Lohn. Möge es Gott verhüten, daß je wieder auch nur ein Deutscher in einem fremden Lande unter das Militär geht, sei es in Frankreich, in England oder in Holland,' denn die Erniedrigung ist in allen fremden Ländern gleich. Buch möchte ich jedem Deutschen zurufen: Lerne dein Vaterland kennen und bleibe ihm treu,' denn es steht an der Spitze aller Nationen. Wie heißt es doch im „Glöcklein des Eremiten"? „wenn man etwas verloren hat, kennt man erst seinen wahren wert." Diese Erfahrung habe ich gemacht. Darum, Deutscher, sei stolz auf dein Vaterland und bleibe ihm treu' es wird auch seinen Söhnen dankbar bleiben. Ehrlich wahrt am längsten. Erzählung. Karl Buchmann war eben 16 Jahre alt — ein über- schlanker, großer, blauäugiger ffunge und Lehrjunge auf dem Kontor von J. $. Sonnenberg u. To. hierauf bildet« er sich etwas ein. 5 . Sonnenberg u. To. war ein« der angesehensten Firmen der Tabakbranche am Platze, und ein besonderes Glück hatte dem Zungen, der als Sohn einer armen Witwe nur die Stadtschule hatte besuchen können, zu dieser Stelle verholfen,' die Firma nahm sonst nur junge Leute an, welche die Berechtigung zum Einjährigen mitbrachten. Sein Seelsorger, der ein ganz besonderes Wohlwollen für den allezeit fröhlichen, aufgeweckten, braven Knaben empfand, hatte ihn dem Hause empfohlen. Er schien auch seinem Gönner Ehre zu machen, er war anstellig und fleißig in dem Geschäft. Im zweiten Jahre seiner Lehre besorgte er die vorkommenden Post- und Bankgänge. So auch heute. Sein Prinzipal hatte ihn mit einer Summe Geldes, das er genau vorgezählt erhalten, auf die Bank geschickt, um einige Wechsel einzulösen. Ls war ein kalter, klarer Wintertag,- der Schnee knirschte unter den Füßen Karls. Der ging, die rotgefrorenen Hände tief in die Taschen seines viel zu kurzen, engen und arg vertragenen Ueberröckchens vergraben, lustig pfeifend durch die wintersonne über die belebte Straße dem Bankgebäude zu. vorsichtig fühlte er an der Lingangstür noch einmal nach dem ledernen Beutel, welchen er in der Brusttasche trug, ehe er in die weite Halle mit den Zahlstellen eintrat. Um diese Stunde ging es hier recht lebhaft zu, und Karl mußte eine ganze Weile warten, bis ein Schalter frei wurde. Er hatte bereits sein Geld auf ein Zahlbrett gezählt und wollte es nun dem Beamten zuschieben. Dieser hatte die verlangten Papiere hervorgenommen, zählte sie durch und warf sie dem Jungen hin. „1140 Mark" rief er dabei. Karl stutzte, hatte sein Prinzipal nicht 1240 Mark gesagt? Ja? Nein? Gewiß irrte er sich. „1140 Mark?" fragte er noch einmal zaghaft, sich vergewissernd, ob er recht gehört habe. „Jawohl, 1140 Mark ! ? rief der Beamte, der bereits ungeduldig wurde, da er stark beschäftigt war. Nasch zählte Karl nochmals das Geld durch, nahm, was zuviel war, hinweg, schob dem Beamten 1200 Mark in Papieren hin, erhielt 60 Mark heraus und ging. Draußen auf der Treppe ließ es ihn nicht ruhen, er zog den Beutel aus der Tasche und sah beklommen hinein. Ein Hundertmarkschein war darinnen und drei Zwanzigmavk- stücke, zusammen 160 Mark. Da mußte sich also einer verrechnet haben, entweder sein Prinzipal oder der Bankbeamte. Ersterer hatte gesagt, 60 Mark habe er wieder mitzubringen, das wußte er bestimmt. Linen Moment war er willens, sofort zurückzugehen und dem Beamten die 100 Mark zu geben, meinte er doch für ganz bestimmt zu wissen, daß er 1240 Mark bezahlen sollte. Jedoch er besann sich. Me, wenn sich sein Prinzipal geirrt hätte? Zwar daran glaubte er nicht so recht, zu dessen Nechenkunst hatte er ein unbedingtes vertrauen. Er wußte, wenn er die erhaltenen Quittungen zusammenzählte, mußte er den Fehler finden. Dies zu tun, war nun sein dringender Wunsch. Nber wo? hier auf der 5traße, wo um diese Zeit die Menschen drängten, ging das nicht. Sollte er auf das Kontor eilen? Der Prinzipal war streng und Karl hatte eine gewisse Scheu, ohne daß er in der Sache klar sah, dorthin zurückzukehren. Nm besten: er üef zu seiner Mutter nach Hause — es war nicht sehr weit bis dahin — , und wenn er tüchtig sprang, so zählten die paar Minuten, die er verlor, kaum. Frau Buchmann saß in der kleinen Küche und schälte Kartoffeln. Sie weinte: waren es doch di« letzten Kartoffeln, die sie zum Schälen hatte, und di« Sorgen um 31 neue, bittere Nahrung ssor gen überhaupt, preßten ihr bas Herz. Sie weinte, denn sie war allein und konnte sich ihrem Nummer und Herzeleid überlassen. vor zehn Jahren schon war ihr der Mann gestorben. Der fleißigste treueste Gatte und Vater erlag einer Lungenentzündung unb ließ Frau und Söhnchen in Not und Zorge zurück. Da war es ein Glück für die Frau gewesen, daß sie im Nähen bewandert war. Sic nahm Kunden an und ging nun täglich aus dem Hause, um das Brot für sich und ihren Knaben zu verdienen. Das ging vorerst nicht so leicht, und sie hatte manchen Tag gehungert und manche Nacht durchweint, ehe sie so viel verdienen konnte, um das Nötigste beschaffen zu können. Rber sie hatte nicht allein geweint, sie hatte auch gebetet, sie war eine gute Christin, und ihre starke Hoffnung war: Gott verläßt eine arme Witwe und eine unschuldige Waise nicht. Da sie zum Klagen und Betteln zu stolz war, so erfuhren selbst ihre nächsten Nachbarn nicht, mit welcher Not die blasse, kleine Frau zu kämpfen hatte. Sie war aus guter Bürgerfamilie und hätte nie geglaubt, daß Not und Leid so dicht an sie herankommen könnten. Doch mit der Zeit ging es besser. Der heftigste Schmerz um den teuren Toten ließ nach und machte einer stillea Trauer Platz. Der Knabe wuchs heran und wurde gut und folgsam, trotzdem er sich so viel selber überlassen bleiben mußte. Dazu fand die Mutter nach und nach reichlich Rrbeit und konnte für ihr Kind und den kleinen Haushalt sorgen. Rls dann ihr Junge vor nun bald zwei Jahren, nach seiner Konfirmation, zu Sonnenberg u. To. in die Lehre kommen konnte, da war sie herzlich froh und ihrem Gott überaus dankbar, dessen Segen sie so ersichtlich auf sich ruhen spürte. Bis sie im letzten Herbst durch einen unglücklichen Sturz sich die linke Hand verstaucht. Da konnte sie nicht mehr nähen und also auch kein Geld verdienen. Erst setzte sie nun das bißchen zu, das sie in all ihrer" Rrmut in den letzten Jahren erspart hatte und brachte so ihren ahnungslosen Jungen über die Weihnachtsseiertage hinweg. Sie kaufte sogar ein winziges Bäumchen und schenkte dem Knaben ein paar Kleinigkeiten an Kleidung, die er gebrauchen konnte und die ihm Freude machten. Sogar ein Buch, das er sich so sehr gewünscht, kaufte sie ihm, hoffte sie doch immer noch, recht bald wieder hergestellt und in der Lage zu sein, arbeiten zu können. Und konnte sie nur arbeiten, so waren die Sorgen in ihrem kleinen Heim gebannt. Doch es wurde sobald nicht besser. Da kam es ihr manchmal vor, als habe sich der liebe Gott völlig von ihr abgewandt und ließe sie hilflos in Leid und Not. Erst betete sie noch, doch mit der Zeit murrte sie, sie hatte es verlernt, geduldig zu sein. Und als nun der Winter kam und harte, bittere Not mit ihm, da verzweifelte sie fast an dem Gott, dem sie ihr Lebenlang vertraut hatte. So saß sie nun, weinte über ihr Unglück, haderte mit Gott und überlegte zwischendurch, was sie tun könnte, was sie ergreifen könnte, um mit ihrem Knaben nicht unterzugehen. Irgend eine Rrbeit, die sich mit der einen Hand allein tun ließe, mußte sich finden lassen. Ruf jeden Fall mußte sie sehen, daß sie Geld bekam, ohne Geld konnte sie kein Brot kaufen, und sie mußten hungern. Da stürmte jemand mit lautem Gepolter die Treppe herauf) vor der Türe hörte die Rufhorchende einen raschen Rtem gehen, dann wurde die Tür hastig aufgerissen und ihr Zunge stürmte herein. Erschrocken fuhr die Mutter von ihrem Sitz auf. ,,Junge, was hast du? Wo kommst du her um diese Zeit?" Ihre verängstigten Sinne zauberten ihr schon Schreckliches vor. ,,Mutter," rief Karl aufgeregt, wie er war, „ich habe zu viel Geld! Ich muß rasch einmal nachsehen, wo es her ist und wo ich es abzuliefern habe." „Zuviel Geld?" fragte die Mutter, ungläubig mit blassen Lippen zurück, und dabei waren ihre Rügen weit und heißhungrig auf das (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. Zu unserem in Nr. 3 des „Sonntagsgrußes" enthaltenen Rrtikel über die „Feiertagsheiligung bei unseren Gegnern" schreibt uns ein Glied unserer Gemeinde aus einer französischen Stadt: „Rm letzten Sonntag hatte ich meinen freien Sonntag, und ich besuchte wie immer den Gottesdienst, wobei ich auch diesmal das Glück hatte, das heilige Rbendmahl nehmen zu können. Der evangelische Gottesdienst wird hier in einer katholischen Kirche abgehalten,- denn hier ist alles katholisch. Es gibt hier drei katholische Kirchen und eine evangelische Kapelle, welche ungefähr 200 Menschen faßt und ganz in einem Winkel versteckt steht. Es sind hier, was Kirche und Religion * betrifft, jammervolle Zustände. Die Kirche, in welcher unser Gottesdienst abgehalten wird, steht an der Straße, und da muß ich bestätigen, was der Lokomotivführer neulich im „Sonntagsgruß" angeführt hat, daß das Volk hier keinen Sonntag und keinen Feiertag hält, nur den besseren Stand sieht man in die Kirche gehen und des Nachmittags spazieren gehen. Während unseres Gottesdienstes hört man die Leute auf der Straße schreien. Wie an Werktagen fahren sie mit Wagen, an die sie einen Hund ober einen Esel gespannt haben, durch die Stadt und schreien : charbons (Kohlen) Rnöere halten Gemüse feil, so daß das recht störend ist. Rm Nachmittag machte ich einen Spaziergang und sah, was ich auch im vorigen Jahre schon gesehen hatte, daß die gottlosen Menschen überall in den Gärten arbeiteten. Sie kennen weder Weihnachten noch Ostern noch Pfingsten. Nur Rnfang November halten sie so eine Rrt Totensonntag, ba gehen alle mit Blumen auf den Friedhof." Man sieht auch aus dieser Reußerung, wie tief der Rtheis- mus (die Gottlosigkeit) schon im französischen Volke Wurzel gefaßt hat und wohin es führt, wenn man, was vereinzelte Schwärmer auch in Deutschland schon befürwortet haben, Staat und Kirche voneinander trennt. Gott behüte unser Volk, daß es diesem Geiste auch anheimfällt. Unseren schönen feierlichen Sonntag wollen wir doch behalten. Die Franzosen, die schmutzig und schreiend Sonntags über die Straßen ziehen, sind wahrlich nicht nachahmenswert. * * * von dem Umfang dessen, das die evangelische Kirchengemeinde Gießen für Kriegszwecke seither geleistet hat, kann man sich ein Bild machen, wenn man nur in das Rüge faßt, was sie für den hessischen Lazarettzug aufgebracht hat. Rn bar wurden abgeliefert 4290 Mark) dieser Betrag setzt sich zusammen aus Kirchenkollekten, Gaben, die an die vier Gemeindepfarrer abgeliefert wurden, und einem Zuschuß aus der Kirchenkasse. Recht erheblich sind die Leistungen unserer vier Frauenvereine für diesen Zweck. Es wurden abgeliefert: 117 Bettücher, 18 wollene Kolter, 28 Kolterbezüge, 25 Federkissen, 130 Kissenbezüge, 74 Unterlagen, 405 Handtücher, 26 Rerztehandtücher, 24 Tellertücher, — 32 — 18 Küchenhandtücher, 24 Messertücher, 72 Mundtücher, 50 viereckige Verbandtücher, 74 dreieckige Verbandtücher, 150 Taschentücher, 4 Wolldecken, 7 große Spreukissen, 88 kleine Spreukhsen, 5 Trsatzluftkissen, 120 Bezüge für kleine Kissen, 20 Kopfrollen mit 40 Bezügen, 5 lange Kapokkissen mit 6 Bezügen, 12 Gperationsmäntel für Uerzte, 59 Hemden, 13 alte Hemden, 12 Schlitzhemden, 13 Unterhosen, 19 Unterjacken, 79 paar Filzschuhe und Pantoffeln, 22 paar Strümpfe, 10 paar Lazarettstrümpfe, 14 Leibbinden, 2 Paar Stauchen, 14 paar gestrickte Bettschuhe, 9 Scheuertücher, 150 Waschlappen, 18 Topflappen, 1 wäschesack mit altem Leinen zu Tupftüchern. Worte zum Nachdenken in der Nriegszeit. Tracht' immer heiliger zu werden, $o lang du lebest hier auf Erden. Denk: heut' will ich fangen an, Ich Hab bisher noch nichts getan. Tersteegen. * * * Fröhlich unsre Arbeit tun, Erst, wenn sie vollendet ruhn,- Treu im Großen und im Kleinen, So liebt Gott es an den Zeinen. F. F l i e d n e r. Rufs Ewige hoffst du: warum verlangst du so sehr nach dem Zeitlichen? Die zukünftige Stabt suchst du, warum verlangst du hier nach «einer bleibenden Stabt ? Du wünschest zu Ehristo zu kommen: warum fürchtest du dich vor dem Tod? Den Tod fürchtet der, welcher nicht zu Ehristo kommen will oder kann. Ioh. Gerhard. wir haben hinieden die Heimat noch nicht, Die Heimat ist droben im himmlischen Licht. Ruf Erden muß ringen und dulden das Herz, Dort oben verstummet die Klag' und der Zchmerz. Nur wer seines Bürgerrechts im Himmel gewiß ist, ist schon hinieden ein seliger Mensch, wer fest bleibt im Glauben, und treu in der Liebe, dem wird auch die Hoffnung des ewigen Lebens zur seligen Erfüllung werden. G konntet ihr es sehen, nur einen Augenblick, Dies ew'ge Vaterhaus, dies namenlose Glück, Die Freud' und Herrlichkeit, die folgt auf Leid und Schmach; Ihr ließet alles steh'n und folget Ehristo nach. * * wenn wir in der Erfüllung unserer Pflichten nicht nur im großen und ganzen auf Äen willen Gottes achten, sondern bis ins Kleinste hinein uns der Treue und Gewissenhaftigkeit befleißigen, so wird uns gewiß der Zegen Gottes begleiten auf allen unsern wegen. kirchliche Anzeigen. Zonntag, den 2 7. Februar, Sexuagesimae. Gottesdienst. In der Stadttirche. vormittags 9Ve Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 6 Uhr: pfarrassistent Hoffman n. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäus- und Markusgemeinde. Dienstag, den 1. März, nachmittags 4 Uhr, im Matthäussaal : Frauenmissionsverein. Diejenigen Mädchen unter 17 Jahren, welche die Kon- firmanden-vereinigung der Matthäusgemeinde besuchen, werden gebeten, sich behufs Ausstellung einer Ausweiskarte Sonntag, den 27. Februar, vormittags 11 Uhr, im Pfarrhaus, Kirchstraße 1, einfinden zu wollen. In der Zohanneskirche. vormittags 9V* Uhr: Pfarre? Ausfeld, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Iohannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde. Mittwoch, den 1. März, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Auzfeld. T Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Edgar Bor rmann,Giessen Neustadtll Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. Küchengeräte,SolingerStahl waren.landwirtschaftl.Maschinen u.Geräte, Vogelkäfige u. 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